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BUNDESLIGA-RÜCKSCHAU

Klopp braucht einen Innenverteidigungsminister

Dortmund verdaddelt wieder einen Sieg. Der FC Bayern grölt Weihnachtslieder. Und Gerd Müller wechselt ins Kabinett. Alles Wichtige vom 16. Spieltag

VON Christian Spiller | 16. Dezember 2013 - 10:10 Uhr

© Uwe Anspach/picture alliance/dpa

2013 - 10:10 Uhr © Uwe Anspach/picture alliance/dpa Jürgen Klopp hat schon wieder nicht gewonnen Wer

Jürgen Klopp hat schon wieder nicht gewonnen

Wer spielte wie gegen wen?

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Was war das für ein ereignisreiches Wochenende! Ein chinesischer Hase fliegt zum Mond. Die Sozis sagen Ja. Ein Anwalt mahnt Internet-Pornonutzer ab. Und fast wäre noch eine weitere, ähnlich spektakuläre Schlagzeile hinzugekommen: Der 1. FC Nürnberg gewinnt ein Fußballspiel! Aber nur fast. In der Nachspielzeit kassierten die Franken noch das 3:3 in Hannover. Was aus drei Gründen noch tragischer ist, als es ein Gegentor in der

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Nachspielzeit ohnehin ist. Nürnberg hat als einzige Mannschaft im deutschen Profifußball in dieser Saison noch kein Spiel gewonnen. Nürnberg hatte zur Pause 3:0 geführt. Und beim 2:3 durch Hannovers Mame Diouf übersahen die Schiedsrichter eine Abseitsstellung, die auch die Chinesen vom Mond aus erkannten. Nürnberg schimpfte ("um einen Sieg betrogen") und flüchtete sich via Twitter in bösen Humor. Von den unzähligen Fehlpässen und Stellungsfehlern ihrer Mannschaft schickten die Nürnberger jedoch keinen Screenshot in die Welt.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Beim Hamburger SV geht es aufwärts. In den Vorjahren setzte es in München ein 0:6, 0:5 und 2:9, regelmäßig gefolgt von Abbitte-Grillfesten mit den Fans. Dieses Mal blieb der Rost kalt, der HSV kam mit einem 1:3 davon. Das lag auch an den Bayern, die in ihrem letzten Bundesliga-Spiel 2013 locker ausliefen. Sie streuten nur wenig Spektakuläres ein, einen tollen Kroos-Pass (vor dem 1:0) und ein noch tolleres Götze-Jongliertörchen (2:0). Die gegrölte und geklatschte Jingle-Bells-Einlage fürs Vereinsfernsehen war sicher kraftraubender. Man beachte Philipp Lahms Rauschebart.

Wer stand im Blickpunkt?

Natürlich Ursula von der Leyen, die neue Mutter der Kompanie. Erst hieß es, sie werde Innenministerin, dann Verteidigungsministerin. Das alles las man so häufig, dass die Buchstaben vor einem leicht zur Innenverteidigungsministerin verschwammen. Das wäre doch eine nette Idee, dachte man. Ein neues Ressort, das der kommenden Großen Koalition ein wenig Pep geben würde. Möglicherweise ein Ministerium, das auch für Borussia Dortmund interessant wäre, in der Innenverteidigung hat der Klub ja große Probleme. Weshalb er in Hoffenheim schon 0:2 zurücklag, um dann in einem Kraftakt noch das 2:2 zu schaffen. Dortmund-Spiele sind mitunter unterhaltsamer als Regierungsbildungen, doch trotz des ganzen Spektakels holte Dortmund in den vergangenen fünf Ligaspielen nur vier Punkte. Hinten sind sie alle krank und vorne zu verschlampt. Die Bayern sind uneinholbar enteilt und so zerbricht gerade die Fußball-GroKo aus Bayern und dem BVB, die dem Fußballland in den vergangenen Jahren so viele schöne Stunden bescherte. Aber genug der billigen Politikanalogien. Wobei, wussten Sie schon, Gerd Müller wird Entwicklungshilfeminister

Worüber reden nach dem Spieltag alle?

Nicht mit Ruhm, sondern mit Schuhwichse und schwarzer Farbe haben sich die Menschen "

aus Augsburg bekleckert, als sie sich für die Stadtwette von "Wetten, dass

verkleideten. Das erinnerte an das rassistische Blackfacing . Der Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten. Gut, dass wenigstens der örtliche Fußballverein positive Schlagzeilen schreibt. Nach dem Sieg über Braunschweig ist der FC Augsburg Achter. Ja, Achter! Das hängt viel mit dem ruhigen Trainer Markus Weinzierl zusammen. Und mit André Hahn, der noch vor ein paar Jahren den Traum vom Profifußball aufgeben und im Versicherungsbüro

als Jim Knopf

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seines Vaters eine Ausbildung beginnen wollte. Mittlerweile ist Hahn bester Torschütze der Augsburger und schnellster Spieler der Liga. Mit 35,4 Stundenkilometern wurde er vor Kurzem auf dem Grün gemessen. Falls das ZDF mitliest: Das wäre doch ein Mann für die nächste Außenwette. Hahn gegen Bolt, oder meinetwegen auch gegen Lukas mit seiner Lokomotive. Hauptsache, ihr lasst die Farbe weg.

© ZEIT ONLINE CHRISTIAN SPILLER Christian Spiller ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE.

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CHRISTIAN SPILLER

Christian Spiller ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Was machten die Frauen?

Der SC Sand setzt seine Erfolgsserie fort. Die Fußballerinen aus Willstätt nahe Offenburg, Sie wissen schon, im Ortenaukreis in Baden-Württemberg. Am Sonntag warf der Tabellenführer der Zweiten Frauenfußball-Bundesliga Süd den Erstligisten aus Jena aus dem DFB-Pokal-Viertelfinale. Der SC Sand blieb somit auch im letzten Pflichtspiel des Jahres ungeschlagen. Das schafften nicht einmal die Männer des FC Bayern. Und besser singen können die Frauen vermutlich auch.

Was war sonst noch wichtig?

In Wolfsburg gab es mal wieder ein Torlinientor, also eigentlich war es ja keines, weil der Schiedsrichter es nicht gab, aber wahrscheinlich war es doch eines, weil Sport1 das am nächsten Tag mittels 3-D-Technik auflöste, was aber wiederum der 3D-Animation des ZDF-Sportstudios widersprach, die besagte, dass es doch kein Tor gewesen sei, und sich alle fragten, wie denn der arme Schiedsrichter es sehen soll, wenn noch nicht einmal die Hochleistungscomputer einig sind. Puh!

Den Fußball-Berichterstattern beschert das Drehen und Wenden Quote und dem Stammtisch Gesprächsthemen, während die Schiedsrichter wie begossene Pudel in ihren Kabinen sitzen, wo sie die Superzeitlupen sehen müssen. Während die DFL noch debattiert, wann sie ihren Unparteiischen hilft und die Torlinientechnik einführt, darf der FC Bayern bei der Klub-WM in dieser Woche in Marokko schon einmal testen, wie es sich so spielt, mit Torkameras überall. Die Fifa, die die WM ausrichtet, ist zumindest in der Hinsicht nämlich Avantgarde. Bei der Klub-WM werden strittige Szenen nun sogar auf der Stadionleinwand gezeigt, es sind genau die gleichen Bilder, die der Schiedsrichter auch hat. Und damit auch alle verstehen, worum es geht, hat die Fifa ein Beispielvideo gedreht . Tor oder, äh, Nichttor, entscheiden Sie selbst.

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Was war das Zitat des Spieltags?

"So viel Fußball war hier drin, und dann macht ihr so eine Geschichte. Ist das ein Drecksleben, das tut mir echt leid."

(Jürgen Klopp nach dem Spiel in Hoffenheim zu einem Bild-Reporter, der nach einen Zusammenprall zwischen Marco Reus und dem Linienrichter fragte)