Komponieren statt Administrieren – IBM entwirft einen Blueprint für "Software Defined Environments" (SDE

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Autor: Datum: Tags: Dr. Carlo Velten , Senior Analyst 07.10.2013 Cloud, IBM, Netzwerk 2.0, SDE, SDN, Software Defined Engineering.

Ein kurzer Schlag und das Orchester passt Takt und Tonlage an die Interpretation des Dirigenten an. Das Ensemble reagiert in Echtzeit. Die einzelnen Musiker folgen klaren Regeln. Das Ergebnis ist vollständige Harmonie und ein echter Hörgenuss. Dies gilt zumindest für die Aufführungen anlässlich des 21. George Enescu-Festivals, das vom 01.28.09.2013in Bukarest stattgefunden hat. Parallel veranstaltete IBM in einem Hotel gegenüber der „Piata George Enescu“ einen AnalystenEvent zum Thema „Software Defined Environments“ (SDE). Gute Wahl denkt man sich – und dies gilt sowohl für das Thema als auch den Veranstaltungsort.

Denn so scheinbar leicht wie der Dirigent sein Orchester leitet, haben es IT-Verantwortliche beim Betrieb der unternehmensweiten IT-

Infrastrukturen und Rechenzentren meist nicht. So verhalten sich die eingesetzten Technologien und Hardware-Komponenten teils sehr eigenwillig, wenn sie zum Zusammenspiel gebracht werden. Eine optimale Nutzung im der Ressourcen der findet trotz der positiven Cloud

Entwicklungen

Rahmen

Virtualisierung

und

des

Computings meist nur selten statt.Das hat verschiedene Gründe.

Chancen der Cloud werden ohne SDN nur unzureichend genutzt

IT-Organisationen in Deutschland und Europa haben in den letzten 5 Jahren viel erreicht. So wurde ein Großteil der IA-Server-Basis virtualisiert (über 60%). Damit wurden die Grundlagen für einen ressourcenoptimalen Einsatz dieser Infrastrukturen und den Einstieg ins Cloud Computing geschaffen. Doch im betrieblichen Alltag der meisten
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Administratoren hat sich bislang wenig geändert – nur dass anstelle von realen Servern nun virtuelle Maschinen manuell gewartet werden. Aufgrund der steigenden Komplexität in hybriden Cloud-Umgebungen und dem Mangel an Erfahrung, lassen sich in vielen Unternehmen die großen „Cloud-Versprechen“ von Agilität, Automation und

Kosteneinsparung nur teilweise einlösen. Gerade mit der Automation der Administrations- und Provisionierungsprozesse tun sich die meisten Unternehmen noch schwer. Dabei liegen die Probleme nicht nur auf Seiten der Anwender, sondern lassen sich wie folgt beschreiben:

Unzureichende Standardisierung und Integration der Cloud Management-Lösungen Mangelnde Erfahrung im Betrieb „großer“ und hybrider CloudUmgebungen Noch keine Datenbasis, um Automation über „Patterns &Policies“ voranzutreiben Netzwerk meist als Flaschenhals –fehlendeVirtualisierung und Managementmöglichkeiten

Netzwerk 2.0 – Mittels SDN vom Flaschenhals zum Cloud-Enabler

Die Grundlage für agile und effiziente Cloud-Infrastrukturen sind Netzwerke, die ebenfalls virtualisiert sind und deren Konfiguration weitgehend regelbasiert und automatisierbar ist. Unter dem Begriff „Software Defined Networks“ (SDN) wurden diese in den letzten Jahren konzipiert und von einer Reihe von Anbietern in erste Produktkonzepte umgesetzt. Grundidee ist, die Control Plane und die Data Plane voneinander zu trennen und zu abstrahieren, so dass untere Funktionsebenen des Netzwerkes als virtualisierte Services gesteuert werden können und nicht mehr manuell konfiguriert werden müssen. Dies bietet für das Management komplexer IaaS-Umgebungen

erhebliche Vorteile im Hinblick auf den Automationsgrad und die Kosten.

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Neben IBM, VMware (Nicira) und Cisco (Insieme) zählen in diesem Marktsegment noch Juniper (Contrail), Alcatel-Lucent (Nuage)

und Contextream zu den relevanten Playern.Es stellt sich allerdings die Frage, welcher der Hersteller die richtige Strategie eingeschlagen hat, um seinen Kunden unter dem Label „Software Defined Networks“ einen echten Mehrwert zu liefern.

SDE@IBM – Strategie, Standards und Produkte

Unter dem Namen „Software Defined Environments“ (SDE) hat IBM einen Blueprint zur Erweiterung des SDN-Konzeptes geschaffen, der das komplette Infrastrukturspektrum vom Netzwerk, über Storage bis zur Rechenleistung abdeckt. Dabei zielt IBM auf die Entwicklung vollständig autonomer IT-Infrastrukturen ab, in den sich Workloads die optimalen Infrastrukturressourcen selbstständig auswählen.So spricht Matt

Hogstrom, Distinguished Engineer Pure Application Systems IBM, von sogenannten „Application-Aware Infrastructures“, die die notwendigen Anforderungen seitens der Applikation verstehen (CPU-Performance, RAM, VLAN-Konfiguration, Security-Anforderungen etc.) und diese dann automatisch konfigurieren und provisionieren. Das wäre in der Tat ein großer Schritt. Doch wie weit ist IBM auf dieser Reise?

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Die

Grundidee

ist

die

Entwicklung

und

das

Mapping

von

„WorkloadDefinitions“ mit den jeweiligen „Software Patterns“ - sprich welche Infrastrukturanforderungen weisen bestimmte Software-Module und –Lösungen auf. Spiegelt man das Gleiche auf der Infrastrukturseite, können Muster und Policies für einen optimierten Betrieb bestimmter Applikationstypen oder –Funktionen erstellt werden, die sich nicht nur einmalig anwenden, sondern als Best Practice mehrfach nutzen lassen. In diesem Modell ließen sich beispielsweise für bestimmte SAP- oder Datenbankanwendungen optimale Infrastrukturkonfigurationen einer Cloud-Umgebung als Muster bzw. Vorlage beziehen („Pattern“), ohne dass sich ein Administrator Gedanken über Architektur, Sizing und Konfiguration der Infrastruktur machen müsste – eine schöne neue Welt. Bis dahin liegt zwar noch eine gute Wegstrecke vor uns. Aber vieles lässt sich schon heute umsetzen. IBM beschreitet bei der Umsetzung seiner SDE-Strategie einen klaren und offenen Ansatz, der stark auf Branchenund Open Source-Standards aufsetzt. Dabei stehen folgende Initiativen und Projekte im Fokus:

Openstack:Open Source-Framework zum Management von IaaS-Umgebungen; derzeit implementiert als Grundlage des aktuellen IBM Smart Orchestrators (V.2.2)

Open Daylight: Branchen- und herstellerübergreifendes OpenSource Framework zum Management von SDN; getragen von der Linux Foundation

OpenFlow: ein von der Open Networking Foundation verwaltetes hersteller-unabhängiges SDN-Protokoll; als Controller-Standard im Rahmen der neuen IBM Switching-Produkte implementiert

TOSCA(Topologyand Orchestration Specificationfor Cloud Applications): ein von der OASIS entwickelter Standard, um die Portabilität, Integration und das Lifecycle Management von Applikationen in hybriden Cloud-Umgebungen sicher zu stellen;
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Die Umsetzung der SDE-Strategie bedingt die Implementierung der obigen Standards in den jeweiligen Produktbereichen und umfasst die Networking, Storage, Server und vor allem die Cloud Management Produkte. Dies ist eine gewaltige Aufgabe, der sich IBM allerdings schon gestellt und die derzeit mit einem hohen Investment in R&D und Produktentwicklung intensiv vorangetrieben wird. Nach Einschätzung von Crisp Research zählt IBM zu den wenigen Anbietern, die innerhalb der kommenden 24 Monate in der Lage sein werden, die blumige SDEbzw. SDN-Story in effiziente und vollständig integrierte Produktlinien zu transformieren. Der Entwicklungs- und Integrationsaufwand über die verschiedenen Infrastruktur- und Applikationsbereiche ist so immens, dass deutlich kleinere Anbieter diesen langfristig nicht stemmen können und nur partiell Innovationen liefern, bevor die Top-5 diese über Akquisitionen zukaufen.

SDE@IBM – Stärken und Chancen

Auch wenn die SDE-Story noch nicht komplett in die Realität umgesetzt ist, kann IBM auf einige interessante Neuerungen verweisen, die sich als Chance im wachsenden Cloud- und SDN-Markt herausstellen könnten:

SmartCloudOrchestrator V2.2: Mit dem neuen Release des SmartCloudOrchestrators (V2.2) auf Basis von Openstack liefert IBM eine leistungsstarke UND herstellerunabhängigeCloud Management Lösung, die sich auf einer Vielzahl von Systemen und Architekturen einsetzen lässt (inkl. PureFlexandPureApplication).

IBM DOVE: Mit seiner hauseigenen NetzwerkOverlayVirtualisierungstechnologie namens „Distributed Overlay Virtual Ethernet (DOVE)“ schafft IBM eine Alternative zu den klassischen VXLAN-basierten Lösungen von VMware& Co, die seitens der Kunden allerdings die Anforderung an einen Multicast-Betrieb stellen, die viele derzeit noch nicht erfüllen bzw. Multicast noch nicht unterstützen[1]. Hier bietet IBM mit dem DVS
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5000v[2] einen eigenen Virtual Switch an, der bald nicht nur vSphere, sondern auch KVM und Hyper-V unterstützen wird.

IBM Bluemix: Mit Bluemix bietet IBM eine flexible und standardkonforme PaaS-Umgebung für Entwickler und Partner an. Diese basiert auf dem Open Source-Framework „CloudFoundry“, folgt der “IBM Open Cloud Architecture” und unterstützt eine Vielzahl an Entwicklungsumgebungen und Tools aus der IBM- und der Internetwelt (Node, Java, Websphere Liberty, Ruby, Worklight)[3].

Ausblick

Der Hype rund um das Thema „Software-Defined-Irgendwas“ erhält durch IBM´s Ansatz der „Software Defined Environments“ neue Nahrung. Parallel versuchen VMware und Cisco, die Anwender von ihren Visionen des „Software Defined Datacenter“ zu überzeugen. Eines scheint abseits der Trendbegriffe aber vollkommen klar: Die Virtualisierung und „Cloudifizierung“ macht auch vor den Netzwerken nicht halt. Hier ist ein Upgrade zudem dringend notwendig, wenn Unternehmen ihre ITInfrastrukturen ernsthaft integrieren und automatisieren wollen. Denn hier liegt bisher der Hund begraben. So machen sich die

Bereitstellungszeiten für neue IT-Ressourcen meist nicht an der Provisionierung einer VM, sondern an den komplexen

Netzwerkkonfigurationen fest. Bis der Administrator also zum Dirigent eines optimal abgestimmten Infrastruktur-Orchesters wird, wird noch ein wenig dauern. IBM hat zumindest eine klare Roadmap und erste überzeugende Portfoliobestandsteile seiner SDE-Story vorgelegt. So geht Crisp Research davon aus, dass Big Blue sich schon im Jahr 2014 ein gehöriges Stück aus dem großen SDN-Kuchen herausschneiden wird, der dann global bei rund €4,1 Milliarden liegen wird.

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[1]Vgl. http://searchsdn.techtarget.com/feature/IBM-DOVE-Big-Blueenters-the-network-virtualization-battleground [2]Vgl: http://www03.ibm.com/systems/networking/switches/virtual/dvs5000v/index.html [3]Vgl. http://www01.ibm.com/software/ebusiness/jstart/bluemix/index.html

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Autor

Dr. Carlo Velten ist Managing Director des ITResearchund Beratungsunternehmens Crisp

Research. Seit über 15 Jahren berät Carlo Velten als IT-Analyst namhafte Technologieunternehmen in Marketing- und Strategiefragen. Seine Schwerpunktthemen sind Cloud Strategy & Economics, Data Center Innovation und Digital Business Transformation. Zuvor leitete er 8 Jahre lang gemeinsam mit Steve Janata bei der Experton Group die „Cloud Computing & Innovation Practice“ und war Initiator des „Cloud Vendor Benchmark“. Davor war Carlo Velten verantwortlicher Senior Analyst bei der TechConsult und dort für die Theman Open Source und Web Computing verantwortlich. Dr. Carlo Velten ist Jurymitglied bei den „Best-in-Cloud-Awards“ und engagiert sich im Branchenverband BITKOM. Als Business Angel unterstützt er junge Startups und ist politisch als Vorstand des Managerkreises der Friedrich Ebert Stiftung aktiv.

Dr. Carlo Velten, Senior Analyst & Managing Director carlo.velten@crisp-research.com https://www.xing.com/profiles/Carlo_Velten

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Über Crisp Research

Crisp

Research

ist

ein

europäisches

IT-Research-

und

Beratungsunternehmen. Mit einem Team erfahrener Analysten, Berater und Software-Entwickler bewertet Crisp Research aktuelle und

kommende Technologie- und Markttrends. Crisp Research unterstützt ITAnbieter in Strategie-, Contentmarketing- und Vertriebsfragen.

Cloud Computing und Digital Business Transformation sind die Themenschwerpunkte von Crisp Research. Wir verfügen in unseren Crisp Labs über ein internes Software-Developer Team und testen aktuelle Cloud Services und Produkte unter Live-Bedingungen. www.crisp-research.com @crisp_research

KONTAKT Weißenburgstraße 10 D-34117 Kassel Tel +49-561-2207 4080 Fax +49-561-2207 4081 info@crisp-research.com http://www.crisp-research.com/ https://twitter.com/crisp_research
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