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Drucksache 17/3256

Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Quelle: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/032/1703256.pdf

Abgeordneter Wolfgang Gunkel (SPD) Wie bewertet die Bundesregierung das Vorgehen des deutschen Baustoffkonzerns „HeidelbergCement“ im Nahal-Raba-Steinbruch im Westjordanland, und welche Maßnahmen wird die Bundesregierung im Falle einer völkerrechtswidrigen Ausbeutung des Steinbruchs ergreifen?

Antwort der Staatsministerin Cornelia Pieper vom 6. Oktober 2010 Die Bundesregierung ist bemüht, im Rahmen von Recherchen der zuständigen deutschen Auslandsvertretungen und der Konzernzentrale von HeidelbergCement den Sachverhalt in Bezug auf die Nutzung des Nahal-Raba-Steinbruchs durch eine israelische Tochterfirma des Baustoffkonzerns HeidelbergCement zu klären. Die rechtliche Situation in den von Israel besetzten Gebieten ist wegen überlappender Rechtsordnungen und Eigentumstitel komplex. Nach Auffassung der Bundesregierung ist Israel in den besetzten Gebieten an das humanitäre Völkerrecht, insbesondere die Haager Landkriegsordnung vom 18. Oktober 1907 und das IV. Genfer Abkommen vom 12. August 1949 zum Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten, gebunden. Gegenwärtig ist eine Klage der israelischen Nichtregierungsorganisation „Yesh Din“ vor dem Obersten Gerichtshof in Israel anhängig. Beklagte sind sowohl israelische Firmen, die im Westjordanland nicht erneuerbare Rohstoffe abbauen, als auch die israelische Regierung. Die Klageschrift argumentiert u. a., der Rohstoffabbau verstoße gegen das humanitäre Völkerrecht. In der Hauptsache ist das Verfahren noch anhängig. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist eine abschließende rechtliche Bewertung des Engagements der israelischen Tochterfirma von HeidelbergCement im Westjordanland nicht möglich. Sachverhaltsklärung und rechtliche Prüfung dauern an. Die Bundesregierung wird das Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof in Israel weiter aufmerksam verfolgen.