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4 Galois-Theorie

4.1 Der Hauptsatz

Definition + Proposition 4.1.1

¯

Sei L/K algebraische Körpererweiterung, K ein algebraischer Abschluss von L.

(a)

L/K heißt normal, wenn es eine Familie F ⊂ K[X] gibt, so dass L Zerfällungskörper von F ist.

¯

(b)

Ist L/K normal, so ist Hom K (L, K) = Aut K (L)

Beweis: ”⊇” gilt immer. ”⊆”: Sei L = Z(F), f ∈ F, α ∈ L
Beweis: ”⊇” gilt immer. ”⊆”: Sei L = Z(F), f ∈ F, α ∈ L Nullstelle von f ⇒
n
¯
Für σ ∈ Hom K (L, K) ist σ(α) auch Nullstelle von f . Sei f (X) =
a i X i ⇒ 0 =
i=0
n
σ(f (α)) =
σ(a i ) σ(α i ) = f (σ(α)) ⇒ σ(α) ∈ L ⇒ σ(L) ⊆ L. σ ist surjektiv,
i=0
=a i
da L von den Nullstellen der f ∈ F erzeugt wird und jedes f ∈ F endlich viele
Nullstellen hat, die durch σ permutiert werden.

(c)

L/K heißt galoissch, wenn L/K normal und separabel ist.

(d)

Ist L/K galoissch, so heißt Gal(L/K) := Aut K (L) die Galoisgruppe von L/K.

(e)

Eine endliche Erweiterung L/K ist genau dann galoissch, wenn |Aut K (L)| = [L : K]

Beweis: ” Aus (b) folgt

|Aut K (L)| = |Hom K (L, K)| = [L : K] s 3.4.5

¯

=

¯

[L : K]()

” In () gilt stets |Aut K (L)| ≤ |Hom K (L, K)| = [L : K] s [L : K]. Aus

12

|Aut K (L)| = [L : K] folgt also [L : K] s = [L : K] L/K separabel L = K(α)

¯

für ein α L; Sei f K[X] das Minimalpolynom von α. Sei β K Nullstelle

¯

von f . Nach 3.3.1 gibt es σ Hom K (L, K) mit σ(α) = β. Wegen () ist σ

Aut K (L) β L L = Z(f ).

K ( L, K ) mit σ ( α ) = β . Wegen ( ∗

77

4 Galois-Theorie

Beispiel: Sei K Körper mit Charakteristik nicht 2, d K × \(K × ) 2 . Dann ist K d/K eine

Galois-Erweiterung, denn X 2 d ist irreduzibel und separabel und zerfällt in K( d)[X]

in (X d)(X + d).

Bemerkung 4.1.2 (a) Ist L/K galoissch und E ein Zwischenkörper, so ist L/E ga- loissch und Gal(L/E) Gal(L/K).

Beweis: L/E normal, da Zerfällungskörper von F ⊂ K[X] E[X]. L/E separabel, da L/K separabel und das Minimalpolynomm von α L über E in E[X] Teiler des

Minimalpolynoms über K ist.

L/K separabel und das Minimalpolynomm von α ∈ L über E in E [ X ]

(b) Ist in (a) zusätzlich auch E/K galoissch, so ist

exakt.

β

1 Gal(L/E) Gal(L/K) Gal(E/K) 1

σ σ |E

Beweis: Für σ Gal(L/K) = Aut K (L) ist σ |E : E L, also σ Hom K (E, L)

¯

Hom K (E, K) = Aut K (E), da E/K galoissch ist. β ist wohldefiniert.

¯

β surjektiv: Sei σ Gal(E/K). Nach 3.3.3 läßt sich σ fortsetzen zu σ : L K,

¯

σ Hom K (L, K) = Aut K (L) = Gal(L/K) und β(σ ) = σ

|E = σ

Kern β = {σ Gal(L/K) : σ |E = id E } = Aut E (L) = Gal(L/E)

) = σ | E = σ Kern β = { σ ∈ Gal ( L/K

Satz 15 (Hauptsatz der Galoistheorie)

Sei L/K endliche Galois-Erweiterung.

(a)

Die Zuordnungen

 

Ψ

−→

 

{Zwischenkörper von L/K}

←−

{Untergruppen von Gal(L/K)}

 

Φ

Gal(L/E)

 

E

−→

L H = {α L : σ(α) = α σ H}

←−

H

sind bijektiv und zueinander invers.

(b)

Ein Zwischenkörper E von L/K ist genau dann galoissch über K, wenn Gal(L/E) Normalteiler in Gal(L/K) ist.

Beweis:

78

4.1 Der Hauptsatz

(a)

L H ist Zwischenkörper:

Ψ Φ = id”: Sei H Gal(L/K) Untergruppe. z.z.: Gal(L/L H ) = H

” Nach Def. von L H ”: Nach 4.1.1 ist |Gal(L/L H )| = [L : L H ]. Es genügt also z.z.: [L : L H ] ≤ |H|. Sei α L primitives Element von L/L H , also L = L H (α).

H ist

Sei f

:=

(X σ(α)) L[X]; dann ist deg(f ) = |H|. Für jedes τ

σH

f τ = f (mit σ durchläuft auch σ τ alle Elemente von H) f L H [X] Das Minimalpolynom g von α über L H ist Teiler von f . [L : L H ] = deg(g) deg(f ) = |H|

Φ Ψ = id”: Sei E Zwischenkörper, H := Gal(L/E). zu zeigen: E = L H .

”: Definition. ””: Da L H /E separabel ist, genügt es zu zeigen [L H : E] s =

(b)

1. Sei also σ Hom E (L H , K), σ

Fortsetzung σ

¯

¯

Hom E (L, K) = Aut E (L) = Gal(L/E) = H

|L H

= id L H

=σ

”: 4.1.2 b), da Gal(L/E) = Kern β. ””: Sei H := Gal(L/E) Normalteiler in

¯

Gal(L/K). Wegen 4.1.1 c) genügt es zu zeigen: Für jedes σ Hom K (E, K) ist

¯ ¯

σ(E) E. Sei also σ Hom K (E, K), σ

Hom K (L, K)

=Gal(L/K)

Fortsetzung.

Sei nun α E, τ H. Dann ist τ (σ(α)) = (τ σ )(α) = (σ τ )(α) = σ (α) = σ(α) mit σ wie eben und τ := σ 1 τ σ H (nach Voraussetzung) σ(α) L H =

E

wie eben und τ := σ − 1 ◦ τ ◦ σ ∈ H (nach Voraussetzung)

Folgerung 4.1.3

Sei L/K endliche Galoiserweiterung. Dann gilt für Zwischenkörper E, E bzw. Untergrup- pen H, H von Gal(L/K):

(a)

E

E ⇐⇒ Gal(L/E) Gal(L/E )

H

H ⇐⇒

L H L H

(b)

Gal(L/E E ) = Gal(L/E),

Gal(L/E )

E E = L Gal(L/E),Gal(L/E )

L HH = L H · L H := K(L H L H ) (das Kompositum von L H und L H )

Folgerung 4.1.4

Zu jeder endlichen separablen Körpererweiterung gibt es nur endlich viele Zwischenkörper.

Beweis: Ist L/K endliche Galoiserweiterung, so entsprechen die Zwischenkörper (nach 15) bijektiv den Untergruppen der endlichen Gruppe(L/K). Im allgemeinen ist L = K(α) (12). Sei f das Minimalpolynom von α über K. f ist separabel, da L/K separabel. Sei L der Zerfällungskörper von f über K. L/K ist galoissch, K L L L/K hat nur

endlich viele Zwischenkörper.

von f über K . ⇒ L/K ist galoissch, K ⊆ L ⊆ L ⇒ L/K

79

4 Galois-Theorie

Proposition 4.1.5

Sei L ein Körper, G Aut(L) eine endliche Untergruppe. K := L G = {α L : σ(α) = α σ G} Dann ist L/K Galoiserweiterung und Gal(L/K) = G

Beweis:

L/K ist algebraisch und separabel. Sei dazu α L. {σ(α) :

σ G} = ist

endlich. Sei = {σ 1 (α),

, σ r (α)} mit σ i (α)

= σ j (α) für i

= j und σ 1 = id L .

Dabei ist r ein Teiler von n = |G|. Sei f α (X) :=

r

(X σ i (α)) L[X]. Zu zeigen:

i=1

f α K[X]. denn: für σ G ist f

α

σ (X) =

f α (X)) f α = f

α

σ K[X]

r

i=1

(X σ(σ i (α))) (selbe Faktoren wie

()

L/K normal: Der Zerfällungskörper von f α ist in L enthalten. L ist der Zerfäl- lungskörper der Familie {f α : α L}

L/K endlich: Sei (α i ) iI Erzeugendensystem von L/K. Für jede endliche Teilmenge

i I 0 }) endlich über K, also K({α i : i I 0 }) = K(α 0 )

I endlich, so dass

α algebraisch, α separabel (da f α separabel), [K(α) : K] n

I 0 I ist K({α i

:

L

()

für ein α 0

K 1 := K({α i :

Ann.: K 1 = L. Dann gibt es i I mit α i K 1 K 1 (α i ) K 1 , trotzdem endlich

im Widerspruch zu Wahl von K 1 L/K endlich, genauer [L : K] n wegen ().

Gal(L/K) = G: ””: nach Definition. Nach 4.1.1 ist n = |G| ≤ |Gal(L/K)| = [L :

[K({α i

:

i

I 0 })

:

K]

n.

Sei I 1

i I 1 }) maximal unter den K({α j :

j J}) für J I endlich.

K] n

. Sei I 1 i ∈ I 1 } ) maximal unter den K ( {

4.2 Die Galoisgruppe einer Gleichung

Definition + Bemerkung 4.2.1

Sei K ein Körper, f K[X] ein separables Polynom.

(a)

Sei L = L(f ) Zerfällungskörper von f über K. Dann heißt Gal(f ) := Gal(L/K) Galoisgruppe von f.

(b)

Ist n = deg(f ), so gibt es injektiven Gruppenhomomorphismus Gal(f ) S n (durch Permutation der Nullstellen von f )

80

4.2 Die Galoisgruppe einer Gleichung

(c) Ist L/K separable Körpererweiterung vom Grad n, so ist Aut K (L) isomorph zu einer Untergruppe von S n .

Beweis: Sei L = K(α), f

Nullstellen von f

K[X] Minimalpolynom von α, α = α 1 ,

, α d .

in L jedes σ Aut K (L) permutiert α 1 ,

, α d

die

von α , α = α 1 , , α d . in L ⇒ jedes

Beispiele 4.2.2

Die Galoisgruppe von f (X) = X 5 4X + 2 Q[X] ist S 5 .

Bew.:

f ist irreduzibel: Eisenstein für p = 2

f hat 3 relle und 2 zueinander konjugiert komplexe Nullstellen f (−∞) = −∞, f (0) = 2, f (1) = 1, f () = ∞ ⇒ f hat mindestens 3 reelle Nullstellen.

f (X) = 5X 4 4 = 5(X 2 2 5 )(X 2 +

2 5 ) hat 2 reelle Nullstellen f hat genau

3 reelle Nullstellen. Ist α C Nullstelle von f , so ist f (α¯) = f (α) = 0.

G = Gal(f ) enthält die komplexe Konjugation τ . τ operiert als Transposition: 2 Nullstellen werden vertauscht, 3 bleiben fix.

G enthält ein Element von Ordnung 5: Ist α Nullstelle von f , so ist [Q(α) : Q] = 5

und Q(α) L(f ) 5 teilt |G| Sylow

15

Beh.

G enthält also einen 5-Zyklus und eine Transposition (!)

Bemerkung 4.2.3

Allgemeine Gleichung n-ten Grades: Sei k ein Körper, L = k(T 1 ,

S n operiert auf L durch σ(T i ) = T σ(i)

G = S 5 .

,

T n ) = Quot(k[T 1 ,

,

T n ])

Sei K := L S n . L/K ist Galois-Erweiterung (nach Proposition 4.1.5) vom Grad n!

L ist (über K) Zerfällungskörper von f (X) =

n

i=1

Gal(f ) = S n

f (X) =

n

ν=0

(1) ν s ν (T 1 ,

,

T n )X nν mit s ν (T 1 ,

(X T i ) K[X]

,

T n ) =

1i 1 <···<i ν n

T

i 1

z.B.: s 1 (T 1 ,

, T n ) = T 1 +···+T n , s 2 = T 1 T 2 +T 1 T 3 +···+T n1 T n , s n = T 1

, s n )

K = k(s 1 ,

.·T i ν

.·T n

81

4 Galois-Theorie

4.3 Einheitswurzeln

Bemerkung + Definition 4.3.1

¯

Sei K ein Körper, K algebraischer Abschluss von K, n N teilerfremd zu char(K).

 

¯

(a)

Die Nullstellen von X n 1 in K heißen n-te Einheitswurzeln.

¯

¯

¯

(b)

µ n ( K) := {ζ K : ζ n = 1} ist zyklische Untergruppe von

K x der Ordnung n.

¯

Beweis: µ n ( K) Untergruppe , also zyklisch nach 3.5.1. f (X) = X n 1 ist sepa-

rabel, da f (X) = nX n1 (Bem 3.4.1)

, also zyklisch nach 3.5.1. f ( X ) = X n − 1 ist sepa-

¯

(c) Eine n-te Einheitswurzel ζ heißt primitiv, wenn ζ = µ n ( K)

Satz 16

(Voraussetzungen wie eben), n 2

¯

(a) Die Anzahl der primitiven Einheitswurzeln in K ist ϕ(n) = |(Z/nZ) x | = {m

{1,

, n} :ggT(m, n) = 1} (n ϕ(n) ist Eulersche ϕ-Funktion)

Beweis: Ist ζ primitive n-te Einheitswurzel, so ist µ n ( K) = {1, ζ, ζ 2 ,

erzeugt {1, ζ, ζ 2 ,

¯

, ζ n1 } ⇔ ggT(n, k) = 1.

, ζ n1 }, ζ k

ζ, ζ 2 , erzeugt { 1 , ζ, ζ 2 , ¯ , ζ n

(b)

Ist n = p ν 1

1

p

ν

r

r

, (Primfaktorzerlegung) so ist ϕ(n) =

r

i=1

p

ν i 1

i

(p i 1)

ν Beweis: Z/nZ = Z/p ν 1 Z ··· Z/p Z r (Satz 7) ⇒
ν
Beweis: Z/nZ
=
Z/p ν 1 Z ··· Z/p Z
r
(Satz
7)
(Z/nZ) x
=
1
r
(Z/p ν 1 Z) x ··· (Z/p
ν r
Z) x
1
r
|(Z/p ν Z) x | = p ν − p ν−1 = p ν−1 (p − 1)

(c)

Sind ζ 1 ,

, ζ ϕ(n) die primitiven Einheitswurzeln, so heißt Φ n (X) :=

¯

K[X] das n-te Kreisteilungspolynom

(d)

X n 1 = Φ d (X)

d|n

ϕ(n)

i=1

(X ζ i )

Beweis: X n 1 = (X ζ) =

ζµ n

d|n

ζµ n

or d(ζ)=d

(X ζ) = Φ d (X)

d|n

n − 1 = ( X − ζ ) = ζ ∈ µ n d |

(e) Sei ζ primitive n-te Einheitswurzel. Dann ist K(ζ)/K Galois-Erweiterung.

82

4.3 Einheitswurzeln

Beweis: K(ζ) ist Zerfällungskörper von X n 1 über K, also normal. X n 1 ist

separabel (4.3.1)

K ( ζ ) ist Zerfällungskörper von X n − 1 über K , also normal.

(f)

χ n :

Gal(K(ζ)/K) (Z/nZ) x

σ

χ n (σ)

ist injektiver Gruppenhomomorphismus, wobei σ(ζ) = ζ χ n (σ) . (χ n heißt zyklotonischer Charakter)

Beweis: χ n (σ) (Z/nZ) x , da σ(ζ) primitive Einheitswurzel sein muß.

 

χ

n ist Gruppenhomomorphismus: σ 1 , σ 2

Gal(K(ζ)/K) σ 1 (σ 2 (ζ))

=

σ 1 (ζ χ n (σ 2 ) ) = (σ 1 (ζ)) χ n (σ 2 ) = ζ χ n (σ 1 )χ n (σ 2 )

 

χ

n injektiv: χ n (σ) = 1 σ(ζ) = ζ σ = id

 
χ n injektiv: χ n ( σ ) = 1 ⇒ σ ( ζ ) =

(g)

Φ n (X) K[X], genauer Φ n (X)

Z[X] (primitiv) F p [X]

: char(K) = 0 : char(K) = p

Beweis: Induktion über n: n = 2

 

n

> 2: X n 1 (d) = Φ n (X) Φ d (X)

()

d|n

d<n

 

(∗∗)

char(K) = p : () F p [X], (∗∗) F p [X] nach IV Φ n (X) F p [X] : Eukl. Alg.

 

char(K) = 0 : () Z[X] (primitiv), (∗∗) Z[X] primitiv nach IV

Lemma von Gauß

 
 

Φ n (X) Z[X] primitiv.

 
  ⇒ Φ n ( X ) ∈ Z [ X ] primitiv.  

(h) Ist K = Q, so ist Φ n irredzuibel und χ n ein Isomorphismus. Q(ζ) heißt n-ter Kreisteilungskörper.

Beweis: Es genügt zu zeigen: Φ n irreduzibel (dann folgt χ n Isomorphismus aus (e) und (f))

Sei f Q[X] Minimalpolynom von ζ, f Z[X] wegen (g)

Beh.: f (ζ p ) = 0 für jede Primzahl p mit p n. Dann ist auch f (ζ m ) = 0 für jedes m mit ggT(m, n) = 1 f (ζ i ) = 0 für jede primitive Einheitswurzel ζ i Φ n |f Φ n = f

83

4 Galois-Theorie

Bew.: Sei X n 1 = f

h(X p ) h(X p ) ist Vielfaches von f

· h. Wäre f (ζ p )

= 0 h(ζ p ) = 0 dh. ζ

Nullstelle von

⇒ ∃ g Z[X] mit h(X p ) = f · g

mod p

f ¯ g¯ = h p in F p [X] f und h haben gemeinsame Nullstellen in F p X n 1 ¯ =

¯

¯

¯

¯

¯

f ¯ h ¯ hat doppelte Nullstelle zu X n 1 separabel.

F p ⇒ X n − 1 ¯ = ¯ ¯ ¯ ¯ ¯ f ¯

Beispiele: Φ 2 (X) = X + 1, Φ p (X) = X p1 + X p2 + ··· + X + 1

Φ 4 (X) = Φ X 2 4 · Φ 1 1

Φ 6 (X) =

X 6 1

Φ

3 Φ 2 Φ 1

= X

4

1

X 2 1

= X 2 + 1

= ··· = X 2 X + 1

Φ 8 (X) = X 4 + 1

Für n < 105 sind alle Koeffizienten 0, 1 oder 1.

Folgerung 4.3.2

Das regelmäßige n-Eck ist genau dann mit Zirkel und Lineal (aus {0, 1}) konstruierbar, wenn ϕ(n) eine Potenz von 2 ist.

Beweis: z.z.: ζ n (primitive n-te Einheitswurzel) K({0, 1}) ϕ(n) = 2 l für ein l

und es gibt Kette Q(M) = L 0 L 1 ⊂ ··· ⊂ L n = Q(ζ n ) und

ϕ(n)

[L i : L i1 ] = 2.

”: Gal(Q(ζ n ) : Q) ist abelsch von Ordnung 2 l . Dazu gehört Kompositionsreihe mit

Faktoren Z/2Z Hauptsatz d. Galoistheorie

) ist abelsch von Ordnung 2 l . Dazu gehört Kompositionsreihe mit Faktoren Z / 2

1 [Q(ζ n ) : Q]

1 ⇔ [ Q ( ζ n ) : Q ] = 2 l

= 2 l

4.4 Norm, Spur und Charaktere

Definition + Proposition 4.4.1

Sei G eine Gruppe, K ein Körper.

(a)

(b)

84

Ein Charakter von G (mit Werten in K) ist ein Gruppenhomomorphismus χ : G K

x

X K (G) := {χ : G K x , χ Charakter} = Hom(G, K x ) heißt Charaktergruppe von G (mit Werten in K)

4.4 Norm, Spur und Charaktere

(c) (Lineare Unabhängigkeit der Charaktere, E.Artin) X K (G) ist linear unabhängige Teilmenge des K-Vektorraums Abb(G, K)

Beweis: Angenommen X K (G) ist linear abhängig. Dann sei n > 0 minimal, so dass

es in X K (G) n paarweise verschieden linear abhängige Elemente gibt. Es gebe also

χ 1 ,

n

, χ n X K (G), λ 1 ,

, λ n K x mit

λ i χ i = 0. Dazu muß n 2 sein.

i=1

Sei g G mit χ 1 (g) =

χ 2 (g). Dann gilt für alle h G:

0 =

n n

n n

λ i χ i (gh) =

λ i χ i (g) χ i (h) =

µ i χ i (h)

µ i χ i = 0

i=0

i=1

i=1

i=1

=:µ i K x

Sei ν i := µ i λ i χ 1 (g), i = 1,

, n. Dann ist

n

ν i χ i

= 0,

ν 1

= λ 1 χ 1 (g)

i=1

λ 1 χ 1 (g) = 0, ν 2 = λ 2 χ 2 (g) λ 2 χ 1 (g) = λ 2 (χ 2 (g) χ 1 (g))

Minimalität von n.

= 0 Widerspruch zur

− λ 2 χ 1 ( g ) = λ 2 ( χ 2 ( g

Definition + Bemerkung 4.4.2

Sei L/K endliche Körpererweiterung, q :=

¯

Hom K (L, K) = {σ 1 ,

, σ n }

n

[L:K]

[L:K]

s (= p r , p =char(K)), n := [L : K] s ,

(a)

Für α L heißt tr L/K (α) := q ·

¯

σ i (α) K die Spur von α (über K)

 
 

i=1

(b)

α L : tr L/K (α) K

 

¯

Beweis: ŒL/K separabel. Ist L/K normal, also galoissch, so ist Hom K (L, K) =

Gal(L/K) =: G und tr L/K (α) L G = K (da invariant unter allen σ i ). Andernfalls

sei L normale Erweiterung von K mit L L. Für τ Hom K ( K) = Gal( L/K)

L,

¯

 

¯

und jedes i = 1,

, n ist τ σ i Hom K (L, K) (da σ i (L) L)

tr L/K (α)

L

Gal( L/K) e

= K

L Gal ( L/K ) e = K

(c)

tr L/K ist K-linear.

 

Für α L heißt N L/K (α) =

n

i=1

σ i (α) q die Norm von α (über K).

 

(d)

(e)

N L/K (α) K

 

(f)

N L/K : L x K x ist Gruppenhomomorphismus

 

85

4 Galois-Theorie

Beweis:

(e) Ist L/K separabel, so argumentiere wie in (b). Sonst siehe Bosch.

Beweis: (e) Ist L/K separabel, so argumentiere wie in (b). Sonst siehe Bosch.

Bemerkung 4.4.3

Sei L/K endliche Körpererweiterung. Für α L sei m α : L L, x αx. m α ist K-linear und es gilt:

tr L/K (α) = Spur(m α ), N L/K (α) = det(m α )

Beweis: Ist L/K separabel, so sei L = K(α). Dann ist 1, α, α 2
Beweis: Ist L/K separabel, so sei L = K(α). Dann ist 1, α, α 2 ,
, α n−1 eine K-Basis
von L, [L : K] = n. Weiter sei f (X) = X n + c n−1 X n−1 + ··· + c 1 X + c 0 ∈ K[X] das
Minimalpolynom von α über K. Dann ist die Abbildungsmatrix von m α bezüglich der
, α n−1
Basis 1,
0 0
.
.
.
0
−c0
 
1
0
. −c1
.
D =
 
. .
0
1
.
 
.
.
 
.
.
. .
.
.
.
.
0
0
0
.
.
. 0
1 −c n−1
⇒ Spur(m α ) = −c n−1 , det(m α ) = (−1) n c 0
 

¯

Beweis: In K[X] zerfällt f in Linearfaktoren:

n

f = i=1

(X σ i (α)) c n1 = n i=1 σ i (α), c 0 = (1) n i=1

n

σ i (α)

Ist L =

K(α),

so sei b 1 ,

, b n

eine K(α)-Basis von L. Dann ist B

=

{b i α j ,

i

=

1,

, m, j = 0,

, n 1} eine K-Basis von L. Dann ist die Darstellungsmatrix von m α

bezüglich B:

 

D =

D

0

.

.

.

0

 

0

D

.

.

 

.

 

0

0

D

Spur(m α ) = m(c n1 ), det(m α ) = ((1) n c 0 ) m

 

86

4.4 Norm, Spur und Charaktere

¯

Für jedes σ i Hom K (L, K) ist σ i (α) Nullstelle von f . Jede Nullstelle von f wird dabei

gleichoft angenommen, nämlich m = [L : K(α)]-mal tr L/K (α) = m· tr K(α)/K (α) = m(c n1 ) und N L/K (α) = N K(α)/K m = ((1) n c 0 ) m

= m ( − c n − 1 ) und N L / K ( α

Satz 17 (”Hilbert(s Satz) 90”)

Sei L/K zyklische Galois-Erweiterung. (dh. Gal(L/K) = σ für ein σ)

(a) Ist β L mit N L/K (β) = 1, so gibt es ein α L x mit β =

α

σ(α)

Beweis: n := [L : K]. Nach 4.4.1 sind die Charaktere id, σ, linear unabhängig über L.

, σ n1 : L x L x

Nun ist f = id +βσ+βσ(β)σ 2 +· · ·+βσ(β)

⇒ ∃γ L mit α := f (γ)

= 0

σ n