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Speed Reading

Speed Reading

für Studierende Das 2-Wochen-Intensivprogramm

Dr. Marion Schultheiss Mag. Christiaan Witschel © Learn Smart Verlag GmbH, 2011

Veröffentlicht im Learn Smart Verlag, März 2010 2. Auflage, Oktober 2011 ISBN: 978-3-902682-70-3

Lektorat: Claudia Heinen Copyright © 2010 by Learn Smart Verlag GmbH Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Learn Smart Verlages.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Vorwort

Meinungen – Vorurteile – Fakten

Meinungen – Vorurteile – Fakten

Andere Länder, andere Sitten!

Andere Länder, andere Sitten!

Lassen Sie uns starten!

Lassen Sie uns starten!

Lesetest 1

Lesetest 1

Schlechte Lesegewohnheiten

Schlechte Lesegewohnheiten

- Unkonzentriertes Lesen
  • - Unkonzentriertes Lesen

- Die Regression
  • - Die Regression

- Das Buchstabieren
  • - Das Buchstabieren

- Das Vokalisieren
  • - Das Vokalisieren

- Das Subvokalisieren So trainieren Sie!
  • - Das Subvokalisieren So trainieren Sie!

Woche 1

Woche 1

Trainingstag 2

Trainingstag 2

Trainingstag 3

Trainingstag 3

Die Sache mit der Motivation

Die Sache mit der Motivation

Ihre Blickspanne

Ihre Blickspanne

Trainingstag 4

Trainingstag 4

Lesen mit Taktgeber

Lesen mit Taktgeber

Trainingstag 5

Trainingstag 5

Verlassen Sie Ihre Komfortzone

Verlassen Sie Ihre Komfortzone

Trainingstag 6

Trainingstag 6

Intervallübung

Intervallübung

Trainingstag 7

Trainingstag 7

Halbzeit

Willkommen in der 2. Trainingswoche

Willkommen in der 2. Trainingswoche

Trainingstag 8

Trainingstag 8

Lesetest 2

Lesetest 2

Zick-Zack-Lesen

Zick-Zack-Lesen

Trainingstag 9

Trainingstag 9

Trainingstag 10

Trainingstag 10

Fragezeichen-Technik

Fragezeichen-Technik

Trainingstag 11

Trainingstag 11

Exkurs Lesetempo

Exkurs Lesetempo

Tracer-Technik

Tracer-Technik

Trainingstag 12

Trainingstag 12

Trainingstag 13

Trainingstag 13

Drill-Übungen

Drill-Übungen

- 3-2-1-Drill
  • - 3-2-1-Drill

- 5-3-1 Drill
  • - 5-3-1 Drill

Trainingstag 14

Trainingstag 14

Lesetest 3

Lesetest 3

Speed Reading auch für europäische Universitäten?

Speed Reading auch für europäische Universitäten?

  • Lesen und Lernen

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  • Weitere Lesetests - Lesetest 4 - Lesetest 5

  • Geschafft!

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Vorwort

Liebe Studentinnen! Liebe Studenten! Die Wissensgesellschaft schreitet rasch voran. Zwischen 1972 und 1980 wurden so viele Informationen gesammelt, wie in den 2000 Jahren davor. Heute werden Tag für Tag über 3.000 Bücher publiziert. Pro Jahr gibt es weit über eine Million Neuerscheinungen am Büchermarkt. Das Wissen wächst von Jahr zu Jahr exponentiell! Lesen ist die Haupttätigkeit des lernenden Menschen. Über 80 % der Informationen nehmen wir über Texte auf. Wer den Anschluss nicht verpassen will, ist gut beraten, sich eine geeignete Lesetechnik wie das Speed Reading anzueignen. Ich habe die Technik erst im Rahmen meiner Dissertation erlernt. Zuvor arbeitete ich mich

als konventionelle Leserin durch zwei Grundstudien. Im Nachhinein betrachtet weiß ich, dass ich mir viel erspart hätte, wenn ich die Technik schon zu Studienbeginn beherrscht hätte. Unbestritten gestaltet sich der Lernaufwand für Speed Reader weniger zeitraubend als für konventionelle Leser, wie auch viele Feedbacks auf unsere Speed Reading Seminare, zeigen:

als konventionelle Leserin durch zwei Grundstudien. Im Nachhinein betrachtet weiß ich, dass ich mir viel erspart

Hallo Frau Schultheiss! Nachdem ich am 20/21.08. das Speed Reading Seminar (an der WU Wien) gemacht habe, dachte ich mir, jetzt wird es doch einmal Zeit für ein Feedback.

Dieses Seminar war das Beste, was mir vor Beginn meines Studiums passieren konnte!!

Ein 100-seitiges Skriptum geht sich jetzt locker in 25 Minuten aus. Oft lese ich noch gerne mit Metronom. Ohne Taktgeber werde ich erstaunlicherweise noch schneller statt langsamer. Ich ziehe das Tempo immer noch weiter an, wenn ich merke, dass ich mich beim Lesen langweile bzw. wieder „Zeit“ habe, um die Gedanken abschweifen zu lassen … und das bei über 1.000 Worten pro Minute. Mir ist allerdings aufgefallen, das „Wissen um das Wissen“ ist weniger geworden, das soll heißen, in der Schulzeit wusste ich ziemlich gut, was ich wie gespeichert habe, aber mit dem Speed Reading ist das irgendwie anders. Gestern habe ich eine Klausur geschrieben, ich war überrascht, was mir bei manchen Fragen alles einfiel, bei denen ich mir vorher gedacht habe, dass ich gar nichts mehr darüber weiß. Das liegt sicher auch ein bisschen daran, dass ich meine Lerntechnik geändert habe, auch bedingt durchs Speed Reading. Danke nochmals für dieses Seminar und die tolle Technik, die Sie mir beigebracht haben! Mit freundlichen Grüßen J. P.

Liebes Schultheiss-Team,

leider

musste

ich

letzten Mittwoch ein wenig

früher

gehen und

konnte

so

keinen

Feedbackbogen ausfüllen. Ich möchte mein Feedback nun per Mail nachbringen. Ich fand die Veranstaltung super; es bringt wirklich etwas und ich habe den Tipp befolgt,

jeden Tag

gedacht,

10 Minuten zu üben.

Speed Reading ist faszinierend. Ich habe am Anfang nicht

dass

es

funktioniert.

Ich

werde

diese

Lesemethode

in

Zukunft

für

Prüfungsvorbereitungen anwenden. verschlingen.

Lieblingsbücher

werde

ich

aber

weiter

genüsslich

Liebe Grüße und weiterhin alles Gute S.F.

Nicht nur immer mehr Studierende erkennen die Vorteile des effizienten Lesens. Auch

aufgeschlossene

Universitätsprofessoren

sind

Wissensaufnahme begeistert:

von

der

Möglichkeit

der

raschen

Sehr geehrte Frau Dr. Schultheiss, ich habe Anfang dieser Woche das Speed Reading Seminar in Graz bei Ihnen besucht und wollte mich auf diesem Wege nochmals bedanken. Das Seminar hat mir eine absolut unerwartete, hervorragende Steigerung meiner Lesegeschwindigkeit gebracht – ein Ertrag, den ich eigentlich kaum auszudrücken vermag. Wenn ich bedenke, dass ich etwa 2–3 Stunden am Tag lese, gewinne ich dadurch – selbst wenn ich nur mit einer Verdopplung meiner durchschnittlichen Lesegeschwindigkeit rechne – eine gute Stunde am Tag. Dafür also nochmals meinen herzlichen Dank! Schöne Grüße S. P.

Das folgende Programm ist speziell für Studierende konzipiert. Die Schwerpunkte wissenschaftliche Texte, Lesen & Lernen, Behalten komplexer Strukturen etc. ziehen sich durch das gesamte Handbuch. Das Programm ermöglicht es Ihnen bereits nach wenigen Tagen, alle Tools auf dem Weg zum schnellen Lesen, erfolgreich einzusetzen. Im Rahmen unserer Universitätsseminarreihe wurde das Speed Reading Programm in 99 % der Fälle sehr positiv aufgenommen. Bislang hat lediglich ein Universitätsprofessor seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck gebracht, dass die Technik doch zu einfach zu erlernen sei, und dass er auf mehr Komplexität und wissenschaftlichen Tiefgang gehofft hätte. Um Ihnen diese Enttäuschung von vornherein zu ersparen, will ich es gleich vorwegnehmen: Die Technik ist einfach zu erlernen, und sie kann von jedem erlernt werden. Sie basiert darauf, alte Lesefehler zu verabschieden und mit den entsprechenden Intervall- und Drillübungen die Komfortzone beim Lesen deutlich auszuweiten. Einige wenige Trainingsstunden mit den richtigen Methoden genügen, um aus fast jedem Leser einen sehr viel schnelleren, aufmerksameren und effizienteren Leser zu machen. Das ist das ganze Geheimnis! Ich hoffe, dass Sie nun nicht enttäuscht sind, sondern sich schon auf die nächsten Stunden und Trainingseinheiten freuen.

Meinungen – Vorurteile – Fakten

Immer wieder sind mit der Speed Reading Technik auch einige Vorurteile verbunden. Fragen wie: „Funktioniert das denn überhaupt?“, „Sind das nicht nur leere Versprechen?“, „Wahrscheinlich verstehe ich beim schnellen Lesen den Inhalt überhaupt nicht mehr!“, geistern vielen Menschen durch die Köpfe, wenn sie das Wort Speed Reading hören. Mir ging es vor vielen Jahren ähnlich: Im Grundstudium der Betriebswirtschaftslehre bestellte ich etliche Speed Reading Bücher aus den USA. Als diese nach einigen Wochen ankamen, sah ich sie mir voller Misstrauen an und dachte: „Klingt toll, ist aber wahrscheinlich dieselbe Sache wie mit der Werbung im Fernsehen! In der Praxis funktioniert das alles nicht so recht.“ Ich blätterte die Bücher durch. Einige Ideen fand ich durchaus anregend und einleuchtend, doch im nächsten Moment redete ich mir ein, dass ich viele meiner wissenschaftlichen Bücher mit dieser Technik sicherlich nie lesen können würde, da die doch viel zu komplex sind. Ich stellte die neu erworbenen Bücher ins Regal und dort blieben sie die nächsten Jahre.

Erst im Rahmen meiner Dissertation – als es wahrlich viel zu lesen gab – machte ich mich daran, die Technik in Eigenregie zu erlernen. Mein Weg zum Speed Reader war holprig, denn in keinem der Bücher war ein guter Trainingsplan zu finden. Ich machte beim Üben viele Dinge falsch und es dauerte fast eine Woche, bis ich mein Lesetempo verdoppeln konnte. Die Teilnehmer in unseren Speed Reading Seminaren schaffen das heute meist in den ersten 4–6 Stunden. Mit der richtigen Technik stellt sich der Fortschritt rasch ein! Fast jeder, der Speed Reading erlernt, ist erstaunt, dass sich das Lesetempo so rasch und so einfach erhöhen lässt. Probieren Sie es aus und lassen Sie sich angenehm überraschen!

Andere Länder, andere Sitten!

In den USA hat die Lesetechnik Speed Reading Tradition. Zahlreiche Universitäten – darunter Harvard und Yale – setzen eigene „Reading Improvement“ - Progamme um. In Europa wird Speed Reading nur sehr vereinzelt an Bildungseinrichtungen gelehrt, was dazu führt, dass Speed Reader hierzulande noch immer wahre Exoten sind. Eigentlich schade, denn eine Bevölkerung, die gut und gerne liest, ist nicht zuletzt rein volkswirtschaftlich betrachtet ein großer Gewinn, denn wer gerne und rasch liest, liest meist auch wesentlich mehr. Der dadurch erzielbare Wissensvorsprung kommt nicht nur dem Einzelnen, sondern auch der Gesellschaft zugute. Der momentane Weltrekord im Speed Reading wird von Sean Adam gehalten und liegt bei 3.850 Worten pro Minute (wpm). Auch sehr prominente Persönlichkeiten wie z. B. John F. Kennedy beherrschten die Technik des Speed Readings. Der Präsident erreichte ursprünglich 284 Worte pro Minute und konnte sich durch die richtige Technik auf 1.000 Worte pro Minute verbessern. Vielleicht fragen Sie sich nun, welches Tempo für Sie wohl realistisch erreichbar ist? Generell ist die Grenze nach oben bis weit über 1.000 Worte pro Minute (wpm) offen. Meine Erfahrung zeigt, dass die meisten Studierenden binnen einer Woche nach unserem Seminar ein Lesetempo von 800 bis 1.000 wpm bei gutem Verständnis realisieren können. Das ist eine sehr gute Leistung, denn der durchschnittliche Leser liest bei 160–180 wpm, wie die Einstiegslesetests in unseren Workshops zeigen. Im ersten Schritt geht es nun darum, Ihr Einstiegslesetempo zu ermitteln.

Hier noch einige wichtige Hinweise, bevor es losgeht:

Speed Reading ist eine Arbeitstechnik! Es ist Ihre Aufgabe, die Technik zu erlernen und anzuwenden. Die Frage: „Was kann die Technik für mich tun?“, lässt auf eine falsche Grundhaltung schließen und birgt die Gefahr der Enttäuschung. Die richtige Frage müsste lauten: „Was kann ich mit der Technik tun?“ Die Antwort auf diese Frage lautet: eine Menge! Schneller Lesen, effizienter Arbeiten, Prüfungen besser vorbereiten, sehr schnell einen Überblick gewinnen, eine sehr breite und tiefe Wissensbasis schaffen etc. Machen Sie sich bewusst, dass es von Ihnen abhängt, wie gut sie werden wollen! Sie alleine entscheiden über Ihren Fortschritt. Speed Reading ist effizientes Lesen auf einem hohen Konzentrationsniveau. Es hat mit Querlesen und Ähnlichem nichts zu tun. Die Technik zu erlernen, verlangt einen gewissen Einsatz. Jeglicher Wunderglaube („Muss ich den Text lesen oder genügt es, wenn ich ihn mir

nur anschaue?“) ist hier fehl am Platz. Oft ist zu hören, dass man mit Speed Reading zwar schneller lesen, aber leider nicht schneller denken kann. Nun, Fakt ist: Lesen und Denken sollten optimalerweise Hand in Hand gehen, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Ein Ersatz für akkurates Denken ist Speed Reading logischerweise nicht und vom eigenständigen Denken kann es auch niemanden befreien. Fakt ist allerdings auch, dass wir durchschnittlich mit rund 160–180 Worten pro Minute lesen und unser Gehirn rund 800–1.000 Worte pro Minute verarbeiten kann. Wäre dem nicht so, könnten wir nichts begreifen, was über das Tempo und die Komplexität eines gelesenen Buches hinausgeht.

Lassen Sie uns starten!

Lesen Sie den folgenden Text bitte in Ihrem normalen Lesetempo. Lassen Sie sich nicht hetzen und bemühen Sie sich nicht, ein besonders gutes Ergebnis zu erzielen. Wir alle neigen dazu, in Testsituationen besonders gut sein zu wollen, da wir darauf konditioniert sind. Das ist in diesem Fall allerdings weder erforderlich noch sinnvoll. Der Wert, den Sie erzielen, dient Ihnen lediglich als Ausgangswert für Ihr weiteres Training. Bleiben Sie also cool!

Hier noch einige Worte zum Ablauf:

  • Nehmen Sie sich bitte die Zeit, die Sie zum Lesen benötigen.

  • Lesen Sie den Text

so, dass Sie sich ziemlich sicher sein können,

möglichst viele Fragen im Anschluss an das Lesen beantworten zu können.

  • Bitte sehen Sie sich die Fragen, die an den Text angeschlossen sind, im Vorfeld nicht an.

  • Nachdem Sie die Fragen – ohne im Text nochmals nachzulesen – beantwortet haben, vergleichen Sie sie bitte mit den Musterantworten. Es genügt natürlich, wenn Ihre Antworten richtig sind, sie müssen nicht so ausführlich sein, wie die vorgegebenen Musterantworten. Geben Sie sich bitte im Anschluss an jede richtig beantwortete Frage 20 % Textverständnis, wenn Sie also 4 von 5 Fragen richtig beantwortet haben, beträgt Ihr Textverständnis 80 %.

Bitte notieren Sie die Zeit, bevor Sie zu lesen beginnen.

Die Alpen: Lebensraum und Rummelplatz

von Ulrich Wittmann/Marion Schultheiss Den klassischen Winterurlaubsgebieten in den Alpen gehen der Schnee und die zahlenden Touristen aus: In Deutschland sanken die Umsätze der Skilifte in den letzten Jahren drastisch. Auch eine aktuelle OECD-Studie sagt den Wintersportorten in Deutschland, der Schweiz und Österreich eine unerfreuliche Zukunft voraus: Fast drei Viertel der Skigebiete werden so stark vom Klimawandel betroffen sein, dass selbst ausgeklügelte Beschneiungsanlagen die Situation nicht mehr retten können. Auch der Sportartikelindustrie ist bewusst, dass ein Umdenken und ein Ergänzen der Produktpalette über die traditionellen Wintersportartikel hinaus, erforderlich sein werden, um in Zukunft finanziell gut abgesichert zu sein. Immer neue Extremsportarten werden geboren, um den Strom der Masse in die Berge nicht abreißen zu lassen. In den 1990er-Jahren wurden Sportarten wie Paragliden, Base Jumping oder Canyoning nur von einer kleinen Gruppe von Extremsportlern ausgeübt. Heute werden diese einst unlukrativen Segmente immer größer und breiter getreten. Kurse für jedermann stehen in vielen Regionen auf dem Programm. Der Alpenraum verdient gut am neuen Freizeitheldentum, denn plötzlich scheinen selbst die gefährlichsten Hobbys, viele Urlauber magisch anzuziehen. Auch die Sportartikelhersteller verdienen gut am neuen Trend, denn die erforderliche Ausrüstung bringen immer mehr Urlauber bereits mit dem eigenen Auto an den Ferienort. Wer in der Natur die Ruhe sucht, steht vor einer schweren Aufgabe, denn heute ist man in den Alpen nicht mehr oft allein. Auf der Seefeldspitze, dem Mont Blanc oder dem Großglockner heißt es in Stoßzeiten anzustehen, um auf den Gipfel zu gelangen! Regionen, die weniger Zustrom verzeichnen können, kommen rasch in finanzielle Bedrängnis. Hotels und Restaurants müssen gefüllt und Liftanlagen ausgelastet werden. Im örtlichen Supermarkt soll eingekauft und in den Après-Ski-Bars muss gefeiert, gesungen und getrunken werden, damit das Geschäft mit dem Winter aufgeht. Oft bleibt in diesem Fall nur noch der Weg zur renommierten PR-Agentur: Wer bislang nicht mit einer Attraktion aufwarten konnte, der lässt sich einfach eine konzipieren. Für jeden Berg eine andere Vision. Eine USP (Unique Selling Proposition) für jede Region! Auf dem Reißbrett gestaltet und in der Hoffnung auf mehr Einnahmen aus dem Tourismus so rasch wie möglich umgesetzt, soll die Rettung bringen. Ob dieses Modell aufgehen wird? Touristische Großprojekte sind in Mode gekommen, doch sie benötigen das ganze Jahr über Gäste, um sich zu rechnen. Die Existenz der alpinen Urlaubsorte scheint heute nur noch mithilfe möglichst vielschichtiger Angebote und Attraktionen möglich zu sein. Ein anschauliches Beispiel ist das österreichische Bergdorf Vent am Fuß der Wildspitze. Das Massiv wurde durch Artikel in Fachzeitschriften populär. Obwohl es mittlerweile in jeder Saison zahlreiche Alpinisten zur Wildspitze zieht, genügt das nicht. Zusätzliche Veranstaltungen wie zum Beispiel Konzerte mussten her, um die Attraktivität des Ortes zu steigern. Mit dem zunehmenden Touristenstrom stieg auch die Bettenkapazität in den letzten Jahren stark an. Mittlerweile hat die Zahl der Gästebetten die Zahl der Einwohner bereits übertroffen. Während in früheren Dekaden der Wintertourismus in den meisten Regionen ausgereicht hat, um die Existenz der regionalen Bevölkerung zu sichern, wendet sich das Blatt heute

vielerorts. Es wurde viel investiert in den letzten Jahren, um für die Urlauber wettbewerbsfähig und attraktiv zu bleiben. Nun stehen Monat für Monat hohe Kreditrückzahlungsraten an, die bedient werden müssen. Häufig entsteht heute der Eindruck, der ganzjährige Tourismus in den Alpen wäre eine neue Erfindung; doch ganz so ist dem nicht: Befürworter des ganzjährigen Tourismus in den Alpen verweisen gerne auf die Grandhotels, die im 19. Jahrhundert in den Luftkurorten entstanden. Vor über 100 Jahren war der Bergurlaub ein Statussymbol der Oberschicht. Durch die Erschließung durch die Eisenbahn gelangten immer mehr Städter in die abgelegenen Ortschaften in den Bergen. Gegner des ganzjährigen Tourismus argumentieren, dass die Menschenmassen, die heute über die Alpen rollen, mit der romantischen Sommerfrische von damals nichts gemein haben. Sie sehen primär die Gefahr, dass die Touristenmassen die Natur in den Alpen nachhaltig verändern. Beschneiungsanlagen ersticken die Gebirgsflora und auch die Tierwelt wird in Mitleidenschaft gezogen: Gämsen und Steinböcke ziehen sich in immer höhere Lagen zurück. Auch viele Baumaßnahmen werden nicht gutgeheißen: Straßen, öffentliche Kläranlagen und die vielen baulichen Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der Spaßindustrie notwendig werden, passen vielerorts nicht mehr ins gewohnte Landschaftsbild. Wer in Fiss (Österreich) die Gondel der Möseralmbahn in 1.820 Metern Seehöhe verlässt, betritt einen alpinen Rummelplatz. Mehrere Millionen Euro hat der Sommerfunpark das Bergbahnunternehmen gekostet. Den Anfang machte der Fisser Flitzer, eine gigantische Sommerrodelbahn, die sich durch eine aufwendig gestaltete Kulisse ins Tal schlängelt. Unterwegs rodelt man durch eine künstliche Eishöhle, an einem brennenden Stadel und einem Indianerdorf vorbei. Am Rand grüßen Dinosaurier. Nach einigen Jahren erkannten die Betreiber, dass die Sommerrodelbahn als Besuchermagnet alleine zu wenig ist. Mit dem Fisser Flieger realisierten die Fisser Bergbahnen einen neuartigen Fahrspaß. An einem Drahtseil hängend rast eine Art Flugdrachen in das Tal. Daran, mit Gurten justiert, hängen die Passagiere. Auf dem Plateau von Serfaus-Fiss-Ladis steht die neueste Attraktion des Sommerfunparks: der Skyswing. In einer stählernen Riesenschaukel lassen sich bis zu sechs Personen gleichzeitig durch die Bergluft schleudern. Dabei erleben sie den freien Fall. Die Schaukel lockt etliche Tagesgäste an, doch die Betreiber wissen, dass ein Stillstand in ihrem Geschäft fatale Folgen haben kann. Aus diesem Grund sind bereits weitere Attraktionen geplant. Natürlich sollen sie noch spektakulärer sein als alles bisher da gewesene. Der Wettlauf mit der Konkurrenz nimmt kein Ende! Nur wenige Meter entfernt von diesem Rummelplatz in den Bergen, befindet sich das Naturdenkmal Fisser Gonde. Neben seltenen Pflanzen findet man dort auch ein Gestein, das einen ungewöhnlich hohen Anteil an Quarzphyllit und Schiefer aufweist. Immer seltener finden Urlauber den Weg vom Sommerfunpark hier her. Lauterbrunnental, Schweiz: Ein Landwirt steht auf seiner Wiese und beobachtet den Himmel. Plötzlich zeigt er in Richtung des Berges Staubbachfall. „Da kommt einer!“, sagt er. Vor der gegenüberliegenden Felsenwand ist die Silhouette eines in die Tiefe stürzenden Menschen erkennbar. Der fliegende Körper gewinnt immer mehr an Geschwindigkeit. Etwa 200 Meter über dem Boden öffnet sich ein kleiner Fallschirm. Den Springer reißt es kurz nach oben. Anschließend segelt er schaukelnd in Richtung der Wiese. „Mir würde das alles nichts ausmachen, aber warum müssen die immer auf meiner Wiese landen?“, sagt der mittlerweile aufgebrachte Landwirt. Den gelandeten Sportler tangiert der verärgerte Einheimische nicht. Er packt in Ruhe seinen Fallschirm ein und

geht quer über die Wiese zur Straße. Der deutsche Alpinist Xaver Bongard war der erste Base Jumper, der im Lauterbrunnental vom Staubachfall sprang. Seit dem ist das Tal neben Trollveggen in Norwegen die Base Jump Hochburg in Europa. „Du lernst immer neue Leute kennen“, erklärt Holger, ein Base Jumper aus Zürich, während er sich für den Absprung bereit macht. Er arbeitet als Banker bei einem großen Schweizer Kreditinstitut. Seine Sucht nach dem Adrenalinkick führt ihn regelmäßig hierher. „Andere nehmen Drogen, ich bin Base Jumper!“, sagt er und springt in den Abgrund. “Die Alpen sind der Spielplatz Europas“, dies schrieb bereits vor 150 Jahren der englische Bergsteiger Leslie Stephen in sein Tagebuch. Was würde er wohl heute notieren? Der Text „Die Alpen: Lebensraum und Rummelplatz“ hat 1.142 Wörter. Bitte notieren Sie die Zeit, die Sie benötigt haben, um den Text zu lesen, und errechnen Sie die Wörter, die Sie pro Minute gelesen haben.

Brauchen Sie Rechenhilfe?

Nicht selten passiert es in Seminaren, dass der eine oder andere Teilnehmer etwas ratlos vor der Aufgabe steht, die gelesenen Worte pro Minute zu ermitteln. Daher finden Sie hier eine kleine Rechenunterstützung: Wenn Sie zum Beispiel 6 Minuten und 15 Sekunden benötigt haben, um die 1.142 Wörter zu lesen, kann Ihre Berechnung wie folgt aussehen:

1.142 Wörter/375 (6*60 + 15) Sekunden = 3,045 Wörter pro Sekunde -> 3,045 Wörter pro Sekunde * 60 Sekunden = 182,7 Wörter pro Minute (wpm)

Bitte beantworten Sie nun folgende Fragen zum Text:

„Die Alpen: Lebensraum und Rummelplatz“

1.

Wie

hoch

ist

der

Prozentsatz der

Wintersportorte,

Klimawandel nicht mehr halten lassen werden?

die

sich bedingt

durch den

  • 2. Warum werden die einstigen Extremsportarten wie zum Beispiel Paragliden und Base

Jumping immer mehr zum Breitensport?

  • 3. Welche Aufgabe übernehmen mittlerweile PR-Agenturen für viele Ortschaften und

Regionen in den Alpen?

  • 4. Welche Gefahren bringen die großen Menschenmassen für die Alpenregion?

  • 5. Welche Attraktionen bietet die Ortschaft Fiss ihren Besuchern?

Bitte notieren Sie Ihre Antworten stichwortartig.

Vergleichen Sie bitte Ihre Antworten mit den nachfolgenden Lösungen und ermitteln Sie den Prozentsatz der Aufgaben, die Sie richtig beantwortet haben:

1.

Wie hoch ist der Prozentsatz der Wintersportorte, die sich bedingt durch den

Klimawandel nicht mehr halten lassen werden? Fast drei Viertel der Skigebiete werden so stark vom Klimawandel betroffen sein, dass selbst ausgeklügelte Beschneiungsanlagen die Situation nicht mehr retten können.

  • 2. Warum werden die einstigen Extremsportarten wie zum Beispiel Paragliden und Base

Jumping immer mehr zum Breitensport? In den 1990er-Jahren wurden Sportarten wie Paragliden, Base Jumping oder Canyoning fast ausschließlich von Extremsportlern ausgeübt. Heute werden diese einst unlukrativen Segmente immer größer und breiter getreten. Kurse für jedermann stehen in vielen Regionen auf dem Programm. Der Alpenraum verdient gut am neuen Freizeitheldentum, denn plötzlich scheinen selbst die gefährlichsten Hobbys viele Urlauber magisch anzuziehen. Auch die Sportartikelhersteller verdienen gut am neuen Trend, denn die erforderliche Ausrüstung bringen immer mehr Urlauber bereits mit dem eigenen Auto an den Ferienort.

  • 3. Welche Aufgabe übernehmen mittlerweile PR-Agenturen für viele Ortschaften und

Regionen in den Alpen? Die Agenturen konzipieren möglichst

einzigartige Attraktion für

die

Ortschaften und

Regionen. Für jeden Berg eine andere Vision. Eine USP (Unique Selling Proposition) für jede

Region! Auf dem Reißbrett gestaltet und in der Hoffnung auf mehr Einnahmen aus dem Tourismus so rasch wie möglich umgesetzt, soll die Rettung bringen.

  • 4. Welche Gefahren bringen die großen Menschenmassen für die Alpenregion?

Sie sehen primär die Gefahr, dass die Touristenmassen die Natur in den Alpen nachhaltig verändern. Beschneiungsanlagen ersticken die Gebirgsflora. Auch die Tierwelt wird in Mitleidenschaft gezogen: Gämsen und Steinböcke ziehen sich in immer höhere Lagen zurück. Auch viele Baumaßnahmen werden nicht gutgeheißen: Straßen, öffentliche Kläranlagen und die vielen baulichen Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der Spaßindustrie notwendig werden, passen vielerorts nicht mehr ins gewohnte Landschaftsbild.

  • 5. Welche Attraktionen bietet die Ortschaft Fiss ihren Besuchern?

Die Ortschaft bietet ihren Besuchern einen mehrere Millionen Euro teuren Sommerfunpark. Den Anfang machte der Fisser Flitzer, eine gigantische Sommerrodelbahn, die sich durch eine aufwendig gestaltete Kulisse ins Tal schlängelt. Unterwegs rodelt man durch eine künstliche Eishöhle, an einem brennenden Stadel und einem Indianerdorf vorbei. Am Rand grüßen Dinosaurier. Eine weitere Attraktion ist der Fisser Flieger. An einem Drahtseil hängend rast eine Art Flugdrachen in das Tal. Daran, mit Gurten justiert, hängen die Passagiere. Auf dem Plateau von Serfaus-Fiss-Ladis steht die neueste Attraktion des Sommerfunparks: der Skyswing. In einer stählernen Riesenschaukel lassen sich bis zu sechs Personen gleichzeitig durch die Bergluft schleudern. Anmerkung zu den Musterantworten: Die vorgegebenen Antworten sollen Ihnen lediglich zur Orientierung dienen. Sollten Ihre Antworten richtig, aber weniger ausführlich sein, ist das natürlich absolut in Ordnung.

Wir Menschen lieben den Vergleich. Sicherlich brennt Ihnen die Frage, wie schnell die anderen lesen und wie hoch ihr Verständnis im Durchschnitt ist, auf der Zunge. Die durchschnittliche Lesegeschwindigkeit beträgt rund 160–180 Worte pro Minute (wpm). Das durchschnittliche Verständnis des Textes liegt bei 50–70 %.

Schlechte Lesegewohnheiten

Viele Lese- und Lernprobleme lassen sich alten Gewohnheiten zuschreiben. Die meisten Leser lesen noch genau so, wie sie es in der Volksschule gelernt haben. Im Rahmen eines Buchprojektes stellte ich vor einigen Jahren, zugegebenermaßen zu meinem eigenen Schrecken, fest, dass Kinder im Alter von 12 Jahren in etwa gleich schnell lesen, wie die meisten Erwachsenen. Die Frage, warum das so ist, beschäftigte mich lange. Mittlerweile glaube ich, zumindest zwei Antworten zu kennen:

1. In der Schule hört die Leseausbildung bereits in der Volksschule auf. Wir lernen die Buchstaben kennen. Aus ihnen formen wir Worte und aus den Worten Sätze. Aus Sätzen werden Geschichten. Dieser Prozess ist nach zwei bis drei Jahren abgeschlossen. In den folgenden Jahren kommen lediglich neue Worte hinzu. Eine Lesefortbildung findet in der Schule nicht statt. Auf die Idee, sich von selbst mit fortgeschrittenen Lesetechniken zu befassen, kommen die wenigsten Menschen ohne Anstoß von außen.

2. Wir Erwachsene machen dieselben Fehler beim Lesen wie die Kinder. Daher erzielen wir auch ähnliche Ergebnisse. Zu den häufigsten Fehlern zählen die folgenden:

Unkonzentriertes Lesen

Langsame Leser lesen oft auch unkonzentriert. Ihre Gedanken bleiben nicht beim Thema – sie schweifen ab. Der Text wird nur oberflächlich gelesen und inhaltlich ungenau erfasst. Wahrscheinlich kennen Sie das Problem auch! Sie lesen einen Text und denken dabei darüber nach, ob Sie das Bügeleisen ausgeschaltet haben oder ob Sie die Prüfung nächste Woche schaffen werden. Vielleicht fällt Ihnen auch ein, dass Sie die Post noch nicht geholt haben oder Sie Ihre Seminararbeit bis Freitag dringend fertigstellen müssen. Ihre Gedanken springen von Thema zu Thema und Ihre Konzentration schwindet immer mehr. Warum passiert das?

Beim konventionellen Lesen werden nur rund 25% des geistigen Potentials genutzt. Salopp gesprochen ist das Lesen im Tempobereich von 160 bis 180 Worte pro Minute eine langweilige Sache für unser Gehirn. Aus diesem Grund sucht es sich eine alternative Beschäftigung. Gedanken an das Bügeleisen, die Seminararbeit und die Post, die es noch zu holen gilt, stellen sich ein. Ihr Gehirn ist bemüht, die verbleibende freie Kapazität von 75 % auszufüllen. Es befasst sich mit Ideen, Gedanken etc., die es für interessanter und/oder wichtiger hält. So ist die Aufmerksamkeit rasch weg vom gelesenen Text. Sie lesen zwar noch, aber die Informationen scheinen nicht mehr bei Ihnen anzukommen. Sie könnten, wenn Sie jemand ersuchen würde das Buch wegzulegen und den Inhalt zu schildern, dieser Bitte

wahrscheinlich nicht folgen. Die Vorstellung, dass das langsame Lesen dazu führt, die Inhalte besser erfassen zu können, ist also nicht korrekt. Um viele Inhalte und Informationen mitnehmen zu können, müssen wir nicht besonders langsam, sondern besonders aufmerksam lesen. Um das unkonzentrierte Lesen eliminieren zu können, gilt es also die Aufmerksamkeit zu steigern. Auf dem Weg zu mehr Aufmerksamkeit kommt nun das Tempo ins Spiel. Wer schneller liest, wird feststellen, dass das höhere Lesetempo „mehr Gehirneinsatz“ erforderlich macht. Sie müssen sich mehr einbringen, mehr engagieren und aktiver beim Text sein und bleiben! Das ist auch einer der Gründe, warum Speed Reading in der Phase des Erlernens hin und wieder als anstrengend empfunden wird. Konzentration zahlt sich natürlich nicht nur beim Lesen, sondern auch beim Lernen aus! Diese Erkenntnis ist für Studierende besonders wichtig!

Wer mit den Gedanken bei der Sache bleibt, liest nicht nur schneller und besser, er erschließt die Inhalte auch rascher.

Um leichter beim Text zu bleiben, kann es Ihnen helfen, wenn Sie die Gedanken des Autors bildlich nachvollziehen. Lassen Sie, z. B. beim Lesen eines Berichtes, die geschilderten Daten vor Ihrem geistigen Auge möglichst plastisch auftauchen. Wenn Sie an der Darlegung des Autors interessiert sind, werden Sie auch leichter bei der Sache bleiben. Machen Sie sich vor dem Lesen immer auch bewusst, warum Sie einen Text lesen. Was wollen bzw. brauchen Sie? Genügt ein knapper Überblick, genügt es, die Kernideen zu erfassen, wollen Sie den Text für eine Seminararbeit oder einen Vortrag nutzen, müssen Sie den Text für eine Prüfung aufbereiten etc. Behalten Sie den Zweck des Lesens beim Lesen stets im Hinterkopf!

Die Regression

Sicherlich kennen Sie das! Sie lesen ein Buch, blättern von Seite zu Seite und bemerken, dass Sie seit etlichen Minuten bereits nicht mehr bei der Sache sind. Sie blättern zurück und lesen den Text nochmals! Er kommt Ihnen nicht bekannt vor. Vielen ergeht es so! Beinahe jeder Leser springt mehr oder minder häufig im Text zurück und liest manche Passagen mehrfach. Natürlich wirkt sich diese Angewohnheit negativ auf das Lesetempo aus. Das Zurückspringen im Text, die Regression, mindert zusätzlich auch die Aufmerksamkeit. Das Bewusstsein, einen Text bereits schon einmal gelesen zu haben, schadet der Bereitschaft ihn konzentriert aufzunehmen eher, als sie zu fördern. Die gute Nachricht ist, dass die Regression sehr leicht in den Griff zu bekommen ist:

Nehmen Sie zum Lesen in Zukunft eine Zeigehilfe und zeigen Sie mit. Achten Sie darauf, dass Ihr Auge und die Zeigehilfe von Anfang an so synchron wie möglich sind. Ihr Lesefluss sollte mit der Zeit immer harmonischer und gleichmäßiger werden. Sie sollten schon ziemlich bald in der Lage sein, in flüssigen und zügigen Bewegungen über den Text zu gleiten. Als Zeigehilfe eignen sich viele Dinge wie zum Beispiel Ihr Finger, ein Stift oder ein Essstäbchen. Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt! Verwenden Sie die Zeigehilfe, die Ihnen am meisten entgegen kommt. Bei vielen Lesern funktioniert die Koordination von Zeigehilfe und Auge am Anfang nicht immer einwandfrei. Das ist normal! Es wird zu Beginn immer wieder passieren, dass Sie mit

der Zeigehilfe im Text schon weiter sind, als mit dem Auge. Machen Sie sich diesbezüglich keine Gedanken! Harmonisieren Sie die Koordination von Auge und Zeigehilfe einfach so rasch wie möglich, wenn Sie feststellen, dass Sie nicht mehr synchron sind. Mit ein wenig Übung werden Koordination und Lesefluss bald sehr harmonisch werden. Geben Sie sich ein wenig Zeit!

Das Buchstabieren

Sie dürfen beim Lesen ruhig mutiger sein. Sicherlich können Sie die nachfolgenden Worte lesen:

Aut.bahn Univer..tät scheinSonnen D.s ging chdo scho. ganz gu.! Was meinen ieS?

Meist genügen einige Buchstaben, um ein Wort zu erkennen. Selbst vertauschte Silben stören das Lesevermögen nur minimal. Um ein Wort rasch wiederzuerkennen, muss es Ihnen geläufig sein. Nur Worte, die Ihnen bekannt sind, können Sie rasch wiedererkennen. Denken Sie beim Lesen immer daran, dass Sie Fachliteratur nicht Wort für Wort lesen müssen. Sie lesen, um den Sinn und den Inhalt zu erfassen und nicht um sich Wort für Wort voranzutasten.

Das Vokalisieren

Beim Vokalisieren sprechen die Leser den Text mehr oder minder deutlich mit. Sehr oft ist diese Form des Mitsprechens bei Kindern und sehr ungeübten Lesern zu sehen. Bei geübten Lesern kommt das Vokalisieren so gut wie nie vor. Warum ist das Vokalisieren problematisch? Die meisten Menschen sprechen im Tempobereich von 160–300 Worten pro Minute (wpm). Wer den Text vollständig mitspricht, wird also ewig in diesem Tempobereich verweilen. Da wir auf einem wesentlich höheren Tempo denken können, besteht ständig die Gefahr, dass sich unser Gehirn langweilt. Die Konsequenzen kennen Sie bereits! Ein Wort oder eine Wortgruppe mit einem Blick zu erfassen, geht sehr schnell. Auge und Geist können Inhalte viel rascher erfassen, als das Sprechwerkzeug sie mitsprechen kann. Einen Text zu sprechen, dauert im Vergleich wesentlich länger. Ihr Auge kann in Bruchteilen von Sekunden Bilder aufnehmen und speichern. Voraussetzung hierfür ist, dass das Gesehene nicht neu ist. Beim Lesen ist es genau so! Bekannte Wortbilder werden vom Auge sehr rasch erkannt und gespeichert.

Das Subvokalisieren

Beim Subvokalisieren ist kein Laut zu hören. Das Mitsprechen erfolgt lautlos. Fast alle Leser subvokalisieren. In unseren Speed Reading Seminaren treffe ich nur sehr selten Menschen, die diese innere Stimme nicht hören. Beinahe 98 % der erwachsenen Leser sprechen den Text lautlos mit! Selbst sehr gebildete und relativ schnelle Leser tappen in diese Falle. Vielen ist es gar nicht bewusst, dass sie eine „innere Stimme“ haben, die ihnen Texte vorliest. Achten Sie in den nächsten Minuten bewusst

darauf! Hören Sie Ihre „innere Stimme“? Für das Subvokalisieren gilt dasselbe wie für das Vokalisieren. Mitsprechen – ganz egal ob leise oder lautlos – limitiert Ihr Lesetempo! Subvokalisieren ist ein gefährlicher Zeiträuber. Oft stellen die Leser, die sich beim Subvokalisieren ertappt haben, im Seminar die Frage:

„Was kann ich tun, um mir diese Leseunart so rasch wie möglich abzugewöhnen?“ Hier gehen die Tipps weit auseinander. Manche Trainer raten den Teilnehmern sogar parallel zum Lesen, das Alphabet von hinten nach vorne aufzusagen. Sicherlich verunmöglicht diese Maßnahme das flächendeckende Mitsprechen des Textes weitgehend, doch was passiert, wenn z – y – x – w – v – u … b – a plötzlich weg sind? Ist dann die innere Stimme wieder da? Wahrscheinlich! Und was ist mit dem Inhalt, der parallel zum ABC aufgenommen werden soll? Kann er wiedergegeben werden oder fällt der Großteil der geistigen Kapazität dem ABC zum Opfer? Sich die innere Stimme bewusst abtrainieren zu wollen, funktioniert aus meiner Sicht und aus der Erfahrung mit Tausenden Seminarteilnehmern nicht sonderlich gut und ist auch in keiner Weise erforderlich. Wer alle Gedanken darauf konzentriert, die innere Stimme loszuwerden, wird wahrscheinlich total in ihren Bann gezogen. Alleine das Wissen um die innere Stimme macht sie für viele Leser übermäßig präsent. Feststellungen wie: „Seit ich weiß, dass ich eine Stimme habe, die mir die Texte leise vorliest, höre ich diese Stimme so laut wie nie zuvor!“, sind häufig. Die innere Stimme ist sicherlich einer der anhänglichsten Lesefehler. Es kann gut sein, dass Sie sie in einigen Wochen immer noch phasenweise hören. Versuchen Sie dieser Tatsache mit größtmöglicher Gelassenheit zu begegnen. Mit dem steigenden Lesetempo verschwindet das Mitsprechen ohnehin von selbst. Ob die innere Stimme Sie ein paar Tage länger begleitet, ist letztlich nicht so entscheidend. Gelegentlich ist auch zu hören, dass Texte gesprochen werden müssen, um die Inhalte zu verstehen. Das ist glücklicherweise nicht der Fall. Müssten wir uns alles was wir sehen zuerst leise oder lautlos vorsprechen, um es erfassen zu können, würde unser Leben schlagartig ziemlich kompliziert werden. Nehmen wir an, Sie kommen an der Auslage eines Obstgeschäfts vorbei. Müssen Sie leise vor sich hinflüstern: „Grüne und rote Äpfel, Orangen, Bananen und Ananas, …“, um zu wissen, was in der Auslage zu sehen ist? Nein! Genau so ist es bei Worten. Wenn Sie das Wortbild kennen, können Sie es jederzeit rasch wiedererkennen, ohne es mitsprechen zu müssen. Vokalisieren bzw. Subvokalisieren ist eine oftmals über viele Jahrzehnte tradierte Unart und keine Notwendigkeit! In einigen Ländern wurde das bereits erkannt. Mit entsprechenden Programmen wird schon bei den jüngsten Lesern gegengesteuert. Vielleicht sind Sie sich nun nicht sicher, ob Sie es mit dem bewussten Abtrainieren nicht doch versuchen sollten. Bitte probieren Sie in diesem Fall folgende kleine Übung:

Denken

Sie

in

den nächsten

30

dunkelgrünen Geländewagen!

Sekunden auf keinen

Fall

an einen

Nun, ist es Ihnen gelungen, den dunkelgrünen Geländewagen nicht vor Ihrem geistigen Auge zu sehen? Die meisten Menschen sehen das Auto sehr deutlich vor sich! Das Gehirn blendet das Wort „nicht“ aus und konzentriert sich damit genau auf das, was es nicht „sehen“ sollte. Der dunkelgrüne Geländewagen erscheint sehr deutlich und plastisch vor Ihrem geistigen Auge.

Mit der inneren Stimme verhält es sich ähnlich. Wenn Sie sich laut vorsagen: „Ich will meine innere Stimme ab jetzt NICHT mehr hören!“, passiert genau dasselbe. Sie werden Ihre innere Stimme ziemlich sicher sehr deutlich hören. Vielleicht wollen Sie nun wissen, wann zu erwarten ist, dass Ihre innere Stimme von selbst verschwindet? Manche Leser hören die innere Stimme bereits nach zwei Tagen nicht mehr. Andere können sie nach zwei Wochen phasenweise noch immer hören. Obwohl die innere Stimme, sobald man weiß, dass man sie hat, viele Leser stört, fällt es vielen erst sehr spät auf, wenn sie weg ist. Wahrscheinlich haben Sie sich bei der einen oder anderen Leseunart ertappt? Das ist ganz normal. Sehr viele Seminarteilnehmer ertappen sich gleich bei drei oder vier Leseunarten. Das ist nicht weiter schlimm. Achten Sie lediglich in Zukunft darauf, diese Fehler nicht mehr zu machen.

So trainieren Sie!

WOCHE 1:

Trainingstag 1:

Am Beginn Ihres Trainings steht das Ausmerzen von Lesefehlern. Alleine durch das Eliminieren von Lesefehlern ist es möglich, dass Sie Ihr Lesetempo verdoppeln! Die Zeit, die Sie hier investieren, macht sich also bezahlt. Das Abstellen der Lesefehler ist die Basisarbeit auf dem Weg zum Speed Reader. Nehmen Sie eine Zeigehilfe (Finger, Stift, Essstäbchen, usw.) zur Hand und lesen Sie in einem Buch Ihrer Wahl – vielleicht mögen Sie mit einem einfachen Fachbuch aus Ihrem Bereich beginnen - für mindestens 15 Minuten zügig, und ohne der Regression zu erliegen. Springen Sie auf keinen Fall im Text zurück. Lesen Sie zügig weiter, auch wenn Sie vielleicht einmal ein Wort nicht so exakt erfassen, wie Sie sich das wünschen. Achten Sie darauf, die Koordination zwischen Zeigehilfe und Augen so gut wie möglich abzustimmen. Ihr Auge sollte immerdort sein, wo die Zeigehilfe gerade ist. Sollten Sie feststellen, dass dem nicht so ist, korrigieren Sie so rasch wie möglich und stellen Sie die Harmonie zwischen Zeigehilfe und Auge wieder her. Was haben Sie beim Lesen in der heutigen Trainingseinheit festgestellt? Waren Sie konzentrierter als sonst? Haben Sie die Inhalte gut erfasst? Hat es Sie gestört, dass Sie nicht im Text zurückspringen konnten, wie Sie wollten? Haben Sie bemerkt, dass Sie sich während des Lesens zum Beispiel viele Gedanken um das Mitzeigen oder um die neue Art zu lesen gemacht haben?

Notieren Sie Ihre Gedanken und Entdeckungen.

Hier einige Tipps, wie Sie mit der einen oder anderen Entdeckung bzw. Feststellung

umgehen können:

Sie haben festgestellt, dass es Sie stört, wenn Ihre Augen nicht willkürlich über den Text springen können? Diese Entdeckung machen einige Leser. Zu Beginn empfinden sie es als störend, dass das Auge einen durch die Zeigehilfe vorgegebenen Weg einschlagen soll. Die Harmonie zwischen Auge und Zeigehilfe will sich in den ersten Minuten oft nicht so recht einstellen. Hier ist etwas Geduld und Übung gefragt. Sicherlich fällt es Ihnen am 2. Trainingstag schon wesentlich leichter, der Zeigehilfe zu folgen. Vielleicht ist es Ihnen aber auch schon heute gegen Ende der 15 Minutenübung so ergangen. Wichtig ist, dass Sie stets motiviert bei der Sache bleiben. Es wird immer wieder Phasen geben, in denen Ihnen das Trainieren Spaß macht und sehr leicht von der Hand geht, und es wird Phasen geben, in denen Sie sich ein wenig überwinden müssen, um Ihrem Plan und Ihrem Ziel treu zu bleiben. Vergessen Sie nie:

Es hängt von Ihnen ab, wie gut Sie werden wollen! Waren Sie konzentrierter beim Lesen als sonst? Das liegt wahrscheinlich daran, dass Sie Ihre rechte Gehirnhälfte durch das Mitzeigen aktiver eingebunden haben. Weiter ist davon auszugehen, dass das kontinuierlichere Tempo auch seinen Teil zur besseren Konzentration beigetragen hat. Wenn Sie bereits heute diese Entdeckung gemacht haben, können Sie sich zu Recht auf die kommenden Trainingseinheiten freuen. Sie werden sicherlich bereits nach der ersten Woche so konzentriert lesen wie noch nie zuvor in Ihrem Leben und Sie werden feststellen, dass Sie sich Inhalte auch besser merken werden. Waren Sie unkonzentrierter beim Lesen als sonst? Zu Beginn kann es passieren, dass einige Leser feststellen, dass ihre Konzentration in den ersten Trainingseinheiten sinkt. Der Einsatz der Zeigehilfe und die Harmonisierung der Augenbewegung verlangen ihnen einiges an Aufmerksamkeit ab. Meist steigt die Konzentration von selbst wieder deutlich an, sobald sie die Harmonie zwischen Zeigehilfe und Auge erreicht haben. Tipp: Lesen Sie auch außerhalb der vorgesehenen Trainingszeiten mit der Zeigehilfe. Es ist dabei nicht wichtig, um welches Trainingsmaterial es sich handelt. Es darf auch die Tageszeitung sein. Der regelmäßige Einsatz der Zeigehilfe lässt Sie rascher mit diesem Hilfsmittel vertraut werden und gibt Ihnen Ihre Konzentration früher wieder zurück. Ist Ihnen aufgefallen, dass Sie während des Lesens zu Ihrem eigenen Beobachter wurden? Zu Beginn ergeht es vielen Lesern so! Sie ertappen sich immer wieder dabei, dass Sie sich ständig selbst beim Lesen beobachten. „Sind meine Augen mit der Zeigehilfe synchron?“, „Wie geht es der inneren Stimme? Kann ich sie besser hören als zuvor?“ „Ist das okay so, wie ich mitzeige?“ etc. Sollten Sie auch festgestellt haben, dass Sie Ihr eigener Beobachter sind, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Lassen Sie uns mit der guten Nachricht beginnen: Wenn Sie die Reserven haben, um sich stets selbst zu beobachten und um in einen inneren Monolog mit sich zu treten, haben Sie auf jeden Fall noch große Reserven, wenn es um die Optimierung und Maximierung Ihres Lesetempos geht. Die schlechte Nachricht ist:

Selbstbeobachter lenken sich ständig ab. Sie sabotieren, meist unbewusst, ihre eigene Konzentrationsfähigkeit und nehmen folglich vom Inhalt meist weniger mit, als sie sollten. Sie sollten sich die Selbstbeobachtung also so rasch wie möglich abgewöhnen. Sobald Sie bemerken, dass Ihre Gedanken abschweifen, führen Sie sie bitte umgehend wieder zurück zum Text. All Ihre Aufmerksamkeit sollte dem Text gewidmet sein und bleiben. Sie lesen, um den Inhalt zu erfassen, und nicht, um sich selbst zu beobachten. Achtung: Ab dem 5. Trainingstag werden Sie einen Taktgeber zum Lesen benötigen. Sie können entweder ein Metronom kaufen (Kostenpunkt: ca. EUR 35,--) oder das Speed-o-nom

des Learn Smart Verlags unter www.learn-smart-verlag.at bestellen. Es kostet EUR 9,90 und läuft auf jedem PC. Es ist variabel einstellbar, äußerst robust in der Handhabung und eignet sich sehr gut für das weitere Speed Reading Training. Tipp: Beim Kauf eines Metronoms ist es wichtig, dass Sie ein Gerät erwerben, das Ihnen vom Klang her entgegenkommt. Die mechanischen Geräte sind für die meisten Ohren gut verträglich. Bei den elektronischen Metronomen sieht die Sache etwas anders aus. Hier stehen durchaus auch einige nervenaufreibende Sounds zur Wahl. Hören Sie also kurz rein, bevor Sie sich für den Kauf eines Gerätes entscheiden.

Trainingstag 2:

Heute trainieren Sie genauso wie gestern. Achten Sie darauf, dass Sie die Koordination zwischen Augen und Zeigehilfe weiter verbessern können. Lesen Sie wiederum für 15 Minuten zügig und ohne Regression in einem Buch Ihrer Wahl. Stecken Sie nun den Bereich, den Sie gelesen haben, ab und setzen Sie sich das Ziel, genau denselben Textbereich nochmals zu lesen. Es stehen Ihnen dafür in dieser Runde 10 Minuten zur Verfügung. Sie müssen also deutlich schneller lesen als zuvor! Verlassen Sie Ihre Komfortzone und geben Sie Ihr Bestes! Wie ist es Ihnen ergangen? Was haben Sie beim Trainieren heute festgestellt? Haben Sie die Inhalte gut erfasst? Wie hat sich Ihre Konzentration entwickelt? Wie funktioniert die Koordination zwischen der Zeigehilfe und Ihren Augen?

Notieren Sie Ihre Feststellungen. Trainingstag 3:

1.)

Lesen

Sie

wiederum

15

Minuten

mit

Zeigehilfe

in

einem

Buch

Ihrer

Wahl.

Wahrscheinlich funktioniert die Koordination zwischen Zeigehilfe und Auge schon sehr gut! Markieren Sie wieder den gelesenen Bereich! Nehmen Sie sich nun 5 Minuten Zeit, um den gesamten Bereich nochmals zu lesen. Sie müssen in dieser Runde dreimal schneller sein als in der Runde zuvor. Stecken Sie sich das Ziel, unbedingt den gesamten gelesenen Text nochmals zu lesen! 2.) Wie steht es um die Inhalte, die Sie am ersten Tag gelesen haben? Können Sie sich noch erinnern? Bitte legen Sie nachfolgend Ihre Notizen an und vergleichen Sie diese im Anschluss mit dem Text, den Sie am ersten Trainingstag gelesen haben.

Notizen:

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Ergebnis? Konnten Sie sich mehr merken, als Sie gedacht haben? Vielen Lesern geht es so. Speed Reading sorgt für einen wacheren Geist und für offene Augen.

Bitte legen Sie wiederum Ihr kurzes Tagesprotokoll an. Die Sache mit der Motivation

Langfristig motiviert nichts mehr als Erfolg! In unseren Speed Reading Seminaren fällt mir immer wieder auf, wie zielorientiert und motiviert die Teilnehmer arbeiten, sobald sie die ersten Erfolge feststellen. Die Dinge fangen wie von selbst an, in die Gänge zu kommen. Eine starke Dynamik entsteht: Die Teilnehmer beginnen zu experimentieren und versuchen sich an verschiedenen Zeigetechniken. Sie experimentieren mit ihrem Lesetempo und mit verschieden schwierigen Texten. Sie schauen sich den einen oder anderen Kniff bei ihrem Nachbarn ab oder kommen drauf, dass sie so wie ihr Nachbar liest, nie und nimmer lesen könnten. Die positivste Entdeckung, die die Teilnehmer in den Trainingsstunden machen, ist die, dass Ihre geistigen Möglichkeiten und ihre Aufnahmefähigkeit viel größer sind, als sie selbst bisher glaubten. Wer herausfindet, dass er viel mehr mit seinem Gehirn tun kann, als er bisher dachte, entwickelt oft eine völlig neue Einstellung sich selbst und seinen intellektuellen Fähigkeiten gegenüber. Wahrscheinlich sind Sie mittlerweile in der Anwendung Ihrer Zeigehilfe schon sehr sicher und haben auch in der Koordination zwischen Zeigehilfe und Auge keinerlei Probleme mehr. Vielleicht haben Sie auch schon Ihren ganz eigenen Rhythmus beim Lesen gefunden.

Ihre Blickspanne

Nun ist es Zeit, ein neues Tool auf dem Weg zum effizienten Lesen zu entdecken und in Ihr Leseverhalten zu integrieren. Es geht um Ihre Blickspanne! Viele Leser fokussieren beim Lesen einzelne Worte. Sie springen von Wort zu Wort und gelegentlich auch wieder retour. Sie erfassen den Text nicht in größeren Auszügen. Ihre Blickspanne ist sehr eng! Beim Wort-für-Wort-Lesen langweilt sich der Geist rasch, weil er unterfordert ist. Eine Unterauslastung führt zur Absenkung der Konzentration – eine Überlastung mindert das Verständnis. Jeder Mensch ist in der Lage, wesentlich mehr als ein Wort pro Blick zu erfassen. Testen Sie anhand der nachfolgenden Wortgruppen, wie weit Ihre persönliche Blickspanne reicht. Können Sie die Wortgruppen mit einem Blick erfassen? Geben Sie sich pro Wortgruppe nur eine Sekunde Zeit und notieren Sie (z. B. durch ein kleines Plus oder Minus), ob Sie richtig lagen oder nicht.

  • schwarze kleine Katze

  • riesige alte Bäume

  • eleganter kleiner Herr

  • blauer Damenhut mit Blumen

  • behagliches Ledersofa in Dunkelbraun

  • eine schwarze Katze kreuzt den Weg

  • das Haus liegt in einem wunderbaren Park

  • das Klima in Cornwall ist sehr angenehm

  • das Wetter kam den Weinbauern sehr entgegen

  • ein elegantes Cabrio fuhr die Bergstraße entlang

  • Die Ballonfahrt machte allen Teilnehmern Spaß

  • in Irland ritten wir am Strand entlang

  • in England wirken die Gärten sehr gepflegt

  • der Oldtimer wurde vor drei Jahren renoviert

  • das Holzhaus wirkte sehr einladend

  • die Rinder grasten friedlich in der Herbstsonne Wie viele Worte konnten Sie

mit

einem Blick erfassen? Zwei,

drei, vier oder mehr?

Wenden Sie diese Fähigkeit beim Lesen bitte ab jetzt immer an. Verabschieden Sie sich von der Angewohnheit, Wort für Wort zu lesen! Wortgruppen fördern das Verständnis und lassen Sie schneller werden.

Trainingstag 4:

Nehmen Sie heute bitte ein Buch Ihrer Wahl zur Hand. Stecken Sie – zum Beispiel mit einem Blatt Papier – einen Umfang von 30 Seiten ab. Blättern Sie zum Beginn des abgesteckten Bereichs, und beginnen Sie so zügig wie möglich zu lesen. Versuchen Sie, den Text nicht Wort für Wort zu lesen, sondern Wortgruppen zu erfassen. Weiten Sie Ihren Blick! Sollte es Ihnen noch schwer fallen, Wortgruppen zu sehen, dann schieben Sie das Buch etwas weiter von sich weg. Gelegentlich ist es einfacher, größere Textbereiche zu sehen, wenn das zu lesende Material sich nicht unmittelbar vor Ihrer Nase befindet. Achten Sie beim Lesen generell darauf, dass das Lesematerial nicht zu knapp vor Ihren Augen ist.

Bitte legen Sie wiederum Ihr kurzes Tagesprotokoll an.

Sie wissen es bereits: Ab dem 5. Trainingstag benötigen Sie einen Taktgeber zum Lesen. Sie erschließen morgen schon das nächste Tool auf dem Weg zum Speed Reader.

Lesen mit einem Taktgeber Sie sind im Besitz eines Metronoms oder eines Speed-o-noms? Fein, dann lassen Sie uns starten.

Zuerst möchte ich Ihnen kurz erklären, warum es Sinn macht mit einem Taktgeber zu lesen: Speed Reading lässt sich gut mit dem Speed-o-nom oder einem Metronom üben, da Sie sich durch das vorgegebene Tempo nicht ständig unterbewusst die Frage stellen müssen, ob Sie schnell genug trainieren. Anfangs ist die Koordination zwischen Lesehilfe, Auge und Takt zwar nicht ganz einfach, aber mit der entsprechenden Übung gelingt die Abstimmung.

Trainingstag 5:

Wählen Sie für die heutige Übung bitte ein Buch, das pro Zeile rund 10 Worte hat. Stellen Sie das Speed-o-nom bzw. das Metronom auf Tempo 40 ein. Bei diesem Tempo schlägt es 40 Mal pro Minute. Lesen Sie bitte im Tempo des Taktgebers und wechseln Sie mit jedem Schlag die Zeile in Ihrem Buch. Sie lesen aktuell mit 400 Worten pro Minute (40 Zeilen pro Minute a 10 Worte entspricht 400 wpm). Lesen Sie zu diesem Tempo für 15 Minuten.

Sollten Sie feststellen, dass Ihnen das Tempo zu langsam ist, stellen Sie das Speed-o- nom bzw. das Metronom bitte auf 50 oder 60. Gehen Sie heute an Ihre Leistungsgrenzen! Geben Sie Ihr Bestes! Sie erinnern sich: Sie alleine bestimmen, wie gut Sie werden.

Wie ist es Ihnen heute ergangen? Bitte legen Sie kurz Ihre Notizen an.

Verlassen Sie Ihre Komfortzone

Sie kennen folgende Situation? Sie fahren auf der Autobahn seit Stunden konstant 130 km/h. Sie beschließen eine Pause einzulegen, und steuern die nächste Raststation an. Ihre Geschwindigkeit reduzieren Sie, sobald Sie die Autobahn verlassen haben, auf die vorgeschriebenen 50 km/h. Diese Geschwindigkeit erscheint Ihnen sehr langsam. Sie scheinen zu kriechen. Beim Lesen ist es genauso! Wenn Sie einen Text mit 800 wpm lesen und im Anschluss Ihr Tempo halbieren, wird Ihnen diese Geschwindigkeit langsam vorkommen. Obwohl Sie das Gefühl haben, nun langsam zu lesen, lesen Sie immer noch mehr als doppelt so schnell wie der Durchschnittsleser. Es ist daher beim Speed Reading sehr wichtig, dass Sie immer wieder Übungssequenzen einbauen, bei denen Sie Ihre Komfortzone verlassen. So gewöhnen Sie sich an eine hohe Geschwindigkeit, die Ihnen mit der notwendigen Übung bequem erscheint.

Trainingstag 6:

Wählen Sie für die heutige Übung bitte wiederum ein Buch, das pro Zeile rund 10 Worte hat. Stellen Sie das Speed-o-nom bzw. das Metronom auf Tempo 50 ein. Bei diesem Tempo schlägt es 50 Mal pro Minute. Lesen Sie bitte im Takt und wechseln Sie mit jedem Schlag die Zeile in Ihrem Buch. Sie lesen aktuell mit 500 Worten pro Minute (50 Zeilen pro Minute a 10 Worte entspricht 500 wpm). Lesen Sie zu diesem Tempo für 15 Minuten. Sollten Sie feststellen, dass Ihnen das Tempo zu langsam ist, stellen Sie das Speed-o- nom bzw. das Metronom bitte höher ein. Es ist wichtig, dass das Training mit Taktgeber immer herausfordernd für Sie bleibt! Sie sollten sich stets etwas außerhalb Ihrer Komfortzone bewegen, denn nur so können Sie sich rasch und nachhaltig verbessern. Lesen Sie nun den gesamten Text nochmals in 10 Minuten. Stellen Sie das Speed-o-nom bzw. das Metronom auf 75 Schläge pro Minute ein. Lesen Sie bitte wieder zu jedem Schlag eine Zeile. Sie werden wahrscheinlich feststellen, dass das Tempo in der zweiten Runde sehr herausfordernd ist. Lassen Sie sich davon nicht abhalten. Sie haben den Text bereits gelesen. Es ist folglich nicht so entscheidend, ob Sie das eine oder andere Wort nun nochmals ganz exakt erfassen können oder nicht. Achten Sie darauf, dass Sie im Takt bleiben. Denken Sie an die Wortgruppen und an die Koordination zwischen Zeigehilfe und Auge! Sie werden sich rasch an das höhere Tempo gewöhnen.

Wie ist es im heutigen Training gelaufen? Bitte notieren Sie, was Sie festgestellt haben.

Intervallübung

Sie können sich an das Beispiel mit der Fahrt auf der Autobahn erinnern? Ja! Sie wissen, dass es leichter ist, sich an ein hohes Lesetempo zu gewöhnen, wenn Sie mit einem noch etwas höheren Tempo üben. Je mutiger Sie sich aus Ihrer Komfortzone herausbewegen, desto rascher lässt sich diese ausweiten. Die Intervallübungen, die Sie heute kennenlernen, helfen Ihnen zusätzlich auf diesem Weg. Intervallübungen sind Übungen, die stets im sehr hohen Tempobereich beginnen und anschließend mit jedem Lesedurchgang langsamer werden. Eine geeignete Intervallübung für einen Leser, der aktuell mit rund 500 Worten pro Minute liest, könnte zum Beispiel so aussehen:

Alternative 1:

  • 1. Durchgang:

Lesetempo 800 wpm – Lesedauer 1 Minute

  • 2. Durchgang: Lesetempo 700 wpm – Lesedauer 3 Minuten

  • 3. Durchgang: Lesetempo 600 wpm – Lesedauer 6 Minuten

Wenn der Leser in unserem Beispiel nach einer größeren Herausforderung sucht, kann er

auch folgenden Ablauf wählen:

Alternative 2:

  • 1. Durchgang: Lesetempo 1.000 wpm – Lesedauer 1 Minute

  • 2. Durchgang: Lesetempo 800 wpm – Lesedauer 3 Minuten

  • 3. Durchgang: Lesetempo 700 wpm – Lesedauer 6 Minuten

Bei Alternative 1 wird im ersten Durchgang mit 300 wpm über dem aktuellen Lesetempo gelesen. Es kann gut sein, dass dieses Tempo deutlich außerhalb der Komfortzone ist und der Leser nicht jedes Detail erfassen kann. Das ist nicht weiter dramatisch! Es gibt noch einen 2. und 3. Lesedurchgang. Die Möglichkeit im 2. Durchgang den Text des 1. Durchgangs nochmals zu lesen und dann fortzufahren besteht jederzeit. Es gibt also keinen Grund, im 1. Durchgang das Tempo zu drosseln. Im 3. Durchgang sollte der Leser aus unserem Beispiel die Inhalte schon sehr gut erfassen können und das Tempo sollte ihm bereits als einigermaßen angenehm vorkommen. Wenn Sie bei einer Intervallübung merken, dass das Tempo im 3. Lesedurchgang keine Herausforderung mehr für Sie darstellt, sollten Sie es erhöhen. Sie können auch versuchen, ob Sie mit dem Lesetempo des 2. Lesedurchgangs klarkommen. Wenn dem so ist, verlängern Sie die Lesezeit des 2. Durchgangs entsprechend. Bei Alternative 2 befindet sich der Leser aus unserem Beispiel im 1. Lesedurchgang sicherlich deutlich außerhalb seiner Komfortzone. Wichtig ist es hier, sich bewusst zu machen, dass nur für sehr kurze Zeit auf diesem Tempo gelesen wird. Wenn die Inhalte – was bei diesem Tempo gut passieren kann – nicht ausreichend erfasst werden können, ist es jederzeit möglich, den Text, der bereits einmal gelesen wurde, im 2. Durchgang noch mal zu lesen. Spätestens im 3. Durchgang sollten die Inhalte gut erfasst werden können. Vielleicht probieren Sie den Einstieg in die Intervallübungen mit Alternative 2. Sollte Ihnen diese Variante noch zu herausfordernd sein, steigen Sie auf Alternative 1 um.

Trainingstag 7:

Heute haben Sie die Intervallübungen kennengelernt. Nehmen Sie nun ein Buch Ihrer Wahl zur Hand. Es sollte wiederum rund 10 Worte pro Zeile haben. Stellen Sie das Speed-o-nom bzw. das Metronom für eine Minute auf 75 Schläge pro Minute. Achten Sie darauf, dass Sie beim Lesen möglichst gut im Takt bleiben. Sollten Sie in der ersten Runde noch nicht allzu viele Inhalte erfasst haben, ist das nicht weiter schlimm. Sie werden den Text ohnehin noch ein- bis zweimal lesen. Die erste Runde dient primär der Visualisierung. Der Taktgeber unterstützt Sie dabei, Ihre Komfortzone zu verlassen. Lesen Sie genau dieselbe Textpassage im Anschluss noch einmal. Stellen Sie den Taktgeber nun auf 60 Schläge pro Minute. Sollten Sie das Gefühl haben, dass Sie die Inhalte noch nicht so gut erfasst haben, dann lesen Sie den Text noch ein drittes Mal durch. Stellen Sie das Speed-o-nom bzw. das Metronom dafür auf 50 Schläge pro Minute. Erweiterungsoption: Wenn Sie Zeit und Laune haben, können Sie diese Übung mit den drei Leseintervallen auch noch einmal mit einem neuen Text wiederholen. Vielleicht legen Sie dieses Mal ein Blatt Papier zur Seite und machen nach jedem Lesedurchgang stichwortartige Notizen. Das hilft Ihnen dabei zu erkennen, was Sie aus den einzelnen Lesedurchgängen wirklich an Informationen mitgenommen haben.

Wie ist es im heutigen Training gelaufen? Bitte notieren Sie, was Sie festgestellt haben. Halbzeit – Willkommen in der 2. Trainingswoche

Sie absolvieren heute den 8. Trainingstag! Wahrscheinlich sind Ihnen die Tools, die Sie bisher gelernt haben, schon gut vertraut. Vielleicht nehmen Sie sich einige Minuten Zeit, um das Erlernte nochmals Revue passieren zu lassen. Hier haben Sie Platz für Ihre Notizen:

Sicherlich haben Sie sich im Hinblick auf Ihr Lesetempo bereits stark verbessert. Wahrscheinlich sind auch Ihre Konzentration und die grundlegende Bereitschaft mit Ihren Gedanken beim Text zu bleiben, besser geworden. Um wie viel Sie sich verbessern konnten, sehen Sie heute beim Absolvieren des 2. Lesetests.

WOCHE 2:

Trainingstag 8:

Bitte absolvieren Sie heute Lesetest 2. Denken Sie an all die Tools, die Sie bereits gelernt haben, und geben Sie Ihr Bestes! Ich halte Ihnen die Daumen! Sie können zum Lesen auch das Metronom mitlaufen lassen. Es kann Ihnen dabei helfen, ein konstantes Tempo zu halten.

Lesetest 2:

Bitte notieren Sie die Zeit, bevor Sie zu lesen beginnen

Wie sieht Chinas Zukunft aus?

von Ulrich Wittmann/Marion Schultheiss Gerne wird China als die Lokomotive der Weltwirtschaft gesehen. Doch kann man China und seinen Wirtschaftsdaten trauen? Immer mehr Experten äußern ihre Zweifel an den offiziellen Daten der Volksrepublik China. Basiert der Boom der größten Volkswirtschaft der Welt auf manipulierten Statistiken? Die HypoVereinsbank berichtet, dass die großen Industrieländer immer weniger von Chinas Wirtschaftswachstum profitieren. Seit 1996 wächst die chinesische Wirtschaft um durchschnittlich 8,6 % pro Jahr. Die 2008 veröffentlichten Zahlen des Pekinger Wirtschaftsministeriums attestieren dem chinesischen Bruttoinlandsprodukt sogar ein Plus von 11,7 %. Es liegt somit weit über den Zuwachsraten, die die G8-Staaten vorweisen können. Dennoch ist das Wachstum der Exporte nach China seit 2004 deutlich rückläufig. Die Tatsache, dass China immer weniger Produkte importiert, könnte ein Indiz dafür sein, dass die publizierten Wirtschaftsdaten Chinas geschönt sind. Ebenso verhält es sich mit den aktuellen Arbeitsmarktzahlen. Die Zahl der Erwerbslosen liegt in China, offiziell, seit Jahren bei konstant 4 %. Wirtschaftswunderland China? Nein. Die Erklärung ist weniger glanzvoll: In der Volksrepublik China gibt es keine statistische Erhebung von Arbeitslosenzahlen. Den Kommunen und Provinzen fehlt es an grundlegendem statistischem Material. Selbst die Angaben über die Einwohnerzahlen der Städte und Regionen sind reine Schätzwerte. Obwohl die glänzende Fassade mehr und mehr bröckelt, übt die Volksrepublik China nach wie vor eine große Anziehungskraft auf ausländische Unternehmen aus. Nicht selten werden neben den günstigen Produktionskosten die positiven Wirtschaftsdaten als Kriterium für die Ansiedlung in China genannt.

Kritik

an

China ist

vielerorts zu hören, und die Ansatzpunkte sind

zahlreich:

 

Ein großer Teil der Bevölkerung bleibt arm Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs bleiben viele Menschen in China arm. Nach Schätzungen der Asiatischen Entwicklungsbank müssen über 300 Millionen Chinesen mit weniger als einem USDollar pro Tag überleben. Somit lebt ein Drittel der chinesischen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Gegen Ende der 1970er- Jahre galten 250 Millionen Chinesen als sehr arm. Bis 2007 lies sich diese Zahl offiziell auf rund 24 Millionen senken. Diese Menschen müssen mit einem Jahreseinkommen von weniger als 90 US-Dollar ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die tatsächliche Zahl der armen Chinesen wird deutlich höher geschätzt. Die Situation der arbeitenden Bevölkerung ist auch heute vielerorts wenig rosig. Ein Millionenheer von Wanderarbeitern verdingt sich auf den Baustellen der chinesischen Wirtschaftsmetropolen. Meist kommen sie vom Land in die Stadt in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Das Wissen, dass viele Städter mehr als das Dreifache eines Landbewohners verdienen, macht mobil. Doch nicht nur die finanzielle Situation lässt in China Millionen Menschen wandern. Die ländliche Bevölkerung wird mit zahlreichen weiteren Problemen konfrontiert: Die Anbauflächen in den ländlichen Regionen gehen immer weiter zurück. Die Umwidmung von Agrarland in Industrieland steht auf der Tagesordnung. Privateigentum an den landwirtschaftlichen Flächen ist nicht vorgesehen. Die Bauern haben kein Eigentumsrecht, sondern nur Nutzungsrechte an den Flächen. Die Entschädigungen für das enteignete Land sind meist spärlich. Gelegentlich findet eine finanzielle Entschädigung auch gar nicht statt. In den Städten ist das Privateigentum

bei Gewerbe- und Wohnflächen erlaubt. Auch im Hinblick auf das Bildungswesen und die Altersversorgung ist die Stadtbevölkerung etwas besser gestellt als die Landbevölkerung. Eine anhaltend starke Landflucht ist die Folge. Aktuell dürften rund 200 Millionen Menschen auf der Suche nach Arbeit durch China ziehen. Der Kontrolle der chinesischen Behörden sind diese Menschen schon lange entglitten. Die erhoffte Verbesserung der Lebensumstände bleibt für viele Menschen auch in den großen Städten des Landes ein Traum, denn die Lebensbedingungen der Wanderarbeiter sind schlecht. Meist hausen sie in überfüllten und verdreckten Baracken und gehen risikoreichen Beschäftigungen nach. Besonders die Arbeitssicherheit auf den Baustellen der prosperierenden chinesischen Städte lässt zu wünschen übrig. Regelmäßig kommt es zu schweren Unfällen. Auch die Situation für die ländliche Bevölkerung bessert sich nur sehr langsam. Seit einigen Jahren ist die Regierung bemüht, das Einkommen der Landbevölkerung zu sichern und zu erhöhen. Die Frage der Landrechte ist jedoch nach wie vor ungeklärt. Der Umweltschutz wird vernachlässigt Der ehemalige deutsche Botschafter in Peking, Konrad Seitz, kritisiert den naiven medialen Umgang mit der chinesischen Wirtschaftsstatistik. So verweist er zum Beispiel auf die Kosten der fortschreitenden Umweltverschmutzung in China, die nicht in Relation zum Bruttoinlandsprodukt gesetzt werden. Die massive Verschmutzung verursacht China Kosten von schätzungsweise 20 bis 30 Milliarden Dollar jährlich. Etwa 70 % dieser Folgekosten entfallen auf den Gesundheitsbereich. Gesundheitsgefährdendes Wasser und stark verschmutzte Luft gehören zum alltäglichen Leben in Chinas Metropolen. Das Pekinger Ministerium für Wasserressourcen bestätigt mittlerweile, dass jeder vierte Chinese Wasser von gesundheitlich bedenklicher Qualität trinkt. In den chinesischen Gewässern sind Schwermetalle, Arsen und chlorierte Kohlenwasserstoffe zu finden. Auch das Grundwasser ist in vielen Regionen bereits stark verseucht. Atemwegserkrankungen nehmen in der Bevölkerung von Jahr zu Jahr zu und haben immer häufiger einen tödlichen Verlauf. Besonders in den Regionen, in denen die Industrie rasch wächst, kämpfen die Chinesen verstärkt mit bislang unbekannten Gesundheitsproblemen. Der Energiebedarf des Landes wird zu 73 % durch Kohle gedeckt. Staub und Schwefeldioxidemissionen liegen deutlich über den internationalen Standards. Nicht zuletzt die belastende finanzielle Situation lässt die Zentralregierung aufwachen. In den kommenden Jahren werden die Ausgaben für Umweltinvestitionen drastisch erhöht. Die Trinkwasserqualität soll verbessert werden, in den Schulen steht Umweltkunde auf dem Plan, Energieressourcen sollen nachhaltig genutzt werden etc. Der Wille zu mehr Umweltbewusstsein und die Bereitschaft zu handeln, ist in Ansätzen erkennbar, doch wie die Umsetzung des Umweltgedankens in dem großen Land funktionieren wird, bleibt abzuwarten. Chinesische Bevölkerungsentwicklung katastrophal Die demografische Entwicklung in China findet kaum Erwähnung in den Wirtschaftsberichten. Sie kann getrost als kritisch bezeichnet werden. Dem wachsenden Bedarf an Arbeitskräften stehen zahlenmäßig immer kleiner werdende Jahrgänge gegenüber. Eine direkte Folge der seit dreißig Jahren propagierten Ein-Kind-Familie. Besonders auf dem Land werden die Folgen bald drastisch spürbar sein: China wird sich, ohne Importe und die Anwerbung von Gastarbeitern, nicht mehr weitgehend autark ernähren können. Die Feldarbeit, die zum größten Teil manuell erfolgt und einen sehr niedrigen Mechanisierungsgrad aufweist, konnte von einer funktionierenden Großfamilie gut bewältigt werden. Doch die bäuerlichen Großfamilien gehören der Vergangenheit an. In den letzten

Jahrzehnten zerfallen zusehends diese über Jahrhunderte bewährten familiären Strukturen in Chinas Reisanbaugebieten. Junge Menschen zieht es in die Städte. Dort versuchen sie ihr Glück als Hilfskräfte in einer der unzähligen Fabriken oder sind als Wanderarbeiter auf den Baustellen tätig. Zu Hause in den Dörfern bestellen die Eltern und Großeltern nur noch einen Teil der Felder, der ihnen das Überleben sichert. Ernteüberschüsse, die an die Allgemeinheit weitergegeben werden könnten, gibt es nicht mehr. In naher Zukunft steht die Bevölkerungspyramide in China auf dem Kopf. Auf einen Werktätigen kommen zehn Rentner. China steht vor einigen gewaltigen Herausforderungen. Der Text „Wie sieht Chinas Zukunft aus?“ hat 1.068 Wörter. Bitte notieren Sie die Zeit, die Sie benötigt haben, um den Text zu lesen, und errechnen Sie die Wörter, die Sie pro Minute gelesen haben. Bitte beantworten Sie nun folgende Fragen zum Text:

„Wie sieht Chinas Zukunft aus?“

  • 1. Wie hoch ist

auskommen muss?

die Zahl der Menschen, die in China mit weniger als einem US-Dollar

  • 2. Welche Probleme lassen die Menschen in China wandern?

  • 3. Schildern Sie die Um weltverschmutzung im Bereich der Gewässer in China!

  • 4. Schildern Sie die Auswirkungen der Luftverschmutzung in China!

  • 5. Warum ist die demografische Entwicklung inChina problematisch?

Bitte notieren Sie Ihre Antworten stichwortartig.

Vergleichen Sie bitte Ihre Antworten mit den nachfolgenden Lösungen und ermitteln Sie den Prozentsatz der Aufgaben, die Sie richtig beantwortet haben:

  • 1. Wie hoch ist

die Zahl der Menschen, die in China mit weniger als einem US-Dollar

auskommen muss? Nach Schätzungen der Asiatischen Entwicklungsbank müssen über 300 Millionen Chinesen mit weniger als einem US-Dollar pro Tag überleben.

  • 2. Welche Probleme lassen die Menschen in China wandern? Die Hoffnung auf bessere

finanzielle Rahmenbedingungen ist ein starker Faktor. Die ländliche Bevölkerung ist mit zahlreichen Problemen konfrontiert: Die Anbauflächen in den ländlichen Regionen gehen immer weiter zurück. Die Umwidmung von Agrarland in Industrieland steht auf der Tagesordnung. Privateigentum an den landwirtschaftlichen Flächen ist nicht vorgesehen. Die Bauern haben nur Nutzungsrechte an den Flächen. In den Städten ist das Privateigentum bei Gewerbe- und bei Wohnflächen erlaubt. Auch im Hinblick auf das Bildungswesen und die Altersversorgung ist die

Stadtbevölkerung etwas besser gestellt als die Landbevölkerung.

  • 3. Schildern Sie die Umweltverschmutzung im Bereich der Gewässer in China!

Gesundheitsgefährdendes Wasser gehört zum alltäglichen Leben in Chinas Metropolen. Das Pekinger Ministerium für Wasserressourcen bestätigt mittlerweile, dass jeder vierte Chinese Wasser von gesundheitlich bedenklicher Qualität trinkt. In den chinesischen Gewässern sind Schwermetalle, Arsen und chlorierte Kohlenwasserstoffe zu finden. Auch das Grundwasser ist in vielen Regionen bereits stark verseucht.

  • 4. Schildern Sie die Auswirkungen der Luftverschmutzung in China! Durch die immer

stärker werdende Luftverschmutzung nehmen Atemwegserkrankungen in der Bevölkerung von Jahr zu Jahr zu. Sie haben immer häufiger einen tödlichen Verlauf. Besonders in den Regionen, in denen die Industrie rasch wächst, kämpfen die Chinesen verstärkt mit bislang unbekannten Gesundheitsproblemen.

  • 5. Warum ist die demografische Entwicklung in China problematisch? Die demografische

Entwicklung in China ist problematisch, da dem wachsenden Bedarf an Arbeitskräften zahlenmäßig immer kleiner werdende Jahrgänge gegenüberstehen. Eine direkte Folge der seit dreißig Jahren propagierten Ein-Kind-Familie. Besonders auf dem Land werden die Folgen bald drastisch spürbar sein: Längst werden nicht mehr alle Flächen bestellt. Überschüsse werden immer seltener erwirtschaftet. China wird sich, ohne Importe und die Anwerbung von Gastarbeitern, nicht mehr weitgehend autark ernähren können. Die Feldarbeit, die zum größten Teil manuell erfolgt und einen sehr niedrigen Mechanisierungsgrad aufweist, konnte von einer funktionierenden Großfamilie gut bewältigt werden. Doch die bäuerlichen Großfamilien gehören der Vergangenheit an.

In naher Zukunft wird die Bevölkerungspyramide in China auf dem Kopf stehen. Auf einen Werktätigen kommen zehn Rentner.

Zick-Zack-Lesen

Heute möchte ich Ihnen ein Tool vorstellen, das sich in den Seminaren immer sehr unterschiedlicher Beliebtheit erfreut. Es gibt euphorische Verfechter (oft ist auf deren Feedbackbögen zu lesen: „Zick-Zack-Lesen ist das beste Lesetool für mich! Es klappt schon ganz wunderbar!“) und Teilnehmer, die sich mit diesem Tool eher plagen (auf deren Feedbackbögen ist dann zu lesen: „Ich finde Zick-Zack-Lesen schrecklich. Was passiert, wenn ich das einfach weglasse und dafür all die anderen Tools verwende?“). Interessant erscheint, dass es, was dieses Tool betrifft, so gut wie kein Mittelfeld gibt: Es gibt Befürworter und es gibt Gegner! Sie werden schon bald wissen, zu welcher Gruppe Sie gehören. Lassen Sie mich zuerst ganz kurz auf das Tool und den Sinn des Tools eingehen: Beim Lesen verschenken wir viel Zeit dadurch, dass wir am Ende einer Zeile unsere Augen gemütlich zum Beginn der nächsten Zeile wandern lassen. Gelegentlich verlieren wir die richtige Zeile

auch und bemerken unseren Irrtum erst in der Mitte der Zeile. Sie wissen es bereits: Mit einer Zeigehilfe lässt sich dieses Problem deutlich reduzieren bzw. völlig eliminieren. Es gibt aber noch andere Tools, die Ihnen mehr Leseeffizienz bringen können. Eines davon ist das Zick- Zack-Lesen. Beim konventionellen Lesen lesen wir eine Zeile immer von links nach rechts, dann lassen wir den Blick über die nächste Zeile gleiten (ohne Information mitzunehmen) und lesen diese Zeile wiederum von links nach rechts. Der Blick von rechts nach links, der ohnehin notwendig ist, um zum Beginn der neuen Zeile zu gelangen, wird sozusagen verschenkt. Er bringt dem Leser keine neuen Informationen. Auf einer durchschnittlich formatierten Buchseite finden Sie rund 30 Zeilen. Sie verschenken also 30 Blicke pro Seite, 300 Blicke auf 10 Seiten und 3000 Blicke auf 100 Seiten gerechnet. In einem durchschnittlichen Fachbuch mit rund 300 Seiten sind das rund 9000 verschenkte Blicke. Vielleicht denken Sie sich, dass diese Betrachtung nun doch zu kleinlich ist. Lassen Sie sich an dieser Stelle sagen, dass es an amerikanischen Universitäten ganze Skripten gibt, die sich mit der optimalen Umblättertechnik beim Speed Reading befassen. DAS ist kleinlich! Das Zick-Zack-Lesen bringt besonders Lesern mit enger Blickspanne große Vorteile.

Trainingstag 9:

Wählen Sie bitte für die heutige Übung einen Zeitungsartikel, um mit dem Zick-Zack-Lesen zu beginnen. Lesen Sie die erste Zeile von links nach rechts, lassen Sie Ihren Blick dann über die zweite Zeile von rechts nach links gleiten. Versuchen Sie, die Inhalte dabei so gut wie möglich zu erfassen und zu lesen. Die dritte Zeile lesen Sie wieder von links nach rechts, die vierte Zeile von rechts nach links etc. Am Anfang ist diese Art zu lesen sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig. Es kann auch gut sein, dass Sie beim Lesen nun plötzlich Dinge stören, die Ihnen bislang völlig egal waren. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass Sie sich an getrennten Worten am Ende einer Zeile plötzlich stören oder es kann auch sein, dass Sie sich von Satzzeichen irritieren lassen. Versuchen Sie, mit diesen Widrigkeiten so gut wie möglich klarzukommen. Behalten Sie, auch wenn es einmal nicht so gut laufen sollte, Ihre positive Einstellung und gehen Sie möglichst entspannt an das Zick-Zack-Lesen heran. Lesen Sie bitte, unter Anwendung dieses neuen Tools, für 15 Minuten.

Wie ist es Ihnen heute ergangen? Bitte legen Sie Ihre Notizen an. Trainingstag 10:

Sie gehören zu der Lesergruppe, die sich mit dem Zick-Zack-Lesen schon nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ziemlich leicht tut? Sie konnten den Grundinhalt der Texte gestern gut erfassen und fühlen sich mit dem Tool Zick-Zack-Lesen bereits einigermaßen wohl? Dann

trainieren Sie nach dem Trainingsplan für die Gruppe 1. Wenn Sie sich mit der Technik überhaupt noch nicht anfreunden konnten, trainieren Sie nach dem Trainingsplan für die Gruppe

Trainingsplan – Gruppe 1

Schön, dass Sie sich mit dem Tool Zick-Zack-Lesen schon angefreundet haben. Vielleicht haben Sie auch schon festgestellt, dass dieses Tool Ihren Lesefluss harmonischer werden lässt. Gehen Sie beim Einsetzen dieses Tools so mutig und couragiert wie möglich vor! Ertesten Sie, was für Sie bereits möglich ist. Versuchen Sie, Ihre Grenzen jeden Tag ein wenig weiter zu stecken. Vielleicht gelingt es Ihnen heute bereits, vom Zeitungsartikel in ein schmal formatiertes Fachbuch zu wechseln. Probieren Sie es einfach aus! Variieren Sie auch Ihr Lesetempo! Lesen Sie – wie bei den Intervallübungen – in verschiedenen Tempobereichen. Sobald Sie ein Tempo gefunden haben, das herausfordernd für Sie ist und Ihnen dennoch ein gutes Verständnis sichert, bleiben Sie bitte bei diesem Tempo und lesen Sie für 15 Minuten so harmonisch und konzentriert wie möglich. Fassen Sie die Inhalte des gelesenen Textes im Anschluss auf einem Blatt Papier stichwortartig zusammen.

Trainingsplan – Gruppe 2

Wenn Sie der Technik bislang noch nicht viel abgewinnen können, trainieren Sie bitte nach diesem Plan: Bleiben Sie vorerst bei einer Zeitung oder Zeitschrift Ihrer Wahl (Ausnahme:

Wechseln Sie nur dann zu einem breiter formatierten Text, wenn Sie bemerken, dass Sie regelmäßig und beinahe automatisch – ohne von rechts nach links zu lesen - mit den Augen am Beginn der nächsten Zeile landen. Häufig passiert das Lesern, die eine sehr breite Blickspanne haben!). Lesen Sie mit der Zick-Zack-Technik so konzentriert wie möglich. Experimentieren Sie mit dem Tempo: Was ist möglich? Wo liegt Ihre momentane Grenze? Wie steht es um Ihr Verständnis? Erproben Sie, wie sich das Lesen mit und das Lesen ohne Taktgeber auswirkt! Was fällt Ihnen leichter? Sobald Sie herausgefunden haben, welche Kombination Ihnen am besten liegt, lesen Sie mit dieser für die nächsten 15 Minuten. Legen Sie im Anschluss stichwortartige Notizen an. Es ist ganz wichtig, dass Sie sich beim Zick-Zack-Lesen nicht zu schnell entmutigen lassen. Wenn es Ihnen heute schon besser ergangen ist als gestern, dann haben Sie bereits ein wichtiges Etappenziel erreicht. Es kann durchaus sein, dass Sie sich in kleineren Schritten an das Tool gewöhnen, als andere Leser. Das macht nichts! Bislang ist es noch allen Seminarteilnehmern, die das wollten, gelungen, sich mit dem Zick-Zack-Lesen anzufreunden. Bei manchen dauerte es lediglich etwas länger. Wichtig ist, dass Sie sich nicht selbst gedanklich sabotieren. Gedankenketten wie die folgende lähmen Sie: „Das schaffe ich doch nie!“, „Da ist schon wieder ein Wort getrennt. Das stört mich!“, „Mir scheint, dass der Sinn mit dieser Technik einfach nicht zu erfassen ist!“, „Kann das denn überhaupt wirklich funktionieren? Ich glaube nicht, dass das klappt!“ Durchbrechen Sie diese Gedankenkette, sobald Sie bemerken, dass Sie sich aufbaut.

Wie ist es Ihnen heute ergangen? Bitte legen Sie Ihre Notizen an.

Fragezeichen-Technik

Die

Fragezeichen-Technik

ist

eine

Technik,

die

Ihnen

dabei

hilft,

Inhalte

rasch

überblicksartig zu erfassen. Sie dient nicht zum Lesen! Mit diesem Tool gewinnen Sie rasch ein Gesamtbild die zu lesenden Inhalte betreffend und Sie können Ihren Fokus effizient erweitern. So funktioniert die Fragezeichentechnik: Fahren Sie mit Ihrer Hand jede Seite eines Buches in Form eines Fragezeichens ab. Sie malen sozusagen ein Fragezeichen auf jede Seite und folgen dabei der Bewegung Ihrer Hand aufmerksam. Sie sollten rasch über die Seiten gehen. Je nach Schwierigkeitsgrad der aufzubereitenden Materie sollten Sie sich pro Seite zwischen 2 und 5 Sekunden Zeit nehmen. Sie sollten nur dann länger auf einer Seite verweilen, wenn die Komplexität der Inhalte dies rechtfertigt. Die Fragezeichen-Technik kann Ihnen auch viele negative Überraschungsmomente ersparen, wenn Sie große Stoffmengen zu bewältigen haben. Sie lässt Sie sehen, was Sie erwartet: Ist der zu lernende Stoff theorie- oder zahlenlastig? Gibt es viele Fallbeispiele oder Aufzählungen? etc. Sie können im Anschluss besser einschätzen, welche Inhalte Ihnen bereits vertraut sind und welche neu sind. Sie können die Zeit, die Sie benötigen werden, um sich zum Beispiel auf eine Klausur vorzubereiten, so realistischer einschätzen und Ihren Lernplänen treu bleiben. Kurz gesprochen: Die Fragezeichen-Technik ist auch eine große Hilfe bei der Lernplanung.

Trainingstag 11:

Vielleicht sind Sie sich noch nicht sicher, ob die Fragezeichen-Technik wirklich etwas für Sie ist. Probieren Sie es einfach aus. Bitte nehmen Sie ein Fachbuch, auf einfachem bis mittlerem Niveau für den Start, zur Hand und stecken Sie einen Bereich von 50 Seiten ab. Gehen Sie nun zügig mit der Fragezeichen-Technik durch den abgesteckten Bereich. Wenn Sie den ersten Durchgang absolviert haben, nehmen Sie bitte ein Blatt Papier zur Hand und legen stichwortartige Notizen an. Gehen Sie im Anschluss noch ein zweites Mal mit der Fragezeichen-Technik durch die 50 Seiten und ergänzen Sie wiederum Ihre Notizen im Anschluss. Wahrscheinlich sind Sie überrascht, wie viel Sie nach zwei Durchgängen mit der Fragezeichen-Technik bereits über die Inhalte Ihres Buches wissen. Sollten es Ihre Energie und Ihre Zeit zulassen, können Sie gerne einen dritten Durchgang mit der Fragezeichen-Technik anfügen. Vergessen Sie im Anschluss nicht, Ihre Notizen zu ergänzen. Der dritte Durchgang wird gut zur Abrundung des Gesamtbildes beitragen. Er wird Ihre Ausgangsbasis für die morgige Trainingseinheit sicherlich verbessern.

Wie ist es Ihnen heute ergangen? Bitte legen Sie Ihre Notizen an.

Exkurs Lesetempo:

In Seminaren kommt sehr oft

die Frage,

ob

es

denn mit

der Speed Reading Technik

möglich ist, alle Texte in Zukunft auf dem gleichen hohen Tempo zu lesen. Klare Antwort: nein!

Sie werden unterschiedliche Texte

(Texte,

die

von

der

Komplexität,

vom

Vertrautheitsniveau etc., variieren) immer auch in unterschiedlichem Tempo lesen. Wahrscheinlich werden Sie einen Text zum Thema „Grundlagen der Wirtschaftsgeschichte“ rascher lesen, als einen Text zum Thema „Mietrechtssonderregelungen im Bereich der

Altbauten im Innergürtelbereich Wiens“. Der entscheidende Unterschied ist der, dass Sie keinen der beiden Texte jemals mehr auf Ihrem Ausgangslesetempo lesen müssen. Vielleicht haben Sie bei 180 wpm angefangen und lesen den Text über die Grundlagen der Wirtschaftsgeschichte nun mit 700 wpm und den Text über die Mietrechtssonderregelung „nur“ mit einem Lesetempo von 400 wpm. Unterschiede im Lesetempo sind ganz normal! Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Tatsache, dass jede Fachrichtung ihre eigenen Fachbegriffe und ihre eigene Sprache hat. Wenn Sie zum Beispiel Mediziner sind und einen komplexeren Fachtext aus dem Bereich Elektrotechnik lesen müssen, werden Sie sich mit diesem Text wahrscheinlich nicht sonderlich leicht tun. Wenn Sie hingegen Elektrotechniker sind und ein medizinisches Fachbuch durcharbeiten müssen, wird Ihnen das wahrscheinlich auch schwerfallen. Sowohl der Mediziner als auch der Elektrotechniker werden feststellen, dass ihnen im Fachbereich des anderen häufig die Worte fehlen. Wenn Sie sich mit einer neuen Materie vertraut machen wollen oder müssen, ist es wichtig, dass Sie sich mit dem jeweiligen Fachvokabular vertraut machen, denn Sie können beim Lesen natürlich nur die Worte rasch wiedererkennen, die Ihnen geläufig sind! Zügiges Lesen ohne Kenntnis der Worte funktioniert nicht!

Tracer-Technik

Gestern haben Sie die Fragezeichen-Technik kennengelernt. Heute lernen Sie die Tracer- Technik kennen. Dieses Tool hilft Ihnen dabei, Inhalte genauer zu erschließen. Bei dieser Technik lesen Sie die erste Zeile und schwenken dann quer über den Textblock in die dritte oder vierte Zeile. Diese lesen Sie wiederum rasch und schwenken im Anschluss in die sechste oder siebte Zeile etc. Die Tracer-Technik hilft Ihnen dabei, die einzelnen Absätze als Bilder zu erfassen. Sie gewöhnen sich mit der Zeit daran, Textflächen zu sehen, anstatt sich an einzelne Worte zu klammern. Sie können die Technik, wenn Ihnen das mehr entgegen kommt, auch ein wenig abwandeln: Sie können eine Buchseite – je nach Komplexität der Inhalte – dritteln, vierteln, sechsteln oder achteln und dann, ähnlich wie bei der Fragezeichentechnik, diese Textblöcke im Zick-Zack Lesen zügig abfahren. Achten Sie darauf, dass Sie nur dann lesen, wenn Inhalte wirklich interessant erscheinen. Nach zwei bis drei Durchgängen mit der Tracer-Technik sollten Sie die Grundstruktur des Buches bereits gut erfasst haben. Sie sollten dieser Struktur auch schon etliche Inhalte zuordnen können. Wahrscheinlich wissen Sie bereits wesentlich mehr über das bearbeitete Material, als viele Leser, die das Buch einmal langsam vollständig gelesen haben und mit Sicherheit haben Sie dafür wesentlich weniger Zeit investiert. Die Fragezeichen- und die Tracer-Technik können Ihnen auch sehr gute Dienste leisten, wenn es um das Lernen großer Stoffmengen geht. Beide Tools sind tolle Basiswerkzeuge, wenn es um effiziente Prüfungsvorbereitung geht. Wenn Sie das Thema Prüfungsvorbereitung interessiert, möchte ich Ihnen das Trainingsprogramm Power Learning empfehlen. Es führt Sie in viele neue und erfolgserprobte Lerntechniken ein, die Sie sofort umsetzen können. Es ermöglicht Ihnen in Zukunft eine besser strukturierte, planvollere und stressfreie Prüfungsvorbereitung! Sie können es unter www.learn-smart-verlag.at beziehen.

Trainingstag 12:

Sie haben es wahrscheinlich schon vermutet: Heute geht es um das Erproben der Tracer- Technik. Bitte nehmen Sie das Fachbuch, das Sie gestern gelesen haben, zur Hand und bearbeiten Sie die 50 Seiten, die Sie gestern mit der Fragezeichen-Technik erschlossen haben, heute mit der Tracer-Technik. Gehen Sie dabei bitte wieder möglichst zügig vor. Nachdem Sie den ersten Durchgang absolviert haben, nehmen Sie bitte ein Blatt Papier zur Hand und machen Sie stichwortartige Notizen. Gehen Sie im Anschluss noch ein zweites Mal mit der Tracer-Technik durch die 50 Seiten und ergänzen Sie Ihre Aufzeichnungen. Sicherlich sind Ihre Notizen mittlerweile schon ganz schön umfangreich geworden und wahrscheinlich wissen Sie bereits eine Menge über Ihr Buch, ohne es bislang vollständig gelesen zu haben. In den beiden Tools, die Sie heute und gestern kennengelernt haben, ist sehr viel Potenzial enthalten. Bei effizienter Anwendung können Sie bereits mit diesen beiden Techniken Ihre Lernzeiten in Zukunft drastisch reduzieren. Sollten es Ihre Energie und Ihre Zeit zulassen, können Sie gerne einen dritten Durchgang mit der Tracer-Technik anfügen.

Wie ist es Ihnen heute ergangen? Bitte legen Sie Ihre Notizen an.

Trainingstag 13:

Bitte lesen Sie heute die 50 Seiten Ihres Fachbuches, die Sie in den letzten Tagen mit der Fragezeichen- und mit der Tracer-Technik bearbeitet haben, zügig durch. Stellen Sie Ihren Taktgeber zum Lesen und achten Sie dabei darauf, dass Sie sich tempomäßig stets leicht außerhalb Ihrer Komfortzone bewegen. Sie können die 50 Seiten natürlich auch in kleinere „Portionen“ aufteilen.

Bitte ergänzen Sie Ihre Notizen nach dem Lesen. Wie hat es mit dem Lesen heute funktioniert? War es anstrengend? War es beflügelnd festzustellen, dass es gut klappt?

Bitte legen Sie Ihre Notizen an.

Viele Seminarteilnehmer stellen fest, dass die Notizen, die sie zwischen den einzelnen Bearbeitungsdurchgängen und nach dem schnellen Lesen angelegt haben, von sehr guter Qualität sind. Etliche sind sogar der Meinung, dass die Aufzeichnungen die beste Zusammenfassung darstellen, die sie je angelegt haben. Wenn es Ihnen auch so ergeht, sollten Sie diese Tools so rasch wie möglich in die Palette Ihrer Lerntechniken aufnehmen.

Drill-Übungen

In den ersten Trainingstagen und –wochen haben viele Leser noch kein zuverlässiges Gefühl für ihr eigenes Lesetempo. Müssten sie nach dem Lesen eines Textes schätzen wie

schnell sie waren, würden sie wahrscheinlich nicht richtig tippen. Um das eigene Lesetempo gut in den Griff zu bekommen, bieten sich die nachfolgenden Drill-Übungen gut an.

3-2-1-Drill

Die 3-2-1-Drill-Übung verbessert nicht nur Ihre Fähigkeit, Ihr eigenes Lesetempo einzuschätzen, sie kann Sie auch gut dabei unterstützen, Ihre Komfortzone mehr und mehr zu verlassen. Lesen Sie in einem Buch Ihrer Wahl für drei Minuten nun so schnell, wie es Ihnen bei gutem Verständnis möglich ist. Stecken Sie den Bereich, den Sie gelesen haben, ab und versuchen Sie, den gesamten Textbereich in der zweiten Runde in nur zwei Minuten nochmals zu lesen. Ihr oberstes Ziel sollte es sein, den gesamten Text inder verkürzten Zeit unterzubringen. In der dritten und letzten Runde geht es darum, dass Sie den gesamten Textumfang nochmals vollständig abdecken. Sie müssen in dieser Runde wirklich sehr schnell sein! Da Sie den Text bereits schon zweimal gelesen haben, bevor Sie in die letzte Runde starten, können Sie gerne auch etwas großzügig sein und zwischendurch immer wieder versuchen, mehr als eine Zeile zu lesen. Vielleicht steigen Sie auch, bei Passagen, die Sie schon gut kennen, zwischendurch auf die Tracertechnik um. Wahrscheinlich werden Sie bei den ersten 3-2-1-Drillübungen wiederholt feststellen, dass in der zweiten und dritten Leserunde einige Seiten übrig bleiben. Das passiert am Anfang fast allen Lesern. Je öfter Sie diese Übung durchführen, desto weniger Text wird Ihnen in diesen Lesedurchgängen übrig bleiben.

5-3-1-Drill

Die 5-3-1-Drill-Übung hat dieselbe Funktion wie die 3-2-1-DrillÜbung. Lediglich die Zeitspannen ändern sich. In der ersten Leserunde lesen Sie für fünf Minuten so schnell wie möglich bei gutem Verständnis. Anschließend versuchen Sie in der zweiten Leserunde mit drei Minuten durch das gesamte Textmaterial zu kommen und in der dritten und letzten Runde versuchen Sie in nur einer Minute das gesamte Material durchzuarbeiten. Die 5-3-1-Drill-Übung lässt sich gut einsetzen, wenn Sie bei der 3-2-1-Drill-Übung wiederholt feststellen, dass Sie in allen drei Lesedurchgängen das gesamte Textmaterial gut und vollständig bewältigen können.

Natürlich können Sie die 3-2-1 und die 5-3-1-Drill-Übung auch wiederholt hintereinander einsetzen, um Ihre Komfortzone auszuweiten, um Ihr Bewusstsein für Ihr eigenes Lesetempo zu schulen und um mit der Zeit immer weitere Textfelder beim Lesen zu sehen.

Trainingstag 14:

1.) Versuchen Sie sich heute bitte in einem Buch Ihrer Wahl mit der 3-2-1-Drill-Übung. 2.) Sie sind nun schon fast am Ende des 2-wöchigen Speed Reading Trainingsprogramms angelangt. Lediglich ein weiterer Lesetest wartet auf Sie. Geben Sie Ihr Bestes! Setzen Sie alle Tools, die Sie gelernt haben, so effizient wie möglich ein. Ich halte Ihnen die Daumen!

Lesetest 3:

Bitte notieren Sie die Zeit, bevor Sie zu lesen beginnen

Der Klimawandel und der Wein

von Ulrich Wittmann/Marion Schultheiss Das Hamburger Max Planck Institut für Meteorologie stellte seine Modellberechnungen zu den Auswirkungen des globalen Klimawandels der Öffentlichkeit vor. Die Szenarien, wie sich das Klima in Deutschland bis ins Jahr 2100 entwickelt, geben wenig Grund zum Optimismus. Zwischen 2,5 und 3,5 °C wird die Durchschnittstemperatur in Deutschland ansteigen. Die Folgen sind fehlende Niederschläge und ein damit verbundenes Absinken des Grundwasserspiegels. Auch Insekten aus Südeuropa werden bei uns heimisch werden. Profitieren könnten in Deutschland die Winzer von der Erderwärmung. Auch in nördlicheren Regionen Europas und der Welt werden zukünftig Weinreben stehen. Experten gehen davon aus, dass sich die Grenze für den Weinbau 500 bis 1.000 Kilometer weiter nach Norden verschiebt. Bereits heute profitieren die deutschen Winzer von den steigenden Temperaturen:

Bis zum Jahr 1987 gab es in Deutschland regelmäßig Weinjahrgänge minderer Qualität. Dem Wein fehlten die Sonnentage. Den Winzern und Kellereien machten diese Jahrgänge wirtschaftlich schwer zu schaffen. Seit 1987 war es in den deutschen Weinanbaugebieten immer warm genug für eine optimale Reifung der Trauben.

Der globale Klimawandel bewirkt, dass in Deutschland die Weinlese nun bereits vier Wochen früher beginnt als noch vor einigen Jahren.

Die in Deutschland populären Rebensorten Spätburgunder und Riesling erwiesen sich bislang als sehr resistent, was die höheren Temperaturen angeht. Weinbauexperten gehen davon aus, dass selbst bei höheren Durchschnittstemperaturen diese Sorten in Deutschland gut gedeihen und passable Ernteerträge erzielen werden. Ein Profiteur der Klimaerwärmung ist der deutsche Rotwein. 1983 betrug der Anteil der Spätburgunder- und Portugieserreben in Deutschland nur 12 %. Heute bedecken diese beiden Sorten knapp 30 % der deutschen Anbauflächen. Ein Grund dafür ist die erhöhte Nachfrage nach deutschen Rotweinen, die durch das mildere Klima an Säure verloren und an Alkoholgehalt gewannen. In den heimischen Weinbergen fand eine stille Revolution statt. Nachwuchswinzer experimentierten mit Reben, die bisher eine Domäne der Winzer aus Südeuropa und Frankreich waren. Als in den 1980er-Jahren erstmals Cabernet Sauvignon und Merlot in der Pfalz angebaut wurden, war bald schon die Rede davon, dass diese Sorten zu keinen guten Weinen führen würden. Doch die ambitionierten Winzer ließen sich auch von anfänglichen Rückschlägen nicht beeindrucken und legten den Grundstein für eine neue Rotweintradition in Deutschland. Dank der erhöhten Durchschnittstemperatur und einer größeren Anzahl an Sonnentagen gedeihen in der Pfalz nun Reben, die bisher nur in Frankreich wuchsen. Bedingt durch die höheren Durchschnittstemperaturen wird sich in Zukunft die Erntezeit vom Frühherbst in den Hochsommer verlagern. Die Trauben bekommen einen süßeren Geschmack. Der geografische Schwerpunkt des deutschen Weinbaus liegt bisher - von kleineren Ausnahmen wie den Rebflächen im sächsischen Meißen abgesehen – im Süden des Landes. Doch mittlerweile wird selbst in Mecklenburg-Vorpommern Wein angebaut. Der nördlichste Weinberg Deutschlands liegt in Keitum auf Sylt. Eine unaufhaltsame Expansion der Weinanbauflächen in Deutschland ist dennoch nicht zu befürchten. Das Weinwirtschaftsgesetz und diverse Verordnungen der Bundesländer beschränken die Rebflächen strikt. Der Weinbau hält in den letzten Jahren verstärkt im Norden Einzug. Auch Dänemark ist seit

dem Jahr 2000 offizielles Qualitätsweinbauland. Belgien und die Niederlande wurden von der EU ebenfalls als weinanbauwürdige Staaten kategorisiert. Die Grenze des Weinbaus verläuft heute so weit nördlich wie zuletzt in der mittelalterlichen Warmphase. Durch den prognostizierten Anstieg der Temperatur in den nächsten Jahren und Jahrzehnten kann es passieren, dass weniger relevante Weinbaugebiete profitieren werden und bislang beliebte und bekannte Weinbauregionen wie etwa das Burgund an Bedeutung verlieren werden. Besonders negativ werden sich in den momentan populären Weinanbaugebieten die zunehmenden sommerlichen Hitzephasen auswirken. Sie werden zur drastischen Reduktion der Ernteerträge führen. In Spanien und Teilen Italiens könnte es langfristig zu heiß für die Reben werden und auf der Iberischen Halbinsel könnten die langen Trockenperioden dem Wein den Garaus machen. Große spanische Weinhersteller zogen bereits die Konsequenzen und erwarben potenzielle Weinhänge in den Pyrenäen. Nutznießer der höheren Temperaturen werden wahrscheinlich auch die englischen Winzer sein. Wein von der Insel hat eine lange Tradition. Bereits die Römer bauten dort vor über 2.000 Jahren ihre Reben an, sie mussten aber schon bald erkennen, dass das kühle und nasse Klima in der Provinz Britannien nicht geeignet war für den Weinanbau. Wie aus dem Doomsday Book, einem Dokument aus dem Jahr 1086 hervorgeht, bauten auch die Normannen Wein in England an. In den 1970er-Jahren begann die Wiederbelebung des englischen Weinanbaus. Die globale Erwärmung begünstigte den Anbau in den südlichen Regionen der Insel. 90 % der Anbaugebiete befinden sich südlich und östlich von London in Essex, Sussex und Kent. Um ein annehmbares Ergebnis zu erzielen, wurde der englische Wein oft mit anderen Weißweinen verschnitten. Seit den 1990erJahren trägt die stetige Klimaerwärmung zu einem Aufschwung der englischen Weinproduktion bei. Rebsorten wie Müller-Thurgau oder Chardonnay gedeihen in den Weinbergen Englands. Auch der Sekt aus englischen Kellereien findet mittlerweile international Anklang. Bei der International Wine Challenge, einer großen Blindverkostung, konnten englische Weine im Jahr 2009 sogar 24 Auszeichnungen holen. Die Produktion englischer Weinbauern bleibt dennoch, verglichen mit renommierten und etablierten Weinanbaunationen wie zum Beispiel Spanien oder Frankreich, sehr gering. Im Jahr 2009 gab es gut 440 Betriebe. Der britische Wein deckt nur rund 1 % des Haushaltsbedarfs der Briten. Derzeit versucht ein rheinhessischer Winzer im norwegischen Kristiansand einen Riesling anzubauen. Von der Bodenbeschaffenheit bietet der neue angelegte Weinberg in Südnorwegen alles, was für einen guten Wein erforderlich ist. Das Klima lässt allerdings noch etwas zu wünschen übrig. Doch der deutsche Weinbaupionier möchte sein Engagement in Norwegen langfristig betrachtet wissen. In zehn Jahren rechnet er damit, den ersten norwegischen Riesling ernten zu können. Eines steht fest, der Klimawandel wird nicht nur in Europa, sondern weltweit die Geografie des Weinanbaus nachhaltig verändern. Der Text „Der Klimawandel und der Wein“ hat 915 Wörter. Bitte notieren Sie die Zeit, die Sie benötigt haben, um den Text zu lesen, und errechnen Sie die Wörter, die Sie pro Minute gelesen haben.

Bitte beantworten Sie nun folgende Fragen zum Text

„Der Klimawandel und der Wein“

  • 1. Wie weit könnte sich die Grenze des Weinanbaus nach Norden verschieben?

  • 2. Wie wird sich die Erntezeit der Trauben bedingt durch die höheren Temperaturen in

Zukunft entwickeln?

  • 3. Wo liegt der nördlichste Weinberg Deutschlands?

  • 4. Welche Entwicklung könnte sich für Spanien und Italien im Hinblick auf den Weinanbau

abzeich

nen

Entwicklung?

und

wie

reagieren

große

spanische

Weinher

steller

auf

diese mögliche

  • 5. In welchen Regionen liegen 90 % der englischen Weinanbaugebiete?

Bitte notieren Sie Ihre Antworten stichwortartig.

Vergleichen Sie bitte Ihre Antworten mit den nachfolgenden Lösungen und ermitteln Sie den Prozentsatz der Aufgaben, die Sie richtig beantwortet haben:

  • 1. Wie weit könnte sich die Grenze des Weinanbaus nach Norden verschieben? Experten

gehen davon aus, dass sich die Grenze für den Weinbau 500 bis 1.000 Kilometer weiter nach Norden verschiebt.

  • 2. Wie wird sich die Erntezeit der Trauben bedingt durch die höheren Temperaturen in

Zukunft entwickeln?

Bedingt durch die höheren Durchschnittstemperaturen wird sich in Zukunft die Erntezeit vom Frühherbst in den Hochsommer verlagern.

  • 3. Wo

liegt

der

nördlichste

Weinberg

Deutschlands liegt in Keitum auf Sylt.

Deutschlands?

Der

nördlichste

Weinberg

  • 4. Welche Entwicklung könnte sich für Spanien und Italien im Hinblick auf den Weinanbau

abzeichnen und wie reagieren große spanische Weinhersteller auf diese mögliche Entwicklung? In Spanien und Teilen Italiens könnte es langfristig zu heiß für die Reben werden. Auf der Iberischen Halbinsel könnten die langen Trockenperioden dem Wein den Garaus machen. Große spanische Weinhersteller zogen bereits die Konsequenzen und erwarben potenzielle Weinhänge in den Pyrenäen.

In den Grafschaften Essex, Sussex und Kent.

Speed Reading auch für europäische Universitäten?

Nachdem Sie die Speed Reading Technik nach den vorangegangenen Trainingsstunden nun ziemlich sicher schon gut beherrschen und die Erfahrung gemacht haben, dass Speed Reading auch gut geeignet ist, um große Stoffmengen zu erschließen, drängt sich Ihnen vielleicht auch die Frage auf: „Warum lernt man so etwas nicht, bevor man auf die Uni kommt oder zumindest in den ersten Semestern?“ Diese Frage stellen sich viele Leser. Die meisten stellen sie sich, nachdem sie – oft durch einen Zufall oder durch Mundpropaganda – darauf gekommen sind, dass es diese effiziente Art des Lesens gibt. Wir leisten an den Universitäten, unter anderem im Bereich Leseeffizienz, seit Jahren unseren Beitrag und da wir wissen, dass Studierende oft nur über begrenzte Mittel verfügen, haben wir 2009 das Speed Reading Unispecial XXL ins Leben gerufen. Hier haben Studierende die Möglichkeit, die Technik in der großen Gruppe zum kleinen Preis zu erlernen. Zu Beginn sträubten wir uns ein wenig, einen Speed Reading Workshop für deutlich über 100 Personen in riesigen Hörsälen zu organisieren. Fragen wie: „Können so viele Leute die Technik gleichzeitig erlernen?“, „Wie steht es um den Wissenstransfer?“, „Wie werden auftretende Fragen behandelt?“, „Ist die Gruppe nicht unzumutbar groß?“, beschäftigten uns. Doch wir ließen uns durch das Drängen der Studierenden dazu bewegen, es zu probieren. Bereits das erste Speed Reading Unispecial XXL kam so gut an, dass es mittlerweile zu einer fixen Einrichtung wurde. Falls Sie denken, dass das Speed Reading Unispecial XXL auch für Ihre Universität eine tolle Sache wäre, setzen Sie sich einfach mit uns in Verbindung und wir sehen, was sich machen lässt.

Sie erreichen uns unter: office@schultheiss.at oder

office@uniseminare.com

Übrigens: Wir mögen gut organisierte Gruppen sehr. Alle Studierenden, die es schaffen, selbst eine XXL-Gruppe (ab 100 Personen) inklusive kostenlosem Vortragsraum zu organisieren und EINE Sammelüberweisung durchzuführen, erhalten 20 % Rabatt auf den aktuell auf der Website ausgewiesenen Seminarpreis.

Dieses Modell bringt gleich zwei Vorteile:

1.) Sie erhalten eines der besten Speed Reading Seminare am Markt, das extra auf die Bedürfnisse Studierender zugeschnitten wurde, zum kleinstmöglichen Preis und 2.) wir ersparen uns viel administrative Arbeit – was uns natürlich sehr entgegen kommt!

Lesen und Lernen

Wer studiert, liest Fachliteratur primär um Informationen aus dem Text zu gewinnen. In den seltensten Fällen geht es um das Lesen der schönen Formulierungen oder des Genusses wegen.

Ganz egal was Sie lesen, machen Sie sich vor dem Lesen immer den Sinn des Lesens bewusst. Worum geht es? Wollen Sie einen groben Überblick gewinnen oder geht es um die detaillierte Informationsaufnahme? Müssen Sie Inhalte sichten, um zu entscheiden, ob Sie sie weiterverarbeiten können, oder lesen Sie, um für eine Prüfung zu wiederholen? Sobald Sie sich klar darüber sind, für welchen Zweck Sie lesen, machen Sie sich automatisch auch Gedanken darüber, WIE Sie lesen. Gehen Sie nie unmotiviert an Ihr Lernvorhaben heran! Ihre rechte Gehirnhälfte lässt sich nicht täuschen. Wenn die Gedankenkette, die in Ihrem Kopf abläuft, sobald Sie Ihre Lernunterlagen aufklappen, ungefähr so klingt:

„Um Himmelswillen! Wie dick ist denn dieses Buch? 580 Seiten! Du liebe Güte. Mit dem werde ich ja nie fertig! … in Times New Roman Schriftgröße 10 mit vielen Fußnoten geschrieben … kaum Absätze und dafür unzählige Aufzählungen und … war ja klar … mit unzähligen Definitionen ausgestattet. Ich hasse Definitionen! Ein Begriff – vierzig Erklärungsversuche, meist einer umständlicher als der andere. Sinnlos! Völlig sinnlos! Drei Minuten nach der Prüfung habe ich sie ohnehin alle vergessen. Ich kann mich an keine einzige Definition aus dem letzten Semester gut genug erinnern, dass mir irgendwer bei einer Klausur auch nur einen Punkt dafür geben würde. Wo ist da der Sinn? In der Praxis wird mich niemand irgendwelche Definitionen fragen. Aber es hilft ja nichts, wenn ich mich darüber beklage. Ich muss den Mist ohnehin lernen …“ Ihre rechte Gehirnhälfte will ein positives Bild, um auf Touren zu kommen. Denken Sie zum Beispiel daran, wie Sie ein Kapitel Ihres Buches rasch durchlesen und die Kernideen, ohne nachmals nachschlagen zu müssen, notieren können.

Sie sollten ein positives Bild vor Ihrem geistigen Auge sehen, bevor Sie anfangen zu arbeiten.

Wenn Sie Inhalte sehr detailliert erfassen müssen oder wollen, sollten Sie sich mit der Idee vertraut machen, den Text mehrmals durchzugehen. Machen Sie sich in Etappen mit den Inhalten vertraut. Verschaffen Sie sich in der ersten Runde einen Grobüberblick. Sie wissen es bereits: Die Fragezeichentechnik ist gut geeignet, um das Gesamtbild und die Struktur in groben Zügen zu erfassen. Wenn Ihnen die Fragezeichentechnik liegt und Ihnen bereits wichtige Erkenntnisse über das Buch und die Inhalte liefert, können Sie natürlich auch mehrfach mit dieser Technik durch das zu lernende Material gehen. Verfeinern Sie Ihr Bild im nächsten Schritt, indem Sie die Inhalte mit der Tracer-Technik erschließen. Sie wissen es bereits: Auch die Tracer-Technik kann wiederholt eingesetzt werden. Legen Sie sich ein Blatt Papier zur Seite, wenn Sie sich mit zu erlernenden Inhalten befassen. Machen Sie nach jedem Durchgang Notizen bzw. ergänzen Sie Ihre Notizen nach jedem Durchgang. Werfen Sie anschließend einen kritischen Blick auf Ihre Notizen und suchen Sie nach Zusammenhängen, Verbindungen, Beziehungen etc. die zwischen den einzelnen Informationen bestehen. Ziemlich sicher werden Sie feststellen, dass Ihr Bild mit jedem Durchgang klarer und präziser wird. Sie können sich viel Lernstress ersparen, wenn Sie diese Art der Materialerschließung in Ihre alltägliche Lernroutine einfließen lassen. Versuchen Sie es! Sie werden sehen, dass es wunderbar funktioniert. Wenn Sie einen Text lesen, um Informationen daraus zu gewinnen, ist es ganz entscheidend, dass Sie sich bewusst machen, nicht Wort für Wort lesen zu wollen und müssen,

sondern, dass Sie für den Sinn lesen. Sie wollen den Inhalt des Textes erfassen! Es geht um die Kernideen und die zentralen Aussagen!

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Lesetest 4:

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Die Zukunft des universitären Bildungswesens

von Gerhard Schuhmacher

Forschung und Lehre sind die beiden Säulen, auf denen das Universitätswesen ruht – universitas magistrorum et scholarium. Die ersten Universitäten Europas entstanden im 11. Jahrhundert. Seither hat es in ihrem Bereich eine rasante Entwicklung bis hin zu den heutigen Massenuniversitäten gegeben. Früher war der Zugang zur Universität einer Elite vorbehalten, die sich ein Studium und die Vorbildung dazu leisten konnte. Heute steht der Zugang in der Regel jedem offen, wenn er die geforderten Leistungen zu bringen imstande ist. Erst um 1900 durften die ersten Frauen regulär an deutschen Universitäten studieren. Heute stellen sie in vielen Bereichen die Hälfte der Studenten, in manchen Fächern, z. B. der Veterinärmedizin, sogar die Mehrheit. Noch vor fünfzig Jahren waren Frauen in den Ingenieursvorlesungen so selten wie heute noch eine männliche Hebamme. Der Anteil der Studierenden an der Bevölkerung liegt in Deutschland bei 2,3 %. Um das Jahr 1850 soll sie bei 0,03 % gelegen haben. Nichts mehr als diese beiden Zahlen verdeutlichen die rasante Entwicklung des universitären Bildungswesens. Wie wird sich diese weiter entwickeln? Zunächst ist bemerkenswert, dass die ursprüngliche Einheit von Forschung und Lehre für die Masse der Studenten nicht mehr besteht. Kaum einer der Studierenden im Grundstudium, ja bis hin zum ersten Universitätsabschluss hat heute noch direkten Zugang zur Forschung. Dazu hat zwar einerseits das starke Anwachsen der Studentenzahlen beigetragen, andererseits aber auch die Tatsache, dass gerade Grundlagenforschung immer größere und speziellere Anlagen erfordert, deren Betrieb und Zielrichtung für die meisten Studenten ohnehin uninteressant wäre. Erst die Doktoranden haben – und dies wird auch in Zukunft so sein – wieder direkten Zugang zur Forschung. Ein weiterer Aspekt hat das universitäre Bildungswesen ebenfalls revolutioniert. Früher war die Vorlesung die klassische Form der Bildungsvermittlung an der Universität. Den Studenten stand der Professor in Person gegenüber und dozierte – vor hundert Jahren noch ohne Mikrofon und Lautsprecher – über sein Lehrgebiet. Grundlage war allenfalls ein von ihm herausgegebenes Buch, in dem die Studenten seine Gedanken nachlesen konnten. Darüber hinaus bedeutete dies: mitschreiben, damit man den Stoff vor dem Examen nochmals durchlesen konnte. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es üblich, anhand der Vorlesungsnotizen des Dozenten Skripte für die Studenten herauszugeben, sodass sie während der Vorlesung nicht mehr mitschreiben mussten. Pfiffige Professoren wichen dann bei ihrer Vorlesung von diesem Skript ab, oft sogar unter direktem Hinweis. Man konnte sicher sein, hier auf eine der Fragen in der nächsten Klausur gestoßen zu sein. Heute gehen sogar die Professoren davon aus, dass nur noch ein Teil der Studenten in die Vorlesung kommt. Das Skript, die literarischen Grundlagen dazu und die Klausuren der letzten Jahre werden im Internet zum Herunterladen angeboten. Viele Studenten lernen daher den Stoff alleine oder in kleiner Gruppe und kommen im Extremfall erst zur Abschlussklausur in die Universität. Der persönliche Kontakt zwischen Lehrendem und Lernenden verlagert sich von der Vorlesung in die von Studenten höherer Semester, eventuell auch von Assistenten gehaltenen Tutorien, in denen die Studenten dann doch noch persönlich Fragen zum Wissensstoff stellen können. Es bleibt zu hoffen, dass wenigstens diese für ein lebendiges Wissen wichtige Form der Vermittlung auch in Zukunft erhalten bleibt. Der nächste Aspekt: Die räumliche Entfernung. Früher musste ein Student in der Regel sein Elternhaus verlassen, um an einer oft weit entfernten Universität studieren zu können. Dies

hatte auch unbestreitbare Vorteile bei der Persönlichkeitsentwicklung. Heute findet ein Student, der nicht gerade ein exotisches Fach belegt, in der Regel eine Hochschule in der Nähe, die das gewünschte Studienfach anbietet. Durch die Vielzahl an Universitäten gibt es zwangsläufig „bessere“ und „schlechtere“, Durchschnitts- und Eliteuniversitäten. Innerhalb einer Staatengemeinschaft wie der EG darf dies eigentlich nicht sein. Die Voraussetzungen für ein Studium müssen einheitlich, die Studiengänge durchgängig sein. Ein Abschluss an der Universität A muss wenigstens formal denselben akademischen Grad oder Titel bieten wie an der Universität B. Um dies zu gewährleisten, müssen andererseits die Studieninhalte angeglichen werden. Damit ist zwangsläufig eine weitere „Verschulung“ des Universitätsstudiums verbunden, die vielerorts beklagt wird. Wenn dies dann noch mit einer Straffung der Studiendauer verbunden wird, hat ein Student in den „einfachen“ Studiengängen kaum noch Wahlmöglichkeiten. Umso wichtiger ist es für die Zukunft, dass diese Studiengänge für interessierte Studenten dann eine entsprechende Fortsetzung mit mehr Wahlmöglichkeiten bieten – und vor allem die Durchlässigkeit zu anderen, beispielsweise zu sogenannten „Elite“-Universitäten. Es sollte den Bildungspolitikern zu denken geben, dass ein Nobelpreisträger wie Wilhelm Conrad Röntgen seinerzeit in Deutschland aus formalen Gründen nicht studieren durfte, sondern einen Umweg über die Schweiz und Frankreich machen musste, ehe er in Deutschland dann doch eine Professorenstelle erhielt. Es darf nicht sein, dass nun derselbe Effekt mit einem Bachelor- oder Master-Abschluss eintritt und dieser keinen vollwertigen Zugang zu anderen Universitäten gewährleistet. Wichtig für die Zukunft ist auch, dass die Universitäten zu einer sofortigen Entscheidung über die Zulassung verpflichtet sind. Dadurch könnten viele Mehrfachbewerbungen vermieden werden, die sowohl die Bewerber als auch die Universitäten belasten. Ein letztes Thema sei angesprochen, das die Zukunft des universitären Bildungswesens beeinflussen wird: das leidige Thema „Finanzen“. Dazu gehört die Erhebung von Studiengebühren. Diese mögen durchaus insoweit einen Sinn haben, dass sie die sogenannten Langzeitstudenten von der Universität fernhalten sollen. Dazu gibt es aber andere und wirkungsvollere Möglichkeiten. Zur Finanzierung des Bildungswesens taugen sie aber dann nicht, wenn sie in einem Bundesland erhoben werden, in einem anderen nicht. Damit werden die Bildungschancen der Studenten erschwert. Solche zusätzlichen Geldeinnahmen verleiten außerdem Universitäten dazu, sie auch für nutzlose Dinge auszugeben. Wenn man hört, dass an einer Universität die Zulassungsgebühren benutzt werden, um die Öffnungszeiten der Universitätsbibliothek auf Sonntag auszudehnen, dann scheint dies wirklich nicht sehr sinnvoll zu sein. Welcher Student lernt denn heute im Zeitalter des Internet noch aus angestaubten Folianten? Der Text „Die Zukunft des universitären Bildungswesens“ hat 930 Wörter. Bitte notieren Sie die Zeit, die Sie benötigt haben, um den Text zu lesen, und errechnen Sie die Wörter, die Sie pro Minute gelesen haben.

Bitte beantworten Sie nun folgende Fragen zum Text:

„Die Zukunft des universitären Bildungswesens“

1. Wann entstanden die ersten Universitäten in Europa?

2. Ab wann wurden die ersten Frauen an deutschen Universitäten zugelassen?

3.

Warum besteht die ursprüngliche Einheit von Forschung und Lehre für die Masse der

Studenten nicht mehr?

  • 4. Welche Entwicklung zeichnet sich im Hinblick auf die Vorlesungen an Universitäten ab?

  • 5. Warum sollten Univer sitäten zu einer sofortigen Entscheidung über die Zulassung

verpflichtet werden?

Bitte notieren Sie Ihre Antworten stichwortartig.

Vergleichen Sie bitte Ihre Antworten mit den nachfolgenden Lösungen und ermitteln Sie den Prozentsatz der Aufgaben, die Sie richtig beantwortet haben:

  • 1. Wann entstanden die ersten Universitäten in Europa?

Die ersten Universitäten Europas entstanden im 11. Jahrhundert.

  • 2. Ab wann wurden die ersten Frauen an deutschen Universitäten zugelassen?

Erst um 1900 durften die ersten Frauen regulär an deutschen Universitäten studieren.

  • 3. Warum besteht die ursprüngliche Einheit von Forschung und Lehre für die Masse der

Studenten nicht mehr? Kaum einer der Studierenden im Grundstudium, ja bis hin zum ersten Universitätsabschluss, hat heute noch direkten Zugang zur Forschung. Dazu hat einerseits das starke Anwachsen der Studentenzahlen beigetragen, andererseits aber auch die Tatsache, dass gerade Grundlagenforschung immer größere und speziellere Anlagen erfordert, deren Betrieb und Zielrichtung für die meisten Studenten ohnehin uninteressant wären. Erst die Doktoranden haben – und dies wird auch in Zukunft so sein – direkten Zugang zur Forschung.

  • 4. Welche Entwicklung zeichnet sich im Hinblick auf die Vorlesungen an Universitäten ab?

Früher war die Vorlesung die klassische Form der Bildungsvermittlung an der Universität. Den Studenten stand der Professor in Person gegenüber und dozierte über sein Lehrgebiet. Grundlage war allenfalls ein von ihm herausgegebenes Buch, in dem die Studenten seine Gedanken nachlesen konnten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es üblich, anhand der Vorlesungsnotizen des Dozenten Skripte für die Studenten herauszugeben, sodass sie während der Vorlesung nicht mehr mitschreiben mussten. Heute gehen sogar die Professoren davon aus, dass nur noch ein Teil der Studenten in die Vorlesung kommt. Das Skript, die literarischen Grundlagen dazu und die Klausuren der letzten Jahre werden im Internet zum Herunterladen angeboten. Viele Studenten lernen daher den Stoff allein oder in kleiner Gruppe und kommen im Extremfall erst zur Abschlussklausur in die Universität.

5. Warum sollten Universitäten zu einer sofortigen Entscheidung über die Zulassung verpflichtet werden? Sie sollten zur sofortigen Entscheidung verpflichtet werden, um viele Mehrfachbewerbungen zu vermeiden, die sowohl die Bewerber als auch die Universitäten belasten.

Lesetest 5:

Bitte notieren Sie die Zeit, bevor Sie zu lesen beginnen

Geothermie

von Gerhard Schuhmacher Die Menschheit braucht Energie zum Leben. Die steigende Bevölkerungszahl aber auch die Erhöhung des Wohlstandes führen zu einem immer größeren Energiebedarf. Ein großer Teil dieser Energie wird aus nicht erneuerbaren Energieträgern – Kohle, Heizöl und Erdgas – gewonnen. Zwar gelingt es mit entsprechend größerem Aufwand, den förderbaren Vorrat beispielsweise an Heizöl durch verbesserte Gewinnungsverfahren zu ergänzen und so das programmierte Ende hinauszuschieben, aber die postulierten 50 Jahre Reichweite für Heizöl und 300 Jahre für Kohle sind nun wirklich nicht allzu viel. Dazu kommt, dass diese Energieträger möglicherweise zu unerwünschten Klimaveränderungen beitragen. Die Suche nach Alternativen ist deshalb in vollem Gange. Wenn man global denkt, ist eigentlich genügend Energie vorhanden, um Kohle und Heizöl zumindest für die Gebäudeheizung in der gemäßigten Zone zu ersetzen. Diese Energie hat nur zwei Nachteile: Sie ist nicht da, wo man sie braucht, und sie lässt sich nicht beliebig speichern. Die Energie, die während eines Jahres in der Wüste Sahara als Sonneneinstrahlung verpufft, würde mehr als ausreichen, um die mitteleuropäischen Wohnungen zu heizen. Es wäre schon eine große Erleichterung, wenn es gelänge, die im Sommer in Mitteleuropa anfallende und nicht benötigte Sonnenenergie für den Winter zu speichern. Was spricht also dagegen, eine Energiequelle wie die Geothermie, die Erdwärme, als Alternative zu nutzen? Der erste Einwand ist, dass es sich nicht um eine regenerierbare Energie handelt. Sie wird „verbraucht“, und irgendwann einmal wird sie zu Ende gehen. Das ist nur bedingt richtig. Lassen wir das physikalische Gesetz, dass Energie nicht verbraucht werden kann, einmal außer Acht. Tatsächlich nimmt diese Energie so oder so ab, ob wir sie nutzen oder nicht. Bei einer Reichweite von Jahrmillionen würde es – jedenfalls im Vergleich zur Reichweite der Ölvorräte – sich kaum auswirken, wenn wir etwas von dieser in der Erde schlummernden Energie zur Wohnraumheizung nutzen würden. Ob sie von der Erde direkt in den Weltraum abgestrahlt wird oder zuvor noch einen Wohnraum heizt, dürfte der Erdwärme ziemlich egal sein. Der zweite Einwand ist der Hinweis auf die bei der Nutzung der Geothermie auftretenden Schäden. Tatsächlich haben sich Geothermie-Projekte im Nachhinein als Flops erwiesen, weil die dazu erforderlichen Erdbohrungen nicht nur einzelne Häuser zum Einsturz brachten, sondern ganze Stadtviertel durch Mauerrisse zum Sanierungsgebiet machten. Natürlich kann man es auf das Konto „Erfahrung“ buchen. Hätte man dies aber wirklich nicht durch eine sorgfältigere Erkundung der Erdschichten vermeiden können? Solche Vorkommnisse tragen jedenfalls nicht dazu bei, dass Geothermie-Projekte in der Bevölkerung Akzeptanz finden, ganz zu schweigen von den dadurch abgeschreckten Investoren. Geothermie-Projekte lassen sich grob in drei Gruppen einteilen. Das ist zunächst einmal

die „oberflächennahe“ Gruppe. Schon dicht unter der Erdoberfläche beträgt die Temperatur im Mittel etwa 10 °C. Der Unterschied zur Lufttemperatur kann mittels einer Wärmepumpe zur Heizung eines Einfamilienhauses genutzt werden. Man benötigt dazu eine relativ große unbelastete, nicht anderweitig belegte Fläche, zum Beispiel Gartenfläche. In dicht bebauten Wohngebieten oder gar im Industriebereich scheidet deshalb eine solche Möglichkeit aus. Auch beim Einfamilienhaus ist zu bedenken, dass die Wärmepumpe ihrerseits wieder Strom braucht. Der Aufwand zur Nutzung der Erdwärme ist dadurch relativ hoch. Bei der mittleren Gruppe geht es schon in Tiefen bis zu 400 m. Um hier allerdings wesentliche Nutzeffekte zu erzielen, ist eine Erkundung der Erdoberfläche erforderlich. Nur bei Vorliegen günstiger Voraussetzungen rechnet sich hier Aufwand und Ertrag. Solche Voraussetzungen findet man in Deutschland beispielsweise in der Nähe ehemaliger Vulkane oder dort, wo Thermalquellen Wärme aus der Erdkruste nach oben transportieren. Solche Projekte befinden sich mehr oder weniger noch im Versuchsstadium. Wenn bei Bohrungen beispielsweise Gipsschichten angebohrt werden und mit Wasser in Berührung kommen, können sie so stark quellen, dass die darüber stehenden Gebäude in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch wenn man ein Heißwasserreservoir anbohrt und das Wasser entnimmt, kann dies zu Setzungen führen. Unproblematischer ist es dann, wenn man das abgekühlte Wasser wieder zurück pumpt und so einen Kreislauf schafft, bei der man an der Temperaturdifferenz partizipiert. Diese kann direkt als Heizwärme genutzt werden – mit dem Nachteil, dass sie ständig, auch wenn sie nicht benötigt wird, zur Verfügung steht. Besser sind da Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung oder auch Anlagen zur Stromerzeugung. Bei der Kraft-Wärme-Kopplung wird nur so viel Wärme direkt entnommen, wie gebraucht wird. Die übrige Wärme wird zur Stromerzeugung genutzt. Bei der dritten Gruppe bohrt man noch tiefer. Bis etwa 3.000 m gehen solche Bohrungen. Man unterscheidet zwei Systeme, die beide in der Regel zur Stromerzeugung im Grundlastbereich genutzt werden. Beim offenen System benötigt man zwei Bohrungen. Durch die erste Bohrung wird Wasser in die zuvor erkundete heiße Gesteinsschicht gepresst. Zu Beginn ist dazu ein hoher Druck nötig, der zu Rissbildungen im Gestein führt, um so die mit dem Wasser in Berührung kommende Oberfläche zu erhöhen. Durch eine zweite Bohrung wird das erhitzte Wasser wieder an die Oberfläche gefördert, wo es zur Stromerzeugung genutzt wird. Das abgekühlte Wasser wird dann wieder in die Tiefe gepumpt, sodass ein Kreislauf entsteht. Beim geschlossenen System genügt eine Bohrung. In diese Bohrung werden zwei ineinander liegende Rohre eingebracht. Durch das äußere Rohr wird das Medium in die Tiefe gepumpt, erwärmt sich dort und steigt durch das innere Rohr wieder noch oben, wo es zur Stromerzeugung genutzt werden kann. Der Nachteil dieses Systems ist die relativ kleine Fläche, die für den Wärmeübergang in der Tiefe zur Verfügung steht; dies begrenzt die Effektivität. Andererseits kann man anstelle Wasser auch Medien mit entsprechend tieferem Siedepunkt wählen und mit höheren Drücken im System arbeiten, wodurch die Effizienz wesentlich gesteigert werden kann. Der Text „Geothermie“ hat 893 Wörter. Bitte notieren Sie die Zeit, die Sie benötigt haben, um den Text zu lesen, und errechnen Sie die Wörter, die Sie pro Minute gelesen haben.

Beantworten Sie nun folgende Fragen zum Text. „Geothermie“ 1. Warum brauchen wir immer mehr Energie, um

Beantworten Sie nun folgende Fragen zum Text. „Geothermie“

  • 1. Warum brauchen wir immer mehr Energie, um zu leben?

  • 2. Wann wird aktuell damit gerechnet, dass wir keine Heizöl- und keine Kohlevorräte mehr

haben werden?

  • 3. Welcher zeitliche Horizont ergibt sich bei der Nutzung von Erdwärme?

  • 4. Warum

sind

in

dicht

bebauten

Gebieten

die

„oberflächennahen“ Gruppe meist nicht realisierbar?

Geothermie-Projekte

der

  • 5. In welche Tiefe geht man bei Geothermie-Projekten der mittleren Gruppe?

Beantworten Sie nun folgende Fragen zum Text. „Geothermie“ 1. Warum brauchen wir immer mehr Energie, um

Bitte notieren Sie Ihre Antworten stichwortartig.

Vergleichen Sie bitte Ihre Antworten mit den nachfolgenden Lösungen und ermitteln Sie den Prozentsatz der Aufgaben, die Sie richtig beantwortet haben:

  • 1. Warum

brauchen

wir

immer

mehr

Energie,

um

zu

leben?

Die

steigende

Bevölkerungszahl aber auch die Erhöhung des Wohlstandes führen zu einem immer größeren Energiebedarf.

  • 2. Wann wird aktuell damit gerechnet, dass wir keine Heizöl- und keine Kohlevorräte mehr

haben werden? Es wird damit gerechnet, dass wir in 50 Jahren keine Heizöl- und in 300 Jahre keine Kohlevorräte mehr haben werden.

  • 3. Welcher zeitliche Horizont ergibt sich bei der Nutzung von Erdwärme? Die Erdwärme

bietet einen zeitlichen Horizont von Jahrmillionen.

4.

Warum

sind

in

dicht

bebauten Gebieten die Geothermie-Projekte der

„oberflächennahen“ Gruppe meist nicht realisierbar? Man benötigt eine relativ große unbelastete, nicht anderweitig belegte Fläche, um diese Projekte umzusetzen. In dicht bebauten Wohngebieten oder gar im Industriebereich scheidet deshalb eine solche Möglichkeit aus.

5. In welche Tiefe geht man bei Geothermie-Projekten der mittleren Gruppe? Bei dieser Gruppe geht es in Tiefen bis zu 400 m.

Geschafft!

Vielen Dank für Ihren engagierten Einsatz und Ihr Durchhaltevermögen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Freude mit Ihren neu erworbenen Fähigkeiten!

Dr. Marion Schultheiss Learn Smart Verlag