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Beitrag zur Versachlichung energiepolitischer Diskussionen

von Dr.-Ing. Erhard Schellmann

In energiepolitischen Diskussionen muss man als Mathematiker und Naturwissenschaftler ständig


erleben, wie gegen elementare Erkenntnisse der Mathematik und Physik verstoßen wird. Daraus
werden dann abenteuerliche und unrealistische Vorschläge zur Lösung der Klima- und Energiekrise
abgeleitet.
Ich will versuchen, zur Versachlichung der Diskussion einige Anregungen zu geben.
Ich beziehe mich dabei auf einen Artikel in der Zeitschrift „Max Planck Forschung“ Ausgabe
4/2008 mit dem Titel „Klimaschutz ohne Grenzen“, verfasst von Carl Christian von Weizsäcker

1. CO 2 -Diskussion im Zusammenhang mit der Erwärmung der Erdatmosphäre

Um das globale Klima so zu stabilisieren, dass die durchschnittliche Temperatur der Erdatmosphäre
um nicht mehr als 2 Gerd C steigt, muss der Ausstoß von CO2 und anderer Treibhausgase bis zur
Mitte des Jahrhunderts um mehr als die Hälfte des gegenwärtigen Wertes verringert werden. Das
kann nur gelingen, wenn alle großen Emittenten durch einen völkerrechtlichen Vertrag gebunden
werden. Partner eines solchen Weltklimaabkommens wären neben den Unterzeichnern des Kyoto-
Protokolls die USA, Brasilien, China und Indien.

An die Mitgliedsstaaten eines derartigen Abkommens sind dann CO2 – Emissionsrechte zu


verteilen, die frei handelbar sein müssen. Der Preis dürfte anfänglich bei 40,- Euro/Tonne CO2
liegen. Dieses Konzept geht davon aus, dass der Markt dafür sorgt, dass eine effiziente Verwendung
der Emissionsrechte garantiert wird. Das realistische Ziel dieser Vorgehensweise ist, dass in der
Mitte des Jahrhunderts der Pro-Kopf-Ausstoß an CO2 in allen Ländern der gleiche ist.

Die historische Erfahrung lehrt uns, dass mit steigendem Wohlstand das Umweltbewusstsein steigt.
Wer heute hungert, hat kein Interesse für Umweltschutz! Kann eine Bevölkerung sich ernähren,
beginnt sie sich für Wohnung, Kleidung, Erziehung und Krankenversicherung zu interessieren.
Unter diesem Blickwinkel muss man z.B. die stürmische Entwicklung in China betrachten.
Auch das Umweltbewusstsein beginnt sich dann zu entwickeln, zunächst für lokale Probleme wie
Entstaubung und Entschlüsselung von Kohlekraftwerken, später dann auch für globale
Umweltschutzprobleme.

So bekommt man das paradoxe Ergebnis, dass das wirtschaftliche Wachstum zunächst schädlich für
das Weltklima ist, dass es aber andererseits die subjektive, psychologische Voraussetzung schafft,
die Bevölkerung für die Stabilisierung des Weltklimas zu interessieren.

Konfrontiert man die Notwendigkeit eines Weltklimaabkommens mit den Energieprognosen des
IEA (International Energy Agentur), so ist völlig klar, dass das Weltklimaproblem nur gelöst werden
kann, wenn es gelingt, die CO2 – Abscheidung und -Einlagerung beim Verbrennen. von Kohle, Öl
oder Gas in großen Anlagen technisch in den Griff zu bekommen und wirtschaftlich zu erträglichen
Kosten durchzuführen. Noch so viele Windräder, Polaranlagen und Kernkraftwerke können Clean
Coal nicht ersetzen!

Technisch gesehen ist der wichtigste Beitrag, den ein Land wie Deutschland zur Lösung des
Klimaproblems beitragen kann, dass es der Welt vorführt, wie Clean Coal funktioniert. Das wäre
um ein Vielfaches wichtiger als die Förderung von Wind- oder Solarenergie. Diese Aussage wird
unterstützt durch Überlegungen des Ökonomen Hans-Werner Sinn. Er weist darauf hin, dass die
Exportländer von fossilen Energierohstoffen-also Kohle, Erdöl und Erdgas-am Absatz ihrer Ware
interessiert sind und noch lange darauf angewiesen sein werden. Der Weltmarktpreis für diese Ware
bildet sich durch Angebot und Nachfrage. Wenn nun durch zusätzlichen Bau von Anlagen für
erneuerbare Energien oder Kernkraftwerken oder durch Energieeinsparung die Nachfrage nach
Kohle oder Erdgas zurückgeht, wenn die Nachfrage nach Erdöl zurückgeht, weil die Autofahrer
gezwungen werden, zusätzlich Biosprit zu verwenden, dann führt dieser Nachfragen kurz-und
mittelfristig zu einem Absinken des Preises dieser Energieträger.

Dadurch wird aber an anderen Orten der Welt umso mehr Kohle, Gas und Öl verwendet, bis wieder
ein Ausgleich zwischen Nachfrage und Angebot stattgefunden hat. Mit anderen Worten: Der
verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien und der Bau neuer Kernkraftwerke reduziert nicht die
CO2-Emission. Sie werden dadurch nur verlagert. Nachdem wir über Jahrhunderte und verstärkt im
vergangenen Jahrhundert auf fossile Brennstoffe gesetzt haben und damit das Angebot durch
technischen Fortschritt und hohe Investitionen herausgelockt haben, werden wir dieses Angebot so
schnell nicht wieder los.

Der Drang der Anbieter, also etwa der Staaten am persischen Golf oder anderer Erdöl
exportierender Länder, ihre Kassen mit diesem Export zu füllen, kann nur dann mit einer
erfolgreichen Energiepolitik kompatibel gemacht werden, wenn man mit Hilfe von CO2-
Abscheidung und Restrukturierung dafür sorgt, dass dieses Angebot eben nicht oder nur in
verschwindendem Masse zu einer zusätzlichen CO2-Emission führt.

Die Frage, wie stark dieser „Sinn-Effekt“ ist, kann nur empirisch beantwortet werden. Wie viel von
einem Kubikmeter Erdgas oder einer Tonne Steinkohle, die durch den Bau von Windkraftanlagen
an einer Stelle der Welt eingespart werden, verschwindet vom Weltmarkt, weil der gesunkene Preis
dieses Energieträgers seine Förderung unrentabel macht? Wie viel von diesem eingespartem
fossilen Energieträger wird anderweitig auf der Welt zusätzlich verbraucht, weil der gesunkene
Preis nunmehr dessen Einsatz rentabel macht?

Demgegenüber ist die Netto-Wirkung der CO2 -Einsparung bei Clean Coal aufgrund des „Sinn-
Effektes“ größer als die anfängliche technische Einsparung. Denn die Sequestrierung von CO2
kostet ja zusätzliche Energie. Also benötigt man bei Clean Coal mehr Kohle pro Kilowattstunde
erzeugtem Strom als ohne die Sequestrierung. Obwohl also mit Clean Coal die CO2 -Emissionen
sinken, vermehrt sich die Nachfrage nach Kohle. Insofern hat diese Art der CO2 -Einsparung im
Gegensatz zu den anderen Arten einen preissteigernden Effekt fue3r die fossilen Energieträger mit
der Folge, dass die Nachfrage in den Bereichen ohne Sequestrierung zurückgeht.

Feuer eine Tonne demonstrierten CO2 ergibt sich damit eine Gesamteinsparung von CO2, die sogar
größer ist als eine Tonne. Der Klimaeffekt einer Tonne technisch eingesparten CO2 ist damit mit
Sequestrierung wesentlich größer als der Klimaeffekt bei Einsparung durch erneuerbare Energien
oder Kernkraftenergie.

Abschließend noch einige Bemerkungen zur Klimapolitik in ihrer europäischen und nationalen
Umsetzung. Das im Jahre 1997 geschlossene Kyoto-Abkommen umfasst 30 % der weltweite CO2
-Emissionen – soweit es sich um diejenigen Staaten handelt, die tatsächlich Minderungspflichten
übernommen haben. Diese Minderungspflichten liegen in der Größenordnung von 10 % verglichen
mit dem Ausgangswert von 1990. Es handelt sich bei diesen Staaten um wirtschaftlich langsam
wachsende Staaten. Das bedeutet, dass ohne das Kyoto-Abkommen der CO2-Ausstoß um ca. 10 %
gestiegen wäre. Damit bewirkt das Kyoto-Abkommen, dass die CO2-Emissionen innerhalb der
Staaten, die sich zur Minderung verpflichtet haben, um durchschnittlich 20 % niedriger liegen, als
sie ohne das Abkommen gelegen hätten. Diese 20 % beziehen sich auf 30 % der weltweiten
Emission. Sie macht damit 6 % der weltweiten Emissionen des Ausgangsjahres 1990 aus.
Angesichts der Tatsache, dass die weltweiten CO2-Emissionen trotz Kyoto jährlich um 1,8 %
steigen, bedeutet diese einmalige Einsparung von 6 % der der weltweiten Emissionen nur eine
Verzögerung des Wachstums der CO2-Emissionen um etwa 3 Jahre. Mehr hat das Kyoto-
Abkommen nicht erreicht! Sein direkter Effekt auf das Weltklima ist also vernachlässigbar klein.

Das Kyoto-Abkommen ist also nur sinnvoll, wenn man unterstellt, dass das gute Vorbild, das
Verhalten eines Musterschülers, das man hier an den Tag legt, andere Staaten der Weltgemeinschaft
veranlasst, sich an einer echten Einsparung von CO2 -Emissionen zu beteiligen. Es spricht einiges
dafür, dass diese Verhaltensannahme stimmt. So ist etwa in den USA in der letzten Jahre und
insbesondere nach Bahamas Amtsantritt ein Wechsel der Einstellung festzustellen. Auch die
chinesische Regierung hat sich wohl durch Kyoto beeindrucken lassen.

Allerdings ist nicht mit Sicherheit auszuschließen, dass ein Teststoppabkommen unter Einschluss
aller OECD-Staaten sowie China, Indien, Brasilien und Russland doch noch scheitert. Feuer diesen
Fall bedarf es in Europa eines Planes B. Sollte es zu einem Scheitern kommen, spricht alles dafür,
auch in den Kyoto-Staaten die Klimapolitik zu beenden. Denn solange Industrieunternehmen aus
den Kyoto-Staaten mit Unternehmen aus USA oder China konkurrieren müssen, liegt eine
erhebliche Wettbewerbsverzerrung vor, die ein Staat seinen Bürgern nicht zumuten darf. Denn CO2-
Einsparung kostet Arbeitsplätze und Wohlstand und ist unter den genannten Umständen auch noch
absolut sinnlos, weil kein messbarer Effekt auf das Weltklima vorhanden ist.

Außerdem führt die Abwanderung insbesondere energieintensiver Industrien in die Nicht-Kyoto-


Staaten nur zu einer Verlagerung der Emissionen, nicht zu einer Einsparung. Das allein macht eben
keinen Sinn. Es wäre sogar eine verlogene Politik, wenn man sich einer Einsparung rühmt, die im
Bereich der Kyoto-Staaten tatsächlich stattgefunden hat, die aber in anderen Weltgegenden zu einer
Steigerung der Emissionen führt.

Ein weiterer Aspekt der Klimapolitik ist die Tatsachen dass es sich weitgehend um extrem
dirigistische Maßnahmen handelt, die z.T. Sogar kontraproduktiv sind.. Als Beispiel sei das Debakel
mit dem Biosprit genannt. Wenn aufgrund der Verpflichtung, dem Benzin Biosprit beizumischen,
die Agrarpreise steigen, dann werden vor allem die Armen dieser Welt darunter leiden müssen.
Außerdem wird mehr Kunstdünger aufgebracht werden, denn bei erhöhten Agrarpreisen wird auch
mehr Dünger wirtschaftlich einsetzbar.Es ist nun eine unbestreitbare Tatsache, dass Kunstdünger
Lachgas erzeugt, eines der Treibhausgase. Im Saldo ist also Biosprit für erhöhte parteischädigende
Wirkungen verantwortlich.

Staatliche Eingriffe in die Energie- und Klimapolitik bringen nichts Gutes. Das zeigen die
miserablen Ergebnisse planwirtschaftlicher Versuche in der Menschheitsgeschichte, wenn man sie
mit marktwirtschaftlichen Systemen vergleicht. Sinnvoll ist deshalb auch in der Klimapolitik ein
Übergang zu Preismechanismen. Das skizzierte Weltklimaabkommen könnte damit auch ein Vorbild
für eine effizientere Klimapolitik sein. Wenn heute etwa die Solarenergie mit fast einem halben
Euro je Kilowattstunde gefördert wird, dann ist das eine Form der Klimapolitik, die im Vergleich zu
den geschilderten 40,- Euro je eingesparter Tonne CO2 deutlich zu teuer ist. Es werden damit
Anlagen gefördert, deren Preis je eingesparter Tonne CO2 bei 300,- bis 400,- Euro liegt. Solche
Extravaganzen kann sich ein reiches Land wie Deutschland leisten. Es zahlt dann eben der
Stromkunde ein wenig mehr für den Strom. Richtig eingesetzte Ressourcen aber brächten das acht-
bis zehnfache an Klimaschutz.

Fazit

Ineffiziente, zu teure Klima-Instrumente werden angesichts der drängenden Probleme , die sonst
noch auf die internationale Politik einströmen, die Klimapolitik selbst diskreditieren. Wenn heute z.
B. Der Neubau von Kohlekraftwerken in Deutschland auf Widerstand stößt, der z.Teil auch
marktpolitisch begründet wird, dann wird die dadurch und durch den Ausstieg aus der Kernenergie
zu erwartende Engpasssituation bei der Stromversorgung in der Bevölkerung zu einem
Stimmungsumschwung führen, der sich dann auch negativ auf die Klimapolitik auswirken wird.
Sinnvoll ist allein ein Weltklimaabkommen, das zumindest die OECD-Staaten sowie , Indien und
Russland verpflichtet. Energieeinsparung, Förderung erneuerbarer Energien und der Bau neuer
Kernkraftwerke werden nicht zu einem Durchbruch in der Klimapolitik führen . Allein die
Technologie Clean Coal wird in der Lage sein, das Problem zu lösen. Deutsche Forscher sollten
deshalb ausreichend Gelder bekommen, um diese Technologie voranzubringen.