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Re: Vorbild USA

geschrieben von: A_Walter (IP gespeichert)


Datum: 02.11.2007 21:42

> USA ... über 140 Tote je Mio EW! in Deutschland waren 2006 62 Tote je 1 Mio EW

In einem anderem Forum habe ich gefunden, was die Gründe für die hohe Unfallrate
in den USA recht gut beschreibt und das ich hier sinngemäß und ergänzt
wiedergebe:

- Die Anschnallmoral ist niedrig. Teilweise tragen nur 50% der Leute im Auto den
Gurt.

- Sie quatschen gern stundenlang mit dem Telefon am Ohr. Es ist in den meisten
Bundesstaaten auch nicht verboten. Generell wird vieles im Auto erledigt, was man
beim Fahren besser nicht tun soll.

- 45min Fahrausbildung machen keinen sicheren Fahrer. Außerdem kann man z.B. in
North Carolina schon ab 14-1/2 Jahren die Fahrausbildung machen. Ab 15 darf man
dann mit einem Art "Lehrführerschein" fahren. Wenn man in einem Jahr keine
Beanstandungen hat, bekommt man mit 16 Jahren einen Probeführerschein und
nach weiteren 6 Monaten ohne Beanstandungen den unbeschränkten Führerschein.
Man versucht also, mit Fahrpraxis den Leuten das Fahren beizubringen. Das ist gut
gemeint. Die meisten Verkehrsregeln werden aber so vergessen.
(1. Frage der Führerscheinprüfung in North Carolina: Wieviel ist 2+2? 3
Antwortmöglichkeiten: 3, 4, 5. Kein Scherz!)
Mit einem ausländischen Führerschein darf man aber erst ab 21 Jahren ein Auto in
den USA lenken.

- Durch blindes Vertrauen auf die Technik geht das Gefühl für gefährliche Situationen
verloren. So habe ich schon zweimal bei einen Wolkenbruch erlebt, dass kaum
jemand vom Gas gegangen ist. Danach sind etliche Autos durch Aquaplaning im
Gebüsch gesteckt. Das dürfte immer so sein. Jeder sieht es, aber niemand lernt
daraus.

- Niemand schert sich um die Reifen. Der Luftdruck wird nie kontrolliert und ist daher
oft zu niedrig, was zu Reifenplatzern und unsicherem Fahrverhalten führt. Die
Reifenqualität dürfte generell viel niedriger sein bei uns, was man deutlich hört und
spürt.
Ich bekam einmal einen Leihwagen (von einer der bekanntesten Leihwagenfirmen)
mit null Profil auf den Vorderreifen. Da auch ein Nagel drinnen steckte, was man
hörte, habe ich ihn natürlich umgetauscht. Die Leute von der Leihwagenfirma waren
über meine Beschwerde sehr verwundert.

- Motorradfahrer tragen keinen oder nur einen sinnlosen Eierschalenhelm und haben
zudem nur T-Shirts oder andere lässige Dinge am Leib.

- Die Fahrer großer Autos und etliche Trucker nehmen keinerlei Rücksicht auf andere
Verkehrsteilnehmer. Generell fahren viele sehr gedankenlos, fast besinnungslos.

- Die Beleuchtung von LKWs ist sehr schlecht, oft sind nur kleine 5-Mark-Stück-
grosse Rückleuchten und Blinker vorhanden. Zusätzlich besitzen LKW-Auflieger
keinen Unterfahrschutz.

- In vielen Autos ist zwar alles Erdenkliche elektrisch verstellbar, aber bei der
Sicherheitstechnik gibt es nur das Nötigste, höherer Standard kostet Aufpreis.
- Amerikaner haben die zweieinhalbfache Kilometerleistung pro Jahr gegenüber den
Deutschen, was auch das Unfallrisiko entsprechend steigen lässt.

Re: Vorbild USA


geschrieben von: Urs (IP gespeichert)
Datum: 02.11.2007 23:07

A_Walter schrieb:
-------------------------------------------------------
> - Die Anschnallmoral ist niedrig. Teilweise tragen
> nur 50% der Leute im Auto den Gurt.

Um das ein wenig auszugleichen, lösen die Airbags in US-Autos wesentlich früher
aus --- was u.U. mehr schadet als nutzt.

> Generell wird vieles im Auto erledigt, was man beim


> Fahren besser nicht tun soll.

Daher kommen z.B. die "Cupholder" (Getränkehalter) --- die man ja eigentlich nicht
braucht...

> Die Reifenqualität dürfte generell viel niedriger


> sein bei uns, was man deutlich hört und spürt.

Drüben sind Ganzjahresreifen verbreitet, die zudem möglichst lange halten sollen
(d.h. ausschließlich auf geringen Verschleiß hin konstruiert sind). Diese Reifen sind
somit schon im Neuzustand ziemlich "hart" --- und taugen deshalb weder bei
trockener noch bei nasser Fahrbahn etwas, von Schnee ganz zu schweigen.

Nicht umsonst hat Goodyear als größter US-Reifenhersteller ein komplett


eigenständiges Entwicklungszentrum für Europa (in Luxemburg). Auch die
Ganzjahresreifen dieser Firma, die man hier kaufen kann, sind mit den US-Modellen
nicht vergleichbar.

> - In vielen Autos ist zwar alles Erdenkliche


> elektrisch verstellbar, aber bei der
> Sicherheitstechnik gibt es nur das Nötigste,
> höherer Standard kostet Aufpreis.

Hinzu kommt die weiche Fahrwerksabstimmung sowie die immer noch anzutreffende
technische Rückständigkeit vieler US-Autos (blattgefederte Starrachsen u.a.m.).

Ansonsten sehr interessante Beobachtungen, die mir auch z.T. neu waren. Manches
davon läßt sich freilich auch auf manche europäische Staaten übertragen, insbes. die
mangelhafte Fahrausbildung (Belgien).

Re: Vorbild USA


geschrieben von: A_Walter (IP gespeichert)
Datum: 01.11.2007 17:47

> Denn niemand glaubt, mit Raserei an einem Tag von Küste zu
> Küste zu kommen. Da nimmt man sich lieber einfach Zeit
> anstatt das Leben.

Die Philosophie des Tempolimits in den USA ist heute eine ganz andere, nämlich die
der Harmonisierung des Verkehrs. Daher dürfen in den USA auch LKW auf fast allen
Strecken gleich schnell wie PKW fahren. Die LKW sind dafür dort besser motorisiert
und werden bezüglich ihres technischen Zustands und der Beladung rigoros
kontrolliert.

LKW-Wiegestationen gibt es nicht nur an den Grenzen der Bundesstaaten, sondern


auch im "Binnenland" und sie sind auch Sonntag morgens in Betrieb.

Als oberstes Gebot wird den Amis gleichmäßiges an die Masse angepasstes Fahren
gelehrt. Und diese Regel wird von so ziemlich allen befolgt, während sich die
Kenntnis der anderen Verkehrsregeln eher in Grenzen hält - auch ein Argument für
ein niedriges Tempolimit. Es gibt kaum Raser und ebenso selten Schleicher. Letztere
werden von der Highway Patrol ebenso bestraft - wegen Behinderung des Verkehrs -
wie Schnellfahrer. Es wurden sogar Leute schon bestraft, weil sie exakt das maximal
erlaubte Tempo fuhren, alle anderen aber schneller. Ich habe es auch schon erlebt,
dass der gesamte dichte Verkehrsstrom um 15 Meilen zu schnell war.

>> Ich denke mir, das mit dem Straßenzustand in den


>> USA liegt einfach an der gewaltigen Länge des
>> Straßennetzes.

Das Straßennetz der USA (inkl. niederrangige Straßen) ist bezogen auf die
Einwohnerzahl gar nicht so lange, weil es wesentlich weitmaschiger ist als bei uns.
Wenn man nur das Interstate-System heranzieht (ca. 65.000 km), kommt man auf 22
cm pro Einwohner. Das ist etwa gleich viel wie in Spanien oder Österreich, wobei der
Unterhalt pro Kilometer in Österreich viel höher als in den USA ist.

Der Straßenzustand ist gebietsweise sehr unterschiedlich. So haben Virigina und


North Carolina meist sehr gute Straßen. Gerade North Carolina hat wegen seiner
US-untypischen Siedlungsstruktur (viele kleine Siedlungen in Streulage) ein ziemlich
dichtes Netz an niederrangigen Straßen, die aber allesamt in sehr gutem Zustand
sind.
State Road NC704, kaum befahren aber toll ausgebaut.

Arkansas gehört zu den Bundesstaaten mit den schlechtesten Straßen, was ich auch
bestätigen kann. Wenn aber Arkansas als Maßstab für die schlechteste Qualität
dienen kann, ist es so schlimm auch wieder nicht. Da allerdings die Interstates meist
in Beton gebaut werden und man in den USA generell pragmatisch ist, also Quantität
vor Qualität geht, sind die Oberflächen selbst neuer Fahrbahnen etwas ruppiger als
hierzulande. Da man aber etwas dicker baut als bei uns und die LKW-Gewichte
streng kontrolliert werden, halten diese Betonplatten fast eine Ewigkeit.
Ziemlich alter Abschnitt des I-40, aber noch gut in Schuss. Rechts ein Hinweisschild,
dass diese Strecke Teil des "Eisenhower Interstate System" von 1956 ist. Gebaut
wurde dieser Abschnitt aber erst in den 1960ern.

Re: Kurioses von der Autobahn


geschrieben von: A_Walter (IP gespeichert)
Datum: 28.10.2007 21:46

Bei uns ist doch eh fast nichts los - verglichen z.B. mit den USA. Dort fährt man zwar
diszipliniert, aber geistlos. Was ich in Europa auf 100.000 km Autobahnfahrt erlebe,
läuft dort auf 5000 km ab. Hier nur ein paar Zufallsschnappschüsse von diesem Jahr
- und dabei war ich heuer nur 3x für wenige Tage drüben.

So sind die berühmten Reifenteile auf der Autobahn in den USA ein permanenter
Anblick, weil kaum jemand je den Reifendruck kontrolliert und die Reifen so lange
gefahren werden, bis sie hinüber sind. Ich habe auch schon erlebt, wie es vor mir bei
einem Truck einen Reifen zerfetzt hat.
Diesen Zeitgenossen hat es soeben erwischt.

Auch alle möglichen Möbel fallen gerne von den allgegenwärtigen Pick-up's - hier am
I-40B in Winston-Salem, NC.
Wer fleißig arbeitet, soll sich nachher Ruhe gönnen - auch auf der Autobahn.

Zwar nicht auf der Autobahn, aber auch sehenswert - ein Auto, das nur durch den
Lack zusammen gehalten wird.
Re: (A7) Trotz Bindermichl-Tunnel kracht und staut es wie eh und je
geschrieben von: A_Walter (IP gespeichert)
Datum: 12.07.2007 18:43

> Schön langsam brauchen wir hier, wie in Amerika, für jede Richtung 2 Spuren...

Das ist aber auch in Amerika die große Ausnahme. Es gibt dort aber einige
entscheidende Unterschiede zum Thema Spurwechsel:

- Die Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen sind ausreichend lang gestaltet.

- Ältere Autobahnen haben oft keine(!) Verzögerungs- und Beschleunigungsstreifen.


Dort sind aber die Rampen so lange und haben so weite Kurven, dass man sich mit
der erlaubten Geschwindigkeit in den laufenden Verkehr gefahrlos einreihen kann.

- Die Fahrer nützen die langen Beschleunigungsstreifen tatsächlich aus.

- Liegen 2 Anschlussstellen näher als 1 Meile beieinander, wird die


Beschleunigungsspur bis zur nächsten Abfahrt durchgezogen.

- Bei neueren Autobahnen gibt es sehr großzügige Sortierräume mit Hinweisen


schon mehrere Meilen vorher.
Manche kapieren es trotzdem auch dort nicht (grauer Wagen rechts):

- Das Rechtsfahrgebot gilt zwar in den meisten Bundesstaaten, wird jedoch locker
gehandhabt. Bundesstaaten mit Rechtsfahrgebot erkennt man an höflichen
Hinweisschildern:
- In der Fahrschule lernt man "keep your lane". Damit werden die Spurwechsel
minimiert.

Re: (A7) Trotz Bindermichl-Tunnel kracht und staut es wie eh und je


geschrieben von: A_Walter (IP gespeichert)
Datum: 15.07.2007 02:19

> In Amerika kam mir Autofahren dermaßen entspannt und angenehm vor - oder lag
das daran, dass ich bloß als Tourist unterwegs war.

Es kommt auf die Einstellung an, mit der man fährt. Da in den USA (fast) alle das
gleiche Tempo fahren, muss man sich nicht jagen lassen.

Im Berufsverkehr zur morgendlichen und abendlichen Stoßzeit sind auch viele Amis
gestresst, drängeln und überholen gefährlich. Und wenn man fürchtet, sein Flugzeug
zu versäumen, wird man auch leicht zum "Jäger". Es gibt da aber eine einfache
risikolose Regel: An einen rasenden Truck "anhängen".

Re: Belastungsgrenzen vier- und sechsstreifiger Autobahnen


geschrieben von: Faber Bollonius (IP gespeichert)
Datum: 01.06.2007 02:20

In erster Linie liegt das an der amerikanischen Siedlungsgeographie des letzten


Jahrhunderts. Am besten mal Google Earth anschmeißen und sich einfach mal
wahllos verschiedene amerikanische Städte ansehen.

Viel urbane Stadt gibt es eigtl gar nicht soviel. Viel mehr Einheitsbrei. LA und sein
Großraum sind im Prinzip nicht viel mehr als eine riesige Vorstadt (mit ein paar
Hochhäusern im Zentrum) => keine kompakte Stadt => größere zurückzulegende
Entfernungen (es herrscht praktisch eine Anti-Stadt-Haltung). Dazu kommen strikte
Funktionstrennung, Zentrierung statt Streuung von Versorgungseinrichtungen
(riesige Malls an einem Verkehrsknotenpunkt auf der grünen Wiese statt verstreute
kleinere Läden), das Auto als Statussymbol und der im europäischen Vergleich im
Generellen sehr schlecht ausgebaute ÖPNV (denn mit dem Auto hat man ja die
Freiheit zu jeder Zeit zu jedem Ort zu kommen...(wenn die Straße net voll is :p)).
Viele amerikanische Innenstädte sind ziemlich verfallen. Schaut man sich
Bevölkerungsstatistiken an, so haben die meisten Städte seit den 60ern/70ern z.T.
enorme Bevölkerungsverluste hinnehmen müssen, weil sie einfach in ein Haus
(billige Fertighäuser am Fließband, weswegen wirklich viele Straßen in Vorstädten so
gleich aussehen) in der außerhalb der Stadtgrenzen befindlichen Vorstadt gesiedelt
haben. Die Stadt ist praktisch fast nur zum Arbeiten da, gewohnt wird draußen. Und
deswegen sind in diesen Ballungsräumen wegen diesem enormen
Pendleraufkommen die Straßen so verstopft.

Re: Geschichte der amerikanischen Stadt


geschrieben von: A_Walter (IP gespeichert)
Datum: 01.06.2007 20:58

Nachfolgende Betrachtungen habe ich aus eigener "Erfahrung" (im wahren Sinne
des Wortes) und Beobachtungen verschiedener Großstädte in den Südstaaten
gewonnen.

> In erster Linie liegt das an der amerikanischen Siedlungsgeographie des letzten
Jahrhunderts.

Der Vorgang kann in etwa so beschrieben werden.


Amerikanische Städte sehen - mit wenigen Ausnahmen - alle gleich aus, weil sie alle
eine fast gleiche Geschichte haben. Zunächst waren die meisten amerikanischen
Städte kleine Ansiedlungen mit administrativer Bedeutung, d.h. es gab dort ein
Gericht und ein Sheriff Office sowie ein Amtsgebäude. Rundherum gab es einige
Geschäftshäuser und die Wohnhäuser der Beamten. Mehr gab es selten.

Dann kam die Eisenbahn und die amerikanischen Städte erhielten eine Hauptrolle
als Verkehrknotenpunkt verpasst.

Die Eisenbahnen wurden eng an die alten Siedlungskerne gebaut. Unmittelbar


daneben entstanden Industrie- und Handelsbetriebe, die einen Ring um die alten
Siedlungskerne bildeten.

Außerhalb diesen "Wirtschaftsrings" entstanden die Wohnsiedlungen der Arbeiter der


neu entstandenen Wirtschaftsbetriebe. Die Arbeiter konnten zumeist zu Fuß an ihren
Arbeitsplatz gelangen.

Mit der Zeit wuchsen viele Industriebetriebe, der Platz wurde an den angestammten
Plätzen zu eng und somit mussten man in eine Zone außerhalb des
"Arbeitersiedlungsringes" ziehen. Diese Entwicklung begann in den 1920er-Jahren,
gerade zu jener Zeit also, als in den USA die Vollmotorisierung angegangen wurde.
Es war somit für die Arbeiter kein Problem, 20 Meilen zu ihrem Arbeitsplatz zu
fahren. Zu Bewältigung des Autoverkehrs wurde leistungsfähige Schnellstraßen
gebaut.

Der Wohlstand stieg und die bald zogen viele Arbeiter aus den Reihenhäusern im
"Arbeitersiedlungsring" in ein eigenes Haus in die Peripherie. Es war ja kein Problem,
wenn man jeden Tag 50 und mehr Meilen zur Arbeit fahren musste.

Mit der Zeit zogen fast alle Betriebe aus dem alten "Wirtschaftsring" in die Umgebung
der Städte, und auch aus dem "Arbeitersiedlungsring" zogen alle, die es sich leisten
konnten, in die Umgebung. Es gab daher auch bald niemanden mehr, der im alten
Stadtzentrum einkaufte. Die gesamten Innenbereiche (altes Zentrum,
"Wirtschaftsring", "Arbeitersiedlungsring") verödeten und wurden zu Brutstädten der
Kriminalität.

Der Höhepunkt dieser Entwicklung war in den 1980er-Jahren erreicht.

> Viele amerikanische Innenstädte sind ziemlich verfallen.

Da in den alten "Wirtschaftsringen" der Städte riesige brach liegende Flächen


existieren, bietet das auch einzigartige Chancen für die Stadtentwicklung. Immer
mehr amerikanische Städte nutzen dies, um neues Leben in die Zentren zu bringen.

So versucht man alte Bausubstand zu erhalten, es werden zentrumsnahe Shopping


Malls - oft in alte Fabriksgebäude integriert - errichtet bzw. kulturelle Angebote in
Zentrumsnähe verlagert. Dies fürht auch dazu, dass die verödeten
"Arbeitersiedlungsringe" wieder zu attraktiven Wohnvierteln werden. Dort werden in
alte verfallene Reihenhauskomplexe plötzlich Luxuswohnungen geschaffen.

Das alles hat freilich auf die seit langer Zeit bestehende Weitläufigkeit und damit
weiten Fahrstrecken kaum einen Einfluss.

Re: Belastungsgrenzen vier- und sechsstreifiger Autobahnen


geschrieben von: A_Walter (IP gespeichert)
Datum: 01.06.2007 21:31

> ich glaube im Moment kostet eine Galone (3,78 Liter) um die 3 Dollar.

Vor 3 Wochen habe ich um 2,989 $ (Regular 87 Oktan) getankt.

Die Preise sind vor allem seit März gewaltig gestiegen, weil im Februar habe ich
noch um 2,099 $ getankt!

Mein Kollege hat damals eine Tankstelle fotografiert (Aufnahmedatum 11.02.2007).


> Und vor 2 Jahren haben alle gejammert, als der Galonenpreis zum ersten Mal die 2
Dollar überschritten hatte...

Ich habe eine Tankrechnung vom 5. September 2004 um 1,889 $ die Gallone
gefunden. Das erste Mal über 3 $ kletterte der Benzinpreis (Regular 87 Oktan)
unmittelbar nach dem Wirbelsturm Kathrina Ende August 2005. Das war aber nur ein
kurzes Preishoch, denn im November 2005 habe ich wieder im 2,369 $ getankt.

Es gilt zu bedenken, dass ein durchschnittliches US-Auto rund 50% mehr Treibstoff
als ein Auto bei uns braucht. Und der Durchschnitts-Ami legt pro Tag eine mehr als
doppelt so lange Strecke mit dem Auto zurück als der Durchschnitts-Deutsche.
Effektiv gibt also der US-Bürger trotz noch immer verhältnismäßig niedriger
Treibstoffpreise mehr als doppelt so viel Geld aus als ein Deutscher.

Re: Vorbild USA


geschrieben von: A_Walter (IP gespeichert)
Datum: 04.11.2007 18:17

> ich glaube, solche Strecken würde man auch ohne Tempolimit nicht an einem Tag
schaffen.

Fährt auch kaum jemand. Wenn ich am Interstate 40 und 85 in North Carolina
unterwegs bin, welche mit 0- und 5-Endung ja zu den Hauptstrecken zählen, sehe ich
mir die Nummernschilder an - ebenso am Hotelparkplatz. Die gesamte Ostküste von
Maine bis Florida ist häufig anzutreffen. Auch die Leihautos tragen Nummernschilder
fast nur von der Ostküste. Nach Westen zu wird es mit den Schildern schnell dünner.
Von westlich des Mississippi sind in North Carolina Autos extrem selten. Und auch
bei den Trucks ist die Häufigkeit nicht viel größer. Jedenfalls sind bei uns LKW aus
Entfernungen über 1500 km viel häufiger als in den USA.

Der Grund ist, dass der Güterfernverkehr in den USA traditionell meist mit der Bahn
abgewickelt wird. Die Fernzüge fahren zwar nur etwa 50 Meilen pro Stunde, dafür
aber mehrere Tage durch. Die Bahn ist damit effektiv schneller als der LKW, und
billiger sowieso.

Was den Personenverkehr betrifft: In den USA wird schon immer mehr geflogen. Vor
den Terrorkontrollen stieg man ja in ein Flugzeug wie in einen Linienbus. Heute
braucht es für die Kontrollen zumindest 1/2 Stunde Zeit. Die Leute nehmen trotzdem
den Flieger, auch für Entfernungen von nur 200 km, bei denen man mit dem Auto
schneller ist, wenn man die Sicherheitskontrollen, Warterei und Wege zum/vom
Flughafen mitrechnet.

Dazu eine kuriose Sache:


In den USA sieht man jüngst häufig jene ovalen Aufkleber, mit denen bei uns die
Nationalität angezeigt wird bzw. wurde. Da man sie in den USA nicht zur nationalen
Unterscheidung benötigt, hat man vor ein paar Jahren begonnen, sie zur subtilen
"Identitätsstiftung" zu verwenden. In North Carolina findet man z.B. häufig "OBX",
was "Outer Banks" Bedeutet, also die touristisch beliebte Insel- und Dünenkette vor
der Küste von North Carolina. Man muss aber nicht unbedingt dort gewesen sein, um
zu einem solchen Aufkleber zu kommen. Man kann damit auch nur ausdrücken
wollen, ein Individualist zu sein. Spötter meinen dagegen, dass es die Abkürzung für
obnoxious = widerlich ist. Inzwischen ist aus der Sache mit den Aufklebern eine
wahre Sucht geworden.
Das Auto links trägt ein Nummernschild aus New York, das ovale "ACK" rechts
daneben bedeutet "Nantucket Memporial Airport", also den Flughafen jener zu
Massachusetts gehörigen kleinen Insel, auf der vor allem reiche Leute ihren Urlaub
verbringen. Da man den Aufkleber auch überall in Neuengland bekommt, soll er auch
eher vermitteln, dass man gerne zur Upper Class gehören möchte. In New York und
Boston machen inzwischen schon die Journalisten darüber lustig, wie viele Autos mit
"ACK" herum fahren. Einer meinte z.B., dass es nur eine kodierte Form für tACKy =
protzig sei.