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Neuroenhancement

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Neuro Enhancement

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In der heutigen Gesellschaft herrschen extremer Leistungsdruck und

Konkurrenzdenken, gute Noten und Leistungen sind wichtig für die berufliche Zukunft.

Hierfür verwenden machen Personen neben Lernstrategien auch Präparate, die eigentlich zur

Behandlung von Personen mit Demenz, ADHS oder Depressionen entwickelt wurden. Zum

Teil gehen diese Personen aber auch so weit, illegale Drogen zur Verbesserung der

Kognition, dem sogenannten Neuro Enhancement, zu verwenden.

Neuro Enhancement beschreibt den Versuch, die kognitive Leistungsfähigkeit oder aber

auch die psychische Befindlichkeit durch pharmakologische Interventionen zu steigern. Es

werden auch die Synonyme Hirndoping, Doping of the mind, cognitive- oder

psychoenhancement verwendet.

Neuere Studien zeigen, dass mindestens 7% der Studenten in den USA versuchen, ihre

kognitive Leistung durch Einnahme von stimulierenden Substanzen zu steigern.

Von 2793 deutschen Schülern und Studenten gaben 8% bei einer Befragung an, im

letzten Jahr Medikamente oder Drogen zur Leistungssteigerung eingenommen zu haben.

Hierbei wurden von 166 Personen die Einnahme von Amphetaminen beziehungsweise

Amphetaminderivate, von 71 die Einnahme von Antidepressiva und von 40 die Einnahme

von Antidementiva zugegeben. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass 1,9% der 224

Personen die Präparate einnahmen sogar zwei oder mehr verschiedene Enhancer nutzten.

In den folgenden Kapiteln werden diese drei Hauptsubstanzgruppen in genannter

Reihenfolge vorgestellt.

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Amphetamin und Amphetaminderivate

Amphetamine

Amphetamine (alpha-Methylphenethylamin) ist eine synthetisch hergestellte Substanz

die eine aufputschende und/oder halluzinogene Wirkung hat. Amphetamine sind stark

psychotrop Aktiv, und haben daher auf Grund der stark stimulierenden und euphorisierenden

Wirkung sehr Suchtgefährdend und laut Anlage I zu § 1 Abs. 1 des

Betäubungsmittelgesetztes ein illegales, nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel.

Biologisch Wirkung und Nebenwirkungen

Amphetamin fungiert als Wiederaufnamehemmer. Es verhindert die Wiederaufnahme

von Dopamin und Noradrenalin, woraufhin der Körper die Produktion dieser Stoffe steigert.

Da Dopamin und Noradrenalin maßgeblich an der Informationsleitung zwischen den

Synapsen beteiligt sind führt eine Erhöhung dieser Substanzen zu einer Verstärkung der

Signalleitung und hiermit gehen letztendlich bessere Kontrollfunktionen bei der

Aufmerksamkeit, der Impulsivität und der Motilität einher.

Amphetamine erzeugen sehr häufig Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und

Kopfschmerzen. In schweren Fällen können auch Wahnvorstellungen, Psychosen, Manie,

Depressionen, Halluzinationen oder schwere Hautreaktionen auftreten. Ebenso erzeugt die

Substanz ein subjektives Wohlbefinden, das eigentliche Signale des Körpers überdecken.

Veränderung der Leistung

Dr. Leslie Iverson fand am Institut für Pharmakologie der Universität Oxford heraus,

dass Amphetamine in Situationen in denen einfache, lange andauernde, sich wiederholende

und häufig eintönige Aufgaben bearbeitet werden mussten eine Leistungssteigernde Wirkung

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haben. Iverson schrieb diese Leistungssteigerung der Vigilanz zu.

Im Labor stellten Johnson und Kollegen fest, dass die kognitive Leistung nach Einnahme

von Amphetaminen insbesondere in den Bereichen Aufmerksamkeit, Richtigkeit ihrer

logischen Denkfähigkeit und bei verschiedenen computerbasierten Testverfahren verbessert.

Dies wird durch eine erhöhte substanzinduzierte Dopaminausschüttung im präfontalen Cortex

erklärt. Um jedoch von intelligenzsteigernden Medikamenten reden zu können gibt es zu

wenig empirische Belege. Trotz einer Steigerung der Vigilanz und Ausdauer gibt es

letztendlich jedoch keine signifikanten Einflüsse auf die Kognition.

Ritalin

Ritalin ist der Vertriebsname für den Wirkstoff Methylphenidat, auch bekannt unter dem

Namen Phenyl-piperidyl-(2)-essigs„uremethylester. Ritalin gehört zur Gruppe der

Amphetaminderivate und hat eine zentralerregende Wirkung.

Es wird zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndroms (ADHS)

verwendet und ist wegen seiner Suchtgefahr laut Anlage III zu § 1 Abs. 1 des

Betäubungsmittelgesetztes ein verschreibungspflichtiges Betäubungsmittel. Auf Grund der

Ausschüttung von Glückshormonen kann eine psychische Abhängigkeit auftreten.

Biologisch Wirkung und Nebenwirkungen

Methylphenidat fungiert ebenso wie Amphetamine als Wiederaufnahmehemmer für

Dopamin und Noradrenalin aus dem Synaptischen Spalt. Es besitzt eine psychomotorisch

anregende Wirkung. So zeigten nichtnarkotisierte Tiere wie zum Beispiel Mäuse oder auch

Hunde nach Verabreichung eine allgemeine Unruhe, aber auch eine gesteigerte koordinierte

Aktivität, welche sich zum Beispiel durch einen erhöhten Fressdrang und einen erhöhten

Bewegungsdrang. Die Tiere wurden hierbei jedoch nicht aggressiver. Auf eine

Überdosierung folgten Krämpfe und wackeliger, steifer Gang.

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Bei einer täglichen Behandlung nahm die Motilitätssteigerung der Maus während den

ersten 10 Tagen zu, um hiernach bei weiterer Verabreichung auf einem erhöhten Niveau zu

bleiben.

Ritalin hat nicht nur auf die Motilität Auswirkungen, sondern auch Einfluss auf das

kardiovaskuläre System. Nach Einnahme Steigt sowohl der Puls als auch der Blutdruck, was

zu einer stärkeren Durchblutung der Muskulatur führt. Ritalin besitzt ebenso eine stark

atemstimulierende Wirkung.

Nebenwirkungen können sowohl Psychisch als auch Körperlich auftreten. Auf dem

Beipackzettel werden als sehr häufige Nebenwirkungen (bei mehr als einer von zehn

Personen) Schlaflosigkeit, verstärkte Reizbarkeit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen,

Schwindel und Magenbeschwerden genannt. Ebenso treten oft (ein bis zehn von hundert

Patienten) unter anderem Dyskenesien, Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen, Erhöhung des

Blutdrucks, Fieber, Haarausfall oder Übelkeit auf.

Veränderung der kognitiven Leistung

Frühere Studien fanden keinen Effekt von Ritalin auf die Schulleistung (vgl. Barkley et

al 1978) oder es wurde nur ein verschwinden kleiner Effekt gefunden (vgl. Kavale 1982,

Thurber et al 1983, Aman et al 1992). In diversen neueren Studien konnten verschiedene

Effekte von Ritalin auf verschiedene Schulleistungen nachgewiesen werden. So wurde

gezeigt, dass Ritalin langfristig am stärksten die Aufmerksamkeit, dann die Kognition und am

wenigsten spezifische Leistungen (so wie Rechnen, Schreiben und Lesen) beeinflusst (vgl.

Forness et al 1992, Guthrie et al 1994).

Es gibt jedoch einen kurzfristigen, positiven Effekt auf spezifische Leistungen (vgl.

Carlson et al 1992, Pelham et al 1995, Swanson et al 1998, Benedetto-Nasho et al 1999).

Frankenberger et al versuchten 1999 einen langfristigen Effekt von Ritalin bei ADHS

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Patienten auf die Schulleistung nachzuweisen, und kamen zur Schlussfolgerungen, dass eine

Stimulantenbehandlung von der ersten bis zur fünften Klasse keinen zufriedenstellenden

Einfluss auf die für die Schulleistung relevanten Variablen hat.

Mehta ließ 2000 Versuchspersonen unter Methylphenidateinfluss oder unter dem

Einfluss eines Placebos einen Test zu spatial working memory (räumlicher Arbeitsspeicher),

kurz SWM durchlaufen. Hierbei bekamen die Probanden einen Touchscreen mit roten

Kreisen. Die Aufgabe war es blau Kreis die unter den roten Kreisen versteckt waren zu

finden. Die Instruktion war, dass sich ein blauer Kreis nur einmal unter einem bestimmten

roten Kreis befindet, in allen darauf folgenden Durchgängen wird hier nie mehr ein blauer

Kreis erscheinen. Es konnten also zwei Arten von Fehlern gemacht werden: within-search

und between-search. Within-search Fehler wäre wenn man in einem Suchvorgang ein zweites

Mal denselben Kreis berührt, ein between-search Fehler wäre dann, wenn man einen Kreis

berührt unter dem sich schon vorher ein Mal ein blauer Kreis befand. Die Aufgabe dauerte

jeweils 30 Sekunden mit 90 Sekunden Paus und wurde drei bis fünf Mal durchgeführt

Die Analyse der Daten ergab, dass Personen in der Ritalingruppe weniger between-search

Fehler begingen als Probanden in der Placebo Gruppe. Auf die within-search Fehler hatte das

Ritalin keinen Einfluss.

Des Weiteren fand Mehta heraus, das Personen welche eine schlechte Basisrate im

SWM-Test zeigten eine stärkere Verbesserung der Fehlerrate unter Einfluss von

Methylphenidat aufwiesen.

Neben der erwünschten Steigerung der Denkleistung hat Methylphenidat bei Gesunden

eine Reihe von Risiken und Nachteilen. So geht, im Einklang mit den Ergebnissen von Metha

(2000), die verbesserte Leistung auf einem bestimmten Gebiet mit einer Verschlechterung in

einem anderen einher. Wird zum Beispiel das Arbeitsgedächtnis verbessert so kann es sein

dass das Langzeitgedächtnis leidet, und umgekehrt. Jedoch ist es schwer diese Phänomene zu

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erforschen, da der Substanzeffekt stark Personenabhängig ist. Es ist also nicht möglich auf

Grund einer Beobachtung der Wirkung bei einer Person darauf zu schließen, dass die

Wirkung bei einer anderen Person genauso zu beobachten sein wird.

Ecstasy

Ecstasy ist der Straßenname für eine Vielzahl von synthetischen Phenylethylaminen.

Meist handelt es sich um MDMA (rac-3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin), einem

weißen, bitter schmeckenden kristallinen Feststoff. Es ist laut Anlage I zu § 1 Abs. 1 des

Betäubungsmittelgesetztes ein nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel, und somit illegal.

Biologisch Wirkung und Nebenwirkungen

Ecstasy wirkt wie Amphetamin als Wiederaufnamehemmer im synaptischen Spalt. Unter

Einfluss von MDMA berichten Konsumenten über allgemeine Stimulierung und

Euphorisierung, ebenso wie ein intensives Nähegefühl zu anderen Menschen. Ebenso besteht

ein gesteigertes Mitteilungs- und Kontaktbedürfnis so wie eine Steigerung des

Selbstwertgefühls und es steigt die Introspektionsfähigkeit. Ecstasy ist meist keine

halluzinogene Droge, jedoch können Störungen wie Nachbilder oder erhöht

Geräuschempfindlichkeit auftreten.

Negative Nebenwirkungen von MDMA sind motorische Unruhe,

Konzentrationsstörungen, eingeschränktes Urteilsvermögen. Es kann auch zu

Antriebslosigkeit und depressiven Verstimmungen kommen. Desweiteren kann in schlimmen

Fällen zu plötzlichem Herztod, Hirnblutungen und akutem Nierenversagen auftreten.

Es kann ein Rebound Effekt auftreten, diese Wahrscheinlichkeit nimmt jedoch mit Dauer

des Drogenmissbrauchs ab. Dies könnte drauf zurückzuführen sein, dass die Empfindlichkeit

des serotonergen Systems mit der Zeit abnimmt und möglicherweise eine dauerhafte

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Schädigung auftritt. Bei Tieren konnte eine Verarmung des Hirngewebes an Serotonin

nachgewiesen werden.

Veränderung der kognitiven Leistung

Trotz der aufputschenden und euphorisierenden Wirkung weisen empirische Studien

MDMA-Konsumenten eine Verschlechterung der Leistung nach. So konnte eine subtile

Verschlechterung des Arbeitsgedächtnisses bewiesen werden, jedoch nur wenn die

Schwierigkeit der Aufgabe ausreichend hoch und das Konsumverhalten intensiv ist .Die

Merkfähigkeit hingegen, vor allem im verbalen aber auch in figuralen Bereichen, war nicht

nur bei exzessiven MDMA-Konsumenten beeinträchtigt.

Antidepressiva

Unter dem Oberbegriff Antidepressiva werden Medikamente gehandelt, die bei

depressiven Störungen zur Behandlung eingesetzt werden. Sie haben eine

stimmungsaufbessernde und antriebssteigernde Wirkung, welche den klassischen Symptomen

einer Depressiven Verstimmung entgegenwirken, und greifen primär am zentralen

Nervensystem ein. Die Hauptgruppen sind Monoamin-, Serotonin-, Noradrenalin-,

Dopaminwiederaufnahmehemmer, trizyklische Antidepressiva (TZA) und

Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer).

Da das Angebot an Antidepressive sehr groß ist, werden in den folgenden Abschnitten

die in der Literatur meist erwähnten Wirkstoffe Escitalopram und Fluoxetin, zum Neuro

Enhancement vorgestellt.

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Generelle Wirkungsweise

Die verschiedenen Wiederaufnahmehemmer und trizyklische Antidepressiva wirken

Stoffgruppenspezifisch. So verhindert zum Beispiel ein Serotoninwiederaufnahmehemmer

die Wiederaufnahme von Serotonin, was eine Konzentrationssteigerung des Botenstoffes zur

Folge hat.

Auch MAO-Hemmer steigern die Neurotransmitterkonzentration. Jedoch blockieren sie

nicht die Wiederaufnahme, sondern verhindern den chemischen Abbau von

Neurotransmittern. Sie erhielten ihren Namen da sie die Wirkung des Abbauenzyms

Monoaminoxydase hemmen.

Escitalopram

Einsatzbereiche von Escitalopram sind depressive Erkrankungen und verschiedene

Angststörungen. Es gehört zu Gruppe der Serotoninwiederaufnahmehemmer.

Escitalopram wirkt zwar nicht direkt leistungssteigernd, hebt jedoch die Stimmung und

die Motivation und ist hierdurch indirekt leistungsfördernd.

Da es sich um das Präparat mit der besten Verträglichkeit und den geringen

Nebenwirkungen handelt ist es ein potentieller Neuroenhancer. Mögliche Nebenwirkungen

sind unter Anderem gelegentliche Appetitlosigkeit und Biorythmusstörungen,

Kopfschmerzen, Durchfall aber auch Krampfanfälle und Impotenz.

Fluoxetin

Hierbei handelt es sich um ein Medikament dass zur Behandlung von Depressionen

eingesetzt wird und gehört ebenfalls zu der Gruppe der Serotoninwiederaufnahmehemmer. Es

wird weltweit als Wirkstoff in verschiedenen Medikamenten genutzt.

Auch dieser Wirkstoff hat keine direkte Wirkung auf die Kognition, hebt jedoch die

Stimmung und das Aktivitätsniveau. Desweiteren werden verschiedene Verhaltensweisen

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abgemildert. Hierzu gehören Schüchternheit und Unwohlsein. Das Medikament hat neben

einer motivationalen also auch eine selbstwertsteigernde Komponente. Viele Patienten geben

sogar an sich unter Einfluss von Fluoxetin das Gefühl zu haben besser zu funktionieren und

wesentlich zufriedener zu sein.

Auch Fluoxetin hat sehr geringe Nebenwirkungen und ist zudem sehr billig. Dies könnte

erklären, dass laut DAK die Verordnungen im Vergleich zu 2005 um ca. 43% gestiegen sind.

Antidementiva

Antidementiva (früher Nootropika) steht als Sammelbegriff für Medikamente die am

zentralen Nervensystem ansetzen und als Medikation bei Demenz eingesetzte werden. Sie

dienen der Verbesserung des Gedächtnis, der Aufmerksamkeit und der Konzentration.

Antidementiva beeinflussen neben der Kognition auch Emotionen positiv. So steigern

sie Motivation und Antrieb genauso wie Denkvermögen und Leistungsfähigkeit.

Antidementiva werden in drei Gruppen unterschieden: Acetylcholinesterasehemmer,

Glutamatmodulatoren und andere Antidementiva.

Generell ist fraglich, welche Auswirkung die Einnahme von Antidementiva bei

Gesunden auf die kognitive Leistung hat. Nur wenige Studien befassen sich mit sich

überhaupt oder ausreichend Lang mit Neuro Enhancement durch Einnahme von

Antidementiva.

Prof. Dr. Förstl von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in München stellte

jedoch die Hypothese auf, dass vor allem Antidementiva mit neuro-protektiver Wirkung wie

Dimebon, Methylenblau oder Selegelin oder auch Medikamente der Klasse

Acetylcholinesterasehemmer auf Grund der gesicherten Wirkung in Zukunft als potentielle

Neuro Enhancer genutzt werden könnten.

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Darüber hinaus ergab eine Befragung unter 3000 Berufstätigen, dass etwa 28% der

zwischen 20 und 50 Jährigen kürzlich mit Medikamenten zur Leistungssteigerung

experimentierten. Bei den Antworten wurde besonders der Wirkstoff Piratecam genannt,

wobei jedoch nur 2,7% der Personen welche Piratcetam verschrieben bekamen Symptome

der Demenz zeigten und 15% den Wirkstoff ganz ohne Diagnose verschrieben bekamen.

Darum wird der Wirkstoff Piratcetam als ein Beispiel der zu Neuro Enhancement

verwendeten Antidementiva später genauer beschrieben.

Generelle Wirkungsweise

Acetylcholinesterasehemmer stoppen den Abbau von Acetylcholin im Gehirn, einem

wichtigen Botenstoff bei der Signalübermittlung im Falle von Konzentrations- oder

Gedächtnisleistungen. Glutamatmodulatoren blockiert Rezeptoren an Gehirnzellen und

mindern somit die Funktion des Botenstoffes Glutamat und verbessern die Durchblutung im

Gehirn. Andere Antidementiva wirken zum Beispiel als Stoffwechselförderer, welche den

Umsatz von Glukose im Gehirn während wieder andere die Ausschüttung von Dopamin

regulieren.

Piratecam

Der Wirkstoff wurde primär zur Behandlung von Alzheimer aber auch zur Behandlung

von anderen hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen entwickelt. Da Piratcetam

förderlich auf Konzentration, Antrieb, Affekt und Gedächtnis hat und gleichzeitig gegen

Ermüdung und Motivationsverlust wirkt ist es ein beliebtes Mittel für Neuro Enhancement.

Es steigert die Konzentration von Adenosintriposphat, was eine direkte Erhöhung des

Energieniveaus des kompletten Körpers zur Folge hat. Ebenso hat das Medikament eine

gehirnschützende und neuroprotektive Wirkung.

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Dem Wirkstoff wird eine Verbesserung des Gedächtnisses, der Leistungsfähigkeit und

der Aufmerksamkeit zugeschrieben. Jedoch kann es zu Biorythmusstörungen, depressiven

Verstimmungen und Angststörungen kommen.

Ausblick

Die steigenden Zahlen der Einnahme von Medikamenten denen eine Leistungssteigernde

Wirkung zugeschrieben wird sollte zu einem kritischeren Umgang mit dem Thema Neuro

Enhancement führen. Es kann davon ausgegangen werden, dass deutschlandweit sowohl an

Schulen als auch an Universitäten Neuro Enhancer in nicht zulassungsgemäßen Rahmen

eingenommen werden. Hieraus ergibt sich neben der Beschaffungskriminalität natürlich auch

ein Problem aus gesundheitstechnischer Sichtweise.

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