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Prof. Karl-Heinz Reuband

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Soziologie II

Erhebungsverfahren II

Sommersemester 2012

Beobachtung

Alkoholkaufverhalten im Supermarkt

Christian Demmler

BA Geschichte (KF) / Politikwissenschaft (EF), 14. Fachsemester

Matrikelnr. 1769366

christian.demmler@hhu.de

0177/3305865

Fragen und Hypothesen

Als eine Grundfrage der vorliegende Studie sollte das Alkohol-Kaufverhalten auf Unter- schiede zwischen männlichem und weiblichem sowie dem Kaufverhalten in gemischten Gruppen untersucht werden. So sollten etwa weitverbreitete Vorurteile wie jenes, dass Män- ner mehr trinken und besonders zum Bier greifen, während Frauen sich allgemein eher zu- rückhalten, auf quantitativem Wege nachgegangen werden. Weiterhin sollte geklärt werden, welche Rolle das Wetter auf das Einkaufverhalten spielt. Hierzu wurde im Vorfeld angenom- men, dass bei schönerem Wetter auch Freizeitaktivitäten wie etwa Grillen zunehmen, und dass allgemein die Möglichkeit wächst, gesellige Abende außen zu verbringen, wobei häufig Alkohol konsumiert und damit auch gekauft wird. Weiterhin wurde angenommen, dass be- sonders am Wochenende und zu später Stunde mehr Alkohol gekauft werden würde.

Studienkonzeption

Wahl des Beobachtungsorts

Zur Untersuchung des Alkoholkaufverhaltens wurde versucht, einen Supermarkt zu selektie- ren, der aus Kundensicht dem Alkoholkauf keine Hindernisse entgegensetzt, und der von ei- nem möglichst breiten Publikum frequentiert wird. So fiel die Wahl letztlich auf den REWE- Markt in 40597 Düsseldorf-Benrath, Hauptstraße 6-8. Dieser Markt ist verkehrstechnisch gut zu erreichen (unmittelbare Nähe zur Straßenbahnhaltestelle Urdenbacher Allee und zur S- Bahn-Station Benrath) und grenzt direkt an die Benrather Fußgängerzone und den Schloss- park an. Die Filiale hat weiterhin lange Öffnungszeiten (Mo.-Sa. 7.00-24.00). Aus diesen Gründen ist der Markt bei Jugendlichen aus den umliegenden Stadtteilen sehr beliebt, die sich hier am Wochenende und abends auf dem Weg in die Innenstadt mit Alkohol eindecken kön- nen, wird aber auch von eher gesetztem Publikum stark frequentiert. Insgesamt traten im Be- obachtungszeitraum keine Phasen auf, in denen der Markt auch nur annähernd menschenleer gewesen wäre Zudem verfügt der Markt über einen mit reichhaltigem Sortiment ausgestatte- ten, separat angegliederten Getränkemarkt, was sich nicht nur für die Käuferschaft sondern auch für den Beobachter als vorteilhaft herausstellen sollte: So konnten die Beobachtungen von einem zentralen Punkt, dem Übergang zwischen Getränkemarkt und regulärem Markt, durchgeführt werden. Hier befanden sich auch der Großteil der Kassen des Marktes, so dass in den meisten Fällen der eigentliche Kauf der aufgenommenen Getränke direkt verifiziert werden konnte. Dies stellte jedoch kein Kriterium für die Aufnahme des Kaufvorganges dar, da sich auch im rückwärtigen Bereich außer Sichtweite noch Kassen befinden.

Abhängige Variablen

Zur genaueren Kategorisierung des Alkoholkaufverhaltens bezüglich der oben angerissenen Fragen mussten Variablen sowohl zu den gekauften Produkten als auch zu den dazugehörigen Käufern erfasst werden.

Bezüglich der alkoholischen Getränke wären denkbar gewesen, eine große Vielzahl von Variablen zu erheben (etwa: Marke/Produkt, Alkoholgehalt, Mischgetränk oder „klassisches“ alkoholisches Getränk, Preisniveau etc.), was aber in der Praxis mit sehr großem Druck zur Identifizierung der gekauften Getränke verbunden gewesen wäre. Dies hätte somit die quanti- tativ vollständige Zählung aller Kaufvorgänge in einem Zeitraum enorm erschwert. Somit wurde die Entscheidung getroffen, lediglich grob zwischen bierbasierten, weinbasierten und schnapshaltigen Getränken zu unterscheiden, was aufgrund der unterschiedlichen Flaschen- formen in der Praxis keine Schwierigkeit darstellen sollte. Hierbei ist im Übrigen anzumer- ken, dass während der Beobachtung augenscheinlich nur ganz vereinzelt Mischgetränke ge- kauft wurden, die überwiegende Mehrheit der Einkäufe entfiel auf klassisches, unvermischtes Bier und ebenso unvermischten Wein bzw. Sekt. Dass dieses Verhältnis von Mischgetränken wie den sogenannten Alkopops zu den klassischen Getränken nicht erhoben wurde, erscheint im Rückblick schade, wurde dies doch gerade in der Erwartung von Großeinkäufen durch Jugendliche unterlassen, wo Medienberichten zufolge Alkopops klar dominieren würden. Dies wäre anhand der ähnlichen Aufmachung der gesamten Produktlinie etwa von Bier und Biermischgetränken durch die Hersteller sowie den anzunehmenden Mischkäufen (etwa: 2 Pils, 2 Radler, 1 Leichtbier und 1 Weizenbier mit Grapefruit) im gegebenen Beobachtungs- zeitraum kaum adequat und präzise zu unterscheiden gewesen

In der Durchführung der vorliegenden Studie wurde zudem das Augenmerk auf eine mög- lichst komplette quantitative Erfassung bei gleichbleibenden Beobachtungsbedingungen ge- legt, was mit nur einem einzelnen Beobachter auch die zur Verfügung stehenden Käufervari- ablen stark limitierte. So wurde schon in der Vorbereitung die Idee verworfen, das Alter der oder des jeweiligen Käufer(s) als quantitative Variable zu erheben. Eine verlässliche Einord- nung des Alters aufgrund der äußeren Erscheinung ist der Erfahrung nach schwierig, eine aktive Befragung der Käufer nach ihrem Alter wiederum hätte die Beobachtung weiterer Kaufvorgänge unterbrochen. Auch die Idee, die Jugendhaftigkeit der Käufer anhand von Ausweiskontrollen seitens der Kassierer zu objektivieren, erwies sich als ungeeignet, da je nach Andrang an den Kassen und den jeweiligen Kassierern stark unterschiedliche Kontroll- verhalten zu vermerken waren. Zudem kommunizierte die Marktleitung über Plakate und

Aushänge zum Kunden und somit wohl auch den Kassierern zumindest das hehre Ziel. dass in diesem Geschäft ausnahmslos alle alkoholischen Getränke nur mit Ausweiskontrolle verkauft werden sollten, was diese Variable gänzlich unbrauchbar erscheinen ließ.

Somit wurde lediglich das Geschlecht der Käufer erhoben, was sich in allen vorliegenden Einkaufvorgängen dem eigenen Eindruck nach zuverlässig feststellen ließ. Gleichzeitig wur- den gemischte Gruppen, in denen Männer und Frauen Alkohol offensichtlich für den gemein- samen Konsum kauften, separat aufgezeichnet. Allgemein war die Handhabung von Gruppen jene, dass keine spezifische Trennung zwischen Einzelpersonen und zusammengehörigen Personen getroffen wurde, wenn eine einzelne Person die alkoholischen Getränke zur Kasse beförderte. Wenn hingegen in irgendeiner Weise zusammengehörig erscheinende Personen jeweils eigene Getränke mit sich führten, wurden diese als separate Einkäufe aufgefasst. Auch der Kauf unterschiedlicher Getränketypen durch die gleiche Person wurde Dies ließ im Ver- lauf der Beobachtungen bereits eine Unterrepräsentierung von gleichgeschlechtlichen Grup- pen zu Tage treten, die oftmals größere Mengen, etwa einen Kasten Bier, einkauften, in der Studie jedoch gleich gezählt wurden wie ein Käufer mit einer einzigen Flasche. Dieses Prob- lem wurde während der Zählung bereits erkannt, konnte jedoch ohne einen Neustart nicht mehr korrigiert werden. Dies muss somit bei der Auswertung der Ergebnisse relativierend berücksichtig werden.

Erklärende Variablen

Zur Erklärung des Kaufverhaltens wurden zunächst Datum (somit auch Wochentag) und Uhr- zeit der Beobachtung erhoben. Daraus ergab sich die Möglichkeit, die Kaufvorgänge etwa mit dem Wochenende (d.h.: Freitags oder Samstags) auf Korrelation zu überprüfen. Insgesamt wurden 4 von 14 Beobachtungen am Wochenende gemacht, was dem numerischen Anteil der beiden Tage an der Gesamtwoche entspricht. Weiterhin fand während des Beobachtungszeit- raums ein deutlicher Wetterumschwung statt, quasi von Winter zu Frühling, statt, der über zunehmende Aktivitäten im Freien auch mit einem Wandel des Alkoholkaufverhaltens zu- sammenhängen dürfte. So wurden über frei verfügbare Online-Datenbanken (wetter.com und wetteronline.de) die folgenden Wetterdaten für den Standort Düsseldorf am jeweiligen Beo- bachtungstag zusammengetragen: Mindesttemperatur, Höchsttemperatur, Niederschlagsmen- ge und Sonnenstunden. Diese Wetterdaten bewegten sich dabei im folgenden Rahmen (Tab.

Tabelle 1: Wetterparameter

 

min

max

Ø

Median

σ

Tagestiefststemperatur (°C)

-4,7

12,1

5,7

6,45

4,8

Tageshöchsttemperatur (°C)

4,1

24,3

15,4

17,15

6,5

Niederschlag (mm)

0

3

0,3

0

0,8

Sonnenstunden (h)

0,8

12,5

6,7

6,1

3,7

Durchführung der Beobachtung

Wie sich im Laufe der Beobachtung schnell herausstellte, bietet der ausgewählte Supermarkt einen großen Vorteil, um die ausgewählten Daten zuverlässig und ohne Beeinträchtigung der Kunden zu erheben: So befindet sich der Getränkemarkt direkt neben dem Hauptkassenbe-

reich und lässt sich nur durch einen Eingang betreten oder verlassen. Diese Stelle wurde als Beobachtungspunkt ausgewählt. So wurden auch alle unerwünschten Effekte vermieden, die daraus hätten resultieren können, dass sich die Kunden beim Kauf von Alkohol beobachtet fühlen würden. Um die Datenerhebung zudem nicht ständig gegenüber dem Marktpersonal oder den Kunden erklären und rechtfertigen zu müssen, wurden die Aufzeichnungen nach den ersten vier Beobachtungsdurchgängen auch nicht mehr mit Papier und Stift festgehalten, son- dern auf dem Handy eingetippt, was eine deutlich unauffälligere Außenwirkung ergab. Um einen breiteren Überblick für verschiedene Tage und Uhrzeiten zu erhalten, sowie auch um die Konzentrationsfähigkeit des Beobachters nicht überzustrapazieren, wurden jeweils nur

So wurden zwischen dem 27.3.2013 und dem

kurze Beobachtungszeiträume gewählt

3.5.2013 insgesamt 14 jeweils 5-minütige Beobachtungen durchgeführt, in deren Rahmen 58 Einkaufsvorgänge gezählt wurden. Die beobachteten Zeiträume lagen dabei allesamt zwi-

schen spätem Nachmittag und Abend, wo der Großteil der Alkoholeinkäufe vermutet wurde (früheste Beobachtung: 16:00, späteste Beobachtung: 22:00, Median: 18:40).

Ergebnisse

Insgesamt wurden über 14 Beobachtungen à 5 Minuten 58 Kaufvorgänge festgehalten, was einer Frequenz von 0,83/min entspricht. Davon entfielen 26 (44,8%) auf männliche, 25

(43,1%) auf weibliche und 7 (12,1%) Vorgänge auf gemischte Käufergruppen. Eine allgemei- ne Dominanz von weiblichen oder männlichen Käufern ließ sich somit nicht feststellen. Ähn- lich ausgewogen stellen sich auch die Gesamtzahlen nach Getränketyp aufgeschlüsselt dar: 25 Bierkäufen (43,1%) stehen 24 Weinkäufen (41,4%) und 9 Spirituosenkäufen (15,5%) gegen- über.

Tabelle 2: Übersicht der Kaufvorgänge

 

Biergetränke

Weingetränke

Spirituosen

Gesamt

Männer

17

(29,3%)

7 (12,1%)

2

(3,4%)

26

(44,8%)

Frauen

6 (10,3%)

15

(25,9%)

4

(6,9%)

25

(43,1%)

Gemischte Gruppen

2 (3,4%)

2 (3,4%)

3

(5,2%)

7 (12,1%)

Gesamt

25

(43,1%)

24

(41,4%)

9 (15,5%)

58

(100%)

Hingegen lassen sich aus den Summen der Kaufvorgänge nach Geschlechtern und Getränke- typen aufgelistet durchaus erste Schlüsse ableiten. Somit fallen insbesondere zwei Kombina- tionen besonders ins Gewicht: Männer - Bier (29,3%) und Frauen - Wein (25,%). Dies scheint dem oberflächlichen Eindruck nach zumindest das gängige Klischee zu stützen, nach dem Männer eher zum Bier greifen, wobei jedoch von Zurückhaltung der Frauen keine Rede sein kann; bezieht man den durchschnittlichen Alkoholgehalt der gekauften Alkoholtypen in die Rechnung ein, ergibt sich insgesamt eher das Bild, dass Frauen größere Mengen an Reinalkohol einkaufen. Weiterhin ist die eingangs erwähnte Verzerrung zu berücksichtigen, dass Gruppenkäufe in dieser Auflistung nur als einzelne Kaufvorgänge gezählt wurden. Da- von betroffen waren insbesondere Biergetränke, die häufig in größeren Einheiten über die Theke gingen (Six-Packs und Kästen), so dass sich den Beobachtungseindrücken gemäß der Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Biertrinkern etwas auflösen dürfte, denen zufolge männliche Bierkäufer eher als Einzelkunden auftraten und tendenziell eher geringe Mengen abnahmen, während weibliche Bierkäufer vor allem in Gruppen auftraten und dem- entsprechend auch größere Verpackungseinheiten abnahmen.

Korrelationen

Es lassen sich mehrere starke positive und negative Korrelationen zwischen den Variablenty- pen nachweisen. Die stärksten negativen Korrelationen bestanden dabei allesamt mit der Ta-

gestiefsttemperatur, was insbesondere für Weinkäufe (-0,59), weibliche Weinkäufe (-0,54), weibliche Käufer (-0,54) und auch der Gesamtzahl der Einkäufe (-0,53) nahelegt, dass kühle- re Nachttemperaturen sich tatsächlich positiv auf den Alkoholkauf auswirken. Jedoch könnte sich dies durchaus auf einen Ausreißer in der Datenaufzeichnung zurückführen lassen, bei dem an einem besonders kalten Tag (30.03.2013, Tageshöchst/tiefsttemperatur: 4,1/-2,0°C) insgesamt 6 Weinkäufe verzeichnet wurden. Doch selbst unter Vernachlässigung dieser Stichprobe ergaben sich für Frauen (-0,43), Wein (-0,40), Gesamtkäufe (-0,37) und auch weibliche Weinkäufe (-0,36) noch recht deutlich ausgeprägte negative Korrelationen mit der Tagestiefsttemperatur. Interessanterweise bestanden entgegen der ursprünglichen Annahme, dass steigende Außentemperaturen über gesellige Aktivitäten im Freien sich positiv auf den Alkoholkonsum auswirken dürften, fast keine positiven Korrelationen zwischen den Tempe- raturvariablen und den erwähnten Kategorien von Alkoholkaufvorgängen. Lediglich hinsicht- lich der Spirituosen ließen sich geringe positive Korrelationen beobachten (0,16 bzw. 0,17 für Mindest- und Höchsttemperatur), noch am stärksten bei männlichen Schnapskäufern (0,34 bzw. 0,25 für Mindest und Höchsttemperatur).

Hingegen scheint zwischen dem Verkauf von hochprozentigen Getränken und der Anzahl der Sonnenstunden am jeweiligen Tag eine starke Korrelation zu bestehen (0,63), gleichzeitig ergaben sich deutliche Korrelationen zwischen Sonnenstunden und dem Auftreten weiblicher Bier- (0,49) und Schnapskäufer (0,38) als auch Spirituosenkäufen in gemischter Gruppe (0,37). Die Korrelation zwischen Sonnenstunden und den Einkäufen gemischter Gruppen fällt hingegen eher neutral aus (-0,08) – jedoch stehen hier einer deutlichen Tendenz zum Schnapskauf an sonnenreichen Tagen (0,37) fast ebenso deutlichen negativen Korrelationen bezüglich Bier (-0,33) und Wein (-0,21) gegenüber.

Niederschlag wiederum kam innerhalb der Beobachtung nur an vier Testtagen vor, davon nur einmal mit Mengen über 1mm, und scheint insgesamt in positiver Richtung mit dem Kaufverhalten zu korrelieren (0,33). Diese positive Korrelation mit regnerischem Wetter lässt sich insbesondere auch am Alkoholkauf von Frauen (0,41) und den Schnapskäufen gemisch- ter Gruppen (0,48) beobachten. Dabei scheinen lediglich weibliche (-0,24) und männliche (-0,15) Spirituosenkäufe überhaupt nennenswert negativ von Niederschlag beeinflusst zu werden.

Die eingangs vorgetragene Hypothese, dass besseres Wetter an sich das Alkoholkaufver- halten steigern würde, muss demnach modifiziert werden – vor allem bei Frauen und ge- mischten Gruppen schienen sich die Umgebungsfaktoren „kühl und regnerisch“ positiv auf

den Alkoholkauf auszuwirken, wohingegen männliche Käufer fast nicht von Wetterfaktoren in ihrem Kaufverhalten beeinflusst wurden (Korrelation 0,12). Insgesamt schien nur der Verkauf von Spirituosen wirklich von positivem Wetter zu profitieren.

Deutlich ausgeprägte positive Korrelationen bestanden hingegen erwartungsgemäß zwi- schen der Variable Wochenende (d.h. Freitag oder Samstag) und Bierkäufen in gemischter Gruppe (0,65), Bierkäufen (0,60), männlichen Bierkäufen (0,54), gemischten Gruppen (0,52) und auch den Gesamtkäufen (0,46). Hingegen ging der Verkauf von Spirituosen am Wochen- ende recht deutlich zurück (-0,40). Fast ebenso aussagekräftig wie die erwähnten starken Kor- relationen sind in vielen Fällen auch die gegenteiligen Verdikte. Während nämlich männliche Bierkäufe recht stark mit dem Wochenende korrelierten (0,54), verhielten sich männliche Wein- (-0,32) und Spirituosenkäufe (-0,26) entgegengesetzt. Auch weibliche Spirituosen- (-0,40), und Bierkäufe (-0,18) schienen am Wochenende eher zurückzugehen, während die Weinkäufe gleichzeitig deutlich anstiegen (0,31).

So muss die eingangs angesprochene Vorstellung von durchweg steigendem Alkoholkon- sum am Wochenende zumindest insofern ergänzt werden, dass gleichzeitig eine Verlagerung des Kaufinteresses weg von Spirituosen und hin zu leichteren Getränken wie Bier und Wein auftritt.

Die Uhrzeit der jeweiligen Beobachtung hingegen korrelierte innerhalb der vorliegenden Grenzen (16:00 bis 22:00) insgesamt schwach negativ mit den Alkoholverkäufen (-0,22). Le- diglich für die Spirituosenkäufe gemischter Gruppen lässt sich eine starke positive Korrelation festhalten (0,55), dem folgten mit deutlichem Abstand weibliche Bierkäufe (0,20). Hingegen korrelierten Weinkäufe in gemischter Gruppe (-.0,32) weibliche Schnapskäufe (-0,31) und männliche Bierkäufe (-0,27) am stärksten negativ mit der Uhrzeit der Beobachtung. Insge- samt scheinen männliche (-0,29) und weibliche (-0,24) Käufer eher frühere Einkäufe zu präfe- rieren, lediglich gemischte Gruppen traten mit fortschreitender Stunde in geringem Maße häu- figer auf (0,11). Somit ergibt sich mit fortschreitender Stunde das Bild, dass insgesamt weni- ger Käufer und gleichgeschlechtliche Gruppen auftraten, sondern häufiger in gemischten Gruppen gekauft wurde und tendenziell von Bier und Wein zu Spirituosen übergegangen wurde.

Zusammenfassung und Analyse

Bezüglich des geschlechterspezifischen Verhaltens ergab die Beobachtung, dass die Hypothe- se von stärkerem Alkoholkonsum bei Männern sich zumindest aus dem vorliegenden Daten

zum Kaufverhalten nicht stützen lässt; Frauen kaufen annähernd gleich oft alkoholische Ge- tränke, und greifen oftmals zu höherprozentigen Getränketypen: Tatsächlich wurde eine stär- kere Präferenz von männlichen Käufern für Bier vorgefunden, während Frauen Wein und Spirituosen zu bevorzugen schienen, was zumindest die Hypothese vom höheren Bierkonsum bei Männern zu stützen scheint. Des Weiteren ergaben sich zwischen Männern, Frauen und gemischten Gruppen in Hinblick auf viele andere Umgebungsvariablen voneinander abwei- chende Korrelationen: Während für Männer die Wetterbedingungen kaum eine Rolle spielten, sondern sich lediglich das Wochenende in relativ geringem Maße auf das Konsumverhalten auswirkte, wurden Frauen und gemischte Gruppen anscheinend stark von Wetterfaktoren in ihrem Verhalten beeinflusst. Die Einkaufshäufigkeit gemischter Gruppen unterlag darüber hinaus auch mit dem Wochenende starken Schwankungen. Somit lassen sich zumindest die trivial anmutenden Aussagen treffen, dass das Alkoholkaufverhalten von männlichen, weibli- chen und gemischten Käufergruppen voneinander abweicht, und dass Änderungen der ge- nannten Umgebungsvariablen sich unterschiedlich stark, und in einigen Fällen sogar in entge- gengesetzte Richtungen auswirken. Somit bestätigen die vorliegenden Daten das Vorhanden- sein geschlechtsspezifischen Kaufverhaltens bezüglich alkoholischer Getränke, wenn sich auch über die quantitativen Ausprägungen dieser Unterschiede auf Grundlage der vorliegen- den Beobachtung nur sehr bedingt Aussagen treffen lassen.

Die Hypothese, dass schönes Wetter den Alkoholkonsum anheizt und damit die Verkäufe anwachsen, lässt sich so ebenfalls nicht in den vorliegenden Daten wiederfinden. Vielmehr schien innerhalb des Beobachtungszeitraums von Ende März bis Anfang Mai vor allem nass- kaltes Wetter die Verkaufsfrequenz von Alkohol zu steigern. Dabei ist jedoch die gegenläufi- ge Tendenz auffallend, dass an sonnenreichen Tagen besonders oft zu Spirituosen gegriffen wurde.

Der Beginn des Wochenendes wirkte sich hingegen annähernd so aus wie vorhergesehen, und ging mit insgesamt steigenden Alkoholverkäufen einher. Hier vollzog sich gleichzeitig eine Verlagerung der Käufe hin zu Bier und weg von Schnaps. Gleichwohl ist festzuhalten, dass der Beginn des Wochenendes so gut wie keine Auswirkungen auf die Einkäufe von Frauen zeigte.

Mit fortschreitender Stunde schließlich war, in augenscheinlichem Widerspruch zur Aus- gangsvermutung, eher ein leichter Rückgang der Kaufhäufigkeit verbunden. Jedoch zeigten sich auch hier wieder starke Unterschiede im geschlechterspezifischen Kaufverhalten, näm- lich eine Verlagerung weg von rein weiblichen oder männlichen Einkäufen hin zu gemischen

Gruppen, und hierbei wiederum besonders stark zum Kauf von Spirituosen. So kann die Hy- pothese vielleicht in der reinen Alkoholmenge, die über die Ladentheke ging, doch noch ge- halten werden.

Spätestens an diesem Punkt muss jedoch erneut betont werden, dass die gewählte Auf- zeichnungslogik, welche keine Unterscheidung zwischen Einzel- und Gruppenkäufern traf und auch die Menge der gekauften Getränke unklar ließ, eine ernste Einschränkung für die Aussagekraft der vorliegenden Beobachtung und die Übertragbarkeit auf das tatsächliche

Konsumverhalten darstellt. Wenn unklar ist, ob sich hinter einem Einkaufvorgang eine fünf- köpfige Gruppe verbirgt, die einen Kasten Bier kauft, oder vielmehr ein einzelner Käufer mit einer ebensolchen Flasche, gibt letztlich die Verkaufsfrequenz nur einen unzureichenden Ein- druck wieder. Dieses Problem gälte es bei einer zukünftigen Beobachtung zu umgehen, indem die Aufzeichnungen im Sinne von „5 Männer, 24 Bier“ bzw. „1 Mann, 1 Bier“ ausgeführt

würden-

Gleichzeitig wirft eine zufällig auftretende, recht stark negative Korrelation (-0,50) zwi- schen Wochenende und Sonnenstunden innerhalb der aufgezeichneten Beobachtungstermine einige Zweifel auf die Validität der angesprochenen Korrelationen und der darauf ruhenden Schlüsse. Weiterhin ergibt sich interessanterweise fast keine Korrelation zwischen den Son- nenstunden und der jeweiligen Tiefsttemperatur (-0,06) des Beobachtungstages, und sogar eine konterintuitive schwach positive Korrelation mit der Niederschlagsmenge (0,20); Damit wäre zur Klärung des abstrakten Begriffs „gutes Wetter“ unter Umständen die Bildung einer aggregativen Variablen, die Faktoren wie die Temperatur, die Sonnenstunden und die Nieder- schlagsmenge in dem menschlichen Empfinden entsprechender Gewichtung (gemäß statisti- scher Erhebung von Daten aus möglichst ähnlichen kulturellen und klimatischen Bedingun- gen) aufnimmt, notwendig. Dies war jedoch im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht mehr zu gewährleisten.

Anhänge

Anhang 1: Korrelationstabelle

 

Wochentag

Uhrzeit

Min. Temp

Max. Temp

Wochenende

Niederschlag

Sonnenstunden

Wochentag

1,00

0,03

-0,21

-0,31

0,78

0,05

-0,46

Uhrzeit

0,03

1,00

0,40

0,32

-0,10

0,07

-0,07

Min. Temp.

-0,21

0,40

1,00

0,83

-0,16

-0,64

-0,06

Max. Temp.

-0,31

0,32

0,83

1,00

-0,35

-0,52

0,30

Wochenende

0,78

-0,10

-0,16

-0,35

1,00

0,00

-0,50

Niederschlag

0,05

0,07

-0,64

-0,52

0,00

1,00

0,21

Sonnenstunden

-0,46

-0,07

-0,06

0,30

-0,50

0,21

1,00

Männer - Bier

0,52

-0,27

-0,02

0,02

0,54

0,08

-0,05

Männer - Wein

0,12

0,06

-0,37

-0,09

-0,32

0,18

0,12

Männer - Spirituosen Frauen - Bier

-0,39

-0,06

0,33

0,25

-0,26

-0,15

0,16

-0,32

0,20

-0,15

0,06

-0,18

0,32

0,49

Frauen - Wein

0,39

-0,22

-0,54

-0,49

0,31

0,30

-0,22

Frauen - Spirituosen

-0,42

-0,31

0,22

0,12

-0,40

-0,24

0,38

Gem. Gruppe - Bier

0,56

0,18

-0,21

-0,39

0,65

-0,10

-0,33

Gem. Gruppe - Wein

0,38

-0,32

-0,47

-0,50

0,44

-0,07

-0,21

Gem. Gruppe – Spir.

0,11

0,56

-0,30

-0,10

0,06

0,48

0,37

Gesamtkäufe

0,50

-0,22

-0,53

-0,38

0,46

0,33

0,14

Männer

0,49

-0,29

-0,08

0,06

0,36

0,12

0,05

Frauen

-0,05

-0,24

-0,55

-0,40

-0,03

0,41

0,33

Gemischte Gruppen

0,48

0,14

-0,48

-0,48

0,52

0,14

-0,08

Bier

0,49

-0,11

-0,15

-0,06

0,61

0,21

0,10

Wein

0,40

-0,22

-0,59

-0,48

0,22

0,21

-0,16

Spirituosen

-0,46

0,11

0,15

0,16

-0,41

0,06

0,62

Anhang 2: Rohdaten

 

Männer

 

Frauen

 

Gemischte Gruppen

Gesamt

Datum

Uhrzeit

Min. Temp

Max. Temp

Niederschlag

Sonnenstunden

Bier

Wein

Spirit.

Bier

Wein

Spirit.

Bier

Wein

Spirit.

 

Mi, 27.3.13

19:00

-4,7

5,6

3

11,5

1

1

0

1

2

0

0

0

1

6

Sa, 30.3.13

16:40

-2,0

4,1

0,1

3,9

1

1

0

0

3

0

1

2

0

8

Do, 4.4.13

17:20

1,1

7,3

0

2,1

0

1

0

0

1

0

0

0

0

2

Sa, 13.4.13

22:00

8,8

14,8

0,1

3,6

1

0

0

0

1

0

1

0

1

4

Mo, 15.4.13

20:20

11,1

19,9

0

6

0

0

0

1

1

0

0

0

0

2

Mi, 17.4.13

20:30

12,1

22,4

0

4,2

0

1

1

0

0

0

0

0

0

2

Do, 18.4.13

18:35

8,7

18,2

0

9,2

3

1

0

0

2

1

0

0

0

7

Do, 18.4.13

18:40

8,7

18,2

0

9,2

1

0

0

0

0

1

0

0

0

2

Mo, 22.4.13

16:15

6,9

16,1

0

11,8

0

0

1

1

0

1

0

0

0

3

Mi, 24.4.13

20:10

5,1

22,5

0

12,5

1

1

0

2

0

0

0

0

1

5

Do, 25.4.13

18:40

7,9

24,3

0

6,2

1

1

0

0

2

0

0

0

0

4

Sa, 27.4.13

18:40

5,0

9,7

1

0,8

3

0

0

1

1

0

0

0

0

5

Mo, 29.4.13

17:40

5,0

14,0

0

5

1

0

0

0

1

1

0

0

0

3

Fr, 3.5.13

16:00

6,6

19,4

0

7

4

0

0

0

1

0

0

0

0

5