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ARBEITEN BEWERBUNGS-CHECK

Überzeugt Ihre Körpersprache?

Gute Argumente, falsche Gesten - schon ist der Auftritt verpatzt. Im Jobinterview sind zwar keine Schauspieler gefragt. Trotzdem lohnt es, seine Körpersprache zu trainieren.

Bewerbersignal
Bewerbersignal

o

Rutscht auf dem Stuhl herum

€) Ist er sich seiner Sache nicht sicher?

o

Führt Finger an Mund oder Nase

e

Hält er mit der Wahrheit hinter dem Berg?

o

Stechender Finger

€) Will er mich angreifen?

o

Geballte Faust

€) Was bricht gleich aus ihm heraus?

o

Zu leise Stimme

€) Hat er kein Selbstbewusstsein?

o

Stellt Füße fest auf den Boden Aufrechte Sitzhaltung

e

Der Bewerber hat Bodenhaftung.

€) Er ist aufmerksam und konzentriert.

0' Setzt Aufzählungsgesten ein

o Hält Blickkontakt zu allen

o Spricht deutlich und laut

62 Juli 2009

e Er geht strukturiert vor,

€) Er hält Druck aus, ist belastbar.

e Er tritt sicher auf.

O b Sie einem Gesprächspartner

sympathisch oder unsympathisch

erscheinen - darüber entscheidet

oft Ihre Körpersprache. Und diese

Signale können Sie durchaus beeinflussen. In unseren Coachings gleichen wir mit Hilfe einer Videokamera die Selbst- und Fremd- wahrnehmung ab und arbeiten drei wesent- liche Ansatzpunkte heraus: Selbstblockaden durch körperliche Anspannung; Sympathie- killer durch Dominanzgesten; Selbstentwer- tung durch Verlegenheitsgesten. Geraten Menschen unter Stress, verhal- ten sie sich anders als üblich. Unbestritten lö- sen Vorstellungsgespräche bei den meisten Menschen erheblichen Stress aus, der sich in Selbstblockaden äußern kann. Wenn sich Bewerber beidhändig am Stuhl festhalten und dazu noch mit den Beinen die Stuhl- beine umklammern, wirken sie überfordert. Auch laufen sie Gefahr, sich durch ihre ei-

gene körperliche Anspannung zu blockieren. Körperliche Verkrampfungen interpretiert nämlich nicht nur der Gesprächspartner, son- dern auch das eigene Gehirn als Stresssignal. Ein unangenehmer Nebeneffekt dieser Selbstblockaden ist häufig, dass man nicht mehr klar denken kann, das Gefühl hat, ne- ben sich zu stehen und letztendlich kein rich- tiges Wort mehr herausbekommt. Dies kann bis zum vollständigen Blackout führen. Anspannungsgesten sehen Personaler den Bewerbern nach, wenn sie nicht als durchgängiges Verhaltensmuster zu erken- nen sind. Aggressive Dominanzgesten hinge- gen belasten das Gespräch erheblich. Immer wieder erleben wir, dass Bewerber mit dem Stift förmlich nach dem Interviewpartner stechen, unter dem Tisch mit den Händen eine Pistole bilden oder sich so breitbeinig im Stuhl fläzen, dass sich Erinnerungen an einen Besuch des Affenfelsens im Zoo ein- stellen. Konfrontation ist in Vorstellungsge- sprächen aber schädlich. Bewerber, die den Eindruck vermitteln, dass es ihnen nur da- rum geht sich durchzusetzen, bringen sich um ihre Chancen. Wenn im Vorstellungsgespräch heikle Punkte angesprochen werden, tauchen selbstabwertende Stress- und Verlegenheits- gesten auf: Zupfen am Ohrläppchen, nervö- ses Herumspielen am Schmuck, Kratzen am Hinterkopf. Das passiert besonders dann, wenn Bewerber mit Fragen konfrontiert wer- den, die sie für sich vor dem Gespräch noch &:

nicht geklärt haben. Wird die Antwort auf ~ die Frage ,;Warum wollen Sie Ihren momenta- i nen Arbeitgeber verlassen'?" körpersprach- ~ lich durch einen Griff an den Hals oder <X durch die bekannte "Lügengeste", nämlich ~ die zum Mund geführte Hand begleitet, kön- ~ nen schöne Worte auch nichts mehr retten. :3 Dann wird der Bewerber nämlich als UTI- ~ glaubwürdig eingeschätzt. §

Wir möchten aus Bewerbern keine Schau- spieler machen. Auf keinen Fall sollen Sie sich einzelne Gesten antrainieren, um einen möglichst aalglatten Auftritt hinzulegen. Schließlich geht es nicht darum, etwas vorzu- spielen, sondern Störsignale zu vermeiden. Wenn Sie in Gesprächen die eigene Anspan- nung wahrnehmen können, haben Sie be- reits den ersten Schritt zur Veränderung ge- leistet. Trainieren Sie dann in einem zweiten Schritt, diese aufzulösen. Beispielsweise, in- dem Sie sich daraufeichen, eine zur Faust ge- ballte Hand oder ineinander verknotete Beine wieder zu öffnen. Bewährt hat sich eine Haltung, die wir "Neunzig-Grad-Winkel" nennen: Zwischen Ober- und Unterschenkel befindet sich ebenso ein rechter Winkel wie zwischen Oberschenkel und Oberkörper. Setzen Sie sich aufrecht mit leicht geöffneten Beinen auf den Stuhl. Locker auf den Oberschenkeln aufgelegte Hände eröffnen Ihnen die Mög- lichkeit, die Argumente, die für Ihre Einstel- lung sprechen, durch Aufzählungs- oder Un- terstreichungsgesten positiv zu verstärken. Aggressive Körpersignale beruhen meist auf einem Mangel an Vorbereitung. Bewer- ber, die Brüche im Lebenslauf nicht schlüs- sig erklären können oder klassische Fragen

nach Stärken oder Schwächen als "Persona- lerhumbug" ansehen, sollten mental vielleicht einmal anders an Vorstellungsgespräche he- rangehen: Sehen Sie die Entscheidungsträger auf der Firmenseite als Neukunden, die von Ihren Leistungen erst einmal überzeugt wer- den wollen. Werden Sie in Ihren Antworten konkret, indem Sie auf berufliche Erfolge, besondere Branchen- oder spezielle Softwarekennt- nisse hinweisen. Sie werden feststellen: Je besser Sie Ihr vor dem Gespräch ausgearbei- tetes profil vermitteln können, desto souverä- ner wirkt Ihr Aufritt. Abschließend gilt: Für Personaler ist der Gesamteindruck wichtig, den ein Bewerber hinterlässt. Dabei spielt die Körpersprache natürlich eine Rolle. Einzelne Fehltritte werden - wie auch bei den mündlichen Aus- sagen - verziehen. Häufen sich allerdings die Fehler, wird es für den Bewerber eng.

Christian Püttjer und Uwe Schnierda beraten seit 16 Jahren Ein- und Aufsteiger (www.karriere- akademie.de) und schreiben Ratgeber zur beruf- lichen Erfolgsstrategie. In Handelsblatt Junge Karriere geben sie Bewerbern exklusive Tipps und auf kaniere.de gibt es Musterbewerbungen. Im nächsten Heft: Bewemerfragen im Interview.

BEWERBUNGS-CHECK ARBEITEN

Was Personaler denken

I
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Ich sehe es immer, wenn ein Be- werber nervös ist. Es ist gut. wenn er das anspricht. dann kann ich ihn beruhigen. Wenn einer ei-

nen laschen Händedruck hat. macht das keinen guten Eindruck. Wenn die Hände feucht sind, weiß ich, dass er nervös ist. Ganz wichtig ist der Blickkontakt. Letz- tens hat ein Bewerber im Gespräch mit vier Unternehmensvertretern ständig an seinen Gesprächspartnern vorbeigeschaut. bis einer meiner Kollegen ihn fragte. wen er denn da im Raum suche. Es gibt unterschiedliche Ar- ten zu sitzen: Manche sitzen zu starr. andere zu locker. Ich habe schon erlebt. dass Kandi- daten schaukeln. Da habe ich mich gefragt. ob sie das auch im Gespräch mit Kunden tun. Ich habe noch nie jemanden wegen seiner Körpersprache abgelehnt. aber die Gesten helfen mir. ein Gesamtbild zu gewinnen. Renate Weber, Referatsleiterin Personal Allianz Deutschland; Mitarbeiter (0):

29400; Bewerbungen/Interviews pro ausgeschriebener Stelle für BWLer: 30/4