Sie sind auf Seite 1von 69

Grundlagen der Tourismuslehre

Autor: Marc Sölter

Einführung

Reisen, Fremdenverkehr oder im übergeordneten Sinne der Tourismus, ist ein Thema, bei dem eigentlich fast jeder mitreden kann. Denn solange es Menschen gibt, solange gibt es auch das Phänomen der freiwilligen Ortsveränderung im Sinne der Reise. Besonderst im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Tourismus zu einem wichtigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Phänomen. Seit dem letzten Jahrhundert reisen mehr Menschen als jemals zuvor, dies hat mitunter dazu geführt das der Tourismus heute zu einer der größten Wirtschaftsbranchen der Welt avanciert ist. Global betrachtet stellt der Tourismus eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaftsbranchen der Welt dar. In der Zwischenzeit sind weltweit über 700 Millionen Touristenankünfte zu verzeichnen.

Wer sich allerdings tiefgründiger mit dem Phänomen Tourismus befassen will, kommt nicht umhin, sich mit einer Reihe von wissenschaftlichen Disziplinen auseinanderzusetzen. Dies ist notwendig, denn der Tourismus erfordert wie kaum ein anderes Forschungsobjekt eine interdisziplinäre Betrachtung. Aber was ist eigentlich Tourismus oder Fremdenverkehr? Welche wissenschaftlichen Disziplinen befassen sich mit diesem Phänomen? Auf diese und andere Fragen soll in den folgenden Kapitel Antworten gefunden werden. Der Autor hält es zudem für wichtig einen kurzen Überblick über die Disziplingeschichte der Fremdenverkehrslehre zu geben, da dies in vielen Lehrbüchern einfach vergessen wurde. Denn will man eine Sache wie die Tourismuslehre erklären, dann muss man auch seine Geschichte kennen.

Bei einem Gespräch mit Tourismusstudenten, viel mir auf, dass zwar der Name Hunziker bei einigen bekannt ist, allerdings konnte mit dem Namen Glücksmann keiner etwas anfangen. Eigentlich traurig, wenn man bedenkt das „sie“ ein Fach studieren und nicht einmal den „Erfinder“ dieser Disziplin kennen. Auf der anderen Seite besteht in der Öffentlichkeit folgende Meinung über die an den Tourismus-Studiengängen vermittelte Tourismuslehre:

Grundlage aller Studiengänge ist nicht irgendeine Lehre vom Tourismus, sondern die Betriebswirtschaft. (Die Zeit 1985)

Zwar ist dieses Zitat etwas veraltet allerdings trifft es heute noch weitgehend zu. Die Tourismuslehre kann eher als ökonomische oder geographische Fremdenverkehrslehre anstatt als „Allgemeine Tourismuslehre“ bezeichnet werden. Doch sind allein wirtschaftliche oder raumwirksame Aspekte ausreichend für die Betrachtung und das Verständnis des Phänomens Tourismus? Nein mit Sicherheit nicht! Für die Praxis mögen die Antworten von Geographie und Wirtschaftswissenschaft momentan noch genügen – aber in Zukunft wird ein breiteres Verständnis des Tourismus erforderlich.

1. Vom Reisen zum Tourismus – Bedürfnis nach einem Tourismusbegriff

Der Tourismus im 20 Jahrhundert hat eine derartige Bedeutung erlangt, das er aus dem heutigen Leben kaum mehr wegzudenken ist. Die Bedeutungs- und Problemvielfalt des Fremdenverkehrs der damaligen Zeit, machte es notwendig den Begriff „Fremdenverkehr“ wissenschaftlich zu klären. Denn was ist eigentlich Tourismus bzw. was umfasst ihn? Die folgen Stichpunkte sollen schon einmal Anregungen geben:

Tourismus =

 

Tourismus =

kein einheitliches Phänomen

komplexes Gefüge aus Handlungen und Konzepten

eine der größten Wirtschaftsbranchen der Welt

global verbreitet, jedoch meist Konzentration auf bestimmte Destinationen und Orte

ein

wesentliches

Aspekt

von

 

Globalisierung

betrifft weltweit große Gruppen von Menschen und Institutionen

Makro-Ebene: globale ökonomische Prozess

das

Phänomen

Raum

und Zeit

Micro-Ebene:

stark

lokalisiertes

 

benötigt

Phänomen

Tourismus =

 

Tourismus =

Konstruktion

von

Fremd-

und

Interkulturelle Prozesse

 

Selbstbildern

Interaktion zwischen Touristen und Bereisten

Vermarktung

von

Kultur-

und

Konsumgütern

Beeinflusst verschiedene Bereiche der Lebenswelt lokaler Kulturen

Inszenierungen

von

lokalen

Identitäten

 

1.1.1.

Begriffe als Werkzeug der Theorie

 

Die Theorie als rein wissenschaftliche Betrachtungsweise bzw. als System allgemeiner Sätze zur Erklärung bestimmter Tatsachen ist auf präzise definierte Begriffe angewiesen (Krippendorf 1970). Klare Begriffe bilden die Grundlage klarer Systeme. Dies trifft auch auf den Fremdenverkehr / Tourismus zu. Aus einer einwandfreien Fassung seiner Grundbegriffe muss darnach auch eine haltbare Fremdenverkehrs- / Tourismuslehre und damit auch das logische System einer solchen erwachen (Hunziker 1973). Denn tatsächlich stünde eine eigenständige Tourismuslehre / Tourismuswissenschaft auf schwachen Füssen, wenn sie nicht auf ein einwandfreies umrissenes, mit Eigenleben erfülltes Erkenntnisobjekt zu stützen vermöchte (vgl.

Hunziker 1954).

Die Klärung der grundlegenden „Begriffe“ sowie die Präzisierung der Methoden gehören zu den Aufgaben einer Wissenschaft. Für die Entwicklung der Tourismuslehre /Tourismuswissenschaft ist es also notwendig, genau zu bestimmen, welcher Tatbestand mit den Worten Fremdenverkehr / Tourismus umgrenzt werden soll. Zwar bestehen heute auf abstrakter Ebene weitgehend gemeinsame Auffassungen und Modelle für die Definition der Begriffe Fremdenverkehr oder Tourismus, sobald es allerdings um eine konkrete Abgrenzung der Begriffe z.B. für ein Forschungsobjekt geht, fehlen allerdings breit akzeptierte, konkrete und vor allem operationalisierbare Kriterien.

1.1.2 Begriffe als Werkzeuge der Praxis

Noch mehr in der Praxis als in der Wissenschaft ist nicht klar was Fremdenverkehr und Tourismus bedeutet, bzw. was diese Erscheinungen umfasst. Während z.B. in der Wissenschaft weitgehend Einigkeit darüber besteht, dass die Begriffe Fremdenverkehr und Tourismus gleichzusetzen sind, so sind nach Sicht der Praxis beide Begriffe unterschiedlich. Um Missverständnissen vorzubeugen, muss auch hier festgelegt sein, welche Erscheinungen und Formen im Einzelnen dem Tourismus / Fremdenverkehr zuzurechnen sind (vgl. Krippendorf 1970). Anwendungsbeispiele:

statistische Zwecke (Ankünfte, Übernachtungen, Beherbergungsstatistik)

rechtliche und administrative Zwecke (Gesetze, Verordnungen, Steuern)

rein praktische Zwecke (Marktuntersuchungen, Produktgestaltung)

Mit exakt definierten Begriffen lassen sich in der Praxis der sachliche Geltungsbereich und die fachliche Zuständigkeit besser festlegen.

1.2.1 Definitionsmöglichkeiten des Fremdenverkehrs / Tourismus

Aus der großen Anzahl der bisherigen Versuche den Fremdenverkehr zu definieren, lassen sich nach Bernecker die Definitionsbemühungen auf drei grundsätzliche Einstellungen zur Erscheinung Fremdenverkehr zurückführen. Erstens auf die Auffassung, die für die Definitionsbildung ihre Stütze in der nominalen Analyse sucht, zweitens auf die ausschließliche oder überwiegend wirtschaftliche Einstellung zum Fremdenverkehr und drittens auf die Erkenntnis, das eine Definition alle jene empfangenden und ausstrahlenden Funktionen des Fremdenverkehrs enthalten muss, die ihn zu einem komplexen Gebilde von geistigseelischen und materiellen Elementen machen (Bernecker 1957).

1.2.1.1 Nominaldefinitionen

Nominaldefinitionen beschreiben mehr oder weniger unabhängig vom Sprachgebrauch die ursprüngliche Bedeutung eines Begriffes. Die Nominaldefinitionen, also jene, die den Begriff aus dem Wort ableiten, nahmen zunächst eine Teilung des Wortes in „Verkehr“ und „fremd“ vor (Bernecker 1957). Anhand dieser Ableitung erfolgte eine Einordnung des Fremdenverkehrs in den Oberbegriff „Verkehr“. Besonders in den frühen Fremdenverkehrslehren wie z.B. von Boorman „Die Lehre vom Fremdenverkehr“ 1931 oder Glücksmanns „Fremdenverkehrskunde“ 1935 dient der Verkehrsvorgang als Definition für den Fremdenverkehr.

1.2.1.2. Realdefinitionen

Realdefinitionen versuchen den wesentlichen Kern einer Sache oder eines Sachverhaltes darzulegen. Sie arbeiteten besondere Merkmale des Fremdenverkehrs heraus und betonen spezifische Eigenheiten. Die meisten Realdefinitionen betrachten als Sachverhalt des Fremdenverkehrs vorwiegend die wirtschaftlichen Auswirkungen. Dies lässt sich dadurch erklären, dass die ersten wissenschaftlichen Arbeiten zum Fremdenverkehr vorwiegend den Fremdenverkehr als volkswirtschaftliche Erscheinung behandelten. So versuchte z.B. Josef

Stradner bereits im Jahr 1905/1917 eine Art Volkswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs zu entwickeln. Die wirtschaftlichen Vorgänge des Fremdenverkehrs standen zur damaligen Zeit hauptsächlich im Blickfeld, der sich entwickelnden Fremdenverkehrsforschung.

1.2.1.3 Universaldefinitionen

Die Erkenntnis der Tatsache, dass der Fremdenverkehr ein komplexes Gebilde ist und zu fast allen Bereichen des menschlichen Zusammenlebens in Wechselbeziehungen steht, hatte die damalige Fremdenverkehrswissenschaft dazu veranlasst, eine Definition zu suchen, in der die Komplexität des Phänomens Fremdenverkehr zum Ausdruck kommt (Bernecker 1961). Als eine solche Definition kann die Definition der Fremdenverkehrswissenschaftler Hunziker und Krapf verstanden werden. Diese Definition versteht den Fremdenverkehr nicht lediglich als Verkehrsvorgang, sondern als einen weit reichenden Beziehungs- und Erscheinungskomplex, außerdem schaltet sie Kategorien von Ortsfremden als nicht zum Tourismus gehörig aus, für die wohl, rein äußerlich betrachtet, die Komponenten der Reise und des Aufenthalts Geltung besitzen, denen aber der Charakter eines lediglich vorübergehenden Wirkens zu ausschließlich konsumtiven Zwecken abgeht, weshalb sie auch der „man in the street“ nicht als Touristen ansieht (Hunziker 1954). In den Universaldefinitionen wird versucht alle mit dem Begriff Fremdenverkehr in Zusammenfassung stehenden Arten, Erscheinungsformen und Merkmale durch Verallgemeinerungen zu erfassen (vgl. Eisenstein 1995).

1.2.2. Fremdenverkehrs- und Tourismusdefinitionen im Wandel der Zeit

Obwohl die Begriffe Fremdenverkehr und Tourismus allgemein bekannte Begriffe sind, so ist es dennoch schwer eine allseits befriedigende Definition dafür zu finden. Denn das Phänomen des Reisens ist enorm vielgestaltig: Es reicht von einem Tagesausflug in ein Freilichtmuseum in der näheren Umgebung über die Teilnahme an einem Kongress oder den Wochenendbesuch bei Fremden in der nächsten Großstadt bis hin zu einem Badenaufenthalt oder einer Studienreise am Mittelmehr (Steinecke 2006). In der Vergangenheit sind zahlreiche Versuche unternommen worden, die Erscheinungen und Formen des Fremdenverkehrs und Tourismus in exakten und klaren Begriffsbestimmungen zu erfassen. Zwar gibt es Definitionen der Begriffe „Fremdenverkehr“ und „Tourismus“ in nahezu gleicher Zahl als es Autoren zu diesem Thema gibt, aber je mehr Praktiker und Wissenschaftler sich damit befassten, desto offenkundiger wurde der Umfang und die Reichweite der Phänomene Fremdenverkehr bzw. Tourismus und desto ungenügender und unbefriedigender dessen bisherige begriffliche Bestimmungen (vgl. Bernecker 1957). Als einen Mangel sieht z.B. Gierske das bei den bisherigen Betrachtungen zum Tourismus, die historische Perspektive fehlt. Während der eine "Tourismus" sagt und damit die neuen Formen des Verreisens meint, versteht ein anderer darunter "Reisen überhaupt", womit er sich durchaus auf den Brockhaus berufen kann. Begriffliche Klärungen ohne einen hinreichenden historischen Hintergrund bleiben hier problematisch und erwecken den Anschein der Willkür (Gierske 1965).

Der Umstand, das es bisher keine allgemeingültige Definition des Tourismus gibt, führen Tourismusforscher wie z.B. Leiper 1979 und Heeley 1980 darauf zurück, das es von Regierungsstellen, Verbänden etc. zu viele und teilweise zu sehr durch eigene Interessen und Perspektiven getriebene Definitionen gibt (vgl. Smith 1988).

Die Vielfalt der Erscheinungsformen des Reisens und der Reisemotive ist schwer in einer kurzen Begriffsbestimmung zu fassen. Die Definitionsversuche stehen dabei im Spannungsfeld

zwischen dem Anspruch auf Operationalisierbarkeit ihrer Begriffe, d.h. ihrer konkreten Anwendungsmöglichkeit (z.B. für statistische Zwecke), einerseits und dem Anspruch, die historisch-gesellschaftlichen Tendenzen einzufangen, die im Untersuchungsgegenstand aufbewahrt sind und sich dort brechen (Prahl/Steinecke 1981, 9).

Die zahllosen Versuche, Tourismus, Fremdenverkehr und Freizeit zu definieren, sind immer wieder in Übersichten und Synopsen zusammengestellt worden (Grünthal 1930; Benscheidt 1932/33, Bernecker 1952/53, Kaspar/Schmidhauser 1971, Schadlbauer 1973, Boeckmann 1975, Potke 1978, Arndt 1978/79). Die vorliegenden Definitionen sind in dem Bestreben gescheitert, sämtliche Formen des Phänomens Reisen in einer Begriffsbestimmung fassen zu können; auch differenzierte und umfangreiche Definitionsversuche haben dieses Problem nicht bewältigen können (Steinecke/Kulinat 1984). Andere Autoren wie z.B. Pöschel, glauben das sich eine so komplexe Erscheinung wie der Fremdenverkehr überhaupt einer sinnvollen Definition, die immer zwischen Tautologie und Ungenauigkeit schwanken wird entzieht. Wie problematisch terminologische Fragen sind, zeigt auch Newig 1975 mit seinem Strukturschema des Freizeitverkehrs. In seinem Strukturschema des Freizeitverkehrs, den er mit „Tourismus“ gleichsetzt und in „Reiseverkehr“ und „Freizeitkonsum“ aufspaltet, ist eine Liste von 25 Definitionen und ergänzenden Erläuterungen beigefügt (Benthien 1997). Die Wirklichkeit des Tourismus ist so facettenreich, dass sie unsere terminologischen Systeme zu zersprengen droht, deshalb sei es notwendig, so Benthien (1997), „Mut zur terminologischen Mitte“ zu beweisen. Da aber Wissenschaft und Praxis auf genaue, klare Begriffe angewiesen sind, soll hier kurz eine Übersicht aus über 100 Jahren Bemühungen den Fremdenverkehr zu definieren, wiedergegeben werden.

Guyer-Freuler, „Fremdenverkehr und Hotelwesen“ Bern 1905:

Fremdenverkehr im modernen Sinne ist eine Erscheinung der Neuzeit, beruhend auf dem vermehrten Bedürfnis nach Erholung und Luftveränderung, dem erwachten und gepflegten Sinn für landschaftliche Schönheit, der Freude und dem Genuss der freien Natur, insbesondere aber bedingt durch die vermehrten Mischungen der verschiedenen Völker und Kreise der menschlichen Gesellschaft, infolge der Entwicklung von Handel, Industrie und Gewerbe und der Vervollkommnung der Transportmittel.

Schullern zu Schrattenhofen „Artikel Fremdenverkehr“ 1911:

Fremdenverkehr ist der Begriff aller jener und in erster Reihe aller wirtschaftlichen Vorgänge, die sich im Zuströmen, Verweilen und Abströmen Fremder nach, in und aus eine bestimmte Gemeinde, einem Lande, einem Staate betätigen und damit unmittelbar verbunden sind.

Wilhelm Morgenroth, „Artikel Fremdenverkehr“ 1927:

, Dauerwohnsitz entfernen, um zur Befriedigung von Lebens- und Kulturbedürfnissen oder persönlichen Wünschen verschiedenster Art anderwärts, lediglich als Verbraucher von Wirtschafts- und Kulturgütern zu verweilen.

von ihrem

Fremdenverkehr im

engsten Sinn ist

der Verkehr von Personen

die

sich vorübergehend

Arthur, Boormann, „Die Lehre vom Fremdenverkehr“:

Fremdenverkehr ist der Inbegriff der Reisen, die zum Zwecke der Erholung, des Vergnügens, geschäftlicher

besonderer

oder

beruflicher

Betätigung

oder

aus

sonstigen

Gründen,

in

vielen

Fällen

aus

Anlass

Veranstaltungen oder Ereignisse, vorgenommen werden und bei denen die Abwesenheit vom ständigen

Wohnsitz

zur

nur

vorübergehend,

im

Berufsverkehr

jedoch

nicht

bloß

durch

die

regelmäßige

Fahrt

Arbeitsstätte bedingt ist.

Robert Glücksmann: „Die wissenschaftliche Behandlung des Fremdenverkehrs“ 1930:

Fremdenverkehr = Überwindung des Raums durch Menschen, die zu einem Ort hinstreben, an dem sie keinen ständigen Wohnsitz haben.

Fortsetzung

Robert Glücksmann: „Fremdenverkehrskunde“ 1935:

Fremdenverkehr = Summe der Beziehungen zwischen einem am Ort seines Aufenthalts nur vorübergehend befindlichen Menschen und Menschen an diesem Ort.

Walter Hunziker, Kurt Kraf, „Fremdenverkehrslehre“ 1942

Fremdenverkehr ist somit der Inbegriff der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus dem Aufenthalt Ortsfremder ergeben, sofern durch den Aufenthalt keine Niederlassung zur Ausübung einer dauernden oder zeitweiligen hauptsächlichen Erwerbstätigkeit begründet wird.

AIEST 1954

Fremdenverkehr ist der Inbegriff der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt Ortsfremder ergeben, sofern durch den Aufenthalt keine Niederlassung zur Ausübung einer dauernden oder zeitweiligen hauptsächlichen Erwerbstätigkeit begründet wird.

Paul Bernecker, „Die Stellung des Fremdenverkehrs im Leistungssystem der Wirtschaft“ 1955:

Fremdenverkehr ist die Erstellung wirtschaftlicher Leistungen zur Befriedigung des zeitweiligen Ortsveränderungsbedürfnisses und der unmittelbar aus diesem entstehenden anderweitigen Bedürfnisse.

Paul Bernecker, „Grundlagenlehre des Fremdenverkehrs“ 1962

Als

Fremdenverkehr

bezeichnen

wir

die

mit

dem

Tatbestand

der

vorübergehenden

und

freiwilligen

Ortsveränderung

aus

nichtgeschäftlichen

oder

beruflichen

Gründen

verbundenen

Beziehungen

und

Leistungen.

Claude Kaspar, „Die Fremdenverkehrslehre im Grundriss“ 1975

Fremdenverkehr oder Tourismus wird definiert als Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächliche und dauernder Wohn und Arbeitsort ist.

Gerhardt Armanski, „Die kostbarsten Tage des Jahres –Tourismus – Ursachen, Formen, Folgen

1986

Unter Tourismus verstehe ich jenen Vorgang, der das Urlaubsreisen mit dem vorwiegenden Zweck der Erholung und des Erlebens umfasst.

WTO 1991

Aktivitäten von Personen, die an Orte außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zu Freizeit-, Geschäfts- oder bestimmten anderen Zwecken (außer einer Tätigkeit, die vom besuchten Ort bezahlt wird) nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten.

Walter Freyer, „Tourismus – Einführung in die Fremdenverkehrsökonomie“ 1996

Tourismus umfasst alle Erscheinungen, die mit dem Verlassen des gewöhnlichen Aufenthaltsortes und dem Aufenthalt am anderen Ort verbunden sind“ (weiter Tourismusbegriff).

Die beträchtliche Anzahl der Tourismusdefinition mag erschrecken, dabei sind die möglichen Definitionen selbstverständlich weder willkürlich noch nach Schönheit gewählt, sondern nach pragmatischen Zwecken (etwa danach, wie „Touristen“ tatsächlich beim grenzüberschreitendem Verkehr gezählt werden) und nach dem theoretischen Problemrahmen in dem eine Untersuchung stattfindet (vgl. Fischer 1984). Die oben genannten Tourismusdefinitionen weisen unterschiedliche Schwerpunkte auf. So stehen z.B. einmal strukturelle Voraussetzungen oder z.B. die Motivationen im Mittelpunkt. Eine einfache aber leicht verständliche Umschreibung des Tourismus ist, ihn als Schnittmenge aus horizontaler Mobilität bzw. aus Freizeit und Reisen zu umschreiben. Ähnlich simpel ist auch die Definition von Fischer (1984) die auf den Grundpfeilern „Fremder“, „Reisender“ und „Freizeit“ basiert, Touristen wären somit: „Fremde Reisende in ihrer Freizeit“.

1.2.3 Angebots- und nachfrageseitige Definitionen des Tourismus

Betrachtet man den Tourismus aus ökonomischer Sicht, so kann der Tourismus selbst als Markt bzw. Tourismusmarkt mit den typischen Ausprägungen von Angebot und Nachrage verstanden werden. Daraus lassen sich auch zwei grundsätzliche Ansätze für die Definition des Tourismus ableiten: einen angebotsorientierten und einen nachfrageorientierten.

Angebotsorientierte Tourismusdefinitionen setzen zur Abgrenzung bei den Eigenheiten der Anbieter auf dem touristischen Markt an. Nach Leiper 1979 kann demnach der Tourismus definiert werden als Industrie, die aus den Unternehmen besteht, welche Leistungen für die Bedürfnisse und Anliegen von Touristen erbringen. Angebotsseitige Definitionen des Tourismus sind von Bedeutung bei der Abgrenzung des Sektors im Zusammenhang mit der Erfassung seiner wirtschaftlichen Effekte und für die Diskussion wirtschaftspolitischer Maßnahmen (Bieger 2004). Es erfolgt also eine Abgrenzung als Wirtschaftsfaktor bzw. Industrie die Leistungen für die Bedürfnisse und Anliegen von Tourismus erbringen

“Tourism is an activity involving a complex mixture of material and psychological elements. The material ones are accommodation, transportation, the attractions and the entertainments available. The psychological factors include a wide spectrum of attitudes and expectations.”

(Quelle: Foster 1985)

Nachfrageseitige Definitionen setzen bei der Frage an, wer ein Tourist ist. Der Tourist ist eine Person, welcher eine Reise außerhalb seines gewohnten Arbeits- und Lebensumfelds

unternimmt (Jafari 1977 zit. in Bieger 2004).

UN (United Nations)„

die ein Land besuchen, das nicht ihr normales Herkunftsland

ist.“ (Gee/Makens/Choy 1997: 11)

WTO (World Tourism Organisation) unterscheidet zwischen Touristen (> 1 Übernachtung) und Ausflügler

1997: 11) • WTO (World Tourism Organisation) unterscheidet zwischen Touristen (> 1 Übernachtung) und Ausflügler

1.2.4 Weitere Unterscheidungsmöglichkeiten der Tourismusdefinitionen

In seinem Aufsatz „Zur Soziologie des Fremdenverkehrs“ hat Gleichmann den Versuch unternommen die jeweils gebräuchlichsten Tourismusdefinitionen einer Disziplin bzw. Wissenschaft zuzuordnen. Als gebräuchlichste Definitionen nennt er:

1. die fremdenverkehrswissenschaftliche, ferner

2. wirtschaftswissenschaftliche und

3. betriebswirtschaftlich orientierte,

4. eine kommunalwissenschaftliche,

5. eine geographische,

6. eine verkehrswissenschaftliche

Mit einigem Willen zur genauen Unterscheidung lassen sich dann noch einige Versuche ausmachen, wenigstens den Touristen zu definieren:

7. zu statistischen Zwecken evtl. unter

8. soziologischem Aspekt

Schon diese Aufzählung an Definitionen, lässt erkennen wie Umfang- und Facettenreich die Phänomene Fremdenverkehr bzw. Tourismus sind. So interessiert sich z.B. die Geographie primär für die raumwirksamen Aspekte des Fremdenverkehrs. Daher hängt die jeweilige Begriffswahl für die Definition von Fremdenverkehr und Tourismus, jeweils von dem vorherrschenden Forschungsinteresse ab, so dass eine völlige Vereinheitlichung gar nicht zu erwarten ist (vgl. Kemper 1975). Denn die in der Tourismusforschung involvierten Wissenschaftsdisziplinen bzw. dessen Forscher neigen oft dazu, spezielle Elemente und Perspektiven der jeweiligen Mutterwissenschaft in die touristische Forschung einfließen zu lassen. Da die Resultate tourismuswissenschaftlicher Untersuchungen häufig von Interessengruppen bei der Lobbyarbeit oder von politischen Entscheidungsträgern zur Begründung von Fördermaßnahmen eingesetzt werden, können definitorischen Unterschiede rasch eine erhebliche politische bzw. ökonomische Bedeutung erlangen (Steinecke 2006).

Wer sich einmal tiefer mit den vorliegenden Forschungsarbeiten aus den Bereichen Freizeit, Fremdenverkehr und Naherholung beschäftigt, der wird z.B. feststellen das z.B. die Geographen primär die Fremdenverkehrsdefinition von Poser oder Ruppert für ihre fremdenverkehrsgeographischen Arbeiten bevorzugten. Hingegen wird bei Gesamtdarstellungen über den Fremdenverkehr bzw. Lehrbüchern / Fremdenverkehrlehren die Definition von Hunziker / Krapf bzw. von Claude Kaspar verwendet. Ohne der eigenen Disziplin einen bestimmten Vorrang geben zu wollen, weißt Claude Kaspar darauf hin, dass es ökonomische Gegebenheiten sind, welche die Ortsveränderung zum Zwecke eines Aufenthalts außerhalb des Wohn- oder Arbeitsortes erst ermöglichen, d.h. aus einem Bedürfnis nach Reisen, Erholung usw. eine effektive marktwirksame Nachfrage entstehen lassen (Kaspar 1978). Da die meisten Tourismus-Studienangebote in Deutschland primär an Fachhochschulen im Fachbereich Betriebswirtschaftslehre angeordnet sind, macht es wohl auch Sinn Tourismusdefinitionen von (Tourismus-) Ökonomen den Vorrang in den Lehrbüchern zu geben.

1.2.5 Begriffsnotwendige Merkmale

Fasst man die wesentlichen Elemente der bisherigen Fremdenverkehrsdefinitionen zusammen, so erhält man folgende Kriterien die den Touristen bestimmen:

Personenverkehr, temporärer Ortswechsel: zeitlich begrenzte regionale Mobilität

Beziehung und Beziehungslosigkeit mit den „Einheimischen“

Auftreten in reiner Konsumfunktion mit Mitteln, die am Heimatort verdient wurden

(Knebel 1960)

Nach übereinstimmender Auffassung der Welttourismusorganisation (WTO), der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie des Statistischen Amtes der Europäischen Gemeinschaft (SAEG) ist der Tourismusbegriff an zwei Grundvoraussetzungen gebunden (Opaschowski 2002):

1. Der Besuch eines Ortes außerhalb des gewöhnlichen Aufenthaltsortes ist nur vorübergehende.

2. Am Zielort ausgeübte Tätigkeiten werden nicht von dort entlohnt.

Praktiker und Wissenschaftler, die im Bereich Tourismus tätig sind, beschäftigen sich vorwiegend mit drei konstitutiven Elementen des Reisens:

mit dem Ortswechsel von Personen, der über den normalen Aufenthaltsort hinausgeht und an einen „fremden“ Ort führt, dieser Ortswechsel erfolgt mit verschiedenen Transportmitteln

mit dem Aufenthalt am fremden Ort, der in der Regel in Hotels oder der so genannten Parahotellerie, zum Teil in Privatunterkünften bei Freunden und Bekannten erfolgt. Dieser Aufenthalt ist vorübergehend, der Reisende hat die Absicht, nach Stunden, Tagen, Wochen oder Monaten zurückzukommen.

Mit den Motiven des Ortswechsels, also der Frage, warum gereist wird. (Freyer 1996)

Eigene Anmerkungen: Abgesehen vom Geschäftsreiseverkehr, sind zudem kennzeichnend für den Tourismus:

Die Freisetzung von Arbeit in Form von Ferien und Freisetzung als vorübergehende Herauslösung aus normalen sozialen Bezügen in der Form der Ortsveränderung

Der Tourist fügt sich an seinem vorübergehenden Aufenthaltsort nicht in das dortige Leben ein, sondern erwartet meist Betreuung durch einen besonderen Zweig von Dienstleistungen, der ihm die Beschwerlichkeiten eines Einfügens in einen anderen sozialen Zusammenhang erspart. (Scheuch 1977)

1.2.4 Etymologie der Begriffe Fremdenverkehr / Tourismus

Fremdenverkehr Unter dem Begriff „fremd“ wurde im Deutschen das, was einem nicht nahe steht, also unbekannt ist, womit man nicht befreundet oder vertraut ist bezeichnet (vgl. Opaschwoski 1989). Das mittelhochdeutsche Wort „vremede“ entstammte dem germanische fram und bedeutete Entfernung, Trennung, Feindschaft, fremdes Land (Prahl/Steinecke 1981). Als Fremden (althochdeutsch fremedi) beschrieb man früher einen, der „fram“ (Grundbedeutung „weg, entfernt“,) „exterus“ (ex terra = aus dem Land), fern von seinem Heimatland war, also den Nichteinheimischen, den Ausländer. Der Begriff leitet sich aus dem gotischen „fram“ ab und bedeutet fern, weg von (E. Spatt 1974). Als „fremd“, konnte also im übertragenen Sinn die jenige Person bezeichnet werden, die aus der Ferne kam.

Das Wort „Fremdenverkehr“ leitete sich aber ebenfalls, aus dem althochdeutschen Begriff „eli-lenti“ ab, worunter man so viel verstand wie „im fremden Lande“ (vgl. E. Spatt 1974). Jedoch hat sich dieses Wort über das mittelhochdeutschen „elende“, was soviel bedeutete wie „jammervoll“, „unglücklich“ und als Hauptwort etwa mit den Begriffen „Not“, „Verbannung“ oder „Ausland“ zu übersetzen wäre, zu dem heutigen Wort „Elend“ entwickelt. Die Begriffe „eli-lenti“ und „elende“ waren mit der Vorstellung verknüpft, das die Menschen, welche aus anderen Gegenden und Ländern kamen, sich in einer bedauernswerten Lage befanden. Im Laufe der sprachlichen Entwicklung hat sich dann das Wort „fremd“ durchgesetzt (E. Spatt 1974).

Der Fremde war zugleich der Feind, er galt als rechtlos und hatte kein Anrecht auf Schutz und Frieden. Teilweise, waren die Fremden den Schikanen der Einheimischen ausgesetzt und wurden ihrem Schicksal selbst überlassen.

Neuere Forschungen kamen zu dem Ergebnis, das der Begriff „Fremdenverkehr“ vermutlich 1850 zum ersten mal, in einer im Auftrag des Ministers von Ladenberg verfassten Denkschrift eines Arztes, zu Fragen der Prostitution in Berlin auftauchte. Der Arzt Fr. J. Behrend wies nach, dass es – trotz des beschleunigten Wachstums der Bevölkerung der Stadt Berlin und der gleichzeitigen Zunahme des Fremdenverkehrs „in hohem Grade“ – der Polizei gelungen sei, die Prostitution in Berlin erheblich einzuschränken (Opaschowski 1989).

Eigene Forschungen ergaben allerdings,

In einem der Heidelberger Jahrbücher der Literatur - Seite 1049 von 1808 findet sich

das gelbe Fieber bricht los in

der Begriff „Fremdenverkehr“ in folgendem Satz „ volken Orten mit viel Fremdenverkehr aus …“

auch

In dem 1830 erschienen Buch von Heinr Plath „Geschichte des östlichen Asiens“ wird der Begriff „Fremdenverkehr“ im Inhaltverzeichnis genannt: Miscellanea. a) Auswanderungen – Fremdenverkehr usw. Not d. Volkes – Auswanderungen verboten – warum? nach Norden erlaubt – Zutritt dem Fremden verwehrt – Fremdenverkehr – Versuch der Russen in Canton einen Handel zu eröffnen scheitert- …

dass der Begriff Fremdenverkehr zudem bereits 1844 in einem Vortrag von E. Curtius „Die Akropolis von Athen“ genannt wurde. Dort heißt es (Seite 22): „Zudem war Ägypten in dieser späten Epoche gegen allen Fremdenverkehr vollkommen abgeschlossen.

Zudem lässt sich in dem 1857 veröffentlichten Buch von E. Curtius „Griechische Geschichte“ der Begriff Fremdenverkehr ebenfalls literarisch nachweisen. Dort steht auf Seite 344 „So waren die Verhältnisse unter der Dynastie der Aethiopen; der Verkehr bestand nur unter drückendem Zwange einheimischer Polizei, etwa wie neuerdings der Fremdenverkehr in Städten wie Canton und Nangasaki, …

Auch in einem öffentlichen Vortrag über den „Weltuntergang der griechischen Cultur“, den E. Curtius im Jahre 1858 an der Universität Göttingen gehalten hat, ist diese Formulierung zu finden: „ Nachdem sich das Land (gemeint ist Ägypten) einmal dem Fremdenverkehr geöffnet hatte, dauerte es nicht lange, bis das die Stärke des Pharaonenreiches auf den Griechen beruhte“ (E. Spatt 1974). Nach Spatt wird Begriff Fremdenverkehr in etwa 1866 literarisch nachweisbar – er bezieht sich hier wohl auf Hartsch (1968) nachdem der Begriff Fremdenverkehr erstmals in dem 1866 in Hamburg erschienen Buch „Recht der Frauen auf Erwerb“ von Louise Otto-Peters, der bürgerlichen Vorkämpferin für die Gleichberechtigung der Frauen, in Verbindung mit Dresden als einer der „Städte mit starkem Fremdenverkehr“ auftaucht - dies konnte durch eigene Forschungen widerlegt werden. Allgemein literarisch nachweisbar ist der Begriff somit seit 1808 bzw. 1830

Neu und bisher noch in keiner Publikation zur Tourismuslehre erfasst, ist also:

Der Begriff „Fremdenverkehr“ taucht bereits 1808 auf und ist auch seit diesem Datum – spätestens allerdings seit 1830 literarisch nachweisbar.

Tourismus

Tour bezeichnete im Griechischen ein zirkelähnliches Werkzeug. Kennzeichnend für die gesamte Wortgruppe (vgl. auch mittellatein. „tornum“) war der Begriff der Rundung, der eine zum Ausgangspunkt zurückkehrende Wendung beinhaltete (Opaschowski 1989). Eine Tour ist demnach ein „Wohin und zurück“, eine Reise weg vom normalen Wohnort hin zu einem anderen Ort, an dem man für eine Zeit verweilt, um dann wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren; ein Tourist ist jemand, der eine solche Tour macht (Mundt 1998) Entsprechend wird auch der Aspekt der "Rückkehr" oder des nur zeitweiligen oder vorübergehenden Aufenthaltes an einem anderen Ort meist mit" Tourismus" verbunden (Freyer 1998). Beim Tourismus ist die Rückkehr fester Bestandteil der Reise, es steht schon im Voraus fest und ist meist auch gewiss (außer z.B. bei Tod) das man wieder an den Ausgangspunkt der Reise (Heimat) zurückkehren wird.

Das Wort Tourismus stammt eigentlich aus dem griechischen und war Bezeichnung für ein zirkelähnliches Werkzeug und gelangte über das lateinische tornare ins Englische und Deutsche (vgl. Mundt 1998). Das Wort Tour wurde schließlich auf Dinge übertragen, die sich drehten oder gedreht wurden, wie zum Beispiel die Umdrehung einer Walze, einer Welle,

eines Motors (vgl. Tourenzahl) (Opaschowski in Prahl/Steinecke 1981).

• tornare lateinisch = runden • tornum mittelllatein. = Rundung • tornos (griechisch) = Turnus,

tornare lateinisch = runden

tornum mittelllatein. = Rundung

tornos (griechisch) = Turnus, Wiederholung, Rundung

tornus (lateinisch) = Turnus, Wiederholung, Rundung

tour französisch = Rundgang, Umlauf

Tourist = Person, die eine solche Tour macht

Im 17. Jahrhundert bedeutete das Wort „Tour“ soviel wie Umgang, Rundgang, Spaziergang und war als geruhsamer Rundgang um den eigenen Besitz am Abend (tour de propriétaire) üblich (Prahl / Steinecke 1981). In Adelskreisen unterschied man schon bald zwischen der „kleinen Tour“ und der „großen Tour“ (Opaschowski 1989). Besonders in Adelskreisen gehörte die „grand tour“ des jungen Adligen zur Ausbildung der Führungselite. Im Zusammenhang mit der ab ca. 1870 aufkommenden Bergtouristik, tauchte das Wort „Tour“ als Bedeutung für alpine Bergbesteigung auf. Nach Beendigung des deutsch-französischen Kriegs, wurde das Wort „Tour“ im neuen deutschen Reich zunehmend verpönt und durch Begriffe wie Reise oder Wanderung ersetzt.

Das Wort „Tourist“ ist erstmals um 1800 im Englischen belegt (z.B. Oxford English Dictionary 1811). 1918 taucht es im Französischen auf. Im Deutschen wird es nach 1830 unmittelbar aus dem Englischen übernommen (Opaschowski 1989). Mit der beginnenden Popularisierung einzelner früher Fremdenverkehrsformen und ihrer räumlichen Ausbreitung mehren sich Wortbildungen mit dem Prä- oder Suffixen „tour“ und „tourist“ (Vergnügungstour, Radtour, Tourenleiter, Touristenkarte, Touristenproviant) und zeigen ein Übergreifen des Fremdenverkehrs auf breite soziale Schichten an (Uthoff 1988).

Tourismus als Oberbegriff

„alle Reisen, unabhängig von ihren Zielen und Zwecken, die den zeitweisen Aufenthalt an einem anderen als dem Wohnort einschließen und bei denen die Rückfahrt Bestandteil der Reise ist“

1.2.5 Unterscheidung Fremdenverkehr / Tourismus

In der Praxis und der Wissenschaft herrschen unterschiedliche Auffassungen über die Begriffe Fremdenverkehr und Tourismus. Zwar verliert der ältere – rein deutsche Begriff – „Fremdenverkehr“ zunehmend an Bedeutung, allerdings sollen hier trotzdem kurz, wichtige Tendenzen und Begrifflichkeiten erläutert werden.

Während sich die Wissenschaftsgemeinde weitgehend einig ist, dass beide Begriffe identisch und somit gleichzusetzen sind; herrscht in der Praxis gerade die entgegen gesetzte Meinung – Fremdenverkehr und Tourismus sind nicht identisch. Die Praktiker wenden ein, dass es mehr als nur Nuancen sind, wodurch sich die Begriffe unterscheiden.

Mit beginn des Wirtschaftswunders in den 50er Jahren, als es für eine wachsende Zahl von Bundesbürgern finanziell möglich wurde, in Urlaub zu reisen, sprach man allgemein von Fremdenverkehr und verstand darunter die traditionelle Urlaubsreise (Feldmann 1997). Durch seine Betonung der verkehrsseitigen Komponente könnte der Fremdenverkehrsbegriff gerade im Rahmen verkehrsökonomischer oder tourismusgeographischer Betrachtungen von Vorteil sein, doch die „dem Fremden“ latent anhaftenden negativen Wertigkeiten geben den Ausschlag für eine Vernachlässigung dieses Terminus (vgl. Preisinger 1995).

Schon allein das Wort „Fremdenverkehr“ zeigt den Standort an, von dem aus die gesellschaftliche Reisetätigkeit und die Reisenden als Akteure betrachtet werden. Der Reisende ist hier als der Fremde, auch wenn er vielleicht Landsmann aus der Nachbarschaft ist (Bendixen 1997). Wenn jemand von Fremdenverkehr sprechen kann, dann wird es vermutlich der Gastgeber sein. Denn er bietet „Fremden“ Beherbergung, Verpflegung sowie Informations- und Betreuungsdienste. Der Reisende bzw. Tourist würde sich nie als „Fremden“ bezeichnen, er ist Gast oder versteht sich selbst als Besucher eines bestimmten Zielgebietes. Leider ist bereits der Wortteil „fremd“ unglücklich gewählt. Denn der Ferien – oder Urlaubsgast wie auch der durchreisende Gast sollen sich eben nicht als „Fremde“ fühlen müssen, sondern als „Gastfreunde“ aufgenommen werden (Zedek 1970). So sind in den letzten Jahrzehnten wiederholt Preisausschreiben ausgesetzt worden mit dem Ziel, für das Wort Fremdenverkehr einen neuen Ausdruck zu gewinnen (vgl. Spatt 1975). Allerdings sind neue Wortkreationen wie Gäste-, Urlaubs- oder Freizeitverkehr ebenso wenig aussagekräftig. Als Ersatz für Fremdenverkehr wird deshalb häufig die international geläufige Bezeichnung „Tourismus“ verwendet, obwohl auch diese Bezeichnung nicht ganz ohne Problematik ist. Zu einen, so der Einwand ist der Begriff „Tourismus“ dem Begriff Touristik zu nahe, der doch nur eine der vielen Arten des Fremdenverkehrs bezeichnet. Doch sind Fremdenverkehr und Tourismus wirklich identisch und können problemlos gleich gesetzt werden?

Unter den Praktikern bestehen verschiedene Auffassungen darüber was Fremdenverkehr bedeutet bzw. was diesen umfasst.

Fremdenverkehr reflektiert mehr die Sicht der Gastgeber, insbesondere mit Bezug auf Ausländer (Incomingtourismus / Inlandsreiseverkehr), im Gegensatz dazu umfasst Tourismus den Auslandsreiseverkehr, also Reisen von Inländern in Ausland

Fremdenverkehr umfasst alle Aspekte rund um Ferien und Freizeit

Organisation der Reisevorbereitung

er umfasst sowohl nationalen und internationalen Reiseverkehr

beinhaltet auch das Interesse an dem Phänomen der Mobilität aber auch des Kontaktes (mit Fremden verkehren)

wirkt allerdings wenig sympathisch (ängstlich, ablehnend)

Üblich ist auch das Fremdenverkehr = Als Gesamtheit aus Reiseverkehr und damit verbundenen Aufenthalten an fremden Orten zum Zwecke der Erholung, Gesundheitspflege, der Geselligkeit, des Sports, wegen politischer, beruflicher, wissenschaftlicher oder persönlicher Kontakte – verstanden wird.

Der Fremdenverkehrsbegriff taucht in der Praxis hauptsächlich im Sinne von Incoming Tourismus auf und bezieht sich hierbei auf alle Akteure die an der Aufnahme von Gästen bzw. Ortsfremden beteiligt sind. Im Gegensatz dazu versteht man unter „Tourismus“ dann das zeitweilige Verlassen des Wohnortes für eine – meist in das Ausland gehende - Reise (Mundt 1998). Eine andere Sicht ist, das Fremdenverkehr alle Reisen umfasst, Tourismus lediglich die Urlaubsreisen.

Die Sicht der Tourismusbranche: Begriffe sind nicht identisch

Tourismus ist umfassender als Fremdenverkehr (der internationale Begriff „Tourismus“ umfasst alle Aspekte des Reisens, Fremdenverkehr umfasst hingegen nur den Sonderfall nationaler Reisen.)

Fremdenverkehr ist umfassender als Tourismus (engere Definition des Tourismus, umfasst nur die Motive Erholungs- oder Urlaubsreiseverkehr, während Fremdenverkehr z.B. auch Geschäftsreisen einschließt.

Tourismus und Fremdenverkehr stehen nebeneinander. (Der Begriff „Tourismus“ bezieht sich dabei vor allem auf Outgoing und der Begriff „Fremdenverkehr“ auf Incominggeschäfte) (Freyer 1998)

Tourismus

Fremdenverkehr

Fremdenverkehr

Tourismus

(Eigene Darstellung nach Freyer 1998)

Die Sicht der Tourismuswissenschaft: Beide Begriffe sind gleichzusetzen

Beide Begriffe sind identisch; jeder Versuch, unterschiedliche Begriffsinhalte zu definieren, scheitert spätestens bei der Übersetzung in andere Sprachen

Das auswärtige Übernachten, stellt kein Definitionskriterium dar, denn es gibt auch Tagestourismus

Reisen, die keinem äußerem Zwang unterliegen, die aus rein intrinsischen Motiven unternommen werden

Als Ergebnis der Diskussion kann festgehalten werden, dass es heute durchaus angebracht ist, die Begriffe „Fremdenverkehr“ und „Tourismus“ gleichzusetzen bzw. sie synonym zu verwenden.

Wissenschaftlich strittig:

Weiter Tourismusbegriff:

Tourismus

Aufenthaltsortes

Ortsveränderungen

umfasst

und

alle

Erscheinungen,

Aufenthaltsort

dem

die

am

mit

dem

anderen

Verlassen

Ort

des

verbunden

gewöhnlichen

alle

sind

=

Engere Tourismusbegriffe:

Sie grenzen Tourismus vor allem hinsichtlich der Zeit/Reisedauer, des Ortes/der Entfernung und der Motive des Ortswechsels und der wissenschaftlichen Schwerpunktsetzung ein.

Touristischer Kernbereich:

Bei allen Tourismusdefinitionen ist die –mindestens – mehrtägige Urlaubs- oder Erholungsreise enthalten (touristischer Kernbereich). Uneinigkeit besteht vor allem, ob z.B. Geschäftsreisen (Motiv), Tagesreisen (Zeit), Ausflugsverkehr (Entfernung), Studien- und Arbeitsaufenthalte (nicht vorübergehend) usw. zum Tourismus zu rechnen.

(Quelle: Freyer 1998)

Schröder (Lexikon der Tourismuswirtschaft) Tourismus im weiteren Sinne beschreibt als Oberbegriff sowohl den Aus- und
Schröder (Lexikon der Tourismuswirtschaft)
Tourismus im weiteren Sinne
beschreibt als Oberbegriff sowohl den Aus- und Einreiseverkehr eines Landes mit den
Besuchszielen, die sich auf Freizeit mit Erholung, Urlaub, Gesundheit, Studium, Religion und
Sport sowie geschäftliche Tätigkeit, Familie, Mission und Versammlung gründen als auch das
Binnenreisegeschäft der Bewohner eines Landes.
Tourismus im engeren Sinne
kennzeichnet daneben im Wesentlichen den grenzüberschreitenden Ferien- und
Reiseverkehr mit Besuchern, die wenigstens eine Nacht und weniger als ein Jahr im
Besuchsland verbringen.
Fremdenverkehr gehört nach dieser Definition zum Binnenmarkt und in die Region.
Reiseverkehr
bezieht
sich
auf
die
Art
der
Beförderung
und
die
Verwendung
der
verschiedenen Verkehrsmittel.

1.2.5 Zusammenfassung der Merkmale des Tourismus (Ableitung aus den Definitionen)

Tourismus und Reisen ist mit einer Ortsveränderung verbunden

Die Ortsveränderung ist nur vorübergehend bzw. zeitlich befristet

Die Rückkehr zum Heimatort ist Bestandteil des Tourismus

Tourismus und Fremdenverkehr erfasst bzw. umfasst nicht nur die Angebote und Nachfrager, sondern auch die gesellschaftlichen, politischen, ökonomischen, ökologischen und technischen Folgen

Tourismus umfasst sowohl den Freizeitreiseverkehr sowie den Geschäftsreiseverkehr

Auch der Tourismus kann als Markt betrachtet werden – bei dem die Nachfrage das Angebot regelt

Mischung aus statisches (Aufenthalt) und dynamisches (Ortswechsel) Element

Massenhaftigkeit des Phänomens Tourismus

Wechselbeziehung zwischen den Reisenden und den Einheimischen

Herauslösung

(des

der

Reisenden

aus

den

normalen

sozialen

Beziehungen

Heimatortes)

Die Erwerbstätigkeit wird in vielen Definitionen des Tourismus ausgeschlossen

Tourismus ist somit sowohl ein Wirtschaftsbereich aber auch ein „besonderer“ Lebensbereich in dem der Reisende am Zielort meist als Gast aufgenommen wird

dem der Reisende am Zielort meist als Gast aufgenommen wird Eine der grundlegenden determinierenden Merkmale der

Eine der grundlegenden determinierenden Merkmale der Tourismusdefinitionen, ist die räumliche Abwesenheit vom normalen Wohn- / Aufenthaltsort, die auf der einen Seite eine Mindestzeitdauer überschreiten muss (24 Stunden), auf der anderen Seite allerdings eine Höchstzeitdauer (1 Jahr) nicht überschreiten darf. Das Problem einer treffenden und allgemein akzeptierten Tourismusdefinition, ist der Aspekt dass der Tourismus auf verschiedenen Ebenen betrachtet werden kann bzw. auch muss. Betrachtet man den Tourismus z.B. aus ökonomischer Sicht, so fungiert er z.B. in einen bestimmten geographischen Raum als Arbeitgeber, sowie z.B. als wichtiger Devisenbringer. In Destinationen wie Mallorca sind z.B. über 50% der Bevölkerung direkt vom Tourismus betroffen und somit auch von ihm abhängig. In der Stadt Luxor in Ägypten gibt es ca. 65000 Einwohner 85 % dieser Einwohner sind Beschäftigte im Tourismus. So unterscheidet z.B. Kaspar (1996) fünf wirtschaftliche Funktionen des Tourismus, dies sind: die Produktions-, Beschäftigungs-, Einkommens-, Ausgleichs- und Zahlungsbilanzfunktion. Zum anderen

müssen je nach Forschungsinteresse die ökologischen, gesellschaftlichen, technologischen oder politischen Funktionen des Tourismus näher betrachtet oder umschrieben werden. Es gibt zwei wesentliche Gründe weshalb eine ganze Reihe der gängigen Definitionsversuche nur bedingt für die theoretische und empirische Forschung geeignet sind:

1. Zu breiter Bezugsrahmen: Oftmals wird versucht, möglicht alle Formen und Erscheinungen in den Tourismusbegriff „hineinzupacken“ (vgl. Steinbach 2003). Definition wie z.B. von Kaspar versuchen das gesamte Spektrum der Tourismusarten und – formen in einer Definition zu umfassen. Es werden also unterschiedliche Reiseformen zusammengefasst, denen weitgehend divergierende Motivationsstrukturen zugrunde liegen und die auch durch sehr verschiedene Verhaltensmuster gekennzeichnet sind (vgl. Steinbach 2003). Besonderst in Motivationsuntersuchungen oder verhaltenswissenschaftlichen Studien über den Touristen, ist man gezwungen die in diesem generellen Tourismusbegriff erfassten „Touristengruppen“ isoliert und nacheinander zu behandeln.

2. Zu enger Bezugsrahmen: Währende als bei den Motivations- und Verhaltenstypen der Definitionsrahmen für „Tourismus“ zu weit gezogen wird, trifft für die zeitliche Komponente oft das Gegenteil zu (Steinbach 2003). Während eine Unterscheidung zwischen Tagestouristen (ohne Übernachtung) und Übernachtungstouristen (mindestens eine außerhäusliche Übernachtung) noch recht unproblematisch ist, so fällt die Bestimmung von Naherholung schon schwieriger aus. Denn wegen der fortgeschrittenen Entwicklung er Verkehrstechnologie und der enormen Verbilligung entsprechender Angebote, ist es aber heute nicht mehr ohne weiteres möglich, raumbezogene außerhäusliche Freizeitformen ohne Übernachtung als „Naherholung“

zu bezeichnen (Steinecke 1993).

Tourismus zu definieren bzw. zu erfassen ist teilweise äußerst kompliziert. Wahrscheinlich verhält es sich mit dem Tourismus wie mit der Pornographie: Sehr schwierig zu definieren, aber leicht zu erkennen und in beiden Fällen ist den Nachfragern die Definition eigentlich auch egal (vgl. Lohmann 1990). Während sich viele Autoren noch um eine generelle Klärung des Tourismusbegriffs bemühen, schlägt Bieger (2004) indes eine Erweiterung des ursprünglichen Tourismusbegriffes vor.

Tourismusbegriffs bemühen, schlägt Bieger (2004) indes eine Erweiterung des ursprünglichen Tourismusbegriffes vor.

Mit dieser Definition wird der Tourismus als Erscheinungsform über das Verhalten der Menschen an Hand der Tourismusnachfrage definiert. Aufgrund dieser eher breiten, systemorientierten Definition können auch nicht einfach Tourismusbranchen abgeleitet werden (Bieger 2004). Es können aber Branchen mit einer größeren oder kleineren Abhängigkeit vom Tourismus (d.h. von der Tourismusnachfrage) abgegrenzt werden (Bieger 2004).

1.2.6. Statistische Definitionen des Tourismus

Mit einer möglichen Definition des Tourismus beschäftigte sich im lauf der letzten Jahrzehnte auch mehrmals die WTO. Das vorrangige Ziel der Definitionsbemühungen war es, die Statistiken der verschiedenen Länder zu vereinheitlichen. Im Juni 1991 führt die WTO in Zusammenarbeit mit der kanadischen Regierung in Ottawa eine internationale Konferenz über Reise- und Tourismusstatistik durch, auf der eine Reihe von Empfehlungen zur Tourismusstatistik beschlossen wurden, die im März 1993 auch von der Statistikkommission der Vereinten Nationen angenommen wurden (Spörel 1998).

Rechtliche Grundlagen für die Tourismusstatistik sind:

Richtlinie 95/57/EG des Rates vom 23. November 1995 über die Erhebung statistischer Daten im Bereich des Tourismus

Entscheidung der Kommission vom 9. Dezember 1998 zur Umsetzung der Rats- Richtlinie 95/57/EG

Aktualisierungen in den Jahren 2004 and 2006, vor allem im Zusammenhang mit der Erweiterung der EU (Spörel 2007)

Der Tourismus ist ein Querschnittsbereich, zudem verschiedene Wirtschaftsbereiche Leistungen erbringen – dies kommt auch in der Definition der WTO zum Ausdruck. Daher kann der Tourismus auch nicht befriedigend von der Angebotsseite her definiert werden. Zudem besteht auch keine universelle Auffassung für die Definition der Tourismusindustrie bzw. Tourismuswirtschaft (vgl. Pender / Sharpley 2005). Es ist überhaupt fraglich, ob man den Tourismus als Industrie bezeichnen kann. Bei der Tourismusdefinition des statistischen Bundesamtes bzw. der WTO, handelt es sich deshalb, um ein weit gefasstes Konzept des Tourismus das deutlich von dem umgangssprachlichen und wissenschaftlichen Gebrauch des Begriffs abweicht:

Der Tourismus umfasst nach dieser Definition „die Aktivitäten von Personen, die an Orte außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zu Freizeit-, Geschäfts- oder bestimmten anderen Zwecken nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten

The WTO`s definition of tourism is now the one that is most widley accepted arround the

world (Pender / Sharpley 2005)

(WTO) Unerheblich ist zudem ob die Reise als Tages- oder „Übernachtungsreise“ getätigt wird – die

(WTO)

Unerheblich ist zudem ob die Reise als Tages- oder „Übernachtungsreise“ getätigt wird – die zentrale Bezugsgröße ist immer der Besucher.

In folge der Gliederung nach Reisezwecken, umfasst die statistische Tourismusdefinition:

Urlaubs- und Erholungsreisen

Besuche von Freunden und Verwandten

Dienst- und Geschäftsreisen

Sonstige private Reisen

Tagesreisen (Reisen ohne Übernachtung)

Eingeschlossen sind sowohl der Freizeit- und Geschäftsreiseverkehr sowie Reisende mit sowie auch ohne Übernachtung. Ausgeschlossen werden hingegen:

Pendler

Saisonarbeiter

Einwanderer

Angehörige von Streitkräften (Armee, Militär)

Diplomaten

u.a.

Anhand der statistischen Tourismusdefinition lassen sich drei Arten von Reiseströmen bzw. drei Grundformen des Tourismus in Bezug auf Reiseströme ableiten:

1. Binnenreiseverkehr (domestic tourism) = bezieht sich auf Inländer eines gegebenen Landes, soweit sie nur innerhalb des Landes reisen – Reisetätigkeit von Inländern welche nur im eigenen Land jedoch außerhalb ihres gewöhnlichen Lebensumfeldes reisen und sich dort aufhalten

2.

Einreiseverkehr (inbound tourism) = bezieht sich auf Ausländer, die in dem gegebenen Land reisen - Reisetätigkeit von Nichtinländern, die in einem Land außerhalb ihres gewöhnlichen Lebensumfeldes reisen und sich dort aufhalten

3. Ausreiseverkehr (outbound tourism) = bezieht sich auf Inländer, die in einem anderen Land reisen - Reisetätigkeit von Nichtinländern , Reisetätigkeit von Inländern, die in ein anderes Land reisen und sich dort (außerhalb ihres gewöhnliches Lebensumfeldes) aufhalten

(Quelle: WTO sowie Europäische Kommission (DG XXIII, Eurostat), 1998.)

sowie Europäische Kommission (DG XXIII, Eurostat), 1998.) Die unterschiedliche Kombination der drei

Die

unterschiedliche

Kombination

der

drei

Grundformen

des

Tourismus

ergeben

die

folgenden Tourismuskategorien:

Inlandstourismus

(internal

tourism):

 

Umfasst

den

Binnenreiseverkehr

und

den

Einreiseverkehr

Nationaler

Tourismus

(national

tourism):

Umfasst

den

Binnenreiseverkehr

und

den

Ausreiseverkehr

Internationaler Tourismus (international tourism): Umfasst den Einreiseverkehr sowie den Ausreiseverkehr

Sämtliche Arten der im Tourismus erfassten Reisenden werden als Besucher bezeichnet (STB 2003). Der Begriff Besucher / Visitor stellt somit das grundlegende Konzept der Tourismusstatistik dar.

(Spörel 2005) Nach der Definition der WTO und des Statistischen Bundesamtes, ist ein Besucher: “Jede

(Spörel 2005)

Nach der Definition der WTO und des Statistischen Bundesamtes, ist ein Besucher:

“Jede Person, die für die Dauer von nicht mehr als 12 Monaten ihre gewohnte Umgebung

verlässt und deren hauptsächlicher Reisezweck ein anderer ist als die Ausübung einer Tätigkeit, die von dem besuchten Ort aus entgolten wird”

.

Ein Besucher der nicht übernachtet wird als Tagesbesucher bezeichnet. Übernachtet der Besucher allerdings, so wird er im Sinne der Statistik als Tourist bezeichnet bzw. erfasst. Um als Tourist zu zählen, muss der Besucher laut Definition mindestens einmal bzw. eine Nacht in einem Beherbergungsbetrieb oder einer Privatunterkunft übernachten.

Tagesbesucher könnten z.B. Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes sein die morgens in einem bestimmten Land ankommen allerdings abends zurückkehren um an Bord zu übernachten – selbst dann wenn das Schiff mehrere Tage im Hafen des besuchten Landes liegt. Hierzu zählen auch Gruppenreisende die mit dem Zug unterwegs sind, oder Besitzer von Schiffen sowie Yachten. Durch das zeitliche Kriterium in der WTO Definition, grenzt sie den touristischen Besuch von dauerhaften Wanderbewegungen ab. Berufspendler werden bedingt durch das Entgeldkriterium ganz aus der Definition ausgeschlossen.

Für die Definition des Besuchers / Vistiors können drei grundlegende Kriterien identifiziert werden, welche den Besucher /Vistior von anderen Reisenden abgrenzen:

1. Der Besucher verlässt sein gewohntes Umfeld (Mindestentfernung, Mindestdauer),

2. Die Abwesenheit aus dem gewohnten Umfeld darf höchstens 12 Monate betragen – sonst Wechsel des Wohnsitzes

Für statistische Zwecke werden zwei Untergruppen der Besucher gebildet:

Internationale Besucher = Jede Person, die für die Dauer von nicht mehr als 12 Monaten ihre gewohnte Umgebung verlässt und in ein anderes als dasjenige Land reist, in dem sie ihren gewöhnlichen Wohnsitz hat, und deren hauptsächlicher Reisezweck ein anderer ist als die Ausübung einer Tätigkeit, die von dem besuchten Land aus entgolten wird.

Inländische Besucher = Jede Person, die in dem gegebenen Land ihren Wohnsitz hat und für die Dauer von nicht mehr als 12 Monaten ihre gewohnte Umgebung verlässt, um an einem anderen Ort, innerhalb dieses Landes zu reisen, und deren hauptsächlicher Reisezweck ein anderer ist als die Ausübung einer Tätigkeit, die von dem besuchten Ort aus entgolten wird

Touristen Internationaler Besucher Tagesbesucher BESUCHER / VISITOR Touristen Inländischer Besucher Tagesbesucher
Touristen
Internationaler Besucher
Tagesbesucher
BESUCHER /
VISITOR
Touristen
Inländischer Besucher
Tagesbesucher

(Abb. „Untergruppen der Besucher“ eigene Darstellung)

In der einschlägigen Tourismusliteratur wird für „Tagesbesucher“ oftmals auch die Bezeichnung „Ausflügler“ verwendet. Ausflügler sind also: alle vorübergehenden Besucher die nicht mindestens eine Übernachtung im besuchen Land verbringen obwohl sie das Land ggf. an einem oder mehreren Tagen besuchen und zum Schlafen auf ihr Schiff oder in ihren Zug zurückkehren. Ausflügler / Tagesbesucher besuchen einen Ort und halten sich dort nur recht kurzfristig auf – ohne an diesem Ort zu übernachten.

Als Klassifizierungsmerkmale für die touristische Nachfrage können verwendet werden:

Aufenthaltsdauer der Touristen

das Herkunftsland der Touristen

das Reiseziel

die benutzten Transportmittel

die Beherbergungsform

die benutzten Transportmittel • die Beherbergungsform Aber auch die Definition der WTO ist nicht frei von

Aber auch die Definition der WTO ist nicht frei von Widersprüchen. Theoretisch und streng genommen müssten weite Teile des Dienst- und Geschäftsreiseverkehrs ausgeschlossen werden, da ja laut Definition das Kriterium der Vergütung vor Ort ausgeschlossen wurde. Schließlich sind mit dieser Definition wichtige, sozialproduktsrelevante Aspekte des touristischen Angebots - nämlich Investitionstätigkeiten wie die Errichtung von Hotels oder Uferanlagen - nicht abgedeckt, die neben den unmittelbar an Touristen abgegebenen Leistungen ebenfalls dem Angebot für touristische Zwecke zugerechnet werden sollten

(Köhn/Hopf/Kloas o.J.).

Die Definition der WTO umfasst ein sehr weites Tourismusverständnis, dass allerdings nicht immer von Tourismuspraxis und Tourismuswissenschaft geteilt wird. Für Forschungsaufträge und wissenschaftliche Arbeiten, ist es teilweise notwendig eine eigene Definition dafür zu finden, was eine Person zum potentiellen Touristen werden lässt. Folgende Aspekte sollten bei eigenen Definitionsversuchen berücksichtig werden:

Motivation (Reisemotive)

Erholung

weg von vs. hin zu

Dauer - zeitliche Komponente

Übernachtung, Beherbergung

In einigen Tourismusdefinition (z.B. Armanski 1978) wird die Grenzüberschreitung als Bestandteil der Tourismusdefinition genannt. Dies erscheint jedoch wenig sinnvoll. Ein Reisender von Hamburg nach München wäre so also kein Tourist, er würde diesen Status erst erfüllen wenn er z.B. nach Mallorca reist. Die Tatsache, dass es einerseits die Definitionsbemühungen durch internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen und die Welt-Tourismus-Organisation WTO gibt, aber auch eigene Bestimmungen von betroffenen Ländern wie den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, Australien und Deutschland, welche davon zum Teil beträchtlich abweichen, sowie, darüber hinaus, eigene Klassifikationen mancher dazugehöriger Regionen, müsste zu denken geben (Mundt 1998). Anders gesagt: Es ist durchaus sinnvoll, auf Normierung zu bestehen, aber es sollte hinterfragt werden, welchen Zielen sie dient (Lauterbach 2006).

Weitere Unterteilung des Tourismus

Eine weitere wichtige Unterscheidung anhand der Reisedauer, ist die Unterscheidung in:

Kurzzeittourismus: 1 – 4 Übernachtungen = Aufenthalt von 2-5 Tagen

Erholungstourismus: 5 / 6 – 30 / 45 Übernachtungen = Aufenthalt von 6 / 7 – 30 /45 Tagen

Langzeittourismus: höchstes 1 Jahr = Aufenthalt von über 30 / 45 Tagen

Daueraufenthalt: über ein Jahr

Der Tourist

(Gross 2004 in Anlehnung an Freyer 2001)

Die OECD definiert Touristen als „Personen, die sich mindesten 24 Stunden außerhalb ihres Wohnortes aufhalten zu beruflichen, vergnüglichen oder anderen Zwecken (außer Arbeit, Studium und Daueraufenthalt).“ In dieser Definition wird als Mindestkriterium für Tourismus eine zeitliche Dauer von mindestens 24 Stunden bestimmt. Diese Definition kann in der heutigen Zeit als sehr problematisch und nicht mehr adäquat bezeichnet werden. Denn zum einen vernachlässigt sie den Ausflugs- und Dienstreiseverkehr - zum anderen ist eine Vierundzwanzig-Stunden-Zeitspanne heute nicht mehr zeitgemäß. So würden z.B. die sog. „Partytouren“ nach Mallorca – morgens mit dem Flugzeug hin und abends wieder zurück in die Heimat – nicht zum Tourismus zählen. Auch lassen die einzelnen Begriffsmerkmale eine starke Betonung des grenzüberschreitenden Reiseverkehrs, also des Ausländerreiseverkehrs,

erkennen (Spatt 1975).

Wie kann der Begriff „Tourist“ definiert werden?

Nach dem Zweck der Reise

berufsbedingt, Zweck der Reise ist ein geschäftlicher. Anlass = Geschäftsreise

die Reise dient der Erholung, Entspannung = Urlaubs- und Erholungstourismus

Reisen zu Freunden, Verwandten = sog. (VFR)

Aus- und Weiterbildung = sog. Bildungstourismus

Beispiel:

“Jede Person, die für die Dauer von nicht mehr als 12 Monaten ihre gewohnte Umgebung verlässt und deren hauptsächlicher Reisezweck ein anderer ist als die Ausübung einer Tätigkeit, die von dem besuchten Ort aus entgolten wird” (WTO)

In dieser Definition muss der Reisezweck ein anderer sein, als die Ausübung einer Tätigkeit. Die Reisen müssen entweder geschäftlichen Zwecken, dem Besuch von Tagungen und Kongressen, der Freizeitgestaltung oder dem Besuch von Freunden und Verwandten dienen.

Nach der zeitlichen Dauer

mehr als 24 Stunden

weniger als ein Jahr

Beispiel:

Touristen sind Personen, die sich für mindestens 24 Stunden außerhalb ihres Wohnortes aufhalten zu beruflichen, vergnüglichen oder anderen Zwecken (außer Arbeit, Studium und Daueraufenthalt) aufhalten (OECD)

Nach der Entfernung

außerhalb des Wohnortes / Wohnumfeldes

Nach der Übernachtungsmöglichkeit

Übernachtung in einem Beherbergungsbetrieb

Beispiel hierfür ist z.B. die Definition der Europäischen Kommission (1998):

Touristen sind Besucher, die am (im) besuchten Ort(Land) wenigstens einmal in einem Beherbergungsbetrieb oder einer Privatunterkunft übernachten.

(Quelle: Europäische Kommission (DG XXIII, Eurostat) 1998)

Tagesbesucher, Tages-Ausflügler

streng genommen sind dies keine Touristen, jedoch sind sie maßgeblich an z.B. der touristischen Aktivität eines Ortes beteiligt und nutzen sowohl das ursprüngliche sowie das abgeleitete touristische Angebot

zwar benutzen Tagesbesucher, Ausflügler touristische Einrichtungen, jedoch mit dem Unterschied, das sie keine Unterkunft benötigen und am Zielort nicht übernachten

Auch für den Begriff „Tourist“ finden sich mannigfaltige Definitionen. So wird der Tourist z.B. als jene Person bezeichnet, die Reisen als Freizeitbeschäftigung betreiben oder als eine Person die einen Ort durchläuft ohne zu beabsichtigen, dort permanent zu bleiben (vgl. Schmith

1989/Berghe 1980).

Der Einbezug der Motivation in die touristische Definition ist einleuchtend, da nur der Tourist selbst sicher behaupten mag, `Ja, ich reise!“ (Lüdtke 2002)

Trotz definitorischer Probleme, besteht in der Wissenschaft Konsens bezüglich drei zentraler Merkmale des Touristen:

Touristen sind Ortsfremde: Die Reise / Tourismus ist steht mit einem Ortswechsel von Wohnort zum Zielort verbunden (und mit der Rückkehr zum Wohnort; dabei wird üblicherweise das Überschreiten der Gemeindegrenze als Ortswechsel verstanden. Der Ortswechsel erfolgt zudem meist mit verschiedenen Transportmitteln

Touristen sind temporäre Bewohner: Die Aufenthaltsdauer am Zielort ist zeitlich begrenz, Meist nutz der Reisende touristische Einrichtungen wie z.B. Hotellerie und Parahotellerie, z. T. aber auch Privatunterkünfte bei Freunden. Als Obergrenze für den vorübergehenden Aufenthalt gelten üblicherweise 12 Monate, die Mindestdauer ist hingegen umstritten.

Touristen sind Konsumenten: Mit dem Aufenthalt am Zielort ist keine dauerhafte berufliche Tätigkeit in einer Arbeitsstädte verbunden (auch Geschäftsreisende, die sich zu Verkaufs- Akquisitions- bzw. Kontaktgesprächen am Zielort aufhalten, treten dort vorrangig als Konsumenten auf. (vgl. Steinecke 2006)

Der Tourist in der Alltagssprache

Zwar bemühen sich Wissenschaft und Praxis um eine genaue Klärung des Touristenbegriffs, doch die Reisenden schert dies wenig. Aber auch „Touristen“ sind nicht frei von Kritik. Besonderst der Begriff „Tourist“ hat im allgemeinen Sprachgebrauch eine zunehmend negative Wortbedeutung erfahren. Touristen sind immer die anderen: Besonderst die Gruppe der sog. „Alternativreisenden“ verwendet diese Aussage recht häufig. Aber mal ehrlich gsagt, wer will schon gerne Tourist sein? Der Tourist ein gehöriger Untertan der dem Reiseleiter blind folgt, der Idiot der Reise (Urbain 1991), der Landschaftsfresser, der Zerstörer und Verantwortliche für Prostitution und moderne Versklavung? Krippendorf (1984) stellt diesen Umstand in folgender Tabelle recht anschaulich dar:

(Krippendorf 1984 S. 94 f.)
(Krippendorf 1984 S. 94 f.)

Egal wie sich auch Tourismuskritiker oder sog. Alternativreisende im Urlaub zu anderen Reisenden äußern, in den Augen der Einheimischen und nach Definition der WTO sind auch sie Touristen.

Reisen sind verbunden mit Abenteuer, authentischer Erfahrung, Geschmack, Individualität und Selbsterfahrung, wogegen Tourismus vorgefertigt, vorbezahlt, bequem und vorhersagbar ist. Reisende treffen ihre eigene Wahl; Touristen lassen sich ihre Entscheidungen von

anderen treffen“ (Sharpley Übersetzung Mundt in Einführung in den Tourismus 1998)

Exkurs: Tourismus – Klassifikation eines Wirtschaftszweiges

Sowohl die Klassifikation der Wirtschaftszweige 2003 (WZ 2003), die statistische Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft (NACE Rev. 1.1) als auch die Internationale Systematik der Wirtschaftszweige (ISIC Rev. 4) enthalten keinen exakt abgegrenzten Wirtschaftsbereich „Tourismus“. In der tätigkeitsbezogenen WZ 2003 werden Einheiten mit gleichen wirtschaftlichen Tätigkeiten zusammengefasst, unabhängig davon, ob die Tätigkeiten für Touristen bzw. Einheimische erbracht werden (Janisch 1/2007). Ahlert (2003) unterschied in der Systematisierung für das Tourismussatellitensystem für Deutschland zwölf direkt bzw. indirekt am Tourismus partizipierende Wirtschaftszweige und weitere mit dem Tourismus verbundene Aktivitäten

Anhand dieser Systematik, lässt sich deutlich erkennen dass der Tourismus ein Musterbeispiel für einen

Anhand dieser Systematik, lässt sich deutlich erkennen dass der Tourismus ein Musterbeispiel für einen Querschnittsbereich ist. Problematisch ist allerdings, dass viele der genannten Wirtschaftseinheiten nicht direkt der Tourismuswirtschaft bzw. dem Tourismus zugerechnet werden können. Während Beherbergungsbetriebe, Reiseveranstalter oder Reisebüros ohne Schwierigkeit direkt dem Tourismus zugeordnet werden können, so ist dies bereits schon bei der Gastronomie erheblich schwieriger. Denn in Betrieben der Gastronomie speisen sowohl Touristen als auch Einheimische. Eine genaue Zuteilung der Betriebe zur Tourismuswirtschaft erfolgt in den nachfolgenden Kapiteln – hier soll nur kurz angemerkt werden das in der obigen Tabelle nicht alle Wirtschaftseinheiten als direkt dem Tourismus zugerechnet werden können.

International übliche Klassifizierung der Tourismusdefinitionen

Besonderst im angloamerikanischen Bereich ist es üblich die Tourismusdefinitionen wie folgt zu unterscheiden.

Holistische Definitionen

Unter diese Klassifikation fallen Tourismusdefinitionen, die sich zum einen mit der Industrie und mit den Auswirkungen des Tourismus befassen, zusammengefasst.

Tourism is the study of man away from his usual Tourism is the study of man away from his usual habitat, of the industry which responds to his habitat, of the industry which responds to his needs, and of the impacts that both he and the needs, and of the impacts that both he and the industry have on the host’s socio industry have on the host’s socio cultural, cultural, economic and physical environments.” economic and physical environments.” (Jafari 1977)

Konzeptionelle Definitionen Sie beschreiben das Wesen des Tourismus als Aktivität.

Tourism is travel and temporary stay, involving at least one nig Tourism is travel and temporary stay, involving at least one night away ht away from the region of a persons’ usual domicile which is undertakenfrom the region of a persons’ usual domicile which is undertakenwith the with the major expectation of satisfying leisure, pleasure, or recreation major expectation of satisfying leisure, pleasure, or recreational needs al needs which are perceived as being better able to be satisfied outside which are perceived as being better able to be satisfied outside the region the region of their domicile.” of their domicile.” (Stear 1998)

Technische Definitionen Durch diese Definitionen ist es möglich den Tourismus statistisch zu erfassen

Tourism is the aggregate of all businesses that directly Tourism is the aggregate of all businesses that directly provide goods or services to facilitate business, pleasure, provide goods or services to facilitate business, pleasure, and leisure activities away from the home environment and leisure activities away from the home environment” (Smith 1998)

1.2.7 Der Tourismusbegriff als konstitutives Element der Tourismuslehre

Erst nachdem eine „einwandfreie Definition“ für den Fremdenverkehr gefunden wurde, konnte sich allmählich eine Fremdenverkehrs- / Tourismuslehre und damit auch das logische System einer solchen Lehre entwickeln. Fremdenverkehr ist zum Gegenstand einer eigenen Wissenschaft, der Fremdenverkehrslehre bzw. Fremdenverkehrswissenschaft geworden, die 1942 von den Schweizern Walter Hunziker und Kurt Krapf mit folgender Definition begründet wurde: „Fremdenverkehr ist der Inbegriff der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus dem Aufenthalt Ortsfremder ergeben, sofern daraus keine dauernde Niederlassung entsteht und damit keine Erwerbstätigkeit verbunden ist (Opaschowski 2002). In negativer Umschreibung ergibt sich aus der Begriffsbestimmung des Fremdenverkehrs, dass die Fremdenverkehrslehre nicht den Wirtschaftswissenschaften zugerechnet werden kann, da

sie Begriffs- und Erscheinungskomplexe umfasst, die außerwirtschaftlicher Natur sind und aus der Wirtschaftstheorie und der wirtschaftlichen Betrachtungsweise heraus allein nicht erklärt und nicht verstanden zu werden vermögen (Hunziker 1942). Der Verweis auf die "Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen" deutet die Entwicklung zu komplexeren Strukturen aber auch einen umfaßenderenden wissenschaftlichen Zugang zum Fremdenverkehr an. Zum Fremdenverkehr zählen Hunziker und Krapf den freiwilligen Reiseverkehr mit konsumtivem Charakter, der Geschäftsreiseverkehr allerdings - bei dem eher das produktive Moment dominiert - zählt nicht zum Fremdenverkehr. Hunziker baute auf der Definition von ihm und Krapf seine Fremdenverkehrslehre auf und versuchte sogar im Jahr 1943 die Fremdenverkehrslehre als theoriegeleitete Kulturwissenschaft zu begründen.

Die Fremdenverkehrsdefinition von Hunziker/Krapf wurde 1954 leicht modifiziert von der AIEST – Der Internationalen Vereinigung von wissenschaftlichen Fremdenverkehrsexperten übernommen. Die Definition lautet von nun:

Fremdenverkehr ist der Inbegriff der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der

Reise

dauernde

Niederlassung entsteht und damit keine Erwerbstätigkeit verbunden ist

und

dem

Aufenthalt

Ortsfremder

ergeben,

sofern

daraus

keine

Die AIEST legte darauf Wert das die Definition um den Begriff der „Reise“ erweitert wurde, dies verwundert allerdings etwas, denn allein schon die Bezeichnung „Inbegriff der Beziehungen und Erscheinung dies sich aus dem Aufenthalt Ortsfremder ergeben“ weist eigentlich schon auf eine Reise hin. Denn wie sollen denn sonst die „Ortsfremden“ an den Aufenthaltsort gelangt sein? Allerdings streicht diese Definition im besonderen die reine Konsumorientiertheit als Charakteristikum des Fremdenverkehr heraus, der Geschäftreiseverkehr wird allerdings komplett ausgeklammert. Eine etwas unglücklich gewählt Formulierung ist zudem die Bezeichnung „Ortsfremder“, zudem gab und gibt es bis heute keine exakte Bestimmung, wie lange ein Person als „ortsfremd“ gilt.

So wies schlussendlich selbst der eigentliche Erfinder der Definition im Jahr 1970 darauf hin, das die Definition des Fremdenverkehrs zu überdenken und eine Formel zu finden sei, die auch den Geschäfttourismus berücksichtigt. Eine akzeptable und interdisziplinäre Definition lieferte der Tourismus-Professor Claude Kaspar:

Fremdenverkehr oder Tourismus stellt die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen dar, die sich (aus der Reise) aus der Ortsveränderung und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher und dauernder Wohn- noch (Arbeits-) Aufenthaltsort ist (Kaspar 1978/1995)

Diese Definition prägte die Fremdenverkehrswissenschaft bis in die heutige Zeit. Kaspar baute auf dieser Universaldefinition seine „Tourismuslehre im Grundriss“ auf und erweiterte die Fremdenverkehrslehre durch Übertragung der Systemtheorie auf den Tourismus. Hierzu merkt Kaspar an: Allein die begriffliche Umschreibung des Phänomens Fremdenverkehr oder Tourismus als die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher und dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist, weist auf ein vielschichtiges System von Beziehungen hin (vgl. Kaspar 1978). Ihm ist es auch wohl zu verdanken das die Tourismuslehre als angewandte Wissenschaft verstanden werden kann, die sich zur Abgrenzung von Forschungsobjekten und zur Erfassung der Wechselwirkungen der Systemtheorie bedient (vgl. Bieger 1994).

Als wesentliche Definition zur Begründung einer „wissenschaftlichen Tourismuslehre“ können also die Definition von:

Walter Hunziker / Kurt Krapf, Fremdenverkehrslehre 1942

der wissenschaftlichen Vereinigung von Fremdenverkehrsexperten 1954

und Claude Kaspar, Die Fremdenverkehrslehre im Grundriss 1975

genannt werden.

Erst die Definition von Kaspar wurde der Vielfältigkeit und Multidisziplinarität des Phänomens Fremdenverkehr / Tourismus gerecht.

1.2.8. Wichtige Begriffe der Tourismuslehre

Touristik

Der Begriff „Touristik“ ist eine Wortschöpfung die im internationalen Vergleich keine Entsprechung findet. Das Wort tauchte erst Ende des 19th Jahrhunderts auf, und bezog sich primär auf das Hochgebirge, Berge und die Entdeckung der alpinen Welt – Touristik und Touren waren Berg- und Klettertouren, Gletschertouren und im weitesten Sinn wurde damit die Bergtouristik umschrieben. Der Begriff übertrug sich bald ganz allgemein auf alle Reisen nicht geschäftlicher Art, und auch die sich bildenden Vereine und sonstigen Organisationen benutzten diesen Ausdruck (Opaschowski 1981). Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Bezeichnung Touristik vorwiegend im Zusammenhang mit Reisegestaltungsbetrieben wie Reisemittler und Reiseveranstalter verwendet. Somit kann Touristik als die geschäftsmäßige Beschäftigung mit Reisen verstanden werden, als Synonym für „Tourismusbetriebe“ und „Tourismuswirtschaft“, insbesondere für Reiseveranstalter und –mittler (vgl. Freyer 1996).

Schroeder definiert den Begriff „Touristik“ so:

„…gebräuchlich als Grund- und Bestimmungsort, z.B. in Flug-, See-, Schienen- und Straßentouristik oder Touristikbranche (z.B. Touristik-Experte, Touristik-Unternehmen). Der Begriff ist weitgehend gleichgesetzt mit Tourismus- und Fremdenverkehrsgewerbe.“

(Schroeder: Lexikon der Tourismuswirtschaft)

Touristik =

1. Gesamtheit der touristischen Einrichtungen und Veranstaltungen;

Reisewesen. (Langenscheidt Fremdwörterlexikon)

2. Im Reisebüro: Abteilung Touristik --> Urlaubs- und Pauschalreisen Business- Travel --> Geschäftsreisen Touristik

Die Touristik ist somit ein enger Tourismusbegriff. In der heutigen Zeit wird unter diesen Begriff,

Die Touristik ist somit ein enger Tourismusbegriff. In der heutigen Zeit wird unter diesen Begriff, vorwiegend die geschäftsmäßige Beschäftigung mit Reisen verstanden. Die „Touristik“ ist somit eine Teil- oder Untermenge des gesamten Wirtschaftsbereich Tourismus, der hauptsächlich durch Betriebe der Reisegestaltung geprägt ist.

Reiseverkehr

Der Begriff Reiseverkehr ist in der heutigen Zeit nicht mehr so sehr verbreitet wie früher. In den ersten fremdenverkehrswissenschaftlichen Arbeiten hingegen, tauchte der Begriff allerdings recht häufig auf. So bemühte sich z.B. Stradner (1905) den Fremdenverkehr begrifflich vom Reiseverkehr abzugrenzen (vgl. Sölter 2005). Der Reiseverkehr weist einige Ähnlichkeiten zum Tourismus auf, so ist z.B. der Reiseverkehr definiert durch Ortswechsel und Aufenthalt. Wer allerdings als Reisender den Begriff Tourismus anstelle des Begriffs Reiseverkehr verwendet, bezieht mit Sicherheit sein Reisemotiv auf die aufenthaltsbezogene Attraktivität eines Zielortes / Zielgebiet (Luft 2005).

Als eine allgemeine umsetzbare Definition für Reiseverkehr nennt Roth (2004) : Reiseverkehr umfasst alle Reisen

Als eine allgemeine umsetzbare Definition für Reiseverkehr nennt Roth (2004):

Reiseverkehr umfasst alle Reisen und unterscheidet:

Privatreisen (Urlaubsreisen, VFR-Reisen, Kur- und Bäderreisen)

Geschäftliche Reisen aller Art

Zum Reiseverkehr gehören

Alle Beziehungen zwischen dauernden Wohn/Arbeitsort (permanenter Aufenthalt) und nicht dauerndem Wohnort (nicht permanenter Aufenthalt)

Und alle daraus resultierenden Beziehungen, Strukturen und Entwicklungen (wie z.B. Verkehr, Überfremdung, Krankheiten, Umweltprobleme, Erholung, Glück, Reichtum, Kapital- und Warenströme usw.)

Meist wird der Reiseverkehr ab einer bis zu drei Monaten Übernachtung statistisch erfasst. Denn im internationalen Reiseverkehr ist es üblich, das sich der Begriff „Tourist“ auf eine Person bezieht, die sich für maximal drei Monate in einem anderen Land aufhält ohne eine Beschäftigung zu haben die von diesem Land aus entgolten wird.

Reiseverkehr umfasst alles Verlassen des eigentlichen bzw. ursprünglichen Wohnortes (auch Umzug oder Auswandern) sowie alle Formen und Arten des Reisens unabhängig von Motiv, Zeit, und Ort.

Im Gegensatz hierzu, bezieht sich der Reiseverkehr in der Definition von Schröder nur, auf die Art der Beförderung und die Verwendung von Verkehrsmitteln.

Nach Luft (1995) erweist es sich als durchaus angemessen die Gliederung des Reiseverkehrs und die entsprechenden Zusammenhänge auf die übergeordneten Kriterien abzustellen

Erholung (physische Regeneration = Erholungsreiseverkehr)

Berufs- bzw. erwerbsorientierte Bildung und Information (Messe-, Kongress-, Tagungs-, Konferenz-, Seminar- und Schulungsreisen = Messe-, Kongress- und Tagungsreiseverkehr

Erledigung von dienstlichen bzw. geschäftlichen Aufgaben (= Geschäfts- und Dienstreiseverkehr)

Nach Freyer (1996) stimmen Reiseverkehr und Tourismus nur in einem Schnittbereicht, dem touristischen Reiseverkehr überein.

(1996) stimmen Reiseverkehr und Tourismus nur in einem Schnittbereicht, dem touristischen Reiseverkehr überein.

Darüber hinaus umfasst:

Reiseverkehr weitere Aspekte als nur den touristischen Reiseverkehr: Hier werden alle Formen und Arten des Reisens, unabhängig von Motiv, Zeit, Ort betrachtet. Es ist für die Abgrenzung des Gebietes „Reiseverkehr“ unerheblich, warum eine Reise unternommen wird, wie lange sie dauert, wie weit sie geht und ob der Reisende wieder zurückkommt. Alles sind Reisen und damit Aufgabe einer „Reiseverkehrs- wissenschaft“ oder einer „-lehre“. Lediglich ein sehr weiter Tourismusbegriff könnte Reiseverkehr als Teil mit beinhalten. Reiseverkehr ist darüber hinaus eng mit allgemeinen Verkehrsfragen und damit auch mit Transportproblemen verbunden. Dabei bleibt an dieser Stelle offen, inwieweit sich „Reiseverkehr“ auf Personentransport und –verkehr beschränkt oder auch Güterverkehr mit umfasst. (Quelle Freyer 1996). Die Rückkehr zum Heimatort ist im Gegensatz zum Tourismus kein Kriterium der Reiseverkehrs.

International ist es üblich von „travel and tourism“ zu sprechen. Die Formulierung „travel“ kann mit dem deutschen Wort „Reiseverkehr“ gleichgesetzt werden. Es bietet sich der Einfachheit halber an, diese internationale Bezeichnung zu wählen und unter Betrachtung der jeweiligen Akzente und Nuancen die verschiedenen Begriffe gleichzusetzen. Wer sich allerdings intensiv mit dem Gegenstand der Tourismuswissenschaft beschäftigen will, der wird nicht darum herumkommen die Begriffe inhaltlich zu unterscheiden, abzugrenzen und zu differenzieren.

In Anlehnung an die internationale Betrachtung ist „Tourismus und Reiseverkehr“ die evtl. präziseste bzw. umfassendste Bezeichnung für den Forschungsgegenstand der Tourismuswissenschaft (Freyer 1996).

Besonders innerhalb der Tourismus-Statistiken wird oft vom Reiseverkehr gesprochen bzw. dieser statistisch erfasst. Laut statistischer Definition umfasst der Reiseverkehr:

die Waren und Dienstleistungen, die in einem Wirtschaftsgebiet von Reisenden erworben werden, die sich dort für weniger als ein Jahr aufhalten. Ausgenommen ist die internationale Beförderung von Reisenden, die als Personenbeförderungsleistungen unter die Transportleistungen fällt (HUSSAIN/BYLINSKI 85/2007)

Freizeit

Ein weiter sehr wichtiger Begriff im Zusammenhang mit Tourismus, ist der Begriff „Freizeit“. Die Freizeit als arbeitsfreie Zeit wird vom Freizeitforscher Dumazedier genauer umschrieben als Gesamtheit der Beschäftigungen, denen sich das Individuum nach freiem Belieben hingeben kann, sei es, um sich zu erholen, zu vergnügen, seine frei gewählte Ausbildung und Information im Sinne seiner sozialen Beteiligung zu verbessern, und zwar nach seiner Befreiung von beruflichen, familiären und sozialen Pflichten.

Der Begriff „Freizeit“ fand vor allem Anfang der 60er Jahre zunehmende Verwendung in der geographischen

Der Begriff „Freizeit“ fand vor allem Anfang der 60er Jahre zunehmende Verwendung in der geographischen Tourismusforschung. So wurden im Laufe der Zeit die drei Begriffe Fremdenverkehr / Tourismus, Erholung und Freizeit zu begrifflichen Ausgangsbasen der fremdenverkehrswissenschaftlichen / geographischen Tourismusforschung (vgl. Matznetter 1975). Im Blickfeld standen die räumlichen Auswirkungen des Freizeitverhaltens in Zusammenhang mit Studien über den Fremdenverkehr. So entwickelte sich aus der anfänglichen Fremdenverkehrsgeographie Mitte er 60er Jahre die Geographie der Freizeit und des Freizeitverhaltens. Durch die Verbreitung des Fremdenverkehrs zur Massenerscheinung, sowie bedingt durch die Entstehung neuer Freizeitaktivitäten wurde dann sehr bald deutlich, das der Terminus „Fremdenverkehr“ in seiner gängigen Interpretation immer fragwürdiger wurde, da er nur einen Teilaspekt des Freizeitverhaltensweisen abdeckte (vgl. Ruppert 1975).

immer fragwürdiger wurde, da er nur einen Teilaspekt des Freizeitverhaltensweisen abdeckte (vgl. Ruppert 1975) .

Freizeit – Freizeitverkehr – Fremdenverkehr / Tourismus

Komplex 1:

Freizeit in Haus und Garten Ferien auf Balkonien

Komplex 2:

Freizeitverkehr im Wohnumfeld und am Wohnsitz (Ort, Gemeinde, Stadt) Spaziergang vom Wohnsitz aus; ein Bier beim Wirt um’s Eck; Tennis oder Schwimmen in der Wohnsitzgemeinde

Komplex 3:

Freizeit- bzw. Fremdenverkehr ohne Übernachtung Tages- oder Halbtagesausflüge über die Grenzen des Aufenthaltsortes; Schitagesfahrten

Komplex 4:

Fremdenverkehr mit 1 - 4 Übernachtungen Durchreisetourismus; Städteflüge; Naherholung

Komplex 5:

Fremdenverkehr mit mindestens 5 Übernachtungen klassische Urlaubsreisen; aber auch längere Aufenthalte am Zweitwohnsitz oder bei Bekannten, Freunden und Verwandten

Komplex 6:

Fremdenverkehr mit Freizeitteilkomponente(n) Kururlaube; Seminar- und Kongresstourismus

Komplex 7:

Fremdenverkehr ohne Freizeitkomponente(n) Berufs- und Geschäftsreiseverkehr mit Übernachtungen

Freizeitverkehr =

Komplexe 2-5

Fremdenverkehr

=

Komplexe 3-7

In der Abbildung von Monheim stehen „Freizeitverkehr“ und „Fremdenverkehr“ einerseits gleichberechtigt nebeneinander, zum anderen zeigt die Abbildung aber auch, dass sich Schnittstellen zwischen „Freizeitverkehr“ und „Fremdenverkehr“ übergeben.

„Freizeitverkehr“ und „Fremdenverkehr“ übergeben. (Müller 2002) • Freizeit = im weitesten arbeitsfreie

(Müller 2002)

Freizeit = im weitesten arbeitsfreie Zeit

Freizeit = im engeren Sinn Zeitquantum außerhalb der Arbeitszeit, das dem Arbeitnehmer zur freien Verfügung steht

Freizeit und Tourismus sind oftmals untrennbar miteinander verbunden. Auf der anderen Seite jedoch sind Reisen und Tourismus nur eine von vielen Möglichkeiten der Freizeitbeschäftigungen. Zum Verhältnis von Freizeit und Tourismus, kann man sagen:

Tourismus ist nur ein Teilbereich der Freizeit, eine von vielen Möglichkeiten die freie Zeit zu verbringen. Freizeit ist allerdings für den Tourismus besonders in Bezug auf Freizeitreisen, ein konstitutives Element damit überhaupt gereist werden kann. Die folgende Abbildung von Steingrube zeigt ein möglich Typisierung von Freizeit und Tourismus.

In der soziologischen Freizeitforschung wird Tourismus als „mobile Freizeit“ verstanden und in der Erklärung von

In der soziologischen Freizeitforschung wird Tourismus als „mobile Freizeit“ verstanden und in der Erklärung von touristischen Erscheinungen oft von einem „industriegesellschaftlichen Lebensmodell“ ausgegangen, das auf den Komponenten Arbeit, Wohnen, Freizeit und Reisen beruht (Kaspar 1996). Auf dieses Modell wird in den folgenden Kapiteln ebenfalls kurz eingegangen.

Freizeittrends mit Einflüssen auf das Tourismusverhalten nach Matthias Horx

stagnierende Bevölkerung bei zunehmender Überalterung

veränderte Formen des Zusammenlebens

gesteigertes Bildungsniveau

fortschreitende Verstädterung

Zunahme der Zweit-Wohnsitze

steigender Motorisierungsgrad

Wirtschaftswachstum bei zunehmender Arbeitsproduktivität unter Freisetzung Arbeitskräften

Auflösung traditioneller Arbeitszeitstrukturen

wachsende Bedeutung der Eigenarbeit

Neubewertung von Arbeit und Freizeit

verändertes Geschlechterbild

zunehmende Umweltsensibilisierung

von

Freizeit wird heute als Bestimmungsgröße der Tourismusnachfrage betrachtet. Man kann z.B. davon ausgehen dass wenn z.B. der gesetzliche Urlaub. auf eine Gesamturlaubszeit von 40 Tagen steigen würde, das die z.B. auch positive Auswirkungen auf die Nachfrage nach touristischen Leistungen haben würde.

Naherholung

Auch der Begriff „Naherholung“ führte bereits zu definitorische Streitigkeiten zwischen den Tourismusforschern. Im Gegensatz zur „Tourismusdebatte“ wird weniger die räumliche Entfernung – die durch die fortschreitende Verkehrserschließung und die wachsende Motorisierung an Gewicht verloren hat, herangezogen, sondern vielmehr die zeitliche Limitierung der Freizeit (vgl. Ruppert / Maier 1970). Die Naherholung umfasst „die inner- und außerstädtischen Erholungsarten von der stundenweisen Erholung… bis hin zur Wochenend- und teilweise zur Feiertagserholung (Ruppert/Maier 1969). Der zeitliche Rahmen der Naherholung variiert von mehreren Stunden bis zu einem Tag. Diese Erholungsform ist ähnlich dem Tourismus durch den Orts- und Zeitaspekt bestimmt. Das zeitliche Limit für die Erholungsaktivitäten beträgt einen Tag = 24 Stunden. In der Regel wird für das Erreichen des Naherholungsgebietes ein zeitlicher Rahmen von 60-90 Minuten mit öffentlichen oder privaten Verkehrsmitteln nicht überschritten. Die Entfernung zum Zielgebiet beträgt in der Regel nicht mehr 100 km. Im Durchschnitt unternimmt jeder Bundesbürger alle 14 Tage einen Tagesausflug.

Naherholung ist die Gesamtheit der Ausflüge, die innerhalb der Tagesfreizeit an Wochenenden, an Feiertagen und an sonstigen freien Tagen in die außerstädtischen Freizeiträume führen (Buchwald 1998)

Früher war es üblich, besonderst raumbezogene Freizeitaktivitäten ohne Übernachtung als Naherholung zu bezeichnen. Hingegen versteht Kemper (1977) unter „Naherholungsaktivitäten“ alle diejenigen Freizeitaktivitäten, die sich im Freien abspielen und eine zeitliche Dauer von maximal 2-3 Tagen in Anspruch nehmen. In dieser sehr weit gefassten Definition von Kemper sind somit sowohl Ausflüge als auch Aktivitäten im engeren und weiteren Wohnumfeld eingeschlossen. Diese Naherholungsdefinition hat allerdings mehrere Schwachstellen. Zum einen ist die Beschränkung auf den Faktor „im Freien“ sehr problematisch, da sich z.B. Museumsbesichtigungen, der Besuch von Schlösser und Burgen sich nicht nur im Freien abspielt, zum anderen ist die zeitliche Dauer von 2-3 Tagen zu weit gefasst (Kurzzeittourismus)

Steinbach schlägt hingegen vor, das eintägige Nacherholungsreisen durch ein zusätzliches Distanzkriterium wie z.B. den 100 km-Radius um den Wohnortstandort, definiert werden

müssen (vgl. Steinbach 2003).

Urlaub

Ursprünglich bedeutete das althochdeutsche urloup die Erlaubnis schlechthin, im Mittelhochdeutschen wurde daraus spezifischer „die Erlaubnis wegzugehen die ein Höherstehender oder eine Dame dem Ritter zu geben hatte (Drosdowski &Gerbe 1963 zit im Mund 1998)

Die Bezeichnung Urlaub wird umgangssprachlich heute verstanden:

meist in zweierlei Hinsichten

allein entscheiden wie er seinen „Urlaub“ verbringt, ob er nun verreist oder den ganzen Tag auf der Couch sitzt und ließt, dass bleibt allein ihm überlassen. Unabhängig vom Lebensalter des Arbeitnehmers, ist in Deutschland gesetzlich ein Mindesturlaub von 24 Werktagen im Kalenderjahr festgelegt.

2. Urlaub wird zudem als Synonym für eine mehrtägige Reise verwendet. Hierbei ist es nicht von Bedeutung welcher Personenkreis in den Urlaub fährt, egal ob Rentner oder noch im Arbeitsprozess stehende Menschen.

ob Rentner oder noch im Arbeitsprozess stehende Menschen. Wie die obige Abbildung verdeutlicht gehört Urlaub zum

Wie die obige Abbildung verdeutlicht gehört Urlaub zum Bereich der Freizeit. Allerdings zeigt sie auch das dass Reisen bzw. der Tourismus nur eine von vielen Möglichkeiten innerhalb der Freizeit ist.

Im Zusammenhang mit Urlaub wird der Kurzurlaub, im Sinne von mindestens eine maximal drei auswärtige Übernachtungen oder z.B. der Wochenendurlaub = Kurzurlaub unter Einfluss eines Wochenendes unterschieden. Im Sinne der Reiseanalyse ist die Bezeichnung „Urlaub“ an mindestens vier Übernachtungen in einem Beherbergungsbetrieb oder einer Privatunterkunft gebunden. Der Ausreiseverkehr hat in Deutschland einen hohen Stellenwert, nicht umsonst werden die „Deutschen“ oft als Reiseweltmeister bezeichnet.

hat in Deutschland einen hohen Stellenwert, nicht umsonst werden die „Deutschen“ oft als Reiseweltmeister bezeichnet.

Der Anspruch auf Jahresurlaub hat sich in den letzten hundert Jahren mehr als verachtfacht. Im Jahr 1903 hatten einige Arbeitnehmer aus Industrie und Brauerein das Privileg auf drei Tage bezahlten Jahresurlaub. Nach Ende des Krieges wurde ein gesetzlicher Mindesturlaub von 12 Tagen für Arbeitnehmer bestimmt. Ein halbes Jahrhundert später, hat sich die Anzahl der beschäftigungsfreien Tage verdoppelt und ein Arbeitnehmer hat Anspruch insgesamt in einer Zeitspanne von mindestens 24 Tagen der Arbeit fern zu bleiben.

Reise

Die deutsche Sprache fügt 115 Wortverbindungen mit „Reise“ zusammen (Deutsches Wörterbuch 1995) sicher ein Zeichen dafür, dass die Deutschen viel von Mobilität halten (Schmidt 1999) bzw. selber gern reisen. Das Wort „Reise“ ist in der deutschen Sprache so geläufig, aber dennoch schwierig genau zu erklären. So steht z.B. im Wörterbuch der Gebrüder Grimm, dass „Reise“ die Handlung des Reisens selbst (als Bewegung zwischen verschiedenen Orten oder Räumen), die Erlebnisse während der Reise, den Erfolg der Reise und die Angaben zum Ort der Reise bezeichnet. Eigentlich kann nur der Reisende von sich selbst behaupten: „Ja ich reise!“ In diesem Sinn würde der Begriff „Reise“ einen subjektiv erlebten Zustand, eine vom Reisenden wahrgenomme Situation, die sich für ihn über bestimmte Einstellungen, Gefühle, und Verhaltensweisen zusammensetzt, beschreiben (vgl. Lüdtke 2002). Grundlegend für eine Definition von „Reise“ ist die Ortsveränderung.

Eine mögliche Definition hierfür ist:

Fahrt nach Orten außerhalb des ständigen Wohnsitzes zwecks Erholung, Erlebnis, Sport, Bildung, Kultur, Vergnügen, geschäftlicher oder beruflicher Betätigung oder aus Anlass familiärer Ereignisse (Verwandtenbesuche) (Opaschowski 2002)

Mit der Reise ist das Verlassen eines Ortes gemeint. Man bricht auf unternimmt eine Fahrt wie z.B. die Bahnreise, man kann unablässig reisen, von der Reise wieder zurückkommen oder für immer am Reiseziel bleiben. Der Aspekt der „Rückkehr“ ist im Gegensatz zum Tourismus kein notwendiger Bestandteil einer Reise.

Bei den Reisen werden vorwiegend die Urlaubsreisen und beruflich bedingte Reisen unterschieden. Bei den beruflich bedingten Reisen ist die eigentliche Reise nur ein Mittel zum Zweck (Besuch eines Meetings, Weiterbildungsveranstaltung), bei der Urlaubsreise ist die Reise der eigentliche Zweck. Die Motive der Urlaubsreise sind meist die Erholung, Regeneration, Kultur, Bildung und Entspannung.

Gegenstand der Tourismuslehre ist die Ortsveränderung von Menschen und alle damit zusammenhängenden Phänomene( Freyer 1997). Das wichtigste Element der Tourismuslehre ist somit die Reise. Um zu reisen, verlassen Menschen ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort (ihr Zuhause) und halten sich vorübergehend an anderen Orten (in der Fremde) auf. Bestandteil der Reise ist immer die Überwindung einer räumlichen Distanz. Um diese Distanz zwischen Heimatort und Zielort zu überwinden, werden verschiedene Transportmittel wie z.B. Auto, Bus, Bahn oder Flugzeug genutzt. Eine Modellhafte Darstellung dieses Vorgangs ist bei

Freyer zu finden (Freyer 8. Aufl.)

Touristische Reisen unterscheiden sich hinsichtlich anderer Formen der Ortsveränderung vor allem hinsichtlich:

ihrer Dauer („Zeit“) und Zeiterlebens

des Reiseziels („Ort“ / „Raum“ / „Entfernung“) und des Raumerlebens

der Reisemotivation oder des Motiverlebnis (Freyer 1997)

der Entfernung

der benutzten Verkehrsmittel

Der Begriff „Reise“ kann zudem auch produktpolitisch verwendet werden. So stellt die Reise als Leistungsbündel das eigentliche Grundprodukt des Tourismus dar. Als typisches Produkt der Touristik-Unternehmen kann vor allem die Pauschalreise betrachtet werden. Die Pauschalreise als Produkt spielt sich wie jede Reise in drei spezifischen Räumen ab: Heimtort, Unterwegs und Zielort.

Wann ist der Reisende ein Tourist?

Der Tourist ist kein Reisender. Zu den Reisenden zählen der Pilger, der bildungsreisende Scholar, der Künstler und der Händler, der Söldner und nicht zuletzt der Landstreicher. Unterwegs, ist dieser Reisende gleichwohl zu Hause: Er hat keine feste Bleibe und ist den Anderen ein Unbekannter, aber er bewohnt die Welt. Der Tourist ist erst recht kein Flüchtling, Migrant oder entlaufener Sträfling. Er ist nicht einmal ein Urlauber: "Urlaub" beinhaltet die Erlaubnis, fortzugehen - der Ritter erhielt sie von seinem Herrn oder der Dame seines Herzens, der heutige Arbeitnehmer bekommt sie von seinem Arbeitgeber. Das heißt, er erlangt die Freiheit, nichts zu tun. Der Tourist aber ist nicht frei, er muss sich touristisch betätigen. Das ist Ziel und Zweck des Tourismus.

In der einschlägigen Literatur erfolgt oftmals eine Trennung zwischen Reisenden und dem Tourist. Der Reisende verbringt seinen Urlaub richtig, der Tourist hingegen wird meist als Übel dargestellt. Während etymologisch im Wort „Reise“ der Impuls des Aufbrechens (englisch „to rise“) noch erkennbar ist, liegt der Akzent der Wortbedeutung bei „Tourismus“ auf der Rundfahrt (französisch „Tourneé), also dem Reiseverlauf, der sich wieder zur Rückkehr wendet, selbst (Grendt 2001). Nach Boorstin ist der Unterschied zwischen den einstigen Reisenden und den neueren Touristen, dass diese „passiv geworden“ sind. „Der Reisende war aktiv; er suchte ernsthaft nach Menschen, Abenteuern und Erfahrungen, der Tourist erwarte hingegen dass etwas mit ihm geschieht (Boorstin zit. in Bausinger 1991). Egal wie auch immer teilweise sogar sehr willkürlich in der Literatur zwischen Reisenden und Touristen unterschieden wird, Fakt ist, dass jede Person die nach o.g. Definition eine Reise unternimmt, ein Reisender ist. Der Tourist ist somit stets auch immer ein Reisender, denn er verlässt sein gewohntes Umfeld aus verschiedenen Reisezwecken.

Arten und Formen des Tourismus

In der älteren Literatur zum Fremdenverkehr, wurde die Begriffe Arten und Formen des Fremdenverkehrs / Tourismus vermengt und es erfolgte kaum eine logische Trennung der beiden Begriffe. Zwar bemühten sich einige Wissenschaftler wie z.B. Wegner (1929) um die Ableitung von Fremdenverkehrsarten (Anhand der verschiedenen Grundbedürfnisse) doch es entstand keine allgemeingültige Unterscheidung. Die Vielfalt der Motive und die unterschiedlichen Perspektiven erschweren die Einordnung in Tourismusarten und –formen. Neben der standardisierten Pauschalreise, werden heute von den Reiseveranstaltern zahlreiche

Möglichkeiten angeboten die „Schönsten Wochen des Jahres“ zu verbringen. Der normale „Standardurlaub“ verliert immer mehr an Bedeutung. In der heutigen Zeit kann der Reisewillige innerhalb weniger Minuten seinen Traumurlaub im Internet zusammenstellen und buchen. Dabei steht nicht immer nur ein Motiv im Vordergrund. So wird z.B. eine Bergtour in den Alpen (sportorientierter Tourismus) mit einem einwöchigen Bade- und Erholungsurlaub kombiniert (erholungsorientierter Tourismus). Der Reisende übernachtet dabei sowohl in Beherbergungsbetrieben der Parahotellerie (Berghütte) sowie auch in Betrieben der Hotellerie wie z.B. in einem First Class Hotel.

Die heute gängige Unterscheidung in Tourismusarten und – formen geht zurück auf Paul Bernecker, dieser bemühte sich in seiner Grundlagenlehre des Fremdenverkehrs um eine logische Trennung. Als Gliederungskriterium für die Arten des Fremdenverkehrs handelt es sich im allgemeinen um eine das innere Wesen des Fremdenverkehrs betreffende Unterscheidung. Die geistige Konzeption, die dem Fremdenverkehr in seinen verschiedenen Arten zugrunde liegt, wird hierbei den Maßstab bilden, während das äußere Geschehen des Ablaufs sich in den verschiedensten, sich ständig wandelnden und neu begründeten Formen des Fremdenverkehrs abspielt (Bernecker 1961). Allerdings wird es kaum möglich sein die Arten des Tourismus erschöpfend zu gliedern, denn die Entwicklung schläft nicht, besonderst durch die sich stetig wandelnden Motive, werden auch in Zukunft neue Arten des Tourismus entstehen. Anhand der Gliederung nach der Motivation, aus der Sicht des Nachfragers nennt Kaspar (1996) sechs Tourismusarten:

Erholungstourismus

kulturorientierter Tourismus

gesellschaftsorientierter Tourismus

Sporttourismus

wirtschaftsorientierter Tourismus

politikorientierter Tourismus

Die Motive für den Fremdenverkehr bzw. den Tourismus können meist nicht nur einseitig betrachtet werden. In der Praxis kommen meist mehrere Motivkombinationen vor, so dass eine strikte Trennung / Unterscheidung nicht immer exakt möglich ist. Als Anmerkung sei hier erwähnt dass einige der dominanten Typen der Tourismusarten gewissen Typen der Tourismusorte entsprechen.

Erholungstourismus: Unter Erholungstourismus versteht man die Nah- und die Ferienaufenthalte zur physischen psychischen Regeneration. Außerdem gehört die Kurerholung zum Erholungstourismus. Bei der Kur werden natürliche Heilmittel des Bodens, des Klimas und des Meeres zur Heilung oder zur Vorbeugung eingesetzt.

Kulturorientierter Tourismus: Der kulturorientierte Tourismus lässt sich in Bildungstourismus und in Wallfahrtstourismus unterscheiden. Der Bildungstourismus umfasst den Besuch historisch, kulturell oder geographisch sehenswerter Stätten. Bildungsreisende interessieren sich meistens auch für die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse im Zielland. Ziele des Wallfahrtstourismus (Pilgertourismus) sind Orte mit besonderer religiöser Bedeutung.

Gesellschaftsorientierter Tourismus: Der gesellschaftsorientierte Tourismus trifft als Verwandtentourismus oder als Clubtourismus auf. Der Verwandtentourismus umfasst auch

den Besuch bei Freunden und Bekannten. Er wird international als visiting friends and relatives (VFR) bezeichnet. Der Clubtourismus zeichnet sich dadurch aus, dass die Reisenden bewusst in die Gruppe integriert werden. Dies geschieht unter anderem durch ein ausgeprägtes Animations- und Sportprogramm.

Sportorientierte Tourismus: Zum sportorientierten Tourismus gehören Reisen zur aktiven sportlichen Betätigung und Reisen zur passiven Teilnahme an Sportveranstaltungen.

Wirtschaftsorientierter Tourismus: Der wirtschaftsorientierte Tourismus umfasst im weitesten Sinne Reisen, die aus beruflichen Gründen durchgeführt werden. Zu den wirtschaftsorientierten Tourismusarten zählen der Geschäftstourismus, der Kongresstourismus, der Ausstellungs- und Messetourismus sowie der Incentivetourismus.

Politikorientierter Tourismus: Der politikorientierte Tourismus gliedert sich in zwei Ausprägungen: in den Diplomaten- und Konferenztourismus sowie in Tourismus in Zusammenhang mit politischen Veranstaltungen.

(Quelle: Kaspar / Forisch-Will 1994)

Eine abweichende Gliederung nach Tourismusarten findet sich bei Luft (2005). Er geht bei seiner „Klassifizierung des Reiseverkehrs“ von der Motivsituation aus, da sich im Reiseverhalten das zugrunde liegende Motiv der Ortsveränderung ausdrückt. In seinem Schema gibt es drei „übergeordnete“ Kriterien:

1. Erholung

2. Berufs- bzw. erwerbsorientierte Bildung bzw. Information

3. Erledigung von geschäftlichen und dienstlichen Aufgaben

Gliederungsmerkmale für die Tourismusarten sind die von der touristischen Nachfrage ausgehenden grundlegenden Reise- und Aufenthaltsmotive / -erwartungen. Danach können z.B. folgende Tourismusarten benannt werden:

Erholungstourismus

Sporttourismus

Kulturtourismus

Kurtourismus / Gesundheitstourismus

Veranstaltungstourismus

Auch die Bezeichnung „Tourismusart“ bzw. „Tourismusarten“ ist nicht frei von Kritik. Im Lexikon der Geographie (2001) ist folgendes zu lesen:

Tourismusart, (veralteter) Begriff zur Gliederung des Tourismus nach der Motivation des Nachfragers, z.B. Erholungstourismus, Gesundheitstourismus, Messetourismus. Nur bei eindeutiger Motivationslage und Überschneidungsfreiheit mit anderen Gliederungskriterien sollte dieser Begriff verwendet werden. (Spektrum – Lexikon der Geographie,

2001)

Im Gegensatz zu den Tourismusarten, bei denen die Motivation eine Rolle spielt, erfolgt die Gliederung der Tourismusformen nach äußeren Ursachen und Einwirkungen. Unter den

Formen

verschieden

Bernecker 1962).

des

Tourismus

bezeichneten

sollen

daher

die

Fremdenverkehrs-

nach

äußeren

Ursachen

und

Einwirkungen

/

Tourismusabläufe

bezeichnet

werden

(vgl.

Tourismusform (touristische Erscheinungsform), greift auf sichtbare, äußere Erscheinungen oder auf nur zum Teil sichtbare Verhaltensweisen sowie auf die nicht sichtbare Reisemotivation zurück, um die Vielfalt der touristischen Nachfrage zu gliedern. Die jeweils definierten touristischen Erscheinungsformen erweisen sich in ihrer Vielfalt als beinahe beliebig. Die verwendeten Kriterien sind

frei wählbar,

nicht immer überschneidungsfrei,

sie müssen nicht die Gesamtheit aller Touristen erfassen und

sie müssen einander nicht ausschließen, sondern können auch miteinander kombiniert

werden. (Spektrum – Lexikon der Geographie, 2001)

Wenn Reisen nach einem äußeren Kriterium wie der Beherbergungsform oder der Art des verwendeten Verkehrsmittel unterschieden werden, so sagt man, das diese Reisen zu unterschiedlichen Tourismusformen gehören. Denkbar sind theoretisch viele Möglichkeiten, um Tourismusformen nach äußeren Kriterien abzugrenzen. Die heute gebräuchlichsten Unterscheidungen der Tourismusformen sind heute (Kaspar / Frisch-Will 1994 und Kaspar 1996:

die Herkunft der Reisenden

der Organisationsform

der Aufenthaltsdauer

dem Alter der Reisenden

dem Verkehrsmittel

der Jahres bzw. Saisonzeit

der Beherbergungsform

die Auswirkungen auf die Zahlungsbilanz

die Art der Finanzierung

der soziologischer Inhalt

die Reiseform (Art der Organisation der Reise)

das Reiseverhalten

Tourismusformen nach der Herkunft der Reisenden: Nach der Herkunft der Reisenden gliedert man den Tourismus in Binnen und Auslandstourismus Das Wort „Herkunft“ bezieht sich als nicht auf die Nationalität oder die Abstammung der Tourismussubjekte, sondern darauf, wie die Reisenden normalerweise leben und arbeiten. Man spricht auch von Inlands- und Auslandsreisen

Tourismusformen nach dem Organisationsform: Nach der Organisationsform unterscheidet man Pauschaltourismus und Individualtourismus. Die Pauschalreise ist ein standardisiertes, vororganisiertes Bündel von Reiseleistungen, das komplett gekauft wird. Die Individualreise ist dadurch gekennzeichnet, dass man sie selbst organisiert und abwickelt. Sie wird gelegentlich auch als Einzelreise bezeichnet. Das hießt aber nicht, dass man alleine verreisen müsste: auch eine Reise mit der ganzen Familie, die man selbst plant und

durchführt, ist eine Einzelreise. Der Begriff Individualtourismus wird außerdem häufig als Gegenbegriff zu dem des Massentourismus benutzt. Massentourismus bedeutet ursprünglich dass viele Menschen am Tourismus teilnehmen (können).

Tourismusformen nach dem Aufenthaltsdauer: Eine sehr wichtige Unterscheidung von Tourismusformen ist die nach der Aufenthaltsdauer. Unterscheidet man Tourismusformen nach der Dauer des Aufenthalts, fallen Urlaubsreisen unter den langfristigen Tourismus. In diese Kategorie gehört außerdem der Kulturtourismus.

Der langfristige Tourismus wird ergänzt durch den kurzfristigen Tourismus. Der kurzfristige Tourismus gliedert sich in Durchreise- und Passantentourismus, Tagesausflugstourismus und eigentlichen Kurzzeittourismus (Kurzreise). Unter Durchreise- und Passantentourismus versteht man, dass die Reisenden nicht zum Aufenthaltsort zurückkehren. Mit Tagesausflugstourismus sind Touren gemeint, bei denen man nicht übernachtet.

Tourismusformen nach der Aufenthaltsdauer langfristiger langfristiger Tourismus Tourismus Durchreise- und
Tourismusformen nach der
Aufenthaltsdauer
langfristiger
langfristiger
Tourismus
Tourismus
Durchreise- und
Urlaubsreise
Passantentourismus
Kurtourismus
Tagesausflugstourismus
Kurzreise

(Kaspar / Forisch-Will 1994)

Tourismusformen nach dem Alter der Reisenden:

Auch das Alter der Reisenden wird herangezogen, um Tourismusformen zu unterscheiden, Dabei spielen vor allem die Personengruppen am unteren und am oberen Ende der Altersskala terminologisch eine Rolle; man spricht zwar vom Jugendtourismus und vom Seniorentourismus, aber die Altersgruppe dazwischen hat keine eigene Bezeichnung. Unter Jugendtourismus versteht man den Reiseverkehr von Leuten, die nicht mehr mit ihren Eltern und noch nicht mit ihrer eigenen (potentiellen) Familie in Urlaub fahren. Im wesentlichen fallen darunter als Reisende zwischen 15 und 24 Jahren. Seniorentourismus ist der Reiseverkehr von Personen, die nicht mehr aktiv erwerbstätig sind.

Tourismusformen nach dem Verkehrsmittel: Eine weitere Einteilung der Tourismusformen betrifft das Verkehrsmittel, dass für die Ortsveränderung benutzt wird. Man unterscheidet Flugtourismus, Bustourismus, Bahntourismus, Autotourismus und Schiffstourismus.

Tourismusform nach der Jahres- bzw. Saisonzeit: Nach den Jahreszeiten unterscheidet man zwischen Sommertourismus und Wintertourismus. Die Einteilung nach der Saisonzeit bezieht sich darauf, dass die Nachfrage nach Reiseleistungen über das Jahr hinweg variiert. Der Zeitraum, in dem die meisten Menschen reisen, heißt Hochsaison, die übrige Zeit wird in mehrere Neben- bzw. Zwischensaisons eingeteilt. Die Hochsaisontermine sind nicht für alle Zielgebiete identisch.

(Quelle bis hier: Kaspar / Frisch-Will 1994)

Tourismusformen nach der Beherbergungsform: Nach der Form der Beherbergung können primär die Hotellerie und die touristische Parahotellerie unterschieden werden. Zudem bevorzugen es einige den sog. Camping- und Wohnwagentourismus. Aber auch Chlet- und Appartementtourismus oder Zweitwohnungstourismus sind als denkbare Tourismusformen möglich.

Tourismusformen anhand der Auswirkungen auf die Zahlungsbilanz: Bei den Auswirkungen auf die Zahlungsbilanz sind der aktive und der passive Tourismus zu unterscheiden. Aktiver Tourismus und somit auch Einwirkung auf die Zahlungsbilanz des Landes hat der Incomingtourismus - der Ausländertourismus im Inland. Keine Auswirkungen auf die Zahlungsbilanz bzw. passiver Tourismus entsteht durch den Outgoingtourismus - Fremdenverkehr der Inländer im Ausland.

Tourismusformen nach der Finanzierungsart:

Sozialtourismus (Beteiligung kaufkraftschwacher Bevölkerungsschichten am Tourismus, wobei dieser durch besondere Vorkehrungen ermöglicht und erleichtert wirt)

Tourismus durch Vor- und Nachfinanzierung (Kreditkarten) (Kaspar 1996)

Wichtiges Kriterium ist hier also ob eine Eigen- oder Fremdfinanzierung vorliegt.

Tourismusformen nach soziologischem Inhalt:

Luxus- und Exklusivtourismus

Traditioneller Tourismus (entsprechend der touristischen Ausprägung von Individualreise und –aufenthalt im Hotel in den Anfangsjahren des modernen Tourismus.

Jugendtourismus

Seniorentourismus

Sozialtourismus

Sanfter Tourismus

Tourismusformen nach dem Reiseverhalten: Anhand dieser Tourismusform lässt sich gut der Wandel und das Entstehen von neuen Tourismusformen aufzeigen. Besonderst in der 80er Jahren wurde der Ruf laut nach einem Tourismus im Einklang mit Mensch und Natur. Hieraus entwickelte sich allmählich der „sanfte Tourismus“. Kaspar unterscheidet in dieser Gruppe:

Intelligenter Tourismus

Neigungsorientierter Tourismus

Intelligenter Tourismus • Neigungsorientierter Tourismus Die Einteilung von Reisen in Tourismusformen geht von

Die Einteilung von Reisen in Tourismusformen geht von äußeren Ursachen aus, nicht von der Motivation des Reisens. Sie unterscheidet sich dadurch von der Einteilung nach Tourismusarten. Zu Präzisierungszwecken lassen sich wiederum die meisten der erwähnten Tourismusformen miteinander kombinieren. Beispiele hiefür sind: langfristiger Hoteltourismus, intelligenter Kurzzeittourismus usw.

Die genannte Aufzählung von Tourismusarten und –formen erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Der allgegenwärtige Wandel in der Tourismuswirtschaft lässt immer neue Arten und Formen des Tourismus aufkommen, zudem gibt es zahlreiche Mischformen die nicht eindeutig einer Tourismusart oder Tourismusform zugeteilt werden kann. So finden sich

z.B.

vorgenommen werden:

auch

Klassifikationen

von

sog.

„Fremdenverkehrsarten“

die

nach

fünf

Kriterien

1. Temporales Kriterium (Dauer der Reise) Naherholungsverkehr, Passantenverkehr

2. Kausales Kriterium: (Motiv der Reise) Freizeitverkehr, Geschäftsreise

3. Modales Kriterium: (Art der Unterkunft und des Verkehrsmittels) Hotellerie, Parahotellerie, Bustourismus

4. Saisonales Kriterium: (Jahreszeitliche Verteilung) Wintersaison, Sommersaison

5. Organisatorisches Kriterium (Organisationsform) Gesellschaftsreise, Individualreise

Allerdings handelt es sich bei diesen „Fremdenverkehrsarten“ – wenn man die vorher erörterte Einteilung von Kaspar heranzieht – um eine Mischung aus Tourismusarten und Tourismusformen. In der heutigen „Tourismuswissenschaft“ gibt es bisher keine klaren und allgemein akzeptierte Abgrenzungen für Tourismusarten und –formen. Überschneidungen und Ergänzungen sind quasi unbegrenzt möglich.

Das System Tourismus

Die Erscheinung „Fremdenverkehr“ oder „Tourismus“ als mehrdimensionales System zu erklären, versuchte erstmals (im deutschsprachigen Raum) 1975 der Tourismusökonom Claude Kaspar. Nach Kaspar`s Ansicht weißt allein schon die Beschreibung des Phänomens Fremdenverkehr oder Tourismus als die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher und dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist, auf ein vielschichtiges System von Beziehungen hin (vgl. Kaspar 1978). Der Tourismus ist heutzutage ein eigenständiger Bereich (System) unserer alltäglichen Lebensumwelt geworden. Zu diesem Lebensbereich „Tourismus“ bestehen starke interdisziplinäre Verflechtungen zu anderen Bereichen.

Definition System / Systemtheorie

Systeme sind eine „geordnete Gesamtheit von Elemente, zwischen denen irgendwelche Beziehungen bestehen oder hergestellt werden können“ (Ulrich 1968)

Ulrich bezeichnete die allgemeine Systemtheorie als „die formale Wissenschaft von der Struktur, den Verknüpfungen und dem Verhalten irgendwelcher Systeme.

Jedes System zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

Es muss aus mehreren Teilen bestehen

Die Teile müssen voneinander verschieden sein

Die Teile dürfen nicht wahllos nebeneinander liegen, sonder sind in einem bestimmten Aufbau miteinander vernetzt. Das „Netz“ muss nicht unbedingt sichtbar sein, sondern kann auch durch Wirkungen bestehen, die durch einen Informationsaustausch

zustande kommen (vgl. Vester 1982)

Bereits Kaspar war schon früh bewusst, dass der Fremdenverkehr / Tourismus nicht einseitig betrachtet werden darf. Zu dieser Multidisziplinarität führt die Tatsache, dass der Fremdenverkehr / Tourismus zahlreichen Einflussfaktoren ausgesetzt ist, aber selbst auf viele Erscheinungen Einfluss nimmt (Kaspar 1978). Der Tourismus entzieht sich einer eindimensionalen

Betrachtung, um ihn zu verstehen, ist es notwendig nicht nur seine Kernbereiche zu betrachten, sondern auch seine sozio-kulturellen, ökonomischen, ökologischen, technologischen und politischen Rahmenbedingungen zu erfassen. Aufgrund dieser vielfältigen transversalen und heterogenen Beziehungen zwischen dem Tourismus und seinen Umwelten ist eine systematische Betrachtungsweise angebracht (Palomeque 2005). In der Sprache der Systemtheorie übersetzt, ist das System Tourismus ein offenes und dynamisches System, das in Form von Inputs seitens der übergeordneten Systeme verändert wird bzw. durch sog Outputs auf andere Systeme Einfluss nimmt (Kaspar 1978). Die Intensität der In- bzw. Outputs kann über die Einflussstärke der anderen gleich- oder übergelagerten Systeme auf den Tourismus bzw. über die Einflusskraft des Systems Tourismus auf andere Systeme aussagen

(Kaspar 1998).

Das System Tourismus kann somit als eine geordnete Gesamtheit von Elementen definiert werden, zwischen denen irgendwelche Beziehungen stehen. Das System Tourismus von Kaspar ist auf Grund seiner Verbindungen zur Umwelt ein sog. offenes System, d.h. es steht in Wechselbeziehungen / Verbindung zum gesellschaftlichen Umfeld, welches durch fünf übergeordnete Systeme (ökonomische, soziale, politische, ökologische und technologische Umwelt) vertreten ist. Zudem ist es aber auch ein dynamisches System, Prozessabläufe und Einflüsse können Elemente und Strukturen des Systems Tourismus beeinflussen, so dass sich dieses System ständig verändert. Der Systemansatz von Kaspar ist geprägt durch einen makroanalytischen Blickwinkel, der den Bezugsrahmen der Tourismusunternehmungen und – organisationen darstellt (vgl. Reeh / Faust 2005).

Blickwinkel, der den Bezugsrahmen der Tourismusunternehmungen und – organisationen darstellt (vgl. Reeh / Faust 2005) .

Aus der Struktur des Systems Tourismus lässt sich folgendes ableiten:

ständige Veränderungen mit Wechselwirkung auf Gesellschaft und umgekehrt

Forderungen von Umwelt und Gesundheit

Systemcharakter

Eingliederung

in

das

Suprasystem

Wirtschaft,

Umwelt,

Politik,

Technik

Gesellschaft.

und

Im Zentrum der Abbildung steht das eigentliche System Tourismus. Aus Gründen der Übersichtlicht- und der Eindeutigkeit beschränkte sich Kaspar auf die Betrachtung des Subjekt-Objekt-Verhältnis d.h. des Verhältnis zwischen Nachfrage und Angebot. Das eigentliche System Tourismus gliedert sich deshalb in die beiden Subsysteme Tourismussubjekt und das sog. institutionelle Subsystem Tourismusobjekt.

Als über- und nebengeordnete Systeme nennt Kaspar fünf Bereiche unseres Lebensraums bzw. gesellschaftlichen Umfelds, die stark mit dem „System Tourismus“ verflochten sind:

ökonomische Umwelt

sozio-kulturelle Umwelt

politische Umwelt

technologische Umwelt

ökologische Umwelt

Umwelt • sozio-kulturelle Umwelt • politische Umwelt • technologische Umwelt • ökologische Umwelt

Untersysteme / Subsysteme des Systems Tourismus

System Tourismus

/ Subsysteme des Systems Tourismus System Tourismus Tourismussubjekt Tourismusobjekt Tourismussubjekt =

Tourismussubjekt

des Systems Tourismus System Tourismus Tourismussubjekt Tourismusobjekt Tourismussubjekt = Nachfrager von

Tourismusobjekt

Tourismus System Tourismus Tourismussubjekt Tourismusobjekt Tourismussubjekt = Nachfrager von Tourismusleistungen

Tourismussubjekt =

Nachfrager von Tourismusleistungen (Mensch der die Tourismusleistungen in Anspruch nimmt)

Das Tourismussubjekt ist der Mensch der erst touristische Leistungen nachfragt und diese später auch in Anspruch nimmt.

Tourismussubjekte

Bedürfnisse,

haben

vielfältige

teilweise

widersprüchliche

Motive

und

Tourismussubjekte werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst

Tourismussubjekte lassen sich anhand von bestimmten Kriterien – wie z.B. der Motivation oder äußeren Ursachen unterscheiden und klassifizieren

Tourismussubjekte und ihre Verhaltensweisen werden statistisch erfasst und bewertet

Das Tourismussubjekt oder der Tourist versucht seine Bedürfnisse nach spezifischen touristischen Leistungen zu befriedigen. Die Leistungen werden von den Tourismusobjekten angeboten (Kaspar 1995). Somit ist jedes Element im System Tourismus, welches die Bedürfnisbefriedigung des Tourismussubjektes ermöglicht, dem Subsystem Tourismusobjekt zuzuordnen.

Tourismusobjekt =

Angebot (Alles was in Natur, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft zum Ziel touristischer Ortsveränderung werden kann (Kaspar 1995))

Das sog. Tourismusobjekt umfasst die Institutionen des Tourismus. Diese Institutionen bilden den 3-Klang aus dem Tourismusort, Tourismusbetriebe bzw. –unternehmungen (touristische Leistungsträger) und den Tourismusorganisationen (öffentlich-rechtliche und privat-rechtliche Organisationsstrukturen (vgl. Kaspar 1996).

Tourismusort

Im Tourismusort spielt sich der Großteil des touristischen Geschehens ab. Das Angebot eines Tourismusortes besteht meist aus dem sog. ursprünglichen und abgeleiteten touristischen Angebot.

Tourismusbetriebe- und unternehmungen

Tourismusunternehmungen Wirtschaftseinheiten welche durch die Verbindung von Produktionsmitteln (Arbeit, Kapital und Boden) den Absatz, die Erzeugung und die Vorbereitung von (Dienst-) Leistungen, im Rahmen des Tourismus bezwecken wollen.

Objektbezogene Tourismusunternehmen

Beherbergungsbetriebe

Kur- und Heilbäder

sonstige (Sporteinrichtungen usw.)

= auf den Tourismusort bezogene Tourismusunternehmen

Subjektbezogene Tourismusunternehmen:

Reiseversicherungen

Reisefinanzierung (Reisekredite, Reisechecks)

Tourismuswerbebetriebe

= auf den Reisenden / Tourist bezogene Tourismusunternehmen

Beziehungsbildende Tourismusunternehmen:

Reiseveranstalter

Reisevermittler

Transportunternehmen

örtliche, regionale und staatliche Tourismusorganisationen

= Tourismusunternehmen die eine Beziehung zwischen Tourismussubjekt und Tourismus- objekt herstellen

Tourismusorganisationen

Tourismusorganisationen koordinieren die Teilfunktionen von Tourismusunternehmungen und Tourismusorten (Kaspar 1996)

politische Organisationen (Gemeinde, Land, Bund)

privatrechtliche

Tourismusorganisationen

(Kur-

verbände usw.

und

Verkehrsvereine,

Regional-

Übergeordnete Systeme

1. Politische Umwelt: Politik und Tourismus stehen in Wechselseitigen Beziehungen. Die Politik kann direkt Einfluss auf die touristische Entwicklung nehmen. Bedeutend sind vor allem die Wirtschaftspolitik, die Verkehrspolitik, die Sozialpolitik, die Raumordnungspolitik, die Kulturpolitik oder die Freizeitpolitik. Diese können direkt oder auch indirekt auf den Tourismus wirken. Der Tourismus ist in einem bestimmten Land im großen Maße abhängig von der jeweiligen Staats- und Regierungsform. Stabile Strukturen in der Politik wirken dabei meist auch positiv auf das System Tourismus, Instabilität kann sich vernichtend auf das Tourismussystem auswirken. Tourismuspolitik ist besonderst dann notwendig, wenn der Tourismus den Rang eines Wirtschaftssystems einnimmt. Direkt auf den Tourismus wirken z.B. die Verabschiedung von Tourismusgesetzen oder Abgaben wie z.B. Kurtaxen. Indirekt wirken Tätigkeiten die zwar ursprünglich keine primären Ziele im Tourismus haben aber sich dennoch auf ihn auswirken wie z.B. die Verkehrspolitik (z.B. Bau einer Autobahnanbindung).

2. Ökonomische Umwelt: Wirtschaft und Tourismus sind recht eng miteinander verbunden. Die allgemeine Wirtschaftslage wie z.B. Aufschwung oder Rezession zeigen meist unmittelbar Einwirkung auf den Tourismus. Der Tourismus nimmt über fünf Funktionen Einfluss auf die Wirtschaft. Diese Funktionen sind die Produktionsfunktion, die Beschäftigungsfunktion, die Einkommensfunktion, die Ausgleichsfunktion und die Zahlungsbilanzfunktion. Bei der Beschäftigungsfunktion unterscheidet man außerdem zwischen dem direkten und dem indirekten Beschäftigungseffekt,, bei der Einkommensfunktion zwischen direktem und indirektem Einkommen (Multiplikatoreffekt) (Kaspar 1994). In wirtschaftlichen Krisenphasen und bei konjunkturellen Abschwung, geben die Menschen weniger Geld für Reisen aus, welche die größten Einkommenselastizität des Konsums ausweisen.

3. Ökologische Umwelt: Eine intakte Umwelt ist von entscheidender Bedeutung für den Tourismus. Luftverschmutzung oder z.B. die Abwassereinleitung ins Meer wie z.B. in der Türkei geschehen beeinflussen die Reiseentscheidung des Touristen. Die Verletzung des Systems Umwelt ist stets mit erheblichen Folgen verbunden. Die Tourismuswirtschaft und auch die Wissenschaft hat hierauf reagiert und es wurden Konzepte wie z.B. Sanfter Tourismus, Tourismus mit Einsicht oder nachhaltiger Tourismus erarbeitet. Problematisch bei der Durchsetzung dieser Konzepte ist jedoch stets die oftmals nicht vorhandene Preisbereitschaft bei den Touristen. Der Tourismus soll zwar nachhaltig für Natur und Bevölkerung des bereisten Landes sein, jedoch ist der Tourist kaum bereit hierfür tiefer in die Tasche zu greifen.

4. Sozio-kulturelle Umwelt: Der Tourismus hat seinerseits Auswirkungen auf die soziale Umwelt. Eine Folge des Tourismus ist die Akkulturation. Dieses Phänomen umschreibt das sich in der Regel zwei verschiedene Kulturen (Kultur des Reisenden und des Bereisten) aneinander angleichen sobald sie in Kontakt zueinander treten. Besonderst in sog. Dritt-Welt-Ländern ist dies häufig zu beobachten. Krippendorf vertritt die Ansicht, dass die modernen Reisebedürfnisse entscheidend von Alltag und Gesellschaft und eher im geringeren Ausmaß von individuellen Antrieb geprägt ist (vgl. Krippendorf 1987). Entscheidende Faktoren sind hierbei Wertevorstellungen, Normen, Traditionen und Politik. Gesellschaftliche Einflüsse wie der Wandel von der Arbeits- zur Freizeitorientierung, lassen Freizeit nicht mehr als bloße Restgröße erscheinen.

Die Freizeit muss aktiv gestaltet werden und Urlaub und Reisen werden somit zu einer gesellschaftlichen Notwendigkeit.

5. Technologische Umwelt: Die Technik hat die Welt und auch den Tourismus evolutionär verändert. So hat z.B. die Verkehrstechnik die Personenbeförderung immer schneller einfacher und komfortabler werden lassen. Die Beherbergungs- und Verpflegungstechnik hat viele der Standardarbeiten im Gastgewerbe vereinfacht. Durch moderne Informations- und Kommunikationstechnik wurde es z.B. möglich sich weit entfernte Reiseziele via Google Earth schon vor Reisebeginn anzusehen. Besonderst starke Auswirkungen auf den Tourismus hatten technologische Entwicklungen im Bereich der Luftfahrt und der Kommunikationstechnik (CRS / GDS). Technologische Entwicklungen haben enorm dazu beigetragen das sich der Tourismus in seiner heutigen Form zu einem massenhaften Phänomen entwickeln konnte. Die neusten technischen Errungenschaften, lassen auch die kühnsten Träume wahr werden – Reisen in den Weltraum, sind nun auch für nicht Astronauten möglich geworden, die Zeit des Weltraumtourismus hat gerade begonnen.

die Zeit des Weltraumtourismus hat gerade begonnen. Exkurs: Leiper`s Tourism System Das Tourismusmodell von

Exkurs: Leiper`s Tourism System

Das Tourismusmodell von Leiper besteht aus drei Grundelementen welche das eigentliche Tourismus-System bilden:

1. Der Tourist (er ist der eigentliche Akteur im System)

2. Die Tourismusindustrie (Tourismusangebot = Unternehmungen und Organisationen)

3. Geographische Elemente

a. Traveller-generating region; (Touristen-erzeugende Regionen)

b. Tourist destination region; (Touristen-erhaltende Regionen)

c. Transit route region (Transit Routen)

1. Der Tourist Er ist der eigentliche Nachfrager und Konsument von touristischen Leistungen. Erst wenn

1. Der Tourist

Er ist der eigentliche Nachfrager und Konsument von touristischen Leistungen. Erst wenn bei

ihm das Bedürfnis zu reisen besteht, kann die Tourismusindustrie für ihn tätig werden und versuchen seine Bedürfnisse durch spezifische Angebote zu befriedigen.

2. Die Tourismusindustrie

In einem sehr weit gefassten Verständnis, können hierunter alle Unternehmungen und Organisationen subsumiert werden, die bei der Erstellung des Tourismusproduktes involviert sind.

alle Unternehmungen und Organisationen subsumiert werden, die bei der Erstellung des Tourismusproduktes involviert sind.

3.

Geographische Elemente

a) Traveller-generation region

Diese Region präsentiert den Tourismusmarkt im Herkunftsgebiet des Touristen. Hier treffen sich Angebot und Nachfrage von Leistungen Rund um das Thema Reisen. Die örtliche „Tourismusindustrie“ in Form von beziehungsbildenden Tourismusunternehmen (Reiseveranstalter / Reisevermittler) versucht mit ihrem Angebot die touristische Nachfrage zu befriedigen und neue Bedürfnisse zu wecken. Die eigentlichen Nachfrager bzw. zukünftigen Touristen, holen in dieser Region Informationen und Angebote zu ihrer geplanten Reise ein, tätigen ihre Buchung und beginnen von hier aus den Start in die „Schönsten Wochen des Jahres“. Für diese Region typisch ist also die Nachfrage, nicht das Angebot. Denn erst durch eine latent vorhandene Nachfrage wird im Regelfall ein touristisches Angebot geschaffen.

b) Tourist destination region; (Touristen-erhaltende Regionen)

Diese Zielgebiete / Destinationen, beinhalten Attraktionen, Merkmale und Angebote die Besucher zu einem zeitlich begrenzten Aufenthalt bewegen. Diese Region ist das eigentliche Angebotselement im System Tourismus. Faktoren des ursprünglichen und abgeleiteten touristischen Angebots führen dazu, dass überhaupt erst die Motivation aufkommt ein bestimmtes Zielgebiet oder eine Destination zu bereisen. Diese Region ist also verantwortlich für die Erzeugung von Nachfrage in der Traveller-generation region. Die Tourismusindustrie in dieser Region sollte daher über ausreichende Beherbergungs- und Verpflegungsbetriebe (am besten verschiedenster Qualitätsstufen), Servicestellen und Tourismusinformationen verfügen.

c) Transit route region (Transit Routen)

Die Transitrouten können als Schlüsselelement im System Tourismus bezeichnet werden, denn sie sorgen für eine optimale Verkehrsverbindung von Traveller-generation region zur Tourist destination region und zurück. Effektivität und Charakteristik dieser Routen bestimmen und formen die Größe und Richtung der Tourismusströme. Als Transitroute wird zwar primär die Verbindung zwischen Quell- und Zielgebiet beschrieben, aber zur ihr zählen auch Zwischenstopps und Orte die während dessen z.B. besucht werden können. Im eigentlichen Sinn stellen Transit Routen jedoch lediglich einen gewissen Raum dar, der vom Tourist überquert werden muss um an sein Zielgebiet / seine Destination zu gelangen.

4. Umgebung des Tourismussystems

Als Umgebung oder Umfelder des Tourismussystems nennt Leiper: menschliche, sozio- kulturelle, ökonomische, technologische, physische, politische, gesetzliche, usw. der Tourismus wird von diesen externen Rahmenbedingungen beeinflusst, sowie auch sie von ihm beeinflusst werden können.

Von der Fremdenverkehrslehre zur Tourismuswissenschaft

In dem folgenden Kapitel, soll es nicht darum gehen die gesamte Fremdenverkehrs- / Tourismusforschung wiederzugeben. Vielmehr wird der Versuch unternommen wichtige Ereignisse und Forschungsergebnisse wiederzugeben die zu einer Begründung der Fremdenverkehrs- bzw. der heute in Konturen erkennbaren Tourismuswissenschaft beigetragen haben. Bei solch einem Unterfangen ist es notwendig die teilweise breit verstreute und oftmals schwierig zu findende Literatur der frühen Fremdenverkehrsforschung zu sichten – eine 100% exakte Wiedergabe der Fremdenverkehrswissenschaft ist deshalb nur begrenzt möglich. Allerdings wurde versucht, im Rahmen einer breiten Literaturanalyse die Disziplingeschichte der Fremdenverkehrswissenschaft bestmöglich zu ergründen.

Die wissenschaftliche Beschäftigung und Erfassung des Phänomens Fremdenverkehr kann auf den Beginn des 20. Jahrhunderts datiert werden. Bei diesen frühen fremdenverkehrswissenschaftlichen Arbeiten standen vor allem statistische und ökonomische Fragestellungen des Fremdenverkehrs im Vordergrund. Eines der ersten Werke mit wissenschaftlichem Anspruch, stammt von dem Österreicher Josef Stradner (1905). In Anlehnung an das System von Peshine Smith und Thünes Lehre unternahm Stradner den ersten geschlossenen Versuch eine Art „Volkswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs“ zu entwickeln. So untersuchte Stradner z.B. die Folgen des Fremdenverkehrs für die Zahlungsbilanz, Probleme der Fremdenverkehrsstatistik und er bemühte sich, den Fremdenverkehr begrifflich vom Reiseverkehr abzugrenzen. Sein Blick galt zudem der Konsumfunktion und den damit verbundenen Geldströmen. Im Gegensatz zu vielen anderen „Ökonomen“ erkannte Stradner bereits die ökonomische Bedeutung des Fremdenverkehrs als Absatzmarkt. Erstaunlich ist, dass die Arbeit von Stradner immer wieder im Zusammenhang mit der Disziplingeschichte der Fremdenverkehrswissenschaft, aber zudem auch im Zusammenhang mit der Disziplingeschichte der Fremdenverkehrsgeographie erwähnt wird. Dies liegt wohl daran, dass in der Arbeit von Stradner, zum ersten Mal der Begriff „Fremdenverkehrsgeographie“ genannt wurde.

Ein weiterer Nationalökonom, der ebenfalls die Notwendigkeit erkannte, sich mit den Erscheinungen des Fremdenverkehrs näher zu befassen, ist der Innbrucker Volkswirt, Prof. Hermann von Schullern zu Schrattenhofen (Aufsatz „Fremdenverkehr und Volkswirtschaft“ 1911). Schullern beginnt seine Untersuchung mit der richtigen Fragestellung, dass es (bis zu seinem Aufsatz) noch kaum einen ernsthaften Versuch gegeben habe, „zu einer volkswirtschaftlichen Beurteilung des Fremdenverkehrs auf Grundlage einer Überprüfung aller maßgebenden tatsächlichen Verhältnisse zu gelangen; am allerwenigsten hat man einen solchen Versuch voraussetzungslos durchgeführt; es waren meist nur einzelne, recht sinnenfällig in die Augen springende Beobachtungen, die man für ausreichend hielt, um über einen Gegenstand von so großer Wichtigkeit und Tragweite eine vermeintlich allgemeingültige Sentenz zu füllen“ (Pöschel). Schullern zu Schattenhofen war in seiner Arbeit auf Begriffsklarheit und damit auch auf Begriffsbestimmungen angewiesen, die er sich selbst schaffen musste. Es lag somit der erste Versuch einer gesamthaften Fremdenverkehrsforschung vor, der weit über die Betrachtungsweisen der damaligen Geisteswelt hinausging (Bernecker 1984).

In den zwanziger Jahren entstand, von Italien und der Schweiz ausgehend, auch in Deutschland die Wissenschaft vom Fremdenverkehr als eine der Betriebs- und Volkswirtschaft nahe stehende Disziplin, die sich die wissenschaftliche Erforschung des Fremdenverkehrs zur Aufgabe gemacht hat (Knebel 1960). In Italien entstand das erste zusammenfassende Werk über den Fremdenverkehr „Lezioni di Economia turistica“ im Jahr

1928. Verfasst wurde diese „Fremdenverkehrslehre“ von Mariotti dem damaligen Generaldirektor des Ente Nazionale per le Industrie Turistiche und Professor der Fremdenverkehrswissenschaft an der Universität Rom (vgl. Bormann 1931). Zuvor (1925) war bereits ein regelmäßiger Lehrgang für Fremdenverkehrswirtschaft an der Universität Rom unter Leitung von Mariotti eingerichtet worden (vgl. Bernecker 1984). Während heute Freizeit und Tourismus fast untrennbar miteinander verbunden sind, interessierte sich hingegen die frühe Fremdenverkehrsforschung fast überhaupt nicht für das soziale Phänomen „Freizeit in der Industriegesellschaft“. Zu erwähnen ist hier dennoch Fritz Klatt, er interessierte sich vorwiegend für das Phänomen Freizeit aus Sicht der Pädagogik. Anlass für wissenschaftliche Reflexionen waren Probleme der „Freizeitgestaltung“ der berufstätigen Bevölkerung (Opaschowski 2006). Klatt erkannte die Notwendigkeit, die Theorie und Methodik einer zukünftigen Freizeitpädagogik zu finden bzw. zu erarbeiten. Da es allerdings weder Universitäten oder sonstige Lehrstätten für einen derartigen Berufszweig gab, forderte Klatt (1929) die Gründung einer „Freizeithochschule“. Leider konnte eine solche „Freizeithochschule“ nicht realisiert werden.

Die eigentlichen Motivationen für den Fremdenverkehr blieben in der frühen Fremdenverkehrsforschung fast völlig unberücksichtig, sie wurden meist auf die reine Bedürfnisbefriedigung, welcher Art auch immer reduziert. Die Definitionskriterien beschränken sich auf den Personenverkehr, auf die daraus resultierenden notwendigen Institutionen und auf den Faktor des Konsums mit Mitteln, die nicht am Ort verdient wurden (Hömberg 1977). In fast allen der frühen Fremdenverkehrsdefinitionen wurde die beruflich motivierte Mobilität außerhalb der Freizeit vom Fremdenverkehr / Tourismus gänzlich ausgeschlossen. Auswirkungen des Fremdenverkehrs auf die Zahlungsbilanz, wurden in einigen monographischen Einzeldarstellungen, zu jener Zeit zudem vorwiegend behandelt.

Im einflussreichen Handwörterbuch der Sozialwissenschaften erschien im Jahr 1927 der Artikel „Fremdenverkehr“ von Wilhelm Morgenroth. In diesem Artikel entwickelte Morgenroth bereits wesentliche Elemente des Fremdenverkehrsbegriffs: den vorübergehenden Aufenthalt der Teilnehmer am Zielort, die Rolle der Verbraucher von Wirtschafts- und Kulturgütern und das Verkehrselement im Fremdenverkehr (vgl. Kulinat/Steinecke 1984). Als Charakteristikum für den Fremdenverkehr betonnte Morgenroth die Eigentümlichkeit der nicht dauernden, sondern nur vorübergehenden, zeitweiligen Änderung des Wohnsitzes oder der Niederlassung (vgl. Morgenroth 1927). Morgenroth klassifizierte - bereits in diesen frühen Anfängen der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Fremdenverkehr - Arten des Fremdenverkehrs. Führ ihn gibt es die Arten des Fern- und Nahverkehrs, des internationalen, des Ausländerfremdenverkehr, des Verkehrs innerhalb der Grenzen des eigenen Staats, der gleichen Gegend, der Nachbarorte usw. (vgl. Sölter 2005). Im engsten Sinn ist Fremdenverkehr als der Verkehr der Personen zu begreifen, die sich vorübergehend von ihrem Dauerwohnsitz entfernen, um zur Befriedigung von Lebens- und Kulturbedürfnissen oder persönlichen Wünschen verschiedenster Art anderwärts, lediglich als Verbraucher von Wirtschafts- und Kulturgütern, zu verweilen (Morgenroth 1927).

Erst nach Beendigung des Ersten Weltkrieges, wurde es möglich, dem Fremdenverkehr die erste wissenschaftliche Heimstätte in Deutschland zu schaffen. Dies war die „Hochschule für Hotel- und Verkehrswesen“ in Düsseldorf, die aber bereits ein Jahr später (1921) bedingt durch die Inflation wieder geschlossen werden musste. Schließlich wurde von 1929-1934 ein Forschungsinstitut für den Fremdenverkehr unterhalten, das als selbstständige Anstalt der Berliner Handelhochschule angegliedert wurde und dem Professor Robert Glücksmann vorstand. (Böttger 1958). Das Institut erblickte seine Aufgaben in erster Linie darin, die Ursachen, Mittel und Wirkungen des Fremdenverkehrs zu erforschen. Die Grundlage für die

wissenschaftliche Tätigkeit wurde gebildet durch die Schaffung einer Zentralbibliothek, eines Zentralarchivs und einer Monographiensammlung sowie durch systematische Aufstellung von Statistiken (vgl. Huscher / Klafkowski 1929). Zu Beginn hatte dieses Institut mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen, zum einem musste die Finanzierung sichergestellt werden und auf der anderen Seite musste der Institutsleiter um die Anerkennung der Fremdenverkehrsforschung und –lehre als hochschulfähigen Gegenstand kämpfen. Diese Forschungseinrichtung hat allerdings für die verhältnismäßig kurze Zeit ihres Bestehens, bahnbrechend gewirkt und ein umfassendes Programm in die Tat umgesetzt, das sowohl die Sammlung wie die Forschung und die Lehre betraf (vgl. Hunziker 1942). Der Vorsteher des Instituts, Robert Glücksmann gab eine Zeitung – die Vierteljahrszeitschrift - „Archiv für den Fremdenverkehr“ heraus, die durchaus wissenschaftliche Reife trug. Die Forschung am Institut bestand aus zwei Zweigen:

1. Einmal, um allgemeine Kenntnisse des Fremdenverkehrs, seiner Grundlagen, Zusammenhänge und Wirkungen zu gewinnen,

2.

zum anderen, von der Praxis gestellte Aufgaben zu lösen (Grünthal 1962)

Die Ergebnisse der Fremdenverkehrsforschung wurden in die Vorlesungen integriert und vor allem durch die Veröffentlichung des „Archiv für den Fremdenverkehr“ auch der Allgemeinheit vorgestellt. Die Erörterung grundsätzlicher Fragen des Phänomens Fremdenverkehr war allerdings von besonderer Bedeutung, da der Aufgabenkreis des Forschungsgegenstandes abgegrenzt werden musste (vgl. Grünthal 1962). Zur Grundlegung einer Wissenschaft vom Fremdenverkehr hätte allerdings die Ausarbeitung einer ihr eigenen Methodologie gehört, hierüber machten sich Glücksmann und seine Assistenten allerdings keine Gedanken. Der Fremdenverkehr wurde wie heute fast immer noch mit den Methoden verschiedener Wissenschaften bearbeitet, ohne das sich ein einheitliches System herausbildete

(vgl. Grüntal 1962).

Der Begriff „Fremdenverkehr“ hatte allerdings im Zusammenhang mit dem Wirken Glücksmanns eine inhaltliche Erweiterung erfahren und war jetzt Oberbegriff eines neuen sozialen Phänomens, dessen massenhafter Charakter Ende der 20er Jahre in ersten Anzeichen sichtbar wurde (vgl. DSF 1987). Vormals mit dem Gastgewerbe identifiziert und als Teilbereich der Verkehrswissenschaften behandelt, sollte er jetzt als ein komplexes sozio-ökonomisches Phänomen in den Mittelpunkt von Forschung und Lehre des neu gegründeten Instituts rücken (vgl. DSF 1987). Für Glücksmann allerdings, ist der Fremdenverkehr keine Wissenschaft, sondern ein komplexes soziales Phänomen, dessen „Ursachen, Mittel und Wirkungen“ mit wissenschaftlichen Methoden diverser Fachdisziplinen erforscht werden müssen. Folgende wichtige Impulse gab Glücksmann für die Fremdenverkehrsforschung / -wissenschaft:

Fremdenverkehr ist keine Wissenschaft – er muss mit wissenschaftlichen Methoden verschiedener Fachdisziplinen erforscht werden,

ein interdisziplinärer Ansatz, ist somit in der Fremdenverkehrsforschung nötig

Herausgabe des Archiv für den Fremdenverkehr – es stellt auch heute noch eine Fundgrube für jeden, der sich wissenschaftlich mit Fremdenverkehr beschäftigen will, dar

wichtige Lehrbücher: Privatwirtschaftslehre des Hotels, das Gaststättenwesen, Betriebslehre der Gaststätte, Fremdenverkehrskunde

Überwindung des anfänglichen Misstrauens, das man den akademischen Qualifikationen des Forschungsgegenstandes entgegenbrachte

Drei Doktor-Dissertationen konnten am Institut ermöglicht werden.

Der Mitarbeiter am Forschungsinstitut Willi Benscheid, äußerte sich wie folgt zum Fremdenverkehr und zur Fremdenverkehrswissenschaft:

Der Fremdenverkehr ist sicher Wirtschaft, aber er ist es nicht nur, sondern deckt auch andere, nicht wissenschaftliche Gebiete. Die Fremdenverkehrswissenschaft steht auf einer anderen wissenschaftlichen Warte als die Nationalökonomie; sie sieht von ihrem Stande wohl weite Teile der Nationalökonomie, soweit sie im Bereich des Fremdenverkehrs liegen, aber nicht alle. Nach der anderen Seite aber sieht sie weiter, wodurch sie in der Lage ist, Fragen zu behandeln, die der Nationalökonomie nicht zustehen (Bescheid 1932/1933). Eine Fremdenverkehrswissenschaft darf sich nicht auf die Abstraktion beschränken, da sie sonst nichts anderes sein würde als „blasse Theorie“ (Benscheid 1934) Schon damals haben die „Fremdenverkehrswissenschaftler“ erkannt, das die Fremdenverkehrslehre mehr als nur die Wirtschaftswissenschaft umfasst, allerdings wurde es üblich die Fremdenverkehrslehre als eine der Wirtschaftswissenschaft nahe stehende Disziplin anzuordnen. Denn die Wirtschaftswissenschaft, insbesondere die Betriebswirtschaftslehre war im Stande, mannigfache Aufgaben für den Fremdenverkehr zu lösen. In der Anfangszeit dieser neuen Wissenschaft, bemühte man sich vorwiegend erst einmal darum den Begriff „Fremdenverkehr“ abzugrenzen und zu definieren. In einem der ersten Bücher zur Fremdenverkehrslehre – Arthur Boormann: Die Lehre vom Fremdenverkehr 1931 – wird Fremdenverkehr wie folgt definiert:

„Inbegriff der Reisen, die zum Zwecke der Erholung, des Vergnügens, geschäftlicher oder beruflicher Betätigung oder aus sonstigen Gründen, in vielen Fällen aus Anlass besonderer Veranstaltungen oder Ereignisse vorgenommen werden und bei denen die Abwesenheit vom ständigen Wohnort nur vorübergehend, im Berufsverkehr jedoch nicht bloß durch die regelmäßige Fahrt zur Arbeitsstätte bedingt ist (Bormann 1931).

Boormann setzt Personenverkehr mit Fremdenverkehr gleich, die Gründe die allerdings zum Fremdenverkehr führen, sind für ihn irrelevant. Als bisherige Exponenten der allgemeinen Fremdenverkehrswissenschaft bezeichnet Boormann die Wissenschaftler Mariotti und Glücksmann, deren Auffassungen zum Inhalt des Begriffs „Fremdenverkehr“ jedoch grundsätzlich verschieden sind (vgl. Bernecker 1984). Wissenschaftsgebiete wie Geographie, Balneologie, Klimatologie, Medizin, Psychologie, Nationalökonomie, Soziologie oder Betriebswirtschaftslehre haben nach Boorman ihre Bedeutung für den Fremdenverkehr und die Fremdenverkehrswissenschaft, bzw. umgekehrt der Fremdenverkehr für sie, aber sie haben nicht alle die gleiche Bedeutung. Im Besonderen allerdings, ist die Fremdenverkehrswissenschaft der Verkehrslehre zuzuordnen (vgl. Bernecker). Zwar ist mit dem Fremdenverkehr ein Verkehrsvorgang verbunden, ihn allerdings deswegen der Verkehrswissenschaft zuzuschreiben ist nur bedingt nachvollziehbar. Zudem sei es nach Boorman zudem wenig zweckmäßig auch die Psychologie in dem von Glücksmann gegebenen Sinne im Rahmen der Fremdenverkehrswissenschaft, zu behandeln. Wenn als die Ursachen des Fremdenverkehrs Zwang und freier Wille bezeichnet werden, so kann demgegenüber eingewendet werden, dass ja schließlich alles, was der Mensch unternimmt, auf seinem freien Willen oder auf Zwang beruhe. Es handelt sich hierbei also nicht um Fragen von spezieller verkehrswissenschaftlicher Bedeutung (Boorman 1931).

Lautet heute eine der Forderungen qualitativer Tourismusforschung, die Urlaubswelt so lebensnah zu erforschen und zu beschreiben, dass man das Urlaubserleben sinnlich wahrnehmen, ja „buchstäblich sehen und hören kann“ (vgl. Glaser/Strauss 1979) so interessierten im Gegensatz in der damaligen Fremdenverkehrsforschung das Reiseverhalten, Reiseerleben oder Motivationen und Antriebe der Reisenden überhaupt nicht.

Zwar gab bereits Leopold von Wiese der Fremdenverkehrswissenschaft die Anregung, den Fremdenverkehr unter beziehungswissenschaftlichen Aspekten zu sehen und zu beschreiben (vgl. Knebel) doch dieser soziologische Vorstoß blieb eine der rühmlichen Ausnahmen. Die Arbeit wurde von den Forschern zwar zur Kenntnis genommen, aber anfangs nicht weiter ausgeführt. In den späteren fremdenverkehrswissenschaftlichen Arbeiten tauchten allerdings die eindeutig auf L. von Wiese und G. Simmel zurückgehenden Begriffe immer wieder auf (vgl. Gleichmann 1969). Der in vielen Fremdenverkehrdefinitionen benutzte Begriff „Beziehungen“ geht auf den Aufsatz von Wiese über „Fremdenverkehr als zwischenmenschliche Beziehung“ von 1930 zurück, gemeint sind allerdings allein die sozialen Beziehungen.

Mitte der 1930er Jahre stellte sich in Mitteleuropa die Fremdenverkehrswissenschaft, wenn auch randständig und ungefestigt, als Fachdisziplin dar und es entstand das Genre der Fremdenverkehrslehren. (vgl. Spode 1998). So kann an dieser Stelle z.B. der Aufbau der Fremdenverkehrslehre von Boorman wiedergegeben werden:

1. Begriff und Zusammensetzung des Fremdenverkehrs

2. Bestimmungsfaktoren des Fremdenverkehrs

3. Statistik des Fremdenverkehrs

4. Einrichtungen des Fremdenverkehrs

5. Allgemeine Fremdenverkehrspolitik

Die Fremdenverkehrslehre von Boorman ist sehr auf die – wie man heute sagen würde – Sicht des Incoming Tourismus ausgerichtet.

Wesentliche Impulse wurden in diesem Jahrzehnt auch für die sich allmählich entwickelnde Fremdenverkehrsgeographie gegeben. Von Bedeutung ist die Arbeit von Poser (1939) der in seiner Studie über das Riesengebirge sowohl die naturgeographischen Grundlagen des Fremdenverkehrs als auch den Umfang und die Arten des Fremdenverkehrs sowie schließlich die Gestaltung und Typisierung von Fremdenverkehrsorten / -räumen gleichermaßen berücksichtigt.

1941 wurde an der Heidelberger Universität ein Institut (für Betriebswirtschaft des Fremdenverkehrs) gegründet, das als gemeinsame Einrichtung des Gewerbes und der Universität gedacht war und Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftspraxis in Lehre und Forschung auf dem Spezialgebiet des Fremdenverkehrs näher bringen sollte (Bottger). Das Institut konnte allerdings nur wenig Profil entwickeln und ist 1948 untergegangen. Aus der 1949 gegründeten Arbeitsgruppe Fremdenverkehr, wurde an der Universität München 1951 das „Deutsche Wirtschaftliche Institut für Fremdenverkehr“ gegründet. Das Institut entfernte sich allerdings recht bald von der universitären Basis und pflegte (bis heute) eine enge wirtschaftliche Praxisorientierung. Das DWIF tritt besonders durch die veröffentlichten Betriebsvergleiche für Kurortunternehmungen und Hotelbetriebe hervor (vgl. Tietz 1980). Wichtige Daten die vom DWIF für die Tourismuswissenschaft und –praxis veröffentlicht werden sind z.B. dwif - Tagesreisen, dwif –Ausgabenstruktur, dwif – Wirtschaftsfaktor, dwif – Betriebsvergleiche und das Sparkassen – Tourismusbarometer.

Nur ein Jahr später (1952) erfolgte an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main die Gründung des „Instituts für Fremdenverkehr“. Leider war auch diesem Institut kein sehr langes akademisches Leben beschieden (Bernecker 1984), auch die Gedanken von Glücksmann (einer interdisziplinären Fremdenverkehrslehre) wurden dort nicht wieder

aufgenommen, vielmehr war dort das primäre Ziel – die Förderung des Fremdenverkehrs (vgl.

Sölter 2005).

Von der deutschen Seite her wurde die Fremdenverkehrswissenschaft in der Kriegs- und Nachkriegszeit kaum vorangetrieben. Oftmals wird zwar behauptet das während der Kriegszeit der Tourismus völlig zum erliegen kam, aber dies stimmt nur bedingt. Denn im gleichen Maß wie der Krieg Reisen unterbindet, initiiert er auch neue Reiseformen, wird zum Motor der Mobilität (vgl. Smith 1998). Wichtige Impulse zu jener Zeit, kamen aus Österreich und der Schweiz. In Österreich wurde im Februar 1934 das Institut für Fremdenverkehrsforschung gegründet. Anfänglich widmete sich dieses Institut primär der Lehre, so wurde z.B. 1940 der „Reichhochschulkurs für Fremdenverkehr“ eingerichtet – dieser besteht heute immer noch an der WU Wien allerdings als Universitätslehrgang für Tourismuswirtschaft. In Österreich besteht somit heute das älteste Forschungsinstitut für Fremdenverkehr / Tourismus im deutschsprachigen Raum.

Die Bibel der heutigen Tourismusforschung – die Allgemeine Fremdenverkehrslehre - wurde allerdings von den zwei Schweizer Professoren Walter Hunziker und Kurt Krapf verfasst. Dieses an ein breites Fachpublikum gerichtete Werk, wirkte paradigmatisch hinsichtlich Definition, Systematik und Justierung der Disziplin "Fremdenverkehr" (vgl. Spode 1998a) In St. Gallen wurde derzeit die Studien und Diplomrichtung Fremdenverkehr bzw. das "Seminar für Fremdenverkehr" an der Handelshochschule St. Gallen 1941 ins Leben gerufen, welches mit W. Hunziker als Seminarleiter besetzt wurde. Im gleichen Jahr, noch vor St. Gallen, wurde in Bern das "Forschungsinstitut für Fremdenverkehr" gegründet, dessen Leiter wurde K. Krapf (Sölter 2006). Im Mittelpunkt der Fremdenverkehrslehre von Hunziker und Krapf steht der Mensch, somit kann die Fremdenverkehrslehre auch nicht den Wirtschaftswissenschaften zugerechnet werden, da sie Begriffs- und Erscheinungskomplexe umfasst, die außerwirtschaftlicher Natur sind. Ebenfalls ist die Fremdenverkehrslehre keine Beziehungslehre, aber immerhin steht sie der Soziologie näher als den Wirtschaftswissenschaften (vgl. Hunziker/Krapf 1942). In den Augen der beiden Professoren kann der Fremdenverkehr z.B. ebenso gut Gegenstand der angewandten Volkswirtschaftslehre wie auch der angewandeten Soziologie sein. Sie haben sich aber trotzdem für die wirtschaftswissenschaftliche Erforschung der touristischen Phänomene entschieden, nicht zuletzt aus praktischen Erwägungen, da die Lösung wirtschaftlicher Probleme des damals darniederliegenden Tourismus am dringlichsten erschien (vgl. Leugger 1966).

Die Fremdenverkehrslehre wird als eigenständiges, aber aus „praktischen Erwägungen“ der Wirtschaftswissenschaft zugeordnetes Gebiet bestimmt. Ihr „Hauptgewicht liegt auf der Funktionenlehre“. Sie unterteilt sich in „Grundlagen“ (Fremdenverkehrsbegriff, Fremdenverkehrssubjekt und Fremdenverkehrsinstitutionen) und so genannte „Funktionen“ (Gesundheit, Technik, Kultur, Soziale Frage, Politik und Ökonomie). Obschon es heißt: „Im Mittelpunkt steht der Mensch“, fehlen soziologische und psychologische Aspekte weitgehend, ebenso geographische (Spode 1998).

Fremdenverkehrslehre als Wissenschaft

Der Schweizer Walter Hunziker versuchte in seiner Publikation „System und Hauptprobleme einer wissenschaftlichen Fremdenverkehrslehre“ die Fremdenverkehrslehre als Wissenschaft zu begründen. Hunziker beginnt seine Ausführung mit der Definition des Erkenntnisobjektes. Der Fremdenverkehr wird mit der Definition - das Fremdenverkehr der Inbegriff der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus dem Aufenthalt Ortsfremder ergeben, sofern

durch den Aufenthalt keine Niederlassung zur Ausübung einer dauernden oder zeitweilig hauptsächlichen Erwerbstätigkeit begründet wird – als Erkenntnisobjekt definiert.

Nach Hunziker wird eine Fremdenverkehrslehre offenbar wissenschaftlich am ehesten bestehen, wenn sie einem so strengen bzw. engen Maßstab gerecht wird, wie ihn vor allem Max Weber an den Begriff Wissenschaft legt (vgl. Hunziker 1943). Nach Ansicht von Weber bezweckt die Wissenschaft die denkende Ordnung der empirischen Wirklichkeit. Nicht die schlichten Zusammenhänge der Dinge, sondern die gedanklichen Zusammenhänge der Probleme liegen den Arbeitsgebieten der Wissenschaft zugrunde: wo mit neuer Methode einem neuen Problem nachgegangen wird und dadurch Wahrheiten entdeckt werden, welche neue bedeutsame Gesichtspunkte eröffnen, da entsteht ein neue, Wissenschaft (Weber 1904). Der Fremdenverkehr wird von Hunziker als Kulturerscheinung begriffen, da Weber als Kulturwissenschaften solche Disziplinen bezeichnet, welche die Lebenserscheinungen in ihrer Kulturbedeutung zu erkennen streben, steht für Hunziker außer Frage, das die Fremdenverkehrslehre zweifelsohne unter die Kategorie der Kulturwissenschaften fällt.

Abschließend ergibt sich somit, dass eine wissenschaftliche Fremdenverkehrslehre möglich ist; als solche hat sie die Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus dem Aufenthalt Ortsfremder ergeben, sofern durch den Aufenthalt keine Niederlassung zur Ausübung einer dauernden oder zeitweilig hauptsächlichen Erwerbstätigkeitbegründet wird, nach dem Maßstabe ihrer kulturellen Bedeutung zu untersuchen (Hunziker 1943).

Der Fremdenverkehrslehre wird aber auch die Möglichkeit zugebilligt, sich mit Technik zu befassen. Aus praktisch pädagogischen Zwecken wird die Fremdenverkehrslehre nicht darum herumkommen, sich im betriebswirtschaftlichen Sektor mit Fragen der Technik zu befassen – obwohl man sich vor Augen halten muss, das damit die Warte der Wissenschaft verlassen - und das Gebiet der Kunstlehre betreten wird (vgl. Hunziker 1943). Wichtig für die akademische Ausbildung, war dass Hunziker ein Aufbauschema der Fremdenverkehrslehre entwickelte, das wie folgt gegliedert war:

1. Allgemeine Fremdenverkehrslehre

1.1 Institutionenlehre

1.2 Funktionenlehre

2. Besondere Fremdenverkehrslehren

2.1 Fremdenverkehrsgeschichte

2.2 Fremdenverkehrsstatistik

2.3 Besondere Funktionen des Fremdenverkehrs, worunter vor allem

2.3.1 Der Fremdenverkehr als wirtschaftliche Kategorie

2.311 Die Fremdenverkehrswirtschaft

2.312 Die Wirtschaft der Fremdenverkehrsbetriebe

(Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs) 2.32 Sonstige Funktionen des Fremdenverkehrs

Dieses Aufbauschema der Fremdenverkehrslehre prägte über mehrere Jahre die akademische Fremdenverkehrsausbildung. Erst 1973 setzt sich beim Verfasser die Erkenntnis der Notwendigkeit durch, Änderungen im grundsätzlichen wie im einzelnen am erstellten Aufbauschema vorzunehmen (vgl. Hunziker 1973). So konnte z.B. die bisherige Trennung in allgemeine und besondere Fremdenverkehrslehre nicht mehr aufrechterhalten werden, ebenso wenig haltbar war die spezielle Ausgliederung einer Institutionenlehre. Von nun an, tritt die Funktionslehre an die Stelle der besonderen Fremdenverkehrslehre. Ebenfalls sollen Wissenschaftsgebiete wie die Soziologie und das Recht, sowie die Benutzung von Methoden

der Ökonometrie in die Fremdenverkehrslehre integriert werden (Sölter 2005). Als neues Aufbauschema präsentierte Hunziker (1973):

1.

Der Fremdenverkehr in Lehre, Forschung und Ausbildung

1.1 Die Fremdenverkehrslehre

1.2 Die Fremdenverkehrsforschung

1.3 Die Fremdenverkehrsausbildung

2

Der Fremdenverkehr als Gegenstand außerökonomischer Disziplinen

2.1 Die Fremdenverkehrsgeschichte

2.2 Die Fremdenverkehrsgeographie

2.3 Die Fremdenverkehrssoziologie

2.4 Das Fremdenverkehrsrecht

3

Wirtschaftliche Aspekte des Fremdenverkehrs

3.1 Überblick

3.2 Die Fremdenverkehrswirtschaft

3.3 Die Wirtschaft der Fremdenverkehrsbetriebe

3.4 Das Marketing als besonderes Wirtschaftsproblem

Diesem Schema kann man eine größere Logik als dem vorigen Schema zusprechen. Bis auf Hunziker haben sich nur wenige Wissenschaftler um den Aufbau eines Schemas für die Fremdenverkehrslehre / -wissenschaft bemüht. Eine Ausnahme bildet hier Walter Thoms er versuchte schon vor Hunikers Revidierung des bisherigen Schemas, im Jahr 1952 die Wissenschaft des Fremdenverkehrs zu gliedern.

Für Walter Thoms bestand für die Entwicklung der Wissenschaft vom Fremdenverkehr die Notwendigkeit, genau zu bestimmen, welcher Tatbestand mit dem Wort „Fremdenverkehr“ umgrenzt werden soll. Für ihn ist der Fremdenverkehr ein soziologischer Tatbestand aus dem Wesen des Menschen (z.B. Reiselust) und aus dem Gemeinschaftsleben der Menschen und ihrer arbeitswilligen Lebensordnung (z.B. Reiszwang) (vgl. Thoms 1952). Zudem betont Thoms die unterschiedlichen Motivationen für die Reise und weist darauf hin, dass der Reisende am Zielort nicht nur Fremder, sondern willkommener „Gast“ ist. Diese Andeutung betont die Gastgeberfunktion der touristischen (Aufenthalts-) Betriebe und weist auf unterschiedliche Beziehungen zwischen Gast (Fremder) und Gastgeber hin, die er im weitesten Sinne als Gastlichkeit bezeichnet. Für Thoms ist Gastfreundschaft ein wesentlicher, unerlässlicher und notwendiger Bestandteil der Kultur – dies rechtfertigt nach seiner Ansicht den Begriff „Fremdenverkehr“ und „Gastverkehr“ synonym zu verwenden. Als wichtig für die wissenschaftliche Klarheit, erachtet er in Anlehnung an Benscheid (1951) die Zweiteilung in:

unterwegs: Der reisende Mensch ist auf dem Weg zu einem Reiseziel; dabei kann ihm das Reisen selbst schon ein permanentes Reiseziel bedeuten. Der Reisende ist Gast; man spricht ja auch vom Reisegast der Bahn Post, Schifffahrts-, Omnibus- und Fluggesellschaft.

am Reiseziel: Der Gast will hier nicht dauernd bleiben, sondern er will einmal zurück „nach Hause“ auch am Reiseziel will er nur einen vorübergehenden Aufenthalt nehmen.

Bei dieser Zweiteilung stehen die Motive und Bedürfnisse des Gastes (erstmals?) im Blickfeld der Fremdenverkehrsforschung. Die gemeinsamen Gäste, ob sie unterwegs sind oder am Reiseziel, sind vom einem bestimmten Zusammengehörigkeitsgefühl beseelt, eine gemeinsame

seelische und intellektuelle Übereinstimmung ist vorhanden

der Gäste, nennt Thoms als ein soziologisch und psychologisch wichtiges und interessantes

(vgl. Thoms 1952). Diese Solidarität

Phänomen. Im Vergleich zu anderen „Fremdenverkehrswissenschaftlern“ erkennt Thoms bereits die hohe kulturelle, soziologische, psychologische, wirtschaftliche und politische Bedeutung des Fremdenverkehrs. Indirekt deutet er auch die Notwendigkeit der Interdisziplinarität der Fremdenverkehrsforschung an, wenn er schreibt: Grundlegender Irrtum würde eintreten, wollte man annehmen, dass die Betriebslehre oder gar die Betriebswirtschaftslehre als Wissenschaft allein mit dieser umfassenden Problematik fertig

werden (Thoms 1952).

Nach seiner Ansicht könnten alle Zweige der Grundwissenschaft den Fremdenverkehr zum Gegenstand von Forschung und Lehre machen, um zusammenfassend eine vollständige Lehre des Fremdenverkehrs zu gewinnen, diese könnte dann auch, als „logisch richtige“ Bezeichnung Gastverkehrs- oder Gastlehre genannt werden.

Weil wir in den Anfängen zu einer umfassenden Fremdenverkehrslehre stehen, sollen die Glieder hier nicht aus reiner Systematik, sondern vielmehr aus den konkreten Gegebenheiten, wie die Ansätze und Entwicklung sie bereits zweigen, entwickelt werden (Thoms 1952):

1 Fremdenverkehrsgeographie

2 Wirtschaftslehre des Fremdenverkehrs

3 Rechtslehre des Fremdenverkehrs

4 Fremdenverkehrssoziologie

5 Fremdenverkehrspsychologie

6 Geschichte des Fremdenverkehrs

7 Technik des Fremdenverkehrs

8 Werbelehre des Fremdenverkehrs

9 Balneologie und Bäderwirtschaft

10 Philosophie des Fremdenverkehrs

und Bäderwirtschaft 10 Philosophie des Fremdenverkehrs (Abb. „Die Gliederung der Wissenschaft des

(Abb. „Die Gliederung der Wissenschaft des Fremdenverkehrs“ eigne Darstellung nach Thoms 1952)

In den 50er Jahren verschaffte sich besonderst der Österreicher Paul Bernecker, von dem bereits oben erwähnten Institut für Fremdenverkehrsforschung, mit seinen Publikationen gehör. In dem 1957 erschienen Lehrbuch „Die Stellung des Fremdenverkehrs im Leistungssystem der Wirtschaft“ nimmt Bernecker wie folgt zur Fremdenverkehrswissenschaft Stellung:

Die Fremdenverkehrswissenschaft aber in ihrer Gesamtheit ist:

1 eine Erfahrungswissenschaft

2 eine Kulturwissenschaft, da sie zu jenen Wissenschaften gehört, die zum Gegenstand irgendwelche Bestandteile des menschlichen Kulturbereiches haben und die dann also den Gegensatz zu den Naturwissenschaften bildet,

3 eine Gesellschaftswissenschaft, weil sie wie Wirtschaft, Recht, Staat, Politik, den Fremdenverkehr als gesellschaftliche Erscheinung betrachtet. Dabei sind nicht nur die „Beziehungen und Verhältnisse“ zwischen den Subjekten des Fremdenverkehrs zu untersuchen, sondern auch jene, die sich zwischen den Subjekten und Objekten (Natur und Kultur) ergeben (Bernecker 1957)

Die Tourismuslehre als Wissenschaft – Tourismuswissenschaft

Bevor wir uns mit dem eigentlichen Thema „Tourismuswissenschaft“ befassen, ist es erst einmal notwenig zu klären was eigentlich Wissenschaft bedeutet. Als Ausgangspunkt und erste Annährung an den Begriff „Wissenschaft“ soll die Definition aus dem Nachschlagewerk Brockhaus dienen. Der Brockhaus definiert Wissenschaft als „Inbegriff dessen, was überlieferter Bestand des Wissens einer Zeit ist, sowie v.a. der Prozess methodisch betriebener Forschung und Lehre als Darstellung der Ergebnisse und Methoden der Forschung […]“. (Brockhaus o. J). Der erste Teil der Definition, sagt also, dass mit Wissenschaft die Summe des Wissens vergangener Zeit bzw. „der Stand des Wissens“ gemeint ist. Die Summe des Wissens der Fremdenverkehrs- bzw. Tourismusforschung der vergangen Zeit wurde im vorigen Kapitel kurz zusammengefasst. Im zweiten Teil der Definition wird ausgesagt, woher dieses Wissen gesammelt wurde bzw. wie es entstanden ist (durch Forschung). Durch methodisch betriebene Forschung erfolgt der Erwerb von Wissen, die gewonnen Ergebnisse der Forschung spiegeln den aktuellen Stand des Wissens wieder. In der Lehre werden die Ergebnisse und die Methoden der Forschung dem Studierenden vorgestellt.

Eine andere Definition von Wissenschaft stammt von Richard Feymann, nach ihm kann Wissenschaft eine Methode des Forschens, die Anwendung von Wissen oder eine Kombination der selben darstellen. Wissenschaft wird also betrieben um Erkenntnisse zu gewinnen, Tourismusforschung wird auch betrieben um Erkenntnisse – meist jedoch um direkt anwendbare Handlungsempfehlungen für die Praxis– zu gewinnen.