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Die Ordnung der Gedanken und das Erfüllen der

Gedanken mit Leben


[GEJ.07_036,02] Du kannst denken, was du willst, so kannst du
dadurch nicht sündigen, so dein Herz an einem unordentlichen
Gedanken kein Wohlgefallen findet. Findest du aber an einem
schlechten Gedanken ein Wohlgefallen, so verbindest du auch schon
deinen Willen mit dem schlechten, aller Nächstenliebe baren
Gedanken und bist nicht ferne davon, solchen Gedanken, der einmal
schon von deinem Wohlgefallen und von deinem Willen belebt
worden ist, in die Tat übergehen zu lassen, wenn dir die Umstände
günstig erscheinen und die Tat ohne äußere Gefahr zulassen. Daher
ist die weise Überwachung der im Menschenherzen vorkommenden
Gedanken durch das geläuterte Licht des Verstandes und der reinen
Vernunft ja doch von der höchsten Wichtigkeit, weil der Gedanke der
Same zur Tat ist, und es könnte die notwendige und weise
Überwachung der Gedanken wahrlich nicht trefflicher ausgedrückt
sein als eben dadurch, daß da Moses sagt: ,Laß dich nicht gelüsten
nach diesem und jenem!‘ Denn so es dich einmal stark zu gelüsten
anfängt, so ist dein Gedanke schon belebt durch dein Wohlgefallen
und durch deinen Willen, und du wirst dann deine Not haben, solch
einen belebten Gedanken in dir völlig zu ersticken. Der Gedanke,
und die Idee, ist ja, wie früher gesagt, der Same zur Tat, die da die
Frucht des Samens ist. Wie aber der Same, so dann auch die Frucht!

[GEJ.07_036,03] Du kannst daher denken, was du willst; aber belebe


keinen Gedanken und keine Idee eher zur Frucht, als bis du ihn vor
dem Richterstuhle deines Verstandes und deiner Vernunft gehörig
durchgeprüft hast! Hat der Gedanke da die Licht- und Feuerprobe
bestanden, dann erst kannst du ihn zur Frucht oder Tat beleben, und
es kann dich da dann schon gelüsten nach etwas Gutem und
Wahrem; aber nach etwas Unordentlichem, das offenbar wider die
Nächstenliebe geht, soll es dich nicht gelüsten! Und darin liegt das,
was Moses in seinem letzten Gesetze ausgedrückt hat, und es liegt
darin wahrlich wohl nie und nirgends der Widerspruch mit den
inneren Lebensfunktionen, den du mit Hilfe deines scharfsinnigen
Rabbi willst gefunden haben. Was soll, ja was kann aus einem
Menschen werden, wenn er nicht schon frühzeitig lernt, seine
Gedanken zu prüfen, zu ordnen und alles Unreine, Böse und Falsche
aus ihnen zu scheiden? Ich sage es dir, solch ein Mensch würde
schlechter und böser werden denn ein allerreißendstes und bösestes
Tier!

[GEJ.07_036,04] In der guten und weisen Ordnung der Gedanken


liegt ja der ganze Lebenswert eines Menschen. Wenn nun Moses zur
Regelung der Gedanken, Wünsche und Begierden auch ein Gebot
gab, – kann da ein ganz weise sein wollender oder sein sollender
Rabbi ihn dahin verdächtigen, als hätte er ein solches am
allermeisten zu berücksichtigende Gebot nicht vom wahren Geiste
Gottes empfangen? Siehe, siehe, du Meine liebe Tochter, wieweit
sich da dein Rabbi verstiegen hat!“

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