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Selbstfokussierung

bei der akustischen Kavitation

Diplomarbeit
vorgelegt von
Martin Voß
aus
Meppen

1 7 3 7

angefertigt im

Dritten Physikalischen Institut


der Georg-August-Universität zu Göttingen

1998
Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Experimentelle Befunde 5
2.1 Akustische Lichtenbergfiguren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2.1.1 Versuchsbeschreibung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2.1.2 Beobachtungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
2.2 Selbstfokussierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
2.2.1 Versuchsbeschreibung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
2.2.2 Beobachtungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10

3 Blasendynamik 11
3.1 Radiale Blasendynamik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
3.1.1 Das RPNNP-Modell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
3.1.2 Erweiterungen des Modells . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
3.2 Wechselwirkungen mit dem Schallfeld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
3.3 Blasen-Blasen-Wechselwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18

4 Wellengleichungen im Blasen-Flüssigkeits-Gemisch 21
4.1 Modellierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
4.2 Mehrfachstreuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
4.3 Kontinuumsmodell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
4.3.1 Das Modell von van Wijngaarden . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
4.3.2 Modellgleichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
4.3.3 Physikalische Begründung der Modellgleichungen . . . . . . . . . 26
4.3.4 Eine Wellengleichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
4.4 Dispersionrelation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29

i
ii Inhaltsverzeichnis

5 Ein Modell zur Selbstfokussierung 31


5.1 Die Modellgleichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
5.1.1 Schallfeldamplitude . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
5.1.2 Driftgeschwindigkeit der Blasen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
5.1.3 Bilanzgleichung der Anzahldichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
5.1.4 Zusammenfassung der Modellgleichungen . . . . . . . . . . . . . 36
5.2 Die nichtlineare Schrödingergleichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
5.2.1 Eigenschaften der nichtlinearen Schrödingergleichung . . . . . . . 37
5.2.2 Lösungen und lineare Stabilitätsanalyse . . . . . . . . . . . . . . . 37
5.2.3 N-Solitonen-Lösung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
5.3 Erhaltungsgrößen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
5.4 Lineare Stabilitätsanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
5.5 Diskussion des transienten Verhaltens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
5.6 Numerische Simulationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
5.6.1 Entwicklung der Transiente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
5.6.2 N-Solitonen-Lösung und Kollision . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
5.6.3 Kritische Diskussion der Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
5.7 Erweiterungen des Modells . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
5.7.1 Dämpfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
5.7.2 Stehende Wellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
5.7.3 Kavitationskeime . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56

6 Zusammenfassung und Ausblick 61


6.1 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
6.2 Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63

A Finite-Differenzen-Verfahren 65
A.1 Lösungen der kubisch nichtlinearen Schrödingergleichung . . . . . . . . . 65
A.2 Lösungen des Modellgleichungssystems . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66

B Numerische Parameter 69
Inhaltsverzeichnis iii

Literaturverzeichnis 70
Kapitel 1
Einleitung

Bei der Erforschung nichtlinearer Wellenausbreitung gibt es einige Systeme und Medien,
denen besondere Beachtung geschenkt wird. Im Bereich der Akustik sind dies Flüssigkeiten,
die Blasen enthalten. Sie sind aufgrund ihrer großen Vielfalt an nichtlinearen und dispersiven
Eigenschaften interessant. Bzgl. ihrer Komplexität sind diese vergleichbar mit den elektro-
magnetischen Eigenschaften von Plasmen.
Blasen–Flüssigkeits–Gemische sind Mehrphasensysteme, die sowohl für die physikalische
Grundlagenforschung als auch für die technologische Anwendung von großem Interesse
sind. Aus Sicht der Physik ist das Verständnis der Komplexität der Inter- und Intrapha-
senwechselwirkung eine faszinierende Herausforderung. Für die Nichtlineare Dynamik
sind Blasen-Flüssigkeits-Gemische als ausgedehnte, hydrodynamische Systeme wegen ihrer
Fähigkeit zur raum-zeitliche Strukturbildung wichtige Untersuchungsobjekte. Aus techno-
logischer Sicht findet man sich in einer Großzahl verfahrenstechnischer Prozesse mit Blasen-
Flüssigkeits-Gemischen konfrontiert, deren Verständnis entscheidend für den Erfolg der An-
wendung ist.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Untersuchung der Ausbreitung nichtlinearer akusti-
scher Wellen in einem Blasen-Flüssigkeits-Gemisch.
Eine einzelne Blase ist ein nichtlinearer Oszillator, der unter Einfluß einer Schallwelle zu
Schwingungen angeregt wird und seinerseits Schallwellen emittiert. Damit ist die Dyna-
mik der Einzelblase bereits alleinige Ursache für verschiedene nichtlineare Effekte (vgl.
z.B. [45]) des Blasen–Flüssigkeits–Gemisches. In dieser Arbeit werden nichtlineare Blase-
noszillationen jedoch nur am Rande berücksichtigt. Im Mittelpunkt stehen nichtlinearen Ef-
fekte, die durch Fluktuationen in der Anzahldichte der Blasen hervorgerufen werden. Fluk-
tuationen entstehen zum einen durch die kollektive Bewegung der Blasen und zum anderen
durch Erzeugung neuer Blasen aufgrund eines hinreichend starken Schallfeldes. Letzteres
wird auch als akustische Kavitation bezeichnet. Die Anzahldichte und die Radienverteilung
der Blasen beeinflussen die Schallgeschwindigkeit im Medium, während das Schallfeld die
oszillatorische und translatorische Dynamik der Blasen bestimmt. Dieser Rückkoppelungs-
prozeß führt zu nichtlinearen Phänomenen in der Wellenausbreitung.

1
2 Kap. 1 Einleitung

Blasenfelder, die mit Schallwellen wechselwirken, zeigen verschiedene Formen der Struk-
turbildung. Unter der Struktur eines Systems versteht man die Art der Anordnung und Ver-
knüpfung ihrer Elemente. Das Entstehen höherer, reicherer und geordneter Strukturen be-
zeichnet man als Strukturbildung (vgl. [19]). Blasenfelder zeigen unter Schalleinwirkung
raum-zeitliche Strukturbildung. Ein sich ausbreitender Wellenzug neigt aufgrund der disper-
siven Eigenschaften des Systems zum Auseinanderlaufen, während die Nichtlinearität des
Mediums zu einer Aufsteilung führt. Das Wechselspiel der beiden entgegengesetzt wirken-
den Effekte kann zu einer stabilen Wellenform, einer sog. solitären Welle, führen. Diese
stellt eine Struktur im obigen Sinne dar. Komplexere Strukturen zeigen sich in stehenden
Schallfeldern. Hier bilden sich filamentartige Strukturen aus, die wegen ihrer Ähnlichkeit
zu elektrischen Entladungsfiguren, wie sie bereits von Lichtenberg beobachtet wurden, als
akustische Lichtenbergfiguren bezeichnet werden.

Die Ausbreitung solitärer Wellen in einer Raumdimension in Blasen-Flüssigkeits-


Gemischen wurde bereits vor längerer Zeit sowohl theoretisch als auch experimentell
untersucht (vgl. z.B. [22]). Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Entwicklung von Störun-
gen transversal zur Ausbreitungsrichtung. Während des Kavitationsprozesses kommt es zu
Amplitudenmodulationen in der Front einer ebener Welle, die sich selbst verstärken können.
Diesen Vorgang bezeichnet man als Selbstfokussierung. Eine Modellierung dieses Phäno-
mens wird hier vorgestellt und bzgl. ihrer Eigenschaften und Beschränkungen diskutiert.
Die Lösungen des Systems zeigen Eigenschaften solitärer Wellen.

Aufbau der Arbeit Zunächst werden in Kapitel 2 Experimente zur Strukturbildung und
deren Ergebnisse in knapper Form dargestellt. Anhand der akustischen Lichtenbergfiguren
werden verschiedene Raum- und Zeitskalen vorgestellt bzgl. derer die Struktur existiert.
Diese sind für die Definition einer Struktur unerläßlich und wichtig für die Modellierung
eines solchen Systems. Anschließend wird ein Experiment besprochen, in dem Selbstfokus-
sierung von Ultraschallpulsen während des Kavitationsprozesses beobachtet wird. Kapitel 3
gibt eine kurzen Überblick über die Dynamik der Einzelblase, den Wechselwirkungen der
Blase mit dem Schallfeld sowie Blasen-Blasen-Wechselwirkungen. Die Schallausbreitung
in Blasen-Flüssigkeits-Gemischen wird in Kapitel 4 diskutiert. Es werden mit der Theorie
der Mehrfachstreuung und dem Kontinuumsansatz zwei methodisch verschiedene Verfah-
ren vorgestellt, um Wellengleichungen abzuleiten. Für stehende Wellen ergeben sich aus der
Theorie der Mehrfachstreuung sowie aus einem Kontinuumsansatz dieselbe Dispersionsre-
lation. Diese liefert ein wesentliches Kriterium, um den Gültigkeitsbereich des vorgestellten
Modells zu bestimmen. In Kapitel 5 werden die Modellgleichungen in Form eines Systems
partieller Differentialgleichungen aus dem Kontinuumsansatz abgeleitet. Die Eigenschaften
dieses Gleichungssystems werden diskutiert. Im Gegensatz zu den vorherigen Arbeiten [2]
und [29], die sich auf die mathematisch numerische Analyse konzentrieren, steht in dieser
Arbeit die Diskussion der grundlegenden physikalischen Modellannahmen und den hieraus
Kap. 1 Einleitung 3

resultierenden Grenzen der Aussagefähigkeit des Modells im Vordergrund. Insbesondere


werden die methodisch-konzeptionellen Schwierigkeiten analysiert, die mit einer substanti-
ellen Modellerweiterung verbunden sind. Vor diesem Hintergrund werden anschließend die
möglichen Erweiterungen des Modells vorgestellt und kritisch diskutiert.
In Kapitel 6 erfolgt eine Zusammenfassung der Arbeit und ein Ausblick.
Der Anhang stellt die nötigen Informationen über das verwendete numerische Verfahren und
die Parameterwahl bereit, so daß die Reproduzierbarkeit der vorgestellten Ergebnisse verein-
facht wird.
Kapitel 2
Experimentelle Befunde

Das Aufreißen einer Flüssigkeit durch das Auftreten hoher Zugspannungen in einer Schall-
welle wird als akustische Kavitation1 bezeichnet. Der Schwellenwert der Schallfeldampli-
tude für das Einsetzen der Kavitation hängt von verschiedenen Parametern ab wie z.B. der
Schallfrequenz, der Art des Fluid, der Menge des gelösten Gases, Verunreinigungen oder
dem statischen Druck. Bei der akustischen Kavitation gibt es jedoch ein gegenüber den ex-
perimentellen Gegebenheiten sehr robustes und fast universelles Phänomen: die Strukturbil-
dung. Anhand von Experimenten werden in diesem Abschnitt verschiedene Phänomene der
Strukturbildung diskutiert. Insbesondere wird das Konzept der Skalen eingeführt, die zur
Definition einer Struktur notwendig sind.

2.1 Akustische Lichtenbergfiguren


2.1.1 Versuchsbeschreibung

Hydrophon

Kamera

Piezo-Element

Abbildung 2.1: Schematischer Aufbau eines Experiments zur Strukturbildung. Die
Größe des Wasservolumens beträgt 5 cm 5 cm 5 cm [37].

Abb. (2.1) zeigt schematisch den Aufbau eines typischen Experiments zur Strukturbildung.
Die Küvette mit quadratischer Grundfläche wird bis zur einer Höhe, die der Basislänge ent-
1
lat.: cavitas, Hohlraum

5
6 Kap. 2 Experimentelle Befunde

spricht, mit Flüssigkeit gefüllt, um ein näherungsweise kubisches Flüssigkeitsvolumen zu


erhalten. Ein piezoelektrisches Element, das sich am Boden des Behälters befindet erzeugt
das Schallfeld. Die Schallfrequenz beträgt etwa 20 kHz und wird auf die (111) Mode justiert,
so daß sich ein stehendes Schallfeld mit Druckbauch in der Mitte des Behälters einstellt. Die
Küvette wird von außen beleuchtet, so daß die Blasen durch Lichtstreuung sichtbar werden.
Bilder des Streulichts können mit einer CCD–Kamera aufgenommen werden. Parallel zur
optischen Untersuchung dient ein Hydrophon zur Aufnahme akustischer Signale. Das Hy-
drophon wird in der Nähe einer Kante des Behälters positioniert und mißt den vom Schall-
sender und von allen Blasen emittierten Schall. Die Blasen oszillieren unter dem Einfluß
des Schallfeldes, so daß von ihnen Schallwellen ausgehen. Im Fall eines starken Kollapses
werden von ihnen Stoßwellen emittiert.

Abbildung 2.2: Verzweigte Kavitationsblasenwolke (akustische Lichtenbergfigur) in


einem stehenden Schallfeld [37].

2.1.2 Beobachtungen
Eine Momentaufnahme der bei diesem experimentellen Aufbau auftretenden Strukturen
zeigt Abb. (2.2). Die typische Form der Struktur zeigt sich auch in anderen Geometrien
(vgl. [27]).
Ab einer bestimmten Schallfeldamplitude entstehen Blasen, die an spezifischen, ungleich-
mäßig verteilten Stellen im Behälter sichtbar werden. Diese Stellen befinden sich in der
Nähe der Behälterwände und besitzen jeweils ungefähr den gleichen Abstand zur Mitte des
2.1 Akustische Lichtenbergfiguren 7

Containers. Die Blasen wandern in den Bereich höherer Amplitude und wachsen dabei an.
Da alle Blasen, die von einer dieser Entstehungsstellen stammen, ähnliche Wege ins Zen-
trum nehmen, werden Zweige sichtbar, auf denen die Blasen ins Zentrum strömen. Diese
sogenannten Streamer laufen zusammen und vereinigen sich in einem Cluster. So bildet
sich filamentartige Struktur aus, die in ihrem Aussehen dem von elektrischen Entladungsfi-
guren ähnelt. Daher nennt man sie akustische Lichtenbergfiguren (ALF). Im Gegensatz zu
den statischen Entladungsfiguren sind die ALFen allerdings dynamische dreidimensionale
Strukturen. Die Streamer sind jedoch relativ stabil, d.h. sichtbare Veränderungen treten erst
nach vielen Zyklen des anliegenden Schallfeldes auf. Die Zeitskala für diese Veränderungen
liegt im Bereich zwischen dem Bruchteil einer Sekunde bis zu wenigen Sekunden. Dieses
Beispiel macht deutlich, daß zur Definition einer Struktur charakteristische Skalen gehören,
bzgl. derer die Struktur existiert bzw. sichtbar wird. Für raum-zeitliche Strukturen sind
sowohl räumliche als auch zeitliche Skalen anzugeben. Folgende Zeitskalen eigenen sich
zur Charakterisierung der zeitlichen Dynamik:

Drift der Filamente 0:1 s bis wenige Sekunden


Relaxation der Blasenbewegung 10 2 s
Periode T des anliegenden Schallfeldes 10 4 10 5 s
Dauer der Kollapsphase 10 9 s
Lichtemission 10 10 s

Charakteristische räumliche Skalen der Struktur sind:

Wellenlänge und Abmessungen der Küvette  10 cm makroskopisch


Abstände zwischen den Blasen 0:1 1 mm mesoskopisch
Blasenradien 10 5 m mikroskopisch
Kollaps und Lichtemission < 1µ m

Die auf der Zeitskala auftretenden Strukturen können z.B. mit Hilfe des Hydrophons erfaßt
werden. Mit steigender Amplitude durchläuft das akustische Emissionsspektrum eine Peri-
odenverdopplungskaskade ins Chaos. Dieser Effekt läßt sich sowohl bei der Einzelblasen-
oszillation (vgl. [36]) als auch bei der Schallemission des gesamten Ensembles (vgl. [25])
beobachten. Die durch die Blasen geformten Muster, die sich mit bloßem Auge erkennen
lassen, sind klein im Vergleich zur Wellenlänge und groß im Vergleich zu den Abständen
zwischen den Blasen. Sie sind bezogen auf die Periodendauer des anliegenden Schallfel-
des stabil. Die Zeit, die eine Blase benötigt, um in das Zentrum zu gelangen, ist ebenfalls
wesentlich länger als die Periode des Schallfeldes.
Bei kürzerer Belichtungszeit zeigt sich, daß die Streamer nur schwach mit Blasen besetzt
sind. Im Zentrum kollidieren die Blasen, wachsen an, werden instabil und fragmentieren.
8 Kap. 2 Experimentelle Befunde

Um das Zentrum herum ist ein Nebel sehr kleiner Blasen zu erkennen, der wahrscheinlich
aus den Bruchstücken der im Zentrum zerstörten Blasen besteht. Blasen dieser Größe sollten
jedoch theoretisch vom Druckbauch angezogen werden. Da sie im Bereich des Druckbauchs
nur schwach angezogen werden, könnte eine nach außen gerichtete Flüssigkeitsbewegung
sie eventuell davon abhalten. Dies würde auch die Frage des Massenerhalts für das mit den
Blasen ins Zentrum transportierte Gas beantworten. Bis dato fehlt jedoch eine experimen-
telle als auch theoretische Behandlung dieses Problems.

(a) (b)

(c) (d)

Abbildung 2.3: (a), (c) Aufeinanderfolgende Aufnahmen der Blasenstrukturen. Die


Aufnahmen wurde schwarz/weiß invertiert, um die Strukturen besser sichtbar zu ma-
chen. (b), (d) Zugehörige Rekonstruktion des Attraktors durch Einbettung des Hydro-
phonsignals in einen dreidimensionalen Raum mit Hilfe von Verzögerungskoordina-
ten [37].

Es ergeben sich nun zwei Fragen, die für die Entstehung der Strukturen wichtig sind: Wie
führen die Oszillation und die Translation der einzelnen Blasen zu dieser makroskopischen
Struktur ? Und wie beeinflußt diese wiederum die einzelne Blase ? Daß sich die Änderung
der Struktur in einer Änderung im Zeitsignal wiederspiegelt, läßt sich z.B. aus Abb. (2.3)
ersehen. Hier wurde das Zeitsignal in einen dreidimensionalen Rekonstruktionsraum mit
Hilfe von Verzögerungskoordinaten eingebettet. Das Ergebnis läßt auf die Existenz eines
niedrigdimensionalen Attraktors schließen. Dies gilt jedoch evtl. nur für kurze Beobach-
tungszeiträume wie in diesem Fall von zwei Millisekunden, für den die Blasenkonfiguration
und damit auch die akustische Kopplung zwischen den Blasen näherungsweise stationär ist.
2.2 Selbstfokussierung 9

Nach einiger Zeit ändert sich jedoch die Struktur sichtbar, und ebenso verändert sich auch das
Aussehen des Attraktors. Die Korrelation des akustischen Signals mit der Form der Struktur
kann auch mit anderen Methoden festgestellt werden (vgl. [27]).

2.2 Selbstfokussierung
Eine Schallwelle hoher Amplitude verändert merklich die Eigenschaften des Mediums, in
dem sie sich ausbreitetet. Die Folge sind nichtlineare Effekte in der Wellenausbreitung, die
zu Wechselwirkungen der Schallwelle mit sich selbst führen. Besonders starke nichtlineare
Effekte treten beim Kavitationsprozeß auf. Im Bereich der Kavitation kann es zur Selbstfo-
kussierung der Schallwelle kommen. Die Ursache für diese Phänomen ist die lokale Ände-
rung der Schallgeschwindigkeit in Bereichen, in denen sich Blasen befinden. Eine detaillier-
tere Erklärung wird in Abschnitt 5.5 gegeben werden.

2.2.1 Versuchsbeschreibung

Schallsender

Absorptionskammer

Abbildung 2.4: Schematischer Aufbau zur Untersuchung der Selbstfokussierung ei-


ner Schallwelle während des Kavitationsprozesses. [7].

Abb. (2.4) zeigt schematisch einen von C IUTI ET AL . [7] benutzen Aufbau zur Untersuchung
der Selbstfokussierung in einem Ultraschallpuls. Die durchsichtige Küvette, deren Boden
und Decke aus Glas und deren Seiten aus Plexiglas bestehen, ist mit destilliertem Wasser
gefüllt. Ein kreisförmiger und ebener Schallsender dient der Abstrahlung von Ultraschall-
pulsen parallel zu Decke und Boden. An der gegenüberliegenden Seite absorbiert eine spe-
zielle Kammer die einlaufenden Schallwellen. Die durch die starke Schallwelle induzierte
Strömung (Quarzwind) bewirkt eine Defokussierung des Schallstrahls (vgl. [30]) und kann
durch eine Absenkung der Pulsrate vermindert werden. Das Einsetzen der Kavitation wird
mit einem Hydrophon detektiert, das die Schallwellen aufnimmt, die die Blasen emittieren.
Die Kavitationsschwelle wird erreicht durch eine Veränderung des Verhältnisses zwischen
10 Kap. 2 Experimentelle Befunde

Pulsdauer und Pulsabstand und/oder der an dem Schallgeber anliegenden Spannung. Die
Wellenlänge des Schalls beträgt λ = 2 mm.

2.2.2 Beobachtungen

(a) (b)

Abbildung 2.5: Schlierenaufnahme von Ultraschallpulsen im Experiment nach


Abb. (2.4), (a) ohne Fokussierung , (b) mit Fokussierung. Die Aufnahme wurde im
Fernfeld des Schallsenders gemacht. Der schwarze Balken links ist das Hydrophon,
das der Detektierung der Kavitationsschwelle dient. Der rechte Rand ist die Behälter-
grenzfläche [7].

Abb. (2.5) zeigt Ultraschallpulse mit und ohne Selbstfokussierung im Fernfeld des Schall-
gebers. Für Puldauern zwischen 100 und 300 ms und mit einem Pulsabstand von 0:7 s kann
die Selbstfokussierung am deutlichsten beobachtet werden. Das Beispiel zeigt zwei Berei-
che, in denen der Schall fokussiert. In transversaler Richtung beträgt die Ausdehnung dieser
Bereiche mehrere Wellenlängen. Die Ausdehnung in Ausbreitungsrichtung impliziert, daß
der Selbstfokussierungsprozess während einer Zeit von mehreren Perioden des Schallfeldes
stattfindet. Ein wichtiges Ergebnis dieses Experimentes ist, daß die Anzahldichte bei der
Kavitationsschwelle proportional zur Intensität des Schallfeldes ist (vgl. [17]).
Kapitel 3
Blasendynamik

Für die Behandlung und das Verständnis des kollektiven Verhaltens vieler Blasen in Kavita-
tionsblasenfeldern ist eine Kenntnis der Dynamik einer einzelnen Blase sowie ihrer Wechsel-
wirkungen mit dem Schallfeld und untereinander unerläßlich. Daher wird in diesem Kapitel
ein kurzer Überblick über die Dynamik einer einzelnen Blase gegeben.
Die Kavitation in Flüssigkeiten kann verschiedene Ursachen haben. Bei der hydrodynami-
schen und der akustischen Kavitation reißt eine Flüssigkeit aufgrund von Zugspannungen
auf, während dies bei der optisch- oder partikel-induzierten Kavitation durch einen lokalen
Energieeintrag geschieht (vgl. [24]). Im weiteren soll das Augenmerk jedoch auf die Dyna-
mik einer bereits existierenden Blase gelegt werden.
Die Frage nach der Dynamik einer Einzelblase stellt ein komplexes hydrodynamisches Pro-
blem einer sich bewegenden Blasenwand dar, die Gas und/oder Dampf von der Flüssigkeit
trennt. Jedoch läßt sich die Blasendynamik durch eine geeignete Reduzierung des komplet-
ten Satzes an Gleichungen (Erhaltungssätze für Masse, Impuls und Energie) einfacher erfas-
sen, so daß eine einzelne Blase als gedämpfter, nichtlinearer Oszillator beschrieben werden
kann. Im Schallfeld wird die Blase durch die wechselnde Druckamplitude, die auf die Bla-
senoberfläche wirkt, zu Schwingungen angeregt. Sie wechselwirkt mit dem Schallfeld über
die primäre Bjerkneskraft (vgl. Abschnitt 3.2). In Kavitationsblasenfeldern wechselwirken
die Blasen über die sekundäre Bjerkneskraft miteinander (vgl. Abschnitt 3.3). Bei höheren
Anzahldichten treten jedoch auch noch andere, hydrodynamische Wechselwirkungen auf.

3.1 Radiale Blasendynamik


Eine mit Gas und/oder Dampf gefüllte Blase in einer Flüssigkeit wird unter Einfluß der Ober-
flächenspannung im statischen Fall eine sphärische Form annehmen. Der Ruheradius R0
der Sphäre ist durch den statischen Flüssigkeitsdruck, die Oberflächenspannung den Gas-
druck in der Blase bestimmt. In einem Schallfeld, dessen Wellenlänge groß ist im Vergleich
zum Ruheradius, ist die Druckverteilung näherungsweise homogen über die Oberfläche. Die
zeitlichen Druckschwankungen regt die Blase zu radialen Schwingungen an, wobei der Bla-
seninhalt die Rückstellkraft bewirkt. Im Idealfall sphärischer Symmetrie ist die Blase somit

11
12 Kap. 3 Blasendynamik

Quelle einer Potentialströmung. Das hierauf beruhende RPNNP-Modell1 soll in diesem Ab-
schnitt vorgestellt und diskutiert werden. Es ist eine relativ einfache, aber recht bedeuten-
de Beschreibung einer radial schwingenden Blase als nichtlinearer Oszillator mit konstan-
ter Masse. Wie andere einfache nichtlineare Oszillatoren zeigt auch die schwingende Blase
eine komplexe Dynamik mit Periodenverdopplungskaskaden, koexistierenden Attraktoren
und chaotischem Verhalten.

3.1.1 Das RPNNP-Modell


Im RPNNP–Modell wird vereinfachend angenommen, daß eine sphärische Blase in einer in-
kompressiblen und unendlich ausgedehnten Flüssigkeit von einem über die Blasenoberfläche
konstanten aber zeitlich variierenden Druck getrieben wird. Dabei wird der Druck in der Bla-
se als konstant angesehen, da die Trägheit des Gases im Vergleich zur Flüssigkeit gering ist.
Das Gas wird durch die Volumenänderungen polytrop expandiert bzw. komprimiert. Auf-
grund der im Vergleich zur Flüssigkeitsdichte ρ geringen Dichte des in der Blase enthaltenen
Gases kann die Masse des Gases gegenüber der Masse der Flüssigkeit vernachlässigt werden.
Die gesamte kinetische Energie steckt damit in der Bewegung der Flüssigkeit, die die Blase
umgibt. Als Verlustmechanismus ist nur die viskose Dämpfung an der Blasenoberfläche zu-
gelassen. Die durch den inneren Druck, den äußeren Druck und die Oberflächenspannung σ
verrichtete Arbeit ist dann gleich der kinetischen Energie abzüglich der Verluste. Aus dieser
Energiebilanz ergibt sich eine nichtlineare Differentialgleichung für den Radius R der Blase
(vgl. [28] oder [44]):
"  R 3 κ
#
3 1 2σ 0 2σ 4µ Ṙ
RR̈ + Ṙ2 = P0 + P∞ : (3.1)
2 ρ R0 R R R

Hier bezeichnet P0 den hydrostatischen Druck an der Blasenwand, P∞ den Druck im Unend-
lichen und µ die dynamische Zähigkeit. Der Polytropenexponent κ variiert zwischen κ = 1
(isotherme Zustandsänderung) und κ = γg (adiabatische Zustandsänderung, γg: Adiabaten-
exponent). Er wird entsprechend der Blasengröße, der Anregungsfrequenz und der Intensität
der Anregung gewählt (vgl. [39]).
Druckschwankungen der Form P(t ) = P∞ P0 regen die Blase zu erzwungenen Schwingun-
gen an. Ist die Druckamplitude klein, so sind auch die Auslenkungen R0 = R0 R der Blase
aus der Ruhelage gering (R0  R0 ). Gl. (3.1) kann in diesem Fall durch ihre Linearisierung
ersetzt werden. Die Dynamik der Blase entspricht damit der eines getriebenen, gedämpften
harmonischen Oszillators:

mR̈0 + βṘ0 + sR0 =


m
P(t ) : (3.2)
ρ R0
1
benannt nach Lord Rayleigh, M.S. Plesset, B.E. Noltingk, E.A. Neppiras und H. Poritzky (vgl. [23]).
3.1 Radiale Blasendynamik 13

Da bei der Pulsation Flüssigkeit verdrängt werden muß, besitzt die Blase als Oszillator die
effektive Masse m = 4π R30 ρ . Die rückstellende Kraft wird durch das komprimierte Gas be-
wirkt, so daß sich die Federkonstante s = ω20 m ergibt. Die Resonanzfrequenz des Oszillators
ist gegeben durch
1
  2σ
 2σ

ω20 = 2
3κ P0 + : (3.3)
ρ R0 R0 R0

Die Rollen von R0 und ω0 sind hiernach austauschbar: Zu einer gegebenen Frequenz läßt
sich ein linearer Resonanzradius finden, während es zu einem vorgegebenen Ruheradius eine
lineare Resonanzfrequenz gibt. Die Dämpfung β = mδω0 berücksichtigt in diesem Fall nur
die viskose Dämpfung, so daß sich die dimensionslose Dämpfungskonstante zu

δ= (3.4)
ρω0R20

ergibt.
Der durch die Oberflächenspannung induzierte Drucksprung an der Blasenwand spielt für
kleine Blasen (R0  2Pσ ) eine wesentliche Rolle. Aus Gleichung (3.3) folgt
s
0

ω0 ' (3κ 1)

ρ R30
(3.5)

Im Falle großer Blasen (R0  2Pσ0 ) dominiert der statische Druck über die Oberflächenspan-
nung, weshalb Gl. (3.3) durch die sog. Minnaertsche Resonanzfrequenz
s
ω0 ' 3κ P0 m
ρ R20 s
(3.6)

approximiert werden kann. Für Luftblasen in Wasser ergibt sich hieraus die einfache Formel

f0 R0  3:28 : (3.7)

3.1.2 Erweiterungen des Modells


Dem RPNNP-Modell liegen eine Reihe von Annahmen zugrunde, die nur bedingt Gültigkeit
besitzen. Bei starken Blasenoszillationen müssen Massenaustausch, thermische Diffusion
und geeignete Zustandsgleichungen sowohl für die Flüssigkeit als auch für den Blaseninhalt
berücksichtigt werden.
K ELLER & M IKSIS [20] beispielsweise berücksichtigen in ihrem Ansatz die Kompressibi-
lität der Flüssigkeit. Die Dämpfung durch Schallabstrahlung ist damit in ihrem Modell ent-
halten. Ihre Annahme, daß die Schallgeschwindigkeit konstant ist, läßt sich jedoch im Fall
14 Kap. 3 Blasendynamik

eines starken Kollapses nicht mehr aufrechterhalten. Die Geschwindigkeit der Blasenober-
fläche erreicht dann dieselbe Größenordnung. Ein Modell von G ILMORE [15] berücksichtigt
dieses Problem. Im starken Kollaps wird das Verhalten des Gases in der Blase von dem des
idealen Gases abweichen, so daß andere Zustandsgleichungen wie z.B. die von Van-der-Waal
zur Beschreibung gewählt werden sollten. Thermische Verlustmechanismen und thermische
Diffusion finden aber auch hier keine Berücksichtigung.
Je nach Fragestellung ergeben sich verschiedene Ansätze zur Behandlung von radialen Bla-
senschwingungen. Ein Überblick über die verschiedenen Modelle geben [28] und [44].
In der Anwesenheit von Grenzflächen oder anderen Blasen werden die radialen Schwingun-
gen der Blase gestört, so daß Oberflächenschwingungen auftreten. Oberflächenschwingun-
gen können zur Bildung von Jets (schnellen Flüssigkeitsströmungen durch das Blaseninne-
re), zur Abspaltung von Kleinstbläschen oder Zerstörung der Blasenwand führen (vgl. [26]).

Abbildung 3.1: Dämpfungskonstante als Funktion der Resonanzfrequenz f0 [10].

Die lineare Blasengleichung (3.2) kann phänomenologisch leicht um die oben beschrieben
Verlustmechanismen erweitert werden. Zur Dämpfungskonstante δ werden neben der vis-
kosen Dämpfung δvis (vgl. Gl. (3.4)) die Anteile der Strahlungsdämpfung δrad und der ther-
mischen Dämpfung δth (vgl. [10] und [12]) hinzuaddiert:

δ = δvis + δrad + δth : (3.8)

Die verschiedenen Dämpfungsanteile sind in ihrer Größe frequenzabhängig (vgl. Abb.(3.1)).


3.2 Wechselwirkungen mit dem Schallfeld 15

3.2 Wechselwirkungen mit dem Schallfeld


Ein Körper in einem inhomogenen Druckfeld erfährt eine Kraft in Richtung des geringeren
Drucks. Dies führt z.B. in einem Fluid, welches sich in einem Gravitationsfeld befindet, zur
Auftriebskraft. In einem Schallfeld oszilliert der Druckgradient mit der Periode des Feldes.
Für die Drift des Körpers ist daher die im Zeitmittel auf den Körper wirkende Kraft interes-
sant:

FB = hV (t )∇p(t )it : (3.9)

Der Ausdruck h: : : it kennzeichnet die zeitliche Mittelung der eingeklammerten Größen.


Diese Kraft ist unter dem Namen Bjerkneskraft (vgl. [4]) bekannt. Man unterscheidet zwi-
schen primärer und sekundärer Bjerkneskraft je nachdem, ob es sich um ein von außen ange-
legtes oder ein von einer zweiten Blase emittiertes Schallfeld handelt. Die sekundäre Bjerk-
neskraft ist für die Wechselwirkung zwischen den Blasen relevant und wird im nächsten Ab-
schnitt behandelt.
In einem stehenden Schallfeld P(x; t ) = P0 + Pa cos(ωt ) mit Pa  P0 ergibt sich die primäre
Bjerkneskraft nach Gl. (3.2) und (3.9) zu

FB1 = 2π R20 RA ∇Pa cos(θ ) : (3.10)

Hier ist RA die Amplitude der Auslenkung der Blase, die um θ phasenverschoben zum an-
liegenden Druck ist: R0 = RA cos(ωt θ ). Diese beiden Größen sind gegeben durch
δωω0
tan θ = (3.11)
ω20 ω2

RA = q Pa
(3.12)
ρ R0 (ω20 ω2 )2 + δ2ω20 ω2

Es lassen sich die folgenden Schlüsse ziehen:

 Blasen, deren Radien kleiner sind als der zur Frequenz ω des Schallfeldes gehörende
lineare Resonanzradius (cos(θ ) < 0), erfahren eine Anziehung in Richtung des Druck-
bauchs.

 Blasen, deren Radien den linearen Resonanzradius übersteigen (cos(θ ) > 0), erfahren
eine Anziehung zum Druckknoten.

Diese Resultate folgen aus der linearen Theorie und verlieren ihre Gültigkeit für nichtli-
neare Blasenoszillationen. Abb. (3.2.a) zeigt, daß in der Nähe eines Druckbauches Bla-
sen mit geringerem Radius als dem linearen Resonanzradius eine abstoßende Kraft erfah-
ren können, wenn die Druckamplitude einen gewissen Schwellenwert erreicht. Die Ursache
16 Kap. 3 Blasendynamik

hierfür liegt darin, daß die relative Phase zwischen dem treibenden Druck und der Blasen-
oszillation durch die Amplitude beeinflußt wird. Oberhalb von 180 kPa werden nur noch
Blasen in der Größenordnung weniger Mikrometer vom Druckbauch angezogen. Dieses Er-
gebnis der numerischen Simulationen steht im krassen Gegensatz zur Vorhersage der linea-
ren Theorie.
Für eine in z-Richtung propagierende ebene Welle mit P = P0 + Pa cos(ωt k z) und
R0 = RA cos(ωt k z θ ) ergibt sich die Bjerkneskraft

FB1 = 2π R20 RA Pa k sin(θ )ez : (3.13)

Da sich nach Gl.(3.11) für eine ungedämpft schwingende Blase die Phase θ = π2 ergibt, wirkt
in diesem Fall keine primäre Bjerkneskraft auf die Blase. Dies ist ein wichtiges Resultat für
die Modellierung der Selbstfokussierung im folgenden Kapitel.

(a) (b)

Abbildung 3.2: (a): Einfluß der primären Bjerkneskraft in der Nähe eines Druckbau-
ches (ω = 2π  20kHz). Die dunklen Bereiche in der Pa -R0 -Ebene bedeuten Anzie-
hung, die hellen Abschnitte Abstoßung vom Druckbauch. Der lineare Resonanzradi-
us (' 163µ m) wird durch die schwarze horizontale Linie bei R0 = 162µ m angedeutet.
(b): Sekundäre Bjerkneskräfte zwischen zwei benachbarten Blasen in einem Schall-
feld (Pa = 112kPa, ω = 2π  20kHz). Die Achsen geben die jeweiligen linearen Reso-
nanzradien an. Dunkle Bereiche bedeuten Anziehung, helle Abstoßung zwischen den
Blasen [37].

Interessant ist es vielleicht noch zu bemerken, daß für die Herleitung der Schwingungsdiffe-
rentialgleichungen (3.1) und (3.2) eine näherungsweise homogene Druckverteilung über die
Blasenoberfläche angenommen werden muß, während für das Auftreten der Bjerkneskräfte
Druckgradienten vorhanden sein müssen.
3.2 Wechselwirkungen mit dem Schallfeld 17

In einem Schallfeld, dessen Wellenlänge λ wesentlich größer als der Ruheradius R0 ist, führt
eine Blase rein radiale Schwingungen aus. Selbst bei einer Anregung mit der Resonanzfre-
quenz der Blase ist diese Bedingung sehr gut erfüllt, da sich aus Gl. (3.6) die Beziehung

k0 R0 ' 0:0138 (3.14)

mit der Wellenzahl k = ωc0 ergibt. Das von der Blase gestreute Feld ist damit auch im Bereich
der Resonanzfrequenz in guter Näherung sphärisch symmetrisch. Die Fähigkeit eines Objek-

Abbildung 3.3: Abhängigkeit des Streuquerschnitts σS von der Frequenz bezogen


auf die Querschnittsfläche der Blase. Die Dämpfungskonstante wurde frequenzunab-
hängig mit δ = 0:1 abgeschätzt. Im hochfrequenten Bereich, der hier nicht dargestellt
ist, verliert Gl. (3.15) ihre Gültigkeit

tes zur Schallstreuung kann u.a. mit dem Streuquerschnitt σS quantitativ bewertet werden.
Dieser ist definiert als das Verhältnis der über den gesamten Raumwinkel gestreuten Leistung
zur Intensität der eingestrahlten Schallwelle und besitzt die Dimension einer Fläche. Eine
radial oszillierende Blase besitzt in der linearer Näherung den Streuquerschnitt (vgl. [8]):

4π R20
σS = : (3.15)
[(ω0 =ω)2 1]2 + δ2

Abb. (3.3) zeigt schematisch die Abhängigkeit des Streuquerschnitts von der Frequenz be-
zogen auf die Querschnittsfläche. Die Dämpfungskonstante wird hier durch δ ' 0:1 abge-
schätzt (vgl. Abb. (3.1)). Es fällt auf, daß der Streuquerschnitt die Querschnittsfläche ins-
besondere im Bereich der Resonanz bei weitem übertrifft. Das Maximum im Resonanzfall
18 Kap. 3 Blasendynamik

ist nur durch die Dämpfung bestimmt. Erst im hochfrequenten Bereich, für die Gl. (3.15)
nicht mehr gültig ist, nähert sich der Streuquerschnitt dem geometrischen Querschnitt an.
Die Kenntnis dieser bemerkenswerten Eigenschaft, daß Blasen für größere Wellenlängen
hinsichtlich der Streuung wesentlich größer erscheinen, als sie tatsächlich sind, ist vor al-
lem für sonartechnische Anwendungen in größeren Gewässern wichtig. In diesen gibt es
vor allem im Bereich der Oberfläche genügend Blasen, die das Schallsignal entscheidend
verändern können (vgl. [8]).

3.3 Blasen-Blasen-Wechselwirkungen
Pulsierende Blasen wechselwirken miteinander, indem sie Schallfelder emittieren und durch
das Schallfeld der jeweils anderen angeregt erzwungene Schwingungen ausführen. Die se-
kundäre Bjerkneskraft, die von einer oszillierenden Blase am Ort x1 auf eine benachbarte
Blase am Ort x2 wirkt, ist in erster Näherung gegeben durch

FB2 =
ρ

hV̇1V̇2it
x2
kx
x1
x1k3
: (3.16)
2

Diese Gleichung berücksichtigt nur die Monopolschwingungen der Blasen. Da insbesonde-


re die Translation der Blase zu Multipolanteilen im Schallfeld führt, ist Gl. (3.16) nur für
den stationären Fall streng gültig. Die zweite Bjerkneskraft ist symmetrisch bzgl. der Ver-
tauschung der Volumenänderungen, da Laufzeiteffekte ausgeschlossen und periodische Os-
zillationen vorausgesetzt werden (vgl. [32]).
Führen die Blasen harmonische Schwingungen der Form Vi (t ) = Vi0 + ViA cos(ωt + θi ) (i =
1; 2) mit der jeweiligen Amplitude ViA und der Phase θi relativ zum äußeren Schallfeld aus,
so ergibt sich

ρω2 x2 x1
FB2 =

V1AV2A cos(θ1 θ2 )
kx2 x1k3 : (3.17)

Damit ist die zweite Bjerkneskraft attraktiv, wenn die Blasen in Phase schwingen, und repul-
siv bei gegenphasiger Oszillation. Im ungedämpften Fall treten gleichphasige Oszillationen
genau dann auf, wenn beide Blasen entweder größer oder kleiner sind als der Resonanzradi-
us, so daß sie sich anziehen. Ist die eine kleiner und die andere größer als der Resonanzradius,
so bewirken die gegenphasigen Oszillationen die Abstoßung voneinander.
Die Einbeziehung nichtlinearer Schwingungen führt auch im Fall der sekundären Bjerk-
neskraft zu Abweichungen von den Ergebnissen der linearen Theorie. Numerische Rech-
nungen ergeben, daß die sekundären Bjerkneskräfte um Größenordnungen anwachsen. In
Abb. (3.2.b) ist zu sehen, daß es zur Abstoßung zwischen zwei Blasen kommen kann, ob-
wohl deren Radien beide sehr viel kleiner sind als der lineare Resonanzradius.
3.3 Blasen-Blasen-Wechselwirkungen 19

Die Resultate der linearen Theorie allein können nicht das Auftreten stabiler Blasencluster
erklären, da es nach Gl. (3.17) entweder zu einer Kollision der Blasen oder zu einer ständigen
Abstoßung untereinander kommen würde.
Kapitel 4
Wellengleichungen im Blasen-Flüssigkeits-Gemisch

Die Schallausbreitung in einem Blasen-Flüssigkeits-Gemisch unterscheidet sich bereits für


sehr geringe Volumenkonzentrationen der Blasen charakteristisch von der im reinen Fluid.
Schon im Bereich der linearen Akustik tritt Dispersion auf, und Resonanzeffekte tragen zu
einer im Vergleich zum reinen Fluid nicht unwesentlichen Dämpfung der Schallwelle bei.
Die Eigenschaften des Blasen-Flüssigkeitsgemisches sind damit durch die Volumenkonzen-
tration und die Radienverteilung der Blasen bestimmt.

Während das reine Fluid im Ruhezustand als homogen zu betrachten ist, ist dies i.a. für das
zweiphasige Gemisch nicht mehr der Fall. Die Wechselwirkungen der Blasen mit der Schall-
welle und untereinander führen zu einer Umverteilung der Blasen. Die Dynamik des Blasen-
feldes wird sowohl durch die Oszillationen der Einzelblase als auch durch deren kollektive
Bewegung bestimmt, so daß das Schallfeld dadurch entscheidend geprägt wird. Die Inho-
mogenität des Gemisches und die Dynamik des Blasenfeldes bewirken eine Abhängigkeit
der Schallgeschwindigkeit von Raum und Zeit.

Allen voran ist die Dispersion der wohl ungewöhnlichste Effekt: Im Bereich kleiner Fre-
quenzen kann die Phasengeschwindigkeit unterhalb der Schallgeschwindigkeit im Gas ab-
sinken, während sie für hohe Frequenzen über der Schallgeschwindigkeit im reinen Fluid
liegt. Phasengeschwindigkeit und Gruppengeschwindigkeit sind nicht länger identisch. Im
reinen Fluid liegt die Gruppengeschwindigkeit immer unterhalb der Schallgeschwindigkeit.

Bei der Untersuchung des Verhaltens einer Einzelblase in Kap. 3 wird davon ausgegangen,
daß eine Blase im unendlich ausgedehnten Medium schwingt. In der Behandlung der Schall-
ausbreitung im Blasenfeld stellt sich nun die Frage nach der Kopplung der Dynamik der ein-
zelnen Blase mit der Wechselwirkung des Ensembles.

Die Anwesenheit anderer Blasen stört die Radialoszillation der einzelnen Blase und kann zu
einem asymmetrischen Kollaps der Blase führen. Daraus resultieren hohe Nahfelddrücke
und unsymmetrische Geschwindigkeitsfelder, wie sie auch bei nichtlinearen Blasenoszilla-
tionen vorkommen. Hydrodynamische Wechselwirkungen könnten somit eine wichtige Rol-
le spielen.

21
22 Kap. 4 Wellengleichungen im Blasen-Flüssigkeits-Gemisch

4.1 Modellierung
In der Literatur finden sich verschiedene Methoden, um die Schallausbreitung im mehrpha-
sigen Fluid zu modellieren. Die beiden Hauptmethoden sind:

 Mehrfachstreuung: Ausgehend von den fundamentalen Differentialgleichungen für


die Feldgrößen und für die Dynamik der einzelnen Blasen führen statistische Überle-
gungen im Grenzprozeß zu den makroskopischen Bewegungsgleichungen, in der Re-
gel in Form von Integralgleichungen. Die Gültigkeit der Bewegungsgleichungen ist
durch die statistischen Annahmen und den Grenzprozeß bestimmt (vgl. [5], [6], [13],
[18], [34], [40]) .

 Kontinuumsansatz: Ausgehend von bereits gemittelten Feldgrößen werden physika-


lisch sinnvolle Erhaltungssätze für diese aufgestellt, aus denen sich Bewegungsglei-
chungen ableiten lassen. Deren Gültigkeit und die Konsistenz der Annahmen muß
nachträglich bestimmt werden (vgl. [3], [35], [42], [43]).

C AFLISH ET AL . [5] konnten zeigen, daß die beiden Ansätze unter bestimmten Bedingungen
äquivalent sind (vgl. Abschnitt (4.3.3)). Die Modelle und deren Annahmen und Vereinfa-
chungen werden im folgenden kurz vorgestellt und diskutiert.

4.2 Mehrfachstreuung

(a) (b)

uxi ψi
φa x
ψ
i x

Abbildung 4.1: (a): Das skalare Feld am Punkt x setzt sich zusammen aus dem äuße-
ren Feld φa und den Beiträgen der Streukörper. (b): Der Beitrag des Streukörpers i
zum Feld am Punkt x hängt von dem auf ihn wirkenden Feld und der Streucharakteri-
stik uxi , wie es am Ort x beobachtet wird, ab.

Betrachten wir zunächst einen allgemeinen Fall, in dem N beliebige, statistisch verteil-
te Streukörper vorliegen. Dann erfüllt unter statischen Bedingungen ein skalares Feld ψ
4.2 Mehrfachstreuung 23

(z.B. Geschwindigkeitspotential, Komponente eines elektrischen oder magnetischen Feldes)


im Raum zwischen den Streukörpern die Helmholtz-Gleichung

∆ψ + k2ψ = 0 (4.1)

mit der Wellenzahl k = cω . Das Feld an einem Punkt x zwischen den Streukörpern setzt sich
0
zusammen dem eingestrahlten Feld φa in Abwesenheit der Streukörper und den Beiträgen
aller Streuer (vgl. Abb.(4.1a)):

ψ(x) = φa (x) + ∑ uxi ψi (4.2)


i

Der Beitrag des i-ten Objektes ist gegeben durch das Feld ψi an dessen Ort sowie durch die
Streucharakteristik des Objekts, wie sie am Ort x beobachtet wird (vgl. Abb.(4.1b)). In die-
sem Sinne ist uxi als Operator zu werten. Das Feld am Ort des Objekts i ist wiederum durch

ψi = φa (xi ) + ∑ uxs i ψs (4.3)


s6=i

gegeben. Das sog. effektive Feld ψ(x) läßt sich durch fortwährend wiederholtes Einsetzen
der Gl. (4.2) in Gl. (4.3) als unendliche Summe darstellen. Bricht man diese Summe in I–ter
Ordnung ab, so werden nur noch das eingestrahlte Feld und alle Beiträge von Streuprozessen
berücksichtigt, in denen das Feld maximale I–Mal gestreut wurde. Nach der Methode von
TWERSKY (siehe [18] und die darin enthaltenen Referenzen) werden desweiteren diejeni-
gen Terme vernachlässigt, in denen beim Streuprozeß das Feld mehrfach von einem Objekt
gestreut wurde (vgl. Abb(4.2)). Je größer die Zahl N der Streukörper ist, desto besser appro-
ximiert die Methode von Twersky die exakte Methode.
In der Regel wird das Feld ψ(x) bei einer statistischen Verteilung der Streukörper eine stati-
stische Funktion in Ort und Zeit sein. Es kann somit in ein mittleres Feld hψi und ein fluktu-
ierendes Feld ψ f aufgeteilt werden. Im Limit N ! ∞ ergibt sich für das ensemblegemittelte
Feld die Foldy-Twersky-Integralgleichung
Z
hψ(x)i = ψa + uxi hψ(xi )iρ(ri ) dxi : (4.4)

Hier bezeichnet ρ (xi ) die mittlere Dichte der Streukörper am Ort xi in einem kleinen Vo-
lumen dxi . Die Integralgleichung (4.4) gilt, falls alle Streukörper die gleichen statistischen
Eigenschaften haben.
Wendet man diese Methode auf Blasenfelder an, so wählt man im einfachsten Fall die Be-
dingungen so, daß die Blasen radiale harmonische Schwingungen nach Gl. (3.2) ausführen.
Die Blasenkonzentration wird als hinreichend gering angenommen, so daß sich die einzelne
24 Kap. 4 Wellengleichungen im Blasen-Flüssigkeits-Gemisch

(a) (b)

x x

ψi ψi
Abbildung 4.2: Die Methode von Twersky am Beispiel eines Streuprozesses 5-ter
Ordnung: Es werden alle Beiträge des vom i-ten Objekt gestreuten Feldes berücksich-
tigt, die sukzessive durch höchstens 4 weitere Objekte gestreut werden (Darstellung
(a)). Die Prozesse, in denen wie in (b) ein Objekt mehrfach beteiligt ist , werden ver-
nachlässigt

Blase jeweils im Fernfeld der anderen befindet. In einer einfachen Analyse (vgl. [34]) folgt
damit

uxi hψ(xi )i =
(ω0 =ω) 2
R0
1 δω0=ω kx xik
1
hψ(xi )i eikkx xik : (4.5)

Die aus Gl. (4.4) resultierende Integralgleichung ist dann äquivalent zu der Wellengleichung
2
h
(∇ + K ) ψ(x)
2
i = 0
Z
(4.6)
∞ N (x; R0)R0 dR0
K 2 = K (x)2 = k2 + 4π : (4.7)
0 (ω0 =ω)2 1 iδω0 =ω

N (x; R0 ) gibt die Wahrscheinlichkeit dafür an, eine Blase mit Ruheradius R0 in einem Volu-
menelement dx am Ort x zu finden, und läßt sich mit ρ (x) identifizieren. Die Dispersions-
relation (4.7) wird in Abschnitt (4.4) diskutiert.
Allgemeiner folgt für ein statistisch verteiltes Ensemble beliebiger Streukörper geringer
Dichte immer eine Gleichung der Form (4.6) mit einer ortsabhängigen Wellenzahl K (x), in
die die Eigenschaften der Streukörper eingehen (vgl. [18]).
Weitergehende Modelle als das hier vorgestellte finden sich in [5], [6], [18] und [40].

4.3 Kontinuumsmodell
Die mathematische Beschreibung sowohl heterogener als auch homogener Gemische mit
Hilfe der Kontinuumsmechanik basiert auf der Idee des „multi-velocity“–Kontinuums
4.3 Kontinuumsmodell 25

und der Bestimmung der Bewegung der sich gegenseitig durchdringenden Komponenten
(vgl. [35]). Es repräsentiert verschiedene Kontinua, die zu der jeweiligen Komponente oder
Phase des Gemisches gehören, und erfüllt dasselbe Volumen wie das Gemisch. An jedem
Punkt werden sowohl das Kontinuum als auch die einzelnen Konstituenten jeweils durch
einen vollständigen Satz Variablen wie die Dichte, die Geschwindigkeit und den Druck cha-
rakterisiert. Bewegungsgleichungen können aus den Erhaltungssätzen für Masse, Impuls
und Energie abgeleitet werden. Diese müssen sowohl die inter- als auch die intraphasigen
Wechselwirkungen für jede Komponente berücksichtigen.
In diesem Sinne wird das heterogene Blasen-Flüssigkeits-Gemisch homogenisiert. Folgende
Voraussetzungen müssen dafür erfüllt werden:

 Im Vergleich zu molekular-kinetischen Größenordnungen sind die Inhomogenitäten,


d.h. die Blasen, groß. Sie enthalten damit eine große Anzahl an Molekülen.

 Die räumlichen Skalen, auf denen die makroskopischen Größen wie z.B. der Druck
variieren, sind groß im Vergleich zu den Inhomogenitäten.

Die erste Annahme gestattet es, beide Phasen mit Hilfe der Gleichungen und Methoden
der Kontinuumsmechanik zu beschreiben. Die zweite Annahme erlaubt es, makroskopische
Prozesse in einem heterogenen Gemisch wie z.B. Wellenausbreitung, Rohrströmungen usw.
als Prozesse in einem homogenen Kontinuum mit gemittelten makroskopischen Parametern
zu beschreiben. Diese Mittelung fügt eine neue räumliche Skala zu den in Kap. 2 genann-
ten hinzu. Im Vergleich zur makroskopischen Skala ist sie klein, im Vergleich zur mesosko-
pischen Skala im Experiment (Blasen-Blasen-Abstände) ist sie groß. In theoretischen Ab-
handlungen wird diese Skala ebenfalls als mesoskopische Skala bezeichnet (vgl. [3]). In die-
ser Arbeit wird zur Ableitung einer Wellengleichung im wesentlichen das Modell von VAN
W IJNGAARDEN [42] zu Grunde gelegt. Es beschreibt Blasen-Flüssigkeitsgemische, in de-
nen es keine Relativbewegungen zwischen den Phasen gibt. Mit diesem Modell läßt sich die
Ausbreitung von Schallwellen mit kleiner bis mittlerer Amplitude beschreiben.

4.3.1 Das Modell von van Wijngaarden

Das Modell von VAN W IJNGAARDEN [42] beschreibt den Zustand des Gasblasen-Flüssig-
keits Gemisches durch die Größen Dichte ρ (x; t ), Druck p(x; t ), Geschwindigkeit u(x; t ),
Gasvolumendichte α(x; t ) und Blasenradius R(x; t ) für Zeiten t > 0 und x 2 R3. Das Bla-
senradienfeld R(x; t ) ist eine kontinuierliche Variable in Raum und Zeit und gibt einen ge-
mittelten Radius der Blasen in der Umgebung eines Punktes x an.
In dem Modell werden folgende Vereinfachungen als gültig angenommen:
26 Kap. 4 Wellengleichungen im Blasen-Flüssigkeits-Gemisch

 Das Gemisch ist monodispers, d.h. es befinden sich nur Blasen eines Ruheradius R0
im Medium. Eine Fragmentierung der Blasen ist damit ebenfalls ausgeschlossen.

 Die Blasen führen rein radiale Schwingungen aus. Voraussetzungen hierfür sind, daß
die Blasendichte n(x; t ) gering ist, daß direkte Wechselwirkungen zwischen den Bla-
sen wie z.B. Kollision ausgeschlossen werden und daß die räumlichen Skalen, auf de-
nen die makroskopischen Größen variieren, groß sind im Vergleich zur Blasengröße.

 Die Viskosität ist vernachlässigbar.

 Es gibt keine Relativbewegung zwischen den Phasen (no-slip-Bedingung).

4.3.2 Modellgleichungen
Das Modell von VAN W IJNGAARDEN beruht auf den folgenden Grundgleichungen:


ρt + ∇ (ρ u) = 0 (4.8)

ρ (ut + u ∇u) + ∇p = 0 (4.9)
ρ = ρl (1 α) (4.10)
nt + ∇  (n u) = 0 (4.11)

 

pg R = const. (4.12)
3
pg p = ρl RRtt + Rt2 (4.13)
2

Weiterhin sind die Anfangs– und/oder Randbedingungen für ρ ; p; u; R; Rt und n gegeben. Die
Angabe der Konstanten in Gl. (4.12) bestimmt dann den Gasdruck p und die Volumenkon-
zentration α. Die Flüssigkeitsdichte ρl ist mit dem Druck durch eine Zustandsgleichung für
die Flüssigkeit verknüpft oder wird einfach als konstant angenommen, falls die Kompressi-
bilität der Flüssigkeit keine Rolle spielt. Die Schallgeschwindigkeit cl in der Flüssigkeit ist
durch
dp
c2l = (4.14)
d ρl
gegeben. Im wichtigen Grenzfall der linearen Akustik ist cl konstant (vgl. [33]).

4.3.3 Physikalische Begründung der Modellgleichungen


Es ist a priori nicht bekannt, ob und wie sich die Gleichungen (4.8) - (4.13) aus denen, die die
mikroskopische Bewegung der Flüssigkeit und der Gasblasen beschreiben, herleiten lassen.
Sie basieren lediglich auf sinnvoll erscheinenden physikalischen Überlegungen.
4.3 Kontinuumsmodell 27

Die Gleichungen (4.8) und (4.9) stellen die Erhaltungsgleichungen für Masse und Impuls
dar. Gl. (4.9) ist die Newtonsche Bewegungsgleichung für eine ideale Flüssigkeit und als
Euler-Gleichung bekannt.
Da die Dichte ρg des in den Blasen enthaltenen Gases im Vergleich zur Dichte ρl der Flüssig-
keit vernachlässigbar ist, ist die Dichte ρ des Gemisches in guter Näherung allein durch die
Flüssigkeitsdichte ρl und die Volumenkonzentration α der Gasblasen nach Gl. (4.10) gege-
ben.
Die Erhaltung der Blasenanzahl wird durch Gl. (4.11) beschrieben.
Im Vergleich zur Flüssigkeit ist die Trägheit des Gases vernachlässigbar. Damit kann der
Gasdruck als homogen über das Blasenvolumen angenommen werden. Die Zustandsände-
rungen des Gases erfolgen polytrop nach Gl. (4.12) mit dem Polytropenexponent κ .
Die Blasen führen rein radiale Schwingungen aus, die der Rayleighgleichung (4.13) unter
Vernachlässigung der Oberflächenspannung genügen. Diese Annahme ist nur gültig für ge-
ringe Anzahldichten n (R  n 1=3).
C AFLISH ET AL . [5] konnten ausgehend von den mikroskopischen Gleichungen das Glei-
chungssystem (4.8) - (4.13) unter gewissen Voraussetzungen herleiten. Ist R0 ein typisch
auftretender Blasenradius und λ die typische Wellenlänge einer sich im Gemisch ausbrei-
tenden Störung, und es gilt weiterhin λ  R0 sowie nλ2 R0 = O (1), so sind nach ihrer
Analyse die Modellgleichungen von van Wijngaarden gültig. Die Volumenkonzentration

4π 3 4π
 R 2
0 2
α= R0 n = (nλ R0 ) (4.15)
3 3 λ

ist dann klein.

4.3.4 Eine Wellengleichung

Aus den Gleichungen (4.8) - (4.13) sind je nach Fragestellung verschiedene Wellengleichun-
gen ableitbar (vgl. [35]). An dieser Stelle soll die Ausbreitung linearer Wellen im wesentli-
chen nach Ref. [9] behandelt werden.
Im Rahmen der linearen Akustik wird angenommen, daß die Schwankungen ρl  ; p und u
aus den Gleichgewichtslagen ρl0 , p0 und u0 = 0 gering sind. Alle Terme, die quadratisch in
diesen Schwankungen sind, werden daher vernachlässigt. In dieser Näherung ist die Schall-
geschwindigkeit cl konstant. Ausgehend von der Relation (4.14) können somit alle Ablei-
tungen nach der Flüssigkeitsdichte ρl durch die Ableitungen nach dem Druck ersetzt werden.
Da die Volumenkonzentration gering ist, spielt die Translation der Blasen für die Wellenaus-
breitung keine Rolle. Unter diesen Bedingungen besitzt die Kontinuitätsgleichung (4.8) die
28 Kap. 4 Wellengleichungen im Blasen-Flüssigkeits-Gemisch

Form
1 ∂p ∂α
+ ∇u = : (4.16)
ρl0 c2l ∂t ∂t

Die Euler-Gleichung (4.9) wird approximiert durch


∂u
ρl0 + ∇p = 0 : (4.17)
∂t
Zusammen ergeben diese beiden Gleichungen eine Wellengleichung für das Blasen-Flüssig-
keitsgemisch:

1 ∂2 p ∂2 α
∆ p = ρl0 : (4.18)
cl ∂t 2 ∂t 2
Die linke Seite ist identisch mit der der linearen Wellengleichung der Akustik. Das Ge-
schwindigkeitspotential ψ hängt mit dem Druck über

∂ψ
p= ρl0 (4.19)
∂t
zusammen, so daß sich schließlich

1 ∂2 ψ ∂α
∆ψ = (4.20)
cl ∂t 2 ∂t
ergibt. An dieser Stelle ist es auch möglich, die Wellengleichung auf polydisperse Gemische,
d.h. auf Gemische, die Blasen verschiedener Ruheradien enthalten, zu erweitern: Anstelle
der Definition (4.15) verwende man
Z
4π ∞ 3
α(x; t ) = R N (R0 ; x)dR0 : (4.21)
3 0 0
N (R0 ; x) gibt die Wahrscheinlichkeit dafür an, eine Blase mit Ruheradius R0 in einem Volu-
menelement dx am Ort x zu finden.
Für kleine Schallfeldamplituden kann die Rayleigh-Gleichung (4.13) durch die Gleichung
des ungedämpften harmonischen Oszillators

R̈0 + ω20R0 = p0
1
(4.22)
ρl0 R0

mit der Resonanzfrequenz


s
3κ p0
ω0 = (4.23)
ρ R20
4.4 Dispersionrelation 29

ersetzt werden. Die Rayleigh-Gleichung selbst berücksichtigt zwar keine Dämpfung, es ist
aber durchaus üblich, einen phänomenologischen Dämpfungsfaktor δ einzuführen, so daß
wir auch Gl. (3.2) benutzen können. In einem stehenden Schallfeld p(x; t ) = p(x) exp( iωt )
folgt dann aus Gl. (4.18) die Helmholtz-Gleichung

∆ p0 + K 2 p0 = 0 (4.24)

mit der Dispersionrelation


Z ∞
 ω 2 R0 N (R0 ; x) dR0 ω
2 2
K = k + 4π ; k= : (4.25)
0 ω0 (ω0 =ω)2 1 iδω0 =ω cl
Die Wellenzahlen (4.7) und (4.25) sind identisch. Der Kontinuumsansatz liefert folglich den
kohärenten Anteil des effektiven Schallfeldes.

4.4 Dispersionrelation
Nach Gl. (4.7) und (4.25) ergibt sich im monodispersen Gemisch die Dispersionsrelation
1 1 R0 n
= + 4π (4.26)
c2p c2l ω20 ω2 iδωω0

Der Einfluß der Dämpfung auf die Phasengeschwindigkeit c p ist nur im Bereich der Reso-
nanzfrequenz von Bedeutung. Für kleine Frequenzen ω  ω0 vereinfacht sich (4.26) zu
1
c2p
' c12 (1 + ǫn) (4.27)
l

c2ρ
mit ǫ = κl pl0 43π R30 . Im langwelligen Grenzfall ist die Phasengeschwindigkeit im Gemisch
0
also geringer als die im reinen Fluid. Die Dispersionsrelation (4.27) ist identisch mit der
einer linearisierten Boussinesq-Gleichung, die im Fall schwacher Nichtlinearitäten die Wel-
lenausbreitung im Blasen–Flüssigkeits–Gemisch beschreibt (vgl. [35]).
Im Bereich hoher Frequenzen (ω  ω0 ) nähert sich c p mit steigender Frequenz cl asymp-
totisch an. Nach
!
c2l
1
c2p
' 1
c2l
1+
4π R0 n
ω2 (ω0 =ω)2
(4.28)
1

ist c p dann größer als die Schallgeschwindigkeit in der reinen Flüssigkeit.


Die Dämpfung spielt im Bereich der Resonanzfrequenz eine entscheidende Rolle. Ohne sie
gäbe es eine Singularität in der Dispersionsrelation (4.26). Die durchgezogene Kurve in
Abb.(4.3) zeigt eine typische Form der Dispersionsrelation.
30 Kap. 4 Wellengleichungen im Blasen-Flüssigkeits-Gemisch

In einem polydispersen Gemisch gilt die allgemeine Form der Dispersionsrelation

1 1
Z ∞
 ω 2 R0 N (R0 ; x) dR0
= + 4π (4.29)
c2p c2l 0 ω0 (ω0 =ω)2 1 iδω0=ω

Abb. (4.3) zeigt den Einfluß der Radienverteilung auf Phasengeschwindigkeit und Dämp-
fung. Im Vergleich mit den experimentellen Daten wird der Einfluß insbesondere im Reso-
nanzbereich deutlich.

Abbildung 4.3: Schallgeschwindigkeit und Dämpfung in einem Blasen-Flüssigkeits-


Gemisch als Funktion der Frequenz f mit R0 = (1:2  0:4)  10 5m und der Volumen-
konzentration α = 2:10 4. Die durchgezogene Kurve entspricht den theoretischen Er-
gebnissen für eine Radienverteilung mit der Dämpfungkonstanten δ = 0:5. Die gestri-
chelte Linie wurde für ein monodisperses Gemisch mit R0 = 1:1  10 4m berechnet.
Die Punkte stellen Meßwerte dar [14].
Kapitel 5
Ein Modell zur Selbstfokussierung

Eine umfassende theoretische Beschreibung der im Kapitel 2 geschilderten raum-zeitlichen


Phänomene existiert bis dato nicht. Ein entsprechendes Modell, welches die Selbstorgani-
sation in in Blasenfeldern beschreibt, sollte den Einfluß der Blasen auf das Schallfeld und
die Veränderung der Blasenverteilung unter Einwirkung des Schallfeldes berücksichtigen.
Einen ersten Schritt in diese Richtung liefert das Modell von A KHATOV ET AL . [2]. Es be-
steht aus einem System von drei partiellen Differentialgleichungen, die die Entwicklung der
Schallfeldamplitude, der Anzahldichte und die Drift der Blasen beschreiben. Das Modell
basiert auf dem im Abschnitt 4.3 diskutierten Kontinuumsansatz. Es beschreibt die Selbst-
fokussierung einer Schallwelle in einem Blasenfeld transversal zur Ausbreitungsrichtung.
Gegenüber älteren Modellen der Selbstfokussierung (vgl. [7], [17] und [41]), die nur den
stationären Fall behandeln, berücksichtigt dieses auch die zeitliche Dynamik des Systems.
Ebenso wie die früheren Modelle beruht das von A KHATOV aber in wesentlichen Punkten
auf phänomenologischen Annahmen. Allen ist gemeinsam, daß sie eine charakteristische
Abhängigkeit der Anzahldichte von der Intensität des Schallfeldes annehmen. Die früheren
setzen eine Proportionalität dieser beiden Größen voraus, während das hier vorgestellte Mo-
dell eine von der Intensität abhängige Wachstumsrate der Anzahldichte annimmt. Es wird
gezeigt, daß gerade diese Annahme die Modellierung der Strukturbildung in charakteristi-
scher Weise bestimmt.
An dieser Stelle wird eine methodische Verbesserung der Herleitung der Amplitudenglei-
chung vorgestellt.

5.1 Die Modellgleichungen


5.1.1 Schallfeldamplitude
In der raum-zeitlichen Dynamik eines Blasenfeldes spielt die Relativbewegung zwischen
den beiden Phasen eine wichtige Rolle. Wie jedoch in Kap. 2 dargelegt wurde, findet die
Umverteilung der Blasen auf einer im Vergleich zur Periodendauer des Schallfeldes sehr viel
größeren Zeitskala statt. Unter der Annahme kleiner Druckschwankungen und geringer An-
zahldichten sollte daher die Wellengleichung (4.18) auch dann gültig sein, wenn wir eine

31
32 Kap. 5 Ein Modell zur Selbstfokussierung

langsame Variation der Anzahldichte N (x) zulassen. Im Falle eines monodispersen Gemi-
sches mit Blasen der Größe R0 gilt für die Wahrscheinlichkeitsdichte N (R0 ; x) die Beziehung
N (R0 ; x) = N0n(x)δ(R̂0 R0 ) mit einer charakteristischen konstanten Anzahldichte N0 . Die
Wellengleichung (4.18) erhält damit die Form
1 ∂2 p ω20
∆ p = 4πρ N0 nR20 R̈0 = ρ R0 ǫnR̈0 : (5.1)
c2 ∂t 2 c2
Um die Übersichtlichkeit der Darstellung zu verbessern, wurde hier cl =c und ρl0 = ρ ge-
setzt. Desweiteren gilt
c2 ρ 4π 3 3κ p0
ǫ= R N0 und ω20 = : (5.2)
κ p0 3 0 ρ R20

ω0 ist die lineare Resonanzfrequenz der Blase (vgl. Gl. (3.3)) und ǫ ein dimensionsloser Pa-
rameter (vgl. Gl. (4.27)), der für typische physikalische Parameter1 von der Größenordnung
10 2 ist.
Die ursprünglich in [2] benutzte Wellengleichung basierte u.a. auf der Annahme, daß die An-
zahldichte n(x) nur leicht um einen räumlich und zeitlich konstanten Mittelwert n0 schwankt.
In der Wellengleichung taucht daher auch nur dieser Mittelwert auf, der anschließend als va-
riabel in Raum und Zeit angesetzt wird. Die vorgestellten Simulationen standen aber insbe-
sondere zu der Voraussetzung der kleinen räumlichen Schwankungen der Anzahldichte um
einen Mittelwert im Widerspruch. Die Wellengleichung (4.18) hingegen erlaubt auch starke
räumliche Variationen der Anzahldichte. In einem blasenfreien Medium (ǫ = 0) ist eine sich
in z-Richtung ausbreitende ebene Welle der Form
1 n z h  i o
p = p0 + W0 exp iω t + c.c. (5.3)
2 c
eine Lösung der Wellengleichung (5.1). W0 ist die komplexe Amplitude der ebenen Welle
und c.c. bezeichnet die komplexe Konjugation. Wir betrachten nun Störungen der Ampli-
tude W0 senkrecht zur Ausbreitungsrichtung. Um der langsamen Umverteilung der Blasen
Rechnung zu tragen, approximieren wir die Lösung der Gl (5.1) mit dem Ansatz
1 n p p z h  i o
p = p0 +W (ǫt ; ǫx; ǫy) exp iω t + c.c. : (5.4)
2 c
Da ǫ klein ist, hängt W nur von langsamen Variablen in Raum und Zeit ab. Ist die Schall-
feldamplitude W klein und nur langsam veränderlich, so kann für die rechte Seite von
Gl. (5.1) ein analytischer Ausdruck angegeben werden. Die Blasenschwingungen genügt in
diesem Fall der Gleichung des harmonischen Oszillators (4.22), deren Lösung durch
n p p h  i o
R0 =
1 1 z
W (ǫt ; ǫx; ǫy) exp iω t + c.c. (5.5)
2 ρ R0 (ω20 ω2 ) c
1
z.B. ǫ = 0:04 für c  103 m=s, ρ  103 kg=m3 , κ  1, p0  105 Nm 2
; R0  10 5
m und N0  109 m 3 .
5.1 Die Modellgleichungen 33

gegeben ist. Einflüsse der Dämpfung sollen an dieser Stelle nicht berücksichtigt werden.
Unter Vernachlässigung von Termen  O (ǫ2 ) ergibt sich eine partielle Differentialgleichung
für die Entwicklung der komplexen Schallfeldamplitude W,

∂w ∂2 w ∂2 w 1
i = + + nw ; (5.6)
∂ξ ∂η2 ∂ζ 2 1 (ω=ω0 )2

mit den dimensionslosen Variablen


1 ω pǫ x ω pǫ y W
ξ= ω ǫ t; η= ; ζ= ; w= : (5.7)
2 c cl W0

Im Grenzfall kleiner Frequenzen (ω2  ω20 ), der im folgenden primär behandelt wird, re-
duziert sich Gl. (5.6) zu :

∂w ∂2 w ∂2 w
i = + + nw : (5.8)
∂ξ ∂η2 ∂ζ 2

Die Amplitudengleichung (5.8) besitzt die Form einer nichtlinearen Schrödingergleichung,


deren Potential durch die Anzahldichte n ersetzt ist.

5.1.2 Driftgeschwindigkeit der Blasen

Blasen mit dem Volumen V erfahren im Schallfeld die primäre Bjerkneskraft

FB = hV (t )∇pit (5.9)

(vgl. Abschnitt 3.2). Da in der hier verwendeten Näherung die Amplitude der radialen Os-
zillationen einer Blase klein ist im Vergleich zu ihrem Ruheradius R0 , ergibt sich in erster
Näherung für das Blasenvolumen:

R(t )3 ' V0(1 + R0 (t ))


4π 3
V (t ) = : (5.10)
3 R0

Die Gleichungen (5.4) und (5.5) liefern dann mit Gl. (5.9)
!
∂(jW j 2
) ∂(jW j 2
)
FB = γ1 ; ; 0 ;
∂η ∂ζ
3V0 ω pǫ
γ1 = : (5.11)
4ρ R20 (ω20 ω2 ) c

Das Verschwinden der z-Komponente der Bjerkneskraft hat ihre Ursache in der Phasenver-
schiebung um π =2 zwischen Blasenschwingung und der Oszillation des Druckgradienten.
34 Kap. 5 Ein Modell zur Selbstfokussierung

Dies ist ein Ergebnis der linearen Theorie ungedämpfter Blasenschwingungen, wie es be-
reits in Abschnitt (3.2) vorgestellt wurde. An dieser Stelle rechtfertigt sich der Ansatz (5.4),
der nur Störungen in transversaler Richtung berücksichtigt.
Die Blasen müssen bei ihre Translationsbewegung Flüssigkeit verdrängen und Arbeit gegen
die Reibungskräfte verrichten. Der erste Effekt führt zu einer zusätzlichen Trägheitskraft
FM , der zweite wird durch die Stokes’sche Reibungskraft FS berücksichtigt. Unter der An-
nahme, daß die Blasen sphärisch sind und die zeitlich gemittelte Driftbewegung gering ist,
nehmen diese ihre einfachste Form an:

FS = 6πµ R0 U ; (5.12)
1 ∂U
FM = ρV0 : (5.13)
2 ∂t
Hier bezeichnet U die mittlere Driftgeschwindigkeit der Blasen und µ ist die dynamische
Zähigkeit. Da die Dichte des Gases im Vergleich zu der der Flüssigkeit gering ist, spielt die
Trägheit der Gasmasse in den Blasen keine Rolle bei ihrer Bewegung, so daß sich unter Ver-
nachlässigung des Auftriebs folgende Kräftebilanz ergibt:

FB + FS + FM = 0 (5.14)

Mit Hilfe der Größen

U γ1 W02
u= ; γ= ;
U 6πµ R0 U
cp ρV0
U = ǫ; τ2 = ωǫ : (5.15)
2 24πµ R0

ergibt sich hieraus eine Gleichung für die dimensionslose Driftgeschwindigkeit u:

∂u
+ u = γ ∇ηζ (jwj )
2
τ2 : (5.16)
∂ξ

τ2 ist die dimensionslose charakteristische Relaxationszeit.

5.1.3 Bilanzgleichung der Anzahldichte

In Abwesenheit eines akustischen Feldes lösen sich Blasen nach einer gewissen Zeit auf. Ein
monodisperses Gemisch erlaubt es, diesen Effekt mit Hilfe eines exponentiellen Ansatzes
zu behandeln. Ein akustisches Feld wirkt diesem entgegen und führt bei hinreichend großer
Amplitude zur Entstehung neuer Blasen. Für kleine Schallfeldamplituden ist der Energiefluß
in die Blase näherungsweise proportional zur Intensität des Schallfeldes (vgl. [35]). Hohe
5.1 Die Modellgleichungen 35

Schalldrücke führen zu einer Sättigungsdichte N∞ . Beide Effekte können heuristisch erfaßt


werden durch:
∂n N F(jW j2 )
+ div(N U) = ; (5.17)
∂t
  T1
δjW j2

F(jW j 2
) = N∞ 1 exp :
N∞
Hier ist T1 die charakteristische Auflösungszeit der Blasen, und der Parameter δ steuert
die Blasenerzeugung. Die Eigenschaften der Blasenerzeugungsfunktion F(jW j2 ) werden in
Abb. (5.1) deutlich. U ist wiederum die mittlere Driftgeschwindigkeit der Blasen und darf
nicht mit der momentanen Blasengeschwindigkeit in der Kontinuitätsgleichung (4.8) ver-
wechselt werden. Diese war als Bilanzgleichung bei der Behandlung der Schallausbreitung
benutzt worden, während Gl. (5.17) auf einer langsameren Zeitskala als gültig angenommen
wird. Mit der Normierung N0 = δjW0j2 folgt die dimensionslose Form

∂n ∂(nuη ) ∂(nuζ ) n f (jwj2)


+ + = ; (5.18)
∂ξ ∂η ∂ζ τ1
f (jwj2 ) = A2∞ [1 exp( jwj2 =A2∞ )] ;

ωǫ N∞
mit τ1 = T1 und A2∞ = : (5.19)
2 N0

Abbildung 5.1: Schematischer Verlauf der Blasenerzeugungsfunktion f (jwj2). Die


Funktion strebt asymptotisch gegen die Sättigungsintensität A2∞ (blaue Linie). Für ge-
ringe Amplituden ist die Funktion proportional zur Intensität (gestrichelte Kurve). Im
Grenzfall A∞ ! ∞ gilt f (jwj2) = jwj2 .
36 Kap. 5 Ein Modell zur Selbstfokussierung

5.1.4 Zusammenfassung der Modellgleichungen


Zur besseren Übersicht wird das in den Abschnitten 5.1.1 - 5.1.3 beschriebene Modellglei-
chungssystem zusammengefaßt.
∂w ∂2 w ∂2 w
i = + + nw (5.20)
∂ξ ∂η2 ∂ζ 2
∂n ∂(nuη ) ∂(nuζ ) n f (jwj2 )
+ + = (5.21)
∂ξ ∂η ∂ζ τ1
∂uη ∂jwj2
τ2 + uη = γ (5.22)
∂ξ ∂η
∂uζ ∂jwj2
τ2 + uζ = γ (5.23)
∂ξ ∂ζ
f (jwj2 ) =
2
A∞ [1 exp( jwj2 A2∞ )]
= (5.24)

Parameter:

τ1 charakteristische Auflösungszeit der Blasen


τ2 Relaxationszeit der Blasenbewegung
γ Koeffizient der primären Bjerkneskraft
A∞ Sättigungsamplitude der Blasenerzeugung

5.2 Die nichtlineare Schrödingergleichung


Für τ1 = 0 und A∞ ! ∞ impliziert Gl. (5.21) n = jwj2. In diesem Grenzfall besitzt Gl. (5.20)
die Form der kubisch nichtlinearen Schrödingergleichung:
∂w ∂2 w ∂2 w
+ jwj w
2
i = + : (5.25)
∂ξ ∂η2 ∂ζ 2
Im Rahmen des Modells bedeuten diese Parameter die instantane Auflösung der durch die
Schallwellen erzeugten Blasen. Das Medium ist dann relaxationsfrei, da die Gleichun-
gen (5.22) und (5.23) keine Rolle mehr spielen.
Aus den experimentellen Befunden ergab sich die Proportionalität zwischen der Intensität
und der Anzahldichte (n  jwj2) bei der Kavitationsschwelle (vgl. Abschnitt 2.2). Ein
phänomenologischer Ansatz, der dieses Ergebnis verwendet, führt ohne Berücksichtigung
der Translation der Blasen mit der Amplitudengleichung (5.20) zu Gl. (5.25). Diesen Weg
beschreiten im stationären Fall die früheren Theorien zur Selbstfokussierung (vgl. [7], [17]
und [41]). Da außerdem die nichtlineare Schrödingergleichung (NLS) ein wesentlicher Be-
standteil des Modells ist, sollen kurz die wichtigsten Eigenschaften der NLS in der Form von
Gl. (5.25) diskutiert werden.
5.2 Die nichtlineare Schrödingergleichung 37

5.2.1 Eigenschaften der nichtlinearen Schrödingergleichung


Die kubisch nichtlineare Schrödingergleichung spielt eine wichtige Rolle in der Beschrei-
bung sich langsam verändernder Wellenzüge in schwach nichtlinearen Medien. Die Ausbrei-
tung harmonischer Wellen in diesen Systemen kann durch eine amplitudenabhängige Dis-
persionsrelation
j j
ω = ω(k; w 2) (5.26)
beschrieben werden, aus der sich bereits nach dem Übergang in ein mit der Gruppenge-
schwindigkeit cg mitbewegtes Koordinatensystem eine Gleichung der Form (5.25) herleiten
läßt (vgl. [11]). Die Berücksichtigung von Relaxationseffekten im Medium führt zu einer
Veränderung des Potentials, wie es für τ1 > 0 in dem hier vorgestellten Modell der Fall ist.
Die herausrangende Eigenschaft der NLS ist, daß sie spezielle Lösungen in Form von So-
litonen besitzt und damit dispersive Strukturbildung zeigt: Während die dispersiven Eigen-
schaften des Mediums zu einer Verbreiterung des Wellenpaketes führen, bewirkt die Nicht-
linearität eine Aufsteilung der Wellenfront. Die Kombination dieser beiden Effekte kann zu
einer stabilen Wellenform führen. Behält eine solche solitäre Welle nach der Wechselwir-
kung mit einer anderen ihre Form, so spricht man von einem Soliton (eine genauere Defini-
tion findet sich in [1]). Die Teilcheneigenschaften gaben dem Soliton seinen Namen. Neben
dem hier diskutierten Modell beschreibt die NLS physikalische Prozesse in der Astrophysik,
in Plasmen, in der nichtlinearen Optik und in der Biologie (vgl. [11] und [31]).

5.2.2 Lösungen und lineare Stabilitätsanalyse


Eine monochromatische Welle der Form
w = A0 exp( iΘ0 ) (5.27)
mit A0 = const. ; A0 2 R und Θ0 = A0ξ
ist ein Fixpunkt der Gl. (5.25). Die Entwicklung kleiner Störungen dieser Lösung
A = A0 + Ã; Θ = Θ0 + Θ̃ (5.28)
läßt sich mit Hilfe einer Linearisierung der Gl. (5.25) berechnen. Aussagen über die Ent-
wicklung kleiner periodischer Störungen der Form
 Ã   Â 
= exp(σ ξ + iKη η + iKζ ζ ) (5.29)
Θ̃ Θ̂
ergeben sich aus dem Wert der Wachstumsrate σ . Eine interessante Dynamik ergibt sich nur
für positive reelle Werte von σ , d.h. für eine Instabilität des Fixpunktes (5.27). Aus einer
einfachen Rechnung ergibt sich
σ = jKj(2A20 jKj) 1
2 (5.30)
38 Kap. 5 Ein Modell zur Selbstfokussierung

mit jK j2 = Kη2 + Kζ2 . Folglich ist die gleichförmige Lösung (5.27) instabil gegenüber lang-
welligen Störungen mit 0 < jK j2 < 2A20 . Diese Modulationsinstabilität trägt auch den Namen
Benjamin-Feir-Instabilität. Für eine vorgegebene Störungswellenlänge λ ist die maximale
Anzahl instabiler Moden durch die größte natürliche Zahl N gegeben, für die

0<N<
jpA0j λ (5.31)

gilt. Für höhere Moden ist die Wachstumsrate rein imaginär bei rein reellen kη und kζ .

Abbildung 5.2: Links: Reelle positive Lösungen σ der Gl. (5.30). Rechts: Schnitt
durch die Figur für A0 = 1. Die maximale Anzahl instabiler Moden, die angeregt wer-
den kann, ist durch die Anzahl höherer Harmonischer bestimmt, zu der die Wachs-
tumsrate σ einen positiven Realteil besitzt. Für jK j = 0:4 sind dies beispielsweise
insgesamt drei Moden (gestrichelte Linien).

Abb. (5.2) zeigt den Realteil der Wachstumsrate σ+ einmal in Abhängigkeit von jK j und A0
sowie bei vorgegebener Amplitude A0 = 1 als Variable der Störungswellenzahl. Zu vorge-
gebenem A0 existiert ein Band instabiler Wellenzahlen. Dies ist charakteristisch für struk-
turbildende Systeme. Die Instabilität beliebiger Moden läßt keine Strukturbildung zu. Das
System würde thermalisieren.
Die Entwicklung von periodischen Störungen mit verschiedenen Wellenzahlen kη in zwei
Dimensionen (eine Raum- und eine Zeitdimension) zeigt Abb. (5.3). Die Anfangsbedingun-
gen der folgenden Rechnungen sind durch
hw i
w(x; 0) = w0 1 + 1 (1 cos(kη η)) (5.32)
2
mit w0 = 1 und w1 = 0:1 gegeben. Es liegen periodische Randbedingungen vor. Die Kanal-
breite beträgt jeweils eine Störungswellenlänge. Auskunft über das verwendete numerische
Verfahren gibt Anhang A.
5.2 Die nichtlineare Schrödingergleichung 39

(a)

(b)

(c)

Abbildung 5.3: Modeninstabilitäten der kubisch nichtlinearen Schrödingerglei-


chung (5.25) in zwei Dimensionen. Oberflächen- und Höhenlinienplots zu periodi-
schen Störungen der Wellenzahl a) k = 1, b) k = 0:6, c) k = 0:4. Die Ortskoordinate
η ist jeweils in Einheiten der Störungswellenlänge angegeben.
40 Kap. 5 Ein Modell zur Selbstfokussierung

Aus dem rechten Diagramm in Abb. (5.2) ist erkennbar, daß für jK j = 1 nur eine Mode insta-
bil ist. Die instabile Modulation des Fixpunktes wächst, wie man Abb. (5.3a) entnimmt, ent-
sprechend der linearen Stabilitätsanalyse exponentiell an, bis es zu einer Sättigung als Folge
der Nichtlinearität kommt. Anschließend folgt eine Demodulation und Rückkehr zum Fix-
punkt. Dieses Phänomen, welches als Fermi-Pasta-Ulam-Rekurrenz bezeichnet wird, wie-
derholt sich periodisch und ist besonders gut in den Höhenlinienplots in Abb. (5.3) zu erken-
nen. Die Zeitdauer bis zum ersten Erreichen des Ausgangszustandes heißt Rekurrenzzeit TR .
Für langwelligere Störungen wie in den Fällen jK j = 0:6 oder jK j = 0:4 können eine bzw.
zwei weitere Moden angeregt werden. Die Amplitudenmodulationen sind in den Abb. (5.3b)
bzw. (5.3c) zu sehen. Die im Anfangszustand in einer Mode lokalisierte Energie wird durch
die Instabilität auf die höheren Moden verteilt. Bei der Demodulation wird die Energie wie-
der auf die ursprüngliche Mode zurückgeführt. Dieser Prozeß muß allerdings nicht unbe-
dingt vollständig ablaufen. Damit kann man den Instabilitätsbereich in zwei Abschnitte auf-
teilen: Für 21 jKmaxj < jK j < jKmaxj ist die Dynamik einfach und die Rekurrenz vollständig.
Der Bereich 0 < jK j < 12 jKmaxj zeichnet sich durch komplexere Dynamik und eventuell un-
vollständige Rekurrenz aus. jKmaxj ist nach Gl. (5.30) durch jKmaxj2 = 2 A20 gegeben.

5.2.3 N-Solitonen-Lösung
Sind Solitonen in einem Medium ausbreitungsfähig, so führt eine beliebige Anfangsbedin-
gung zur Bildung eines Solitons, sofern sie eine Mindestenergie überschreitet. Überschüssi-
ge Energie wird in Form von dispersiven Wellen abgestrahlt. Anfangsbedingungen der Form

w(η; 0) = 2NA sech(2Aη) A>0 (5.33)

führen zu einem nichtzerfallenden N-Solitonenzustand. Darunter versteht man einen kom-


plexen, nichtlinearen Schwingungszustand, in dem N = 1; 2; 3; : : : Solitonen durch Energie-
entartung einen kollektiven Zustand bilden. Die Einsolitonen-Lösung

w(η; ξ ) = 2A sech(2Aη) exp(i 2A2 ξ ) (5.34)

nimmt eine Sonderstellung ein, da die Amplitude jwj konstant in der Zeit ist.
Störungen können die Energieentartung aufheben: Der Zustand zerfällt in N freie Solitonen,
die mit N verschiedenen Geschwindigkeiten auseinanderlaufen.

5.3 Erhaltungsgrößen
Die Gesamtenergie des Schallfeldes
Z +∞ Z +∞
E= jw(η; ζ ; ξ)j2dηdζ (5.35)
∞ ∞
5.4 Lineare Stabilitätsanalyse 41

ist eine Erhaltungsgröße, da die Dämpfung weder in der Blasenoszillation noch in den hy-
drodynamischen Grundgleichungen berücksichtigt wurde. In den folgenden numerischen
Rechnungen wird die Dynamik in Kanälen mit den dimensionslosen Abmessungen Lη und
Lζ untersucht. Es werden periodische oder Reflexionsrandbedingungen vorausgesetzt. Im
Fall von Reflexionsrandbedingungen ergibt sich im Grenzfall A∞ ! ∞ eine Aussage über die
Entwicklung der Gesamtblasenanzahl
Z Lη Z Lζ
M= n(η; ζ ; ξ )dηdζ : (5.36)
0 0

Aus Gl. (5.21) erhält man durch räumliche Integration mit den Randbedingungen

uη (0; ζ ; ξ ) = uη (Lη ; ζ ; ξ ) = 0 ; uζ (η; 0; ξ ) = uζ (η; Lζ ; ξ ) = 0 (5.37)

die gewöhnliche Differentialgleichung

∂M E M
= : (5.38)
∂η τ1

Wählt man als Anfangsbedingung

jw(η ζ 0)j2 = n(η ζ 0)


; ; ; ; ; (5.39)

so ist M(0) = E(0) = E0 , und M bleibt nach Gl. (5.38) für alle Zeiten konstant (M(ξ ) = E0 ).
Wählt man andere Anfangsbedingungen, so impliziert Gl. (5.38), daß M mit der Zeit gegen
die Gesamtenergie E = E0 strebt. Da die Blasenerzeugung proportional zu jw(η; ζ ; ξ )j2 ist,
wird die Blasenverteilung nach einer transienten Phase der Intensitätsverteilung des Schall-
feldes folgen.

5.4 Lineare Stabilitätsanalyse


Analog zum Fall der kubisch nichtlinearen Schrödingergleichung läßt sich auch für das Glei-
chungsystem (5.20)-(5.24) eine lineare Stabilitätsanalyse durchführen. Der Fixpunkt ist hier
gegeben durch

A = A0 = const.; n = f (A20 ); Θ= f (A20 )ξ ; ux = 0; uy = 0 ; (5.40)

wobei die reelle Amplitude A und die reelle Phase Θ durch

w = A(ξ ; η; ζ ) exp(iΘ (ξ ; η; ζ )) (5.41)


42 Kap. 5 Ein Modell zur Selbstfokussierung

definiert sind. Die analytische Lösung (5.40) beschreibt wiederum eine monochromatische
Welle, hier in einem homogenen und stationären Blasenfeld. Wiederum werden kleine peri-
odische Störungen der homogenen Lösung von der Form
0 Ã 1 0 Â 1
BB Θ̃ CC B CC
BB ñ CC = B
B Θ̂
CC exp(σ ξ + iK η + iK ζ)
B@ ũ
η
CA BB n̂
@ û η
CA η ζ (5.42)

ũζ ûζ

betrachtet. Das Ergebnis der linearen Stabilitätsanalyse ist im Vergleich zur NLS komplexer
(vgl. [2] und [29]). Die Wachstumsrate σ ist durch die Nullstellen der Polynoms

P(σ ) = a4σ 4 + a3σ 3 + a2σ 2 + a1σ + a0 (5.43)

mit den Koeffizienten


h i
a0 = jK j 4
jKj
2A20 2
f 0 (A2 ) + τ
0
2
1 γ f (A0 )K
2
j ; (5.44)
a1 = (τ1 + τ2 )jKj
4
2τ2A20 f 0 (A20 )jKj2 ; (5.45)
a2 = 1 + τ1τ2jKj4 ; (5.46)
a3 = τ1 + τ2 ; (5.47)
a4 = τ1τ2 (5.48)

gegeben. Abb. (5.4) zeigt die reellen positiven Lösungen der Gl. (5.43). Wiederum ergibt

Abbildung 5.4: Links: Reelle positive Nullstellen σ (jKj; A0) des Polynoms (5.43)
für τ1 = 0:1; τ2 = 0:02; γ = 0:01 und A∞ = 2. Rechts: Schnitt durch die Figur für
A0 = 1.

sich eine Instabilität gegenüber langwelligen Störungen. Eine genauere Analyse des Poly-
noms (5.43) zeigt die Existenz einer kritischen Amplitude A , so daß für A0 > A Störungen
5.5 Diskussion des transienten Verhaltens 43

mit beliebiger Wellenlänge instabil sind. Folglich ist bei einer Überschreitung dieser Ampli-
tude keine Strukturbildung möglich. Die kritische Amplitude A kann durch die Gleichung
1
A2 f (A2 ) = (5.49)
2τ1γ
bestimmt werden.

5.5 Diskussion des transienten Verhaltens


Die Modellgleichungen (5.20)-(5.24) erlauben es, qualitative Aussagen über das transiente
Verhalten diese Systems zu machen. Für die nichtlineare Schrödingergleichung (5.20) stellt
die Anzahldichte n(x; t ) das Potential dar. Eine lokale Erhöhung der Anzahldichte ist äquiva-
lent zu einer Erniedrigung des Potentials. Ist die Intensität des Schallfeldes jwj2 an einem Ort
größer als in seiner Umgebung, so bewegen sich die Blasen nach den Gl. (5.22) und (5.23)
in Richtung diese lokalen Maximums. Die Erniedrigung des Potentials wiederum bewirkt
eine Erhöhung der Intensität und damit ein weiteres Anwachsen der Anzahldichte. Loka-
le Fluktuationen werden also durch positive Rückkoppelung verstärkt. Dieser Vorgang der
Selbstfokussierung endet mit der Sättigung der Anzahldichte. Die linke Seite der Kontinui-
tätsgleichung (5.21) wird negativ, sobald n(x; t ) > f (jw(x; t )j2) gilt, so daß es zu einer loka-
len Verringerung der Anzahldichte kommt. Das weitere Verhalten hängt davon ab, ob höhe-
re instabile Moden angeregt werden können, wie bereits im Fall der kubisch nichtlinearen
Schrödingergleichung gezeigt wurde.
Das Wesentliche dieser Dynamik, die Selbstfokussierung, läßt sich auch in einem mehr phy-
sikalischen Bild deuten: Eine räumlich inhomogene Blasenverteilung führt zu einer mit
dem Ort variierenden Phasengeschwindigkeit c p und damit zu einer Modulation der Schall-
feldamplitude. Nach Gl. (4.27)
1
c2p = c2l
1 + ǫ n(x; t )
reduziert eine Erhöhung der Anzahldichte die Phasengeschwindigkeit und bewirkt damit ei-
ne lokale Erhöhung der Amplitude. Im Feld des Druckgradienten wiederum werden die Bla-
sen durch die primäre Bjerknes-Kraft in Richtung des Druckbauches getrieben.
Für große Blasen, deren lineare Resonanzfrequenz ω0 kleiner ist als die Anregungsfrequenz,
ergibt sich eine entgegengesetzte Dynamik: In diesem Fall ist der Koeffizient der Bjerk-
neskraft γ < 0 (vgl. Gl. (5.11)), so daß die Blasen vom Druckbauch abgestoßen werden.
Die Bedingung ω  ω0 ist nun nicht mehr erfüllt, so daß die frequenzabhängige Form der
NLS (5.7) benutzt werden muß:
∂w ∂2w ∂2w 1
i = + + nw (5.50)
∂ξ ∂η2 ∂ζ 2 1 (ω=ω0 )2
44 Kap. 5 Ein Modell zur Selbstfokussierung

Da der Koeffizient vor dem Potential nun negativ ist, bewirken die Blasen einen Abfall der
Intensität. Die Anwesenheit großer Blasen wirkt also defokussierend.

5.6 Numerische Simulationen


In diesem Abschnitt werden numerische Lösungen des Gleichungssystems (5.20)-(5.24) vor-
gestellt. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird im Folgenden die dimensionslose Zeitko-
ordinate ξ in t umbenannt und die Ortskoordinaten η und ζ entsprechend in x bzw. y. Die
Geschwindigkeitskomponenten uη und uζ werden mit u bzw. v bezeichnet. Die Anfangsbe-
dingungen sind gegeben durch:
h w1 ih w1 i
w(x; y; 0) = w0 (1 cos(kx x)) (1 cos(ky y)) ; (5.51)
2 2
n(x; y; 0) = jw(x; y; 0)j2 ; (5.52)
u(x; y; 0) = v(x; y; 0) = 0 (5.53)

mit den Störungswellenzahlen

2π 2π
kx = und ky = : (5.54)
λx λy

Die Kanalabmessungen sind identisch mit den Störungswellenlängen λx und λy. Es gelten
zunächst Reflexionsrandbedingungen der Form

∂w ∂w (λ ; y; t )
(0; y; t ) = = 0; (5.55)
∂x ∂x x
∂w ∂w (x; λ ; t )
(x; 0; t ) = = 0; (5.56)
∂y ∂y y

∂n ∂n (λ ; y; t )
(0; y; t ) = = 0; (5.57)
∂x ∂x x
∂n ∂n (x; λ ; t )
(x; 0; t ) = = 0; (5.58)
∂y ∂y y

u(0; y; t ) = u(λx ; y; t ) = 0; (5.59)


v(x; 0; t ) = v(x; λy ; t ) = 0: (5.60)

Die Ortskoordinate ist jeweils in Einheiten von π angegeben. Für einen typischen Wert ǫ in
der Größenordnung 10 2 ergibt sich nach Gl. (5.7), daß ein Intervall von 2π einer Länge von
der Größenordnung 10 Wellenlängen des anliegenden Schallfeldes entspricht. Die dimensi-
onslose Zeiteinheit ξ = 1 entspricht dann einer Zeit in der Größenordnung von 100 Perioden
des Schallfeldes.
5.6 Numerische Simulationen 45

(a) (b)

Abbildung 5.5: Transiente Entwicklung der Schallfeldamplitude jwj, der Anzahl-


dichte n und der Driftgeschwindigkeit u für eine instabile Mode mit k = 1. (a)
τ1 = 0:08, τ2 = 0:08 , γ = 0:025 und A∞ ! ∞. (b) τ1 = 2 , τ2 = 0:1 , γ = 0:001
und A∞ ! ∞.

5.6.1 Entwicklung der Transiente

Abb. (5.5) zeigt die Entwicklung einer Störung mit k = 1. Es existiert nur eine instabile Mo-
de. Die Amplitude wächst in der Kanalmitte an und und sinkt am Rand ab, bis es zu ei-
46 Kap. 5 Ein Modell zur Selbstfokussierung

ner Sättigung kommt. Danach zeigt die Amplitude charakteristische Oszillationen und kon-
vergiert in diesem Fall nach einer transienten Entwicklung in eine quasistationäre Struktur.
Im Grenzfall τ1 = 0 wird die Dynamik vollständig durch die kubisch nichtlineare Schrödin-
gergleichung bestimmt, und die zeitlichen Amplitudenschwankungen klingen nicht ab (vgl.
Abb. (5.3)). Die Blasen folgen instantan dem sich ändernden Schallfeld. Für τ1 > 0 besitzen
die Blasen eine endliche Lebensdauer und bewegen sich unter Einfluß der primären Bjerk-
neskraft in Richtung des Druckbauches. Die Stärke dieser Kraft wird durch ihren Koeffizien-
ten γ bestimmt. Abb. (5.6) verdeutlicht die Formveränderung der Struktur mit der Variation
von γ . Je größer γ ist, desto höher ist die maximale Amplitude aufgrund der größeren Bjerk-
neskraft. Da das System konservativ ist, muß die Struktur aus Gründen der Energieerhaltung
gleichzeitig schmaler sein (vgl. Gl. (5.35)).
3
γ = 0.040
γ = 0.025
γ = 0.010
γ = 0.007

2
|w|

0
0 0.5 1 1.5 2
x

Abbildung 5.6: Abhängigkeit der Struktur von γ für k = 1, τ1 = 0:08, τ2 = 0:08 und
A∞ ! ∞. Der transversale Schnitt zeigt die Struktur jeweils zu den Zeitpunkten, an
denen die Amplitude ihr Maximum bzgl. der gesamten Integrationszeitdauer T = 25
annimmt.

Neben der Höhe der Struktur ändert sich bei einer endlichen Lebensdauer τ1 der Blasen auch
das transiente Verhalten der Struktur. Die Amplitudenschwankungen klingen mit der Zeit ab
und werden um so schwächer, je größer τ1 ist (vgl. Abb (5.7)). Die Entwicklung mündet in
einen asymptotischen Zustand. Die Struktur ähnelt hinsichtlich ihrer Form der von Solito-
nen.
Die Annäherung an diesen Zustand verläuft für größeres τ1 langsamer, wie Abb. (5.5b) zeigt.
Im Grenzfall τ1 ! ∞ findet weder eine Erzeugung noch eine Auflösung von Blasen statt.
Die ursprünglich über den gesamten Raum verteilten Blasen werden immer stärker an einem
Ort lokalisiert, bis die Anzahldichteverteilung singulär wird (vgl. Abb (5.9)). Das Verhalten
der Struktur gegenüber Änderungen der Relaxationszeit τ2 ist sehr stabil. Die Beispiele in
5.6 Numerische Simulationen 47

3 τ1 = 0.00 3 τ2 = 8Ε−5
τ1 = 0.02 τ2 = 8
τ1 = 0.08 τ2 = 80

2.5 2.5
max(|w|)

max(|w|)
2 2

1.5 1.5

1 1
0 10 20 0 10 20
t t

Abbildung 5.7: Abhängigkeit der maxi- Abbildung 5.8: Abhängigkeit der maxi-
malen Amplitude |w| bzgl. des Ortes von malen Amplitude |w| bzgl. des Ortes von
τ1 für k = 1, τ2 = 0:08, γ = 0:025 und τ2 für k = 1, τ1 = 0:08, γ = 0:025 und
A∞ ! ∞. A∞ ! ∞.

Abbildung 5.9: Entwicklung der Schallfeldamplitude jwj und der Anzahldichte für
τ1 ! ∞, τ2 = 0:01, γ = 0:001 und k = 1. A∞ kann beliebig gewählt werden. Die
Konzentrationsverteilung wird mit der Zeit singulär.

Abb. (5.8) zeigen für eine gegebene Parameterauswahl, daß sich die Form der Struktur trotz
extrem verschiedener Werte von τ2 kaum verändert.
Bei geeigneter Wahl der Wellenzahl k ergeben sich Anfangsbedingungen, für die mehrere
instabile Moden existieren. Abb. (5.10) zeigt Beispiele mit zwei bzw. drei angeregten Mo-
den. Zunächst wächst die fundamentale Mode an, bis sie gesättigt ist. Die Nichtlinearität
führt zur Anregung höherer instabiler Moden, die mit geringerer Rate anwachsen. Nach der
Umverteilung der Energie auf höhere Moden kann es jedoch wiederum zu einer Lokalisie-
rung der Energie auf die Anfangsmode kommen. Die Beispiele in Abb. (5.10) zeigen ebenso
48 Kap. 5 Ein Modell zur Selbstfokussierung

(a) (b)

Abbildung 5.10: Transiente Entwicklung der Schallfeldamplitude jwj, der Anzahl-


dichte n und der Driftgeschwindigkeit u für τ1 = 0:001, τ2 = 0:01, γ = 0:001 und
A∞ ! ∞. (a) k = 0:6 (2 instabile Moden), (b) k = 0:4 (3 instabile Moden).

das Auftreten von Rekurrenz wie die entsprechenden Rechnungen zur kubisch nichtlinearen
Schrödingergleichung in Abb. (5.3). Die dort getroffene Einteilung des Bandes instabiler
Wellenzahlen in Bereiche, die zu einfachen oder komplexen Lösungen führen, bleibt also
weiterhin gültig.
5.6 Numerische Simulationen 49

In zwei Dimensionen ist ein endlicher Wert der Sättigunsamplitude A∞ , d.h. eine Begren-
zung der gelösten Gasmenge, notwendig, um ein Divergieren der Lösung zu verhindern.
Abb. (5.11) zeigt Momentaufnahmen der Entwicklung der Schallfeldamplitude für zwei in-
stabile Moden. Zunächst wächst wiederum die fundamentale Mode an, bis diese sättigt. Dar-
auf folgt die Anregung der höheren Mode. Die fundamentale Mode dominiert in diesem Bei-
spiel sehr stark, so daß die Rekurrenz vollständig ist und die Struktur in einen quasistatio-
nären Zustand mündet. Das Maximum der Amplitude befindet sich nun jedoch am Rand des
Kanals.

5.6.2 N-Solitonen-Lösung und Kollision


In Abschnitt 5.2.3 wurde bereits diskutiert, daß die nichtlineare Schrödingergleichung spe-
zielle Lösungen in Form von stabilen N-Solitonen-Zuständen besitzt. Ein Beispiel zeigt
Abb. (5.12) für N = 4. In diesen Abschnitt wurden die Rechnungen mit periodischen Rand-
bedingungen durchgeführt. Durch die Anbindung des Blasenfeldes für τ1 > 0 wird das Sy-
stem gestört, und die Lösung wird instabil. Von der Struktur lösen sich symmetrisch zwei
Wellenpakete. Die Ursachen für diese Symmetrie liegt in der Impulserhaltung. Man er-
kennt deutlich, wie bei der Kollision der beiden Wellenpakete diese abgebremst werden.
Abb. (5.13) zeigt eine Ausschnittsvergrößerung dieses Prozesses. Die Wellenpakete wech-
selwirken nichtlinear miteinander und gehen formverändert aus der Kollision hervor. Bei der
folgenden Kollision mit der zentralen Struktur nimmt diese Energie aus den beiden Wellen-
paketen auf. Dies erkennt man in Abb. (5.12) an der Vergrößerung der Amplitude. Es breiten
sich jedoch weiterhin dispersive Wellen aus. Mit der Zeit führen aber die Relaxationseigen-
schaften des Systems zu einer asymptotisch stationären Struktur.

5.6.3 Kritische Diskussion der Ergebnisse


Das in diesem Kapitel vorgestellte Modell zeigt, daß Inhomogenitäten in der Front einer ebe-
nen Welle zu anwachsenden Amplitudenmodulationen führen. Damit liefert das Modell eine
theoretische Beschreibung der in Abschnitt 2.2 vorgestellten experimentellen Ergebnisse.
Wählt man als charakteristische Auflösungszeit der Blasen τ1 = 0, so wird das System allein
durch die kubisch nichtlineare Schrödingergleichung (5.25) beschrieben, da die Dynamik der
Blasen keine Rolle mehr spielt. Das System zeigt dispersive Strukturbildung in Form von
Solitonen. Im anderen Grenzfall τ1 ! ∞ gibt es keine Blasenerzeugung oder Vernichtung,
und die Dynamik des Systems wird durch die Gleichungen für die Blasendrift (5.22) und
(5.23) bestimmt. Die Anzahldichte wird mit der Zeit singulär. Die Ursache hierfür liegt in
der Beschränkung des Modells auf monodisperse Gemische und lineare Blasenoszillationen.
Nach Abschnitt (3.2) werden die Blasen in einem solchen Fall alle entweder vom Druck-
bauch abgestoßen oder - wie hier im Grenzfall kleiner Frequenzen - von ihm angezogen.
50 Kap. 5 Ein Modell zur Selbstfokussierung

Abbildung 5.11: Momentaufnahmen der Entwicklung der Schallfeldamplitude jwj


in zwei Raumdimensionen mit kx = ky = 0:6, τ1 = 0:08, τ2 = 0:02, γ = 0:001 und
A∞ = 1:5.
5.6 Numerische Simulationen 51

Abbildung 5.12: Gebundene und instabile 4-Solitonen-Lösung. (a) τ1 = 0,


(b) τ1 = 0:005, τ2 = 0:02, γ = 0:02 und A∞ ! ∞.

Mit diesem Mechanismus allein ist keine Strukturbildung möglich, die mit den Annahmen
des Modells konsistent ist, da geringe Anzahldichten vorausgesetzt wurden. Die Struktur-
bildung im Rahmen des Modells besitzt ihren Ursprung folglich in der Modellierung des
Generierungs- und Auflösungsprozesses und nicht in der Blasenbewegung, wie sie in den
Gleichungen (5.22) und (5.23) zum Ausdruck kommt. Die Blasenbewegung modifiziert nur
das Erscheinungsbild der Struktur mittels der Wahl des Parameters γ . Allerdings beruht aber
gerade dieser wichtigste Teil des Modells ausschließlich auf phänomenologischen Annah-
men: Die Kontinuitätsgleichung wurde um Terme erweitert, die den Auflösungsprozeß der
Blasen in Abwesenheit eines Schallfeldes bzw. die Entstehung neuer Blasen bei hinreichend
großer Intensität berücksichtigen sollen. Der Einfluß auf die Schallwelle, die eigentlich un-
mittelbar am Kavitationsprozeß beteiligt ist, besteht in der Veränderung des Potentials in der
NLS. Bei der Erzeugung von Blasen aber wird Energie der Schallwelle in potentielle Energie
der Blasen umgewandelt. Nur im Fall einer ungedämpft und harmonisch schwingenden Bla-
se ist der Energiefluß im Zeitmittel ausgeglichen. Die Energie des Schallfeldes ist jedoch im
Modell eine Erhaltungsgröße (vgl. Gl. (5.35)). Da die Modellierung der Blasenerzeugung
den wichtigsten Teil des Modells bzgl. der Strukturbildungdarstellt, sollte dieser Energiefluß
52 Kap. 5 Ein Modell zur Selbstfokussierung

Abbildung 5.13: Instabile 4-Solitonen-Lösung (Ausschnitt aus Abb. (5.12a)) :


τ1 = 0:005, τ2 = 0:02, γ = 0:02 und A∞ ! ∞. Nichtlineare Wechselwirkung zwi-
schen zwei Wellen, die von der Struktur bei x = 2:5 bzw. x = +2:5 ausgehenden.
Es liegen periodische Randbedingungen vor. Die Amplitude ist farbkodiert.

Einzug in das Modell erhalten. Die Erzeugung neuer Blasen ist mit starken Nichtlinearitäten
verbunden, so daß ein charakteristischer Einfluß auf die Dynamik des Systems erwartet wird.

Für endliche Auflösungszeiten τ1 wächst zunächst die fundamentale Mode an, bis diese
sättigt. Bei geeigneter Wahl der Störungswellenlänge λ folgt eine Anregung höherer Mo-
den und die Regruppierung von Energie und Anzahldichte. Die Anzahldichte wächst bei der
Selbstfokussierung lokal auf das Vielfache ihres ursprünglichen Wertes an. Es ist nicht klar,
ob diese starke Selbstkonzentration des Blasenfeldes zu einer Verletzung der Grundannah-
me führt, daß die Anzahldichte hinreichend klein ist. Auf jeden Fall geht mit dem starken
Wachstum der Anzahldichte eine entsprechende Erhöhung der Kollisionswahrscheinlichkeit
der Blasen einher. K OBELEV & O STROVSKY [21] ermittelten theoretisch eine Kollisionsra-
5.7 Erweiterungen des Modells 53

te, die proportional zu n2 ist. Im Experiment beobachteten sie einen in etwa linearen Zusam-
menhang zwischen Anzahldichte und Kollisionsrate. Kollisionen führen zu einer kompli-
zierten Blasenradienverteilung. Sofern größere Blasen nicht zerstört werden, können diese
anwachsen, bis sie den linearen Resonanzradius überschreiten. Damit tragen sie zur Defo-
kussierung des Schallfeldes bei. Die Anregung höherer Harmonischer, wie es die Modell-
rechnungen zeigen, dürften daher nur schwer experimentell nachvollziehbar sein.

Das System zeigt sich sehr robust gegenüber Variationen des Parameters τ2 um mehre-
re Größenordnungen, wie es in Abb. (5.8) verdeutlicht wurde. Die Trägheit der Blasen
ist im gewählten Parameterregime damit unbedeutend. Dies ist durchaus konsistent mit
dem Sachverhalt, daß die Strukturbildung innerhalb des Modells hauptsächlich durch den
Generierungs- und Auflösungsprozeß bestimmt ist. Die gewählte Lebensdauer τ1 der Bla-
sen ist sehr gering. Eine höhere Lebensdauer τ1 könnte den Einfluß der Relaxationszeit
vergrößern. Dies führt allerdings zu einer stärkeren Selbstkonzentration der Blasen, so daß
evtl. der Gültigkeitsbereich des Modells verlassen würde. Gegen einen größeren Einfluß der
Trägheit spricht jedoch, daß die Blasen als klein angenommen werden (ω  ω0 ). Daher
dürfte die zusätzliche Trägheitskraft FM (vgl. Gl. (5.12)) generell eine sehr geringe Bedeu-
tung besitzen. In den für das bisherige Modell sinnvollen Parameterbereichen scheint der
Parameter τ2 überflüssig zu sein.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das Modell bzgl. der Modellierung des
Generierungs- und Auflösungsprozesses und der Kollision noch einiges an Entwicklungs-
potential besitzt. Eine Modellierung des Generierungsprozesses sollte den Energiefluß, der
zum Aufziehen einer Blase auf den Ruheradius notwendig ist, einbeziehen. Die Berück-
sichtigung von Kollisionsprozessen würde eine erweiterte Möglichkeit bieten, den Einfluß
der Translation auf die Strukturbildung zu untersuchen. Sie könnte auch Einsichten über
die Dynamik nach dem Abschluß der ersten Fokussierungsphase liefern. Allerdings dürfte
die Erweiterung auf polydisperse Gemische sehr schwierig sein selbst ohne die Berücksich-
tigung nichtlinearer Prozesse wie z.B. Oberflächenschwingungen nach der Kollision.

5.7 Erweiterungen des Modells

5.7.1 Dämpfung

Die Berücksichtigung der Dämpfung in der Schwingungsdifferentialgleichung der Blasen-


oszillation führt zu modifizierten Modellgleichungen. Nur die Bilanzgleichung für die An-
zahldichte bleibt unverändert. Die radialen Blasenoszillationen werden jetzt durch Gl. (3.2)
mit der Dämpfungskonstanten δ beschrieben. Eine entsprechende Rechnung wie in Ab-
54 Kap. 5 Ein Modell zur Selbstfokussierung

schnitt 5.1.1 ergibt eine um einen imaginären Teil erweiterte NLS der Form
∂w ∂2 w ∂2 w 1
i = + + nw : (5.61)
∂ξ ∂η2 ∂ζ 2 1 (ω=ω0 )2 + iδω=ω0

Diese modifizierte NLS ist nicht mehr konservativ, da der zusätzliche imaginäre Term zu
einer Dämpfung der Amplitude führt. Im Grenzfall kleiner Frequenzen (ω2  ω20 ) und
δ = 0 folgt hieraus Gl. (5.20). Die veränderte Phasenbeziehung zwischen Blasenschwin-
gung und Oszillation des Druckgradienten bedingt eine veränderte primäre Bjerkneskraft
(vgl. Gl. (5.11)):
!
∂(jW j2) ∂(jW j2)
FB = γ̂1 ; ;0
∂η ∂ζ
 ∂W 
 ∂W 
  
+ 2β 2Im W
∂η
; 2Im W
∂ζ

1
2 γ̂
1 jW j2
(5.62)

mit den Parametern


3V0 ω p
γ̂1 = ǫ und
4ρ R20 [(ω20 ω2) + β2] c

β =
δωω0
ω20 ω2
' δω
ω0
für ω2  ω20 : (5.63)

W  ist die komplexe Konjugation von W und Im(: : : ) bezeichnet den Imaginärteil einer
komplexen Zahl. Der Parameter γ̂1 unterscheidet sich kaum von dem Koeffizienten γ1 in
Gl. (5.11). Es wirkt nun eine zusätzliche Kraft in transversal zur Ausbreitungsrichtung, die
nicht mehr notwendig in Richtung des Intensitätsmaximums zeigen muß.
Von besonderer Bedeutung ist jedoch die nun nicht mehr verschwindende z-Komponente der
Bjerkneskraft,

Fz = 2βǫ
1
2 γ̂
1 jW j2 : (5.64)

Für einen typischen Wert von δ  10 1 (vgl. [10]), einem Frequenzverhältnis ω=ω0  10 1
und ǫ  10 2 ist der Koeffizient der Kraftkomponente von der Größenordnung 0:1γ̂1. Sie
ist zudem proportional zur Intensität, weshalb sie in der ersten Zeit bei einer Anfangsbe-
dingung nach Gl. (5.32) die dominierende Rolle spielen würde. Erst bei der einigermaßen
ausgebildeten Struktur überwiegt die transversale Komponente, da dann die Intensität und
ihr Gradient von vergleichbarer Größe sind (vgl. Abb. (5.14)). Wählt man eine Anfangsbe-
dingung, die translationsinvariant bzgl. der z-Richtung ist, so wäre Fz nicht mehr von der
z-Koordinate abhängig und es ließen sich Modellrechnungen analog zu den bereits vorge-
stellten durchführen. Diese sind jedoch sehr unspektakulär, da aufgrund der Dämpfung die
Amplitude exponentiell abfällt, während eine gewisse Selbstfokussierung des Schallfeldes
auftritt. Daher wird hier auf eine Abbildung verzichtet.
5.7 Erweiterungen des Modells 55

12
2
|w|
2
8 grad(|w| )

−4

−8

−12
0 0.5 1 1.5 2
x

Abbildung 5.14: Vergleich der Intensität und ihres Gradienten bei voll ausgebildeter
Struktur für τ1 = 0:08, τ2 = 0:08, γ = 0:01 und A∞ ! ∞.

5.7.2 Stehende Wellen

Die nichtlineare Schrödingergleichung beschreibt Amplitudenmodulationen, die in Raum


und Zeit „langsam“ verlaufen im Vergleich zu Wellenlänge und Periode der Trägerfrequenz.
Sie ergibt sich aus einer Mehrskalenanalyse (vgl. [11]), die auf der Idee beruht, daß innerhalb
eines Wellenzuges viele Wellenlängen der Trägerwelle enthalten sind, und daß sich die Dy-
namik der Einhüllenden auf Skalen abspielt, die wesentlich größer sind als die Wellenlänge.
Daher werden langsame Zeit- und Raumskalen durch Tn = ǫnt bzw. Xn = ǫn x mit ǫ  1 ein-
geführt. In einer Analyse ergeben sich die Ordnung von ǫ, in der die Amplitudenmodulatio-
nen geeignet beschrieben werden können, und die dazugehörigen Bewegungsgleichungen.

Das hier vorgestellte Modell läßt sich nicht ohne weiteres auf ein stehendes Schallfeld erwei-
tern, da dieses die Dynamik über viele Wellenlängen beschreibt. In einem stehenden Schall-
feld der Form

p0 = W0 exp(i k z) exp(iω t ) (5.65)

spielt sich die wesentliche Dynamik innerhalb einer Wellenlänge ab. Die Schnelligkeit der
Blasen ist durch den zugehörigen Gradienten gegeben. Die durch die Amplitudenmodulatio-
nen hervorgerufenen Druckgradienten sind viel geringer, so daß auch die Zeitskala der Dyna-
mik eine ganz andere ist. Ferner stellt sich ein prinzipielles Problem: Durch die schnellere
Dynamik im stehenden Schallfeld kann die Anzahldichte lokal so schnell anwachsen, daß
der Gültigkeitsbereich des Modells eher verlassen wird, bevor es überhaupt zu relevanten
Änderungen in transversaler Richtung kommt.
56 Kap. 5 Ein Modell zur Selbstfokussierung

5.7.3 Kavitationskeime
Das Auftreten von Kavitationsblasen in Schallfeldern moderater Amplitude ist mit der An-
wesenheit von Kavitationskeimen verknüpft, da die theoretische Zerreißfestigkeit von Was-
ser bei etwa 1000 atm liegt (vgl. [44]). Als Keime können Mikroblasen oder Gastaschen
dienen, die sich in engen Spalten der Behälterwand befinden. Kleine Feststoffpartikel in der
Flüssigkeit, die nicht vollständig benetzt sind, können Gas mit sich führen und so als Keime
dienen.
In diesem Sinne ist eine homogene Keimdichte eine Voraussetzung für die Definition der
Blasenerzeugungsfunktion (5.24). Damit ist das Gleichungssystem (5.20)-(5.24) invariant
unter räumlichen Verschiebungen. Symmetrische Anfangsbedingungen, wie sie z.B. durch
Gl. (5.51) gegeben sind, führen dann zu symmetrischen Lösungen. Eine inhomogene Keim-
dichte würde diese Symmetrie brechen.
Um den Einfluß von Inhomogenitäten in der Keimdichte zu untersuchen, kann man im ein-
fachsten Fall die Erzeugungsfunktion f (jwj2 ) mit einer ortsabhängigen Funktion g(x) mul-
tiplizieren. Dabei wird vernachlässigt, daß sich frei bewegliche Keime ebenso unter Einfluß
der Schallwelle bewegen. Für eine statische, aber ortsabhängige Keimdichte definieren wir
eine neue Blasenerzeugungsfunktion fˆ(x; jwj2) mit
fˆ(x; jwj2) g(x)  f (jwj2 )
= ;
! (5.66)
K
1 jx xi j 2
g(x) = a + (1 a)  ∑ exp : (5.67)
i=1 2 b2
Der Parameter a steuert das Maß der Inhomogenität der Keimverteilung. Die K einzelnen
Kavitationskeime wurden mit Gaußverteilungen gleicher Standardabweichung b modelliert.
Bei den im folgenden vorgestellten Rechnungen wurden die Anfangsbedingungen (5.51) bei-
behalten mit der Ausnahme, daß nun n(x; t ) = 0 ist. Der Wert der Standardabweichung ist
stets b = 3  ∆x (vgl. Gl. (A.2) und Anhang B). Abb. (5.15) zeigt die Entwicklung der Am-
plitude zum Zeitpunkt t = 42 für ähnliche Parameterwerte wie in Abschnitt (5.6.1). Die fünf
Keime sind statistisch im Randbereich verteilt, dessen Dicke 20 % der Kanalbreite beträgt.
Mit der Anzahldichte an den Keimen wächst auch die Amplitude in diesem Bereich an. Zwi-
schen den Keimen ist die Wellenausbreitung rein dispersiv, und es bilden sich keine Struk-
turen aus. In diesem Bereich genügt die Amplitude der linearen Schrödingergleichung ohne
Potential, da sich keine Blasen außerhalb der Keimbereiche befinden. Die Lebensdauer τ1
der Blasen ist zu klein, als daß diese wandern könnten. Läßt man eine gewisse Homogenität
der Anzahldichte zu, so entstehen auch zwischen den Keimen Strukturen. Abb. (5.16) zeigt
dies mit der vorherigen Parameterwahl und gleicher Keimkonstellation aber mit homogenem
Anteil der Keimverteilung. Der zusätzliche homogene Anteil im Bereich der Hauptkeime
sorgt für eine stärkere Fokussierung der Energie, so daß die Anzahldichte und die Amplitu-
de an diesen Stellen schneller anwachsen. Obwohl das Maximum der Anzahldichte in der
5.7 Erweiterungen des Modells 57

Abbildung 5.15: Amplitude jwj und Anzahldichte n zum Zeitpunkt t = 42 mit


fünf statistisch am Rand verteilten Kavitationskeimen. Parameterwerte: τ1 = 0:05,
τ2 = 0:2, γ = 0:2; A∞ = 2; kx = ky = 0:4; a = 0.

Abbildung 5.16: Amplitude jwj und Anzahldichte n zum Zeitpunkt t = 14 mit fünf
statistisch am Rand verteilten Kavitationskeimen und homogenem Anteil der Keim-
verteilung. Parameterwerte: τ1 = 0:05; τ2 = 0:2; γ = 0:2; A∞ = 2, kx = ky = 0:4,
a = 0:25.

Mitte des Kanals wesentlich kleiner ist als bei den Keimen am Rand, ist die Amplitude in
der Mitte von vergleichbarer Größe. Die Ursache liegt vermutlich in der räumlichen Aus-
dehnung der mittleren Struktur, die wesentlich größer ist als die der Hauptkeime. Die Sym-
metrie der Anfangsbedingung wird durch die Inhomogenität der Keimverteilung gebrochen.
Die unsymmetrischen Konturen des Feldes zeigt Abb. (5.17). Eine weiträumige Bewegung
der Blasen setzt eine große Lebensdauer τ1 voraus. Ebenso muß γ groß sein, da es sonst zu
einer Selbstfokussierung kommt, bevor die Blasen überhaupt den Bereich der Keime verlas-
sen können. Weiterhin beeinflußt τ1 die Blasenerzeugung (vgl. Gl. (5.21)), so daß es sehr
schwierig ist, eine geeignete Parameterwahl derart zu finden, daß die Lösung eine nennens-
werte Bewegung der Blasen zeigt und nicht divergiert. Abb. (5.18) zeigt eine schnelle Bla-
58 Kap. 5 Ein Modell zur Selbstfokussierung

Abbildung 5.17: Amplitude jwj zum Zeit- Abbildung 5.18: Anzahldichte n zum
punkt t = 14 mit fünf statistisch am Rand Zeitpunkt t = 1:7 mit 5 statistisch am
verteilten Kavitationskeimen und homoge- Rand verteilten Kavitationskeimen. Para-
nem Anteil der Keimverteilung. Parame- meterwerte: τ1 = 100, τ2 = 0:2, γ = 100,
terwerte: τ1 = 0:05; τ2 = 0:2, γ = 0:2, A∞ = 2, kx = ky = 0:4, a = 0.
A∞ = 2, kx = ky = 0:4, a = 0:25.

(a) (b)

Abbildung 5.19: (a) Amplitudendifferenz ∆jwj = jw1j jw0j zwischen der Amplitu-
de jw1 j zum Zeitpunkt t = 1:7 und der Anfangsamplitude jw0j. Die zugehörige An-
zahldichte ist in Abb.(5.18) dargestellt. (b) Anzahldichtefluß n  (u; v) zum Zeitpunkt
t = 1:7 mit fünf statistisch am Rand verteilten Kavitationskeimen und homogenem
Anteil der Keimverteilung. Parameterwerte: τ1 = 100; τ2 = 0:2; γ = 100; A∞ = 2;
kx = ky = 0:4, a = 0.

senbewegung mit der Keimverteilung der Abb. (5.15). Die Amplitude ändert sich in dieser
Zeit kaum (vgl. Abb.(5.19a)), so daß die Blasen in Richtung des Gradienten der Intensität in
das Zentrum laufen. Die Struktur in Abb. (5.18) besteht aus Zweigen, die sich in der Mitte
treffen. In diesen Zweigen bewegen sich die Blasen in Richtung des zentralen Druckbau-
5.7 Erweiterungen des Modells 59

ches. Dies belegt Abb.(5.19b), die den Anzahldichtefluß n  (u; v) darstellt. Dabei wurden
Anzahldichten n > 0:005 vernachlässigt, um die Übersichtlichkeit zu erhöhen. Die großen
Anzahldichten führen zu langen Flußvektoren, die das Bild dominieren und über das Zen-
trum hinausschießen würden. Kurz nach der Kollision divergiert die Lösung, da immer mehr
Blasen ins Zentrum nachfolgen und aufgrund der großen Lebensdauer hier verbleiben.
Kapitel 6
Zusammenfassung und Ausblick

6.1 Zusammenfassung
In dieser Arbeit wurde ein Modell, welches die Selbstfokussierung bei der akustischen Ka-
vitation beschreibt, untersucht. Das Modell wurde in Ref. [2] vorgestellt und die Entwick-
lung von Störungen mit der Wellenzahl k = 1 untersucht. Diese Beschränkung wurde in
Ref. [29] aufgegeben. Weiterhin wurden in Ref. [29] die Untersuchungen von [2] hinsicht-
lich der Rand- und Anfangsbedingungen und der Numerik variiert und erweitert.
Die vorliegenden Arbeit knüpft an diese Arbeiten an und reproduziert und bestätigt deren
wesentlichen Ergebnisse. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt darauf, das Verständnis der
physikalischen Phänomene und Prozesse zu vertiefen. Durch die besondere Komplexität des
physikalischen Systems ergeben sich mathematisch-methodische Schwierigkeiten, die bis-
her einer konzeptionellen/substantiellen Erweiterung des Modells im Wege stehen. Vor die-
sem Hintergrund werden Erweiterungen eingeführt und kritisch diskutiert.
Die Selbstfokussierung ist eine Form der raum-zeitlichen Strukturbildung in akustischen Ka-
vitationsblasenfeldern. In Kapitel 2 wurden Experimente zur Strukturbildung vorgestellt.
Anhand der Beobachtungen ließen sich räumliche und zeitliche Skalen einführen bzgl. derer
die Struktur sichtbar ist bzw. existiert.
Für die Strukturbildung ist sowohl die individuelle Dynamik der Blasen als auch die Art der
Wechselwirkungen untereinander und mit dem Schallfeld entscheidend. In Kapitel 3 wurde
daher ein kurzer Überblick über die Dynamik der Einzelblase und der Wechselwirkungen
gegeben.
Die Wellenausbreitung in Blasen–Flüssigkeits–Gemischen wurde in Kapitel 4 behandelt.
Mit Hilfe der Theorie der Mehrfachstreuung wurde im statischen Fall eine Helmholtzglei-
chung abgeleitet, deren Wellenzahl von der Anzahldichte und der Radienverteilung der Bla-
sen abhängt. Ein Kontinuumsansatz lieferte eine Gleichung für die Wellenausbreitung in ei-
ner statischen Anzahldichteverteilung. Im Fall stehender Wellen ergaben Kontinuumsmo-
dell und die Theorie der Mehrfachstreuung die gleiche Dispersionsrelation. Diese läßt eine
qualitative Beschreibung der Selbstfokussierung zu. Der Einfluß der Blasenradienverteilung
und der Dämpfung auf die Dispersionsrelation wurde diskutiert.

61
62 Kap. 6 Zusammenfassung und Ausblick

In Kapitel 5 wurden die Modellgleichungen in knapper Form abgeleitet. Dabei wurde eine
Korrektur in der Herleitung der Amplitudengleichung vorgenommen. Neben dieser Glei-
chung beschreiben zwei weitere partielle Differentialgleichungen die Entwicklung der An-
zahldichte und die Driftgeschwindigkeit der Blasen. Die charakteristische Auflösungszeit,
die Relaxationszeit der Blasenbewegung, der Koeffizient der primären Bjerkneskraft sind die
wesentlichen Parameter des Modells. Das Modell ist gültig für kleine Frequenzen (ω2 
ω20 ) und geringe Anzahldichten (R0  n 1=3).

Eine Stabilitätsanalyse zeigt, daß eine monochromatische ebene Schallwelle und eine ru-
hende homogene Blasenverteilung ein instabiler Fixpunkt des Modellgleichungssystems ist.
Langwellige Störungen führen zu anwachsenden Amplitudenmodulationen, die sich selbst
verstärken. Die lineare Stabilitätsanalyse liefert ein Band instabiler Wellenzahlen. Je nach
Wahl der instabilen Wellenzahl können eine oder mehrere Moden angeregt werden.
Folgt die Blasendichte unmittelbar dem sich ändernden Schallfeld, so wird das System voll-
ständig durch eine kubisch nichtlineare Schrödingergleichung für die Amplitude beschrie-
ben. Diese besitzt Lösungen in Form von Solitonen, die Beispiele für dispersive Struk-
turbildung sind. Für charakteristische Auflösungzeiten τ1 > 0 besitzt die Amplitudenglei-
chung die Form einer Schrödingergleichung, in der die Anzahldichte das Potential darstellt.
Die Modellierung des Generierungsprozesses bedingt weiterhin eine kubische Nichtlinea-
rität der Schrödingergleichung für kleine Amplituden, da die Anzahldichte der Amplitude
folgt. Größere Amplituden führen zu einer Sättigung der Nichtlinearität, falls eine endliche
Sättigungsamplitude gewählt wurde. In ihrer Form ähneln die Lösungen für die Amplitude
denen der nichtlinearen Schrödingergleichung. Die Lösungen münden nach einer transien-
ten Phase in eine asymptotische Struktur. Die Abhängigkeit der Struktur von der Parame-
terwahl wurde diskutiert. Dabei zeigte sich, daß eine Variation der Relaxationszeit kaum zu
Veränderungen der Struktur führt. Schließt man die Generierungs- und Auflösungsprozesse
der Blasen aus, so bestimmt die primäre Bjerkneskraft die Dynamik des Systems. Dies führt
zu Lösungen, die mit den Grundannahmen des Modells in Widerspruch stehen. Im Rahmen
des Modells ist der Generierungsprozess die Ursache der Strukturbildung.
Trotz der Wichtigkeit des Generierungsprozesses ist dieser durch den phänomenologischen
Ansatz nur unzureichend modelliert. Es wurde vorgeschlagen, den Energiefluß in das Modell
einzubeziehen, der zum Aufziehen einer Blase bis auf den Ruheradius nötig ist. Im Modell
ist die Gesamtenergie des Schallfeldes bisher eine Erhaltungsgröße.
Ein stärkerer Einfluß der primären Bjerkneskraft führt zu starken Selbstkonzentrationen, so
daß evtl. Kollisionsprozesse zu einem ganz anderen Verhalten führen, als es das Modell vor-
aussagt.
Die Berücksichtigung von Dissipation während der Blasenoszillationen zerstört die Trans-
lationsinvarianz bzgl. der z-Achse, so daß eine Beschränkung auf transversale Störungen
6.2 Ausblick 63

künstlich erscheint. Eine Verallgemeinerung des Modells auf den Fall stehender Wellen ist
mit erheblichen methodischen Problemen verbunden.
Inhomogenitäten in der Keimdichte zerstören die Symmetrie des Systems unter Koordina-
tenverschiebungen. Eine vollständig inhomogene Keimverteilung führt zur Ausbreitung di-
spersiver Wellen zwischen den Keimen. Ein gewisser homogener Anteil bewirkt ein starkes
Anwachsen der Amplitude an den Hauptkeimen. Zwischen den Keimen treten Strukturen
auf, deren maximale Amplitude mit der an den Keimen vergleichbar ist. Extreme Parame-
terwerte bewirken eine sichtbare Drift der Blasen von den Keimen weg in Richtung Druck-
bauch.

6.2 Ausblick
Das vorgestellte Kontinuumsmodell beschreibt bereits wesentliche und grundlegende Ei-
genschaften der Selbstfokussierung bei der akustischen Kavitation. Die Blasenerzeugung
kommt in der Modellierung des Systems eine herausragende Bedeutung zu. Daher kann hier
durch einer realistische bzw. verbesserte Modellierung größere Übereinstimmung mit dem
Experiment erziehlt werden. Es wurde bereits vorgeschlagen, den Energiefluß zu berück-
sichtigen, der benötigt wird, um eine Blase bis auf den linearen Resonanzradius aufzuziehen.
Weitere Erweiterungen wie beispielsweise die Radienverteilung der Blasen, Kollision und
Fragmentierung, direkte Blasen-Blasen-Wechselwirkungen und nichtlineare Blasenschwin-
gungen stoßen auf große methodische Schwierigkeiten. Dies gilt auch für den besonders
interessanten Fall der Erweiterung auf stehende Wellenfelder, wie bereits in Abschnitt 5.7.2
diskutiert wurde, da ein Fernziel die Erklärung der Dynamik der akustischen Lichtenbergfi-
guren ist (vgl. Kap. 2). In diesem Zusammenhang möchte ich auf ein Modell von K OBELEV
& O STROVSKY [21] hinweisen. Dieses berücksichtigt ebenfalls, daß die Änderungen der
Anzahldichte langsam verlaufen im Vergleich zur Periodendauer des Schallfeldes. Die Au-
toren gehen allerdings noch einen Schritt weiter als A KHATOV [2] und benutzen die Helm-
holtzgleichung (4.6). Diese eignet sich zur Untersuchung der Dynamik im Bereich einer
Wellenlänge. Zudem berücksichtigt Gl. (4.6) den Einfluß der Radienverteilung. Die Glei-
chungen, die die Translation beschreiben, sind identisch mit dem Modell von A KHATOV,
allerdings vernachlässigen sie Trägheitskräfte völlig. Diese spielen, wie gezeigt wurde, auch
in dem hier vorgestellten Modell kaum eine Rolle. Besonders interessant ist ihre Bilanzglei-
chung für die Anzahldichte: Sie modellieren phänomenologisch die Kollision und die Frag-
mentierung von Blasen. Allerdings werden auch in diesem Modell weder nichtlineare noch
nichtradiale Blasenschwingungen berücksichtigt. Da der Fall stehender Wellen besonders
interessant bzgl. einiger Anwendungen ist, bietet es sich an, das Modell von K OBELEV &
O STROVSKY genauer zu untersuchen. Einige der vorgenommenen Annahmen sind jedoch
noch gründlich zu überprüfen, um sinnvolle Ergebnisse der Rechnungen zu gewährleisten.
64 Kap. 6 Zusammenfassung und Ausblick

Beispielsweise sollte untersucht werden, ob die Helmholtzgleichung 4.6 tatsächlich dazu ge-
eignet ist, das Schallfeld in einer Apparatur zu beschreiben, wie sie z.B. in Abb. (2.1) gezeigt
wurde. Es muß also verifiziert werden, ob sich das Schallfeld tatsächlich nur langsam im
Vergleich zur Periodendauer ändert. Numerisch könnte dies mit einer Integration der Wel-
lengleichung (4.18) erfolgen.
Anhang A
Finite-Differenzen-Verfahren

Die numerischen Ergebnisse in dieser Arbeit wurden mit Hilfe von Finite-Differenzen-
Verfahren für die entsprechenden partiellen Differentialgleichungen gewonnen. In diesem
Anhang sollen in knapper Form die notwendigen Informationen bzgl. dieses Verfahrens be-
reitgestellt werden, um die entsprechenden Rechnungen reproduzieren zu können. Aus
Gründen der Übersichtlichkeit werden neue Zeit- und Ortskoordinaten gemäß

ξ ! t
η ! x
ζ ! y

sowie Komponenten der Geschwindigkeit durch

uη ! u
uζ ! v

eingeführt.

A.1. Lösungen der kubisch nichtlinearen Schrödingerglei-


chung
In Abschnitt 5.2 werden Lösungen der zweidimensionalen kubisch nichtlineare Schrödin-
gergleichung auf dem Gebiet D mit

D f
= (x; t ) j0  x  λ 0 t g
; < (A.1)

vorgestellt, wobei λ die durch kx = 2λπ gegebene Störungswellenlänge ist. Die Koordinaten
(x; t ) und die Variable w werden gemäß

xj = (j 1)∆x ; j = 1; : : : ; J 2 N
t n = (n 1)∆t ; n = 1; : : : ; N 2 N
wnj = w(x j ; tn)

65
66 Anh. A Finite-Differenzen-Verfahren

diskretisiert. Die Schrittweiten ∆x und ∆t sind durch


λ
∆x = (A.2)
J 1
∆t = 0:1(∆x)2 (A.3)

gegeben. Die NLS

∂w ∂2 w
+ jwj w
2
i = (A.4)
∂t ∂x
wird durch das Crank-Nicholson-Schema (vgl. [16])

wnj +1 wnj h i
wnj +11 2wnj +1 + wnj+ +1 + wn
1
i = 1 j 1 2wnj + wnj+1
∆t 2(∆x)2
+ jw j j w j mit j = 2; : : : ; J 1
n 2 n
(A.5)

diskretisiert. Gl. (A.5) kann für die numerischen Berechnungen in eine tridiagonaler Form
überführt werden

wnj +11 + Bnj wnj +1 + wnj+


+1 = Rn
1 j (A.6)

mit
2(∆x)2
Bnj = 2 i ; (A.7)
∆t
 2(∆x)2

Rnj = wnj+1 wnj 1 + 2 i
∆t
2
(∆x) w jj j
n 2
wnj (A.8)

Das tridiagonale Gleichungssystem (A.6) wurde einschließlich periodischer Randbedingun-


gen der Form wn1 = wnJ mit Hilfe des Programms tridag.c aus Ref. [38] gelöst. Dieses wurde
für komplexe Zahlen verallgemeinert.

A.2. Lösungen des Modellgleichungssystems


Die Verfahren zur Lösung des Gleichungssystems (5.20) - (5.24) in einer und zwei Raum-
dimensionen wurden bereits in den Ref. [2] und [29] vorgestellt. Insbesondere diskutiert
LUTHER [29] die Numerik zur Lösung der Modellgleichungen und damit verbundene Positi-
onsinstabilitäten. Zu den angegebenen Referenzen bestehen in der Numerik nur Unterschie-
de bzgl. der Randbedingungen: Die Reflexionsrandbedingungen (5.55) und (5.56) werden
hier in zweiter Ordnung approximiert. Im räumlich eindimensionalen Fall sind die Randbe-
dingungen damit in diskretisierter Form durch

wn0 = wn2 und wnJ n


1 = wJ +1 (A.9)
A.2 Lösungen des Modellgleichungssystems 67

gegeben.
Außerdem werden in dieser Arbeit Rechnungen mit periodischen Randbedingungen vor-
gestellt. Die Randbedingungen im räumlich eindimensionalen Fall lauten in diskretisierter
Form:

wn0 = wnJ ; nn0 = nnJ und un0 = unJ : (A.10)

Gelöst wurden die bei der Diskretisierung von Gl. (5.20) auftretenden tridiagonalen Glei-
chungssysteme wiederum mit Hilfe des Programms tridag.c aus Ref. [38], das für komplexe
Zahlen umgeschrieben wurde.
Anhang B
Numerische Parameter

Dieser Anhang dokumentiert die Parameterwahl in den numerischen Rechnungen. Er dient


damit der Reproduzierbarkeit der vorgestellten Ergebnisse. An dieser Stelle werden nur die
Paramter angegeben, die nicht den Abbildungen entnommen werden können. Von den Stan-
dardwerten gibt es nur zwei Ausnahmen
Standardwerte:
Anzahl der Gitterpunkte: x-Achse J = 257
Anzahl der Gitterpunkte: y-Achse K = 257
Breite des Kanals: x-Achse Lx = 2π =kx
Breite des Kanals: y-Achse Ly = 2π =ky
Schrittweite: x-Achse ∆x = Lx =(J 1)
Schrittweite: y-Achse ∆y = Ly =(K 1)
Schrittweite: t-Achse ∆t = 0:1  (∆x)2
Amplitude der Anfangsbedingung w0 =1
Relative Störung w1 = 0:1
Standardabweichung der Gaussverteilung b = 3  ∆x

Ausnahmen:
Abb. (5.12) und Abb. (5.13) mit Lx = 5π , J = 641
und der Anfangsbedingung (5.33) mit A = 12 und N = 4.

69
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Danksagung

Herzlich Bedanken möchte ich mich bei Prof. Dr. Werner Lauterborn, der diese Arbeit
ermöglicht und für gute Arbeitsbedingungen gesorgt hat. Dr. Ulrich Parlitz und Dr. Ro-
bert Mettin danke ich für viele interessante Diskussionen und Anregungen, und daß sie es
mir ermöglicht haben, an einer Veröffentlichung mitzuwirken.

Mein ganz besonderer und freundschaftlicher Dank gilt Herrn Dipl. Phys. Stefan Luther, der
diese Arbeit engagiert und mit vielen Ratschlägen und Aufmunterungen betreut hat. Auch
möchte ich mich bei Herrn Dipl. Phys. C.D. Ohl für viele anregende Diskussionen und
die freundschaftliche Unterstützung, sowie bei Herrn Dipl. Ing. Andreas Ricoeur, der mein
Interesse für dieses Themengebiet geweckt und mir wertvolle Tips gegeben hat, bedanken.

Des weiteren bedanke ich mich herzlich bei meiner Familie, die mich während meines
gesamten Studiums immer unterstützt hat.

Prof. Dr. Iskander S. Akhatov danke ich für interessante Diskussionen.

Frau Gisa Kirschmann-Schröder und den Angestellten im Büro danke ich für ihre Hilfe
und Unterstützung in technischen und organisatorischen Fragen.

Die freundliche und offene Atmosphäre der Arbeitsgruppe „Nichtlineare Dynamik“ und im
gesamten Dritten Physikalischen Institut hat nicht nur zu meinem Wohlbefinden während
der Diplomarbeitszeit beigetragen, sondern war auch Voraussetzung für effektives Arbeiten
und eine interessante Zeit. Daher danke ich allen Institutsangehörigen und insbesondere
den Mitgliedern der Institutsband für die vielen schönen Probeabende und Auftritte sowie
meinen ZimmerkollegInnen.