Sie sind auf Seite 1von 2
Tierversuche im Brennpunkt: und Herzinfarkt beim Menschen sind dank Bevölkerungsstu- dien bekannt: Übergewicht,
Tierversuche im Brennpunkt:
und Herzinfarkt beim Menschen sind dank Bevölkerungsstu-
dien bekannt: Übergewicht, fleisch- und fettreiche Ernährung,
Rauchen, Stress und Bewegungsmangel. Die künstlich geschä-
digten „Tiermodelle“ haben mit der menschlichen Erkrankung
und ihren ursächlichen Faktoren nichts gemein. Tierversuche
sind daher nicht geeignet, die Krankheiten des Menschen zu
erforschen und zu heilen.
Institut I für Anatomie, Universität Köln,
Joseph-Stelzmann-Str. 9, 50931 Köln
Teil 13
Um die Auswirkungen von verschiedenen Gesichtsnervoperationen
auf die Schnurrhaarbeweglichkeit der Ratte zu studieren, werden
Ratten jeweils einer der folgenden Operationen unterzogen:
Köln
1.
Der Gesichtsnerv wird durchgeschnitten und wieder
zusammengenäht.
2.
Max Planck Institut für Neurologische Forschung,
Gleueler Str. 50, 50931 Köln
Bei Ratten wird unter
Narkose ein Nahtfaden
über die Halsarterie bis
in die mittlere Hirnarterie
vorgeschoben, bis der Fa-
den das Gefäß verstopft.
Der dahinter liegende Ab-
schnitt des Gehirns wird
nun nicht mehr durch-
blutet. Nach 60 Minuten
wird der Faden wieder
entfernt. So wird künstlich ein Schlaganfall ausgelöst. Am näch-
sten Tag und 14 Tage später wird das Gehirn mit Magnetreso-
nanzbildgebung untersucht. Dann werden die Tiere getötet. 3
Aus dem Gesichtsnerv wird ein 3-4 mm langes Stück heraus-
geschnitten und durch ein Stück eines Ohrnervs ersetzt.
3.
Der Gesichtsnerv und der Unterzungennerv werden durch-
Ergebnisse, den medizinischen Fortschritt nur auf. Eine Vielzahl
tierversuchsfreier Verfahren, die mit menschlichen Zell- und Ge-
webekulturen oder komplexen Computermodellen arbeiten, liefern
im Gegensatz zum Tierversuch aussagekräftige Ergebnisse. Viele
Krankheiten könnten zudem durch Veränderung unserer Lebens-
weise verhindert werden. Tierversuche müssen abgeschafft wer-
den, um den Weg frei zu machen für eine moderne, ethisch ver-
tretbare Forschung, bei der die Beseitigung der krankmachenden
Ursachen in Ernährung, Lebensweise und Umwelt im Vordergrund
steht. Nur so lässt sich ein Fortschritt in der Medizin erzielen.
geschnitten und miteinander verbunden.
Zwei Monate später werden die Schnurrhaarbewegungen der Tiere
mit einer Videokamera aufgezeichnet. Anschließend werden unter
Narkose drei Äste des Gesichtsnervs durchtrennt. Auf jedes Asten-
de wird ein Farbstoff geträufelt. In den folgenden zehn Tagen wan-
dert der Farbstoff entlang der Nervenfasern bis zum Gehirn. Dann
werden die Tiere getötet. 5
Die genannten Tierversuche aus Köln und mehrere Tausend
weitere, in den letzten Jahren in Deutschland durchgeführte
Tierversuche, sind in der Internet-Datenbank www.datenbank-
tierversuche.de dokumentiert.
Quellen
1
Ranulfo Lemus et al.: Toxicological comparisons of cigarettes containing different amounts of
vanillin. Inhalation Toxicology 2007, 19, 683-699
Tierphysiologie, Zoologisches Institut, Universität Köln,
Weyertal 119, 50923 Köln
Um der Frage nachzugehen, wie Stabheuschrecken ihre sechs Bei-
ne koordinieren, werden bei den Tieren vier oder fünf Beine abge-
schnitten. Die lebende, unbetäubte Stabheuschecke wird dann mit
Zahnzement auf eine Schaumstoffunterlage geklebt. Der Brust-
panzer wird aufgeschnitten, um an die Ganglien (Nervenknoten
der Insekten) zu gelangen. In ein Ganglion wird eine Elektrode zur
Messung von Nervenströmen gestochen. Alle von dem Ganglion
abgehenden Nerven werden zerquetscht. Die verbleibenden Bei-
ne des festgeklebten Tieres werden jeweils in ein Laufrad gesetzt.
Mit einem Pinsel wird der Hinterleib des Insekts stimuliert, um es
zum Laufen zu bringen. Das Tier bewegt die Beine im Laufrad wäh-
rend gleichzeitig Nervenströme des Ganglions gemessen werden.
Das weitere Schicksal der Stabheuschrecken wird nicht erwähnt. 6
2
Kathrin Barbara Krug et al.: In-vivo measurements of coronary blood flow using 16-slice multi-
detector spiral computed tomography (MDCT) in a porcine model. Fortschritte auf dem Gebiet der
Röntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren 2009: 181, 220-229
3
Ralph Weber et al.: MRI detection of macrophage activity after experimental stroke in rats: new
indicators for late appearance of vascular degradation? Magnetic Resonance in Medicine 2005:
54, 59-66
4
Marianne B. Ernst at al.: Enhanced Stat3 activation in POMC neurons provokes negative feedback
inhibition of leptin and insulin signaling in obesity. The Journal of Neuroscience 2009: 16, 11582-
11593
5
Orlando Guntinas-Lichius et al.: Impact of different types of facial nerve reconstruction on the
recovery of motor function: an experimental study in adult rats. Neurosurgery 2007: 61, 1276-1285
Warum Tierversuche?
6
Anke Borgmann et al.: Sensory feedback induced by front-leg stepping entrains the activity of
central pattern generators in caudal segments of the stick insect walking system. The Jouranl of
Tierversuche werden oft mit der Behauptung gerechtfertigt, sie
dienten nur der Entwicklung neuer Medikamente gegen unheil-
bare Krankheiten. Doch wie in den folgenden zwei Beispielen
haben die Ergebnisse meist keinerlei praktischen Bezug. Tier-
versuche werden nicht zum Wohle des Menschen durchgeführt,
sondern weil einflussreiche Interessengruppen davon profitie-
ren. Experimentatoren, Universitäten, Pharma- und chemische
Industrie, Auftragslabors, Versuchstierhändler, Firmen, die Zu-
behör herstellen – sie alle wollen, dass Tierversuche beibehal-
ten werden. Die Qualität der Forschung wird nicht daran gemes-
sen, wie vielen Menschen geholfen werden konnte, sondern an
der Anzahl der Publikationen in renommierten Fachzeitschrif-
ten. Davon ist die Höhe der Forschungsgelder abhängig. Diese
werden für neue Studien verwendet. Dieses absurde System
erhält sich selbst, ohne dass etwas Sinnvolles dabei heraus-
kommt.
Neuroscience 2009: 29(9), 2972-2983
Impressum:
Kontakt: Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Landsbergerstr. 103 • 80339 München
Tel:
Fax:
089-359 93 49
089-356 52 127
info@aerzte-gegen-tierversuche.de
www.aerzte-gegen-tierversuche.de
Für eine bessere Medizin
Tierversuche und eine ethisch vertretbare Medizin und Wissen-
schaft schließen sich aus. Achtung und Ehrfurcht vor dem Le-
ben müssen das höchste Gebot menschlichen und insbesondere
auch ärztlichen und wissenschaftlichen Handelns sein. Ein Ende
der Tierversuche bedeutet nicht ein Ende der medizinischen
Forschung. Im Gegenteil. Ohne Tierversuche wäre die Medizin
schon viel weiter, denn Tierversuche halten, wegen ihrer falschen
Text: Dr. Corina Gericke • Satz: www.vego-design.de
Fotos: Ärzte gegen Tierversuche, vergo.org.uk, istockphoto.com,
Vereinskonto: Sparda-Bank
BLZ
Kto
500 905 00
951 731
Ärzte gegen Tierversuche e.V. ist als gemeinnützig und besonders
förderungswürdig anerkannt. Spenden und Mitgliedsbeiträge sind
steuerlich absetzbar.
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
© 2010 Ärzte gegen Tierversuche e.V
Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier
Künstliches Altern Millionenfaches Leid Dass Rauchen Lungenkrebs und zahlreiche andere schwer- wiegende, zum Teil
Künstliches Altern
Millionenfaches Leid
Dass Rauchen Lungenkrebs und zahlreiche andere schwer-
wiegende, zum Teil tödlich verlaufende Krankheiten hervor-
ruft, weiß jeder. Doch noch in den 1950er Jahren bezweifelte
man die schädliche Wirkung des Tabaks aufgrund irreführen-
der Tierversuchs-Ergebnisse. Ratten vertragen nämlich sehr
viel größere Mengen Zigarettenrauch als Menschen. Erst
eine Auswertung von Tausenden von Bevölkerungsstudien
Mitte der 1960er Jahre bewies die krank machenden Eigen-
schaften des Tabakrauchs. Trotzdem werden beim Tabak-
konzern Philip Morris in Köln auch heute noch Tiere zum
Rauchen gezwungen.
Bewegungsfreudige Ratten 90 Tage
lang jeden Tag sechs Stunden in eine
Röhre zu stecken, noch dazu für völ-
lig überflüssige und bekanntermaßen
schädliche Produkte, ist grausamste
Tierquälerei. Dabei ist dieses Beispiel
keine Ausnahme. Mehr als zweieinhalb Millionen Mäuse, Ratten,
Affen, Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und andere
Tiere werden jedes Jahr in deutschen Laboratorien gequält und ge-
tötet. Im Tierversuch werden Tiere wie Messinstrumente behandelt,
die nach Gebrauch weggeworfen werden. Doch Tiere sind fühlende
Lebewesen, die Freude und Angst empfinden sowie Schmerz und
Qualen erleiden, genau wie wir.
Institut für Genetik, Universität Köln, Zülpicher Str. 47,
50674 Köln, Cologne Excellence Cluster on Cellular Stress
Responses in Aging-Associated Diseases (CECAD)
Mit gentechnischen Methoden werden Mäuse „hergestellt“, die
eine Veränderung im Gehirnstoffwechsel aufweisen. Die Tiere
werden durch übermäßiges Fressen übergewichtig. Im Alter von
20 Wochen wird eine Traubenzuckerlösung oder Insulin in die
Bauchhöhle injiziert. Nach 15, 30, 60 und 120 Minuten werden
Blutproben genommen. Dann wird Leptin (ein Hormon, das mit
Übergewicht in Verbindung gebracht wird) zweimal täglich drei
Tage lang in die Bauchhöhle injiziert. Futteraufnahme und Ge-
wicht werden täglich gemessen. Ziel ist die Untersuchung mo-
lekularer Details in einem bestimmten Hirnbereich bei gentech-
nisch veränderten, übergewichtigen Mäusen. 4
Völlig unterschiedlich
Auf dem Campus der Uni Köln entsteht derzeit das neue Max-
Planck-Institut für Biologie des Alters. Der 60 Millionen teure, aus
öffentlichen Geldern finanzierte Bau soll 2012 fertig gestellt wer-
den. Die jährlichen Unterhaltskosten belaufen sich auf 15 Mil-
lionen Euro. 85 Millionen Euro kostet ein weiteres, aus unseren
Steuergeldern finanziertes Laborgebäude für Altersforschung, das
„Cologne Excellence Cluster on Cellular Stress Responses in Aging-
Associated Diseases“ (CECAD). In beiden Einrichtungen sollen die
biologischen Prozesse des Alterns erforscht werden. Dazu müssen
hauptsächlich gentechnisch veränderte Mäuse sowie Fruchtflie-
gen und Fadenwürmer herhalten.
Der Traum vom ewigen Leben? Wird er in Köln wahr werden? Mit
Sicherheit nicht. Es ist vollkommen absurd, einem so komplexen
Prozess wie dem Altern beim Menschen mittels Tierversuchen auf
die Spur kommen zu wollen. Es handelt sich um reine experimen-
telle Grundlagenforschung ohne medizinischen Nutzen.

Philip Morris Research Laboratories GmbH, Fuggerstr. 3, 51149 Köln Um die Auswirkungen von Zigarettenrauch mit oder ohne Zusatz von Vanillin als Geschmacksstoff zu vergleichen, werden 168 Rat- ten 90 Tage lang täglich sechs Stunden Zigarettenrauch ausge- setzt. Dabei kommt eine „Nur-Nase-Exposition“ zum Einsatz. Eine Ratte wird dafür in eine Kammer aus Glas und Stahl gesteckt, aus der nur die Nase heraus schaut. Diese befindet sich in einem mit Zigarettenrauch begasten Raum. Es werden vier verschiedene Zigarettenmischungen getestet, die mit unterschiedlichen Men- gen Vanillin angereichert sind. Außerdem gibt es zwei Kontroll- gruppen, die nur Rauch ohne Vanillin bzw. Frischluft erhalten. Bei den Tieren wird ein Atmungstest gemacht und zweimal wird eine Blutprobe aus dem Venengeflecht hinter dem Auge entnommen. Für diese Prozedur werden die Ratten mit Äther betäubt. Schließ- lich werden alle Tiere getötet. 1

Tiere und Menschen unterscheiden sich in Körperbau, Organfunk- tionen und Stoffwechsel wesentlich voneinander. Ein und dieselbe Substanz kann bei Tier und Mensch zu völlig unterschiedlichen Reaktionen führen, wie die oben genannte unterschiedliche Ver- träglichkeit von Tabakrauch bei Mensch und Ratte sowie weitere Beispiele deutlich zeigen. So führt Aspirin bei Hunden, Katzen, Affen, Ratten und Mäusen zu Embryoschäden, nicht aber beim Menschen. Umgekehrt war das Schlafmittel Thalidomid (Conter- gan) im Routine-Tierversuch völlig unauffällig. Penicillin ist gut verträglich für Menschen, aber schädlich für Meerschweinchen. Arsen ist tödlich für Menschen, für Schafe nicht. Asbest verursacht bei Menschen Krebs, bei Ratten nicht. Beim Süßstoff Saccharin ist es umgekehrt. Wegen dieser Unterschiedlichkeit sind die Er- gebnisse von Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragbar.

Tödliche Nebenwirkungen

Regelmäßig berichten Wissenschaftler und Medien über angeb- liche Erfolge im Kampf gegen Krebs, Alzheimer, Parkinson usw. Doch von den angeblichen Wundermitteln hört man nie wieder etwas. Denn: Was beim Tier funktioniert, klappt beim Menschen noch lange nicht. Eine Studie der amerikanischen Arzneimittelbe- hörde FDA ergab, dass 92 Prozent der potentiellen Medikamente, die sich im „Tiermodell“ als wirksam und sicher erwiesen haben, die klinische Prüfung nicht bestehen – beim Menschen zeigt sich entweder gar keine oder eine unerwünschte Wirkung. Auch nach der Zulassung richten viele Pharmaprodukte schwere Schäden

an. Jüngste Beispiele: Blutfettsenker Lipobay®, Rheumamittel Vioxx® und das Herzmedikament Trasylol® – alle waren im Tier- versuch für sicher befunden worden, riefen aber beim Menschen schwerste, oft sogar tödliche Nebenwirkungen hervor. Allein in Deutschland gehen jährlich 58.000 Todesfälle auf das Konto von Nebenwirkungen tierversuchserprobter Arzneimittel. Tierver- suche machen also unsere Arzneimittel nicht sicher.

Künstlich krank gemacht

Das tierexperimentelle System beruht auf einem falschen methodischen Ansatz. Im Tierversuch werden, wie in folgendem Beispiel, die Krankheiten des Menschen auf Symptome reduziert und bei Tieren künstlich hervorgerufen.

Institut und Poliklinik für Radiologische Diagnostik, Uniklinikum Köln, Joseph-Stelzmann-Str. 9, 50931 Köln Bei 17 Schweinen wird das Brustbein aufgeschnitten und das Herz freigelegt. Eine Manschette wird um die rechte Herz- kranzarterie gelegt und zunächst nur etwas zugezogen, später stark. Dadurch wird das Herz weniger durchblutet. Gleichzeitig werden computertomographische Aufnahmen gemacht. Der Blutfluss wird mit am Herzen angebrachten Messgeräten gemes- sen. Bei sieben Tieren kommt es zu Komplikationen während der

Bei sieben Tieren kommt es zu Komplikationen während der Operation: unkontrollierbare Blutungen und Absinken des

Operation: unkontrollierbare Blutungen und Absinken des Blutdrucks oder Herzversagen. Die Messungen bei diesen Schweinen können nicht verwendet werden. Am Ende der Experi- mente werden die Schweine getötet. Ziel des Versuchs ist es, den Blutfluss nach einem künst- lichen Herzinfarkt mit bildgebenden Verfahren zu messen. 2

Ein Herzinfarkt wird durch Verschluss einer Herzkranz- arterie bei Schweinen oder Hunden bewirkt, Arterienverkalkung durch elektrischen Strom in Blutgefäßen von Kaninchen, Diabe- tes durch Injektion eines zellzerstörenden Giftes bei Ratten, ein Schlaganfall wird durch Verschluss einer Hirnarterie bei Ratten oder Mäusen hervorgerufen und Krebs und Alzheimer werden bei Mäusen durch Genmanipulation ausgelöst.

Solche „Tiermodelle“ sind jedoch nicht mit der komplexen Si- tuation beim menschlichen Patienten vergleichbar. Wichtige Aspekte der Krankheitsentstehung wie Ernährung, Lebens- gewohnheiten, schädliche Umwelteinflüsse sowie psychische und soziale Faktoren werden bei dieser Art der Forschung nicht berücksichtigt. Die Ursachen beispielsweise von Schlaganfall