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BAKK1 - Bakkalaureats-Seminar

VLZ.Nr.220012_SE, SoSe 2009


Dr. Gianluca Wallisch

Tweeting the News


Über den Einsatz von Twitter im Journalismus

Nicole Kolisch (nicole.kolisch@chello.at)


Mtr. Nr. 9002037
Studienkennzahl 033641

Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft


Universität Wien
BAKK1 -2- Nicole Kolisch

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung .......................................................................................................................... 3
2. Theoretische Grundlagen .................................................................................................. 5
2.1 Kommunikation als Unterscheidungsmerkmal? ........................................................... 5
2.2 Dialogische vs. diskursive Medien ............................................................................... 6
2.3 Kreisdialoge vs. Netzdialoge........................................................................................ 8
2.4 Informationssynthese im Dialog: Mashups made at Agora........................................... 9
2.5 Kollektive Online-Intelligenz........................................................................................11
2.6 Die Rolle des Journalisten in einer Welt der „Social News“ ........................................13
3. Fallbeispiel Twitter............................................................................................................16
3.1 #iranelection: Twitter als Nachrichtenagentur .............................................................16
3.2 „If you knew Neda personally tell us more”: Twitter als Recherchetool .......................19
3.3 Trending Topics & Didi Constantini: Twitter als Ideenpool ..........................................20
3.4 Blick am Abend: Twitter als User Generated Content .................................................21
3.5 Dinner mit Demi: Selbstpräsentation und Leser-Blatt-Bindung via Twitter...................22
3.5.1 Exkurs: Was bedeutet Medienbindung und wie entsteht sie?...............................22
3.5.2 Medienbindung via Twitter ...................................................................................23
3.5.3 Euke & Demi – Unmittelbarkeit & Intimität............................................................25
3.5.4 Armin Wolf ...........................................................................................................26
3.6 Grüne Vorwahlen: Agenda-Setting via Twitter ............................................................27
4. Ausblick............................................................................................................................30
5. Quellenverzeichnis: ..........................................................................................................32
5.1 Literatur ......................................................................................................................32
5.2 Wikipedia-Einträge .....................................................................................................36
5.3 Andere Quellen...........................................................................................................36
5.4 Tweets........................................................................................................................37
5.5 Weiterführende Literatur .............................................................................................38

Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Kreisdialog........................................................................................................ 8
Abbildung 2: Netzdialog......................................................................................................... 9
Abbildung 3: Britannica vs. Wikipedia...................................................................................12
Abbildung 4: Old Media vs. Social Media..............................................................................13

Zu Gunsten des Leseflusses wurde darauf verzichtet, stets explizit männliche und weibliche
Formen zu verwenden. Es sind jedoch in jedem Fall beide Geschlechter gleichermaßen
angesprochen.
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“The Internet doesn’t come with a manual that tells you


how to use it well. (…) The main divide now is not
between people who have economic access to
technology [and those who don’t] (..) The real divide is
between those who know how to use online media
effectively and those who not know.”
– Howard Rheingold, 2009

„Twitter hat keinen Sinn, außer man findet ihn selbst


heraus.“
– Robert Lender, 2008

1. Einleitung

„Durch Twitter verwandelt sich das System der Massenmedien, in dem sich wenige
Sender an eine große, anonyme Masse von Rezipienten wendet, in eine plurale
Landschaft aus kleinen und großen Knoten, die Nachrichten, Meinungen (...)
austauschen, kommentieren und diskutieren“, schreibt Benedikt Köhler (2008: o.S.).
Dadurch rücken die Visionen von Brecht1 und Enzensberger2, denen zufolge die am
Kommunikationsprozess beteiligten Menschen, nicht nur stillschweigende
Empfänger, sondern jeweils auch aktive Sender sein sollten, in greifbare Nähe. Von
„Bürgerjournalismus“ ist die Rede, von Demokratisierung der Informationsprozesse,
von „Empowerment“. Gleichzeitig wächst die Angst der etablierten Medien, die mit
dem Informationsmonopol auch die Anzeigekunden und somit die Existenzgrundlage
verlieren.
Die Saat für ein weltweites Zeitungssterben wurde deutlich vor 2006 (dem Twitter-
Gründungsjahr) gepflanzt. Es wäre daher Unsinn dieses dem Microbloggingdienst in
die Schuhe zu schieben. (Eher müsste in dem Zusammenhang einmal eine Arbeit
über Google geschrieben werden...)
Sehr wohl ist es aber möglich, am Beispiel von Twitter jene Strukturen zu
beleuchten, welche das Web 2.0 grundsätzlich ausmachen und unsere
Medienlandschaft in Zukunft zunehmend bestimmen werden. Veränderungen
unseres Verständnisses von Journalismus sind unausweichlich. Darüber sind sich im
Grunde alle einig. „Die Muster der Produktion, Reproduktion und Distribution

1
Bertolt Brecht (1927/1932): Radiotheorie. Abgedruckt in: Hannes Haas / Wolfgang R. Langenbucher (2005):
Medien- und Kommunikationspolitik. Ein Textbuch zur Einführung. Wien: Braumüller.
2
Hans Magnus Enzensberger (1970): Baukasten zu einer Theorie der Medien. In: Kursbuch 20. Berlin:
Wagenbach
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kultureller Inhalte haben sich vermutlich nie zuvor in der Geschichte so radikal und in
so kurzer Zeit verändert, wie dies in den letzten Jahrzehnten geschehen ist.“
(Hartmann 2008: S.112) Ob diese Veränderungen als Bedrohung oder als Chance
verstanden werden, liegt sehr stark im Ermessen einzelner Medien bzw.
Journalisten.
Es ist eine Binsenweisheit, dass die Apokalyptiker gemeinhin mehr Gehör finden, als
die Integrierten3, dass die Gefahren von Veränderungen überschätzt und ihre
Potentiale unterschätzt werden.
Die vorliegende Arbeit bemüht sich daher bewusst, einen Standpunkt der Hoffnung
einzunehmen. Dazu soll im ersten Teil ein theoretischer Blick auf die
Kommunikationsstrukturen von Twitter einerseits, und etablierten Massenmedien
andererseits, geworfen werden. Welche Berührungspunkte und Synergien lassen
sich feststellen? Wo sind sich die beiden scheinbaren Gegenpole näher als
vermutet?
In Folge widmet sich der zweite Teil praktischen Fallbeispielen dieser Synergien:
Welchen konkreten Nutzen können Journalisten aus Twitter ziehen; wie wirkt sich
der Dienst auf ihre Arbeitsweise aus, welche Chancen bietet er?

Wie sich die Arbeit von Journalisten in Zukunft gestalten wird, ist ungewiss. Es gibt
aber bereits Konzepte und Ideen dazu. Einige davon will diese Arbeit aufzeigen.

3
zu dieser Terminologie vergleiche Umberto Eco (1999): Apokalyptiker und Integrierte. Zur kritischen Kritik
der Massenkultur. Frankfurt: Fischer
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2. Theoretische Grundlagen
2.1 Kommunikation als Unterscheidungsmerkmal?

Zwischen jener Art von Kommunikation, wie man sie auf Twitter vorfindet und jener,
die etablierte Massenmedien ausmacht, bestehen auf den ersten Blick gravierende
Unterschiede.
Durch das System der „Follower“ bilden sich auf Twitter unterschiedlich große
Interaktionsgruppen, in denen Gruppenkommunikation stattfindet.
Gruppenkommunikation bedeutet, nach Sabine Misoch (2006: S.34), „dass sich
mehrere innerhalb eines sozialen Netzwerks befindliche Individuen – welches
entweder durch geografische Anwesenheit der Teilnehmer oder durch
Gleichzeitigkeit der Teilnahme (online) bestimmt ist – multidirektional austauschen
können. Im Face-to-Face-Kontext kann dies z.B. eine Situation am Stammtisch sein,
in welcher sich theoretisch alle Anwesenden mit jeweils allen anderen austauschen
können.“

Im Gegensatz dazu steht das Modell der Massenmedien, bei dem es sich um eine
öffentliche und „einseitige (unidirektionale) Informationsübertragung von einem
Sender zu vielen Empfängern“ (ebd.) handelt. Diese Definition enthält zwei
Elemente, die in Zusammenhang mit Twitter wichtig erscheinen und sich, nach
Maletzke (vgl. Maletzke 1963: S.32, zitiert nach Burkart 2002: S.171)
folgendermaßen definieren lassen.
– öffentlich: ohne begrenzte und personell definierte Empfängerschaft
– einseitig: ohne Rollenwechsel zwischen Aussagendem und Aufnehmendem

Betrachtet man Twitter genauer, so zeigt sich, dass die oben behauptete
Gruppenkommunikation keine hermeneutische und die angenommene „Gruppe“ in
gewissem Maße Illusion ist. Um bei dem von Misoch aufgebrachten Bild des
Stammtisches zu bleiben: Dieser Stammtisch steht nicht in einem Extrazimmer,
sondern inmitten der Gaststube. Somit hat jeder Restaurantbesucher die Möglichkeit,
die Gespräche zu verfolgen und sich ggfs. auch selber einzubringen. In Folge kommt
es zu Effekten, die gleichzeitig der Gruppen- wie auch der Massenkommunikation
zuordenbar sind. Themen, die sich durch Interaktion der Gruppe generieren, werden
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simultan, ganz im Sinne Maletzkes, an ein disperses Massenpublikum vermittelt, das


eben nicht begrenzt und nicht personell definiert ist.
Das wirft die Frage auf, ob Twitter als Massenmedium bezeichnet werden kann, also
durchaus im Sinne der etablierten Massenmedien wie Zeitung, Rundfunk und
Fernsehen.

Ein Medium wird aber nicht durch die mit ihm verbundenen Rezeptions-, sondern
auch durch Produktionsprozesse bestimmt. Ist bei einer Zeitung, der Sender
(Herausgeber, Redakteure) und die Absicht (Blattlinie etc.) klar erkenntlich, wird
diese Definition bei Twitter schwieriger. Group Generated Content oder auch
kollektive Intelligenz (letzteres vgl. Hartmann 2008: 106f) sind Schlagworte, die
immer wieder mit Produktionsprozessen des Internets in Verbindung gebracht
werden. Das Konzept von „intercreativity“ geht bereits auf Tim Berners-Lee, den
Erfinder des World Wide Web, zurück (vgl. Weischenberg/Loosen 2000: S.71)
Wie also sehen die strukturellen Unterschiede aus, die dem Prozess der
Informationserzeugung und -distribution zugrunde liegen?

2.2 Dialogische vs. diskursive Medien

Vilém Flusser (2007: S.16) unterscheidet zwischen dialogischen und diskursiven


Medien:

„Um Information zu erzeugen, tauschen Menschen verschiedene bestehende


Informationen aus, in der Hoffnung, aus diesem Tausch eine neue Information zu
synthetisieren.4 Dies ist die dialogische Kommunikationsform.

Um Information zu bewahren, verteilen Menschen bestehende Informationen, in der


Hoffnung, dass die so verteilten Informationen der entropischen Wirkung der Natur
besser widerstehen. Dies ist die diskursive Kommunikationsform.“

Als Beispiele für diskursive Medien nennt Flusser u.a. Kinos und Plakate, während
dialogische Medien z.B. die Börse oder der Marktplatz sind. Gerade in diesen
Beispielen zeigt Flusser auch die Fragwürdigkeit des Unterscheidungsmerkmales
auf: Ein Plakat wird zu einem dialogischem Medium, wenn man es mit Graffiti

4
Dieses Konzept liegt auch sogenannten Mashups zugrunde: die Erzeugung neuer Inhalte durch Rekombination
und Mischung bereits bestehender Inhalte (vgl. Hartmann 2008: 107)
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bekritzelt, „und Kinos, wenn man die Leinwand mit Eiern bewirft; andererseits können
Börsen zu diskursiven Medien werden, wenn man nicht bietet, sondern die
Preistafeln liest, und Dorfplätze, wenn man nicht zum Plaudern hingeht, sondern um
sich einen Politiker anzuhören.“ (Flusser 2007: S. 272)
Letztlich sind das Dialogische und das Diskursive also nicht Eigenschaften des
jeweiligen Mediums, sondern abhängig von der Mediennutzung. Was zählt, sind
Kulturen des Gebrauchs. Auch hier lässt sich unschwer die Zwitterstellung von
Twitter erkennen: Ob Twitter für den jeweiligen Nutzer zur diskursiven Morgenzeitung
wird (wie etwa Steve Johnson im TIME Magazin vorschlägt) oder zur dialogischen
Community, ist ausschließlich nutzer-abhängig: The medium is not the message.5

In jedem Fall besteht für Flusser eine klare Abhängigkeit zwischen Diskurs und
Dialog: „Im Dialog werden Informationen hergestellt, die im Diskurs so verteilt
werden, dass deren Empfänger in künftigen Dialogen daraus wieder neue
Informationen herstellen können.“ (Flusser 2007: 273) Beide Arten von Medien sind
somit aufeinander angewiesen.

Umgelegt auf die angesprochenen Synergien zwischen Twitter und den etablierten
Medien, ergibt sich so ein harmonisches Bild: Twitter, das dialogische Medium (bzw.
das Medium, das von einem gewissen Prozentsatz der User dialogisch genutzt wird)
generiert Information durch Synthese, die wiederum beispielsweise für Zeitungen von
Nutzen ist. Zeitungen verteilen diese Information diskursiv, wodurch sie sich mehrt.
(„Nach dem Diskurs ist die Summe der Information größer, weil sie verteilt wurde.“ -
Flusser, 2007: S.273) Die vermehrte Information wiederum dient als
Diskussionsbasis für den Fortbestand des Twitter-Dialogs.

Das ist schön; die Analyse würde aber, meines Erachtens nach, zu kurz greifen.
Denn auch Redaktionen sind keine Ein-Mann- oder Ein-Frau-Betriebe:
„Collaboration“ ist ein Buzzword, aber keine Erfindung des Webs und kommt auch
bei redaktionellen Prozessen zu tragen. Es lohnt sich also neben der Unterteilung in
diskursive und dialogische Prozesse auch die Frage nach unterschiedlichen Formen
des Dialogs.

5
Dass dennoch manche Medien ausschließlich diskursiv genutzt werden, ist – so vermutet Fuller - eine
gesellschaftliche Frage.
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2.3 Kreisdialoge vs. Netzdialoge

Flusser unterscheidet zwei Formen von Dialogen: Kreisdialoge und Netzdialoge.


Kreisdialoge (vgl. Flusser 2007: 29f) lassen sich als „runde Tische“ verstehen.
Entscheidungsprozesse in demokratischen Institutionen beruhen ebenso auf diesem
System, wie – für die vorliegende Arbeit relevanter – Redaktionssitzungen.

Abbildung 1: Kreisdialog

„Das Prinzip der Struktur ist einfach: Man findet einen gemeinsamen Nenner aller
Informationen, die in den Gedächtnissen der am Dialog Beteiligten gespeichert sind,
und erhebe diesen gemeinsamen Nenner in den Rang einer neuen Information.“
(ebd.)
Der Prozess ist komplex und, wenn er funktionieren soll, muss die Anzahl der
Beteiligten notwendigerweise begrenzt sein. Darin sieht Flusser das Grundproblem
des Kreisdialogs: Er ist eine „geschlossene Schaltung“ und eben dadurch eine
zwangsläufig „elitäre Kommunikationsform“ (ebd.)
BAKK1 -9- Nicole Kolisch

Im Gegensatz dazu stellen Netzdialoge (vgl. Flusser 2007: 32f) eine „offene
Schaltung“ dar und sind „in authentischer Weise demokratisch. Während
Kreisdialoge selten erfolgreich sind und zu neuer Information führen, sind es
Netzdialoge immer.“

Abbildung 2: Netzdialog

Das Web 2.0-Schlagwort Participation bezeichnet genau diesen Prozess: „Anwender


und Communities generieren ihre eigenen Inhalte, es entsteht neuer Nutzwert durch
Teilhabe.“ (Hartmann 2008: 101)

Wie genau nun Information im Dialog entsteht, soll im nächsten Abschnitt beleuchtet
werden.

2.4 Informationssynthese im Dialog: Mashups made at Agora

Information entsteht ohne dahinterliegende Absicht. In Netzdialogen synthetisiert sie


sich aus der „Verformung der verfügbaren Informationen durch das Eindringen von
Geräuschen“. (Flusser 2007: S.32)

Traditionell stellt der Marktplatz, die Agora, das bedeutendste Medium des Dialoges
dar. Flusser merkt an, dass sich zwar unsere technischen Möglichkeiten seit den
alten Griechen weiterentwickelt haben, sich diese Entwicklungen aber in erster Linie
auf diskursive Medien auswirken, also etwa im Sinne Neil Postmans, der davon
ausgeht, dass die Technik den Diskurs formt (vgl. Postman 1988).
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Was den Dialog anbelangt, so gestaltet er sich so archaisch wie eh und je –


unabhängig davon, ob er via Twitter oder an der hauseigenen Bassena gedeiht.
In der Tat haben die Agora und Twitter viel gemein:

„Es ist ein Platz, der dem Austausch dient, und das in einem doppelten Sinne des
Wortes. Einerseits tauschen dort die Bewohner des Dorfs Dinge untereinander und
andererseits tauscht das Dorf dort seine eigenen gegen fremde hereinkommende
Dinge. Der Kreis des Marktplatzes ist also relativ offen: Dinge kommen per Wagen,
zu Schiff oder zu Pferd von überall her an, um ausgetauscht zu werden.“ (Flusser
2007: S.289)

Der zentrale Platz ist von Privathäusern umgeben, ebenso wie sich ja auch das
Leben der Twitternutzer nicht online, sondern offline, also im „Privaten“ abspielt. Hier,
im Privaten, werden die Dinge erzeugt, die der oder die Einzelne dann auf den Markt
trägt. Dabei kann es sich auch um Immaterielles handeln, wie Ideen, Gedanken und
Wünsche.

Das Private auf den Markt zu tragen, heißt, es zu veröffentlichen, es im


ursprünglichen Sinne des Wortes zu „publizieren“. (vgl. Flusser 2007: S.290). Im
Tausch und im Vergleich mit anderen, entstehen Normen und Werte (griech. Logoi):
Auf dem „Marktplatz Twitter“ sind es Backlinks (generiert durch öffentliche Antworten
und Retweets), die innerhalb der Aufmerksamkeitsökonomie als Währung fungieren
(vgl. Schulzki-Haddouti 2008: S.8) und so den Wert eines Tweets kennzeichnen.
„Das ist, was die Griechen Dia-logos, den Austausch von Logoi, nannten.“ (Flusser
2007: S.291)

Information entsteht also, indem das Private publiziert, ein Wert festgestellt und die
Öffentlichkeit (das Dorf, die Twittersphäre) informiert wird. Dem Dialog kommt dabei
ein dialektischer Charakter zu: „Durch den Tausch, intersubjektiv, kommen die
Menschen der Wahrheit immer näher.“ (ebd.)

Letztlich entspricht dieser Prozess genau der Definition, die die Universität St.Gallen
2006 für den schwammigen Begriff „Web 2.0“ lieferte:
„Die Idee der gemeinsamen Maximierung kollektiver Intelligenz und der
Bereitstellung von Nutzwerten für jeden Teilnehmer durch formalisierte und
dynamische Informationsteilung und -herstellung.“ (Meckel 2006: S.8)
BAKK1 - 11 - Nicole Kolisch

2.5 Kollektive Online-Intelligenz

„Der heute aktuellen Online-Medienkultur gilt als selbstverständlich, dass Inhalte aus
dem sozialen Kontext heraus generiert werden (Social Media)“ (Hartmann 2008:
S.97) Eine Gruppe von Menschen (Stichwort: „Tribe“) arbeitet zusammen, um
Information und Wissen zu schaffen. „Das Resultat dieser Kooperation ist die
Herstellung kollektiver Intelligenz durch einen gemeinsamen, sich selbst
regulierenden qualitätssichernden Prozess.“ (Meckel 2006: S.9)

Meiner Einschätzung nach ruht dieser qualitätssichernde Prozess auf vier Säulen:

a) Statistische Nivellierung der Extremwerte:


Surowiecki (2004, zitiert nach Wikipedia) spricht hier von „der Weisheit der Vielen“,
die darin besteht, dass – in Fallstudien erwiesen – Gruppenentscheidungen bei
Problemlösungen besser sind als Einzelentscheidungen.

b) Informationsmanagment, das dem Open-Source-Prinzip folgt:


„ähnlich einer Aktiengesellschaft, in der jeder Aktionär als Kapital sein Wissen, seine
Erfahrungen im Raum, seine Fähigkeit zu lernen und zu lehren einbringt.“6 (Lévy
1997: S.114, zitiert nach Hartmann 2008: S.108)

c) Transparenz des Informationsherstellungs- und Teilungsprozess:


„Die User können die ursprüngliche Entwicklung der Information beobachten und sie
können auch sehen, wie die Information weiterverbreitet wird.“ (Meckel 2006: S.9)7

d) Egalität und kollektiver Nutzen:


Der Prozess garantiert, dass alle Beteiligten davon profitieren. Das Konzept
„Kollektiv“ bezeichnet nicht die totalitäre Variante, in der sich das Individuum der
Masse unterwirft (vgl. Hartmann 2008: S.108), sondern eine Ermächtigung des
Einzelnen in der Gruppe. Denn letztlich existiert jede miteinander kooperierende
Gruppe von Menschen in der Welt der Konkurrenzgesellschaften nur deswegen,

6
vgl. dazu die Idee der BarCamps, die ebenfalls aus der Online-Kultur entstanden sind und auf diesem Prinzip
aufbauen
7
Inwiefern ein Inhalt hierbei auch geändert werden kann, hängt u.a. von den Lizenzbedingungen ab, vgl.
Creative Commons, die ihrerseits zur Transparenz beitragen
BAKK1 - 12 - Nicole Kolisch

„weil jeder innerhalb der Gruppe erkannt hat, dass es irgendetwas von Wert gibt, das
zu erlangen nur im Zusammenwirken aller möglich ist.“ (Rheingold 1994: S.25)

In ebendiesem letzten Punkt zeigt sich auch die Bedeutung der Netzstruktur. Im
Gegensatz zu hierarchisch-dirigistischen Organisationsstrukturen gibt es kein „oben“
und „unten“. Jedem Knotenpunkt (node) des Netzes kommt (zumindest
systemtheoretisch) die gleiche Wichtigkeit zu. Eine Egalität, die durch die
„Nichtübertragung von social context cues“ (Misoch 2006: S.72, Hervorhebung im
Original) noch verstärkt wird: Bei computervermittelter Kommunikation werden
nämlich statusbezogene Zeichen nicht (oder kaum) übertragen, wodurch eine
„Egalisierung der Interaktionssituation“ (ebd.) eintritt.8

Farnberger (2008: o.S.) vergleicht „alte“ und „neue“ Strukturen, in dem er die
Organisation eines Löwenrudels und eines Ameisenstaates gegenüberstellt und in
folgender Visualisierung auf den Punkt bringt:

Abbildung 3: Britannica vs. Wikipedia

8
vgl. „Social Cues Filtered Out Approach“ von Kiesler et al. (1984/1986/1991, zitiert nach Misoch 2006. S.72f.)
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Beziehungsweise:

Abbildung 4: Old Media vs. Social Media

Wie aber können „Old Media” von „Social Media“-Strukturen profitieren? Das ist die
Diskussion, die derzeit stark emotionalisiert geführt wird.
„YOUR OLD JOURNALISM JOB IS NEVER COMING BACK THE WAY IT WAS.
Reinvent yourself!”, twittert Ruth Anne Harnisch (26.6.2009, Hervorhebung im
Original)
Worin könnte diese „Reinvention“, ein neues journalistisches Selbstverständnis
bestehen?

2.6 Die Rolle des Journalisten in einer Welt der „Social News“ 9

In der Literatur zum Thema Online-Kommunikation bzw. Online-Journalismus wird


immer wieder darauf hingewiesen, „dass durch Erweiterung der
Kommunikationsmodi das einseitige Sender-Empfänger-Prinzip aufgelöst und so die
Mediennutzung demokratisiert werden könne.“ (Loosen / Weischenberg 2000: S.89).
9
der Begriff „Social News“ wird für unterschiedliche Sachverhalte verwendet. Ich benutze ihn als Aggregat aus
„Social Media“ und „News“, also für Nachrichten, die aus einem sozialen, partizipatorischen Kontext heraus
entstehen. In diese Kategorie fällt auch der Begriff des „Citizen Journalism“ (vgl. dazu
http://en.wikipedia.org/wiki/Citizen_journalism)
BAKK1 - 14 - Nicole Kolisch

Das käme der Eingangs erwähnten Utopie von Brecht nahe, dem Modell eines
partizipativ-emanzipatorischen Mediengebrauchs. „Zweifellos bietet das Internet ein
besonderes Interaktionspotential“, merken Loosen und Weischenberg (ebd.) an,
„Und damit auch Chancen, das kommunikationsbestimmte In-group-Verhalten von
Journalisten, das immer wieder beklagt worden ist, zu unterlaufen.“
Konsequent weitergedacht käme es dadurch zu einer publizistischen Aufwertung des
Publikums, die nicht im Interesse des etablierten (Berufs-)Journalismus ist, denn
letztlich würde dieser „damit Gefahr laufen, seine Systemgrenzen bis hin zum
Identitätsverlust aufzuweichen.“ (ebd., S.90)
Zwar gibt es immer wieder Entwürfe eines Journalismus der Zukunft, bei dem den
Journalisten die Funktion von Moderatoren oder Community Managern zukommt,
allerdings: „Ein Kommunikator der überhaupt keine Aussagen mehr produziert,
sondern lediglich den technischen Ablauf der Kommunikation kontrolliert (...), wäre
wohl auch gar kein Journalist mehr.“ (Loosen / Weischenberg 2000: S.90) Er wäre
höchstens ein weiterer „Knotenpunktes in einer Fülle von Netzen und
Teilöffentlichkeiten“. (Friedrichsen et al. 1999. S.141, zitiert nach Loosen /
Weischenberg 2000: S.90)

Was hier deutlich negativ konnotiert ist, empfindet Flusser (2007: S.274) de facto als
Befreiungsschlag: „Vom Standpunkt der Information sind diskursive Medien
Informationskonserven, und die weitgehend von diskursiven Medien gespeiste
Massenkultur ist eine konservative Gesellschaft. Revolutionär wäre, solche
diskursiven Medien zu dialogischer Funktion umzuwandeln. Meiner Meinung nach ist
dies die heute einzig mögliche Form einer revolutionären Aktion in der
Konsumgesellschaft.“

Was des einen Apokalypse, ist des anderen Utopie10. Unabhängig vom persönlichen
Erleben wird aber klar: Um als Journalist deutlich erkennbar zu bleiben, muss
selbiger auf Qualitäten rekurrieren, die auch unter sich laufend ändernden
Bedingungen invariant bleiben.

Ein Wertewandel findet (analog zur Internetpiraterie-Debatte) auch hier in puncto


Urheberrecht und geistiges Eigentum statt: Nachrichten, die aus kollektiver Online-
10
oder, um in Web 2.0-Terminologie zu bleiben: „Was des einen Mist ist, ist des anderen Mashup“ (Akin-
Hecke, 11.6.2009)
BAKK1 - 15 - Nicole Kolisch

Intelligenz aggregiert werden, sind nicht im herkömmlichen Sinn „Eigentum“ des


vermittelnden Journalisten. Durch seine Selektion (Stichwort: Gatekeeper), durch
seinen quellenkritischen Umgang, durch seine Bearbeitung und letztlich auch durch
sein Bekenntnis zu Transparenz und Community, kann der Journalist den
Nachrichten aber einen Mehrwert verleihen. Wie so etwas ablaufen kann, wird von
Jeff Jarvis eindrucksvoll geschildert:

„Journalists end up playing new roles in the news ecosystem. Again, I followed the
Iran story in the live blogs of The New York Times, the Guardian, the Huffington Post,
and Andrew Sullivan and they performed new functions: curating, vetting, adding
context, adding comment, seeking information, filling out the story, correcting
misinformation. They worked with social media, quoting and distributing and reporting
using it. I watched the filling out of the Neda video story as the Guardian called the
man who uploaded it to YouTube and Paulo Coelho blogged about his friend in the
video, the doctor who tried to save Neda. Piece by piece, the story came together
before our eyes, in public. The journalists added considerable value. But this wasn’t
product journalism: polishing a story once a day from inside the black box. This was
process journalism and that ensured it was also collaborative journalism – social
journalism, if you like.“ (Jarvis 2009: o.S.)

Fazit: „Social Journalism” – das bedeutet also den Rezipienten nicht mehr als
passiven, sondern als aktiven Teilnehmer im Kommunikationsprozess
wahrzunehmen. „Als Partner“, wie Albrecht (2006: S.32) vorschlägt, „denn die
digitale Revolution macht potentiell jeden zum Anbieter von Content.“

Nicht unerwähnt bleiben darf auch der Punkt „Vertrauen“. Etablierte Medien
genießen – insbesondere im deutschsprachigen Raum – einen Vertrauensvorsprung
vor (noch) namen- und gesichtlosen Bloggern. Das darf aber nicht darüber hinweg
täuschen, dass „Angebote der Konkurrenz nur einen Mausklick entfernt erreichbar
sind.“ (ebd.)
In einer Ökonomie der Aufmerksamkeit entwickeln markante und bekannte Marken
(wie etwa die BBC oder auch Der Standard) eine stärkere Anziehungskraft (vgl. ebd.)
Diese muss aber das in sie gesetzte Vertrauen bestätigen, wenn sie erhalten bleiben
soll.
BAKK1 - 16 - Nicole Kolisch

3. Fallbeispiel Twitter

Im Folgenden soll anhand von praktischen Beispielen gezeigt werden, wie sich der
Brückenschlag zwischen Journalismus und dem Web 2.0-Tool Twitter gestaltet –
manchmal mehr, manchmal weniger erfolgreich. Die Auflistung erhebt dabei keinerlei
Anspruch auf Vollständigkeit, zumal die Beziehung von „old“ und „new media“ eine
sehr bewegte, sich konstant entwickelnde ist. (So wurde z.B. soeben der erste
Twitter Client für Journalisten „gelaunched“: http://www.journotwit.com/)

3.1 #iranelection: Twitter als Nachrichtenagentur

Twitterfall, eine Applikation zur Beobachtung zuvor ausgewählter Hashtags11 oder


Themenbereiche, hat Einzug in den Newsroom des Daily Telegraphs gefunden (vgl.
Oliver 2009: o.S.) und nimmt dort die Funktion eines Newstickers ein, der via Screen
die Redaktion über die aktuellsten Updates informiert.
Aber nicht alle journalistischen Institutionen öffnen sich derart für neue Medien. So
heißt es etwa im Journalisten-Handbuch von Reuters (2008: o.S.): „Online
information sources which rely on collaborative, voluntary and often anonymous
contributions need to be handled with care.”12 Sicherlich, Glaubwürdigkeit und
Verlässlichkeit von kollaborativen Netzinformationen ist das zentrale Thema, will man
Twitter als alternative Nachrichtenagentur nutzen. So verbreitete sich die
Falschmeldung vom Tod des Schauspielers Jeff Goldblum via Twitter in Windeseile,
wurde – aus welchen Gründen auch immer – von der Neuseeländischen Polizei
bestätigt und unhinterfragt im neuseeländischen Fernsehen ausgestrahlt. (vgl.
Skelton 2009: o.S.)
Hätte es noch eines Beweises für die Notwendigkeit eines quellenkritischen
Umgangs bedurft, so wäre er hiermit geliefert. „The word »confirmed« in so many
tweets means little since one doesn't know who's confirming & how”, bemerkt Jeff
Jarvis (20.6.2009). Tatsächlich unterscheidet sich Twitter darin aber kaum von

11
Definition von Kanalley (2009): # – The hashtag can be used before any word or abbreviation on Twitter to
make it easier for others to find who are interested in the same topic. It is commonly used at major events and
conferences, as well as at times of breaking news (example: #Obama, #Iran).
12
Auch Wikipedia wird (nicht nur) von Reuters als Quelle abgelehnt und mit großer Skepsis betrachtet. Dabei
gibt es bereits seit 2006 Studien, die Wikipedia-Einträge als ebenso akkurat wie Einträge der Ezyklopaedia
Britannica ausweisen (vgl. Meckel 2006: S.9)
BAKK1 - 17 - Nicole Kolisch

anderen Quellen. „Warum soll ein Journalist glaubwürdiger sein, nur weil er ein
Journalist ist?“ (Wallisch, Diskussionsbeitrag vom 24.6.2009)

Was Twitter als Nachrichtenagentur auszeichnet, ist die Geschwindigkeit, mit der
Meldungen verbreitet werden. Beispiele, die inzwischen schon als klassische Twitter-
Sternstunden gelten, sind die Anschläge auf das Hotel Taj Mahal in Mumbai
(November 2008), die Landung eines U.S. Airways Jets am Hudson River (Jänner
2009)13 und der Amoklauf von Winnenden (März 2009), die zuerst über Tweets an
die Öffentlichkeit gelangten.

Auch Sarah Palin, die nach Bekanntgabe ihres Rücktritts als Gouverneurin von
Alaska für die Presse unerreichbar war, zog es vor, die Öffentlichkeit via Twitter und
Facebook über ihre Motive zu informieren. Da keine anderen Informationen zur
Verfügung standen, sah sich die Washington Post gezwungen, Palins Facebook-
Statement 1:1 abzudrucken (vgl. Cashmore 2009: o.S.)

In der unmittelbaren Vergangenheit waren es die Konflikte im Iran, die die Bedeutung
von Twitter offenkundig machten. Eine umfassende Aufarbeitung der Ereignisse, die
auf Twitter „#iranelection“, „#neda“ oder „#gr88“14 getagged wurden, würde den
Rahmen dieser Arbeit sprengen. Auch die Rolle, die Twitter nach wie vor als
Sprachrohr der oppositionellen Iraner spielt, kann hier keinen Platz finden. Was ich
aber schon kurz ansprechen möchte, ist der Beitrag Twitters als Nachrichtenagentur.

Am 12. Juni 2009 fanden im Iran Präsidentschaftswahlen statt. Das Ergebnis wurde
am Tag danach (Samstag, 13.6.2009) verkündet und der amtierende Präsident
Mahmud Ahmadinedschad zum Wahlsieger erklärt. Bereits am selben Tag
verdichteten sich Gerüchte bezüglich Wahlbetrug und Manipulation. Anhänger des
Oppositionskandidaten Mir-Hossein Mousavi gingen auf die Straße. Es kam zu
Massenprotesten und Straßenschlachten – unbemerkt und unkommentiert von
Mainstream-Medien: „The leading name in news, CNN, is shockingly absent from the
story” (Kirkpatrick 2009: o.S.) Während sich die Lage im Iran zuspitze, wurde
weiterhin „brav (...) auf praktisch allen Sendern der offizielle Wahlsieg von Ahmadi-

13
„There's a plane in the Hudson. I'm on the ferry going to pick up the people. Crazy.“ (Krums, 2009)
14
„gr“ steht als Kürzel für „green revolution“, 88 ist das aktuelle Jahr nach iranischer Zeitrechnung.
BAKK1 - 18 - Nicole Kolisch

Nejad verkündet“ (Proschofsky 2009: o.S.). Statt dessen häuften sich die Berichte im
Netz: Twitter meldete im Sekundentakt, auf youtube fanden sich die ersten Videos.
Auf CNN lief ein Interview von Larry King mit einem Motorradkonstrukteur.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. „Iran went to hell.
Media went to bed.”, schrieb der Economist (18.6.2009). „Dear CNN, Please Check
Twitter for News About Iran” titelte die New York Times (14.6.2009) und im Standard
schaffte es sogar das twitterinterne Kategorisierungsgimmick Hashtag (#) in die
Schlagzeile: „#CNNFail: Der Iran und das Versagen der klassischen Medien“
(15.6.2009)

Inzwischen hatten die klassischen Medien aufgeholt. Spätestens am Montag,


15.6.2009, gab es auch „offline“ kein Vorbeikommen mehr an den Protesten im Iran.
Die Geschichte zeigt aber deutlich: „Twitter has proven a powerful tool for spreading
news of developing events in the country, but it has also taken on the role of media
watchdog: thousands of Twitter users adopted the hashtag #CNNfail to highlight a
lack of Iran coverage from the news organization. “ (Cashmore 2009: o.S.)

Wie aber konnten traditionelle Medien über den Iran berichten?


Nachdem das ursprünglich auf 10 Tage ausgestellte Visum ausländischen
Wahlberichterstatter nicht verlängert wurde, mussten diese die Krisenregion
verlassen. Informationen waren vor Ort nicht mehr recherchierbar. Im ZIB2-
Tagebuch schildert Armin Wolf:

“Ein ganz zentraler Informationsweg ist deshalb in den letzten Tagen Twitter
geworden (...) Wer über die Twitter-Suchfunktion nach "Iran" sucht, bekommt in einer
atemberaubenden Geschwindigkeit immer neue Meldungen zu lesen. Hunderte pro
Minute! Das Problem dabei: sehr viele dieser sogenannten "tweets" werden von den
Lesern gleich weitergeschickt, wiederholen sich also dutzende Male. Und sie sind
natürlich schwer zu verifizieren. Aber Journalisten auf der ganzen Welt haben in den
letzten Tagen die "Live-Berichterstattung" via Twitter verfolgt (...) Die US-Regierung
hat sogar an die Twitter-Betreiber appelliert, eine einstündige Service-Unterbrechung
heute abend zu verschieben - wegen der vielen Iran-Meldungen.“ (Wolf 2009: o.S.)

Tatsächlich bestand der ZIB2-Beitrag zum Thema Iran am 24.6.2009 ausschließlich


aus User Generated Content (UGC): Die Videoeinspielungen lieferte die Plattform
youtube/citizentube, die von youtube speziell für iranischen Bürgerjournalismus
BAKK1 - 19 - Nicole Kolisch

aufgesetzt wurde. Die zitierten Texte eines betroffenen Iraners stammten von
@persiankiwi, einem anyonymen Twitteruser.

Auch der Standard schreibt: „Wer wirklich topaktuelle Bilder und Berichte über die
aktuelle Situation im Iran haben will, der kommt an Twitter und Co. (...) kaum mehr
vorbei. Gerade das Microblog erweist sich derzeit als relativ resistent gegen die
Zensurversuche der Behörden, jenseits der traditionellen Medien werden hier laufend
neue Videos, Bilder und kurze Berichte über die Situation geliefert.“ (Proschofsky
2009: o.S.)

3.2 „If you knew Neda personally tell us more”: Twitter als
Recherchetool

Am 21.6.2009 twitterte die NBC-Journalistin Ann Curry folgenden Aufruf: „If you knew
Neda personally tell us more. Is her family willing to speak about her and what she
cared about? #iranelection“ (Curry, 21.6.2009)
Neda Agha-Soltan, jene iranische Studentin, die zu einem Aushängeschild der
“Grünen Revolution” werden sollte, war am Vorabend erschossen worden.

Jenseits der Frage, ob es sich hier um Betroffenheitsjournalismus handelt, zeigt


Currys Tweet, wie Twitter als Recherchetool eingesetzt werden kann. Auf Grund
ihrer hohen Zahl an Followern (246.285 – Stand von Juli 2009) und dem zu
erwarteten Schneeballeffekt war mit einer verwertbaren Antwort zu rechnen.

Es gibt aber noch andere, indirektere Methoden, die Twitter als Werkzeug
auszeichnen: Die Twittersuche (http://search.twitter.com/) ermöglicht – vor allem in
Verbindung mit Hashtags – gezieltes Suchen nach Stichwörtern. Bei aktuellen
Themen sind die Ergebnisse dabei akkurater als bei Google.
Da Google einen Algorithmus verwendet, der gut verlinkte (und daher ältere)
Websites bevorzugt, werden Ereignisse, die gerade im Moment der Suche
stattfinden, nicht erfasst. Twitter Search ermöglicht hingegen „Echtzeitsuche“. Wer
also Informationen über den Fußballverein Los Angeles Galaxy sucht, ist bei Google
gut aufgehoben. Wer jedoch Interesse an dem Tor hat, das David Beckham vor zwei
Sekunden für Los Angeles Galaxy geschossen hat, wendet sich an Twitter Search.
BAKK1 - 20 - Nicole Kolisch

Ein zusätzlicher Mehrwert entsteht durch die Nutzung von Hashtags bei der Suche.
Hashtags konstituieren ein „semantisches Tagging“. Sie ordnen einer
Aussage/Information einen Kontext zu. Zwar steckt das tatsächlich semantische Web
noch in den Kinderschuhen, Twittersuche mittels Hashtags bietet aber eine quasi
„handgestrickte“ Variante.

3.3 Trending Topics & Didi Constantini: Twitter als Ideenpool

„Fasse zusammen: Wolf weg, Milborn weg, Lachner weg,


Zielina noch weg, werde fürs Sommerloch neue Twitterer
brauchen, um an Content zu kommen“ – Thomas Mohr15,
3.7.2009

Nicht nur fürs Sommerloch werden Ideen auf Twitter gesucht. Global Player wie
Reuters beobachten die Twittertrends (vgl. O’Connor / Stone 2009: o.S.) ebenso wie
österreichische Kolumnisten. Dass Twitter am rechten Bildschirmrand selber eine
Liste der „Trending Topics“ führt, erleichtert die Sache ungemein. Hier konnte man
z.B. erkennen, dass Mitte Juni Twitteruser begeistert ein Spiel betrieben, indem es
darum ging, „postkoitale Kommentare“ (Kuhn 2009: o.S.) zu erfinden, möglichst
witzig, absurd und – dem Medium entsprechend – prägnant: #threewordsaftersex
lautete der entsprechende Hashtag.16
Kurz darauf (13.6.2009) erschien die Sexkolumne von Gabriele Kuhn im
Kuriermagazin Freizeit, die (mit Verweis auf Twitter) ebendies zum Thema hatte.
Dabei ist anzumerken: Gabriele Kuhn twittert selber nicht. Ihr Account ist verwaist
(nur zwei Updates, das letzte von 27. Februar17). Man muss also nicht twittern, um
Twitter zu nutzen.

Wer nicht die Trending Topics verfolgt, findet Ideen einfach durch Fragen. Armin
Wolfs fussball-agnostischer Tweet ist inzwischen legendär: „Darf/muss um 20h15
Didi Constantini interviewen. Habe keine Ahnung von Fussball! Was soll ich fragen?“
(Wolf, 5.3.2009).

15
Moderator der Austria News in SAT1
16
nachvollziehbar auf http://hashtags.org/
17
Stand: 11.7.2009
BAKK1 - 21 - Nicole Kolisch

Auch Ingrid Brodnig rekurrierte für ihren Twitter-Artikel im Falter18 auf den Ideenpool
der Twitteruser: „hallo an alle 111 follower! kurze umfrage: was gefällt euch an
twitter?“ (Brodnig, 28.6.2009/1) – und hatte bereits sechs Stunden später
ausreichend Material gesammelt: „Danke für die zahlreichen Antworten! Ich werde
schauen, das im kommenden Falter unterzubringen.“ (Brodnig, 28.6.2009/2)

3.4 Blick am Abend: Twitter als User Generated Content

Es geht noch direkter. Während die Beispiele Brodnig, Kuhn und Wolf Twitter als
einen Ideenpool ausweisen, der Ansatzpunkte für journalistische Contentproduktion
liefert, übernimmt die Schweizer Gratiszeitung Blick am Abend Twittercontent eins zu
eins, sprich unbearbeitet:

„Nachrichten auf Twitter sind oft zu gut, um sie in den Tiefen des Netz’ versauern zu
lassen. Seit Anfang der Woche druckt Blick am Abend darum täglich den »Tweet des
Tages«. Meistens greift er ein aktuelles Thema auf. Dazu durchforsten wir jeden
Morgen Twitter nach guten Beiträgen (via search.twitter.com).
Natürlich dürfen Sie uns auch auf einen guten Beitrag aufmerksam machen – egal,
ob er nun von Ihnen oder anderen Usern stammt. senden Sie ihn uns per Twitter an
www.twitter.com/blickamabend“ (Benkö 2009/1: S.22)

Die Auswahlkriterien hat Benkö klar definiert: Der „Tweet des Tages“ soll:
– neu bzw. höchstens 24 Stunden alt sein.
– zum Thema des Tages - oder sonst zu einer größeren Geschichte im Blatt
passen
– möglichst keine Links/Kurz-URLs enthalten und in sich geschlossen verständlich
sein
– deutsch geschrieben sein
– aus der Schweiz stammen
(vgl. Benkö 2009/2)

Die Integration von Twitter und Print wird von Blick am Abend auf mehreren Ebenen
vorexerziert, so etwa wenn es um Leserfeedback oder die Suche nach neuen
Werbespeüchen geht (vgl. ebd.). Auch lokale Chronikmeldungen der Kategorie

18
Brodnig, Ingrid (2009): Wir haben alle einen Vogel! In: Falter 27/09. Wien: Falter Verlag
BAKK1 - 22 - Nicole Kolisch

„dümmster Autofahrer Zürichs“ basieren auf Twittermeldungen. Das liegt sicher auch
daran, dass Nachrichtenchef Benkö selber Blogger und sehr Web-affin ist. Dieser
Affinität kommt nicht nur redaktionell Bedeutung zu. Sie kommt auch zu tragen, wenn
es darum geht, sich als Medium auf Twitter zu präsentieren.

3.5 Dinner mit Demi: Selbstpräsentation und Leser-Blatt-Bindung


via Twitter

Man mag gegenüber Blick am Abend durchaus einen kritischen Standpunkt


einnehmen, der zeitungseigene Twitterauftritt ist aber gut und zielgruppenadäquat
betreut. Das ist keine Selbstverständlichkeit. So hat beispielsweise die New York
Times mit Jennifer Preston einen eigenen Social Media Editor engagiert, deren Job
es ist, die Social Media Auftritte des Blattes zu betreuen. Die anfängliche Euphorie
über diese Brücke zwischen old und new media, ist inzwischen in Kritik
umgeschlagen, da Preston keine wahrnehmbare online Präsenz zeigt und ihr Mangel
an (Social-Media-)Verständnis und Engagement vorgeworfen wird (vgl. Schroeder
2009: o.S.) Sicherlich ein wichtiger Lernprozess für die Beteiligten, denn: Gut genützt
bietet ein Twitterauftritt sowohl Medien, als auch einzelnen Journalisten
Möglichkeiten, sich als Marke zu etablieren bzw. eine starke Bindung zum Publikum
aufzubauen.

3.5.1 Exkurs: Was bedeutet Medienbindung und wie entsteht sie?

„In der Leserschaftsforschung bezeichnet Leser-Blatt-Bindung den Grad der


Verbundenheit und der emotionalen Affinität der Leser zu einem Periodikum.“
(Koschnick 2003: o.S.)
Der Begriff bezieht sich ursprünglich auf den Print-Bereich, die zugrunde liegenden
Mechanismen können aber prinzipiell auf andere Medien übertragen werden,
weshalb in der Literatur immer häufiger von Nutzer-Medium-Bindung (bzw. verkürzt
„Medienbindung“) die Rede ist. (vgl. Koschnick: ebd.).
BAKK1 - 23 - Nicole Kolisch

Medienbindung kommt der werbetreibenden Wirtschaft ebenso zugute, wie dem


jeweiligen Medium und den Rezipienten selbst. Ein hoher Grad an Bindungsstärke19
bedeutet demnach einen Mehrwert für sämtliche Beteiligten des
Kommunikationsprozesses.

Bei der Entstehung von Medienbindung spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Neben
klassischen Werten wie Kontinuität, Verlässlichkeit, Qualität etc., kommt dem Bereich
der Interaktivität und der Nutzereinbindung eine immer größere Bedeutung zu. Dabei
muss jedoch zwischen „echter“ und „unechter“ Interaktivität unterschieden werden.
(vgl. Loosen/ Weischenberg 2000: S.85f)

„Unechte“ Interaktionselemente sind z.B. eine Suchfunktion, ein Archiv oder Links.
„Als »echte« Interaktionsangebote würde man demgegenüber eher alle Elemente
bezeichnen, die User-Feedback und direkten Austausch ermöglichen“ (ebd.), also
eine computergestützte Mensch-Mensch-Kommunikation.

3.5.2 Medienbindung via Twitter

Die angesprochene Unterscheidung ist wichtig, wenn man sich ansieht, wie
unterschiedliche Medien Twitter nutzen. Wird Twitter in seiner Pushfunktion genutzt,
um die neuesten Schlagzeilen des eigenen Printproduktes zu verlautbaren? Oder
kommt es zu „echter“, sprich Mensch-Mensch-Interaktion?
Es zeigt sich, dass auf Twitter (mit wenigen Ausnahmen) nur letzteres Erfolg bringt.

Kommunikatoren, die auf Twitter reüssieren wollen, müssen die klassischen


Massenkommunikationsformen one-to-many oder few-to-many, durch Integration
vielgestaltiger anderer „Kommunikationsmodi wie one-to-one, one-to-few und many-
to-many-Kommunikation“ (Loosen, Weischenberg: 2000: S.74) ergänzen. Dadurch
ergeben sich „neue Rückkopplungsmöglichkeiten und damit erweiterte Möglichkeiten
der Interaktion“ (ebd.)

19
„Ein von der Regionalpresse e.V. in ihrer Studie zum "Einkaufs- und Informationsverhalten 1990"
entwickelter Index der Medienbindung, der mit Hilfe von drei Fragen zur Nähe, Vertrautheit und zum Vermissen
eines Mediums ermittelt wurde.“ (Koschnick 2003: o.S.)
BAKK1 - 24 - Nicole Kolisch

Wo das gelingt, entsteht auch Medienbindung der Nutzer an das eigene


Stammmedium, denn: Interaktion vermittelt soziale Präsenz. Soziale Präsenz
erzeugt jene emotionale Affinität (s.o.), auf der Medienbindung beruht.

Die Social Presence Theory von Short/Williams/Christie (1976, zitiert nach Misoch
2006: S.63f) geht davon aus, dass „der entscheidende Faktor, durch welchen sich
Medien voneinander unterscheiden, in dem Ausmaß der medial vermittelten sozialen
Präsenz gesehen werden kann.“ (ebd.)
BAKK1 - 25 - Nicole Kolisch

Das Konzept „soziale Präsenz“ wird dabei von den Autoren mit den Begriffen
Intimität und Unmittelbarkeit verknüpft, wobei folgende Relationen entstehen:
– Soziale Präsenz trägt zur Entstehung von Intimität bei.
– Unmittelbarkeit unterstützt und verstärkt Intimität.
– Unmittelbarkeit verstärkt soziale Präsenz.
(vgl. Misoch 2006: S.64)

Das folgende Beispiel zeigt wie Euke Frank, Chefredakteurin der Zeitschrift WOMAN,
die angesprochenen Konzepte via Twitter umzusetzen vermochte.

3.5.3 Euke & Demi – Unmittelbarkeit & Intimität

„auch wenn es derzeit wichtigeres20 zu twittern gibt: werde heute mit demi moore zu
abend essen....“, twittert Euke Frank am 23.6.2009 (1)21, und verspricht: „... und
werde aus paris twittern, ob ihr gatte ashton auch twittert...“ (2)

Was folgt ist ein Live-Bericht (hier nur auszugsweise wiedergegeben), den Frank via
Mobiltelefon an die Leser schickt: Von ihrer Fahrt zum Flughafen, dem Wetter in
Paris, ihr Warten auf den Superstar – „zwischen ihr und mir sind bloss zwei personen
- aber bislang ist nur ihr tischkaertchen anwesend...“(3), kleine Beobachtungen – „sie
ist heiser!“ (4) – etc.
Dazwischen kommt Frank ihrer Funktion als Reporterin für ein Frauenmagazin nach
– „so, und jetzt soll ich noch herausfinden, von wem das federkleid ist, das sie
traegt....“ (5), bzw. kurz darauf: „sie weiss nicht, von wem das kleid ist, das sie traegt.
aber sie schickt ein mail. versprochen!“ (6)

Der viel diskutierte „Prozessjournalismus“ (im Gegensatz zu „Produktjournalimus“)


entspinnt sich hier vor den Augen der Follower (vgl. Jarvis 2009/2: o.S.). Und das in
aller Unmittelbarkeit. Frank hat kein Interesse daran, ein geschliffenes fertiges
Produkt abzuliefern. Sie vertippt sich, bessert sich selber aus, entschuldigt sich dafür
(jeweils nachzulesen auf http://twitter.com/EukeFrank). Leser und Leserinnen, die
den Bericht lieber in Reinschrift wollen, können – darauf weist sie natürlich hin – ihn
20
Frank twittert generell in Kleinbuchstaben; ich habe die Schreibweise beibehalten
21
aufgrund der Menge habe ich die Tweets in diesem Abschnitt durchnummeriert, genauere Angaben dazu
finden sich im Quellenverzeichnis
BAKK1 - 26 - Nicole Kolisch

in der Juli-Ausgabe von WOMAN nachlesen. Wer aber die Unmittelbarkeit schätzt,
verfolgt Franks Twitterstream.

Neben Unmittelbarkeit stellt Frank auch sehr geschickt Intimität her. Sie etabliert sich
in Bezug auf ihre Leser- und Followerinnen als „Schwester im Geiste“: „maedels, sie
isst brot! nix da mit trennkost und keine kohlehydrate“ (7) – und dann: „gut, wenn sie
sie nicht isst, dann ess ich eben ihre schokokugel vom kaffee...“ (8)

Dazwischen besinnt sie sich auf den interaktiven Charakter der


Twitterkommunikation, beantwortet die Frage eines Followers und nimmt „Aufträge“
entgegen: „soll ich peinlich werden und um ein autogramm fragen. eh nicht fuer mich.
will einer eines?“ (9)

Wenn sie ein paar Tage später auf die aktuelle (und gleich auch die darauffolgende!)
Ausgabe von WOMAN verweist, so kann man das getrost als „Best Practise“ im
Bereich Social Media Marketing bezeichnen: „ps: seit gestern am markt: woman mit
twitter-story. war erst der anfang, die naechste folgt im august.“ (Frank, 4.7.2009)

Auch Rappold (2009: o.S.) kommentiert: „These: Wenn Frau Frank so weitermacht,
dann hat Sie in 1 Jahr vielleicht 6.000 Follower, zum großen Teil Frauen (oder
Männer wie mich), die Informationen wie welches Kleid Demi anhatte, oder die
Autogrammkarte von Ihr (zumindest die Kopie) so neugierig machen, dass sie das
nächste Woman kaufen (und lesen!).“

3.5.4 Armin Wolf

In Österreich kann man das Phänomen Medienbindung via Twitter nicht beschreiben,
ohne auf Armin Wolf einzugehen. Armin Wolf hat am 13.2.2009 zu twittern
begonnen. Bis zum heutigen Tag (Stand: 11.7.2009) hat er 6392 Follower um sich
versammelt und einen Output von 1617 Tweets geliefert. Im Juni brachte ihn das auf
Platz 16 der deutschsprachigen (also nicht ausschließlich österreichischen)
Twittercharts.
Wolf twittert nicht als Privatperson, das gab er immer wieder in Interviews an (so
etwa im Standard-Interview am 16.3.2009). Er nützt Twitter, um „Hintergrund-Info zur
BAKK1 - 27 - Nicole Kolisch

ZiB2 zu geben, über die Sendung zu diskutieren, Feedback zu kriegen und auch
Infos. (...) ich hoffe, es ist auch nicht fad.“ (Wolf im Interview, 30.4.2009)
Und, so das allgemeine Urteil: „Wolf macht das richtig gut - davon könnten sich
einige Journalisten, Politiker und andere Twitter-Promis ein Stück abschneiden.“
(Farnberger, 2009: o.S.)

Was Wolf zustande bringt, ist eine Art Wertschöpfungskette zwischen der Zeit-im-
Bild, Twitter und dem ZIB-Tagebuch, einem Moderatoren-Blog auf orf.at:

– vor der ZIB2 kündigt Wolf die Themen der Sendung an und holt sich Inputs für
Interviews: „Albertina-Chef Schröder hat als ZiB2-Gast heute zugesagt: Was
würden Sie ihn den fragen?“ (Wolf, 1.7.2009).
– während der ZIB2 können seine LeserInnen dann das Ergebnis der Interview-
Recherche verfolgen
– nach der ZIB2 diskutiert er Feedback auf Twitter, gibt zusätzliche
Hintergrundinfos im ZIB-Tagebuch, auf die er wiederum in seinem Twitterfeed
verweist

Auch hier entsteht Leserbindung durch Interaktion und Unmittelbarkeit. Der ZIB2-
Seher wird – zumindest gefühlsmäßig – „vom Konsumenten zum Komplizen“
(Albrecht 2006: S.32).

3.6 Grüne Vorwahlen: Agenda-Setting via Twitter

Der Kerngedanke der Agenda-Setting-Hypothese geht ursprünglich davon aus, dass


die Medien „gewissermaßen fest[legen], welche Themen wir auf unsere
Tagesordnung (Agenda) setzen.“ (Burkart 2002: S.248f). Immer wieder wurde jedoch
darauf hingewiesen, dass die Richtung der Kausalität (so sich eine solche überhaupt
nachweisen lässt) auch umgekehrt sein könnte: „Es könnte ja auch das Publikum mit
seinen thematischen Präferenzen die Agenda der Medien beeinflussen, weil die
Zeitungen und Rundfunkanstalten, die auf einem konkurrierenden Markt bestehen
müssen, ohnehin versuchen, sich an den Interessen ihrer Rezipienten zu
orientieren.“ (ebd., S.250)
BAKK1 - 28 - Nicole Kolisch

Zwei Elemente dieser These müssen in Zusammenhang mit Twitter gesondert


betrachtet werden:

a) die Interessen der Rezipienten:


Twitter verleiht den Rezipienten eine Stimme: „The world of Web 2.0 is also the world
of what Dan Gillmor calls »we, the media«, a world in which »the former audience«,
not a few people in a back room, decides what's important.” (O’Reilly, 2005: o.S.)
Wer twittert, vor allem, wer das konsequent und vor ausreichend großer Follower-
Audience tut, wird gehört.
Auch vor Web 2.0 hatten Rezipienten die Möglichkeit, ihre Interessen auszudrücken
(etwa durch Kauf bzw. Nichtkauf von Medienprodukten). Seit Web 2.0 tun sie es
jedoch lauter und klarer.

b) die konkurrierende Marktsituation der Medien


„Lesson: Network effects from user contributions are the key to market dominance in
the Web 2.0 era.” (O’Reilly, 2005: o.S.)
Kurz: Wer am Markt bestehen will, kommt um User Contributions nicht herum.

Die Frage, ob Agenda Setting via Twitter stattfinden kann, muss also eindeutig bejaht
werden. Dass dem nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch so ist, zeigt das
Beispiel „Grüne Vorwahlen“.

Die Initiative „grüne Vorwahlen“ wurde von zwei aktiven Bloggern und einer
Bloggerin ins Leben gerufen, um innerhalb der Wiener Grünen mehr Partizipation
und eine Rückbesinnung auf basisdemokratische Grundwerte der Partei zu erwirken.

Die Ausgangssituation:
Es gab kein Budget und keine Werbung. Die Initiative wurde von keinem der
Beteiligten hauptberuflich betreut.
Den Startschuss lieferten drei Blogeinträge am 1. April 2009, sowie deren
Bewerbung via Twitter. Bereits am 2. April reagierte der online Standard („Grüne
Basis auf Obamas Spuren“: http://derstandard.at/?url=/?id=1237229018219), in Print
erschien jedoch nichts. Letztlich war das Thema auch zu klein, handelte (wenn man
BAKK1 - 29 - Nicole Kolisch

so will) nur von einem Fraktionsstreit innerhalb einer Landespartei, irrelevant für die
Bundesebene.

Virale Effekte sind aber nicht zu unterschätzen. Mundpropaganda und Mobiliserung


via Twitter, sowie ein gewisser „stickyness factor“ der Nachricht (vgl. Gladwell, 2002:
o.S.) ließen das Thema wachsen.

Die Folge:
Berichte in allen Mediensparten22, inklusive Fernsehbeiträge in den Sendungen
„Report“ (26.5.2009) und „Zeit im Bild 2“(9.6.2009)

Die Twittersphäre hatte die „Grünen Vorwahlen“ auf die Medienagenda gesetzt.

22
ein vollständiger Pressespiegel findet sich auf http://www.gruenevorwahlen.at/presse/
BAKK1 - 30 - Nicole Kolisch

4. Ausblick
„I believe journalism is a sustainable business but it will
not come via incrementalism & protectionism but from
reinvention” – Jeff Jarvis, 2009

Im Jänner 2009 gründete der Journalist Craig Kanalley die Website „Breaking
Tweets“, auf der internationale Nachrichten mittels Tweets berichtet werden: „Tweets
are manually selected by editors based on relevance and arranged to tell a story in a
journalistic style.” (www.breakingtweets.com, 2009)
Auch das zeigt eine mögliche Herangehensweise.

Es ist eine von vielen.


Diese Arbeit wurde mit dem Ziel verfasst, Optionen aufzuzeigen, nicht jedoch
Handlungsanweisungen zu liefern. Es gibt viele Wege der Integration von old und
new media.
Die besonders im englischen Sprachraum vehement behauptete Opposition
zwischen sogenannten MSM (mainstream media) und der Blogosphäre, zwischen
Produkt- und Prozessjournalimus, ist – mit Verlaub – Unfug.
Gerade der Ernstfall der Iranberichterstattung hat das eindrucksvoll bewiesen:
“The winner of the Iranian protests was neither old media nor new media, but a
hybrid of the two”, urteilt der Economist (o.V., 2009: o.S.).

Und auch die ZEIT (16.6.2009)23 lieferte einen möglichen Einblick in die Zukunft der
Berichterstattung. Am vierten Tag nach der Wahl im Iran veröffentlichte das
renommierte Blatt eine Timeline der Ereignisse. Diese Timeline ist (wenn man so will)
ein Mashup aus etablierten Medien (BBC, Guardian, Boston Globe etc.) und
Bürgerjournalismus (Twitter, youtube, Blogs).

Das Bild einer starren medialen Unvereinbarkeit ist somit nicht haltbar.
Genauso wenig haltbar ist jedoch das Bild eines Journalismus „as we knew it“.

23
Schlicht, Daniel: Volksaufstand im Netz (ZEIT ONLINE, 16.6.2009, http://www.zeit.de/online/2009/25/iran-
blog, Konsultation: 11.07.2009)
BAKK1 - 31 - Nicole Kolisch

Die für mich schlüssigsten Gedanken zum Thema hat Robert Picard in seinem Essay
“The End Of Journalism?” zusammengefasst, weshalb ich ihm gerne ein längeres
Schlusswort überlassen möchte:

“(…) Many of the voices and opinions, however, misunderstand the nature of
journalism. It is not business model; it is not a job; it is not a company;
it is not an industry; it is not a form of media; it is not a distribution
platform.

Instead, journalism is an activity. It is a body of practices by which


information and knowledge is gathered, processed, and conveyed. The
practices are influenced by the form of media and distribution platform, of
course, as well as by financial arrangements that support the journalism.
But one should not equate the two. (...)

Journalistic processes and practices have thus never remained fixed, but
journalism has endured by changing to meet the requirements of the
particular forms in which it has been conveyed and by adjusting to resources
provided by the business arrangements surrounding them.

Journalism may not be what it was a decade ago-or in some earlier


supposedly golden age-but that does not mean its demise is near. Companies
and media may disappear or be replaced by others, but journalism will adapt
and continue.

It will adapt not because it is wedded to a particular medium or because it


provides employment and profits, but because its functions are significant
for society. The question facing us today is not whether journalism is at
its end, but what manifestation it will take next.” (Picard 2009: o.S.)
BAKK1 - 32 - Nicole Kolisch

5. Quellenverzeichnis:
5.1 Literatur

Albrecht, Georg (2006): Vom Konsumenten zum Komplizen – das Web verändert die
Kundenbeziehung. In: marketing journal. Sonderheft/2006. München: Europa
Fachpresse Verlag.

Benkö, Thomas (2009/1): So entsteht der »Tweet des Tages«. In: Blick am Abend,
6.3.2009. Zürich: Ringier AG

Burkart, Roland (2002): Kommunikationswissenschaft. Wien: Böhlau.

Cashmore, Pete (2009): #CNNfail: Twitter Blasts CNN Over Iran Election. Auf:
Mashable (http://mashable.com/2009/06/14/cnnfail/ - Konsultation: 11.7.2009)

Cashmore, Pete (2009): Sarah Palin Shuns Press: Talks to Twitter, Facebook
Instead. Auf: Mashable (http://mashable.com/2009/07/04/sarah-palin-facebook/ -
Konsultation: 10.7.2009)

Döring, Nicola (2003): Sozialpsychologie des Internet. Die Bedeutung des Internet für
Kommunikationsprozesse, Identitäten, soziale Beziehungen und Gruppen. Göttingen:
Hogrefe

Farnberger, Helge (2009): E-Media: Der mit dem Wolf twittert. Auf: Helge.at
(http://www.helge.at/2009/03/e-media-der-mit-dem-wolf-twittert/; Konsultation:
11.7.2009)

Flusser, Vilém (2007, ursprünglich 1996). Kommunikologie. Frankfurt am Main:


Fischer

Gladwell, Malcom (2002): Tipping Point: Wie kleine Dinge Großes bewirken können.
München: Goldmann

Hartmann, Frank (2008): Multimedia. Wien: UTB Profile


BAKK1 - 33 - Nicole Kolisch

Jarvis, Jeff (2009/1): The King of Twitter. Auf: BuzzMachine


(http://www.buzzmachine.com/2009/06/26/the-king-of-twitter/ - Konsultation:
10.7.2009)

Jarvis, Jeff (2009/2): Product v. process journalism: The myth of perfection v. beta
culture. Auf: BuzzMachine
(http://www.buzzmachine.com/2009/06/07/processjournalism/ - Konsultation:
11.7.2009)

Kannalley, Craig (2009): Jargon. Auf: http://www.twitterjournalism.com (Konsultation:


10.7.2009)

Kirkpatrick, Marshall (2009): Dear CNN, Please Check Twitter for News About Iran.
In: The New York Times. (http://bit.ly/ywCj524, Konsultation: 11.07.2009)

Kolisch, Nicole / Mahr, Georg: Armin Wolf Interview. Auf: Multimedia Berufsfelder
(Lehrveranstaltungsblog: http://multimedia-berufsfelder.blogspot.com/2009/05/twitter-
interview-mit-armin-wolf.html)

Kuhn, Gabriele (2009): Nach-Erzählungen. In: Freizeit, Nr. 1019 / 13.6.2009. Wien:
Kurier Zeitungsverlag.

Köhler, Benedikt (2008): Wie Twitter die Gesellschaft verändert. Auf: Viralmythen
(http://blog.metaroll.de/2008/10/15/wie-twitter-die-gesellschaft-veraendert-die-
massenmedien/ - Konsultation: 9.7.2009)

Koschnick, Wolfgang J. (2003): Focus-Lexikon. Werbeplanung, Mediaplanung,


Marktforschung, Kommunikationsforschung, Mediaforschung. München: Focus
Magazin Verlag. (online-Ausgabe: www.medialine.de; Konsultation: 26.3.2009)

24
Links, die über mehr als zwei Zeilen gehen würden, habe ich zur einfacheren Handhabung mittels Short-URL-
Dienst verkürzt.
BAKK1 - 34 - Nicole Kolisch

Lévy, Pierre (1997): Die kollektive Intelligenz. Mannheim: Bollmann [zitiert nach:
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Diskussionsmitschrift der Autorin)

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(http://zib.orf.at/zib2, Konsultation: 10.7.2009)

5.2 Wikipedia-Einträge

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10.7.2009)

Creative Commons: http://de.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons (Konsultation:


10.7.2009)

Die Weisheit der Vielen: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Weisheit_der_Vielen


(Konsultation: 10.7.2009)

5.3 Andere Quellen

Benkö, Thomas (2009/2): Wie Print von Twitter profitieren kann. Präsentation. Auf:
bö │ benkösblog (http://www.benkoe.ch/?p=2195, Konsultation: 11.7.2009)

Fahrnberger, Helge (2008): About Lions and Ants. Präsentation.


(http://www.slideshare.net/muesli/about-lions-and-ants-presentation, Konsultation:
10.7.2009)

Rheingold, Howard (2009): Interview für audioboo.fm


(http://audioboo.fm/boos/39512-howard-rheingold-on-social-media-literacy-at-
cslive09; aufgenommen: 9.7.2009, Konsultation: ebd.)
BAKK1 - 37 - Nicole Kolisch

5.4 Tweets

Akin-Hecke, Meral (11.6.2009): http://twitter.com/kigo/status/2114842353


(Konsultation: 10.7.2009)

Brodnig, Ingrid (28.6.2009/1): http://twitter.com/brodnig/status/2370924792


(Konsultation: 11.7.2009)

Brodnig, Ingrid (28.6.2009/2): http://twitter.com/brodnig/status/2374497622


(Konsultation: 11.7.2009)

Curry, Ann (21.6.2009): http://twitter.com/AnnCurry/status/2269186519 (Konsultation:


11.7.2009)

Frank, Euke (jeweils 23.6.2009, Konsultation: 11.7.2009):


(1) http://twitter.com/EukeFrank/status/2296103303
(2) http://twitter.com/EukeFrank/status/2296129027
(3) http://twitter.com/EukeFrank/status/2298845674
(4) http://twitter.com/EukeFrank/status/2299053973
(5) http://twitter.com/EukeFrank/status/2300885466
(6) http://twitter.com/EukeFrank/status/2300978256
(7) http://twitter.com/EukeFrank/status/2299305080
(8) http://twitter.com/EukeFrank/status/2300815045
(9) http://twitter.com/EukeFrank/status/2300741197

Frank, Euke (4.7.2009): http://twitter.com/EukeFrank/status/2468283633


(Konsultation: 11.7.2009)

Harnisch, Ruth Anne (26.6.2009):


http://twitter.com/ruthannharnisch/status/2348870632 (Konsultation: 10.7.2009)

Jarvis, Jeff (20.6.2009): http://twitter.com/jeffjarvis/status/2255225422 (Konsultation:


10.7.2009)
BAKK1 - 38 - Nicole Kolisch

Jarvis, Jeff (10.7.2009): http://twitter.com/jeffjarvis/status/2571347511 (Konsultation:


edb.)

Krums, Janis (15.1.2009): http://twitter.com/jkrums/status/1121915133 (Konsultation:


10.7.2009)

Lender, Robert (25.11.2008): https://twitter.com/RobLen/status/1023382891


(Konsultation: 9.7.2009)

Mohr, Thomas (3.7.2009): http://twitter.com/thomas_mohr/status/2452020990


(Konsultation: 10.7.2009)

Wolf, Armin (5.3.2009): http://twitter.com/ArminWolf/status/1283615281


(Konsultation: 11.7.2009)

Wolf, Armin (1.7.2009): http://twitter.com/ArminWolf/status/2421607754


(Konsultation: 11.7.2009)

5.5 Weiterführende Literatur

Comm, Joel (2009). twitter power. How to Dominate Your Market One Tweet at a
Time. New Jersey: John Wiley & Sons. Inc.

Johnson, Steven (2009): How Twitter Will Change The Way We Live. In: Time,
Nr.24/2009. New York: Time Warner Publishing

Langer, Ulrike (2009): 10 Strategien für den Journalismus 2.0. Auf: medial digital
(http://medialdigital.de/2009/06/03/global-media-forum-10-strategien-fur-den-
journalismus-2-0/)

Shirky, Clay (2009): How social media can make history. Vortrag auf: TED
(http://bit.ly/5dcuF)
BAKK1 - 39 - Nicole Kolisch

Simon, Nicole / Bernhardt, Nikolaus (2008). Twitter. Mit 140 Zeichen zum Web 2.0.
München: Open Source Press

Eine “Recommended Reading”-Liste für Twitter stellt auch das „Centre for Learning &
Performance Technologies“ (Somerset, England) zur Verfügung:
http://www.c4lpt.co.uk/socialmedia/twitterrl.html (Konsultation: 11.7.2009)
Die Aufzählung wird regelmäßig upgedated.

Hier findet man eine Liste der twitternden JournalistInnen Österreichs:


http://www.baeck.at/blog/2009/03/12/twitternde-journalisten/#liste