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Windige Mythen – Profitiert Brandenburg tatsächlich von der

Windenergie?

Steffen Hentrich, Liberales Institut, Friedrich-Naumann-Stiftung für die


Freiheit, Potsdam

Brandenburgs Bürger gehen auf die Barrikaden. Der von der


Brandenburger Landesregierung forcierte Wildwuchs der
Windkraftanlagen rüttelt an den Nerven der Bürger. Sie befürchten aber
auch einen Wertverlust ihrer Häuser und Grundstücke, wenn in Kürze
auch noch vom letzten Brandenburger Acker gigantische Windräder ihre
Schatten auf Brandenburgs Gärten werfen. Wer vor einigen Wochen die
rbb-Fernsehsendung „Klipp & Klar“, die sich dem Thema „Sturm in der
Mark – Stoppen Bürger Windräder“ widmete, aufmerksam verfolgte,
konnte recht schnell feststellen, dass der Kampf der Brandenburger
Bürger gegen die Windmühlen ein recht aussichtsloses Unterfangen zu
sein scheint.1 Das liegt nicht etwa daran, dass die sich organisierenden
Bürger keine triftigen Gründe für ihre ablehnende Haltung gegenüber der
Windenergienutzung in ihrer Nachbarschaft haben, sondern an den sich
hartnäckig unter der nicht betroffenen Bevölkerung haltenden Mythen
über die Vorteile der Windenergienutzung in diesem Land. Und so fällt es
Politiker, Umweltaktivisten, Anlagenhersteller und Verpächtern der
Windparkstandorte leicht, den Bürgern mit zweifelhaften Argumenten
nicht nur um eine Menge Geld zu erleichtern, sondern auch noch Applaus
dafür einzusammeln. Solange man hierzulande glaubt, dass die
Förderung der Windenergie irgendetwas zur Realisierung eines
sogenannten „energiepolitischen Zieldreiecks aus Versorgungssicherheit,
Wirtschaftlichkeit sowie Umwelt- und Klimaverträglichkeit“ beiträgt, ist kein
Ende dieser Umverteilungspolitik unter dem Deckmäntelchen der

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Nachhaltigkeit zu erwarten.2 Höchste Zeit das Windenergiemärchen mit


der Realität zu konfrontieren.

Mythos 1: Mit Windenergie kann ein wichtiger Teil der regionalen


Stromversorgung gedeckt werden.

Windenergie ist eine sehr unstetige Energiequelle, die technologiebedingt


nur einen theoretischen Wirkungsgrad von 59 % erlaubt. Tatsächlich kann
eine moderne WKA maximal 50 % der kinetischen Windenergie nutzen.3
Die unstetige Verfügbarkeit des Windes und technische Grenzen der
Windnutzung durch die Anlagen (Abschaltung bei zu hohen
Windgeschwindigkeiten) führen zu einer vergleichsweise geringen Ver-
fügbarkeit der Anlagen. Moderne Anlagen erreichen einen
Kapazitätsfaktor von rund 35%, das bedeutet nur gut ein Drittel der
tatsächlichen Nennleistung der Anlage steht tatsächlich zur
Stromerzeugung zur Verfügung. Die gesamte installierte Nennleistung an
Windkraftanlagen in Brandenburg von 3766,9 MW (31.12.2008) hatte bei
einer potentiellen Jahresleistung von 6530 GWh (DEWI-Magazin Nr. 4,
2009) nur einen Kapazitätsfaktor von 16 %. Im Vergleich dazu weisen
moderne Braunkohlekraftwerke einen Kapazitätsfaktor von ca. 88 %,
Kernkraftwerke von rd. 80 % und Wasserkraftwerke immer noch von 76 %
auf.4

Der geringe Kapazitätseffekt der Anlagen und das häufige


auseinanderfallen von Windenergieangebot und –nachfrage verursachen,
dass der Selbstversorgungsanteil der installierten Windleistung nur
vergleichsweise gering ist. Erst bei einer Jahresproduktion der
Windkraftanlagen, die das fünffache des Jahreseigenverbrauchs der
Brandenburger Stromanbieter beträgt, könnten diese mehr als 60 % des
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Brandenburger Stromverbrauchs aus der Windkraft decken, wobei dann


mehr als 85 % der gesamten Windstromerzeugung in andere Netze
außerhalb Brandenburgs einzuspeisen wären.5 Eine Selbstversorgung mit
Wind würde demnach Flächen erfordern, die weit über das
Flächenangebot des Landes hinausgehen.

Die Unabhängigkeit des Landes Brandenburg von Stromimporten ist


genauso wenig sinnvoll wie die Unabhängigkeit Brandenburgs von
Bananenimporten. Natürlich kann man unter Inkaufnahme enorm hoher
Kosten Energieautarkie herstellen, ebenso wie sich Bananen in
Gewächshäusern produzieren ließen. Viele Brandenburger Bürger
können sich noch gut an die Zeiten vor der Wende erinnern, wie schwer
es ihnen fiel mit der selbstauferlegten Selbstsuffizienz des Arbeiter-und-
Bauern-Staats zurechtzukommen. Energieautarkie, so sicher das klingt,
nützt doch nur dann etwas, wenn sie weniger kostet als die Abhängigkeit
von Energieimporten. Das jedoch ist ein ökonomisches Unding für
Deutschland, ein Land das lediglich seine Braunkohle zu wett-
bewerbsfähigen Kosten verstromen kann, und für das ländliche
Brandenburg erst recht. Nur durch internationalen Stromhandel können
sich Brandenburger Energiehersteller auf große und effiziente Kraftwerke
konzentrieren und somit wettbewerbsfähig Strom produzieren. Ebenso ist
es sinnvoll, dass sich die Brandenburger Wirtschaft auf die Produktion
von Gütern konzentriert, für die sie aufgrund vorhandenen
Marktbedingungen, wie Personalverfügbarkeit etc., einen Kostenvorteil
gegenüber anderen hat, um gegen diese Produkte andere Bedarfsgüter,
eben auch Strom einzutauschen. Weder befinden wir uns nicht in einer
Krisensituation, in der dem Horten von Vorräten oder einer
eigenständigen Energieversorgung noch etwas abzugewinnen wäre, noch
ist die Windenergie aufgrund ihrer Unzuverlässigkeit der geeignete Not-
-4-

nagel. Es ist nicht auszuschließen, dass sich in ferner Zukunft das eine
oder andere Windrad dreht, weil das sich wegen teuer gewordenen
fossilen Brennstoffen tatsächlich lohnt. Doch das heißt noch lange nicht,
man müsse diesem Szenario schon heute ohne Not einen überteuerten
Probelauf gönnen.

Mythos 2: Windkraft schützt die Brandenburger Natur vor der Zerstörung


durch den Kohletagebau.

Umwelt- und Naturschutz liegt uns allen am Herzen. Und drehen sich die
Windmühlen nicht friedlich über Brandenburg Äckern? Eben. Was hat ein
Acker, eine der wenigen alternativen Nutzungsformen eines bestehenden
Windparks, noch mit unberührter Natur zu tun? Nicht viel, auch wenn wir
heute mehr von Kultur- als von Naturlandschaft reden. Und deshalb
braucht man nicht erst haarspalterische Debatten über die Zahl seltener
Vögel führen, die den Schlag eines Windflügels nicht überleben, um beim
Stichwort Naturschutz das Grübeln zu bekommen. Die nutzbare Energie-
dichte eines Windparks ist aus physikalischen Gründen äußerst dürftig.
Nur wenn unter idealen Bedingungen der Wind immer aus einer Richtung
kommen würde ließen sich bis zu 4 W/qm nutzen, im Durchschnitt sind es
jedoch nur rund 1,2 W/qm. Damit ist die flächenspezifische
Energieumwandlung noch geringer als bei einer Solaranlage, die auf bis
zu 30 W/qm kommt.6 Ursache sind die enormen Abstände zwischen den
einzelnen Anlagen, mit denen vermieden wird, dass sich die Anlagen
gegenseitig den Wind aus den Segeln nehmen. Diese Fläche ist für den
Naturschutz so gut wie verloren, auch für Siedlungszwecke steht sie nicht
mehr zur Verfügung. Im Vergleich dazu lassen sich aus einer Kohlegrube
theoretisch bis zu 5000 W/qm gewinnen, so dass selbst unter
Berücksichtigung der Wirkungsgradverluste in Kohlekraftwerken noch
-5-

eine um ein Vielfaches höhere flächenspezifische Energieausbeute als


bei der Windenergienutzung erreichbar ist.7 Auch wenn die
Kohleförderung auf die Flächeneinheit bezogen zu noch größeren
Schäden führt, wie jeder der am Rand eines Kohletagebaues steht sehen
kann, ist die Energieausbeute bezogen auf diese Fläche um ein
Vielfaches höher. Es spricht also nichts dagegen, diese Energiereserven
so lange wie möglich ökonomisch und ökologisch verantwortungsvoll zu
nutzen. Unterm Strich muss der Kampf gegen den Wildwuchs der
Windmühlen also nicht nur für die betroffenen Bürger, sondern auch für
die wehrlose Natur geführt werden.

Mythos 3: Windkraft schützt das Klima

Klimaschutz steht ganz oben auf der politischen Agenda. Mit der
vermeintlichen Emissionsfreiheit der Windenergie zaubert man eine
weitere Trumpfkarte aus dem Ärmel. Doch Informationen über die
Emissionsintensität einer Technologie ohne einen Hinweis auf ihre Kosten
sind bestenfalls für Stammtischgespräche unter leicht angeheiterten
Ingenieuren interessant, als Entscheidungsgrundlage für die Umweltpolitik
dagegen ziemlich irrelevant. Was interessiert, ist ein Vergleich der Kosten
unterschiedlicher Verfahren der Emissionsminderung, denn nur so
können wir einschätzen, wofür sich das Geldausgeben wirklich lohnt. In
der sog. dena-Netzstudie werden die Kosten für die Vermeidung einer
Tonne Kohlendioxid durch die Windenergienutzung mit ernüchternden 95
8
– 168 Euro/t-Kohlendioxid angegeben. Optimistische Schätzungen
gehen davon aus diese Kosten bis 2015 auf 41 – 77 Euro/t-Kohlendioxid
senken zu können. Konventionelle Maßnahmen der Kohlen-
dioxidreduktion durch Kraftwerksoptimierung und Energieeinsparung
verursachen dagegen gegenwärtig Kosten in Höhe von maximal 12 Euro
-6-

pro Tonne (EEX-Preis vom 07.04.2009). Dies lässt sich am


gegenwärtigen Preis für den Erwerb einer Tonne Kohlendioxid an der
Energiebörse EEX in Leipzig im Rahmen des Emissionshandels ablesen.
Schließlich würde kein Stromproduzent für diesen Preis eine Tonne
Kohlendioxid kaufen, wenn er die gleiche Menge billiger selbst vermeiden
könnte. Auch hier würden Zukunftsoptimisten von fortschrittsgetriebenen
Kostensenkungen ausgehen. Das aber bedeutet, dass wir durch den
Ausbau der Windenergie für jede Tonne dort eingesparter Emissionen
gezwungen werden, das mindestens Achtfache des Nötigen auszugeben,
also eine riesige Verschwendung von Ressourcen. Anders ausgedrückt,
könnte man mit den für die Windenergienutzung ausgegebenen
Ressourcen die achtfache Kohlendioxidmenge vermeiden. Den Bürgern
wird also durch die Windenergie ein Bärendienst erwiesen.

Hinzu kommt, dass selbst die bescheidene Klimaschutzwirkung des


Ausbaus der Windenergie unter dem gegenwärtigen
Emissionshandelssystem systembedingt neutralisiert wird. Die
Reduzierung des CO2-Ausstosses im deutschen Kraftwerkspark durch
die Einspeisung von Windstrom führt hierzulande ganz einfach zu einem
reduziertem Bedarf nach Emissionszertifikaten, worauf deutsche
Kraftwerksanbieter die überschüssigen Zertifikate auf dem europäischen
Markt verkaufen. Das senkt den Preis der Zertifikate, die von anderen
Kraftwerksbetreibern im Ausland günstig gekauft werden können und
diesen erlauben mehr zu emittieren (Wissenschaftlicher Beirat beim
Bundesministerium für Wirtschaft, 2004). Hans-Werner Sinn schreibt
hierzu sehr treffend in seinem Buch „Das grüne Paradoxon“ (Econ, 2008):
„Jeder weitere Windflügel, der auf deutschen Auen errichtet wird, und
jede neu Solaranlage, die auf den Häusern glitzert, kurbelt im gleichen
Umfang, wie hier Strom erzeugt und die Emission von Treibhausgasen
-7-

vermieden wird, die Produktion entsprechender Treibhausgase im Rest


Europas an.“ Der Autor führt in seinem Buch noch einen weiteren
fundamentalen Grund für die mangelnde Wirksamkeit der Windenergie für
den Klimaschutz an. Je mehr Windenergie gefördert wird, umso eher
erwarten die Besitzer von Öl- und Kohlequellen, dass eine sparsame
Förderung, die in Zeiten zukünftiger Energieknappheiten den Verkauf
verbleibender Mengen zu höheren Preisen erlauben würde, ihren Sinn
verliert. Vielmehr müssen sie davon ausgehen, dass alternative
Energiequellen ihre fossilen Lagerstätten überflüssig machen. Um die
Entwertung ihrer Lagerstätten zu vermeiden, werden sie die Förderung in
die Gegenwart vorziehen und schon heute mehr Rohstoffe am Markt
anbieten. Ökonomen sprechen auch von einer sinkenden
Knappheitsrente, die den Schattenpreis der erschöpflichen Ressource
senkt. Das senkt jedoch die heutigen Rohstoffpreise und führt zu zusätz-
lichen Treibhausgasemissionen, ähnlich einem Winterschlussverkauf zu
Schnäppchenpreisen für fossile Energieträger. Insofern dürfte auch der
Wunsch, durch eine Förderung die zukünftige Energieversorgung sicher
zu stellen, zu höheren Treibhausgasemissionen führen, wenn nicht
gleichzeitig ein weltweites Limit an Treibhausgasemissionen von der
Politik durchgesetzt wird. Der Hang der Politik mit politischer
Feinsteuerung nicht nur die Probleme der Allgemeinheit zu lösen,
sondern auch die eigenen Begehrlichkeiten zu befriedigen, stößt auch
hier an die Grenzen der Steuerbarkeit ökonomischer Systeme.

Mythos 4: Windstrom ist kostengünstig

Derzeit zahlen die Bundesbürger für jede KWh Windstrom 8,8 ct oder
insgesamt 3,5 Mrd.9 Euro. Der in Brandenburg produzierte Windstrom
verursacht für alle Bundesbürger Kosten von mehr als einer halben
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Milliarde Euro pro Jahr. Insgesamt zahlt heute jeder Bundesbürger, ob


Kind, Erwachsener oder Greis, für die Förderung der erneuerbaren
Energieträger pro Jahr 92 Euro. Dabei umfassen diese Zahlen nur die
Einspeisevergütung des EEG, wobei davon allein 42 Euro auf die
Windenergienutzung entfallen. Ein Teil fällt direkt über die Stromrechnung
an, der andere Teil muss in Form höherer Produktpreise geschultert
werden. Dieser Obolus ist trotz wiederholter Beteuerungen einer
Degressivität der Förderung in jedem Jahr seit Inkrafttreten des EEG
gestiegen. Zahlte der Bürger im Jahr 2000 für jede KWh des
„Grünstromsmixes“ noch 8,5 Eurocent waren es 2007 bereits 11,4
Eurocent. Es braucht nicht viel Phantasie sich vorstellen zu können, dass
ein Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Die Erträge des
technischen Fortschritts sind in den Taschen der Anlagenbetreiber
hängen geblieben.

Die Kosten der Herstellung einer Kilowattstunde Strom in einem


herkömmlichen Kohlekraftwerk belaufen sich dagegen auf rund 3
Eurocent pro Kilowattstunde, in modernen Anlagen sogar noch darunter.
An der Strombörse wird ein Kilowattstunde Strom im Laufe des Tages, je
nach Verhältnis von Angebot und Nachfrage, zu Preisen zwischen 0,5
und in eher seltenen Fällen 8 ct pro Kilowattstunde gehandelt, wobei
diese Preise den tatsächlichen Grenzkosten der zu jedem
Börsenzeitpunkt teuersten Anbieter entsprechen. Natürlich wird an der
Börse auch der Windstrom verkauft, zuweilen auch zu extrem niedrigen
oder gar negativen Preisen. So berichtete die Tageszeitung taz im April
2008, für erratisch ins Netz eingespeisten Windstrom bestünde mitunter
so wenig Bedarf, dass Stromkäufer Geld bekommen um den
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überschüssigen, weil nicht planbaren Windstrom abzunehmen. Man
kann sich vorstellen zu welchen verschwenderischen Verhalten dies bei
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den Stromabnehmern führen muss, da diese so große Strommengen nur


mit hohem Aufwand für Zeiten mit mehr Bedarf lagern können. Die
Stromverbraucher zahlen für jede Kilowattstunde Windstrom die gesetz-
liche Einspeisevergütung, ganz gleich ob der Strom einen positiven
Marktwert hat oder nicht. Die zusätzlichen Kosten der Kraftwerksbetreiber
für Netzausbau, Netzstabilisierung und Backup-Kapazitäten, die letztlich
auch der Stromkunde zu zahlen hat, sind hier noch nicht mitgerechnet
und müssen addiert werden. Wie schwer es sein dürfte die
unregelmäßige Einspeisung des Windstroms in der Kraft-
werkseinsatzplanung zu berücksichtigen, lässt sich etwa an der Differenz
der Energieprognosen und der tatsächlichen Einspeisung für einen ganz
normalen Tag (6. April) in der Regelzone des E.O.N-Netzes ablesen. Die
durchschnittliche Abweichung der tatsächlichen Viertelstunden-
Leistungen vom Prognosewert auf Basis der Windprognose des
deutschen Wetterdienstes betrug an diesem Tag rund 420 MW, wobei es
zu Abweichungen von minus 11 MW bis hin zu Überschüssen von 1300
MW kam. All das muss durch aufwändige Ausgleichsmaßnahmen bei
Kraftwerks- und Netzbetreibern kompensiert werden und verursacht hohe
Kosten für die Stromverbraucher, die sich zu den EEG-Kosten addieren.

Hinzu kommen die Kosten diverser Förderprogramme auf Landes- und


Bundesebene, die ebenfalls der Steuerzahler zu tragen hat. Jährlich
werden allein vom Land Brandenburg Mittel in zweistelliger Millionenhöhe
an die Investoren ausgeteilt, Geld, das den Bürgern für die eigene
Verwendung, nicht mehr zur Verfügung steht. Dringend nötige Ausgaben
für die Familie, aber auch für den Schutz der Umwelt – z.B. für
energieeffiziente Haushaltsgeräte – können in dem Umfang nicht
durchgeführt werden, wie die Bürger für den überteuerten Windstrom zur
Kasse gebeten werden.
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Letztlich treffen viele offizielle Kostenschätzungen auch dann nicht ins


Schwarze, wenn sie wie üblich die Kosten der Nutzung erneuerbarer
Energieträger mit den Differenzkosten zu konventionell hergestelltem
Strom quantifizieren. So eine Analyse würde wohl Sinn machen, wenn
jeder Bürger per Gesetz zum Verbrauch einer definierten Strommenge
verpflichtet wäre. Da wir uns aber auf der Basis von Preisvergleichen
zwischen unterschiedlichen Güter nach wie vor entscheiden können, ob
wir nun Strom verbrauchen oder stattdessen den Fernseher auslassen
und lieber ein gutes Buch lesen, entsprechen die Opportunitätskosten der
Nutzung erneuerbarer Energieträger dem vollen Preis den wir für sie
zahlen. Niemand würde vom Preis einer Banane zwangsläufig erst die
Kosten für einen Apfel abziehen, bevor er sich beschwert, dass wieder
einmal alles teurer geworden ist. Es ist der volle Preis, der uns darauf
hinweist, inwieweit wir anderweitig Verzicht üben müssen.

Mythos 5: Windstrom schafft Arbeitsplätze und stärkt die regionale


Wertschöpfung

Richtig ist, dass der Bau und der Betrieb von Windkraftanlagen Menschen
beschäftigt. Das ist aber keine Besonderheit der erneuerbaren
Energieträger, sondern trifft für jede Investition zu. So berücksichtigen die
immer wieder als Belege angeführten regierungsoffiziellen
Verlautbarungen zu den Arbeitsplätzen der Windenergie in der Regel
nicht, dass die finanziellen Mittel für Windkraftanlagen auch Arbeitsplätze
schaffen würden, wenn man sie für alternative Investitionen einsetzen
würde. Beispielsweise verursacht eine moderne Windkraftanlage der
Größe 1,5 MW Investitionskosten von 1,8 Mill. Euro und jährliche
Betriebskosten von 56.000 €. Jeder kann sich ausrechnen, wie viele
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Arbeitsplätze entstehen würden, wenn man diese Summen in den


Neubau oder Betrieb eines Kindergartens oder einer Schule stecken
würde. Hier sollte die entscheidende Frage sein, welcher Arbeitsplatz
mehr zum Wohlstand und zur Zufriedenheit der Bürger beiträgt, wobei zu
berücksichtigen ist, dass jeder Bürger aufgrund der höheren
Stromrechnung weniger Geld zum Kauf von anderen Gütern als Strom
ausgeben kann, deren Herstellung ebenfalls Beschäftigung generieren
würde. Ein Gutachten des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle kam
daher 2004 auch zu dem Ergebnis, dass der von der Bundesregierung bis
2010 geplante Ausbau der erneuerbaren Energieträger unter
Berücksichtigung dieser Verdrängungseffekte gerade einmal 7000
zusätzliche (statistisch nicht signifikante) Beschäftigte ergeben würde.11
Die Mehrbeschäftigung gegenüber einem Szenario alternativer
Investitionen resultiert dabei lediglich aus einem ineffizienteren Einsatz
der Arbeitskräfte. Anders formuliert, es werden mehr Menschen benötigt
um weniger zu produzieren. Berücksichtigt man zusätzlich die
Produktivitätsverluste der Wirtschaft durch den subventionsbedingt
ineffizienten Ressourceneinsatz, wie Schätzungen einer aktuellen
spanischen Studie ergaben, dann kostet die Investition jedes Megawatts
Windenergie in der übrigen Volkswirtschaft vier Arbeitsplätze.12

Ein beliebtes Argument für die Windkraft ist ihr stimulierender Effekt für
die regionale und nationale Wertschöpfung. Sicher, der eine oder andere
Bürgermeister einer in finanzielle Nöte gekommenen Gemeinde wird sich
über die zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen eines Windparks freuen.
Auch die Bauern sind begeistert über die Möglichkeit ihre Pachterträge
aufzupäppeln. Doch alle anderen Bürger zahlen die Rechnung, zumal die
Windenergie in Brandenburg beginnt dem ländlichen Tourismus das
Wasser abzugraben. Welcher Städter wird den langen Weg ins Umland
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auf sich nehmen, wenn man ihm die Sicht an seinem Ausflugsort mit
Windkraftanlagen versperrt? Zudem sind die Gemeinden schlecht
beraten, wenn sie sich bei der Finanzierung ihrer Wirtschaft, statt auf
reale Wertschöpfung zu setzen, auf eine Trittbrettfahrerstrategie verlegen,
die in der Summe einen gesamtwirtschaftlichen Verlust impliziert. Über
kurz oder lang werden die Nachteile auch von den eigenen Bürgern zu
spüren sein, auch wenn es später schwierig ist die Ursachen hierfür zu
identifizieren. Analog hierzu zeigen sich die logischen Grenzen einer
Argumentation, nach die aufstrebende Windkraftbranche mit ihren
Exporterfolgen Grund genug für eine forcierte Windkraftförderung sei.
Wer Windkraftanlagen kaufen will muss sie nicht selbst bauen, sondern
kann sie genauso gut gegen alle möglichen Produkte auf dem Weltmarkt
eintauschen. Wer die Windenergienutzung mit hohem Aufwand für die Ex-
portindustrie fördert, der verhindert damit auch den Exportboom anderer
Branchen, die in der Lage gewesen wären mit wertbewerbsfähigen
Produkten Energietechnik für den deutschen Markt einzukaufen. Auch
hier stolpern Politiker und Öffentlichkeit vor lauter Begeisterung über
weithin sichtbare Symbole über weniger auffällige Fallstricke.

1 http://www.rbb-
online.de/klippundklar/archiv/klipp_und_klar_vom0/kampf_den_windraedern.html
2 Vgl. Bericht der Landesregierung: Energiestrategie 2020 des Landes Brandenburg – Umsetzung des

Beschlusses des Landtages, DS 4/2893-B, vom 18. Mai 2006.


3 Howard C. Hayden (2005): The Solar Fraud: Why Solar Energy Won’t Run the World, Vales Lake

Pub., 2. Ed.
4 Erich Hau (2008): Windkraftanlagen: Grundlagen, Technik, Einsatz und Wirtschaftlichkeit, Springer

Verlag, 4. Ausgabe.
5 ISET-Windmonitor (2009), http://www.windmonitor.de/

6 Howard C. Hayden (2005): a.a.O.

7 Peter W. Huber, Mark P. Mills (2006): The Bottomless Well: The Twilight of Fuel, the Virtue of

Waste, and Why We Will Never Run Out Of Energy, Basic Books.
8
Deutsche Energie Agentur GmbH (2005): Energiewirtschaftliche Planung für die Netzintegration
von Windenergie in Deutschland an Land und Offshore bis zum Jahr 2020,
http://www.dena.de/fileadmin/user_upload/Download/Dokumente/Projekte/ESD/netzstudie1/d
ena-Netzstudie_ll
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9 Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft (BDEW) (2009): EEG-Jahresabrechnungen,


http://www.bdew.de/bdew.nsf/id/DE_EEG-Jahresabrechnungen
10 die tageszeitung (13.04.2008): Geld vom Stromanbieter,

http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/geld-vom-
stromanbieter/?src=SE&cHash=97c74c1714
11 Hentrich, Steffen; Wiemers, Jürgen; Ragnitz, Joachim (2004): Beschäftigungseffekte durch den

Ausbau erneuerbarer Energien, IWH-Sonderhefte, Ausgabe 1.


12 Gabriel Caldaza Alvarez et.al. (2009): Study of the effects on employment of public aid to

renewable energy sources, Universidad Rey Juan Carlos,


http://www.juandemariana.org/pdf/090327-employment-public-aid-renewable.pdf