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Selbstverteidigung komplett

Vorher – Der Kampf – Nachher

Vorher: Wachsamkeit und Target Hardening durch selbstbewusstes Auftreten, gesunder


Menschenverstand heisst gefährliche Plätze meiden, nicht an gefährlichen Plätzen trinken, nicht
an Autos im Streit gehen, bei drohender Gefahr den Ort verlassen, auch bei Kampfvermeidung
sofort den Ort verlassen wegen Racheaktionen oder Verstärkung.

Genetisch angelegt gibt es im Menschen nur Kämpfen, Flüchten oder tot stellen. WT ist
aggressive Vorwärtsverteidigung.

Unmittelbar vor dem Kampf:


In einer Selbstverteidigungssituation gibt es im Wesentlichen FÜNF Strategien, die im Umgang
mit einer Gefahr, die von Menschen ausgeht, vorhanden sind.

Fast jeder denkt beim Wort Selbstverteidigung nur an Kampf. Bei einem umfassenden
Verständnis des Begriffes Selbstverteidigung im Sinne von Selbsterhaltung und Überleben um
jeden Preis gibt es aber weit mehr Möglichkeiten, die Gefahr zu meistern. Es geht nicht ums
Kämpfen, sondern ums möglichst unversehrt Überleben, auch von Personen, für die man
verantwortlich ist.

1. Die erste Strategie ist Nachgeben. Manche Dinge sind es einfach nicht wert, dafür zu
kämpfen. Z. B. „Hau ab du Depp“ Wenn ich durch Weggehen das Problem lösen kann,
mache ich das eben.

2. Die zweite Strategie ist Flüchen. Sich entfernen oder auch davonlaufen so schnell wie
nur möglich und so weit wie nur möglich, bis man zuverlässig in Sicherheit ist. Lieber
ein paar Sekunden feige als ein Leben lang tot.

3. Die dritte Strategie ist Deeskalation. Man versucht (Im Regelfall) den Angreifer zu
beruhigen, man spricht mit ihm, beschwichtigt ihn und so weiter. Man entschärft die
Situation.

4. Die vierte Strategie nenne ich mal: „Schneid abkaufen“. Sie ist im Regelfall die
erfolgreichste für die Kampfvermeidung. Man macht dem Angreifer klar, dass er sich das
falsche Opfer ausgesucht hat. Vorraussetzung dafür ist ein extrem selbstbewusstes und
auch körpersprachlich glaubwürdiges Auftreten. Z. B. „Mit mir legst die besser net o“.
Wurde von Ullrich Rauch schon mehrfach erfolgreich verwendet. Oder: „Wenn du ein
Problem hast, können wir gleich rausgehen auf den Parkplatz und die Sache klären“.
Noch mehr Beispiele bringen. Zusammen mit der Körperhaltung und der Wachsamkeit
spielt auch die Stimmlage eine wichtige Rolle. Die Stimme soll dem Gegner ausdrücken,
dass auch von uns Gefahr ausgeht und dass wir dazu bereit sind, uns im Notfall zu
verteidigen. Was den Gegner auch abschrecken kann, ist zum Beispiel das stellen einer
Frage, wie „Was wollen Sie von mir?“. Oder: Sie wollen also wirklich mit mir kämpfen.
Dies kann zu einer schnellen Abwendung und Verunsicherung des Angreifers führen. Je
selbstsicherer man dem Gegner gegenüber tritt, desto schneller kann der Gegner in die
Flucht geschlagen werden. Das Gesetz des Dschungels. Grösser oder kleiner.

5. Die fünfte Strategie erst ist Kämpfen. Sie ist nur eine der Strategien, aber die
Schlüsselfähigkeit, um die anderen 4 Strategien erfolgreich einsetzen zu können. Je
sicherer ich bin, den tatsächlichen Kampf zu gewinnen, desto ruhiger und selbstsicherer
bin ich, desto besser kann ich überlegen, und andere Strategien in Betracht ziehen.

Selbstverteidigung muss umfassend verstanden werden. Sie beginnt mit allgemeiner


Wachsamkeit und Vorsicht , Target Hardening, Kenntnis der 5 Strategien der
Selbstverteidigung und endet mit Kämpfen. Kämpfen ist erst das letzte Mittel, wenn alles
andere versagt hat. Dennoch ist die Fähigkeit, sich durch den Einsatz von Gewalt zu
verteidigen, der Schlüsselfaktor. Sie erst ermöglicht das Selbstvertrauen und die Ruhe, auch die
anderen Strategien zu erwägen. Wer alles versucht hat, um den Kampf zu vermeiden, ist dann
auch moralisch im Recht, wenn er den Angreifer verletzen muss.

Ein vermiedener Kampf ist ein gewonnener Kampf. Selbstverteidigung heisst ich will
möglichst unversehrt nach Hause kommen, unabhängig davon, was mit dem Angreifer
geschieht. Hier ist ein grosser Unterschied zum Sportwettkampf.

Aus einem e-book eine amerikanischen SV-Lehrers habe ich noch folgende Punkte, ich fand
sie ganz interessant, eigentlich nichts wirklich neues für mich, aber ein paar Dinge werden doch
sehr gut auf den Punkt gebracht. Ich habe die Punkte frei übersetzt.

Du mussst damit rechnen, bei der Verteidigung verletzt werden.

Du und nur du bist deine erste Verteidigungslinie

Die Polizei kann dich nicht schützen

Du bist der Schwächere, Angreifer suchen sich nur Gegner oder besser Opfer aus, die sie sicher
besiegen können, bzw. von denen Sie annehmen, sie besiegen zu können.

Es wird dann passieren, wenn du es am wenigsten erwartest

Im Gegensatz zu dem was du gelernt hast, musst du bereit und willens sein, einen anderen zu
verletzten
Unter Umständen ist das Gesetz nicht auf deiner Seite

Du musst die Entfernung zum Angreifer kontrollieren und seine Fähigkeit, dich zu erreichen

Du musst die Erwartungen und Vorstellungen des Angreifers kontrollieren

Denke nicht zu sehr an deine Technik

Es geht nicht um gewinnen oder verlieren, es geht darum, gesund nach Hause zu kommen

Wenn er dich nicht treffen kann, kann er dich nicht verletzen

Wenn er dich nicht verletzen kann, kann er dich nicht besiegen

Du kannst kein Messer zu einer Schiesserei mitnehmen und hoffen, zu gewinnen.


Die Brutalität, Hinterlist und Gemeinheit des Strassenschlägers lässt sich nur mit den selben
Mitteln überwinden. Die Faust kennt keine Höflichkeit.
Das ist kein Betrug und nichts Unfaires, wenn du die gleichen Mittel wie dein Angreifer
benutzt, du veränderst nur die Umstände und Bedingungen zu deinen Gunsten.

Das Überleben eines Angriffes hängt von drei wichtigen Dingen ab:

Was du getan hast, um dich angemessen und optimal vorzubereiten.


Was du während des Angriffes gemacht hast.
Wie du mit den Folgen, die sich aus deiner Verteidigung und den Massnahmen, die du ergriffen
hast, um dich vor der Gefahr zu schützen, umgehtst.

Bedenke: Du bist entweder das, was du gewählt hast zu sein, oder das, was du den Umständen
erlaubt hast, aus dir zu machen.

Opfer oder Überlebender

Die Wahl liegt bei dir


Der Kampf:
Verteidigungen aus dem Zaun:
Normaler Zaun mit Bewegen mit friedlichen Worten aber aggressiver Körperhaltung.
Langer Zaun.
Neutraler Zaun.
Zaun mit Umdrehen gegen Strassenräuber,
Neutraler Zaun einseitig beim bedrohten Vorbeigehen.
Sparring ist keine Vorbereitung auf den tatsächlich immer stattfindenden Ritualkampf.

Schlagkraft kurz mit kleiner oder grosser Pratze demonstrieren, Falling Step, Spring Punch, ist
eigene DVD, aber auch ein leichter Schlag auf die Nasenspitze genügt oft. Wir machen aus
Sicherheitsgründen immer Overkill. Zum K. O. Schlagen auf Russel Stutely hinweisen. In der
Selbstverteidigung gibt es keine Silbermedallie für den Zweiten. Erster Platz heisst, ich kann
aus eigener Kraft nach Hause gehen, zweiter Platz ist ein Bett im Krankenhaus. Oft gilt es auch,
andere zu beschützen.

Verteidigung nur gegen ungedeckte Bedrohung, nicht gegen Kampfstellung. Vorher


Streitgespräch, am Anfang aber weglassen.

Sicherheit geht immer vor. Wir wollen uns nicht verletzen.


Gegen Angriffe aus langer Distanz auch Tritt, wenn die Zeit reicht.

Grundidee ist auf das erste Zucken mit einem Angriff zu reagieren. Die Schreckreaktion wird
nach vorne gerichtet, bei unklarer Situation mit Doppelschlag. Bei der kleinsten Unsicherheit
müssen die Hände oben sein, als absolute Notlösung nach hinten ausweichen

Faust oder Handfläche?


Richtiges Verhalten des Bad Gay
Gegen Schwinger rechts, dabei Geometrie und Kraft der Positionen erklären.
Fauststoss zum Bauch, Geraden Fauststoss zum Kopf (dabei Unterscheidung ob Zaun offen
oder geschlossen, eventuell lässt Angreifer Arm stehen), Schwinger links, geraden Fauststoss
links (2 Möglichkeiten), Tritt zu den Genitalien, Kopfstoss mit Hände wegschlagen,
Ringerangriff, Verschiedene Takedowns zeigen (Fussfeger, Kopfzugwurf von hinten,
Schulterdrehwurf von vorne)
Complete Combat Scenario, Verzierung, Checking The Area

Techniken aus dem langen Zaun:


Wichtig : auf die Brust sehen, psychologisch schlecht aber taktisch unentbehrlich. Sich selbst
wegschubsen und im Kreis gehen. Gegen Schwinger rechts, Fauststoss zum Bauch, Geraden
Fauststoss zum Kopf rechts, Schwinger links, geraden Fauststoss links, Tritt zu den Genitalien,
Ringerangriff, gegen alle Arten von Arm wegschlagen oder am Arm ziehen.

Neutraler Zaun macht die Verteidigungen wie langer Zaun, Beispiele zeigen.

Neutraler Zaun im Vorbeigehen


Etwas anspuchsvoller:
2 Faustösse von Linksausleger, links rechts , rechter dabei innen (Pak) oder aussen (Bong oder
Tan) Tan sehr selten. Das gibt es nicht gegen Rechtsausleger
Fauststoss mit links und tiefem Ellbogen – Bong, auch mit Boxhandschuhen üben und zeigen.
Zum Üben macht man drei verschiedene Fauststösse links: Schwinger, gerade eng aussen,
Gerade innen
Nach Schwingerabwehr drückt Angreifer durch -Bong
Schubsen, auch Notlösung zeigen, selber breit schubsen
Handbefreiung Stufe 2
Gegen festhalten an der Jacke, falls geschlafen, darf nicht passieren.
Wurfabwehr: Aggressive Hände, Double Leg Takedown, BJJ Angriff
Handbefreiungen Handbefreiung Hände unten gegen superstarken Gegner mit Kwan Sao
Gegen Schwitzkasten
Gegen Festhalten von vorne und hinten, gegen festhalten von hinten Bein einhaken und nach
hinten werfen, oder auch Schwungholen mit Beinen und werfen,
Gegen Würgen von hinten, Chinesische Krawatte, Doppelnelson, Festhalten von hinten mit
halbem Nelson,
Festhalten seitlich mit Arm eingeklemmt
Schwingerabwehr aus Lat Sao wie 4. SG

Praxistext: Angreifer mit Boxhandschuhen für Verteidigung, Pratzentraining für Schlagkraft


und Kampfbeendigung

Nachher: Taktischer Rückzug, auch wenn kein Kampf stattgefunden hat, Polizei rufen
wenn man am Tatort bekannt ist. Wenn möglich Zeugen feststellen. Sich selbst keine Vorwürfe
machen, man hat getan, was man für richtig hielt, Barmherzigkeit mit dem Angreifer ist
Grausamkeit zu dir selbst. Die Faust kennt keine Höflichkeit.
Angst vor dem Kampf
Angstüberwindung ist ein wichtiges Thema.

Darüber gibt es von Geoff Thompson ein gutes Buch, sogar in Deutsch. Es
heisst Angst.

Schubsen, Anschreien, Schimpfen und Beleidigen sollte durchaus im Training zumindest


gelegentlich geübt werden.

Aber auch das härteste Training kann die Realität nicht wirklich ersetzen. Aber eine gute
Annäherung daran ist möglich.

Den Angreifer einzuschüchtern ist am ehesten als Methode der Kampfvermeidung geeignet.
Dazu gehört eben durchaus auch anschreien oder zumindest laut sprechen.

Denke daran, dass die Angst, die du fühlst, dich nicht daran hindert, das Richtige zu tun.
Nämlich dich zu verteidigen. Das klappt auch mit Angst.

Die Angst kannst du nicht überwinden, du kannst nur lernen, damit umzugehen.

Sie lässt sich aber gut kontrollieren, wenn du dir bewusst macht, das das, was du jetzt gleich
machen wirst, etwas ist, was du sehr intensiv geübt hast und dem du richtig gut bist. Seit Jahren
übst du intensiv, dich zu verteidigen und den Angreifer zu neutralisieren. Und das so realistisch
wie nur irgendwie möglich.

Soldaten werden auch in den Einsatz geschickt, ohne vorher jemanden getötet zu haben. Sie
sind aber so gut vorbereitet, dass es trotzdem klappt.
Du bist auch gut vorbereitet, so hoffe ich zumindest.

Wenn du dir da noch unsicher bist, musst du rausfinden warum, und das Problem beheben.

Weisst du, warum viele Kämpfer, auch in den MMA Turnieren, vor dem Kampf von einem
Bein auf andere springen, oder sich auf ander Art sehr unruhig bewegen. Sie machen es, damit
man nicht sieht, wie die Beine zittern. Vereinfacht könnte man das Angst nennen, oder es
würde nach aussen wie Angst aussehen. Tatsächlich sind sie so voller Energie, dass Sie gar
nicht wissen, wohin damit. Diese Energie wird vom Adrenalin geliefert. Ihre körperliche
Leistugnsbereitschaft ist erhöht, sie sind weniger schmerzempfindlich als sonst. Beides gute
Vorraussetzungen zum Kämpfen. Nicht aber zum Rumstehen und warten. Würde man jetzt mit
Ihnen sprechen, könnte man alle Merkmale, die mit dem Adrenalinschub einhergehen,
feststellen.

In Sportlerkreisen bekannt sind auch die gelben Flecken auf dem Schanzentisch von
Sprungschanzen fürs Schispringen. Und dabei handelt es sich nicht um Farbe.

Das als Angst zu bezeichnen, ist eben diese unzulässige und irreführende Vereinfachung.
Bei meinen Vollkontaktkämpfen im Kickboxen musste ich vorher immer auf die Toilette. Eine
sehr gute Schutzmassnahme meines Körpers vor inneren Verletzungen, oder zumindest
geeignet, die Folgen zu mildern. Nur die volle Blase kann platzen. Auch der leere Darm
belastet weniger und verbreitet bei Verletzungen weniger Gifte im Körper.

Train hard, fight easy - Hartes Training, leichter Kampf


Train easy, fight hard - Leichtes Training, harter Kampf
It?s Your choice - Es ist deine Entscheidung

Notwehr, die strafrechtlicheSeite der Selbstverteidigung


!!!!!!!!!Extra Aufnehmen!!!!!
Von meinem Schüler Dr. jur. Thomas Eidam. Herzlichen Dank Thomas!

Die folgenden Hinweise zur Rechtslage behandeln das Thema nicht erschöpfend und sollen nur
deutlich machen, daß man sich nicht alles gefallen lassen muß, aber auch nicht alles erlaubt
ist.
Grundsätzlich wird bestraft, wer einen anderen vorsätzlich oder fahrlässig körperlich verletzt
oder gar tötet. Auch Freiheitsberaubung (z. B. durch längeres Festhalten des Gegners) oder
Sachbeschädigung (z. B. bei zerrissener Kleidung) sind grundsätzlich strafbar. Ausnahmsweise
wird nicht bestraft, wer eine "durch Notwehr gebotene" Tat begeht. "Notwehr ist die
Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich
oder einem anderen abzuwenden" (§32 StGB).
Folgende Voraussetzungen sind zu beachten:
Der Angriff kann auf das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Bewegungsfreiheit, das
Eigentum, den Besitz oder ein anderes Rechtsgut, z. B. die persönliche Ehre oder das Recht am
eigenen Bild abzielen. Der Angriff kann gegen Dich, Deinen Begleiter oder einen Fremden und
sogar gegen einen Abwesenden (z. B. Aufbrechen eines geparkten Autos) gerichtet sein. Er
kann mit oder ohne Waffe erfolgen und von einem oder mehreren Menschen ausgehen. Bloße
Belästigung ist kein Angriff.
Gegenwärtig ist nicht nur der Angriff, der bereits begonnen hat (z. B. wenn der Angreifer
zuschlägt), sondern auch der unmittelbar bevorstehende Angriff (z. B. wenn die Angreifer ihr
Opfer einkreisen; wenn der Angreifer zum Schlag ausholt; wenn der Angreifer zur Waffe
greift). Auch der noch nicht abgeschlossene Angriff ist gegenwärtig (z. B. wenn der Räuber mit
der Handtasche davonläuft). Gegen einen endgültig abgeschlossenen Angriff gibt es keine
Notwehr (z. B. wenn sich der Schläger eindeutig zurückzieht, oder wenn er bereits
kampfunfähig ist), bloße Vergeltungsmaßnahmen sind keine Notwehr und strafbar.
Angriffe, d. h. Verletzungen fremder Rechtsgüter, sind in aller Regel rechtswidrig. Wichtigste
Ausnahme: wenn ein Polizeibeamter einen Tatverdächtigen festnimmt, ist dieser Angriff auf die
Bewegungsfreiheit nicht rechtswidrig, selbst wenn der Festgenommene unschuldig ist.
Verteidigung ist die Abwehr eines gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriffs. Zur Verteidigung
zählt nicht nur die reine Abwehr von Schlägen (z. B. durch Pak Sao), sondern auch der
Gegenangriff (z. B. der Fauststoß), der einem unmittelbar bevorstehenden ersten oder weiteren
Schlag des Angreifers zuvorkommen soll. Zur rechtmäßigen Notwehr gehört auch der Wille,
sich oder einen anderen zu verteidigen. Es macht nichts, wenn neben dem Verteidigungswillen
auch Wut und Vergeltungsstreben eine Rolle spielen; allerdings kann sich nicht mehr auf
Notwehr berufen, wer hauptsächlich aus Wut, Haß oder Rache zuschlägt.
Rechtmäßig ist nur die Verteidigung, die zur Abwehr eines gegenwärtigen, rechtswidrigen
Angriffs erforderlich, d. h. notwendig ist. Welche Verteidigungsmaßnahmen und ggf.
Verletzungen des Angreifers erforderlich sind, hängt von allen Umständen des Einzelfalls im
Augenblick des Angriffs ab, also vor allem von Größe, Gewicht, Stärke, Bewaffnung,
Aggressivität und Fähigkeiten des Angreifers, von der Anzahl der Angreifer und von den
eigenen Verteidigungsmöglichkeiten bzw. (falls ein anderer angegriffen wird) von den
Fähigkeiten des Angegriffenen. Die jeweilige Kampflage bestimmt Art und Maß der Notwehr.
Wenn der Angriff durch einen leichten Tritt oder Fauststoß sicher abgewehrt werden kann, darf
der Angreifer nicht krankenhausreif geschlagen werden!
Wenn mehrere wirksame Verteidigungsmittel zur Auswahl stehen, muß dasjenige gewählt
werden, das den Angreifer am wenigsten verletzt. Der Angegriffene braucht aber kein eigenes
Verletzungsrisiko einzugehen, um den Angreifer zu schonen, sondern darf auf "Nummer sicher"
gehen. Vor allem wenn man, was oft der Fall sein wird, gar nicht die Zeit hat, die Kampflage
eingehend zu prüfen, und wenn man die kämpferischen Fähigkeiten des Angreifers nicht
zuverlässig einschätzen kann, darf man sich für eine sichere, erfolgversprechende
Verteidigungshandlung entscheiden.
Die Erforderlichkeit der Verteidigung hängt nicht davon ab, daß das angegriffene Rechtsgut
(z.B. ein Geldbeutel) mehr wert ist als das durch die Verteidigung verletzte Rechtsgut des
Angreifers (z. B. seine Gesundheit); allerdings darf auch kein unerträgliches Mißverhältnis
bestehen, z. B. darf man einen Räuber, der einem 5,--DM weggenommen hat, auch dann nicht
töten, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, um sein Geld zurückzubekommen.
Auf Notwehr kann man sich nur berufen, wenn die Notwehr geboten ist, um den Angriff
abzuwehren. Hinter diesem Wort stecken folgende Einschränkungen: Bei Angriffen von
Geisteskranken, Kindern oder total Betrunkenen kann es im Einzelfall zumutbar sein, dem
Angriff auszuweichen und auf Gegenwehr zu verzichten (Beispiel: Ein Betrunkener, der kaum
noch stehen kann und niemanden ernsthaft verletzen kann, holt zum Schlag aus). Wer einen
Angriff (z. B. durch eine schwere Beleidigung des Angreifers) provoziert hat, muß dem Angriff
möglichst ausweichen und darf sich nur sehr zurückhaltend verteidigen; wer einen Angriff nur
deshalb provoziert, um den Angreifer "in Notwehr" zusammenschlagen zu können, kann sich
überhaupt nicht mehr auf Notwehr berufen. Bei einem unerträglichem Mißverhältnis zwischen
dem angegriffenen Rechtsgut (z. B. 5,--DM) und dem durch die Verteidigungshandlung
bedrohten Rechtsgut (z. B. dem Leben des Räubers) ist Notwehr ebenfalls nicht geboten.
Zum Abschluß noch folgende Hinweise:
- Es ist wohl nicht erfolgversprechend und auch nicht erforderlich, den Angreifer auf die
eigenen Kampfkunstkenntnisse hinzuweisen.
- Wenn der Angreifer in Notwehr verletzt und geschädigt worden ist, kann er vom
Angegriffenen keinen Schadensersatz z. B. für Arztkosten, Verdienstausfall oder zerrissenen
Kleidung verlangen (vgl. §227 BGB).
- Wenn der Verteidiger aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken zu weit geht und die Grenzen
der Notwehr überschreitet, wird er nicht bestraft (§33 StGB, sog. Privileg des Angsthasen).
- Wenn der Angreifer nach dem Kampf ärztliche Hilfe braucht und es möglich und zumutbar ist,
einen Arzt zu rufen, muß das geschehen, aber nicht unbedingt durch den Angegriffenen selbst.
- Anders als nach einem Verkehrsunfall muß man nach einer Schlägerei nicht warten, um die
Feststellung der Personalien zu ermöglichen; gegenüber Polizeibeamten muß man die
Personalien auf Anforderung angeben. Wer nach der Selbstverteidigung weggeht, erspart sich
vielleicht eine Menge Zeit und Ärger und verringert das Risiko, daß der Angreifer im Laufe
eines Strafverfahrens Namen und Anschrift erfährt und für Racheakte nutzt.
- Bei einer Vernehmung (als Zeuge und/oder als Beschuldigter) sollte man jedenfalls
klarstellen, daß der andere angegriffen hat und daß man sich dagegen gewehrt bzw. (bei einem
Angriff auf einen Dritten) den Angegriffenen verteidigt hat. Inwieweit man ohne Rechtsanwalt
darüberhinausgehende detaillierte Angaben machen sollte, hängt vom Einzelfall ab. Oft kann
ein Laie gar nicht einschätzen, wie seine in der ersten Aufregung gemachten Angaben später
juristisch gewürdigt werden. Recht haben und Recht bekommen ist nicht immer das Gleiche.
Für die Polizei, die Staatsanwaltschaft und - falls es zu einer Anklage kommt - für das
Strafgericht ist es oft schwierig, den genauen Tathergang zu rekonstruieren. Zeugen können
voreingenommen sein oder den Vorfall nur teilweise mitbekommen, z. B. den Angriff gar nicht
gesehen haben.

Auf jeden Fall solltest Du folgendes beherzigen:

Einen Kampf zu vermeiden ist nicht feige, sondern klug.