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Liebe Leser, das muss der Neid den Kölnern lassen: ihr diesjähriges CSD-Motto war das bundesweit

Liebe Leser,

das muss der Neid den Kölnern lassen: ihr diesjähriges CSD-Motto war das bundesweit beste! „Unsere Freiheit hat Geschichte“ lautete der Slo- gan. Er macht sofort das farbenfrohe Bild einer politischen Emanzipa- tionsbewegung auf, die sich mit den schillernden Paraden ihren gesell- schaftlichen Freiraum erkämpft hat. Bei aller Kritik an Kommerzialisie- rung und Entpolitisierung: der CSD ist immer noch mehr als eine inhalts- leere Party. Hier zeigt eine gesellschaftliche Minderheit kraftvoll Präsenz. Schwule und Lesben genießen in der Bundesrepublik 40 Jahre nach Stonewall zwar weitgehende Freiheiten; das Allgemeine Gleichstellungsgesetz schützt sie sogar ausdrücklich vor Diskriminierung. Der Weg dorthin jedoch war steinig. Bis vor 20 Jahren wurden Homosexuelle im Osten Deutsch- lands durch die Stasi drangsaliert. Im Westen wurde der Paragraph 175 Mitte der 90er-Jahre erst abgeschafft, als die Wiedervereinigung eine Rechtsangleichung erzwang. Dagegen wirken manche politischen Forderungen von heute, so berechtigt sie sein mögen, wie Luxusprobleme. Erst recht, wenn man über den heimischen Tellerrand blickt. Auf Jamaika etwa wird Sex zwischen Männern mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft. In Russland sind homosexuelle Handlungen legal – Pride-Aktivisten aber werden brutal zusammengeknüppelt. China hat Homosexualität erst 2001 von der Liste der Geisteskrankheiten gestrichen, offiziell gilt sie dennoch weiter als dekadenter, kapi- talistischer Lebensstil. In sieben islamischen Ländern sind Homosexuelle von der Todesstrafe be- droht. In Litauen wurden CSD-Besucher mit Kuhscheiße beworfen, in Israel setzten sich eigentlich tief verfeindete Religionsführer an einen Tisch, um den WorldPride in Jerusalem zu verhindern. Die Menschenrechte von Homosexuellen werden weltweit außer Kraft gesetzt, ihre Würde missachtet. Unsere Freiheit hat Geschichte. Es ist die einer Bürgerbewegung, die mit einer Schlägerei in New York begann und hierzulande in der Eingetragenen Lebenspartnerschaft einen vorläufigen Höhe- punkt feierte. Und die noch längst nicht am Ende ist: unsere Freiheit ist auch ein Auftrag. Schwule und Lesben brauchen überall dort Solidarität, wo ihre Rechte beschnitten werden, ihr Leben bedroht ist. Das gilt übrigens auch in Deutschland, in Hamburg. Denn Gewalt und Intoleranz sind leider auch hier noch längst nicht Geschichte.

Viel Spaß beim Lesen!

Stefan Mielchen

Chefredakteur

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