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Widerspruch Nr. 4 (02/82) Krise in Gesellschaft und Wis- senschaft (1982), S. 82-91 Autor: Euthymos

Widerspruch Nr. 4 (02/82) Krise in Gesellschaft und Wis- senschaft (1982), S. 82-91 Autor: Euthymos Papadimitriu Rezension

Euthymos

Andr·s Gedˆ: Philosophie der Krise (aus: Marxistische Bl‰tter Nr. 90, S. 322)

Papadimitriu

Die vorliegende Monographie des ungarischen Philosophen Andr·s Gedˆ entspricht dem Anliegen der Reihe ÑZur Kritik der b¸rgerlichen Ideologieì, das darin besteht, Ñdie verschiedenen Erscheinungsformen der b¸rgerlichen und revisionistischen Ideologie der kritischen, d.h. der

ì Im Sinne dieser

prinzipiellen Auseinandersetzung und des ideologischen Klassenkampfes behandelt Gedˆ die Grundfragen der gegenw‰rtigen Krise der b¸rgerli- chen Philosophie (S. 15-54) und zeigt ihre charakteristischen Merkmale sowie ihre Widerspr¸che und ihren apologetischen und antikommunisti- schen Grundgehalt. Auf der Grundlage seines marxistisch-leninistischen Herangehens zeigt der Autor den Stellenwert der ideologischen Klassen- k‰mpfe und ihrer Verwandlungen in unserer Epoche.

marxistisch-leninistischen Analyse zu unterziehen

I.

Im einleitenden Kapitel bietet: Gedˆ eine Problemdarstellung und das Grundgebilde der b¸rgerlichen Krise sowie die Hauptaspekte des b¸rgerlichen Krisenbewufltseins. ÑDem gegenw‰rtigen b¸rgerlichen Denken haftet das philosophische Krisenbewufltsein in zweifachen Sinn an: als Erlebnis der Krise der Philosophie und als Reflexion der

der

Philosophie

der

Krise.ì

Trotz

der

unterschiedlichen

Entw¸rfe

Euthymos Papadimitriu

Krise.ì Trotz der unterschiedlichen Entw¸rfe der Krankheitsbilder der Philosophie und der verschiedenen Einsch‰tzungen und Erkl‰rungsver- suche der Symptome, des Ursprungs und Wesens der Krise ist f¸r Gedˆ das Krisenbewufltsein Ñein gemeinsamer Zug des logischen und des linguistischen Positivismus, des Neopragmatismus und der Ph‰nomeno- logie, des ÑKritischen Rationalismusì und des Ñhermeneutischenì Idea- lismus, also ein allgemeiner Rahmen f¸r die sich in vielen auch unterein- ander streitenden Abarten der gegenw‰rtigen b¸rgerlichen Philosophie.ì

Als Krisenzeichen sieht der Autor die Kommunikationslosigkeit zwi- schen den Philosophen der verschiedenen Richtungen und ihre Desin- tegration infolge deren die gegenw‰rtige b¸rgerliche Philosophie Ñin ihrer Gesamtheit in den Wirbel der Krise unserer Kultur hineingezogen ist.ì (Stegm¸ller). Das philosophische Krisenbewufltsein pr‰gt nicht nur das deutsche b¸rgerliche Denken, sondern wird als Ñein internationales Att- ribut der gegenw‰rtigen b¸rgerlichen Geistigkeitì zugegeben. Nach Ge- dˆ ist dieses Krisenbewufltsein ein Zeichen eines falschen Bewufltseins; denn Ñes faflt die Krise der b¸rgerlichen Philosophie als die der Philoso- phie ¸berhaupt und als Krisenphilosophie wandelt es die Krise des Kapi- talismus in die fatale Krise des menschlichen Seins um.ì

Der Verfall der b¸rgerlichen Welt und der b¸rgerlichen Geistigkeit wird nach Gedˆ im philosophischen Krisenbewufltsein zum MysteriumÑdiese Philosophie betrachtet ihre eigene Dekadenz im Spiegel der Dekadenz, der Tragik der Erkenntnis und des Seins, betrachtet somit die Krise als den nat¸rlichen Zustand der Philosophieì, mindestens als unvermeidli- ches Geschick des Denkens in der Gegenwart. In diesem Krisenbewuflt- sein wird der Zusammenhang zwischen objektiver gesellschaftlicher Wirklichkeit und Philosophie verkehrt: das ÑEnde der Philosophieì er- scheint hier als Quintessenz der reellen Krise und die Suche nach einer anderen Philosophie des ÑLebensì oder des ÑSeinsì als Verheiflung der Rettung.

Dem Autor zufolge ist das b¸rgerliche Bewufltsein nicht f‰hig, Ñdie grundlegenden Bewegungsgesetze des in seine allgemeine Krise gerate- nen Kapitalismus zu erkennen, die Wesenszusammenh‰nge der objekti- ven Totalit‰t zu begreifen und dem dialektischen Materialismus gegen- ¸ber eine umfangreiche philosophische Konzeption zu bilden.ì So wird z.B. die reale Krise in der neopositivistischen, antiphilosophischen Hal-

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tung ignoriert, nicht thematisiert, und die Dialektik von objektiver Reali- t‰t, gesellschaftlicher Praxis und wissenschaftlicher Erkenntnis wird durch das Negieren der Mˆglichkeit eines wissenschaftlich- philosophischen Wissens unterschlagen; und die Folgen der kapitalisti- schen Entfremdung treten als Merkmale der Zerbrochenheit der Welt auf.

Bei der Verk¸ndung des ÑEndes der Philosophieì ist die positivistische Philosophie einer Meinung mit ihrem eigenen Widersacher innerhalb des b¸rgerlichen Denkens, der Philosophie des ÑLebensì und des ÑSeinsì. F¸r Heidegger ist Ñdas Ende der Philosophieì gleichzeitig der Anfang der eigentlichen ñ seiner eigenen - Philosophie.

II.

Im ersten Hauptst¸ck seines Buches (S. 15-54) behandelt Gedˆ Ñdie Krise der gegenw‰rtigen b¸rgerlichen Philosophieì an den Beispielen der ÑKrise und Formwandlung des Neopositivismusì und der ÑKrise u. Formwandlung der Lebensphilosophieì. Er sieht die allgemeine Krise der b¸rgerlichen Philosophie auch in der Wechselfolge der philosophi- schen Moden, an der Formver‰nderung der Hauptrichtungen, die auch ein Ausdruck der Krise der verschiedenen Schulen sind, und an ihren Auffassungen vom Charakter und der Aufgabe der Philosophie, wie sie in den fundamentalen Fragestellungen und Konzeptionen verborgen sind. Eine andere Schicht dieser Krise sieht Gedˆ Ñim Gegensatz und in der Komplementarit‰t von Positivismus und Lebensphilosophieì, die er als die Hauptrichtungen und Aspekte des sp‰tb¸rgerlichen Denkens betrachtet.

Es kann nur schwer auf den wesentlichen Inhalt der einzelnen Darstel- lungen Gedˆs eingegangen werden. Die vielfachen Theorieans‰tze und Konzepte der verschiedenen Richtungen werden als Versuche verstan- den, die Krise des b¸rgerlichen Bewufltseins zu bew‰ltigen. Trotz gewis- ser Formver‰nderungen, die w‰hrend der 60er Jahre sowohl im Positi- vismus als auch in der Lebensphilosophie stattgefunden haben, bleibt die Grundhaltung des ÑEndes der Philosophieì bestehen und ist im logi- schen Positivismus sogar zu einem Relativismus und einer Fetischlsie- rung der formalisierten Sprache entartet. Ein anderes gemeinsames Cha-

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rakteristikum aller Richtungen und Teilsysteme ist, nach Gedˆ, der durchg‰ngige Irrationalismus und die Simplifizierung, d.h. die Verf‰l- schung der Wirklichkeit.

Der linguistische Positivismus f¸hrt den logischen Positivismus fort und setzt sich mit ihm auseinander (Ryle, Austin). Bei dieser Kritik aber bleibt der erkenntnistheoretische Hauptinhalt des logischen Positivismus intakt und verharrt in einer Psychologisierung der Probleme. Die Er- sch¸tterung des linguistischen Positivismus und seiner Krise sucht Gedˆ nicht nur in scheinbar immanent-philosophischen Gr¸nden, sondern in gesellschaftlichen Anstˆflen, bei denen Ñunter den ver‰nderten Verh‰lt- nissen der geistigen Klassenk‰mpfe sowohl der logische wie auch der linguistische Positivismus als unzul‰nglichì sich erwiesen haben.

Karl Poppers Philosophie repr‰sentiert f¸r Gedˆ die neue Formver‰nde- rung des Positivismus in den ÑKritischen Rationalismusì, der eine neue ÑDemarkationslinieì zwischen Wissenschaft und ÑMetaphysikì zu zie- hen versucht und das Verh‰ltnis von Empirie und Theorie ins Zentrum des philosophischen Unternehmens gestellt hat, wobei das Problem der Beziehung von Wirklichkeit und Erkenntnis mittels der These von der Subjektivit‰t aller Theorie beseitigt wurde. Der Autor sieht die Erkl‰rung der groflen Wirkung der Philosophie Poppers auf das ganze b¸rgerliche Denken in seiner korrigierten positivistischen Erkenntnistheorie, die auch f¸r die Gesellschafts- und Geschichtsauffassung geltend gemacht wird.

ÑDie Krise und Formwandlung der Lebensphilosophieì sieht Gedˆ sich auf eine andere Weise als die positivistische Philosophie zu offenbaren. Dies erkl‰rt er aus dem Anspruch der Lebensphilosophie auflerhalb der Wissenschaften und ¸ber ihnen zu stehen. Sogar das Bewufltwerden der Fragw¸rdigkeit ihrer Leitideen wird als Best‰tigung dieser Philosophie gesehen, weil f¸r sie das Erlebnis des ÑHolzwegesì, die Ohnmacht und das Scheitern des Denkens, die Sorge und die Angst als wichtige Lebens- elemente gelten.

Gedˆ betrachtet die seinsphilosophische Orientierung Heideggers als eine blofle Modifizierung des Subjektivismus und Anthropologismus durch eine mystische Pseudoobjektivit‰t, die des ÑSeinsì. Bei Heidegger wird das Sein gewissermaflen anthropologisiert. Er verkn¸pft die ÑSeins-

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philosophieì mit der Sprachphilosophie auf solche Weise, dafl die Spra- che zumal das Haus des Seins und die Behausung des Menschenwesens wird. Da die Sprache doch nicht ohne den Menschen existiere, wohne das ÑSeinì, nach Heidegger, im Hause der menschlichen Sprache, letzten Endes also im anthropologischen Geh‰use. So wird auch die Krise sub- jektiviert und anthropologisiert obwohl sie vom auflermenschlichen Geschick des ÑSeinsì herr¸hre.

Die Schwierigkeiten der Heideggerschen ÑSeinsphilosophieì sieht Gedˆ auch in der ÑHermeneutischen Schuleì erscheinen, da diese sich mit ihrem Begriff von der ÑWahrheit des Seinsì ¸berwiegend an jene Philo- sophie anlehnt. Die Hermeneutik wird als Ñdie Weise der menschlichen Welterfahrung ¸berhauptì betrachtet, und nach Gadamer ist Ñdas Mo- dell der Auslegung von Texten in Wahrheit ein Modell f¸r unsere Welt- erfahrung ¸berhaupt.ì Gedˆ sieht in diesem zur ÑOntologieì geschwol- lenen Prinzip der Textdeutung eine anthropologisch bedingte, idealisti- sche Erkenntnistheorie, die durch ihre Sprachauffassung sich der analyti- schen Philosophie n‰here. Die hermeneutische Philosophie erlitt seit Mitte der sechziger Jahre grofle Ersch¸tterungen und konnte die Ideolo- gie der neuen Geborgenheit nicht garantieren, obwohl sie den besonde- ren Nachdruck nicht so sehr auf das Absolute der Krise legte, sondern viel mehr darauf, dafl Ñdas Handeln und Erkennen des Menschen nicht imstande sei, sich den Banden der Vergangenheit zu entreiflen und diese Vergangenheit das Fatum der Krise im Gefolge habe.ì

III.

Mit der Entstehung des Krisenbewufltseins befaflt sich Gedˆ im zweiten Kapitel, das den Titel Ñdie Struktur der sp‰tb¸rgerlichen Philosophie und die Typen der kapitalistischen Apologieì tr‰gt. Als die zwei Typen dieser Apologie beurteilt der Autor den Krisenmythos, der auf der Lebensphi- losophie basiert und die Ideenwelt der ÑSozialtechnologie'', die sich am Positivismus orientiert. Beide Typen dieser Paralogie bilden Formen des Krisenbewufltseins und stellen Reflexionen der allgemeinen Krise des Kapitalismus dar. ÑDer Krisenmythos l‰flt die gesellschaftliche und ge- schichtliche Bestimmung dieser Krise versehwinden, die Krise des Kapi- talismus in die Nebelwelt des menschlichen Seins verdampfen. Damit wird die Krise gedanklich neutralisiert und als auswegloses Fatum darge-

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stellt, das hinzunehmen sei.ì Die ÑSozialtechnologische Ideologieì legt den Nachdruck auf die Idee der Regulierung und ‹berbr¸ckung der Krise. Sie ist gewillt, das Funktionieren des Kapitalismus zu garantieren und diesen als Ñfreie Weltì zu verteidigen.

Das philosophische Krisenbewufltsein antizipierten nach Gedˆ schon die ersten Formen des Positivismus und der Lebensphilosophie im 19. Jahrhundert. Sowohl Comte, als auch Kierkegaard, Schopenhauer und Nietzsche reflektierten die geistige Krise, welche die historische Wende der Bourgeoisie vorbereitete und begleitete. Der Einflufl des Krisenbe- wufltseins nahm in der neuen Situation w‰hrend und nach dem ersten Weltkrieg zu; weil die Mystifikation zum Wesen der Krisenphilosophien gehˆrt, erscheinen ihre unmittelbaren Erlebnisse im apologetischen Cha- rakter des Krisenmythos, in der Rechtfertigung des ÑUntergangs des Abendlandesì (Spengler, Toynbee) oder in dem anthropologisch- ontologischen Krisenbegriff von Jaspers spiritualistischer Anschauungs- weise.

Es folgt eine Kritik am Vertrauen auf die Allmacht der Vernunft; gleich- zeitig wird das Scheitern des wissenschaftlichen Denkens behauptet, das f¸r das antiintellektualistische philosophische Bewufltsein bezeichnend ist, wie es in den Werken so unterschiedlicher Philosophen wie Berjajew, Bergson, Dewey oder Husserl niedergelegt ist. Sogar die Pragmatisten wie Dewey sahen die Krise als Folge der Wissenschaft und ihrer Spal- tung von der Moral. So wird das Wesen der Krise als moralisches Prob- lem gedeutet; und, um sie zu ‹berwinden, gen¸ge es, eine sittliche Er- neuerung und eine geeignete Moralphilosophie zu suchen.

IV.

Gedˆ untersucht im dritten Hauptst¸ck Ñdie historischen Wandlungen der allgemeinen Krise des Kapitalismus im Spiegel des Krisenbewuflt- seinsì und verfolgt die jeweils vorherrschenden Apologien der Ñpatholo- gischen Entartungen unserer abendl‰ndischen Gesellschaftì (Schumpe- ter). Der Technikfeindlichkeit und der Meinung Jaspers', dafl das Wesen der geistigen Situation im technischen Zeltalter Ñunsere Denkungsart hat technisch werden lassenì, entgegnet Gedˆ, dafl diese Krisen ein ÑAus- druck des Widerspruchs zwischen der wissenschaftlich-technischen Re-

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volution und der gegenw‰rtigen kapitalistischen Produktionsverh‰ltnis- seì ist. Die Krise der Philosophie sei nicht der Technik zuzuschreiben; Ñman kann die kapitalistische Krise nicht auf die Technik ‹bertragen und zwar mit einer Erkl‰rung der Konflikte, die von den gesellschaftli- chen Verh‰ltnissen herr¸hrenì; man kann sie auch nicht auf das anthropologisierende Verh‰ltnis Mensch-Maschine ¸bertragen wie alle antitechnizistischen Krisenphilosophien es tun.

Die heutige Krise und ihre Tendenzen und Modifikationen des b¸rgerli- chen Krisenbewufltseins weisen nach Gedˆ auf einen Phasenwechsel im Prozefl der allgemeinen Krise des Kapitalismus hin. In der zweiten H‰lf- te der sechziger Jahre wurden die geistige Ungewiflheit und das Unbeha- gen in einem Gef¸hl der Verzweiflung und Entartung herauskristallisiert, was zu einer massenhaften Zerstˆrung des Vertrauens in den Kapitalis- mus gef¸hrt hat. Das Bed¸rfnis nach einer neuen Ideologie kennzeichne- te das b¸rgerliche Denken auch in den 70er Jahren, wie es in den ver- zweifelten Versuchen abzulesen ist, dieses Desiderat durch eine Reldeo- logisierung, mit Hilfe einer Synthese von ÑKritischem Rationalismusì, ÑSeinsphilosophieì und ÑHermeneutischem Idealismusì einzulˆsen.

V.

Dem Thema ÑDas Verh‰ltnis von philosophischem Krisenbewufltsein und Marxismusì ist das letzte Hauptst¸ck gewidmet (3.205 ff). Der dialekti- sche Materialismus gilt, nach Gedˆ, als das Gegenteil der philosophi- schen Krise und des philosophischen Krisenbewufltseins. Dieses Krisen- bewufltsein versucht auch den Marxismus in das Krisenbewufltsein ein-

zugliedern, um die These von der Krise der marxistischen Theorie an die Stelle der marxistischen Theorie der b¸rgerlichen Krise zu r¸cken.

Marx hatte betont: ÑAlle Mysterien, welche die Theorie zum Mystizismus veranlassen, finden ihre rationale Lˆsung in der menschlichen Praxis und In dem Begreifen dieser Praxis.ì Die Lˆsung also des Mysteriums des b¸rgerlichen Krisenbewusstseins ist vor allem von der objektiv-realen gesellschaftlichen Praxis abh‰ngig. Zudem Ñist das Krisenbewufltsein gegen¸ber der objektiv-realen allgemeinen Krise des Kapitalismus se- kund‰r und von dieser abh‰ngig; infolgedessen gilt die revolution‰re ‹berwindung dieser objektiv-realen Krise als praktische Lˆsung des

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Krisenbewufltseins.ì (S. 211)

Andr·s Gedˆ zeigt auf der Grundlage seines marxistisch-leninistischen Herangehens durch die Darstellung und Erkl‰rung der b¸rgerlichen Philosophie der Krise den Stellenwert der ideologischen Klassenk‰mpfe und ihre Verwandlungen unter den Bedingungen der Systemauseinan- dersetzungen zwischen Kapitalismus und Sozialismus.

Beim Umfang und Inhaltsreichtum des lesenswerten Buches ist es nicht leicht, zu allen Einzeldarstellungen und Argumentationsketten Stellung zu nehmen. Die kleine Auswahl der aktuellsten Themen und Strˆmun- gen durfte als Anreiz f¸r die Lekt¸re des interessanten Buches dienen. Auch wenn der Leser nicht alles unwidersprochen hinnehmen kann, sind wir der Meinung, dass die im Buch enthaltene Kritik zum Meinungsstreit auffordert und zum ‹berdenken der dargelegten Auffassungen und ihrer weiteren Vertiefung verhilft. Obwohl der Autor manchmal Wiederho- lungen und Vereinfachungen nicht vermeidet, und man sich bei man- chen strittigen Fragen eine noch tiefere Begr¸ndung w¸nschen kˆnnte, ist insgesamt zu sagen, dafl das Studium des Buches zum besseren Ver- st‰ndnis der gegenw‰rtigen Diskussion ¸ber die Krise der Philosophie beitragen kann. Auch erhellt das Buch wesentliche Quellen und Ursa- chen der heutigen philosophischen Situation sowie ihrer sozialen Wur- zeln und der Funktion der Philosophie in den ideologischen K‰mpfen unserer Zeit.

Die ganze Darstellung und Kritik der verschiedenen Theorien bzw. Schulen und ihrer ideologischen Funktion ist theoretisch gut begr¸ndet, und die jeweils behandelten Lehren sind mit grofler Sachkenntnis darge- stellt. Auch wenn man mit manchen Schwerpunktsetzungen nicht abso- lut einverstanden sein kann und sich manche Einsch‰tzungen bestimm- ter und differenzierter vorstellen kˆnnte, mufl man im allgemeinen die Wertung und Darstellung der einfluflreichsten Strˆmungen und Schulen der b¸rgerlichen Philosophie akzeptieren und seiner Erkl‰rung der Krise der Philosophie als Ausdruck der Entwicklung des sozialˆkonomischen und ideologischen Widerspruchs der Gesellschaft, in der wir leben, zu- stimmen.

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