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Universität Philosophische Fakultät Institut für Germanistik

Dozentin:

Referenten:

Schriftliche Ausarbeitung zum gehaltenen Referat mit dem Thema

„Laute und Silben: phonetische und phonologische Aspekte gesprochener Sprache“

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Phonetische Aspekte

2. Phonetische Versprecher und Lautkontrolle

2.1. Ablauf des Lautversprechers

2.2. Lautversprecher

2.2.1. Vertauschung

2.2.2. Antizipation

2.2.3. Postposition

2.2.4. Kontamination

2.2.5. Sonstige Versprecherformen

S.

1

0. Einleitung Die Phonetik ist die Lehre von den Sprachlauten und ein Teilgebiet der Analyse lautsprachlicher Kommunikation, also gesprochener Sprache. Der Verschriftlichung dieser kann das deutsche Alphabet mit 26 lateinischen Buchstaben, drei Umlauten und dem Eszett (ß) bei weitem nicht gerecht werden. Konsequenterweise entwickelten Linguisten, Soziolinguisten, Soziologen, Psychologen und Wissenschaftler anderer Disziplinen eigene Transkriptionssysteme, die wiederum konsequenterweise eigene Konventionen und Richtlinien zur Verschriftlichung beinhalteten. Dass diese besonders auf die eigenen Forschungsziele abzielen, liegt auf der Hand und begründet ein zentrales Problem der Transkriptionsverfahren: die Unterschiedlichkeit der jeweiligen Verfahren und die daraus resultierenden Erschwernis, wenn nicht sogar Verhinderung der disziplinsinternen und -übergreifenden Rezeption und des wissenschaftlichen Austausches. Zum Zwecke der Gesprächsanalyse veröffentlichte die Linguisting und Kommunikationstheoretikern Prof. Dr. Margret Selting gemeinsam mit anderen Autoren das „Gesprächsanalytische Transkriptionssystem“ (GAT) 1 mit einheitlichen Konventionen, die für möglichst unterschiedliche Forschungen geeignet seien sollen. Im Sinne einer Aktualisierung des GAT erfolgte im Jahre 2000 die Veröffentlichung von „GAT 2“, das im Wesentlichen an GAT anbindet. Diesem Transkriptionssystem schließt sich auch Johannes Schwitalla in seiner Einführung „Gesprochenes Deutsch 2 “ an. Dieses Werk war Grundlage für das erarbeitete Referat im Rahmen der Lehrveranstaltung „Deutsche Sprache der Gegenwart II: Text, Gespräch, Varietäten (Teil2)“ zum Thema „Laute und Silben: phonetische und phonologische Aspekte gesprochener Sprache“. Die nachfolgenden Ausführungen sind die Verschriftlichung der im Referat vermittelten Informationen. Die vorangestellten Buchstaben [S] und [W] stehen für den Verfasser des jeweiligen Textabschnittes dieser Hausarbeit (Schneider / Wilhelm).

[S] 1. Phonetische Aspekte

1 (vgl.Selting u.a.1998) //ganze Quelle:

2. Phonetische Versprecher und Lautkontrolle
[W] Die Ursache für Versprecher können auf verschiedenen Ebenen gesucht werden. Die hier genutzte Herangehensweise untersucht Versprecher auf der Ebene des Lautes. Demgegenüber stehen beispielsweise, oft besser untersuchbare Versprecher (weil leichter hörbar) auf der Ebene des Wortes oder der Silbe (morphologische und lexikalische Versprecher).

2.1. Ablauf des Lautversprechers Der phonetische Versprecher, seine verschiedenen Ausprägungen werden nachfolgend vorgestellt, realisiert sich im Moment des Sprechens. Die „geistige Vorarbeit“ ist getan:

Wörter und syntaktische Verbindungen sind vorab festgelegt. Während des Sprechens passiert der Lapsus Linguae, der allerdings nicht unbedingt bemerkt wird. Auf Seiten des Rezipienten liegt die Wahrscheinlichkeit, dass bestimmte Versprechertypen unbemerkt bleiben bei durchschnittlich 75%, in Einzelfällen bei über 80% 3 . Beim Sprecher selbst wird das Ausgesprochene auf dreifachem Wege „kontrolliert“. Das klangliche Ereignis wird durch das Ohr aufgenommen und kontrolliert. Fällt diese Kontrollinstanz weg, beispielsweise bei zu lauten Umgebungsgeräuschen (Disko, Baustelle usw.) bleiben weiterhin die Tastsinnesnerven im Mund. Sämtliche Lautungen evozieren sensorische Druckbilder im Gehirn, das diese mit den zuvor gespeicherten Lauten im Gehirn abgleicht. Zungen, Lippen und Mundraum bilden hier die Kontrollinstanzen. Im Bezug auf obengenannte Umgebungsgeräusche lässt sich anmerken, dass die fehlende akustische Kontrolle durch besonders deutliche und genaue Artikulation ausgeglichen wird. Als drittes Instanz gibt Schwitalla die „propriozeptive Reafferenz, druch welche Informationen über Spannungsänderungen in den Muskelfasern zum Gehirn zurückgeschickt werden 4 “. Letztlich ist die ungestörte Lautkontrolle Vorraussetzung für in freies Sprechen. Wird die Rückmeldung gestört, z.Bsp. durch zeitlich versetzte Wiedergabe des Gesprochenen am Telefon, wird der Sprachvorgang stotternd oder bricht ab, sog. Lee-Effekt. Ein weiterer phonologischer Aspekt, der von Schwitalla vorgestellt wird, ist die Lautfolgewiederholung. Für einen kurzen Zeitraum von 0.2 Sekunden wird die Wiederkehr von benutzten Lauten psychologisch bedingt gehemmt. Nach diesem Zeitraum wird sie befördert und es erklärt sich hieraus die Tendenz, in gesprochener und auch geschriebener Sprache ähnlich lautende Wörter in kurzen Abständen wieder aufzugreifen.

3 Schwitalla, S.42.

ERKLÄREN, dann noch 1.4. Laut(folgen)wiederholungen:- gleiche Laute für 0,2 Sekunden gehemmt, danach Bahnungseffekt→ Probleme bei: Zungenbrecher ↔ Stilistik bei Texten#1.5. Artikulationsweise#- Form des Kontextualisierungshinweises-> sprachlich oder nonverbaler Kontext als Interpretationshinweis des Gesagten

2.2. Lautversprecher

Im Folgenden werden die verschiedenen Arten des phonetischen Versprechers vorgestellt. Grundlegend muss an dieser Stelle darauf verwiesen werden, dass für die Analyse der Lautsprache die Silbe als Ganzheit mehrerer Lautsegmente eine besondere Stellung genießt. Silben sind ein wesentlicher Teil der rhythmischen Gliederung unserer Lautsprache. Die einzelne Silbe wird, unabhängig ihrer speziellen Zusammensetzung aus

speziellen Einzellauten, dreigliedrig definiert:

Über den Lautverlauf innerhalb dieser Silbenteile konnten durch Vennemann 5 Gesetze festgestellt werden. Für die Versprecherforschung ist die Unterteilung ebenfalls von Relevanz, so beispielsweise beim Phänomen der Vertauschung.

Silbenkopf – Silbenkern – Silbenende.

2.2.1. Vertauschung

Das Prinzip der Vertauschung sieht vor, dass nur gleiche Einheiten miteinander vertauscht

werden können, also Silbenanfang mit Silbenanfang, Silbenkern mit Silbenkern usw. Bsp.:

Silbenkern: es ist genull nau uhr

für: es ist genau null uhr [Tagesthemen der ARD vom 27.06.2004]

Silbenende:

fün davonf

für:

fünf davon

[Nachrichtenbeitrag eines Radiosenders]

Von einer Vertauschung spricht man weiterhin nur dann, wenn alles Morpheme in der Summe erhalten bleiben. Besonders häufig tritt diese Form des Versprechers bei Lauten mit gleicher Artikulationsart (Plosiv, Frikativ etc.) auf. Bsp: [p] ↔ [k].

2.2.2. Antizipation

Die Antizipation ist die Vorwegnahme eines Lautes, der erst im Anschluss folgen sollte.

Dabei muss der vorgezogene Laut keinesfalls im direkten Anschluss stehen, sondern kann

sich auch weiter entfernt in einem neuen Wort befinden.

Bsp:

poppellstockbett für doppelstockbett

2.2 .3. Postposition

Hierbei handelt es sich um die Beeinflussung eines Lautes in die entgegengesetzte

Richtung. Bei diesem Nachklang wird ein vorhergehende Laut erneut aufgegriffen.

Bsp: doppeldoppbett

für doppelstockbett

2.2.4. Kontamination

Dieser Versprecher beruht darauf, dass Wörter fälschlicherweise ineinandergeschoben

werden. Auf der Satzebene ist diese Fehlerform durch das falsche Verbinden von

Redewendungen relativ bekannt, auf Wort- und Silbenebene aber ebenso möglich.

2.2.5. Sonstige Versprecherformen

Weiterhin treten fehlerhafte Auslassungen, Hinzufügungen und Einfügungen auf.

3. Quellen.

Schwitalla, Johannes (2003): Gesprochenes Deutsch – Eine Einführung. Bielefeld: Erich Schmidt Verlag, 2.,überarbeitete Auflage.

Selting, Margret et al. (1998): Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem (GAT). In:

Linguistische Berichte 173 (1998), 91-122. GAT-Artikel online http://www.mediensprache.net/de/medienanalyse/transcription/gat/gat.pdf (Stand

21.03.2012)

Selting, Margret et al. (2009): "Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem 2 (GAT 2)". In: Gesprächsforschung - Online-Zeitschrift zur verbalen Interaktion 10 (2009), 353-402. GAT2-Artikel online

Vennemann, Theo (1988): Preference Laws for Syllable Structure and the Explanation of Sound Change. Berlin u.a.