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aktuell
Nr.
Bundestagswahl 2009: 17/09
„Aufbruch oder ‚Weiter so?‘“

Wahlprüfsteine zur Zukunft des Zoll und seiner Beschäftigten


Neben anderen wichtigen sozial-, gesellschafts- und wirtschaftspolitischen
Standpunkten ist für die Beschäftigten des Zolls von wichtiger Bedeutung, welche
Ziele die Kandidaten für den 17. Deutschen Bundestag für den Zoll, dessen Aufgaben
und Struktur und vor allem die Menschen in dieser Behörde haben. Die Gewerkschaft
der Polizei (GdP) hat den Bundestagsfraktionen deshalb fünf Fragen zur
Zusammenarbeit und Vernetzung des Zolls und anderer Sicherheitsbehörden, zur
strategischen Ausrichtung des Zolls und dessen Verwaltungsstruktur, zur Rolle des
Zolls in der Sicherheitsarchitektur und zur Gerechtigkeit des Dienstrechts im Hinblick
auf die physischen und psychischen Belastungen im Zollvollzug gestellt.
Die Fraktion der Partei Die Linke. sieht den Zoll wegen seiner Anbindung
an das Bundesfinanzministerium (BMF) in einer Sonderrolle. Seine
Haupttätigkeitsfelder sollten nach ihrer Vorstellung die Bekämpfung der
Steuer- und Wirtschaftskriminalität sein. Die Linke. fordert, die Belastungen in den
Vollzugseinheiten des Zolls im selben Umfang dienstrechtlich zu berücksichtigen, wie in
anderen polizeilichen Tätigkeiten des Bundes.
Bündnis 90/Die Grünen will die internationale Zusammenarbeit stärken und
setzt auf nationaler Ebene auf den Ausbau gemeinsamer
Ermittlungsgruppen. Sie fordern eine Verlagerung des Zolls in die
Zuständigkeit des Bundesinnenministeriums. Die Belastungen des
Schichtdienstes sollten in Lebensarbeitszeitkonten berücksichtigt und
ausgeglichen werden.
Die Freie Demokratische Partei (FDP) hält nach Aussagen ihres
Generalsekretärs Dirk Niebel eine enge Zusammenarbeit von Zoll,
Bundespolizei und Polizeien der Länder für dringend erforderlich, will aber
Zuständigkeitsüberschneidungen und „Doppelarbeiten“ vermeiden.
Grundsätzlich sollten die Vollzugskräfte in allen sicherheitsrelevanten Bereichen die gleichen
dienstrechtlichen Bedingungen vorfinden, was laut Niebel im Rahmen der Reform des
Dienstrechts keine Zustimmung der bisherigen Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD
gefunden hatte.
Die Sozialdemokratische Partei (SPD) antwortete durch ihren Finanzpolitischen
Sprecher Dr. Hans Ullrich Krüger im Stile des BMF-Verwaltungsapartes. Der Zoll
ist demnach gut aufgestellt. Die besonderen Belastungen der Beschäftigten
werden durch Zahlung der Polizeizulage und anderer Erschwerniszulagen
ausreichend ausgeglichen. Im Übrigen sind diese Belastungen nicht vergleichbar mit denen
im Polizeidienst, da polizeiliche Aufgaben eben nur als „Annex“ der Finanzverwaltung
wahrgenommen werden.
Die Christlich Demokratische Union (CDU) und ihre Schwesterpartei, die
Christlich Soziale Union (CSU), setzen auf eine engere Verzahnung, was
auch die Zusammenführung von Bundespolizei und Zoll im Ermittlungsbereich
bedeuten könne. Ziel muss es nach Meinung der Union sein, den
Zollbediensteten mit Vollzugsaufgaben die Perspektive zu bieten, auf Augenhöhe mit den
weiteren Polizeien des Bundes zu stehen.

GdP – BZG Zoll (Bundesfinanzpolizei), Forststraße 3a, 40721 Hilden Internet: www.gdp-bundesfinanzpolizei.de
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Nr.
Bundestagswahl 2009: 17/09
„Aufbruch oder ‚Weiter so?‘“
Wahlprüfstein 1:
Zusammenarbeit mit anderen Sicherheitsbehörden stärken
Frage: Ist es nach Ihrer Auffassung erforderlich, zukünftig die Zusammenarbeit der
bestehenden Kontroll-, Fahndungs- und Ermittlungseinheiten des Zolls mit anderen
polizeilichen Behörden der inneren Sicherheit durch engere Vernetzung zu
verbessern?
Die Linke: Die Partei DIE LINKE hält die Zusammenarbeit der verschiedenen Behörden
der Inneren Sicherheit für hochentwickelt und effektiv. Dort, wo sie in den letzten Jahren
faktisch institutionalisiert wurde (Gemeinsames Terrorabwehrzentrum – GTAZ) halten wir sie
allerdings für verfassungsrechtlich problematisch. Wir befürworten die Kooperation in konkreten
Deliktbereichen – Beispiele wären hier Steuer- und Wirtschaftskriminalität, Menschenschmuggel – auf
jeweils klar definierter Rechtsgrundlage und der Beachtung der jeweiligen Bundes- und
Länderzuständigkeiten.
Bündnis 90/Die Grünen: Wir haben in Deutschland gute Erfahrungen gemacht, mit
einem Sicherheitssystem, das auf Spezialisierung und Kooperation setzt. BÜNDIS 90/DIE
GRÜNEN wollen die Netzwerkstrukturen der inneren Sicherheit verbessern. Die
europäische und internationale Zusammenarbeit wollen wir stärken, auf nationaler Ebene setzen wir
verstärkt auf gemeinsame Ermittlungsgruppen. Gerade der Zoll mit seinen vielfältigen Aufgaben muss
in polizeiliche Netzwerkstrukturen eingebunden sein.
FDP: Eine enge Zusammenarbeit zwischen Zoll, Bundespolizei und Polizeien der Länder ist
aufgrund der überschneidenden Aufgaben und Befugnisse unerlässlich. Gleichzeitig ist zu
überprüfen, ob klare Kompetenztrennungen der einzelnen Sicherheitsbehörden die
Effizienz steigerten, um Reibungsverluste und Doppelarbeiten zu vermeiden. Diese Überlegungen
sind bei der Zusammenarbeit des Zolls mit den anderen Sicherheitsbehörden einzubeziehen.
SPD: Eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit anderen Behörden ist für eine
umfassende, effektive und zielgerichtete Aufgabenwahrnehmung der Zollverwaltung
unverzichtbar. Dies be-trifft nicht nur die Kontroll-, Fahndungs- und Ermittlungseinheiten
des Zolls, sondern die gesam-te Zollverwaltung. Insbesondere die Überwachung des
Waren- und Barmittelverkehrs, die ziel-gerichteten Prüf- und Kontrollmaßnahmen und die Aufdeckung
krimineller Strukturen erfordern eine enge Zusammenarbeit mit den Behörden der Inneren Sicherheit
genauso wie mit den Res-sorts für Soziales, Wirtschaft, Verkehr und Auswärtiges. Darüber hinaus
sind Steuerverwaltung, Verbände, andere Staaten und internationale Organisationen umfassend und
effektiv beteiligt. Zu diesem Zweck wurden in der Vergangenheit Abkommen, Vereinbarungen und
Bündnisse geschlossen, die die zielgerichtete Zusammenarbeit aller Aufgabenbereiche der
Zollverwaltung mit den verschiedensten Stellen regeln. Die Ergebnisse beispielsweise der
Gemeinsamen Er-mittlungsgruppen Rauschgift mit den Polizeien der Länder belegen eindrucksvoll
den Erfolg des Konzeptes. Diese Formen der Kooperation bündeln die Stärken der beteiligten
Verwaltungen und machen eine direkte Zusammenarbeit ohne Reibungsverluste möglich.
CDU/CSU: Eine den Erfordernissen angepasste Sicherheitsarchitektur muss auf Bundes-
wie auch auf Länderebene kontinuierlich und kritisch überprüft werden. Um dabei
Effizienz- und Effektivitätspotenziale zu identifizieren, muss dies ungeachtet von
Ressortzugehörigkeiten und Organisationsegoismen mit Blick auf Strukturen und
Finanzmitteleinsatz erfolgen. Eine Vernetzung verspricht Synergien, um die Kriminalitätsbekämpfung
zu optimieren und die Belastungen der einzelnen Behörden zu reduzieren. Aus diesem Grund ist es
sinnvoll, Kooperationen auszubauen, weitere Kooperationsfelder zu identifizieren und eine engere
Verzahnung mit den Polizeien des Bundes und der Länder zu bewirken. Dies könnte etwa beim Bund
eine Zusammenführung von Bundespolizei und Zoll im Ermittlungsbereich, speziell auf Flughäfen,
bedeuten.

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„Aufbruch oder ‚Weiter so?‘“
Wahlprüfstein 2:
Zukünftige moderne strategische Ausrichtung für den Zoll
Frage: Sollte nach ihrer Auffassung der Zoll in Zukunft strategisch so ausgerichtet und
personell und sächlich entsprechend ausgestattet werden, um international operierenden
Schmuggelorganisationen, Geldwäschern, Steuer-, Betrugs- und Wirtschaftskriminellen mit
modernen polizeilichen Mitteln wirksam entgegen zu treten?
Die Linke: Ja. Die Partei DIE LINKE versteht unter dieser strategischen Ausrichtung vor
allem die Rückführung des Zolls auf seine eigentlichen Aufgaben. Unter dem
Gesichtspunkt des volkswirtschaftlichen Schadens sind dies vor allem die Bereiche Steuer und
Wirtschaftskriminalität. Eine strategische Konzentration des Zolls auf diese Bereiche müsste aber eine
Streichung der Bereiche zur Folge haben, die dem Zoll im Zuge des Kampfs gegen den Terrorismus
zugewachsen sind. Beispiel hierfür ist die Mitarbeit im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum (GTAZ)
und dem Gemeinsamen Analyse - und Strategiezentrum Illegale Migration (GASIM).
Bündnis 90/Die Grünen: Kriminalität ist global und die internationale Zusammenarbeit,
wie auch eine angemessene Ausstattung sind von großer Bedeutung. Wir wollen durch
Aus- und Fortbildung die Sprachkompetenz fördern und durch flexiblen Austausch, die
multinationale Ausrichtung des Zolls stärken.
FDP: Ja. Die Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität wie Schmuggel,
Geldwäsche und andere Wirtschaftskriminalität nimmt einen immer höheren Stellenwert ein.
Der Zoll muss so ausgestattet werden, dass er diesen Herausforderungen gerecht werden
kann.
SPD: Sowohl die strategische Ausrichtung als auch die Personal- und Sachausstattung
sind maßgebende Faktoren für eine erfolgreiche Aufgabenwahrnehmung in der
Zollverwaltung. Mit der Neuausrichtung des Zollfahndungsdienstes im Jahr 2002 wurde der
geänderten Kriminalitätslage und der anstehenden Öffnung der Grenzen nach Osteuropa
Rechnung getragen. Mit der Einrichtung der Sachgebiete „Informationsgewinnung“ und „Organisierte
Kriminalität“ und der Schaffung größerer Arbeitseinheiten wurde die Bekämpfungsstrategie umfänglich
modernisiert. Die Zollfahndung wird von äußerst engagiertem, gut ausgebildetem und einsatzbereitem
Per-sonal getragen. Sie verfügt über moderne Technik und ist mit weit reichenden rechtlichen Be-
fugnissen ausgestattet. Gerade die Verbindung der fiskalischen Aufgabenstellung mit der Verfolgung
strafrechtlich relevanten Verhaltens bildet die Stärke einer mit Fachaufgaben betrauten Verwaltung
und ermöglicht ihr die erfolgreiche Arbeit, insbesondere auch bei der Strafverfolgung. In Bezug auf die
Kontroll-, Fahndungs- und Ermittlungseinheiten ist durch die enge Verzahnung der
Hauptzollämter/Zollämter mit dem Zollkriminalamt und seinen Zollfahndungsämtern in der
gegenwärtigen Aufbau- und Ablauforganisation gewährleistet, dass auf allen Ebenen ein wichti-ger
Beitrag zur Kriminalitätsbekämpfung geleistet wird. Das gilt für die Bekämpfung der Struktu-ren
mittlerer, schwerer und organisierter Kriminalität genauso wie für die Bearbeitung von eher einfach
gelagerten sog. Kleinfällen. Das gute Zusammenwirken von Zollfahndungsdienst und Hauptzollämtern
wurde erst kürzlich durch eine eingehende Evaluierung belegt.
CDU/CSU: CDU und CSU wollen der international organisierten Kriminalität noch
wirksamer entgegentreten. Organisierte Kriminalität ist durch eine hochentwickelte
Konspiration, abgeschottete Strukturen, internationale Arbeitsteilung und Logistik
gekennzeichnet. Typische Erscheinungsformen der Organisierten Kriminalität finden sich
im Rauschgift- und Waffenhandel, im Bereich des Menschenhandels sowie der Prostitution und in der
Schleuserkriminalität, in der Wirtschafts-, Fälschungs-, Eigentums- und Umweltkriminalität. Hierzu
haben wir in dieser Legislaturperiode u. a. eine Kronzeugenregelung eingeführt, die auch für
Straftaten gilt, die zum Kernbereich der Organisierten Kriminalität gehören. Dem Aufspüren und der
Beschlagnahme von Verbrechensgewinnen messen wir eine zentrale Bedeutung im Kampf gegen die
Organisierte Kriminalität bei. Auf Basis der Kooperationsfelder ist es aus Sicht von CDU und CSU
sinnvoll, auf Bundesebene eine Angleichung des Befugniskataloges voranzutreiben.

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„Aufbruch oder ‚Weiter so?‘“
Wahlprüfstein 3:
Neue schlanke und effektive Aufbauorganisation
Frage: Würden Sie die Schaffung von flachen Hierarchien mit kurzen
Kommunikationswegen und schnellen, handlungsfähigen sowie aufgabenorientierten
Weisungsstrukturen, die die Schlagkraft in der Kriminalitätsbekämpfung sowie die
Effizienz in der Sicherung der Einnahmen des Bundes und der EU verbessern,
begrüßen?

Die Linke: Diese Ziele begrüßen wir. Sie entsprechen den allgemeinen Zielsetzungen
von Organisationsreformen von privaten und staatlichen Unternehmen, Behörden oder
anderen Großorganisationen. Die jüngste, aus unserer Sicht fehlgeschlagene, Reform der
Bundespolizei hat aber gezeigt, dass diese allgemeine Zielsetzung vor einem Scheitern nicht schützen
kann. Unverzichtbare Voraussetzung für jeden Erfolg ist deshalb die intensive und vorbehaltslose
Überprüfung und Evaluation von Arbeitsbereichen, originären Zuständigkeiten und Befugnissen sowie
die intensive Beteiligung der Beschäftigten.

Bündnis 90/Die Grünen: Die Zollverwaltung braucht ein modernes Gebäude, den
weiteren Ausbau des Internetangebots für die Wirtschaft und für die Bürgerinnen und
Bürger und moderne Führungsstrukturen, zu denen auch flache Hierarchien gehören. Wir
setzen uns im gesamten Polizeibereich für eine Neuordnung des Laufbahnrechtes ein.
FDP: In Zeiten zunehmender grenzüberschreitender Kriminalität müssen die Organisation
und Abläufe innerhalb der Behörden so optimiert werden, dass die Kriminalitätsbekämpfung
möglichst effektiv ist.

SPD: Die Zollverwaltung überprüft und verbessert ständig ihre Aufbau- und
Ablauforganisation. Mit der Umsetzung der Ergebnisse des Projektes Strukturentwicklung
Zoll erfolgt ein weiterer Schritt hin zu einer noch moderneren und schlagkräftigeren
Verwaltung. Eine konsequent pro-zessorientierte Ausrichtung mit einer neuen
Führungsstruktur wird die Arbeitsergebnisse weiter verbessern, Verwaltungsabläufe straffen, den
Ressourceneinsatz wirtschaftlicher gestalten und die Eigenverantwortung der Beschäftigten stärken.
Die zum 1. Januar 2008 neu errichteten Bundesfinanzdirektionen sowie das Zollkriminalamt sind für
bestimmte Aufgabenbereiche bundesweit fachlich zuständig. So wurde zum Beispiel das
Zollkriminalamt mit der Zuweisung des Fachpaketes „Strafverfolgung“ weiter gestärkt. Es erarbeitet für
dieses Fachpaket sog. Standards für die Aufgabenerledigung in den Hauptzollämtern und
Zollfahndungsämtern. Auf diese Weise wird eine bundeseinheitliche Rechtsanwendung und -
auslegung gewährleistet. Die be-währte Verzahnung bleibt erhalten, ohne dass doppelt gearbeitet
wird. Schnittstellenprobleme, Reibungsverluste und zusätzlicher Koordinierungsbedarf werden
vermieden.
CDU/CSU: CDU und CSU unterstützen - insbesondere angesichts begrenzter
Ressourcen - den Ansatz, mit verschlankten Strukturen die Durchsetzung der
Einnahmeansprüche des Bundes noch weiter zu verbessern.

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Wahlprüfstein 4:
Gerechtigkeit im Dienstrecht für die Vollzugsbeamten im Zoll
Frage: Teilen Sie die Einschätzung, dass die hohen psychischen und physischen
Belastungen der Beschäftigten in den Vollzugseinheiten des Zolls, die im Rahmen
ihrer Kontroll-, Fahndungs- und Ermittlungstätigkeiten erheblichen Gefährdungen
ausgesetzt sind und den Dienst überwiegend in Wechselschichten verrichten, bei der
Gestaltung der Lebensarbeitszeit, der Zumessung des Urlaubs und der regelmäßigen
Arbeitszeit mindestens im selben Umfang dienstrechtlich zu berücksichtigen sind, wie
dies bereits heute in anderen polizeilichen Tätigkeitsbereichen des Bundes erfolgt?
Die Linke: Ja. Die hohen psychischen und physischen Belastungen der Beschäftigten in den
Vollzugseinheiten des Zolls müssen im selben Umfang dienstrechtlich berücksichtigt werden wie
in anderen polizeilichen Tätigkeiten des Bundes.
Bündnis 90/Die Grünen: Wir setzen uns im gesamten Polizeibereich für Lebensarbeitszeitkonten
ein, die die besonderen Belastungen des Nachtdienstes und des Schicht- und Wechseldienstes
berücksichtigen, dies gilt selbstverständlich auch für den Zoll. Wir halten starre Arbeitszeiten nicht
mehr für zeitgemäß. Wir wollen die Arbeitszeitgestaltung in die Hände der Dienststellen geben. Die
Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Ausgleich von Spitzenbelastungen, Gesundheitsprävention und
altersgerechtes Arbeiten können nur umgesetzt werden, wenn vor Ort auf die besondere Personalsituation
flexible eingegangen werden kann, gemeinsame Dienstpläne sollten in Mitarbeiterbesprechungen entwickelt
werden.
FDP: Grundsätzlich ist die FDP der Auffassung, dass für Vollzugskräfte in sicherheitsrelevanten
Bereichen die gleichen dienstrechtlichen Bedingungen gelten sollten. Ihren Hinweis werden wir daher
in der nächsten Wahlperiode sorgfältig prüfen. Die von Ihnen aufgeworfene Frage ist im Zuge des
Gesetzgebungsverfahrens zum Dienstrechtsneuordnungsgesetz erörtert worde. Bei den jetzigen
Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD gab es für eine entsprechende Anpassung keine Unterstützung.
SPD: Eine zentrale Aufgabe des Zolls als Teil der Bundesfinanzverwaltung ist die Erhebung,
Sicherung und Verwaltung der Einnahmen des Bundes und der Europäischen Union. Insoweit sind
auch die von der Zollverwaltung wahrgenommenen Vollzugsaufgaben von besonderer Bedeutung. Die
aus dem Vollzugsdienst resultierenden physischen und psychischen Belastungen der Zollbeamtinnen
und -beamten, insbesondere durch Schicht- und Wechseldienst, werden kei-neswegs verkannt. Diesen
besonderen Belastungen wird bei Vorliegen der jeweiligen Voraussetzungen u.a. in besoldungsrechtlicher
Hinsicht durch verschiedene Zulagen Rechnung getragen. So wird mit der sog. Polizeizulage, die sowohl für
Polizeivollzugsbeamte des Bundes und der Länder, als auch für mit vollzugspolizeilichen Aufgaben betrauten
Beamte der Zollverwal-tung gilt, die besondere Verantwortung der Zollbeamtinnen und -beamten in diesen
Aufgaben-bereichen gewürdigt und die damit verbundenen Belastungen und Erschwernisse abgegolten. Auch die
Wechselschicht- und Schichtzulage nach der Erschwerniszulagenverordnung, die zumindest anteilig auch neben
der Polizeizulage gewährt wird, sowie die Zulage für besondere Einsätze bei einer Verwendung im
Zollfahndungsdienst in der Zentralen Unterstützungsgruppe Zoll bzw. in einer Observationseinheit Zoll, die neben
der Polizeizulage gewährt wird, stellen eine Anerkennung der besonderen Anforderungen der Vollzugskräfte dar.
Die Zollverwaltung ist mit ihrem vielschichtigen Aufgabenspektrum eine einheitliche Verwaltung im Bereich der
Bundesfinanzverwaltung, die auch in dienstrechtlicher Hinsicht eine einheitliche und gleichmäßige Behandlung
aller Zollbeamtinnen und -beamten sicherstellen muss. Gesonderte Regelungen bei der Gestaltung der
Lebensarbeitszeit, der Zumessung des Urlaubs sowie der regelmäßigen Arbeitszeit nur für Vollzugsbeamte
können daher nicht zielführend sein. Insgesamt wird jedoch darauf zu achten sein, dass der Öffentliche Dienst
auch in Zukunft konkurrenzfähig bleibt und fähigen, engagierten Beschäftigten ein fachlich attraktives und
angemessen bezahltes Aufgabenspektrum bietet.
CDU/CSU: Ziel muss sein, dass es Perspektive der Zollbediensteten mit Vollzugsaufgaben ist, auf
Au¬genhöhe mit den weiteren Polizeien des Bundes zu stehen.

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Der Zoll als Teil der Sicherheitsarchitektur
Frage: Verstehen Sie den Zoll mit seinen polizeitypischen Aufgaben im Bereich der
Gefahrenabwehr und Strafverfolgung als integralen Bestandteil der deutschen
Sicherheitsarchitektur?

Die Linke: Im Laufe derWeiterentwicklung des Zolls seit den 1990er Jahren ist er
tatsächlich Bestandteil der Sicherheitsbehörden geworden. Angebunden ist der Zoll
aber beim Finanzministerium und um die hierfür anfallenden Aufgaben wurden auch polizeitypische
Funktionen, Kompetenzen und Befugnisse ausgebildet. Die Anbindung an das Finanzministerium
kann und darf aus rechtlichten Gründen – bei aller Ähnlichkeit der Tätigkeit – keine vollständige
Integration in die Sicherheitsarchitektur zur Folgehaben. Die Partei DIE LINKE, bzw. ihre
Vorläuferorganisation haben diese Entwicklung immer kritisch betrachtet, weil dadurch auch die
Substanz des Föderalismus der Sicherheitsarchitektur in Frage gestellt wurde und wird. Integraler
Bestandteil wird also verstanden als Zusammenlegung zum Beispiel der kriminalpolizeilichen
Kompetenzen und der Befugnisse von Bundespolizei, Zoll und Bundeskriminalamt. Das ist das
Gegenteil von Kooperation und stärkt die zentralen, von der Verfassung ursprünglich nicht gewollten
Polizeien auf Kosten der Länder. Wirkliche Sicherheitslücken des föderalen Systems, die das
begründen sollten, sind bisher nicht überzeugend dargestellt worden.

Bündnis 90/Die Grünen: Der Zoll gehört in das Bundesinnenministerium. Wir setzen uns
für die Einrichtung einer Polizeireformkommission ein, die mit intensiver Beteiligung der
Bediensteten die Aufgaben und Schnittstellen der Bundespolizei, des Bundeskriminalamtes
und der Zollverwaltung evaluiert. Wir wollen das Geld nicht für Doppelstrukturen ausgeben
sondern für eine angemessene Bezahlung der Bediensteten und für eine moderne technische
Ausstattung.
FDP: Auch aus Sicht der FDP hat der Zoll durch seine polizeilichen Aufgaben und
Befugnisse eine zentrale Position in der Sicherheitsarchitektur der Bundesrepublik
Deutschland. Der Zoll ist dem Bundesministerium der Finanzen nachgeordnet und hat
damit eine Sonderstellung im Verhältnis zu den anderen Sicherheitsbehörden. Besonders
im Bereich des Zollfahndungsdienstes und des Zollkriminalamtes ergeben sich weitreichende
Überschneidungen mit anderen Sicherheitsbehörden. So geht es um Verfolgung und Verhütung der
Zollkriminalität, wie beispielsweise Waffen-, Drogen- und Zigarettenschmuggel. Der Verhütung von
Kriminalität sind ebenso die Bundes- wie Länderpolizeien verpflichtet.
SPD: Die klassischen Tätigkeiten der Zollverwaltung sind die Sicherung der Einnahmen
des Bundes und der Europäischen Union sowie die Verhinderung verbotswidriger Ein- und
Ausfuhren. Dar-über hinaus ist die Zollverwaltung in den Schutz der sozialen
Sicherungssysteme einbezogen. Die polizeilichen Befugnisse sind Annex dieser
Grundausrichtung und dienen ihrer Durchset-zung, sie sind daher nicht als eigenständige (polizeiliche)
Aufgabe zu sehen. In Deutschland liegt der Schwerpunkt der Zollverwaltung seit langer Zeit nicht im
polizeilichen Bereich, sondern im Bereich zivilen Verwaltungshandelns.
CDU/CSU: Der Zoll leistet einen wesentlichen Beitrag auch zur Inneren Sicherheit und ist
wichtiger integraler Bestandteil der nationalen Sicherheitsarchitektur

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