Erklärung des ECCP (European Coordination of Committees for Palestine): Die EU muss ein erneutes Massaker in Gaza verhindern

Das ECCP (die europäische Koordination von Komitees und Verbänden für Palästina) fordert die EU dringend auf, bei den israelischen Behörden zu intervenieren, um die am Mittwochnachmittag begonnene Operation "Säule der Verteidigung" umgehend zu beenden. Die Operation "Säule der Verteidigung" muss im breiteren Kontext der de-facto-Besetzung und der anhaltenden illegalen Blockade des Gazastreifens gesehen werden, der eine Form der wirtschaftlichen und politischen Kriegsführung darstellt, und der tief verwurzelten inhärenten Asymmetrie zwischen Israel und der palästinensischen Bevölkerung in Gaza. Entgegen israelischer Behauptungen hat die Eskalation der Gewalt nicht am 10. November mit dem Abfeuern von Panzerabwehrgeschossen auf einen israelischen Patrouillen-Jeep durch die Palästinenser angefangen. OCHA (Office for the Coordination of Humanitarian Affairs der UNO) berichtet in seinem wöchentlichen Report zum Schutz von Zivilisten (31.10.-06.11.2012), dass "am 4. November in einem Beobachtungsturm stationierte israelische Streitkräfte einen 23-jährigen geistig behinderten Palästinenser erschossen haben... erst zwei Stunden später wurde nach Absprache mit dem israelischen Militär ein palästinensischer Krankenwagen an den Ort vorgelassen". Die Informationen aus dem neuesten Bericht der OCHA bestätigen, dass der von den Ägyptern vermittelte Waffenstillstand von Israel gebrochen wurde: "am 8. November haben israelische Streitkräfte, nachdem sie östlich von Khan Younis nach Gaza eingedrungen waren, auf offenem Gelände das Feuer eröffnet und einen 13-jährigen Jungen erschossen. Erste Schilderungen von Menschenrechtsorganisationen deuten darauf hin, dass der Junge in der Nähe seines Zuhauses spielte, wobei der Grund für den Beschuss unklar blieb. Später am gleichen Tag wurde im gleichen Gebiet ein israelischer Soldat durch eine palästinensische Mörsergranate verletzt, die auf eine israelische Grenzpatrouille abgefeuert wurde." Seitdem hat Israel unverhältnismäßige Gewalt durch Luftangriffe mit Drohnen und durch Marineangriffe auf den winzigen, dicht bevölkerten Gazastreifen angewendet, wo es keinerlei sichere Unterkünfte oder Luftschutzbunker gibt. Sogenannte "gezielte Präzisionsangriffe" sind unmöglich und können nur zum Tod unschuldiger Zivilisten führen, wie schon während der Operation "Gegossenes Blei" 2008-9. Der Ausgang israelischer Militäraktionen ist vorhersehbar: vor allem werden palästinensische Zivilisten getroffen werden, viele davon Kinder und Jugendliche, da 54 % der Bevölkerung Gazas jünger als 18 ist. Lebenswichtige Infrastruktur wird zerstört werden, und die humanitäre Krise wird sich verschlimmern. Die EU und ihre Mitgliedsstaaten müssen eingreifen, um dies zu verhindern. Ungerechtfertigte Morde und wahllose und unverhältnismäßige Angriffe gegen Zivilisten zum Erreichen politischer Ziele sind weder hinnehmbar noch durch internationales Recht gedeckt und sollten strengstens verurteilt werden. Granaten und Bombardierungen werden der Region weder Ruhe noch Frieden bringen. Eine nachhaltige und umfassende Lösung des Konfliktes kann nur erreicht werden, wenn internationales humanitäres Recht und UN-Resolutionen vollständig eingehalten werden. Das ECCP fordert die EU und seine Mitgliedsstaaten nachdrücklich dazu auf, bei Israel zu intervenieren, um ein bereits jetzt einem zweiten "Gegossenes Blei" ähnliches Desaster zu verhindern. Die EU muss alle ihre zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen - einschließlich politischen und wirtschaftlichen Drucks bis hin zu Sanktionen - um ein erneutes Massaker und einen möglichen neuen Krieg in der Region zu verhindern. Mit freundlichen Grüßen Pierre Galand, Vorsitzender