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Zukunft Bildung Schweiz

Anforderungen an das schweizerische Bildungssystem 2030


Wissenschaften im Dienste der Gesellschaft
Der Verbund «Akademien der Wissenschaften Schweiz» umfasst die Akademie der
Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT), die Schweizerische Akademie der Geistes-
und Sozialwissenschaften (SAGW), die Schweizerische Akademie der Medizinischen
Wissenschaften (SAMW) und die Schweizerische Akademie der Technischen Wis-
senschaften (SATW) sowie die beiden Kompetenzzentren TA-SWISS und Science et
Cité. Ihre Zusammenarbeit konzentriert sich auf die Kompetenzbereiche Früherken-
nung, Ethik und Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Wissenschaft und Bildung sind die wichtigsten Ressourcen der Schweiz im interna-
tionalen Wettbewerb. Die notwendigen Investitionen ins Wissenschaftssystem hän-
gen vom Vertrauen der Bevölkerung in die wissenschaftlichen Errungenschaften
und deren Nutzen für die Gesellschaft ab. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen und
müssen zum Wohle aller eingesetzt werden – dies jedoch immer in der kritischen
Auseinandersetzung und im Einverständnis mit Gesellschaft und Politik. Die Akade-
mien setzen sich gezielt für einen gleichberechtigten Dialog zwischen Wissenschaft
und Gesellschaft ein. Sie beraten Politik und Gesellschaft in wissenschaftsbasierten,
gesellschaftsrelevanten Fragen.

2 Zukunft Bildung Schweiz – Kurzporträt


Inhalt
Zusammenfassung 4
Vorwort 5

Kapitel I
Randbedingungen 6

Kapitel II
Szenario 2030 12

Kapitel III
Gegenwärtige Lage 20

Kapitel IV
Massnahmen 28

Road Map 36

Glossar 37
Literaturverzeichnis 38
Impressum 40

Zukunft Bildung Schweiz – Inhalt 3


Zusammenfassung
Wie alle nationalen Bildungssysteme steht auch dasjenige der Schweiz vor neuen
Herausforderungen. Globale Entwicklungen in Ökonomie, Kommunikationstechnolo-
gie, Umwelt und Wissenschaft verändern nachhaltig das soziale, kulturelle und poli-
tische Leben. Die Akademien Schweiz halten Bildung für die wichtigste strategische
Investition. Von ihr hängt ab, ob die Menschen in der Lage sind, die Chancen dieser
Veränderungen zum individuellen Wohlergehen zu nutzen, und ob die Gesellschaft als
Ganze sich erfolgreich zu behaupten und nachhaltig weiter zu entwickeln vermag.

Auch wenn die Schweiz ein historisch einzigartig geprägtes und erfolgreiches Schul-
system hat, ist sie doch keine Insel. Die geschützten Räume kantonaler Schulpolitik
sind für sich nicht in der Lage, angemessene Zukunftslösungen zu finden und zu rea-
lisieren. Eine Analyse internationaler Trends und nationaler Stärken wie Schwächen
bildet die Grundlage für die erforderlichen Entwicklungen.

In einem Szenario 2030 entwirft das Weissbuch die strategischen Grundzüge eines
zukunftsfähigen Bildungsverständnisses aus der Perspektive einer Wissensgesell-
schaft. Im Zentrum stehen eine umfassende Entfaltung der menschlichen Kompe-
tenzen und die Befähigung zu aktiver und selbstbestimmter Teilhabe am öffentlichen
Leben. Das Szenario setzt auf eine frühe Förderung von besonderen Begabungen. Ein
elementares Wissenschafts- und Technikverständnis ist integraler Teil der Allgemein-
bildung. Mehr Menschen erwerben höhere Bildungsabschlüsse. Die Ausbildungs-
zeiten sind flexibler gestaltet, das nicht schulische informelle Lernen erhält ein stär-
keres Gewicht. Eine umfassende informationstechnologische Alphabetisierung gehört
zum Kernauftrag der Schule. Die Ausbildung entsprechend geschulter Lehrkräfte auf
allen Ebenen wird als strategisches Element der Bildungspolitik verstanden.

Die Akademien schlagen eine deutliche Vereinfachung und Vereinheitlichung der


Strukturen im gesamten schweizerischen Bildungssystem vor. Sie empfehlen die
Erarbeitung einer stärker international ausgerichteten Strategie zur Entwicklung des
gesamten Bildungssystems auf Bundesebene und die Einrichtung einer entspre-
chenden Institution des Bundes zu ihrer Umsetzung. Empfohlen werden die konse-
quente Ausrichtung des Bildungsauftrages an Schlüssel- und Mindestkompetenzen
sowie eine Reihe weiterer Massnahmen hinsichtlich Selektion und Förderung, der
Bildungsinhalte und ihrer Priorisierung, der Abstimmung der Bildungsstufen, des
Verhältnisses von formeller und informeller Bildung sowie der Zusammenarbeit zwi-
schen den Erziehungs- und Bildungsverantwortlichen. Eine Road Map umreisst die
erforderlichen Umsetzungsschritte von 2009 bis 2030.

4 Zukunft Bildung Schweiz – Zusammenfassung


Vorwort
Die Bildung wird die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz und ihre Integration ins europä-
ische Umfeld in den nächsten Jahrzehnten entscheidend bestimmen. Dabei wird es darum
gehen, nicht nur Kenntnisse für berufliche Aktivitäten, sondern auch ein vertieftes Ver-
ständnis und hinreichende Kompetenzen zu erwerben, um mit der Welt und der Gesell-
schaft von morgen sinnvoll umzugehen. Im vorliegenden «Weissbuch» werden Thesen
über Anforderungen und Ziele des schweizerischen Bildungssystems für die Zeit um 2030
aufgestellt: Was wollen wir erreichen? Wie sieht das Umfeld aus, das Erziehung, Schule
und Weiterbildung bestimmen wird?

In der jüngeren Vergangenheit hat unser Bildungssystem entscheidende Reformen erlebt.


Diese werden in den nächsten Jahrzehnten zu grundlegenden Veränderungen führen. Dazu
gehört primär eine bessere nationale Koordination, aber auch eine Stärkung des Hochschul-
systems durch autonom gestaltete Eintritts- und Stufenbedingungen. Hierdurch werden der
Zugang zur Bildung für alle gerechter gestaltet und die Bildung selbst optimiert.

Die Mobilität unserer Gesellschaft wird weiter zunehmen. Noch mehr Berufstätige wer-
den die Ausrichtung ihrer professionellen Aktivitäten im Verlaufe ihres Lebens und ihrer
Karriere verändern, was den Erwerb neuer Kompetenzen erforderlich macht. Ein zukunfts-
fähiges Bildungskonzept muss dem lebenslangen Lernen Rechnung tragen und zu einer
fortschreitenden Erweiterung von Kenntnissen und Kompetenzen ermutigen.

Auch morgen muss die Schule allen eine gute und breite Bildung ermöglichen. Sie soll
zudem eine hinreichende Orientierung über Erfolg versprechende Berufsfelder vermitteln.
Das schliesst eine regelmässige Information auf jeder Stufe sowie Anreize ein, um Kennt-
nisse und Kompetenzen in Mangelberufen zu entwickeln. Heute muss unser Land jährlich
etwa 30 000 Kader mit Hochschulabschluss importieren, besonders in den Gesundheits-
berufen sowie in Informatik, Ingenieurwesen, Wissenschaft allgemein und den Lehrberu-
fen. Zwar hat die Zahl der Studierenden in Human- und Geisteswissenschaften um die
Jahrhundertwende überproportional zugenommen, jetzt zeichnet sich jedoch ein deut-
licher Mangel in den anderen Fachrichtungen ab. Die sich hieraus ergebenden Defizite
dürften bis 2030 noch nicht behoben sein.

Diese deutlichen Veränderungen sowie die «Globalisierung» von Bildung und Berufsak-
tivitäten stellen uns für die nächsten 20 Jahre vor neue Herausforderungen, bringen aber
auch Chancen. Die Schweiz tut gut daran, sich nicht auf den heute zum Teil ausgeprägten
«brain drain» aus weniger entwickelten Ländern einzustellen, sondern bessere Bedin-
gungen für alle zu schaffen, auch durch «brain circulation», den vermehrten Austausch.
Um hier eine Führungsrolle zu übernehmen, hat das Bildungsland Schweiz beste Voraus-
setzungen – nutzen wir sie!

Prof. Dr. med. Peter Suter, Präsident Akademien der Wissenschaften Schweiz
Prof. Dr. Dr. h.c. Walther Ch. Zimmerli, Leiter Arbeitsgruppe «Zukunft Bildung Schweiz»

Zukunft Bildung Schweiz – Vorwort 5


Kapitel I

Randbedingungen
Die Schweiz ist immer stärker international eingebunden und von ausländischen Märk-
ten abhängig. Dies gilt auch für die Bildung. Der Wert der «Bildungsmarke Schweiz» ist
hoch. Es lohnt sich, diesen zu erhalten oder gar zu steigern, denn gute Bildung bedeutet
Innovationsfähigkeit. Und Innovationsfähigkeit führt zu Wohlstand.

Allgemeine Entwicklungen nationalen Massstäben gemessen werden müssen.


Die Veränderungen im Zusammenhang mit der
Die Schweiz ist keine Insel. Trotz aller Föderalis- Bologna-Reform, die allen europäischen Hoch-
musideologie, die gerade im Bildungsbereich gern schulen und damit auch denjenigen in der Schweiz
gepflegt wird, ist die Schweiz immer stärker in ein einheitliches System von gestuften Studien-
europäische und globale Zusammenhänge einge- gängen und Credit Points gebracht hat, sind nur
bunden. Das hat sich, was die primäre und sekun- die Kehrseite der Medaille der internationalen
däre Stufe der formellen Schulbildung betrifft, Hochschul-Rankings.
nicht zuletzt auch in den Erfahrungen im Zusam-
menhang der verschiedenen PISA-Studien gezeigt. Diese Entwicklung, die noch lange nicht abge-
Die weltweit agierenden Forschungsadministrati- schlossen ist, hat in den letzten Jahrzehnten eine
onen von UNESCO und OECD/CERI bestimmen zusätzliche Beschleunigung durch jene weltweite
mit ihren vergleichenden Dokumentationen, Län- Veränderung erfahren, die man durch das Stichwort
der-Examina und Schulleistungsstudien mehr und «Globalisierung» zu bezeichnen pflegt. Diese wie-
mehr die Agenda der öffent- derum verdankt sich einer ganzen Reihe von weite-
Die Schweiz ist weltweit immer lichen Debatten über die ren Prozessen, die, von den USA und Europa ausge-
stärker eingebunden. Schul- und Bildungspolitik hend, heute die ganze Welt erfasst haben. Zwar
in den betroffenen Ländern. handelt es sich dabei um Zusammenhänge, die sich
Deren Themen, Berichte und Leistungsrankings einfachen Ursache-Wirkungs-Modellen nicht fügen,
haben nationenübergreifende Steuerungswirkung sondern Netzwerkcharakter haben, aber es lassen
erlangt, der sich nationale Bildungs- und Schul- sich trotzdem einige Trends identifizieren, die für
politik auch im Bereich der öffentlichen Grund- das Bildungssystem von besonderer Bedeutung
bildung nicht mehr entziehen kann. Lange vorher sind: die Ökonomisierung, die Pluralisierung sowie
war dies bereits auf der Ebene der tertiären Bil- die Technologisierung und die damit zusammen-
dung bekannt: Wenn zutrifft, dass Wissenschaft hängende Virtualisierung unserer Welt und daran
und Forschung per definitionem immer interna- anschliessend die Kompetenzorientierung im Ler-
tional sind, dann gilt auch, dass die Institutionen nen; eine sich komplementär dazu ereignende Ent-
von Wissenschaft und Forschung, die Universitä- wicklung wird heute unter dem Begriff der Nach-
ten und anderen Hochschulen, ebenfalls mit inter- haltigkeit zusammengefasst.

6 Zukunft Bildung Schweiz – Randbedingungen


Bildung als Investition und nichtDabei handelt es sich durch- aber wird sie zu einem Kostenfaktor, der in einer
als Subvention betrachten! wegs um Trends, die vor na- zukunftsorientierten Bildungsökonomie nicht wei-
tionalen Grenzen nicht Halt terhin als Subvention, sondern eher als Investition
machen und Auswirkungen auf die Bildungssysteme betrachtet werden muss.
aller Länder haben.
Dynamisierung und Pluralisierung
Ökonomisierung In dieser durch weltweiten Informationsfluss charak-
Nicht erst die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise terisierten Welt rücken die verschiedenen Kulturen
zeigt, dass von gegeneinander abgeschotteten Volks- näher zusammen. Der Effekt ist allerdings nur in einer
wirtschaften nur noch in einem sehr übertragenen Hinsicht der einer kulturellen Uniformierung («McDo-
Sinne gesprochen werden kann. Zwar gehören die naldisierung»). Komplementär dazu ereignet sich eine
Financial Services zu den Treibern nicht nur dieses in dieser Art noch nie da gewesene Dynamisierung
Prozesses, sondern auch der damit zusammenhän- und Pluralisierung. Je stärker ein Land in der Wissens-
genden Bewusstseinsveränderungen. Aber dies gilt gesellschaft sich als Immigrationsland profiliert, desto
ebenso auch für die anderen von den Finanzdienst- mehr unterschiedliche Kulturen koexistieren in ihm.
leistungen getriebenen wirtschaftlichen Kontexte. Während solche Prozesse in der Vergangenheit dort,
Das Faktum einer globalen Ökonomisierung lässt wo sie sich überhaupt ereigneten (zum Beispiel USA
zum ersten Mal in der Geschichte die von den Öko- als «Meltingpot», Schweiz
nomen der Neuzeit immer wieder theoretisch antizi- als Einwanderungsland), län- Zu viele verschiedene Werte-
pierte und sich auch schon lange ankündigende Welt- gere Zeit in Anspruch nah- systeme konkurrenzieren
wirtschaft Realität werden. Es ist kein Geheimnis, men, laufen sie heute in einer sich gegenseitig.
dass dies ohne eine weltweite Verknüpfung der unerhörten Dynamik ab, mit
Daten- und Informationssysteme im World Wide der die Länder nur durch extreme Massnahmen positi-
Web (unten) nicht möglich gewesen wäre. Damit geht ver oder negativer Liberalisierung der Einwanderungs-
die Entstehung einer «Wissensgesellschaft» im Sinne politik fertig werden zu können meinen. In solchen
eines weltweiten Wissens- und Bildungsmarktes ein- durch Immigration gekennzeichneten Ländern führt
her. In diesem werden allerdings nicht nur das Wis- dies zu einer Transformation in eine wertepluralisti-
sen, sondern auch die Wissensträger, d.h. die Fach- sche Gesellschaft. Was resultiert, ist allerdings nicht
kräfte, international gehandelt. Die reziproken unbedingt ein Werterelativismus; erneut komplemen-
Stichworte von «Brain Drain» und «Brain Gain» tär hierzu ereignet sich vielmehr ein «Diasporaeffekt»,
drücken die sich hieraus für alle regionalen Bildungs- der bis zur Entstehung fundamentalistischer Tenden-
märkte ergebenden Herausforderungen prägnant zen gehen kann. In wertepluralistischen Gesellschaf-
aus. Bildung im Sinne einer weltweit begehrten Inno- ten besteht das Problem nicht darin, dass sie durch zu
vationswährung hat damit zum einen den Effekt wenige, sondern darin, dass sie durch zu viele ver-
einer globalen Fachkräfte-Migration. Zum anderen schiedene konkurrierende Wertesysteme geprägt sind.

Zukunft Bildung Schweiz– Randbedingungen 7


Technologisierung und Virtualisierung Möglichkeiten («Moore’sches Gesetz») exponentiell
Als materielles Substrat dieser Tendenzen ist die wachsenden Informations- und Wissensbestände.
Technologisierung unserer Welt anzusehen. Zwar Der Versuch, mit diesem Wachstum durch zuneh-
sind viele Begriffe, mit denen wir die Mitte des 20. mendes Lernen Schritt zu halten, ist daher von vorn-
und den Beginn des 21. Jahrhunderts beschreiben, herein zum Scheitern verur-
gleich geblieben; das kann jedoch nicht darüber teilt. Deswegen ereignet sich Kompetenzen einüben und
hinwegtäuschen, dass fast alle Elemente unseres auch weltweit schul- und Zusammenhänge aufzeigen,
Lebens sich verändert haben. In unserer heutigen hochschuldidaktisch auf der statt bloss Wissen vermitteln!
Gesellschaft in den entwickelten nachindustriellen primären, sekundären und
Ländern bedeutet weder «Technik» noch «Wissen- tertiären Stufe der formellen Bildung eine Verschie-
schaft» dasselbe wie vor 50 Jahren. In einem nie bung von einer Kognitions- auf eine Kompetenzori-
zuvor erlebten Siegeszug hat in diesen fünf Jahr- entierung: Es geht nicht mehr primär um Wissens-
zehnten zunächst der Computer, seit den Neunzi- inhalte; diese ändern sich zu schnell. Sondern es geht
gerjahren des 20. Jahrhunderts die Vernetzung von neben der Vermittlung elementarer und fundamenta-
Computern und seit einem Jahrzehnt zusätzlich die- ler Fachkenntnisse in zunehmendem Masse um das
jenige mit der Mobiltelephonie die Welt erobert. Es Einüben von Kompetenzen und, was eine Vorausset-
ist kein Geheimnis, dass dies nicht nur in der Wis- zung für deren korrekte Anwendung ist, um das
senschaft, sondern auch in der Lebenswelt eine tief- Verstehen von Zusammenhängen. Zudem wird aber
greifende Veränderung zur Folge gehabt hat, die im Bereich des formellen Lernens die quartäre Stufe
sich am besten als Virtualisierung kennzeichnen immer bedeutsamer («Lifelong Learning»). Die klas-
lässt. Die Verbindung von Computer, Internet und sische Vorstellung von einer biographisch ersten
Telephonie hat nicht nur den Phase des Lernens, die bis zu einem berufsqualifi-
Modellierung und Simulation Effekt, dass neben der Rea- zierenden Abschluss führt, der für den Rest des
prägen zunehmend die wissen- lität eine «Virtuelle Reali- (Berufs-) Lebens reicht, wird abgelöst durch die Ein-
schaftliche Welterfassung. tät» entsteht, sondern auch sicht, dass Bildung (einschliesslich des Erwerbs for-
dass die wissenschaftliche meller Abschlüsse) auch im quartären Bereich, und
Welterfassung immer stärker unter Bedingungen das heisst eben: lebenslang, stattfindet. Weltweit
von Modellierung und Simulation geschieht. Das stellen sich die Institutionen des formellen Lernens,
reicht bis zur Veränderung des Kernstücks empiri- von der Elementarstufe bis zu den Hochschulen, auf
scher Überprüfung wissenschaftlicher Theorien im dieses Faktum ein und versuchen, entsprechende
kontrollierten Probehandeln, das wir seit Beginn Angebote allein oder massgeschneidert in Koopera-
der Neuzeit als «(Labor-)Experiment» bezeichnen tion mit der Wirtschaft und anderen Institutionen
und das heute durch Modellierung und Simulation zu entwickeln.
auf dem Rechner zunehmend ergänzt und teilweise
sogar ersetzt wird. Nachhaltigkeit
Schliesslich hat sich weltweit eine Orientierung am
Kompetenzorientierung im Lernen Konzept der Nachhaltigkeit ereignet. Das Revoluti-
Im Weiteren ist noch auf einen Trend hinzuweisen, onäre an dieser Neuorientierung liegt darin, dass
der eine Folge der informationellen Technologisie- statt der bloss gut gemeinten ökologischen Betrach-
rung und Virtualisierung ist: Information ist heute tungsweise und der damit verbundenen Fixierung
im Übermass vorhanden, und wir sprechen deswe- auf die Umwelt nun Umwelt-
gen auch zu recht von einer «Informations-» oder und Sozialverträglichkeits- Nachhaltigkeit berücksichtigt
«Wissensexplosion». Diese bezieht sich primär nicht mit Wirtschaftlichkeitsüber- nicht nur Umweltverträglichkeit,
auf das von den Individuen faktisch Gewusste, son- legungen gekoppelt werden. sondern auch Sozialverträg-
dern auf die proportional zu den technologischen Diese als «Triple Bottom lichkeit und Wirtschaftlichkeit.

8 Zukunft Bildung Schweiz – Randbedingungen


Line» bezeichnete Ausrichtung besagt, dass die drei Rohstoff Bildung
Faktoren Sozialverträglichkeit, Umweltverträglich- Die Schweiz ist in ungleich stärkerem Masse als
keit und Wirtschaftlichkeit als gleichgewichtig andere Länder auf Bildung angewiesen, da sie nicht
betrachtet werden müssen. Das aber heisst, dass es nur über wenige, sondern über nahezu keine Roh-
sich dabei nicht um eine blosse Maximierungs-, stoffe verfügt. Die Formel
sondern um eine Optimierungsfunktion handelt. In von den Köpfen als einzi- Den bildungsbedingten
dieser müssen, bevor die rein ökonomische Betrach- gem Rohstoff («graue Sub­ Vorsprung der Schweiz nicht
tungsweise zum Zuge kommt, politisch die Prioritä- stanz») ist für die Schweiz verspielen!
ten von Umwelt- und Sozialverträglichkeit gesetzt durchaus wörtlich zu neh-
werden, wie sich an transnationalen Übereinkünf- men. Die Tatsache, dass sich die kleine Schweiz in
ten wie dem Rio-Abkommen oder der Johannes- Wissenschaft, Technologie und Wirtschaft in den
burg-Konferenz zeigt. Dazu erforderlich sind Ver- vergangenen Jahrzehnten immer auf Augenhöhe mit
einbarungen zwischen den unterschiedlichen den grossen Mitspielern bewegen konnte, hat sie
volks- und betriebswirtschaftlichen Akteuren darü- nicht zuletzt ihrem Bildungssystem zu verdanken. Es
ber, welche Prioritäten gesetzt werden sollen und gilt daher, diesen Vorsprung nicht zu verspielen.
welche Ziele man damit erreichen will. Das wiede-
rum setzt eine Ausrichtung des Bildungssystems Sozialkompetenz «Caring»
voraus, die dazu befähigen soll, in derart komple- Nicht nur in naturwissenschaftlich-technischer
xen Optimierungskategorien zu denken und zu han- Hinsicht, sondern auch in Bezug auf die sozialen
deln. und zwischenmenschlichen Fähigkeiten hat sich
die Schweiz international anerkannte Kompeten-
zen erworben. Das gilt
Herausforderungen ebenso im politischen («gute Das Schweizer Bildungs-
für die Schweiz Dienste»), wie im medizini- system umfasst auch die
schen und Pflegekontext Fürsorge für Kleinkinder,
Neben diesen allgemeinen Randbedingungen, die («Rotes Kreuz»). Sorge und Alte, Kranke und Schwache.
weltweit für die Akteure in allen Ländern gelten, ist Fürsorge für Kleinkinder,
nun genauer auf diejenigen einzugehen, die für die Alte, Kranke und Schwache bilden den Bereich des
Schweiz in besonderer Weise zutreffen. Dabei muss «Caring», dem im Schweizer Bildungssystem eine
klargestellt werden, dass dies nicht Spezifika im wichtige Rolle zukommt.
Sinne von Alleinstellungsmerkmalen sind. In
vielerlei Hinsicht gilt vielmehr, dass die Schweiz Föderalismus
diese Charakteristika mit anderen Ländern teilt; die Die Schweiz verdankt ihre Prägung, die einen Teil
Unverwechselbarkeit, der «Fingerabdruck», ergibt ihrer Stärken ausgemacht hat, der für sie typischen
sich vielmehr aus deren Kombination: Mischung aus kantonalem Föderalismus, direkter
Demokratie sowie einem mit einem hohen Autono-
mieanspruch gepaarten Denken in Kategorien der
Subsidiarität. Da das Festhalten an vergangenen
Erfolgen häufig der Anfang des zukünftigen Miss-
erfolgs ist, gilt es, dieses bisherige Erfolgsrezept
einer kompromisslosen Prüfung zu unterziehen,
damit nicht aus der Stärke
von gestern die Schwäche Den Modellcharakter der
von morgen wird. Es sollte Schweiz dank guter Bildung
nie vergessen werden, dass weiter entwickeln!

Zukunft Bildung Schweiz – Randbedingungen 9


die politisch und ökonomisch privilegierte Situation Vertrauen
der Schweiz auch Verpflichtung ist. Weltweit gilt Bis vor kurzem war die Marke «Schweiz» synonym
das politische System der Schweiz als nachahmens- mit Stabilität und Zuverlässigkeit, und zwar sowohl
wert; die Bildung hat daran mitzuwirken, dass die- in politischer als auch in finanzieller, kultureller
ser Modellcharakter nicht nur erhalten bleibt, son- und technologischer Hinsicht. Die aufgrund der
dern weiter ausgebaut wird. bereits erwähnten globalisierungsbedingten Inter-
nationalisierung in der jüngsten Krise sich zeigende
Vielsprachigkeit Verwundbarkeit des Finanz- und Wirtschaftsplat-
Bisher hat die Schweiz sich – auch in Sachen Bil- zes Schweiz macht auch in dieser Hinsicht ein
dung – immer viel auf ihre Mehrsprachigkeit und Umdenken erforderlich. Eine durchaus offene Frage
die nicht erst – wie in anderen Ländern – in den ist, ob (und allenfalls wie) sich der in der Finanz-
letzten Jahrzehnten entstandene Multikulturalität und Wirtschaftskrise verspielte Vertrauensbonus
zu Gute getan. Heute hat sich im Zuge der Globali- wieder erringen lässt und welche Rolle das Bil-
sierung zu den Landesspra- dungssystem dabei spielen könnte.
Geisteswissenschaften chen Deutsch, Französisch,
spielen eine wichtige Rolle bei Italienisch und Rätoroma- Kreativität und Innovation
der Identitätsbildung durch nisch noch Englisch als lin- Nicht nur in diesem Zusammenhang gilt, dass die
Mehrsprachigkeit. gua franca der Wissenschaft hohe Qualität, die den Schweizer Produkten, Schu-
hinzugesellt. Es ist zu prü- len und Dienstleistungen weltweit immer attestiert
fen, welche Konsequenzen dies für das Schweizer wurde, sich auch in einem hohen Anspruchsniveau
Bildungssystem haben wird. Bei der Identitätsbil- niederschlägt. Das mag dann durchaus einmal auch
dung durch Mehrsprachigkeit kommt den Geistes-, in einen mit Selbstgerechtigkeit gepaarten negativen
insbesondere auch den Sprach- und Geschichtswis- Perfektionismus ausarten, der sich besonders nachteilig
senschaften, eine besondere Bedeutung zu. dort auswirkt, wo es um hohe Flexibilität und schnelle
Entscheidungen geht. So hat die Schweiz ein zwar
Internationalisierung relativ überschaubares, aber
Die Tatsache, dass die Schweiz sich – bei all ihrer doch zu hohes Niveau an Bildung muss Kreativität
Eigenständigkeit – in der Zeit nach dem Zweiten Ineffizienzen vorzuweisen, fördern und für Wirtschafts-
Weltkrieg wieder stärker aus ihrem geistigen Réduit die sich aus stark bürokrati- nähe sorgen.
herausbewegt und ihrer schon seit Reisläufer-, Völ- sierten Verwaltungsproze-
kerbunds- und Immigrantenzeiten gepflegten inter- duren ergeben. Das gilt auch und in besonderem
nationalen Offenheit mehr Nachdruck verliehen Masse für die Innovationsfähigkeit, die immer
hat, birgt durchaus unterschiedliche Implikationen: schon Basis für den Wohlstand der Schweiz gewe-
Zwar ist die Schweiz sowohl ökonomisch als auch sen ist. Innovation aber setzt nicht nur kreative
kulturell und wissenschaft- Lösungen, sondern auch deren erfolgreiche Umset-
Die Schweiz ist zunehmend lich zu einem internationalen zung am Markt voraus. Daher muss die Bildung
von internationalen Märkten Umschlagplatz ersten Ranges sowohl für die Förderung von Kreativität als auch
abhängig. geworden. Umgekehrt hat für Wirtschaftsnähe sorgen.
sie sich durch ihren hohen
Internationalisierungsgrad in eine zunehmende
Abhängigkeit von den internationalen Märkten bege-
ben. Das gilt auch auf dem Gebiet der Fachkräfte, wie
etwa ein Blick auf den steigenden Importbedarf der
Schweiz an Ärzten und Pflegenden deutlich macht.

10 Zukunft Bildung Schweiz – Randbedingungen


Vor diesem Hintergrund gilt es sich zu vergegen-
wärtigen, dass auch für die Schweiz zutrifft, was als
globale Randbedingung bereits erfasst wurde: Es
gibt einen internationalen Bildungsmarkt, in dem
der Marktwert einer Bildungsmarke «Swissmade»
erhalten und gesteigert werden muss. Dies bezieht
sich sowohl auf die Attraktivität der Studien- und
Arbeitsbedingungen als auch auf die Qualität der
Absolventen des schweizerischen Bildungssystems.
Es droht die Gefahr, dass die föderalistische, basis-
demokratische und büro-
Den Marktwert der Bildungs- kratische «Schere im Kopf»
marke «Swissmade» steigern! die Schweiz daran hindert,
sich der internationalen
Herausforderung im Wissens-, Innovations- und
Bildungswettbewerb wirklich stellen nicht nur zu
wollen, sondern auch zu können.

Zukunft Bildung Schweiz – Randbedingungen 11


Kapitel II

Szenario 2030
Das Szenario 2030 entwirft die strategischen Grundzüge eines zukunftsfähigen
Bildungsverständnisses. Im Zentrum steht, dass die Menschen ihre Kompetenzen umfas-
send entfalten können und zu aktiver, selbstbestimmter Teilhabe am öffentlichen Leben
befähigt werden. Das Szenario 2030 setzt auf eine frühe Förderung von besonderen
Begabungen und eine grössere Zahl von Menschen, die einen höheren Bildungsabschluss
erwerben. Integraler Bestandteil der Allgemeinbildung ist auch ein elementares Wissen-
schafts- und Technikverständnis. Die Ausbildungszeiten werden flexibler gestaltet und
das nicht schulische, informelle Lernen höher gewichtet. Das Szenario beschreibt zu
erreichende Sollwerte, macht aber noch keine konkreten Realisierungsvorschläge.

Wir schreiben das Jahr 2030. Die Schweiz hat die Förderung des Humanvermögens
Grundlagen ihres herkömmlichen politischen Sys- Als Grundlage des neuen, ganzheitlichen und integ-
tems weitgehend bewahrt (direkte Demokratie, kon- rierten Bildungsverständnisses dient das Konzept
sensuelle Regierung, Föderalismus). Das «Schweizer des Humanvermögens. Dessen drei wesentlichen
Modell» hat jedoch eine positive Dynamik entwickelt, Komponenten werden im Rahmen der Bildung auf
die es ihm gestattet hat, wichtige Reformen anzuge- allen Stufen gleichwertig gefördert. Es sind dies die
hen und abzuschliessen. Der Föderalismus, das Daseinskompetenz oder das Vitalvermögen, d.h.
Grundprinzip unseres Landes, wurde im Geist eines die Befähigung, mit den alltäglichen Herausforde-
systemischen Ansatzes überdacht und hat die oft- rungen, Widrigkeiten und Frustrationen konstruktiv
mals allzu mechanistischen Beziehungen der Ver- umzugehen; die Fachkompetenz oder das Arbeits-
gangenheit überwunden. Seit die Schweiz über ein vermögen im weitesten Sinne (Humankapital), d.h.
umfassendes, integriertes und ganzheitliches Bil- die Befähigung zur Lösung
dungsverständnis verfügt und dieses durch eine natio- qualifizierter Aufgaben in Bildung ist die wichtigste
nale Bildungspolitik auf allen Stufen umsetzen kann, einer arbeitsteiligen Gesell- strategische Investition für
erzielt das Schweizer Bildungssystem auch im inter- schaft, sowie schliesslich die eine nachhaltige Entwicklung
nationalen Vergleich hervorragende Resultate. Soziabilität (Sozialkapital), der Gesellschaft.
Nachfolgend werden die verschiedenen Facetten d.h. die Befähigung, ver-
dieses Bildungssystems von 2030 vorgestellt und lässliche soziale Beziehungen einzugehen. Auf
analysiert. individueller Ebene umschreibt das Humanvermö-
gen das Handlungspotenzial, welches Individuen
dazu befähigt, sich in einer komplex gewordenen
Welt zu bewegen, den Alltag erfolgreich zu bewälti-
gen und ihre eigenen Lebensvorstellungen zu reali-
sieren. Auf gesellschaftlicher Ebene bezeichnet das

12 Zukunft Bildung Schweiz – Szenario 2030


Humanvermögen die Gesamtheit der für die Wohl- verständnis schliesst das Nachhaltigkeitsziel – neben
fahrt einer Gesellschaft relevanten Kompetenzen der Umwelt- und Wirtschaftsdimension – das mate-
ihrer Mitglieder. Im Konzept des Humanvermögens rielle Wohlergehen, die gesellschaftliche Solidarität
sind die für eine erfolgreiche Lebensführung zwin- und das allgemeine Wohlergehen ein.
genden Handlungsorientierungen und Werthaltun-
gen sowie die Soziabiliät eingeschlossen. Dadurch Das Individuum und seine Entfaltung
stiftet dieses Konzept die Verbindung zwischen den Das Humanvermögen und dessen Aufbau, Entwick-
individuellen und gesellschaftlichen Gesichtspunk- lung und Erhalt ist letztlich an das Individuum
ten der Bildung und integriert deren ökonomische gebunden und kann nur durch Individuen vermittelt
und nichtökonomische Aspekte. Durchgesetzt hat werden. Dementsprechend stehen die Menschen und
sich auch ein generationenübergreifendes Bildungs- die Entfaltung aller für das Humanvermögen rele-
verständnis, so dass die Bildungsangebote sich nun vanten Aspekte ihrer Per-
an alle Alterskohorten richten. Im Wissen, dass die sönlichkeit im Zentrum der Persönlichkeit entfalten dank
frühe Kindheit für den Aufbau der psychischen, Bildung. Einerseits verlangt Gleichgewicht zwischen pro-
emotionalen und sozialen Kompetenzen und damit die Gesellschaft des Jahres fessionellen Kenntnissen und
auch für die Daseinskompetenz konstitutiv ist, hat 2030 spezialisiertes Wissen sozialen, emotionalen sowie
sich die familienergänzende, frühkindliche Bildung und damit spezifische Fach- moralischen Kompetenzen!
als Selbstverständlichkeit etabliert. Diese ist part- kompetenzen. Andererseits
nerschaftlich ausgestaltet, da die Familie als zentra- sind die Arbeitsprozesse hoch arbeitsteilig, so dass
ler Ort der Entstehung und des Erhalts von Human- Sozialkompetenz sowie breite Grundkenntnisse für
vermögen allgemein anerkannt ist. Ebenso die Lösung qualifizierter Aufgaben unabdingbar
unbestritten ist, dass der Erhalt der Fachkompeten- sind. Ferner hat sich das Leben weiter beschleunigt,
zen und des Arbeitsvermögens in einer sich rasch erfordert eine höhere Flexibilität und setzt in Kom-
wandelnden Arbeitswelt nach kontinuierlicher Wei- bination mit wachsender Komplexität und Interde-
terbildung der erwerbstätigen Bevölkerung verlangt. pendenz eine hohe Belastbarkeit der Menschen vor-
Dieses Bestreben, durch fortlaufende Qualifikation aus. Die Förderung der psychischen und emotionalen
möglichst viele Menschen möglichst lange in den Kompetenzen ist daher zwingend. Schliesslich steht
Arbeitsprozess zu integrieren, hat die Arbeitspro- das Individuum vor zunehmend mehr gesellschaft-
duktivität und damit die Wertschöpfung erhöht und lichen Wahlmöglichkeiten. Um die dafür erforderli-
die Sozialausgaben gesenkt. Unter diesen Prämissen chen Entscheidungen zu treffen, sind nicht nur breite
wird im Jahre 2030 die Bildung als die wichtigste Kenntnisse und Grundkompetenzen erforderlich,
strategische Investition verstanden, von welcher die sondern auch der Aufbau stabiler Handlungsorien-
Fähigkeit unseres Landes abhängt, die langfristige tierungen und Werthaltungen. Die Entfaltung der
nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft zu Persönlichkeit erfolgt im Rahmen eines Gleichge-
meistern. In Übereinstimmung mit dem Bildungs- wichts professioneller (technischer, wissenschaftli-

Zukunft Bildung Schweiz – Szenario 2030 13


cher) Kenntnisse sowie sozialer, emotionaler und setzt. Dementsprechend ist die Förderung und Stär-
moralischer Kompetenzen. Technologische und kung der Eigenverantwortung zu einem wesentli-
technische Werkzeuge, die den Menschen zur Ver- chen Aspekt des Bildungsverständnisses auf allen
fügung stehen, sind ihnen nur dann von Nutzen, Stufen geworden.
wenn sie fähig sind, sie zu verstehen, auszuwählen,
bewusst zu verwenden und im Zusammenspiel mit Positive Selektion individueller
anderen zu nutzen. Kapazitäten
Mit einem auf die persönliche Entfaltung zielenden
Aktivbürgerschaft Bildungsverständnis, einem generationenübergrei-
Das Bildungssystem wird im Jahre 2030 nicht bloss fenden Bildungsangebot, insbesondere der früh-
als Einrichtung zur Wissens- und Kompetenzver- kindlichen, familienergänzenden Bildung sowie
mittlung, sondern auch als Institution verstanden, einem an den unterschiedlichen Fähigkeiten und
welche ein dem Lernen förderliches Umfeld begüns- Kapazitäten der Individuen orientierten Selektions-
tigt. Durch eine konsequente, generationenübergrei- verfahren konnte die ausgeprägte Bildungsver-
fende Aktivierung der Bevölkerung namentlich in erbung in der Schweiz stark reduziert werden.
den Unternehmen, aber auch im Rahmen der Insti- Chancengleichheit wurde in dem Sinne erreicht,
tutionen der Sozialhilfe und Gesundheitsversorgung dass nun die soziale Herkunft nicht mehr der ent-
gelingt es 2030, bislang bildungsferne Schichten in scheidende Faktor für den Bildungserfolg ist.
den lebenslangen Bildungsprozess einzubeziehen.
Bei Erwachsenen haben sich insbesondere auf indi- Auch im Jahre 2030 gehört es zu den Aufgaben des
viduelle Kompetenzen, Kapazitäten und Bedürf- Bildungssystems, einerseits das für die Lebensfüh-
nisse zugeschnittene Angebote als erfolgreich rung wie die Arbeitswelt notwendige Grundwissen
erwiesen. Die gleichwertige Förderung aller rele- und die wichtigsten Schlüsselkompetenzen zu
vanten Aspekte des Humanvermögens hat dazu vermitteln. Andererseits soll es Menschen, die ihre
geführt, dass das Engagement und der Wille des besonderen Kapazitäten und Talente weiterentwi-
Einzelnen, sich zu bilden, zugenommen haben. ckeln möchten, den Weg zu fortgeschrittenem Wis-
Durch die konsequente Ausrichtung der schulischen sen öffnen. Um jedem
Bildung auf die persönliche Entfaltung jedes Ein- Einzelnen Gelegenheit zu Lern- und Bildungseinrich-
zelnen sind negative Schulerlebnisse und eine dar- geben, sein Potenzial ge- tungen fördern Hochbegabte
aus resultierende lebenslange negative Einstellung mäss seinen Neigungen auf allen Stufen des
zur Bildung seltener geworden. Aufgrund der gene- und Fähigkeiten zu ent- Bildungswesens.
rationenübergreifenden Bildung lassen sich Schule wickeln, sind die Lehr-
und Praxis 2030 auch nicht mehr länger als Gegen- kräfte vermehrt gefordert, die unterschiedlichen
satz begreifen. Zur Aktivierung und Motivierung individuellen Potenziale zu erkennen und zu för-
der Bevölkerung trägt die dern. Auf diese Weise soll das im Verhältnis zu den
Eine hohe Laienkompetenz Möglichkeit, sich unabhän- Kapazitäten jedes Einzelnen höchstmögliche Bil-
sichert basisdemokratische gig von der Lebensphase dungsniveau sichergestellt werden. Schwächen sol-
Meinungsbildung und Entschei- die notwendigen Qualifika- len soweit wie möglich eliminiert und Stärken
dungsfindung. tionen in einem modular gezielt gefördert werden. Dieses System der positi-
strukturierten und durchläs- ven Diskriminierung fördert das Streben nach Spit-
sigen Bildungssystem zu erwerben, wesentlich bei. zenleistung und vermeidet das Risiko, dass sich die
Bei all diesen Anstrengungen ist sich insbesondere Bildung auf niedrigem Niveau einpendelt. Dabei
die Politik jedoch immer der Tatsache bewusst, dass handelt es sich nicht um ein elitäres System im
Aktivierung ein hohes Engagement der einzelnen negativ diskriminierenden Sinne, sondern um ein
Individuen und viel Eigenverantwortung voraus- System, das die Talente aller fördert und gestattet,

14 Zukunft Bildung Schweiz – Szenario 2030


diese zu entwickeln, ein System, das die allgemeine und Orientierungen zu entwickeln. In Reaktion auf
Sozialisierung unterstützt und zugleich das persön- die neuen Medien sowie auf den Bedeutungszu-
liche Streben nach Spitzenleistung ermöglicht. Die- wachs der für die Schweiz bedeutsamen Kreativin-
ses Prinzip gilt für den gesamten Bildungsverlauf dustrie wurden die musischen Fächer mit dem Ziel
einer Person, von der Pflichtschule bis zu den Spit- aufgewertet, die Ausdrucksfähigkeit in breiter Form
zen der wissenschaftlichen Forschung oder der zu schulen. Ausserdem wurde für ein Gleichgewicht
politischen und wirtschaftlichen Karrieren. Damit zwischen «intellektuellen» und «körperlichen»
wird sichergestellt, dass das Bildungssystem für die Aktivitäten gesorgt, und zwar nicht nur, um den
in einer komplexen und interdependenten Gesell- Sport und die damit verbundenen Kompetenzen,
schaft notwendige Breite sorgt und zugleich Spit- sondern auch um die handwerklichen Fähigkeiten
zenleistungen fördert. zu entwickeln. Und schliesslich hat man die Bedeu-
tung von Sprachkenntnissen wiederentdeckt. Sie
Grundlegende Inhalte der Bildung sind eine wesentliche Unterstützung der föderalen
An den Grundfunktionen der Bildung hat sich Verständigung und ein Vorteil bei internationalen
nichts geändert: durch sie sollen alle sich zu freien Beziehungen. Die Schweiz hat in den letzten Jahr-
und verantwortungsbewussten Personen entwi- zehnten von der Anwesenheit zahlreicher Einwan-
ckeln, die in der Lage sind, aktiv und mit umfassen- derer profitiert, um den Unterricht von Nichtschwei-
der Kenntnis ihrer Rechte und Pflichten am Leben zer Sprachen zu fördern. Damit ist sie heute in der
der Gesellschaft teilzunehmen. Alle sollen nicht Lage, hervorragende Kompetenzen auf den Gebie-
nur lesen, schreiben und rechnen, sondern auch die ten Kommunikation, Dolmetschen und Überset-
Strukturen und wichtigsten Gesetzmässigkeiten zung zu bieten.
kennen und verstehen können, die hinter diesen
Kompetenzen stehen. Der Verankerung der Men- Von Kenntnissen zu Kompetenzen
schen in Natur und Kultur wird Rechnung getragen: Wissen und die Kenntnisse hinsichtlich nahezu
Anschlussfähig und offen gegenüber gesundheitli- aller Gebiete haben sich exponentiell entwickelt.
chen und medizinischen Aspekten thematisieren Mit den Informationstechnologien und dem Auf-
die Natur- und Umweltwissenschaften die für das kommen der Informationsgesellschaft ist bereits
individuelle wie das gesellschaftliche Leben konsti- seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts
tutiven Austauschprozesse zwischen den Menschen das Wissen der Menschheit in seiner Gesamtheit
und ihrer Umwelt. Insbesondere durch Philosophie für Laien wie für Spezialisten im Prinzip zugäng-
und Geschichte werden die für die Interpretation lich. Allerdings ist zugleich niemand mehr in der
der Gegenwart und Vorbereitung der Zukunft zent- Lage, das gesamte Wissen zu «beherrschen». Die
ralen Orientierungsfunktionen der Kultur vermit- wissenschaftlichen Fachgebiete haben eine beein-
telt. Wegen der erhöhten Notwendigkeit, Informati- druckende Entwicklung erlebt, und die Speziali-
onen kritisch zu sichten, zu hinterfragen und zu sierung ist immer weiter fortgeschritten. Die
selektieren, erleben die mit der Quellenkritik befass- Gesellschaft des Jahres
ten historischen Wissenschaften einen neuerlichen 2030 ist durch diese Ent- Elementares Wissenschafts-
Bedeutungszuwachs. Wissenschaft im Sinne einer wicklung in noch weit stär- und Technikverständnis in der
Grundhaltung, welche mit der Bereitschaft einher- kerem Masse gekennzeich- allgemeinen Grundbildung für
geht, bestehendes Wissen zu hinterfragen sowie zu net. Der wesentliche Aspekt alle verankern!
revidieren, und somit eine grundsätzliche Offenheit der Bildung ist nicht länger
gegenüber dem Neuen und Unbekannten begüns- nur die Vermittlung von Wissen. Vielmehr wurde
tigt, wird bereits in der Grundausbildung vermittelt. diese verstärkt auf das Erlernen von Kompetenzen
Ausgehend vom Konzept des Humanvermögens ist ausgerichtet: Im Sinne des Humanvermögens
die Förderung der Sozialkompetenz ebenso Teil der strebt die Bildung die emotionale, psychische,
Bildung wie die Befähigung, stabile Werthaltungen soziale, kognitive und moralische Befähigung der

Zukunft Bildung Schweiz – Szenario 2030 15


Individuen an, das Neue in den Horizont des chend wird das Verfügungs- und Orientierungswis-
Bekannten zu integrieren. Bildung wird als ein sen gleichwertig vermittelt. Der Tatsache bewusst,
nicht abgeschlossener Prozess verstanden, welcher dass unser Wissen stets nur vorläufig ist und jede
den Kenntnis- und Wissenserwerb sowie den Auf- neue Erkenntnis zu neuen Fragen und damit zu wei-
bau stabiler Orientierung in einem strukturierten terer Unwissenheit führt, pflegt die Bildung einen
Umfeld gestattet, einem Umfeld, das die Chance globalen, systemischen und integrierten Ansatz der
bietet, Kenntnisse im Verhältnis zu anderen Wissensvermittlung. Die Lernenden sollten in die
Kenntnissen zu sortieren, zu hierarchisieren und Lage versetzt werden, das Wissen aus verschiede-
einzuordnen. Mit diesem umfassenden und gene- nen Perspektiven zu betrachten und unter Einbezug
rationenübergreifenden Bildungsverständnis so- unterschiedlicher Wertvorstellungen zu beurteilen.
wie einer konsequenten Ausrichtung der Bildung
auf Schlüsselkompetenzen konnte die Bevölke- Globales Wissen und lokale Sensibilität
rung in ihrer Mehrheit befähigt werden, mit dem Im Jahre 2030 leben wir in einer unter wirtschaftli-
beschleunigten Wandel Schritt zu halten. Die chen, wissenschaftlichen und technologischen
meisten Menschen sind nun in der Lage, sich neue Gesichtspunkten globalisierten, uniformierten und
Qualifikationen rasch anzueignen, und reagieren standardisierten Welt. Wir sind uns des damit ver-
flexibel auf die Veränderungen in der Arbeits- bundenen hohen Risikos bewusst, unsere Identität
welt. Eine stabile Orientierung in Verbindung mit als Bürger eines Landes mit eigener Kultur, eigener
einer hohen Sozialkompetenz mindert Ängste Humanität und eigenen Werten einzubüssen. Wis-
und Abwehrreflexe gegenüber dem Neuen und sen, Kenntnisse, Informationen und bestimmte
Unbekannten. Kompetenzen sind universell. Aber jeder Teil unse-
rer Welt besitzt eigene Merkmale, die den Menschen
Bildung als integrierte Sicht auf gestatten, in dieser Welt zu
den wissenschaftlichen Fortschritt leben, ohne ihre Identität zu Verantwortungsgefühl wecken
Dank entsprechenden Anstrengungen in der Bil- verlieren. Die Bildung ver- und zur aktiven Teilnahme an
dung erwerben sich im Jahre 2030 breite Bevölke- mittelt 2030 nicht nur Kom- der Demokratie anhalten!
rungskreise die der Wissenschaft eigene Grundhal- petenzen und Kenntnisse
tung. Die kritische Beschreibung und Hinterfragung von universeller Gültigkeit, sondern auch die identi-
des Bestehenden beziehungsweise Selbstverständli- täts- und orientierungsstiftenden regionalen und
chen, die Neugier und die Fähigkeit, Zusammen- lokalen Besonderheiten (Sprache, Kultur, Politik).
hänge unter anderen Perspektiven neu zu sehen, Werte mit universeller Gültigkeit (Menschenrechte,
sind Elemente, die im Bildungsprozess systematisch Charta der Vereinten Nationen) werden durch Werte
vermittelt werden. Damit konnte eine grundlegende des unmittelbaren Umfelds ergänzt (politischer
Offenheit gegenüber Neuem sowie eine hohe Inno- Kontext, Philosophie des gegenseitigen Respekts).
vationsbereitschaft erreicht Dadurch stärkt die Bildung das ethische Bewusst-
Lernende sollen Wissen aus werden. Durch diese Besin- sein der Menschen, und zwar bei allen ihren priva-
verschiedenen Perspektiven und nung auf die gemeinsamen ten oder öffentlichen Handlungen und Aktivitäten.
unter Einbezug unterschiedlicher Grundfunktionen von Wis- Die Schweizer Gesellschaft gemäss ihren Werten
Wertvorstellungen beurteilen senschaft konnte auch der und demokratischen Regeln zu führen heisst,
können. Gegensatz zwischen den so sowohl das Verantwortungsgefühl bei den Einzel-
genannten «harten» Natur- nen zu wecken als auch sie zu aktiver Teilnahme an
und Ingenieur- sowie den «weichen» Geistes- und der demokratischen Debatte anzuhalten. Das Bil-
Sozialwissenschaften überwunden werden. Dass dungssystem kommt dieser Verantwortung nach,
Fakten stets unterschiedlich interpretiert werden indem es zur Entwicklung von Bürgerinnen und
können, ist allgemein anerkannt, und dementspre- Bürgern beiträgt, die in der Lage sind, sich an politi-

16 Zukunft Bildung Schweiz – Szenario 2030


schen Entscheidungen sowie an der Formung der Anwendungen wurden vom Beginn der Schullauf-
Institutionen und Strukturen des Landes zu beteili- bahn an in alle Ausbildungspläne integriert. Die
gen. Es zeigt sich, dass die Weitergabe des Wissens Kenntnis der Grundlagen der Informatik ist seit-
über die Funktionen der Schweizer Politik ebenso her Teil des kulturellen Rüstzeugs, und der Umgang
wichtig ist, wie die Werte, für die diese steht. mit ihren praktischen Anwendungen ist zur neuen
Kulturtechnik geworden. Diese besteht in Kompe-
Spitzenleistungen der Lehrkräfte als tenzen, die es gestatten, sich die Entwicklungen
wichtiger Baustein des Bildungssystems von Informatikanwendungen während des ganzen
Eine gut ausgebildete, motivierte und motivierende Lebens anzueignen. Grösste Aufmerksamkeit wird
Lehrerschaft ist einer der wichtigsten Bausteine dabei dem kompetenten Umgang mit den neuen
jedes Bildungssystems. Nicht zuletzt von ihr hängt Medien geschenkt: Nicht mehr nur das Auffinden,
die Qualität der Bildung zukünftiger Generationen sondern zunehmend auch die Selektion und kriti-
ab. Deshalb ist die Ausbil- sche Bewertung von Information stehen im Zent-
Lehrkräfte für alle und dung von Lehrkräften für rum der Ausbildung auf allen Stufen. Die dazu
auf allen Ebenen aus- alle und auf allen Ebenen erforderlichen Instrumente liefern die seit jeher
und weiterbilden! zum strategischen Element mit der Quellenkritik befassten, historisch orien-
der Bildungspolitik des tierten Wissenschaften. Teil der Medienkompe-
Landes geworden. Diese Ausbildung zielt auf die Per- tenz ist im Zeichen des fortschreitenden «iconic
sönlichkeitsentwicklung ab, hält Leistungskriterien turns» auch die Bildkritik. Vor diesem Hinter-
ein und wird von einer Qualitätskontrolle begleitet. grund gewinnen die traditionell mit Symbolen und
Wer Spitzenleistungen von der Lehrerschaft ver- Ikonographie befassten Kunst- und Textwissen-
langt, muss notwendigerweise auch über eine wett- schaften sowie die Philosophie eine neue Bedeu-
bewerbsfähige Bezahlung und soziale Wertschätzung tung. Die Auszubilden-
der Lehrkräfte sprechen. Das Bildungssystem des den aller Stufen werden Informatikkenntnisse sind
Jahres 2030 ist daher bestrebt, ihnen eine höhere für die mit jeder Abbil- zum kulturellen Rüstzeug
soziale Autorität zuzugestehen. Verlässliche und klare dung der Realität einher- geworden.
Rahmenbedingungen unterstützen die Lehrkräfte gehenden reduktionisti-
in ihrer anspruchsvollen Aufgabe. Die Politik hat schen Tendenzen und für die dem jeweiligen
begriffen, dass die Schule nicht als Reparaturwerk- Medium inhärenten Verzerrungen und Zuspitzun-
stätte der Gesellschaft dienen kann, und stellt auch gen sensibilisiert. Ebenso werden die sozialen Fol-
für Probleme, die ausserhalb des Bildungskontextes gen der neuen Technologien thematisiert und deren
zu lösen sind, diesen jedoch tangieren, professio- tendenziell vereinzelnde Wirkungen durch eine
nelle und institutionalisierte Hilfe bereit. gemeinsame kritische Reflexion aufgefangen.

Informationstechnologien Förderung des Nachhaltigkeits-


und Medienkompetenzen bewusstseins durch das Bildungssystem
Die Fortschritte der Informationstechnologie Die Knappheit an Rohstoffen und Energie, die in
wirkten sich auf die gesamte Gesellschaft aus. Die den vorigen Jahrzehnten wenn nicht Jahrhunderten
Informatikrevolution hat die Muster der traditio- begangenen Umweltsünden, die vermehrten Natur-
nellen Gesellschaft verändert. Für das Bildungs- katastrophen und die Suche nach neuen Entwick-
system hatte dies weit reichende Folgen. Neue lungsmustern unserer Gesellschaft haben zur Inte-
Technologien finden als Lernhilfen breite Anwen- gration der Umweltwissenschaften sowie zur
dung im Bildungssystem. Neue, auf diese Lern- Förderung des Umweltbewusstseins in den Lehrplä-
mittel zugeschnittene pädagogische Ansätze nen beigetragen. Wichtig für das Zusammenleben
wurden eingeführt. Die Informatik und deren aller Lebewesen auf der Erde und damit für das

Zukunft Bildung Schweiz – Szenario 2030 17


Die Schweiz konsequent auf Wohlbefinden des Menschen lange Frist zu tätigen und eine gerechte Zuweisung
Nachhaltigkeit ausrichten und ist die Vermittlung von Wis- der öffentlichen Mittel zu gewährleisten vermag.
ihre Spitzenposition in der sen, von Kompetenzen und Allerdings haben die Bildungsangebote des Privat-
Umweltbildung und Umwelt- von moralischer Verantwor- sektors zugenommen, doch bedürfen diese weiter-
forschung ausbauen! tung in Sachen Umwelt durch hin der staatlichen Anerkennung und Akkreditie-
das Bildungssystem auf rung. Angesichts der fortschreitenden Pluralisierung
allen Stufen. Auf einer begrenzten Erde lässt sich der Werte, Kulturen und Religionen in der schwei-
ein weiterhin vorwiegend auf den Verbrauch physi- zerischen Bevölkerung gewinnt der Staat als Garant
scher Ressourcen ausgerichtetes Wachstum nicht eines Bildungssystems, welches den Zusammenhalt
länger aufrecht erhalten. Die Bildung trägt dieser über Meinungs- und Glaubensunterschiede hinaus
Forderung in zweifacher Hinsicht Rechnung: zum fördert und den Laizismus der Schule sowie die
einen durch eine Sensibilisierung der neuen Gene- Objektivität der Bildung und die Autorität des Wis-
rationen für das neue Paradigma Nachhaltigkeit sens sichert, wieder an Bedeutung.
und zum anderen durch die Förderung der wissen-
schaftlichen Erkenntnisse über die Zusammenhänge Auswahl, Matura, Universitäten
der Umweltdynamik und der umweltschonenden Seit das Mindestalter für die Beendigung der
technologischen Innovationen. Pflichtschule auf 18 Jahre erhöht und ein kohärentes,
auf internationaler Ebene harmonisiertes Bildungs-
Bildung und neuer Föderalismus system eingeführt wurde,
Das Schweizer Bildungssystem, das schon immer lässt sich feststellen, dass Zwei Drittel eines
bemüht war, auf der Höhe der Zeit zu bleiben, wurde das Ziel eines Anteils von Jahrgangs erwerben einen
einer gründlichen Revision unterzogen. Zwar war 70% eines Jahrgangs mit Abschluss auf Tertiärstufe;
dieses System Gegenstand zahlreicher allgemeiner einem Abschluss an einer das Durchschnittsalter
Reformen, jedoch bezogen diese sich immer nur auf höheren Schule in greifbare für die Hochschulbefähigung
Teilbereiche. Auch wenn das Ziel in der Regel Nähe gerückt ist. Der Aus- beträgt 18 Jahre.
Koordination und Harmonisierung war, zeigte sich, tausch von qualifiziertem
dass die Vorgehensweise nicht zu den erhofften Personal («brain circulation») hat sich – übrigens auf
Ergebnissen führte. Wesentliche Impulse für die allen Gebieten – deutlich erhöht. Die schweizeri-
Neugestaltung des Bildungssystems der Schweiz sche Hochschullandschaft, zu der neben den Univer-
gingen vom neu gegründeten Departement für Bil- sitäten auch beide ETH und die Fachhochschulen
dung, Forschung und Innovation aus. Erst die Ver- zählen, hat von der Einfüh-
ständigung auf das oben dargelegte Bildungsver- rung von Zugangsprüfungen Hochschulen können Zugangs-
ständnis und dessen Umsetzung im Rahmen einer vor dem Studium profitiert. berechtigung gezielt steuern.
kohärenten und nationalen Bildungspolitik hat die Die Abschaffung des auto-
grundlegende Reform des matischen Übergangs von der Matura zum Hoch-
Die Leistungsfähigkeit der Bildungssystems Schweiz schulstudium, wie er früher üblich war, hat sich
Bildungseinrichtungen regel- ermöglicht. Die grossen positiv ausgewirkt.
mässig und an deren Zielen Vorteile unseres Landes –
orientiert überprüfen! Föderalismus, kantonale
bzw. regionale Unabhängig-
keit, kulturelle und sprachliche Vielfalt, lokale
Sensibilität, gegenseitiger Respekt usw. – entfalte-
ten dabei eine positive, mehrdimensionale Dyna-
mik. Unbestritten bleibt, dass es vorwiegend der
Staat ist, der die notwendigen Investitionen auf

18 Zukunft Bildung Schweiz – Szenario 2030


Angemessene Finanzmittel
und Return on Investment
Die Ausgaben für Bildung auf allen Stufen sowohl
im öffentlichen als auch im privaten Sektor
machen 2030 10% des BIP (Bruttoinlandsprodukt)
und 20% der gesamten staatlichen Ausgaben aus.
Damit liegt die Schweiz an der Spitze der entwi-
ckelten Länder. Die umfassende, generationenüber-
greifende und hochwertige Bildung der Bevölke-
rung trägt auf zahlreichen
Dank guter Qualifikation arbeiten Gebieten Früchte: Die Ver-
viele Beschäftigte in Bereichen weildauer der Menschen im
mit hoher Wertschöpfung. Arbeitsprozess konnte deut-
lich erhöht, und die Sozial-
kosten konnten damit gesenkt werden. Zudem wirkt
sich die Stärkung und Förderung der Daseinskom-
petenz positiv auf die Volksgesundheit aus. Eine
Mehrzahl der Beschäftigten ist dank guter Qualifi-
kation in Bereichen mit hoher Wertschöpfung aktiv.
Bisher bildungsferne Schichten profitieren von
einem auf die individuellen Potenziale ausgerichte-
ten, durchlässigen und alle Lebensphasen umfas-
senden Bildungssystem. Die konsequente Ausrich-
tung der Bildung auf Schlüsselkompetenzen wirkt
sich positiv auf die Flexibilität, Innovationsbereit-
schaft und Zukunftsoffen-
Bisher bildungsferne Schichten heit der Bevölkerung aus.
profitieren von einem durch- Entsprechend können For-
lässigen Bildungssystem. schungsergebnisse rascher
für die Entwicklung markt-
fähiger Produkte genutzt werden. Darüber hinaus
sind zahlreiche weltweit führende Leistungszentren
unter Beteiligung ausländischer Forscherinnen und
Forscher entstanden. Dementsprechend hat dieses
hohe Bildungsniveau insgesamt positive Auswir-
kungen auf Beschäftigung (gute Qualifikationen,
Vielseitigkeit, Flexibilität), Gesundheit (Bewusst-
sein für die Bedeutung von Prävention), Gesell-
schaft (mehr individuelle Verantwortung, stärkere
Solidarität), Politik (vermehrte Beteiligung der
Wählerinnen und Wähler am politischen Leben)
sowie berufliche und geografische Mobilität.

Zukunft Bildung Schweiz – Szenario 2030 19


Kapitel III

Gegenwärtige Lage
Dem Sollwert der Vision 2030 wird im Folgenden eine Analyse des Ist-Zustandes gegen-
über gestellt: Das schweizerische Bildungssystem steht vor neuen Herausforderungen
und befindet sich im Umbruch. Was bisher als Qualitätsmerkmal angesehen wurde, wie
zum Beispiel die kleinräumigen und differenzierten Schweizer Verhältnisse, zeigt immer
stärker seine negativen Seiten. Der Föderalismus stösst im Bereiche der Bildung an die
Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Die einzelnen Bildungsinstitutionen haben einen
starken Eigensinn entwickelt, der den Wissens- und Technologietransfer behindert, und
die Sonderstellung der Pädagogischen Hochschulen führt zu Schnittstellenproblemen.

Struktur und Verfassung des schweizerischen Bil- Auf der obersten bildungspolitischen Ebene formu-
dungswesens sind gut dokumentiert, seine Stärken lieren drei Setzungen Auftrag und Rahmen dieser
und Schwächen in nationalen und internationalen Reformen: (1) das Bundesgesetz über die Fachhoch-
Studien und Berichten beschrieben. Es genügt hier, schulen (1995) als eigene Bildungsinstitutionen, (2)
einige Eckwerte hervorzuheben, welche für die die Unterzeichnung der Bologna-Deklaration (1999)
Darstellung der Herausforderungen und die Per­ zur Schaffung eines gemeinsamen europäischen
spektiven seiner weiteren Entwicklung besonders Hochschulraumes und (3) der Bildungsverfassungs-
bedeutsam sind. artikel (2006) zur Neuregelung der Kompetenzen
und Verantwortlichkeiten im Bildungswesen. Das
Ein Bildungssystem im Umbruch EDK-Konkordat HarmoS konkretisiert die Reform-
Zur aktuellen Verfassung gehört, dass sich das Bil- ziele für den Bereich der obligatorischen Schulbil-
dungssystem seit rund 10–15 Jahren in einem aku- dung. Postuliert sind hier a) eine einheitliche Glie-
ten Umbau befindet. Er betrifft alle Stufen und derung und Dauer der Schulstufen, b) sprachregional
Typen des Bildungswesens, Kindergarten und Pri- einheitliche Lehrpläne, c) verbindlich zu erreichende
mar- sowie Sekundarschule genauso wie Gymna- Basisstandards in den Bereichen Mathematik,
sium und Berufsbildung, ebenso Hochschulen und Schulsprache, erste Fremdsprache und Naturwis-
die Institutionen der Weiterbildung. Auch die etab- senschaften und schliesslich d) ein systematisches
lierten Institutionen und Verfahren zur Steuerung Bildungsmonitoring.
des Bildungssystems sind davon betroffen. Dieser
Umbau vollzieht sich in einem für schweizerische
politische Verhältnisse bislang kaum für möglich
gehaltenen Tempo. Innere wie äussere Gründe,
Erwartungen, Interessen und Anstösse, die sich aus
den Randbedingungen ergeben, haben diese Verän-
derungsschübe ausgelöst und treiben sie weiter an.

20 Zukunft Bildung Schweiz – Gegenwärtige Lage


Die Umsetzung dieser Vorgaben trifft auf Wider- Vielgestaltig und partikularistisch
stände struktureller und ideeller Art. Insbesondere Als vielgestaltig, kleinräumig und differenziert lassen
im Bereich der allgemeinen Bildung stehen traditi- sich schweizerische Verhältnisse in vielen Erfahrungs-
onelle und weltanschaulich verankerte pädagogi- und Lebensbereichen beschreiben. Sie werden traditio-
sche Konzepte und Überzeugungen zur Disposition, neller Weise nicht bloss so erlebt, sondern in manchen
die weder in ihren kurz- noch in ihren langfristigen Bereichen auch kultiviert und sind politisch so gewollt.
Wirkungen wissenschaftlich eindeutig zu bewerten
sind. Ihre sozialen und men- Der kleinteilige Partikularismus wurde (und wird)
Die Veränderungen in den talen Verankerungen sind im schweizerischen Bildungswesen vielfach als
Bildungseinrichtungen betreffen kurzfristig nur schwer zu Qualitätsmerkmal verstanden. Er garantiere emoti-
auch die Lebensverhältnisse verändern. Zudem sind die onale und demokratische Nähe zu den Bildungsein-
und Lebensformen. Erwartungen und Interes- richtungen, ermögliche unmittelbare Beteiligung
senlagen unterschiedlicher und Anteilnahme, fördere den Wettbewerb der kan-
sozialer Gruppen im Bereich allgemeiner Bildung tonalen und kommunalen Schulformen sowie -sys-
äusserst heterogen und vielfach auch widersprüch- teme und begrenze eventuelle negative Folgen von
lich; sie können jederzeit auf verschiedensten Ebe- Reformen und Schulversuchen.
nen und in den verschiedensten Phasen der Reform
politisch mobilisiert werden. Kurz, die laufenden Die immer noch relativ gute politische Bewertung, die
Transformationen der Bildungseinrichtungen betref- der kleinteilig föderalistische Bildungsaufbau in der
fen nicht nur diese selbst. Sie beziehen sich auf die Schweiz zumindest im Bereich allgemeiner Bildung
geistigen und sozialen Lebensverhältnisse ebenso erfährt, liegt auch in den unterschiedlichen Sprachkul-
wie auf die unterschiedlichen Lebensformen und turen des Landes begründet. Die sprachregionalen
disparaten Wertorientierungen der betroffenen Unterschiede machen sich als Differenzen im Ver-
Gruppen und Individuen. An diesen sozialen und ständnis der Bildung und des schulischen Auftrages
kulturellen Tatbeständen wird sich auch im Hin- selbst, in den vorherrschen-
blick auf künftige Veränderungs- und Anpassungs- den Lehr- und Lernkulturen Der kleinteilige Partikularis-
prozesse im Bildungssystem nichts grundsätzlich und traditionen sowie im mus wird oft als Qualitäts-
ändern. Die Erneuerung des schweizerischen Bil- Verhältnis zu den Institutio- merkmal verstanden,
dungswesens folgt traditionell eher dem Muster nen der Bildung und deren zeigt aber mehr und mehr
defensiver Modernisierung und Traditionssicherung. Steuerung fest. Das erschwert seine negativen Seiten.
nicht nur eine knappe Dar-
stellung schweizerischer Bildungsverhältnisse, es stellt
auch eine zusätzliche Herausforderung dar, einen
gemeinsamen Bildungsraum Schweiz mit gewissen
sprachregionalen Unterschieden zu schaffen.

Zukunft Bildung Schweiz – Gegenwärtige Lage 21


Aber der Partikularismus des Bildungswesens zeigt sind auch die genannten unterschiedlichen Wertun-
mehr und mehr seine negativen Seiten. Er wird gen und behaupteten Wirkungen von Vielfalt und
zunehmend als Mobilitätsschranke erfahren, ver- Differenz. Vielfach scheint eine gesamtschweizeri-
bunden mit sozialen und emotionalen Belastungen sche Verständigung nur bei Anerkennung bestehen-
bei Schul- und Wohnortwechsel. Die ungleiche Ver- der Unterschiede und Ansichten politisch opportun,
teilung der Mittel und Ressourcen schafft ungleiche was diese eher stabilisiert,
Bildungschancen, die anstehenden Entwicklungen als sie zugunsten einer ge- Der kooperative Föderalismus
sind mit vertretbarem Aufwand kantonal kaum meinsamen Lösung einan- kommt im Bildungsbereich an
mehr zu bewältigen. Die erforderlichen Investitio- der anzunähern. So ist para- die Grenzen seiner politischen
nen und ein effizienter Einsatz der verfügbaren Res- doxerweise die politische Handlungsfähigkeit.
sourcen verlangen die Schaffung eines gemeinsa- Kultur des Konsenses mit-
men Bildungsraumes Schweiz. Schliesslich schaffen verantwortlich für die problematisch gewordene
die zunehmenden internationalen Struktur- und Vielfalt. Der kooperative Föderalismus kommt im
Leistungsvergleiche auch einen schulpolitischen Bildungsbereich durch den wachsenden Reform-
Druck zur Homogenisierung der Schulsysteme und und Koordinationsbedarf klar an die Grenzen sei-
eine national einheitliche Ausrichtung der Bildungs- ner politischen Handlungsfähigkeit.
politik.
Pragmatisch utilitaristische
Koordination und Steuerung Orientierung und Entwicklung
Die grosse Zustimmung zum neuen Bildungsver- Die Vielgliedrigkeit der schweizerischen Bildungs-
fassungsartikel in der eidgenössischen Volksab- landschaft hat nicht allein topographische und his-
stimmung von 2006 hat den Druck auf eine stärkere torisch politische Ursachen, sie ist auch Ergebnis
Koordination und Vereinheitlichung im Bildungs- eines durchgehenden Pragmatismus der Problem-
wesen der Schweiz erhöht, er hat auch die politische bearbeitung. Denn wenig scheint hierzulande so
Legitimität der zentralen Koordinationsorgane klar und allgemein anerkannt zu sein wie die Orien-
gestärkt. tierung an dem ursprünglich neuzeitlichen Bil-
dungsprogramm der Brauchbarkeit und Nützlich-
Ob es gelingt, die kantonale Bildungshoheit mit den keit. Die Idee der «nützlichen Bildung», der
Erwartungen an ein vereinheitlichtes Bildungsan- individuell zuträglichen und der situativ angemes-
gebot zu verbinden und den wachsenden Anforde- senen Bildung hat eine grosse Vielfalt von Bil-
rungen an eine effiziente und beschleunigte Koordi- dungseinrichtungen entstehen lassen. Das differen-
nation und Steuerung mit der Institution EDK zierte Angebot an Schulen und Einrichtungen
und ihren auf Konsens und Empfehlungen basieren- ermöglicht individuelle Bildungslaufbahnen und
den Verfahrens- und Entscheidungsmechanismen immer wieder neue Seiteneinstiege, aber es produ-
gerecht zu werden, wird sich zeigen. Das Ergebnis ziert auch hohe soziale Selektivität und eine grosse
wird ausschlaggebend sein für die weitere Entwick- Zahl von Schnittstellenproblemen, zum einen zwi-
lung und Differenzierung sowie für den Bestand schen den Teilen des Bildungssystems und in Bezug
des kooperativen Föderalismus im Bildungswesen auf den Übergang vom Bildungssystem in den
der Schweiz. Arbeitsmarkt sowie im Zusammenhang hiermit in
das lebenslange Lernen.
Wie die Auseinandersetzungen um HarmoS zeigen,
sind nicht allein schwerfällige Entscheidungsme- Die Einrichtungen selber sind im Allgemeinen rela-
chanismen oder mangelnder politischer Verständi- tiv klar gegeneinander abgegrenzt, spezialisiert und
gungswille für die Unüberschaubarkeit und Hetero- funktional ausgerichtet. Das beginnt schon bei den
genität der Bildungslandschaft verantwortlich, es traditionellen Grenzziehungen zwischen einem

22 Zukunft Bildung Schweiz – Gegenwärtige Lage


Die Institutionen entwickeln und «spielenden» Kindergarten ren Bildungsideals stammt, stösst sichtlich an die
kultivieren einen ausgeprägten und einer «lernenden» Pri- Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Der schnelle
Eigensinn. marschule, setzt sich fort in Wandel der Berufsbilder und -karrieren erfordert
der Typendifferenzierung der im Hinblick auf lebenslanges Lernen breitere und
Oberstufe, den klaren, auch rechtlich und politisch allgemeinere berufliche Grundkompetenzen. Der
verankerten Grenzen zwischen den beruflichen und strukturelle Wandel von der Industrie- zur Dienst-
den allgemeinbildenden Schulen. Solche Grenzzie- leistungsgesellschaft wird im betrieblichen Ausbil-
hungen haben stark sozial selektierende und status- dungsangebot nicht hinreichend abgebildet. Beruf-
sichernde Wirkungen. Die Institutionen entwickeln liche und allgemeine Bildung wachsen inhaltlich
und kultivieren einen ausgeprägten Eigensinn. Die- zusammen. Dies stellt insbesondere kleinere und
ser zeigt sich unter anderem in den Hierarchien des mittlere Unternehmen organisatorisch und perso-
Lehrpersonals sowie in Zulassungsregeln und -ver- nalpolitisch vor kaum lösbare Probleme. Sie betref-
fahren. fen sowohl die erforderliche Breite der fachlichen
Ausbildung als auch die Qualifikation der Ausbil-
Die Zulassungsregelungen zwischen den Bildungs- denden und das betriebsorganisatorische Zeitma-
einrichtungen sind meistens formeller Art: Das nagement der Auszubildenden. Zudem ist der finan-
Abgangszeugnis der einen Institution berechtigt zielle Aufwand für eine angemessene Ausstattung
zum Eintritt in die nächst höhere. Das Maturitäts- betrieblicher Ausbildungsplätze erheblich gestiegen
zeugnis als allgemeine Zulassungsberechtigung und wird weiter steigen. Die erforderliche vertiefte
zum Universitätsstudium ist dafür das klassische Diskussion über die Zukunft des dualen Ausbil-
Beispiel. Ein formeller Aufbau dieser Art macht dungssystems hat in der Schweiz aber noch kaum
schulische Bildungslaufbahnen zwar gut planbar. begonnen.
Strikt gehandhabt behindern die formellen Regeln
allerdings eine Öffnung und Steuerung der Zulas- Die starken Grenzen sind auch Barrieren für den
sung durch die aufnehmenden Institutionen. Zudem Wissenstransfer zwischen den Institutionen. Der
lassen formell geregelte Zugangsvoraussetzungen Kampf um die Einrichtung und Positionierung der
nichtformell erworbenes Wissen und Können Fachhochschulen kann dafür als Beispiel genom-
Einzelner weitgehend ausser Acht. Die geringe men werden. Die Auseinandersetzungen um das,
Durchlässigkeit zwischen was als anwendungsorien-
Lebens- und berufsrelevantes informell-individuellem und tierte Forschung den Fach- Der Eigensinn der Instituti-
Können und Wissen werden formell-schulischem Lernen hochschulen zugestanden und onen behindert den Wissens-
immer stärker verschult. ist auch deshalb nachteilig, finanziert wird und was den und Technologietransfer zwi-
weil sie strukturell zu einer Universitäten vorbehalten schen den Hochschultypen
immer stärkeren Verschulung lebens- und berufsre- bleiben soll, gehören in die- sowie zwischen Hochschulen
levanter Könnens- und Wissensbereiche nötigt. Die sen Zusammenhang genau- und Wirtschaft.
Möglichkeiten zu individuellem ausserschulischem so wie die Debatten um die
Wissenserwerb, wie sie sich durch neue technische Regelungen der gegenseitigen Anerkennung von
Informations- und Kommunikationsmedien zu- Abschlüssen und Diplomen im Zugang zu den Stu-
nehmend anbieten, können so nur schlecht genutzt diengängen. Der Eigensinn der Institutionen behin-
werden. dert den Wissens- und Technologietransfer sowohl
zwischen den Hochschultypen als auch zwischen
Auch das duale Bildungssystem einer betrieblich Hochschulen und Wirtschaft. So ist es paradoxer
berufständisch getragenen und organisierten Aus- Weise exakt die pragmatisch utilitäre Ausrichtung
bildung mit ergänzenden staatlichen Berufsschulen, der schweizerischen Bildungseinrichtungen, die
das ganz aus dem Geiste eines pragmatisch utilitä- u. a. für einen nur ungenügend entwickelten Wert-

Zukunft Bildung Schweiz – Gegenwärtige Lage 23


schöpfungszyklus mit verantwortlich ist. An des- Schliesslich tradiert die Einrichtung der PHs die
sen Verbesserung wird seit einiger Zeit u. a. mit Grenzziehung zwischen den universitär ausgebilde-
Stabsstellen für Wissens- und Technologietransfer ten Gymnasiallehrpersonen und denen der Primar-
(WTT) und zumeist projektbezogenen Kooperatio- und Sekundarschulen mit den damit verbundenen
nen und Zusammenarbeitsverträgen gearbeitet. berufspolitischen Konsequenzen.

Sonderstellung der Mit der interkantonalen Vereinbarung zur gesamt-


Pädagogischen Hochschulen schweizerischen Anerkennung der kantonalen
Auch die Einrichtung von Pädagogischen Hoch- Lehrdiplome (1993) der EDK und nun mit ihrer
schulen (PHs) kann als Fortsetzung und Ausdruck eines Zuständigkeit für die Anerkennung der Studien-
pragmatisch-funktionalistischen Bildungsverständ- gänge an den PHs wurde die grosse Anzahl von
nisses verstanden werden. Lehrerinnen und Lehrer speziellen Einrichtungen zur Lehrerinnen- und
der Primar- und Sekundarschule in einer gesonder- Lehrerbildung auf eine überschaubare Grösse von
ten, auf die spezifischen Belange des Berufs ausge- 14 (zum Teil interkantonalen) PHs, 2 eidgenössi-
richteten Einrichtung auszubilden, setzt die Tradi- schen Hochschulen und 2 universitären Einrichtun-
tion der Lehrerseminarien mit ihrer charak- gen konzentriert. Auch die Vielzahl von unter-
teristischen Mischung von Allgemeinbildung und schiedlichen Lehrdiplomen und Lehrerkategorien
Berufslehre diesseits akademischer Studien fort. ist deutlich verkleinert und gleichzeitig vereinheit-
Auch dass es für diesen Beruf eine eigene Rekrutie- licht worden. Auch wenn dieser Prozess noch nicht
rungsbasis gebe, gehört noch zum kultivierten abgeschlossen erscheint, so darf er doch zu den gro-
Selbstbild dieser Einrich- ssen Erfolgen der EDK bei
Sonderstellung der Pädago- tung. In ihrem Hochschul- der gesamtschweizerischen Innovative Offenheit und
gischen Hochschulen führt zu status gelten die PHs als Koordination des Bildungs- inhaltliche Durchsetzungs-
Schnittstellenproblemen. Fachhochschulen, die sich wesens gerechnet werden. fähigkeit entscheiden, ob
aber wegen ihrer separaten Ob allerdings die EDK auf die EDK künftig die richtige
Zugangsbestimmungen und der im Unterschied zu Dauer die richtige Akkredi- Akkreditierungsinstanz ist.
den Fachhochschulen kantonalen Zuständigkeit und tierungsinstanz für einzelne
Finanzierung von diesen absetzen. Studiengänge bzw. ganze Bildungseinrichtungen
darstellt, wird sich an ihrer innovativen Offenheit
Die Sonderstellung der PHs ist verbunden mit einer und inhaltlichen Durchsetzungsfähigkeit entschei-
Vielzahl von Schnittstellenproblemen wie dem den.
Zugang zur Forschung, der Qualifizierung des eige-
nen Lehrpersonals, der Sicherung der fachlichen Pädagogische Förderung und Selektion
Wissensbasis und dem Anschluss an die universitär Als eine Art von pädagogischem Gegenkonzept zur
etablierten Erziehungswissenschaften. Ob und «nützlichen Bildung», wie sie für die Organisation
inwieweit es gelingt, mit dieser Einrichtung die der übrigen Schulen und Bildungseinrichtungen
Ausbildung fachlich und beruflich auf eine wissen- grundlegend war, bestimmt traditionell ein reform-
schaftliche Basis zu stellen und dort zu halten, muss und sozialpädagogisches Erziehungs- und Bildungs-
sich erst noch zeigen. Die Probleme des Wissens- verständnis die schweizerische Lehrerbildung. Wie
und Knowhow-Transfers sind hier jedenfalls kaum Untersuchungen gezeigt haben, wird hier vielfach
geringer zu veranschlagen als in den technischen ein wertschätzendes Klima höher eingeschätzt als
und wirtschaftlichen Berufen. Lernleistung und Zuwachs an Wissen und Können.
Die Lehrerqualifikation bemisst sich dann mehr an
der sozialen und interaktiven Kompetenz als an der
Sachkompetenz im Lehrfach. In Teilen umgekehrt

24 Zukunft Bildung Schweiz – Gegenwärtige Lage


stellen sich die Verhältnisse bei der Ausbildung der Sie müssen in manchen Berufen durch Zuwande-
Gymnasiallehrkräfte dar. Die EDK-Reglemente rung Hochqualifizierter ausgeglichen werden. Ob
über die Anerkennung der Diplome für Lehrkräfte und inwieweit die ungleiche Geschlechterverteilung
der Primar- und Sekundarschulen und die Anerken- insbesondere in den Lehrberufen an den Primar- und
nung der entsprechenden Bachelorstudiengänge Sekundarschulen auf die genannten Ausbildungs-
gewichten in Fortsetzung dieser Tradition die päda- kulturen zurückgeführt wer-
gogisch-sozialwissenschaftlichen und berufsprakti- den kann, ist unklar. Um- Kinder werden zu spät ein-
schen Ausbildungsteile im- stritten ist auch, ob dieses geschult, Leistungsschwache
Die Lehrerqualifikation bemisst mer noch höher als die fach- Ungleichgewicht seinerseits zu früh ausgesondert und
sich mehr an sozialer und lich-fachdidaktischen. Diese soziale und/oder curriculare besonders Begabte zu wenig
interaktiver Kompetenz als an Ausrichtung reflektiert so- Auswirkungen hat. gefördert.
Sachkompetenz. wohl einen sozialpädagogi-
schen und erzieherischen Vom institutionell verwalteten Lehren
Auftrag der öffentlichen Schule als auch aktuelle und Lernen zum neuen Bildungsauftrag
Brennpunkte schulischer Bildungsarbeit wie Hete- Auf praktisch allen Ebenen des Bildungswesens
rogenität, Integration und Gewaltprävention. Deren dominiert eine stark am Wissensvermittlungsmo-
Verhältnis ist Gegenstand einer lebhaften berufs- dell orientierte Lehr- und Lernkultur. Die Lernin-
und schulpolitischen Diskussion um den sogenann- halte sind zumeist nach Massgabe fachlicher Krite-
ten Kernauftrag der Schule. rien und eines disziplinären Wissenskanons aus
dem 19. Jahrhundert in fachlich festgefügten Ein-
Gleichzeitig und trotzdem werden kulturelle und heiten verortet und gegliedert. Die Logik der Wis-
soziale Heterogenität in den Schulen noch weitge- sensproduktion und des Wissenserwerbs wird dage-
hend als Belastung wahrgenommen und leistungs- gen kaum berücksichtigt. Solche curricularen
schwächere Schülerinnen und Schüler vorzugsweise Strukturen taugen mehr als organisatorisches
in Sondereinrichtungen betreut. Ungeklärt ist auch Gerüst zur administrativen Verwaltung von Bil-
das Verhältnis von Elite- und Breitenbildung im dungseinrichtungen als zu einer nachhaltig selbst-
gesamten Bildungssystem. Geistige und kulturelle motivierenden und -gesteu-
Eliten sind zwar gesellschaftlich anerkannt, ihre erten Lernorganisation, wie Die Lehr- und Lernkultur
Förderung ist im öffentlichen Bildungsdiskurs der sie von der Lernforschung orientiert sich stark am
Schweiz aber weitgehend tabuisiert. Bei einer ver- gefordert wird. Sie behin- Wissensvermittlungsmodell.
gleichsweise späten Einschulung und insgesamt dern jedenfalls ein auf allen
relativ frühen und breit angelegten Aussonderung Bildungsstufen, wenn nicht ausschliesslich, so doch
von Leistungsschwächeren bleibt im Gegenzuge in unterschiedlichen Anteilen wünschenswertes
auch die Förderung besonders Begabter wenig ent- fall- und problembasiertes Projektlernen und Pro-
wickelt. Wie internationale Vergleichsstudien zu jektstudium.
den Schulleistungen zeigen, hat dieses Konzept
seine Schwächen vor allem Auch die schweizerischen Bildungsinstitutionen
Ungeklärt ist das Verhältnis von im Bereich des Ausgleichs sind soziologisch betrachtet gesellschaftliche Ein-
Elite- und Breitenbildung. sozialer Ungleichheit, ohne richtungen zur Lösung eines schlecht definierten
dass es besondere Spitzen- und definierbaren Problems, eben desjenigen der
leistungen zu fördern vermöchte. Auch vermag es Bildung. Weil es sachlich und gesamtgesellschaft-
Begabungen bei Kindern mit Migrationshinter- lich politisch schwierig ist zu sagen, was Bildung,
grund nur ungenügend zu entwickeln und zu för- gar gute Bildung und Forschung sei, wird die Ant-
dern. Zwar regional unterschiedlich, aber im inter- wort darauf traditionell den Bildungsinstitutionen
nationalen Vergleich niedrig sind die Maturaquoten. selber übertragen. Die Sicherung der Qualität und

Zukunft Bildung Schweiz – Gegenwärtige Lage 25


der gesellschaftlich erwünschten Ausrichtung ge- Im HarmoS-Konkordat sind die wesentlichen Ele-
schieht dann hauptsächlich durch Regelungen des mente dieser Neuorientierung in der Steuerung
Zugangs und der Mittelallokation. Geregelt wird, des Bildungsbereichs enthalten: eine verbindliche
wer dort mit welchen Qualifikationen lehrend, for- Formulierung der Grundbildung für die schwei-
schend oder lernend tätig sein darf und was in wel- zerische Bevölkerung in Form von Bildungsstan-
chem Umfang finanziert und als Ressourcen zur dards, die von allen Schülerinnen und Schülern
Problemlösung bereitgestellt werden kann und soll. zu erreichen sind und deren Erreichung auch mit
Eine solche Sicht hat zu einer weitgehend struktu- Hilfe von Leistungstests überprüft und in einem
rellen Steuerung über Inputs, Rahmenbedingungen, systematischen Bildungsmonitoring überwacht
Aufbauorganisationen und Ressourcenverteilung werden soll.
geführt. Reformen an die-
Zugangsregelungen und Mittel- sem System betreffen denn Bildungsstandards sollen in Form von zu erwerben-
allokationen bestimmen Qualität auch vorwiegend die Struk- den Kompetenzen und nicht mehr nur von abfrag-
und gesellschaftlich erwünschte turen und kaum die Inhalte. baren Wissensinhalten den Schulen und der Lehrer-
Ausrichtung. Letztere sind im Bereich schaft der verschiedenen Stufen als verbindliche
allgemeiner Bildung traditi- Lernziele vorgeschrieben werden. Dieser System­
onell als politische Rahmenvorgaben in Lehr- und umbau ist vor allem didaktisch und fachdidaktisch
Bildungsplänen deutungsoffen und wenig verbind- mit einem noch erheblichen Forschungs- und Ent-
lich formuliert. wicklungsaufwand verbunden.

In den letzten Jahren hat sich dieses Verständnis Sprachregional werden dazu neue Lehrpläne und
zugunsten einer stärkeren Orientierung an den tat- Lehrmittel entwickelt. Für die französischsprachige
sächlichen Ergebnissen, welche solche Institutionen Schweiz wurde ein solcher Lehrplan mit PER
erbringen bzw. erbringen sollen, verschoben. Natio- bereits entwickelt und eingeführt. Im sprachregio-
nale und internationale vergleichende Leistungs- nalen Lehrplan der deutschen Schweiz sollen neben
messungen oder die Präzisierung detaillierter Leis- den Fachbereichen, welche das HarmoS-Konkordat
tungsaufträge in Verbindung mit globaleren Budgets auflistet, Sprache, Mathematik und Naturwissen-
sind Ausdruck dieser Verschiebungen, die den Ins- schaften, Sozial- und Geisteswissenschaften, Musik,
titutionen mehr eigenen Spielraum beim Einsatz der Kunst und Gestaltung, Bewegung und Gesundheit,
verfügbaren Mittel geben, sie aber umgekehrt einer auch überfachliche Themen und Kompetenzen
an den Vorgaben orientierten Erfolgskontrolle un- explizit als Elemente einer künftigen schulischen
terwerfen. Eine wachsende und sich partiell ver- Grundbildung ausgewiesen werden. Überfachlich
selbständigende Evaluations- und Qualitätssiche- werden personale, soziale und methodische Kom-
rungsbürokratie macht die scheinbar gewonnenen petenzen gefordert, und das Konzept «Grundlagen
neuen Spielräume in den Bildungsinstitutionen wie- für den Lehrplan 21» weist die folgenden überfach-
der zunichte, ohne dass damit ein Zugewinn an lichen Themen aus: ICT/Medien, Berufliche Orien-
Qualität, Leistung und Transparenz verbunden tierung, Nachhaltige Entwicklung, Politische Bil-
wäre. Auch der gestiegene Verwaltungsaufwand dung und Gesundheit. Bislang nicht aufgenommen
bemisst sich primär an Kriterien prozessinterner ist Technik als eigener Themenbereich. Diese
Verwaltungsrationalität, deren Steigerung vielfach erscheint integral als Element der Naturwissen-
auf Kosten der kaum kalkulier- und regulierbaren schaften. Im Verbund mit dem UNESCO-Pro-
schöpferischen, situativen und spontanen Elemente gramm «Bildung für Nachhaltige Entwicklung»
in Forschungs- und Bildungsprozessen geht. (BNE) hat die EDK einen eigenen Massnahmenka-
talog für die Periode 2007–2014 erarbeitet, der sich
als Beitrag zur UNO-Dekade BNE versteht.

26 Zukunft Bildung Schweiz – Gegenwärtige Lage


Ob dieser Umbau zu einer Schule führt, die den
gegenwärtigen neuen und künftigen Möglichkeiten
und Anforderungen des Lernens in der Wissensge-
sellschaft besser gerecht
Der inhaltliche Auftrag an die wird, hängt aber weniger
Schulen entscheidet, ob sie die davon ab, wie der neue Auf-
Anforderungen des Lernens trag an die Schulen erteilt
gerecht werden. und seine Erfüllung über-
prüft wird. Vielmehr hängt
es davon ab, worin er inhaltlich besteht, wie die
Lehrenden dafür qualifiziert sind und wie beide,
Lehrende und Lernende, in ihrer Arbeit unterstützt
werden. Das gilt für die Bildungseinrichtungen aller
Stufen.

Zukunft Bildung Schweiz – Gegenwärtige Lage 27


Kapitel IV

Massnahmen
Damit das entworfene Szenario 2030 Realität werden kann, sind politisch-institutio-
nelle, metadidaktische und inhaltliche Massnahmen zu ergreifen. Die Akademien
schlagen vor, die Strukturen im gesamten schweizerischen Bildungssystem zu ver-
einfachen und zu vereinheitlichen. Sie empfehlen, das Bildungssystem auf Bundes-
ebene weiter zu entwickeln. Dazu benötigt es eine Strategie, die stärker als bisher
international ausgerichtet ist, und eine Bundesinstitution, die diese Strategie
umsetzt. Ferner empfehlen die Akademien, den Bildungsauftrag konsequent auf die
Schlüssel- und Mindestkompetenzen auszurichten. Alle notwendigen Umsetzungs-
schritte sind in einer Road Map dargestellt.

Um das Szenario vor dem Hintergrund der skizzier- Dazu sind – unter Einbezug der Gremien des Bun-
ten gegenwärtigen Lage bis 2030 realisieren zu des, der Kantone und der Bildungsinstitutionen –
können, sind eine ganze Reihe von Massnahmen in ein Steuerungsausschuss unter der Führung eines
mehreren Bereichen zu ergreifen. Dabei muss zwi- Mitglieds der Landesregierung sowie ein Advisory
schen politisch-institutionellen Massnahmen («Nati- Board zu bilden, eine Programm- bzw. Projektorga-
onales Bildungsprogramm»), metadidaktischen nisation zu schaffen und die erforderlichen Res-
Massnahmen («Schlüssel- und Mindestkompeten- sourcen bereitzustellen (siehe «Road Map», Seite 36).
zen») und inhaltlichen Forderungen («Ziele und
weitere Massnahmen») unterschieden werden. Dementsprechend müssen, soweit nicht bereits vor-
handen, unter einer langfristigen bildungspoliti-
schen Perspektive für unsere Volkswirtschaft und
Nationales Bildungsprogramm Gesellschaft eine Bildungs-
strategie und eine Bildungs- Die Schweiz muss eine
Um das heutige schweizerische Bildungssystem auf Gesamtkonzeption, eine ent- international ausgerichtete
die Ziele einer künftigen Bildungspolitik (Schlüs- sprechende Rahmenverein- Strategie für die Entwicklung
sel- und Mindestkompetenzen) auszurichten und es barung Bund-Kantone sowie des Schweizer Bildungs-
für die Umsetzung einer entsprechenden Bildungs- ein Massnahmenkatalog, systems formulieren.
strategie zu befähigen, fordern die Akademien der ein Aktionsplan und eine
Wissenschaften Schweiz als Massnahme mit höchs- Road Map formuliert werden. Die Schweiz muss
ter Priorität die Erarbeitung und Umsetzung eines eine international ausgerichtete Strategie für die
nationalen Bildungsprogramms. Entwicklung ihres Bildungssystems formulieren
und zu diesem Zwecke über ein nationales Bildungs-
konzept als Grundlage ihrer Politik und Investitionen
verfügen.

28 Zukunft Bildung Schweiz – Massnahmen


Die schweizerische Bildungspolitik hat sich ganz Im selben Jahr (Januar 2006) hat der Bundesrat
massgeblich auf die mittel- und langfristigen globa- seine Strategie für eine Informationsgesellschaft in
len Herausforderungen auszurichten, mit denen sich der Schweiz neu formuliert (siehe Abbildung 1,
unser Land und unsere Gesellschaft im internatio- Seite 30). Er postuliert darin unter anderem den
nalen Wettbewerb und unter Berücksichtigung Grundsatz, wonach alle Einwohnerinnen und Ein-
neuer Technologien, der Umwelt und Ressourcen wohner der Schweiz im
sowie einer nachhaltigen Entwicklung konfrontiert Sinne einer Grundkompe- Die Kompetenz zur Nutzung
sehen. Insbesondere zählen dazu: tenz zu befähigen sind, mit der Informations- und
Informations- und Kommu- Kommunikationstechnologien
• nachhaltige Zukunftsfähigkeit der Schweiz und nikationstechnologien (ICT) gehört zum Alphabetisie-
ihrer Bevölkerung, technisch und inhaltlich rungsauftrag der Schule.
• Mündigkeit der Bürgerinnen und Bürger in umzugehen und die verfüg-
einer hochgradig vernetzten Welt, baren Inhalte, Medien und Technologien zur Mei-
• bedarfsgerechte und chancenorientierte Befähi- nungsbildung und zum Einbringen der eigenen
gung zur Arbeitswelt 2030, Meinung selbständig einzusetzen. Die Kompetenz
• Spitzenposition im globalen Umfeld, besonders zur Nutzung der Informations- und Kommunikati-
in Bildung, Forschung, Innovation und Transfer, onstechnologien gehört schon jetzt zum Alphabeti-
sowie sierungsauftrag der Schule.
• Haltung, Selbstmotivation, Disziplin und
Ausdauer jedes Individuums und der Gemein- In einem separaten Kapitel fordert der Bundesrat –
schaft und dies entspricht durchaus der Zielsetzung unse-
rer eigenen Forderungen – zudem umfangreiche
Mit der Annahme der Bildungsverfassung im Mai Massnahmen im Bereich der Bildung mit dem Ziel,
2006 wurde die Basis für eine verstärkte Koordina- die Kompetenz jedes Individuums sowie der Gesell-
tion im Bildungswesen und für die Harmonisierung schaft als Ganzes zu fördern, um die Wohlfahrt der
von Schulstrukturen und Unterrichtsbetrieb gelegt Bevölkerung und die Wettbewerbsfähigkeit der
(siehe Kapitel III, Seite 22). Doch diese Schritte Schweiz in einer globalen Wissensgesellschaft sicher-
reichen nicht aus, um unser vom Föderalismus zustellen.
geprägtes Bildungswesen – und damit eine «ver-
gangenheitstaugliche» Schweiz und ihre Gesell-
schaft – mittel- bis längerfristig zukunftsfähig zu
machen.

Zukunft Bildung Schweiz – Massnahmen 29


Sieben Dossiers Sieben Grundsätze

Wirtschaft

Sicherheit und Vertrauen

Demokratische Meinungs- und Willensbildung

Elektronische Verwaltung

Grundversorgung

Zusammenarbeit
Bildung

Befähigung aller

Internationales
Zugang für alle

Föderalismus
Kultur

Vertrauen
Gesundheit und Gesundheitswesen

Abbildung 1: Bildung als Schlüsselthema («Dossier») und Befähigung aller als Grundsatz der
bundesrätlichen Strategie für eine Informationsgesellschaft in der Schweiz (Januar 2006)

Insbesondere dem Postulat nach umfangreichen die Schaffung eines neuen Bildungsbelange auf
Massnahmen im Bereich der Bildung kann die For- Departements für Bildung, Bundesebene bestmöglich
derung nach Zukunftsfähigkeit («Future Readi- Forschung und Innovation. wahrnehmen!
ness») entnommen werden. Doch wie können bezie- Gleichzeitig wird sie den
hungsweise sollen diese Postulate der Landes- Druck auf die Bildungsinstitutionen im Sinne von Qua-
regierung in der Praxis unseres föderalistischen litätssteigerung und -sicherung, Fokussierung, Kon-
Bildungssystems umgesetzt werden, wenn sich ein- zentration und Kooperation ohne Zweifel erhöhen.
zelne Kantone und politische Parteien bereits mit
der Zustimmung zum HarmoS-Konkordat schwer Um die Wirkung und Nachhaltigkeit der Entwick-
tun? lung des schweizerischen Bildungssystems unter
dem Aspekt Zukunftsfähigkeit zu verfolgen, wird
Für die Akademien der Wissenschaften Schweiz ist zudem die Einrichtung eines unabhängigen, dem
das Dossier Bildung in einer modernen Informations- Parlament rechenschaftspflichtigen Gremiums emp-
und Wissensgesellschaft von fohlen, das sich mit den Bildungsberichten der EDK
Das Dossier Bildung ist in höchster strategischer Bedeu- und spezifisch mit den Indikatoren zur Bildungs-
einer Informationsgesellschaft tung und folglich mindes- «Future Readiness» auseinandersetzt.
von höchster strategischer tens ebenso prioritär zu
Bedeutung. positionieren und zu behan-
deln wie die in der bundes- Schlüssel- und
rätlichen Strategie gesetzten Schwerpunkte (Elektro- Mindestkompetenzen
nische Verwaltung, Gesundheit und Gesundheits-
wesen). In zahlreichen Studien (unter anderem EDK Exper-
tenmandat BNE, IBM, OECD DeSeCo, OECD
Institutionelle Konsequenzen Future of the Internet Economy, PISA 2006,
Die Umsetzung der Bildungsstrategie verlangt nach der Transfer-21, UNESCO) wurden die für moderne
bestmöglichen Wahrnehmung der Bildungsbelange auf Volkswirtschaften – im Sinne global vernetzter
Bundesebene, z.B. durch Zusammenführung des Informations- und Wissensgesellschaften unter
Staatssekretariats für Bildung und Forschung SBF und Berücksichtigung einer nachhaltigen Entwicklung
des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie – erforderlichen Schlüsselkompetenzen untersucht
BBT in einem Departement, wenn nicht sogar durch und ausführlich beschrieben.

30 Zukunft Bildung Schweiz – Massnahmen


Die Akademien der Wissenschaften Schweiz fügen Die Berücksichtigung dieser Aspekte soll auch dazu
diesen Arbeiten keine weitere Untersuchung oder beitragen, die im Szenario 2030 beschriebenen Ziel-
Bewertung hinzu. Sie setzen sich jedoch dafür ein, setzungen (aktive Beteiligung und ständige Weiter-
dass bildung der Bürgerinnen und Bürger, Entfaltung der
Individuen) noch stärker als bisher zu fördern.
• die Feststellungen und Empfehlungen der
Studien bezüglich Schlüsselkompetenzen bei Wie das klassische duale Bildungssystem angesichts
der Umsetzung der künftigen Bildungsstrategie der inskünftig geforderten Schlüssel- und Mindest-
berücksichtigt und bei der Gestaltung der kompetenzen abgeändert werden muss, oder ob es
Lehrpläne mit einbezogen werden, sich gar als Alleinstellungsmerkmal bestätigen
• neben den Schlüsselkompetenzen auch die für kann, ist im Rahmen des erwähnten nationalen Bil-
die gesamte Bevölkerung und ihre zahlreichen dungsprogramms zu prüfen.
verschiedenen Gruppierungen massgeblichen
Mindestkompetenzen im Sinne der Allgemein- Als konkretes Beispiel und stellvertretend für andere
bildung und Befähigung Aller systematisch Gebiete sei hier die seit Jahren andauernde Diskussion
herangebildet werden, über die Kompetenzen in den Bereichen ICT und
• die Bildungskonzepte sowohl inhaltlich als auch Medien erwähnt (siehe Abbildung 2). Trotz mehrjähri-
zeitlich einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen und ger Impulsprogramme (PPP-SiN, SVC) und zahlreicher
dem Grundsatz des Lifelong Learning entsprechen, Fachtagungen konnten die offenen Fragen zum Thema
• Aspekte der Endlichkeit von Ressourcen, der ICT und Medien – sowohl als Gegenstand der Bildung
Nachhaltigkeit von Massnahmen und Aktionen, als auch für deren Nutzung zugunsten eines modernen
der Anpassung des individuellen und kollekti- Lehr- und Lernbetriebs – bislang nicht befriedigend
ven Verhaltens und der Einschränkung des beantwortet werden. Nach Ablauf (2007 bzw. 2008)
Verbrauchs in die Lehrpläne einfliessen, dieser Impulsprogramme liegen trotz der EDK-Strate-
• Aspekte des multikulturellen Zusammenlebens gie «ICT und Medien», Educa bzw. Educanet2,
und Zusammenwirkens, der Problem- und SWITCH sowie einer Vielzahl anderer dokumentierter
Konfliktlösung sowie der Vorbeugung gegen- Implementierungen bei Bildungsinstitutionen bis heute
über Krisen möglichst früh und stufengerecht keine schlüssigen Gesamtkonzepte für ein integrales
behandelt werden. Blended Learning auf allen Bildungsstufen vor.

Professionals • Standortvorteil
• Exellence • Attraktivität
• Innovation • Produktivität
• Professionalität • Rating, Ranking
Bil
du
ng

Lehrpersonen
sw

Bevölkerung Transfer Kompetenz punkto


es

• Verantwortung • Neue Medien


en

• Kompetenz Forschung • Neue Technologien


all

• Fähigkeiten • New Learning


er

Bildung
St
ufe
n

Digital Divide,
e-exclusion:

Schwelle senken

Abbildung 2: Kompetenzen und Auswirkungen für eine Informationsgesellschaft am Beispiel ICT und Medien

Zukunft Bildung Schweiz – Massnahmen 31


Es gilt, möglichst klare Definitionen dafür zu fin- bedarf vielmehr ganz im Gegenteil vermehrter phi-
den, was stufengerechte Fähigkeiten (skills), Grund- losophischer und historischer Reflexion sowie zu-
lagen- und Anwendungswissen (knowledge) sowie sätzlicher musischer und sprachlicher Kompetenzen.
Gesinnung, Einstellung und
Fähigkeiten, Wissen und Haltung (attitude) unter ganz- Gerade in einem pluralistischen System wie der
Einstellungen unter ganzheit- heitlichen Gesichtspunkten Schweiz wird in diesem Zusammenhang die Wert-
lichen Gesichtspunkten klar beinhalten müssen. Darauf orientierung immer wichtiger. Im Zentrum steht
definieren und geeignete basierend muss festgelegt dabei die Ausrichtung auf das neue Nachhaltigkeits-
Bildungskonzepte bereitstellen! werden, welche Bildungs- paradigma, das ohne ethi-
konzepte für deren Umset- sche, ökonomische und um- Ein allgemeines Wissen-
zung bereitzustellen sind. Dieser Prozess ist weder weltwissenschaftliche Kennt- schafts- und Technikverständ-
inhaltlich, organisatorisch und technisch noch nisse und Kompetenzen nicht nis muss Teil von Ausbildung
gesellschaftlich und kulturell abgeschlossen; er umsetzbar ist. Hintergrund und Allgemeinbildung werden.
muss aber angesichts der globalen Herausforderun- muss dabei ein allgemeines
gen deutlich beschleunigt werden. Wissenschafts- und Technikverständnis sein, das so
zum integralen Bestandteil nicht nur von Ausbil-
dung in den MINT-Fächern, sondern von Allge-
Ziele und weitere Massnahmen meinbildung wird.

Neben den politisch-institutionellen und den meta- Selektion und Priorisierung der
didaktischen regen die Akademien der Wissen- Bildungsinhalte in der formellen Bildung
schaften Schweiz eine ganze Reihe zusätzlicher Allerdings machen das breite Spektrum des Wis-
Massnahmen an. Diese ergeben sich daraus, dass sens, die enorme Fülle an Themen und die weiter-
Zukunftsfähigkeit in einer informationstechnolo- hin rasante Entwicklung insbesondere in technolo-
gisch geprägten Wissensgesellschaft immer unter gischen Bereichen für die Bildung auf allen Stufen
den Prämissen einer ICT-Strategie zu stehen hat, eine gleichermassen aktuelle wie vorausschauende
wobei diese sich allerdings an den vorgegebenen Auswahl der Gebiete und Inhalte sowie deren Prio-
Zielen (Kapitel Szenario 2030) auszurichten hat. risierung innerhalb der Bildungskonzepte und
Lehrpläne erforderlich.
Qualitative Ziele
Oberstes Ziel des Schweizer Bildungssystems 2030 Im Rahmen der Umsetzung der künftigen Bildungs-
ist es, die Bedingungen für die Entwicklung strategie (Abschnitt «Nationales Bildungspro-
zukunftsfähiger Persönlichkeiten bereitzustellen, gramm») sind deshalb die Bildungsziele unter Be-
die in einer Wissensgesellschaft über genügend Lai- rücksichtigung der erforderlichen Schlüssel- und
enkompetenz verfügen, ihre Staatsbürgerschaft Mindestkompetenzen periodisch erneut zu überprüfen.
basisdemokratisch aktiv wahrzunehmen. Dazu sind
entsprechende Lern- und Bildungseinrichtungen im Mit Blick auf die Bildungsziele müssen die Lehr- und
primären, sekundären, tertiären und quartären Lernmittel, Materialien, Anleitungen, Experimente
(«Lifelong Learning») Sektor vorzuhalten. sowie das Coaching ebenfalls periodisch angepasst
werden. Dazu zählen auch die schulischen Lehr- und
Die Tatsache, dass in einer informationstechnolo- Lernplattformen mit ihren Inhalten (e-content, open
gisch orientierten Wissensgesellschaft die «Com- educational resources) und Funktionen sowie die ver-
puter- und Net-Literacy» zur vierten Kulturtechnik netzten Umgebungen, in denen sich die Akteure infor-
geworden ist, darf nicht zum Fehlschluss verführen, mieren, mit einander kommunizieren, interagieren,
diese mache andere Kompetenzen überflüssig. Es zusammenarbeiten und weitere Aktivitäten entfalten.

32 Zukunft Bildung Schweiz – Massnahmen


Es gilt, einen möglichst starken Lebens- und Pra- gang von der absolvierten zur nächst höheren Bil-
xisbezug bereits in der obligatorischen Schule dungsstufe vorzubereiten, sollten die Abgangskom-
sicherzustellen und die Relevanz der Lerninhalte petenzen auch die zu erwartenden Anforderungen
praxisorientiert nachzuwei- an die Eingangskompetenz der jeweils nächsten
Fachdidaktiker und Lehrkräfte sen. Um dies zu erreichen, Stufe berücksichtigen (Beispiel Nachweis der Stu-
sollen enger mit Organisationen empfehlen die Akademien dierfähigkeit und Qualifikation von Absolventinnen
und Experten der Wirtschaft der Wissenschaften Schweiz und Absolventen der Mittelschule durch zukünftige
kooperieren. eine enge Kooperation zwi- Auswahlverfahren an Hochschulen).
schen den Fachdidaktikern
und Fachschaften von Lehrkräften sowie führenden Das Bildungssystem der Schweiz soll weiter har-
Organisationen und Experten der entsprechenden monisiert und vereinfacht werden. Die Bildungs-
Sektoren unserer Wirtschaft, insbesondere innova- stufen sind so auf einander abzustimmen, dass
tiven, am Markt führenden Unternehmen. die jeweils nächste Bildungsstufe ihre Eingangs-
voraussetzungen mitbestimmt. Dabei muss aber
Als ein Beispiel für die erfolgreiche Durchführung der primär eigenständige Entwicklungs- und Bil-
solcher kooperativer Aktivitäten seien – stellvertre- dungsauftrag jeder Stufe
tend für zahlreiche weitere Anstrengungen zum gewahrt bleiben. Daraus Bildungspfade anpassen und
Beispiel von IngCH, NaTech Education und ande- ergeben sich für jeden Bil- Gremien des Bildungswesens
ren – die TecDays der SATW erwähnt. Im Rahmen dungspfad schlüssige, in straffen!
solcher Kooperationen können gleichzeitig neue sich konsistente Bildungs-
Bildungsinhalte identifiziert sowie Materialien, vektoren, «bottom up» ausgerichtet auf die
Experimente etc. bereitgestellt und auch finanziert Abgangskompetenzen der höchst möglichen Bil-
werden, was durch vorbildliche Engagements von dungsstufe, und «top down» als konsequent auf
Förderagenturen, Stiftungen und Projektpartnern einander ausgerichtete und zu einander kompa-
seit Jahren eindrücklich belegt wird. tible Bildungsabschnitte. Die Flexibilität des
Zugangs zu den jeweiligen Bildungspfaden und
Konsistenz der Bildungsstufen ihren Angeboten darf dabei ebenso wenig leiden
und Bildungspfade wie die Qualität und das Niveau der Bildung ins-
Ausgehend von den Zielen der Bildungspolitik, der gesamt. Dies ist unter anderem bei der Gestaltung
künftigen Bildungsstrategie sowie den stufenge- und Handhabung der Assessments zu berücksich-
recht heranzubildenden Schlüssel- und Mindest- tigen. Um dies zu erreichen, empfehlen die Aka-
kompetenzen sollten, soweit nicht z.B. im Rahmen demien der Wissenschaften Schweiz neben der
der Erarbeitung sprachregionaler Lehrpläne (PER, inhaltlichen und organisatorischen Überprüfung
HarmoS Lehrplan 21) bereits erfolgt oder ausgelöst, und Anpassung der Bildungspfade auch eine
im Sinne einer ergebnisorientierten Betrachtungs- Straffung der zahlreichen Gremien unseres föde-
weise die Abgangskompetenzen der einzelnen Bil- ralistischen Bildungswesens.
dungsstufen und Bildungspfade definiert und perio-
disch überprüft werden. Synchronisierung der Bildung
Die Konsistenz der Bildungsstufen und Bildungs-
Dabei sollten sich die jeweiligen Abgangskompe- pfade bezieht sich jedoch nicht nur auf die Über-
tenzen pro Bildungsstufe nicht nur am generellen gänge zwischen den einzelnen Bildungsstufen und
oder spezifischen Niveau gemäss dem schweizeri- auf die Passerellen zwischen den Bildungspfaden.
schen Bildungssystem ori- Sie erfordert auch die Abstimmung und Synchroni-
Bildungssystem weiter entieren. Um die Lernenden sierung der Inhalte zwischen dem operativen Lehr-
harmonisieren und vereinfachen! bestmöglich auf den Über- und Lernbetrieb an den Volks- und Mittelschulen

Zukunft Bildung Schweiz – Massnahmen 33


einerseits und der Aus- und Weiterbildung von Als «Digital Natives» lernen Kinder und Jugendli-
Lehrkräfte an den Pädagogischen Hochschulen und che somit «spielend». Dies kann zu raschen infor-
Universitäten andererseits. mellen Lernfortschritten führen, aber auch zu
Überreizung, Desorientierung oder Abstumpfung,
Die Differenzierung der Hochschultypen erfolgt und die Faszination, welcher sie in hohem Masse
über ihre fachliche Ausrichtung und ihren For- ausgesetzt sind, führt mitunter zu einseitigen,
schungs- und Lehrauftrag. Die Selektion und Prio- ungünstigen Entwicklungen. «Digital Natives» ent-
risierung der Bildungsinhalte sollte sich demzufolge wickeln nachweislich Fähigkeiten, Einstellungen
auch unmittelbar in den Lehrplänen der Erstausbil- und Verhaltensweisen, auch allgemeiner Natur, wel-
dung sowie der Weiterbildung von Lehrkräften nie- che unter bildungspolitischen Aspekten unbedingt
derschlagen, um den konsistenten Bildungstransfer zu berücksichtigen sind.
in den operativen Lehr- und Lernbetrieb an den
Schulen bis Sekundarstufe 2 zu beschleunigen. Dies Kinder und Jugendliche erwerben dadurch – und im
stellt hohe Anforderungen an die Führung und Fle- Rahmen ihrer Erziehung – laufend Vorwissen. Das
xibilität der Institute der pädagogischen Bildung informelle Lernen begleitet die formelle Bildung
und an die Fachdidaktik. während der gesamten Aus- und Weiterbildungszeit
und dauert als «Lifelong Learning» im Wortsinne
Die Synchronisierung der Bildung wird aber auch «lebenslänglich» fort. Diesem Umstand hat die for-
zu Veränderungen bei der Selektion künftiger Lehr- melle Bildung Rechnung zu
kräfte führen, indem die tragen, indem sie das infor- Das informelle Lernen beglei-
Selektionskriterien für Lehrkräfte entsprechenden Profile und mell erworbene Wissen auf- tet die formelle Bildung, und
überprüfen und anpassen! Kriterien mit Blick auf die greift, nutzt und sozusagen zwar lebenslang.
geforderten Schlüssel- und in den Dienst der formellen
Mindestkompetenzen überprüft und angepasst wer- Bildung stellt – oder zumindest sinnvoll mit ihr ver-
den, sich die Bildung künftiger Lehrkräfte entspre- zahnt. Aufgrund der unterschiedlichen Disposition
chend ausrichtet und die Selektion unter Beachtung und Konditionierung werden dabei stets beträchtli-
der Bildungsziele und Anforderungen erfolgt. Dies che Unterschiede zwischen Individuen, einzelnen
beinhaltet grosse Chancen und attraktive Heraus- Gruppen und der Gemeinschaft bestehen; sie lassen
forderungen für künftige Lehrkräfte. sich auch im Rahmen der formellen Bildung nur
bedingt «nach oben nivellieren» oder ausgleichen.
Formelle und informelle Bildung, Dies betrifft nicht nur Kinder und Jugendliche, son-
kollaboratives Lernen dern ebenso Lehrkräfte, Eltern und Erziehende.
Aufgrund der bereits starken und weiter zunehmen-
den Durchdringung unserer Gesellschaft mit multi- Ein prägendes Charakteristikum vernetzter Platt-
medialen, mobilen Hochleistungsgeräten und Breit- formen und Umgebungen besteht in der Interaktion
bandanschlüssen kommen immer mehr Kinder mehrerer Individuen in homogenen und heteroge-
bereits sehr frühzeitig mit entsprechenden Lern- nen Gruppen (Communi-
«Spielzeugen», -Geräten und -Anwendungen in ties). Dabei nehmen die Interaktionen in vernetzten
Berührung. Dadurch werden ihr Interesse und ihre Teilnehmenden auf einan- Umgebungen begünstigen
Neugier geweckt, und sie werden zur Interaktion der Einfluss und lassen sich initiatives, kreatives und kolla-
herausgefordert. Sie lernen, anderen realen und vir- beeinflussen, und sie lernen, boratives Lernen.
tuellen «Interakteuren» zu begegnen, sich in realen sowohl synchron als auch
und virtuellen Umgebungen als soziale Wesen zu asynchron zu interagieren und zu kommunizieren.
bewegen, Informationen zu beschaffen und auszu- Interaktion und Kommunikation in vernetzten
tauschen, Aufgaben zu lösen usw. Umgebungen begünstigen initiatives, kreatives und

34 Zukunft Bildung Schweiz – Massnahmen


kollaboratives Lernen sowie die Zusammenarbeit Informations- und Wissensmanagement
von Individuen und Gruppen in Schule und Freizeit. Die rasante Verbreitung und intensive Benützung
Indem sie vernetzte Umgebungen konsequent und global vernetzter Medien und Informationsplattfor-
professionell nutzt, profitiert die formelle Bildung men (Wikipedia, Google Earth usw.), sozialer Netz-
massgeblich von dieser Entwicklung. werke (Facebook usw.) und Dienste (YouTube usw.)
erfordern aus Sicht der Akademien der Wissen-
Einbezug von Eltern und Erziehenden schaften Schweiz eine klare Position der Bildungs-
Der Prozess des informellen Lernens ab früher politik bezüglich des differenzierten und kundigen
Kindheit erfordert seitens der Eltern und Erziehen- Umgangs mit Information und Wissen auf allen
den eine aktive Beteiligung. Diese betrifft sowohl Stufen. Diese muss sich sowohl in entsprechenden
die hier als Konditionierung bezeichnete Phase des Vorgaben (Lernziele, Kompetenzen) als auch in der
Weckens und Förderns von Lernorganisation äussern.
Eltern und Erziehende müssen Interesse, Neugier, Kreativi-
sich aktiv am informellen Lernen tät, Initiative, Motivation Kompetenz, Ethik, Verantwortung und die Einhal-
der Kinder beteiligen. und Selbstmotivation der tung von Regelwerken bilden dabei ebenso wichtige
Kinder als auch die persön- Kriterien für die Bildung, Erziehung und Integra-
liche und soziale Auseinandersetzung mit den tion heterogener und multikultureller Gruppierun-
«spielerisch Lernenden», ihren Geräten und Anwen- gen in einer globalen «Inter-
dungen – und mit den Auswirkungen dieser Ent- net Economy» wie Initiative, Bildungs-, Familien-, Sozial-
wicklung. Kreativität, Innovation und und Migrationspolitik vernetzt
das Eingehen vertretbarer betrachten!
Diese Auseinandersetzung darf sich nicht darin Risiken. Unter einer ganz-
erschöpfen, dass beispielsweise lediglich Filterkri- heitlichen Sichtweise ist daher eine vernetzte
terien im Web Browser angelegt werden. Sie bein- Betrachtung von Bildungs-, Familien-, Sozial- und
haltet vielmehr eine engagierte, erziehend-beglei- Migrationspolitik ebenso unerlässlich wie eine ge-
tende und unterstützende Interaktion mit den zielte und ausdauernde Kooperation der Stakeholders
Kindern und Jugendlichen sowie den Austausch von moderner Informations- und Wissensgesellschaften.
Wissen, Beobachtung und Erfahrung mit ihren Lehr-
personen, mit anderen Eltern und Erziehenden usw.

Das wiederum bietet den Lehrpersonen die Gele-


genheit, Kinder und Jugendliche, Eltern und Erzie-
hende, andere Lehrpersonen und Bildungspartner
in die jeweiligen Kontexte (Themen, Foren, Wikis,
Blogs usw.) einzubeziehen und entsprechende Com-
munities zu bilden. Dies fördert nicht nur ein
gemeinsames Verständnis über Entwicklungen,
Inhalte und Rollen punkto Bildung, Erziehung,
Zusammenarbeit, Gesellschaft und Kultur, sondern
auch die nötige Akzeptanz und den gegenseitigen
Respekt.

Zukunft Bildung Schweiz – Massnahmen 35


Road Map
Für den Zeithorizont der Betrachtung «Zukunft Bildung Schweiz», d.h. von 2009 bis 2030, lassen sich aus heutiger Sicht
folgende Schritte abschätzen – oder zumindest annehmen:

2009 • Entscheid bezüglich Umsetzung HarmoS-Konkordat; EVAMAR II, Fortführung der Diskussion des weiteren
Vorgehens

2010 • Auslösung des postulierten nationalen Bildungsprogramms durch die dafür zuständigen Departemente und
Gremien. Bestimmung der Programm-Organisation (Steuerungsausschuss, Advisory Board, Programm- bzw.
Projekt-Management, Teilprojekte), Bereitstellung der Ressourcen
• Diskussionen der politischen Parteien und der Landesregierung über die Zusammenführung der Bildungsbelange
auf Bundesebene, d.h. von SBF und BBT, in einem Departement, wenn nicht gar über die Schaffung eines eigenen
Departements für Bildung, Forschung und Innovation

ab 2010 • Implementierung der sprachregionalen Rahmenlehrpläne Primarstufe und Sekundarstufe I


(PER, HarmoS Lehrplan 21)
• Vorbereitung nationaler Forschungsaktivitäten (NFP oder NFS) zur Begleitung und Unterstützung der Arbeiten
«Bildungsstrategie/Bildungsgesamtkonzeption»
• Kooperation bzw. Zusammenführung der Lehr-, Lern- und Arbeitsplattformen (Educa, SWITCH) und gemeinsame
Nutzung ihrer Dienste

2011 • Bericht des Perspektivstabs der Bundesverwaltung «Herausforderungen 2011–2015»


• Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Innovation 2012–2016

2012 • Zusammenführung der Bildungsbelange auf Bundesebene (SBF und BBT) in einem Departement
• Einrichtung eines unabhängigen, dem Parlament rechenschaftspflichtigen Gremiums, das sich mit den
Bildungsberichten der EDK und spezifisch mit Indikatoren zur Bildungs-«Future Readiness» auseinandersetzt
• Alignment Implementierung PER/HarmoS und pädagogische Bildung
• Anpassungen MAR , u.a. Bestimmung der MINT-Fächer als Pflichtfächer
• Nutzung von Online-Diensten in Schlüsselbereichen unserer Volkswirtschaft (Bildung, direkte Demokratie,
Gesundheitswesen, Transportwesen, Versorgungsbetriebe usw.) als Gegenstand der formellen Bildung
• Unterstützung der weiteren Aktivitäten und Sicherstellung der Wissenschaftlichkeit durch ein NFP oder NFS
«Bildungsstrategie/Bildungsgesamtkonzeption»

ab 2015 • Pilotierung und Nutzung der Ergebnisse des NFP bzw. NFS «Bildungsstrategie/Bildungsgesamtkonzeption»

2018 • Future-Readiness und e-Participation zu 90% in den Volks- und Mittelschulen und zu 100% an den pädagogischen
und universitären Hochschulen vollzogen

2020 • Massnahmen gemäss NFP bzw. NFS zu 80% in den Volks- und Mittelschulen und zu 90% an den pädagogischen
und universitären Hochschulen vollzogen

2025 • Massnahmen gemäss NFP bzw. NFS zu 90% in den Volks- und Mittelschulen und zu 100% an den pädagogischen
und universitären Hochschulen vollzogen

2030 • Überprüfung des Zielerreichungsgrads «Zukunft Bildung Schweiz»; Neuausrichtung?

36 Zukunft Bildung Schweiz – Road Map


Glossar
Blended Learning Lernform, bei der die Vorteile von Präsenzveranstaltungen und E-Learning kombiniert werden
(dt. integriertes Lernen)

Blog (Weblog) Ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal

CERI Centre for Educational Research and Innovation of OECD

DeSeCo OECD-Programm «Definition and Selection of Competencies»

Digital Divide Begriff für ungleiche Verteilung der Chancen auf den Zugang zu Internet und anderen
(digitalen) Informations- und Kommunikationstechniken (ICTs)

Digital Immigrants Menschen, die vor der starken Verbreitung neuer Medien aufgewachsen sind

Digital Natives Mit Internet und anderen Medien seit Kindheit vertraute Menschen

EDK Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren

EVAMAR II Evaluation der Schweizer Maturitätsreform II

HarmoS Interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule

Iconic turn Versuche der Bildwissenschaft zur Anerkennung des strukturierenden Charakters des Bildes
(http://de.wikipedia.org/wiki/Ikonische_Wende)

IngCH Verein «Engineers Shape our Future»

Lehrplan 21 Gemeinsamer Lehrplan aller 21 deutsch- und mehrsprachigen Kantone

MAR Matura Anerkennungs-Regelung

MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik

NaTech Education Verein für die Förderung der Naturwissenschaften und des Technikverständnisses auf der
Primar- und Sekundarstufe I

NFP Nationales Forschungsprogramm

NFS Nationaler Forschungsschwerpunkt

PER Plan d’éducation romand – Westschweizer Lehrplan

PH Pädagogische Hochschule

PPP-SiN Initiative Public Private Partnership - Schule im Netz (2002 - 2007)

SVC Swiss Virtual Campus, ein Bundesprogramm der Schweizer Hochschulen (2001 - 2008)

TecDays Initiative der SATW: Techniktage an Mittelschulen

Tertiärstufe Die Tertiärstufe umfasst die Ausbildungen im Rahmen der Höheren Berufsbildung und
der Hochschulen

Wiki Hypertext-System, dessen Inhalte von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch online
geändert werden können (z.B. Wikipedia)

WTT Wissens- und Technologietransfer

Zukunft Bildung Schweiz – Glossar 37


Literaturverzeichnis
Kapitel I
Staatskanzlei Kanton Aargau, ed.: Der schweizer Föderalismus unter Effizienzdruck. Was sind die Perspektiven?
Verlag NZZ Libro, 2008, ISBN 978-3-03823-461-6

Walther Ch. Zimmerli: Die Zukunft denkt anders. Wege aus dem Bildungsnotstand, Huber, Frauenfeld-Stuttgart-Wien,
2006, ISBN 3-7193-1383-2.

Kapitel II
Dominique Simone Rychen, Laura Hersh Salganik, eds.: Defining and Selecting Key Competencies, Hogrefe & Huber
Publishers, Bern, 2001. ISBN 0-88937-248-9.

Walter Rüegg, ed.: Meeting the Challenges Of The Future, A Discussion Between «The Two Cultures», Balzan Sympo-
sium 2002, Leo S. Olschki, 2003, ISBN 88 222 5234 9.

Kapitel III
Bildungssystem CH: http://www.edk.ch/dyn/16600.php

Bildungsperspektiven
Szenarien 2008-2017 für die obligatorische Schule
Autor(en): Jacques Babel, BFS; Statistik der Schweiz; Neuchâtel, 2008.

Bildungsperspektiven
Szenarien 2008-2017 für die Sekundarstufe II,
Autor(en): Laurent Gaillard, BFS: Statistik der Schweiz; Neuchâtel, 2008.

Bildungsbericht Schweiz 2006, Schweiz. Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) Aarau, 2. Auflage 2007.

Lehmann, L./ Criblez, L./ Guldimann, T./ Fuchs, W./ Périsset Bagnoud, D.: Lehrerinnen- und Lehrerbildung in der
Schweiz. Bericht im Rahmen der Bildungsberichterstattung 2006. Schweiz. Koordinationsstelle für Bildungsforschung
(SKBF) Aarau, 2007.

Weitergehende Literatur zum Schweizerischen Bildungssystem ist zu finden in


http://www.akademien-schweiz.ch/Publikationen/IDES_Bibliografie_EDK.

Kapitel IV
Bundesbeschluss über die Neuordnung der Verfassungsbestimmungen zur Bildung, Dezember 2005.

Bundesrat, Strategie für eine Informationsgesellschaft in der Schweiz, Januar 2006.

Digital Natives (Web Sites Wikipedia, www.digitalnative.org und weitere Quellen).

EDK, Bildungssystem Schweiz, Oktober 2008.

EDK, Expertenmandat/Expertenbericht «Bildung für Nachhaltige Entwicklung», Januar 2007.

EDK, Gremienstruktur, Januar 2008.

EDK, Strategie im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) und Medien, März 2007.

Engineers Shape our Future (IngCH) (http://www.ingch.ch/).

educa.ch, Das schweizerische Bildungssystem (http://www.educa.ch/)

educanet2, Die Bildungscommunity (http://www.educanet2.ch).

38 Zukunft Bildung Schweiz – Literaturverzeichnis


European Commission, Education & Training (http://ec.europa.eu/education/).

HarmoS Konkordat (http://www.edk.ch/).

Herausforderungen 2007-2011, Bericht des Perspektivstabs der Bundesverwaltung, April 2007.

IFIP AGORA Initiative on Lifelong Learning (http://www.ifip-tc3.net/).

NaTech Education (http://www.natech-education.ch/).

OECD, Definition and Selection of Competencies (DeSeCo) (http://www.deseco.admin.ch).

OECD, Shaping Policies for Creativity, Confidence and Convergence in the Digital World.

PER, Plan d’études romand (http://www.ciip.ch/).

PISA 2006 (http://www.oecd.org/).

Projekt Deutschschweizer Lehrplan (http://www.lehrplan.ch/).

Public Private Partnership – Schule im Netz (PPP-SiN) (http://www.educa.ch/).

SATW TecDays (http://www.satw.ch/).

SF Wissen (http://www.sf.tv/sfwissen/).

Swiss Virtual Campus (http://www.virtualcampus.ch/).

SWITCH (http://www.switch.ch/).

Taddei François, «Training creative and collaborative knowledge-builders:


a major challenge for the 21st century education» (http://www.inrp.fr/).

Transfer-21 (http://www.transfer-21.de/).

UNESCO, Towards knowledge societies (www.unesco.org/).

Zukunft Bildung Schweiz – Literaturverzeichnis 39


Impressum
Akademien der Wissenschaften Schweiz
Hirschengraben 11, Postfach 8160, 3001 Bern
Tel. 031 313 14 40, Fax 031 313 14 50
info@akademien-schweiz.ch
www.akademien-schweiz.ch

September 2009

Verfasser: Prof. Dr. Dr. h.c. Walther Ch. Zimmerli, Dr. Dr. h.c. Carlo Malaguerra,
Prof. Dr. Rudolf Künzli, Markus Fischer

Review: Prof. Dr. Andreas Zuberbühler, Dr. Hans Hänni

Bilder: Fotolia, Kantonsschule Limmattal, Gymnasium Liestal

ISBN 978-3-905870-09-1