Sie sind auf Seite 1von 3
 
 Offener Brief an Univ.-Professor Dr. Brigitta Schütt, Univ.-Professor Dr. Klaus Hoffmann-Holland, Professor Peter-André Alt und an die Vertreter_innen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Dr. Jeroen Verschragen), des Deutschen Instituts für Menschenrechte (Board of Directors), des Menschenrechtszentrums Uni Potsdam (Direktoren) Berlin, 26. August 2013 Sehr geehrte Damen und Herren, wir schreiben Ihnen, um unsere Empörung über die Kooperation zwischen der Freien Universität Berlin (FU) und der Hebräischen Universität von Jerusalem (HUJ) im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Graduiertenkollegs
"Human Rights under Pressure - Ethik, Recht und Politik" 
 zum Ausdruck zu bringen.
1
 Es gibt unserer Auffassung nach nichts Ethisches oder Rechtliches an einer Kooperation mit einer akademischen Institution wie der HUJ, die sich systematisch an Verletzungen der Menschenrechte und des Völkerrechts mitschuldig macht. Dies wird nicht zuletzt durch die Kooperation zwischen dem Militärprogramm Talpiot, das in der HUJ entstanden und da beheimatet ist, deutlich.
2
 Wie Sie dem Internetauftritt des israelischen Ministeriums für Verteidigung entnehmen können, stellt dieses Programm eine Initiative dar, in der eine militärische Elite ausgebildet wird, die unter anderem zur Forschung und Entwicklung von militärischen Waffen beitragen soll.
3
 Auch außerhalb der Ausbildung militärischer Eliten und somit der Weiterführung und Perfektion der militärischen Besatzung, ermutigte die HUJ StudentInnen, direkt an militärische Operationen
teilzunehmen. Exemplarisch hierfür können die Operation „
Defensive Shield
 aus dem Jahre 2002 genannt werden, in der StudentInnen, die sich als ReservistInnen den israelischen Streitkräften anschlossen, von der HUJ mit einem Stipendien von NIS 1,500 (300 Euro) gefördert wurden.
4
 Die Ermutigung zur aktiven Teilnahme an Kriegshandlungen wurde auch im zweiten Libanonkrieg 2006 und beim Überfall auf Gaza (OPT) 2008/2009 verfolgt und von der HUJ unterstützt und subventioniert. Dabei erstreckte sich die
1
2
3
4
 
Unterstützung bzw. Subvention von Auszahlung von Stipendien bis über zur Anrechnung von Studienleistung.
5
 Die HUJ eignete sich einen erheblichen Teil des Grundstücks, auf dem sich heute ihr Mount Scopus Campus und ihre Wohnheime befinden, in illegaler Weise an. Am 1. September 1968, etwas mehr als ein Jahr nachdem der Staat Israel seine illegale und andauernde militärische Besatzung des Gazastreifens und der Westbank einschließlich Ost-Jerusalems begann, beschlagnahmten die israelischen Behörden 3345 Dunum palästinensisches Land. Auf einem Teil dieses nach internationalem Recht als besetztes palästinensisches Gebiet definierten Landes wurde der Mount Scopus Campus der Hebräischen Universität erbaut. Israels unilaterale Annektierung des besetzten Ost-Jerusalem und die Anwendung nationalen israelischen Rechts auf diesem Territorium konstituieren Verstöße gegen die Vierte Genfer Konvention und wurden von der internationalen Gemeinschaft, unter anderem durch die UN-Sicherheitsratsresolution 252 vom 21. Mai 1968,
6
 wiederholt verurteilt und für null und nichtig erklärt. Indem die HUJ israelische BürgerInnen (Personal und StudententInnen) veranlasst, auf besetztem palästinensischem Land zu arbeiten und zu leben, verletzt sie in schwerer Weise die genannten Konventionen und Resolutionen. Mit einer Institution zu kooperieren, die sich direkt der israelischen Besatzung der palästinensischen Gebiete mitschuldig macht, kommt einer Befürwortung der Besatzung sowie der schweren Verletzungen der Menschenrechte durch die HUJ gleich. Dieser Umstand bekommt
im Rahmen eines „Forschungsprogramms zu Menschenrechten“
einen besonders bitteren Beigeschmack. Die Zusammenarbeit der FU mit der HUJ steht in direktem Widerspruch zum Aufruf der palästinensischen Zivilgesellschaft zu Boykott, Desinvestition und Sanktionen
7
 gegen den Staat Israel und die mit ihm assoziierten Institutionen aus dem Jahr 2005 (der genau ein Jahr nach dem
Gutachten des Internationalen Gerichtshofs über die Rechtsfolgen des Baus einer Mauer in dem besetzten palästinensischen Gebiet , einschließlich in Ost-Jerusalem und seiner Umgebung, veröffentlich wurde
8
). Dieser Aufruf zielt auf all diejenigen Institutionen und Organisationen ab, die in grobe Verletzungen der Menschenrechte verwickelt sind. Hierzu zählen die Aufrechterhaltung der bislang am längsten andauernden illegalen militärischen Besatzung in der modernen Geschichte, die systematische Diskriminierung der palästinensischen BürgerInnen Israels und die anhaltende Verweigerung des UN-sanktionierten Rechts auf Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge in ihre Häuser und Ländereien im Staat Israel. Von den erfolgreichen Boykottaufrufen gegen das Apartheidregime in Südafrika inspiriert, stellt dieser Aufruf eine gewaltfreie und moralisch konsistente Strategie dar, um Israel zur Einhaltung der Menschenrechtsstandards zu bewegen wie dies von allen Nationen erwartet wird - den gleichen Werten, die Ihr Graduiertenkolleg zu erforschen sucht. Als Teil dieses Boykottaufrufs haben die PalästinenserInnen die akademische Gemeinschaft weltweit aufgerufen, von jeglicher Form wissenschaftlicher und kultureller Kooperation, von Zusammenarbeit oder gemeinsamen Projekte mit staatlich finanzierten israelischen Institutionen abzusehen. Dieser Aufruf gilt so lange, bis Israel internationalem Recht und den universellen Prinzipien der Menschenrechte nachkommt und sich aus in 1967 besetzen Ländern, einschließlich Ost-Jerusalem, zurückzieht, alle seine Siedlungen in diesen Ländern räumt und die Mauer abreißt, die Resolutionen der Vereinten Nationen bezüglich der Wiederherstellung der Rechte palästinensischer Flüchtlinge akzeptiert, und den palästinensischen BürgerInnen Israels volle und gleiche Rechte gewährt.
5
6
7
8

Ihre Neugier belohnen

Alles, was Sie lesen wollen.
Jederzeit. Überall. Auf jedem Gerät.
Jederzeit kündbar
576648e32a3d8b82ca71961b7a986505