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Leben bis zum Schluss Abschiednehmen und würdevolles Sterben – eine persönliche Streitschrift von Petra Thorbrietz
Leben bis zum Schluss Abschiednehmen und würdevolles Sterben – eine persönliche Streitschrift von Petra Thorbrietz

Leben bis zum Schluss

Abschiednehmen und würdevolles Sterben – eine persönliche Streitschrift

von Petra Thorbrietz

Informationen zur Ausgabe

Gebundene Ausgabe: 174 Seiten Verlag: Zabert Sandmann Erscheinungsjahr: 2007 ISBN: 3-89883-186-4 Preis: 16,95 €

Zur Autorin

Dr. Petra Thorbrietz ist als Autorin, Moderatorin und Regisseurin tätig und hat zuletzt als stellvertretende Chefredakteurin für die Zeitschrift „Focus Schule“ gearbeitet. Für ihre Arbeit hat sie bereits mehrere Preise erhalten. Heute schreibt Thorbrietz vor allem zu Themen aus Wissenschaft und Gesundheit.

Darum geht es im Buch

Wer an einer tödlichen Krankheit leidet, braucht jede Hilfe, die er bekommen kann. Medizinischer Beistand allein reicht aber nicht aus, der Kranke braucht darüber hinaus viel emotionale Zuwendung und Zeit. Diese Leistung kann unser Gesundheitssystem nicht erbringen, und so bleibt der Patient viel zu sehr sich selbst und seinen Liebsten überlassen – eine schreckliche Belastung, die das Sterben noch schwerer und leidvoller macht.

Nutzwert der Infos aus dem Buch

THEORETISCH PRAKTISCH
THEORETISCH
PRAKTISCH

Anwendbarkeit/Umsetzbarkeit der Inhalte/Tipps

NIEDRIG HOCH
NIEDRIG
HOCH

Petra Thorbrietz erzählt in ihrem Buch vom Tod ihres Mannes, bettet dieses Erlebnis aber in eine Darstellung des Alltags in deutschen Klinken ein. Sie tritt dabei vehement für Menschlichkeit im Umgang mit Kranken ein.

Themen, die das Buch behandelt

Themen

behandelt

behandelt

ja

nein

Krebs

x

 

Krankenkasse

x

 

Notaufnahme

x

 

Palliativmedizin

x

 

(Sterbebegleitung)

Pharmaindustrie

 

x

Sterbehilfe

x

 

Das können Sie aus dem Buch lernen

Die Themen „Tod“ und „Sterben“ sind in unserer Gesellschaft stark tabuisiert, mit den Alten und Kranken will keiner etwas zu tun haben.

Nur wenige Menschen sterben einen „schönen Tod“ in ihrem eigenen Bett – viele erleben ihre letzten Stunden unter unmenschlichen Bedingungen in Kliniken und Heimen.

Die Würde des Menschen scheint im Angesicht des Todes sehr wohl antastbar zu sein, und genau dagegen müssen wir uns wehren.

Der Tod muss wieder als natürlicher Bestandteil des Lebens akzeptiert und Sterbenden mehr Respekt entgegen gebracht werden. Themen wie „aktive Sterbehilfe“ müssen offen diskutiert werden.

Jeder hat das Recht auf ein Lebensende ohne Schmerzen und einen – so weit dies möglich ist – selbstbestimmten Tod. Auch die Angehörigen sollten nicht sich selbst überlassen bleiben.

Eine Förderung der Palliativmedizin und des Hospizwesens könnte diese Probleme lösen und das Sterben humaner machen.

Schneller Überblick

Immer wieder erfahren Patienten zwischen Tür und Angel von übermüdeten Ärzten, dass sie an einer tödlichen Krankheit leiden.

In dieser Situation fühlen sich die meisten von den Verantwortlichen allein gelassen. Es gäbe unzählige Therapiemöglichkeiten, doch der Arzt überlässt die letzte Entscheidung oft dem Laien.

Die Verantwortung will im Gesundheitssystem schon lange keiner mehr übernehmen – vorbei die Zeit, in der die Ärzte ihre Patienten noch an die Hand nahmen.

In deutschen Kliniken treffen verschiedenste Interessen aufeinander, und fast immer ist der Patient der Verlierer. Meist geht es nicht darum, ob die Behandlung dem Patient nutzt, sondern ob sie möglich ist.

Die Medizin ist heute in der Lage, das Leben zu verlängern, doch gerade bei Todkranken verlängert sich so auch das Leid. Patienten werden zu Tode kuriert.

Dieser Trend muss gestoppt werden, der Mensch sollte wieder mehr im Zentrum stehen – Ethik und Medizin müssen gemeinsam entscheiden, wann es keinen Sinn mehr ergibt, ein Leben zu erhalten.

Leseprobe/Zitate

„Ärzte kämpfen gegen den Tod, mit allem, was sie aufbieten können. Fast immer haben sie noch eine letzte Chance, können dem Leben ein paar Stunden oder Tage abringen, manchmal mehr. Krebspatienten sterben nicht mehr an ihrem Tumor, sondern an den Folgen der

Chemotherapie oder Bestrahlung. (

Meist lässt erst der Verzicht auf

eine weitere medizinische Behandlung den Tod zu.“

)

„Wir haben einfach vertraut. Vor allem János. Mit der Chemotherapie angefangen, obwohl uns einige davon abgeraten hatten. Kein Zweitgutachten eingeholt, weil die Zeit zu knapp schien. Ich hatte auch nicht im Internet recherchiert, weil ich zum ersten Mal Angst hatte, dass mich widersprüchliche Informationen nur verunsichern würden. ( ) Hätte man nicht oder Was wäre gewesen, wenn – diese Fragen habe ich erst gestellt, als János schon tot war ( ).“

„Erst hoffte ich, Du würdest zu den wenigen Menschen gehören, die

den Lungenkrebs überwinden (

wenigstens gelingen, Deine endlosen Schmerzen zu besiegen. ( ) Dann flehte ich stumm, Du solltest meine Hand spüren, die Deine hielt, und vielleicht ihren sanften Druck erwidern. Und dann dachte ich nur

Dann bat ich die Ärzte, es möge

).

noch, hoffentlich kannst Du ohne Angst

sterben.“

S. 25

S. 64

S. 121

Rezension

Das Leben lieben! Und dennoch – oder gerade deshalb – den Tod akzeptieren!

Dies ist die Botschaft von Autorin Petra Thorbrietz, die dem Leser begreiflich machen will, dass auch der Tod zum Leben gehört, und für dessen Enttabuisierung eintritt. Der Tod spielt für die meisten von uns im täglichen Leben keine Rolle, und doch werden wir gerade im Sterben die wohl intensivsten Momente unserer Existenz erleben: Wen haben wir geliebt, und was war uns wichtig? Was bleibt, wenn wir gegangen sind? Thorbrietz tritt daher ein für eine neue „Kultur des Sterbens“, für mehr Menschlichkeit im Umgang mit Sterbenden, für das Recht auf ein Lebens- ende ohne Schmerzen und, nicht zuletzt, für eine neue Diskussion des höchst umstrittenen und schwierigen Themas Sterbehilfe.

Zunächst berichtet Thorbrietz vom Zustand unseres Gesundheitssystems (siehe Mindmap A) und zieht ein beunruhigendes Fazit: Die Ärzte haben keine Zeit mehr für ihre Patienten, zu viel Bürokratie verschlingt ihre Energie. Der hippokratische Eid verlangt ihnen ab, Leben zu retten – und zwar oft um jeden Preis. Da wird

Todkranken mit immer neuen Therapiemöglichkeiten weiter Hoffnung gemacht, da wird mit dem Leben auch so manches Mal das Leid verlängert. Menschlichkeit hat schon lange keinen Platz mehr im Klinikalltag; und so fühlen sich die Patien- ten allein gelassen.

Zwar ist die Medizin in Deutschland technisch gesehen auf dem neuesten Stand, es mangelt den Leistungsträgern im Gesundheitssystem aber an der wichtigsten Ressource: Zeit. So kommt es auch, dass den Sterbenden kaum jemand Aufmerksamkeit schenkt. Sie werden als Last für das System wahr- genommen, und man hofft, sie möglichst bald unter die Erde bringen zu können. Das ist vielleicht etwas überspitzt dargestellt, im Grunde trifft es die Verhältnisse aber ganz gut. Wie sonst lässt es sich erklären, dass jährlich 3.000 chronisch Kranke in Deutschland Selbstmord begehen, weil sie keine ordentliche Schmerztherapie erhalten und höllische Qualen erleiden, oder dass viele Krebspatienten im Endsta- dion in die Niederlande oder die Schweiz flüchten, um sich dort in die Hände eines Sterbehilfeinstituts zu begeben. Und auch hierzulande wird die Diskussion über ein Recht auf Sterbehilfe immer wieder laut. Der Grund ist darin zu sehen, dass die Menschen Angst haben, irgendwann unter unwürdigen Bedingungen sterben zu müssen, und sich daher wünschen, den Zeitpunkt ihres Todes selbst bestimmen zu können – solange sie dazu noch in der Lage sind (siehe Mindmap B).

Doch ginge es auch anders, davon ist Thorbrietz überzeugt: Und so ist „Leben bis zum Schluss“ nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern auch ein leidenschaft- liches Plädoyer für ein humaneres Sterben. Gesellschaft und Medizin müssen sich endlich der Tatsache bewusst werden, dass Überleben kein Wert an sich ist. Wenn der Tod unausweichlich wird, ist es wichtiger, den Menschen seelisch und körperlich zu stabilisieren, und ihm so ein angst- und schmerzfreies Ende zu ermöglichen. Leisten könnten dies Palliativmedizin und Hospizwesen – das Netz müsste nur engmaschiger werden, damit nicht mehr so viele Todkranke durch das Raster rutschen und in anonymen Klinikbetten sterben müssen (siehe Mindmap C).

Thorbrietz liefert in ihrem Buch nicht nur einen detaillierten theoretischen Überblick über das Thema Sterben, sondern berichtet dem Leser auch von ihren persönlichen Erfahrungen mit dem Tod. Vor drei Jahren hat sie ihren Mann János verloren; „Leben bis zum Schluss“ ist daher auch ein sehr persönlicher Abschied von ihm. Er litt unter einer schnell verlaufenden Krebsform und verstarb bereits 144 Tage nach der Diagnose. In dieser Zeit ging der Mittfünziger durch die Hölle – und die Autorin mit ihm. Sie lernten die Willkür und Anonymität des deutschen Gesundheitssystems schmerzhaft am eigenen Leib kennen:

Der Hausarzt ließ die beiden allein mit der Diagnose, schickte sie weiter in die Klinik. Auf Vermittlung eines Bekannten hin konnte János am Uniklinikum behandelt werden.

Die Klinikärzte nahmen sich kaum Zeit für den Todkranken, sogar die Wahl der Therapieform überließ man ihm und seiner Frau.

Obwohl János von Anfang an unter starken Schmerzen litt, dauerte es mehrere Wochen, bis ein Palliativarzt sich um ihn kümmerte und seine Schmerzen – wenn auch unwesentlich – linderte.

Die Chemotherapie verlief erfolglos, vor allem weil die Ärzte den Krebsherd nicht klar ausmachen konnten; János’ Chancen verschlechterten sich täglich.

Erst als János’ Rückgrat anfing zu zerfallen, wurde die Chemotherapie abgebrochen. Es war aber eigentlich vorher schon klar, dass er den Krebs nicht würde besiegen können.

Vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Geschichte fordert die Autorin Ärzte, Pfleger und Schwestern, aber auch die Gesellschaft zu mehr Ehrlichkeit und Respekt gegenüber den Sterbenden auf, um jedem Menschen bis zum Schluss ein humanes Leben ermöglichen zu können. Das Sterben muss menschlicher werden!

Das Mindmap zu „Leben bis zum Schluss“

Themenschwerpunkte im Überblick:

Tage voller Leben statt Überleben um jeden Preis!

A B Der medizinische Status quo Der Tod Leben bis zum Schluss C Menschlicher sterben
A
B
Der medizinische
Status quo
Der Tod
Leben bis
zum
Schluss
C
Menschlicher sterben
Im Folgenden erhalten Sie ei nen Einblick in den Alltag an deutsc hen Kliniken. Im

Im Folgenden erhalten Sie einen Einblick in den Alltag an deutschen Kliniken. Im Anschluss daran dreht sich alles um das Thema Sterben in Deutschland, bevor schließlich ein paar Vorschläge gemacht werden, wie der Tod ein etwas humaneres

Gesicht bekommen könnte.

bevor schließlich ein paar Vorschläge gemacht we rden, wie der Tod ei n etwas humaneres Gesicht

Das Mindmap zu „Leben bis zum Schluss“

Themenschwerpunkte im Detail:

Von überforderten Ärzten und ratlosen Patienten

A – Der medizinische Status quo

Die Ärzte:

Mediziner sind an Kliniken oft völlig überfordert. Neben ihrer Arbeit als Arzt müssen sie viel Bürokratie bewältigen.

Karrierezwang und der tägliche Kampf mit den Krankenkassen sowie Vorgaben der Klinikleitung bezüglich der Geräteauslastung kosten den Arzt zudem Kraft und Nerven.

Prinzipiell bieten Unikliniken die beste Versorgung, die Gefahr, Opfer von persönlichem oder wissenschaftlichem Ehrgeiz zu werden, ist hier aber auch am größten.

Die fehlende Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und dem Klinikpersonal ist äußerst negativ zu bewerten – jeder kocht sein eigenes Süppchen, der Patient muss als Laie vermitteln.

Der medizinische Status quo

Die Patienten:

Das Vertrauen der Laien in die Medizin nimmt eher ab, schuld daran sind die unüberschaubare Vielzahl von Behandlungsmög- lichkeiten und die fehlende Unterstützung durch den Arzt. Viel zu oft werden Patienten mit Entscheidungen bezüglich ihrer Behandlung allein gelassen.

Für Menschen in Pflegeheimen ist prinzipiell zu wenig Zeit. Sterbende sind für das Gesundheitssystem nur eine Last, schließlich sind die letzten zwölf Lebensmonate eines Menschen am kostenintensivsten.

70 Prozent der Menschen sterben unter fragwürdigen Bedingungen in Kliniken und Heimen und werden dann schnell „entsorgt“.

Das medizinische Ethos: • Medizin versucht heute, Leben zu erhalten – und zwar um jeden
Das medizinische Ethos:
• Medizin versucht heute, Leben zu erhalten – und zwar um jeden Preis. Da sich das
Leben aber auch durch modernste Techniken und Medikamente nicht unendlich
verlängern lässt, sterben Todkranke nun nicht mehr an ihren ursprünglichen
Leiden, sondern an den Folgen der Behandlungsmethoden, zum Beispiel einer
Bestrahlung. Der Preis für die so gewonnene Lebenszeit ist unter Umständen
enorm hoch.
• Ärzte verlängern also unter Umständen nicht nur das Leben, sondern auch das
Leiden ihrer Patienten. In einer Atmosphäre der Sterilität und Anonymität stirbt der
Patient erst durch Behandlungsverzicht und damit quasi auf Raten.
• Gesellschaft und Medizin müssen sich eingestehen, dass Überleben kein Wert an
sich ist. Irgendwann ist es Zeit, mit der Behandlung eines Todkranken aufzuhören.
Natürlich gibt es auch Ärzte, die ni cht nur ihre Karriere oder die finanzielle Rentabilität

Natürlich gibt es auch Ärzte, die nicht nur ihre Karriere oder die finanzielle Rentabilität der Behandlung im Blick haben, leider trifft man sie aufgrund des ständig

steigenden Drucks durch Krankenkassen und Gesetzgeber immer seltener an.

leider trifft m an sie aufgrund des ständig steigenden Drucks durch Krankenkassen und Gesetzgeber immer seltener

Das Mindmap zu „Leben bis zum Schluss“

Themenschwerpunkte im Detail:

Früher oder später trifft es jeden!

B – Der Tod

Todesursachen:

25 Prozent aller Deutschen sterben an Krebs. Bis zuletzt kämpfen viele von ihnen dagegen an – oft ist dabei schon lange klar, dass die Krankheit tödlich verlaufen wird. Eine ganzheitliche Betreuung des Kranken wäre oft sinnvoller.

80 Prozent der Senioren, die in Heimen leben, leiden unter chronischen Schmerzen, sind aber nicht ausreichend mit Schmerzmitteln versorgt. Die daraus resultierende Unruhe wird oft fälschlich als Zeichen von Demenz gewertet. Nahrungsverweigerung ist für Betroffene die letzte Möglichkeit der Selbstbestimmung. Doch auch diese wird ignoriert, indem der Patient mit einer Magensonde ausgestattet wird.

Todesumstände:

Wir alle wünschen uns einen schmerzlosen und möglichst schnellen Tod – am besten im eigenen Bett.

Dieses Schicksal ist aber nur wenigen Menschen bestimmt. 50 Prozent sterben in der Klinik, 25 Prozent in Heimen – und das oft unter unmenschlichen Bedingungen, etwa allein und unter Schmerzen auf dem Klinikflur vor der Besuchertoilette.

Viele Todkranke wünschen sich daher, ihren Todeszeitpunkt selbst bestimmen zu können. Immer wieder wird so die Diskussion um Sterbehilfe laut – doch sie bringt große Risiken mit sich. Eine inflationäre Verwendung steht zu befürchten.

Der Tod

Sterbehilfe: • Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten. Es gibt aber drei Möglichkeiten, dem todkranken
Sterbehilfe:
• Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten. Es gibt aber drei Möglichkeiten, dem
todkranken Patienten den Wunsch zu sterben doch zu erfüllen. Dies ist möglich durch
Unterlassen oder Unterbrechen einer ärztlichen Behandlung wie etwa einer Beatmung,
durch Inkaufnahme eines früheren Todeszeitpunkts beim Bekämpfen von Symptomen
oder durch Beschaffung eines Mittels, mit dem der Patient sich das Leben nehmen kann.
• Die juristische Grenze zwischen Am-Leben-Erhalten und Sterbenlassen ist
verschwommen, doch den Ärzten ist auch diese passive Sterbehilfe durch ihr
Standesrecht verboten. Mittlerweile gibt es aber bezüglich des selbstbestimmten Todes
zwei Grundsatzurteile: 1994 entschieden Richter, dass eine ärztliche Entscheidung, die
das Sterben ermöglicht, grundsätzlich zulässig ist, wenn sie dem Willen des Patienten
entspricht. 2003 wurde gerichtlich festgesetzt, dass der Patientenwille prinzipiell zu
achten ist. Er muss im Zweifel allerdings von einem Vormundschaftsgericht geprüft
werden.
Der hippokratische Eid verlangt vom Arz t, Leben zu retten. Unter Umständen macht sich der

Der hippokratische Eid verlangt vom Arzt, Leben zu retten. Unter Umständen macht sich der Mediziner aber gerade dadurch strafbar, wenn er nämlich einen Patienten

gegen dessen Willen am Leben erhält – ein echtes Dilemma.

gerade dadurch strafbar, wenn er nämlich einen Patienten gegen dessen Willen am Leben erhält – ein

Das Mindmap zu „Leben bis zum Schluss“

Themenschwerpunkte im Detail:

Mehr Respekt vor dem Ende tut not!

C – Menschlicher sterben

Patientenverfügung:

8 Millionen Deutsche haben eine Erklärung über ihren Willen als Patienten abgegeben. Sie setzen darin eine Grenze, nach der sie keine lebenserhaltenden Maßnahmen oder künstliche Ernährung mehr wünschen.

Da viele diese Patientenverfügung aber nur machen, um ihre Angehörigen im Notfall moralisch zu entlasten, ist ihre Reichweite prinzipiell umstritten.

Natürlich hat jeder Kranke Anspruch darauf, dass man seine Wünsche respektiert. Doch wer kann heute schon wissen, wie er sich entscheiden würde, wenn er übermorgen im Koma läge?

Der Dialog zwischen Angehörigen und Ärzten bietet die größte Sicherheit, sinnlose Behandlungen zu vermeiden.

Menschlicher sterben

Palliativmedizin:

Wenn der Tod unausweichlich wird, leiden viele Menschen unter schlimmen Schmerzen. Hier kann die Palliativ- medizin Abhilfe schaffen, sie will nämlich nicht mehr heilen, sondern nur noch lindern.

Seelsorger und Psychotherapeuten, Ärzte und Pfleger, Masseure und Physio- wie Atemtherapeuten arbeiten auf Palliativstationen eng zusammen, um den Patienten zu stabilisieren und ihm ein möglichst angenehmes Ende im Kreis seiner Lieben zu ermöglichen.

Leider haben viel zu wenig Patienten die Möglichkeit, sich palliativmedizinisch versorgen zu lassen, obwohl fast ein Viertel aller Sterbenden dringend darauf angewiesen wäre. Jährlich begehen fast 3.000 Menschen Selbstmord, weil sie ihre Schmerzen nicht mehr ertragen.

Ein Ausbau der palliativmedizinischen Versorgung ist unbedingt erforderlich. Da diese durchaus auch stationär erfolgen kann, dürfte dies auch nicht allzu schwer fallen.

Eine sinnvolle Palliativmedizin macht Sterbehilfe meistens überflüssig.

Hospize: • Alleinstehende Personen, die in einem angenehmen Umfeld jenseits der Klinikanonymität sterben möchten,
Hospize:
• Alleinstehende Personen, die in einem angenehmen Umfeld jenseits der Klinikanonymität
sterben möchten, können sich einen Platz in einem Hospiz suchen.
• Hier geht es darum, den letzten Tagen viel Leben und Freude zu verleihen. Die
Todkranken werden intensiv gepflegt und betreut, oft gibt es die Möglichkeit, sich mit
freiwilligen Helfern zu unterhalten.
• Da der Schwerpunkt im Hospiz auf spiritueller Begleitung liegt, kommt die
Schmerzbehandlung leider oft zu kurz. Dieser Schwachpunkt muss in Zukunft beseitigt
werden.
• Eine Kombination aus Palliativmedizin und Betreuung im Hospiz könnte in Zukunft vielen
Sterben ist ein wichtiger und natürlicher Te il der menschlichen Existenz. Damit wir unsere letzten

Sterben ist ein wichtiger und natürlicher Teil der menschlichen Existenz. Damit wir unsere letzten Stunden ruhig und angstfrei erleben können, müssen Gesellschaft und Medizin sich intensiv mit dem Tod auseinander setzen und neue Wege

einschlagen – hoffentlich bald.

Gesellschaft und Medizin sich intensiv mit dem Tod auseinander setzen und neue Wege einschlagen – hoffentlich

Literaturtipps

Nikolaus Nützel, Gesundheitspolitik ohne Rezept, dtv 2007, ISBN:

3423246146 (Hier geht’s zum ShortBook!).

Michael Schomers, Todsichere Geschäfte, Econ 2007, ISBN: 343030038X.

Peter Waldbauer, Die Bestattungsmafia, Herbig 2007, ISBN: 3776625309 (Hier geht’s zum ShortBook!).

Gunda Wöbken-Ekert, So viele Tage ohne dich, Herder 2007, ISBN:

3451293846.

Doris Wolf, Einen geliebten Menschen verlieren. Vom schmerzlichen Umgang mit der Trauer, Pal 2000, ISBN: 3923614489.

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