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DEUTSCHER BAUERNVERBAND Berlin, 25.06.

2004

Anton Blöth,
Gesellschaftspolitik und Verbandsbeziehungen

Berliner Twinning Conference ELO und ARGE Grundbesitzerverbände

Die Situation der deutschen Landwirtschaft, insbesondere in den Neuen Ländern


-Kurzzusammenfassung-

Transformation der ostdeutschen Landwirtschaft

Die Landwirtschaft in den Neuen Ländern hat einen gewaltigen Transformationsprozess hinter
sich. Dieser ist fast 14 Jahre nach Vollendung der deutschen Einheit noch nicht abgeschlossen,
aber bereits weit fortgeschritten. Charakteristika dieser Wandlung und Integration in ein
marktwirtschaftliches System waren und sind:

- die Klärung der Eigentums- und Bodenfrage,

- die Auseinandersetzung um das genossenschaftliche Vermögen (ohne Boden),

- die Umwandlung von LPG in bürgerliche Rechtsformen und/oder die Neugründung


von Unternehmen, vor allem von Familienbetrieben,

- die Integration in die europäische Agrarpolitik und

- die soziale Abfederung des Beschäftigungsabbaus.

Diese Transformation lief im Wesentlichen ohne Vorbilder und Blaupausen ab. Entstanden ist
eine für Westeuropa einzigartige landwirtschaftliche Struktur, die nach wie vor von
Großbetrieben, aber mittlerweile auch vielen kleineren Einzelunternehmen geprägt ist. Heute
zeigt sich eine unternehmerische Land- und Agrarwirtschaft, die ihre Marktchancen
insbesondere in der pflanzlichen Produktion, mit Abstrichen in der tierischen Produktion sucht
und findet. Dies alles war nur möglich durch

- eine vernünftige und sofort einsetzende politische und rechtliche Rahmensetzung


und Begleitung durch EU, Bund und Länder (z. B. Landwirtschaftsanpassungsgesetz,
Treuhandgesetz, finanzielle Hilfen),

- enorme Anpassungsleistung der Betriebe und Betriebsleiter unter Nutzung des


wissenschaftlich-technischen Fortschritts,

- eine angepasste Modernisierung und Neuausrichtung der vor- und nachgelagerten


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Wirtschaftsbereiche,

- eine solidarische und kontinuierliche Begleitung und Hilfestellung von Seiten des
Berufsstandes (z. B. Hilfsfonds Ost, Bekenntnis zum Eigentum in der Warberger
Erklärung) und

- die Aus- und Weiterbildung der Betriebsleiter, jungen Generation und


Entscheidungsträger auch und gerade im landwirtschaftlichen Berufsstand

Gleichwohl darf nicht darüber hinweggesehen werden, dass dieser Transformationsprozess


auch schwierige Hürden meistern musste und nach wie vor Probleme in der Landwirtschaft der
Neuen Länder bestehen:

- Vermögensauseinandersetzung

- Verteilung des ehemaligen staatlichen Bodenfonds über Verpachtung und Verkauf

- Beschäftigungsabbau

- Klärung der staatlichen Altkredite aus DDR-Zeiten

- Verlust von Absatzmärkten und Marktpositionen, v.a. in der tierischen Produktion

- mangelhafte Kapitaldecke der umgewandelten und neuen Betriebe

Herausforderungen für die gesamte deutsche Landwirtschaft

Die gesamte deutsche Landwirtschaft steht im Jahr der EU-Osterweiterung nach wie vor großen
Herausforderungen. Zu nennen sind hier die weitere Liberalisierung und Öffnung von Märkten,
die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU sowie die Anpassung an stetig steigende
gesellschaftliche Anforderungen im Tier-, Natur- und Umweltschutz. Vor diesen Hintergründen
sind Betriebe – egal welcher Rechtsform, egal welcher Produktionsausrichtung – gefordert, über
ein hohes Maß an Management- und Marktkompetenz die richtigen Unternehmens- und
Erfolgsstrategien zu finden.

Dazu gehört mehr denn je die Auseinandersetzung und Implementierung von Qualitäts- und
Sicherungssystemen über die gesamte Lebensmittelkette. Diese werden – auch im Vergleich
und Wettbewerb mit den europäischen Nachbarstaaten - zu Schlüsselfaktoren für Markt- und
Wettbewerbspositionen. Je mehr dieser Wunsch nach Transparenz und Sicherheit – allen voran
von den Verbrauchern und Lebensmittelhändlern – in die Nahrungsmittelerzeugung
hineingetragen und implementiert wird, je mehr rückt dabei aber auch die Frage der adäquaten
“Entlohnung” dieser Qualitätsarbeit in den Vordergrund. Gegenwärtig spitzt sich diese
Diskussion um faire Lebensmittelpreise bei Milch- und tierischen Produkten zu.
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Die Landwirtschaft und ihre Berufsvertretung werden nicht umhin kommen, neben der Politik
auch den Lebensmitteleinzelhandel sowie die größtenteils von Bauern getragenen Molkereien
und Schlachtunternehmen in die Verantwortung für kostendeckende und gerechte
Erzeugerpreisen zu nehmen.

Informationen zum Deutschen Bauernverband

Der Deutsche Bauernverband ist der landwirtschaftliche Spitzenverband in Deutschland. Seine


Mitglieder sind die Landesbauernverbände und führende Organisationen der Land- und
Forstwirtschaft sowie ihr nahe stehende Wirtschaftszweige. Über die 18 Landesbauernverbände
und ihre Kreisverbände ist der Deutsche Bauernverband im gesamten Bundesgebiet für alle
Mitglieder vor Ort mit Beratungs- und Geschäftstellen präsent.

Der Organisationsgrad der Bauern in ihrer Interessenvertretung ist sehr hoch: über 90 Prozent
aller rund 400.000 landwirtschaftlichen Betriebe sind auf freiwilliger Basis Mitglied im Deutschen
Bauernverband. Deshalb kann der Deutsche Bauernverband für sich in Anspruch nehmen, die
Stimme aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland zu sein, gleich welcher
Produktionsrichtung und Rechtsform.

Der Deutsche Bauernverband versteht sich als Unternehmerverband, der die Anliegen seiner
Mitglieder gegenüber der Politik vertritt und sie bei der Führung ihrer Unternehmen unterstützt.
Über seine Büros in Bonn, Berlin und Brüssel ist er Ansprechpartner für politische Parteien,
Verbände und Organisationen des öffentlichen Lebens auf nationaler und europäischer Ebene.