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Parlamentarische Gruppe Frei fließende Flüsse
Josef Göppel, Brunhilde Irber, Horst Meierhofer, Eva Bulling-Schröter, Dr. Anton Hofreiter

Erklärung
zum Ausbau der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße im Bereich des Europa-Nationalparks Unteres Odertal
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3. Juli 2009

I. Erklärung zum Ausbau der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße im Bereich des Europa-Nationalparks Unteres Odertal
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Appell zum Dialog zwischen Wirtschaft, Schifffahrtsverwaltung und Naturschutzverbänden über die zukünftige Entwicklung der Schifffahrt im Bereich des Nationalparks Unteres Odertal auf Grundlage einer aktuellen Bedarfsanalyse für den geplanten Ausbau der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße. II. Begründung 1. 2. 3. Die Bedeutung der Oder und des deutsch-polnischen Europa-Nationalparks Unteres Odertal Die Ausbaupläne für die Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße Fazit

Unterzeichner Der Vorstand: Josef Göppel, MdB (CSU) Brunhilde Irber, MdB (SPD) Horst Meierhofer, MdB (FDP) Eva Bulling-Schröter, MdB (Die LINKE) Dr. Anton Hofreiter, MdB (BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN)

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Parlamentarische Gruppe Frei fließende Flüsse
Josef Göppel, Brunhilde Irber, Horst Meierhofer, Eva Bulling-Schröter, Dr. Anton Hofreiter

I. Erklärung zum Ausbau der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße im Bereich des Europa-Nationalparks Unteres Odertal
Appell zum Dialog zwischen Wirtschaft, Schifffahrtsverwaltung und Naturschutzverbänden über die zukünftige Entwicklung der Schifffahrt im Bereich des Nationalparks Unteres Odertal auf Grundlage einer aktuellen Bedarfsanalyse für den geplanten Ausbau der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße. Für die Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße zwischen Hafen Schwedt und der Westoder bestehen Ausbaupläne. Die Realisierung dieser Pläne würde wertvolle Naturschutzbereiche des deutsch-polnischen Europa-Nationalparks Unteres Odertal entwerten, obwohl bereits jetzt eine Anbindung der Industrie in Schwedt mit flussangepassten Küstenmotorschiffen ohne diesen Ausbau möglich ist. Die Parlamentarische Gruppe Frei fließende Flüsse befürwortet die Erstellung eines aktuellen Bedarfsgutachtens und die Prüfung alternativer Ausbaumodelle für die flussverträgliche Schifffahrt im Bereich des deutsch-polnischen Europa-Nationalparks Unteres Odertal. Zugleich appellieren wir an die beteiligten Interessensgruppen und verantwortlichen Behörden zum Wohle der gesamten Region den Dialog zwischen Wirtschaft, Schifffahrt, Tourismus und Naturschutz vor Ort zu pflegen. Die Parlamentarische Gruppe würdigt damit die besondere Bedeutung der Oder als Lebensader für die Wirtschaft und die Entwicklung des Tourismus in der Region einerseits sowie die herausragende Bedeutung des deutsch-polnischen Europa-Nationalparks Unteres Odertal als Naturschutzgebiet von europäischem Rang andererseits. Die Erstellung eines aktuellen und von allen Seiten akzeptierten Bedarfsgutachtens für den Ausbau der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße sowie der Westoder ist aus unserer Sicht wünschenswert, weil das bestehende Bedarfsgutachten der Firma Planco Consulting GmbH weder die aktuelle Situation widerspiegelt noch das Vertrauen aller beteiligten Interessensgruppen besitzt. Transparenz und Vertrauen bilden aber die Grundlage für eine mögliche Lösung des Konfliktes.

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II. Begründung
Unterstützung eines unabhängigen Gutachtens zu Bedarf und Alternativen eines Ausbaues der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße im Bereich des deutschpolnischen Europa-Nationalparks Unteres Odertal zwischen dem Hafen Schwedt und der Westoder. Die Bewahrung vernetzter Fluss- und Auwaldbiotope an den großen Flüssen und Strömen Deutschlands hat für die Parlamentarische Gruppe Frei fließende Flüsse des Deutschen Bundestages einen hohen Stellenwert. Als fraktionsübergreifende Gruppe möchten wir den Dialog zwischen Wirtschaftsvertretern, Schifffahrtsverbänden und Naturschützern fördern. Wir sind der Auffassung, dass eine flussangepasste Schifffahrt sowie der Schutz der Flüsse und Auen nicht im Widerspruch zu wirtschaftlichen Erfolgen stehen. 1. Die Bedeutung der Oder und des deutsch-polnischen Europa-Nationalparks Unteres Odertal Zwischen Hohensaaten und Stettin erstreckt sich auf eine Länge von 60 Kilometern der deutsch-polnische Europa-Nationalpark Unteres Odertal. Kernstück des Nationalparks bildet die frei fließende Oder mit ihren angrenzenden Auwäldern. Deutsche und polnische Naturschützer haben nach der Wende 1990 ein grenzüberschreitendes und völkerverbindendes Naturschutzprojekt entwickelt. Seit 1993 ist der polnische Teil als Landschaftsschutzpark und seit 1995 der brandenburgische Teil als Nationalpark ausgewiesen. Der deutsch-polnische Europa-Nationalpark Unteres Odertal liegt in einer von eiszeitlichen Gletschern geformten Flussniederung. Das Stromsystem der unteren Oder mit seinen angrenzenden Seitentälern, Altwassern, Feuchtwiesen, Au- und Hangwäldern sowie Trockenrasen zählt zu den artenreichsten Lebensräumen in Deutschland. Besondere Bedeutung hat das Gebiet als Durchzugs-, Rast- und Überwinterungsquartier für zahlreiche Zugvogelarten. Im Herbst nutzen bis zu 70 000 Wildgänse und Kraniche das Gebiet zur Rast. Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin (IGB) führt seit 1992 fischökologische Forschungen in Bundeswasserstraßen des nordostdeutschen Tieflands durch, u.a. im Bereich des Nationalpark Unteres Odertal. Die Ergebnisse zeigen, dass Fische hier neben ausgedehnten Jungfischhabitaten vor allem auch Strömungs- und Tiefenvarianzen finden, wie sie in regulierten Wasserstraßen nur noch selten anzutreffen sind. Dementsprechend vielfältig ist auch die flusstypische Fischfauna in diesem Bereich. Der Erhalt dieser Strukturen ist besonders wichtig, weil es sich hier um den einzigen großen Fluss handelt, der in seinem Unterlauf keine Querverbauungen aufweist und daher für Wanderfische uneingeschränkt passierbar ist. Für die Fischgattung Stör (Acipenser) sind hier erste Wiederansiedlungsversuche erfolgreich verlaufen.

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2. Die Ausbaupläne für die Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße Bei der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße handelt sich nicht um einen Kanal im eigentlichen Sinne, sondern um verbundene Altarme der Oder. Zu beiden Seiten des Gewässer unterliegen die ausgewiesenen Totalreservate dem strengsten Schutz durch das brandenburgische, deutsche und europäische Naturschutzrecht. Ausbaupläne auf deutscher und polnischer Seite gefährden nun den Bestand wertvoller Naturschutzflächen im Nationalparkgebiet. Geplant sind massive Eingriffe in das Flussbett und die Uferbereiche mit gravierenden Folgen für Ökologie und Landschaftsbild. Im Bereich des Nationalparks bestehen Pläne für eine Verbreiterung der Wasserwege von derzeit 25 m bis 30 m auf dann 55 m sowie eine Vertiefung um 1,50 m auf 4,50 m für Küstenmotorschiffe. Schon heute ist die geplante Strecke für Großmotorschiffe befahrbar. Auch Küstenmotorschiffe können direkt von Schwedt aus, ohne umzuladen bedarfsgerecht bis nach England verkehren, entsprechende Schiffstypen sind bereits projektiert. Vor diesem Hintergrund ist die veraltete wirtschaftliche Bedarfsanalyse, die zur Aufnahme dieses Bauvorhabens in den Bundesverkehrswegeplan geführt hat, überprüfungsbedürftig. 3. Fazit Der Ausbau der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße zwischen dem Hafen Schwedt und der Westoder für Küstenmotorschiffe würde einen erheblichen Eingriff in das Herzstück des einzigen deutschen Auen-Nationalparks darstellen. Angesichts der wachsenden Staatsverschuldung ist ein angebotsbezogener Ausbau der Wasserstraßen und Häfen nicht mehr zu rechtfertigen, vielmehr ist maximal ein bedarfsgerechter Ausbau anzustreben. Ohne zweifelsfrei nachgewiesenen Bedarf ist ein derart erheblicher Eingriff in ein weitgehend intaktes und geschlossenes Naturschutzgebiet aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen abzulehnen. Die Ausbaupläne werden in Fachkreisen und der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Eine aktuelle und von allen Beteiligten anerkannte Bedarfsanalyse kann dazu beitragen die Diskussion vor Ort zu versachlichen und die Akzeptanz für gegebenenfalls notwendige Maßnahmen schaffen. Die Parlamentarische Gruppe Frei fließende Flüsse würde eine nachvollziehbare Neufassung der Bedarfsanalyse und die Prüfung alternativer Ausbauvarianten unter Beteiligung aller Interessensgruppen durch ein neutrales Wirtschaftsinstitut deshalb ausdrücklich begrüßen. Berlin, 3. Juli 2009 Josef Göppel, MdB (CSU) Brunhilde Irber, MdB (SPD) Horst Meierhofer, MdB (FDP) Eva Bulling-Schröter, MdB (Die LINKE) Dr. Anton Hofreiter, MdB (BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN) ..5

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Bildnachweis: links: Lencer, Wikipedia Kartenwerkstatt / rechts (von oben nach unten): 1 Ansgar Vössing, 2 Hans-Jörg Wilke, 3 /4 Günther Blutke

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Parlamentarische Gruppe Frei fließende Flüsse
Postanschrift: Parlamentarische Gruppe Frei fließende Flüsse c/o Büro Brunhilde Irber Deutscher Bundestag Platz der Republik 1 11011 Berlin Ansprechpartner: Frau Brunhilde Irber, MdB Koordinationsstelle: Herr J. Hiermer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter c/o Büro Brunhilde Irber Deutscher Bundestag Platz der Republik 1 11011 Berlin Telefon: 030 227 71 156 Fax: 030 227 76 205 Mail: brunhilde.irber@bundestag.de