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TEXT 5: DIMENSIONEN NATIONALER KULTUREN (NACH HOFSTEDE)

Aufgaben zum Text

Aufgabe 1: Lesen Sie zunächst den Text und notieren Sie die wesentlichen Fakten übersichtlich auf höchstens zwei Seiten.

Aufgabe 2: Lesen Sie nun die Tabellen im Text, die die einzelnen Indizes beschrieben, genauer. Welche der Beschreibungen für die Dimensionen nationaler Kulturen würden Sie für sich selbst übernehmen können, wo finden Sie sich selbst in diesen Tabellen wieder?

Text

Es gibt eine Reihe von existenziellen Grundproblembereichen, die Kulturen gemeinsam haben, aber auf verschiedene Art und Weise lösen. Diese Problembereiche sind:

1. Umgang mit sozialer Ungleichheit und sozialer Macht; Verhältnis zur Autorität

2. Gestaltung der Beziehungen zwischen Individuum und Gruppe

3. Ausgestaltung der Geschlechterrollen

4. Umgang mit Ungewissheiten

5. Umgang mit der Zeit; zeitliche Orientierung des Lebens

Mitte der siebziger Jahren untersuchte Geert Hofstede eine aus Erhebungen gewonnene Datenmenge über die Werte von Menschen in über fünfzig Ländern auf der ganzen Welt. Diese Menschen arbeiteten in den jeweiligen Niederlassungen des großen multinationalen Konzerns IBM und stellten fast perfekt zusammengesetzte Stichproben in dem jeweiligen Land dar (Hofstede 1997: 16). Zum Ergebnis der statistischen Auswertung dieser Untersuchung schreibt Hofstede:

„Eine statistische Auswertung der Antworten auf Fragen zu den Werten vergleichbarer IBM-Mitarbeiter in verschiedenen Ländern brachte gemeinsame Probleme zutage, aber von Land zu Land unterschiedliche Lösungen, und zwar in den folgenden Bereichen:

1. Soziale Ungleichheit, einschließlich des Verhältnisses zur Autorität

2. Die Beziehung zwischen dem Individuum und der Gruppe

3. Vorstellungen von Maskulinität und Femininität: die sozialen Auswirkungen, als Junge oder Mädchen geboren zu sein

4. Die Art und Weise, mit Ungewißheit umzugehen, und zwar in bezug auf die Kontrolle von Aggression und das Ausdrücken von Emotionen.

Die vier Grundproblembereiche

stellen Dimensionen von

Kulturen dar. Eine Dimension ist ein Aspekt einer Kultur, der sich im

Verhältnis mit anderen Kulturen messen läßt. Die Grundproblembereiche entsprechen den von mir folgendermaßen benannten Dimensionen: Machtdistanz (von gering bis groß), Kollektivismus gegenüber Individualismus, Femininität gegenüber Maskulinität und Unsicherheitsvermeidung (von schwach bis stark) Zusammen bilden sie ein vierdimensionales (4-D) Modell von Unterschieden zwischen nationalen Kulturen. Jedes Land in diesem Modell ist mit einer für jede der vier Dimensionen erreichten Punktzahl gekennzeichnet

Kürzlich konnte man eine fünfte Dimension von Unterschieden zwischen nationalen Kulturen ausmachen, bei der eine langfristige Orientierung einer kurzfristigen Orientierung im Leben gegenübersteht“ (Hofstede 1997: 16 ff.).

Diese fünf

werden:

Dimensionen nationaler Kulturen sollen im folgenden genauer vorgestellt

1. Machtdistanzindex: Gradmesser für Ungleichheit

zu Ungleichheit, den Respekt gegenüber

Autoritäten. Machtdistanz kann definiert werden als „das Ausmaß, bis zu welchem die weniger mächtigen Mitglieder von Institutionen bzw. Organisationen eines Landes erwarten und akzeptieren, daß Macht ungleich verteilt ist. Institutionen wie Familie, Schule und die Gemeinschaft bilden die Hauptelemente einer Gesellschaft; unter Organisation ist der Ort zu verstehen, wo die Leute arbeiten“ (Hofstede 1997: 32).

In Kulturen mit hohem Machtdistanzindex lösen Menschen mit Führungspositionen in jedem Bereich viel Respekt aus und es ist wahrscheinlich, dass sie ebenso viel Respekt verlangen. Der Abstand zwischen Lehrern und Schülern/Studenten, Erwachsenen und Kindern, Leitern und Unterstellten wird ständig betont. In Kulturen mit niedrigem Machtdistanzindex sind die Unterschiede zwischen Personen in über- und untergeordneter Position oft kaum bemerkbar.

Der Machtdistanzindex misst Einstellungen

Ausgewählte Machtdistanzindexwerte einiger Länder sind (nach Hofstede 1997: 30):

68

Frankreich

50

Italien

34

Schweiz

63

Portugal

38

Niederlande

18

Dänemark

60

Griechenland

35

BRD

11 Österreich

57

Spanien

35

Großbritannien

Tabelle 1 fasst die wichtigsten Unterschiede zwischen Gesellschaften mit großer und geringer Machtdistanz zusammen (nach Hofstede 1997: 46 und 54):

Tabelle 1: Hauptunterschiede zwischen Gesellschaften mit niedriger und hoher Machtdistanz

Allgemeine Norm, Familie, Schule und Arbeitsplatz

 

Niedrige Machtdistanz

 

hohe Machtdistanz

 

Ungleichheit unter den Menschen sollte so gering wie möglich sein.

Ungleichheiten zwischen den Menschen wird erwartet und ist erwünscht.

Es besteht zu einem gewissen Grade eine gegenseitige Abhängigkeit zwischen den Menschen mit weniger und mit mehr Macht und die sollte es auch geben.

Weniger mächtige Menschen sollten von den mächtigen abhängig sein. In der Praxis sind weniger Mächtige polarisiert zwischen Abhängigkeit und Gegenabhängigkeit.

 

Elter n

behandeln

Kinder

wie

Eltern

erziehen ihre Kinder zu

ihresgleichen.

 

Gehorsam.

 

Kinder

behandeln

Elter n

wie

Kinder

behandeln

ihre

Eltern

mit

ihresgleichen.

 

Respekt.

 

Lehrer

erwarten

von

den

Schülern

Jede Initiative geht vom Lehrer aus.

 

Eigeninitiative

 

Lehrer sind Gurus, die eigenes Wissen vermitteln.

 

Lehrer

sind

Experten,

die

losgelöstes

Wissen vermitteln.

 

Schüler

behandeln

ihren

Lehrer

mit

 

Schüler

behandeln

Lehrer

wie

Respekt.

ihresgleichen.

 

Sowohl

besser

als

auch

schlechter

 

Menschen mit höherer Bildung neigen

gebildete

Menschen

haben

die

gleiche

zu

weniger

Autorität

als

Menschen mit

Einstellung zur Autorität

 

weniger Bildung.

 

H i e r a r c h i s c h e

S t r u k t u r e n

i n

 

Hierarchische

Struktur

in

einer

Organisationen sind ein Spiegelbild einer Ungleichheit von Natur aus zwischen oberer und unterer Schicht.

Organisation bedeutet eine ungleiche Rollenverteilung aus praktischen Gründen.

 

Tendenz zur Dezentralisation

 

Tendenz zur Zentralisation

 

Geringe

Gehaltsunterschiede

zwischen

Große

Gehaltsunterschiede

innerhalb

oberen und unteren Hierarchiestufen

 

der Hierarchie

 
 

M i t a r b e i t e r

e r w a r t e n ,

i n

Mitarbeiter erwarten, Anweisungen zu erhalten

Entscheidungen einbezogen zu werden.

 

Der

ideale

Vorgesetzte

ist

der

Der

ideale

Vorgesetzte

ist

der

einfallsreiche Demokrat.

 

wohlwollende Autokrat oder gütiger Vater.

 

Privilegien

und

Statussymbole stoßen

Privilegien

und

Statussymbole

für

auf Missbilligung.

Manager werden erwartet und sind populär.

Politik und Gedankenwelt

 

Niedrige Machtdistanz

   

Hohe Machtdistanz

Der Einsatz von Macht muss legitimiert sein und wird danach beurteilt, was gut und was böse ist.

Macht geht vor Recht. Wer die Macht hat, ist legitimiert dazu und ist gut.

 

Fähigkeiten,

Wohlstand

und

Macht

 

Fähigkeiten,

Wohlstand

und

Macht

lassen sich nicht voneinander trennen.

 

gehören nicht unbedingt zusammen.

   

Kleine Mittelschicht

 

Breite Mittelschicht.

 

Die Mächtigen genießen Privilegien.

Alle haben die gleichen Rechte.

 

Die

Mächtigen

unterstreichen

ihre

Die Mächtigen treten weniger mächtig auf als sie sind.

Macht durch ihr Auftreten.

Macht stützt sich auf Familie oder auf Freunde, auf Charisma und die Möglichkeit, Druckmittel einzusetzen.

 

Macht

beruht

auf

der

Position,

dem

Fachwissen

und

der

Gabe,

andere

zu

belohnen.

Ein politisches System lässt sich dadurch ändern, dass man die Regeln ändert (Evolution).

Ein politisches System kann man dadurch ändern, dass die Köpfe an der Spitze ausgewechselt werden (Revolution).

 

Gewalt

wird

innenpolitisch

selten

Innenpolitische Konflikte führen oft zu Gewalt. Regierung autokratisch oder oligarchisch. Man wird in die Regierung berufen.

eingesetzt,

Regierung

pluralistisch,

Mehrheitswahlsystem.

 
 

Ausgeprägte Parteienlandschaft. Parteien

 

Parteienspektrum schwach ausgeprägt,

der

Mitte

sind

stark,

extreme

Parteien

schwaches

Zentrum,

starke Links- und

schwach.

 

Rechtsparteien.

 
 

Geringe Unterschiede im Einkommen,

 

Große

Unterschiede

im

Einkommen,

die

durch

Steuergesetzgebung begünstigt

die

durch

Steuergesetzgebung

noch

werden.

vergrößert werden.

 

Die vorherrschenden Religionen und die philosophischen Systeme betonen die Gleichheit.

 

Vorherrschende

politische

Ideologien

betonen und praktizieren Machtkampf.

 

2. Individualismus-Index: Ich, Wir und Sie

„Individualismus beschreibt Gesellschaften, in denen die Bindungen zwischen den Individuen locker sind: man erwartet von jedem, dass er für sich selbst und seine unmittelbare Familie sorgt. Sein Gegenstück, der Kollektivismus, beschreibt Gesellschaften, in denen der Mensch von Geburt an in starke, geschlossene Wir-Gruppen integriert sind, die ihn ein Leben lang schützen und dafür bedingungslose Loyalität verlangen“ (Hofstede 1997: 66).

Der Grad, bis zu dem man es vorzieht, unabhängig und losgelöst von Gruppenbeziehungen zu sein, variiert in verschiedenen Kulturen. Stark individualistische Kulturen treffen häufig mit Wohlstand zusammen, was zu dem Schluss führen könnte, dass Wohlstand Individualismus unterstützt. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass Wohlstand eine unabhängige Existenz möglich macht.

Ausgewählte Individualismuswerte für einige europäische Länder (nach Hofstede 1997:

69):

89

Großbritannien

71

Frankreich

51

Spanien

80

Niederlande

68

Schweiz

35

Griechenland

76

Italien

67

BRD

27

Portugal

74

Dänemark

55 Österreich

 

Tabelle 2 fasst die wichtigsten von Hofstede beschriebenen Unterschiede zwischen kollektivistischen und individualistischen Gesellschaften zusammen (nach Hofstede 1997: 90 und 99).

Tabelle 2: Hauptunterschiede zwischen kollektivistischen und individualistischen Gesellschaften

Allgemeine Norm, Familie, Schule und Arbeitsplatz

 

kollektivistisch

   

individualistisch

 
 

D

i e

M e n s c h e n

w e r d e n

 

i n

Jeder Mensch wächst heran, um ausschließlich für sich selbst und seine direkte (Kern-)Familie zu sorgen.

Identität ist im Individuum begründet.

 

Großfamilien oder andere Wir-Gruppen hineingeboren, die sie weiterhin schützen und im Gegenzug Loyalität erhalten.

Die Identität ist im sozialen Netzwerk begründet, dem man angehört.

 

Kinder lernen in Begriffen des „Wir“ zu denken.

Kinder lernen in Begriffen des „Ich“ zu denken.

 
       

Seine

Meinung

offen

auszusprechen

ist

b

Man

sollte

e w a h r e n

immer

u n d

Harmonie

d i r e k t e

Kennzeichen eines aufrichtigen Menschen.

 

Auseinandersetzung vermeiden.

   

Ko m mu n i k at i o n m i t h o h e m Kontextbezug

 

Ko m mu n i k a t i o n

m i t

n i e d r i g e m

 

Kontextbezug

 
 

Ü

b e r t r e t u n g e n

f ü h r e n

z u

 

Übertretungen

führen

zu

Schuldgefühl

 

Beschämung und Gesichtsverlust für einen selbst und die Gruppe.

und Verlust an Selbstachtung.

 
 

Ziel der Erziehung: Wie macht man

 

Ziel der Erziehung: Wie lernt man etwas?

 

etwas?

 

Diplome

steigern

den

wirtschaftlichen

Diplome ermöglichen den Eintritt in höhere Statusgruppen.

Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird an moralischen

Wert und /oder die Selbstachtung.

 

Die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist ein Vertrag, der sich auf gegenseitigem Nutzen gründen soll.

Maßstäben

gemessen,

ähnlich

einer

familiären Bindung.

 
 

E

i

 

t

 

l

l

 

d

 

E

i

n

s

t

e

l

l

u

n

g

s

-

u

n

d

n

 

n

-

n

 

B

s

e

u

g

s

u

e f ö r d e r u n g s e n t s c h e i d u n g e n

Beförderungsentscheidungen

ausschließlich

auf

Fertigkeiten

und

sollen

Regeln

 

berücksichtigen

die

Wir-Gruppe

des

       

Mitarbeiters.

 

beruhen.

 

Management bedeutet Management von Gruppen.

Management bedeutet Management von Individuen.

 
 

Beziehung hat Vorrang vor Aufgabe.

 

Aufgabe hat Vorrang vor Beziehung.

 

Politik und Gedankenwelt

kollektivistisch

 

individualistisch

Kollektive Interessen dominieren vor individuellen Interessen.

Individuelle

Interessen

dominieren

vor

kollektiven Interessen.

Das

Privatleben

wird von (der)

Jeder hat ein recht auf Privatsphäre.

Gruppe(n) beherrscht.

 

Man

erwartet

von

jedem

eine

eigene

M

e i n u n g e n

w e r d e n

d u r c h

Meinung.

Gruppenzugehörigkeit vorbestimmt.

 

Gesetze

und

Rechte

sollen

für

alle

Gesetze

und

Rechte

sind

je

nach

gleichermaßen gelten.

Gruppe unterschiedlich.

 

Hohes Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt

N

i e d r i g e s

P r o - K o p f

Eingeschränkte

Rolle

des

Staates

im

Bruttosozialprodukt

Dominierende Rolle des Staates im Wirtschaftsleben

Wirtschaftsleben

Politische

Macht

wird

von

Wählern

ausgeübt.

Po l i t i s c h e

M a c h t

w i r d

vo n

Ideologien

individueller

Freiheit

Interessengruppen ausgeübt.

Gleichheitsideologien dominieren vor Ideologien individueller Freiheit.

dominieren vor Gleichheitsideologien.

Selbstverwirklichung

eines

jeden

Individuums stellt eines der höchsten Ziele dar.

Harmonie

und

Konsens

in

der

Gesellschaft stellen höchste Ziele dar.

3. Maskulinitätsindex: Er, Sie

 

Der

Maskulinitätsindex

misst

den

Grad,

bis

zu

welchem

die

traditionellen

Geschlechterrollen

in

einer

gegebenen

Gesellschaft

betont

werden.

„Maskulinität

kennzeichnet eine Gesellschaft, in der die Rollen der Geschlechter klar gegeneinander abgegrenzt sind: Männern haben bestimmt, hart und materiell orientiert zu sein, Frauen müssen bescheidener, sensibler sein und Wert auf Lebensqualität legen. Femininität kennzeichnet eine Gesellschaft, in der sich die Rollen der Geschlechter überschneiden: so- wohl Frauen als auch Männern sollen bescheiden und feinfühlig sein und Wert auf Lebensqualität legen“ (Hofstede 1997: 113). Männliches Verhalten wird im allgemeinen mit Dominanz, Leistung und Aggression verbunden; weibliches Verhalten mit Erziehung und Pflege, Demut, Hilfsbereitschaft und Aufnahme.

Maskulinitätsindexwerte für ausgewählte Länder (nach Hofstede 1997: 115):

79 Österreich

66

BRD

31

Portugal

70

Italien

57

Griechenland

16

Dänemark

70

Schweiz

43

Frankreich

14

Niederlande

66

Großbritannien

42

Spanien

5

Schweden

Tabelle 3 fasst die wichtigsten von Hofstede beschriebenen Unterschiede zwischen femininen und maskulinen Gesellschaften zusammen (nach Hofstede 1997: 133 und 144).

Tabelle 3: Hauptunterschiede zwischen femininen und maskulinen Gesellschaften

Politik und Gedankenwelt

Feminin

 

Maskulin

 

Wohlfahrtsstaat Ideal

 

Leistungsgesellschaft Ideal

 

Den Bedürftigen sollte geholfen werden.

Die Starken sollten unterstützt werden.

„Small and slow are beautiful“.

 

„Big and fast are beautiful“.

 
 

sollte höchste

D i e

A u f r e c h t e r h a l t u n g

d e s

Dem Schutz der Umwelt Priorität eingeräumt werden.

Regierung gibt relativ große Teile des Staatsbudgets für Entwicklungshilfe in arme Länder aus.

Regierung gibt relativ kleinen Teil des Staatsbudgets für Rüstung aus.

Konflikte

sollten

wirtschaftlichen Wachstums sollte höchste Priorität haben.

Regierung gibt relativ kleinen Teil des Staatsbudgets für Entwicklungshilfe in arme Länder aus.

Regierung gibt relativ großen Teil des Staatsbudgets für Rüstung aus.

Internationale Ve r h a n d e l n

u n d

E i n g e h e n

durch e i n e s

Internationale Konflikte sollten durch Zeigen der eigenen Stärke und Kämpfen gelöst werden.

Kleiner Anteil von Frauen in gewählten politischen Ämtern

Kompromisses gelöst werden.

Großer Anteil von Frauen in gewählten politischen Ämtern

Die

großen

Religionen

betonen

die

Ergänzung der Geschlechter.

 

Die

großen

Religionen

betonen

das

Die Befreiung der Frau heißt, dass die Arbeit am Arbeitsplatz und zu Hause zu

männliche Vorrecht.

Die Befreiung der Frau bedeutet, dass Frauen Zugang zu Positionen haben, die früher von Männern besetzt waren.

gleichen

Anteilen

auf

Frau und Mann

verteilt ist.

Allgemeine Norm, Familie, Schule und Arbeitsplatz

Feminin

Maskulin

 

Vorherrschende

Werte

in

einer

Vorherrschende

Werte

sind

materieller

um Mitmenschen und Bewahrung der Werte.

Gesellschaft

sind

das

Kümmern

Erfolg und Fortkommen.

Geld und Dinge sind wichtig.

 

M

e n s c h e n

u n d

i n t a k t e

Von

Männern

wird

erwartet,

dass

sie

zwischenmenschliche

wichtig.

Beziehungen

sind

bestimmt, ehrgeizig und hart sind.

Von jedem wird erwartet, bescheiden zu sein.

Von Frauen erwartet man, sensibel zu sein und die zwischenmenschlichen Beziehungen zu pflegen.

Sowohl Männern wie Frauen wird zugestanden, sensibel und um zwischenmenschliche Beziehungen bemüht zu sein.

In

der Familie ist der Vater für die Fakten,

die Mutter für Gefühle zuständig.

 

Mädchen

weinen,

Jungen

nicht.

Jungen

 

sollten zurückschlagen, wenn sie angegriffen

der Familie sind sowohl Vater als

auch Mutter für Fakten und Gefühle

In

werden, Mädchen nicht.

 

zuständig.

Sympathie mit den Starken

Mädchen und Jungen dürfen weinen, sollen aber nicht kämpfen.

Bester Schüler ist die Norm.

Ver sagen

in

der

Schule

ist

eine

Sympathie mit den Schwachen

Katastrophe.

Durchschnittlich guter Schüler ist die Norm.

Hervorragendes Fachwissen beim Lehrer wird geschätzt.

Versagen in der Schule ist nicht so schlimm.

Jungen und Mädchen wählen verschiedene Fächer.

Freundlicher Lehrer wird geschätzt.

Leben um zu arbeiten

 

Jungen

und

Mädchen

wählen

die

M

a n

e r w a r t e t ,

d a s s

Vo r g e s e t z t e

gleichen Fächer.

entschlussfreudig und bestimmt sind.

 

Arbeiten um zu leben

Betonung liegt auf

Fairness, Wettbewerb

Vorgesetzte verlassen sich auf Intuition und streben Konsens an.

ihre

unter Kollegen und Leistung.

Konflikte werden beigelegt, indem man sie austrägt.

Betonung

S o l i d a r i t ä t Arbeitslebens.

liegt u n d

auf

Gerechtigkeit,

d e s

Q u a l i t ä t

Konflikte werden beigelegt, indem man miteinander verhandelt und nach einem Kompromiss sucht.

4. Index der Unsicherheitsvermeidung: Was anders ist, ist gefährlich

„Unsicherheitsvermeidung läßt sich definieren als der Grad, in dem die Mitglieder einer Kultur sich durch ungewisse oder unbekannte Situationen bedroht fühlen. Dieses Gefühl drückt sich u.a. in nervösem Streß und einem Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit aus: ein Bedürfnis nach geschriebenen und ungeschriebenen Regeln“ (Hofstede 1997: 156).

In Ländern mit hohem Unsicherheitsvermeidungsindex tendieren die Leute dazu, sich durch unstrukturierte Situationen bedroht zu fühlen und sie versuchen, diese Unstrukturiertheit zu beseitigen. In Ländern mit niedrigem Unsicherheitsvermeidungsindex- Wert werden unstrukturierte Situationen viel leichter akzeptiert.

Ausgewählte Unsicherheitsvermeidungsindex - Werte (nach Hofstede 1997: 157):

112

Griechenland

75

Italien

53

Niederlande

104

Portugal

70

Österreich

35

Großbritannien

86

Frankreich

65

BRD

23

Dänemark

86

Spanien

58

Schweiz

 

Tabelle 4 fasst die wichtigsten von Hofstede beschriebenen Unterschiede zwischen Gesellschaften mit schwacher und starker Unsicherheitsvermeidung zusammen (nach Hofstede 1997: 176 und 189).

Tabelle 4: Hauptunterschiede zwischen Gesellschaften mit schwacher und starker Unsicherheitsvermeidung

Allgemeine Norm, Familie, Schule und Arbeitsplatz (s. nächste Seite)

Schwache

Starke Unsicherheitsvermeidung

Unsicherheitsvermeidung

Unsicherheit (Ungewissheit) ist eine normale Erscheinung im Leben und wird

Die dem Leben innewohnende Unsicherheit wird als ständige Bedrohung empfunden, die es zu bekämpfen gilt.

täglich

hingenommen, wie sie gerade

kommt.

Großer

Stress:

subjektives

Gefühl der

Geringer Stress: subjektives Gefühl des Wohlbefindens

Angst

Aggression und Emotionen können bei geeigneten Gelegenheiten herausgelassen werden.

Aggressionen man nicht zeigen.

und

Emotionen

darf

Uneindeutige

Situationen

mit

Akzeptanz bekannter Risiken; Angst vor

unbekanntem Risiko werden akzeptiert.

Lockere Regeln für Kinder hinsichtlich dessen, was als schmutzig und tabu gilt.

Was anders ist, ist seltsam.

uneindeutigen Situationen und unbekannten Risiken.

Strenge Regeln für Kinder hinsichtlich dessen, was als schmutzig und tabu gilt.

S c h ü l e r

m ö g e n

O p e n - E n d -

Was anders ist, ist gefährlich.

 

Lernsituationen und gute Diskussionen.

S

c h ü l e r

m ö g e n

s t r u k t u r i e r t e

Ein

Lehrer kann sagen: „Ich weiß

Lernsituationen und richtige Antworten.

nicht“.

Es sollte nicht mehr Regeln geben als unbedingt notwendig.

Lehrer müssen auf wissen.

alles eine Antwort

Emotionales

Bedürfnis

nach

Regeln,

Zeit ist ein Orientierungsrahmen.

selbst wenn diese niemals funktionieren.

Wohlbefinden bei Müßiggang; harte Arbeit nur, wenn erforderlich

Zeit ist Geld.

 

E

m o t i o n a l e s

B e d ü r f n i s

n a c h

Präzision

und

Pünktlichkeit

müssen

Geschäftigkeit; innerer Drang nach harter Arbeit

erlernt werden.

Toleranz

gegenüber

abweichenden

Präzision

und

Pünktlichkeit

sind

und

innovativen

Gedanken

und

natürliche Eigenschaften.

Verhaltensweisen

Unterdrückung abweichender Gedanken

Motivation

durch

Leistung

und

und

Verhaltensweisen;

Widerstand

gegen

Wertschätzung oder soziale Bedürfnisse

Innovation

Motivation

durch

Sicherheitsbedürfnis

und Wertschätzung soziale Bedürfnisse.

 

Politik und Gedankenwelt

Schwache

 

Starke Unsicherheitsvermeidung

Unsicherheitsvermeidung

 

Wenige, allgemeine Gesetze und Regeln

Viele, exakte Regeln und Gesetze

 

Können

Regeln

nicht

eingehalten

Können Regeln nicht eingehalten werden, so sind wir sündig und müssen büßen.

werden, so muss man sie ändern.

 

g e g e n ü b e r

B ü r g e r k o m p e t e n z Staatsgewalt

 

Bürger-Inkompetenz

gegenüber

Bürgerprotest wird akzeptiert.

 

Staatsgewalt

 

Bürger

haben

positive

Einstellung

Bürgerprotest muss unterdrückt werden.

gegenüber Institutionen.

Bürger

haben

negative

Einstellung

Toleranz, Mäßigung

gegenüber Institutionen.

 

Positive

Einstellung

gegenüber

jungen

Konservatismus, und Ordnung

Negative Einstellung gegenüber jungen Menschen

Recht

Extremismus,

Menschen

Regionalismus,

Internationalismus,

Versuche zur Integration von Minderheiten

Hoher Stellenwert für Generalisten und gesunden Menschenverstand

N a t i o n a l i s m u s ,

X e n o p h o b i e ,

Unterdrückung von Minderheiten

 

Die Wahrheit einer Gruppe darf man anderen nicht aufzwingen.

Hoher

Stellenwert

für

Experten

und

Spezialisten

 

Menschenrecht:

niemand

darf

wegen

Es

gibt

nur

eine

Wahrheit,

und

wir

seiner Überzeugungen verfolgt werden.

haben sie.

 
 

u n d u n d

Fundamentalismus

und

Intoleranz

in

Te n d e n z E m p i r i s mu s Wissenschaft

z u

Re l at i v i s mu s P h i l o s o p h i e

 

i n

Religion, Politik und Ideologie

 
 

Neigung

 

zu

großen

Theorien

in

Gegner

in

wissenschaftlichen

Fragen

Philosophie und Wissenschaft

können persönlich befreundet sein.

Gegner

in

wissenschaftlichen

Fragen

 

können nicht persönlich befreundet sein.

 

5. Konfuzianische Dynamik

Diese fünfte Dimension der Kultur definiert Besonderheiten einer langfristigen gegenüber einer kurzfristigen Lebensorientierung. Benannt wurde sie von Michael Bond unter Bezugnahme auf die Lehren des Konfuzius.

„Die Lehren des Konfuzius bilden Lektionen in praktischer Ethik ohne

jeglichen religiösen Inhalt

Die wichtigsten Grundsätze der

konfuzianischen Lehre sind im folgenden zusammengefasst:

1. Die Stabilität der Gesellschaft gründet sich auf ungleiche Beziehungen zwischen Menschen. Die wu lun oder die fünf

Grundbeziehungen

sind: Herrscher-Untergebener, Vater-Sohn,

älterer Bruder-jüngerer Bruder, Mann-Frau und älterer Freund- jüngerer Freund. Diese Beziehungen gründen sich auf gegenseitige

Verpflichtungen. Der jüngere Partner schuldet dem älteren Partner Respekt und Gehorsam. Der ältere schuldet dem jüngeren Partner Schutz und Fürsorge.

2. Die Familie ist der Prototyp aller sozialen Organisationen. Ein Mensch ist nicht in erster Linie ein Individuum, sondern vielmehr

Harmonie zeigt sich darin, daß jeder sein

Mitglied einer Familie

Gesicht wahrt im Sinne von Würde, Selbstachtung und Prestige

In der chinesischen Tradition ist der Verlust von Würde gleichbedeutend mit dem Verlust der Augen, der Nase und des Mundes. Soziale Beziehungen sollen in einer Weise gepflegt werden, die jedem die Wahrung des Gesichts ermöglicht

3. Tugendhaftes Verhalten anderen gegenüber bedeutet, andere nicht so zu behandeln, wie man selbst nicht behandelt werden möchte (im Chinesischen ist die goldene Regel negativ formuliert!)

4. Tugend hinsichtlich der eigenen Aufgaben im Leben bedeutet, gewisse Fertigkeiten und eine Erziehung versuchen zu erlangen, harte Arbeit, nicht mehr ausgeben als nötig, Geduld und Ausdauer. Übermäßiger Konsum ist ebenso tabu wie die Geduld zu verlieren. Es wird Mäßigung in jeder Hinsicht empfohlen.

Die neue Dimension „Konfuzianische Dynamik“

setzt sich aus

folgenden Werten zusammen: am Pol, den man als „Langfristige Orientierung“ bezeichnen könnte:

Ausdauer (Beharrlichkeit),

Ordnung der Beziehungen nach dem Status sowie der Einhaltung dieser Ordnung,

Sparsamkeit,

Schamgefühl.

Am entgegengesetzten Pol, der „Kurzfristigen Orientierung“:

persönliche Standhaftigkeit und Festigkeit,

Wahrung des „Gesichts“,

Respekt vor der Tradition,

Erwiderung von Gruß, Gefälligkeiten und Geschenken.

Michael Bond entschied sich bei dieser Dimension für den Zusatz „konfuzianisch“, da nahezu alle Werte an beiden Polen direkt aus den Lehren des Konfuzius zu stammen scheinen. Allerdings sind die Werte des einen Pols eher auf die Zukunft gerichtet (insbesondere Beharrlichkeit und Sparsamkeit), sie sind eher dynamisch. Die Werte des anderen Pols dagegen sind mehr auf Vergangenheit und Gegenwart hin ausgerichtet, sie sind eher statisch“ (Hofstede 1997: 231 ff.).

Ausgewählte Werte des Index der Langfristigen Orientierung für Stichproben von Studenten aus 23 Ländern (nach Hofstede 1997: 234):

118 China

61 Indien

31

Australien

96

Hongkong

44 Niederlande

29

USA

87

Taiwan

33

Schweden

25

Großbritannien

80 Japan

32

Polen

16

Nigeria

75

Südkorea

31

BR Deutschland

00

Pakistan

65

Brasilien

   

Tabelle 5 fasst die wichtigsten von Hofstede beschriebenen Aspekte der Dimension Kurzfristige gegenüber Langfristiger Orientierung zusammen (nach Hofstede 1997: 243).

Tabelle 5: Hauptunterschiede zwischen Gesellschaften mit Kurzfristiger bzw. Langfristiger Lebensorientierung

Kurzfristige Orientierung

 

langfristige Orientierung

 

Respekt für Traditionen

 

Anpassung von Traditionen an moderne Gegebenheiten

R e s p e k t

f ü r

Statusverpflichtungen,

s o z i a l e ungeachtet

u n d der

R e s p e k t

f ü r

s o z i a l e

u n d

Kosten

Statusverpflichtungen innerhalb bestimmter

Sozialer

Druck,

mit

den

Nachbarn

Grenzen

mitzuhalten,

auch

um

den

Preis

der

S p a r s a m k e i t Ressourcen

i m

U m g a n g

m i t

Verschuldung

Geringe

Sparquote,

wenig

Geld

für

H o h e

S p a r q u o t e ,

M i t t e l

f ü r

Investitionen

Investitionen verfügbar

Erwartung rascher Ergebnisse

 

Beharrlichkeit

beim

langsamen

"Gesicht" ist wichtig.

Erreichen von Ergebnissen

 

Besitz der Wahrheit ist wichtig.

 

Bereitschaft,

sich

für

einen

Zweck

unterzuordnen

 

Beachtung der Gebote der Tugend ist wichtig

Westliche Länder haben ziemlich ähnliche Werte in dieser Dimension; sie haben alle eine Orientierung auf relativ kurze Zeiträume (nach Szafraniec).

Die genannten fünf Dimensionen decken die offensichtlichsten Unterschiede in den Werten zwischen Nationalkulturen auf. Auf ihrer Grundlage können Kulturen analysiert und in eine bestimmte Perspektive gestellt werden.