Sie sind auf Seite 1von 91

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet Dieter Kronegger Oktober 2006 Erstellt im Auftrag des Bundesministeriums für

Dieter Kronegger

Oktober 2006

Erstellt im Auftrag des Bundesministeriums für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 5

1 Festnetz 7

1.1 Telefonnetz 7

1.1.1 Grundlagen

1.1.2 Netzausbau 8

7

1.1.3 Entbündelung

9

1.2 Kabelfernsehnetze

11

1.3 Glasfasernetze

12

1.4 Funknetze 13

1.5 Im Festnetz angebotene Dienstleistungen

13

1.5.1 Telefonie

14

1.5.2 Internet 14

1.5.3 Fernsehen 14

1.6 Universaldienst 18

1.6.1 Was ist Universaldienst? 18

1.6.2 Zugang zum öffentlichen Telefonnetz

18

1.6.3 Betreiberübergreifendes Teilnehmerverzeichnis

19

1.6.4 Betreiberübergreifender Auskunftsdienst

19

1.6.5 Flächendeckende Versorgung mit öffentlichen Sprechstellen 19

1.7 Was beim Vertragsabschluss zu beachten ist 20

1.7.1 Festnetz oder Mobilnetz? 20

1.7.2 Abschätzung der monatlichen Gesamtkosten 21

1.7.3 Können Dienste anderer Anbieter genutzt werden? 21

1.7.4 Angebot von Netzzugang und Inhaltsdiensten im Paket

21

1.8

Checkliste Festnetz

22

2 Mobilnetz

24

2.1

Verschiedene Anbieter

24

2.1.1 Netzbetreiber 24

2.1.2 Virtuelle Netzbetreiber und Servicebetreiber 24

2.1.3 Andere Betreiber

25

2.2 Angebotene Dienstleistungen 25

2.2.1 Telefonie

25

2.2.2 SMS

27

2.2.3 Internetzugang und Inhaltsdienste

28

2.2.4 Roaming 29

2.2.5 Postpaid-Vertrag oder Prepaid-Wertkarte

30

2.3 Kostenfalle Handy

31

2.4 Checkliste Mobilnetz

32

3 Telefonie 33

3.1 Angebotene Dienstleistungen 33

3.1.1

3.1.2 Telefonie über den Anbieter des Telefonanschlusses 34

3.1.3 Verbindungsnetzbetrieb

3.1.4 Calling Cards 36

33

Überblick

34

3.1.5 Auslandstelefonate über Mehrwertdienste

36

3.1.6 Internet-Telefonie

37

3.2

Besondere Rechtsvorschriften

38

3.2.1 Einzelentgeltnachweis 38

3.2.2 Rufnummernmitnahme (Portierung)

39

3.2.3 Rufnummernanzeige

40

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

 

3.2.4 Teilnehmerverzeichnis

41

3.2.5 Unerbetene Anrufe, Faxe und SMS

41

3.3

Telefonnummern

42

3.4

Taktung

44

3.5

Checkliste Telefonie

45

4 Internetdienste 47

4.1 Einleitung 47

4.2 Unterscheidungskriterien für Internetzugänge 47

4.2.1 Geschwindigkeit

48

4.2.2 Verkehrsvolumen

48

4.2.3 IP-Adressen

50

4.2.4 Einzelplatz- oder Netzwerkzugang

51

4.2.5 Servicequalität 51

4.3 Verschiedene Technologien des Internetzugangs 52

4.3.1 Dial-up-Zugang über das Telefonnetz 52

53

4.3.3 Breitbandinternet über Kabelfernsehnetze 54

4.3.4 Glasfaser (Fiber to the Home) 54

4.3.5 Internet über das Stromnetz (Powerline) 55

4.3.6 Drahtlose Internetzugänge (Festnetz) 55

4.3.2 Breitbandinternet

über die Telefonleitung (DSL)

4.3.7 Internetzugang über Mobiltelefonnetze

56

4.4

Angebotene Dienste im Internet

56

4.4.1 Domainnamen 57

4.4.2 Webhosting

4.4.3 E-Mail-Dienste 58

59

57

4.5 Besondere Rechtsvorschriften

4.5.1 Einzelentgeltnachweis 59

4.5.2 Spam

59

4.5.3 Impressum und Offenlegung

60

4.6 Checkliste Internet 60

5 Mehrwertdienste

62

5.1 Rechtlicher Hintergrund: Vertragsverhältnisse

62

5.2 Informationspflichten

64

5.3 Sperre von Mehrwertrufnummern 65

5.4 Dialer 65

5.5 M-Commerce, Bezahldienste

67

5.6 Mehrwert-SMS

67

5.7 Vorgangsweise bei Streitfällen

68

6 E-Commerce

70

6.1 Überblick

70

6.2 Vertragsabschluss im Internet

70

6.3 Informationspflichten

72

6.3.1 Bestimmungen zum Fernabsatz im Konsumentenschutzgesetz 72

6.3.2 Informationspflichten nach dem E-Commerce-Gesetz

73

6.4

Rechte der Konsumenten beim Fernabsatz

74

6.4.1 Allgemeines 74

6.4.2 Rücktrittsrecht

75

6.4.3 Lieferung binnen 30 Tagen

75

6.4.4 Schutz vor Missbrauch von Kreditkarten 75

6.5

Auktionen im Internet

76

6.5.1

Konsument oder Unternehmer?

76

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

6.5.2 Strittige Rechtsfragen 76

6.5.3 Rechtsprobleme in der Praxis

77

6.5.4 Bewertungen anderer Nutzer

77

6.6 Sicherheit im Internet

78

6.6.1 Phishing

78

6.6.2 Betrug 80

Anhang

82

Überblick über konsumentenrelevante Rechtsvorschriften

82

Telekommunikationsgesetz 2003 (TKG 2003)

82

Konsumentenschutzgesetz (KSchG)

82

Kommunikationsparameter-, Entgelt- und Mehrwertdiensteverordnung (KEM-V)83

Einzelentgeltnachweis-Verordnung (EEN-V) 83

Abkürzungsverzeichnis

84

Glossar

85

Weiterführende Informationen

86

Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz 86

Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH)

86

Internet Ombudsmann

87

Tarifinformationen

87

Rechtsinformationen

87

Adressen

88

Stichwortverzeichnis 90

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

1

Einleitung

Die Welt der Telekommunikation hat sich in den letzten Jahren maßgeblich verändert. Der technische Fortschritt und das Ende der früher bestehenden Monopole hat bestehende Dienstleistungen massiv verbilligt und eine Vielzahl neuer Dienstleistungen hervorgebracht. Dieser Leitfaden bietet einen Überblick über die verschiedenen angebotenen Dienstleistungen, ihre Vorteile und Nachteile.

Einer der wesentlichen aktuellen Trends ist die Konvergenz, das Zusammenwachsen der bisher verschiedenen Netze und Dienste. Über das bestehende Telefonnetz können nun auch Internetzugänge und seit kurzem sogar Fernsehen realisiert werden. Schon seit einigen Jahren kann man über viele Kabelfernsehnetze auch Telefonie und Internetzugang in Anspruch nehmen.

Dieser Leitfaden ist daher so gegliedert, dass zunächst die verschiedenen Netzzugänge dargestellt werden. Kapitel 1 widmet sich den angebotenen Festnetzzugängen. Kapitel 2 befasst sich mit den angebotenen Mobilnetzen.

Anschließend werden die verschiedenen Dienstleistungen dargestellt, die über diese Netze angeboten werden.

In Kapitel 3 werden die Telefoniedienstleistungen behandelt. Dieser Bereich hat sich in den letzten Jahren wohl am stärksten geändert. Vor zehn Jahren war für viele Haushalte das Telefon der einzige Telekommunikationsdienst und Telefonieren war teuer. Inzwischen sind die Preise vor allem im Festnetz enorm gefallen. Der langfristige Trend geht dahin, dass Telefonie zu einem festen monatlichen Entgelt ohne Verbindungsentgelte als Zusatzleistung zu Breitbandinternet oder Fernsehen angeboten wird. Das, was sich viele Konsumenten durch die fallenden Preise im Festnetz erspart haben, geben sie nun zusätzlich für Mobiltelefonie aus. Obwohl die Preise fallen, wird von Jahr zu Jahr mehr telefoniert und in Summe auch immer mehr dafür ausgegeben.

Kapitel 4 widmet sich den verschiedenen Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Internet, nämlich einerseits dem Netzzugang zum Internet und andererseits den darauf aufbauenden Leistungen wie E-Mail und World Wide Web.

In den Kapiteln 5 und 6 werden dann die Mehrwertdienste und der E-Commerce behandelt.

Mehrere Anhänge enthalten zusätzliche Informationen: insbesondere eine Übersicht über die wichtigsten Rechtsvorschriften, Hinweise zu weiteren Informationen, Adressen, ein Glossar sowie ein Stichwortverzeichnis.

Dieser Leitfaden ist so aufgebaut, dass jedes Kapitel eine eigenständige, abgeschlossene Einheit bildet. Dies erleichtert das Nachschlagen einzelner Inhalte, bedingt aber für diejenigen, die das gesamte Dokument lesen, dass sich einige Inhalte wiederholen.

Ein Schwerpunkt dieses Leitfadens besteht darin, mögliche Stolpersteine für Konsumenten aufzulisten. Die ersten vier Kapitel enden jeweils mit einer Checkliste, die dazu beitragen soll, Kaufentscheidungen zu erleichtern und diese Stolpersteine zu vermeiden.

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

Da sich die Telekommunikationsmärkte rasch verändern, wurde weitgehend darauf verzichtet, konkrete Anbieter und konkrete Produkte zu benennen. Im Anhang finden sich weitere Informationsquellen, insbesondere Links zu Webseiten, die aktuelle Informationen enthalten. Dieser Leitfaden stellt den Wissensstand im Oktober 2006 dar.

Auftraggeber

Dieser Leitfaden wurde im Auftrag des Bundesministeriums für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz, Sektion III – Konsumentenschutz verfasst. Kontakt: www.bmsg.gv.at.

Autor

Dieter Kronegger. Studium der Technischen Mathematik (TU Wien, Dipl.-Ing. 1993) und der Rechtswissenschaften (Universität Wien, Mag. iur. 1995). Von 1998 bis Ende 2004 Mitarbeiter der Rechtsabteilung der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (früher: Telekom-Control GmbH). Seit Anfang 2005 selbstständiger Internet Consultant. Kontakt: www.kronegger.eu).

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

1 Festnetz

Im Festnetz bemerkt man besonders stark, dass die verschiedenen Netztechnologien zusammenwachsen. Über das herkömmliche Telefonnetz bekommt man in der Regel auch Zugang zum Internet, viele Kabelfernsehnetze bieten auch Telefonie und Internet an.

1.1 Telefonnetz

1.1.1 Grundlagen

Das klassische Telefonnetz ist das älteste der Festnetze. Als Technologie werden dabei Kupferdoppeladern eingesetzt, das heißt für jeden Anschluss werden von der Vermittlungsstelle bis zum Kunden zwei miteinander verdrillte Kupferdrähte verlegt. Ursprünglich wurden die Kupferdoppeladern ausschließlich für Telefonie genutzt (plain old telephone service, POTS). Neuere Technologien übertragen höhere Frequenzen über die vorhandenen Kabel und können damit auch höhere Datenraten übertragen als für Sprachtelefonie notwendig ist.

Zugang zum Internet über das Telefonnetz wurde zunächst nur als so genannter Dial-up-Zugang angeboten. Dabei baut der Kunde mit einem Modem eine normale Telefonverbindung auf. Statt der Sprache werden Daten übertragen. Da für die Übertragung von Sprache nur recht niedrige Frequenzen verwendet werden, ist die Datenübertragung mittels Dial-up-Zugängen beschränkt. Maximal 56 kBit/Sekunde können solcherart übertragen werden, oft kommen nur niedrigere Datenraten zustande.

Eine erste Weiterentwicklung des klassischen Telefonnetzes war ISDN. Bei einem ISDN-Anschluss stehen dem Kunden zwei digitale Kanäle mit je 64 kBit/Sekunde zur Verfügung, dazu ein Steuerkanal mit 16 kBit/Sekunde. Der Kunde kann z. B. einen der Kanäle für Sprachtelefonie und den anderen für ein Faxgerät oder für den Internetzugang nutzen. Es ist auch möglich, beide Datenkanäle zu bündeln, um einen schnelleren Internetzugang zu erreichen.

In einem weiteren Entwicklungsschritt wurde begonnen, noch höhere Frequenzen über die Kupferkabel zu übertragen. Diese werden zur breitbandigen digitalen Datenübertragung, vor allem für Breitband-Internetzugänge, genutzt. Die verschiedenen Technologien werden unter dem Oberbegriff DSL (Digital Subscriber Line) zusammengefasst. Am gängigsten ist derzeit ADSL. ADSL wird in der Regel zusammen mit einem klassischen analogen Telefonanschluss oder einem ISDN- Anschluss angeboten. Dabei sind die niedrigen Frequenzen für die Telefonie (POTS oder ISDN) vorgesehen, die höheren für die Datenübertragung, in der Regel für einen Internetzugang. Das „A“ der Abkürzung ADSL steht für „asymmetrisch“: Da die Kunden meist mehr Daten herunterladen als ins Internet hinaufladen, wird bei ADSL eine größere Bandbreite für den Download als für den Upload vorgesehen. Vor allem für Geschäftskunden wird auch SDSL angeboten, das in beide Richtungen die selbe Bandbreite anbietet.

Inzwischen ist die technologische Entwicklung so weit gediehen, dass zunehmend darauf verzichtet wird, überhaupt klassische Telefontechnik auf der Kupferdoppelader einzusetzen. Anstatt die niedrigen Frequenzen für Telefonie zu

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

reservieren und nur auf den hohen Frequenzen Internetzugang anzubieten, verwenden manche alternative Anbieter alle zur Verfügung stehenden Frequenzen für Internetzugang. Der Kunde bekommt also in erster Linie einen Internetanschluss. Damit der Kunde auch telefonieren kann, wird ihm mittels VoIP-Technologie (siehe Kapitel 3.1.1) ein Telefonanschluss zur Verfügung gestellt. Für den Kunden zeigt sich dabei nur darin ein Unterschied, welche Geräte er wie an seine Telefonsteckdose anschließen muss. Ein Kunde, der ADSL und klassische Telefonie bezieht, steckt an seine Telefonsteckdose einen Splitter an, welcher die niedrigen und die hohen Frequenzen trennt. Auf der einen Seite wird ein Telefon angesteckt, an der anderen der Computer. Der VoIP-Kunde steckt an seinen Telefonanschluss einen Router an, welcher eine Internetverbindung aufbaut. Daran können in der Regel mit Netzwerkkabeln verschiedene Geräte angesteckt werden. Der Kunde steckt einerseits einen Adapter an, der die Signale seines Telefons in VoIP umwandelt. Andererseits kann er seinen Computer direkt an den Router anstecken.

1.1.2 Netzausbau

Da beim klassischen Telefonnetz zu jedem einzelnen Kunden eine eigene Kupferdoppelader verlegt werden muss, ist die Versorgung dünn besiedelter Regionen mit Telefonanschlüssen problematisch. Die Telekom Austria ist der einzige Anbieter, der zur flächendeckenden Versorgung verpflichtet ist (siehe Universaldienst in Kapitel 1.6) und daher in ländlichen Gebieten oft der einzige Festnetzanbieter. Für andere Unternehmen ist der Netzaufbau oftmals nicht lukrativ genug. Zwei Probleme treten in schlecht versorgten Gebieten auf.

1. Es kann sein, dass mehr Anschlüsse benötigt werden als vorhanden sind. Im Zuge des Netzaufbaus werden zwar immer mehr Kupferdoppeladern in ein bestimmtes Gebiet verlegt als notwendig. Wenn schon einmal aufgegraben werden muss, um ein Kabelbündel zu verlegen, dann wird auch gleich eine Reserve angelegt. Allerdings kann es sein, dass die Bautätigkeit in einem Gebiet unterschätzt wurde und zu wenige Kabel zur Verfügung stehen. Dann müssen sich mehrere Kunden eine Kupferdoppelader teilen. Früher war dies mit den so genannten „Viertelanschlüssen“ gang und gäbe. Dabei haben sich bis zu vier Kunden dieselbe Kupferdoppelader zeitlich hintereinander geteilt. Während ein Kunde telefonierte, waren alle anderen blockiert. Solche Anschlüsse gibt es schon seit Jahren nicht mehr. Nun werden Systeme eingesetzt, bei denen die verschiedenen Kunden auf unterschiedlichen Frequenzen telefonieren. Solange nur Sprachtelefonie oder Fax verwendet wird, ist das kein Problem. Breitbandinternet ist damit aber nicht möglich, denn die breitbandigen Internet- Zugangstechnologien (z. B. ADSL) würden jene Frequenzen benötigen, auf denen die anderen Kunden telefonieren.

2. Wenn die Entfernung zwischen der Vermittlungsstelle und dem Kunden zu groß wird, dann treten vermehrt Störungen auf, die insbesondere den Breitband- Internetzugang beeinträchtigen oder unmöglich machen können. Die Signalstärke nimmt über die Entfernung ab und die Signale können auch nicht über vorgegebene Grenzwerte hinaus verstärkt werden, da es sonst zu Störungen auf benachbarten Kabeln käme. Da die Kabel oft kilometerlang in dicht gepackten Kabelbündeln verlaufen, würden sich zu starke Schwingungen auf benachbarte Kabel übertragen. ADSL kann derzeit etwa für Entfernungen bis etwa 4 Kilometer eingesetzt werden. Neuere Technologien wie ADSL2+ und VDSL versprechen

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

einerseits höhere Reichweite, andererseits höhere Datenraten. Dabei gilt: je höher die Datenrate, desto geringer die Reichweite.

Um eine bessere Versorgung mit breitbandigem Internet zu erreichen, muss daher die Länge der Kupferdoppeladern verkürzt werden. Dazu müssen Konzentratoren errichtet werden, die näher am Standort des Kunden liegen. In Einzelfällen haben alternative Anbieter mittels Entbündelung (siehe Kapitel 1.1.3) ländliche Gebiete erschlossen, welche die Telekom Austria nicht mit Breitband-Internet versorgt hatte. Die alternativen Anbieter übernehmen dabei einen Teil der Kupferdoppelader der Telekom Austria und schließen diese an eine eigene Vermittlungseinrichtung an. In Deutschland rollt die Deutsche Telekom derzeit ein neues Netzwerk aus, das die neue VDSL-Technologie mit Glasfasertechnik verbindet. Die Deutsche Telekom zielt dabei aber nicht auf ländliche Gebiete ab, sondern auf die größten 50 Städte. An sich wären diese Gebiete bereits gut mit Breitband-Internet versorgt, aber die Deutsche Telekom will über wesentlich höhere Bandbreiten auch Fernsehen über die Kupferdoppelader anbieten. Dazu müssen die Entfernungen zwischen der Vermittlungsstelle und den Kunden deutlich verkürzt werden. Die Deutsche Telekom errichtet daher neue Konzentratoren näher an den Standorten der Kunden. Auf den kurzen Kupferdoppeladern zwischen diesen Konzentratoren und den Kunden wird VDSL eingesetzt, die Konzentratoren werden durch Glasfasern verbunden.

1.1.3 Entbündelung

Um verstärkten Wettbewerb zu schaffen werden seit der Liberalisierung der Telekommunikationsmärkte den ehemaligen Telefon-Monopolisten Verpflichtungen auferlegt, ihre Netze auch alternativen Anbietern zur Verfügung zu stellen. Unter anderem haben alternative Anbieter das Recht, einzelne Telefonleitungen zu „entbündeln“, das heißt von der Telekom Austria zu übernehmen und wie eine eigene Leitung zu nutzen.

Wie bereits erwähnt besteht das Telefonnetz aus lauter einzelnen Leitungen (Kupferdoppeladern), die vom Kunden bis zur Vermittlungsstelle der Telekom Austria verlegt sind. Jedem Anschluss entspricht eine solche Kupferdoppelader. Um Leitungen entbündeln zu können, errichtet der alternative Anbieter in den Räumlichkeiten der Telekom Austria oder in der Nähe einer Vermittlungsstelle eigene technische Infrastruktur. Wenn nun eine Leitung entbündelt werden soll, dann wird sie von der technischen Infrastruktur der Telekom Austria abgeklemmt und an die Technik des alternativen Anbieters angeklemmt. Der alternative Anbieter kann danach beliebige Leistungen über die Leitung anbieten (in der Regel werden Telefonie und Breitband-Internet angeboten) und zahlt der Telekom Austria für die Nutzung der Leitung und die laufende Wartung eine monatliche Miete.

Für den Kunden bedeutet dies, dass er ab dem Zeitpunkt der Entbündelung ausschließlich Dienstleistungen des alternativen Anbieters in Anspruch nimmt. Der Vertrag mit der Telekom Austria endet, der Kunde hat nur mehr mit dem alternativen Anbieter einen Vertrag. (Es gibt auch Varianten, bei denen die Leitung sowohl vom ehemaligen Monopolisten als auch vom alternativen Anbieter gemeinsam genutzt wird. Diese Möglichkeit wird in Österreich in der Praxis aber nicht eingesetzt.)

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

Der Vorgang der Entbündelung sieht so aus, dass der Kunde ein entsprechendes Produkt beim alternativen Anbieter bestellt. Der alternative Anbieter veranlasst dann bei der Telekom Austria die weiteren Schritte. Oftmals ist erforderlich, dass ein Techniker der Telekom Austria vor Ort eine neue Telefonsteckdose montiert. Danach wird die Leitung von der Telekom Austria abgeklemmt und kurz darauf vom alternativen Anbieter in Betrieb genommen. Abschließend muss noch das bestehende Vertragsverhältnis zwischen dem Kunden und der Telekom Austria gekündigt werden. Der Kunde sollte das besser nicht selbst machen, da bei einer zu früh erfolgenden Kündigung keine Entbündelung mehr möglich ist. Sinnvoller ist es, den neuen Anbieter zu bevollmächtigen, die Kündigung im Namen des Kunden vorzunehmen. Die alternativen Anbieter lassen sich im Zuge der Bestellung eine solche Vollmacht ausstellen und können dann den besten Zeitpunkt für die Kündigung wählen.

Obwohl der typische Fall darin besteht, dass eine bereits bestehende Leitung entbündelt wird, ist es auch möglich, dass eine entbündelte Leitung neu errichtet wird. Das heißt, dass der Kunde ein entsprechendes Produkt (etwa: Breitband- Internet) beim alternativen Anbieter bestellt und der alternative Anbieter dazu von der Telekom Austria eine Leitung errichten und entbündeln lässt. Es kommt dann zwar ein Techniker der Telekom Austria zum Kunden, um die Leitung zu montieren. Allerdings hat der Kunde bei dieser Variante zu keinem Zeitpunkt ein Vertragsverhältnis mit der Telekom Austria. Diese wird nur als Subauftragsnehmer des alternativen Anbieters tätig.

Obwohl die Anzahl der entbündelten Leitungen in den letzten Jahren stark gestiegen ist (2005 gab es im Vergleich zu 2004 eine Steigerung um 80 %), sind insgesamt erst einige Prozent der Teilnehmeranschlussleitungen entbündelt (Ende 2005 waren etwa 5 % der Leitungen entbündelt). Bis durch die Entbündelung wirksamer Wettbewerb zwischen den Netzbetreibern entsteht, wird es also noch einige Jahre dauern. Allerdings liegen bereits etwa 60 % der österreichischen Haushalte in Gebieten, die von zumindest einem alternativen Anbieter für die Entbündelung erschlossen wurden. In vielen städtischen Gebieten können Kunden sogar zwischen mehreren Anbietern wählen. Vor allem die Anbieter Inode und Tele2UTA bieten in sehr vielen Gebieten Entbündelung an.

Im Jahr 2005 gab es viele Konsumentenbeschwerden, weil einer der beiden großen alternativen Anbieter von Entbündelung seine Leistungen zwar massiv beworben hatte, aber wegen massiver technischer und organisatorischer Probleme die vielen Bestellungen nicht professionell bearbeiten konnte. Die Telekom Austria trennte die Leitungen an den angekündigten Entbündelungsterminen von ihren Systemen. Bis ein Techniker des alternativen Anbieters Zeit fand, die von der Telekom Austria übergebenen Leitungen in Betrieb zu nehmen, vergingen oft Wochen oder Monate, währenddessen die Kunden keinen Festnetzanschluss hatten.

Bevor man einen entbündelten Anschluss bestellt, sollte man sich daher von der Professionalität des neuen Anbieters überzeugen. Der Entbündelungsprozess und die erforderliche Kommunikation zwischen der Telekom Austria und dem alternativen Anbieter sind detailliert geregelt, insbesondere wird der alternative Anbieter über den Entbündelungstermin informiert. Da zwei verschiedene Firmen hintereinander an der selben Leitung arbeiten müssen, muss man damit rechnen, dass zwischen der Abschaltung der Leitung durch die Telekom Austria und der Inbetriebnahme durch

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

den alternativen Anbieter jedenfalls einige Stunden vergehen. In manchen Fällen (vor allem dann, wenn auch auf der Seite des Kunden Arbeiten zu verrichten sind, z. B. ein Router für den neuen Internetzugang installiert werden muss) kann es auch ein paar Tage dauern, bis der neue Zugang funktioniert. Längere Ausfälle sollten aber nur in Ausnahmefällen vorkommen. Jedenfalls sollte der alternative Anbieter in der Lage sein, seinen neuen Kunden über die einzelnen bevorstehenden Schritte, den Stand der Arbeiten, den Entbündelungstermin und die absehbare Dauer der Unterbrechung des Anschlusses genau zu informieren. Wenn ein Anbieter dazu nicht in der Lage ist, sollte man sein Produkt besser nicht bestellen, denn wenn der Vorgang der Entbündelung erst einmal in Gang gesetzt wurde, lässt er sich nur schwer stoppen.

Bei Problemen mit der Entbündelung sollte man sich immer darüber im Klaren sein, dass der Vertrag mit der Telekom Austria gekündigt wird und nur mehr der Vertrag des Konsumenten mit dem alternativen Anbieter relevant ist. Beschwerden über Qualitätsmängel oder verspätete Anschaltung an das neue Netz und allfällige Schadenersatzansprüche sind daher an den alternativen Anbieter zu richten:

– Bei Qualitätsmängeln bestehen Gewährleistungsansprüche (wie die Herstellung des vertragskonformen Zustandes) und für die Zeit der Nichtbenutzung kann eine aliquote Reduktion des Grundentgelts geltend gemacht werden.

– Bei verspäteter Aktivierung können Ansprüche aus dem Verzug (wie Rücktritt vom Vertrag, hierzu ist die Setzung einer angemessenen Nachfrist erforderlich) beziehungsweise die zusätzlichen Kosten (wie erforderliche Gespräche über das Mobiltelefon), die durch die nicht erbrachte Leistung entstanden sind, im Rahmen des Schadenersatzes vom alternativen Anbieter geltend gemacht werden.

– Für den Fall, dass der entbündelte Anschluss überhaupt nicht realisierbar ist, können im Rahmen des Schadenersatzes auch die Herstellungskosten für die Wiederherstellung des ursprünglichen Anschlusses vom alternativen Anbieter gefordert werden.

1.2 Kabelfernsehnetze

Die wichtigsten Konkurrenten der ehemaligen Telefon-Monopolisten sind die Kabelnetzbetreiber. In Österreich gibt es eine große Zahl von Kabelnetzbetreibern. Die Ballungsräume werden von einigen großen Unternehmen, insbesondere UPC Telekabel und Liwest, versorgt. Es gibt aber auch eine Vielzahl kleinerer Anbieter. Oft haben örtliche Elektronikhändler begonnen, Kabelfernsehnetze zu errichten, um neue Kunden für ihre Fernseher und Videorecorder zu erschließen.

Kabelfernsehnetze nutzen wesentlich bessere Verkabelung als die Kupferdoppeladern der klassischen Telefonnetze. Die Kupferdoppeladern bestehen einfach aus zwei isolierten Kupferdrähten. Gegen störende Abstrahlungen sind sie nur dadurch geschützt, dass die beiden Drähte verdrillt sind. Die Kabelfernsehnetze hingegen nutzen Koaxialkabel. Diese Kabel haben einen Kupferdraht in der Mitte, welcher ringsum durch eine Abschirmung aus Metallgeflecht umgeben ist. Aufgrund dieser Abschirmung können sehr hohe Frequenzen übertragen werden, ohne dass es zu einer Störung benachbarter Kabel kommt. Die Technologie erfordert aber eine sorgsamere Verarbeitung durch fachkundiges Personal. Wer in seiner Wohnung mit

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

ungeeignetem Kabelmaterial Verlängerungen bastelt, baut damit unbewusst eine Antenne, die unter Umständen erhebliche Funkstörungen verursachen kann.

Ursprünglich wurden die Kabelfernsehnetze nur für die analoge Übertragung von Fernsehsignalen in eine Richtung, nämlich zum Kunden, ausgelegt. Daher hat auch nicht jeder Kunde sein eigenes Kabel, sondern ein einziges Kabel läuft kreuz und quer durch ein ganzes Gebiet. Erst später wurden die Netze so umgerüstet, dass auch Signale in die andere Richtung übertragen werden können. Viele Kabelnetzbetreiber bieten nun auch Telefonie und Internet an. Um einen Telefonapparat anzuschließen, benötigt der Kunde einen Adapter, welcher die Signale des Telefons in eine über das Kabelfernsehnetz übertragbare Form umwandelt. Um den Computer anzuschließen, wird ein Kabelmodem benötigt.

Für die Übertragung von Fernsehen wird zunehmend statt der herkömmlichen Analogtechnik Digitaltechnik verwendet. Digitaltechnik nutzt die zur Verfügung stehenden Frequenzen wesentlich effizienter und kann daher etwa 10 Mal mehr Programme übertragen. Der Fernseher kann das digitale Programm in der Regel jedoch nicht direkt empfangen, es muss durch eine Set-Top-Box umgewandelt werden.

Die in Kabelfernsehnetzen zur Verfügung stehende Bandbreite ist enorm. Würde das gesamte Frequenzspektrum ausschließlich für Internetzugang verwendet, dann wären Datenraten in einer Größenordnung von mehreren GBit/Sekunde realisierbar. Würde ausschließlich digitales Fernsehen übertragen, dann könnten mindestens 500 Programme übertragen werden. Da die Kabelnetze in der Praxis meist für analoges Fernsehen, digitales Fernsehen (viele Programme werden doppelt übertragen:

analog und digital), Telefonie und Internet gleichzeitig genutzt werden, sind die einzelnen Leistungen in der Praxis allerdings beschränkt.

1.3 Glasfasernetze

Bereits unmittelbar nach Beginn der Liberalisierung haben viele Telekommunikationsanbieter ihre eigenen Glasfasernetze errichtet. Diese dienen aber vor allem der großräumigen Versorgung. Firmen, die eine Datenleitung zwischen Wien und Salzburg benötigen, können aus einer Reihe von Angeboten wählen. Ebenso sind die Hauptstraßen in den größeren Städten meist recht gut mit Glasfasern versorgt. Wer durch eine der großen Einkaufsstraßen Wiens geht, findet alle paar Meter den Deckel eines anderen Netzbetreibers.

Nur in wenigen Gebieten und von wenigen Anbietern werden auch kostengünstige Glasfaseranschlüsse für Konsumenten angeboten. Solche Glasfasernetze wurden etwa in der Umgebung von Ried (Oberösterreich), im Stadterweiterungsgebiet Leberberg (Wien), in Arnoldstein (Kärnten) und in St. Martin und Großschönau (Niederösterreich) errichtet.

Glasfasern können leicht brechen und sind daher schwierig zu verlegen und teuer. Die übertragbaren Datenmengen sind enorm. Über eine einzelne Glasfaser können problemlos mehrere Telekommunikationsnetze verbunden werden, die jeweils hunderttausende Kunden haben. Der die Datenübertragungsrate beschränkende Flaschenhals bei der Glasfasertechnologie ist nicht die Glasfaser, sondern die daran angeschlossenen Geräte, die die Daten senden und empfangen.

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

1.4 Funknetze

In den letzten Jahren haben sich einige neue Angebote etabliert, bei denen Netzzugang über Funktechnologien angeboten wird. Sehr beliebt ist dabei vor allem die WLAN-Technologie, da sie in Frequenzbereichen arbeitet, die ohne Lizenz (und damit für den Anbieter auch ohne Kosten) verwendet werden können. WLAN wurde an sich als drahtlose Technologie zur lokalen Vernetzung von Computern entwickelt. Die Reichweite von WLAN beträgt einige hundert Meter. Mit speziellen Antennen lassen sich allerdings auch größere Entfernungen überbrücken. Grundsätzlich ist für eine gute Verbindung eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger notwendig. Der Einsatz von aktiven Verstärkern, die das Signal über die vorgegebenen Grenzwerte hinaus verstärken und somit noch größere Entfernungen überbrücken, ist unzulässig. WLAN ist nur deshalb lizenzfrei nutzbar, weil die Signalstärken ziemlich stark beschränkt sind und sich die Nutzer daher nur selten gegenseitig stören.

Einige Anbieter haben Frequenzen, die lizenzpflichtig sind, ersteigert. In diesen Frequenzbereichen können Technologien eingesetzt werden, die größere Signalstärken einsetzen und damit auch größere Entfernungen überbrücken können. Die Anbieter setzen unterschiedliche Technologien ein, die aber jeweils vor allem auf den breitbandigen Internetzugang abzielen, insbesondere WiMAX und Flash OFDM.

Vor allem in ländlichen Gebieten gibt es lokale Anbieter, die Breitband-Internet (und teilweise auch Telefonie) über Funktechnologien anbieten und damit Gebiete erschließen, in denen weder ADSL noch Kabelfernsehnetze zur Verfügung stehen. Diese Angebote richten sich vor allem Privat- und Geschäftskunden, die das Internet von einem festen Standort aus nutzen. Um größere Entfernungen zum Netzbetreiber zu überbrücken, werden meist Antennen angeboten, die am Dach montiert werden. Andere Anbieter richten an stark frequentierten Punkten im städtischen Raum wie z. B. Bahnhöfen, Kaffeehäusern oder Einkaufszentren WLAN-Hotspots ein. Diese Angebote richten sich vor allem an Kunden, die das Internet beruflich nutzen.

Die hier beschriebenen Technologien werden zum Festnetz gerechnet, weil sie nicht unterstützen, dass der Benutzer seinen Standort beliebig verändert. Natürlich kann der Benutzer sich bei den meisten Funktechnologien in gewissem Rahmen bewegen, allerdings reißt die Verbindung ab, wenn sich der Benutzer aus dem Versorgungsbereich seiner jeweiligen Basisstation entfernt. Die Mobilfunknetze hingegen unterstützen die unterbrechungslose Übergabe einer bestehenden Verbindung von einer Basisstation zur anderen. Diese Netze sind in Kapitel 2 beschrieben.

1.5 Im Festnetz angebotene Dienstleistungen

Allen in den vorangegangenen Kapiteln beschriebenen Zugangstechnologien ist gemeinsam, dass sie sich grundsätzlich für Telefonie und Internetzugang eignen. Teilweise wird auch Fernsehen angeboten.

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

1.5.1 Telefonie

Telefonie wird über alle Zugangstechnologien angeboten. Dabei steht das klassische Telefonnetz auch nicht mehr von vornherein als erste Wahl fest. Die Kabelnetzbetreiber haben ebenfalls bereits seit Jahren hunderttausende Kunden.

Aufgrund ihrer marktbeherrschenden Stellung muss die Telekom Austria zulassen, dass auch andere Telefondienste über ihre Anschlüsse genutzt werden können. So genannte Verbindungsnetzbetreiber können von einem Anschluss der Telekom Austria durch Vorwahl einer vierstelligen Nummer, die mit 10 beginnt, ausgewählt werden. In der Regel bestellt der Kunde dabei schon bei Vertragsabschluss, dass diese Nummer automatisch vorgewählt wird. Dies nennt man Verbindungsnetzbetreibervorauswahl. Dabei werden automatisch fast alle Telefonate über den gewählten Betreiber geführt. Im Detail ist dies in Kapitel 3.1.3 beschrieben.

Nähere Details zu den verschiedenen Telefoniedienstleistungen sind in Kapitel 3.1 beschrieben.

1.5.2 Internet

Die verschiedenen Internetzugänge unterscheiden sich vor allem in ihrer Bandbreite: welche Datenraten werden für den Download, welche für den Upload angeboten? Nähere Details zu den verschiedenen Angeboten werden im Kapitel 4 erläutert.

Auch hier gilt, dass die Telekom Austria derzeit als einziger Anbieter dazu verpflichtet ist, aufgrund ihrer marktbeherrschenden Stellung auch anderen Internet-Service- Providern Zugang über das eigene Netz zu ermöglichen. Wer einen Telefonanschluss der Telekom Austria hat, kann auch bei anderen Internet-Service- Anbietern ADSL bestellen. Der ADSL-Anschluss wird dann zwar technisch von der Telekom Austria hergestellt, aber über den Internet-Service-Provider verrechnet.

Darüber hinaus kann auch beim schmalbandigen Dial-up-Zugang der Internet- Service-Provider vom Kunden frei gewählt werden. Da bei Dial-up der Internetzugang durch das Wählen einer gewöhnlichen Telefonnummer aufgebaut wird, kann man theoretisch jeden beliebigen Provider weltweit verwenden. Allerdings wird man als Internet-Service-Provider naturgemäß jemanden auswählen, der im jeweiligen Telefonnetz auch eine günstige Einwahlnummer anbieten kann, z. B. eine 0804-Nummer, für die an den Netzbetreiber kein Entgelt zu entrichten ist. Ansonsten müsste man einerseits die Verbindung zur Einwahlnummer des Internet-Service- Providers, andererseits die Internet-Zugangsleistung des Providers bezahlen.

1.5.3 Fernsehen

Fernsehen wird über eine Reihe verschiedener Plattformen ausgestrahlt. Zu den etablierten Plattformen Antenne, Kabel und Satellit sind jüngst auch Fernsehen über Internettechnologien und Fernsehen über Mobiltelefon hinzugekommen.

Fernsehen über Antenne („terrestrische Ausstrahlung“) war ursprünglich die einzige Plattform zur Verbreitung von Fernsehsignalen. Zur Ausstrahlung von Fernsehen werden allerdings sehr starke Signale von relativ wenigen Sendern verwendet. Während ein Antennenmast eines Mobilfunkanbieters nur ein Gebiet im

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

Umkreis von einigen hundert Metern bis einigen Kilometern versorgt, decken die großen Fernsehsender ganze Bundesländer ab und würden über hunderte Kilometer Entfernung andere Programme stören, wenn diese auf der gleichen Frequenz übertragen würden. Daher müssen Fernsehsender international mit allen Nachbarländern koordiniert werden und es stehen nur ziemlich wenige Frequenzen zur Übertragung von Fernsehprogrammen zur Verfügung. Bis vor kurzem konnten in Österreich terrestrisch nur ORF1, ORF2 und einige Sender von Nachbarstaaten empfangen werden. Später kamen ATV und verschiedene lokale Sender dazu.

Ab 26.10.2006 wird die Ausstrahlung von Fernsehprogrammen von analoger auf digitale Technik umgestellt. Digitalfernsehen erlaubt es, mehrere Programme auf einem Kanal auszustrahlen, auf dem mit bisheriger Analogtechnik nur ein Programm hätte ausgestrahlt werden können. In Österreich werden vorerst zwei Senderketten mit Digitaltechnik errichtet. Die eine wird ORF1, ORF2 (mit unterschiedlichen regionalen Inhalten, insbesondere der regional unterschiedlichen Sendung „Österreich heute) und ATV ausstrahlen. Auf der anderen Senderkette werden voraussichtlich drei weitere Programme ausgestrahlt, die noch nicht bestimmt sind. Nach der Abschaltung der alten Analogtechnik sollen auch die bisher dafür verwendeten Frequenzen für neue digital ausgestrahlten Programme genutzt werden.

Die geringe Anzahl der über Antenne empfangbaren Programme hat in Österreich in den letzten Jahrzehnten zu einer starken Zunahme der Nutzung von Kabelfernsehen und Satellit geführt. Nur mehr etwa 10 % der Haushalte nutzen ausschließlich terrestrischen Empfang und diese Zahl sinkt jedes Jahr. Möglicherweise kann die Einführung der Digitaltechnik diesen Trend stoppen oder umkehren, allerdings werden auch über digitales Antennenfernsehen auf absehbare Zeit nur wenige Programme empfangbar sein.

Etwa 40 % der österreichischen Haushalte haben einen Kabelfernsehanschluss. Die Kabelfernsehnetze in Österreich sind im internationalen Vergleich ganz gut ausgebaut. Die meisten größeren Netzbetreiber bieten analoges und digitales Fernsehen, Internetzugang und Telefonie an. Die Kabelfernsehbetreiber waren damit die ersten Anbieter, die alle wichtigen Technologien aus einer Hand angeboten haben.

Auch das Fernsehen über Satellit erfreut sich in Österreich großer Beliebtheit und wird von etwa 45 % der Haushalte genutzt. Ein wesentlicher Vorteil bestand bislang darin, dass nach der Einmalinvestition für Satellitenschüssel und Receiver keine weiteren monatlichen Kosten mehr angefallen sind. Da die Geräte relativ preiswert sind, kann sich die Investition oftmals schon nach etwa einem Jahr rentieren. Allerdings planen die großen deutschen Privatsender und der Satellitenbetreiber ASTRA, ab 2007 auf verschlüsselte Übertragung umzusteigen und ein monatliches Entgelt zu verlangen. Die verschlüsselte Übertragung bedeutet zunächst einmal für viele Konsumenten eine neuerliche Investition, da sie einen Receiver benötigen, der die Signale wieder entschlüsseln kann. Danach sind dann die monatlichen Entgelte zu bezahlen.

Ein weiterer Nachteil der Satellitentechnik besteht darin, dass die Programme des ORF aus urheberrechtlichen Gründen ebenfalls nur verschlüsselt empfangen werden können. Das Satellitensignal wird nämlich über ganz Europa und Nordafrika

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

ausgestrahlt. Würde der ORF unverschlüsselt ausstrahlen, dann würden ihm die Urheberrechtsinhaber (vor allem die Veranstalter von wichtigen Sportereignissen und die großen Hollywood-Studios) Entgelte für den gesamten deutschsprachigen Raum oder darüber hinaus abverlangen. Um den ORF mittels Satellit empfangen zu können, ist also ebenfalls ein geeigneter Receiver erforderlich, weiters eine Smartcard des ORF, für die allerdings nur ein geringes einmaliges Entgelt entrichtet werden muss.

Fernsehen über Festnetzanschlüsse wurde bis vor kurzem fast ausschließlich von den Kabelnetzbetreibern angeboten. Erst seit kurzem wird als Alternative dazu Fernsehen mittels Internettechnologien (IPTV) über das Telefonnetz übertragen. Derzeit steht Fernsehen über Breitband-Internet noch am Anfang seiner Entwicklung. Zunächst wurde von einigen Anbietern mit Video-on-Demand-Diensten experimentiert. Dabei werden zwar bewegte Bilder übertragen, allerdings nicht die typischen Fernsehprogramme in Echtzeit. Solche Angebote bedürfen einerseits der vertraglichen Einigung mit den Programmveranstaltern, andererseits sind sie auch technisch anspruchsvoller. Die Telekom Austria hat Anfang 2006 in Wien begonnen, digitales Fernsehen über ADSL anzubieten. Andere Internet-Service-Provider werden sicherlich folgen.

Im Unterschied zu den genannten anderen Plattformen für die Verbreitung von Fernsehsignalen bieten die Internet-Technologien neue Möglichkeiten. Im Internet werden die Signale nicht gleichzeitig an eine Vielzahl von Zusehern ausgestrahlt, sondern jedem Nutzer einzeln zugesandt. Damit ist einerseits ein wesentlich größeres Angebot möglich, andererseits auch die zeitversetzte Ausstrahlung. Technisch möglich wäre es etwa, dass das gesamte Fernsehangebot der letzten Wochen vom Netzbetreiber aufgezeichnet wird und dann von den Kunden zu beliebigen Zeitpunkten abgerufen werden kann. Der Kunde wählt also nicht aus den Sendungen, die gerade laufen (und deren Anfang er meist bereits versäumt hat), sondern kann sich eine beliebige Sendung auswählen.

Derzeit scheitern solche technisch bereits möglichen Angebote vor allem an urheberrechtlichen Fragen. Obwohl es unbestritten ist, dass die Verwendung von Videorecordern auf der Seite des Kunden grundsätzlich zulässig ist, ist heftig umstritten, ob auch der Netzbetreiber ein solches Service („Videorecorder im Netz“) anbieten darf, ohne dafür eigene Verträge (samt entsprechender Zahlungen) mit den Inhabern der Urheberrechte abschließen zu müssen.

Überhaupt wollen die Veranstalter zunehmend beschränken, dass Kunden die Programme auf Endgeräten empfangen können, wo sie unbeschränkt gespeichert und weiterverarbeitet werden könnten. Insbesondere wollen die Rechteinhaber verhindern, dass Fernsehsignale auf Computern empfangen werden können. Auf einem Computer kann auch ein Laie Software installieren, mit denen sich das Fernsehprogramm aufnehmen, weiterbearbeiten oder weitersenden ließe. Zwar ist es nach dem Urheberrecht zulässig, zu privaten Zwecken eine Kopie zum eigenen Gebrauch anzufertigen. Weil sich eine digitale Kopie aber unbeschränkt ohne Qualitätsverlust weiterverbreiten ließe (was natürlich unzulässig wäre), wollen die Anbieter der Inhalte lieber erreichen, dass die Programme auf „dummen“ Geräten wie Fernsehern oder klassischen Videorecordern gesehen werden und nicht am Computer.

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

Derzeit entwickelt sich der Markt daher in zwei Richtungen.

– Einerseits gibt es Angebote, bei denen zwar die klassischen Fernsehprogramme angeboten werden, diese allerdings nicht mit einem normalen Computer, sondern nur von einer entsprechenden Set-Top-Box empfangen werden können. Für den Kunden ist dies also ähnlich wie digitales Fernsehen über Satellit oder Kabel: im Wohnzimmer steht eine Box, die das Signal empfängt und für den Fernseher aufbereitet. Man sitzt vor dem Fernseher und schaltet mit der Fernbedienung um. Das abrufbare Programm entspricht grundsätzlich dem derzeit ausgestrahlten Programm.

– Andererseits gibt es so genannte „Web-TV“-Angebote, die darauf abzielen, dass sie vom Computer aus genutzt werden. Der Nutzer sitzt dabei am Computer und sieht die Inhalte am Bildschirm. In der Regel handelt es sich dabei nicht um die klassischen Fernsehprogramme (deren Veranstalter einer solchen Nutzung derzeit noch nicht zustimmen würden), sondern um speziell für das Web produzierte Programme.

Internet-Fernsehen wird auch das Fernsehverhalten ändern. Während Fernsehzuseher derzeit vor allem zwischen einer begrenzten Anzahl von Fernsehprogrammen (die meist 24 Stunden pro Tag abdecken) herumzappen, wird sich das Fernsehverhalten in Zukunft immer stärker dem derzeitigen Surfen durchs Internet annähern: Die Nutzer werden sich aus einem unüberschaubar großen Angebot von Inhalten gezielt einzelne Inhalte herauspicken und diese am Computerbildschirm betrachten. Derzeit werden etwa von manchen Anbietern Videos (und auch bekannte Kinofilme) über Internet abrufbar gehalten. Weiters bieten manche Fernsehsender ausgewählte Inhalte (z. B. die Abendnachrichten) zum Download im Internet an.

Es sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass die Fernsehgebühren und die in Verbindung damit eingehobenen Abgaben rechtlich nur davon abhängen, ob man ein empfangsbereites Fernsehgerät (bzw. für die Radiogebühren: ein Radiogerät) betreibt. Die Gebühren kommen zwar großteils dem ORF zugute, hängen aber nicht davon ab, ob man den ORF sieht oder davon, ob man den ORF überhaupt empfangen kann. Welche Geräte rechtlich als gebührenpflichtige „Rundfunkempfangseinrichtung“ gelten, ist insbesondere für Computer mit Internetanschluss umstritten. Während relativ klar sein dürfte, dass ein Computer mit eingebauter TV-Karte wie ein Fernseher zu behandeln ist, ist das für einen Computer, der bloß über einen Internetanschluss verfügt nicht so klar. Da die Gebühr pro Haushalt nur einmal zu bezahlen ist, stellt sich für Haushalte die Frage der Gebührenpflicht nur dann, wenn in einem Haushalt zwar ein Computer mit Internetanschluss, aber kein Fernseher bzw. Radio vorhanden ist. Die in Österreich für die Gebühreneinhebung zuständige Gebühren Info Service GmbH (GIS) vertritt den Standpunkt, dass auch in diesem Fall Gebühren zu entrichten sind. Allerdings könnte es auch zu einer Neuregelung kommen. In Österreich sind die Gebührenvorschriften für Unternehmen völlig überholt und auch die zur Zeit in Deutschland heftig geführte Debatte zur Gebührenpflicht von Computern könnte verstärkt nach Österreich überschwappen.

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

1.6 Universaldienst

1.6.1 Was ist Universaldienst?

Als die Telekommunikationsnetze liberalisiert wurden, bestand die Sorge, dass manche Dienstleistungen in einem rein marktwirtschaftlichen Umfeld nicht mehr in ausreichender Form erbracht werden könnten, insbesondere die flächendeckende Versorgung mit Telefonanschlüssen und Telefonzellen. Daher stellt das Telekommunikationsgesetz sicher, dass bestimmte Mindestleistungen, die so genannten Universaldienstleistungen, von zumindest einem Betreiber erbracht werden. Wenn diesem Betreiber dadurch unzumutbare Kosten erwachsen, dann erhält er einen Ausgleich aus einem Fonds, in welchen die anderen Betreiber einzahlen.

Bislang ist die Telekom Austria verpflichtet, Universaldienstleistungen zu erbringen. Dies wird sich wohl auf absehbare Zeit nicht ändern, obwohl der gesetzliche Rahmen es an sich ermöglicht, dass auch ein anderes Unternehmen den Universaldienst betreibt oder dass die Leistungen von verschiedenen Unternehmen erbracht werden.

Beim Universaldienst handelt es sich um eine rechtliche Verpflichtung an den Universaldienstbetreiber. Ein Rechtsanspruch für den einzelnen Konsumenten lässt sich daraus meist nicht ableiten, beispielsweise kann niemand einklagen, dass in seinem Wohngebiet eine Telefonzelle errichtet wird. Allerdings kann das Instrument der Streitschlichtung durch die Regulierungsbehörde (RTR-GmbH, Kontaktinformationen im Anhang) genutzt werden, um sich gegen mangelhafte Universaldienstleistungen zu beschweren. Die Regulierungsbehörde ist nicht nur verpflichtet, in Streitfällen zwischen Kunden und Betreibern schlichtend tätig zu werden, sie wacht auch über die Einhaltung des Telekommunikationsgesetzes und kann daher bei Verletzungen der Universaldienstpflichten auch aufsichtsbehördlich tätig werden.

Die einzelnen Leistungen des Universaldienstes werden in den folgenden Kapiteln dargestellt.

1.6.2 Zugang zum öffentlichen Telefonnetz

Auch in einem entlegenen Gebiet, in dem sich der Netzausbau nicht rechnet, muss der Universaldienstbetreiber Festnetzanschlüsse anbieten. Der Universaldienst umfasst nur einen Festnetzanschluss, keinen Mobiltelefonanschluss. Eine bestimmte Technologie ist nicht vorgeschrieben. Die Telekom Austria muss daher nicht flächendeckend ISDN anbieten, ein gewöhnlicher analoger Telefonanschluss reicht auch. Manchmal werden auch Telefone installiert, die zwar auf der Technologie von Mobilnetzen basieren, aber nur stationär verwendet werden können.

Immer wieder diskutiert wird die Frage, ob über die Telefonie hinaus auch ein Breitband-Internetzugang in den Katalog der Universaldienstleistungen aufgenommen werden soll. Derzeit sieht das Gesetz vor, dass über den Anschluss auch ein Fax und ein Modem betrieben werden kann, einschließlich Datenraten, die für einen „funktionalen Internetzugang“ – damit ist Schmalband gemeint – ausreichen.

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

Wahrscheinlich wird sich in den nächsten Jahren nichts daran ändern, dass Breitband nicht Teil des Universaldienstes ist. Würde man die Telekom Austria dazu verpflichten, flächendeckend Breitband anzubieten, dann würde man auf Kosten der anderen Betreiber, die das über den Universaldienstfonds mitbezahlen müssten, ein neues De-facto-Monopol im ländlichen Raum schaffen. Daher wird keine Verpflichtung vorgesehen, der Staat fördert stattdessen die Breitbandversorgung des ländlichen Raumes und achtet dabei, dass nicht nur ein Betreiber in den Genuss der Förderungen kommt.

1.6.3 Betreiberübergreifendes Teilnehmerverzeichnis

In Monopolzeiten war selbstverständlich, dass das Telefonbuch des Monopolisten vollständig war. Damit die Liberalisierung nicht dazu führt, dass Kunden alternativer Betreiber nicht im Telefonbuch eingetragen werden, wurde ein betreiberübergreifendes Teilnehmerverzeichnis als Universaldienstverpflichtung vorgesehen. Dabei handelt es sich um eine regelmäßig aktualisierte Datenbank, die als Grundlage für verschiedene gedruckte Telefonbücher, über das Internet erreichbare Datenbanken und telefonische Auskunftsdienste dient. Beim Austausch der Teilnehmerdaten zwischen den verschiedenen Betreibern müssen die datenschutzrechtlichen Vorgaben beachtet werden. Jeder Teilnehmer hat ein Recht darauf, nicht ins Teilnehmerverzeichnis aufgenommen zu werden (siehe Kapitel

3.2.4).

1.6.4 Betreiberübergreifender Auskunftsdienst

Dass es sich bei der Erbringung eines betreiberübergreifenden Auskunftsdienstes um eine Universaldienstleistung handelt, ist inzwischen eigentlich überholt, da diese Dienstleistung von verschiedenen Anbietern im Wettbewerb zueinander erbracht wird.

Vor der Liberalisierung war die Telefonauskunft zum Preis eines Ortsgesprächs erreichbar. Man zahlte also nur das Telefonat selbst, die eigentliche Auskunftsleistung wurde von der Telekom Austria nicht verrechnet, sondern aus anderen Gewinnen quersubventioniert. In einem marktwirtschaftlichen Umfeld kann dies keine Dauerlösung sein. Nun wird die Telefonauskunft quasi wie ein Mehrwertdienst (siehe Kapitel 5) erbracht.

1.6.5 Flächendeckende Versorgung mit öffentlichen Sprechstellen

Auch Telefonzellen werden mittlerweile von verschiedenen Unternehmen im Wettbewerb angeboten, allerdings konzentrieren sich die Anbieter natürlich auf häufig frequentierte Plätze. Die flächendeckende Versorgung lässt sich nur als Universaldienstpflicht realisieren und ist wohl jene Universaldienstpflicht um die am meisten gestritten wird. Einerseits ist immer wieder strittig, was konkret unter der „flächendeckenden“ Versorgung zu verstehen ist, andererseits kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen über die Finanzierung. Da der Gesetzgeber und die Regulierungsbehörde durchgesetzt haben, dass 0800-Nummern aus Telefonzellen kostenfrei angerufen werden können, stellen mittlerweile die Telefonate zu den Einwahlnummern der Calling-Card-Anbieter (siehe Kapitel 3.1.4) einen großen Teil aller von Telefonzellen aus getätigten Telefonate dar. Auf verschiedenen Wegen hat die Telekom Austria versucht, dafür einen Kostenersatz

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

zu erlangen, bislang allerdings vergeblich. Zuletzt wurde diskutiert, eine entsprechende Bestimmung in die Universaldienstverordnung aufzunehmen.

Die verschiedenen Querelen um die Finanzierung der Telefonzellen haben auch dazu geführt, dass das Thema als heißes Eisen angesehen wird und entsprechend nachlässig behandelt wird. Zu dieser Nachlässigkeit mag auch beigetragen haben, dass die hohe Verbreitung von Mobiltelefonen dazu geführt hat, dass nur ein kleiner Teil der Bevölkerung auf Telefonzellen angewiesen ist und diese Gruppe nicht im Fokus der politischen Aufmerksamkeit steht. Die Vorgaben der Universaldienstverordnung sind relativ schwammig. Zwar wird vorgeschrieben, jenen Grad an flächendeckender Versorgung aufrechtzuerhalten, wie er am 1. Jänner 1999 bestanden hat, allerdings nur „bezogen auf den jeweiligen Standort und unter Berücksichtigung des dortigen Bedarfs“. Die Telekom Austria konnte daher Telefonzellen aus unattraktiven Gebieten an stärker frequentierte Standorte verlegen und auch die Gesamtzahl der Telefonzellen etwas reduzieren. Telefonzellen müssen behindertengerecht sein, für bestehende Telefonzellen gilt das aber erst ab 2010. Im Jahresdurchschnitt müssen 98 % der Telefonzellen betriebsbereit sein, Vorgaben für die Geschwindigkeit der Störungsbehebung oder an die Sauberkeit der Telefonzellen gibt es aber nicht.

1.7 Was beim Vertragsabschluss zu beachten ist

Die wichtigste Frage vor dem Vertragsabschluss ist natürlich die Auswahl des jeweiligen Netzbetreibers. Da Telefonie, Internet und Fernsehen zusammenwachsen, sollte diese Frage nicht isoliert für einen dieser Bereiche untersucht werden.

Die folgenden Fragen sollen eine Hilfestellung für die Auswahl des Netzbetreibers bilden.

1.7.1 Festnetz oder Mobilnetz?

Zunächst einmal stellt sich die Frage, ob überhaupt ein Festnetzanschluss gewünscht ist. Wer bloß telefoniert, kann statt dem Festnetztelefon auch ein Mobiltelefon nutzen. Der herausragende Vorteil des Mobiltelefons besteht natürlich darin, dass es fast überall verwendet werden kann. Der Nachteil besteht darin, dass manche Funktionalität nicht gegeben ist. Internetverbindungen funktionieren über das Mobiltelefon wesentlich schlechter. Nur UMTS ist in der Lage, eine Breitband- Internetverbindung zur Verfügung zu stellen. Der UMTS-Netzausbau ist allerdings noch nicht abgeschlossen, in vielen Gebieten steht UMTS noch nicht zur Verfügung. Mobiles Fernsehen steckt noch in den Kinderschuhen und ist kein Ersatz für die bestehenden Fernsehtechnologien.

Vor allem ist der Mobilfunk in der Regel teurer als das Festnetz. Das gilt sowohl für abgehende Telefonate als auch für ankommende Telefonate und auch für den Internet-Zugang. Für Personen, die sehr wenig telefonieren, kann ein Mobiltelefon hingegen sogar günstiger sein als ein Festnetzanschluss. Bei Prepaid-Verträgen sind zwar die Tarife für die einzelnen Verbindungen teuer, dafür ist kein monatliches Grundentgelt zu entrichten.

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

1.7.2 Abschätzung der monatlichen Gesamtkosten

Wenn ein Festnetzanschluss ausgewählt wird, dann soll bei der Auswahl des Netzbetreibers vor allem auf die zu erwartenden monatlichen Gesamtkosten geachtet werden. Insbesondere die Telefonieprodukte werden vor allem mit billigen Gesprächsentgelten (die zum Teil sogar nur 1 Cent/Minute oder gar 0 Cent/Minute betragen) beworben. Allerdings sagt dies gar nichts aus, wenn man nicht das Gesamtangebot und den Gesamtpreis beachtet.

Es kommt also darauf an, welche Dienstleistungen man insgesamt nutzen will: Wie viel wird pro Monat telefoniert und wer wird angerufen? Wie viel wird auf das Internet zugegriffen? Wieviel und was wird im Fernsehen gesehen? Welche dieser Dienstleistungen wären beim in Betracht gezogenen Angebot im monatlichen Preis bereits inkludiert, welche müssten extra bezogen werden?

1.7.3 Können Dienste anderer Anbieter genutzt werden?

Alle Netzbetreiber versuchen, dem einmal gewonnenen Kunden auch viele andere Leistungen zu verkaufen. In manchen Fällen wird sogar durch technische oder vertragliche Maßnahmen ausgeschlossen, dass der Kunde Leistungen anderer Unternehmen bezieht, obwohl dies technisch möglich wäre.

Bei der Telefonie ist es in aller Regel so, dass nur über jenen Anbieter telefoniert werden kann, bei dem man den Anschluss erworben hat. Allerdings gibt es auch Ausnahmen von dieser Regel. Die Telekom Austria ist wegen ihrer marktbeherrschenden Stellung verpflichtet, andere Netzbetreiber als Verbindungsnetzbetreiber oder zur Verbindungsnetzbetreibervorauswahl zuzulassen (siehe Kapitel 3.1.3). Wer über einen Kabelnetzbetreiber oder einen entbündelten Anschluss telefoniert, kann keine Verbindungsnetzbetreiber wählen. Die neuen VoIP-Technologien kommen dem Konsumenten in dieser Hinsicht wieder zugute. Wer einen Breitband-Internetzugang hat, kann grundsätzlich über verschiedene VoIP-Anbieter telefonieren (siehe Kapitel 3.1.6). Auch Calling Cards (siehe Kapitel 3.1.4) können aus den meisten Netzen genutzt werden.

Mit einem Breitband-Internetzugang könnte man theoretisch auch Fernsehen oder andere Videodienste von beliebigen Anbietern nutzen. Allerdings benötigen bewegte Bilder so viel Bandbreite, dass man bei den meisten Verträgen schon nach wenigen Stunden Fernsehen über das monatliche Limit für den Datenverkehr stößt. Bei manchen Internet-Service-Providern würde der Zugang dann gesperrt, bei anderen würden horrende Zusatzentgelte verrechnet. Daher sind Fernsehen und Videodienste über Internet derzeit nur dann wirklich attraktiv, wenn sie vom Anbieter des Internetzugangs selbst angeboten und nicht ins Limit eingerechnet werden.

Bevor man einen Vertrag abschließt, sollte man sich also genau erkundigen, welche Leistungen inkludiert sind und welche man auch von anderen Anbietern zukaufen könnte.

1.7.4 Angebot von Netzzugang und Inhaltsdiensten im Paket

Netzzugang und Inhalte werden zunehmend im Paket verkauft. Zum Teil werden dabei besonders attraktive Inhalte auch bewusst zur Vermarktung der Infrastruktur eingesetzt. Beispielsweise hat sich die Deutsche Telekom die Internetrechte für die

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

Übertragung der deutschen Fußball-Bundesliga gesichert und bewirbt damit ihr neues VDSL-Netzwerk. Gerade dieses Beispiel hat aber gezeigt, dass solche Paketangebote auch ihren Haken haben. Noch bevor das Netzwerk überhaupt verfügbar war, gab es nämlich schon einen heftigen Streit zwischen der Deutschen Telekom und Arena. Arena hat die Fußballrechte für die Übertragung im klassischen Fernsehen (insbesondere über Kabel und Satellit) gekauft. Da es für den Fernsehzuseher ziemlich wenig Unterschied macht, ob das Bild auf seinen Fernseher über normales Kabelfernsehen oder über das neue VDSL-Netzwerk übertragen wird, wurde schnell der Vorwurf laut, dass die deutsche Fußball- Bundesliga die selben Rechte doppelt verkauft hat. Der Konflikt wurde nicht zum Gerichtsfall, sondern konnte rechtzeitig beigelegt werden. Aber er ist nur ein Beispiel unter vielen, wo Inhalte besonders umstritten sind.

Wer einen Netzanschluss vor allem wegen des attraktiven Inhalts kauft, der über diesen Anschluss versprochen wird (das können z. B. Sportübertragungen sein oder aber der Zugriff auf eine umfangreiche Datenbank von Kinofilmen oder Musiktiteln), der soll sich dessen bewusst sein, dass es gut möglich ist, dass diese Inhalte schon nach kurzer Zeit nicht mehr angeboten werden. In diesem Bereich wird zur Zeit viel experimentiert. Großhandelsverträge können ablaufen oder gekündigt werden. Bestehende Allianzen zwischen Netzbetreibern und Inhalteanbietern können sich ändern.

In aller Regel werden sich die Netzbetreiber, die ihre Netzzugänge im Kombipack mit attraktiven Inhalten anbieten, im Kleingedruckten vorbehalten, die gebotenen Inhalte jederzeit durch andere ersetzen zu können. Das mag nicht immer rechtlich zulässig sein, vor allem dann nicht, wenn mit besonders attraktiven Inhalten gelockt wird und diese schon sehr bald ersatzlos aus dem Programm genommen werden. Ein Rechtsstreit darüber wäre aber wohl ziemlich mühsam. Wer einen Vertrag vor allem wegen der gebotenen Inhalte abschließen will, soll sich daher vorbeugend absichern, Werbematerialien aufheben und beim Anbieter ausdrücklich nachfragen, ob der Anbieter ein langfristiges Angebot der gewünschten Inhalte garantiert.

1.8 Checkliste Festnetz

Wird ein Festnetzanschluss oder ein Mobiltelefon benötigt, siehe 1.7.1?

Welche Dienste werden gewünscht (Telefonie, Internet, Fernsehen, siehe 1.5)?

Kann man die gewünschten Dienste aus einer Hand beziehen, bzw. kann man den neu gewünschten Dienst von einem Anbieter beziehen, mit dem man bereits einen Vertrag hat?

Welche Netze sind vor Ort verfügbar (Telefonnetz, siehe auch Netzausbau 1.1.2 und Entbündelung 1.1.3; Kabelfernsehnetz 1.2, Glasfaser 1.3, Funknetze

1.4)?

Können mit dem angebotenen Anschluss auch Leistungen anderer Unternehmer genutzt werden, siehe 1.7.3?

Bekommt man Netzzugang und Inhalte (z. B. Filme, Sportübertragungen) im Paket angeboten, siehe 1.7.4?

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

Monatliche Gesamtkosten abschätzen, siehe 1.7.2.

Fallen einmalige Kosten für die Errichtung des neuen Anschlusses an?

Fallen Kosten für einen allfälligen alten Anschluss an (z. B. Mindestvertragsdauer)?

Hat der neue Vertrag eine Mindestvertragsdauer?

Bei Entbündelung: Vom neuen Anbieter Informationen über den bevorstehenden Ablauf einholen. Sichert der Anbieter eine maximale Dauer der Unterbrechung des Anschlusses zu (siehe 1.1.3)?

Bei Wechsel des Betreibers: Können vorhandene Geräte auch beim neuen Betreiber verwendet werden?

Siehe auch die Checklisten zu Telefonie (3.5) und Internet (4.6).

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

2 Mobilnetz

2.1 Verschiedene Anbieter

Der Mobilfunkmarkt ist in Österreich dynamischer als in vielen anderen europäischen Staaten. Dies führt einerseits, für die Konsumenten erfreulich, zu einer Vielfalt von Angeboten und niedrigen Preisen, andererseits wird der Markt auch zunehmend unübersichtlich und viele neue Angebote entpuppen sich bei näherem Betrachten als Lockangebote.

Die verschiedenen Anbieter lassen sich wie folgt unterscheiden:

2.1.1 Netzbetreiber

Mobilfunk basiert auf der Verwendung von Funkfrequenzen. Die entsprechenden Lizenzen zur Nutzung der zur Verfügung stehenden Frequenzen werden an Netzbetreiber vergeben, die ihre eigene Infrastruktur errichten. Dabei gehört es jeweils zu den Lizenzauflagen, dass eine gewisse Mindestversorgung erreicht wird. Damit wollen der Gesetzgeber bzw. die Regulierungsbehörde erreichen, dass verschiedene, voneinander unabhängige Netze entstehen, die zueinander in Wettbewerb treten, was wiederum zu einem vielfältigen Angebot und niedrigen Preisen führt. Beispielsweise sehen die UMTS-Lizenzen vor, dass die UMTS-Netze bis Ende 2005 50 % der Bevölkerung versorgen mussten (diese Vorgabe haben alle Betreiber erfüllt). Die GSM-Netze versorgen inzwischen fast 100 % der Bevölkerung. In unbewohnten Gebieten gibt es aber noch große Lücken.

Nach einigen turbulenten Jahren gibt es in Österreich nun vier Netzbetreiber:

mobilkom austria, T-Mobile, One und Hutchison („3“). Die drei erstgenannten haben GSM- und UMTS-Lizenzen, Hutchison nur eine UMTS-Lizenz. Der Betreiber tele.ring (der über eine GSM- und eine UMTS-Lizenz verfügt) wurde im August 2005 von T- Mobile gekauft. Nach der Genehmigung dieses Kaufs im April 2006 begann T-Mobile damit, das tele.ring-Netz und sein eigenes Netz technisch zusammenführen.

2.1.2 Virtuelle Netzbetreiber und Servicebetreiber

Neben den Unternehmen, die ihre eigenen Netze betreiben, gibt es auch noch andere Formen, Mobilfunk anzubieten. Ein so genannter virtueller Mobilnetzbetreiber (MVNO) betreibt zwar einige der zentralen Elemente eines Mobilfunknetzes selbst (insbesondere jene Technologie, die den Überblick darüber hat, welcher Kunde gerade in welcher Funkzelle unterwegs ist) selbst, greift aber auf die Mobilfunkmasten eines anderen Netzbetreibers zurück. In Österreich ist Tele2UTA ein solcher virtueller Betreiber und nutzt das Netz von One. Gegenüber dem Kunden tritt ein virtueller Betreiber völlig selbstständig auf, er gibt eigene SIM- Karten aus, hat seine eigene Vorwahl und handelt seine eigenen Zusammenschaltungs- und Roamingabkommen aus. Dass die Masten nur angemietet sind, ist für den Kunden nicht erkennbar.

In den letzten Jahren sind darüber hinaus eine Reihe von Servicebetreibern aufgetreten, die sich vor allem auf verschiedene Arten von Billigangeboten konzentriert haben. Diese Servicebetreiber haben überhaupt kein eigenes Mobilnetz (auch kein Kernnetz wie ein MVNO), sie mieten alles zu. Meist werden eigene SIM-

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

Karten ausgegeben, manche Anbieter verkaufen SIM-Karten eines Mobilnetzbetreibers weiter. Manche Betreiber haben eigene Vorwahlen, andere nutzen Nummernblöcke eines der Mobilnetzbetreiber. Die Dienstleistungen sind teilweise erheblich eingeschränkt. Manche dieser Diskontanbieter bieten nur Telefonie und SMS im Inland an (Telefonate ins Ausland sind natürlich möglich, nicht aber Roaming, also eine Nutzung des Mobiltelefons im Ausland).

Teilweise werden Diskontangebote von rechtlich eigenständigen Firmen angeboten (z. B. ist die YESSS! Telekommunikation GmbH eine eigene Firma, wenngleich sie auch zu 100 % im Eigentum der One GmbH steht), zum Teil werden Diskontangebot und Vollangebot vom selben Unternehmen angeboten (z. B. bietet die mobilkom austria AG & Co KG sowohl A1 als auch bob an, obwohl in der Werbung versucht wird, beide Produkte als völlig unabhängig zu positionieren).

2.1.3 Andere Betreiber

Manche Anbieter von Telefoniediensten, vor allem Calling-Card-Anbieter (siehe Kapitel 3.1.4) bieten günstige Telefonate vom Mobiltelefon an. Bei Calling-Cards muss zuerst die Einwahlnummer des Calling-Card-Betreibers, dann in manchen Fällen die Kundennummer und zuletzt die Rufnummer des gewünschten Teilnehmers angerufen werden. In Abhängigkeit davon, welche Nummer als Einwahlnummer verwendet wird, kann es dazu kommen, dass der Kunde an zwei Firmen zahlen muss. Für die Einwahl zu einer 0800-Nummer muss der Kunde seinem Mobilfunkanbieter nichts zahlen (allerdings sind nicht alle 0800-Nummern von Mobilnetzen aus erreichbar), es erfolgt also nur eine Verrechnung durch den Calling-Card-Betreiber. Erfolgt die Einwahl über eine geographische Nummer (z. B. 01 für Wien), dann wird dies vom Mobilfunkanbieter verrechnet – und zwar auch für die Zeit, in welcher der Kunde seine Kundennummer und die gewünschte Rufnummer eintippt und auch dann, wenn der Angerufene gar nicht abhebt. Manche Calling-Card-Betreiber bieten zwar eine 0800-Nummer als Einwahlnummer an, verrechnen aber einen Zuschlag, wenn von einem Mobiltelefon aus angerufen wird. Trotz der etwas umständlicheren Nutzung können solche Dienste eine sehr günstige Alternative sein, vor allem für Telefonate in fernere Auslandsdestinationen.

2.2 Angebotene Dienstleistungen

2.2.1 Telefonie

Die Hauptdienstleistung der Mobilnetze ist nach wie vor die Telefonie, obwohl SMS und Datendienste einen stetig wachsenden Anteil der Umsätze der Netzbetreiber darstellen.

Der hohe Konkurrenzdruck hat zu ziemlich unübersichtlichen Tarifstrukturen geführt. Meist wird mit dem Preis pro Minute Werbung gemacht. Dabei werden häufig Preise von 0 Eurocent/Minute oder 1 Eurocent/Minute (zu ausgewählten Freunden oder ins eigene Netz) genannt oder niedrige Preise „in alle Netze“. Die monatlichen Grundentgelte, Mindestumsätze oder die extrem lange Taktung werden dabei meist verschwiegen oder im Kleingedruckten versteckt.

Unter anderem haben sich die Mobilfunkbetreiber bislang zumindest die folgenden Tricks einfallen lassen, um trotz niedrigster Minutenpreise noch Gewinne zu machen:

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

Hohe monatliche Grundentgelte. Für viele vermeintlich günstige Tarife wird ein Grundentgelt von 30 bis 40 Euro pro Monat verrechnet, teilweise sogar erheblich mehr (es gibt auch Tarife mit 70 bis 85 Euro pro Monat).

– Zusätzliche monatliche Grundentgelte für Optionen. Für viele Tarifoptionen (z. B.:

günstige Telefonate in ein bestimmtes Netz) wird eine zusätzliche Bestellung und ein zusätzliches monatliches Entgelt verlangt.

Mindestumsatz: Bei manchen Tarifen wird statt einem monatlichen Grundentgelt ein monatlicher Mindestumsatz verlangt. Einen ähnlichen Effekt haben Regelungen, nach denen z. B. ein bestimmter günstiger Tarif nur einen Monat nach dem Aufladen der Wertkarte um einen Mindestbetrag gilt.

Taktung: Statt sekundengenauer Abrechnung (1/1) wird oft in Takten wie 30/30, 60/30, 60/60 oder sogar 90/60 abgerechnet. Das führt bei kurzen Gesprächen zu erheblichen Verteuerungen (siehe 3.4). Aufgrund einer Initiative des Konsumentenschutzministeriums und der RTR haben die Mobilfunkanbieter angekündigt, ab Herbst 2006 Inlandstarife mit Sekundentakt anzubieten. Naturgemäß werden diese Tarife entweder als eigene Tarife mit höherem Grundentgelt oder als Tarifoptionen für ein monatliches Zusatzentgelt angeboten werden.

Bindungsfristen. Abgesehen davon, dass die Mindestvertragsdauern in den letzten Jahren sukzessive verlängert wurden und nun oft 24 Monate dauern, gibt es auch für manche Tarifoptionen Mindestdauern oder zusätzliche Spesen, wenn man vorzeitig in einen anderen Tarif wechseln will.

Schwieriger Tarifwechsel: Manchmal wird die Möglichkeit des Tarifwechsels überhaupt eingeschränkt.

– Günstige monatliche Grundentgelte, die aber mit einer Mindestvertragsdauer gekoppelt sind und später ansteigen.

– Entgelte zum Abfragen der Mailbox

Verfall von Freiminuten oder Restguthaben. Üblicherweise ist in AGB vorgesehen, dass Freiminuten (z. B. zu Monatsende) verfallen, wenn sie nicht verbraucht werden. In den AGB von Wertkartenangeboten war in der Regel vorgesehen, dass einbezahlte Guthaben nach einer gewissen Zeit verfallen (z. B. wenn die Wertkarte mehr als ein Jahr lang nicht aufgeladen wird). Letzteres wurde in einem Urteil des Obersten Gerichtshofs als unzulässig erkannt. Die Betreiber haben sich beholfen, indem sie die Auszahlung von Restguthaben möglichst umständlich machen.

– Weiters gibt es noch viele Einzelentgelte, die zwar nur selten verrechnet werden, sich im Lauf der Zeit aber auch summieren: Aktivierungs- oder Freischaltentgelte, Entgelte für Kontakte zur Hotline des Betreibers, Erlagscheingebühr, Bearbeitungsentgelte bei der Kündigung des Vertrages oder der Auszahlung von Restguthaben,

Um trotz der Vielfalt an Tarifen und Entgelten ein möglichst günstiges Angebot zu wählen, ist empfehlenswert, nicht auf die Minutenpreise, sondern auf den zu

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

erwartenden monatlichen Gesamtpreis zu achten. Man sollte anhand bisheriger Rechnungen oder Einzelentgeltnachweise durchrechnen, wie hoch die Rechnung bei einem Wechsel des Anbieters oder einem Wechsel des Tarifs wohl wäre. Bei dieser Berechnung wird sich häufig zeigen, dass niedrige Minutenentgelte wegen der hohen monatlichen Grundentgelte nichts bringen. Der Anhang enthält Links zu Websites mit Tarifinformationen. Manche dieser Websites bieten auch Berechnungshilfen an, um die Kosten verschiedener Mobilnetzbetreiber zu vergleichen.

Mobiltelefonie wird noch auf einige Jahre hinaus teurer bleiben als Festnetztelefonie. Das liegt auch an den Entgelten, die sich die Betreiber untereinander für die Zustellung von Telefonaten in ihre Netze zahlen müssen. Ein Telefonat an ein Festnetz zu übergeben, kostet etwa 1 Eurocent/Minute. Um ein Telefonat in ein Mobilnetz zuzustellen, verrechnet der jeweilige Mobilnetzbetreiber derzeit zwischen 8 und 16 Eurocent/Minute, bis Ende 2008 soll dies in Österreich auf ca. 7 Eurocent/Minute abgesenkt werden. Der Hintergrund ist einerseits darin zu suchen, dass die ehemaligen Festnetz-Monopolisten zu Beginn der Liberalisierung stärker reguliert wurden als die Mobilfunkbetreiber. Andererseits liegen die Investitionen der Mobilfunkbetreiber nur wenige Jahre zurück, wohingegen Teile der Festnetz-Infrastruktur schon seit Jahrzehnten abgeschrieben sind.

Voice over IP ist in den klassischen Mobilfunknetzen (GSM, UMTS) noch kaum eine Alternative. Da die Entgelte für Datenverkehr in diesen Netzen extrem hoch sind, nützt es auch nichts, dass viele VoIP-Verbindungen kostenlos sind. Die Kosten für den Datenverkehr sind viel höher als die Ersparnis für die Telefonieverbindung. Allenfalls kann VoIP für Nutzer interessant sein, die einen Breitbandzugang mit einer UMTS-Datenkarte zu einem monatlichen Fixpreis nutzen. Allerdings ist in den derzeitig angebotenen monatlichen Paketen so wenig Verkehrsvolumen enthalten, dass es von einem Vieltelefonierer wohl rasch überschritten würde.

Als Alternative zu Mobiltelefonen werden allerdings Geräte angeboten, die sich nicht nur in Mobilfunknetze, sondern auch in andere Funknetze wie insbesondere WLAN- Hotspots einwählen können und dann Sprachtelefonie auf der Basis von VoIP unterstützen. Der Kunde nutzt das Gerät zu Hause in seinem eigenen, am Breitband- Internet angeschlossenen WLAN-Netz. Unterwegs wählt sich das Gerät in einen lokalen Hotspot ein, wenn einer verfügbar ist. Nur dann, wenn dies nicht der Fall ist, wird auf Mobilfunknetze zurückgegriffen. Derzeit sind diese Geräte noch nicht weit verbreitet, es ist aber durchaus möglich, dass sich solche Angebote langfristig durchsetzen.

2.2.2 SMS

Textnachrichten stellen derzeit eine besonders gewinnträchtige Einnahmequelle der Mobilfunkanbieter dar. Obwohl für die Übermittlung einer SMS nicht viel mehr Aufwand erforderlich ist als für den Verbindungsaufbau eines Telefonats, wird für eine Textnachricht meist ein ähnlicher Betrag verrechnet wie für eine volle Minute eines Gesprächs. Den Kunden ist oft nicht bewusst, dass z. B. ein Dialog aus mehreren hin- und hergeschickten SMS wesentlich mehr kostet als ein Telefonat, in dem der selbe Dialog in weniger als einer Minute beendet werden könnte.

Eine besondere Kostenfalle stellen Mehrwert-SMS dar (siehe Kapitel 5.6).

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

2.2.3 Internetzugang und Inhaltsdienste

Die Möglichkeit, über Mobiltelefonnetze auf das Internet zuzugreifen, stellt einen Hoffnungsmarkt für Mobilnetzbetreiber dar. Als die Betreiber im Jahr 2000 in verschiedenen europäischen Staaten astronomische Summen bei der Versteigerung von UMTS-Lizenzen zahlten, lag dem unter anderem die Erwartung zugrunde, Mobiltelefonkunden in der Zukunft nicht bloß Telefonie und SMS, sondern vor allem auch Inhalte verkaufen zu können.

Von dieser Erwartungshaltung sind die Angebote noch immer geprägt. In der Regel haben neuere Mobiltelefone einen eingebauten WAP-Browser und jeder Mobilnetzbetreiber stellt seinen Kunden ein maßgeschneidertes WAP-Portal zur Verfügung. (WAP ist sozusagen eine speziell für Mobiltelefone, kleine Displays und langsame Datenübertragungsraten abgespeckte Version der wichtigsten Internet- Protokolle.) Die im Portal angebotenen Dienste (z. B. Wetterberichte, aktuelle Nachrichten oder eine Suche im Telefonbuch) werden dem Kunden dann separat verrechnet.

Vor allem in den UMTS-Netzen wird großes Augenmerk darauf gelegt, Kunden ein Portal mit mannigfaltigen Inhalten zu bieten. Aufgrund der größeren Datenübertragungsraten ist es bei UMTS auch möglich, Musikclips, die Beiträge der Fernseh-Abendnachrichten oder überhaupt das aktuelle Fernsehprogramm ausgewählter Sender zu übertragen. Teilweise sind diese Angebote im monatlichen Grundentgelt enthalten, teilweise werden sie zusätzlich verrechnet.

Der Nachteil der derzeit angebotenen Portale besteht darin, dass sie in ihrer Angebotsfülle natürlich niemals mit der unglaublichen Vielfalt des gesamten Internet konkurrieren können. Und die meisten Inhalte, die auf dem Portal für 50 Cent oder einen Euro pro Abruf angeboten werden, gibt es im Internet besser und gratis. Die Betreiber versuchen, die Nutzung der Portale zu unterstützen, indem sie diese möglichst leicht zugänglich machen. Für den Zugriff auf das Portal ist meist nur ein simpler Tastendruck erforderlich, für den Zugriff auf andere Inhalte des Internet muss der Kunde zunächst einmal die Adressleiste des Browsers einblenden und dann deren Webadresse aufwändig über die Tastatur eintippen. Ein besonderes Steuerungsinstrument haben die Betreiber natürlich mit der Tarifgestaltung in der Hand. Für den Zugriff auf das Internet werden meist sehr hohe Preise verrechnet, teilweise mehrere Euro pro MByte. Der Datenverkehr zum Portal hingegen wird meist nicht verrechnet.

Dennoch scheint die Vermarktung der Inhaltsdienste am Portal nur schleppend zu funktionieren. In jüngster Zeit haben die Mobilnetzbetreiber daher umgeschwenkt und vermarkten nun vermehrt den reinen Internetzugang, z. B. als „mobiles Breitband“ über eine Datenkarte, die in Notebooks eingesteckt werden kann. Mit fortschreitendem Netzausbau nähern sich die angebotenen Datenübertragungsraten und Verkehrsvolumen schön langsam auch den Angeboten im Festnetz an. Die Preise für mobiles Breitband liegen zwar noch signifikant über den Preisen von festen Breitbandanschlüssen, allerdings sind schon verschiedene Werbeaktionen zu beobachten, mit denen versucht wird, das mobile Breitband als leistbare Alternative zum Festnetz-Breitband zu positionieren.

Für die nächsten Jahre ist zu erwarten, dass die Mobilfunkbetreiber diese Strategie weiterhin verfolgen werden: Nutzern von Notebooks werden Datenkarten und

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

mobiles Breitband angeboten, für den Zugriff über das Mobiltelefon wird weiterhin versucht werden, Inhalte über die betreibereigenen Portale zu verkaufen.

2.2.4 Roaming

Zu den besonderen Vorteilen des Mobiltelefons gehört es, dass man das Telefon in sehr vielen Staaten der Erde nutzen kann. Es genügt ein entsprechender Vertrag zwischen dem Heimatnetzbetreiber und einem Betreiber im Gastland und man kann telefonieren. Der Nachteil sind die von den beiden Betreibern verrechneten enormen Kosten.

Zu beachten ist auch, dass nicht in allen Staaten die gleichen Frequenzen und die gleiche Technologie verwendet werden. Zwar hat sich der europäische Standard GSM auch weit über die Grenzen Europas hinaus gegenüber anderen Mobilfunkstandards durchgesetzt und es gibt in über 200 Staaten weltweit GSM- Netze. Allerdings werden insbesondere in Nord- und Südamerika andere Frequenzen verwendet als in Europa, weiten Teilen Asiens und Afrika. Um auch dort telefonieren zu können, benötigt man ein so genanntes „Triband“-Handy, oder man leiht sich vor Ort ein Gerät aus, das die lokal üblichen Frequenzen unterstützt.

Roaming ist eine wahre Kostenfalle. Zunächst einmal ist zu beachten, dass für den Kunden im Ausland auch die passiven Gespräche verrechnet werden. Denn der Anrufer ruft ja ganz normal die Nummer im Heimatland an und bekommt daher auch nur den Anruf dorthin verrechnet. Die Weiterleitung des Anrufes ins Ausland wird dem angerufenen Handykunden in Rechnung gestellt. Dass die aktiven Telefonate ebenfalls verrechnet werden, ist klar. Die Tarife sind erheblich, denn auf die normalen Tarife des Gastlandes werden noch großzügige Gewinnspannen für beide Netzbetreiber aufgeschlagen. Und natürlich gelten die im Heimatland groß beworbenen Billigtarife („1 Cent in alle Netze“, Gratistelefonate zu ausgewählten Freunden etc.) im Ausland nicht.

Die hohen Roamingkosten geraten politisch immer stärker unter Druck. Im Frühjahr und Sommer 2006 hat sich die Europäische Kommission stark dagegen engagiert und einen Vorschlag für eine Europäische Verordnung präsentiert, die sowohl für die Großhandelspreise als auch für die Endkundenpreise eine Deckelung vorschreiben soll, die deutlich niedriger als die derzeitigen Preise wären. Die Verordnung würde aber erst im Sommer 2007 in Kraft treten, die Bestimmungen für die Endkundenpreise erst gegen Ende 2007.

Die Betreiber haben auch durch besondere Angebote auf die Diskussion um die Roamingkosten reagiert. Manche Betreiber haben die Preise etwas gesenkt. Einige Betreiber bieten Optionstarife an, bei denen man sich gegen Zahlung eines zusätzlichen monatlichen Entgelts billigeres Roaming erkaufen kann. Da muss man sich natürlich vorher gründlich durchrechnen, ob sich dieses Angebot rentiert.

Einigen Kostenfallen im Zusammenhang mit Roaming kann man entgehen, indem man seinen Anschluss entsprechend konfiguriert. Dies lässt sich meist über einzelne Menüpunkte („Rufumleitung“, „Netzwahl“) der Mobiltelefone vornehmen oder man muss bei der Hotline seines Betreibers anrufen:

– Wer sich in Grenznähe aufhält und auf seinem Endgerät automatische Netzwahl eingestellt hat, dem kann es leicht passieren, dass sein Mobiltelefon einen

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

Sendemasten jenseits der Grenze als leistungsstärksten Sender identifiziert und sich in dieses Netz einbucht. Damit roamt der Kunde unfreiwillig und muss sowohl für aktive als auch für passive Telefonate viel bezahlen. Dies lässt sich verhindern, indem man das Gerät auf manuelle Netzwahl umstellt.

– Meist ist die Mailbox so konfiguriert, dass ein Anruf erst dann auf die Mailbox umgeleitet wird, wenn das Telefon einige Zeit lang geklingelt hat, aber nicht abgehoben wurde. Das ist im Ausland besonders teuer. In diesem Fall wird der Anruf nämlich zuerst an das im Ausland roamende Handy zugestellt (wofür dem Angerufenen ein Roamingentgelt in Rechnung gestellt wird). Hebt der Angerufene nicht ab, dann wird das Telefonat wieder zurück an die Mailbox geschickt (wofür noch einmal Roamingentgelte verrechnet werden). Ein einzelner Anruf zur Mailbox kann den Angerufenen somit mehrere Euros kosten (und das Abhören aus dem Ausland wird vielfach auch verrechnet).

Dies lässt sich vermeiden, indem man die Rufumleitung anders konfiguriert. Man kann sich entscheiden, alle einlangenden Anrufe jedenfalls auf die Mailbox umzuleiten. Dann klingelt das Telefon nie, alles landet auf der Mailbox. Für einen Urlauber, der sich erholen will, ist das vielleicht gar keine schlechte Lösung. Oder man konfiguriert das Gerät so, dass niemals umgeleitet wird. Wenn der Anruf nicht beantwortet wird, dann muss es der Anrufer eben später nochmals versuchen.

– Auf vielen Mobiltelefonen können direkt im Menü auch Sperren eingestellt werden, die Kosten sparen helfen, z. B. dass man während des Roamens keine Aktivgespräche führen kann.

Um den hohen Roamingkosten zu entkommen, ist es ratsam, sich im Ausland überhaupt nach einer anderen Möglichkeit umzusehen. Oft sind Calling Cards (siehe 3.1.4) die günstigste Alternative, um aktive Telefonate zu führen. Allerdings sollte man sich vorher beim Anbieter der Calling Card erkundigen, welche Einwahlnummer man verwenden soll und ob diese Nummer vom Mobiltelefon aus ohne Roamingkosten angerufen werden kann. Wenn man sich nicht sicher ist, sollte man es besser von einer Telefonzelle aus probieren. Wer ein Mobiltelefon hat, das nicht mit einem SIM-lock gesperrt ist, kann sich auch eine Prepaid SIM-Karte des Gastlands besorgen. Dann muss man nur diese SIM-Karte statt der österreichischen SIM-Karte einlegen und kann unter einer Telefonnummer des Gastlandes angerufen werden und aktiv telefonieren, beides zu den Konditionen die für Einheimische gelten.

2.2.5 Postpaid-Vertrag oder Prepaid-Wertkarte

Alle Mobilfunkanbieter haben sowohl „Vertragshandys“ als auch „Wertkartenhandys“ im Angebot (nur die Diskontanbieter beschränken sich teilweise auf „Wertkartenhandys“).

Die umgangssprachliche Unterscheidung in „Vertrag“ und „Wertkarte“ ist rechtlich unsinnig. Natürlich liegt in beiden Fällen ein Vertrag zugrunde, in dem sich der Anbieter zur Erbringung von Telekommunikationsleistungen und der Kunde zur Bezahlung verpflichtet.

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

Allerdings bleibt der Kunde beim Wertkartenvertrag oft anonym. In der Regel ist dieser Vertrag auch übertragbar, man kann ein Wertkartenhandy also ohne weiteres verschenken.

Bei manchen Produkten legt der Mobilfunkanbieter auf eine „Registrierung“ Wert, d. h. er will die Identität des Wertkartenkunden kennen. Das ist eine Frage der Produktgestaltung und der Kundenbindung. Anders als in manchen anderen Ländern, in denen aus polizeilichen Gründen eine Identitätsfeststellung der Kunden verlangt wird, gibt es in Österreich keine solche Anforderung.

In den AGB haben die Mobiltelefonanbieter einen Verfall des Wertkartenguthabens vorgesehen, wenn der Vertrag längere Zeit nicht genutzt wird. Dies wurde in einem vom Verein für Konsumenteninformation geführten Musterprozess vom Obersten Gerichtshof für unzulässig erklärt (4 Ob 112/04f, 18.08.2004). Die Betreiber haben daraufhin ihre AGB geändert, versuchen aber die Rückerstattung von Guthaben möglichst umständlich zu gestatten.

2.3 Kostenfalle Handy

Vor allem für Jugendliche erweist sich das Handy oft als Kostenfalle. Um hohe Kosten zu vermeiden, sollten insbesondere die folgenden Punkte beachtet werden:

– Auswahl

des

richtigen

Tarifs,

z. B.

über

den

Handy-Tarifrechner

der

Arbeiterkammer: http://www1.arbeiterkammer.at/Handytarif/

– Beim Tarifwechsel sollten allfällige Mindestvertragsdauern oder Bindungsfristen beachtet werden.

– Zur Auswahl zwischen Vertragshandy oder Wertkartenhandy siehe oben 2.2.5.

– Einige Betreiber bieten auch beim Vertragshandy an, dass eine monatliche Höchstgrenze vereinbart werden kann. Erreicht man diese Grenze, kann man nicht mehr aktiv telefonieren oder SMS versenden, ist aber weiterhin erreichbar.

Mehrwertdienste kann man sperren lassen, seit Anfang 2006 funktioniert das auch für Mehrwert-SMS (siehe 5.3).

– Darüber hinaus bieten die Mobilfunkanbieter auch Sperren für Telefonate ins Ausland oder für Roaming an.

– Der Internetzugang über Handy kann teuer sein, insbesondere wenn Dienste aus dem Portal des Betreibers in Anspruch genommen werden (z. B. wenn Musik oder Klingeltöne heruntergeladen werden). Auf vielen Mobiltelefonen ist standardmäßig eine Taste konfiguriert, die automatisch eine Internetverbindung aufbaut. Wer dies deaktivieren will, kann in den WAP-Einstellungen des Gerätes die Einwahlnummer bzw. die vorkonfigurierte Internetadresse löschen.

Roamingkosten sind besonders hoch. Wer ins Ausland fährt, sollte sich vorher über die Kosten erkundigen und seine Mailbox kostensparend konfigurieren (siehe 2.2.4). Wer sich in Grenznähe aufhält, sollte darauf achten, dass sich sein Handy oder seine Datenkarte nicht automatisch in ein teures Netz jenseits der Grenze einbucht (siehe ebenfalls 2.2.4).

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

Detaillierte weiterführende Informationen bietet das Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz auf seiner Website http://www.bmsg.gv.at/, Fachbereich „Konsumentenschutz“, Rubrik „Aktuelles – Kostenfalle Handy“ an.

2.4 Checkliste Mobilnetz

Wird ein Festnetzanschluss oder ein Mobiltelefon benötigt, siehe 1.7.1?

Welche Dienste werden gewünscht (Telefonie, SMS, Internet, Roaming, siehe

2.2)?

Nicht auf die Werbeslogans achten, sondern stattdessen die monatlichen Gesamtkosten abschätzen.

Alle Kostenfaktoren berücksichtigen (siehe 2.2.1): monatliches Grundentgelt, zusätzliche monatliche Grundentgelte für Optionen, Mindestumsatz, Taktung (siehe 3.4), Bindungsfristen,

Wenn eine Internetverbindung über Mobiltelefon gewünscht ist (siehe 2.2.3):

Welche Bandbreiten sind möglich? Wie weit ist der Netzausbau vorangeschritten, in welchen Gebieten kann man die Internetverbindung effektiv nutzen?

Roaming: Maßnahmen gegen Kostenfallen ergreifen: Manuelle Netzwahl, Rufumleitung auf die Mailbox entweder generell einschalten oder generell ausschalten (siehe 2.2.4).

Siehe auch die Tipps zur Kostenvermeidung (2.3) und die Checklisten zu Telefonie (3.5) und Internet (4.6).

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

3 Telefonie

3.1 Angebotene Dienstleistungen

3.1.1 Überblick

Die angebotenen Telefoniedienstleistungen lassen sich in ihrer Funktionalität derzeit grob in drei Gruppen einteilen:

Telefonie im Festnetz: der Kunde hat eine Festnetz-Telefonnummer und kann grundsätzlich alle Telefonnummern auf der ganzen Welt anrufen und von ihnen angerufen werden. Der Kunde kann sein Telefon nur an einem bestimmten Ort nutzen.

Mobiltelefonie: der Kunde hat eine mobile Telefonnummer und kann grundsätzlich alle Telefonnummern auf der ganzen Welt anrufen und von ihnen angerufen werden. Der Kunde kann sein Telefon überall im Netz seines Betreibers nutzen (bzw. in den Netzen anderer Betreiber, mit denen Roamingverträge bestehen).

Internet-Telefonie außerhalb der klassischen Telefonnetze: Dabei hat der Kunde keine Telefonnummer, sondern z. B. einen Usernamen. Statt einem Telefon wird häufig Software auf einem Computer und ein Headset verwendet. Telefonate zu Nutzern derselben Technologie sind kostenlos, um ins normale Telefonnetz zu telefonieren oder von dort aus erreichbar zu sein, werden meist kostenpflichtige Zusatzfunktionen angeboten.

Diese Unterscheidung ist ganz bewusst keine Unterscheidung nach der zugrunde liegenden Technologie, sondern nach der Funktionalität. In den letzten Jahren wurde „Voice over IP“ (VoIP) zu einem Schlagwort. Dies bezeichnet eine Technologie, mit der Sprachtelefonie über das Internet realisiert wird. Für den Konsumenten ist aber nicht wichtig, wie die Technologie heißt, sondern wie sie in der Praxis funktioniert. Es gibt auf VoIP basierende Festnetzanschlüsse, die für den Kunden genau wie ein klassischer Telefonanschluss funktionieren, mit einem normalen Telefonapparat, einer normalen Telefonnummer und Verrechnung pro telefonierter Minute. Andererseits gibt es VoIP-Angebote, für die sich der Kunde nur eine Software herunterladen und ein Headset kaufen muss. Der Kunde hat keinen Vertrag mit dem Betreiber (eigentlich gibt es gar keinen Betreiber, nur jemanden, der die Software bereitstellt), er braucht die Telefonate nicht zu bezahlen (zu bezahlen ist nur das Entgelt für den Internetanschluss), er kann allerdings ohne Zusatzfunktionen auch nicht ins normale Telefonnetz hinaustelefonieren oder von dort erreicht werden.

Grundsätzlich besteht keine Notwendigkeit, dass die einzelnen Telefonate von dem Betreiber angeboten werden, der auch den Telefonanschluss bereitstellt. Allerdings bedarf es dazu meist einer Zusammenarbeit zwischen dem Netzbetreiber und dem Anbieter des Telefondienstes.

3.1.2 Telefonie über den Anbieter des Telefonanschlusses

Für jemanden, der Telefonie nutzen will, stellt sich natürlich zunächst einmal die Frage, von welchem Anbieter er einen Telefonanschluss kaufen will. Dabei wäre Folgendes zu überlegen:

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

Festnetzanschluss oder Mobiltelefon? In den letzten Jahren gab es jedes Jahr einen leichten Rückgang der Festnetzanschlüsse, die Zahl der Mobiltelefone hingegen ist rasant gewachsen und hat die Zahl der Festnetzanschlüsse längst überholt. Neben der Funktionalität sollte man vor allem die Preise bedenken. Die Preise für die einzelnen Gespräche selbst sind zwar im Mobilnetz deutlich höher (und das wird sich in den nächsten Jahren auch nicht ändern), für Wenigtelefonierer kann ein Wertkarten-Mobiltelefon aber insgesamt günstiger sein als ein Festnetzanschluss, für den ein monatliches Grundentgelt zu bezahlen ist. Auch wenn jemand ein Mobiltelefon und einen Festnetzanschluss nutzt, über das Festnetz aber nur sehr wenige Gespräche führt, dann kann es preiswerter sein, auf den Festnetzanschluss ganz zu verzichten und nur mehr mobil zu telefonieren. Neben den eigenen Kosten sollten aber auch die Kosten der Anrufer bedacht werden. Wer nur zu deutlich höheren Kosten angerufen werden kann, wird vielleicht auch seltener angerufen werden.

Welche anderen Kommunikationsdienste werden genutzt? Im Vergleich zu Kabelfernsehen und Breitband-Internet stellen die Kosten für Telefonie nur mehr einen kleinen Teil der monatlichen Grundentgelte dar. Für Kunden, die mehrere Kommunikationsdienste nutzen wollen, ist es daher sinnvoller, sich zunächst einmal zu überlegen, über welches Netz man Fernsehen und/oder Internet beziehen will. Viele Kabelnetzbetreiber bieten auch günstige Telefonanschlüsse an. Wer einen Internet-Breitbandzugang hat, kann entweder von seinem Internet- Service-Provider oder von anderen VoIP-Anbietern Telefondienstleistungen in Anspruch nehmen.

Kann man alternative Anbieter nutzen? Die Telekom Austria ist als marktbeherrschendes Unternehmen dazu verpflichtet, ihr Netz auch anderen Anbietern zu öffnen. Inhaber eines Telekom-Austria-Anschlusses können sich daher entscheiden, ihre Telefonate über einen alternativen Verbindungsnetzbetreiber zu führen (siehe Kapitel 3.1.3) und der Telekom Austria nur das monatliche Grundentgelt zu bezahlen. Bei anderen Anschlüssen (insbesondere allen Mobilfunknetzen und den Anschlüssen über Kabelfernsehnetze) besteht diese Auswahlmöglichkeit nicht. Man telefoniert dort im wesentlichen über den Netzbetreiber, der den Anschluss bereitstellt (Ausnahmen siehe Kapitel 3.1.3).

3.1.3 Verbindungsnetzbetrieb

Hinter dem sperrigen Wort „Verbindungsnetzbetreiber(vor)auswahl“ – oft auch in der englischen Variante Carrier (Pre-)Selection verwendet – verbirgt sich die praktikabelste und einfachste Methode, alternative Anbieter zu nutzen. Wer einen Festnetzanschluss der Telekom Austria hat, muss sich nur bei einem der Verbindungsnetzbetreiber anmelden und kann dann durch das Vorwählen einer vierstelligen Zahl (die immer mit 10 beginnt) Telefonate über den alternativen Anbieter führen. Es gibt zwei Varianten. Bei der Verbindungsnetzbetreiberauswahl (Carrier Selection) muss man die vierstellige Zahl vor jedem einzelnen Telefonat vorwählen. Diese Variante wird seltener verwendet, vor allem dann, wenn man mit mehreren Verbindungsnetzbetreibern einen Vertrag hat, z. B. ein Unternehmen für günstige Inlandsgespräche und ein anderes, das besonders günstige Tarife zu den Verwandten in Brasilien anbietet. Häufiger wird die Verbindungsnetzbetreibervorauswahl (Carrier Preselection) verwendet: Dabei

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

wird der Telefonanschluss von der Telekom Austria so eingerichtet, dass die vierstellige Zahl des alternativen Betreibers automatisch bei jedem einzelnen Telefonat vorgewählt wird, sodass also alle Telefonate über den alternativen Betreiber verrechnet werden. Allerdings kann man sich auch bei dieser Variante die voreingestellte Auswahl deaktivieren, indem man die vierstellige Zahl eines anderen Betreibers (oder 1001 für die Telekom Austria) wählt.

Telefonate zu Dienstenummern (08xx, 09xx, Telefonauskunft 118xx) werden nie über den Verbindungsnetzbetreiber, sondern immer über die Telekom Austria geführt. Bei diesen Nummern wird der Preis nämlich nicht vom Netzbetreiber des Anrufers definiert, sondern vom Angerufenen. Der Preis steht daher von vornherein fest und ein Telefonat über den Verbindungsnetzbetreiber würde keine Ersparnis bringen.

Bestellt und gekündigt wird die Verbindungsnetzbetreiber(vor)auswahl immer beim alternativen Betreiber, nicht bei der Telekom Austria. Wenn Carrier Preselection bestellt wird (was auf den Bestellformularen der Regelfall ist), dann veranlasst der alternative Betreiber die entsprechende Voreinstellung durch die Telekom Austria. Dies wurde so festgelegt, um alternativen Betreibern den leichteren Marktzutritt zu ermöglichen. Für den alternativen Anbieter ist es einfacher, neue Kunden zu gewinnen, wenn er diese direkt ansprechen und direkt mit ihnen einen Vertrag abschließen kann, ohne dass die Kunden nochmals die Telekom Austria kontaktieren müssen. Auch für den Konsumenten ist es grundsätzlich von Vorteil, wenn er direkten Kontakt zum alternativen Betreiber hat. So kann er sich ein besseres Bild von diesem Unternehmen verschaffen.

Allerdings hat dies auch zu Missbräuchen geführt. Manche alternative Betreiber setzen Keiler ein, die von Wohnungstüre zu Wohnungstüre gehen und versuchen, Konsumenten Verträge aufzuschwatzen. In manchen Fällen gaben sich die Keiler als Mitarbeiter der Telekom Austria aus oder haben versucht, Konsumenten einzureden, dass sie nur „der Form halber“ unterschreiben müssten. In besonders krassen Fällen haben Keiler, die pro geworbenem Kunden eine Provision erhalten, die Unterschriften der Kunden überhaupt gefälscht. Die verdutzten Kunden bekamen dann auf einmal Rechnungen von einem ihnen unbekannten Unternehmen, ohne dass ihnen bewusst war, dass ihre Telefonate über dieses Unternehmen geführt wurden. Natürlich kann ein Unternehmen, mit dem kein rechtmäßiger Vertrag geschlossen wurde und dessen Leistungen man nie in Anspruch nehmen wollte, keine Bezahlung dieser Leistungen durchsetzen. Allerdings sind solche Fälle für den Konsumenten mühsam, denn er muss sich nicht nur über die Rechnungen streiten, sondern auch darauf achten, dass das Unternehmen eine allenfalls bei der Telekom Austria eingerichtete Verbindungsnetzbetreibervorauswahl wieder rückgängig machen lässt.

Beim Vertragsabschluss ist auch Vorsicht geboten, welche Leistung genau bestellt wird: Einige Unternehmen, die Verbindungsnetzbetrieb anbieten, bieten auch Entbündelung (siehe Kapitel 1.1.3) an: Beim Verbindungsnetzbetrieb bleibt der Vertrag des Kunden mit der Telekom Austria aufrecht und der Kunde zahlt weiterhin das monatliche Grundentgelt an die Telekom Austria. Bei der Entbündelung wird die Leitung von den Systemen der Telekom Austria abgetrennt und mit den Systemen des alternativen Betreibers verbunden. Der Vertrag mit der Telekom Austria muss

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

gekündigt werden und der Kunde hat nach der Entbündelung nur mehr einen Vertrag mit dem alternativen Anbieter.

3.1.4 Calling Cards

Vor allem für Telefonate in entfernte Auslandsdestinationen haben sich Calling Cards als besonders günstige Alternative etabliert. Praktisch sind diese Karten auch, wenn man im Ausland telefonieren will, da die Entgelte meist erheblich unter den Roamingentgelten liegen.

Eine solche Karte ist in der Regel einfach ein scheckkartengroßes Stück Karton, auf dem die Einwahlnummern des Anbieters und ein Code aufgedruckt sind. Der Code ist verdeckt und muss nach dem Kauf freigerubbelt werden. Danach wählt man einfach die Einwahlnummer des Anbieters (meist eine kostenfreie 0800-Nummer) und, nachdem die Verbindung aufgebaut wurde, den Code und die gewünschte Rufnummer. Dies kann man wiederholen, bis das beim Kauf bezahlte Guthaben verbraucht ist, dann muss eine neue Karte erworben werden.

In ähnlicher Weise funktionieren auch Angebote, bei denen man nicht dauernd eine neue Karte kaufen muss, sondern einen laufenden Vertrag hat. Statt dem freigerubbelten Code wählt man dann seine Kundennummer und einen PIN-Code, die Verrechnung erfolgt z. B. über eine Kreditkarte.

Calling Cards sind nicht nur wegen ihrer besonders günstigen Tarife, sondern auch wegen ihrer universellen Verwendbarkeit praktisch. Man kann sie auf praktisch jedem Telefonanschluss verwenden, also z. B. auch in Telefonzellen, Hotels oder von Mobiltelefonen.

Vorsicht ist allerdings betreffend die Kosten zur Einwahlnummer des Calling-Card- Anbieters geboten. Ein Telefonat über eine Calling-Card besteht sozusagen aus zwei ineinander verschachtelten Telefonaten: zuerst wird eine Verbindung zum Calling- Card-Anbieter aufgebaut, dann erst über diesen Calling-Card-Anbieter zur gewünschten Rufnummer. Das zweite Telefonat wird über den Calling-Card-Anbieter abgerechnet und vom Guthaben der Calling-Card abgebucht. Die Verbindung zum Calling-Card-Anbieter sollte im Idealfall kostenlos sein (d. h. eine 0800-Nummer, wo der Calling-Card-Anbieter die Kosten trägt), ist es aber manchmal nicht. Beispielsweise sind Hotels nicht dazu verpflichtet, Telefonate zu 0800-Nummern kostenlos anzubieten, und verrechnen für die Nutzung des Hoteltelefons oft erhebliche Entgelte. Auch im Ausland mögen andere Regeln gelten, als man von zu Hause gewohnt ist. Es empfiehlt sich daher, sich beim Calling-Card-Anbieter genau zu erkundigen, bevor man die angegebene Einwahlnummer von einem Mobiltelefon aus anruft.

3.1.5 Auslandstelefonate über Mehrwertdienste

Nach ähnlichem technischem Prinzip wie die Calling Cards funktioniert eine andere Methode, günstige Auslandstelefonate zu führen. Man wählt die Einwahlnummer des Anbieters, die in diesem Fall keine kostenfreie 0800-Nummer, sondern eine Mehrwertnummer (0900) ist. Wenn die Verbindung zum Anbieter aufgebaut wurde, dann wählt man die gewünschte Rufnummer und wird verbunden. Man muss davor keinen Vertrag abschließen und keine Karte kaufen, die Verrechnung erfolgt als Verrechnung des Mehrwertdienstes über die normale Telefonrechnung. Da für diese

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

Dienstleistung keine hochpreisigen Mehrwertnummern verwendet werden, sind die Preise manchmal durchaus günstig.

Allerdings sollte man bedenken, dass man für das Telefonat schon ab dem Moment zahlt, in dem die Verbindung zum Diensteanbieter aufgebaut wird. Man zahlt also auch für das Wählen der eigentlichen Nummer und für die Wartezeit, bis der Angerufene abhebt – und zwar auch dann, wenn er gar nicht abhebt. Eine weitere Falle besteht darin, dass die Tarife sich häufig ändern und es für jeden Tarif eine eigene Einwahlnummer gibt. Wenn der Tarif gesenkt wurde und man weiterhin die teurere Einwahlnummer verwendet, zahlt man also unnötig viel.

3.1.6 Internet-Telefonie

Internet-Telefonie stellt eine der interessantesten Entwicklungen der letzten Jahre dar und es mag sein, dass die neuen Technologien den Telefoniemarkt in den nächsten Jahren überhaupt revolutionieren und langfristig dazu führen, dass Telefonie abgesehen von einem monatlichen Grundentgelt nichts mehr kostet.

Für ihre einfachste Form benötigt man nicht mehr als einen Internetanschluss, einen Computer, ein Headset und geeignete Software. Die von Skype kostenlos angebotene Software hat als erste den Massenmarkt erobert, inzwischen gibt es eine Vielzahl von Angeboten. Viele Produkte verwenden für den Verbindungsaufbau den Standard SIP, manche Produkte (darunter Skype) verwenden selbst entwickelte Protokolle und sind mit anderen Produkten nicht kompatibel.

Bei der Internet-Telefonie gibt es eigentlich keinen Anbieter des Telefondienstes. Die Sprache wird in Form ganz normaler Internet-Datenpakete direkt zwischen den beiden Sprechern hin- und hergeschickt und läuft nicht über einen zentralen Knoten. Nur für den Verbindungsaufbau wird teilweise die Unterstützung durch einen Dienstleister benötigt, der ein entsprechendes Verzeichnis führt und weiß, welcher Benutzer gerade online ist und unter welcher IP-Adresse sein Rechner momentan erreicht werden kann. Da der Dienstleister nur die Software zur Verfügung stellt und der Aufwand für den Verbindungsaufbau gering ist, können die Telefonate kostenlos angeboten werden.

In ihrer ursprünglichen Form war Internet-Telefonie nur für Personen interessant, die ohnehin schon über einen Computer und einen Internet-Anschluss verfügen. Niemand will einen Computer einschalten, nur um ein Telefonat zu führen. Inzwischen wurde eine Reihe von Zusatzdiensten entwickelt, mit denen man Internet-Telefonie schon fast genauso wie herkömmliche Telefonie verwenden kann:

Telefonate vom Internet ins Telefonnetz: Gateways ermöglichen es, aus dem Internet ins normale Telefonnetz zu telefonieren. Dafür wird natürlich Geld verrechnet, allerdings gibt es bereits viele Anbieter, die weltweit äußerst günstige Preise verrechnen. Das Telefonat wird bis ins Zielland kostenlos durchs Internet geführt und nur für das letzte Stück wird etwas verrechnet. Allerdings bedingt dies teilweise, dass beim Anrufer eine Rufnummer angezeigt wird, unter der er nicht zurückrufen kann.

Telefonate vom Telefonnetz ins Internet: Auch für die umgekehrte Richtung gibt es Gateways: Dem Kunden wird eine Telefonnummer zugeordnet, unter der er aus dem normalen Telefonnetz erreichbar ist. Dafür wird meist ein geringes

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

Monatsentgelt verrechnet, dem Kunden aber auch eine Mailboxfunktion angeboten. Die Technologie der Internet-Telefonie erlaubt es, dass diese Nummer „nomadisch“ genutzt wird. Der Kunde kann, wo auch immer er sich befindet, unter dieser Nummer erreicht werden. Nomadische Nutzung bedeutet nicht die gleiche uneingeschränkte Mobilität wie bei einem Mobiltelefon, da der Kunde ja nicht ständig online und erreichbar ist. Aber grundsätzlich kann er über seine Telefonnummer auf jedem Rechner erreicht werden, auf dem er sich einloggt. Die nomadische Nutzung normaler geographischer Telefonnummern ist manchen Regulierungsbehörden, darunter der österreichischen, noch ein Dorn im Auge. Man fürchtet eine Verwässerung des nach langen Vorarbeiten erst im Jahr 2004 erreichten Rufnummernplans (siehe 3.3). Solange keine Novelle der entsprechenden Verordnung (KEM-V) erfolgt, muss für die nomadische Nutzung von Internet-Telefonie eine Nummer im Bereich 0720 oder 0780 verwendet werden. Leider haben diese Nummern den Nachteil, dass sie aus vielen Netzen deutlich teurer zu erreichen sind als geographische Nummern.

– Da die Telefonie vom Computer aus nur für einen eingeschränkten Nutzerkreis attraktiv ist, gibt es eigene VoIP-Telefonapparate oder Telefonadapter, an die ein gewöhnliches Telefon angesteckt werden kann. So kann man wie gewohnt mit einem normalen Telefonhörer telefonieren. In der Regel werden solche Adapter von VoIP-Anbietern kostengünstig oder gratis angeboten und sind bereits vorkonfiguriert. Der Adapter muss dann nur mit dem Modem des Breitband- Internetzugangs und dem Telefonapparat verbunden werden und man kann über den VoIP-Anbieter telefonieren.

– Manche neu angebotenen Geräte durchbrechen die Grenzen zwischen Festnetz, Mobilnetz und Internet-Telefonie. Die Geräte können sowohl über WLAN als auch über Mobiltelefonnetze Verbindungen aufbauen und suchen sich die jeweils billigste Verbindung. Wenn man das Gerät zu Hause benutzt und über einen Breitband-Internetzugang und ein lokales WLAN-Netzwerk verfügt, dann wählt sich das Gerät darüber ein. Ist man unterwegs in der Nähe eines WLAN-Hotspots, dann wird die Verbindung zum Netz darüber hergestellt. Nur dann, wenn kein Hotspot in der Nähe ist, wird das teurere Mobilfunknetz verwendet.

3.2 Besondere Rechtsvorschriften

3.2.1 Einzelentgeltnachweis

Seit 2003 haben Konsumenten das Recht auf einen kostenlosen Einzelentgeltnachweis (§ 100 TKG, Einzelentgeltnachweis-Verordnung). Der Einzelentgeltnachweis kann wahlweise in elektronischer Form oder in Papierform bereitgestellt werden. Aus Kostengründen bevorzugen die Betreiber die elektronische Form, sie müssen ihren Kunden aber zumindest einmal ausdrücklich die Wahlmöglichkeit einräumen, den Nachweis in Zukunft in Papierform zu erhalten. Der Kunde kann die gewählte Form auch jederzeit (für zukünftige Abrechnungszeiträume ändern).

Die Verpflichtung, Einzelentgeltnachweise bereitzustellen, gilt für öffentliche Telefondienste und für Internetzugangsdienste. Bei Telefondiensten muss für jede Verbindung der Beginn, die Dauer, die Tarifzone, die gewählte Telefonnummer und das Entgelt ausgewiesen werden. Bei den gewählten Telefonnummern müssen

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

dabei aus Datenschutzgründen die letzten drei Ziffern unkenntlich gemacht werden, es sei denn der Kunde hat schriftlich erklärt, dass er alle Mitbenutzer des Anschlusses darüber informiert hat (bzw. zukünftige Mitbenutzer informieren wird), dass er die Nummern vollständig ausgewiesen haben will.

Auch bei der Rechnung gibt es die Wahlmöglichkeit zwischen Papier und elektronischer Ausstellung und viele Betreiber wollen auf elektronische Rechnung umstellen. Nach dem Umsatzsteuergesetz ist die elektronische Rechnung nur mit Zustimmung des Rechnungsempfängers möglich (allerdings kann man dies auch in allgemeinen Geschäftsbedingungen vorsehen). Umsatzsteuerrechtlich ist eine elektronische Rechnung nur dann gültig, wenn sie elektronisch signiert ist. Allerdings ist dies nur für Unternehmer relevant, die sich die bezahlte Umsatzsteuer als Vorsteuer vom Finanzamt zurückholen können. Für Konsumenten ist es Geschmackssache, ob sie die Rechnung lieber als Papier oder in elektronischer Form wollen.

3.2.2 Rufnummernmitnahme (Portierung)

Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Kunden ihren Telefonanbieter wechseln können, ist das Recht, die eigene Telefonnummer zum neuen Anbieter mitnehmen zu können (§ 23 TKG).

Für Festnetzanschlüsse wurde dies schon zu Beginn der Liberalisierung eingeführt und funktioniert dort recht problemlos. Die meisten Netzbetreiber bieten auf ihren Bestellformularen die Option an, die alte Nummer mitzunehmen. In der Regel wird dafür vom neuen Netzbetreiber ein Entgelt verrechnet.

Im Festnetz hat der Kunde auch das Recht, seine Telefonnummer bei einer Übersiedelung mitzunehmen, sofern er das jeweilige Ortsnetz nicht verlässt.

Erst auf Druck der Europäischen Union hin wurde in Österreich die Rufnummernmitnahme innerhalb der Mobiltelefonnetze eingeführt. Die gesetzliche Grundlage trat im August 2003 in Kraft. Da die Thematik zwischen den Betreibern äußerst strittig war (die großen Betreiber fürchteten natürlich massive Kundenverluste) dauerte es auch lange, bis die Regulierungsbehörde die näheren Details festlegen konnte und erst seit Oktober 2004 besteht die Möglichkeit in der Praxis. Danach gab es noch monatelange Differenzen über die von den größeren Betreibern eingehobene „Fluchtsteuer“. Im Festnetz wurde der Telekom Austria nicht gestattet, von abwandernden Kunden ein Entgelt zu verlangen. Den Mobilfunkbetreibern wurde zugestanden, ein „nicht abschreckendes Entgelt“ einzuheben. Über diese Auslegung wurde lange gestritten, zuletzt wurde dafür eine Obergrenze von 19 Euro festgesetzt.

Obwohl die Möglichkeit der Portierung mobiler Nummern nun schon mehr als eineinhalb Jahre lang besteht, wurde sie erst recht bescheiden genutzt. Im Jahr 2005 haben weniger als ein Prozent aller Kunden die Nummer zu einem neuen Anbieter mitgenommen. Offenbar hat man sich in Österreich in den Jahren des Mobiltelefonbooms daran gewöhnt, dass sich die Telefonnummern von Freunden und Bekannten häufig ändern. Außerdem tun die Betreiber alles, um Kunden langfristig zu binden. Die Mindestvertragsdauern von Mobiltelefonverträgen sind nun meist 18 Monate, teilweise 24 Monate. Man kann zwar auch während eines laufenden Vertrages zu einem neuen Betreiber wechseln und die Rufnummer

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

mitnehmen, muss aber die Restlaufzeit des alten Vertrages bezahlen, weshalb ein Wechsel des Betreibers nur gegen Ende des bestehenden Vertrages sinnvoll ist.

Seit der Einführung der mobilen Rufnummernmitnahme ist es natürlich nicht mehr möglich, aus der Telefonnummer einer Person den jeweiligen Netzbetreiber zu erkennen. Da die österreichischen Mobilnetzbetreiber üblicherweise besonders günstige Entgelte für Verbindungen ins eigene Netz anbieten, stellte sich daher die Frage der Tariftransparenz: Woher weiß der Anrufer, dass sich der Angerufene immer noch im gleichen, billig erreichbaren Netz befindet und seine Nummer nicht in ein anderes, teurer erreichbares Netz portieren hat lassen? Die Verordnung, mit der die mobile Rufnummernmitnahme eingeführt wurde, hat daher vorgesehen, dass die Netzbetreiber Tariftransparenz gewährleisten müssen (§ 12 NÜV). Wenn sich das Entgelt nicht unmittelbar aus der Rufnummer ableiten lässt, dann muss das Netz des Angerufenen zu Beginn jedes Gesprächs kostenlos angesagt werden. Der Anrufer hat die Möglichkeit, diese Information abzuschalten. Viele Netzbetreiber (vor allem Festnetzanbieter) haben ihre Tarife aber so umgestellt, dass nicht nach dem Netz, sondern nur nach der gewählten Rufnummer differenziert wird. Dann besteht keine Notwendigkeit, das gewählte Netz anzusagen.

3.2.3 Rufnummernanzeige

In Telefonnetzen wird beim Rufaufbau die Nummer des Anrufers in der Regel mitgeschickt. So kann der Angerufene gleich sehen, wer ihn anruft. Die meisten Handys und viele Festnetztelefone unterstützen diese Funktion und können auch den Namen des Anrufers im eingebauten Telefonbuch nachschlagen und anzeigen.

Eine Datenschutzbestimmungen (§ 104 TKG) gibt dem Anrufer das Recht, diese Funktion im Einzelfall oder dauerhaft zu unterbinden. In Mobilfunknetzen und bei ISDN-Telefonen kann man dies meist am Gerät selbst einstellen. Bei anderen Festnetzanschlüssen kann man die Funktion dauerhaft unterdrücken, indem man die Hotline des Betreibers kontaktiert. Im Einzelfall kann man durch Vorwählen eines Codes (bei der Telekom Austria: *31*) die Rufnummernanzeige unterdrücken.

Das Recht, die Rufnummernanzeige zu unterdrücken (CLIR), ist kostenlos. Ruft man bei einer Notrufnummer an, wird die Nummer dennoch angezeigt.

Die Dienstleistung, sich die Rufnummer des Anrufers anzeigen zu lassen (CLIP), wird von den meisten Netzbetreibern (insbesondere im Mobilnetz) kostenlos angeboten bzw. ist im monatlichen Grundentgelt enthalten. Die Telekom Austria hat die Leistung ursprünglich auch kostenlos angeboten, verrechnet nun aber ein Entgelt (derzeit 0,99 Euro pro Monat).

3.2.4 Teilnehmerverzeichnis

Jeder Anbieter von Telefondiensten ist verpflichtet, ein Verzeichnis seiner Teilnehmer zu führen. Die Teilnehmerdaten werden zwischen den Anbietern und den Herausgebern betreiberübergreifender Teilnehmerverzeichnisse (siehe Kapitel 1.6.3) und betreiberübergreifender Auskunftsdienste (siehe Kapitel 1.6.4) ausgetauscht.

Lange Zeit war die „Geheimnummer“ ein Privileg, für das man extra zahlen musste. Das gestiegene Datenschutzbewusstsein hat dazu geführt, dass Telefonkunden nun das Recht haben, nach ihrem Wunsch eingetragen oder nicht eingetragen zu

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

werden. Die Anbieter müssen ihren Kunden nun die Möglichkeit anbieten, sich eintragen zu lassen, ihren Eintrag zu prüfen, zu korrigieren oder wieder löschen zu lassen (§ 69 TKG). Kostenlos ist die Aufnahme von Familienname, Vorname, akademischem Grad, Adresse, Telefonnummer und (wenn gewünscht) der Berufsbezeichnung. Mit Zustimmung des Kunden (bzw. wenn andere Personen betroffen sind, mit deren Zustimmung) können auch weitere Daten eingetragen werden.

Schon beim Vertragsabschluss sollte man sich überlegen, ob man in den Teilnehmerverzeichnissen (insbesondere den Telefonbüchern) eingetragen sein will bzw. von den Auskunftsdiensten beauskunftet werden will. Man hat kein Recht darauf, sich aussuchen zu können, von welchem Auskunftsdienst man beauskunftet werden will und von welchem nicht. Allerdings kann man festlegen, dass man nur in solchen Verzeichnissen enthalten sein will, die nach dem Namen durchsucht werden. Es gibt auch Datenbanken und Auskunftsdienste, die eine Suche nach der Nummer ermöglichen. Wer dies nicht wünscht, kann die Nichteintragung bei solchen Diensten verlangen.

3.2.5 Unerbetene Anrufe, Faxe und SMS

Obwohl es schon seit langem Verwaltungsstrafbestimmungen gegen unerbetene Kommunikation gibt, kommt es doch immer wieder zu Belästigungen. Folgendes kann man dagegen tun:

– Handelt es sich um eine Bedrohung (insbesondere mit Gewalt), dann sollte man sich an die Polizei wenden. Gefährliche Drohung ist gerichtlich strafbar, das Strafrecht gibt den Behörden auch einige Möglichkeiten, den Täter auszuforschen. Seit 1. Juli 2006 gibt es auch eine neue Bestimmung gegen Stalking (Beharrliche Verfolgung, § 107a StGB). Vor allem nach Beziehungskonflikten kommt es immer wieder dazu, dass Männer ihre Ex-Frauen mit belästigenden Anrufen verfolgen. Dies war bisher nur strafbar, wenn Gewalt angedroht wurde, nun ist auch schon die beharrliche Verfolgung an sich, die das Opfer in seiner Lebensführung unzumutbar beeinträchtigt, strafbar.

– Gegen andere Formen telefonischer Belästigung gibt es eine Verwaltungsstrafbestimmung. Wer belästigt wird, kann sich mit einer Anzeige an das für das jeweilige Bundesland zuständige Fernmeldebüro wenden (siehe Kontaktdaten im Anhang). Allerdings haben die Fernmeldebüros schwächere Möglichkeiten der Ausforschung des Täters als Polizei und Gerichte, außerdem wird im Verwaltungsstrafverfahren dem Opfer in der Regel das Ergebnis des Verfahrens nicht mitgeteilt.

– Belästigte haben auch das Recht, von ihrem Betreiber eine Fangschaltung einrichten zu lassen (§ 106 TKG). Darunter versteht man die Identitätsfeststellung durch den Betreiber. Allerdings darf der Betreiber dafür ein Entgelt verlangen (das später gegenüber dem Belästiger als Schadenersatz geltend gemacht werden kann) und allzu oft ist das Ergebnis der Fangschaltung, dass die Anrufe von einem anonymen Wertkartentelefon kamen.

Unerbetene Anrufe und Faxe zu Werbezwecken sind durch § 107 TKG verboten und mit einer Verwaltungsstrafe bis zu 37.000 Euro bedroht. Zulässig sind Werbeanrufe nur dann, wenn der Angerufene vorher zugestimmt hat (und es

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

ist auch nicht zulässig, jemanden unerbeten anzurufen, um sich diese Zustimmung zu holen). Auch wenn man (z. B. in allgemeinen Geschäftsbedingungen) einmal zugestimmt hat, kann man dies jederzeit widerrufen. Leider nutzen auch Telekommunikationsfirmen, die das Telekommunikationsgesetz eigentlich besonders gut kennen sollten, immer wieder unerbetene Anrufe zu ihrer Werbung. Es kann nur empfohlen werden, bei solchen Anrufen generell sofort darauf hinzuweisen, dass Werbeanrufe unlauter und unerwünscht sind und sich auf ein weiteres Gespräch gar nicht erst einzulassen. Wer sich besonders belästigt fühlt, kann auch Anzeige beim Fernmeldebüro erstatten (siehe Kontaktdaten im Anhang).

– Für unerbetene SMS und E-Mail gilt grundsätzlich Ähnliches (siehe auch Kapitel 4.5.2 zum Thema Spam). Allerdings kann man den Urheber in der Regel nicht ausforschen, weshalb es ziemlich sinnlos ist, Anzeige bei einer Behörde zu erstatten. Vorbeugung ist besser: Wer seine Mobiltelefonnummer bei Gewinnspielen oder dergleichen angibt, muss mit SMS-Spam rechnen. Besonders tückisch sind wahllos versandte SMS, die Glücksspiele oder pornographische Inhalte anpreisen und als Telefonnummer für die Antwort eine Mehrwertnummer (siehe Kapitel 5) angeben. Wer diese Nummer anruft oder auf die SMS antwortet (und sei es auch nur mit „Stopp“), der zahlt. Am besten löscht man unerbetene SMS sofort und ignoriert sie.

3.3 Telefonnummern

Welche Telefonnummern für welche Zwecke verwendet werden können, ist in einer Verordnung mit dem sperrigen Titel „Kommunikationsparameter-, Entgelt- und Mehrwertdiensteverordnung (KEM-V)“ geregelt. Für Konsumenten ist insbesondere relevant, dass diese Verordnung auch manche Vorgaben betreffend die Tarifierung macht.

Die

Rufnummernplan:

folgende

Tabelle

gibt

einen

Überblick

über

den

österreichischen

0

0 ist das Präfix für die einzelnen Rufnummernbereiche. Im Regelfall muss in Österreich immer die gesamte Rufnummer mit 0 beginnend gewählt werden. Nur im Festnetz kann die Vorwahl innerhalb des jeweiligen Ortsnetzes weggelassen werden. Auch die mit 1 beginnenden Nummern (insbesondere Notrufe) können ohne Vorwahl gewählt werden.

00

00 ist das Präfix für alle Telefonate ins Ausland.

10xx

10xx kann vor einer anderen Nummer vorgewählt werden, um einen Verbindungsnetzbetreiber auszuwählen (siehe 3.1.3)

111xx

Telefonstörungsannahmestellen

1xx

Notrufe:

112: Einheitliche europäische Notrufnummer, kann in ganz Europa aus allen Netzen angerufen werden, sogar von Mobiltelefonen ohne SIM-Karte. In Österreich wird 112 zur Polizei verbunden. 122: Feuerwehrzentralen 128: Gasgebrechen

Beratungsleitfaden Telefonie und Internet

 

133: Polizei 140: Bergrettung 141: Ärztenotdienst 142: Telefonseelsorge 144: Rettung 147: Notrufdienst für Kinder und Jugendliche

118xx

Telefonauskunftsdienste

1xx

Kurzrufnummern für besondere Dienste:

120 und 123: Pannendienste 130: Landeswarnzentralen 1484xx: Krankentransporte

01, 02xx bis

Geographische Nummern, also die üblichen Nummern von Endkunden im Festnetz. Entgegen ursprünglichen Plänen, den Rufnummernplan vollständig neu zu gestalten und nur mehr 02xx bis 04xx für geographische Nummern zu verwenden, wurden die historisch etablierten Ortskennzahlen unverändert gelassen. Daher wird z. B. 06xx sowohl im Festnetz als auch im Mobilnetz verwendet.

07xx

05xx

Private Netze, insbesondere für große Firmen

06xx

Mobiltelefonie

06210000

Testrufnummer für Verbindungsnetzbetreiber(vor)auswahl. Wenn man diese Rufnummer wählt, hört man eine Sprachansage und erfährt daraus, ob für den jeweiligen Anschluss ein Verbindungsnetzbetreiber vorausgewählt wurde. Man kann die Nummer auch mit vorangestelltem 10xx wählen und erfährt dann, welcher Betreiber Verbindungen, die so gewählt werden, verrechnen würde.

0718, 0804

Dial-up-Zugänge: Dial-up über 0718 wird über die Telefonrechnung verrechnet, Dial-up über 0804 ist vom Telefonnetzbetreiber kostenlos