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FRANK MÖNCH

STEUERBERATER

Krankenversicherungsfreiheit für Beschäftigte


( 3-Jahres-Regel )

Beschäftige Arbeitnehmer sind grundsätzlich versicherungspflichtig in der


- Krankenversicherung KV
- Rentenversicherung RV
- Arbeitslosenversicherung AV
- Pflegeversicherung PV
wenn das monatliche Entgelt mehr als 400 € beträgt.
Bisher gab es in der Krankenversicherung eine Höchstgrenze. Arbeitnehmer, deren
regelmäßiges beitragspflichtiges Entgelt diese Grenze überstieg, waren ab Beginn der
Beschäftigung krankenversicherungsfrei.

Im Rahmen der Gesundheitsreform wurde diese Regelung rückwirkend ab 02.02.2007


geändert.

Arbeitnehmer, deren regelmäßiges beitragspflichtiges Entgelt diese Grenze übersteigt,


sind erst dann nicht krankenversicherungspflichtig, wenn ihr Entgelt auch in den letzten 3
Kalenderjahren über der Jahresarbeitsentgeltgrenze ( JAEG ) lag.

Die Beurteilung der Jahresarbeitsentgelte ( JAE ) sind jeweils zu Beginn einer


Beschäftigung und zum 01.01. eines jeden Kalenderjahres erforderlich.

Zum regelmäßigen JAE gehören alle beitragspflichtigen Entgeltarten. Beitragsfreie


Zahlungen des Arbeitgebers zählen nicht dazu.

Überstundenvergütungen werden nicht berücksichtigt, da nicht regelmäßig.

Einmalzahlungen sind dann als regelmäßig anzusehen, wenn sie mit hinreichender
Sicherheit einmal jährlich gezahlt werden.

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Berechnung des regelmäßigen Arbeitsverdienstes:


Monatliches Bruttoentgelt x 12 Monate + regelmäßige Einmalzahlungen

Maßgebend ist, dass das Entgelt nicht nur zugesagt, sondern auch tatsächlich gezahlt
wurde.

Bei mehreren Beschäftigungsverhältnissen sind die Arbeitsentgelte von verschiedenen


Arbeitgebern zusammenzurechnen.

Andere Einkommensarten wie z.B. Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit, Mieteinnahmen


oder Arbeitslosengeld haben keine Bedeutung.

Die Voraussetzung des Überschreitens der JAEG in den letzten 3 Kalenderjahren ist auch
dann erfüllt, wenn der Beschäftigte in dieser Zeit als Beamter, Richter, Soldat oder
Ähnliches versicherungsfrei war und das JAE über der Grenze lag.

Höhe der Jahresarbeitsentgeltgrenzen ( JAEG ):

Kalenderjahr 2004 2005 2006 2007

„allgemeine“ JAEG 46.350 46.800 47.250 47.700

„besondere“ JAEG 41.850 42.300 42.750 42.750

Beträge in Euro
Hinweis: Die besondere Grenze gilt für Arbeitnehmer, die am 31.12.2002 wegen Überschreitens der JAEG
krankenversicherungsfrei und privat versichert waren. Sie entspricht der Beitragsbemessungsgrenze in der
gesetzlichen Krankenversicherung.

Die Versicherungspflicht endet mit Ablauf des 3.Kalenderjahres, wenn das Entgelt auch im
folgenden Jahr über der JAE-Grenze liegt.

Wird die Versicherungspflichtgrenze innerhalb des Jahres dauerhaft unterschritten, endet


die Versicherungsfreiheit unmittelbar, nicht erst zum Jahresende.

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Prüfungsschema: Aufnahme einer neuen Beschäftigung


Wird voraussichtlich die JAEG des laufenden Jahres überschritten ?

JA NEIN

Wurde die JAEG in den 3 letzten Kj. überschritten ? KV-Pflicht*

JA NEIN

KV-Freiheit KV-Pflicht*

*Ausnahme 55er-Regel:
Personen, die nach Vollendung des 55. Lebensjahres versicherungspflichtig werden, sind versicherungsfrei,
wenn sie in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Versicherungspflicht nicht gesetzlich krankenversichert und
mindestens die Hälfte dieser Zeit versicherungsfrei, von der Versicherungspflicht befreit oder hauptberuflich
selbständig tätig waren.

Fehlzeiten im 3-Jahres-Zeitraum

Bestimmte unbezahlte Fehlzeiten innerhalb der letzten 3 Jahre sollten sich nicht nachteilig
auf die Versicherungsfreiheit auswirken.

Für folgende Zeiträume rechnet man deshalb ein fiktives Entgelt an, wie es ohne die
Unterbrechung erzielt worden wäre. Dazu zählen:

 Arbeitsunfähigkeiten nach Ablauf der Entgeltfortzahlung


 Bezug von Verletztengeld, Übergangsgeld, Versorgungskrankengeld
 Bezug von Mutterschaftsgeld
 Bezug von Kurzarbeitergeld ( ausgenommen Transferkurzarbeitergeld )
 Zeiten, in denen die Beschäftigung ohne Entgelt für längstens 1 Monat fortbesteht (
z.B. der erste Monat von unbezahltem Urlaub )
 Rechtmäßiger Arbeitskampf
 Teilnahme an einer Eignungsübung

In folgenden Zeiten geht man ohne weitere Prüfung davon aus, dass das Einkommen über
der JAEG lag. Das gilt jedoch nur, wenn die zu beurteilende Beschäftigung innerhalb eines

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Zeitjahres nach der Unterbrechung beginnt und mit einem Entgelt oberhalb der JAEG
vergütet wird.

Das sind:
 Elternzeit
 Bezug von Elterngeld / Erziehungsgeld
 Wehr- oder Zivildienst
 Zeiten nach dem Entwicklungshelferdienstgesetz

Beispiel für Beschäftigung nach Elternzeit

Beschäftigung seit: 01.04.2003


Monatliches Bruttoentgelt 3.800 €
Weihnachtsgeld ( vertraglich vereinbart )2.600 €

Mutterschaftsgeld vor der Entbindung vom 20.03.2004 – 30.04.2004


Elternzeit vom 01.05.2004 – 30.04.2007
Unbezahlter Urlaub vom 01.05.2007 – 30.09.2007
Wiederaufnahme der Beschäftigung am 01.10.2007

Beurteilung zum 01.10.2007:

Das laufende JAE ( 48.200 € ) übersteigt die JAEG ( 2007: 47.700 € ).

Die 3-Jahres-Frist ( 2004,2005,2006 ) ist zu prüfen.

Das Entgelt von der Mutterschutzfrist einschließlich des fiktiven Entgeltes während des
Bezugs von Mutterschaftsgeld überschreitet die anteilige Grenze für die Zeit vom
01.01.2004 – 30.04.2004. Für die Elternzeit ist, ohne weitere Prüfung ein Überschreiten
der JAEG anzunehmen, da die Beschäftigung mit entsprechend hohem Entgelt innerhalb
eines Jahres nach der Elternzeit wieder aufgenommen wird. Ab 01.10.2007 besteht
Versicherungsfreiheit.

Achtung: Zum 01.01.2008 wird Versicherungspflicht eintreten, da vom 01.06.2007 –


30.09.2007 kein Entgelt anzurechnen ist.

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Besitzstandswahrung

Durch die Änderung des Gesetzes werden einige Personen, die bereits versicherungsfrei
waren, ab 02.02.2007 wieder versicherungspflichtig.

Das gilt nicht für


 Personen, die am 02.02.2007 wegen Überschreitens der JAEG oder Befreiung von
der Versicherungspflicht privat versichert waren
 Beschäftigte, die ihre gesetzliche Krankenversicherung bis zum 01.02.2007
gekündigt haben, um in die private Krankenversicherung zu wechseln.

Diese Arbeitnehmer bleiben im Rahmen des Bestandsschutzes versicherungsfrei, auch


wenn ihr Einkommen noch nicht 3 Jahre lang über dem Grenzwert lag. Der Besitzstand
gilt, solange Versicherungsfreiheit andauert. Er überträgt sich auf andere
Beschäftigungen, wenn zwischen 2 Arbeitsverhältnissen oberhalb der JAEG nicht mehr
als 3 Monate liegen.

Voraussetzung ist jedoch, dass in dieser Zeit keine Versicherungspflicht vorliegt, es ei


denn, man hat sich von der Versicherungspflicht befreien lassen.

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