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Sophie Hack & Stephanie Kuhnen (Hrsg.

Bisse
und Küsse
© Querverlag GmbH, Berlin 2000

Erste Auflage August 2000

Lektorat: die Herausgeberinnen & Jim Baker

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form
(durch Photokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche
Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektro-
nischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Umschlag und graphische Realisierung von Sergio Vitale unter Verwen-


dung eines Photos von Anja Müller, Frauen, Konkursbuchverlag (2000)
Gesamtherstellung: Druckhaus Köthen
ISBN 3-89656-056-5
Printed in Germany

Bitte fordern Sie unser Gesamtverzeichnis an:


Querverlag GmbH, Akazienstraße 25, D-10823 Berlin
http://www.querverlag.de
To Annie Sprinkle, with love and respect
Thank you, Annie
Inhalt

Ein Tag wie frische Mangos


Ahima Beerlage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13

Rien ne va plus
Susanne Kaiser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

Spiegelungen
Antje Wagner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31

Manchmal
Maya Helmich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45

La Graciosa
Karin Rick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57

Outdoor Adventure
Regina Nössler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67

Strange Weather
Rávic . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79

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Zwischen den Tunneln
Litt Leweir . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91

Wildwechsel
Janet Michaelis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101

Die Frucht der Liebe


Diana P. Bailey . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111

Tante Dotties glühende Felder


Petra Lüschow . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121

Dita
Stephanie Kuhnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131

Trick
Rosa Welz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151

Der Spiegel
Giannina Wedde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169

Schmidt und ich


Sophie Hack . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183

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Einleitung

„Die Antwort auf schlechte Pornographie ist


nicht keine Pornographie,
sondern gute Pornographie.“
Annie Sprinkle

Es soll ja Frauen geben, die der ganze lesbische Sexkram unter-


dessen zu langweilen beginnt. In den letzten Jahren ist nahezu in
jeder Saison in irgendeinem deutschen Verlag ein erotischer Titel
erschienen, sei es eine Anthologie, ein Erzählband oder ein Ro-
man. Hand aufs Herz: Ist das Thema nicht langsam abgegessen?
Da Sie gerade die Einleitung zu einer Anthologie mit lesbi-
schen Sexgeschichten lesen, ahnen Sie vermutlich, wie wir auf
diese Frage antworten möchten, nämlich mit einem überzeugten
Ja! Es stimmt, das Thema ist ebenso abgegessen wie Liebesroma-
ne, von denen durch die Jahrhunderte viel zu viele entstanden
sind und von denen hoffentlich bald keine mehr geschrieben wer-
den, weil wir es alle so leid sind, sie zu lesen. So ist es doch, nicht
wahr?
Als 1990 im Heyne Verlag Venusmonde, eine Anthologie lesbi-
scher erotischer Kurzgeschichten, erschien, wurde diese noch mit

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Frauenliebesgeschichten untertitelt, obwohl das US-amerikanische
Original weniger verschämt Lesbian Love Stories hieß. Das silber-
farbene Buch wurde zu einer Initialzündung für deutsche Autorin-
nen. Sie beteiligten sich in der Folgezeit zunehmend daran, lesbi-
sches Begehren auch im geschriebenen Wort sichtbar zu machen.
Anfangs geschah das noch in recht schüchtern wirkender Form:
Zum einen mangelte es an einer eigenen, adäquaten Sprache,
zum anderen sorgten die Nachwehen der „PorNo“-Kampagne der
Spätachtziger für deutlich spürbare Verunsicherung. Über die
Jahre wurden die Schreiberinnen aber auch durch das wachsende
Interesse des lesbischen Publikums dazu ermutigt, der Erotik in
ihren Geschichten expliziteren Ausdruck zu verleihen. Mittlerweile
sind auch innerhalb der Lesbenbewegung umstrittene Themen wie
Sadomasochismus, Butch/Femme-Dynamiken und Transidentitä-
ten keine Seltenheit mehr.
Da in Deutschland also gerade mal seit zehn Jahren von offen
lesbisch lebenden Autorinnen erotische Literatur produziert wird,
dürfte es wohl zu früh sein, um von einer bestehenden literari-
schen Kultur zu sprechen; tatsächlich gewinnt diese eben erst an
Kontur.
Wohl aber sind wir in der Lage, erste Bilanzen über die erfreu-
lichen Entwicklungen der letzten Dekade zu ziehen. Abgesehen
vom Minimalkonsens unter Lesben, der sexuellen Präferenz näm-
lich, unterliegt eine erotische Kultur dem gleichen Wandel wie die
Welt, in der wir leben. Durch die Integration vielfältiger Impulse
aus unserer Umwelt entstehen immer wieder neue Abbilder einer
sich in steter Bewegung befindlichen Gesellschaft. Noch vor fünf-
zehn Jahren wäre etwa eine Kurzgeschichte über einen heißen
Chat im Internet reine Science-Fiction gewesen.
Nicht nur ist die lesbische erotische Literatur thematisch viel-
fältiger geworden und hat sprachlich an Deutlichkeit gewonnen,
sie expandiert auch in diverse Genres. Immer mehr Autorinnen
wagen sich von den eigenen Erlebniswelten weg und integrieren
unterschiedliche literarische Gattungen in ihre Geschichten. Ihre
Heldinnen haben Sex im All oder opulent kostümiert in der Ver-
gangenheit, beißen sich verliebt in die Halsschlagadern und trei-
ben erotische Spielchen in märchenhaften Sagenwelten. Und so
finden sich auch in diesem Band unter anderem eine Vampir-

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geschichte (Giannina Wedde), Trash (Petra Lüschow) und ein
Hard-Boiled-Krimi mit Pulp-Anleihen (Rosa Welz).
Dennoch ist weiterhin ein gewisses Mißtrauen gegen Sexge-
schichten zu bemerken, das aus der zwar oft berechtigten, aber
leider ebenso oft unterschiedslosen Ablehnung von Pornographie
überhaupt rührt. Doch selbst der einzige im engeren Sinne porno-
graphische Text in diesem Buch, Diana P. Baileys Die Frucht der
Liebe, zeigt unserer Meinung nach, daß es sehr wohl möglich ist,
fern von herkömmlicher, von und für Männer geschriebener Ein-
handliteratur pures sexuelles Vergnügen zu beschreiben.

Wenn Sie in das Inhaltsverzeichnis dieses Buches sehen, werden


Ihnen sicherlich einige Namen bekannt vorkommen. Es ist uns
darüber hinaus eine große Freude, in Bisse und Küsse einige neue
Autorinnen begrüßen zu dürfen. Sie alle zusammen haben für die
große thematische Bandbreite dieser Anthologie gesorgt, die vom
Vorspiel am Roulette-Tisch über Momente der Abscheu beim Sex
bis zu Phantasien jenseits des Wahrscheinlichen reicht.
Nein, Sexgeschichten sind keine Modeerscheinung, die irgend-
wann von einem anderen populären Phänomen abgelöst werden
oder einfach aus dem öffentlichen kulturellen Bewußtsein ver-
schwinden. Denn Sex und Erotik sind unbestrittenermaßen ele-
mentare menschliche Bedürfnisse und wichtige Bestandteile des
Lebens. Und auch von anregender Unterhaltung haben wir noch
lange nicht genug.
Wir sammeln weiter. Einsendungen an den Querverlag (Stich-
wort „Bisse und Küsse“) sind herzlich willkommen.

Sophie Hack und Stephanie Kuhnen


Berlin, im August 2000

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Spiegelungen

Antje Wagner

Antje Wagner reflektiert in Spiege-


lungen über eine mysteriöse Begeg-
nung und zeigt, daß man das Leben
nicht nur in vollen Zügen genießen
kann, sondern durchaus auch in
leeren Abteilen.
Die Autorin, Jg. 1974, ist Germani-
stin und Amerikanistin. Außer
Lyrik und Kurzgeschichten in
diversen Verlagen ist im Querverlag
ihr Romandebut Der gläserne
Traum erschienen. Sie schreibt
monatlich Kurzgeschichten für
lespress und arbeitet derzeit an
ihrem zweiten Roman.
Spiegelungen

Ich sehe die heruntergelassenen Schranken von weitem.


Der Anblick des Rot-Weiß trifft mich unvorbereitet, wie ein
plötzlicher Griff zwischen die Beine. Mein Atem geht schlagartig
schneller. Das liegt nicht am Radfahren. Ich komme vor den
Schranken an und bremse. Drei Autos warten. Die Schienen glän-
zen in der Sonne. Es ist sehr still. Sommermattigkeit. Winzige
Schmetterlinge tänzeln im Staub.
Jetzt beginnen die Drähte zu surren, und meine Nerven fangen
die feinen elektrischen Schwingungen in der Luft augenblicklich
auf. In meinen Brüsten beginnt es zu ziehen. Ich sehe nach oben,
zu den surrenden Drähten, und straffe mich, aber da streift der
Stoff des Shirts schon meine Brustspitzen, die sofort hart werden
und sich deutlich darunter abzeichnen. Es passiert schon wieder!
Die Hitze treibt Erinnerungen aus den Poren. Die Drähte surren
lauter. Da – das schrille Signal des Zuges aus der Ferne, und et-
was krampft sich lustvoll in meinem Bauch zusammen.
Es ist verrückt. Es hört einfach nicht auf. Ich schiebe die Son-
nenbrille ins Haar und sehe starr geradeaus.
Jetzt summen die Schienen, und endlich nähert sich der Zug.
Ich fange an zu schwitzen. Ich stütze mich auf den Lenker, die
Arme durchgedrückt, damit niemand mein Zittern bemerkt. Der
Zug rast vorbei, und der Fahrtwind kühlt mein erhitztes Gesicht.
Das Rattern dringt mir ins Ohr wie eine Zunge, automatisch öff-
nen sich meine Lippen, und ich seufze auf.
Es ist unglaublich. Es passiert immer wieder. Dabei ist ein Jahr
seitdem vergangen.

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Ich sehe blinzelnd in die Sonne. Das Rattern der Räder jagt mir
einen Schauer durch den Körper. Ich stehe mit dem Fahrrad vor
den Schranken in einem winzigen Dorf in Brandenburg, und die
Erregung bricht mir aus den Poren.
Das Rattern bringt alles zurück. Dabei bin ich seitdem nicht
mehr Zug gefahren. Ich wische mir den Schweiß von der Stirn.
Was ist wirklich passiert, voriges Jahr im Sommer? Was ist da-
mals nur mit mir geschehen? Ich habe es mich oft gefragt, nachts,
wenn meine Finger den Körper entlangfuhren, die Brustspitzen
umkreisten, hinunter zum Bauchnabel wanderten und tiefer, um
dann sanft in die Nässe meines Geschlechts einzutauchen. Aber
es gibt keine Antwort.
Seit dem letzten Sommer scheint eine Zunge beim Anblick ei-
nes Zuges rauh über meine Nerven zu streifen und meine Triebe
wachzulecken. Es ist, als ob mein Venushügel versuchen würde,
sich aufzubäumen. Er reibt sich ungeduldig am Stoff der Jeans,
und das gelockte Haar flüstert.
Ein langer Zug. Er rattert laut. Mein Geschlecht beginnt im
Rhythmus des Ratterns zu pochen und sondert Düfte und einen
berauschenden Nektar aus, wie um etwas anzulocken: eine Zun-
ge, einen Finger, eine Hand. Mein Geschlecht klagt. Ich presse die
Schenkel zusammen und nehme den Sattel gefangen, um das Kla-
gen zu ersticken. Umsonst. Der Zug rattert immer noch, und mein
Geschlecht klagt und lockt und tropft. Ich reibe mich leicht am
Sattel. Doch anstatt es zu beruhigen, verstärkt der Reiz nur die
quälende Begierde. Jetzt ist es also schon soweit, daß ich vor den
Schranken stehe und mich heimlich am Sattel meines Fahrrads
masturbiere. Verstohlen sehe ich mich um. Niemand nimmt Notiz
von mir.

≤•≥

Es passierte an einem Augustabend, während der Fahrt nach


Dresden. Fensterplätze waren mir schon immer die liebsten. Wenn
ich den Blick vom Buch nahm, konnte ich die Landschaft vorbei-
fliegen sehen.
Mit Begeisterung verschlang ich meine Reiselektüre, Spiege-
lungen – Eine zauberhafte Verführung. Der Titel war mir im Bahn-

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hofsbuchladen ins Auge gefallen. Ich fand ihn zwar schmalzig,
habe das Buch dann aber doch gekauft – nichts ist schlimmer als
Langeweile auf einer Zugfahrt. Glücklicherweise war ich allein im
Abteil. Ich hasse nervende Mitfahrer. Bis auf das Rattern des Zu-
ges war es ganz still.
Der Zug fuhr in den Bahnhof Zoo ein. Als er nach einer Weile
wieder anrollte und niemand mein Abteil betrat, atmete ich auf.
Der nächste Halt würde erst in Dresden-Neustadt sein. Es blieben
also zwei ganze Stunden, in denen ich mich den zauberhaften
Spiegelungen widmen wollte.
Die Abteiltür öffnete sich. Ich stöhnte innerlich auf. Ver-
dammt. Warum, dachte ich, kann der nicht ins nächste Abteil ge-
hen? Um gleich klarzustellen, daß ich keine Lust auf Gespräche
hatte, legte ich das Buch auf den Sitz neben mir und schloß die
Augen. Als ich sie kurz darauf wieder öffnete, sah ich demonstra-
tiv aus dem Fenster.
Im Glas spiegelte sich die Gestalt einer Frau. Mein Ärger löste
sich augenblicklich auf. Mein Blick ging anerkennend über die
Erscheinung. Wer sollte auch vermuten, daß ich gar nicht aus
dem Fenster sah, sondern ein Spiegelbild anstarrte? Ich musterte
die Figur, die Kleidung und die Gesichtszüge. Eleganz ging von
ihr aus. Und Kühle. Das Kostüm, die hochgesteckten Haare, die
dünnen, brombeerroten Lippen – alles strahlte Unnahbarkeit
aus. Selbst die zarte Statur milderte den Eindruck von Härte
nicht.
Plötzlich wandte sich das Spiegelbild mir zu. Unsere Blicke
trafen sich auf dem Glas. Die Augen der Frau glänzten auf. Ich
zuckte ein bißchen zusammen. Diese Direktheit. Ihre Augen wa-
ren außergewöhnlich hell, ein Grün, das fast ins Gelb ging. Ich
mußte an eine Katze denken. Katzen haben tagsüber grüne Au-
gen, aber nachts werden sie gelb und blitzen auf, wenn Licht dar-
auf fällt. Hastig senkte ich den Blick. Da bemerkte ich, wie meine
Hand, die ich eben noch im Schoß gehabt hatte, sich wie von
selbst über den Sitz neben mir auf das Buch zubewegte, ganz so,
als sei es nicht meine eigene, sondern eine fremde, sah, wie die
Finger verspielt über das Cover strichen und schließlich auf dem
Titel zur Ruhe kamen. Verwirrt zog ich sie wieder auf meinen
Schoß zurück.

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Der Moment, ein Gespräch zu beginnen und die üblichen Flos-
keln auszutauschen, war gekommen und vergangen. Das Schwei-
gen ballte sich im Abteil.
Ich sah, wie die Lippen der Frau sich öffneten, ihre Finger in
voller Länge einsaugten und sie mit der Zunge umspielten. Brom-
beerrote Lippen und eine nasse Zunge. Ein Biß scharfer Zähne
und ein gelbes Aufglänzen der Augen. Das Blut stieg mir ins Ge-
sicht, und ich wendete den Blick ab. Aber ich hatte ja nur phan-
tasiert. Nichts, was schämenswert wäre. Also hob ich den Blick
wieder und sah in das sich spiegelnde Gesicht der Frau.
Sie beobachtete mich noch immer. Ihr Mund verzog sich jetzt
zu einem Lächeln, dünnlippig und spöttisch jedoch, eins von de-
nen, das die Züge nicht weicher und die Augen nicht wärmer
machte.
Sie bewegte die Augen langsam über mein Spiegelgesicht. Sie
ließ keine Stelle aus dabei. Das war ein Einbruch in meinen Si-
cherheitsbereich! Jeder Blick in die Augen eines anderen Men-
schen, der über fünf Sekunden hinausging, war eine Provokation
oder ein Angriff. Ein Angriff? Und was tat man in so einer Situa-
tion? Sollte das vielleicht ein Spiel sein, überlegte ich. So wie das
Indianerspiel früher: Wer zuerst blinzelt, spricht oder den Blick
abwendet, hat verloren? Bitte – an mir sollte es nicht liegen! Ich
würde den Blick bestimmt nicht als erste senken.
Es war still. Aber Schweigen gehörte dazu. Plötzlich wußte ich
es: Schweigen gehörte dazu.
Mit einer fast lässigen Bewegung zog die Frau die Vorhänge
an der Abteiltür zu. Sommerabende werden fast minütlich dunk-
ler, und das Abteil wurde nur noch vom Licht der zwei Leselam-
pen erleuchtet.
Minuten vergingen. Langsam wurde mir die Sache unheimlich.
Da war diese plötzliche innere Unruhe. Weder konnte ich mich
richtig konzentrieren, noch den Blickkontakt mehr halten. Meine
Augen fingen an zu brennen. Es war Zeit, das Ganze abzubre-
chen. Ich blinzelte ins Glas. Ich würde mich jetzt bewegen, die
Beine übereinanderschlagen, die Haare aus dem Gesicht streichen
und etwas sagen. So etwas wie: Ganz schön heiß heute, ja? Oder:
Fahren Sie auch bis Dresden oder noch weiter? Ich sank tiefer in
meinen Sitz. Kein Wort brachte ich über die Lippen. Meine Glie-

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der waren schwer. Was sollte das? Ich war spritzige dreißig und
keine achtzig!
Die Frau legte den Zeigefinger neben den Schalter der Lese-
lampe. Das Rattern des Zuges machte mich plötzlich nervös. Mein
Mund wurde trocken. Der Finger umkreiste den Knopf. Mein Herz
schlug härter. Der Finger drückte zu. Das Licht erlosch. Jetzt
leuchtete nur noch mein eigenes Lämpchen.
Alles, was die Frau tat – das Zuziehen der Vorhänge zum Bei-
spiel, das Übereinanderschlagen der Beine, das zugegebener-
maßen etwas langsame Zurechtstreichen des Rockes –, waren
doch ganz gewöhnliche Dinge. Trotzdem. Es lag etwas in der Luft.
Ich wurde das unbehagliche Gefühl nicht los, daß hier etwas ganz
und gar Merkwürdiges stattfand.
Die Frau griff in ihre Handtasche und brachte eine Packung
Zigaretten zum Vorschein. Als sie die Schachtel in den Fingern
drehte, fühlte ich eine Hand fest über meinen nackten Oberarm
streichen. Alle Härchen dort stellten sich auf. Eine Hand auf mei-
nem Arm – meine Phantasie ging offenbar mit mir durch! Der
Zug ruckelte ein bißchen.
Um die Folie zu öffnen, die die Schachtel umschloß, zog die
Frau an der dafür vorgesehenen Plastikschlaufe. Die Folie riß ein.
Rund um die Schachtel. Etwas strich über die Knopfleiste meines
Hemdes, etwas, das sich nach einer Handkante anfühlte! Ich spür-
te genau die Wärme von Haut durch den Stoff. Mein Körper
beugte sich der Berührung begehrlich entgegen. Ich hielt er-
schrocken inne, als ich bemerkte, wie nicht nur meine Lippen,
sondern auch meine Schenkel sich einen Spalt weit öffnen woll-
ten. Ich war verlegen. Die Frau hatte das Oberteil der Folie noch
nicht entfernt.
Meine Hände gingen nervös über die Knopfleiste. Aber natür-
lich war dort überhaupt nichts. Die Frau hob den Blick von der
Schachtel, heftete ihn wieder aufs Fensterglas und sah mir genau
in die Augen. Ein katzengelber, spöttischer Blick. Ihre Finger glit-
ten rhythmisch über die zweigeteilte Folie und über den Riß. Und
als ob sie nicht mir gehörten, begannen meine Hände sich zu be-
wegen und Knopf für Knopf an meinem Hemd zu öffnen. Sie ta-
ten es langsam und in demselben Rhythmus, in dem die Frau die
Folie streichelte und sie allmählich abzog. Ich sah wie paralysiert

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ins Zugfenster und auf die gespiegelten Hände der Frau. Meine
eigenen Hände fuhren fort, sich zu bewegen.
Die Frau verfolgte jede Regung im Glas. Kein Wort fiel. Nur ei-
ne Schweißperle rollte von meinen Brüsten zum Bauch. Es war
heiß. Die Luft war satt vom Schweigen. Ihre Lippen verzogen sich
wieder zu einem hintergründigen Lächeln.
Als die Folie abgezogen war, saß auch ich mit offenem Hemd
da. Die Frau legte die Schachtel auf den Sitz. Meine Hände waren
still. Der Zug wurde ein wenig langsamer.
Sie öffnete die Lippen kurz, und eine spitze Zunge kam zum
Vorschein, fuhr in einen Mundwinkel und verschwand dann wie-
der. Als sei dies ein Signal gewesen, bewegten sich meine Finger
zu meinen Lippen. Ohne den Blick von mir zu nehmen, griff die
Frau wieder nach der Zigarettenpackung, öffnete sie und strich
langsam über die Deckelinnenseite. Simultan öffnete mein Zeige-
finger meine Lippen und berührte das weiche innere Fleisch und
die Schneidezähne. Ich versuchte zu ignorieren, wie gut es sich
anfühlte, was die Finger taten, aber mein Körper achtete darauf,
und ich seufzte. Sofort legte die Frau die Schachtel wieder weg.
Meine Hände hielten im selben Moment inne und glitten auf den
Sitz zurück. Die Frau sah jetzt wieder auf das Buch.
Als ich wieder Freiheit in meinen Gliedern spürte und mich
gerade regen und verlegen räuspern wollte, hob die Frau den
Blick vom Titel, griff wieder nach der Schachtel und zog eine Zi-
garette heraus. Es war alltäglich, trotzdem zuckte ich zusammen.
Sie steckte die Zigarette gemächlich wieder zurück, nur um eine
neue hervorzuziehen. Das Spiel wiederholte sich einige Male, ja,
die Frau schien allmählich Spaß daran zu finden, weil meine
Hände, sobald sie eine neue Zigarette hervorzog – aufreizend
langsam jedesmal, um die Reibung an der Innenseite der Schach-
tel auszudehnen –, von meinem Hals in das geöffnete Hemd bis
zum Nabel und wieder zurückglitten. Mein Körper erschauerte
lustvoll. Die gelben Augen im Fenster ließen mich nicht los. Vom
Hemd noch verdeckt, reckten sich meine Brüste bettelnd einer
Berührung entgegen, aber ich konnte meine Hände nicht lenken.
Die Frau sah alles.
Die Ader an meiner Kehle begann zu pochen. Mein Kopf wur-
de heiß. Meine Brüste waren geschwollen, mein Geschlecht eben-

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falls, und ich rutschte auf dem Sitz hin und her. Warum tat diese
Frau nichts? Es war verrückt; ich war erregt. Ich wollte Hände,
die meine Brüste umfaßten und zusammenpreßten, Lippen, die
sich um die Spitzen schlossen, einen Griff zwischen meine Beine.
Ich spürte die Feuchtigkeit dort, und die Lust krampfte sich in
meinem Unterleib zusammen. Faß mich an, flehte ich innerlich,
bohr mir die Nägel in die Haut, schlag die Zähne in meine Kehle
– nur tu irgend etwas!
Die Frau aber blieb gleichgültig.
Nach einer Weile wanderte der gelbe Blick zu meinen Brüsten.
Man konnte sie ein wenig durch den Spalt im Hemd sehen. Die
Augen lagen reglos auf dem Streifen Haut und gingen schließlich
zu meinen Händen, die sich folgsam hoben und den Ausschnitt
öffneten.
Die Frau legte die Zigarettenschachtel fort, hielt die Hände ru-
hig im Schoß und tat nichts. Ich saß zwei Meter entfernt. Reglos.
Mit entblößten Brüsten, schwer vor Erregung. Sie sah sie an.
Dann ging der Blick tiefer, zum Bauch erst. Schließlich ruhte er in
meinem Schoß. Lange. Mein Geschlecht öffnete sich von allein.
Öffnete sich und schloß sich. Bebte. Berühr mich, bettelte ich
wortlos, schieb mir deine Hand zwischen die Beine, leg die andere
in meinen Nacken und küß mich! Krall dich fest! Beiß mir Zunge
und Lippen wund, treib deine Finger in mich, öffne mich! Nichts.
Nur gelbe Augen, die mich abtasteten. Ich würde das nicht mehr
lange aushalten. Ich mußte mich bewegen. Ich mußte mich
berühren. Mir war alles egal. Sogar mein Anblick. Wenn sie
nichts tat, mußte ich, so leid es mir auch tat, auf sie verzichten
und mich ohne sie von dieser Spannung erlösen.
Ich bewegte meine Hände Richtung Schoß. Aber etwas Kraft-
volles zog sie plötzlich von meinem Körper weg und in die Höhe,
sie blieben rechts und links neben meinem Kopf an der Lehne lie-
gen. Mein Herz pochte im Hals. Eine Fessel rieb an meinen Gelen-
ken. Das Glas spiegelte nur das dünnlippige Lächeln der Frau.
Dann kam das Lachen. Leise, rauh und zweideutig. Ich spürte die
unsichtbare Fessel auch an den Fußgelenken.
Die Frau führte die Zigarette zum Mund und sah mich unver-
wandt dabei an. Als ihre Lippen den Filter umschlossen, strich ei-
ne Zunge über meine Kehle. Ich seufzte und bewegte mich. Die

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Zunge ließ sich nicht abschütteln. Meine Hände waren immer
noch gefesselt. Die Zunge wanderte zur Halsschlagader und ver-
harrte dort. Ein Lippenpaar strich fest über die blutvolle Stelle.
Unvermittelt wurde die Haut zwischen die Lippen gesaugt. Ich
spürte den leichten Biß spitzer Zähne.
Im Fensterglas war nichts zu sehen. Ein freier Hals nur, ein of-
fenes Hemd, und zwei Meter entfernt – die Frau. Keine Zähne,
vor allem nicht an meiner Kehle. Sie hielt das Feuerzeug in der
Hand, die Zigarette zwischen den Zähnen und lächelte nicht
mehr. Die Zähne gingen meinen Hals hinunter, zu den entblößten
Brüsten. Ein warmer Atem strich über meine Haut. Eine Zunge
schnellte hervor und streifte die Spitzen. Die Berührung war
flüchtig, ein Flattern nur. Ich wand mich darunter. Die Fessel
hielt meinen Körper. Die Zunge wanderte meinen Bauch hinab
und spielte mit dem Nabel. Von dort aus schien es eine hochemp-
findliche Verbindung zu meinem Inneren zu geben. Ich schloß die
Augen. Die Frau ließ mich gewähren. Die Zunge drängte sich in
meinen Nabel und glitt dann abwärts. Ich konnte meine Kleidung
nicht mehr spüren. Eine Hand legte sich auf mein Knie. Ich preßte
die Schenkel zusammen. Ihr Atem war sehr nah an meinem Ohr.
Der Zug pfiff.
„Spreiz die Beine!“
Ich reagierte nicht. Da ging die Zunge feucht in meine Ohrmu-
schel hinein und stieß zu. Ich stöhnte unter jedem Stoß. Eine
zweite Hand legte sich auf das andere Knie. Ich spürte die Zunge
im Ohr bis weit ins Rückenmark. Die zwei Hände schoben meine
Schenkel mühelos auseinander. Ich spannte die Muskeln an, doch
die Beine ließen sich nicht mehr schließen. Als wäre ein Keil da-
zwischen.
„Verkrampf dich nicht. Laß mich dich ansehen.“
Mein Protest zerschmolz einfach. Ich spürte ihren Blick zwi-
schen meinen Beinen.
So plötzlich, wie ihre Zunge ins Ohr getaucht war, verschwand
sie wieder. Der Atem, die Stimme, die Hände an meinen Knien –
alles war fort. Zwischen meinen Beinen aber pulsierte es. Ich lag
geöffnet auf dem Sitz, die Arme waren noch immer an der Kopf-
lehne fixiert. Sie durfte mich jetzt auf keinen Fall allein lassen.
Ich zitterte vor Erregung. Ich war nichts als eine aufgebrochene

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Vulva, naß und geschwollen. Ich hungerte nach einer Zunge, die
in mein Fieber tauchen und die Hitze heraussaugen sollte.
Nichts geschah. Diese Stellung würde ihr erlauben, alles zu se-
hen: die glitzernde Feuchtigkeit in den dunklen Haarlocken und
die rosigen Lippen, die sich bereitwillig ihrem Blick öffneten. Eine
Hand strich über meine Bauchdecke und wanderte tiefer. Finger
bewegten sich durch das Haar und öffneten die Lippen. Dann ver-
hielten sie, und ich wußte, daß sie mich betrachtete. Lange. Ich
verging gleich. Ich seufzte vor Leere.
Endlich spürte ich eine Berührung an dem feuchten Eingang.
Eine Zunge tauchte hinein. Ich bebte. All meine Muskeln spann-
ten sich an, um die Fesselung zu sprengen und den Unterleib der
Zunge entgegenzuheben. Die Zunge zeichnete eine feuchte Bahn
bis zur Klitoris und zurück. Sie ging die Innenseiten der Scham-
lippen entlang, ließ keine Stelle der rosenfarbenen Hautfalten aus
und befeuchtete sie ausdauernd und vollständig. Nun strich die
ganze Zungenoberfläche über den Spalt. Sie fühlte sich rauh an;
sie erinnerte mich an eine Katzenzunge. Die Frau ließ die Zunge
über und unter die Schamlippen gleiten, bohrte sie in die Öffnung
hinein, zog sie wieder heraus, rieb sie an der Klitoris, umkreiste
sie, traktierte sie, saugte daran, beruhigte sie wieder, indem sie
langsamer und sanfter wurde, nahm die Lippen zur Hilfe, die die
Klitoris fest umschlossen und zwischen die Zähne saugten, um
die so Gefangene mit der Zunge wieder aufzureizen, diesmal mit
schnellen, flatternden Bewegungen. Ich krümmte mich. Ein Fin-
ger schob sich in mich. Ein zweiter tauchte ein. Mein Atem ging
stoßweise. Mein Fleisch begann zu zucken. Gleich würde ich die
Kontrolle verlieren.
Als könnte die Frau meine Gedanken lesen, ließ sie abrupt ab
von mir. Ich blieb mit meiner Nässe allein und keuchte auf. Nicht
aufhören, dachte ich zitternd, nicht jetzt, wo mein Geschlecht
schon angefangen hatte, sich von selbst zu bewegen, und die
Vorbeben bereits anrollten. Der Orgasmus zog sich langsam wie-
der zurück. Tu mir das nicht an, flehte ich wortlos und begann
fiebernd, an den Fesseln zu reißen. Hätte ich doch wenigstens die
Schenkel zusammenpressen können, sie lockern, wieder zusam-
menpressen, mich an meinem eigenen Fleisch reiben! Aber die
Beine ließen sich einfach nicht schließen. Ich sollte offen bleiben.

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Weit gespreizt. Ich wand mich wie wahnsinnig; meine Hand- und
Fußgelenke brannten. Die Frau lachte leise. Ich schluchzte vor
Enttäuschung auf.
Ein fester Griff an meinen Schenkeln! Finger auf den Brüsten
und in meinem Mund. Daumen auf den Brustwarzen. Zähne in
der Seite. Zungen in den Achselhöhlen, im Ohr, im Mund, unter
meiner eigenen Zunge, an den Füßen. Zungen und Finger überall.
Nur nicht zwischen den Beinen. Wieviele Leiber waren um mich?
Wieviele Zungen bewegten sich über die Innenseiten meiner
Schenkel nach oben? Wieviele Hände griffen nach meinen Beinen
und zwangen sie weiter noch als zuvor auseinander? Automatisch
rutschte ich nach unten und nach vorn. Meine Vulva blieb allein.
Keine Berührung dort. Bitte, schluchzte ich wortlos, bitte. Meine
Hilflosigkeit machte mich immer hysterischer, und es war mir
egal, welchen Anblick ich bot, Hauptsache, etwas oder jemand
faßte mich endlich an. Ich wollte, daß jemand mein Geschlecht
berührte, mich rieb, in mich eindrang, und ich reckte mein Becken
in die Höhe, aber umsonst, denn dort war nichts. Mein Keuchen.
Ich spürte, wie Tränen der Enttäuschung aufstiegen.
Zwei Hände schoben meine Hinterbacken auseinander und ho-
ben mich an. Eine Hand drückte mich bestimmt auf den Sitz
zurück, und erschreckend deutlich spürte ich einen Finger in das
winzige rosige Loch eindringen, langsam, schmerzhaft wie ein
Dorn. Aber das war ein Schmerz, den ich so nicht kannte. Er war
zweideutig: Ich wollte ihn lossein und doch noch viel mehr da-
von. Ich hielt den Atem an und fühlte diesem Finger nach, wie er
sich tiefer schob und sich kreisend zu bewegen begann, wie ein
Muskel sich dort erst spannte und dann entspannte, und ich
lauschte auf das tiefe, dunkle, unbekannte Gefühl, das diese Fin-
gerstöße auslösten.
Unwillkürlich bewegte ich mein Becken langsam hinauf und
hinunter, daß der Finger tief und flach glitt. Der Schweiß begann
sich zwischen meinen Brüsten zu sammeln. Meine Vulva schwoll
an. Anders als sonst. Unanständiger. Gieriger. Etwas Fremdes
wuchs zwischen meinen Beinen, etwas, das nicht mit meiner ver-
trauten häuslichen Lust vergleichbar war. Ich hob eine Hand von
der Kopflehne. Keine Fessel mehr! Die andere Hand blieb fixiert.
Ich legte einen Finger auf meine Klitoris und strich darüber hin-

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weg. Der fremde Finger in dem rosigen Loch veränderte meine
Lust, variierte sie, und die Berührung an der Klitoris fühlte sich
anders an als sonst. Die Frau im Fenster sah auf meine Hand und
dann auf meine Lippen, und folgsam führte ich einen meiner
Finger sanft in mich ein, zog ihn wieder heraus, steckte ihn in
den Mund und saugte. Ihr leises Lachen höre ich nachts immer
noch.
Dann legte ich den Finger zurück auf mein Geschlecht und be-
gann mich rhythmisch zu reiben. Meine Hand wurde sofort wie-
der fortgerissen.
„Mach es langsam, und zeig mir alles genau dabei, sonst ver-
biete ich dir, dich anzufassen.“
Ich zog mit zwei Fingern die rosigen Lippen auseinander, daß
der runde Eingang sichtbar wurde. Dann legte ich einen Finger
auf die Klitoris und glitt darüber, aber nicht zu oft und nicht zu
schnell, denn ich wollte die Frau nicht verärgern, und mit leisem
Bedauern ließ ich ab und strich mit dem Daumen abwärts, bis zu
dem anderen Loch, aber langsam, langsam und im Rhythmus des
Ratterns. Trotz allem fühlte ich mit Panik, wie mir die Hand wie-
der weggezogen wurde, aber dann bemerkte ich einen anderen
Daumen, der über mein offenes Geschlecht strich, sich langsam in
mich versenkte und wieder auftauchte, um tiefer noch in mich
hineinzutreiben.
Das war das Ende.
Mein Körper reduzierte sich einzig auf mein Geschlecht, das
sich bei jedem Stoß um den Daumen schloß und öffnete, schloß
und öffnete. Ein Feuerzeug klickte. Und im Rattern des Zuges
fühlte ich, wie es mir kam. Ein Krampf wie eine Faust in meinem
Unterleib, die sich ballte, losließ, ballte, losließ. Ein Orgasmus an
der Grenze zum Schmerz. Ich sank in mich zusammen.
Die Frau war nicht mehr zu spüren. Es war merkwürdig still.
Ich öffnete die Augen lange nicht. Dann bewegte ich mich
vorsichtig. Ich hob die Lider. Ich sah nicht ins Fensterglas. Ich sah
sofort auf den Platz der Frau.
Er war leer.
Auf dem Boden lag eine glimmende Zigarette.

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≤•≥

Der Zug rattert in der Ferne. Die Schranken heben sich quiet-
schend. Die drei Autos rollen an. Aus dem letzten sieht lächelnd
eine Frau zu mir und flüstert etwas mit den Lippen in die Luft. Es
sieht aus wie „tolle Augen“. Ich schiebe die Sonnenbrille von der
Stirn auf meine Nase zurück und grinse ein dünnlippiges Grinsen.
Grün sind sie, denke ich, als ich anfahre. Im Dunkeln fast
schon gelb.

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