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Der Heilige Krieg Folge 3: Die Türken vor Wien Ab 16. August 2011 dienstags um
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Der Heilige Krieg

Folge 3: Die Türken vor Wien

Ab 16. August 2011 dienstags um 20.15 Uhr und sonntags um 19.30 Uhr

Materialien für den Unterricht

1. Inhalt des Films Mit der Darstellung des letzten Höhepunkts türkischer Bedrohung in der Belagerung

1. Inhalt des Films

Mit der Darstellung des letzten Höhepunkts türkischer Bedrohung in der Belagerung von Wien 1683 wird ein Längsschnitt verbunden, der die Eroberung des europäischen Festlandes seit dem 15. Jh. zum Gegenstand hat und nach 1683 bis zur Gegenwart reicht. Dabei werden neben den militärischen und politischen Aspekten auch die kulturellen Einflüsse auf Europa gewürdigt, ebenso werden Einblicke in den Aufbau des osmanischen Staates und der staatspolitischen wie kulturellen Leistungen v.a. Süleymans des Prächtigen gegeben, aber es werden auch die unterschiedliche Entwicklung im osmanischen Reich und in Europa ab dem 17. Jh. angesprochen.

Aufstieg der Osmanen:

Als Einstieg wird die militärische Auseinandersetzung zwischen Osmanen und Habsburgern 1683 vor Wien gewählt. In einem Rückblick wird die Geschichte und der Aufstieg der türkischen Osmanen seit dem 13. Jh. dargestellt bis zur Einnahme von Konstantinopel 1453.

Die Eroberung von Konstantinopel:

Die große symbolische und politische Bedeutung des Falls von Konstantinopel für die Osmanen wie für das christliche Abendland wird in einem eigenen Unterkapitel herausgehoben. Dabei wird auf die religiöse, ideelle, strategisch-machtpolitische und wirtschaftliche Bedeutung von Konstantinopel für die Osmanen eingegangen. Die Eroberung der Stadt am 29. Mai 1453(, )sowie die Umwidmung vieler christlicher Kirchen in Moscheen sind weitere Themen.

Supermacht Osmanstaat und die Türkengefahr:

Der umfangreichste Teil des Films widmet sich den folgenden Aspekten:

Der innere Zustand des modernen und wohlgeordneten osmanischen Staates Mitte des 16. Jh. und Wirken Süleymans des Prächtigen

Die große Machtstellung des osmanischen Staates, die vergebliche Belagerung von Wien 1529 und die Reaktionen im Heiligen Römischen Reich auf die Türkengefahr

Kultur und Leben am türkischen Hof und Friedensverhandlungen an Hand der Tagebuchaufzeichnungen des habsburgischen Botschafters Ogier von Busbecq

Auch die innereuropäischen religiösen Konflikte der Reformationszeit werden dargestellt, von Luthers Auftritt beim Wormser Reichstag 1521 bis zum 30jährigen Krieg.

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Die Türken vor Wien 1683: Die abgewehrten osmanische Angriffe und der Entlastungsangriff durch den polnischen

Die Türken vor Wien 1683:

Die abgewehrten osmanische Angriffe und der Entlastungsangriff durch den polnischen König Jan Sobieski. Der Charakter des Kriegs wird als klar machtpolitisch motiviert gekennzeichnet und nicht als religiöse Auseinandersetzung zwischen Islam und Christentum. Dabei wird 1683 als Wendepunkt der islamischen Expansion sichtbar gemacht.

Epilog: Das osmanische Reich nach 1683

In diesem kurzen Teil wird der langsame Niedergang des osmanischen Reiches in einem „Roll back“ bis Ende des Ersten Weltkrieges skizziert bis hin zur Gründung des modernen türkischen Staates im Jahre 1923. Abschließend wird das osmanische Reich als Beispiel für religiöse Toleranz dargestellt, wobei am Ende die Frage gestellt wird, ob sich die Türkei in der Zukunft mehr dem christlichen Europa oder dem islamischen Orient zuwenden wird.

2.Historische Einordnung

Entstehung des Osmanischen Reiches

Das Osmanische Reich entstand nach der Zerschlagung des Sultanats der Rum- Seldschuken aus einem nomadischen Stamm turkmenischer Herkunft und islamischen Glaubens im nordwestlichen Anatolien. Osman I., der Namensgeber der späteren Dynastie, machte seine Herrschaft ab 1299 zunehmend unabhängig vom Sultanat. Sein Sieg über die byzantinische Armee am 27. Juli 1302 ist die erste Erwähnung der Osmanen in einer schriftlichen Quelle überhaupt. Nach und nach verdrängten die Osmanen die Byzantiner aus Kleinasien. Ab 1333 musste Byzanz (erstmals) Tribut zahlen. Mit der Eroberung von Gallipoli 1354 wurde erstmals eine Stadt auf europäischem Boden erobert. 1361 folgten Adrianopel (Edirne), 1371 die Einverleibung

Makedoniens, 1385 und 1396 Bulgariens. Die Schlacht auf dem Amselfeld 1389 hatte keinen Sieger, erhielt aber später legendäre Züge und gilt heute als Nationalmythos der Serben. Eine erste Existenzkrise des neu entstehenden Reiches brach auf, als Timur Lenk (auch: Tamerlan) in der Eroberung eines riesigen Großreichs von Samarkand aus

1402 in der Schlacht bei Ankara die Osmanen vernichtend schlug. (Jedoch verfiel sein

Reich recht bald nach seinem Tod 1405.)

Ab 1385 begann eine Schwerpunktverlagerung der osmanischen Expansion und Politik hin zu Europa. In Südosteuropa wurde das Königreich Ungarn zum Hauptgegner, das

1448 unterlag. Mehmed II., der 1451 den Thron bestiegen hatte, machte sich sofort an

die Einnahme von Konstantinopel (Byzanz), dessen Belagerung schon zweimal (zuletzt 1422) hatte abgebrochen werden müssen. Die Stadt, in jenen Jahren keine Macht mehr, war dennoch von großer Bedeutung: für Europa symbolisch als kulturelles Erbe

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der Antike und wirtschaftlich als Zugang zur Schwarzmeer-Region, für die Osmanen als „Goldener Apfel“ Sinnbild

der Antike und wirtschaftlich als Zugang zur Schwarzmeer-Region, für die Osmanen als „Goldener Apfel“ Sinnbild des Strebens nach Erfolg.

Der „Goldene Apfel“ ist für die gesamte osmanische Expansion von großer Bedeutung. Dieser Goldene Apfel, ein Symbol für die Weltkugel und damit die Weltherrschaft, ist ein Mythos in der türkischen Geschichte. (Hält nicht der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches auch eine solche in der Hand ?) Er beschwört den Eroberungswillen des Osmanischen Reiches und verpflichtet den jeweiligen Machthaber darauf. Es handelt sich hier also um einen machtpolitischen Aspekt und nicht um einen religiösen, der aus dem Islam kommt bzw. aus dem Koran abgeleitet ist. Zuerst war Konstantinopel der Goldene Apfel, nach dessen Eroberung Rom und schließlich Wien. Machtpolitik auf dem Hintergrund eines antagonistischen Weltbildes in Verquickung mit politischen Interessen ist oft in der Geschichte zu beobachten und ist auch nicht unähnlich dem Verhalten des christlichen Europa. In religiöser Hinsicht war das Osmanische Reich durchaus durch eine Toleranz gekennzeichnet, die das christliche Europa oft vermissen ließ.

Am 29. Mai 1453 fiel die Stadt nach 54-tägiger Belagerung und wurde zur Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Das christliche Erbe wurde zerstört, die Kirchen wurden vielfach umgewidmet. Doch das geschah nicht mit allen, denn der Sultan als Nachfolger des byzantinischen Kaisers sah sich auch als Schutzherr der orthodoxen Christenheit in seinem Reich. Die Hagia Sophia wurde z.B. zur Moschee Ayasofia, die christliche Bevölkerung aber zum Bleiben veranlasst. Der Fall von Konstantinopel wurde im Abendland wie im Orient als Zäsur begriffen. Die antiken Schriften, die aus der Stadt gerettet werden konnte, wurden in Europa zum Ausgangspunkt des Zeitalters der Renaissance.

Im Westen wurden in der Folgezeit die Peloponnes (1460), Albanien (1470) und die Krim (1475) erobert, im Osten gelang ein Sieg gegen die Safawiden in Persien (1514), gegen Syrien (war auch Teil des Mamelucken-Reiches 1516) und schließlich gegen das Mamelucken-Reich in Ägypten (1516/17). Damit übernahm das Osmanische Reich das Protektorat über die heiligen Stätten Mekka und Medina (d.h. den Schutz der Pilgerwege und die Versorgung der Städte) und der osmanische Sultan nahm den Titel „Kalif“ für sich in Anspruch, die eindeutige Vormachtstellung im islamischen Kulturkreis . Allerdings führten die Sultane diesen Titel nur zeitweise.

Die Weltmacht

Im 1. Österreichischen Türkenkrieg (1526-1555) suchte das Osmanenreich auf dem Gipfel seiner Macht die Auseinandersetzung mit den christlichen Staaten Europas. Parallel führten sie, auch in dieser Zeit, Kriege gegen die muslimischen Safawiden. Höhepunkt war die Erste Wiener Türkenbelagerung, die vom 27. September bis zum 14. Oktober 1529 dauerte und von Sultan Süleyman I. durchgeführt wurde - und an der, was wenig bekannt ist -, auch christliche Freiwillige teilnahmen, ebenso 1683. Wien als Hauptstadt der ausgedehnten Habsburger Erblande, vor allem aber Sitz des Kaisers

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des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, war als eine der größten Städte Mitteleuropas gewissermaßen der

des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, war als eine der größten Städte Mitteleuropas gewissermaßen der Schlüssel zum christlichen Abendland. Süleyman I., in Europa wegen seiner Kunstförderung mit dem Beinamen „der Prächtige“, in der türkischen Geschichtsschreibung aber auf Grund seiner Rechtskodifizierungen zur Ergänzung der Schari’a durch positives Recht „der Gesetzgeber“ genannt, ist eine der bedeutendsten osmanischen Herrschergestalten. Als fortschrittlicher Staat, der in verschiedener Hinsicht Europa als Vorbild diente und entsprechenden Einfluss ausübte, zeichnete sich der Osmanische Staat aus durch

ein für die Zeit vergleichsweise hoher Grad an religiöser Toleranz,

eine moderne Verwaltung,

multiethnisches Zusammenleben,

eine hohe Blüte von Kunst und Kultur,

erhebliche wirtschaftliche Macht,

und die Vermeidung feudaler Strukturen wie in Europa vorhanden

In jener Zeit gingen durchaus Modernisierungsimpulse von dort nach Europa aus.

Auch außenpolitisch zeigte sich das Osmanische Reich erfolgreich. 1521 eroberte er in nur drei Wochen Belgrad, die stärkste Festung auf dem Balkan (was 1440 misslungen war), nahm 1522 Rhodos ein und besiegelte 1526 in der Schlacht bei Mohács das Schicksal Ungarns. Zur Einnahme von Wien brach Süleyman am 10. April 1529 in Konstantinopel auf, gelangte aber erst, v.a. wegen der schlechten Straßenverhältnisse in Ungarn, die ihn verhängnisvoller Weise zur Zurücklassung der schweren Artillerie bewogen, im September nach Wien, das am 27. September komplett eingeschlossen wurde. Die Stadt wurde von rund 17.000 Fußsoldaten, darunter einer großen Anzahl gut ausgebildeter und modern bewaffneter deutscher und spanischer Söldner, und 2600 Reitern verteidigt, denen etwa 120.000 Mann an türkischen Kampftruppen gegenüberstanden. Nach missglückten Versuchen eines unterirdischen Minenangriffs und mehrerer Sturmangriffe musste die Belagerung vor allem wegen des frühen Wintereinbruchs am 14. Oktober aufgegeben werden. Auch die Versorgungslage war sehr schwierig geworden. Wurde nun die erfolgreiche Verteidigung Wiens, über die wir durch die Chronik des Reichshofrates Peter Stern von Labach und von türkischer Seite gut unterrichtet sind, in Europa gefeiert, da der Nimbus der schier unbesiegbaren Türken zum ersten Mal gebrochen war, so wurde die Niederlage auf osmanischer Seite auf Grund der ungünstigen Witterungsbedingungen nicht als Schmach empfunden. Die Gräuelmärchen, die teilweise durchaus real, in zahlreichen Flugschriften aber drastisch übertrieben wurden, haben für die Folgezeit das negative Türkenbild in Europa begründet, wobei die propagandistische Selbstdarstellung der Türken auch nicht ganz schuldlos daran ist.

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Ein zweiter Anlauf 1532, Wien zu erobern, scheiterte wieder, schon im Vorfeld. Obwohl im Osten

Ein zweiter Anlauf 1532, Wien zu erobern, scheiterte wieder, schon im Vorfeld. Obwohl im Osten weitere Annexionen gelangen, stagnierte die Ausweitung des Herrschaftsgebiets nach Westen, brachte die europäischen Mächte aber – auch diplomatisch – in engere Beziehungen mit dem Osmanischen Reich.

Stagnation und Wendepunkt

Schon während der Regierungszeit Süleymans gab es erste Krisensymptome, die sich im Laufe der Zeit verstärkten und den Niedergang des Osmanischen Reiches einleiteten. Diese Symptome waren, kurz zusammengefasst:

Es fehlte an Land, um v.a. die Truppen zu belehnen, da kaum noch neue Territorien erobert wurden.

Um die dadurch notwendigen Finanzeinnahmen zu gewährleisten, wurde die Steuerpacht eingeführt, die – versteigert – zu den bekannten Auswüchsen beim Eintreiben durch die privaten Pächter führte.

Korruption und Ämterkäuflichkeit nahmen deutlich zu.

Münzverschlechterungen mit einer Inflation im Gefolge belasteten die Wirtschaft, zudem angeheizt durch die Silbereinfuhren aus dem – europäischen – Atlantikhandel.

Mit der Entdeckung des Seewegs um Afrika herum büßten die Osmanen ihr Monopol auf den Indienhandel ein, der mediterrane Seehandel verlor an Bedeutung, seit sie 1536 den Franzosen bedeutende Handelsprivilegien eingeräumt hatten.

Die osmanischen Schiffe gerieten gegenüber den europäischen in technischen Rückstand, was sich in der Seeschlacht von Lepanto am 7.Oktober 1571 verheerend auswirkte. Von da an beherrschten die Türken nur noch das östliche Mittelmeer.

Insgesamt machte sich nach und nach allgemein ein Modernisierungsrückstand gegenüber Europa bemerkbar, der im 18. Und 19. Jh. weiter zunehmen sollte.

Auf diesem Hintergrund ist der letzte große Versuch der Pforte zu sehen, 1683 erneut nach Mitteleuropa vorzustoßen und Wien doch noch zu erobern.

Der Kampf um Wien

Während des 30-jährigen Krieges hatten die Habsburger dem Sultan regelmäßig „Ehrengeschenke“ gemacht, damit es im Osten ruhig blieb. Als diese nach Ende des Krieges ausblieben und eine Verlängerung des 1664 auf 20 Jahre geschlossenen Friedensvertrages nicht zustande kam, waren das Zeichen neu ausbrechender Feindseligkeiten. Ein türkischer Vorstoß in Richtung Wien konnte im August 1664

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aufgehalten werden. Angetrieben von eigenen Machtambitionen – und offensichtlich ohne Unterstützung seitens des Sultans

aufgehalten werden. Angetrieben von eigenen Machtambitionen – und offensichtlich ohne Unterstützung seitens des Sultans Mehmed IV. - machte sich der Großwesir Kara Mustafa 1683 mit einem ca. 150.000 Mann starken Heer in Richtung Wien auf, unterstützt von seinen Vasallen Ungarn (dessen größter Teil ab 1541 der türkischen Kontrolle unterstand), Siebenbürgen, Moldau, der Walachei und dem Khanat der Krim. Der nun ausbrechende Krieg wird als Großer Türkenkrieg oder als 5. Österreichischer Türkenkrieg bezeichnet (1683 – 1699). Die Verteidigung Wiens, das nach der Belagerung von 1529 zu einem der modernsten Festungen Europas ausgebaut worden war, umgeben von einem Kranz von zwölf Bastionen mit 16 Meter hohen Mauern, wurde von Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg geleitet, dem 16.000 Soldaten und Freiwillige zur Verfügung standen. Der Kaiser, Leopold I., und 80.000 Wiener verließen die Stadt. Am 14. Juli erreichten die Osmanen die Stadt und schlossen sie ein. Beide Seiten lieferten sich in der Folgezeit, intensiver als 1529, einen erbitterten Kampf mit und in unterirdischen Minen und Gegenminen, verbunden mit Sturmangriffen und Ausfällen aus der Stadt. Besonders gefürchtet waren dabei die türkischen Janitscharen, eine ab 1330 ursprünglich aus nichttürkischen Kriegsgefangenen und ab 1438 auf dem Balkan als Knaben rekrutierte und zu fanatischen Kämpfern erzogene Elite-Einheit. Um den polnischen König als Verbündeten zu gewinnen, hatte der Kaiser Johann III. (Jan) Sobieski den Oberbefehl zum Gegenangriff übertragen. Mit einem Entsatzheer von ca. 60.000 Mann aus Venedig, Bayern, Sachsen, Franken, Schwaben, Baden, Oberhessen und Polen griff dieser am 12. September, als Belagerern und Belagerten gleichermaßen die Lebensmittel ausgegangen waren, die Osmanen an. Die Schlacht am Kahlenberg, mit dem polnischen Kavallerie-Angriff von den Höhen des Wiener Waldes her, brachte die Entscheidung, befreite Wien und wird heute noch in Polen als wichtiger Beitrag Polens zur Rettung Europas in Anspruch genommen. Kara Mustafa, der den Kampf um Wien trotz dreifacher Übermacht verloren, der vor allem versäumt hatte, genügend Artillerie zur Belagerung mitzuführen und der noch andere taktische Fehler begangen hatte, wurde auf Befehl des Sultans am 25.Dezember bei seiner Rückkehr nach Belgrad erdrosselt.

Der beginnende Niedergang des Osmanischen Reiches

Mit dem – erneuten – Desaster vor Wien war die militärische Schwäche der Osmanen offenkundig geworden und damit ein Wendepunkt in der Auseinandersetzung mit den europäischen Staaten erreicht. Nach mehreren erfolgreichen Gegenangriffen der vom Papst initiierten Heiligen Liga auf dem Balkan musste sich das Osmanische Reich im Frieden von Karlowitz 1699 erstmals von einer christlichen Macht Friedensbedingungen diktieren lassen: Zentralungarn mit Siebenbürgen kam an Österreich, Gebiete in der Ukraine an Polen-Litauen, die Peloponnes mit Dalmatien an Venedig. Im 19. Jh. zum „kranken Mann am Bosporus“ geworden verlor das Osmanische Reich zunehmend an Besitz und Einfluss auf dem Balkan und hinterließ dort ein gefährliches Machtvakuum, in dem neben regionalen Machtballungen (hauptsächlich Serbien) vor allem die Interessen Österreichs und Russlands zusammenstießen und das 1914 den Zündfunken zum Ausbruch eines Weltkrieges liefern sollte.

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3.Didaktische Überlegungen Der didaktische und methodische Wert dieses Films für den Schüler liegt besonders ∑

3.Didaktische Überlegungen

Der didaktische und methodische Wert dieses Films für den Schüler liegt besonders

in der Aktualität der Thematik für unsere Gesellschaft

in der historisch vertiefenden Darstellung der deutsch-türkischen Beziehungen

in der auf Entmythologisierung und Verständigung ausgerichtete Tendenz an Hand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse

in der Berücksichtigung der Leistungen des Osmanen im Staatsaufbau und in der Kultur

in der vorurteilsfreien Berichterstattung über das Leben in einer anderen Kultur

in der Relativierung des religiösen Konflikts zu Gunsten machtpolitischer Interessen.

Obwohl die Wichtigkeit dieser Thematik und auch die Tendenz der Darstellung in der gewählten Weise heute allgemein anerkannt wird, beschränken sich Lehrbücher und Lehrpläne meist immer noch in herkömmlicher Weise mit der konfrontatorischen Perspektive und den kriegerischen Auseinandersetzungen und lassen eine zeitgemäße, auf Aufklärung und Verständigung ausgerichtete Perspektive in der notwendigen Ausprägung vermissen. Insofern füllt der Film eine wichtige Lücke und ist für den Unterricht in besonderer Weise geeignet, insbesondere im Hinblick darauf, dass in den Schulen heute viele Schüler mit sog. Migrationshintergrund vorhanden sind.

4.Fragen und Arbeitsaufträge

Hinweis: Um den Film sinnvoll in den Unterricht zu integrieren, sind für die folgen Fragen und Arbeitsaufträge die Zuhilfenahme des Geschichtsbuchs und anderer Hilfsmittel (z.B. des dtv-Atlas zur Weltgeschichte) sowie Recherchen im Internet vorgesehen.

Die Fragen und Arbeitsaufträge sind zudem von unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad , damit sie sowohl für die Sekundarstufe I als auch die Sekundarstufe II verwendbar sind.

1. Informieren Sie sich über die ethnische Herkunft und die Sprache der Türken sowie die Entstehung des türkischen Reiches.

2. Informieren Sie sich über die Dynastie der Osmanen.

3. Stellen Sie die osmanischen Eroberungen bis 1354 zusammen.

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4. Welche Gebiete eroberten die Osmanen auf europäischem Boden bis zum Jahre 1451 ? 5.

4. Welche Gebiete eroberten die Osmanen auf europäischem Boden bis zum Jahre 1451 ?

5. Welcher Mythos steckt hinter dem „Goldenen Apfel“ ? Vergleichen Sie ihn mit dem der Weltkugel des deutschen Kaisers im Mittelalter.

6. Suchen Sie möglichst genaue Informationen über die Belagerung und Einnahme von Konstantinopel/Byzanz zu finden, wenn möglich von Seiten der Christen und der der Muslime.

7. Welche weitreichende Bedeutung hatte der Fall dieser Stadt in der osmanischen und in der europäischen Tradition ?

8. Stellen Sie die türkischen Eroberungen der Jahre 1451 bis 1664 im Osten und im Westen zusammen.

9. Erstellen Sie eine Biografie von Süleyman dem Prächtigen und informieren Sie sich über seine Leistungen im Einzelnen und seine historische Bedeutung.

10.Suchen Sie biografische Informationen zu Ibrahim Pascha zusammen.

11.Informieren Sie sich möglichst genau über die osmanische Belagerung von Wien im Jahre 1529.

12.Welche Quellen gibt es über diese Belagerung und wie sind sie einzuschätzen ?

13.Wodurch zeichnete sich der osmanische Staat im 16. Jh. aus und welche Krisenzeichen sind zu beobachten ?

14.Informieren Sie sich über die Bedeutung der osmanischen Positionen eines Pascha, eines Sultans und eines Großwesirs.

15.Aus welchen Gründen versuchten die Osmanen 1683 Wien zu erobern ?

16.Welche Rolle spielte dabei Sultan Mehmet IV. ?

17.Erstellen Sie eine Biografie von Großwesir Kara Mustafa.

18. Wie verlief die Belagerung Wiens 1683 genau (ab) ?

19.Wie war das osmanische Heer, wie das europäische strukturiert ? Aus welchen Teilen bestand es jeweils ?

20.Informieren Sie sich über die Janitscharen. Welche Bedeutung hatten sie für das osmanische Heer ?

21.Suchen Sie Informationen über die Truppenzahlen der Kontrahenten von 1529 und 1683 zusammen und vergleichen Sie sie.

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22.Suchen Sie Informationen und Abbildungen über das osmanische Lager vor Wien zusammen. 23.Welche Quellen haben

22.Suchen Sie Informationen und Abbildungen über das osmanische Lager vor Wien zusammen.

23.Welche Quellen haben wir über die Belagerung von Wien 1683 ?

24.Welche Rolle spielte die politische Propaganda von beiden Seiten bei der Belagerung 1683 und bei den Türkenkriegen Österreichs seit 1453 ?

25.Welche Rolle spielte

die Reformation bei der Belagerung von 1529

der 30-jährige Krieg bei der Belagerung von 1683 ?

26.Welchen kulturellen Einfluss übten die Begegnungen mit den Türken auf Europa aus ? Stellen Sie möglichst viele Einflüsse zusammen.

27.Welche Faktoren prägten das Türkenbild in Europa ? Wie sah dieses Bild aus ?

28.Diskutieren Sie die Frage, ob es sich bei den Türkenkriegen um religiöse Auseinandersetzungen zwischen Christentum und Islam handelte oder um machtpolitisch motivierte. Ziehen Sie zum Vergleich die Kriege des christlichen Europa mit heran.

29.Skizzieren Sie den Niedergang und den territorialen Zerfall des Osmanischen Reiches nach 1699 bis zum Ersten Weltkrieg.

30.Informieren Sie sich über die Neugründung der Türkei durch Atatürk im Jahre 1923. Was wurde geändert, welche Traditionen blieben erhalten ?

5.Hinweise auf Literatur und Medien

Guido Knopp, Stefan Brauburger, Peter Arens: Der Heilige Krieg - Mohammed, die Kreuzritter und der 11. September, München 2011 (Bertelsmann)

Bertrand Michael Buchmann: Österreich und das Osmanische Reich. Eine bilaterale Geschichte, Wien 1999

Isabella Ackerl: Von Türken belagert – von Christen entsetzt. Das belagerte Wien 1683, Wien 1983

Klaus-Peter Matschke: Das Kreuz und der Halbmond. Die Geschichte der Türkenkriege, Düsseldorf 2004

Walter Sturminger (Hrsg.): Die Türken vor Wien in Augenzeugenberichten, Düsseldorf

1968

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Kara Mustafa vor Wien. Das türkische Tagebuch der Belagerung Wiens 1683, in: Osmanische Geschichtsschreiber Bd.

Kara Mustafa vor Wien. Das türkische Tagebuch der Belagerung Wiens 1683, in:

Osmanische Geschichtsschreiber Bd. 1, Graz/Wien/Köln 1955

Karl Teply: Kara Mustafa vor Wien. 1683 aus der Sicht der türkischen Quellen, Wien

1982

Gisbert Gemein (Hrsg.): Kulturkonflikte – Kulturbegegnungen. Juden, Christen und Muslime in Geschichte und Gegenwart (= Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung Band 1062), Bonn 2011, insbesondere

S.221 ff. : Zum Begriff des Dschihad

S. 483 ff.: Zur Toleranzfrage im Islam

S.376 ff.: Zur Entstehung des Türkenbildes in Europa.

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6.Arbeitsblätter, Tests Beispiel 1: 1. Skizzieren Sie den Aufstieg des türkischen Reiches von den Anfängen

6.Arbeitsblätter, Tests

Beispiel 1:

1. Skizzieren Sie den Aufstieg des türkischen Reiches von den Anfängen bis ins 16. Jh.

2. Welche Bedeutung hatte die Eroberung von Konstantinopel/Byzanz 1453 ?

3. Aus welchen Motiven wurden die Vorstöße nach Wien 1529 und 1683 unternommen und woran scheiterten sie ?

4. In welcher Hinsicht und zu welcher Zeit hatte das Osmanische Reich Vorbildfunktion für Europa ? Wodurch und wann ging diese verloren ?

5. Welche kulturellen Errungenschaften wurden in Europa von den Türken übernommen ?

6. Handelt es sich bei den Türkenkriegen um eine religiöse Auseinandersetzung zwischen Christentum und Islam ?

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Beispiel 2 : Die Türken waren ein Volk von ………………………………………………………. Herkunft im

Beispiel 2 :

Die Türken waren ein Volk von ………………………………………………………. Herkunft im Raum von

…………………………………………………………………………

…………………………………

„Osmanen“ geht auf

zurück und ist eine Bezeichnung für ……………………………………………………………………Als Beginn

dieser Herrschaft gilt ………………………………………………………………….In der Folgezeit eroberten

die Osmanen Kleinasien und erreichten mit ………………………………………….im Jahre ……………….

erstmals europäischen Boden. Bis zur Mitte des 15. Jh. wurden erobert:

……………………………

………………………………………………………………………………………………………

………………………………………

Symbol des Eroberungswillens war ………………………………………………………………, der folgende

Bedeutung

hatte:………………………………………………………………………………………………

…………………….

Im Jahre ……………. gelang die Eroberung von Konstantinopel/Byzanz, das für die Osmanen

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die Bedeutung hatte, dass

die Bedeutung hatte, dass …………………………………………………………………………………………………….

………………………………………………………………………………………………………

………………………………………

und für Europa, dass ……………………………………………………………………………………………………… ………

………………………………………………………………………………………………………

………………………………………

In den Jahren ………… und ………… zu erobern,

suchten die Osmanen, den Zugang zu Europa

nämlich ………………………………………… …………………………………….

Sie scheiterten beide Male an

………………………………………………………………………………………………………

………………………………………

………………………………………………………………………………………………………

………………………………………

Das Habsburger Reich war in beiden Fällen geschwächt, da im ersten Fall …………………………….

………………………………………………………………………………………………………

………………………………………

und im zweiten Fall ……………………………………………………………………………………………………… ………

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……………………………………………………………. Die Türkenkriege waren nur teilweise von

……………………………………………………………. Die Türkenkriege waren nur teilweise von religiöser

Natur, weil ……………………………………………………………………………………………………… …………………….

Die Türkenkriege endeten im Jahre ……………mit ……………………………………………………………………

In der Folgezeit entwickelte sich das Osmanische Reich …………………………………………………………

………………………………………………………………………………… 19. Jh…………………………

und wurde im

………………………………………………………………………………………… und schließlich im Jahre 1914 ……

……………………………………………………………………………. Im Jahre …………… wurde dann von

…………………………… die neue, moderne Türkei gegründet, die in religiöser Hinsicht ein

…………………………………………

Ergänzungen:

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Staat

war und heute noch ist.

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Beispiel 3: Die Osmanen ( ) sind ein mongolisches Volk ( ) erhielten ihren Namen

Beispiel 3:

Die Osmanen

(

)

sind ein mongolisches Volk

(

)

erhielten ihren Namen von den Byzantinern

(

)

sind islamischen Glaubens

(

)

sind ein Nachfolge-Stamm der Türken

Die osmanischen Eroberungen

(

)

begannen 1302 mit dem Sieg über die Byzantiner

(

)

erreichen 1354 Europa

(

)

beschränkten sich bis ca. 1400 auf Kleinasien

(

)

richteten sich hauptsächlich auf Innerasien

Der „Goldene Apfel“

(

)

war ein machtpolitisches Symbol

(

)

forderte den Sultan zu Toleranz auf

(

) verpflichteten den Sultan zu Eroberungen

(

)

hatte geringe Bedeutung für die konkrete osmanische Politik

Als „Goldener Apfel“ wurden die Städte bezeichnet

(

)

Bagdad

(

)

Konstantinopel

(

)

Byzanz

(

)

Wien

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Die Belagerung Wiens 1529 ( ) wurde u.a. auf Grund der Reformation im Reich möglich

Die Belagerung Wiens 1529

(

)

wurde u.a. auf Grund der Reformation im Reich möglich

(

)

wurde durch ein habsburgisches Entsatzheer beendet

(

) wurde durch einen frühen Wintereinbruch beendet

(

)

wurde von den Türken als schmähliche Niederlage empfunden

Die Belagerung Wiens 1683

(

)

geschah auf Befehl des Sultans Mehmet IV.

(

)

erfolgte mit zu geringer türkischer Truppenzahl

(

)

traf eine unvorbereitete Stadt mit schwacher Befestigung

(

)

wurde von einem polnischen Entsatzheer beendet

Die türkische Niederlage

(

)

ist hauptsächlich dem Großwesir Kara Mustafa zuzuschreiben

(

)

kam durch eine Allianz europäischer Mächte zustande

(

)

kam durch ein Entsatzheer in letzter Minute zustande

(

)

wurde von den Türken nicht als Schmach empfunden

Das Osmanische Reich war im 16. und 17. Jh.

(

)

ein moderner Staat

(

)

mit Einfluss auf Europa

(

)

für die folgenden Jahrhunderte beispielhaft

(

)

mit ersten Krisenzeichen behaftet

Die Begegnung mit den Osmanen führte in Europa zur Übernahme von

(

)

Kaffee

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( ) der Kartoffel ( ) der Tulpe ( ) eines stehenden Heeres Die Türkenkriege

(

)

der Kartoffel

(

)

der Tulpe

(

)

eines stehenden Heeres

Die Türkenkriege

(

)

waren hauptsächlich religiös motiviert

(

)

waren hauptsächlich machtpolitisch motiviert

(

)

wurden von türkischer Seite als Religionskriege dargestellt

(

)

wurden von europäischer Seite als religiöse Auseinandersetzung dargestellt.

Autor der didaktischen Materialien: Dr. Peter Lautzas

www.zdf.de (2011)

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ZDF/Verband der Geschichtslehrer Deutschlands e.V