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1.

©oet^es
g^ragmente Dom etoigen ^u'Om unb
t)om töiei)er!e]^rent)en ^eilant)"

din Beitrag 3ur ©efd)id)te

ber religiöfen JJragen in ber 3ßit ®oett)C6

3. SKinor

Mf«/o Herum crudfigi

(Stuttgart unb 93er(in 1904


Alle atec^te uoTÖe^nlten.

^utf bn Union 1tui\d)t V<xlai%ii]ta\i)a\i In eiultgarl.


Sluguft Sauer,

bem g^iceuttbe in ber alten unb in ber neuen Söelt,

in Xreue.
r hr r t

;eit jel^er l^at man ben eraigen ^ubcn in einem


3ltem mit ben größten bid^terif(|en ^aten unb
3lbfid^ten @oet^e§ genannt. Unb bo($ finb unö nur
abgeriffene, jnfammenl^angölofe Fragmente erfialten.

3lber einzelne ©teilen barauä raerben mit dtt^t gu bem


§ö(^ften unb ©d^önften gejäf)(t, maö wir oon ©oettieö
^anb befi^en. 9^ie mieber tft e§ einem ®id^ter gcs

lungen, ein paar l^unbert gerftreuten 33erfen fo fefir ben


©tempet feines ©eifteö aufjubrücfen.

®iefe einl^ellige Seraunberung ift umfo auffallenber,


alö unö ba§ ^fiema beä ©ebid^teä (leute bod^ f($on red^t

fern liegt, ^ie ^ird^engefd^id^te, baö Seben unb bie


Setire ber ©eifttid^en maren für bie ^inber be§ 18. ^af)X''
{)unbertö norf) fragen üon allgemeinem ^ntereffe, für
bie fogar ^riebrid^ ber ©ro^e, ber ^^reunb ^^ottaireö,
3eit unb SJJu^e aufbrad^te, ©id^ in biefen fragen
Älarl^eit ju uerfd^affen ober raenigftens eine eigene
aJieinung ju bilben, mar für ©laubige mie für Uns
gläubige ein ©ebot ber fittlid^en unb geiftigen SSilbung.

©troa beö^alb aber, meil aud^ ber ^id^ter unferer f^rags


mente fo tief in ber SJiitte biefer feine 3^^^ bemegen;
ben, unö aber fremb gercorbenen fragen ftetit, ift

uns heutigen auä} i^x 58erftänbni§ nid^t mti)x fo leidet


VI SBoTOort.

iu crfd^tie§en. Tlan wirb mir am ©d^tujfe bic[eö


33üd^lcinö oielleid^t nid^t unrecht geben, menn i^ fage,
baB bie Fragmente com ©totgen ;3iuben btäl^er niemals
ganj rid^tig, in ber Flegel fogar ganj unrid^tig »er-
ftanben roorben finb, weit man eö thm cerfäumt l^at,

bei i^rer ©rflärung bie tfieologifd^en ^citfroö^« «nb


bie fulturgefd^id^tlid^en 3Sorau§fefeungen beä ^rebiger=
ftanbes l^eranäujiel^en. SBenn trofebem jebermann bie
©eroalt biefer ^e^en gefül^It unb niemanb bas Soeben
bes ©oett)if(^en ©eifteö üerfannt l^at, fo ift baä gugleid^
aud^ meine 5Äed^tfertigung unb ein Seroeis bofür, ba^
biefc Fragmente roirftid^ eine fo ausfül^rlid^c 33etrad^=
tung oerbienen, roie id^ fie i^nen ^abc ju teil roerben
laffen.

©ö roirb il^nen aud^ l^eute an Scfern nid^t fel^len,


roeniger als je. SBir khen ja roieber in einer S^it ber
©fijjen unb j^rogtnente; unb roer fid^ ctroa ben fd^üd^s
tcrnen Ginroanb erlaubte, bafe in biefem gJunft ^eute
öiellcid^t bod^ mand^mat ju üiel gefd^c^c, ber l^at ja
oft genug bie fetbftl^errlid^e 3lntroort ju l^ören befoms
men, ba§ unferc moberncn ©id^ter eben in ein poar
2)ufeenb S3erfen ebenfooict ju fagen roüfeten, roie bie
3llten in einem ganjen 33anb. Sffi es aber roirflid;

einem unferer S^it gelungen, feine oolle ^crfönlid^feit

unb feine ganjc 5lunft in einem 2^orfo oon bem Um*


fang unferer (Fragmente auSjufpred^en ? .^ier liegen fie;

mon Icfe fie nod^ einmal unb lege ctroaö ©leid^cö aufi
unferen 2^agen baneben.

Sien, ben 81. 9Rärs 1004.


Jn l| a l !.

I. l^örgcrrfiidife. Btiit

1. 2)ag SSoIf§6ud^ unb bcr Slotnan oom ©inigcn


Suben 1

2. 3)cr roieberfel^rcnbc ^cilanb 10


3. 2)tc geiftlid^en Slomonc 22
4. SBerborbcne Äitd^cnjeit 34

II. ^le ®»«f^|irrfiBn Sragmcnfe.


1. @ntftel^ungägefcf;i(i^tc 47
2. S)ie Fragmente (Xcjt) 51
3. ^ßoraripomcna . 147
4. ©prad^c unb 93er§ 163

III. ltai(i0Br<litrf|ti».

1. 2)er itaCtenifd^c ^lan 178


2. a)er ^lon in SJid^tung unb Sal^rl^eit ... 194
3. Xa natumiffcnfc^aftric^e ^lan. Sluäfrang . . 206

3lninerfungen 212
I. "BtfV^t^^x^U.

t ^as Bolftsbuifr unb ber Boman oom (Erotgen


Rubelt.

Jie gigur bcä ©roigcn ^uben roax ©oetfie feit frül^er

[^ ^ugenb^) auä betn 33ol!sbud^^) geläufig, baö feit

bem ;3a^re 1602 in oielen Druden erfd^ienen ift. 2ltä


SSerfaffer nennt fic^ ein geraiffer ©ubuläuä aus 2Beft=

falen; er beruft ftd^ aber raieber auf ben Serid^t beä


fd^teöwigifd^en S9if($ofö ^aut von ©i^en, ber ben ©roigen
;3uben fetber in igamburg gefe^en fiabcn raitt').

®er ^elb beä 3SoIfäbu($eä ift ein ©d^ul^tnad^er


namenö H^aöoeruä, ber, atö ©iferer befannt, oon ben
^oi^enprieftern unb ©(^riftgetel^rten gegen 6t)riftus auf=
gel^e^t wirb. @r fielet in il^m nur einen ^efeer unb
SSerfü^rer beä ^ßolfeä unb tut fein 58eftes, ba^ biefer

2lufrü^rer »erfolgt werben möge. ®r l)ilft felber hei


ber ©efangennelimung mit, ruft bas „^reujige!" mit
bem e^or unb ift aud^ bei ber SSerurteilung zugegen.
S)ann aber läuft er fd^neU nad^ ^aufe, um baä ^au^-
gefinbe oufmerffam ju mad^en, ba^ fie ßfiriftuö mit bem
5lreu5 üorüberjiel^en felien möd^ten. @r l^ebt fein fleineä

^inb auf ben 2lrm unb tritt üor bie ^üre. 2llä ß^riftuä

fid^ im SSorübergel^n ermübet an fein ^auö le^nt,

rceift er il)n mit rollen ©d^eltmorten fort, ßl^riftuä


aJlinor, (Stoet^ieS ewißer 3ube. 1
2 3)cr (gnjigc ^ube.

füc^t il^n ftor! an unb fagt: „^^ toiH fiel^en unb rul^en,

bu ober follft getien" (in fpäteren Druden fd^on mit


bcm 3"föfe: //^i^ «" i'ß" Süngften ^ag!")- 3Son ba
ab finbet 2l|aöoeruö feine S^iul^e mefir im ^au§. @r
fe^t fein ^inb nieber unb begibt fid^ gur ^inrid^tung.
9?ad^ biefer bulbet es i§n aud^ nid^t mel^r in ^tm^
farem; er »erläßt SBeib unb ^inb unb jiel^t fort in
frembe Sänber, in eines nad^ bem anbern. 3^ad^
ctlid^en l)unbert ^al^ren fielet er bas Sanb feiner ^ugenb
ttjieber, i^^rwfolem ober fo §erftört, ba§ er es gar nid^t
roiebererfennt. 2lud^ an anberen Orten roirb er ges

fef)en; aber nirgenbs barf er lange bleiben, er mu^


gleid^ toieber fort, ©r üerftef)t eines jeben Sanbes
©prad^e unb bebarf feines ©elbes, roeit er feft barauf
vertraut, ba§ @ott il^n rool^I oerforgen merbe, nad^bem
er feine ©ünbe bereut unb raas er getan @ott ah
gebeten fiabe. ©tili unb eingesogen lebt er für fid^,

rebet nlir gefragt, lad^t nie unb fann nid^t ftud^en

F)ören ; bie glud^enben oermeift er auf bas bittere Seiben


unb (Sterben (E\)xi\ix, bas er mit angefel^en \)aht. 3Bas
©Ott mit if)m oor^abc, ba§ er i[;n fo lange leben laffe

ob er i^n oieHeid^t bis jum ^üngftcn 2:age als einen


lebenbigcn 3ß"9ß» ^cs Seibens ßlirifti ju mcl^rcrer

überjcugung bcr ©ottlofcn unb Ungläubigen erlialten

motte, fei i^m unroiffenb. (5r f einesteils möd^te lieber,

ba§ ifin @ott aus biefcm 3ö"i"^»^J^töl jur 9iu^e abs

forbertc!

2)icfer ©cufiier ift ber cinjige tragtfd^e fiaut in bcm


ganjen 33otfsbud^, bcffen bilrrcr unb trocfcncr 5öcrid;t

fonji niemals an bic tieferen Saiten rül)rt. Sßebcr bie


Dual bes cmigen SBanberns, nod^ bas 6d^ulbbemu§t*
2)ic SBoKäbüd^er. 3

fein, raeber bcr ©ebanfe an bie SSergänglicIfeit be§


^rbifd^en, nod^ ba§ ®efül)l bcö ©terbenraoHenä unb
0iid^tfönnenö finbet barin einen 3lu§brucf. Unb aud^
bie jaf)(reid^en fpäteren ©rucfe tiaben ben bürftigen
Xt^t nur burd^ D^otigen über baö neue 2luftreten beö
i^uben, ben man injraifd^en wieber ba unb bort ge*
feigen ^oben raottte, unb burd^ einen 2lnl^ang oon anders
lid^en ^u^^ten oerme^rt, hk mit ber (Sad^e felbft gar
nid^tö ju tun ^ahm: ha^ autt)cntifd^e Urteil beö platuä
über ßfiriftuä; ben ®iö!urö com langen Seben ber
ajienfd^en, ber au^ SBeifpiele für baö raeitoerbreitete
©agenmotiü oom 33erfd^tafen langer 3ßiträumc ent*

l)ält; ben Seric^t über bie sroölf jübifd^en ©tämme,


roaö jeber ©tamm 6t)rifto juleibe getan unb roaä er

bafür jur ©träfe erleiben muB, ber beutlid^ beroeift,

ba§ baö 33ol!öbud^ in bem (Sroigen i^uben feineäroegs

einen 33ertreter beä ju eraiger Sßanberung verurteilten


3ubent)ol!eö fielit, u. f. ro. ®a§ 33olföbud^ felber aber

gab burd^ biefe 3"*«*^» ^c" Slnftofe gum ©ntftel^en

größerer ^omam. @ä lö|t ben roanbernben ^uben


»on ben aSerönberungen (in fpäteren ®rucfen: „9les

gimentöüeränberungen") in ben orientalifd^en Sileid^en

nad^ ßlirifti 2^ob, t)on Beben, Seiire unb Seiben ber


3tpoftel erjäl)len. ^n ben aSolföbüd^ern wirb jroar

nirgenbä *) im einzelnen auögefulirt, maö ber ^ube er=

jäl)lt; aber in bem Sefer bod^ bie 9^eugierbe erregt, ju


l)ören, maö ber i^ube alö einziger überlebenber 2lugen=
jeuge gefelien liat. Unb fo boten fid^ bie Söanberungen
beö ©roigen ^uhzn aU ein bequemer ^^aben bar, um
baran einen überblidE über gefd^id^tlid^e (Sreigniffe

mannigfad^er 3lrt feit bem ^obe ßlirifti anjufnüpfen


4 2)cr ©njigc ^iubc.

unb bcn obcnteuerlid^ften Sendeten autl^cntifd^e ©eioä^r


ju ftd^ern.
®aö tft juerft in j^ranfreid^ gcfd^el^cn, roo auö bem
bünnen 33oIföbud^ in ber bcrüfimten Bibliotheque des
Romans 1777 auf biete 2Beife ein ftottlid^er 9?omon
rourbe ^), ben fünf ^al;re fpäter S^leid^arb einer beutfd^en
S3earbeitun9 für feine 33ibIiot^e! ber ^iomone*^) untere
gog, inbem er ben gefd^id;tli($en goben beibel^ielt, bie
einjelnen gefd^id^ttid^en ^otfod^en aber, befonberä in
ben neueren ^o^r^uni'erten, jum 2^eil mit anberen oers
taufd^te.

Sei 9leid^arb gelten »ier junge Seute oerfd^iebener


iWationalität gur Dftermeffe 1780 in Seipjig cor bem
^eterötor fpojiercn, unb raätirenb fie fid^ gerabe über
bie neue Slusgabe von Saoaterö ^fjijfiognomifd^en ?^rag;
menten') unterl^alten, fällt il^nen ber ©roige ^ube inö
2luge, ber, obroo^I er fd^on 1750 ^al^re auf ®el^ei§
beö ©ol^nes ©otteä t)erumroanbert , bod^ ben Ginbrucf
eineö ungefähr merjigiäl^rigen SOianneö madf;t. ©r ift

oon mittlerer ©röfee, ftarf unb robuft. 3llle i^al^r*

l^unberte mu& er bie ^our um bie alte 2!Belt madljen;


bie neue ge^t i^n nid^tä an. 9htr nad^ ^erufalem
borf er nid^t oor bem 2:age bes i^üngficn ©erid^tö
jurüdffeliren. ^Wirgenbö barf er länger als l;öd()ftenö

brei 2:agc bleiben, ©ö fdl;läft nie unb ifjt (als red)ter


oufgcflärtcr Sflcifcnbcr oom ©daläge 9iicolai6) nur auö

^leugierbe, um fid^ über bie ilüdjc ber ocrfd^icbencn


Sänbcr ein Urteil bilbcn ju fbnnen. Gr altert nid^t,

bcl)ält aud) feine Weftalt unb Gräfte unocränbcrt unb


ifl unoermunbbar. Gr fprid)t ade ©prad^cn, foroobl

bie ber poli^ierten, ald bie ber milben Golfer. (Sr


befi^t ben ^ejentaler, bcr immer baö ©cpräge bcs
Sanbeä aufraeift, in bcm er fid^ gerabe aufliält. 3'iid^tö

tann if)n in feinem Saufe aufhatten; er flettert über bie

pd^ften 33ergc unb fd^mimmt burd^ bie breiteften ©tröme.


2lud^ f)ier ftettt er fid^ als lebenbigen 33en)ei§ von
(Sfirifti ©ottfieit unb feiner Wla^t auf (Srben üor; er

htUt ben iQeilanb an unb t)eref)rt i^n inniger unb


treuer a(ö einer üon ben ©Triften. (Seine rounberbarcn

©riebniffe erjöltt er nun abraed^felnb ben oier ©tu=


beuten, meldte fie fogleid^ in ?^orm einer 3ld^=@rää^tung
gu Rapier bringen, bie ben eigenttid^en ^nfiatt bes
9?omaneä bitbet. ^aä) brei ^agen mu§ ber i^ube
wieberum weiter manbern. @r entfernt fid^, inbem er
baö ^reimaurerjeid^en mad^t, unb bie Ferren roünfd^en
i{)m eine glüdflid^e 9?eife.

@r ift l^ier, wie fein 33ater unb wie ber S^ä^roater


ßfirifti, ein ^i^^^i^^tinn unb ^at eine jiemlid^ gute
©rgiefiung genoffen. 6r mar e§, ber bie ^eiligen brei
Könige jum ©toll nad^ 33etf)lef)em gefüt)rt Iiat unb ber
bann, von ^erobeö ausgefragt, bie unfd^ulbige Urfad^e
beö ^inbermorbeö unb ber glud^t ber ißeiligen ^amitie

geraorben ift. 33ei ben ^rebigten unb bei bem 2^obc


beö Xäuferö mar er ebenfo mie bei bem ©injug (Sfirifti

anmefenb unb mit ^ubaö ift er burd^ ^reunbfd^aft oer^

bunben. (Sr l^at am ^reuj mitgearbeitet unb tritt in


ber ^affionögefd^id;te an bie ©teile beö ©imon t)on

^prene. ®ie Söädliter l)alten auf bem ilreupeg 6l)rifti

t)or feiner Sßerfftatt ftiHe unb bitten ilm, (S^riftuä ein

menig nieberfi|en §u taffen unb i^m fein ^reuj tragen


ju Reifen. @r aber raeift es mit 33itterfeit jurücf unb
treibt ben ^eilanb fort, ^a blidft ilin ßfiriftuö an
6 S)er ©toigc 3ube.

unb fprid^t: „®u foEft üon nun an feine bteibenbe


©tättc l^oben, fonbem gefin fonber ^toft unb SRul^e,

bi§ baB i(^ tt)ieber!omme/' 2)er ^ube fü^lt fofort,

bofe eö ©Ott felbft geracfen ift, bem er feine §i(fe oer-

fagt f)at. ©leid^ am 9)iorgen nad^ ber Äreujigung


roirb er, im 41. ^a^vc, »on einer unn)iberftei)lid^en

©croalt fortgetrieben.
©eine erfte 2ßeltreife bauert, um ba§ 3iö'^rf)unbert
Doli 3U mad^en, 69 ^afire, roas nur ein ©d^reib; ober
^ructfeliter für 59 fein fann; jebe folgenbe füHt ein
ganges ;3at)rl)unbert aus. 2)ie j^iftion fiunbertj ädriger

SBeltreifen ift bem Sßerfaffer »on boppettem 9ht^en.


®a bcr ©roige ^ubt über alles, nur nid^t über baö im
©ang befinblid^e i^ofirl^unbert reben barf, gewinnt er
©elegenfieit, bie «ergangenen ^al;rf)unbertc mit il^ren

bebeutenbften ©rcigniffen unb ©rrungenfd^aften 5U fd^il^

bem. Unb ba ber ©roige Qube alle l^unbert ^df)xe


biefelbe ^our mad^t, fo fann er aud^ bie 3>ergänglid^=

feit unb ^infäHigfeit aller irbifd^en ®ingc beobad^ten,


wenn er ©tättcn, bie er einft in S3lüte unb ©dtjon^eit
burd^roanbert fiat, je^t in Krümmern raieberfieljt. 33c=

fonberö ber 33erfall beö einftmals fo großen SHom


mad^t auf i^n ben tiefften ©inbrud.
überall trifft alfo bcr ©rcige ^ube im rid^tigen

2lugcnblidf ju ben entfd^eibcnben 33egebcnt)eitcn bcr


2ßeltgcfd;id)te am redeten Orte ein. ''Mx ben 5lriegcn
rocid^t er auö; fonft fiat er aUcö fclbcr gefeiten unb
gef)5rt, ift Slugcnjeuge bcr ganzen 9Bcltgcfrf)id^te gcs

rocfcn. Gin paormal lüftet bcr iücrfaffcr bie a)iaftfc

unb ücrröt unft, baft er fid^ bcr 2Bortc eines großen


neueren ®cfc^id;tf(l)rcibcrö bebiene ober eine nod^ uns
Sleid^arbä SRoman. 7

gebrudtc 33iograpf)ie Subraigö beä io^it^Qß« auöfd^rcibc.


2Bett öfter aber benufet er bie aJiaäfe beö ©roigen
^uben baju, um bie 9Jiärd^en ber neueren ©c^riftftetter
bur($ einen 2lugenäeu9en gu roiberlegen. ©o tritt er

alä ehemaliger greunb beä ^etron für bie 2lutl)enti5is

tat ber ©atiren ein, bie il^m bie ^l^itologen in ^ariö


1685 abfprad^en; freiließ aber rcirb ber ©rcige ^nh^
nur auögelad^t, bie geteerten Ferren §uden mit ben
2ld^fetn unb laffen it)n ftefien: „3<^ 9i"9 ö"d^ n^^tnc

SSege, aber mit ber 3"fi^iß^ß"'^^it eines a}Zenfc^en, ber


überzeugt ift, bafe er red^t l^at, wenn man ifin gleid^

ausladet. " ^a er mit allen ©rö^en ber 3ßeltgef(^id^te


in perfönlid^e 33erüt)rung gekommen ift, fo fann er
©enefa unb S^iero ebenfo genau roie ben d^inefifd^en
SBeifen ^onfutfe ober bie ^aiferin ßenobia unb anberc
berül^mte grauen abfd^itbern; fel^r oft aber mu§ er

eine entfd^iebene Umwertung ber ^erfönlid^feiten cor*


nefimen. ®aJ3 3Jia^omet fein ^ropl^et mar, f^at er

unmiberfpred^lid^ baburd^ beroiefen, ba§ er ben ©roigen


i^uben gar nid^t ernannte! dagegen ift ©alabin genau
fo geroefen, „mk i^n ein neuer beutfd^er ©d^riftfteller
in einem ©ebid^t gefd^ilbert fiat, boä id^ fürjlid^ in
einer ©efeßfd^aft in SSraunfd^meig t)abe oorlefen ^ören".
9tuc^ bie ©rö^en ber Literatur fallen nid^t über feinen
©efid^tsfreiö l^inauä. ®ante stoar l)at er nid^t gefannt
unb aud^ fein ©ebid^t nid^t gelefen, t)on bem man i^m
(offenbar in ber ^eriobe ber 3lufflärung) nur gefagt
liat, ba§ eö ebenfo langweilig alä auöfd^meifenb fei.

2lud^ ^etrarcaä Saura l;at i^m nur ben ©inbrudf einer

fe^r mittelmäßigen (Sd^önl^eit oon me^r faltem unb


pretiöfem alö munterem unb geiftreid^em SBefen ges
8 35ct ®n)tgc Sube.

mad^t. dagegen l^at er 33occqj* Umgang feljr untcr=


^attcnb gefunbcn, weil er in bcr ffanbalöfen ß^ronif
feines giitalkx§, raofil beroanbert toar. ^n %xantxti^
\)at eä ifim befonberen 9trger bereitet, fid^ felbft in ben
„fogenannten SJitifterien ober (!) f^oftnad^tsfpielen" von
bem fd^Ied^teften Slfteur erbärmlic]^ mi§l^anbelt ju fefien.

©eitbem er aber bie SBelt burd^ftrid^en, l^at fein 33ud^

einen fo großen 33eifatt gefunben, alä ber S5on Duid^otte.


2)ie politifd^e ©efc^id^te !ommt für ben ^uben, ber ben
Kriegen auä bem SBege gef)t, eigentlid^ üiel weniger in
33etrad^t ah bie ^ulturgefd^id^te : nid^t blofe bie großen
©rfinbungen beö ©d^iejgputoers unb ber Söud^brucEers

fünft, von bcr aud^ bie 91ad^teile l^ier fd^on in ^etrad^t

gcjogen werben, intereffieren if)n, fonbern aud^ bie

fleineren, raie j. 33. bas 2luffommen ber gtäfernen


^cnfterfd^eiben unb baö «Sd^ad^fpiel, bie Äleibertrad^ten

unb Äoftüme. ^fieoborid^ Fiat im 6. ^Q^^r^wni'^rt, ^o,

er ben guten ©efd^madE beö 3lltertumö nid^t mefir


jurücfrufen fonnte, einen neuen gefd^affen : ben gotifd^en.
3lud^ für bie fojiatcn unb oolföroirtfd;aftlid^en 93erf)älts

niffe (i 33. ben ©eibenbau) »errät ber (Sroigc ^nhi


Icbl^aftcfi 3"tereffe; nod^ me^r aber, wie eö im 18. 3o^r=
fiunbert nid^t anberß ju erwarten ift, für bie Ürd^tid^en
3uftänbe, von bcr ß^i^ftörung ber antifen 2;cmpcl unb
bcr (Sinfü^rung bcö 5lird;cngefangeö an biö auf bie

^Reformation, ^abci ift fein Stanbpunft jroar ber bcö

2tufflärungö}citaltcrö, aber borf) ein \d)x mafjooffcr unb


feincörocgö cngF)crüig protcftantifd)cr. ^max beurteilt

audf) er bafi SJüttelaltcr in 33aufd^ unb 33ogcn ungünftig,


baft 9. 3ö^rF)unbcrt crfd^cint \\)m alö gänjlid;cr 3"ftQnb
ber Sarbarci unb ©d^roäd^c unb bcr Äaifer beugt ftd)
3ieid^arbä Sloman. 9

in ber ©jene mn (Sanoffa vox einem elenben Wön^.


3lber an ben ^reuggügen, wenn fie aud^ ein SluäfluB
ber ©d^raärmerei beä aJtittetalterö geraefen finb, werben
hodi) an^ bie guten ?^o(gen ^eroorgefioben, unb bie

kämpfe beä alten ©laubenö mit bem £utf)ertum unb


ßaloinismuä mit ber fnappen unb füllten SBenbung
übergangen, ba§ bie ^Deformation burd^ ben ©tarrfinn
eineä SJiönc^eä üon ©eift unb hmä) ba§ perföntid^e
^ntereffe ber dürften im 33unbe mit bem ^a^ bcö geift*
lid^en Übermutes {jeroorgerufen unb für bie ^enfungö^

art unb 3lufflärung 5Deutfd^(anb§ unb beö ^Rorbens üon


ben rcid^tigften ?^oIgen geraefen fei. ^a, ber ©mige
i^ube, bem in 2lfrifa baö {)umane ^cr§ bei ben 216*

fc^eulid^feiten beö 9Jienfd^ent)anbetö blutet, nimmt fid^

fogar ber römifd^en ^nquifition an, inbem er in ©alilei


fein Opfer ber 33arbarei unb ber Unroiffenl^eit ber
3Jlönd^e fie^t: er fei aU Slftronom mit größter 3ld^tung
bel^anbett, nur a(ä ^e^er üerbrannt raorben. @ine fe^r
gro^e StoHe fpielen in ben ©rjäl^tungen beö ©migen
3uben bie Slnef boten; unb ber ©a^, ba§ unbebeutenbe
^leinigfeiten fel^r oft bie ^ebel ber mid^tigften fiiftoris

fd^en ©reigniffe geroefen finb, ift bei i|m mie in ben


fomifd^en ©pen unb 9tomancn (ber ©eifttid^e 2)on
Duid^otte, ©ebatbuö S^iotfianfer) fd^on ein ©emeinpla^.
33efonberö auö bem l^äuölid^en 2^hm ^arls beö ©ro^en
raerben 2lnefboten ergä^It unb „oon ben ©itten ber
alten ©eutfd^en".
2Bar l^ier bie ganje SSeltgefd^id^te in il^ren benf*
raürbigften ®rfd^einungen an bie 3öanberungen bes
©roigen ^uben gefnüpft, fo lag eä für ©oetl^e gar
nid^t fern, bie ^ird^ engef d^id^te an biefem ^^aben fid^
10 3)cr roiebcrfel^renbc ^eilanb.

abfpinncn ju laf[en. ^at bod^ nod^ ©ertjinuö, töie wir

aus feiner ©elbftbiograpfiie erfal^ren, bie 2lbfid^t ge-

j^abt, bie ^^ilofopi^ie ber ©efd^id^te in eine ©id^tung

com ©roigen i^uben ein§uf(eiben.


$8or ©oetl^e wax ber ©roige ^ube au6) fd^on in
SSerfen bel^anbelt roorben; als ©pifobe !ommt er in
bem ,,Seiben beö ^erm" oor, raetd^eö bie ^erau&geber
beö SBunberl^ornö aus einem fliegenben 33Iatt mit=
geteilt l^aben. ^n biefem jubenfeinbtid^en ©ebid^t ift

es ein reid^er ^uhi, ber htn ^eilanb, als er oor


feinem §auö erfd^öpft auärul^en roill, fpottenb n)egftö§t.
ß^riftuö blicft if)n fd^roeigenb an unb fe^t feinen 2ßeg
fort. ©Ott felber aber bannt ben ^uben, ba§ er burd;ä

Sanb gießen mufe:

Unb fann ntd^t fterBen nimmennel^r,


Unb roanbcrt immer f)in unb l^er').

2. I^er roißbßrkßljcenbc 1|ßilanb,

©d^on in bem Sllten 2^eftament finben fid^ (Steffen,

bie auf eine jroeimalige 3lnfunft beö 3)ieffia8 auf


Grben I)inroeifen: einmal foff er armfelig fommen, um
äu leiben unb ju fterben ; baö peite 9J?at aber in uoffer

$errlid^!eit au^ ben SBolfen beö ^immetö, um äffe

©emalt auöjuüben. ^m jroeiten 3löl)rljunbcrt nadf;

6l)ri[tuö bann 3wfti"Wö ber 9)lärti;rcr in feinem


^at
Dialogus cum Tryphone feinem 9Jiitunterrebner biefen
©ebanfen in ben ^unb gelegt, ber in bem 2^almub
fortlebt. 2lud^ baö 9ieue 2^eftamcnt, bcfonbcrö baö
aJiat^äuöeoangcllum '') , ftcfft eine' jroeite 3"f""fl i>cfi

$errn in gcroiffc 3lufifid^t; unb wenn aud^ niemanb ben


Venio iterum crucifigi. 11

%aQ unb bie ©tunbe roeiB, fo ^at eö nad^ ben Sßorten


etirifti bod^ ben 2tnfd^cin, als ob ba§ gcgenroärtigc

©efd^ted^t ober toenigftenö einige toenige aus itim bic

SBieberfunft beö §errn erleben fönnten unb follten.

®ie ©pifteln oon ^auluä unb ^etruä geigen, roie fid^

fd^on bie 2lpoftel ber ©pötter ju ertoel^ren fud^ten, raeld^e


bie ©rfüttung biefer SSorte oergebenö erwartet l^otten.

©pöter würbe biefe immer weiter l^inauägefd^oben

unb QUe bie eäd^atologifd^en ©agen, bic fid^ mit ben


legten fingen befd^äftigen, red^nen mit ber SBieber^
fünft be§ igerrn, bem ber 3lntid^rtft t)orauögef)en fottte.

Sfiod^ im 18. i^ol^rliunbert waren fie tebenbig; unb ber


überfe^er beä ©eifttid^en ®on Duid^ottc^") rebct oon
Seuten, bie an eine fünfte ^Jionard^ie glauben unb alle
2lugenblicfe erwarten, ba§ ß^riftuö wieber auf bie ©rbe
fommen unb ein 9?eic^ aufrid^ten werbe.

2lber eine anbere 33ibelftelle^O lautet: ,,®od^ wenn


be§ ^Jlenfd^en ©ol)n !ommen wirb, meinft bu, ba§ er

aud^ werbe ©lauben finben auf ©rben?" Unb auf biefe


get)t offenbar bie Segenbe Venio iterum crucifigi jurüdl,
weld^c juerft in ben Acta Petri et Pauli erfd^eint,

bei ben ^iri^enoätern oft jitiert wirb unb au§ h^n


mobernen 33earbeitungen üon 5lin!el unb ©ienfiewicj
weiteren Greifen befannt ift. ^etruö will ben ^Bitten
ber ©laubigen nad^geben unb fid^ burd^ bie glud^t au§
bem Werfer bem a)iärti;rertob entäiel^en. 2)a begegnet
er bem wieberfel^renben ^eilanb unb rebet ilin an:

Domine, quo vadis? 6l)riftuä antwortet: Venio iterum


crucifigi! ^etru§ fe^rt befd^ämt ju feiner ^flid^t jurüdf
unb erbulbet ben SJtärtgrertob.

S^iod^ mit einem anbcren ©agenmotio l^ängt baä


12 erbcnrconberungen ber ^immlifd^cn.

3Wotio t)om roiebcrfel^rcnben ^eilanb §ufommen: mit


bcn (Srbentoanberungen ber ^immlifd^en, bie fid^ bei
otten SSöIfern finben^^). S'liemanb ^at fie mit fo oiel
3SorIiebe unb mit fo naicem ^umor be^anbelt als
^onö ©ad^ö: fei eö, ba§ er hzn ^errn freunblirf; bei
einem flud^enben ©d^mieb eintreten ober i^n auf ber
Öanbftra^e oon htm foulen ^ned^t oergebenö Sluäfunft
über ben SBeg erbitten lä^t, ben if)m bie fleißige 2)kgb
flin! unb emjtg raeift; fei e§, bafe er il^n an^ bIo§ ben
5)Setru5 ^inunterfd^icfen lä^t, um i^n feine ©rfaf^rungen
mit bem iefeigen SBettlouf mad^cn ju loffen^^). 5Dcr=
fclbe ^anä ©ad^ä nun täfet in einem ^rofobiatog^'')
bcn ^eilttnb au§> 2)eutfd^lanb nad^ Sgtipten flüd^ten,
mo er fid^ unter ber ^errfd^aft be§ ©ultanö fidlerer

füf)It alö unter ben 2ln{)ängern, bie feinen Dramen


trogen, ben 6f)riften. ©in 33otc er!ennt if)n unb ^ölt
if)n auf; c§ entfpinnt fid^ ein ©efpräd^. ®er ^zxx
untcrjief)t bie religiöfen 3"ftänbe ber 3eit einer bitteren
5lritif, inbem er fie mit benen oergleid^t, bie bei feiner
crftcn 2lnfunft gefierrfd^t ^oben. 9lud^ je^t flogt er

über bie ^Verfolgungen ber ^ofienpriefter uiib dürften

ber 3wi>ß"/ ^^1^ f)o\)zn ©d^nftgelet)rten unb ^Nl)orifäer;

ber ^apft ift ber ^üha& ^Ifd^oriot, ber ben 2lb(o^ in


feinem S3cute( fommelt, unb bie gonge ©efd^id^te ber
©efongcnno^me G^rifti wirb auf moberne Greigniffe
ouögcbeutet.
2)aft fortleben, mo nid^t ber ßegenbe felbft, fo bod^

itirefi ©nmbgebonfenfi betoeifcn im 18. :3o()rt)unbert

no(^ jofjlrcid^e Zitate, ^cr 5öerfaffcr befi 3)icnojo'''),

bcffen 2Banbcrungcn um 1725 ongcfctjt merbcn, lö|t

einen 3"fP»i^i^rten, ber ,,um befl ©oongcliumö luillcn"


jjortreben bcr Segcnbc. 13

eingeferfert tüorben ift, fkgcn: ,,Unb tocnn bcr §err


©l^riftuö mit feinen 2(poftetn no(^ je^o um^ertoanbelte,
ber 3ßett bic Sßal^r^eit ^u fagen, fo rcürbe er biefelbe
33el^anblung gu geroärtigen fiaben, benn es ift unb
bleibt bie 2ßa{)rl^eit ber im argen liegenben 2Bett etroaä
Unerträglid^eö unb bie, metc^e ©ott berufen fiat, t)on

if)r ju seugen, muffen, forool^t je^t als »ormalö, gum


©peftafel bienen." ©oetl^e felbft bebient fic^ furj oor
"ozm „ßroigen i^uben" einer äfinlid^en Söenbung in bem
„33rief beä ^aftorä"^^), rcenn er fagt, ba§ bie Se^re
t)on ßl^rifto nirgenbä gebrückter fei atä in ber d^rifts

lid^en ^ird^e, unb bann fortfäl^rt: „2öem barum ju


tt)un ift, bie 3Ba§rl^eit biefeä ©afeeö nod^ bei feinem
Seben ju erfal^ren, ber raage, ein S^ad^f olger ß^rifti

öffentli(j§ ju fein, ber mage fid^s merfen gu laffen, ba^


il^m um feine ©eligfeit ju tl^un ift. @r mirb einen
Unnamen am ^alfe fiaben, e^e er fid^s wrfiel^t, unb

eine (^riftlid^e ©emeine mac^t ein ^reuj cor i\)m/'


Unb Berber ^^) rebete in ber Urgeftatt feiner „^been"
ben ^eilanb mit ben Söorten an: „®u ftefieft in ©einer
reinen ©eftalt allein ba unb märeft in 2)einer d^rifts

lid^en 3Selt je^ntaufenbmal aufö neue gefrcujiget


morben, raenn ®u micber erfd^ienen märeft!" 5^id^t

gegen bie d^riftlid^en Saien, fonbern gegen bie d^rift^

liefen 3:^eotogen menbet fid^ ^. ®. aJiütter^^) in einem


SSriefe an feinen 33ruber: „®ie d^riftlid^en 2:i^eologen

auf ben Unioerfitäten mären bie erften, baö Äreujige!


gu rufen, menn 6^riftu§ raieber fäme, benn er ptte,
fo mie bei '!)^n ^uben fein üeräd^ttid^eö 3lnfel^en, bei
ifinen ben aWangel an fantifd^er gJf)ilofopl^ie unb !riti=

fd^er ^^itologie gegen fid^, an ber fie tUn fo fflaoifd^


14 %otthhtn ber Scgenbc.

unb auöfd^tic^enb pngen, alö jene an i()ren ^becn von


einem irbifd^en aj^effiaöreid^." Unb ^iebgc rebet in

ben Sfieunjigerjofiren ßl^riftus mit ben folgenben SScrfen


an''):
„Sld^, foHtcft bu auö beinern &xabt
S)u großer S5ulber! oufcrftel^n,
Unb lel^rcnb nod^ einmal om ©tabe
2)er plgrimfd^aft burd^ä Seben gcl^n;
Unb foHteft bu ben Unfug fe^n,
2ßie fie bic Sößol^rl^eit, biefe ©abc
2)er 2Beiä§eit, bie fo einfad^ fd^ön
5ßon beinen £ippcn flo^, »erbre^n;
aGßic fte ben Sicbeäftnn oerfd^mäl^n,
SBcrfoIgung ouä ber Seigre preffen,
2)ic Siebe Icl^rt unb ©egen gibt,

3Bie fie bie 3)ulbung ganj oergeffen,


3)ie 3Jlöngel trägt unb &nttS liebt,

Unb bie bu, ad)l burd^ ^o^n betrübt,

93iä ju ben blutigften ©ppreffen


2ln beinen 9)Jörbern ^aft geübt:
3)u roürbeft eine 3;^räne roeinen
©0 bitter, mic fte in ben .'painen
3)c8 Delbcrgä beinern 2lug' entfc^Iid^;
Unb foUteft bu bann beine Se^ren
Unö fclbft entf)üütn, rcürben bid^
3)ic ^feubocjegeten l^ören,

2)ie niemanb l^ören, oufier fid^?

30, foltteft bu birö gar erlauben,


3l\d)t roie'g i^r ftolaer 3üa^n befahl,
'3lxd)t fo, roie fie an hidS) 3u Qlanbiti,
6te freu^tgten bi(^ nod^ einmal."

^n unfcrcn Xa^tn \)ai bann ber ©rf^roebe 2ßi(f-

firöm bem X\)tma eine fojiolc aBcnbunß QtQthm unb


erjä^tt, roofi 3iefu6 unter ben SBalbarbeitcrn eine«

flcinen Äircfifpielfl in ©ämelonb erlebte, olö er, unju»


35te ^cripatetifer. 15

trieben mit ben ^rüd^ten feiner Seigre, baö ©üangelium


inm jraeiten 9JiaIe prebigte^").

3Bie bie SBanberungen bes ©raigen ^uben, fo tiefen


fid^ nun oud^ bie SBanberungen be§ raieberfel^renben
^eilanbs alö ^aben gebraud^en, um baron ein Silb
ürd^Iid^er ^"f'tä"^^ 5" fnüpfen. ^am bort mel^r baä
gefd^id^tlid^e SfJad^einanber gur ©ettung, fo konnte man
l^ier ein 33itb beö gegenraärtigen Dlebeneinanbcr aufs
rotten, ofine auf ben gefd^id^tlid^en ©efid^töpunft ganj
8U »erjid^ten, ber ja burd^ ben SSergteid^ mit ber erften
©rbenlaufbafin bes ^eitanbeö gegeben mar. 2)iefen
®eban!en fiat im ^al^re 1792 ber amnyrm unb mir
unbekannte SSerfaffer beä fatirifd^en ^albromanä : „®ie
^eripatetifer beö 18. ^al^rl^unbertö ober äßanberungen
jmeier SlufHärer" ausgeführt ^^). ©r raibmet fein 2Berf

atten ©löubigcn unb Ungläubigen, gan§ befonberö aber


ben Drtl^obojen unb ^eud^lern in ber afterd^riftUd^en
^ird^e, unb er mad^t in ber ©inteitung gar fein ^^^i
barauö, baB e§ ifim um eine fd^arfe ©atire auf ben
^riefterbefpotismuö ju tun fei, mitunter fogar um eine

^erfonalfatire. @r motte geigen, ba^ eö mit bem


ß{)riftentum gar nic^t bal^in fei, mol^in es fein mü§te,
wenn eö feinen ?iamen mit dit^t fül^ren roottte, ba§
üielme^ir ba§, roaö man fefet fo nenne, oon ben ur^
fprünglid^en fd^lid^ten ©runblefiren fd^recElid^ meit ent-
midien, mit 2ßuft unb Unfinn burd^mirft fei. ^n bem
3tt)ede tä^t er ß^riftus nad^ mefir als anbert^alb ^atir»

taufenb (natürlid^ ift baä 18. ^afir^unbert gemeint)


in 33egleitung feines Sieblingsjüngerö ^oliannes roieber

auf ®rben !ommen. 3o'^Q""cö fürd^tet üon üorns


l^erein, ba§ er ß^riftus roieberum fo leiben fefien werbe.
16 3)ie ^cttpatetifcr.

toic cinfttnatö ; benn baä 3Wcnfd^ent)or! änbere fid^ nid^t.

Unb bic ©rsötilung gibt i^m rec^t. Sie übenrbif($cn


SBanberer betreten in 3lfien bie (Srbe, bie (S^riftuä mit
benfelben ^topftodifd^en 33erfen begrübt, an bie fid^

aud^ bei ©oetl^e ber roieberfefirenbe ^eilanb anlefint.

25ic jtöeite ©rbenloufbafin bes ^errn beginnt alfo bort,


wo bie erfte gefd^toffen f)at: bie Söanberer laffen fid^

nad^ ©otgat^a unb §u allen ben l^eiligen (Stätten


führen, töo ©firiftuö einftntatä gelitten l^at unb bie fie

nun mit 2:ränen ber 9^üf)rung bctrad^ten. 2tber fd^on


ber 2lberglaube unb 9leliquienbienft itireö ^üfirerä ftö^t
jic a\) unb batb werben 6f)riftuö unb fein Segleiter
t)on ber gried^ifd^en unb römifd^en ©eiftlid^!eit , alfo
t)on ben ßtiriftcn jroeier 5lonfeffionen, alö 9?eligionä;
üeräd^ter gefangen genommen unb an bic ftaatlid^e

Obrigfeit megen aufrüljrerifd^er Su^erungen ausgeliefert.


3um jroeiten 3J?ale l^at alfo ber ©rlöfer ben 3ßeg t)om
^olienpriefter ju ^ontiuö gJilatuö gu gelten! Unb roiebers

um erl^ält er ©eifeel^iebe, bomalö maren eö 29, jefet

finb eö 30. Sie 3luägeroiefenen oerfolgt ber ^a^ ber


bciben Pfaffen bi§ nod^ 5lonftantinopel, mo fidl; ber
freifinnige Sultan ©elim ilirer annimmt unb bie $ßers

folger il)rer «Ämter entfe^t. 2Bie bei ^ans ©adfjö*-) fü^lt


fid^ alfo auä) l^ier 6l)riftuö fidjerer unter ber ^errfdl;aft

beö ©ultans als unter feinen Sln^ängern! aJ^oJ^am*


mcbancr befd^ü^en ben ^eilanb oor benen, bie il)n in
feinem 9iamcn »erfolgen! ^od;gcel;rt üerlaffcn bie
Sßanberer bic l^eibnif^c ©tabt unb fommcn nad^
^olcn, bas l^ier, als auf bcm SBegc licgcnb, ben
ilat^olijiömu«, bic allcinfcligmod^cnbe !^el;re vertritt,

Don ber fic^ (J^riftuö burd; äBunbcrbctrug unb leeren


Sie ?ßcripotetifer. 17

^cremonicnbienft abgefto^en fü^t. ®qö Sutfiertum


fteHt fid^ in ^reu^en von feiner günftigeren (Seite bar;

in Königsberg aber befud^en bie SBanberer ben ^fiito--

fopl^en Kant, bent fie fid^ allein gu ernennen geben.


@r oerfid^ert fie feiner l^öd^ften unb innigften Siebe
unb ©Ijrfurd^t; fie bürfen il)n täglid^ befud^en, blidEen

tt)ie ©ö^ne jum $ßater ju il)m auf unb wollen fid^

fogar alö ^"'^örer einfd^reiben taffen. Kant lernt aurf)

üon il)nen mit ^reuben unb nimmt fie enblid^ ganj in

fein ^axi^ auf, raä^renb fie i^ren Unterhalt burd^


©c^riftfteHerei oerbienen. Kant benft graar im gangen
tt)ie fie; er meint aber, baB baö SSolf ein finnlid^eö
^eic^en braud^e unb für bie ^ernunftreligion no(^ nid^t
reif fei. 2lud^ er verurteilt bie ^riefter; aber in bem
^aftor SJZüHer lernen bie SBanberer jule^t boc^ ha^
Qbeal eineö aufgeflärten ^rebigerö fennen. a)iit biefem
S3efud^ bei Kant, ber ben ^öl^epun!t bilbet, brid^t ber

SRoman plö^lid^ ab ; eö wirb nur ganj furj auf ®an§ig


unb Berlin liingemief en , mo man bie ©d^idffale ber
SBanberer im t)orauä erraten Eönne, unb eine ^orts
fe^ung nid^t für unmöglid^ erflärt.

3Bie fd^on ber S^itel fagt, erfd^einen ß^riftuä unb


^o^anneö l^ier ganj alö Slufflärer. 6l)riftuä ift nid^t
alä ©Ott, fonbern alö „oernünftiger 3)Zann" gebadet;
unb er ift aud^ 5ßertreter ber „vernünftigen ^ieligion",
bie er ols bie notroenbige ^ortbilbung feiner nic^t gum
©tillftanb verurteilten £e§re betrad^tet. @r tritt auf;
!lärenb unb betetirenb, feine ©egner auf fofratifd^e
SBeife im Dialog jured^tfü^renb unb milbe »erroeifenb
auf, tolerant gegen ben Unterfd^ieb ber Konfeffionen
unb mel^r baö ^anbeln alö ben ©lauben ber 3JJenfd^en
2Ktnor, ©octtjeS ©iptger Sfube. 2
18 S)te ^eripotetifer.

im Stuge bej^attenb. ©o f)at er e§ benn oud^ mcfir


mit bcm praftifd^en, alö mit bcm t^eorctifd^en (Stjnften=

tum SU tun, unb bic ©atire beö SSerfafferä erftrcdt fid^

anci) auf bic 3«ftänbe an bcn ©d^ulen unb Uniücrfitäten,


unb ouf baö politifd^c ©ebiet, mo gegen 3iu§(anb unb
hk ^aiferin ^atl^arina leibenfd^aftlid^ gefielt mirb. ®ie
33ibel legt biefer ßf)riftu§ fel^r freifinntg auf feine auf:
geflärte SSeife au§. 2)ie ße^ren von feiner ©ottt^eit unb
von ber S)reieinig!eit red^net er gu ben Sügen unb
bem Unfinn, burd^ bie man feine Sebenögefd^id^te oer^
fiunjt {)abe. 2)ie Sßunber, bie man if)m jugefd^rieben

^at, erflärt er entmeber auf gonj natürlid^em SBege,


ober er miß überl^aupt nid^tö von ifjnen toiffen. ßbenfo
finb i§m bic 33crfud^ung burd^ ben Teufel unb bie uns
beftetfte ©mpfängniö 9Jfariä ganj unbefannte ©ad^en.
;3ft er in fotd^en 2luö(egungcn ber Sibel nod; etmaä
jurüdE^attenb, roeil er n)ei§, ba§ man unoorbereiteten
Seuten nid^t gleid^ feine eigenen vernünftigen Urteile jum
bcften geben barf, fo eifert er bagegen ungefd^eut gegen
bcn ^faffentrug unb ^faffenbefpotismuö. @r legt felber

in ^olcn bie ^anb an, um ein munbertätigeö ^eiligen;


bilb ju enttaroen. 2ltö SBctrug ber ^ricfter erfd^cint bem
©d^üler Sßoltaires aud; ber S^i^cw^otti^^^ic^ft ""^ ^i^

!Rcliquienocrc^rung ber 5latl)olifen, felbft bie 2tnbctung


beö Äreujcs. GJcgen bie 5ll5fter unb bie Wönä)t l)at

er eine fo lieftige 3lbneigung, mie ber 33erfaffer bc8


Sud^es über bic Ginfamfeit. ^cr ©ifer für bic 9luf;

flärung ^ot il)n frcilid^ unbeiüu^t oon feinem fünftleris


fd^cn ^kk obgcfü^rt; bcnn fein (Sl;riftuö mad^t nid;t

Mo§ fd^lcc^tc, fonbcrn aud^ gute (5rfal)rungcn, unb er

toirb auö) (einefiroegö überall ucrfannt unb ocrfolgt.


Xk ^cripatetifer. ^roeittv %eiU 19

©ans obQßfefien booon, ba§ er fd^on in 2lfien für Wo:


^amnteb ober htn 9Jie]fta§ gefiatten wirb, erfd^eint er
auä) in Europa allen aU ein fel^r roeifer SHonn unb
jebermann begreift fofort, ba^ ba§, raaä er leiert, aud^

bas D^tid^tige fein ntüffe.


®en ^aben, ben unfer S3erfoffer fatten lie^, (lat

bann angebli(^ ein anberer mit ©rtoubniö be§ SSerlegerä,


ber an6^ ber feinige ift, an bemfelben fünfte roieber

aufgenommen, rao i^n fein SSorgänger faden gelaffen


fiatte: nämlid^ bei ben ©efpräd^en mit ^ant, beffen
(Sd^rift ,,^ie Steligion innerf)alb ber ©renken ber bto§en
33ernunft" al§ ein Sftefultat biefer ©efpräd^e groifd^en
ben l^immlifd^en SBanberern unb bem ^önigäberger ^§i[o=
foptien I)ingeftellt rairb. ®iefeä 33ud^ ift benn aud^ in
aßen religiöfen unb fir(^lid^en ?^ragen für ben SSerfaffer
bie (e^te unb majägebenbe ^nftanj, bie namentlich gegen=

über ber ©tücEfeligfeitötel^re ftarf in 3lnfprud^ genom^


men rcirb. ®er ^ortfc^er ftet)t alfo auf bemfelben
©tanbpunft rcie fein SSorgänger, er beruft fidl; nur
no(^ entfd^iebener auf 5^ant. 3lud() fein ß^riftuö glaubt
nid^t an bie eigene ©ottlieit unb an bie ©reieinigf eit

aud^ er fielit feine 2lufgabe mel^r in liumanitärer 2öirf=


famfeit als in ber 2luöbreitung beö Sibelglaubenö.
SBenn in bem erften 2^eil (Eliriftuö einen §um ^ob
bestimmten S)elinquenten unter bem ©algen entroifd^en
lä§t, fo mirb liier gegen bie 2^obeöftrafe geeifert, ber
törid^te ©laube an baö SBegfingen ber ©eroitter oerfpottet
unb ben ©Item eine rationette ^inbererjieljung anä ^erj
gelegt, ^ie politifd^en D^ied^te unb ©taatöformen er=

faliren eine nod^ ausfü^rlid^ere Erörterung; unb ju


©unften ^oöjiuöfoö rcirb gegen bie Teilung ^^olens
20 ®i2 ^cripatetifer. 3n'2tter Seil.

^rotcft eingelegt, ©o tuirb baö geifttttfje ©fement, ha^


nur tnel^r burd^ üerfd^iebene ©attungen vreu§ifd^er ^re^
biger unb burd^ ben Unfug h^i ben tfieologifd^en ©jamina
oertreten ift, I)ier fefir §urü(fgebrängt. ^er 3Serfaffer f)at

flarfe 2lnroanblungen von ©eutimentalität ; ß^riftuä füllt


bem ^o{)Qnneö in bie 3lrme mit ben Sßorten: „2ßir
motten ber unb 2^ugenb treu bleiben/' unb
2BQt)rt)eit

3ol)anne§ antwortet: „2^reu biö in ben ^^ob!" 3lu(^ an


lel^r^aften ©rmalinungen läfet er eö nid^t fel)len; unb

er ^at cö au^ für nötig gehalten, bie ©rbenraanberung


ßl^rifti in einer ©inleitung ju motioieren. 6|riftuö l)at

im ^immel ron ben ©c^irffolen feiner Set)re erfafiren,


aud^ bQ§ eö in bem ^reu^en griebrid^ö beö ©ro§en
fo oiel beffer geworben, fogar bie S)enffreil)eit geftattet

fei. @r roitt nun felber nod^ einmal auf bie @rbe


l^inunter unb fe^en, ob bem fo ift. 2)aö 9teifejournal,
baö bie beiben l)immlifd^en ^ilger fül^rten, raitt ber

93crfaffer feinem S9ud^e ju©runbe gelegt l;aben, boö


ben 33erteibigern ber ©cnf= unb ^^re^reil^eit geraib-
met ift.

^iefelbc ^olcmif gegen bie Dkaftion in ^^Preu^en

oerfolgt ber britte ^eil, ber mo^l oon bemfelben 3Sers

faffcr wie ber jrocite l)errül)rt. (5r locnbet fid^ bire!t

gegen bas SBbttnerifd^e 9?eligionöebift, baö uon ^o^


^anncö oorgelefen unb uon (Sliriftuö ^^'unft für ^^unft

TOiberlegt wirb, um ju .zeigen, bafj man il^n felber auf

©runb biefcr ^Kerorbnungcn aufs neue freudigen mürbe.


^ie 93erf olgungcn , meldte bie mannl^aften ®cgncr beö
Gbiftcfi SU erbulben fiaben, laffcn ben (Srbcnmanberern
feinen ^rocifcl, bafj jebc Hoffnung auf !Denffrcil)eit in
^reufeen ücrlorcn fei. ©ie roanbcrn burd; '^-'^'""icrn
2)ie ^enpatetifer. ©rittet 3;eil. 21

na^ 33crlin, roo fie fid^ nur im Greife ber 3lufftärer


©palbing, fetter, S^icold, ®ebi!e, 93iefter raol^t füllten,

beim ©yamen aber »on ben ortfiobojen ^rüfungöfotn«


tnipren aU Jieologiften abgeraiefen loerben. ßi^riftus
als relegierter Äanbibat ber ^rifttid^en 2^f)eologie — baö
ift ber ^aupttrumpf, ba§ iterum crucifigi, auf baß
ber SSerfaffer loöfteuert. ©ie oertaffen ^reu§en, ba§
fo lang in ber ^t^i^^ ber anberen Sänber ^ert)or=

ftrafilte, je^t aber in bie bidften Giebel beö 2Iber=


glaubenö »erl^üttt ift. ©ie befud^en bie ©d^ute beä
S)ontt)errn ron ?ftoä)ort) gu S'lefal^n ntit großem 33er=

gnügen, finben in S^xh^^ in ©inteniö einen t^Un SBoIfes

lefirer, laben an ber freifinnigen gafultät in ^aHe


(Änapp, 9'Ziemet)er) il^re ^rcube, fommen in ©rfurt
aud^ in einen ^reiö t)ettbenfenber 5latl^oli!en (^alberg)
unb finben fid^ jule^t in ©ot^a im §aufc Söfterö, beö
33erbreiterö einer vernünftigen Steligion, am beften auf=
gehoben. 2lud^ l^ier fommen mir alfo um ben eigents
lid^en ©d^lu|effe!t, bie peite ^reujigung.
2lber biefer ©ebanfe ge^t alö leitenber tro^bem
burd^ alle brei 2:eile fiinburd^^^). „ßö fönnte roo^l
fein/' f)eiBt eö im erften, „bofe ß^riftuä einmal mieber
fäme, um ju feigen, mie eö um feine 33e!enner fte^e . . .

SBie bat man nid^t bie S^leligion gur 33efd^önigung ber

größten Ungered^tigfeiten unb ber fc^änblid^ften S8erfol=


gungen gemi^braud^t ! 2Bie |at man nid^t um mal^rer
^leinigfeiten, um geringer Slbmeid^ungen mitten ge*
mutet unb getobt!" ^m ätoeiten: ,,@r erful^r, mie man
burd^ unlautere, unoerm'mftige Qu^ä%^ baö, mos man
für feine Sel)re ausgab, bem, mas er mir!li(^ gete^ret,

gans unälinlid^ mad^te; wie man fid^ überatt mit bem


22 ©cijltic^e Steifen.

größten ©totj barauf cttoQS ju gut tat, fid^ na(^ i^m


§u nennen, aber ftd^ feine 3Jtü§e gab, i^rtt in feinen
©cjinnungen unb in feinem Sßerl^alten äl^ntid^ ju n)er=

ben ; roie man bie 3Jienfd^en mit 33erad^tung bel^anbette,


roic man i^nen bie fd^redElid^ften aJiartern antat, loenn
jie nid^t glauben rooUten, roaä für feine £e^re au§ge=
geben rourbe, unb !ein üemünftiger 9Jtenfd^ glauben
fonnte, roie man aber alle ^flid^ten ber 3JJenfd^enliebe,
bie er fo bringenb einfd^ärfte, ofine <Bi^iu übertrat."
Unb im britten ^eil: „^a mürbe man bid^, bcffen
Se^re man §u oere^ren unb oerbreiten ju motten voxi
gibt, alö ben größten ^e|cr, als einen ©otteötäfterer aufs
neue freujigen."

3. Bie 0ei|!ltrf^en Bomane.


©benfogut, wie an bie Sßanberungen beö ©roigcn
^ubcn ober beö roieberfe^renben ^eilaubö liefe fid^ natür=
Itd^ bie ©efd^id^te ober Äritif ber fird^lid^en 3uftänbe
aud^ an bie äßanbcrungen irgenb eines anberen erbid^;
tcten .gelben fnüpfen. Steifen unb 2Banbcrungen finb
ja bie ältefte ^orm beö 9loman6, foroo^t bes crnften,
ber auf bie Slbentcuerluft mittelalterlid^er SWitter jurüdf^
fü^rt, als bes fomifd^cn, mo ber 3)on Quichotte ein
glanjenbes 9)iufter für 3»^ffl'()rten atter 9Jlrt ah^ah.
Unb wie bas ©efü^l bca gefunfenen ß^riftentunid nid^t
auf 3)eutfd^lanb befd^ränft mar, fo ift aud^ ber ernftc
ober fomifd^c JWoman, ber gciftlid^e 3wftänbe bc^anbelt,
international. 2ßie groft aber bafl ^intereffc für biefc
^inge in ^Deutf erlaub mar, boö jeigt bie 2:atfoc^c^

boft aud^ bie auölänbifd)en ^Homane, felbft nenn fie


mmoia. 23

gan§ frembe ^ird^enjuftönbc betreffen, halb m^ i^rem


©rf^einen inö S)eutf(^e überfe^t raurben.
S)aö ift bem ioalbroman beö bänifd^en
fogleid^ bei

^rebigerä ^ontoppibon ber ^aff, ber 1742 unb 1743


in ^opcnl^agen erfc^ienen ift unb üon bort au^ auti) in

einer beutfd^en Überfe^ung oerbreitet würbe, bie von


1750 biö 1754 brei aiuftagen erlebte^^). ^afe ber ^elb
nod^ in ben ©iebjigeriatiren eine aUgentein befannte
gigiir raar, beroeift ja nod^ ber 2^itel ber Senjifd^en
Äontöbic: „S)er neue aJZcnoäa". S)er aJJenoja t)on

^ontoppiban ift ein afiatifc^er ^rinj, ber in ber bi(fften

^infterniö beö ^eibentumö geboren, bennod^ ben ®rang


naö) oben fütitt unb fid^ nun auf 9leifen begibt, um
bie oerfd^iebenen S^teligionen fennen ju lernen, ^um
e§riftentf)um befel^rt unb getauft, mxü er feine ^age
unter ben 6|riften befd^lie^en, bie er nun in gan§
@uropa genau su ftubieren fud^t. @r nennt fid^ felbft

einen 9?eifenben, ber eine erbaulid^e @emiitöt)ergnügung


fud^t, unb berichtet über feine ©rfal^rungen in 56 taugen
^Briefen, bie an 1000 ©rudffeiten füllen. ®er 33er=

faffer tjerrät bie genauefte Kenntnis ber fird^lid^en ^us


ftänbe in allen europäifd^en Säubern; befonberö in
^eutfd^lanb niu§ er rool^l auf S^teifen eingel^enbe ©tubien
gemad^t l^aben, bie uns no(^ gut gu ftatten fommen
werben. 9^id^t blo§ in diom, fonbern an^ in ben
proteftantifc^en Säubern finbet ber ^elb raenig ©Triften;
tum, oielmelir ein 2^eufeltum. 2lber er »ergroeifelt gu*
le^t bod^ nid^t! ^ro^ ben unabläffigen Allagen über
SSerfatt unb 33erberbniö ber 5lird^e gefd^el^e bod^ au^
ml ©uteä unb ®ott werbe sule^t atteä §u einem guten
©übe führen. 3lu§ ben ©d^ilberungen beä gelben er*
24 Sruber ®erunbio.

gibt ftd^ biefeö l^offnungöoolle 9tefultat für ben Scfer


freilid^ nid^t. 3lber ber $ßerfajfer »erfolgt eben erbaus
lid^c Bwßcfßr ß^ bebient fid^ nur ber SfJomanform gu
fidlerer 3Bir!ung.

2lus bem fernen ©ponien, aber auf bem Umraeg


über @ngIonb, ift bann bie „©efd^id^te beö berül^mten

gJrebigerö ©erunbio üon ßampagaä, fonft ©erunbio


3oted" nad^ ^eutfd^Ianb gefommen. ®er erfte 33anb
war 1758 fpanifd^ erfd^ienen unb fiatte fd^on burd^ feine
©d^icEfate Sluffel^en gemad^t. 2)er Äönig, üon ben @eifi=
lid^en unb Orben aufgefie^t, lie^ i^n unterbrüdEen unb
uerbot bem 33erfaffer, bem ^efuiten ^sla, bie ^crauö=
gäbe beö jroeiten 33anbe§. 2)icfer oertraute bafier bie
iganbfd^rift einem ^reunbe an, ber fie nad^ Sonbon
brad^te unb bort in englifd^er Überfe^ung (1772) oer«
öffcntlid^te. ©in^al^r fpöter überfe^te 33ertud^ bie eng;

lifd^e 33orIagc ins ^eutfd^e^^) unb in SBielanbö aKer=


!ur trat %. ^. ^öcobi fofort für baä SBerf ein, inbcm
er bem oortrefflid^en 33erfaffer, ber burd^ (Spott bie ücr=

borbene 5lanje(berebfamfeit feiner Sanböteute ju beffern


fud^te, feine ^ulbigung barbrad^te unb ben 9teid;tum an
2Bi6, urfprünglid^cr Saune, beifeenbcr Ironie, tiefer ©e?
le^rfamfeit unb reid^er S3elefen()eit rühmte. 2ln 6er=
oantes unb 9flabc(aiö gefd^ult, oerfpottct ber ©panier
bie gc(fcn()aften , gezierten, ni^- unb effeft^afd^enben
Sßanbcrprebigcr feiner 3cit unb feines Sanbcs in einem
groteßf geftaltetcn ^ypus. ^cn beutfd^eu üJcfern lagen
frciUd^ bie oon feiner fd^arfen (Satirc betroffenen Un^
orten unb 3wftfinbc red^t fern. 3lber :3iacobi fonnte
ben 2Bunf(^ nic^t unterbrücfen, andj für unfevc bcutfrfjen
©rüber ©erunbios ein g(cid;cs 5lorbial ju liabcn : „benn
S)er geiftlid^e Xon Duid^otte. 25

auä} wir fiaben, jur ©d^anbe unfcrer aufgeflärten Reiten,


nod^ roetd^e auf unferer Mangel." ©ein SSunfd^ ift balb
barauf unb mefir ak einmol erfüEt roorben.
^n (Snglanb, rao fd^on im 17. ^a^r^unbert 33utter
bie Puritaner in einer burleäfen gigur üerfpottet fiat,

ift glei($geitig mit bem jmeiten 33anbc beä fpanif(^en


33ruber ©erunbio oud^ ein fomifd^er S^ioman erfd^ienen,
ber baä 5J:;reiben ber ajJet()obiften aufö ^orn nal^m^^):
„®er geiftlid^e ®on Duijote" (1772), beffen eigentlid^er
5ßerfoffer (di. ©rooeö) feine Slrbeit in einer burleöfen
9^a(^fd^rift einem fingierten ^reunb ber a)^et^obiften in
bic ©(^ul)e fd^ob, fid^ aber bod^ ernftlid^ bagegen oers
raal^rte, ba^ er bie Steligion f eiber »erfpotten TOolIe.
S^r roiH er t)ielmef)r bienen, inbem er baö ungereimte
^erJialten ifirer ungefd^idften Seigrer unb ben unbefons
neuen ®ifer aberrai^iger (Sd^roärmer oerfpottet. ®aä
gefd^ief)t in genauem 2lnfd^(u| an ben ®on Duid^otte,
auf ben ja fd^on ber X^itet Derraeift; anä) unfer 3Ser=
faffer betrachtet feinen gelben als nid^t ganj rid^tig im
^opf. ®urd^ einen unbebeutenben ^orfatt gegen ben
Pfarrer beä ^ird^fpielä eingenommen, erlji^t fid^ @ott=
frieb SBilbgoofe an ben ©d^riften ber ©efticrer, befon=
berö ber aJietl^obiften , gegen bie englifd^e ^ird^e. @r
nimmt an einer $ßerfammtung teil, bie ^anbmerfer unb
^aglöl^ner unter einer alten Ulme cor ber ^ütte beö
elirlid^en, gefettigen ©c^ul)flidEerä ^eremialj S^ugroett t)er=

anftalten. tiefer ift ein fleiner unterfe^ter Rerl von


ftarfer Seibeöbefd^affenl^eit unb gefunber ^arbe, mit einer
unbefc^reibli(^ brottigen, luftigen SJiiene. ©ein natur=
lid^er SSerftanb üerfc^afft ilim unter feinesgleid^en ben
9?uf eines §albgelel)rten. @r fd^roä^t gern com ^riefter
26 S)cr getftlid^c 3)on Üutd^otte.

unb bcm ©roigcn ^uben, bcm üertüünfd^ten


:3;ol^anneö

©d^u^mad^cr, ber unfern ^eitanb auö bem ©erid^töfaal


ftie§, wofür er oerurteilt ift, fo long ein fierumfd^roeifens
beä Seben ju führen, biö ß^riftuö jutn ©erid^t fommen
njirb. i^eremial^ glaubt fteif unb feft an fein ©afein;
ber englifd^e $ßerfoffer beruft fld^ babei auf ben Söeric^t
beö 3)lattpuö ^arifienfiö, befanntlid^ eineö ber älteften
beugen für bie ©age. 2)ie Sage feiner 33ube an ber
©tra^e fe|t ben ©d^uftcr ber üertraulid^en 33egrü§ung
ber SSorübergel^enben au§; jeber fiat i^m unb er l^at

einem jeben roaö ju fagen. ^ier nun beginnt au^


SBilbgoofe öffentlid^ über bie Entartung ber ^ird^e gu
flogen unb er befdf)lieBt enblid^, alö 9Zad^at)mer SBbites
fielbö unb als ed^ter geiftlid^er ®on Duid^otte auSäujiel^en,

um bie Frömmigkeit ber erften ©Triften mieberfierjus


[teilen. 33ei biefen geiftlid^en 2tbenteuern ift ber ©d^ufter,
baö SBcItfinb, fein Segleiter: ber ©and^o ^anfa, ber
ben f)oI)en g(ug ber geiftlid^en 33etrad^tungen immer
^crabjic^t, nur um baö^raftifd^e, um offen unb ^rinfen,
bcfümmert ift, unb aud^ bie gciftlid^e 33ilberfprad^e,

bereu fid^ fein ^err in 3'iad^at)mung beä 3)ietl)obiften=

fü^rcrö bcbient, immer in bie oerftänblidje Oemeinfprad^c

überfefet. überall ift 3ßilbgoofe ju prebigen bereit,

meiftcns jur Unzeit, ftetö mit fd^ted^tem ©rfotg. 6r


vertritt bie iicFirc ber 9Jiet()obiftcn, ba§ ber ©taube
attcö, bie SBerfe nid^tö feien; ba^ bie mcnfd^lidOc Dfiatur

von Örunb axii oerbcrbt fei unb ber 2Bicbcrgcbiirt burdfj

bie ©nabc bcbürfc. W\t klagen über bie allgemeine


©ünbfiaftigfeit ber 9)icnfd^cn beginnt er, mitten unter
tanjenben iöaucrnbimcn, feine iWcbe; mit bcm 2^cufcl
unb mit ber fraffcften 6d;itbcrung von ^öHc unb Ü5cr*
S)er geiftlid^e Son Quid^otte. 27

bammniö ^d)ikU er fie. Söirb er fielen gelaufen ober


ausgelad^t ober geprügelt, fo freut er fid^, um unge=
red^ter aSerfoIgung tüillen ©egen ju erlangen. 2)er 3}ers

faffer lä^t il)n mit ben ^egrünbern ber metl)obtftifd^en

©eften, mit Sötiitefietb unb mit Söeälet), jufammentreffen;


unb er fonfrontiert il^n mit bem Cluadfalber unb feiner
„luftigen ^erfon", bie eine alleinfeligmad^enbe 3)Zebijin

für ben Seib ebenfo mar!tf c^reierifd^ , aber mit met)r

®rfolg anbieten, alö biefer DuacEfalber für bie ©eelen


feinen alleinfeligmad^enben ©lauben. f^reilid^ gerät im
Sauf ber ©rjälilung bie geiftlic^e 9)^ifflon be§ gelben
über ben eingefd^obenen ©efc^id^ten, bie bem aJiufter

^lid^arbfonö folgen, faft in 5Bergeffen§eit, unb fie mirb


nur hmä) ^toifd^enreben notbürftig in Erinnerung ge-

brad^t. ®er 3n)e(f biefer ©efd^ic^ten aber ift, ben


<Qelben ben (Segen ber Sanbmirtfd^aft unb ber @l)e

empfinben in leieren unb bie Umroanblung rorjubereiten,


bie bann burd^ ben ibealen ©orfpfarrer, ben 3Sertreter

ber merf tätigen Siebe, erfolgt. 3)ie Siebe gu einem


vernünftigen, gar nid^t geiftlid^en 3)Zäbd^en, tut baä

le^te; unb ber ^elb ift oon feiner religiöfen ©c^roär-

merei gel^eilt ©d^on ein ^ai)x nad^ feinem (Sx-

fd^einen ift biefer gar nid^t unintereffante S^ioman oon


einem angefelienen tlberfe^er, @elliu§, ins ©eutfd^e
übertragen roorben (1773). ®er junge ©oetlic (lat i§n
bamalä gelefen.

2Bie ber bänifd^e ^aftor einen afiatifd^en ^ringen,

fo fd^icfte 1771 ein bßffifc^c^ ©orfpfarrer, namenö


STeutliorn, einen ^uben^*^), auf bie Söanberung unb lieB
i§n in Briefen feine 33etrad^tungen über ben gegen;
märtigen 3"ftoni> i)C§ S^leligionäroefenä unter ben ^ro;
28 3)er retfenbe Qubc.

tcftanten unb ^atfiolifen ju Rapier bringen. ®iefeö Wal


iji cä alfo nid^t ber ©roige i^ube, fonbern ein moberner
2lbra^am 33en 30^0^^/ ^^^ fi<f; freut, ba§ bie 2tngriffe,

bie neuerbings üon allen Seiten gegen ba§ S^ieue ^efta^


ment, befonberä gegen bie Sefire oon ber ©ott^eit ßl^rifti

gerid^tet rourben, ben d^riftlic^en ©lauben felber unter=


graben, fo ba§ eö mit bem ßl^riftentum auf bie 9Zeige
gcl^e. 2BäF)renb fid^ bie Crtfiobojen, bie ber i^ube alä

l^irnlofe ©trol^föpfc bejeid^net, unb bie ^eterobojen, bie

i^m alä fluge oufgeflärte Seute erfd^einen, tniteinanber


^erumftreiten, ift ber ^uht ber tertius gaudens; benn
ber Untergang beö ß^riftentumö liegt im ^ntereffe ber
;3uben. ©0 ftreng alfo ber ^ßerfaffer aud^ bie 3Jiaäfe beö

Siuben aufredet t)ätt, fo wenig ift fein ©tanbpunft mit


bem beö Srieffd^reiberö ibentifd^. @r mad;t ben bor^
nierten Drtt)obofen unb ben geiftootten ^eteroboi*en in
glcid^er SBeife ben SfJiebergang beö d^riftlid^en ®Iaubens
jum 33orrourf . Unter ben le^teren unterfd^eibet er mieber
bie rationaliftid^cn ^rebiger, bie nur populäre unb
moralifd^c ^roede oerfolgen, unb bie ©d^üler ber ©emier,
3effer, 33aljrbt u. a., meldte bie biblifd^en Se^ren burd^

bie pF)ilologif d^e 5lriti( unb ^nterpretationöfunft als blofee


:3nterpolationcn ober 9J?i§oerftänbniffe Ijinausmerfen.
Unb eine boshafte ^rcube empfinbet er baran, ben
S3rieffd^rciber, alfo einen ^uben, als ^krtcibiger bcs
Goangeliumö gegenüber feinen d^riftlid^en SBefämpfcrn
auftreten ju loffen; fo nimmt ber ;^ube i 33. bie oiel«

angefochtene ©rjäl)lung oon ber 2lufcrftcl;ung gegen


ben aöolfcnbüttlcr ^ragmcntiftcn in ©d^utj ... 2)ie

®(^rift tnufe in Greifen ber X\)coioQm 2luffel)en gcs

tnad^t unb weite Jßerbrcitung gcfunbcn l)abcn; benn


(Sopl^ienä SReife. 29

eö finb im Saufe eincö ^al^rgel^ntö üier Sluflagen er^

fd;ienen.

S3ebient \iö) biefer SSerfaffer nur einer rontanlfiaften

©infteibung für t^eologifc^e Swtd^, fo waren aui^ im


eigentlichen ^toman geiftlid^e fragen unb ©egenftänbe
in ©eutfd^lanb (ängft ebenfo beliebt, mie in ©nglanb,
n)0 ja ber gute Pfarrer lang t)or ©olbfmitl^ä Sanb*
prebiger von SSafefietb §u ben [te^enben Figuren ge=

tlört^'). ^n granfreid^ I)atte ber Sßerfaffer beä üiet^

gelefenen @mi( baö ^^ealbitb eineö fatfiolifd^en S3ifarö


entroorfen, üom ©tanbpunft eineö gefü^lootten ^eiömuö
auä, mit ^intanfe^ung beö 2)ogma. tiefes ^beal raurbe
in ©eutfc^lanb nid^t oline 2Biberfpru(^ fiingenommen,
wie bie (Entgegnungen aJiöferö unb Berbers (^romngiat;
blätter) geigen, ^n feinem ber größeren Si^omane be§
18. ^a^r^unbertä fel^tt bo§ geiftlid^e Clement ganj, mag
eö nun in epifobifd^en Figuren beö ^farrerö ober beö
^anbibaten ober in ©rörterungen oon Streitfragen beä
religiöfen Sebenä gum Sluäbrud fommen. ^n gmeien
aber nimmt eö bie ^errfc^enbe ©tettung ein, bie unö
gmar l^eute frembartig berüfirt, bie if)m aber nad^ ben
Sebenöoerl^ältniffen eineä c^riftlic^en ^al^rl^unbertö aud^
in ber ^id^tung gebül^rte. ®er erfte, ©opt)ienä Steife
t)on 9)iemel nad^ ©ad^fen^^), rüfirt t)on einem Pfarrer
f)er unb l^at bie ^uftänbe ber ©ed^sigerjatire oor Slugen.
©leid^ am SSeginn mu§ bie ^elbin im ^oftmagen mit
ein paar ©eiftlid^en unb ^rebigern gufammen treffen,
maä bem 33erfaffer bie offenbar fel^r erroünfd^te ©e?
legenl^eit gibt, „einige nü^lid^e Söafirtieiten gu fagen";
unb immer mieber rairb fie auf ifirer att§u(angen, über
4000 ©eiten füttenben 3f?eife mit SSertretern beö geifts
30 ©opl^icnS 9icifc.

Ii(^cn Stanbeö in 33crüf)rung gebrod^t. 2Bir lernen


benn aud^ ben ^rebigerftanb auä biefem 9?oman von
au^cn unb »on innen fennen unb werben, ba bie
iQclbin ja aud^ f)ier auf einer Steife bebbad)tet, fogar
mit ben prooinjieffen Unterfd^ieben befannt. äBir er;
fal^rcn oon ber ©[eläbrüde,bem ©yanten, unb oon
aßen ben oerfd^iebenen formen ber 3Jielbung unb 33c=
Werbung. 3Son ber Sf^ioalität unb bem S^alentneib, befon;
ber§ aber oon bem 33rotneib unter ben Slmtöbrübern,
ber fid^ in barem @elb bemerkbar mad^t ; benn bie ^ab-
fud^t unb ber geiftlid^e §a§ werben atä bie unleugbaren
^apitalfünben beö «Stanbeö betrad^tet. 2Bir fe^en unb
l^ören, wie fie, bei fd^Icd^ter 33efolbung auf bie 3etj"tß«

angeroiefen, ju ©rpreffungen an ben ^farrünbern it)re

3uflud^t nel^men muffen. 9Bir befud^en ben fianbprebiger


auf bem ^rebigerf)of unb lernen baö fummer- unb mü^e;
tjotte Seben beö armen ©orfpfarrcrö fennen, ber burd^
ein franffiafteö igeimroef) feiner f^rau üon ©teile ju
(Stelle oertriebcn unb enblid^ ju ©runbe gerid^tet wirb.
2öir beobad^ten bie ^Pfarrer aud) bei bem ©ienft am
SBort, auf ber Äanjcl, unb f)ören Erörterungen über
bie üerfd^iebenen 2lrten ber ^rcbigten an. ©ö werben
enblid^ bie oerfd^icbenften , unb mitunter red^t aben;
teuerlidje 33orfd^täge jur üßerbefferung beö ^rcbiger*
ftanbcs laut. 2luö ben 2Inmerfungen ber fpäteren 2lufs
lagen, in benen ber 33crfaffer bcs txoii feinem monftröfen
Umfang wiebert)o(t aufgelegten S^lomaneö fid; gern mit
bem ^ublifum unb mit ber ilritif in ^ifput cintä&t,
!ttnn man baö gewaltige 3luffcl)en, bafi gerabe biefe

©teilen gemad^t I)abcn, beutlid) erfennen.


3iod; grböer war freilid) boö 3Iuf)cl;cn, unb ein
©eBalbuä 3iotl^anfer. 31

©d^rei bcr ©ntrüftung ging burd^ bic Greife ber ©eift;


Kd^en, als in bcn ©iebjigcrjal^ren (1773 — 1776) ein

profaner unb nod^ boju ein Slufflärer es raagte, Seiire

nnb Seben ber @eiftli(^feit sunt ©egenftanb eines fatis

rifc^en S^tomanes ju mad^en. 3Bie alle geiftli(^en dio^


mane, fo ift aud^ ber ,,©ebolbus S'tot^anfer"^^) anonpm
erfd^ienen; baB aber ber $Berleger Diicolai jugleii^ au^
ber SSerfaffer raar, bas raupte man balb ebenfogut,
als ba^ „©opliiens 9tcife" oon bem Pfarrer ^ermes
l^errü^rte. ©ein ^elb, ein Ijarmlofer ^orfpfarrer, beffen

fige ^bee eine neue 3luslegung ber 2lpofalt)pfe ift, ntad^t

fic^ bei ben ortliobojen Obern burd^ feine ^rebigten


unmöglich, von benen bie eine ben ©a^ bel^anbelt, ba§
man aud^ bie ßliriften anberer 5!onfeffionen unb bie

^uben unb bie Reiben nid^t »erbammen bürfe. @r leugnet


bie ©migfeit ber ^öllenftrafcn unb glaubt nid^t an bie

eroige 58erbammnis. ®urd^ fold^e 2lnfd^auungen roirb er


aus 2lmt unb (Stellung »ertrieben unb ein 2ßilb für bic

©eiftlid^!eit, bie nid^t rul)t, bis fie i§n mit feiner ^a*
milie gu ©runbe gerid^tet l^at. ^nbem fo aud^ ©ebalbus
S^iotlianfer unfreiroillige 2Banberungen antreten mu|,
geroinnt aud^ biefer 33erfaffer bie ©elegenl)eit, it)n mit
bcn SSertretern ber üerfd^iebenften 9iid^tungcn bes fird^^

li(^en Sebens unb ber proteftantifd^en S^^eologie in 33es

rütirungju bringen, bie il^re „3)Jeimingen" oortragen unb


fi(^ entroeber felbft untereinanber gcgenfeitig roiberlegen
ober burd^ ben ä^enben ©pott bes ^ßerfaffers roiberlegt
roerben. ©o entliält ber 9toman juglcid^ eine fd^arfe

5lriti! bes geiftlid^en ßebens ber 3cit i" ben oerfd^iebenen


©egenben bes beutfd^en S^iorbens. 3}lit üiet bosfiaftercr

©atire als Hermes beleud^tet 9^icolai bann aud^ bic


32 ©cbolbuä Slotl^anfer.

materiellen Qinterejf en beö ^rebigerftanbeä ! ®ie amtliche


Karriere, bie 33efe^ung üon ^farrfteHen, bie ©ebü^ren
u. f. tu. 2ßaö unö aber in feinem JRoman fieute fünft;

lerifd^ fo auffällig berülirt, baö ift ber Umftanb, ba§


fid^ alle bie Begegnungen bes gelben mit ben ©eiftlid^en

anberer 3?id^tung unter bem freien ."gimmel abfpieten.

SBir feigen ©ebalbuö auf ber Sanbftra^e manbern; eä

fd^tiefet fid^ il^m ein ^ufegänger an unb rid^tig ift eä


ein 2^f)eoIoge, ein ^etift, ber von ber ©ünbfiaftigfeit
ber menfd^Iid^en 9?atur tief ergriffen ift unb alles üon
ber ©nabe erroartet. ©ie gelien fetbanber auf SBerlin
ju unb ber petift unterläßt es nid^t, feinen 33egleitcr
vox biefer ©tabt bes Unglaubens ju rcarnen. ©e^t fid^

ber ^elb bann etroa unter ben Sinben auf eine San!,
fo ift es rciebcrum ein S^l^eologc, ben er jum 9?ad^barn
l^at. (5s mad^t auf uns ben ©inbrudf, als ob bie Sanb;
ftra^en oon ©eiftlid^en wimmelten unb aud; bie ©äffen
unb ^lö^e ber ©ro^ftabt nur mit 2;i)eotogen bcoötfert

wären, als ob überhaupt nur ©eiftlid^e auf ber 3Belt


mären! Unb benfelbcn ©inbrudf ()at man in ©oetI)es

l^ragmenten bei ben 2ßanberungen bes roieberfel;renben


^eilanbs aud^.
9led^t rocnig bebeutet bagegen bie ©d^ilbcrung bes
fat^olifd^cn 2^reibenfi in bem „^farrerfrieg" bes 2Bieners
9Beibmann (1781), einem „fd^erjl^aften .^elbengebid^t"

in brci ©efängen unb miferablen ^cjametcrn. ^as


93orbilb ift bas ,,6l)orpult" oon 33oileau, ber \a aud)
fd)on bicfcs 3)Jilicu in bem trauefticrcnbcn Xon bes
fomifc^en (Spos be^anbelt l^attc. 58ei 9Bcibmann ent«

ftcl)t jroifc^cn jroci Pfarrern, oon bcncn ber eine bie

fieic^e eines 3lrmen auf ben SBunfd) beö ©utsljcrrn


Sßcibmannä ^fatrerfrieg. 33

begraben raitt, roätirenb ber anbere au^ 2lmt§neib ba^


gegen ift, ein fomifd^er ^rieg jroifc^en ben beibcn
Pfarrern, gtoifd^en iJiren 3Inf)ängern unter h^n 33auern
unb iukl^t aud^ groifd^en i^ren ^unben. ^ie 9?eltgion

felbcr fteigt von t{)rem 3:^^ron herunter unb ftiftet

^rieben, ^on bem ^unftmittel ber 2^raoeftte, üon bem


bie ganje ©attung lebt, wirb ein übermäßiger ©ebraud^
gemad^t. ®ie 33algerei groifd^en ben ^rieftern beä ?^rie;

benö rcirb atö ,,ber burd^lauc^tefte ©toff", ben jemalö


ein ^id^ter bedungen t)at, unter fteter Slnrufung ber 9Jlufe
üorgetragen. 33erül^nite (Situationen beä ernften @poö
ober ber 33ibel werben parobiert: ber Slbfd^ieb bes
©d^ulmeifterö üon feinem SBeib, el^e er in ben ^ampf
§ie^t, rairb mit ^eftor unb Slnbromad^e üerglid^en, unb
boä ©rraad^en beö ©d^eintoten wirb mit SBejie^ung auf
bie 2luferftel^ung ßl^rifti ergäfilt. @pifd^e Silber unb
Sßergleid^e, burd^ baä bequeme 2lnafolutl^ in bie Sänge
gesogen, l^alten auf ©d^ritt unb 5^ritt bie iganblung auf,
bie weniger üon ben beiben Pfarrern felbft, als üon
ben unjä^ligen allegorifd^en ©ottl^eiten (ha^ Ungefähr
mit feinem Wiener ^wf^ll, ber Stuf, bie DIeugier, ber
3'leib, ber ^rieg, bie 3n)ietrad^t, 2lmor, bie S^ugenb, bie
^letigion) gefül^rt wirb. S)ie ^arobie unb bie S^ratjeftie

()errf d^en fo ftar! cor, ba| meber \)k ß^araftere ber


Pfarrer nod^ baö aJiilieu beä gjfarrerftanbeö jur ©el^
tung !ommen unb man außer ein paar fatirifc^en ©eiten-
l)ieben auf bie ©elbgier ober ben SReib ber ©eiftlid^en
!ein S3ilb ber ^wftönbe erl^ält.

5Hlinor, ©oet^eS eroifler 3ubt.


34 2)M^aci^tung be§ gciftlid^en Stanbcg.

„2öcnn bie ©tcner unb ^riefter einer 9?eligion, es


fer)e üor eine roaö e§ rcotte, in großer unb allgemeiner
5Berad^tung ftefien, bann iftö ein geroiffeö 3^^^^^"^ ^^B
bie ^ieligion ebenfalls üerad^tet werbe, unb ba§ fie i^rem
Untfturje nal^e fepe . . . 2Ber ben ^Ramen eines !(ugen,
n)i|igen, tiefbenfenben, fonberlid^ (aunid^ten Kopfes er^
jagen roill, ber mad^t ein 33üd^Iein ober fd^reibt Stomanen
unb ©attiren gegen bie ^riefter unb ßeoiten unb tnad^ts
fünftli(^ bunt unb fraus, um ben Sßäd^tern ^^ons ^ol^n

ju fpred^en, unb bann ift er flugs ein raifeiger ^opf,

ftarfcr felbftbenJenber @eift unb feines S^amens ^lul^m


crfd^allet an allen Orten unb ©nben." ©o frf^reibt ber
S^ieifenbe 3ui>c, unb bei Hermes erüingt basfelbe Sieb:
„Keffer, bafe wir Saien eins breinreben, als bafe mir
ben Ärug fo lange jum 2Baffer ge^en laffen, bis er

brid^t. 2Bie lange roirbs mätiren, fo faßt auf einmal


afle 2ld^tung gegen ben geiftlid^en ©tanb, befto tiefer,

je plbfelid^er fie fällt. ^^ badete, rocnn ml e(;rlid^e

Seute, roie id^, oon md(i)zn man roei§, wie fe^r fie bie

^Religion unb i^re 2)iener üere^ren, roenn, fagc id^,

»iele i^res ^erjens 3Keinung fagten: fo mären bas


©tilgen, bie bas roanfenbe ©cbäube galten !önnten" . .

,,Sagen ©ic mir nur, rool^cr fommts, ba§ bie ©cift^

Hd^en nun fd^on fo tangc fo oerad^tct finb?" . . . „Söofier


fommt eure 33erad^tung gegen bie Wcifltid^feit, bie

ben i^rembcn fo fctjr auffällt? [m gefit ja fo mett, ba§


ic^ in einer ber bcUebteftcn beutfc^cn 6d)riften ben
©runbfafe gefunben \)ahc, man mufe mit einem ^^rebiger
nur in2)ingcn, bie fein 3lmt betreffen, ju tun (jaben""").
Xiefftanb be§ religiöfcn Se5enä. 35

^n (gnglanb raar eö nid^t anbcr§. „(S§ tft ja frci=


lid^ ein gottlofes Zeitalter, in bem mit leben/' fogt
ber Pfarrer; „unb bie SBett ift mit Unglauben, ^e^ereti
unbSd^TOärmere^ überfd^roemmt; nientotä ift bie ^ird^e

fo felir in ©efa^r vox ©otteöläugnern unb ©eftierern


geroefen, als i|t." Unb SBilbgoofe antwortet: „Tttin
^err, id^ fteHe mir üor, ber ^irdf)e größte ©efal^r rü^re
t)on bem forglofen Sebenöraanbel unb ben ausgearteten
©runbföfeen i^rer eigenen ©lieber fier."

®aB e§ mit ber d^riftÜd^en Se^re unb mit bem fird^s

lid^en £eben ber 3«it fd^limm ftünbe, barin finb bie 3Ser=

faffer aller in ben vorigen ilapiteln erroäl^nten ©d^riften


einig, ^eine oon ifinen ift oon einem Ortl^oboren t)er=

faJ3t. ®ie Ort^obojen füllten fid^ fidler in bem 33efi|


ber lauteren Seigre unb raiefen jebe 2)iöfuffion religiöfer
fragen t)or bem Saienpublifum ftreng gurüdf. ©ie
gaben ben ^eterobojen bie ©d^ulb, ifir reineä SBaffer
äu trüben; roä^renb biefe raieberum in bem 33orrourf
einig roaren, baB bie ©tarrc unb (Sntroidflungöunfätiigs
feit ber ort^oboyen Se^re ben 3fiiebergang beö religiöfen
ßebenö oerurfad^t l^abc.

S8on ben allgemeinen religiöfen 3"ftänben unb


SBirren fann uns ^ranffurt ein 33ilb im !leincn geben,
^ier maren ade ^onfeffionen unb innerl^atb berfelben

faft alle S^lid^tungen üertreten. ©in ©prid^mort fagtc:


bie Äatl^olifen befä^en bie ^ird^en; bie Sfleformiertcn,
bie au^ ben reid^ften Äaufleuten beftanben, fid^ aber
nur in ©ad^fenl^aufen üerfammeln burften, befä^en
bas 3lnfe^n; bie Sut^eraner befä^en ben aJiagiftrat.
Unter ben Sutlieranern gab eö mieber Ort^obojc unb
gJietiftcn. ®ie Ort^obojen Ratten i^ren ©tü^punft
36 g-ronffurtec ^uftänbe.

im lutB)erif(|en ^rcbigerminifterium, beffen ©enior


§u @octJ)Cö ^ßiten ^litt (geftorben 1773) rcar, ein
©d^üler SBoIfä, bcr ber ortl^obojen Seigre mit ber
pl^itofopfiifd^en 9)tetl^obe §u ^ilfcfommen moHte. ©in
^Jlann üon impofanter (Srfd^einung, voU Sanftmut
unb 3JliIbe gegenüber ben ifim anoertrauten ©d^afen,
Dcrftanb er bod^ im fünfte ber Seigre feinen ©pa§:
bie granffurter ©elel^rten Slnjeigen fanben an ifim
einen entfd^iebenen ©egner unb fein 33erbienft mar eö
roolil, baB ber gran!furter 3Jiagiftrat feft ju ber ort^os
bofen Partei l^ielt unb fogar mit i^rem 3Katabor, bem
^auptpoftor ©oeje in Hamburg, in SSerbinbung trat.

®ie ^ietiften fiatten feit ©penerö 3ß^ten in ^ranfs


fürt feften ^^u^ gefaxt unb fpäter burd^ bie ^errenl^uter

3utt)ad^ä ermatten. 3" ®oet§eö Reiten mar namenttid^


burd^ ben berühmten 9)Zofer unb baö ^räulein oon
5llettenberg ber Pctiömuö in ben oornetimften Greifen
9Wobe geworben, unb bie ,,©tillen im fianbe" bilbeten
eine Äird^e für fid^. 2lIIe biefe 5lonfcffionen unb dii^'-
tungen beftanben jioar nid^t of)ne innere ©cgnerfd^aft

unb j^einbfcligfcit, aber bod; oljne offenen .^rieg neben;


einanber. ©ic Bereinigten fid; nur gegen einen gemein^
fomcn j5cini>/ nämlid^ gegen ben Separatismus, unb ba
biefer in ben ^anbraerferfreifen feine feftc ©tü^c t)atte,

roaren es nid^t blof? religiöfe, fonbcrn aud; fojiale ®cs


gcnfttfec unb kämpfe.
3)er ^rinj 9J?cnoja, ber j^ranffurt im ^a\)xt 1726
bereift ^abcn mitt, entwirft eine fcbr anfd^autid^e ©d^il;
berung i^rcs Treibens. «Sie fonbcrn fid) üon ber lut(;e:

rifd^en Jlird^e ab, tDoQen nid^t als ®eftierer unb


3Jienfc^cnbicner gelten, fonbern gan.^ unpartciifd^ oon
2)ie gi^anf furter ©eparatiften. 87

bem Söortc ©otteö unb beffen Urteil abi^ängen. 2(ber

fd^on ber afiatifc^e ^rins finbct, ba^ fic ben ©tauben,


ben fie ben orbentltd^en Sefiren ber ^ird^e cerfagen,
in einem jel^nmal größeren ©rabe für baö in 2lnfprud^
nel^men, raaö anbere feparatiftifd^ gefinnte ©d^riftfteller
fagen. „®ie ©rfal^rung l^ot mid^ getefirt, bofe biejenigen,

roetd^e auf biefem Slbroege oerraeilten, faum beffer, etlid^e

aber in allen ©tücfen raeit ärger werben, alä ber gro§e


^auf c ber üerfallenen ^ird^e beibes, in ber Seigre unb
im Seben, ift." Unb er begegnet einem Separatiflen,
ben er nod^ einen gemäßigteren nennt, ber fid^ aber
berb unb ^eftig genug ausläßt, ©r »erlange nid^t, fo
fagt er, ba§ bie ^irc^enoerfammlung, gu ber er fid^

etwa fialteu fottte, abfolut unb fd^ted^terbingö rein unb


f ogar von ^eud^tern befreit fein müßte ; rcolit aber, baß
biejenigen, meldte offenbare äßerfe beö j^leifd^es treiben,
oon ber ©emeinfd^aft auögefd^toffen würben. Sa aber
aus 3Jianget ber ^ird^enjud^t alle SSerjäunung fd^on
längft barnieberliege, fo fei ßion roüft unb eine 2Bof)s
nung ber milben 2^iere morben, i^re redeten ©inrool^ner
muffen in bie 3Büften fliel^en. Senn mo feine S^ifd^^

jud^t getialten werbe, fonbern ^unbe unb ©d^raeine


ebenfo freien 3wtritt fiaben, aU bie ^inber, ha fei er
nic^t gefinnt fid^ einjufinben. SJienoga wirft i^m cor,
baß feine 2lugen eben nur bamit befd^äftigt feien, an
ber ^ird^e baö 33öfe gewal^r ju werben, unb l^ält i{)m
entgegen: „^n 2Ba|rf)eit, es gibt ©eparatiften, bie ba
fd^ärfer alö anbre ju fe^en prätenbieren unb ni(^töbefto=

weniger fide implicita glauben, rt)a§> bie Häupter ifirer

©efte glauben, oline einigen 3"fo^J^"^ß"^fli^9 baoon §u


wiffen."
38 3nfpi"«tte unb ©d^roärmer.

SBie überall fo fanb au(| in ^^ranffurt her (Separat


tiötnuä in §anbn)er!er!reifen ben günftigften 9Mf)rbobcn
unb baä 2tuf treten oon ^nfpirierten unb ©d^wärmern
TOar l^ier etroaö fo ©eroöfjnlid^eö wie in 9^ürnberg, too

man bem ^ringen SJienoja fagte, bergteid^en fäme jebeö


^ol^r ein= ober mefirmal cor. ^m ^affXi 1726 l^ielt

ber tnfpirierte ©attter '^od auö SBürttemberg eine öffent;


lid^e Strafprebigt über bie fünbl^afte ©tabt granffurt,
Toeld^er ber unerfättlid^e ©d^tunb ber ^ölle nat)e fei unb
ber er ben balbigen Untergang in Sluöfid^t ftellte, roenn
fie fo fortfal^re. (Sr roottte aud^ geigen, \)a^ i^r ^rebigt-

ftuf)I, Rixö)-, öeid^ts unb Slbenbmal^tgel^en t)or bent


Ferren oerbannetfei: „benn wie i^re ^erjen ^empet unb
SBofinungen ber Teufel finb, fo fiaben fie aud^ feinen
raafiren unb reinen ©otteöbienft. 1738 wereinigten fid^ bie

Sutfieraner unb ^atl;otifen ju geroaltfamer ^Vertreibung


ber ^ietiften unb forberten befonberö bie igönbioerfS;

burfd^en auf, fid^ mit ©eroetjr, StodE ober ®egcn ein;


jufinbcn. Qm ^iafire 1758 (©oct(;e ftanb bomals im
jel)nten ^a\)xe) mod^te ber ^ofamentierer Subroig großes
2tuffet)en. 3lm meiften neigen bie fi^enben .^anb:
werfe ber ©d^utjmad^er unb ©d^neiber jur religiöfen
©d^roärmerei : ber 9J?angcl an Seroegung erjeugt gteidjers
roeife Söefd^aulidjfeit wie 33efd^roerben im Unterleib, bie
roieberum auf ben 5lopf einen üblen Ginfluö ausüben,
^anö <Ba6)^ unb ^atoh Söb^me roaren ©d()ul;mad()or

ober ttuc^ unter ben ^infpirierten unb ©eparatiften fin^

ben mir oft genug öcrrücfte ©dOufter. (Sine ctnmö


rul)i0crc (5rf^einung ift ber ©df;ul)mad^cr ©d()icf, ber
von i^rflnffurt narf) 3}iaricnborn in ber Sl^cttcrau über;
fiebcttc, oiclc ^^l^re alft !Diafporaarbciter in ber Um^
©oeti^eä ©tanbpunft. 39

gebung oon §ran!furt für bcn ©rafen ^^«scnborf tätig

xoax, unb rceil er mit bcr 5!Iettenberg üict in 33erül^j

rung tarn, bem jungen ©oetlie faum unBe!annt ge;

blieben fein fann. ©oetlie fagt ja felber, metteid^t im


^inbti(f auf ^ung:©tilling, in feinem t^eotogifd^en Briefe:

„^ä) ^ahe ©d^n eiber fennen gelernt, bie äJioö^eimen ju


raten aufgegeben fiötten !" 6r erjä^lt unä aud^ in ©id^-
tung unb 2Baf)rf)eit, maä feitbem in ben Duetten feine
SSeftätigung gefunben f)at, ba^ ber attoerelirte ^aupt-
paftor ^refeniuä, ber ^reunb unb geiftlid^e ^Berater

feiner ©ttern, mit ben ©eparatiften in beftänbiger ^el^be

lebte. ®er Ober^ofprebiger in ben Sefenntniffen bcr


fd^önen ©eele f)at aud^ biefen 3«9 »on feinem Urbilb
beibel)alten.

6§ ift nid^t meine Slufgabe, ju jeigen, roie fid^ ©oetl^e

von 5linbl;eit auf ju ben üerfd^iebenen S^tid^tungen bcö


religiöfen fiebenä üer^alten fiat, bie er in feiner 33ater-

ftabt oertreten fanb. ^ür mid^ !ommt nur in Setrad^t,


mie er §u if)nen ftanb, aU er bie f^ragmente com ©roigen
3;uben f(^rieb; unb baö roirb auö ifirer Interpretation
biä inö einzelne !(ar werben. SfJur ben attgemeinen
©tanbpunft möd^te id^ f)kx oorauögreifcnb näfier bes
ftimmen. @ä ift in einigen mefentlid^en fünften bcr=
felbe, ben bie f^ranf furter @etel)rten 2tn5eigen in ber
3eit von ©oet^eä aJiitarbeiterfd^aft (1772) einnel^men
unb ben ®oet{)e jeitlebenä beibehalten ^at. ®em ^öf)(er=
glauben unb bem ^ird^engtauben mar @oett)e bamalä
ebenfo mie bcn ©titten im Sanbe entmad^fen. 2tuä
bem (Sommer 1772 ^aben mir ba§ 3«"9"iö ^eftncrä:
„(gr gel^t nid^t in bie ^ird^e, aud^ nid^t ^um Slbenbs

mal, betet aud^ feiten. ®enn, fagt er, id^ bin baju
40 ®octl^c§ ©tanbpunft.

nid^t Sügner genug. 3Sor ber d^riftlid^cn ^teligton ^at


er iQod^ad^tung ; nid^t ober in ber ©eftalt, roic fic unfere

S^^eologen barfteHen." 2)atnit ift gcfagt, ba^ ©oetl^c


über bem 2)ogma unb über ben d^riftlid^en ^onfeffionen
[teilt; Töir werben biefen ©tanbpunft in ben ^rog;
menten roieberfinben. 3luö i§nen roerben rair aber
and) erfe^en, baB ©oetl^e üon bem 3fiationaIi§muö ber
2luf!lärung fid^ raefentlid^ inbem er an
unterfd^eibet,
ber ©ott^eit ß^rifti feftpit unb baö „au§gefd)euerte"
6§riftentum mit beuttid^er Ironie abroeift ; i^ barf ^ier
baran erinnern, ba§ bie rationaliftifd^e S^^eologic in
^ranffurt jur 3ßit ^^^ jungen ©oetfie über^upt nid^t

vertreten mar, fie ift bie einjigc ©trömung, rceld^e in


bem religiöfen ßeben ber Stabt fef)lt. 3Jiit ben %xanh
furter @eIeF)rten 2lnjeigen aber teilt ©oetfie ben Un«
glauben an bie ©ünbl^aftigfeit ber menfd^Iid^en 9ktur,
bie fid^ nid^t au§ eigener ^roft, fonbern nur burd^ bie
göttlid^c Önabc roieber erfjeben fönne; unb bamit lel^nt

er jugteid^ aud^ bie ^Folgerungen, ben ©lauben an einen


eroig jürnenbcn unb unerbittlid^ ftrafenben ©ott unb
ben @Iaubcn an bie ajJad^t beö ^eufelä ab. ^abei iji

@oetf)c jeitlebcnß fielen geblieben. 2öeil er alle blo§

Icibcnben 3«ftänbc, $öcrbroffen^eit, ©elbftoorroürfe,9teue,


öcrroirft unb bie ^ilarität als ^auptbeförberungömittel

eines freien unb eblen 6inncö preift, fül)lte ©oetl^c

fpätcr 5ric^^"*^wft au^ ©pinoja fid; cntgcgcnroe^en.


Unb an^ bcmfclbcn ©runbe Iclintc er umgcfcl)rt mit
(Sntfrf)icbcnf)cit bie £e(ire 5lantö t)om rabifalcn übet unb
bem 3fiabifalböfcn ah. 3(ud; bie fd^önc Seele uermog
fid^ in ben Söcfcnntniffen ben ©ebanfcn auö bem Falles
f(^en Grjiefjungftfpftcm nid^t anjucigncn, roonad; jcbc
©octl^eä Äonftift mit ber SBrübcrgcmeinbe. 41

33efef)rung mit tiefem ©d^recfen über bie ©ünbe, mit


^urd^t cor ber ^bffe u. f. ro. anfangen müjfe; bie ©es
füf)Ie ber Trauer, ber ©ünbliaftigfeit, ber <Sd^re(fen
ber iQötte oermag fie überl^aupt nid^t in fid^ auffommen
ju toffen. Unb nod^ im i^ofien 2ltter l^at fi(^ ©oetfie
einen ^elagianer genannt, raeit biefe ©efte üon ber
gän§li(^en SSerberbniö ber menfd^lid^en ^iatur nid^ts

wiffen motte ^^).


®ies mar nun aud^ ber entfd^eibenbe ^un!t, ber
il^n oon ber ^tettenberg unb il^rem Greife trennte, bie

alfo, roenn mir @oet{)e§ (Srjä|(ung in ^id^tung unb


2öal^rf)eit^2) mel^r alö ben Sefenntniffen im 2Bil^cIm
3Keifter trauen bürfen, fid^ l^ier in einem entfd^eibenben
3uge üon ber fd^önen ©eele unterfd^ieb. ©oet^e er»

jäl^lt, ber innere ©egenfa^ fei §um erften 3JJaIe in f)arm=

lofer f^orm ju S^age getreten, al§ er bei ^ßorlefung ber


9J?iffton§berid^te fid^ ber l^eibnifd^en 5ßölfer gegenüber ben
3Jiiffionären annal^m unb il^ren früEieren 3"f^^"^ ^^^
neueren oor^og. §ier fiat fid^ ganj unmittfürtid^ ber
igcibe in ©oet^e geregt, ber fpätcr aud^ in ber ©rften
SBatpurgiönad^t bie Partei bes alten ©laubenö er=

griffen unb nod^ eine ^o^me 3£enie mit ben SSerfen


begonnen l^at:
„®en beutfd^cn 3Jlannen gereid^t'S jum Sul^m,
S)a^ fie gel^a^t haä ßl^riftentl^um,
aSiä §errn ©arolttä leibigem Segen
35ie eblen ©ad^fen unterlegen."

©ang flar aber fei er fid^ beö ©egenfa^eö ju bem


frommen Qixtd bei einer anberen ©elegenfieit gemorben,
mo er feine aJJeinung ganj unummunben auäbrüdfte.
Unb nun füfirt er an^, bajg berfelbe ©egenfa^ aud^
42 ©octl^cä Äonflift mit bet 93rübcrgcmeinbe.

in ber Äird^cngefd^id^te fid^ immer mieberl^ole: bic

einen glauben, ha^ bic menfd^Iid^e 9Zatur hm^ btn


©ünbenfall »bllig cerborben unb otjne bie ©nabennjirs
!ung tjerlorcn fei; bie anbeten bagegen gloiiben, ba^ fic

tro^ bcn erblid^en SKängetn fi(^ felber, burd^ bie götts

tid^e ©nabe neu belebt, wieber aufrid^ten fönne. $8on


biefer legieren 3Keinung fei er, ol^ne eö felbft gu rciffen,

burd^brungen geroefen, obrcot)! er fid^ mit 9)Zunb unb


geber ju bem Gegenteil befannt fiabe. ßrft bei biefem
©efpräd^ fei er fid^ feineö ©tanbpun!teö flar beraubt

roorben, ber i^m bei ben S3rübern ben SSorraurf beö


^etagianiömuö eingetragen fiätte. ®aö l^ätte i^n oers
anlaßt, bic Äird^engefd^id^tc unb ba§ Seben unb bie
£e{)re beö ^elagiuö ju ftubieren ; unb bort fiättc er ben
©egenfa^, ber fld^ groifd^en ber 33rübergemeinbc unb
if)m, bem ^elagianer, fierauägeftcttt l^ätte, aU ti;pifd^

roieberfcEircnben erfannt.
©d^roerlid^ fann biefe 6rjäf;Iung vov einer ftrengeren
5lriti! ju SRed^t bcftelien. SBenn ©oetfjcö ätteftcö ©c^
bid^t, bic „^octifd^en ©ebanfen über bie ^öttenfafirt
^efu 6t)rifti", ba§ ja „auf $8erlangcn entroorfen" ift, aud^
nod^ bie 2lnfid^t ber 33rübergemeinbe unb ber 5llcttens

berg micbergibt unb fid^ in ber 2lusmalung ber ©ünb*


tiaftigfeit ber menfd^lid^en 3laiux, ber ©d^redfen ber
^ötte, bcö 3orne6 bes ^errn unb ber 9)iad^t feines
2)onnerö nid^t genug tun fann, fo nefimcn bodf; fdf;on

bie iJranffurter ©clefirten Slnjeigen 1772 mit aller

Gntfrf|iebenl)ctt ben cntgcgcngcfctjtcn ©tanbpunft ein.

©ie eifern gegen bie £el)re oon bor .^crrfd;aft bcö


©atan« im ^^enfc^en, bic uns mit ber 9Jiuttcrmild; ein«
geflößt roorben fei unb bic attcö Sööfe in ber 933ett unb
©octl^eä ©tubium bcr Äird^cngefd^id^te. 43

bie böfen ^anblungen ber 3)ienfd^en auf feinen ®inf(uS

gurüdfü^ren tüolle. <5ie betrad^tcn ben lutfierifd^en StuSs

brucf üom 3otn ©otteö aU einen ron bcnen, bie bcr

S'leliöion tne^r gefd^abet als genügt l^aben; unb üer=


urteilen an einer ©teUe, bie il^re SBirfung nid^t »er;

fel)lt f)at, bie gonge SBettanfc^auung beö ftrengen unb


franfen ^aöcal, ber ßliriftuä nic^t als einen greunb
ber 3Jienf(3^en, fonbem als einen mürrifd^en ^x)rannen
l^infteUe, ber immer bereit fei, mit bem Bonner jujUi
fd^lagen, ber ben 3J?cnfc^en immer in 3roiefpalt mit
ber eigenen ^Zatur fe^e unb ben ©clbftl^a^ gur ^flid^t
mad^e^^). damals alfo fonnte ©oetfie über feinen
©tanbpunft nid^t mcl)r im unflaren fein. Unb nun
foll er gar erft je^t üon ^elagius geprt ^aben, unb
auf bie 5lird^engefd^id^te gefütirt morben fein, als er

fid^ von ber Srübergemeinbe losfagte!


@s ift befannt, ba^ ©oetl^e im 2llter ein genauer
Kenner ber ^ird^engefd^id^te^'^) war. ®er Rangier aWüHer
erjäljlt oon ber naioen SSerrounberung eines franjöfifd^en
^roöinjgeiftlid^en, bem ©oetl^e bie franjöfifd^e ^ird^en*
gefd^id^te ber legten brci 3ö'f)rl)«ni>ci^tß in großartigen
Umriffen aufrottte. ©benfo fidler ift, 'oa^ ber ©runb ju
biefen ^enntniffen fd^on in frülier ^ugenb gelegt tourbe,
oline baß man inbeffen über ben Umfang unb bie ^iefe

feiner ©tubien bei ben roiberfpred^enben ^eugniffen jur


^larl;eit fommen fönntc. 6r erjäl^lt uns in ©id^tung
unb Sißa^r^eit, baß er fd^on als Äinb auf 33efel)l bes
3Saters bie ,,Unparteiifd^e iQiftorie ber ^äpfte" t)on bem
©d^otten Soraer, einem ©fiefuiten, ber gum ecangelifd^en
33e!enntnis übergetreten mar unb balier gegen bas
^apfttum fd^rieb, üorgelefen §abe; miberroittig unb un«
44 @octl|eä ©tubiutn bcr Äird^engefc^ic^te.

oufmerffam giüor, bod^ fei i^tn fo mand^eö geblieben,


woran er fpäter anfnüpfen !onnte. ^ier ift nun ju
bcad^ten, bo^ biefe ©efd^id^te, bie ttuBerbem b[o§ baö
^apfttum bet)anbelte, im ^aifx^ 1751 ju erfd^einen be=
gann, 1765 bei betn fed^ften ^anb ^ielt unb erft 1780
mit bem gefinten obgefd^Ioffen rourbe; fie !onnte al)o
bem Knaben f)öd^ftenö jur ^älfte befonnt fein. ©tär!er
rcaren oI)ne B^^^if^^ i>iß ©inbrücfe, melrf^e ber junge
©oetl^e t)on ber ,,UnpQrteiifd^en 5lird^ens unb ^e^ers
Porie" beö ^ietiftcn Slrnolb (^ronffurt a. m. 1688
biö 1699) empfing, .^ier fprad^ nid^t blo§ ein ref(ef=
tierenber ^iftorifer ju il^m, fonbern aud^ ein frommes
unb füf)Ienbeä ©emüt. 9JJänner, bie man i§m bisher
alö toll unb gottlos, als ^e^er »orgefülirt ^atte, lernte

er nun au^ bem entgegengefe^ten ©efid^tspunft als


3eugen für bas ernfte ©treben nad§ SBal^rl^eit betrad^ten
unb er begrüßte in bem 33erfof[er balb einen ©efius
nungsoerroanbten. ©eine ©trafeburger 2)iffertation be«

l^anbelte befanntlid^ ein fird^cngefd^id^tlid^es ^liema; unb


©oetl^e begrünbet bie Slusroal^l in ©id^tung unb SBal^r«

I)cit ausbrüdflid^ mit ben 2Borten: bie 5lird^engefd^ic^te

fei il)m befannter geroefen als bie SBeltgefd^id^te. ^n bem


,,33rief bes ^afiors" lieifet es bann bcfd^eibener : ,,S)as

rcirb niemanb munbern, roer bie 5lird^engefd^id^te nur


einigermaßen fennt." 3" ben ^ranffurter ©elel^rten

3tnjcigcn roirb ungefäl)r glcid^jeitig eine ,,Äurjc 0efd()id^te


ber geoffenbarten Steligion" üon ©ailcr bcfprodfjcn, roo
fid^ bcr JRcjcnfent in ganj ö^nlid^cr SBcifc gegen bie bog*
matifd^cn ober gar tclcologifdijcn progmalifd)cn GJefd;id^t;
fd^reibcr roenbet, bie flügelnb oon aßen 2)ingcn (Mrunb
unb 3lbfid^t angeben rooUcn, roie fid^ {^auft in bem ©e*
©oetl^eä ©tubium ber Äird^engefd^irfjte. 45

fpräc^ mit SBagner gegen bie pragmatifd^en 3)?ajiTnen


ber aufgeflärten ©efd;id^t[d^reiber ausläßt. Unb nun fott

er erft bei feinem 3ß^w)ürfnis mit ber Srübergemcinbe


erfaliren laben, rcaö ein ^elagianer fei? 3Bie früi^ rair
biefe§ ^^^^ürfniä auö) anfe^en motten, frül^er alö 1772
fönnen mir eö nid^t anfe^en unb bie ^iffertation mar
1771 f(|on gefd^rieben. SBeiter aber erjäl)lt ©oetl^e,

ba§ er an bie SBanberungen beö ©migen ^uben einen


überblid über bie ^ird^engefd^id^te ^abt anfd^lie^en
motten, ben ©ebanfen aber fatten lie^, ba eö ifim an
©ammlung unb 3ßit, um bie nötigen ©tubien ju mad^en,
gefefitt ^ah^. ^ro^bem er in ber ^ird^engefd^id^te beffer

gu ^aufe mar at§ in ber Sßeltgefd^id^te, moren alfo fotd^e


(Stubien bo(^ nod^ fcfir nötig? Unb einen burd^gel^en=
ben ©egenfa^ nimmt ©oetfie groar an^ fonft in ber
^ird^engefd^id^te an; aber nid^t benfelben, ben er oben

gmifd^en ber 33rübergemeinbe unb bem ^elagianiömuä


aufgeftettt i)at ©d^on 1797 fagt er in bem Stuffafe

„Israel in ber SBüfte": „S)aö eigentlid^e einjige unb


tieffte ^t)ema ber 2Be(t= unb 3Jienfd[;engefd^id^te bleibt
ber tonflift beä Unglaubens unb bcä ©laubenö." Unb
in ben 3öl)wien 3Cenien liei^t eö: bie ^irdf;engefd^id^te

gebe jmar üiel ju lefen, biete aber immer nur baäfelbc


©d^aufpiel gmeier fid^ unaufliörlid^ befämpfenber ©eg^
ner bar;
Xuv^ oielc <Bätla baffelBe gcfd^id^t,

@§ baucrt US an baä jüngfte ©erteilt.

2ll§ bie beiben ©egner finb liier bie Slrianer unb


bie Ortliobojen genannt; aber unter ben 3lrianern ift

nid^t attein bie ©efte gemeint, bie (mie bie ©ojinianer)


bie ©ottl^eit ßlirifti leugnete, fonbern bie 3lrianer [teilen
46 ®oct^eg ©tubium ber Äird^eitgefci|id^tc.

für bic 5lc|cr überhaupt. CS§ ift alfo berfetk ©egen[a^,

ben @octl^e 1797 groifd^cn ©lauben unb Unglauben


ftatuicrt unb ben 3lrnoIb mit ^ird^e unb ^e^er bejcid^;

net fjotte. 3luf beiben ©citen aber fal^ ber alte ®oett)e
nid^tö atä Pfaffen ; um bie ßfiriften unb bie cl;riftlid^en

©emeinben Ijanbelte cö fid^ niemals in biefem 9)Ufd^-


mafd^ »on ^i^rtum unb ©eroalt^'*).
IL Mt ®0«ifttfd|cn Sraötncnf?»

1. (SttipBliungÄgßfifjtrf^fß.

'm 28. ^uni 1774 begleitet ©oetfie ben ^öi^id^er


greunb Saoater auf ber ^al^rt oon 2ßieö6aben
nä^ Sd^ioalbad^ unb remitiert untcrroegö t)iel oon feinem
(Srcigen ^uben, ben Saoater in bem S^agebud^ feiner

@mfer 9?eife atä ein feltfameö ®ing in ^nütteloerfen

bejeid^net. 3«'^^ SBod^en fpäter, am 15. ^uli 1774,

fud^t ber junge ©oetfie oon ^ranffurt an^ ben ^rop^etcn


in @mö auf, ift fein ^ifd^nad^bar beim 3Jlittogeffen

unb rebet oon feinem ©migen ^uben. ®amalö muffen


alfo bie Fragmente, bie unö fo roenig erfc^einen unb

bie Saoater bod^ als oicl bcjeid^net, fd^on fertig ge=

roefen fein^^).
^aä finb gugteid^ oud^ bie einzigen 3cw9"iffC/ i>iß

uns eine juoerläffige unb fidlere 3lu§funft geben, ^enn


alle übrigen Sriefftellen, bie man in (Srroägung jielien

fönnte, l^elfen nid^t roeiter, meil bie 33ejiel)ung auf


unfer ©ebid^t froglid^ bleibt unb roeil bie ©tetten

felbft raieber unbatierten ^Briefen angehören, ©o fd^rcibt

©oetlie an Setti; :3acobi : „®er Pot pourri im eigent*

lid^en SSerftonb ift ein gar unbebeutenbeö 9Jiöbcl, er


mad^t einer Stube eine S^einture SBo^lgerud^, wie
mond^e Seute eine ^einture oon ©efd^macE l^aben.
48 Unfid^ere ariefftetten.

9(ber bcr Pot — ben man aus ©ittbarfeit pourri


nennt, unb bcrö aud^ eigentlid^ l^eiffen !önntc, »ers
bicntc weit etier baff berfctbe emblematifd^ unb opo*
p^tegmatifd^ nujbar oud^ ber ©eele getnad;t roürbe. ^d^
t)abe einige gute ©ebanfen baju, aber baö ©anje! —
©ine ©popee ift nid^t auf (Sinen ^ag gereimt"^').
®as einzige, roaä unö in biefer bunüen ©teile an ben
©roigen ^uben erinnern fönnte, ift ba§ SBort ©popöe.
es fann wörtlid^ genommen werben ; ebenfogut aber
aud^ ganj allgemein ju »erftel^en fein, mie man fagt:
^lom ift nid^t an ©inem 2^age erbaut, bie ^liaö nid^t
an einem 2:age gefd^rieben roorben — es fann alfo
ebenfogut üon jeber größeren 3lrbeit gelten, ob biefe

nun eine ©popöe mar ober nid;t. 'ülaö) bem 3ufotnmens


t)ang, ber t)on einem ^tied^topf unb feinem ©eitenftüdf
Iianbelt, mürbe man weit elier auf ein ©eitenftücf ju

SBIumauerS fpäterer Dbc an ben Seibftufit raten, als

auf ben ©roigen i^wben. (Sooiel aber fteljt feft, ba§ bas
^ier gemeinte ©ebid^t nid^t basfelbe ift, von bem ©oetFie
an aWama 2a Vio6)t fd^reibt: „^as liebe 2Beibgen
(ilire 2^od^tcr ^Jiaye Srentano) l)at ^l;nen mas von
einer 2lrbeit gefd^rieben, bie idj angefangen l^abe feit

©ie meg finb, roürflid^ angefangen bcnn id^ ^atte nie

bie 3bee aus bem Sujet ein einjclnes ©anje ju mad^en.


Sic fottcns l^abcn, fobalbs fertig ift." Tlan pflegt

bicfc 9Bortc auf ben SBcrt^er ju bcjiel^en unb ben


93rief Don 3JMttc ^^bruar 1774 ju batiercn. 23eibes

fd^eint mir jum minbcften fraglidj. ^er SBertl;er mar


bcfanntlid^ urfprünglid^ als ^rama geplant; üom il^m

fonntc ®oet^c faum fagen, bafe er nie ein einjetnes

(äan^t baraus ^ätte mad^en rooQen. llnb nad; bem


Unfid^erc 33riefftctteu. 49

Briefe Mtxä^ uom 14. gebruar 1774 roax bcr SBertl^cr


alö S^iotnan bamolä fd^on fo raeü, baB er ju Dftcrn
erfd^einen foHte. 2luf bcn ©roigen ^uben bagcgcn, ber
löirfUd^ nie „ein eingelneö ©ange" l^ötte auämac^en
können, würben bie SBorte gut paffen; unb ba
fel^r

©op^ie von 2a dtoä)t am 31.Januar 1774 abgereift


ift, l^ätte biefer XaQ alö terminus a quo ju gelten,
©benforoenig fidler aber finb bie unbatierten Briefe an
hk 2^ante ^atilmer I^eran§u3iet)en, ber ©oetl^e (ßnbe
2luguft 1774?) fd^reibt: „mu^ erft ben jroeiten ST^eil
fud^en. ©ancfe be[onberö für bie gütige 2:^ei(nef)mung

an ber ©d^äjjung beä SSoldö bie id^ Dornefime, üiel-

leid^t n)irb raäl^renb ber 3^^^ ein neuer 3JJefftaö im


Btaü geboI)ren." 2Benn f)kx unter bem „jroeiten
Stiieir' ber peite 2::eil be§ geiftlid^en 2)on Duid^otte
SU »erftel^en ift, ben ©oet^e fpäter (aJtitte Df tober?)
rcirüid^ an bie STante fenbet, fönnte man eine S3e-

jiefiung aUenfattä gelten taffen: er mürbe bann fagen,


boB aud^ ereine ©d^ä^ung beä 93oI!eö b. 1^. ber
©eiftlid^en oorgenommen f^aü, unb baä id^ märe su
betonen. ®er neue 3Jieffiaä märe ber mieberfelirenbe
^eitanb, ber aber freilid^ nid^t im ©taHe geboren rairb,

fonbern t)om Fimmel lierunterfteigt . . . 2Bir fteficn

()ier überaß auf unfid^erem Soben unb bleiben in ^on=


jefturen ftecfen.
9'iod^ raeniger miffen mir mit einem ^Briefe Söttigerä
an ben ^l^ilologen Söolf anzufangen, rco 2Sielanb
rebenb eingeführt rairb. tiefer erörtert, im 2lnfd^tu§ an
bie SBolfifi^en ^^rolegomena, bie ^rage, ob eä benfbar
fei,ba^ ein ©id^ter eine gange Mt\i)t »on ©efängen
im ©ebäd^tnis aufbemalirt unb anbere bloB auö bem
SRinor, ©oet^eä eioigcr Siube.
4
50 Sßtclanbä 93cric^t.

©cbäd^tniö gcicfirt l^abc. Unb um gu jeigcn, bajs bic

©rfal^rung I)ier gar nid^tö beroeifen !önne, [teilt er fid^

felbcr unb ©oet^e alö ©Etreme einanbcr gegenüber.


2Bäf)renb er auö allen feinen ©ebid^ten nid^t gefin 5Berfe
im ©ebäd^tniö befialten liabe, fei eä bei ©oetfie gerabe um=
gefe^rt: ,,@oet]^e !onnte unb fann üietteid^t nod^ ganje
©ebid^te feiner ©d^öpfung auöroenbig unb arbeitete fie

geraöl^nlid^ ganj im 5?opfe an^, el^e er fie feinem


©d^reiber bictirt (!). 3llö er in feinem 25ten ^ai)xt,
alö 2)octor ©oet^e, juerft §u unö fam, gab er von
bicfer ^raft feineä ©ebäd^tniffeö erftaunenärcürbige
groben. @r recitirte bamals ein langes, am mel^reren
©efängen beftel^enbeö ©ebid^t in ^nitteloerfen, benen
er burd^ feine ©eclamation attes rcibrige gu netimen
unb ©als unb SBürje ju geben muffte, ba§ nie ges

fd^rieben ober gebruft raorben ift: beremigc^ube


benennt. Q§> mar eine mit ber unfd^ulbigften aJliene
giftig perfiftirenbe G^rifteiä, morinncn ^efus unb feine
jünger geroaltig mitgenommen mürben. 35er ^ergog,
ber ganj oerliebt in bie§ 93än!elfängerftücf mar, Iie§

eö ©oet^en oft unb unter ganj oerfd^iebcnen Umftänbcn


rccitiren, unb nie »erfe^tte ber 3)id^ter eine ©übe."
äüielonb bcfa§ befanntlid^ ein fo lebfiafte ^t^antafic,

ba§ c5 ifim gang unmöglid^ mar, eine ©efd^id^tc o^nc


3ubid^tung unb of)ne Umbid^tung mieberjugeben; unb
33öttigcr ift aud^ fein gonj reines ajiebium. 3Bir
bürfen Ui biefem 93crid^t feinen ©d;ritt ilber baö
hinausgehen, roas mir aus anbcrcn ClucIIcn beffer unb
fidlerer roiffcn. 2)er Groige ^ube mar fein longes, aus
mcfjreren ©efängcn beftcfienbefi ©ebid^t ; er ift nid^t im
©eböd^tnift aufberoaFirt, fonbcrn fogar ins reine abs
^roömium (5?. 1—20). 51

gefd^rieben irorben; bic jünger bcö ^errn famen barin


gor nid^t oor; unb an eine SSottairefd^c ©otire auf
©firiftuö unb bie jünger fonnte moi)i SBtelanb, nid^t aber
@oet|e bcn!en. @ö bleibt alfo nichts übrig, alä bafe
©oet^c bie Fragmente nid^t blo§ auf ber ©mfer Steife,

fonbern aud^ nod^ om raeimarifd^en ^ofe au§) bem ©e«


böd^tnis vorgetragen fiat. ^li^t einmal eine ©rroeiterung
auö betn ©tegreif tnöd^te id^ für rca^rfd^einlid^ lialten-

2. Mt Jlragntßnlß,

Des <£rr»igcn 3nbcn


crftcr 5^feßn-
Um 2T(ittcrnadit tooljl fang idi an,
Spring aus öcm Sctte toic ein CoUer;
Xlk voav mein Sufen fccIcDoüer,
^u fingen ben gereisten Ztlann,
6 Det IDunber oljne §ai]l gefeljn,
Die trufe öer Cäftrer Kinberfpotte
3n unferm unbegriffnen (Sötte
Per omnia tempora in <£inem Puncft gefd^eljn.
Unb Ijab id] gleid] bie <5ahe n'idit
10 Pon n3oIjIgefd)Iiffnen leidsten Heimen;
So barf id) bod? midj nid]t »erfäumcn,
Denn es ift Drang unb fo ift's pflid]t.
Unb roie idi bid?, geliebter £efer, fenne,
Den id^ pon fersen Bruber nenne,
15 tPillft gern »om 5lecf unb bi|t fo faul,

^immft tooiil audi einen Cubergaul,


Unb id^, mir feljlt 3U Xladit ber Kiel,
(£rgreiff ujoljl einen Befenftiel.
Drum I^ör' es benn, n?enn bir's beliebt,
20 So fauberu)el[d] tr>ie mir ber (Seift es giebt.
52 ^roömium (33. 1—20).

®a§ mit beifpiellofer ^ü^ntieit, aber auä) mit


j^inrei^cnber ^rifd^e unb ^roft l^ingeroorfene g3ro=
ömium berul^t feineärocgs auf bid^terifd^er ^iftion,
fonbern eö f(|itbcrt bie ©ntftefiung bcr SSerfe gang bcr
2Bal^rf)eit gemö^. ;3n ©id^tung unb ^ai)x^t[t^^) tx--

yx\ß ©octl^e, wie er bamals ju arbeiten ?)ffegte: ,,9Jlein

probu!tioeä ^talent oerlieB mid^ feit einigen ^oX)xm


feinen 3lugenbli(f; maö ic^ mad^enb am %a%t geroal^r
rourbe, bilbete fid^ fogar öfterö 9lad^ts in regelmäßige
träume, unb raie id^ bie 3lugen auftfiat, erfd^ien mir
entraeber ein munberlid^eö ncueä ©ange ober ber 2^l^eit

eineä fd^on 33orl^anbenen. ©eraöl^nlic^ fd^rieb id^ alleö

8ur früf)ften STageöjeit; aber aud; 3lbenbö, ja tief in


bie '^aö^i (33. 1. 17), roenn SBein unb @efettig!eit bie
Sebensgeifter erf)öf)ten, konnte man oon mir f orbern,

tt)o§ man mottte; es !am nur auf eine ©elegenl^eit an,


bie einigen (Sfiarafter batte, fo mar id^ bereit unb
fertig." Unb an einer fpäteren (Stelle :
„3^ mar baju
gelangt, baä mir inrool^nenbe bid^terifdje S^alent ganj
als 3^otur ju bctrad^ten ... ®ie 3tu6übung biefer
^id^tcrgabc fonnte jroar burd^ 33eranlaffung erregt
unb beftimmt werben; aber am freubigften unb rcid^:

lid^ften trat fie unroittfürlid^, ja toiber mitten l)cn)or


(93.3. 11 f.).

3)urd^ gelb unb fflalb ju fd^ioeifen,

SRetn fiiebd^en ivegjupfeifen,


®o ging'g ben ganjen Xag.

9tud^ beim näd^tlid^cn (Srmad^en (93. 1. 17) trat berfelbc


^afl ein, unb ic^ battc oft iiuft, roie einer meiner $öor:
ganger, mir ein Icberneö SBamfi marf;cn ju laffen unb
mid^ )u gcroölincn, im 5i"ftfni burd^fi Öcfft^l ba«, was
2Irt be§ SÄrßeitcnä unb SBefd^affenl^eit ber ^anbfd^ttften. 53

unoermutl^ct Icroorbrad^, ju fljiren, ^^ mar fo getoo^nt,

mir ein Siebc^en oorjufagen, o^nc eö rcieber jufammeni


finben ju fönnen, ba^ id^ einige 9Kal an ben ^yjt
rannte unb mir nic^t bie 3^^^ na^m, einen quer
liegenben Sogen gurec^t §u rüden, fonbern bas ©ebid^t

von 3lnfang biö ju @nbe, o§ne mid^ von ber ©teile

p rühren, in ber diagonale f) erunter fd^rieb. ^n eben


biefem ©inne griff i^ raol lieber ju bem Steiftift

(33. 18), raetd^er miliiger bie 3"9^ l^ergab; benn eä

mar mir einige mal begegnet, ba§ baö ©d^narren unb


Spri^en ber geber mid^ au^ meinem nad^traonbterifd^en
®ic^ten aufroecfte, mid^ §erftreute unb ein fleines ^robuft
in ber ©eburt erfticfte. ^^ür fold^e ^oefieen |atte id^

eine befonbere ©l^rfurd^t, raeil id^ mid^ bod^ ungefäfir


gegen biefelben t)erl)ielt mie bie ^tnm gegen bie ^üd^=
lein, bie fie ausgebrütet um fid^ l)er piepfen fielet.

Steine früliere Suft, biefe 2)inge nur burd^ 5ßorlefungen


mitgutlieilen, erneute fi(^ roieber; fie aber gegen ©elb
umgutaufd^en, fd^ien mir abfd^eulid^." 33ei biefen ©d^iU
berungen |atte ©oetlie bie Rapiere beö (Smigen i^wben
vox 2lugen, bie feine ®rjäl)lung üottauf beftätigen. ©ie
finb TOir!Iid^ gum Xeil auf „^^e^en" (bal^er auä) bie

Überfd^rift) gefd^rieben; bie urfprünglid^e ?^affung ber


erften SSerfe (1 — 4) mit 33leiftift in ber diagonale
über ein ^olioblatt l^ingeroorfen, |eute faum mel^r lefer=

lid^. ©injelne ©teilen finb am Sf^anb ber Duere nad^


oufgejeid^net, mie fie bem ®ic^ter gerabe einfielen unb
ol)ne 9iücffid^t auf ben 3wfönxmenl;ang, fo ha^ ©oetl^e
felbft fpäter nid^t me^r er!annt ^t, moljin fie geliören.
@d^t @oetl)if(^ ift and) ber 3Jiangel jeber Interpunktion,
befonberä. am SSeräfd^IuB; barüber l^aben ja bie S^lebafs
54 ^roömium ; baä Cano (3J. 4 f.).

teure, mit benen er in ber ^uQtnh ju tun l^atte, bittere


magen geführt 3^).
®er ©ingang ;)arobiert baö epifd^e Cano (35. 4).

®aö antue ©poö beginnt mit ber ^Rennung beö igelben,


bejfen Slbentcucr ober ^rrfal^rten eö befingt unb ben
e§ gern (Dbijffee, Sneiö) alö einen 3JJann begeid^net,
ber oiele Sänber unb ©itten gefeiten I)ot (33. 4). 3)aä
fomifd^e 6po§ unb ber fomifd^e 9?oman, bie ben ©til
beö ernften auf minber erf)abene ©egenftönbe anroenben
unb baf)er leifer ober ftärfer einen parobiftifd^en e^a^
ra!ter tragen, l^aben fid^ mie alle übrigen ftitiftifd^en

3Jiittel beö ernften (Spoö, fo aud^ baä Cano angeeignet.


2{ud^ ber SSerfaffer bes ©eiftli^en ®on Quid^otte*°)
bebient fid^ feiner, inbem er bie ©öttin beö 9iul)mes
bittet, ifim gu ^ilfe ju fommen, raenn er bie bemütigen
^ugenben eines ^orf^anbroerferö befinge, unb bem
SBi^e, ber Saune, ber Streue unb ^erjl^aftigfeit beä
„berühmten'' ^eremia^ Stugmett ju G^ren einen ©tofe
in bie SCrompete ju tun. 2lber aud^ bas $öolföbud^ (;at
bie epifd^e formet fd^on auf ben (Sroigen ^wben an-
geroenbet, roenn es i^n einen betrübten ^ilgram nennt,
ber oiel Sänber unb ©tobte burd^reifet * ^) ; unb in ber
S3ibIioti)ef ber S^lomane^^) fd^ä^en fid^ bie ©tubenten
glüdflid^, mit einem fo au^erorbentlid^en aKanne fprcd^en
ju fbnnen, ber fo mand^eö Sanb unb fo mand^eö ^ing
gefe^en t)at unb ber oon fid^ fclber fagcn fann: „^^
^obe 5U oiel Söd^erlid^eö, ju oiet Xraurigcö, lu oiel
Hufeerorbentlid^efi (33. 5) gcfe^cn, als ba§ id) lad^en,
meinen ober mid^ über ctroas oenounbern foHtc." 3ln
boö iöolföbuc^ fd^Uc^t fic^ Öoct^c in biefcm (Singang oft
aud^ im einzelnen mörtUc^ an: bie 3lnrebe an ben
^roömium; ba§ SBunbcr (SB. 5ff.). 55

„lieben Sefer" ($ß. 13), ben ©oetfie toie im 2luf)a^


über ©rtoin von ©teinbad^ üon ioerjen Sruber nennt,
trägt eineä ber SSolfäbüd^er auf ber Sftüdfeite beö STitel-
blatteö*^). Sefonberö aber getit bie Betonung beöSBunber-
baren in ber ©rfd^einung beö @roigen ^uben burd^ atte

33olfäbüd^er l^inburd^, wie ja fd^on ber italienifd^e

e^ronift 3lntonio bi ^ranceäco b'2lnbrea im 15. ^a^v


f)unbert bei feinem 2tuf treten ausgerufen ^atte: „0
ewiger ®ott, rote bemunberungsmürbig finb bod^ beine

Söerfe!"^^) 2tud^ bie SSolfäbüd^er betrad^ten baä fortleben


beö ©roigen 3uben als eines ber größten SBunber. S)cr

ättefte ©eraä^rsmann, ber Sifd^of ©i^en, unb anbere


können fid^ „nid^t genugfam barüber »errcunbern, wie
bei ©Ott alle S)ing mögtid^, aber ben aWenfd^en un=
glaubtid^ unb unerforfd^Ud^ mären" («. 6 ff.)"'). Slud^

anbersmo finb bie Seute bei feinem ©rfd^ einen über^


jeugt, „es fet) üon göttlid^er 2lffmad^t etwas 2Bunbers
lid^es burd^ ben aJlann angebeutet". 2)ie 5ßoHsbüd^er

fteHen es einem jeben frei, t)on i§m ju glauben, mas


er motte, benn es fei fein ©(aubensartifet, aber felber

finb fie Dottfommen überjeugt : „®ie SBerdEe ©ottes finb

gleid^ raotil munberbar, unerforfd^lid^ unb unergrünbs


lid^ unb werben je länger je mel^r von XaQi ju ^age
l^erfür brad^t unb cor bem jüngften 2^age offenbar
werben muffen." Überaß ferner folgt ber ©rgäfilung
nod^ eine tlieologifd^e Erinnerung an ben d^riftlid^en

Sefcr*^), worin, wie in ©oetl^es ^roömium (33. 6 ff.),

jeber ^"'^^f^^ <i" ^^^ Sanglebig!eit bes Ewigen ^Juben


gurüdfgewiefen wirb: „®enn wer fann bes ^errn SBege
wiffen unb erforfd^en? wer l;at bes ^errn ©inn et*

fannt ($ß. 7)? bei ©ott finb atte ®inge möglid^!"


56 ^roömium; ba§ 3Bunber (93. 5 ff.).

2lro|bem geben fid^ bic SSoIföbüd^er ober hoä) fel^r t)iel

3Kü^e, ha^ Unroal^rfd^eintic^e glaubl^aft ju mad^en.


©ie füfiren 33elege für l^o^eö 2llter an unb jä^en eine
SKcnge SBunber U^ in bie neuere 3cit auf: „Unb ber:

gteid^en oiel l^unbert SBunberfad^en unb S^l^aten finb


mc^r oorfianben, roeld^e alle menfd^lid^e 33ernunft weit
übertreffen . . . 2Baä barf man fid^ benn über biefen
eroigen 3"ben alfo cenounbern? tiefem allen mag
nun fein, roie it)m roitt unb mögen eö i^rer üiele gar

fd^impflid) oerlad^en, fo ift bennod^ nid^t ot)ne, ba^,


wenn man fd^on aUeö mirflid^ roiberlegen möchte unb
fönnte, biefeö alleö bennod^ mit S^iu^en fönne betrachtet
werben." 2lud^ auf bem ^itel wirb bic ©efc^id^te al§
eine rounberbare (im franjöfifd^en 33otfäbud^ admirable)
bejeid^net.

2lber eä mar bod^ nid^t blofe 9fZad^at)mung beö ^ones,


rcenn ©oetl^c fid^ t)icr gläubig auf ben ©tanbpunft bes
SSolfäbud^cö ftellt unb fo energifd^ für bie SBunber
Partei ergreift. ®ie SBunber roarcn es ja, bie in bem
aufgegärten 3^it<Jlt^r ß^s 3ißlf^^i^ß ß^er 2lngriffe auf

bie Sileligion bienten. ©er na^eliegenbc ©inroanb beö


gefunbcn 3}ienfd^enüerftanbeö, ber [\ä) im SlationaliSs

mus jum 2Bort melbcte, mar: rcarum gefd^eljen benn


^eute feine Sßunber mebr? 2)er infpirierte SBilbgoofe

ift feft überzeugt, bafe @ott anä) jefet, fo gut als in


oltcn Seiten, äßunbcr roirfcn unb feinen Sf^amcn burd)
Äinber unb Jünglinge als SBcrfjeugc feines SRu^meft

ücr^errlid^en fönnte. ©er aufgeklärte Gljriftuö in ben

„^cripatctifcrn" bagcgcn mill aud^ l)cutc nod) Söunbcr

fei)cn, roenn er baran glauben follc: ,,®enn ift Öott


nid^t nod^ eben fo möd^tig wie fonft? unb wo ifl ie»
^roömium; baS SOSunber (35. 5 ff.). 57

maU gefagt raorbcn, ba^ unb raann bte Sßunber auf*


l^ören foUten?" ©oet^e fie{)t auf ber ©eite bes erfteren,
roenn er bie Söunber ju allen ^ziim (33. 8) gefd^efien

lä^t. ;3" ben ^ran!furter ©etefirten ainjeigen rairb

bie ,,t)ern)t(Jelte unb fd^raere 3JJatene" ber SBunber


einige Wak erörtert; unb ber ©inraurf oon ber Un*
»eränberlid^feit ber S^oturgefe^e entfd^ieben jurücfge;

rciefen, weil rair raeber bie 33efd^affenf)eit ber 3^atur=

gefe|e fennen, nod^ im ftanbe finb ju fagen, raaö ©ott


tun fann ober nid^t (alfo ba^fetbe 3lrguntent wie im
5ßolf§bud^ t)om ©raigen i^uben, oben <B. 55). @ä rairb

empfot)Ien, mel^r bie f)iftorifd^e Söa^rl^eit ber SBunber


ju unterfuc^en, benn bie p{)ilofopf)ifd^e Unterfud^ung
il^rer SJtöglid^feit mürbe bei maJiren ^fiilofoplien, bie

geroi^ nid^t leidet etroaä für unmögtid^ {jalten, batb be;

rid^tigt fein. @oet|e fiat fid^ be!anntlid^ fpäter gegen*


über ßaoater entfd^ieben üon bem 2Bunberglauben los«
gefagt; ja er l^at in bireftem ©egenfa^ gu unferer
©teile (33. 6 f.) bie SBunber gerabe umgefel^rt aU Saftes

rungen gegen ben großen ©ott unb feine Offenbarung


in ber ^Ifiatur bejeid^net. @r ift aber bei biefer fd^roffen
2lblel£)nung !eine§meg§ ftel^en geblieben. @r l^at fid^

nic^t bto^ in ben ^Banberjafiren mieber ju ben Sßunbern


befannt, fonbern mic in unferen Fragmenten aud^
fpäter nod^ SBunber am fieutigen ^age für möglid^
gel^atten : „T>tx ©ol^n J)at gut gelelirt unb üiet ertragen,
3Bunber nod^ l^eut' in unfern S^agen." ^^reilid^ l^at

er bie SBunber nid^t bort gefunben, mo fie Saoater


fud^te unb fanb"^^).
91od^ ein anberer ©ebanfe l^at ©oetl^e mn unferem
©ebid^t aus burd^s ßeben begleitet. Unter bem ,,uns
58 ^roömiutn; bcr unSegriffene ®ott (35. 7).

begriffnen ©otte" (SB. 7) barf man nid^t etroa ben 6Io§


üon ben Säfterern unkgriffenen ©ott üerftel^en, fonbern
e§ ift ein Sieblingögebanfe ©oetl^eö, ba§ wir baö l^öd^fte

SBefen überl^aupt nid^t kennen unb eö barum au^ nid^t


mit SRamen nennen fotten. ®ie ©teile aus bem gauft:
„2ßer barf i^n nennen" u. f. ra., ift jebem geläufig.
^n einem 23rief an ©tolberg nennt er 1775 unferen
Sßater ben Unbegreiflid^en, aber ben 33erül^rtid^en.

®as ^roömion ju „@ott unb SBelt" beginnt mit ben


SSerfen
„3m 3latmn beffen, ber ©id^ fclbft erfc^uf
3Son ®tDtg!cit in fd^affenbem 33eruf ! . .

3n jcneä ^Warnen, ber, fo oft genannt,


2)em SOBefen naä) bliefi immer unbefonnt."

Unb nod^ im fiöd^ften 3lltcr eifert er gegen ben


3Jii^braud^ beö götttid^en 3lamem burd^ bie ©eiftlid^en,
rebet er t)on bem unbegreiflid^en, gar nid^t an^U'
bcnfenben Fiöd^ften SBefcn: „2ßaö roilfen mir benn von
ber 3lbee beö ©öttlid^en unb mas rcoHen benn unfere
engen 33egriffe oom {)öd^ftcn 2Befen fagen? ^unbert
^iamcn nennen eö nid)t"*^).

im crnften roic
2)ie 2tnrufung ber aWufc, bie fonft

im fomifd^en ©poä mit bem Cano ocrbunben ift, fel;tt


sroar, aber bcr ^id^ter beruft Tk^ (93. 3. 12. 19 f.)
bod^ auf ben inneren ^rang unb bie ©ingcbung bcs
Öciftcö, raobci er bie S3ibelfteac (2lpoftergefrf;id;tc 2, 4)
porobicrt: „unb fingen an ju prebigeu mit anbcru
3ungen, nod^bcm ber ©cift i^nen gab auftjufpred^en."
3n bem „ilauberiüclfd^" (iö. 20, ogt. 65) ift alfo eine
Icife Satire auf baö „mit ^unQcn xchen" enthalten,
bafi ©oct()C ungefä()r gleid^jcitig auf Örunb von ^erberö
^roömtum (ß. 1—20). 59

Slnfc^auungen über ben Urfprung ber ©prad^c ju w-


Hären Mte^^).

aS. 3 urfprünglid^c Scäart: „©eelen ootter".


33. 4 f.: a)ic cptfd^c formet tuar bereits fprid^roörtltd^.

„®itt ajiann, ber auf Steifen geroefen, multorum mores vidit

et urbes" %. ®. 2t. 10, 6 f.; (©^riftuä unb ^o^anneä:) „Sßir

finb JReifenbe unb ge^en barauf au^, ntond^crlet» Sänbcr unb


i^re 33en)0^ner fennen ju lernen" (^er. 256). ^auft 3009:
„(Sin Braoer Äno6', ift »iel gereift." S)ag «ßartiäipiunt ^rae^
teriti mit aftiocr SBebeutung; Slbelung: „©in gereifter 9)Mnn,
= ber weit gereift ift."

33. 6: „tru^", nid^t ord^aiftifd^, fonbern bic ©oetl^e unb ben


f^ranffurtern geläufige giorm (®oetl^e=2a»ater 317,31; g. ®. 2t.

582, 16 u. ö.).

S?. 8: S)iefe fd^iüierige ©telte wirb burd^ bie 33erufung ouf


ben älteften ®ö^ (^lempel XI 2, 121 = SIßeim. 2luäg. XXXIX 171)
nid^t flarer. ®ort rebet granj „t)on ben eroigen ©öttern, bie in
brütenber Siebeäroärnte in fid^ felbft rool^nten unb in einem
«ßunft bie Äeime »on taufenb aßeltcn gebaren unb bie ©lut ber
©eligfeit »on taufenb SDßetten auf einem ^unft filierten"; bort

ift alfo von auf einen ^unft fonjcntrierter Äraft unb SBonnc

bie 3tebe. 25aä pafit l^ier nid^t. „^unft" mufi l^ier, roic fo oft

im 18. ^al^rl^unbert, für „2lugenblidf" , alfo temporal gebrandet

fein. 35er ©a^ oerbinbet äroei ©ebanfen: 1. tro| bem ©pott ber

Säfterer gefd^el^en Sßunber per omnia tempora (eine 9Zad^bilbung

beä ürd^lid^en : per omnia ssecula sseculorum, baä für ben 3Serä
JU lang roar), alfo aud^ l^eute nod^; unb 2. biefe 3Bunber ge;
fd^el^en (ein mmS Sunber !) in ®ott in einem 2lugenblirf. ©id^
bie ©otti^eit alä eroig roirfenb ju ben!en, roar befonntlid^ eine

Sieblingäüorftellung ©oetl^eä; aber eä l^eiftt aud^ (in bem 9iotur:

auffo^, $empelXXXIV72f.): „e§ ift ein eroigeä Seben, SBerbcn


unb 33eroegen in il^r unb bod^ rüdft fie nid^t roeiter"; „f^c

fe^t alle Slugenblidfe lum längften Sauf an unb ift alle

2lugenblidfe am ^kU". Sub specie aetemitatis füllen alfo


aSergangenl^eit, ©egenroart unb 3"f""ft i" ßi"^" 2lugenblidE ju*
fammen.
60 2)er ©d^ufter («. 21—30).

5ß. 14: 2). j. @. II 211: „mein lieber »ruber", 2lnrebe an


ben Scfcr.
."
93. 15: Äonbitionolfo^ „wenn bu . .

93. 17 f.: „Unb" = „e&enfo ergreif auä) id^, benn mir


fel^It . .
." -JJatürlid^ ift nid^t gemeint, ba^ er ben Sefenftiel er;

greift, um bamit ju fd^reiben ; fonbern bie 33orfteIIung üom SBor;

roärtäfommcn (93. 15) wirb feftgei^olten. SQBte ber Sefer fid^ in ber
yioi einen Subergaul nimmt, fo ber S)td^ter, um oom %hi ju
fommen, ben Sefenftiel, beffen fid^ bie .t»ejen (gauft 3970. 4000)
ju bem SRitt ouf ben 33rodfen ßebicnen. 6in 33eifpiel für ben
fül^nen 3Bed^fel unb bie fül^ne SSermifd^ung ber aSilber, Dbrool^I
35. 17 bie SSorfiettung oom SSorroärtäfornmen fd^on burd^ bie bcä
©d^reiBenä erfe^t ift, feiert bie früi^erc SSorfteHung unter einem
neuen 58ilb im folgenben 33erä noc^ einmal jurüdf.
33. 19: aBä^renb 93. 13 ber fiefer ongerebet wirb, fteltt fi(§

©oet^e §ier ben 3"^örer oor. Xaä ©ebid^t rcar (f.


o5en ©. 47
unb ©. 50 f.) auf münblid^en 3Sortrog bered^net. @ä liegt alfo fein

®runb oor, bie ©l^afefpearerebe, reo fid^ ber JRcbner wie l^ier

alä 6(^reibenben oerrät, als nid^t gehalten ju benfen.

3n 3uöäa, öcm Ijeiligen €anb,


Wax einfl ein Sdjujier, rooljl bcfannöt
Wegen feiner ^et^ 5römmigfeit
Suv gar reröorbnen Kird^enseit.
25 tOat Ijalb offener Ijalb 21TetB|obi|i,

fjcrrnljuter meljr Separatift,


Denn er ({ielt Diel auf Kreus unb Quaal,
(5enug er roar 0riginar.
Unb aus Originalität
»0 €r anbern ZTarren gleidien tljät.

^cn Flamen, ben ber eraigc ^nU im Jöolffibud^

füFirt, ocrfc^roeißt ber ^id^ter. (Sr ift, roic bort,

©^ufter; äf)nUd^e feparatiftifd^e Originale fanb ©oet(;c


im Öciftlidjcn ®on Duid^oltc unb in ^ranffurt auf
ber ©trafee (oben ©. 25 f. uttb 33). 2Bie im 5öo(föbuc^
Slnac^roniftifd^e Se^anbrung (58. 25 f.). 61

ift ber ^i^be tro^ feiner reinen ^römmigfeit (58. 23)


ein ©iferer unb ©eftierer; bo§u f)at i^n bie 3cit, in
ber ba§ Ürd^lid^e Seben verfallen war (3}. 23: boö
Slbjeftit) bejiel;! \iä) nur auf ben erften Seftanbteil
beä Äontpofitumä , 3^^^ ^^^ üerborbnen ^ird^e) unb
rco er für feine religiöfen Sebürfniffe in ber ^ird^e
feine 33efriebigung fanb, gemad^t. 2)ie geiftlid^en dio-

mane beä 18. ^a'^x'i)vin'otxi§> reben t)on einer J^iä^-


rigen ^ird^enjeit", ober üon ber „oerfattenen ^ird^e"^
ober üon bem „Verfall ber d^riftlid^en j^römmigfeit"^°).
©ine beftimmte <Sefte, raetd^er ber ©d^ufter angeprt,
wirb nid^t genannt; anad^roniftifd^ nennt ber ©id^ter
»ietmefir altjübifd^e unb ntoberne, beutfd^e unb eng;
lifd^e ©eften burd^einanber (25 f.). 3)Zan muJ3 fid^ babei
erinnern, ba^ bie t^eologifd^e Literatur unb bie geift=

liefen ^tomane ber ^tit beä ®id^ter§ fid^ ber Sf^amen ber
alten ©eften ftetä aud^ für moberne ^uftänbe bebienten:
roer bie ©ottlieit (5t)rifti leugnete, f)ie§ ein 2lrianer
ober ©ojinianer; roer bie attgemeine ©ünb^aftigfeit
ber menfd^lid^en Dfiatur leugnete, ein ^elagianer u. f. ro.

@oetl)e mad^t eä nun umge!el)rt: er bejeid^net ben


altjübifd^en ©eftierer mit ben Sfiamen ber mobemen
©eften. Unb er gibt unä bamit Ijier fd^on einen SBinf,
baB roir nid^t altes ^oftüm, fonbern moberneö 5loftüm
anjune^men liaben. 2Bie er im ^auft bie afabemifd^en

©itten feiner ^^it, unb nid^t ber ^^it be§ «gelben,


ju ©runbe gelegt liat, fo fd^ilbert er l^ier bie fird^^

li(^en 3iiftönbe feiner ^dt, nid^t ber 3ßit be§ ©roigen


i^uben. S)er ©til beö 16. ^alirl^unberts unb be§ iganö
©ad^ö bulbet nid^t blo^, er »erlangt ben 2lnad^roni§-
mu§. ©er ^id^ter oerfid^ert un§ benn aud^ §ier wie
62 2)tc Betten (SS. 25 f.).

fpäter, ba§ bie ^riefter bomals nid^t onberö waren


roic je^t (93. 31 f.), ba§ i^r Sieb immer baö gleid^e fei

($ß. 88), boB fte auä) „gu unfern Reiten" biefelben


gel^Ier ptten (93. 89); unb au^ ber roieberfe()renbe
<0eilanb finbet nod^ 3000 ^at)ren, alfo 1200 ^a^re
nod^ bem ©id^ter, nod^ immer biefelben 3"ftä"^e t)or.
^ie ©eüe ber offener ober ©ffäer (33. 25) brong gegem
über ben politifd^en ^orteien ber ^^arifäer unb ber
©abbugäcr auf bie Heiligung beö religiöfen Sebenö, bas
fie burd^ ©ntfagung, SBeltftud^t unb 2lrbeitfamfeit ju
ben ftrengcn ©runbfä^en beö SKofeä (SS. 35 f.) unb
ber ^rop^eten jurüdffüliren roottten^^); bie a)iet§obiften
unb il^re ©(ouben&Ie^re !ennen mir fd^on an^ bem
©eiftlid^en ®on Duid^ottc (oben ©. 26 f.). ©ie mar
1729 oon SBitl^efielb begrünbet morben unb mirb im
3Kenoja nod^ alö „aufeer^alb ©nglonbö ganj unbe=
!annt" bcjeid^net, thtn barum aber fef)r ausfüf;rtid^ ge^

fd^ilbcrt^^). ©ie jerfiel roieberum in oiele ©eftcn, unter


benen bie üon Söcölci;, au^cr ber 2Bf)itefielbfd^en, bie
meiftcn 2ln^änger ^atte. 3)er affgemeine ^eruf jum
^rebigen; bie 93erfammtungen auf bem freien ^elbe,
nid^t in ber 5lird^c; bie 3lu6übung oon Siebesioerfen
on ben ilranfen, (befangenen unb Unrciffenbcn waren
ifjnen aUen gemeinfam; ber mefir ober weniger fana;

tifd^e ober entf)ufiaftifd^c Xon mad)te ben Unterfd^ieb


ouft. ^a fic für i^re ja^Ireid;en, pflid^tgemä§en iöiebefls

toerfe einen ganj beftimmten ©tunbenplan cinl^icltcn,

würben fie mit Stnfpielung auf eine ältere Sd;ulc oon


^rjten aWet^obiftcn genannt. ®ic ^crrenljuter unb
6epttratiftcn [mh um (oben ©. 36 f.) fd^on in ^^ranffurt
begegnet. S3eibe nahmen, wie bie ^<ietiftcn, gern i^re
©cparatiftifc^e Drigirtalc (3S. 28 ff.). 63

3uftud^t gu ben 3Jlartern unb äöunben ^cfu, üon bereit

lebhafter ^Sergegenioärtigung fie jene ^erfnirfc^ung beö

^erjenö crraarteten, bie ifinen ben ^öl^epunü bcr reli^

giöfen @efüf)lc »orftettte (33. 27). ^m ^oi^anUx preift

ber gJietcft ben fröf)lid^en SBeltfinbern, bie einen ©pajiers


gang vox bem ^orc ma(|en, lieber baö ©eitenl^öltd^en
e^rifti an, b. l). bie ©eitenraunbe oon bem Sanjenftid^,
wo fie beffere, red^t fetige ©pa^iergänge tnad^en könnten.
@r fingt ein Sieb:

„Ser 35u 2)einc ©tunben


:3n ben Söunben
3)eä gef erlognen Santmä »erSringft;"

unb nennt bie ©eeten glücftid^, bie biö über ben ilopf
in ben SBunben be§ Santnieö fi^en unb fic^ nur in
baö blutige Satnm oerliebt l)aben^^). 3Jlan bead^te

an^ l)ier ben 2lna(^roniöniu§: ber ©d^ufter liält üiel

auf ^reu5 unb Dual, no(^ elie ß^riftuä am ^reuj


Dualen erlitten liat! ®ie Bn^t, 2luffel^en su machen
unb fid^ J^eroorjutun, mar natürlid^ nid^t ber lefete

@runb für ba§ Sluftreten ber feparatiftifd^en Originale,


befonberö in ^anbraerferfreifen , rco man fonft feine

©elegenlieit l^atte, ficö lieroorgutun (28 ff.). ®a aber


jeben 2lugenblicE ein fold^eö Original jum SSorfd^ein fam
(oben B. 38), fo mar enblid^ aud^ ber SRarr feine 2lu§s
na^me, fein Original mel^r: ha^ brüdEt ber mit einem
unfd^ulbigen „Unb" l^ingugefügte ^ad^\a^ auö, ber feinen
SSorbermann aufpl^eben beftimmt ift (29 f.). ©egen bie

falfd^en Originale eifert ©oet^e weiter unten (Sß.76 ff.),

unb nod^ melir im reifen 2llter: „id^ bin Original —


id^ bin ein 9^arr auf eigne ^anb!"; „bemal^re jeber bie
33ergunft, auf eigne SBeife toll ju fein"^*).
64 ®oetl^e gegen \>a§ ©eftentoefen.

2lu(^ bei biefer ironiftf;en Se^anblung beö ©c^ten*


rocfenö, Ui bcm ja rein proteftantif(^e ^wftänbe oor*
fd^roeben, flogen toir raieberutn auf einen SieblingS;
gebanfen ©oet^es: feine geitlebenä befunbete Slbneigung
gegen baö „leibige proteftantifd^e ©eftenraefen". ©d^on
im „Srief beö ^forrerö'' beflagt er bie Uneinigfeit
unter ben ßfiriften unb empfiehlt brüberlidf^e ßiebe unter
ben ©e!ten unb Parteien. Unb fo fel^r er allenthalben

icbe 2lrt t)on ^ierarc^ie ablel^nt, fo |at er bod^ ber


ein^eit ber £e^re in bem ^atl^olisiämuö raieberl^olt

S3eifall gejoHt. ©d^on auf ber ©d^roeiserreifc 1779


ntu§ er bie 2luäfül^rungen beö ^^apujinerö mit 3"fttnt:
mung angeliört fiaben; im i^^'^^i'^ 1822 aber l^at er cö
©rüner gegenüber als SSorjug anerfannt, ba^ bie Seigre
ber Äatl^olifen mel^r gum ©anjen jufammengreife, wäf)-
tenb in jeber größeren proteftantifd^en ©tabt neue
©runbfä^e l^errfd^ten. Unb im ©egenfafe
l^ier ruft er,
gu unferem ©ebid^te (58. 28 ff.), bei bcm @eban!en an
Sutl^er aus: „9Bcnn mir nur ein Original ptten!"")

Die Priejler t»or fo ©ielcn 3^^'^^"


Waten als vo'ie fte immer waren
Unb tpie ein iebcr toirö sulefet,
IDenn man iljn Ijat in ein 2(mt gefefet.
86 Xüar er Dortjer roie ein Slmeis frabblid?
Unb toie ein Sd^Iänglein fdjneU unb sabblid^,
IPirb er I^ernad] in Zllantel unb Kragen
3n feinem Seffel fid^ n>oIjI beijagen.
Unb id] fd]a3Öre bey meinem {.eben,
io Blatte man Sancft Paulen ein ^ifftum geben,
Poltrer toär tporben ein fauler Saud),
W'\t coeteri confratres aud).
SDie Äirc^e unb bic ©cparatiften («. 31—72). 65

Dev Sdjufter aber unb feines gleidjen


Verlangten täglidj lüunber unb ^eictjen,
45 Daff einer prebgen foUt für (Selb,
2tl5 Ijätt ber (Seift iljn IjingefteUt.

ZTidten bie Köpfe feljr bebeniJIidj


Über ^ion händlxdi,
bie Cod^tcr

^aff adi auf Cansel unb ^Itar


50 Kein ZHofes unb fein 2Iaron n?ar,
^aff es bem (Sottesbienfte ging,
2IIs n?är's ein X)ing u?ie ein anber Ding,

Das einmal nadj bem £auf ber IPelt


3m 2IIterbürr sufammenfällt.

65 „(D well ber grofen Babylon!


von beiner (Erben,
fjerr, tilge fie

£aff im Pfui gebraten werben,


fie

Unb, ^err, bann gieb uns iijren Crolin."


So fang bas f^äuflein, frod^ sufammen,
60 Cljeilten fo (Seift's als Ciebesflammen,

(Safftenunb langemeilten nun,


fjätten bas aud^ fönnen im Cempel tljun.
2lber bas fd^öne wav bah<i\,
€s fam an ieben audi bie Keifj,
65 Unb «>ie fein Bruber u>elfd)t unb fpradj,
Dürft er audj toelfdjen eins Ijcrnad^.
Denn in ber Kirdje fpridjt erft unb ki^t
Der, iien man Ijat Ijinauf gefefet,

Unb gläubigt eudj unb tfjut fo gros,


70 Unb fdjliest eud? an unb madjt eud^ los,
Unb ift ein Sünber r»ie anbre £eut,
2tdj unb nidjt einmal fo gefdjeut.

Wlii überlegenem, aber milbem ^umor [teilt ber


®i<^ter in biefer ©(^itberung ber geiftlid^en ^uftänbe
5Dlinor, ®oet^c§ etoiget 3ube.
5
66 HRontcI unb Ärogcn (93. 37).

bic bciben ^auptrid^tungen: bic ^ird^c unb bic fid^ Don


i^r loöfagenben ©e!ten, einanber gegenüber. S)ie 3Sers

treter ber ^ird^e finb bie ^riefter, »on benen Qud^ ber
^eripQtetifer^^) ßj^riftuö fogt: ,,^ie Reiten l^abcn fid^

geänbert, bie Umftänbe oud^, ober bie ©eiftlic^en nid^t"


(93. 31 f.). ©ie [teilen boä amtlid^e ßl^riftentum t)or

(93. 34). ®aö 2Initöjeid^en fmb aWantel unb 5lragen


(33. 37), bie oud^ in ben geiftlid^en S'ioTnanen eine gro§e
SfloHe fpielen. ©ic bilben in einigen ^romnjen gerabcju
baä Drbinationsjeid^en bes ftöbtifd^en g^rebigers, baö
er trägt, roenn er im 2lmte roonbelt; fie werben benn
aud^ bem ©ebalbuä unoerjüglid^ abgenommen, nad^bem
er feineö 2lmteö entfe^t ift. ©oetfie, ber fid^ an Berbers
originell bel^anbelter 2lmt§trad^t ergötzte, bejeid^net fie

in ber Satire auf 93af)rbt auöbrücfüd^ aud^ atö „©taat'',


aI)o Galauniform. Söenn er aber Berbers Xrad^t in
ben 93erfen fd;ilbert:

fc^iüarjeä Äteib,
©inen langen 9)JanteI von fd^roorjcr ©eib';

ein Äräglein lool^I in <Baum gelegt,

Xai nun leinet länget unb Bteitet ttägt,

fo !ann unter bem fragen nid^t ein fragen auf bem


aWantel ju oerfte^en fein, roie etwa bei ber SBertl^ers

trad^t; unb cbenforoenig an unferer ©tette. ®cnn in ben


SRomancn ift ausbrtidfUd^ von bem fteifgeftärften ^res

bigerfragen unter bem 3lod ober üon bem fteifcn

SBoIfenfragen bic ^Rebe, unb ^crmeö fügt nod^ au^er«


bem in einer ^ufmote liinju: „93äffd)en, übcrfd^Iag''.

liefen 93äffd^cn entfprad^cn an ben .^änben bic .(lläpp;

d^en, b. ^. ein meiner übcrfd^tag an ben ^Jtrmcln ber


Söeflc. 3ebod^ gob c« bei ben t)erfdjiebenen 5lonfef=
Scr %^ton (ß. 38). 67

fionen unb ©eften, foraic in bcn üerfd^iebcnen ^roüinjcn


gol^treid^e Unterfd^icbe; nur an bcm „auf bem 'SOxä^n
fd^roimmenben" 3Jiantet unb an ber fd^roarjen %atht,
bie au^ ber 58erfajfer be§ ©eifttid^en 5Don Dut($ottc

bei ben englifd^en ©eiftlid^en üerfpottet, rourbe fefts

gel^atten. ^m übrigen aber biefe ®inge feineäraegä

gleid^gültig genommen: eä gab fogar eine @e[(^id^te

ber ^üte unb 3Jiäntel ber berlinifd^en ©eiftlid^feit; unb


D^icolai raibmet i^nen in feinem ^iotl^anfer eine auö;
fütirlid^e Erörterung, bie für uns fieute nod^ befonberö
roertüott ift, meit ^upferftid^c beigegeben finb^''). ®er
©effet (33.38) ober ber ^t)ron (33. 58) ber ©eiftlid^feit ift

ber Sel)r= unb ^rebigtftu()l; wie (S()riftuä im @oangc=


tium oon „9Jlofeö' ©tufil" rebet, ober wie ber ©oet^ifd^e
Pfarrer fd^reibt: „SBie ein ^aftor fidt; unterftefien fann,

mit ^a§ im ^ev^tn auf einen ©tu^l gu treten, mo


nur Siebe erf(^atten follte", ober ber Sßolfenbüttter
^ragmentift bie ^ierard^ie ,,ouf ben ^liron fe^en"
lält^^). älud^ bie foHegiatc Umgangäfprad^e alimt ber
S)id^ter nad^: „lieber ^err ßonfrater" ober „2lmtös
bruber" ift aud^ in ben S^iomanen unb in ©oetl^eö „Srief
beä ^oftors" bie geroötinlid^e Slnrebe^'^). ©e^r mitbe
entfc^ulbigt ber S)id^tcr bie nad^Iaffenbe 9fiüt;rig!eit unb
ben 33erfaII beö ©otteäbienfteö unter ben ^änben ber

^riefter mit ber allgemeinen 3lrt ber 33eamten (33. 33 f.)

unb bem gemöfintid^en Sauf ber äBett (33. 53 f.). ©ogar


g^aulus, ber eifrigfte unb feurigftc unter ben 2tpofteln,
in beffen 9?amen Sutfier fömpfte unb ben ©oet^e f)kv

einen ^oltrer nennt, wie nod^ in ben 3<i§"^^" 3£enien


einen „Sfiitter berb, ber ben Splittern minber iierb er;

fd^ien"^°), raäre auf einer fetten ^frünbe faul unb


68 2)er faule »aud^ (». 41).

nur um feinen S3au(^ beforgt geworben (33. 41,


ügl. 189). ©er „23aud^" ober ber „aKogen" wax bei
oielen ©ciftlid^en fo fel^r bie ^Quptfad^e, bo§ baö SBort
„23aud^" t)on ben Saien überl^aupt für „Pfaffe" ober
„^ird^e" »erraenbet würbe. ©leim rebet in einem S3riefe
an Uj t)on einem ,,33aud^e unb fetten ^rätaten"; ©tol-
berg f^reibt an 5ßo§ über ben ^auptpaftor ©oeje, ben
©egner Seffings: „^ar\t für ben fd^önen ^feil, raetd^en
©ie bem l^eiligen Saud^pfaffen in ben el^rraürbigen
SBanft gefd^offen lieben"; unb im Sruber ©erunbio fagt
ber Saienbruber, ber baö Offen bringt: „S)er gefegnete
©t. ^üttbaud^ fei mit ^l^nen; auf meiner Saud^glodte
t)at eä fd^on lange neun gefd^tagen"^^). ®a§ bie
^riefter für ©elb prebigen (33. 45), ift ein 3"9, ^^^
in allen ©atiren loieberfelirt. ,,2Barum greifet i^r in

unfer 3lmt, inbem i^r alle anberen »erbammet?" wirb


fd^on im io«bibraö gefragt unb bie ©eiftlid^en ant:
roorten: „rocil roir bafür begal^tet roerben". Dlicolai

ftid^ett gern auf bie ©ebüi^ren unb lä§t bie 33ürger

anberfeits aud^ roieber mit 3uftieben^eit bemerfen, ba§


i^r ^forrcr furo ©elb aud^ maö getan Ijabe. ®en
^eripatetifern aber fagt ein 5lanbibat tjor bem ©yamen
gerabeju ins ®efid;t: „^c!^ antworte unb leiere, raaö
man ^aben raitl; bafür werbe id^ aud^ fünftig be^

jalilt"; unb mit Grftaunen bcmerfcn bie l)immlif d^en


Söanbcrcr, bofe üielc Pfarrer blofj um i^refi eigenen
JWuöcnö Witten prcbigen"*). Unb wenn ©oct^e ()icr

ben S3erfatt bes ^rebigtamteö (58. 51 ff.) als ctwaö


ganj ^Watürlid^s bctrad^tct, fo l)at er ät;nlid^ fd;on
ben ^oftor über baß SJütjungenrcbcn, alfo über ben
Sufigangopunft beft ^rebigenfi, fd^reibcn lajfen: ,,3Bie
Sie Qnfpiration (5ß. 44 ff.). 69

aber jebe DueHe, töenn fie t)on ilirem reinen Urfprung


weg burd^ otterlet; ©änge §ie{)t, unb üermifd^t mit
irbifrf)en ^fieiten ^wax i^re felbfiänbige innerltd^e S^leinig;

!eit erfiält, bod^ bem Stuge trüber fd^eint unb fid^ roo^l

gar jule^t in einen ©unipf vertiert, ©o gings t)ier

aud^. ®ie ©prad^e ber ©eifter, bie ©obe mit 3"^i9^"


ju reben, mirb fd^on ^u ^auluö 3^^^^" miäbraud^t."
Unfere ©teile Üingt fd^on red^t bentlid^ an bie fpötere
Se^re in ^erberä ,,^been" an, naä) ber atte fird^lid^en

©t)mboIe anfangs einen guten ©inn gel^abt fiaben,

fpäter aber nid^t blo^ (wie 3Soltaire meinte) burd^


^riefterbetrug, fonbern burd^ ben ganj naturtid^en SBer«

lauf ber ®inge entftettt unb unöerftänblid^ geworben


feien. ®aö ift bie ©efd^ic^te aller ©el^eimnijfe auf
©rben "3).

2)iefcm amttid^en ^rieftertum [teilen bie feparatiftis

fc^en ©eften gegenüber, beren einer (fie ift nid^t nä^er


beftimmt) ber ©d^ufter angel^ört (33. 43) unb beren ges
meinfameö 9)Zer!maI bie ^ui^üdftialtung oon ber fird^tid^en

©emeinbe ift. ©egenüber bem burd^ baö ©jamen


unb bie Orbination befteHten ^rieftertum oertangen fie

bie unmittelbare Eingebung ober bie i^^fpi^ation burd^

ben tieiligen ©eift. ©ie lialten e§ mit ben SBorten ber


SSibel, in ber fid^ fd^on im 3llten S^eftament bie ^ro=
pl^eten burd^ 3ßi<l^" ^^"^ SBunber (58. 44) legitimieren
muffen unb mo au^ im S^teuen ^eftamente fagt:
ß^riftuö
„2ßenn i^r nid^t S^iä)in unb 2Bunber feilet, fo glaubet

it)r ni^t." ©o merben auc^ im ,,9)?eno5a" S^ii^^n unb


SBunber alä ^rebitio, pr ^Beglaubigung ber ©enbung ber
neuen ^roplieten, con ben ^nfpirierten verlangt; benn
ber innerliche X^rieb beö ©eifteö, raorauf fie fid^ berufen.
70 3)ic ^Berufung bur(§ bcn ®eift (^. 46 ff.).

fönnc nur t^nen felbft, aber nid^t bcn anbern genug


fcin^*). ®ie 33erufung burd^ ben ©eift aber (33. 46) ift

baä 2BefentIic^c bei aßen f eparatiftifd^en ^rebigern. <Bä)on


ber ©oet^ifd^e ^aftor nimmt fid^ ber ©d^mörmer unb
;3nfpirierten an, bie fid^ gmar oft unglüdfüd^errocife ifirer
©rleud^tung überlioben t)ätten unb benen man if)re ein;

gebilbete Offenbarung oft mit 5Red^t oorgcroorfen l^ätte:

„aber mel^ unö, ba§ unfre ©eiftlid^en nid^tö mel^r üon


einer unmittelbaren ©ingebung rciffen — mofft i^r bie
2ßir!ungen beä l^eitigen ©eifteö fd^mälern? 33eftimmt
mir bie 3cit, mann er auf gehöret l)at an bie ^erjen
gu prebigen? . . . fiieber Sruber, ber tieilige ©eift gibt
aUcn 3Bat)rt)eit, bie iljn banim bitten!" Unb roie fid^

biefer ^aftor gegenüber ben Kommentaren gur 33ibel


unb gegenüber ben fd^alcn ®i§!urfen ber ^rebiger auf

bie (Stimme beä ©eifteö beruft, fo finbct aud^ bie fd^öne

(Seele, bafe fid^ bie ^rebiger bie Qaf)m an ben ©dualen


abftumpfen, mäl)renb fie ben 5lern genieße. ®er ^rinj
3Jtcnoja begegnet in 3fiürnberg einem ^"fpirierten, ber
nur prcbigt, bis ber ©eift it)n antreibt, unb ber fagt,

cö ftünbe gar nid^t bei it)m ju fd^meigen: ba§ 2Bort


©ottcö fei roie ein ^^euer, baö fein ^erj oerjeljre, mo;
fern es nid^t jum 2luöbrud^ fommc. Unb aud^ 9Bl;ite;
fielb bcliauptete, ba& ber ©cift ©otteö il;n erfülle unb
ju jebem 2Bort antreibe. 9?adl; feiner Seljrc fann mcber
bie y^atur nod; bie ©rjieliung, fonbcrn nur bie ©nabe
unb ber 9^uf beö ©elfte« ben 9)Jcnfd()en jum prcbigt*
amt tüd()tig mad^cn, ber inncrlid()c 9luf oom l)ciligcn
©eift! ficibcr aber fd^eine tjeutjutage in ©nglanb, tuo
ja ber ^rcbigerbienft fogar erblid^ mar, ber raid^tigfte

Mi ber äufe erliefe JWuf ju einem guten ©icnftc ju


3)ic Berufung burc^ ben @cift (SB. 46 ff.). 71

fein ! ^er ^elb im ,,@eiftti($en S)on Duiij^otte" folgt


feinem 3SorbiIb in allen biefen fünften nad^. @r rebet

t)on \iä) ttlä von einem 2lpoftel unb eoangetiften ; unb


ift überjeugt, ba^ er ben S^iuf beö ©eifteö in ebenfo

reid^Iii^em aJia§ empfangen t)ätte, a(ö irgenb ein 3lpoftel.

©ö !5nnten, fagt er, rcenige ber Rva\t miberftefien, mit

ber er rebete; unb er rebet atö einer, ber ba aJiad^t

ptte, nur nid^t wie bie ©d^riftgelefirten, baö ift: wie


gemeine Sanbpfarrer. 6r »erläßt fid^ baf)er auä) bei

feinen ^rebigten auf eine übernatürliche 3Jiad^t, bie i^m


fc^on bie SBorte in ben 3Jiunb legen mürbe unb bereitet
fid^ gar nid^t t)or. ©r tä^t aud^ oor ber 2lbreife einen

SBrief jurüd^, ber mit ben SBorten beginnt: „^^ roerbc

t)on bem ©eifte l^inroeggerufen." "«" gteic^raol^l in


Sft
bem ©eiftlid^en S)on Duic^otte baö ^un unb 2:reiben ber
ajlet^obiften oerfpottet, fo ift ber SSerfaffer beö Siiomaneä
bod^ objeftio genug, eö burd^ unparteiifd^e ©timmen au^er
^meifel ju ftetten, bafe bie SJJetl^obiften anfangs einiges
©Ute unb befonberö „bie nad^Iäffige @eiftlid^=
geroirft

!eit munterer gemad^t" Ijätten: „benn rcenn ein ©eifts

lid^er feine ^rebigt ebenfo faltfinnig unb gteid^gültig

()erlieft, roie er ein ßeitungöblatt ober eine ^artamentä«


üerorbnung lefen mürbe, fo barf er fid^ nic^t munbern,
wenn feine ^«'^örer ben nämlid^en ilaltfinn äujgern

ober fogar einfd^lummern. Unb baö ift geroi§ ein großer

SSorteit, ben bie 2Jiet()obiften unb anbcre fd^märmerifd^e


^rebiger üor ber orbentlid^en ©eiftlid^feit ooraus fiaben,
inbem fie fo oiele träge, fd^läfrige ©(iriften ju bem ©e^
füf)l ber ^Religion erroecfen"^^).
9?un gehört eö ju hm ©erool^nl^eiten ber frommen,
bei jeber ©elegenl^eit Särm gu fd^lagen, als ob bie ganje
72 3)ic 2;od^tcr 3ton (33. 48).

ß^riftenl^cit in flammen ftünbc; unb fo roie bic Drtl^os


bofcn überall hen Untergang ber Stet^tgtäubigfeit^^) tjor

2lugen feigen, fo beftagen bie (Seftierer mit ben SBorten


ber 33ibel ben SSerfall be§ alten Sibelgtaubenä. ©d^on
e^riftuö f)at ja raie fie (95. 50) gefragt, ba^ auf 3«ofe§
©tut)l bie ©d^riftgelel^rten unb ^l^arifäer fä^en, unb
er ^at bei 3Kattl^äuö 23 baö SKufter für atte 2lngriffe
auf bic amtli($e ©eifttid^feit gegeben^'). S)ie klagen
über bie S^od^ter 3io" üerftumntten nid^t, unb je nad^
bem ©tanbpun!t cerftanb man unter bem SBortc 3ion,
baö im 2llten STeftament ^erufalem bebeutet, entroeber
ben firc^tid^en ©lauben unb bie ^ird^e fd^led^trocg
ober ben ed^ten biblifc^en ©tauben im ©egenfa^ ju ber
Äird^e. S)er ^auptpaftor ©oeje fd^rieb freubig an ben
granffurter aWagiftrat, man fel^e, ba^ tro^ ben f^ranf=
furter ©eletirten Slnjeigen ©ott nod^ in bem j^ranffurti*

fd^en 3ion (=5lird§e) fei, roäl^renb ber granf furter ©e*


paratift bem ^rinjcn HJtenoja Üagte, ba§ baöfelbe ^ion
toüft unb eine SBo^nung ber milben 2^icre roorben fei.

2lnbere feufjten unb flagten unb meinten in ber ©tille


über bie 2Bunben, bie ber 25>olfenbütt(er ^ragmentift
unb Seffing ber 2:od^ter 3ion gefd^tagen t)ättcn. 2lIIe
aber maren ooll ©ifer für bas (leilige 3ion; bie ^riefter
Ratten bei ber ©emeinbc ben S^iamen : „SBäd^ter 3iond"
ober „SBöd^ter beö gciftlid^en 3ionö""''). ®en ©egens
fafe bilbete baö unliciligc Söabel, bas cbenfo fprid^ioört«

lid^ für bas ©ilnbenlebcn tourbe (58. 55); narf; bem


93ibelfprud^e: ,;2BeF)C, n)e(;c, bic gro§e ©tabt Ü^abylon!
bie ftarfe ©tabt! auf Gine ©tunbe ift bein ©erid^t ge^
fommcn"*"'). ^ürbic©ünbcnftabt mar bcrSf^uf nad; bem
©c^n)cfclpfu(;l (33. 57) ber .^öHc bas cmigc ©cbet ber
mtf} bet großen ^amon (SB. 55 ff.). 73

%xommm. @ä pngt bog mit ber Se^re »on ber (Stoigfeit

bcr iQöffenftrafen gufanimen, bic nod^ im 18. ^a^x^unhext


t)on feinem geringeren olö Seibnij oertreten raurbe, bem
ber aufgeftärtere 5Dlenbe(äfot)n in feinem ^^äbon mibers
fprad^. 8efanntlid^ nimmt aud^ Älopftod burd^ bie S3e=
gnobigung beö reuigen S^eufelä 9lbbabonna eine nid^t
unwid^tige ©teile in biefem roeitauögebe^nten ©treitc
ein. ^m 9?otl^anfer malt ber ©uperintenbent ©uppiuö,
bei bem (5Joe§e aJiobed geftanben f)at, ben pttifd^en
©d^raefelpfuF)! unb bie a)?artern ber 33erbammten auf
baö (Sd^recflid^fte auö unb ruft bonn in ^o\)km ftagen=
ben Stone: „ßroig! ©raig! ©roig!" ®(eim freut fid^ in
einem Srief an U5 ber 3eit, too fein ©d^roefelpfulil bie

©emiffen erfd^redEte; unb erft im ^ai)xc 1805 meint ber


3Winifter $ßoigt in Söeimar, bie alte geftrenge ajiet^obe

mit i^egfeuer unb ^öffe fd^tage nid^t mel^r an. ©ic


mar aud^ im Iiol^en D^orben übel befannt. ^0^ in
i^bfenä SBranb Reifet es:

„3d^ !enn' baä Sieb! Qn a)orf unb ©tobt,


Xa ^ört fic^'ä ^cut baä «0« nic^t fatt.
Xü bift von biefem neuen ©eift,
S)er'ä Sebcn ^anb unb glittet ^ei^t
Unb unä mit ^öffenftrafensSriH
3n @acf unb afd^c jagen miU.

S3ronb: Dlein, grcunb, id^ Bin fein Äanjell^engft.


Sie Äird^enfpradl »etga^ id^ längft."

9lud^ ber junge ©oetfie l^atte in feinem älteften ©e^


bid^t in bie 3:onart ber frommen eingeftimmt unb ge*
fungen
„Jiid^tä fann cud^ auä bem 5ßful^l erretten,

3)a liegt, Mmmt eud^ in ©d^roef elflammcn !"


74 2)a§ J^ötttfc^c gcucr (SB. 57 f.).

aber jd^on bic f^ranffurter GJelelrten 3ln5cigen lüeifcn bie


Seigre üon @ott alö bem eraigen ©trafrid^ter be§ fd^änbs
lid^cn aJienfd^engcfd^ted^tcö gurüif; imb ©oetl^eö tnilb;

gefmnter Pfarrer raeid^t am liebften atten SSorftellungen

Bon ber iöötte auä unb beruft fid^ nid^t auf bie eroigen
©trafen, fonbem auf bie eroige Siebe ©otteö. ^ür bic
©rbfünben, meint er, fönnen roir nid^tö unb für bie
roirflid^en (gegenroörtigen) aud^ nid^tö — „roer roitt bcr
Siebe ©otteö ®ren§en fe^en?" Unb babei ift bcr ©id^ter
geittebenö [teilen geblieben.

„S)cr ©otteä ©rbc lichten Baal


SSerbüftcrn ftc jutn Qannttertl^or,
3)aran entbccfcn roir gefd^roinb,

2Bic jämmcrlid^ fie felber ftnb,"

fo fagt er in SSerfen; unb nod^ furj t)or feinem ^obe


l^at er fid^ gegenüber ©oret gegen bie gJrcbigten über
^ö ff en [trafen erf lärt "^
°)

2lber au6), roaä bic frommen bei ©oet^c mit fo


lapibarer 3taioetät »erraten: ba§ ber ©igennufe fe§r
oft ber @runb bes 9iufes nad^ bem f)öffifd;en ^^euer ift

(58. 58), roar fd^on lang cor ©oct^e ©egenftanb einer

fd^arfen ©atirc. 2)ie ©eparatiften, bie nid^tö oom


„2^ron" roiffcn rooffen, bitten ®ott um bic SSernid^s

tung ber ©cgner, nur um i^n felber su befteigen ! ^n


Butlers ^ubibraö fpinnt fid^ ber folgcnbc S)ialog oh:

„9Qa< mac^t etroafi sut roal^ren ort^obo^eu fic^re unb


(9(au6en, obfc^on roiber euer beffer Jüiffen unb ©erciffen?"
„Sine gute ^frUnbe!"
„SDafi mad^t eine iebe £e^re Kar unb beutlic^?" „S^ti*
^unbert ^funbe ungefähr jA^r(i((;cr GtnfUnfte."
„Unb roaS mad)t eine ^e^re, bie einmal roal^r befunben
®ib un§ i^ren %^Ton (35. 58). 75

lüorben ift, l^ernad^ roieberum fatfd^?" „Stnbere ätucil^unbert

«ßfunbe ba3u."
„3Baä tnad^t eine Äird^c jum 3tau&neft?" „®in 5ßro5ft unb
©apitet mit roeiffen ®rmeln."
„Unb \va§ würbe fie ortJ^oboj ntad^en, bafern bicfe anS-

gejjagt würben?" „3)a^ luir fie Befäffen."

®ie (Satire rid^tet fid) l^ier groar gegen bie ^ird^engläus

bigen ; bie ©ad^e ober ift biefelbe. Unb SRicoIaiö 5Wotl^s

anfer te^rt ebenfo, raie man einen Untergebenen ober


einen 3lmtöbruber mit leid^tefter ajiü^e, inbem man i()n in
ben @eru(^ ber ^eterobojie bringt, au§> bem 2lmte üer*
brängt, um fid^ fetber an feine ©teile gu fe^en. 5Rot^=

anfer ift no(^ nid^t ausgesogen, ba jietit fd^on ber neu


orbinierte 3'iad^f olger ein, bamit bie Strafe nid^t su
lang ofine Wirten bleiben, 2)er ^ropft oerfid^ert, ba^
bie igßterobofie burd^ 2lbfe^en unb SBegfd^affen ber
irrigen fie^rer am fid^erften oertitgt mürbe immer aber
;

rücft ber, ber am meiften gur Entfernung beö ^rrtel^rerä


beigetragen i)at, in feine ©teile nad^'^0-

®aö ©ebaren unb bie ©prad^e ber ©eftierer l^at

©oetfie mit wenigen ©trid^en anfd^aulid^ oergegen;


raärtigt, gegenüber ber d^rifttid^en ©emeinbe, bie fie

»eräd^tUc^ alä „großen Raufen" bejeid^nen, nennen fie

fid^ befd^eiben mit bem ©iminutiöum (33. 59), für baö


fie überl^aupt eine gro^e SSortiebe Ijaben. ©o reben im
3Jleno3a ein ^errenliuter unb ein ^ietift ron bem großen
Raufen ber oerfattenen ^ird^e unb ein ©eparatift tel^nt es
ah, fid^ ju einem „fid^tbaren Raufen" gu l^alten. ©inb
aber bie anbern in ber aJiinberjaf)!, bann reben fie flugä
mieberum t)on bem ftrebfamen Häuflein ber Ortliobojen
ober bem „oeradjteten ipäuflein" ber ^riefter. ^n „©os
76 2)ttä fromme §äufrein (33. 59).

pl^ienö 9?eife" fammelt ein buifmäufernbcr ^tetift ,,für

arme 33rüber im Häuflein her ©ered^ten". ©oetl^e \)ai


jid^ fd^on im ^afirmarftäfeft bie ©prad^e ber frommen

ju eigen gemacht, roenn er aWarbod^ai jagen tä§t: ,,Unfer


Sämmelein Häuflein gart" ; unb nod^ in ben 33ef ennt=

niffen ber fd^önen (Seele tritt ber ^errenl)utif(^e ^aoalier,

fobalb er bie „^äufc^en" oertrauter ^erfonen um ftd^

erblidt, mit feinen 33er§d^en, Sitaneien, 33ilberd^en l^er=

t)or'^). 35cr erfte ©d^ritt gur ©eftenbilbung ift immer bas


„3«fömmenfried^en" (SS. 59) ; benn, raie ber ©eparatift
im „3)?eno5a", ber ben 2lnfd^IuB an bie ©emeinbe fo

fd^roff oon fic^ roeift, fagt, ift feine d^riftlid^e SSrubers

fd^aft meit jerftreut. (Sbenfo {)at ber ^faff im ^ater


S3ret) allerorten „jufammengebrad^t eine ©emein, ®ie
lieben roie 3Kat)enIämmeIein ©id^ unb bie ©eifteäbrübers

lein", ©ic teilen aud^ l^ier (33. 60) bie ,,@eiftes= unb
Sicbcöffammen", b. 1^. il^re retigiöfen @eban!en unb ©e*
füllte, bie ja bei ben petiften immer einen l)5l^eren
SBärmcgrab (bal^er: flammen) fiaben follen''*); aber balb

ift bie ^ißc aud^ I)ier abgefü()tt (93. 61 f.), unb bie

Stimmung nid^t rcärmer alö unter ben Äird^engläubigcn,


Don benen ber junge ©oet^e'*) in ©traPurg fagtc:

,,fic finb fo oon ^erjen (angrocilig". 3lux ©incö Ijoben


fic Dor biefen üorauö (93. 63 ff.), ba{3 nämtid^ jeber
jum ^rebigen berufen ift. 2)er ©cparatift im ,,9^ot^;
anfer" begeid^net ben ganjcn geiftUd^en ©tanb als eine
Grfinbung beö 2^eufclö; ein jcbcr malere (£(;rift fei ein

^oljcpricftcr, bie ©ciftlid^en l;ättcn bie 2Bclt üon jel^ier

ocrfflf)rt. Unb fc^r ocrlocfenb merbcn bem .gelben aud^


bie Sficmonftrantcn gcfd^itbert, bie jebcm unbcfd;oltencn

aWann bffcntlid^ über gcmeinnflfcigc 2Ba()rf)citen ju rebcn


S5ec allgemeine Seruf jum ?ßrcbtgen (Sß. 63 ff.). 77

geftatten, tüofür fie feine befonberä beftettten Seigrer

l^aben. ^eber, ber ^raft in fid^ fül^lt, nü^lid^e Seigren


ju geben, trägt fie, otine ßelirton, wie ein j^reunb oor
greunben oor unb pflegt am (Snbe feiner S'lebe bie 33er=
fammlung befc^eiben ju frogen, ob jenranb wiber biefen
Sßortrag etrooä einjuroenben '{)ah^ ober gur ferneren 2tuf;
flärung ber SSa^rl^cit nod^ etroaä beitragen wolle, unb
l^ierauf fä^rt fort, wer roitt, feine ©ebanfen gu ers

öffnen. S3ei ben ^errenliutern prebigt einer ber 0tlteften,

unb aud^ unter ben 3Wetl^obiften wax jeber gur ^rebigt


berufen, ^m ®eiftli($en ®on Duid^otte fiat eine ^erfon
einen ^ettermeifter, ber eine ^rebigt ober eine ^omöbie
noc^ beffer oorlefen !ann atö ber Pfarrer. 60 ift aber
au(^ umge!e|rt ein gangeö Kapitel bem ^a^mi^ von
ber S^iotroenbigfeit einer orbenttid^en „^riefterraei^e" ge;
n)ibmet^°). ®ie 9^ad^teite fielen in ber 2^at ins 3luge

unb fie werben in ben ©eiftlid^en S^tomanen faft mit


benfelben 2Borten wie bei ©oet^e ($ß. 65 f.) auögebrücEt.
®cr reifenbe ^rinj fd^ilbert bie ^rebigten ber ^anbis
baten im 2öaifen{)au§ in ^aUe, bie ot)ne 3Sorbereitung,
attein au§ ber ^üUe be§ ^erjenö gel^atten werben, unb
wie eä bann ausfielet, wenn biefe gülle bcä ^erjenä fel^lt!

SBie fie fid^, ba fie auf jebe ^Vorbereitung unb Übung


tjerjid^ten, baran geraöl^nen einen anbäd^tigen SJlifd^;

mafd^ üorgubringen, ober mit beooten aWienen ^in unb


l^er unb bod^ immer basfetbe reben, unb eö nie §u einer
orbentlid^engertigfeit bringen. Unb in ben met^obiftifd^en
SSerfammlungen gef)t e§ arg genug gu : wenn einer mit
ber mar!tfd^reierifd^en ^erebfamfeit, bie er irgenbmo auf;
gerafft l)at, bie Drbnung ber ©efettfd^aft überfd^reitet,
^at ber anbre natürlid^ baö 9flcd^t, basfelbe gu tun (33. Q6),
78 25er allgemeine Seruf jum ^ßrebtgen (58. 63 ff.).

woraus sulcfet bie äu^erfte ^ßerroirrung folgt, ©ogar


bei bem gelben felbfi, ber in ber ©prad^e 2B^itefieIbö
rebet, jcigt fid^ boä : was bei biefem notürlidf; roar, bas

wirb bei i|m läd^erlid^ unb tut gerabe bie entgegen^


gefegte SBirfung. Unb @oet§eä efirroürbiger Pfarrer
nennt cö bei atten ©iferern für ifire ©efte einen niäd^;
tigen 33e^elf ber 9iebe!unft, ba§ fie mit SBorten l^erum^
werfen, bie fie nid^t oerftef)en^^). ^m (Sroigen 3uben
aber (SS. 67—72) beharren bie ©eparatiften auf i^rcnt
©tanbpun!te gegenüber bem fird^Iid^en, rao nur ber
^riefter gum 2Bort fontmt. ©ie wollen nid^tö oon bem
Sibelroorte oom 33inben unb Söfen (35. 70) roiffen, "t^a
ber ^riefter ein ©ünber fei, wie bie anbern (58. 71);
unb fie wollen il)m nid^t bie ©ntfd^eibung über bie
9led;tgläubigfeit feiner ^farrfinber lajfen (93. 69), weil

er nod^ weniger oerftelie als fie (33. 72). ©bcnfo


]^ei§t es im @eiftlidf;en ®on Duid^otte: „2)ie Pfarrer
finb gerabe folc^e 3J?enfd^en, wie i^r ober id^, fie l;aben
i^re ©d^wad^lieiten wie anbre"; umgefc^rt aber freilid^

aud^ oon ben aJJetl^obiften, ba§ einer, wenn er nur


ilire 3"fQniw^ß"f""flß befud^e unb bort wie ein ^eiliger
rebc unb ausfeile, wie ein ©ünber leben fönne, ol^nc

bafe i^m baraus ein $ßorwurf gemad^t wirb. Unb


wenn ber fd^reibcnbc ^ube bie Ort^oboycn als bie
2)ummen, bie ^eteroboyen als bie gefdf;eiten Seute
betrad(|tct, fo urteilt ber junge ©octl^e über bie fird^*

lid^en unb pünftlid^en, ber pflifd^en 3luf!lnrung jus


getanen unb bem Oirafcn 3injcnborf fcinblic^cn ©träfe«
burger frommen: „fiautcr fieutc oon mäßigem 5öer-

ftanbc, bie mit ber crftcn 9ieligionscmpfinbung aud§


ben erften vernünftigen C^cbanfen badeten unb nun
2)cr graben wirb fallen gelaffcn. 79

meinen, baö wäre alleä, weil fie fonft »on nid^tä

roiffen"").

as. 35 f.: „2)ie 2lmeifen, bie barum fraöeln", S5cr junge


©octi^e II 204; baä 2)ienfcl^cnIeBcn mit einem 3lmcifenl^aufcn
»erglic^en, 2). j. @. III 702; „3aBcIt roie eine Sana", 2). j. @.
III 196. „Ärabbrer unb SaBfiler", §empel XX 111 unb 216 f.

«gl. 3). 2ß5. X 1911 {^vahhtln Ib).


SS. 40: 2)er 35atio „^ßaulen" ebenfo 2). j. ®. II 224 in 5ßrofa:
„^ßeter tl^ate fd^on ©ad^en, bie 5ßaulen nid^t gefielen".
SB. 41 : „^ortrer" wie ein Jiomen proprium ol^nc 2lrtifel.

3?. 48: „ttäntlid)" , unfleftiert nac^geftettteä aibieftio.

a?. 52: „eä" ftatt „er" (ber ©ottcäbienft).


33.60: Soeper fonjiaierte in ollem ®rnft: „Seibeäf^ommcn".
SB. 63: 3u betonen ift „baö" (Xon^ö^e); ber ©inn ift:

„nut ben SSorjug l^atten fie oor ber ©cmeinbe".


aS. 65 : aSgl. 20. 3n anberm ©inn, rcegen ^Jiod^Iäffigf eit in
©prad^e unb ©til, %&.%. 690: „roelfd^eä Slnfe^cn". „einä"
ift abüerbioler &emtiv, = „einmal" ; nid^t 9lffufatit)=Dbieft.
Sß. 68: „hinauf", ouf ben S^^ron {^. 58).
35. 69: „gräubigen" = gläubig mad)tn; »gl. 2). j. ®. III 214:
„Unb gläubige fie aUe jufammen
SOlit ^ämmleinä SämmleinB £iebeöfCammen."

35. 69 ff.: 3?gr. gauft 3583:


„Unb fegnet' mid^ unb tl^at fo grofi,

Unb bin nun felbft ber ©ünbe Uoä"


(3acob9, 21. f. S.®. X 486). 2)0!8 „Unb" 35. 71 cbenfo wie
tJauft 3584. 3746. 2848 (^ier erft in S) für: „Unb . . . boc^",
„aber", eine unerwartete 3Bcnbung einleitenb.

^a^ ber erften ©infül^rung unb ber ©d^itberung


ber religiöfen ^#0"^^ oerfd^rainbet ber ^wbe auö ben
Fragmenten. @r mirb nur no(^ einmal genannt, auf
einem befonberen S3tatte, bas fatirifd^e 2luöfäffe auf
80 3)cr gaben wirb fattcn gelaffen.

bic ©eiftlid^cn unb auf bie ^I^Kojopl^en, aber aud^


fd^on bie ©rbenmiffton beö ©oI)neg enthält (33. 73—108).
^ier töirb er einmal als ber Slnttüortenbe (33. 87) er=

toäl^nt; wer aber in ben beiben anberen ^^ragmenten


ba§ Sßort fü^rt, ob ber ©id^ter felber ober ber 3lube, unb
in raeld^em 3"föw^ß"'^onge ber S)id^ter biefe ©teilen

»ertöenben raoHte, baö bleibt völlig unbeftimmt unb


entjiel^t fid^ hti bem lofen gaben fogar ber S3ermutung.
Um bie iQauptfgencn beä $ßot!§bud^eä fommen mir ^ier

ebenfo, mie im Urfauft; mo ©oetl^e gleid^fattö nad^ ber


©fpofttion beä gelben ben gaben beö 33ollsbud^eä fallen
lieB unb fld^ an fatirifd^en ©jenen auö bem Uniocrfis

tötäleben feiner 3ßit (SBagner, ©d^üler, ©tubenten) er=

gbfete. ©aö ^ai)x 1773 mar ja bie 3eit ber fatirifd^en

garcen unb ^aöquiffe; fo gut aber unfere fatirifd^en


Fragmente im ^atire 1774 entftanben finb, ebenfogut
!5nnen aud^ bie fatirifd^en gauftfjenen in biefer ^zit

entftanben fein unb man brandet fie nid;t jurüdf §u


batiercn. 2)ie meifte ©d^roierigfcit bereitet baö erfte

ber brci grogmente:

Det gröjic 2Ticnfdi bleibt jlccts ein ZTTcnfdicn Kinb,


Die gröjien Köpfe finb bas nur voas anbre jinb,

76 2lUein, bas mercft, fie finö es umgefeljrt.


Sie tcoUen nidit mit anbeni (Erbentröpfen
2luf iljren 5üffen geljn, fte geljn auf iljren Köpfen,
Perad^ten was ein icöer eljrt,

Unb was gemeinen Sinn empört,


M Das eljren unbefangne U)eifen.
Dod] brad)ten fie's nid)t aüsutoeit,
3t|r non plus ultra ieber 3^it
Wat (5ott 5U läfftern unb ben Drecf 3U preifen.
2)ie unbefangnen 3ßeifen (Sß. 73—83). 81

®§ toirb im SSertauf bes ^ragmenteö beutlicj^,


erft

ba§ bie größten Tl^n^^tn unb ^öpfe, bie unbefangenen


SBeifen, b f). bie üorurteitstofen ^fiilofopl^en, liier iro^

nifd^ be^anbelt werben. ®er trioiate ©ingong: einer


ift fo t)iet wert aU ber anbere (93. 73 f.), verbirgt nur
ben (Spott, ber erft im britten $ßer§ (3S. 75) jum SSor^

fc^ein fommt. ®ie ©rö^e ber 2lngegriffenen unb if)r


Unterfd^ieb oon ben übrigen 9)?enf(ä^en beruht allein

barauf, ba§ fie atteö umgefelirt mad^en, umfe^ren unb


umwerfen (58. 75 ff.). ®aö ^^ragment berülirt fid^ alfo

mit bem Sluöfatt ouf bie falfd^e Originalität in bcm


Eingang (58. 28 ff.), ©egen raen rid^tet e§ fid^ aber?
5paul ^offmann, ber einen großen Slufroanb unfrud^t;
barer ©elelirfamfeit an unfer ©ebid^t »erfd^roenbet i^at,

bejiel^t eö in attem ©ruft auf Slero; ®ün^er oerftebt

bie 5)3t)ilofopl^en barunter, bie eö ni(^t meiter al§ bi§

jum aJJaterialiämuö gebrad^t l^aben; Söper bie S^latio;

naliften unb inöbefonbere 58oltaire. 6r bel)ält ^roeifello^

red^t, obn)ol)l er feine 33el)auptung nidfjt begrünben


fonnte. 2lud^ ©oet^eä ^Pfarrer eifert gegen bie ßeute, bie
fid; 5pt)ilofopl)en (58. 80) nennen unb eine fel)r lädier;

tic^e 5Perfon in ber SBelt fpielen. „®ö ift nid^tö jämmer-


lid^er, al§ Seute unaufljörlid^ üon 58ernunft reben ju
f)ören, mittlerroeite fie allein nad) 58orurtl^eilen ^ans
beln" — ha^ finb, in ironifd^em ©inne, bie unbefan=
genen SBeifen! (58. 80). ©ie fpotten über alles, maö
nid^t ilire 2Jleinung ift (58. 78). ,ß% gefd^al) bem por^
tugiefifd^en ^uben red^t, ber ben ©pötter üon ^ernei;
58ernunft fiören mad^en raottte, feine ©rünbe mußten
einer ©ottife roeid^en, unb anftatt feinen ©egner über-
füfirt ju feilen, fertigte ilin biefer fel^r tolerant ab unb
82 S)« unbefangnen SBetfcn (9S. 73—83).

jagte: bleibt benn ^ube, weil i^r eö einmal feib"; unb


ber Pfarrer fä^rt fort: „bleibt benn ^t)ilofopi^, weil
ilirö einmal feib, unb ©ott |abe 3)Zitleiben mit ©itd^!
fo pflege i^ ju fagen, toenn i^ mit fo einem ju tl)un

fiabe." Unb no($ beutlid^er mirb ber Sejug in hm


legten 5ßerfen (35. 82 f.), menn mir bie 2öorte au§ ber
©f)a!efpearerebe baneben l^alten: ,,Sßottaire, ber von
ie^er ^rofeffion gemad^t ^at, alle aHajeftöten ju läftern,
^at fid^ aü6) l)ier als ein ed^ter ^erfites beroiefen. 9Bäre
i^ Ulpffeö, er follte feinen 9iücEen unter meinem <Sjepter
üerjerren." 58ielleid^t l^at ©oetl^e eben in unferen 33erfen
mit biefer ®rol)ung ©ruft gemad^t. '^Sflan barf aber nid^t
überfelien, ba§ ber @oetl)efd^e Pfarrer nid^t blofe 33oltaire

felbft, fonbern aud^ feine ©d^üler unter ben 2)eutfc^en


im 3luge l)at: er fagt auäbrüdflid^, bafe fein 2lmt§bruber
in ber üorigen Pfarre üiel üon biefen ,,^l)ilofopl)en"

um fid^ geliabt liabe, unter ben ^farrünbern offenbar,


^ie 33ebeutung, bie baö 2ßort „^liilofopl^cn" ^ier l;at,

roirb aus aJiiHerö 2lfabemifd^em SSriefroed^fel flar, wo


es l)eifet : „Unter bem Spanien ^^ilofop^ lad^t jc^t jeber

lialbblütige Jüngling, ber ein paar ^iecen oon Voltaire


ober ^iberot gelefen ^ai, über alles, roas 9ieligion l)ci§t

unb nennts 2lberglauben." Unb roic ein fold^es 35ol--

tttirifd^cs ©enie, ober mie er es nennt: ein mineral;


grünes ©enie, in 2)eutfd)lanb ausfal^, bas erfahren
mir oon bem 5ßerfaffcr bes 8iegfrieb oon fiinbcnbcrg.
J&ier ftcHt fid^ ein Gffd^ufter franf unb frei unter 33ol:
tttires unb 2)ammfi Salinen, fprubclt einen ©djniall

Don parobojrcn <Sööcn l)craus, erfläit fid; meitläufig


gegen bie geroöl)nlic^e 93cbcutung bes SBortes ©mig
(®, 78) unb ift überjcugt, bafe er olles foiuite, raupte
Sie unbefangnen SBeifen (58. 73—83). 83

unb fönnte, beffer als irgenb ein aJJutterÜnb (33. 73).


Slts ed^tcö ©enic ^at er ju attem in ber 2Belt ßuft,
nur 3U feinem ©eroerbe nid^t; unb rairb jule^t auö
2)rang beö ©enieö jum giftigen SSerleumber (33. 82 f.).

3lu(3^ S^icolai in feinem ^otf)anhx betont roieber^ott, bajä

eä bie Ferren (Selbftbenfer unb bie ©enieä für unter


i^rer SBürbe fialten, vid ju lefen (33. 78), unb bem
3Ketl^obiften SBilbgoofe ift bie 33o§l^eit beä gemeinen
XtiU ber SRenfd^en nid^t wenig onftöBig, mit ber fie

ba§ 33erbienft ber l^elbenmütigften ©eifter üerfteinern


unb jeben fo naf) alö möglid^ ju fid^ ^eruntergugie{)en
fud^en unb bie i^m bei fold^en 3Wenfc^cn foft ©runbfa^
äu fein fd^eint (33. 81 ff.)
^»).

3?. 73 f. ; vQl. %au^t 1806 f. : „35u fileibft bod^ immer, lüctä

bu Mft."
SS. 76 f. : SDiefe löilblid^e SBenbung ift ein fpäterer ^u]a^,
ben ®oetl^e niäl^renb ber SWieberfd^rift beä (^rogmenteä einge;
fd^artet ^at; urfprünglid^ rcoITte er nad^ $8.75 mit $8.78 fort--

fa^ren. @ä ift ein Sieblingäöirb öoet^eä; ©. j. ®. II 217:


„ba^ ift fo notürlid^, alä boft einer gel^t, ber gü^e l^at." Unb
feltfomerrceife l^at Sonette ^acobi in einem Srief an %ante^
i^ai^Imer nod^ ber öeBurt eineä fleinen ^acobi fid^ einer äj^n^
lid^en SSorfteltung gegen ©oetl^e 6ebient (©d^erer, 2)er jüngfte
©oetl^e, ©. 21.): eä fei, fd^reibt fie, ein jroeiter ©oet^e ge=
rcorben, „ber fogar bei feinem ©intritt in bie 2ßelt nid^t rcie
anbre Seute mit bem Äopf, fonbern mit bem ^intern fommen
wollte, ba il^m benn ^rau ©iredfä [bie ^ebomme] erft bebeuten
mu^te, ba§ er auf biefe 2(rt nie baä ^ageäUd^t feigen roürbe,

aber fd^on genug fid^ oor feinen ©efd^rciftern au§seid^nete, menn


er auf ben Seinen gelaufen fäme".
SC. 79 : „gemeinen" = geroöl^nlid^en.
58.80: Sm ernftlic^en ©inne ift in ben g. @. 21. 174 oon
ben „ftolaen SBeifen beä Qal^rl^unbertö" bie ^ebe, bie in ®ott
etroaä anbereg feigen alä ben ©trafrid^ter.
84 3)er jüngftc %aQ (35. 84—88).

S5. 82 f : (Später l^at ©oetl^c ju einem ruffifd^cn trafen ges


fagt: „bie öffentlid^e 3)leinung tergöttcre unb läftcre
3()ienfcl|cn

©öttcr." — „S)rerf" ein Sie5lingäiDort beä ©turm= unb Srang^


©ttlä: 3). j. ®. III 224. 226. 493 u. ö.

Die Pricficr fdjrien weit unö Breit:


85 (£5 iji, es fommt &ie leste ^eit,
SefeBjr bidj, fünbiges (Sefd^Iedjt!
Der 3uöe [prad^: mir ifts nidjt bang,
3ctj I|ör Dom iüngjlen Cag [o lang.

©(^on ber SBortlout iinb bie ^ointe biefe§ '^xa^--

mcnteö toeifen unä auf bie neuere ^üt. 2)enn ber


i^ube prt auf feinen jal^rl^unbertelongen 3Bonberungcn
,,tang" mit bem ^üngften ^age brofien unb er l^at um ;

fo länger baoon gel^ört, je fpäter mir ba§ ^-ragment


anfe^en. ^arauö ergibt fid^ Don felber, ba^ fic^ baö
{^ragment nid^t auf ©inen $ßorfalI ober auf @ine
©efte bejieFien fann, fonbern baB eö für bie ^rieftcr
aller 3^iten, alfo aud^ ber 3cit beö ^id^terö, ©ültigfeit

l^aben mufe. Unb in ber Xai l^aben, feitbem ßfiriftuö

in jroei ©oangelien ben ;3üngftfn ^ag angefünbigt unb


bie Offenbarung beö i^o^anneö orafelfiaft bunfel t)on

bcm ©rfd^eincn be§ 3lntid^rift unb bem C5nbe ber äöelt


gcrebet ^at, bie 3ß^öten aller 3fiten bie 9lnfünbigung
beö ©nbcö ber 2BeIt baju benu^t, um ben ©löubigen
bie ^öUe t)ei§ ju mad^en. 3)iit ben df^iliaftifd^en

3been^ mit ber Slnfilnbigung ber eroigen öbtten«


[trafen (f. oben ©. 72 f.) unb mit ber 5Iufforberung jur
93u6e mar biefer 9iuf untrennbar ocrbunben. ^er
ortf)oboje ganatifer (^Joejc broI)te nod^ im 18. igo^t-

I)unbert ftetfi mit bcm :3üngften Öerid^t fo gut mie mit


bem ^öQifd^en $euer ; ber fd^mäbifc^e ^^eologe ^engel
Xiv iüngfte 2:09 (So. 84—88). 85

fünbigte ba§ @nbc ber äßelt an, unb fein Sanbätnann


^ai)n, ber nid^t blofe Pfarrer, fonbern aud^ SJiatfiemas
tüer roar, bered^nete auf bie 9Jiinute genau bie SBieber;
fünft ßlirifti. 33alb barauf üerfünbigte ein Pfarrer
auf bem igarg ben äßeltuntergang. 2lber aud^ fünfjig

^a^re frül^er fielet ber ^rinj SJienoja in Sfiürnberg einen


©d^roärmer, ber fic^ für einen 00m ^imntel gefanbten
^rop^eten l^ölt unb von einer nat)e beoorfte§enben Städte

über alle ©ünber rebet; er roirb auägelad^t unb von


^orf p ®orf fortgejagt, aber attjäfirtid^ fommt ein
anberer, ber eä ebenfo mad^t. Berber fül^rte bie ^reuj=
güge auf ben ©tauben an baä ®nbe ber äßelt jurücf,

ber gan^ ©uropa nad^ Slfien gejagt ^aU. D^od^ im


^a^re 1874 fd^reibt ber ®äne ^afobfen an 33ranbeö:
„^(S) würbe äffe ©tätten, roo frei t^uenbe 2)enfer
rool^nen, $8abt)Ion (^. 55) nennen unb üon ber äßelten
Untergang propl)ejei)en." Unb auf bie 33erfünbigung beä
3Be(tuntergang§ folgte ftetö ber Stuf nad^ 33efel^rung
(^. 86): „2:i)ut 33uBe/' fagt 3^icolai, im ^iotJianfer,

„fo ruft ber Wiener ber 9^eligion taufenbmal." Slud^


ber junge ©oetlie tiatte in feinem älteften ©ebid^t in

biefeö ©efd^rei ber 3eloten eingeftimmt unb ben ^errn


mit äffen 2)onnern unb ©d^recfen mieberfeliren laffen
jum ©erid^t über bie ©ünber. 33alb aber l^atte bie
33orfteffung beö ^üngften 2:ageö über ilju fo raenig
9)iad^t, mie über ben ©roigen i^uben (SS. 87); er oer*
fpottet fie rcieber^olt in feinen Mareen: guerft im
Concerto drammatico unb bann, faft mörtlid^ über*
einftimmenb mit unferem Fragment, im ^ater 33ret).

2)ort fagt ber Hauptmann: „^d^ fürd^t', eö fommt


ber jüngfte Stag" (Sß. 85), unb ber gjfaff antwortet
86 S)ie Unterfd^cibung ber ©elfter (58. 89—92).

im <Sinnc bcr ^^lottn: „Sld^, ba wirb atteö gut bar=

23etjalten aucii 3u unfern Reiten


90 "Die <3abe, (Seilet ju untcrfdjeibcn,
(Eap unb (Ttjampagner unb öurgunöer
Don Siodi'f nadj Hie&esljcim Ijinunter,

aWan l^at geglaubt, baö „ju unfern Reiten" !önne


fid^ nur auf bie SSergangenl^eit unb baä ganje Frag-
ment nur auf bie ©noftifer begiel)en. 2lber e§ fragt
fi(^ äunä(|ft: wer fprid^t, ber ©id^ter ober ber ©roige
;3ube? unb wenn biefer fprid;!, in welchem 3al)rf)un:
bert er fprid^t? ^ie erfte ^rage bleibt unentfd^ieben
ba^ fid^ aber ba§ Fragment nur auf bie mobernen
Reiten bejietien fann, gefit roieber aus bem ^nfialt
t)en)or. ®cnn ba cö befagt, ba^ eine »on bem
2lpofteI ^aulus »erfünbigte &ahe auci) fieute nod^ nid^t
erlofd^en ift, ift feine SBirfung natürlid^ eine umfo
größere, einen je größeren ^^itraum luir uns ba=
jroifd^en liegenb benfen; unb bas „aud^" (S3. 89) jcigt

uns roieberum an, ba§ mir eine (Sngenfd^aft fenncn


lernen, bie ben ^rieftern aller Reiten eigen loar.

^aö i^ragment betrifft bie ©abe ©elfter ju unter*


fd^ciben, baö 6l)ariömo ber StAxptoK; 7rvsu|i(iT<ov, oon
roeld^er ber 2lpoftel ^auluö im erften 5lorintl^crbrief

rebct. Öoctlje mar aud^ ernftlid^ bcr aJicinung, bafi

[x6) bicfe Qiaht mö) in ben neueren ^eittn erl^alten

liabe. C5r fd^rieb [\t Saoatcr auf Wrunb fcincö p^i;s


fiognomifd^cn ^^alcntcö ju: ,,it)m war eine ridfjtigc
Unterf(^cibung bcr i^crfonen unb Öcifter ucrlicljcn, fo
bo& er einem jcbcn gcfd^mlnb anfal;, wie il)m allcnfallö
2)te Unterfc^eibung ber ©elfter (5ß. 89-92). 87

gu 9)hitl^e fein raürbe." @r glaubte fie bei ^§iUpp


^txi lüieberjufinben, tüofür ifim bie S3iograpf)te üon
33accio S3ei[piele an bie ^anb gab: „er ^t bie gro^e

(^a\)Q get)abt, ©eifter ju unterfd^eiben, (Sigenfd^aften

unb ^öi)ig!eiten ber aJienfd^en §u unb ju


toürbigen
fd^ä^en." Unb er rüt)mt nod^ 1828 an bem ©ro^s
I)er§og ^art 3luguft bie ®aU ©eifter unb 6f)araftere

§u unterf (Reiben unb jeben an feinen ^la^ ju fteHen.

Unfer Fragment fa^t bie <Baä)t uon ber !omifd^en


©eite, auf ©runb ber boppetten 33ebeutung ber SBorte

©eift unb ©pirituö, bie auc^ oom Söeingeift gebraud^t

werben !önnen ; ein nal)eliegenbeä SBortfpiel, ba§ fid§ in

ben geiftlid^en Spontanen öfter raieber^olt unb au^ im


©nglifc^en mögtid^ raar. 2)er ©eifttid^e ®on Duid^otte
prebigt ju ^fingften: ,,anftatt aber mit bem ^eiligen

©eifle erfüllt ju fein, mie bie 2lpoftel waren, erfüllet

ii)x eud^ mit geiftigem ftarfen ®eträn!e, mit ben ©ei*


ftern t)on Sßad^olbern, ben ©eiftern t)on ©nglanb, ben
auätänbifd^en ©eiftern unb maö fonft nod^ für meldte

finb!" Unb ^J^remiat) fagt ju feiner ^rau: ,,^öre,

bu ried^ft ma^irfiaftig ftarf nad^ geiftigen fingen; id^

glaube, bu l)aft bid^ beraufd^t." ®er SSerfaffer ber


^eripatetifer rebet t)on einem erleud^teten 9Jianne, bem
ber ^eilige ©eift bie ^{)antafie unb ber Söeingeift ben

^opf füllt, ^ier fiaben wir aud^ fd^on einen $8eleg,


ha^ bie (äahe, bie SBeinf orten ju unterfd^eiben, ben
©eifltid^en gu ©oet^eä 3^^t toirflid^ nid^t abfianben gc*

fommen mar, ba§ fie üielmei^r §u il^ren fprid^mörtlid^en

©igenfd^aften geprte. Unb jmar fiaben bie ^onfef^


fionen baran ungefähr ben gleid^en 3tnt^eit. ^m 9'iotf);

an!er wirb ber ^ofmarfd^att, ber felber alle l^od^abe-


88 S)ic 3»eite ©enbung beö ©ol|neg.

ligcn ßaicn unter ben ^ifd^ gctrunfeu l)at, feinerfeitö


Toiebcr von tnond^en geiftlid^en Ferren, al§ Ütbten, ©om«
leerten, 3)iöuc^cn, .Kaüitularen, beutfd^en Diitteru unb
SRalt^cferrittern reblic^ unter ben Xi\^ gctrunfeu. 3lber
Quc^ alle ©;)ejialfuperintenbenten beö g^ürftentumö, öon
Dem bie 9iebe ift, effen unb trinfen gut unb ftubieren
felir roenig. S)er ^välat oon *** t)at ein Ö^md^en
Sficuner fommen (äffen, ,,fo juft für einen Kenner",
^n ben „^eripatetifern" trinft ber ^erroifd^ fo wenig,
ba§ bie Portion nad^ ber a)?einung beö Sßerfafferö
einem SKönd^e t)on ber geiftlid^en Slrmee ©einer päpfts
lid^en ipeiligfeit ju diom faum bie fette 5lel^le benefet fiaben

würbe ; er fennt aber auc| einen eifrigen äöäd^ter 3^0"^


im proteftantifd^en ®eutfd^Ianb, ber mand^en <Bä)[ud
über ben ®urft getan unb als tüd^tiger JBacd^uöbruber
befannt war, fo bafe fein SanbeöFierr für i^n über
7000 2:aler 6auffd^utben jal^Ien mufete. Unb mit
einem ä^nlid^en 2Bortfpiet fagt fein g'ortfefeer: ,,6in
treuer 2(rbeiter im geiftUd^en Söeinberg tronf er aud^

gern ein ©las 2Bein an^ einem irbifd^cn SBeinberg."


@oet^e braud^te ma^irtid) nid^t auf bie ©noftifer jurüdf*

jugreifen, wenn er ben ®eiftlid^en bie &aU naci)--

rühmte, bie befien auslänbifd^en (33. 91) unb otte dif)t\nf

roeinfortcn von ^od^^eim bis nad^ Stübes^eim (33. Ü2)


genau unterfd^eiben ju fönncn®").

2)er ©roige 3iube oerfc^minbct nun gonj unb


noc^ auf berfclben ©eite ber ^anbfd^riftcn tritt ber
njieberfef)renbe ^eilanb auf. ^ie jrocite ©enbung be«
^erm ^at ber junge ©oet^e in bem berben ^on ber
2){e SToeite ©enbung bcä ©o^neä (Sß. 93—97). 89

traoeftierenben ^Bänfelfängerballabe begonnen, bie ja

längft mä)t nte^r blo§ antife, fonbern auä) biblifd^e,

mit befonberer ^^orliebe aüteftamentlid^e ©toffe bel^an;


belte unb im 3ßitttlter SSoltaireö oor ber fül^nften '^xa--

oeftie beä ^eiligen nic^t §urü(fbebte. @ö ift ber fc^rofffte

©egenfa^ gu bem ^on ber fieiligen S)i(|tung ^topftodö;


ein ©egenfo^ aber, ber mit ber üerfd^iebenen ©tilart
t)on felbft gegeben unb t)on ©oetfie feineäraegä be;

abfic^tigt mar. ®er ^n^att forooi)! mie bie nod^ ganj


uncntf(^iebene ©trop^enform, beren ftd^ ©oetlie ^ier

gteid^fattä in 9^ac^af)mung ber 23änfelfängerbaIIabe be?


bienen roollte, ia^\m erfennen, bafe ber ©id^ter biefen
©ingang rafd^ Iiingeroorf en , unter ber ^anb geänbert
unb nid^t in enbgültiger ^orm ju ftanbe gebrad^t

{)at. Unb raie er fd^on mäfirenb ber 'Jiieberfd^rift be*


mül^t mar, ben gar ju burfd^ifofen ^on ju milbern,

fo {)at er ben 2lusgangäpunft fpäter ganj fallen ge*

loffen, alö er einen reineren unb l^öl^eren 2^on ges

funben ju l^aben glaubte; bie 5ßerfe mürben bal^er auä)

nid^t in bie 9leinfc^rift aufgenommen.


®ie ^anbfd^rift beginnt mit ben folgenben 93erfen,
bie ol^ne erfennbaren 3tt'ifd^enraum aufeinanber folgen:

93 X)er Pater fas auf feinem 2Iroljn


94 Da rief er feinem lieben Soljn
95 Der Pater trar gani aufgebradjt
96 Unb fprad): „bas Ijaft öu öumm gemad|t,
97 Sielj einmal auf bie <£tbe."

^ier fel)lt etroaö. @ö liegt entraeber eine abfid^tlid^

offen gelaffene Sude vor, trofebem bie ^anbfd^rift feinen


2lnl)altöpunft für ba§ 2luge bietet; ober es liegt ein
90 S)ie sroeitc ©enbung be§ ©o^neö (35. 93—108).

(Sprung cor. SBorüber toor her SSater aufgcbrad^t? unb


roaö t)at ber ©ol^n angeftcttt, ba§ tl^m üon bem SSatcr
ben bcrbcn 9}om)urf ber 3)uTnm{)eit einträgt? ©oetl^c

\)ai benn aud^ unmittctbor unter ben obigen $ßerfen


biefc Surfe ju ergangen begonnen unb ben ganj un*
ttiögtid^en Dialog jroifd^en ben ^eiligen ^erfonen rour;
biger ju tjalten gefud^t. '^aä) ben beiben ©ingongös
Derfen, bie i(| f)ier beä 3"ffl^^ß"()ongs raegen
roiebcrtiole, werben wir burd^ forrefponbierenbe Duer?
ftrid^e auf bie unmittelbar banad; entftanbenen neuen
33erfe üerroiefen:

93 Der Pater fas auf feinem ^rol^n,


94 Da rief er feinem lieben Soiin,
98 21Iufft 3n?eY biff brey mal fd^reien.
99 Da fam öer Sol^n gans überquer
100 (5eftoIpert über Sterne tjer
101 Unö fragt voas 5u 53efetjlen?

102 Der Pater fragt iljn n>o er fticft? —


103 „"^di rx>av im Stern, öer Porten blicft,

104 Unb Ijalf bort einem tüeibe


105 üom Kinb in itjrem teibe."

106 „<is ijt woiii fdiön unb alles gut,


107 Du Ijaft ein 2Tlenfd)enfreunbIid? ölut
108 Unb l|ilffi Sebrängten gerne."

Oefct ift bie ganje ©jene unb ber Dialog racfcnt^


lid^ flarcr. 35er 5l?otcr ift ärgcrlid;, rocil er bem <Bo\)\\

ein paarmal rufen mu§, ber auf einem entfernten


Stern ^cbommcnbicnfte tciftct unb nidjt gleid^ auf ben
erften 9^uf (odfommen fann; bann aber fommt er mie
e^riftuä aB ©eBurtö^elfer («. 104 f.). 91

ein ungefd;la($teä ©ente auf betn fürjeften 9Begc üon


einem ®tern jum anbern. 2lber aud; je^t ift nod^ nid^t
attes in Orbnung. ®ie ©trop^enform ift nid^t ou§;
gegtid^en ; unb eö fe^It bie 2lbfenbung beö ©ol^ncö auf
bie @rbe, raeld^e bie burd; bie milbere 3lntroort beä
^ßaterö (33. 106—108) erfe^ten g^arattetoerfe (33. 95
biö 97) enthielten unb bie @oetI)e in ber neuen ^af=
fung nod^ nid^t gelungen war. 33ei biefem fünfte
f)at er bie 2lrbeit fallen gelaffen; unb bie über=
arbeiteten 33erfe 95—97 entroeber auöguftreid^en »ers

geffen ober abfid^ttic^ ju 9led^t befleißen laffen, raeil

ein roid^tigeä SJlotiü, eben bie aJHffion beö ©oljneö,


nod^ nid^t erlebigt roar.
©oetlie läBt alfo ben ©ol^n aiiä) jum jroeiten aJiale

von bem 33ater gefd^idt werben, ^n^ ber 33erfaffer


ber „^eripatetifer" nimmt an, ba§ 6l)riftu§ bie sroeite
@rbenreife nad^ bem SBiUen (Sottes fiat unternel^men
muffen, um ben B^ftQ"^ ^dm^ ßl^riftenoolfeö §u er^
forfc^en; er fd^iebt aber eine weitere 6r!lärung bars
über ^inauö, unb fein ^^ortfe^er lä§t bie ^w^^w^ft
ei)rifti auä bem eigenen ©ntfd^luffe beä ©oljneö ge=

fd^efien (oben ©. 15 unb 20). Sßenn ©oet^e {)ier ben


©olju feinen Ijumanen ©inn alö ©eburtöl)elfer bemäliren
läfet, fo erinnert man fic^ leidet baran, baB er f eiber
burd^ Ungefd^id ber Hebamme alö toteö ^inb auf bie
Sßelt gefommen ift unb fid; feinen 3Jiitbürgern fd^on
beim erften Eintritt baburd^ nü^lid^ gemad^t l)at, ba§
ein Geburtshelfer angefteßt unb ber ^ebammenunter=
rid^t »erbeffert mürbe. ®a§ ©oetl^e biefem 3meige ber
aJJebijin unb ber 6f)irurgie ein befonbereö 2lugenmer!
jugemenbet l^at, ift gemife aud^ auf biefen 33orfalI jurüd=
92 e^riftug al§ ©eburis^elfcr (35. 104 f.).

jufüfircn. (5r l^at in ©tra^urg hd bem jüngeren


ß^rmann ©eburtsl^ilfe geprt; unb feine ©p^emeriben
bezeugen ein regeä ^ntereffe für gtinäfologifd^e ^inge.
2Benn er fid^ I)ier am Sepfer ben ©a^ abfd^reibt:

„Hebammen loerben ju ben geiftli($en ^erfonen beö


Ortö gerecj^net", fo voav e§ fein fo weiter ©d^ritt me^r,
ben ©of)n ©otteä als ©eburtsfielfer ein^ufüfiren. 3lud^

mit bem naiüen ©til ber 33ibel, bie fid^ bei ber ®r=
jätilung ober bei ber 2lnfünbigung aller ©d^recEenS;
juftänbe ftetä ber fc^mangeren unb gebärenben SBeiber
erinnert, ift feine ©arfteUung nid^t uncereinbar. ©ic
(am aud^ bem Humanitären ^beal bes 2lufHärungS;
jeitalterä entgegen, rao nod^ Berber in ben „^been"
bie „menfd^enfreunblid^e S)enfart" 6f)rifti (107) bes

fonberä betont, äßeniger aber pafet ber ^eilanb, ber


wie 2öilf)elm 3Jieifter fid^ als ß^irurg nü^tid^ mad^t,
ju ber ^ortfefeung beö ©oet^ifd^en ©ebid^teö, bas, wie
wir nod^ fe^en werben, bie @ottI)eit (£f)rifti nid^t i)inter

feiner SWcnfc^iieit jurüdftreten laffen roill^^).

S3. 99: „überquer", ben geraben ober ben gebahnten aCßeg

burt^freujcnb ; »gl. §cmpel XI 1. 207: „ha fommt nod^ einer

überquer"; Sriefc I 245: „^ufäüe, bie mir querüber fommen".


50, 101: 3n ben ^eripatetifern III 166 wirb bie SRebenäart:
„SÜie @ie befehlen", bie monc^e (^eiftüd^e bei aücm, xmi bie

Oberen »erlangen, in SBereitft^oft l^aben, nlö ein Seid^en be;

fonberer fiiebebienerci blofigefteüt. 9lud^ ^ier folt fie notürlid^

hat pairiarc^alifc^e ißer^ältniä »ivifc^en iUater unb So^n d)axaU


terifleren.

SB. 102: „ftidt", bei ©oet^e ftet« für unfer „fterft"; «riefe
VIII 282: „m ber Äeim ftidt".

S. 106: 9int l'ieblingfiroenbung (Moet^efi. ^aune beä 5Qer<


Herten «. 118: „3a, boö ift oUeS gut"; 'Sa\i\t 2799 (©reichen):

„»o« Ifl mffl oBe« f($ön unb gut"; Jauft 8469 (©reichen):
33ergreid^ mit ber ^öttenfal^rt (3J. 109 ff.). 93

„ajoä ift alTeä red^t fd^ön unb gut"; 35. j. &. III 221 (SBrep):

„grou «Rac^Barin, ba§ ift attcS gut"; III 228 (»«9): „%i^ ja,
ba§ ift rool^l aUeä gut".

2tuf einem neuen ^oltobogen fäf;rt ber ©id^ter nun


in einem reineren unb eb leren ^one fort; unb biefe

©rjäfilung ber groeiten ©rbenfafirt beö ^errn gehört


unftreitig ju bem ©ro^artigften unb ©rgreifenbften, roas
wir von ©oetfieö §anb befi^en. ©d^on einmal liatte

ber junge SDid^ter in feinem ölteften ©ebid^t ben gleid^en


©egenftanb belianbelt: alö er bie ^öttenfalirt ß^rifti
in ben l^erfömmlid^en geiftlid^en Söenbungen fd^ilberte.

^ein größerer ©egenfa^ in 2luffaffung, ^on, ©til unb


©pro($e lä§t fid^ benfen ! 2)amalö lie§ er ben ^eilanb
im Särm unb ©etümmet mit einem großen ipeere t)on

taufenb 9)lilIionen Don feinen S^^ronen fteigen unb im


S^riumpf) in hk §ötte jielien, um bort feine ^errlid^s
feit, feine fürd^terlid^e SJiQjeftät ju jeigen. Umgeben
üon ©etüittern mirb er in bem ron @lia§ propliegeiten

©iegeöraogen auf geuerräbern fortgejogen. S)ie ©terne


gittern, bie ©onne htht, eö bebt bie SBelt, ba 6l)riftu§

alä SfJid^ter unb als §elb !ommt, um bie §ö(Ie ju 5er;

ftören. i^eber meid^e, menfd^tid^e Quq fel^lt biefem


ß|riftu§, ber im ©rimme !ommt unb nur ben S^x^
beö §errn, be§ §öd;ften dia^t »ertritt. 3)onner ift

feine ©timme, felbft bie ©nget gittern üor i^m bei bem
©erid^te. Unb er oerurteitt bie böfen ©eifter ju
©d^raefelflammen — meil fie ben aJienfd^en mit in
i^ren ^all oerftridt l^aben! ^icr allein flingt ein milber,
menfd^lid^er 2^on an:

„Ql^r rcurbet meine größten '^iinht,

93erfül^rtet meine lieöften ^reunbe,


94 S)ic $cro6funft bc§ «peilanbä (35. 109 ff.).

35ic 2)(enfci^en fielen fo nie x^t.

3^r rooHtet eraig fte oerberBen,


2)eä %oi)iä foHten nüe fterBcn;
S)ocl^, glaubet! id^ erroarb fie mir.
gür fte Bin id^ l^eraBgegangen,
^(^ litt, id) bat, id) ftarB für fie.

3^r foKt nid^t euren Smä erlangen;


9Ber an mid; gtauBt, ber ftirBet nie."

^ter rebet bte grenjcnlofe Siebe be§ ©otteöfol^neä 511

ben 9Wenfd^en, bie er gar jutraulid^ „feine Uebften


j^reunbe" nennt, fd^on eine ©prad^e, bie on unfere
Fragmente erinnert, ^n biefen aber erfi f)at ©oetl^e
bie fpäteren 33erfe im voraus erfüllt:

„Sott l^at ben aWenfd^en gemod^t nac^ feinem 93ilbc,

^ann tarn er felBft l^eraB, 3Kenfd^ lieB unb milbe."

S^id^t at§ ^Regenten be§ taufenbjöFirigen 9'leid^es, roie

man unbegrcifltd^erroeife gefagt fiat, fonbern in ber


©cftalt eines lieben unb milben 2JJenfd^en tä§t er ben
^eilanb, an beffcn ©otttieit er nid)t groeifelt, roieber*

fcl)ren. 2)reitaufenb ^a^re nad^ feiner erftcn ©rbens


fa^rt, atfo ungefähr 1200 ^aljvz nad^ ber :^zxt bes
2)id^tcrö (53. 134). 2)od^ wirb bie Sßorauöfe^ung ber
3ufunft f)icr ebcnforoenig cingel)alten, alö frülier bie

ber 58ergangenl;cit; baö Äoftüm bleibt aud^ jefet baö


bc« 18. 3;al)rl)unberts.

2Hs et ftd) nun iiexmetev fditrung


110 Unb nöt;cr bie cocitc €rbc fal^
Unb IVleer unb Cänbcr n>eit unb nali,
Ergriff iiin bk Erinnerung;
T>\e er fo lange nid]t gefül?It,
IPie man babruntcn il)nt mitgefpielt.
S)ie «pcrabfunft be§ ^eilanbä («. 109—156). 95

115 €r auf 5ßm 23erge ftille fjält,

2Iuf ben in feiner erfien ^cit


5rcunb Satanas iljn aufgcfteHt
Unb ifyn gejeigt 6ie doHc IDelt
Znit aller iljrer £jerrlid]fcit.

120 [IDie man 3U einem 2T{äbgen fliegt,

Das lang an unferm Slute fog


Unb enblidj treulos uns betrog,]
<£r füljlt in oollem ^immels 5Iug
Der irbfdjen ^Itmospljäre ^ug,
125 5üljlt roie öas reinfte (5lü<S ber lüelt

Sdion eine 2lfjnbung Don tDelj entljält.

€r öenft an ienen 2(ugebIi(J,


Da er ben legten Cobtesblicf
Pom Sd^mersen fjügel ijerab gettjan,
180 5i"g t>or fidj I^in 3U reben an:
„Sey, <£rbe, taufenbmal gegrüfft!
(ßefeegnct all iljr meine 23rüber,
§um erj^en Zflal mein fjers ergiefft
5id^ nadi brey taufenb 3atjren tt>ieber,

135 Unb tt>onne»oIIe ^äljre fliefft


üon meinem trüben 2(uge nieber.
mein (5e[diled]t, »ie feljn idi midj nadj bir!
Unb bu, mit J^ers unb Siebes 2Irmen
5Iel||i bu aus tiefem Drang 5U mir.
uo 3d] fomm, idi n?ill mid) bein erbarmen.
Q) Welt voü rpunberbaarer IDirrung,
Pol! (Seift ber 0rbnung, träger '^txung,
Du Kettenring pon ZPonn unb ZPetje,
Du llTutter, bie midj felbft 3um <3vab gebaljr!
145 Die idif obgleid) idi ^cy ber Sd^öpfung o?ar,

3m gansen bod] nid)t fonberlid) perftelje.


Die Dumpfljeit beines Siims, in ber bu fdjtt>ebte|l,
96 S>»c SSerfud^ung burd^ bcn teufet (SB. 115 ff. unb 161 ff.).

J)arau5 bu öidj nadj meinem Cage btang^,


Die Sd^Iangenfnotige Begier, in öer 6u bebtefi,
150 üon iljr bid^ 3U befreyen firebteft,
Unb bann befreyt bidi roieber neu umfdjiangfi,
Das rief midj Ijer aus meinem Sternen Saale,
T>as läfft midj nid)t an (Sottes Bufen ruijn.
3ct? fomme nun 3U bir 5um 3U)eiten male,

155 3d^ fäete 5ann un5 embten loill id) nun.

9Jiit ber 3lnfd^QuIt(^feit, niie nur immer ^omcr ben


^lug eines ber Unfterbtid^en üom ^olien Otpmp l^erab

fd^ilbert, oergegentoärtigt ber ©id^ter bie ©rbenfa^rt


beö ^eiknbö : roie er jucrft au§ l^öd^fter ^öl^e nur bie

ganje 6rbc erblidt, bie au6) bei ^omer baö ftel^enbe

93ein)ort „roeit" (eupsia x^t"v) f)at (SSerä 110); rcie er

bann, nätier fommenb, aWeer unb fianb unmittelbor unter


t^m unb enbli($ oud^ in ber Entfernung gu unterfd^eiben
beginnt (Sß. 111). ^t naiver er aber bcn ©tötten feines

ßeibens fommt, umfo nä^er tritt it)m auc^ bie Erinnerung


on fein erftcö ©rbenroaUen. 2lud^ ber 5ßerfaffer ber ^eri«

potctifer löfet ben ^errn juerft bie alten ©tättcn feines


ßeibcns auffud^en, unb aud^ bei itjm t)ält ber ^err auf
bem Serg ber Sßerfud^ung 9^aft, bie ©octlie (93. 115 ff.

unb 161 ff.) jroeimal t)intereinanber em)äf;nt unb faft

mit bcn Söortcn bcs Eoangeliften 3)?attt)äus erjäl^It:

„aSicbcrum füfirtc it)n ber 2:eufel mit fid^ auf einen


fcl)r \)of)tn 33erg unb jeigcte if)m aUc JReid^e ber SBelt
unb i^re ^errlid^fcit." ©d^on einmal, eben in bem
CiJcbid^t von ber ^5IIenfat)rt Ef)rifti, t)atte ©oet^c baö
flleid^e biblifd^e SJlotio be{)anbclt; bort l)k^ e«:

„Wott »orb ein 2llenf(^, er tarn n»«f Grbe».

Vu(^ biefer foU mein Opfer roerben,


S)ic SSerfuc^ung burc^ ben teufet (SB. 115 ff. unb 161 ff.). 97

©prad^ ©atanoä unb freute fid^.

@r fud^te (Sl^riftum ju oerbecfien,


S)er SBcItcn ©d^öpfer fottte fteröen;
S)od^ roel^' bir, ©atan, eroiglid^!

2)u glauBteft il^n p überroinben,


25u freuteft bid^ bei feiner Slotl^;

2)od^ fiegreid^ fommt er, bid^ ju 6inben:


aSo ift bein ©tacket ^in, o 2;ob?"

Söie ftid^t oon biefcr empl^atifd^cn Bcfianbtung bic

unfrigc abl @an§ im ©inne beö ^etronbs, ber ben


biblifd^cn ©rjfcinb mit ber gleid^en Siebe mie feine
irbifd^en 33rüber (58. 132) §u umfajfen fd^eint, rcirb

ber teufet atö „greunb ©atanaä" launig bejeid^net,


fo raie fpäter im ^^auftprolog ber ^err ben S^eufel
rul^ig geraäl^ren Iä§t unb fid^ joöial mit i^m untere
l^ält; aber aud^ im eigenen ^Ramen roeift if)n ber ©id^ter
(33. 161 ff.) mit einer überlegenen unb fidleren 9?u^e

imüd, bie fid^ t)on bem aufgeregten Xon jenes ©rfts


lingägebid^teö wie XaQ üon 3'iac^t unterfd^eibet. ©d^on
üom rein menfd^lid^en ©tanbpunft auö l^atte bie

(Situation, bic jener biblifd^en ©^ene ju ©runbe liegt,

für ®oetl)e ftets etraaä Söeftridfenbes. S^iid^t blo^ in


ber ^argreife ftelit bie ©ott^eit mit unerforfd^tem 58ufen
über ber erftaunten SBelt unb fd^aut aus 2öol!cn auf
tlire S^ieic^e unb ^errlid^feit tierunter; fonbern mit beut^
lid^em 33e§ug auf bie biblifd^e ©rjä^lung fd^reibt ©oet|e
1780 an bie f^rau üon ©tein: „9Bir (©octlie unb ber
^^^0Q) fliegen, oline Teufel ober ©ijl^ne ©otteä ju
fet)n, auf t)o^e 33erge unb bie 3wne be§ Stempels, ba
3U fd^auen bie 3?ei(^e ber 3Belt unb il)re 3)Zü^feligfeit

unb bie ©efal^r fic^ mit einemmal ^erabjuftürgen. 'tfla^^

bem mir un§ bcnn ganj bebäd^tlid^ entfd^loffen ©tufen=


98 3>« 3Bonnfrci§ menfc^ric^cr ©efüJ^Ic (SB. 120 ff.).

roets t)on bcr ^ö^e J^erob^ufteigen unb gu übernel^men


roaö a)?enf(3^en sugefd^rieben ift, gingen wir noc^ in ben
anmutigen ©pogiergöngen l^eroifd^er 33er)fpiele unb ge=

l^eimniffooller Sßarnungen Iierum, unb würben von


einer fold^en 3Ser!Iärung umgeben baf[ bie oergangene
unb gufünftige 9^otf) beö £eben§, unb feine 9JJüf)e wie
©d^Iotfen unä gu ?^üffen lag, unb mir in nod^ irrbifij^em
©emanb, fd^on bie Seid^tig!eit fünftiger feeliger Ses
fieberung burd^ bie nod^ ftumpfen ^iele unfrer ?^ittige
fpürten." SBunberbar fd^ön ift angebeutet, wie ber
©Ott, bem im ^immel bie Erinnerung (33. 112 f. unb
133 ff.) fo fremb mar wie bie Xxäm, fid§ allmäblid^
bem ÄreiS menfd^Iid^er ©mpfinbungen näfiert unb, von
ber irbifd^en 2ltmofppre angerael^t (33. 124), nad|
3000 ^afiren beim Slnblidf ber Erbe unb ber 3Jienfd§en
bie erfte ^räne cergicBt, bie bem fid^ roieber gang ah

SJJenfd^en fül)tcnben <Sof)n ©ottes alö eine SBonne ers

fd^eint (33. 135). 2lud^ in ben „gJeripatetiferu", bie

i^r SSerfaffer in ber ©egcnroart fpielcn läBt, feufjt

ß^riftuö nad^ mel^r als anbertl^alb taufcnb :3tt^Ten jum


erftcn 3JiaIe roieber, als fein neues Seiben beginnt unb
er rocint, fo roie oormats, als er bie ©tabt ;3«Jnifalem
oor fid^ liegen fielit. S)ie ©el^nfud^t (S^rifti nad) ben

^enfd^en, bie er als fein ®efd^led()t unb als „feine

SBrüber" (33. 137 unb 132) anrebet, unb umgefel;rt

(93. 138 ff.) aud^ roieber ber 2)rang bcr aKenfd;en ju

bem @rlbfer finben einen nod^ oicl crgreifenbcrcn 3luös


bnicf als in ber $öllcnfal)rt, unb fogar im '|?romett)cus,

mit bem 6l)riftu4 bie unftiHbarc unb unüberjuinblid;e

Siebe ju bem aJlcnfd^enoolf gemein Ijot. (Sd^t ©octl;ifd;

ober ift nun bie ©d()ilberung bes äBcltenroirrfals (33. Ul


©aS SCeltenroirtfar (35. 141—151). 99

biö 151); '^at er e§ bod^ im l^ol^en 2llter alö feine

eigentliche Slufgaöe begeid^net, SBettüerrairrung ju be=

trad^ten, igerjenöirrung p bead^ten. 2Bie oft f)at ©octfie,

mit mörtlid^en Slnflängen an unfer ^^rogment, fpäter


nod^ bie ,,t)ern)orrene 33eftrebung" ($ß. 141) ber SJlen;

fd^en gefd^itbert: im ^auft in ber Cfternad^t unb üor


bem ^aft, in ber ^rilogie ber £eibenfd^aft unb roic

oft nod^ fonft! 3^irgenbö freilid^ (boö liegt in bem


gleichen S^on unb ©tit begrünbet) ftimmt bie ©d^ilbe;

rung ber funterbunten aßirtfd^aft, beä SBettrairrmefens


(3S. 141) mit feinem ^urc^einanbenennen (^rren
9S. 142) unb feinen klagen (33. 143) fo genau gu
unferer ®arftellung, raie in ^anö ©ad^fenä poetifd^er

Senbung; ba fie{)t er ber 9Kenfd^en fefteö 2chtn unb


3J?annli^!eit, i^r innerö aJla§ unb ©tänbigfeit (33. 142)
neben il^rem munberlid^en (35. 141) 3Seben, i^rem
äßirren (33. 141), ©u($en, ©to^en, 2^reiben, ©d^ieben,
S^ieilsen,©rängen unb S^ieiben. überaß aber ringt
ber (Seift ber Drbnung (93. 142) mit bem SBirrfal
beö Seben§; unb überall ift, mie ©oetfie in bem
9}?a§!ensug 1818 mit 3öielanbä SSorten ausfuhrt, bas
9Jienf(^enIeben ein SBed^fel von ^ein unb Suft. „^reub'
mu§ Seib, Seib mu^ ^rcube fiaben", mie eö im ^auft
Iieifet. 33efonberö biefer le^te ®eban!e brängt fid^

bem it)ieberfel;renben ^eilanb fofort auf, aU if)n bie

irbifd^e 2ltmofpl^äre berül^rt (33. 125 f. unb 143); er

mar bie formet, in ber ©oetfie baö SBirrfat in bem


Innern beä 3)tenfd^en pfammenfalte^^). Unb mic
bient eö jugteid^ gur ßfiarafteriftif beä menfd^geroors
benen ©otteäfofmeö unb gur Hebung beä SBelt«
bilbeö, menn ber 9J?itfd^öpfer felber befennen mu^.
100 3)ic HRcnfd^roerbung ©i^rifti.

ba§ er [x^ in bcr eigenen SBelt nid^t ntel^r au§fenne


(33. 145 f.)!

2)iefeö Fragment, unb was gleid^ borauf folgt, l^at

in ber SBettliteratur nid^t feineägleid^en. S5ante, ^Jlitton


unb ^Iopfto(f, aber aud^ ber peite S^eil bcö ^aujl
t)aben i^m feine ©tette oon glei(^ religiöfer ©eraalt an
bie ©eite ju fe^en. ^aö 3lätfel ber SJienfd^raerbung
beä ©otteöfol^neö, cor bem bie 33i6el gel^eimniäooff
ftillftcl^t, fd^eint ber junge ®id^ter fpielenb oor unferen
2lugen ju tbfen. 3Bir feigen, roie ber l^erabgefttegene
©Ott fid^ allntät)tid^ bem S3onnfreiö ber Söelt unb ben
ntenfd^Iid^en ©mpfinbungen un'D @eban!en näl^ert; roie

if)n jucrft bie SJiad^t ber ©rinnerung, bann bie er^

leid^ternbc ^raft ber S^ränen überfommt unb roie er

bann aud^ an ber 33efd^ränftl^eit ber ntenfd^tid^en ©r-


fenntniö feinen 2lnteil nimmt (33. 145 f.). ©ine un;
befd^reiblid^e ^olieit unb milbe SBärme ift über feine
^erfon auögegoffen, bie burd^ einige QüQt t)on traulidf^em

^umor unb leifer ©elbftparobie nur erl^ö^t roerben. ®cr


©til erl^ebt fid^ ju bem ^one feierlid^fter 2lnbad^t, ob^

rool^l ©octtie nur bie einfad^ften 3Jiittcl anroenbet. ©eine


fraftgeniale ©prad^e l^at er l^ier nur ju ben l^crrlid;en,

neu gefd^affenen 33ilbern aufgeboten; im übrigen aber


feft im 3<i"Tn ge{)alten unb nur einmal (93. 159 ©auce)
ift i^m ein trioialefi ^^rembroort cntfdjlüpft. ©onft
wirb bie j^^i^rlid^fcit burd^ feinen berben ober lauten
Xon geftbrt; unb ber 93ergleid^ jrotfd^en bcr ©el^nfud^t

be« ^cilanbefl nad^ ben 9Jienfd^en unb ber Siebe ju

einem treulofcn 9)iäbd^en (^. 120—122) ift il)m glcid^

nad^ ber 9iicberfd)rift alfi eine ju fül)ne 3,^ermifd^ung

beft profanen mit bem ^eiligen erfd;ienen, fo ba§ er


3u aSer§ 109—131. 101

htn an unb für fid^ fo fd^önen 33ergleid^ in bcr ^anb;


fd^rift burd^geftrid^en l)ot. 3Son 5lIopftodEö ftorfen ftitifti=

fd^en^unftmitteln ntad^t ber ^id^ter feinen &tbxa\i^ unb


aud^ ber 2lusbrucf ber ©tnpfinbung oertneibet baä geroal;
tige ^aif)0§> beö 3Keffiaöbid^terö ; nur einmal (33. 131 ff.)

fd^Iie^t er fid^ an eine ^lopftodifd^e Sieblingäraenbung


an, gerabe ba, rao au^ bei biefem eine ntafeoofle ©mpfin;
bung einfad^ unb fd^Iid^t jum 2lusbrudf gefommen ift.

SB. 109 ff.: Socper oerroeift mit Sed^t auf ben glug bc§
§crmcS, Db9ffee V 50 ff.

33. 114: b. ^. on feine ©rfal^rungen mit ben ajlenfd^en bei


feiner erften ®rbenfal^rt; nid^t blofi on feine Seiben unb feinen %ob.
35. 117: „aufgcfteEt", b. ^. ^inoufgeftettt.
as. 124: „3ug" bebeutet l^ier notürlid^ junäd^ft fo »iel olä
„2lnjie]^ungäfraft" ; ba bem ^eilanb ober burd^ ben Quq ber
irbifd^en 2ltmofpl^äre aud^ menfd^Iid^e ©efül^Ie {3S. 125 f.) ju=
getragen werben, ift ber 2lu§brutf oud^ bilblid^ ju oerftel^en.

S3gl. ^empel XVII 372 Sefenntniffe ber fc^önen ©eele: „Qo,


roer nur fd^ilbcrn fönnte, rooä id^ ba fül^lte! ©in 3"9 brod^tc
meine ©eele nod^ bem Äreuje l^in, on bem 3|efu§ einft erblofftc;
ein 3w9 ^(^^ ^^' ^ ^^i"" «^ ^^^^ onber§ nennen, bemjenigen
»öHig gleid^, rooburd^ unfere ©ecIe ju einem obroefenbcn ©eliebten
gefüi^rt roirb, ein ^nnaf)in, ba§ oermutl^Iid^ oiel roefentlid^er

unb iDOl^rl^ofter ift, olä roir »ermutigen." 2lud^ l^ier »erbinbet


fid^ mit bem „SH^" «Ifo baä Silb »on ber Slnjicl^ungäfraft ber
Siebe («. 120 ff.).

SS. 126: Sic gorm „a^nben" gebrandet ber junge ®oetl|c


unb feine 3eitSenoffen aud^ in ber 33ebeutung praesentire, oor;
^erfüi^ten, ol^nen; 2). j. ®. III 705 „oi^nbeooU"; im gouft (621.
773. 1150. 1558) ift biefc gorm erft in ber aroeiten ©otto'fc^en
SCuägobe (oud^ in bem SBiener S)rurf) in ba§ moberne „eignen"
»erroonbclt roorben.
aS. 129: „©c^merjen (gen. pl.) $ügel"; hd ^atti). 27, 33
©olgotl^a ober ©d^äbelftätte. Älopftodf: S^obegj^ügcl.
SJ. 131: ©ine Steminifjens on eine bei Älopftotf beliebte
102 3« ^erä 131—132.

2Benbung , wie fd^on Socpct unb Äöftcr (©d^önaid^ä Üicologifd^eä

SBörterbud^ 514) bemcrft, aber nid^t ooUftänbig ausgeführt l^aben.


2)er ©ruf! fommt im 3)ie[fiaö breimol »or. I 605 ruft 2lbam
(in ben 2luggaben 1748 = 1749 = 1751 = 1760) : „ajlütterric^ä

Sanb, ©rbe, naä) bir fel^' i^ fel^nli^ hinunter"; aber erft

1799: „3)iütterlid^ Sanb, o ®rbe! toie fer^n' id^ nad^ bir tnid^

hinunter", roorauä fid^ ergibt, ba^ bie genauere ÜBereinftimmung


©oet^eä (33. 137) mit Älopftocf auf bloßem3ufaa beruht.
III 1 ff. begrübt ber 3)ic^ter felber in bem berühmten Eingang
bic erbe (1748 = 1751 = 1760 = 1799)

„©ei mir gegrüßt! id^ fel^e bid^ njiebcr, bie hn mid^ gebal^reft,

©rbe, mein müttcrlid^ Sanb";

biefc SBenbung ^at ©oetl^c offenbar (aud^ 93. 144) »or 2lugen
gel^abt. ßnblid^ im "VIII. ©efang, 101 ff., betritt roicberum 3lbam,
beim %o)> beä ßrlöferä, bie (Srbe (1756 = 1799):

„aJiütterlid^ £onb, fo fprad^ er, id^ fel|', o ©rbe, bid^ roicbcr!


©eit ben ^al^rl^unbcrtcn, ba mein ®ebein an bem 2lbenb beä
^obeg
2)u in beinen friebfomen ©d^oo^, o SJJutter, aurüdfnafjmft,

©tanb id^ nid^t über bem ©taube ber totenooUen ©efilbe!


9f?un, nun fte^' id^ barouf. ©etj mir, o ©rbe, gegrü^et!"

aWit Siedet l^at fd^on .^amel in feiner 2luägabe (I 127) eine ©tcHe
au8 ©^ofefpeareä SRid^arb II (III 2) l^erange.^ogen , bie weniger
3(nle^nung JtIopfiod(iä alä bag naf^eliegenbe beS ©rufieö an bie
ÜKutter CSrbe in einer äf^ntic^en Situation beioeift. 3Bol^[ aber

beroeift eä bie 33erül^mt^eit forool^I alö bic nal^eHegenbc 5ßcr:


roenbung ber jroeiten JHopftodTifc^en ©teile, toenn aud) ber 93er:

foffer ber „^eripatetifer" feine überirbifd^en SBajtbercr bic ©rbc


mit biefem 3itat bcgrü^n (iifst, iucld;cä bei if^m baä crftc Jlapitcl

eröffnet (I 6. 7).
S. 182 : „9)rüber" ^ei^en bie SRenfc^en, lueil aud^ fie 5tinber
(Mottet unb nac^ feinem (Sbenbitb gefc^affen finb. !X)aS un«
fleftierte „aü", ein Vieblingdtuort feiner ^ufl^»^/ ()<it C'^octOe im
3fauft fpäter auf ©tcKen von bcfonbcrcm ^JJad^brud^ cingcfdiränft,

ogl. bie £e<arten ju Qfauft »90. 402. 414. 466. 664. 1898 ff.
3u SSerä 132—149 ff. 103

^tet l^at eä aud^ ^Jad^brurf; benn eä beutet ba§ ouänal^mSIofe


Utnfd^Iingen otter (aud^ ber JUd^td^riftcn) an.
SS. 135: SluäbrudE beä joy of grief ber 3^^^ ^^^ @mpftnb=
famfett; Tlinov, ©c^ilter I 326. „Sffionne" (ogr. 143) ift ein
£ie6Iirtg§n)ort beä jungen ©oet^e, Befonberä im Qal^re 1773, im
^rometl^eug unb im ©atprog. 3). j. ®, II 209 (©rroin) : „roonnc^
voU entfaltet fid^ meine Äraft"; ^ßrometl^euä III 452 „3ßonncs
rul^"; 454 „SBonnegefüJ^I" , „grül^Iingäraonnc" , 457 „^lugcnb^
roonne", 465 „raenn atteä in Spönne
III 475 fd^räft"; ©atproä
„roonnlid^er", 478 „<Bo Siebe;§immerä:Sßonne roarm".
$8. 138: „bu" = ba§ ©efc^red^t. „a«it ^ersenäarmen unb
SiebeSarmen"; zin fül^neä, aber fd^öneä 33ilb. SSgt. „S)ie Äniee
meineä ^ersenö" (unten @. 179).
33. 141 : „Sßelt", roie 158 u. ö., für htn %dU bie ©rbe.
33. 142: „(SJeift ber Drbnung", »gl. gauft 2702 f.

Sß. 143: Sßonne unb Sßel^e, {Jreube unb äzib, finb al§ bic
©lieber ber Äette gebadet, bie ben 9ting, haä ©rbcnleben, bilben.
3S. 144 : Sßeil ©J^riftuä jum erften aJiale nur geboren rourbe,
um für bie 3Kenfd^en ju fterben.
SS. 147: Über „Sumpf ^eit" im ©oet^ifc^en «Sinne ift feit
9liemer (SRitteilungen II 34 a) oiel gefd^rieben roorben; man

finbet ba§ SBefentUd^e bei 33ourfe, SBort unb SSebeutung in


©oetl^eg ©prad^e, S3erlin 1901 (SRegifter s. y.), aufammengeftettt.
@S bebeutet SSerroorreni^eit bei innerer g^üffe unb mit bem 35rang
nad^ Äfarl^cit.
SS. 148: S5er „^ag" ift 6^riftu§ felber unb feine £e^re,
roic bie ältere, be§ SReimeä raegen aufgegebene Seäart un--

groeifel^aft jeigt: „Unb bod^ bein innrer 2Bunfd^ nad^ Sid^t."


SS. 149 ff.: SSgl. an ©uftc^en 3 VIII 75: „Slffeä roirrt fic^

in einen ©d^Iangenfnoten". 2)ie Segierbe roirb mit einer


©erlange »erglid^en, roeld^e in knoten bie SOienfd^en (bie ftiK;
fd^roeigenb an ©tette ber @rbe treten) umfd^tingt ; ba§ S3ilb felbft

ift SS. 150 f. ausgeführt. S)ie ©^ntaj ift l^ier fel^r frei, ober
roirffam unb fd^ön. SS. 150 ainafolutl^, ^auptfa^ anftatt beä
ütelaticfa^eä {„von ber bu . . . ftrebteft"), in ber befannten %vt
©oet^eg (Soeper bü ^empel XXI 240 f.) SS. 152 „baä", ebcn-- ;

fallä ainafolutl^, aber eine anbere gorm: bie »orauägefe^ten


104 2)er ©efomtcinbrud voitb »onoeggenommcn.

©ufiicfte bleiben unberü(ffid|tigt unb nur ber ^nl^alt ber an fte

angcfd^Ioffenen 3?ebenfä^e wirb burd^ baä 9leutrum roiebcr auf:


genommen.
gS. 152 lautete utfprünglid^ : „2)aä rief mid^ l^er »on meinen
reinen ©tcrnen." Slbelung: „©ternenfaal: eine oeroltcte poctifd^e
33c3eid^nung beä ©ternen^immelg." 2)ie §anbfd^rift reimt l^ier

„©aal" auf „male", niaä unmöglid^ ift; unb ba in biefer Partie


männlid^e unb roeiblid^e Sfleime roed^feln, ^abe id^ roeiblid^en
aiuägang oorgcjogen.
gS. 153 lautete urfprünglid^ : „baä läfft mid^ [nit^t] felbft für
bein Sßo^I nid^t ru^n."
33. 155: „bann" für „bamalä" ift ganj ungeroöl^nlid^ unb
fonft ntd^t ju belegen.

2Bir roenbcn boö golioblott um unb erwarten nun


bic (grfol^rungen, bie ber roiebergef eierte ^eitanb nod^
unb nad^ mad^t, im einzelnen !ennen ju lernen. Slnftatt
beffen aber lefen mir gleid^ oon bem erften ©e[amt=
einbrud (Sß. 158 ff.), ben bie SBelt auf i^n ma^t;
unb ben aud^ ber überirbifd^e SBanberer in ben ^eris

ptttetifern in bie Dorauäeilenben SBorte jufammenfa§t:


„Xa& aWenfd^enooIf änbert fid^ im ganzen genommen
nid^t."'^) 2ln biefen allgemeinen ©inbrudE aber fd^Uefet

fic^ fogleid^ bas Stefuttat in ^orm einer ernften unb


patEietifd^en ©trafrcbe an, bie jroar einige tijpifd^e j^äHe

namhaft mad^t, aber nur f^ätte, bie mir nid^t mit 2lugcn
gefe^en, mä)t mit erlebt l^aben. 3)er 3wfQ*"iw^"'()ö"g

jmifd^en ber 23orberfeite unb ber S^iüdffeite beö golios


blatte«, b. t). jroifd^en bem oben gebrudtten unb bem
f)ier unten folgenben 3:eyt, unterliegt für mid^ ^eutc
feinem B^eifel mt\)x. @oetf)e ^at oictmel^r, roie in ber
^ugenb flets, ol^ne ^lan arbeitenb, unb oieUcid^t gar
nic^t oon oorn^crcin auf ein Öanjcfi bcbad^t, I^eraufis

gegriffen, ma<j feiner augcnblidlidden ©timmung ent»


2)er ©efamteinbrurf rairb »ornjeggenommcn (SB. 156—193). 105

gegen tarn, unb fo ^ai er l^ier mit einem gewaltigen


©afe über bie 3Jiitte Ijinmeg auf ben 2lnfang gteid^ ben
©pitog folgen laffen. ®aJ3 biefe Partie fid^ nid^t in
ben ©ebanfengang be§ ganjen ©ebid^teö einfügen Iic§,

war aud^ ber ©runb, marum er fie tro^ ber gro^s


artigen bid^terifd^en 2lu§füf)rung nid^t in bie ^leinfd^rift
aufgenommen ^at.

€r jteljt begierig rings fidj um,


Sein 2tuge fdieint il|n 3U betrügen,
3tjm fd^eint bie H>elt nodj um unö um
3n iener Sauce tief 3U liegen,
160 IDie fie an iener Stunbe lag,
Da fie bey tjellem lid^ten Cag
Der (ßeifi ber 5infterniff, ber fjerr ber 2tlten lüelt,
3m Sonnenfdiein ifjm glänsenb bargejtellt,

Unb angemast fid? oBjne Sdjeu,

165 Daff er Ijier ^err im fjaufe fey.

Wo\ rief ber ^eilanb, iji bas Cidjt,

Das von meinem XDort entbrennen!


Bjell

Weil unb idj felj ben Sa^^n nidjt,


X>en xdi fo rein com fjimmel rab gefponnen.
170 Wo iiahen fidjbeugen I|ingeu?anbt,
bie
Die voais aus meinem 23Iut entfprungen,
Unb adi u)oIjin ber (5eift, ben idj gefanbt —
Sein Weiin, xdi füljls, ift all »erflungen.
Sd]Ieidjt nid^t mit etogem f^unger Sinn,
175 Znit Ijalbgefrümmten Klauen fjänben,
üerjlud^ten eingeborrten £enben
2)er (5ei3 nadj tüdifdjem (5ea»inn,
2nisbraud]t bie Sorgen lofc 5reuben
Des Hadjbaars auf ber reidjen 5Iur
106 S)ie Se^re e^rifti unb bie c^riftric^e Sierigion (SS. 166 ff.).

180 Unb Ijemmt in öürrcn (£ingcn?eiöen


Das liebe Heben bev TXatuvl
Perfd^Iiefft bet 5ürft mit feinen Stlaven
Sidj ntd>t in icncs 2TIannorIjaus
Unb brütet feinen irren Sdiaftn,
185 Die IDöIfe felbfi im Bufen aus!
3fjm roirö 3u griüentjaffter Stillung
Der 2Tlenfd^en 2Tiarcf Ijerbey g^tafft,
£r fpeift in ecfler Überfüllung
Don Caufenben bie Hafjrungsfrafft.
190 Jin meinem Haljmen roeiljt öem 53audje
<£in armer feiner Kinöer 23robt,
Znidj fdimäljt auf biefem faulen Sdjlaudje
Das golöne §eidjen meiner ZXoüi.

3Rtt SSeriüunbenmg bemerft bcr ^crr, ba^ bie 2Be[t p


feinen f^üfeen ganj unoeränbert fo batiegt, raie bei jener
©jene bcr S3erfud^ung, ber er fi($ oben fd^on (58. 116 ff.)

erinnert fiat. Tantals Iiotte fid^ ber 2'eufel, ben ©octlie


fonft tiiit bem Stpoftel ^quIuö fd^led^ttoeg als „^errn
ber SBelt, ber in ber ginfterniö biefcr 9Belt fierrfd^t"

bejeid^net, ^ier ober nur olö ^errn ber 3llten 2Belt,

b. f). im 2llten 2:eftatnent (58. 162), gelten lä§t, gegen=

über Gl^riftuö fo betragen, als ob er auä) im 9ieuen


2^cftament ^err njöre (33. 164 f.). 6l)riftua fjat il^n

bamalö surüdfgemicfcn; jefet aber erfennt er (bas ift

ber oerftcdte (^jebanfengang), baft aud^ l)ier aUeö beim


otteti geblieben imb ber 2:eiifct auä) in bcr dlmtn
SBelt nod^ $err im ^oufe fei. S)ie mm folgcnbc .^lage
(23. 166 ff.), bafe ba« reine G^riftentum bcr opofto=

lifc^cn 3«itcn abl)anben gcfommcn imb bie Se^re G^rifti


im Saufe bcr 3f^t entartet fei, mar im 18. 3iat)rl^un=
2)er SSerfatt ber c^rifttic^en Sc^re (38. 166 ff.). 107

bert allgemein. ^nebr{($ ber @ro§e meinte, bo^ man


ba^ {)eutige ßfiriftentum unb fd^on baö beä 3. ^a\)x=
f)unbert§ nid§t mit ber S^teligion ©Iirifti üerroecj^fetn

bürfe, bie ein reiner ©otteäglaube mit einer erliabenen


3Koral gemefen fei; bei bem ©tubium üon gleun)§
^irc^engefd^id^te ftaunte er über bcn Unfinn ber 2)09*
men, bie im Saufe ber Reiten ber einfad^en Seigre

i^efu beigefügt morben feien, über bie ©reuel, bie im


Sfiamen biefeä ^rebigerä einer reinen 3Jlorat oerübt
mürben. ^\ä)t mel^r ©otteömerf, fonbern aJJenfc^en=

mer!, ja großenteils ha^ 2Ber! ber ©emalt unb beß


33etrugeö glaubte ber greunb SSoltaireö in bem beutigen
Gliriftentum §u erfennen unb er ftaunte, roieoiel Un^
glücE bie ^errfc^fuc^t, ©erainnfud^t, ©treitfud^t, Un=
bulbfam!eit unb ber ganatiömuä ber ^riefter unb ber
2;^eologen über bie aWenfd^lieit gebrad^t l^abe. 3tuf
bemfelben ©tanbpunft ber 3lufflärung fielet aud^ ber
SSerfaffer ber „^eripatetüer", bei bem es lieiBt: „2Ba§
iftö in unfern ^tiUn mit bem ßfiriftentbum (33. 166ff.)?
^^ l)abe immer geglaubt, ta^ ber (Stifter beä ßfirifteni
tumö bie 2lbfid^t ^atte, eine ganj reine 5ßernunftreli=
gion nad^ unb nad^ einjufüt)ren. 3lber feine Sfiad^folger

im Sel)ramte liaben gar balb bie ganje ©ad^e rcieber


gu nid^te gemad^t. Slnftatt auf ber Salin i^reö SSor*

gänger§ immer weiter fortzugeben, verloren fie fid^

mieber auf leibige Sf^ebenroege unb fo ift bie d^riftlid^e

^teligion mit ber 3«^^ 9a"5 "wi ^ic ©eftalt gekommen,


meldte fie faum erft angenommen l^atte. ®ie erften

et)riften fonnten bie einfad^en Sel^rfäfee ii^res ^errn


leidet üerftelien; mir liaben bie üornelimften baoon vtx:
geffen, anbere liinjugefe^t unb alle miteinanber üer^
108 S)cr SBerfaU be§ c^riftlid^cn 2c5en§ (93. 173 ff.).

unfialtct!" ®ic !at{)oKfd^en 3Könd^c in ^olen fielet biefer

aufgeüärte (S^riftuä mit einem fd^arfen unb bebeutenben


$8Iic!e an unb brid^t bann in bie tieftigen SBorte am:
„:3ft baä bie Se^re, bie if)r lefiren foHt? §a! Sßaö ^abt
\i)t auö meiner 3teligion gemad^t !" 2lber oud^ bie 3?er;

fajler aUer übrigen geiftlid^en !Womane, gleid^ciel auf


roeld^em (Stanbpunft ite ftelien, finb überjeugt, ba§ man
auf baö Urc^riftentum jurüdge^cn müjfe, um bie ma^re
Sefjre (S^rifti gu finben.

2lud^ @oetl^e§ Pfarrer f)ält fici^ nur an bie 33ibel,

mo er allein bie „reine ©efd^id^te" §u finben geroiB

ift. ©päter freilid^ fiat ©oet^e in biefcm fünfte an:


berö geballt. 3Son ber mof)ammebanifd^cn 2luffaf[ung
ausge^enb, nad^ ber ß^riftuö ba§ ©öangelium oom
^immel gebrad^t unb mieber in bcn Fimmel mitge;
nommen t)at, nimmt ber 2)ioan junäd^ft bie ©cangetis

ften in (Sd^ufe, bie jmar ungleid^e gä^igfeiten fiatten

unb ba^er cerfd^ieben fd^ricben; aber bie 6{)riften ptten


an bem, roaö fie ^aben, immer nod^ genug bis ju bem
^[tingften XaQ. Unb im ^ol^en 3llter meinte er ©dfcr*

mann gegenüber gerabcju, baö Sid^t ungetrübter gött?


lid^er Offenbarung (23. 166) fei ml ju rein unb gtän;
jenb, als ba§ es bcn armen, gar fd^road^en 3Jienfd^en

gemafe unb erträglich roärc; bie Äird^c aber trete als


n)ot)ltätige 23crmittlerin ein, um ju bämpfen unb ju
mä&igen, bamit aUm gel^olfen unb bamit oielen tuo^l

werbe *).
99ei bem SScrfatt ber Se^re l)ält fid^ bor ^id^ter aber

\)\tx nid^t auf, fonbcrn er betrad^tct \\)n gleid^ in feinen

folgen für ba« ßcbcn, in bem nod; immer bie alten Saflcr,

trot bem Opfertob Cl)rifti, ^crrfd^cn (5Ü. 173 ff.). Slls


Sie gruc^tfperrc (SS. 178 ff.). 109

fotd^e ßaftcr werben brei angefüi^rt unb ausgemalt: ber


©eis, t)ergegenn)ärti9t in h^m ^ornraud^er (A, 58. 174
bis 181); bie Sluäfaugung ber Untertanen burd^ bie
prften (B, «8. 182—189) unb ber ^farrünber burd^
bie ©eiftlid^en (C, 33. 190—193). 2tu(^ im „3«enoga"
eifert ein ^nfpirierter bagegen, roie bie roeltlid^en unb
bie geiftHd^en Wirten, jebes auf feine SBeife, i^re io^^^be

unterbrüden unb auöfaugen. Unb roenn ©oetl^e in

jener ^auftftelle, wo tjon bem guten 9Jiagen ber ^ird^e


bie 9lebe ift, ju benen, bie ungered;teä ©ut üerbauen
fönnen, aud^ bie Sieben unb Könige red^net, fo tiaben

wir f)m biefelbe ^riaö wie bort: i^w^^"/ ^^ürften unb


«Pfaffen »5).
A ($8. 174—181). "^k üerjerrte ^igur be§ ©eijeä
ift nad^ biblifc^em SJiufter gefc^ilbert; in ben ^falmen
gellt ber (Sünber !rumm unb fefir gebücft unb feine
Senben oerborren gan^.
Dbrcol^t ber Oeij in ben Sftomanen aU ein aH-
gemeines Safter ber ©eiftlid^en gefd^itbert wirb, ift ^ier

bod^ an fie nid^t ju ben!en. @s liegt ein anberer, unb


mieberum ein ganj a!tueller S3ejug t)or. ©s ^anbelt
fid^ um bie nationalöfonomifd^e ^rage ber ^^rud^tfperre

unb bie baburd^ (leroorgerufene ^rud^tteuerung. „BeiU


bem bie öfonomifd^en ^rinjipien au^ f^ranfreid^ M
uns 9Jiobe finb unb alles ruft : fütirt nur oiet ^orn meg,
fo werbet i^r »iel liaben! ift in meinem SSaterlanb fo

oft ^ornmangel, ba§ es fid^ ber 3Jlüf)e lo§nt, ein ^orn;


l)änbler §u fein/' fagt ^ieronpmus im -Rot^anfer, ber

es als ^ornliänbler cerftelien mu§. 2)ie ?^rage mar


t)on ben ^l)i;fiofraten in ^ranfreid^ aufgeworfen raorben
unb in ^eutfd^lanb baburd^ in §lu§ gekommen, baf3
110 3)ic Srud^tfpem (35. 178 ff.)-

bie ^rud^tfperre hnx6) ein ^teid^sgutaditen »on 1772


ratifiziert würbe, ©ine 3)?enge von 35rof(^üren unb
5Bü(^ern erfd^ienen bafür unb bagegen; ber angefefienfte
©egner raar ber babifd^e ginon^rat ©d^Iettraein, ber fie

aU eine anwerft fd^öbli($e ©rfinbung bejeid^nete. S)ie

^ranffurter ©ete^rten 3ln5eigen fiaben fid^ roieberfiott

mit ber grage befd^öftigt; ber Slutor ber 2lrti!el ift

geroife ©oetl^eö ©d^raager ©d^loffer geroefen. S)ie ^Ijpfio;


fraten bauten bie j^orbentng ber ^rud^tfperre auf il^re

ße^re von ber Neuerung: fie toollten, baB jeber für


feine ^robufte fo mel einnel^men möge, alö er jur 35e=

friebigung feiner meiften 33ebürfnif[e braud^e ®eg=


; bie
ner umgefelirt oerlangten, ba§ jeber baö ^orn mögs
lic^ft n)oI)lfeil einfaufen !önne. ©ie raenbeten weiter
ein, ba§ bie g^rud^tfperre bie SSermefirung ber ^ros
bufte F)inbere unb baburd^ aud^ bie @(ücEfeIig!eit ber

©taatäbürger, bie ja auf ber ^robu!tion beruht. 2ln=


bere befiaupteten aud^, bie ^^rud^tfperre fd^abe ber ^o--
pulation. ©d^Ioffer betrad^tet bie ©ad^e fo: nid^t bie

Kopulation, bie a3ermef)rung ber aJienfd^ficit , fei ba^^

3iel beä ©r)ftemä, fonbern oielmef)r bie ©lücffeügfeit,


b. f). ba§ es bcn 3Jienfd^en, bie fd^on ba fmb, an nid;t8
fef)Ie, maß bie SBelt aufeer iljncn jur ©ätttgung ifjrer

2;riebc barbiete, ©eine aJieinung mar, ba& bie ^rud^t^

fperre nur einem gefunbcn ©taatöförper ^ctt unb ^^eftig;

feit gebe, nid^t aber bem f raufen, beffen alte ©ünben


nodf) nid^t gel^eilt finb. ®enn nur ber roof)U)abcnbc
93auer, ber baö ©elb nid^t augcnblidflid) braucht, fann baö
Äorn jurüdffialtcn. 2Bät)rcnb alfo bie einen bie grudjts
fperre olft eine eminent menfd^cnfreunblid)e Cfonomie
bcgrüfeten, fallen bie anbcrn barin eine l)bd)ft menfd;cn;
2)a§ licBc SeBen bcr Statut (35. 180 f.). Hl
feinbtid^e 9JiaBregel, bie nur ben Äornjuben unb SBud^es
rem in bie iQö^be arbeite, unb beflagten eö, baB bie

l^ürften unb ^ameratiften ^i^ biefer ©infid^t üerfd^töffen.

Unb nun werben roir auä) bie ftetö miBoerftanbenen


SBerfe (178 ff.) über ben ©eij leidet erflären fönnen.

®er geijige 3Bu(|erer ntiPraud^t bos ©etreibe feines


DZad^barä, beö Souern, bem er eö abbrüdt; biefeö ^orn
ift eö aber, baö ben 33auern frei oon ©orgen ntad^t

unb il^m feine greuben (©d^loffer fagt: ©lücffeligfeit)

üerfc^afft — unb fo nennt ©oet^e baö ©etreibe „bie


(Sorgenlofe(n) greuben auf ber reid^en ^lur" (33. 178 f).

SBenn er bann raeiter fagt: „®er @ei§ tiemme baö


2tUn ber Statur" (33. 180 f.), fo fann barunter jroeierlei

ju t)erftel^en fein: entraeber bie Hemmung ber ^robuf;


tion, ber „^^reigebigfeit ber -yiatur", Tüic ©d^Ioffer ein«

mal fagt, alfo ber ?^rud^t; ober bie Hemmung ber


Kopulation, ber 3Sernte^rung beä 33oI!eö, bie bie ^olge
ift. '^a^ ber legten Seöart: ,,ber ©ei^ (jemmt in
bürren (Singeroeiben baö liebe Seben bcr 'iRaiux",

roürbe man ber legten (Srflärung ben 3Sorgug geben:


er entfräftet unb »erborrt bie 3^"9W"9ö- w"^ ©ebäs
rungäorgane unb bantit ba^ Seben. -Hun ift aber frei*

lid^ nic^t gu oerfd^roeigen, ba§ (SJoetfie urfprünglid^ „in


feinen . .
." gefd^rieben fiatte, baä „feinen" aber burd^=
ftrid^ unb mit „bürren" fortfufir. Ob er „in feinen
©ingeroeiben" fd^reiben ober ju „feinen" ein anbereä
©ubftantit) im ©inne fiatte, bleibt freilid^ fraglid^. Stber
mit ber 9JiögIid^feit, ba^ unter ben (Singeroeiben bie
beä ©eigeö fetber gu j)erftel)en finb, mufe man bod^
aud^ rechnen. 2)ann fönnten bie ßingeroeibe beö ©eiseä,

in benen er baö 2zhm ber D^iatur l^emmt, nur bitblid^


112 2)ie rocttrid^en öirten (95. 182 ff.)-

Derftanben toerben: ber ©ei^ fri^t begierig ba§ 5lorn


unb ftopft ftd^ feinen aJJagen an, raoburd^ bie ^robuf:
tion beö Zornes gel^cmmt roirb, oline baB er f eiber

baoon ^raft erl^ält^*^).

B (182—189). «Bon ben prften, bie in biefem


gegen bie geiftlid^en Wirten gerid^teten @ebi(|t aU bie
TOeltlid^en Wirten (33. 184) erfd^einen, l^ei^t eä aud^ in
ben „^eripatetifern'' : bie 9ftegenten würben (wenn
e^rifti Sfiad^folger in feine f^ufeftapfen getreten roären)
bann nid^t ntelir glauben, bie ^unberttaufenbe i^rer
Untertanen roären nur besbatb ba, um il^nen mit i^rem
S3crmögen unb Seben jur Sefriebigung il^rer Seiben^
fd^aften gu bienen. ©o
fie an aber roären
ben @e;
banfen geroö^nt, ptten nur für fie
i§re Untertanen
5ßermögen unb Seben, unb geugten nur £inber, um fie
für fie im Kriege totfd^ie^en ju laffen. Unb ß^riftuä
ruft bort auä: „0 i^r Stegenten, ift e§ nid^t genug, ba§
i^r bas 33ermögen eurer Untertfianen unbefonnen oer^
fd^roenbct?" 2tud^ ber SSerfaffer beö ©iegfrieb oon
Sinbenberg roei^, ba6 ber Untertan fein ©d^roei^ unb
Slut mit ©eufjem unb 3?erroünfd^en l^ingeben mu^.
Xk ©ünftlingöroirtfd^aft (33. 182 ff.) a\\ ben «einen
beutfd^en $öfen im 18. ^afirfiunbcrt ift ja befannt
genug ^^); unb aud^ für ben ©olbatenfc^ad^cr (93. 186 f.)

bcbarf es feines anberen iginii'etfeö als auf „Äabale


unb iiiebe".

C (3?. 190—193). S)er ^id^ter meint ^ier in erfter


Siinie bie ^cf)nttn, oon bcncn bie Weifllid^feit khk unb bie
oft fc^roff genug eingetrieben rourben (unten ©. 123 ff.);

bann aber aud^ bie freiroiffig bargcbrad^tcn Opfer, rote

©retc^cns 3)Juttcr ben ©c^mudf jum ^4>faffcn trägt unb


3u aSerä 158-159. 113

bafür r\aä) her älteren Seöart im Urfauft baä ßob d^rift*

lid^er ©efinnung (35. 190) erntet. ,,Äird^enfürften füllen

burd^ beö Sßot!e§ ©infalt ifire SBäud^e," fagt aud^ ber

^erfaffer ber ^eripatetifer. Unb ber fd^reibenbe ^ube


finbet bei ben ^atl^olifen igeere von aJlönd^en unb
Pfaffen, weld^e ba§ gett beö £anbe§ treffen, baä Tlavt
ber Untertanen auffangen unb t)on beren ©d^roei^e
ntü^ig unb raol^llüftig khzn unb gute Sage fiaben. S)er

„33aud^" ftef)t aud^ l^ier {^. 190) wie SS. 41 für ben
©eiftlid^en (oben <B. 68); unb ba§ ©eitenftürf bilbet bie

berül)mte ©teile im „%au^i" von bem guten aWagen ber


^ird^e, bie \a nod^ im Saffo nad^ftingt:

„SRom xoiU aUeä nej^mcn, gc5cn nid^tä;


Unb fommt man ^xn, um ttma§ ju erl^alten,

©ri^äU man nid^tä, man Bringe benn roaä l^in;


Unb glüdUd^, roenn man ha nod^ roaä eri^ätt!"

Slber eä finb bod^ nid^t blo^ bie fatl^otifd^en ©eift^


lid^en gemeint, benn aud^ fiöl^ere proteftantifd^e ©eift*

licf)e tragen ein golbeneö ^reuj auf ber SBruft ($ß. 192 f.)

unb in ben jal^men 3tenien lieifet e§ ganj allgemein:

„Safft ®ud^ nur oon ben ^ßfaffen fagen,


SBaä bie Äreujigung eingetragen!
Jiiemanb fommt jum ^öd^ften g^or
SBon Äranj unb Drben,
Söenn einer nid^t juoor,

S)er5 gebrofd^en roorben."^')

SB. 158: „um unb um", überott; 2). j. ®. III 704: „SBie er

ftd^ fie^t fo um unb um." 2tn SBett? ^acoBi 31 XII 73: „Unb
um um! I^erum vim um iftä nun!"
33. 159 f.: „an" temporal für „ju" (roie in „an ber 3eit") öei
©oetl^e öfter: „an 5ßfingften" Tempel IIP 5; „c§ fei an ber
©tunbe" a. a. D. XXIV 294. ©auce: „bie 2Jienfd^en in cinanber
JClinor, ©ott^cs ßmiger 3ubc. S
114 3« SSerä 159—171.

ju fügen in ein Siagout nn\> eine lool^Ifd^merfenbe ©auce baju"


3). j, ®. III 214. „3n ber ©auce liegen" roor »o^l bomalä
fd^on fprit^roörtlid^ unb ift ou§ ber Umgonggfprod^c aufgenommen.
38. 166: „Sid^t" ift ganj eigentlich genommen, fo oiel loie

„Srleud^tung". ^o^. 1, 8 („^^ol^anneä b. %. jcugete »on bem


Sic^t") ift (Si^riftuä feI5er barunter »erftanben.

SS. 167: 2)aä „2Bort" im prögnonten luti^erifd^cn ©mn für


©»angclium. SSgl. öempel IV 196: „göttlid^ Sßort" oom ®oan=
gelium.
SB. 168 f. : S5a§ 33ilb oom „gaben" gehört ju ©oetl^eä ßie5=
lingsbilbern unb roirb fel^r Dcrfd^ieben angercanbt. S)ie fieäarten

ju göuft 33. 91. 97. 142 ff. jeigen, loie oft e§ l^intereinanber gc;

Jrouc^t roirb unb roie öoctl^e ftd^ mit ben oerfd^iebenen SSor^
fieUungen (baä öanje on ©inem gaben fid^ abfpinnen Taffen,

boä ^ßublifum an ßinem gaben fortfül^ren, einen gaben oer=

folgen) felbft in bic Cluere !am. öempel I 145 ber eherne


geben (beä ©d^idfats) XX 129 bie überseugung ein gaben, ber
;

un§ burc^ä Seben fü^rt, unb ben roir, loenn luir il^n aud^ mand^s
mal fal^ren liefen, bod^ gleid^ roicber aufncl^men fönnen; bei
galf 10 XI 10 ift, ungefähr gleid^jeitig mit bem berül^mten
roten gaben in ben Sßa^loernjanbtfd^aften, oon bem glänjcnbcu
©ilbcrfobcn ber JReligion bie SRebc, ber ftc^ burd^ ottc Öefpräd^e
jie^t; unb olö 0rciö bittet er 2lugufte ©tolberg (bei 2lrnbt 75),

nac^bcm er lange gefd^roicgen , ben alten gaben roicber anju;


fpinnen, eö fei bie§ ja ol^nel^in ein roeiblic^cö öefd^äft. Unb in

biefcr legieren 93ebeutung fte^t baä Silb auc^ l^ier. 2)cr gaben
ift roeber baä Göongelium, noc^ ber ©laubc an baä eioigc 2e6cn,

wie fioeper unb 2)ün^er interpretieren; fonbcrn cä ift einfach

oon ber SWittlerroHc G^rifti jroifd^cn Sott unb ben 9)ienfd^cn bie
Webe. Der gaben ift baö SBtnbemittel, baS Sl^riftuö angefponnen
^ot unb baS nun obgeriffen ift; bic 2?erbinbung ift alfo loicber
geftört.

5B. 170f.: 3)ie „Seugen" finb bie 3(poftcl unb ifjre 5lac^«

fofger, bie G^riftuä bei ÜJlatt^äuö 10. Rap. auäfc^icft, „biS


bft 3JJenf(^enfo^n fommt", unb bie anä) bei l'ufaö 24, 48 unb
aipofteIgcf(^i(^te 1, 8, 2, 18 „3«ugcn" genannt lücrben.

S. 171: „toeit" ^obe ic^ fo neni^ al6 9iicmcr unb Gdfcr:


3u SBctS 171—180. 115

mann, bte eigenmäd^tig „treu" bafür einfetten, lefen fönnen;


nur ber Ie|te SBuc^ftafie roor mir beutlid^. (grid^ ©d^mibt lieft

„lueiä" unb nimmt bie 33ebeutung albus an, nad) 3- SQ3crner:


„gctuafd^en bin id^ roei^ im 33Iut beä ©d^i3nen". 2lber biefe Se:
beutung ift mir bod^ fel^r jroeifeli^aft. Qn ber 3lpofteIgefd^id^tc
2, 18 folt ber ©eift Ü5er bie S^UQsn auggegoffen werben unb
fie fotten roeiäfagen; in ben Söanberjal^ren (Tempel XVIII 172 f.)
rairb S^riftug felfift olä ein SBeifer gefeiert, ©ollte nid^t bod^
sapiens gemeint fein ? ©ic roerben erft nad^ bem Dpfertob ßi^rifti
auägefanbt unb erft burd^ ben l^eiligcn ©eift roeife unb rociös
fagenb.
SB. 172 f.: S)ie ©enbung beS ©eifteä 2lpofteIgefd^. 1. Rap.
2)ie überfe^ung be§ Veni, creator spiritus, ba§ ©oeti^e alä
einen 2lppeII an baä ©enie Betrad^tete: ^empellll 65. XIX 51.
33. 173: 3). j. &. II 224: „bog äöe^en beä ^eiligen ©cifteä" ;

^cmpel III 189:

„SBol^er er fommt, wol^in er jue^t,

25aä "^at nod^ niemanb ouägefpäl^t,


©ie geben il^m nur furje grift,

S)a er bod^ @rft= unb Setter ift."

35. 174 lautitt frül^cr : „©d^leid^t nid^t bie l^agrc 2)ie6ägeftoIt."


33. 177 lautete früi^er: „2)er ©eij nod^ türfifd^ cor fid^ l^in."

SS. 178: „forgenlofe" ift ^ßlural, bie ftarfe ^orm nod^ bem
beftimmten 3lrti!el im 18. ^iol^rl^unbert nod^ geiuöl^nlid^.
33. 180: <Btatt „bürren" l^ief; eö früher „feinen", „©in;
geroeibe" ift befanntlid^ ein Sieblingäroort ©oetl^eä, aber aud^
feiner 3ett, wo eä oft bog franjöfifd^e entrailles überfe^t ober
üertritt. ^n ber |»tträreifc ift bag urfprüngtid^e „2)u fel^rft un;
erforfd^t bie ©eweibe" geitifi nur wegen beg ungeraöi^nlid^en
©imple^ in „unerforfd^t in 33ufen" oeränbert worben; benn in
„Äenner unb ©nti^ufiaft" ift „bie ®ingeuieibe brannten" fogar
bie fpätere Segart;unb nod^ im 2JlignonIieb l^ei^t eg: „3ßie
gittert mir, wie brennt mein ©ingeweibe." ^m @eiftUd^en S)on
Cluid^otte III 278: „fein ©ingeweibe jammerte nad^ feinem
33ruber." <Qeinfe (Saube) IV 324: „©ein Äopf ^ettte fic^ auf;
e§ fod^te nur nod^ in feinen ßingeweiben."
116 (S§ roirb auf bie ©ittäclerf ol^rungen jurürfgegtiff en (35. 194 ff.).

SS. 182—189 folgte urfprüngric^ erft auf 95. 190—193. S)te

Urnftettung ift in ber ^anbfd^rift beutlid^ angejeid^net unb f)at

lool^I jutn @runb, ba$ ©oeti^e bie (Satire auf bie 5ßriefter an ben
@d^ru§ ftcUen unb fo ben 3)ionoIog beä ^eilanbä in ba§ aß:
gemeine S^i^ema beä ©ebid^teä einmünben laffen wollte.
35. 183: „3)iarmor^au§" für ^ataft auc^ in 9}ia^omet§ ®e=
fang, §empel I 141.

SS. 184 f.: Slpoftelgefc^ic^te 20, 20: „SBötfe, bie ber Serbe
nid^t fc^onen roerbcn." 'i^ie SCßenbung: „Sßölfe ausbrüten" finbe
id^ in §erberä Ü5erfe|ung ber SSölufpa (©up^an XXV 465;
o6er nod^ nid^t 101). @emeint ift natürlid^: ber "i^üv^t näl^rt

unb l^egt bie @ünftlinge alä grcunbe an feinem SBufen unb


ftattet fte baburd^ mit ber Tia^t auä, bem Sßolfc ju fd^oben;
S)üntfer benft ernftlid^ an 3)lanbate. „3jm Sufen": b. 1^. unter
bem Äleib am Sufen; wie man fagt: ettoaö in ben öufen fterfen.

35. 186: 3"*^ Sefriebtgung feiner Saunen.


95. 187: ipaCer, 2irpcn: „333ie eitler gürften 5ßrad^t ba§ 2)iarr
ber Sönber frifft." 2l6er bie ?ßl^rafe roar fd^on aBgegtiffen:
3ube 71, „SRönd^e unb Waff«"» roeld^e bag Jett beä Sanbeä
freffen, ba§ 9)iarf ber Untert^anen auäfaugen"; 99 f. DJicoIai

lebe Don bem SDJarfc beä Sanbeä, roeil feine SlCgemeine beutfd^e
3}ib(iotl^ef einen großen 9(6fa$ ^atte! @ine ä^nHc^e Beübung:
^er. I 72 baä gett ber ©rbe oerfd^Ungen (oon ben SDtönd^en);
ä). du. II 387 bie Sieid^cn hUn von bem (Jette beä fianbcS.
äJlan fie^t, ba| nid^t einmal bie ^ejiel^ung auf ben @o(baten:
^anbel obUig geftd^ert ift. 2ßie man aber unter „ber 3)ienfd^en
ajiorf" baS ©rot ^at ocrftel^en fönnen, ift mir ganj unfaßbar.
95. 191: 2)aä, roaä bie Dia^rung feiner Äinber bilben fottte.

^ic nun fotgcnbc ©d^Iufepartic (3J. 193—290) fil^rt

bie erjttl)(ung nic^t fort; fonbcrn fic greift auf bie iBiwitU
erfotirungen ^urflcf, bie bem oorousgcfd^icftcn ©d^lu§:
urteil bcs ^eilanbfi (oben ©. 104) cigentlid^ cvft bie 93e=

red^tigung geben. Sie l)ätte alfo an früljerer ©teile


^errocnbung finben milffcn, roenn ber 2)i(i^ter je ben SJer*

fu(^ gemocht l)ütte, ouft ben {Fragmenten ein ©anjefi ju


(S^riftuä fommt in ein proteftontifd^eä Sanb (33. 194—219). 117

bilben. ®er ?^aben, bcn er babei üor 3lu9cn ^atte, ift

in ben eingangöüerfcn (33. 194 — 198) ongebeutet: bie

(Srfafirungen in ben fotfjoUfd^en Sänbern fottten benen in


ben proteftantifd^en t)orQU§9e^en. ®er ^atfioUsiötnuä roor
bem ^ranffurter ©oettie jn gleid^gültig, fiier brüdte i()n

ber ©(3^uf) nid^t; barum ift biefe Partie bamalö nid^t


auögefüt)rt roorben. ®er ^id^ter begnügt fid^ für biefeö

3Kal mit einem 5ßorfpiel: über ben fielen fpmbolif d^en


^reujeägeid^en mit bem Seid^nam ß^rifti »ergibt man
ouf il^n f eiber unb ba§ mirflid^e ^reuj, an bem er
burd^ feinen Xoh bie Söelt erlöft ^at (33. 196 f.). 2lud^

bie ^eripatetifer finben beim betreten beä polnifd^en


33obenö auf allen äöegen unb ©trafen von ©tein unb
oon ^otj Finger errid^tet, bie ß^riftuö mit 3^^^^^»
erblidft, raeil er glaubt, ba§ liier nod^ mie gu feiner
3eit bie ©itte ber ^reujigung beftel^e. Unb er fagt
ju ben polnifd^en ^atliolifen: ,,3Senn ßliriftus einmal
mieber auf bie (Srbe föme, roas meint il)r roolil, bafe

er empfinben mürbe, menn er baä 33ilb beö ©(^anb*

pfallä, an bem er einft ol^nc 3Serfc^ulben fterben mufete,

allenthalben auf gerid^tetfä^e! . . . t)erel)rt it)n, aber nid^t


fein S3ilb"««).

<£r rpar nunmcljr ber Cänber fatt,

195 VOo man fo viele Kreusc I|at

Unb man für lauter £reu3 unb Krtji


3I|n eben unb fein Kreu3 üergifft.
(£r trat in ein benad^baart £anb,
Wo nur als Kird^faljn fanb,
er ftdi
200 2Han aber fonft nidjt mevdte feljr,
^Is ob ein (ßott im £anbe wäx.
Wie man iljm benn audj balb betljeuert,
118 3)tc Sluäfd^eucrung beg ©auerteigä (3J. 202 ff.).

2löer Sauerteig fey l?i«r ausgefctjcuert,


23cfurd}t er, öaff öas 23roöt fo lieb
205 tüie ein lTiaifud\en [ifeen blieb.
Daoon fprad] iljm ein geifllidj Sdjaaf,
Das er auf Ijoljem iPeege traf,
2)as eine mad lige 5rciu im 23ett,
Piel Kinber ujiö t>iel ^eijnöen Ijett,

210 Der alfo (5ott lies im ^immel ruljn


Unb ftdj aud? roas 5u (5ute tljun.

Unfer f^err füljlt iljm auf öen ^aijn,


5ing etlid^mal oon (Eljrifto an.
Da tt)ar öer ganse Zllenfd? Hefpecft,
215 ^ätte fajl nie öas fjaupt bebest.
2lber ber ^err falj siemlidj flar,
Daff er brum nxd\t im fjerscn «>ar,
DajJ er bem 2T?ann im fjirne ^<xnb,
2iis vo'ie eiji ^olsfdjnitt an ber iPanb.

Gl^riftus !otnmt alfo in ein protcftantifd^cs Sanb,


roo baä ^reuj nur in ber 5lirdje ju finben ift (33. 199).
<Otcr finb mm oicic naä) ber 2lufforberung bes 2lpoftcIö

^autuö mit ber 2tuäfe0un9 beö „otten «Sauerteigs" in


ber ^Icligion befd^öftigt (33. 202 f.), rooju aud^ ber
©laube an bie ©ott^eit ßlirifti gel;ört (33. 201).
G^riftus aber meint, im 2lnfd&lufe an eine anberc
SibelfteHc, ba§ eö otinc bcn (Sauerteig in ber 9teKgion
bod^ nid^t gelten werbe (^. 204 f.) . . . S)iefe gJartie

ift überhaupt nur aus ben fird^tid;cn 3"ftönben beö


18. ^tt^rl^wnbertfl ju t)erftc(;en.

2Bir roiffcn, bafj bie aufgcflärteii ^l)eologcn biefer


3eit baft (S^riftcntum für etitartct unb burd^ unreine
3ufäfce entftettt fiicltcn (oben (S. IOC f.). ©« oon biefem
„SHeligionflrouft" ju befreien, betrad^tetcn fic aU i^re
Sic 3luäfc^euerung beä ©auerteigä (58. 202 ff.). 119

Stufgabe. aJtit 2lnle{)nung an hk SBorte beä Slpoftelä


Paulus : „%^Qtt ben alten Sauerteig auö, ba| ifir ein

neuer Steig feib/' rebcten fie ganj formelfiaft üon ber


Sluäfegung beö jübifd^cn ober beä papiftifd^en ober be§
pelagianifd^en Sauerteiges (33. 203), ber feit ber Q^it
ber reinen ß^riftuäle^re fid^ angefatnmelt ^abe. 2Ba§
fie barunter »erftanben, rcar nad^ ben üerfd^iebenen
S^tid^tungen »erfd^ieben unb ebenfo bie 9)iet§obe ber
2lu§fegung. ®a waren junäd^ft bie S^iationatiften,

raetd^e jebe geoffenbarte D^leligion nur ber ©anftion ber


SSernunft unterwerfen wollten unb alle (5)el^eintnif[e

für überflüffig ober gleid^gültig erHärten. ^§nen l^attc

fd^on Seffing entgegengehalten : ,,2Ber berglei^en SDinge

auö feiner 9leligion ou§poliret, ptte ebenfo gut gar


feine. ®enn waä ift eine Offenbarung, bie ni(^tä

offenbart?" ©ine geroiffe ©efangennel^mung ber 5ßer=

nunft unter ben ©cliorfam beö ©laubenä berul^e ba^


l^er nid^t auf biefer ober jener ©d^riftftette, fonbern auf
\)tm wefentlid^en Segriffe einer Offenbarung. ®iefc
aufgeflärten 2^F)eologen roottten avi»> ber SBibel nur baä
glauben, was ber SSernunft entfprad^ unb bie ^ugenb
beförberte. Um ben ^ird^englauben »on allem ju be-
freien, was il^nen als 2lberglaube unb ©d^wärmerei
erfd^ien, p^ilofop^ierten fie mit ber SSernunft alle ®ogs
men liinweg unb nannten fid^ nü^lid^e Seute, weit fie

SSal^rl^ieit unb ^ugenb leierten unb bie ^Religion bar^


über oergafeen. ®ine anbere SJiet^obe war bie para^
pl^raftifd^e ©rflärung ber 33ibet, beren S^^^ 8" f^i"
f^icn, alles wirftid^ ß^riftlid^e au^ ber 33ibet ^inweg^
jubeuten. Sefonberä bie orientalifd^e ^l^ilologie mu^te
ben Steigungen ber 3^it bienen. 5Daö ©tubium beä
120 ®ie aingriffc auf bie ©ott^eit (S^rifti (35. 201).

Slrabifd^en bot ben S^l^eologcn eine lüilüommene iganbs


l^abe, um mit ^ilfe einiger SBurjetn unb ^onjefturen
l^inein unb l^inauö gu interpretieren, roaö ifinen beliebte,

©emier erflärte, bafe vui im D^ieuen 2:eftament oor=


fomme, baä unnötig fei; bafe i§m atterlei ®r§äf)lungen
ongeflidt feien; ja, er üermorf ganje S3ü(^er, t)on benen
er eö einem jeben freiftettte, ob er fie für göttlid^ ober
für ungöttlid^ f)alten motte unb ob er fie ju feiner 33e=
rul^igung unb morolifd^en Sefferung gebraud^en motte
ober nid^t. 2Iu§ bem ^örfaol mürben biefe ©ebanfen
auf bie Äanjel getragen unb namentlid^ ber (iebertid^e
Sal^rbt ma^it fid^ ein mafireö 33ergnügcn barauö, ben
Sfieligionärouft mittels ^i)potf)efen unb 2lt^etefen aus ber
Sibel fortjufd^affen unb bann burd^ geniale ;3!"t^rptß=

tation aus ber 33ibet ju mad^en raaä er roottte. ^ie Seigre

t)on ben jmei ^Jaturen (S^rifti, oon ber Genugtuung,


ber ©rlöfung, ber Sßerfb^nung, ber 33ergebung ber
©ünben maren bie ^auptangrifföpunüe atter biefer

Parteien ;
„meld^er gcfunbe aRenfd^enoerftanb fann bas
rerbauen?" fragte SBatirbt. $ßom eigentlid^en ©Triften;

tum blieb faum metir etmaä übrig, menn atte biefe

fünfte abgcfd^afft moren. 2lm meiften aber mürbe bie

©ott^eit 6f)rifti in ^roeifel gejogcn (33. 201). Sal^rbt unb


feine ©enoffcn oerbolmetfd^ten bie 3eugniffe bcs 9?cuen
2:eftamcnteö in einer 2Beife, ba§ oon ber ©ottl^eit

nid^tfimcl^r übrig blieb; unb bie rationaliftifd^en ^Pre«

biger leugneten fie entroeber gcrabeju alö eine töridf^tc

ungereimte Seigre ober fie mad^ten fic^ burd^ populäre,


rein moralifd^e ^rcbigtcn, in benen ber 5Wame ^efus
gar nid^t oorfam, bei ben 33aucrn beliebt. 2)cr junge

®oetl)e f)at feinem 3orn ouf fie aud^ fonft Suft ge*
2)ie Singriffe ouf bie ©ott^eit S^rifti (SS. 201). 121

maä)t. ^m ^a^xmaxtt^^t^t freut fid^ ^atnart, M^ fie

e§ cnbli($ fo toeit gebrad^t tiätten, an ^errn ^efum


efiriftum nid^t gu glauben ntel^r. @r fd^impft auf bie
©mpfinbfamen : 9ieligion unb @mpfinbfamfeit muffen
fiinauö, nur bie 33ernunft foü unö füJiren mit itirem
{)immlifd^ Haren 9lngeftd^t. Söorauf SlEiaäoer bemcrft:
„^at aud^ bafür feine SBaben nid^t!" 9^od^ beutlid^er

tjergleid^t ber Pfarrer bie nid^tärcürbigen «Sd^meid^kr,


bie eine glän^enbe ©ittentelire unb einen tugenb^aften
2BanbeI prebigen unb fid^ jroar ßf)riften nennen, aber
baä $ßerbienft ßl^rifti fd^mölern, rao fie fönnen, mit ben
rei^enben SBölfen im ©d^afspetj. ,,2öal^rf)aftig alle

S^ieligionöfp Otter finb menigftenä e^rlid^e Seute, bie über


baö lad^en, roaö fie nid^t fügten, unb einen öffentlid^en
j^einb l^at man rcenig gu fürd^ten; aber biefe l^eim=
lid^en fud^t auö eurer ©emeinbe ju fd^eiben, nid^t bafe

i^r iit in eurem (Sprengel ni(^t leiben moUt, fonbern


nur, bo| i^r fie als el^rlid^e ßeute »erlangt, bie be=

fennen, roa§> fie finb . . . ^d^ l^abe in meinem 2lmt


^efum fo laut geprebiget, ba^ fic^ bie Söiberc^riften ge=

fd^ieben l^aben, unb weiter braud^tö feine ©d^eibung.


3Ber ;3efum einen ^errn liei^t, ber fe^ uns mittfommen,
fönnen bie anbern auf il^re eigene ^anb leben unb
fterben, raolit befomme es i§nen. SBenn ber ©eiftlidfje

ein Mann ift, ber nid^t vom ißauptpunfte abmeid^t, fo


mirb unter ber ©emeine au^ fein ^voi^i entftelien,
l)ier liabt il;r mein unb meiner ganjen ©emeine ©lau=
bensbefenntni^/' Unb ebenfo erflören fid^ bie granfs

furter ©etel)rten Slnjeigen 1772, mag l)ier aud^ igerber


bas SBort fül^ren, gegen SBalirbts „@ben". „@s gel^ört

biefe ©d^rift ju ben neueren menfd^enfreunblid^en ^e-


122 2)oä t^riftuöCofe ß^riftentum (SB. 201).

inüt)ungcn ber erleud^tcten 5Hcformatoren, bie auf eins


mal bic 2Bett con bctn Oberreft beö ©auerteigä
fäiibcrn (33. 202 f.) unb unferm QtiialUx bie mat^t-
motij'd^e Sinie pifd^en nötigem uub nnni) tigern
©lauben üorjeid^nen wollen. 2Benn biefe Ferren fo
t)iele ober fo roenige ^^ilofop^ie l^aben, fid^ baä
3}ienf(i^enle]^ren ju erlauben, fo follte ifinen i§r ^erj
fagen, roie oiel unpetjbeutiger @eniu§, un^me^beutiger
2öanbcl unb nid^t gemeine Talente jum 33eruf beä
neuen ^ropl^eten getiören. 3Benn fie 9Be(terfaf)rung U-
fi^en, fo werben fie fid^ bex; einem großen ^ublüum
(unb baö grö^efte glauben fie bod^ cor 2lugen ju l^aben)
ungern erlauben, aud^ nur ben 2^erminologiepagoben
umjuftoBen unb aufjufteUen, menn fie bebenfen, rocld^e
l^eilige, iliren trübem tl^eure 33egriffe unter biefen
Silbern umarmt werben. 3Iber il)r ifonoflaftifd^er ©ifer

ge^t weiter. (Sie wagen fid^ an nid^tö weniger, als


üottfommen biblifd^e S3egriffe. 2lud^ biefer S^racftat

will bic ganjc Seigre ber ©d^rift oon bcm S^eufel


wcgraifonniren ; ein SSerfaljren, baö mit ber allgemeinen
2lu§legung§funft , aud^ be§ ftrcngften ®en!erö, ftreitet;

benn, wenn je ein 33egriff biblifd; war, fo ift es

biefer." @r liänge mit ber gaujen ßelire bes aJZorgcns


länberö oon ber menfd^lid^en ©eele 5ufammcn, wäre
auä) als eine alte 5ßorftcIIung8art üon bem ^rinjip
hH Übels el^rwürbig. „^ötte ber 33erfaffcr fidf; ben
©d^riften SJiofis aud^ nur als einem ber älteftcn 3)?ouu;
mcntc bes menfd^lic^en Öeiftes, als 33rud)ftücfcn einer
Ggijptifc^en ^^yramibe mit ©Ijrfurd^t ^n mljcnx wiffen,

fo würbe er bie Jöilber ber morgenlänbifd^cn ^id^t^


funfl nic^t in einer ^omiletifd^en ©ünbflut^ erfäuft,
a)et aJorfpfamr (SS. 206 ff.). 123

nid^t jebcs ©tieb biefes S^orfo abgcriffcn, gerl^auen,

unb in i{)m 33eftanbtt)eile beut[($er Unioerfitätäbegriffe

beä 18. 3a^r§unbert§ aufgebedEt fiaben. ©§ ift c!el=

l^aft anjufelien, wenn unä ein fotc^er ©cribent, roic

bicfcr, unterfd;eiben roill: ba§ ^at bie eroige Sßeiäs

lieit unter ber ©efd^id^te @ben§, unter bem 33ilb ber

©d^tonge geletirt, unb baö l^at fie nid^t geleiert." ©an^


anberö »erhalten fid^ bie 2tn3eigen 1773 ju unferer
groge in ber Slnjeige oon fiooaterä ^rebigt über baö

33ud^ ^onos. £at)ater §atte aU bie beiben großen


^einbe baö emporbraufenbc d^riftuölofe ßfiriftentum auf
ber einen unb bie »ernunftlofe ©d^roärmerei auf ber
anbern ©eite begeic^net. 2l(ö 9le§enfent fungiert fiier

offenbar fd^on SBal^rbt, ber fid^ getroffen fü^lt unb an


ßaoaterä 2luffteIIung fierumnergett^*').
2llä SSertreter biefes d^riftuölofen (£f)riftentums füfirt

©oetlie einen armen unb befd^ränften ©orfpfarrer


(33. 206. 260 f.) ein, an ben fid^ 6;f)riftu§, roie Se^
balbuä an ben ^ietiften (oben ©. 32), auf ber offenen
SanbftraBe anfd^lie^t unb ben ber ^id^ter als ein

gutmütiges (^. 206. 265) unb einfältiges ©d^af be*


jeid^net. ®ie ftetö mi§öerftanbene ©tette erklärt fid^

nur au^ ber Kenntnis ber materiellen SSerliältniffe

ber ®orf Pfarrer im 18. ^alir^unbert. ©ie l^atten in


ber Siegel nur ein ganj fd^led^teö ©el^alt; il^re ^aupt^
einnal^me beftanb in ben 3^^"^^" ^"^^^ 3lf3ibenjien

(SS. 209), bie nad^ ben Umftänben ganj oerfd^ieben


roaren. @ö gab reid^e S)orfpfarren, bie einer ©tabt*
pfarre oorgejogen rourben, roo bie 33eid^tgelber, bie
©ebüliren für Trauungen unb Seidjen eine
kaufen,
bebeutenbe ©innai^me oorfteHten unb aud^ bie 33auern ;
124 ®« ©orfpfarrcr (95. 206 ff.).

UcBcn in tüolll^abenben ©egenben i|rc ^farrfierrcn


an 33utter unb ^öfe, an ^ammtin unb ©änfen nid^t
ajiangel leiben (58. 190 ff.), ^n armen ©egenben
aber mu^te ber Pfarrer, ba bie Slfjibenjien nid^t alle

:3a^re gleid^ roaren, feine ©innal^mc mit ©emalt auf


bie ©tufe beä »ergangenen ^al^reö ju bringen trad^ten.

Unb baö gefc^al^ in ber Spiegel baburd^, ba§ er, um


nid^t gu barben, baö Slmt alö eine 2trt von ^aä)-
tung betrachtete, bie er alö £)!onom aufö beftc an^^
junü^en fud^te. 3)er SSorrourf, ba§ bie ^rebiger auf
bem Sanbe f eiber gu dauern werben, fid^ um geift=

lid^e 2lngelegen{)eiten unb felbft um bie ßel)re gar nid^t


mefir fümmern (58. 210 f.), felirt im 9totI)onfer immer
miebcr unb eö werben au^ Xr)])in oorgefüfirt. ©er
2lrd^ibiafon aJJadtligiuö l)at bie fxjmbolifd^en Sudler
befd^rooren unb ol^ne »iel ©tubium feine ©teHc er^

l^atten. ^e^t fümmert er fid^ nid^t me|r barum, neue


33en)eiägrünbe für fie ju fud^en, er übt aud^ fein 3lmt
gonj med^anifdl aus unb ocrroenbct feine S^it oielme^r
auf ^Wotion, auf ®raben unb ^pflanjen im ^Pfarrgarten,
TOO er als 5lenncr Sf^elfen unb 2^ulpen jieljt unb fein

^cbcrtjiel) töglid^ felbft füttert, ©r ift nur barauf be=

bttd^t, feine (Sinfünftc ju oermeliren; übrigens tut er

niemanb etroas 585fes (58. 265) unb gilt im gemeinen


Seben als ein ganj umgänglid^er Wiann. 2luc^ einen

anberen ^prebiger fü^rt ^licolai cor, ber feine 3ßit


ganj auf einem 2anbf)aufc jubringt, fid; nur mit ber
iianbroirtfd^aft unb bem ^oljlianbel abgibt unb bie

2lmtsgcf(^öfte einfad^ liegen läfet, wenn fie nidl;ts ein*

tragen. Unb 93al)rbt ccrfpottet bie ortl)obojen Sanb-

prcbiger mit bcn SBorten: [\t effcn ©d^bpfenbratcn.


2)er SJorfpform (38. 206 ff.). 125

trinfen SBein, jeugen ^inber unb fterben fett unb tebenäs


fott. ^n ©rtglanb tagen bie S5inge genau fo. ^m
©eiftlid^en ®on Duid^otte toirb ein 5ßifar eingeführt,
ber ben ^opf »oll von ^ergebrad^ten (Sinfünften l^at,

eiferfü($tig über feinen S^iec^ten wa^t, nid^t ungern


^rojeffe anfängt unb bie arnifeligen fetter ober 3ef)nten

nötigenfalls anä) hmä) ben Slboofaten eintreiben lä^t;


ein anberer fiot bie 3^^)"^^" oerpad^tet unb forbert jic

äwar aud^ genau, aber roenigftenö nid^t mit ©trenge ein,


unb raenn ber ^äd^ter 93erluft erlitten ^at, tä^t er ifim

fogar ein wenig nad^. S)ie ^orberung feftgefefeter unb


anftänbiger ©etialte wirb in ben beutfd^en S^iomanen oft
erlioben. 9Bie ganj anberä fie^t ba§ ^beat beä proteftan^
tifd^en ßanbpfarrerö au^, baä ©oet^e fpäter in 2)id^tung
unb Söa^rfieit auf ©runb beö Sanbprebigerä oon 2Bafe=
fielb entworfen fiat! §ier unb in unferen Fragmenten
fielet ©oet^e aud^ bem i^beal gegenüber, ba§ 9iouffeau
in bem »ierten Sud^ beä ©mil in bem fatfiolifd^en

33i!ar entworfen l^atte, aud^ er ganj t)om ©tanbpunfte


eines gefü^tooHen Deismus mit SSerad^tung aller ©ogmen
als bloßer äu^erlid^er ©gmbole. ^fim gegenüber tritt

fd^on ©oetl^eö Pfarrer, aber in toleranter Sßeife, für


bie Offenbarung ein. ^enfelben ©tanbpunft f)at fd^on
frülier 3JJöfer, fpöter Berber in ben ^rooinsialblättern
eingenommen, wo baä ^beal beö ©orfpfarrerä mel^r
nad^ ber geiftlid^en unb geiftigen ©eite liin entroidfelt
Wirbel).
3Son biefer 3lrt ift atfo aud^ unfer ©orfpfarrer, ber
fid^ offenbar in ber ©tobt um eine befferc Pfarre um=
feigen roitt. ©r liat eine fleifd^lid^ gefinnte ^rau gum
S3ettfd^a^ i^. 208), alfo oiel ^nber unb ift oon ben
126 2)er 3Kiproud^ mit beut 3?amen ß^rifti (SS. 213 ff.).

3c^nten abl)ängig (33. 209), fo bojs er @ott im Fimmel


brobcn in diui)t läfet, b. 1^. fid^ um if)n nid^t befümmert,
fonbern if)n nur bagu benu^t, fid^ auf ©rbcn mög^
lid^ft Diel (SJuteö ju oerfd^offcn ($8. 210 f.). 3)icfem btofe
auf baö ig^bifd^c bcbad^tcn Pfarrer gegenüber bringt
ber ^eilanb nun bie 9?ebe auf ßl^riftu§, wobei er in
i^m einen ber bloßen 9fiamend^riften fennen lernt, bie
groar, jo oft ber 9?ame ß^riftuä fäHt, ben ^ut lüften
(33. 215), ifin felbft aber nid^t mit bem bergen, fon=
bern bIo§ mit bem 93erftanbe erfo§t (93. 217 f.) unb
ibrer 33ernunftreligion feinen 3^amen gonj äu§erlid;
aufgel^eftet l^aben (33. 219). ©o meint aud^ ber bricf=

fd^reibenbe ^ube, bie ^rebiger rebeten ^eute nur nod^


fo ßl^ren (lalber oon ^efu bem (5Je!reugigten unb feinem
©oangelio, weil fie einmal unter ß^riften lebten unb
fid^ t)on i^rem ©d^malje näl^ren müßten ; oieHeid^t föme
balb bie Qdi, roo es ilinen angejeigt erfd^einen roerbe,
biefc leeren, unoerftänblid^en, fettfamen 2Borte ganj n)eg=
juroerfen. Unb ber ^eripotetifer röt feinen 2lnbeteru,
\f)n, mcnn fie il)n roirflid^ liebten, bod^ lieber im ^erjen
als im Silbe ju oereliren; er erfäl^rt aber leibcr aud),

roie man fid^ jraar überall mit bem größten ©tolj nad)
il)m benennt, fid^ aber feine aJZülie gibt, i^m in feinen
(Bcfinnungen unb in feinem 33erl)altcn ät)nlid^ ju roer^
ben. SBeld^er 3J?i&braud; aber in jener 3cit mit bem
SWomen befi (Srlöferö getrieben rourbe, bas erfieljt man
auH) bem „Sfiot^anfcr", roo eine ©teile am einem pietiftis

fd^en ©rbauungöbud^ jitiert roirb, bie oerlangt, bafj man


jcbcn 93iifen ©rot, ben man in ben aJhntb ftecfc, glcid^s

fam im ^eilanbe ocrjclire unb aud^ im Sfiamcn ^cfu


auf ben 3Ibtritt gcl;c. Öoctlje l)ai nod^ fpätcr hti (Scfer*
3u SBerg 199—202. 127

monn barüber geklagt, ba^ ber 9Zame @ottc§ ben ©eift*


tid^en, bie i^n t&Qliä) im aJJunbe führen, gu einer ^firafc,
gu einem bloßen 9^Qmen merbe, mobei fie fic^ anä) gar
nid^tä benfen^^).

SB. 199: 3)cr @inn ift unoerf ennl&ar : Hi ben Äatl^oKfcn baä
iireus on allen Orten, Bei ben 5ßroteftanten nur in ber Äird^e.
Umfo auffälliger ift bag Sßort „Äird^fal^n", boS nur oon ben
fotJ^oIifd^en e^al^nen gefiraud^t roirb, bie Bei ben ^ßrojeffioncn
j^erumgetragen loerben, fonft in ber Äird^e fielen. 3)ie jroeitc
SBebeutung: Sßetterfal^ne, Sßinbfal^ne am Äird^enturm ipaißt l^ier

nid^t. ®ä mu^ alfo rcol^I aBftd^tlid^e Siraoeftie be§ ^roteftonti;


fd^en inä Äotl^olifc^c »orliegen: ba§ Äird^enfreuj ift Bei ben
?ßroteftanten, raa§ bie Äird^enfal^ne Bei ben Äatl^olifen; an eine
j^al^ne ift natürlid^ nid^t ju benfen.
$8. 201 : „©Ott" ift ftarf Betont.
Sß. 202: S5er 2lrtifel „©ouerteig" im Seutfd^en SöörterBud^
VIII 1874 f. ift nid^t oollftänbig, er lä^t eine ^auptBebeutung
oermiffen. @§ ift ein burd^ ®ärung gefäuerter %eig, mit bem
ber Srotteig angemacht wirb. Sitblid^: ttrvaS, baä burd^ eine
f leine gärenbe Qntat felBcr in ©ärung gefegt rcirb, cntroeber
in gutem ©inn ober in fc^Ied^tem. S)arouf Berul^t ba§ Silb
üom ^immelreid; 33 unb Su!og 13, 21 (giltfd^);
Bei Wlatif). 13,

biefe SBebeutung liegt, im guten ©inn, auc^ ber 2(u§Iegung beä


^eilonbg 33. 204 f. unb ber ©teEe im SBertl^er (SGBeim. SluägoBc
XIX 97) in ®runbe: „2)er Sauerteig, ber mein SeBcn in Se;
roegung fe^tc, fel^It; ber ditii, ber mid^ in tiefen 3läd^ten munter
erl^ielt, ift i^in"; im fd^Iimmen ©inne l^ei^t eg 9JJatt^. 16, 8:
„^üUt tnd) Dor bem ©auerteig ber ^^orifäer." @ine onbere
S3orftelIung aBer liegt bem Silbe vom „alten ©auerteig" (58. 203)
SU ®runbe, ba§ auf bie aSiBelfteUc 1. Äor. 5, 7 äwüdfgel^t;
„{Jeget ben alUn ©auerteig aug, auf ba^ il^r ein neuer 2;eig
feib." §ier l^anbelt eg fid^ um einen ©ärunggftoff , ber felBft

fi^en geBlieBen ift unb bie ©ärung nid^t Bewirft, fonbern oer^
^inbert; ber auggefto^en roerben mufi, roenn bie ©ärung enbs
lid^ SU ftanbe fommen foU. 2)a§ 33ilb wirb im 18. 3[al^rl^unbert
3U ^obe gei^e^t. SBon ber 3ieligion: „bie SSolfgreligion oon
128 3« S3cr§ 202—206.

alTem papiftifd^en Sauerteig reinigen", ^orftcr, Äleine Sluffö^e,


DLD 128, yiot^.II 127; iübifd^er ©ouerteig, ^er. I 230: ^ala--
9ianif(|cr Sauerteig, 9iot^. III 22. S8on ber ^olitit: „e§ ift

üBeratt nod^ alter Sauerteig genug", planer unb 9lei|mann,


©eunte 170; „mufi e§ jebem red^tfd^affnen 3!Kannc erlaubt fein
3U fogen, ba^ alter Sauerteig alter Sauerteig fei," a. a. D. 260.
äiagettietn: „ic^ banfe ©ott, ba^ id^ ©egenroart beä ©eifteä
genug l^atte, meinen UnroiHen ju oerBergen, um ben alten Sauer=
teig nid^t aufjurü^ren," ©. oon ber 9tedfe (giod^el) I 208. ©oetl^e
im gouft SS. 1779 unb Bei edtermann 4 I 24: ©^riftu§ unb
Sut^crg 2lnftd^t fei burd^gebrungen, ba^ ber alte Souerteig axi^--

gefeiert werben muffe. TOit „Sluäfc^euern" (33. 203) aud^ Bei


Qean ^aul: „bie 2lu§fd^euerung be§ alten Sauerteiges", ^efperuä
I 87. 3n einem »rief Settinenä oom SierBrouen, nid^t oom
Srote, geBrauc^t (geftgoBc für Surf^arbt 84): „i(^ roünfc^e oon
^erjen, ba§ il^re Sßerföl^nung erft burd^gegoren unb ben alten
Sauerteig auägeftofien l^aBcn möge, bamit baS ®eBräu enbUd^
einmal genie^Bar roerbe."
SS. 204: „Sefurd^t", bie alte g=orm, Bei ^omann, Sefftng u. a.
Beregt (^a^rBud^ VII 369).
SB. 205: „aRa^fuc^en", baä ungefäuerte iübifc^e DfterBrot in
Äuc^enform, rooju olfo fein Sauerteig nötig ift. „Si^en BUcB":
nic^t im ^alfe, wie Soeper meinte; fonbcm au8 ber 3}ädfer=
fproc^e: nid^t gären, nid^t treiBen, nid^t aufgellen.
«.206: „©ciftlic^ Sc^aaf" ift mvUid^ alö Schimpfname ,ut

oerftel^en, aBer nid^t fo betB gemeint, wie in unferen naturalifti=


fd^en a)romen. 2)ie aut^entifd^e (Srflärung giBt ber SSrief beä
Mtorä (2). i. 0. II 216), ber feinen 2lmtöBruber jung unb frieb=
fertig nennt, oBer nid^t fd^roac^: „benn freiließ iftö aud^ tein
»orteil für bie .^erbe, roenn ber Schäfer ün Sc^af ift"; unb
oom ^atcr »ret) ^ci&t eS (a. a. D. III 221), ba$ er „Blörft unb
trottelt roic ein fiomm". 3Jlit ben SBiBcIftcaen, bie greif d^en ben
t>itten unb ben Sc^ofen, unb bonn reieber jiuifc^en ben Schafen
unb ben ©ödfen untcrft^eiben (3ol^. 21, 15 f. u. ö.), ^at bie Stette

olfo ni(^t8 8" tun ; ba aber unter ben Sd^afen in ber Siegel bie
tpfarrfinber gemeint flnb, fü^rt bafl «Dort leidet in bie Qrre.
3m gereö^nlic^en @{nne geBrau($t (^oetl^e ba0 3)ilb oBen $. 184
Seä Sanbcä 3Ktttett^rort (SS. 220—233). 129

»on ben tDeltrid^en Untertanen unb 2). j. ®. II 229. III 214,


^empel XVII 376 »on ben gciftttd^en.

SS. 207: „l^ol^em SBege" ift eine tebiglid^ auä metrifd^cn ®rün=
ben cntftonbene 3n>citeilung be§ Äompofitumä „^od^roeg" = Sonb^
ftra^e mit bammartiger ©rl^öl^ung.
SS. 208: „modflig" ift mir fo wenig alS einem anbern jroeifel«
log erflärBar. Soeper tneift „3JtaM l^aBenb, fränflid^" jurüd unb
nimmt „mäMnb, frittlid^" bafür an; il^m fd^Iie^t fid^ bog Seutfd^e
SCßörter5ud^ on: „mäfelnb, frittelnb, an allem etroaä auä=
fe^enb." ^n bem 3"foinmen^ang ift biefe 3lu§Iegung iebcnfoHä
nid^t ficgrünbet, unb ba jeber onberc a3eleg fe^rt, aud^ fel^r un=
fidler, ©anboo^ oermutet „gemäd^lid^" (^al^rBud^ VII 369).
3)ün^er fennt ein rl^einifd^eä Sßort, ba§ fett, fleifd^ig bebeutet.
3)ag pa^t am beften; benn ba^ bie j^rau nid^t auä Äranfl^eit im
SSett liegt, fonbern eä fid^ im SBett no^l fein tä^t, ergibt fid^
auö bem Sufamwienl^ang. 2Cn ben 9iamen aJiatfligiuä im 3lot^s

anler ju benfen, ocrbietct aud^ bie ©l^ronologie.


SS. 211 ift ju f onftruieren : „er lie^ ®ott fid^ aud^ roaö ju
®utt t^un." a)ie Äonftruftion ift freiließ ^art, aber „Um" ftatt
„Unb" (wie Stiemer unb ©dfermann fd^rieben) mad^t bie ^nbe^
rung „ju &ut ju tl^un" nötig, bie in ber ^anbfd^rift leinen
2ln^ort finbet.
SS. 217: „brum" = beä^alb bod^.

220 Sie toaren halb öer StaM fo nalj,

t)aff man bie Cürne flärlid? fatj.

2Idi, fprad^ mein 2T?ann: Ijicr ift öer 0rt,


Miller lt)ünfd?e fidjrer ^riebensport.
Sl'iev t|i ÖC5 Canöcs TXlitteltroiin,
225 (Seredjtigfeit unb Heltgion.
Spebiren t»ie öcr Seiserbrunn
Petfdjirt ifjren €influff ringstjerum.

Sie famen immer näfjer an,


Saii immer ber ^err nidjts feinigs 5ran.
230 Sein innres ^utraun «?ar gering,
2II5 n>ie er einjl 3um 5etgbaum ging.
üKinor, ©oet^eS etDiger 3ube. 9
130 2)« 5etgen6oum (SB. 231 ff.).

IDoflt aber 6od} eben toeiter geljn,


Unb iljm redjt unter öie 2Iefle feljn.

©ic fomntcn in bie Sflöiic ber ©tabt, bie fein 33cs


glcitcr bem ^cilanb aU ben Ort bcjeid^net, too alle, alfo

oud^ njol^I feine eigenen SBünfd^e auf Slnftettung ftd^ere

erfüttung finben (33. 223). @& ift ber <B\^ ber l^öd^=

fien geiftli(]^en S3eprbe bes Sanbeö (33. 224), geroiffer^

mafeen baö Dbertribunal in ©laubenöfad^cn, roo bie

©ered^tigfeit (im geiftfid^en ©inne) unb bie ^Religion

felber ju ^aufc [inb (93. 225). 33on l^ier aus ma^t


baß offijiene ©^riftentum feinen ©influ^ im gangen
ßanbe burd^ ©büte unb SSorfd^riftcn geltcnb, bie wie
bie ^lafd^en mit ©elterfer SBaffer oerfiegelt im Sanb
^erumgcfc^i(ft merben (33. 226 f.). Slber je naiver fie

!ommen, umfo weniger ß^riftlid^cö finbet ber ^err an


ber ©tabt (33. 229) unb er verliert oon üornl^erein jebe

Hoffnung (93. 230). ©r erinnert fid^ an bie biblifd^e

(Srjäl^lung bem j^eigenbaum, oon bem er einft


t)on

^ungemb ^^rüd^te nehmen roollte, ber aber nur 33tätter


trug unb barum oon i^m jum 93erborren oerurteilt
tourbe. ©oet^e ^at t)icr bie erjä^Iung ber beiben
©oangelificn aufs gludtlid^fte fonigiert; benn baö ter-
tium comparationis unferes 93ergIeid^cS: ba§ ber ^err
oon oornI)crein feine iooff"""Ö Q"f %^üd)U fiatte, finbet

[xä) roeber ' bei 3Katt^öus (21, 19) nod^ bei aJlarfufi

(11, 13). 93ei bem Unteren tritt ei^riftuö nä^er dcran


(83. 232 f.), ob er nid^t ^rüd^te fönbe ; aber ber (Soan*

gelift fogt fclber, ba§ um biefc ^a^reöjeit feine ^rüd^te

ju erwarten geroefcn feien. S)aö ift nid^t bloü wegen


ber 3lttn)i|fcnf)eit G^rifti auffäHig, fonbern aud^ beä=
S)ie ©tobt ift nic^t SBcrIin (SS. 220 ff.). 131

l^alb, votxl er ein anbereä WtM (3Jiattf)äuä 24, 32) bie


jünger gerabeju auf bie (gntiüidElung be§ Feigenbaumes
oufmerffam mad^t. ©oetl^e fiat voo^ aud^ biefe «SteEe

im ©ebäd^tniö gefiabt unb fie unberau^t mit ben ans


beten in SSerbinbung gefegt, ©eine 9Jleinung ift : bafe

eiiriftus t)on Dorn^erein ju biefer 3ßit feine grüd^te er*

njarten fonnte unb erwartet fiat.

9Wan l^at gemeint, ba§ ©oetfie bei ber ©tabt bireft


an 33erlin gebadet l^abe. 2lber ba§ ift feineäraegs ber

^aU. ©ine fold^e geiftlid^e ^^"tralftelle gab eö ja in


allen proteftantifd^en Säubern; für ©oetfie lag ^ranfs
fürt felber am näd^ften, auf baä aud^ (58. 281) bie ^^er*

minologie Ijinmeift. 3^ad^ ^Berlin gingen bie ©ebanfen


©oettieö bamalö nid^t; unb aud^ bei genauerer Kenntnis
ber SSerpItniffe ptte ifim baö ^Berliner ^ird^enregi*
mcnt unter ^riebrid^ bem ©ro^en feine g^arben leiten

fönnen. 2)enn es mar feinesmegs ein ftrammeö di^Qu


ment; mie griebrid^ ber ©rofee jeben auf feine SBeifc

feiig merben lie^, fo waren aud^ bie 33ranbenburgifd^en

Sänber bamals doH von ©eften unb Parteien. S^icolai

fü^rt einen ^rebiger ein, ber einem 5lanbibaten auS:


einanberfe^t, mie notroenbig ein fiierard^ifd^es S^legiment,
ein ^apfttum fogar, für ^reu§en märe, „^enn wer gibt
2ld^t, raas ein elenber ^rebiger fagt? I^ingegen roo ein

©rjbifd^of fprid^t, muffen bie greigeifter fd^roeigen."

2lud^ an ben proteftantifd^en Orten fei bie Sileligion nur


bort gead^tet (33. 225), roo ben ©eifttid^en ein ©d^atten
2tutorität übrig fei: er nennt ©oeje in Hamburg unb
Biete onbere SJ^itteltfirone, im ©egenfo^ ju SBerlin, roo
bie ^rebiger of)ne Slnfe^en feien, roeil fie vernünfteln
unb beroeifen roollen, anftatt ben Seuten ju imponieren.
132 2)aS offtstettc ©^riflentum (58. 224 ff.).

i^ncn ben Räumen auf baä Sluge ju brüdfen. S)ic

Säten muffen cinfad^ glauben, roaä il^nen an ©otteä


©tatt gefagt roirb, barauf mu§ man bringen! ^ie
©ogmati! fei eine 2lrt oon ftatutarifd^em Dted^t, ba§
man einfad^ annel^men muffe. 5Die Sibel unb bie

frimbolifd^en 33üd^er, bie feit bem 16. ^al^rl^unbert fö

unoeränbert geblieben feien wie bie ^leibung ber ©eift;


lid^en, l^ätten §ur SRtd^tfd^nur gu biencn ; in ben ©pnobal=

befd^Iüffcn unb Sel^rformularen, bie bie ^ird^e angenom^^

men unb bie Dbrigfeit beftätigt fiabe, fei ber fidlere


3Beg gum ^eil corgefd^rieben. 5Diefeß offizielle 6^riften=
tum ift in Berlin aber erft nac^ bem ^obe ^riebrid^§
be§ ©rojsen burd^ ba§ SQSöHnerfd^e 9ieligionöebi!t jur
igerrfd^aft ge!ommen, ba§ nid^t bloB für baä ^rebiger=
cjamen, fonbem aud^ für bie ganje amtlid^e STätigfeit

ber Pfarrer S^iegtementö, SSorfd^riften, autorificrte

Sudler (^ated^iämuö, ©efangbud^, ^rebigtbud^) jur


j^olge l^atte. Slud^ bamalö nod^ berief man fid^ auf
bie 2lbjid^t, bie d^riftlid^e Dtetigion in il^rer Sleinl^eit

ju ertiatten ober IjerjufteUen unb ben Unglauben unb


Slberglauben ju oerbannen. i^^ber Se^rer beä 6^riften=

tums l^otte ju leliren, roaö bem oon ben Obern beftimm^


ten unb feftgefe^ten Sel^rbegriff feiner Siieligionspartei

entfprad^. ^Damals (1794) erfd^ienen bie umftänblid^cn

„Slnroeifungen für bie coangelifd^slutlierifd^cn ^rcbiger


in ben prcufeifd^en Sanbcn, jur geroiffenl;af ten unb
pedfmäf^igcn ^til^rung i^rcö 9Imtes". ^as waren geift;

Uc^c ©eljerroaficrflafdjien, mie fie ©oct^e aroaujig ;3ial^re

früher im 3lugc ^atte«»).

B. 221 : „lürne" ift bei bem jungen Woet^e nod^ bie l^err«

f($enbe gfotin: a- «• 25. j. «. II 40. „riärtic^" = beutlic^; fttar»


3u SBcrä 221—232. 133

l^eit war oud^ fpätcr ein Siefilinggroort ©octl^eg, ©efpräd^e 1 191.


IX 63.
aS. 222: „mein aßann": ber Scgleiter 256. 260.
35. 223: S3gl. 2). j. ®. III 703: „2)cr jroötf Xtirannen
©d^anbenport."
33. 224 : „3RitteIt]^ron", ber mittlere, unb bal^er l^öl^erc unter

ben Xl^ronen (oben ©. 67), ber olfo üBcr ben ©i|en ber ^Pfarrer
ftel^t. ©ine iReubilbung ©octl^eg nad^ htm ajlufter oon 3Kes
tropoliS.
SS. 225 : „©ered^tigf eit" nid^t im juribifd^en, fonbcrn im gcift^

lid^cn ©inn, nad^ bem SBibelroort : „©ud^et auerft nad^ bem SReid^

©otteä unb feiner ©ered^tigf eit , baö übrige wirb eud^ gegeben
werben." S5ie ^onbfd^rift l^ot l^ier ^unftum, bog fonft oft
genug am ©a^fd^Iu^ fei^lt, alfo ftärferc 33eod^tung oerbient.
33. 226 ift, raie fo oft, ba§ ©ubjelt ju ergänjen (er:
33. 25. 98. 130. 178. 213. 232. 236. 238. 241. 261 f.; bu:
35. 15 f.; fie: 33. 47. 60 f. 89, m bag ©ubjeft oud^, roic an
unferer ©teile, erft auä htm Qufammenl^ong ju ergönjen ift;

237. 268).
33. 226 f. ift Bon Soeper fe^r gtüdlid^ avi§ ben 5ßl^9ftognomi=
fd^en 3fleifen oon SDluföuä II 166 erläutert roorben: ber ©d^ur=
meifter »on ©elterg l^otte baS ^rioilegium, gegen ©ebüi^r bie
Ärüge ju füllen unb ju petfd^ieren. — ©oeti^e an ©i^riftiane
1814 (2ßeimarg geftgrü^e ©.96): „2)ir. ©c^Ioffer fpebirt haä
©d^roolbad^er 3Baffer nod^ ©ifenad^, an 33ürgermftr. ©eljer."
grau 9tat an bie Urcnfel (©. 19) : „2)aä ©tüdfgen ift fpebirt."
©ineä ganj öl^nUd^en a3ilbeg bebient fid^ ©oetl^e im „Dine ju
Soblenj" (2). j. ®. III 352), roo Saoater bie Offenbarung auf--

ftreid^t,

2)ic unä Qol^anneg ber 5ßropl^et

SJiit SRätl^felroort oerfiegeln tl^et;

(Eröffnet bie ©ieget furg unb gut,


SBie man Xi^eriafäbüd^fen öffnen tl^ut.

33. 228 : „an" = l^eran.

33.232: „eben", rl^einlänbifc^ (^feftfc^rift für ^ilbebranb 69).


Urfouft 373: „fann cud^ nid^t eben ganj »erftel^en".
134 S)ie ©jcttc mit ber 2;om)ad^e (S8. 234—255).

So famen jtc 5«nn unters Ctjor,


235 CIjri|ius fam iJjnen ein iremöling vot,
unb einfad^ Kleiö,
£iet ein eöel (5efidit
Spradjen: 5er ZlTann fommt gar idoIjI »eit,
5ragt ifyi 5er Sd^reiber toie er Bjies?
<£r gar 5emütig 5ie IDorte lies:
240 Kin5er, idi bin 5e5 2TTenfdjen 5o^n.
Un5 ganj gelaffen ging 5aDon.
Seine IDorte Blatten oon ieljer Krafft,
Der Sdjreiber ftun5e »ie pergajft,
Der IDadje roar, fte mufft nidjt roie.
845 5ragt feiner: »as be5ienen Sie?
<£r ging gra5 5urcfj unö roar üorbey.
Da fragten jte jtdj überley,
2llsin Happort fte's ujoHten tragen,
IDas tljät 5er 2Tlann furiofes fagen.
«60 Spradi er tootjl unfrer 5^afe ^ol|n?
(£r fagt: er n>är öes ZHenfd?en Soljnl
Sie 5adjten lang, 5odj auf einmal
Spxadt ein Sran5tn>einger Korporal:
IDos mögt iljr eudj 5en Kopf serreiffen,
286 Sein Dater Ijat xx>om 2Tlenfd] get|eiffen.

^ic ©jene mit ber ^ortoad^e gcliört ju bett fd^5n=

flen bes ®ebi(3^t§. 9J?an fül^lt beim bloßen Sefen, toic


l^ter olles aus beut Sebcn gegriffen ift. 9Bir fönncn
baö aber auci) an bcn fulturl^iftorifd^en SJoraufifefeungcn

beö Silbeö nod^töeifen. Slotl^onfer unb ber ^ietift

roanbeln cbenfo unter geiftlid^en ©cfpräd^en burd^ bie


^eftung ©panbou unb unterbred^en fid^ nur, um beim
hereingeben unb $erauögel)cn bie furjen jji^ogen ber
road^t^abenben Unteroffijierc (93. 253) ju beanttüortett,
bie ein paar fo unanfe^nltd^e ^affagiere nid^t bcö 2lufs
^u ©acttc mit ber Xoma^e (SB. 234—255). 135

f(^reibenö ober 9Ketbcnö (33. 248) wert l^atten. 9^0(j^

genauer ftimtnt eine ©jene in ©opl^ienö Steife:

„^i^ bin," fagtc ber junge Tlann mit 3ittcrn, atä bct Unters
offijicr (33. 253) ouä ber Sli^orroad^e ju unS trat , „id^ 6in ein
Canbibatuä."
„2Ba§ ift'ä?" fragte biefer, „ein ©onbitor?"
„3a, ein ©anbibatuS." ^d^ rooCte bciben (benn ber SUlenfd^
roufftc nun nid^t, roaä er in ben SRapportjcttel [Sß. 248] fe^cn
fottte), au§ ber Verlegenheit Reifen unb fagte: „ein ©tubent."
„9?cin, id^ Bin fd^on ein ©anbibatuä."
„2öaä bebienft?" (SS. 245) fagte ber Unteroffiäier unb bct
§err in „uä" fragte bagcgen: „2Bic oerftel^t man baS?" —
„®vit" fagtc jener, „xd) roerbe fe^cn: unter bie ®änf'."
„211^!" rief ber ©anbibat mit einem finbifd^cn Socken, „ber
aWann nennet bie grauenäperf onen gar (Sänfe ; boä l^ab id^ oudj
nod^ nid^t gcl^örct!"

^ier l^aben wir baö 3)'letben)efen ber S^K ^it bem


Korporal, ben reglementmäBigen j^ragen, bem 3JiiB=

oerftänbniö beä S^amenä unb mit jebem !(einen 9?ebens


jug, mie in unferem Fragment, ©oetl^e f)at aber biefe
im 2tUn gegebenen $ßorau§fefeungen ju einer groB*
artigen SBirfung üerroenbet. 3)ie S^orroad^e plt ben
^eilanb für einen ^rembling; aber feine eblen 3üge
unb fein f(|li(^te§, aber einbringlid^eö 3Bort ($ß. 239,
242) mad^en auf fie benfelben tiefen ©inbrucf, ben in
ber S3ibel alle empfangen, bie mit bem ^eilanb in
Serül^rung fommen. SBäl^renb ber 3Serfaffer ber ^eri»
patetüer ben ^eilanb gleid^ im ©ingang auöfül^rlid^

abfd^ilbert, al§> einen 3Jiann oon fd^önem Körperbau


unb liebtid^er ©efid^täbitbung, in ber f^üHe ber ©efunb*
l^eit, mit unfrifiertem ^aar, ba§ in fd^önen, natürlid^en
Sodfen über bie ©d^ultern J^erunterroallt, mit einem
136 3» 3Set§ 239—245.

ftmplen %tad qu§ gutem afd^graucn Xu^, fd^ilbert


©oet^e nur bie SBirfung, bie er fogar auf ftumpfe,
burd^ ben Seobad^tungöbienft gteid^gültig geroorbene
Sfiaturen mad^t, unb bie fo groB ift, ba^ il^nen fogar
bie üblid^en f^ragen (33. 245) auf ben Sippen erftcrben.
2)ie groBartigfte i^ronie liegt nun aber barin, ba^, tro^=
bem fie feine ©egenroart unb bie ^raft feine§ 2öorte§
gefüllt l^abcn, fie il^n bod^ nod^ cerfennen, felbft nad^=
bem er fld^ i^nen mit bem S^amen (33. 240) genannt,
beffen fid^ aud^ ber biblifd^e ßJiriftus in ber Stieget be=
bient, menn er feine SBieberfunft anÜinbigt. ®ö mar
ein genialer @eban!e, ben ^eilanb, ber nid^t lügen
!ann, vox bie 2^orroad^e ju fül^ren unb ju §mingen, fid)

mit ^fiomen ju nennen; unb roirffamer fonnte bie atts

gemeine 3Ser!ennung ßl^rifti nid^t bargefteHt roerben^


als menn fid^ felbft l^armlofe ^Raturen, benen er fld^

mit SRamen genannt l^at, ben ©ebanfen an il^n burd^


einen fd^led^ten Äalauer (33. 255) aus bem 5lopf treiben
laffen»*).

S. 289: „bcmütig" = fd^nc^t; „lic^" = crlicfi , baS ©imprcj


für haä 5totnpofttum, baä ttmai ^o^ütSvoUti an ftc^ l^at; man
fagt fon^ nur: einen SBcfe!^!, ein öd^reiben crlaffcn.
SB. 240: 2)cr «uäbrud „9Rcnfcl^cnfol^n" gel^t auf baä 9«tc
Xcflamcnt (a)onicI 7, 13) 3urü(f; im 'i)hutn 3;eftament an iaf)U
lofen ©tettcn: aWarfuä 10, 44 f.; 14, 62; 8, 38; SWott^. 26, 31;
£ur. 17, 24 CSiim.
a. 241 : „geraffen" ift fd^on ein fiieWingäroort beä jungen
®oet^e, aßerbing« no(^ in ber naiver liegenben 58er6inbung mit
Setben bet öcroegung „geloffen fortroanbeln", 3). j. ö. II 241.
:

«. 244: Jouft 2756: „Gö ift mir fo, id) loeifi nic^t loic."

S. 246: 2)ie übü^t ^rage (oben 0. 135) bebeutet: roeld^e

«ebienung (Im go^r^unbcrt fo »iel alß: Mmt, »eruf) ^aben


18.

6ie? „mnt bürgerliche »ebienung", SBil^elm a^eifter I 14.


2)ie ©jene oor h^m ^aixä beä D6erpfarrerä (SS. 256—290). 137

33. 247: „ühetUi)", Slbclung: nur in ben gemeinen unb


niebtigen ©pred^arten für „üBrig" üblid^eö SlboerB. SSgl. ^empel
III 327: „fein matt im SBuc^ ift üßerlei" (alfo nic^t: über-
ffüffig, fonbern, 3ufommen§ong anh^ut^t: nod^
rcie aud^ ber
ÜBrig, leer), ^ier fann eg nur ben ©inn l^aben: l^interl^er.
5ß. 248 bebeutet m^l: in btn 3iop|)ortaetter (oben ©.134)
eintragen; faum: jum münblid^en Sflapport tragen.
SS. 249: ;3ft Dielleid^t, tro^ ber i^nterpunüion, fd^on alä
bireftcr ^ragefa^ gemeint.
aS. 250: $^ube 59, „ben SBäd^tern giong §o§n fpred^en."
„Unfrer 5«ofe": unä inä ®eftc^t.
33.254: „SOßaä raiaft bu bir ben Äopf jerbrec^en?" ©ettcrtä
gabeln, l^erauög. »on Älee, Seipjig 1889, I 140.
33. 255 : Stiemer unb @dfermann l^aben baä SBort „3Kcnfd|"
fperrcn toffen; betont ift ober »ielmel^r ba§ SBort: „gel^eiffen".

Crifi fpradj 3U feinem (ßleiter bann:


So füijret midi 3um (Sottes Ztlann,
2)en iljr als einen foldjen fennt
Unb il|n ^err 0berpfarrer nennt.
260 Dem JEjerren pfaff bas frabeln tt|ät,
XVav felber nid?t fo i^odi am Bret.
J^ätt fo »iel ^äut um's ^erse ring,
2)aff er nid)t fpürt mit roem er ging,
^udi nidit einmal einer (Erbfe gros.
265 Dodi voax er gar nidit £iebe los,
Unb öadjt, fommt aües ringsl|erum,
Verlangt er ein Viaticum.

Kamen an's ©berpfarrers J^aus,


Stanb »on uralters nodi im (Sansen.
270 Deformation Ijett iljren 5d)maus
Unb naBjm 6en Pfaffen fjfof unb ^aus,
Um roieber Pfaffen 'nein 3U pflansen,
^ie nur in allem (5runb ber Sadian
Ztluliv fd|tt)ä55en, n?cnger (ßrimaffen macfjen.
138 S5tc ©acnc vox bcm ^aü§ be§ DBerpfarrcrä (35. 256—290).

275 Sie flopften an, fte fdjellten an,


Weis nidjt Bcfiimmt toos fie gctljan.
(Scnug öie Köcfjinn tarn Ijeroor,
2tii5 öer 5d|ür3 ein Krautt|aupt »erloljr.
Unb fprad?: öcr ^err ifi im Conocnt,
280 3ljr Ijeut nidjt mit iljm fpredjen fönnt.
IDo ifi 5enn öas Conoent? [pradj (Crifi.
IDos Ijilft es eudj, wenn iljr's audj toifft,
Oerfest i>ie Kodjinn porrifdj örauf,
2)af|in gctjt nidjt eines ieben €auf.
285 2Tiögt's bocfj gern irijjen! tljät er fragen.
Sie Ijätt nidjt fjers es 3U oerfagen,
IDie er ben VOeeg 3ur 2X>ei6Iein 53rufi,
Oon alten ^ßit^n tcotjl nodj »ufl.
Sie seigts ifjm an unö er tljät get|n,

290 lüie iljr's halb toeiter »erbet feljn.

6f)riftuö rcriangt in bcr ©tabt ju bem Oberpfarrer


gefütirt gu werben, rocld^er ben 9luf eines redeten SKannes
®otte§ ^at, ein ©l^rennante, ben bie 33ibel bem 9Wofes
beilegt (93. 257, rgl. 50). $Dcr XM eines Ober::
Pfarrers ift mir fonft nidjt begegnet; ©oetl^e bürfte bas
SBort ©uperintenbent ins ^eutfd^e überfefet fiaben, roeil

efi in ben furjen 93crfen fd^rocr ju oerrocnben toar. ^en


3)orfpfarrer, ber es felber nur ju einer mäßigen ©tels
lung gebrad^t f)at, ärgert es, ba^ fein ^Begleiter fo l^od^

I)inauf roitt, oon beffen ©ottl^eit er in feinem ©erfd^tofs


fenen ^erjen nid^t bie geringftc 2lt)nung l^at, in bem
er nur einen reifenben 5lanbibaten ober ©tubcnten oer^
mutet, ber ben Oberpfarrcr um einen 3c^i^pf cnnig
bitten roill, ben er i^m aud^ oon ^erjen gönnt, ^n
ben geiftlid^en Slomancn roirb bie ed^te ober gcl^eud^ette
aWenfc^enliebe ber frommen (93. 265) oft berührt. Sie

I
3)ie ©acnc cor bem ^auä beg D6erpfarretä (SB. 256—290). 139

crf (Steinen afe tool^Itötig gegen alle biejenigen, bie itire

Sel^rmeinungen teilen; aber als falt unb J)artf)er§ig

gegen 2lnber§benEenbe, bie fie nad^ ^erjenöluft t)er=

batnmen. ®er im
^ietift Sieb üon
9fiotl^an!er fingt ein

h^m f)öttif($en ^euer unb antwortet auf bas ©rftaunen


beö ©ebalbus: er uerbamme ja feine 3Jiitmenfd^en
nid^t, bie 33ibel üerbantme fie, unb roer in ber @nabe

fei, ber muffe alleä rul^ig l^innel^men unb ertragen unb


atteö ©Ott ani^eimftetten. 33efonberä aber toerben bie
rationatiftifd^en ^rebiger, bie ben 3'lamen ßtiriftuö t)er=

meiben (oben <B. 119 f. 126), ftetö als liebe, menfd^em


freunbtid^e 9)Zänner gefd^ilbert, beren liebevolles 2Befen
in il^rem 2lntli^ ebenfo ^nm
!ommt wie in i^ren
2luöbru(f
^rebigten, in benen fie gern über ha^ X^tma: „@ott
ift bie Siebe" reben unb iliren Sauern bie S'läd^ften*
liebe empf etilen, benn fonft gäbe eö ^rojeffe! Slud^

t)on 9Kadligiuö wirb ja betont, ba^ er niemanb etroaä


S3öfeö tue unb alö umgänglid^er ^ann gelte (©. 124).
^aö SSiatifum (35. 267) ift baö einzige fulturgefd^id^t^
lid^e 9Jiotit), baä id^ auä ben geiftlic^en S^lomanen nid^t
belegen fann ; bod^ fommt äl)nlid^eö gelegentlid^ cor. ^n
„<Sopt)ien§ ^Weifen" wirb bie Unocrfd^ämt^eit ber Settier
unb fianbftreid^er erroälint, bie in jebem ^farrtiauä ein«
fallen. 2)ie ^eripatetifer geben fid^ für ^önigsberger
©tubenten auä unb finben in ben ^farr^öfen eine fe§r
üerfd^iebene Slufnal^me; ein anbereö Tlal menbet fid^

ein lutl^erifd^er ^anbibat, ber auf ber 9?eife oon 5lran^


I)eit befallen roorben ift, suerft an ben ©eiftlid^en, ol^ne
etraas ju erhalten. ®as ^am, in bem ber Ober=
Pfarrer rool^nt, ift nod^ ein alte§, mittelalterlid^eö @c=
bäube, ha^, cor ber ^Reformation ben fat^olifc^en ©eifts
140 2)ic Sieformotion (33. 270).

lid^en beherbergt l^atte (SS. 268 ff.). ®aö gibt bem


2)id^tcr gu einem fatirifd^en ©eitentjieb auf bie Pfaffen
beiber ^onfeffionen ©elegenlieit, bie einanber beim
©c^mauä unb im 33efi^ bloB obgelöft Ratten, ofine ba^
bie ©ad^e felber eine anbete geraorben märe (S8. 270 ff.),

^ie SfJeformation auf egoiftifd^e SKotioe jurüdgufül^ren,


lag in ber Qiit beö Derfattenen ^roteftantiämuö ben
Äinbern ber 2luffIärungäperiobe nid^t fem. ©d^on
ßeffing meift ben SSormurf ber Äatl^olifen, ba§ S^ieib

bie ^^riebfeber Sutl^erä gemefen fei, beffen Orben man


ben 2lbla|fram gu ©unften ber ©ominüaner entzogen
^aU, nid^t runbmeg Don ber ^anb, fonbem erfreut
fid^ cielmefir an ben glüdEIid^en folgen biefeö 3'leibeö.

(Sr jitiert aud^ nod^ einen anbeten „berühmten ©d^rifts


[teuer", ber bie SfJeformation in ^eutfd^lanb als ein
2Ber! bes ©igennu^eö bejeid^net fjatte. ©oetl^eö mürs
biger Pfarrer Iä§t bie Steformation gleid^fallö aus
einer 9Jiönd^Sjänferei entfpringen; unb nid^t lange nad^

unferen f^ragmenten legt ber ^id^tcr fogar einem lutl^es

rtfd^en ©eiftlid^en bie bci^enben SSerfe in ben aJlunb:

„^eiliger 2ütl)ev,
Xu fd^aötcft bie 93utter
^Deinen ÄoQcgen vom Srot,
2)aä Dcrjeil^e bir 0ott!"

3la^ ber SBiebererroedfung bcö rcligibfcn £ebcnö burd^


©c^Iciermad^er unb unter bem ^rud ber romantifd^cn
3eitftrömung ^at öoetFie fid^ fpäter befonntUd^ entfd;icben
ju fiut()cr unb feinem SBcrf befannt. SBcnn bie Statf^O'-

lifen fpottctcn, bo§ bei ber ^icformation nur ©ine Un«


fe^lbarfcit mit ber anbern ocrtaufd^t raorbcn fei, fo untct^

fd^eibet aud^ Woetfie ^iet bie beiben 5lonfeffioncn fati*


Sd^n)ä|cn «ttb ©rimaffcn mod^en (35. 274). 141

rifd^ hmä) ba^ teere SBortgepränge auf ber einen unb


ben äu^erlid^en ©ebärbenbienft auf ber anbern ©eite
(33. 274). 2)aö ©d^tüä^en (33. 65 f. ^ieB eö: „mU
fd^en") wirb aud^ in ben 9iomanen ben ©eiftlid^en jum
33om)urf Q^maä)t (oben ©. 77 f.). ®er reifenbe ^uhz
nennt fie Seute, bie weiter ni(^t§ gelernt l^aben, als
t)on ber Dreieinigkeit, »on ben beiben Staturen beö
SJieffiaä, t)on bem atteinfeligmad^enben dJlauben an
ifin, feinem SSerbienft, 5ßerföl^nung unb Genugtuung ju
fd^raä^en; unb ber aufgegärte Sßerfaffer ber ^eripate^
tüer meint, ha^ rid^tig anmenbbare Sf^eligionsmafiri^eiten
meit weniger gef($ä|t mürben aU gebanfenleereä ©e*
f(^roä^. ^a, bem 5ßerfaf[er beä ®eiftti($en S)on Duid^otte
fd^eint bie S^ieligion überl^aupt bIo§ mcl^r baju biencn,
bal bie Seute batjon fd^roa^en unb barüber ftreiten. ®r
!ennt freilid^ aud^ proteftantifd^e (SJeiftlid^e, bie au§er
hem 2lmt burd^ feiertid^e (Stirnen unb fteifc (SJrimaffcn

auffallen, mie auä) in „©iegfrieb t)on Sinbenberg"


bie t)on ben äöeltteuten geäußerte 3Weinung, @ott fel^e

nur aufä ^erj unb nid^t ouf bie ©rimajfe, nur auf
bie (göongelifd^en belogen werben fann. ©oetl^eö Pfarrer
aber nimmt fid^ ber SJieffe gegenüber feinen @tauben§=
genof[en an : „fie t^un ju üiel, baä mei^ iä), aber ta^t
fie tf)un, maä fie motten; oerflud^t fei ber, ber einen
5Dienft 2lbgötterei nennt, bcffen ©egenftanb ßfiriftuä
ift." 2Bir erfel^en auö biefer ^arattetftette mieberum,
mie t)ottfommen objeftio ©oetl^e über ben d^riftlid^cn

^onfeffionen fielet unb ba^ bie (Satire feinen fd^arfen,

fonbern einen milben ß^arafter Ijat. SBenn bie beiben


SBanberer nun oon ber ^farreräföd^in mürrifd^ ans
gelaffen, bann aber bod^ auf ben 2Beg su htm ^onoent
142 S)ic ^farrcr§!öc^tn (33. 283).

gctöiefen werben, fo erinnert man fid^ an einen ber


befttnnteften <B6)wänU oon ^onö ©od^ä, roo bie ^imm*
lifd^en äßanberer auf bie grage nad^ bem redeten SBege
guerft t)on bem faulen 33auernfned^t berb ah, bann
aber oon ber fleißigen 3Wagb gured^tgeroiefen merben.
3lud^ l^ier liegen aber lebenbige 33eoba(^tungen §u
©runbe. 3lud^ 9?icoIai !ennt unb nennt 93eifpiele, roo bie

Äird^e ber ^üd^e roeid^en mu^: „31I§ ber Pfarrer ©ebals

buä unb fein Segleiter in beö ^rebigers $au§ traten


unb i^n ju fpred^en verlangten, rief il^nen bie 9)lagb

entgegen: ^f)x werbet i^n je^t nid^t fpred^en !önnen;"


unb noc^ aJiörife flagte, ba^ er fid^ bei feiner 33ett)er=

bung um eine Pfarre Don ben ^üd^enmägben ber 5lon=


fijiorialräte ^erablaffenb bel)anbeln laffen muffe. 3Son
bem ^rebigerfonoent (SS. 279) ober bem ^rebigermini*
fterium in ^ran!furt finb lieute nod^ bie 2lften er=

Italien, auö benen in neuerer 3^^^ 2)ed^ent gefd^öpft


^at. 3lud^ Ijier ($ß. 287 f., t)gl. 242) mirb auf bie

einbringlid^e ©etoalt liingebeutet, bie ber ©rfd^einung


unb bem SBorte 6l)rifti in ber 33ibel eigen ift unb bie

er befonberä ben f^rauen gegenüber beroiefen l^at. ©d^on


ber SBolfenbüttler j^ragmentift l^at bie „guttptigen
SBeiber", bie ben ®rlöfer mit allem ju cerforgen be=
müf)i marcn, aufäUjö^len gefud^t: SKaria 9)?agbalena,
3lol^anna, boö SBeib G^ufas, bes Sd^affners ^erobiö,
©ufanna unb oielc anbere, bie ©amaritanerin , bie

©d^roeftcrn bcs Sojorus unb baö fumäifd^c Söeib nid^t

ju ocrgeffen"*).

S. 268: „a« folgten", b. ^. alS SRann ®otttS (6. SRofeS


88, 1).

35, 269: „^err C6cr|)forrer" wie 33. 260 „^foff" unfTeftiertet


3u aScrS 260—268. 143

XiUl, toic gauft 1802 im Urfouft: „SGßürb i^n ^err aKiftofoäs


tnuS nennen."
aS, 260: „fraBetn", ein oielgeöraud^tcä Sieblingäroort ©oetl^eä
(»gl. ju aS. 35, oben <S. 79), wofür im S)eut|ci^en SBörterBud^
reid^e Setege. $ier = ärgern.
Sß. 261 : Xa§ S5eutfc^c 3GBörter6u(^ (II 374/5) Uittt bic «Rebenä*
ort üon „Sret" = „<Si|" ^er unb erflärt: „eine ®l^rcnfteac
einnel^men, am ©^renpla^ fi^en". S)a§ pa%t f)xtt, aber nid^t
immer; »gl. ^oljmann, ©oetl^egegner 74: „öoeti^e i^ulbigte ber

S^ugenb, raenn fie am SBrete mat, unb ber Sl^orl^eit, wenn biefe

auffom" (SB. aUenjel), wo bie Sebeutung burd^ ben ?ßaral[eliä=

muä unjroeifell^aft gemad^t rcirb : „ouffommen, oßen fein". Sollte

haä 33ilb nid^t auc^ »om ©d^iprud^ genommen fein? Sgl. an


Äraft 2 XI 78: „3?el^men ©ie ba§ raenigc olä ein S3rett, baS
id^ Sil^nen juroerfe, um S^it ju .geroinnen."
33.262: §äute, bie bog ^erj im 3""^!^" "«^ "öt^Ö ou^en
(l|ier gegenüber (S^riftuä, Sß. 217) oBfd^Iie^en. 2ln ©uftd^en
18 IX 75: „SSßenn ic^ fo füllte, bof; mitten in bem 9iid^tä fid^

bod^ roieber fo üiel ^äuU von meinem ^erjcn löfen, fo bic


conoulftoen ©ponnungen meiner fteinen närrifd^en ©ompofition
nod^Ioffen, mein SBIidf l^eitrer ü6er bie 3Belt, mein Umgang mit
ben 3Renfd^en fid^rer, fefter, roeiter roirb, — ." 2)aä S3ilb ftommt
TOol^l oug §on§ ©od^fenä ©d^roonf: 2)ic neunerlei ^eut eineä
poefen 3CßeiBö, ©ö^e I 164 ff. Sting (acc.) = ringäl^erum (gen.,
aS. 266).
83. 264 : aSerftärfte 9Zegotion jur Sejeid^nung eineä SWini^
mumä ; Don 2oeper roiebcrl^olt ou§ SOSielonb belegt, ber bie ^ßl^rofc
ober offenBor ouä unferen j^rogmcntcn in feinem fonft fo fd^led^ten
©eböd^tniä Bel^olten l^ot (oben ©. 50).
as. 265: spioten, <eempel I 617: „Q^r Aalten, Siebclofcn"
(Soeper).
58. 266 f.: SBenn ber Äreiö burc^loufen ift, b. §. om ®nbe,
roirb fid^ l^erauäftelten, bo^ er (ber Segleiter) um einen 3leife=
beitrog Utttt
as. 268: „on'ä" nic^t: „an boä", fonbern „an be§". aSgl.

aCßunberi^orn, a^leclam 98, Seiben beg $errn: „©ie fül|rten i§n


inö JRid^terg §auä."
144 ©cbonfcn üBer bic IJortfc^ung.

3J. 269: 2)a§ @anjc ftanb nod^, %tih mav^n umgebaut, »crs
änbcrt.
SS. 270: nid^t „tricB il^r SEßefen", [onbern: „fc|tc fid^ au
S^ifd^", scilicet, nad^bem bie anbern aufgeftanben rooren.
SB. 273 : Sßenn man ber ©od^c auf ben ©runb gel^t.

35. 276 : ©pifd^c gormel, üon Socpcr au§ fjifd^art unb SSelbete
Beregt. S5er 2)id^ter, bcr in bm mittleren f^^ragmenten ganj
juriirftritt (nur 33. 222 „mein 3)iann") melbet fid^ roiebcr in
biefcr «ßortie (33. 276. 290).
SB. 277: „®cnug", sufammenfaffenb , obbred^enb roie 35. 28
unb g-auft 3303: „®enug bomit."
SB, 281 : 3llä 9ieutrum rool^I nur wegen bcr gleid^en Sebcu;
tung mit ^rebigerminifterium.
SB. 282: „roaä l^ilft e§ cud^", Sieblingäroenbung ®oetl^eä
(©d^ultfe, %ali unb ©oeti^e ©. 25), aud^ im ©efpräd^e, »gl.

gauft 2674 bie »on @oetl^e fpäter mi^oerftanbene Seäart be§


Urfauft: „2Baä l^ilft nur grabe ju genieften."
33,283: „porrifc^"; ©anberä: unroirfd^, furj angebunben;
©anboo^ (Sia^rbud^ IX 369): Barfd^; SJün^er: mürrifd^, oon
porren = f nurren, murren ; S)eutf d^e§ 3Börterbud^ VII 2003 : mit
brummen oerbunben, mürrifd^, oon purren, burren.
33. 284: 'S>af)in fommt nid^t ein jeber.

35.290: $anä ©ad^ä, gabeln unb Sc^roänfc I 366: „SBie


i^r l^emac^ baä l^ören roerbt."

2)er le^tc 33crö („2Bic i^r'ö balb weiter rocrbct fcl^n")


jcigt unroiberfprcd^Hd^ , ba^ l^ier nur baö (Snbe eine«
f^c^enö, nic^t bes gonjen ©cbid^teö »orliegt. SBenn
®oet^c atfo in SJid^tung unb 2ßat)r^cit unfcre %xaQ'
mente als bic (ginlcitung, jerftrcutc ©teilen unb ben
©d^lu§ bcjcid^nct, fo fonn er nur ben 3t n fang bes

«Sd^Iuffes meinen unb er gibt uns einen fd)ätjbarcn äöinf,

bafe bic 2Bicbcrfef)r bes ^eilanbs bas ©nbe bes ©anjcn


bilben fofltc. 9Bir fbnncn ben abgeriffencn ^^abcn nod^
ein furjes @tüc! weiter ocrfolgen: fein 3n)cifel, ba^
2)ie Begegnung beä §eitanb§ mit bcm ©roigen ^uben. 145

ber ^eilanb in bcm igerrn Dberpfarrer nic^t ben redeten

Wlam @otte§ !enncn lernen fottte unb baB ©octi^e in


bem ^onoent ein öanjeä 3^eft t)on fatiri[d^en ^rebiger^

geftalten auäl^eben roottte. Sßeiter aber ift uns jebe

Slusfid^t üerftellt, unb nur ha^ ©ine geroi^: ba^ ber


®n)ige ^ube bem §errn begegnen unb burd^ ifin t)on

feinen 2Bonberungen erlöft werben follte. 25ie biblifd^e

unb profane ©age fennt brei f^iguren, TOetd^e bie

SBieberfefir be§ ^eilanbeä erwarten, ^efuä fagt ju


^etruö mit SBejieliung auf ^ofianneö: „<Bo iä) mill,

ba§ er bleibe bis id) !omme, maö geltet eö bid^ an?",

unb obwohl ber (Soangelift, i^oi^anneö fclbft, ausbrücE-


lid^ l^injufügt, ba^ e(;riftuö eö nur f)i)potf)etifd^ gemeint
l)aht, ge^t bod^ bie Sitebe auö unter ben Srübern, baB
biefer jünger nid^t fterbe. Sefanntlid^ ift biefe Sflcbc

biö in bie neueften ^titm lebenbig geblieben; nod^


Saoater f)offte ben SieblingSjünger beä ^errn ju feigen.

^ud) bie ©age üom ©raigen ^uhzn wirb ja bamit


in SSerbinbung gebrad^t. (Sl^riftuö fagt aber aud^ im
3Jiattf)äuseüangeIium §u ben um if)n (Stet)enben: „^6^
fage eud), eä finb etlid^e unter benen, bie l^ier fielen,

bie ben Xoh mit nid^ten fd^mecfen werben, bi§ ba^ fie

ben ©ol^n be§ SJienfd^en fommen fe^en in feinem


S^teic^." ©d^on ber Sßotfenbüttter ^ragmentift fiat ju
biefer ©teile bie 33emer!ung gemad^t: wenn baö roal^r

fein foIIte, mü^te man einen eroigen roanbernben Quben


erbid^ten, ber von ben Seiten ^efu an nod^ lebe!
®er ©ebanfe liegt fo nal^e, ba§ rool^l aud^ anberc
auf if)n gefommen fein muffen; unb e§ ift nocf) bie

^rage, ob biefe S3ibelftette nid^t fd^on bei ber ^xU


bung ber Sage eine SfloIIe gefpielt Iiat unb ob in bem
23Hnov, ©oetljeS eioiget 3ube. 10
146 2)er SJit^tcr mod^t ftd^ felber Äonlurrenj.

erotgcn ^uifen nid^t etroa bie SSerbid^tung „ctlid^cr"


3ubcn in ©inem vorliegt. S)iefer ©roige ^ube ift

nun ber brüte Icbcnbtge 3^"9ß f"'^ ^iß beiben 6rben=


führten t)on ß^riftus. SBte ©oetl^e ftd^ feine 33egegs
nung mit bem ^eilanb, ber bei ilim in fd^tid^ter menfd^:
lid^er ©eftalt unb nid^t wie hti 3JjQttpuö in feiner

^errlid^feit, umgeben t)on (Sngeln, mieberfel^rt, gebadet


\)at, boä bleibt uns unbefannt; unb raer raei§, ob es
iE)m felber jemalö !(or geroefen ift, benn auö unferen
Fragmenten fcf)en mir nur, bQ§ er bie 2Bonberungen
beö :3uben unb bie beö iQeitanbö jum j^aben für feine
Satire auf bie Ürd^Iid^cn 3"ftönbc feiner 3cit nel^men
mollte. i^ßi'ßnfottö aber f)at er in 6§riftu§ nid^t, mie
man neuerbings bet;auptet fiat, ben gläubigen i^bealiften,
ber fid^ rcie ^auft über bie Unempfinblid^feit ber a)Zen;
fd^en täufd^t, unb in Hfiaöoer nid^t mie in 9)Zepr)ifto

ben geiftig befd^ränften, menn auc^ fingen ©feptifcr


unb D^lealiften barftcffen motten; borüber ift fein Sßort

ju verlieren ^*^).
2)ie 3Ba^rf)eit ift, bafe ©oet^e, ber, mie in attcn
^ugenbrocrfen, o^ne ^lan arbeitete, über bem raicber;

fet)renben ^eilanb ben ©roigen i^iuben ganj oergeffen


I)atte. ^ie (Satire ouf bie jcitgenbffifd^en geiftUd^en
3uftönbc, anfangs on bie SBanberungen bes (Sroigen

Qubcn gcfnüpft, fd^lofe fid^ nun mieber an bie ^itger^

ja\)xi beö mieberfcfirenben ^cilanbeö an unb baß $l?olfös

huä) ^atte ber ^id^tcr gonj aus ben 2lugen ucrloren.


Die f)crrli(^cn Fragmente, großartig als f^ragmcnte,
toaren glcid)n)ol)l nid^t ju einem ganjcn ju uereinigen,
gerabe megen i^res ä{)ntid^en föebanfengangs. Da}u fam,
bofe ber ^id)tcr audf) noc^ im ©ingang, fc^on cor ben
@§ waren, bte ben Sßotcr oud^ gefannt (95. 291 f.). 147

SBanberungcn beä ^uben, eine allgemeine ©atire auf bic


geifttid^en 3"ftönbe eingef(|oben fiatte (33. 31 ff.): er

madöte fid^ alfo breimal an benfelben ©egenftanb, jroei;

mal alfo fid^ felber ^onfurrenj. 3öir ^aben aud^ ge^


feilen, bafe er ben ^aben oft auö ben ^änben faden
lieB (oben <B. 104. 116): bie patl^etifd^e Stebe beö §errn,
bie i)a& ©nburteit bilben mu^te, ging oorauö unb bic

@rfaf)rungen, bie ha^ Urteil l^eroorriefen, folgten fiinters


l^er nad^ unb raaren am redeten Orte fo wenig untere
anbringen, ba§ ber 2)id^ter bie fd^önfte Partie gar nid^t
in bie 5Reinfd)rift aufnehmen fonnte. ®arum red^nete
©oetl^e au^ fpäter in ben 2lnnalen bie Fragmente ju
ben 2lrbeiten, an benen i^m bie ©atire unbequem ge«
roorben fei unb an benen er fpäter nid^t fortfal^ren
fonnte^'). ®arum l^at er aud^ bie 3Jiitteilung bei feinen

Sebjeiten bel^arrtid^ abgelel^nt, roo^I raiffenb, baB ba§


3Serftänbniä bei ben fpäteren (Generationen gerabe burd^
bie ©atire erfd^roert roorben fei.

3. J^aralipontcna.

@ö l^aben fidl; nun jrcar nod^ einzelne ©teilen ers


fialten, bie mit größerer ober geringerer ©id^er^eit htn
Fragmenten anjurei^en finb; aber nur in einem ein:
jigen ^alle ift ber ^"föTnmenliang ^roeifelloö fidler gu
erfennen. 3(n bem 3lanbe beö Cogens nämlid^, ber
bie ©rbenfal^rt beä ^eilanbö fd^itbert, finben fid^ jmifd^en
ben SSerfen 123 unb 139 (oben ©. 95) ber Duere nad^
gefd^rieben bie oielbefprod^enen $ßerfe:

291 „<£5 roaren i>ie ben Dater audj getanbt;


Wo finö öcnn bie?" „€tj man Ijat fte oerbranbt."
148 2)ie Siic^tc^riftcn, hit ®ott crfannt ^a6en (SS. 291 f.).

2Bcr fragt l^icr? Unmögtid^ ber eraige i^ubc, bcr ja


bic ;3ö'^i^i^""^6'^tß ^WT<^ geraanbert ift unb atteä felbft

gefeiten f)at; man mu§tc fonft mit Soeper ju ber ücr;


jroeifciten Sluöfunft greifen, ?^rage unb Slntraort einer

unb berfelben ^erfon in ben 9Jiunb p UQ^n. 9Zad^

bem Ort, roo fid^ baö Fragment in ber ^anbf(j^rift


finbet, unb nad^ feinem ^nfialt ift jroeifetloä ber ^eilanb
ber ^ragenbe, ber als (Soljn üon bem eigenen 3Sater

rcbet unb nad^ ber fü^nen SSorauöfe^ung ber ©age


unb @oetf)e§ im ^immel bie SBeltjuftänbe am ben
2lugen verloren l^at (33. 145 f. oben <B. 95 unb ; 09).

3)aB ber 2lntn)ortenbe, roie ©eiger tjermutet, ber eroige


;3ube fei, ift burd^ nid^tö angebeutet; mir !önnen mit
größerer SBofirfd^einlid^feit bie ^riefter barunter oer^
muten. 3ft ß^riftuä ber ?^rager, bann ift ber 3ßort-
laut nid^t mel^r mi^juoerftel^en : er fragt nad^ benen,
bie, of)ne an ifin gu glauben, ol^ne bie d^riftlid^e Offen-
barung alfo, ben 2Beg ju bem ^kter entroeber burdf;

bie 3'Jatur ober burd^ bie 33ernunft gefunben t;aben.

2lIfo 3'iid^td^riften, 3"^^"/ Reiben, Äefeer finb gemeint;

unb natürlid^ nur bie großen @rfd;einungen unter i(;nen,

benn nur biefc finb roirfUd^ jur ©rfenntniä ©ottes ge--

langt. 3Jian l^at !ein S^led^t, baö allgemein gehaltene


^agment, baö roie eine ^"^üdtroeifung beö ^ol^annei;
fd^en (Sa^cs: „roer ben (Sol)n leugnet, l^at aud^ ben
aSater nid^t" flingt, beftimmter auöjubcuten. 2Beber
bie 2lpoftel unb bie Beugen ber SBalir^eit (ßoepcr), nod^
bie 3lrioncr, bic Gliriftu« bem ^^atcr unterorbnetcn

(2)ün6er), nod^ bie Unitarier unb im bcfonbcrn bie 58ers

brennung beö yjiid^acl ©eroet (^. ^offmann), am affer^


rocnigflen bie ^u\>m fönncn gemeint fein, oon bcnen
Sic SRic^tc^riften, bie @ott erfonnt ^aUn (35. 291 f.). 149

jrottr t)ie(c verbrannt, aber nod^ melir übrig geblieben


finb, bie ber fragenbe igeilanb bod^ niä)t ptte über^
fef)en fönnen. Unfer Fragment f)ängt alfo mit ber
ju ©oet^eö 3ßiten t)ie( erörterten £ef)re t)on ber 5ßer;

bamtnung ber Reiben gufammen, bie n)itberum auf ber

Seigre Don ber attgetneinen $ßerberbni§ ber menfd^li($en


Statur begrünbet rourbe (oben ©. 26 f. 40 f. 72 f.
84 f.). äßenn ber 3J?enfd^ nur burd^ @ott, nid^t burd^

bie eigene ^raft, fid^ t)on ben 3J? angeln feiner S'iatur

befreien !onnte, fo war er natürlid^ ol)ne ben redeten


©lauben ber ^ötle preisgegeben. ®ie ^rage tourbe in
weiteren Greifen in gtu^ gebrad^t, alö ber milbe Sllberti
in Hamburg bie ^falmenftelle: ,,©d^üttle beinen ©rimm
aus über bie Reiben" 1769 auä bem $8u§gebet au^-
lie§ unb fid^ babur(^ bie liömifd^en Singriffe feiueö
ort|obofen ^ottegen ©oeje gujog. ®er SBolfenbüttler
Unbefannte l^at bann bie apoftolifd^en 3ßW9niffe bafür
jufammcngetragen , ba^ bie i^w^Ö^r ßlirifti bie »er*

nünftigen 33erel^rer ©ottes feineäroegö wie itire l)eutigen

9fiacE)f olger alö Ungläubige, greibenfer, ^Raturaliftcn,

9fieligion§fpötter betrad;tet, fonbern alö 33erel)rer ©otteä


mit „^^x, bie il)r ©ott fürd^tet" angerebet ptten; bie
heutigen aber tun fo, als ob biefe gar feine S^ieligion

ptten ! Unb Seffing in feinen 3uföfeß" i^"ft SBe^ über


baö menfd^lid^e ©efd^lei^t, roenn in ber Cfonomie beä
^eilö auä) nur eine eingige ©eele oerloren gelten follte!
unb au^ er leugnet, ba§ eä jemafe bie Sefire 6l)rifti

nod^ bie allgemein anerfannte ßel^rc ber ^ird^e ge=

mefen fei, baB bie Offenbarung au^ für biejenigen


3Jienfd^en §ur ©eligfeit nötig fei, bie gar feine ^enntniö
baoon erlangen fönnten. @r liält fid^ an baö anbere
150 S)ic 5«i(^tc^riftcn, bie ®ott crfannt ^aben (58. 291 f.).

SBort beö ^oi^anneä : „benn ber SSoter toitt aud^ (jabcn,


bie il^n alfo anbeten." ®er fd^reibenbe ^uhi meint
graor, bo^ bie ^rieftet feit einiger 3eit toleranter ge;
roorben feien, fie l^ätten aber bod^ no(| immer i§rc
l^eilige ^nquifition, l^ielten nod^ itir 2lutobaf^, fd^miffen
;3uben, Äe|cr unb Und^riften in§ ^euer unb oerbrennten
fie gu 2lfd^e. Unb n)ät)renb bie einen U^au);>Un, ba^
nur ber ©laube an ßl^riftuä feiig mad^e, fd^reiben bie

anberen bicfe Sudler barüber, ba^ aud^ ©ofrateö,


Cicero unb anbere etirlid^e Reiben burd^ ifir frommes
unb tugenbl^afteö Seben Iieilig geworben feien, ©benfo
mu§ aud^ (Sebalbu§ ben Xenoplion, ©ofrateä unb 2lns

tonin gegen bie SSerbammung gum ^öUenpful^l in ©d^u^


nel)men, aber fo cergeblid^, ba§ er ausruft: „©ro^er
©Ott, ift§ mögtid^, ba^ bie, bie fidö beine Wiener nennen,

felbft beinatie bie ©onne, bie bu über ©ered^te unb


Ungcred^te fd^einen läffeft, benen ent^iel^en motten, bie

bir aurf) bicncn (93. 291 f.), nur nid^t nad^ ifirer SSor^

fd^rift, fonbern nad; eigenem ©croiffen ! Sffiie iftö mög;


Itd^, ba§ fie fie aus ber 2BcIt flogen mbd^tcn, roenns
anginge!" Unb in bcm S^agebud^e, bas ©ebalbus ju
überfe^cn unternimmt, !ommen bie fotgenben ©ä^e t)or:
„^ic l^eiligcn S3üd^cr fotten mir beftänbig Duetten bes
9iad^bcnfens über 2Bal)rt)eit bleiben. SBer aber anbcrc
Duetten bes Sfiad^benfcns über 2ßa()rf)cit ju fmben glaubt,
befonberö, mcnn er mit mir auf gleid^c gemcinfamc
2ßa^rl)eit jurüdffommt, bcn üerbammc roer rcitt, iä)

nid)t. 93crbammc rocr roitt faft gans 3lfien unb 3lfrifa,

unb ben grbfjtcn 2:cil Don 2lmcrifo. Sic fcnnen bicfc

93üd^cr nid()t, unb bod^ l)at fie ber aUgemeinc Jöater


geroi^ nid^t o^ne 2Bal)rl^cit unb ol)nc ©lüdffcligfcit.
S)ie $«tc^tc^riftctt, bie ©ott crfannt l|a6cn (58. 291 f.). 151

o^ne i^olgc, getanen" . . . ,,2öenn i^ bei i^oi^anncs Icfc:


2Ber nid^t in ber Seigre ß^rifti bleibet, ber §ot feinen

©Ott; bin id^ bann üerflud^enöraert, wenn iä) nid^t mit


btinbem 5löf)lerglauben aUeö annehme, n)ie eö bud^ftäb^

lid^ ba ftefiet, fonbern »ernteine, ba§ in biefen ^üd^ixn


oieleä nid^t für bie allgemeine 3Jienf(^f)eit, nid^t für
mid^, gefd^rieben fei, aber bennod^ reblid^ alle ba§ ©ute
unb 9^ü^Iid^e, baä id^ in biefen 33üd^ern finbe, ju ber

aJiaffe ber @rfenntni§ fd^tage, bie id^ au§ ^Jatur unb


(Srfafirung gefd^öpft \)abi/' Unb aud^ ber ^eripatetifer

(Sliriftuä erfätirt, roie man bie 9)tenfc^en mit SSerad^tung


betianbelte, mie man it)nen bie fd^redftid^ften 9)Zartem
antat, wenn fie nid^t glauben roottten, toaä für feine
Sel)re ausgegeben mürbe unb fein üernünftiger 3Kenfd^
glauben fonnte. ?iod^ im ^alire 1794 l^atte fid^ in
Berlin ein ^rebiger gegen bie 33efd^ulbigungen ber
(Sjaminationsfommiffion gu red^tfertigen, bie ben ©a|
beanftanbete : „aJian mufe bie @^re ßl^rifti nid^t über
bie ®^re ©ottes beö SSaters fe^en, man mujs @ott
über eiiriftum nid^t üergeffen!" ®er ^eripatetifer
ei)riftuä erflärt, baö l^abe er f eiber fo oft unb fo
beutlid^ gefagt, ba§ man ben ©a^ nid^t fe^en m ollen
muffe, menn man ilin nid^t fie^t; unb bie offizielle

(Srflärung, ba^ bie ©eligfeit nur burd^ il;n erlangt


merben fönne, meift biefer aufgeklärte ßl^riftuä ent=
fd^ieben jurüdE.
©oetl^e felber l^atte fd^on aus ber Slrnolbifd^en
Äird^engefc^id^te (oben <S. 44), bie anä) bie 5!e^er
mit Siebe umfaßte, tiefe unb nad^l^altige ©inbrüdfe
empfangen; unb mand^er ^e^er, ben man il^m biäl^er
alö toll ober gottloä bargeftellt ^atte, erfd^ien i^m nun
152 ®ic 9?it^td^rifien, bic ®ott crfannt l|aBen (SB. 291 f.).

in einem ganj anbeten Sid^te. ®r erjäfitt aud^ in 2)id^=


tung unb 3Ba^rl^eit, wie er als finblid^er ^§eofop^
nun felber ben 2Beg gur ©ottl^eit, o^ne bie (^riftlid^e

Offenbarung, fud^te. ©ein milber Pfarrer l^ält jroar


ben eiiriftusglauben für fid^ felber für unbebingt nötig;
aber bie SSerbammung ber Reiben ift eine üon ben
Seigren, über bie er raie über glü^enbeä @ifen ^inn)eg=

eilt, ^n genauer Übereinftimmung mit unferem ^rags


mente tieifet eö bann im SBert^er: „^^ el^rc bie ^t=
ligion, ha^ roeift S)u, id^ l^offe, ba§ fie mand^em @r=
matteten Stab, mand^em SSerfd^mad^tenben ©rquidung
iji. SRur !ann fie benn, mu§ fie bcnn baö einem
jeben fetjn? 2Benn ®u bie gro^c 2Belt anfiel^ft, fo

ftel^ft ^u 2;aufenbe, benen fie'ä nid^t mar, S^oufenbe,


benen fie'ö nid[;t fepn wirb, geprebigt ober ungeprebigt,
unb muB fie'ö benn mir fetin? Sagt nid^t felbft ber

Sol^n ©otteä: ba§ bie um il)n fepn mürben, bie i^m


ber 33ater gegeben l^at. 2Benn id^ i^m nun nid^t ges

geben bin ! SBenn mic^ nun ber 33ater für fid^ bel^alten

mill, töic mir mein ^erj fagt!" Unb mit S^led^t l^at

fd^on 3). ^öcob^ bie 33erfe aus bem ^auft ^erangejogen,


bie an eine ©teile bei ©pinoja anflingen:
„2)ie toenigen, bie naS booon erlannt,
ICte t^öric^t g'nug ij^r ooUeä ^ec3 nic^t mat)vttn,

3)ein ^ö6el i^r öefü^I, i^r ©c^ouen offenbarten,


iCfat man von jje gefreujigt unb oetbrannt."

©tolbcrg gegenüber Ijat ®oct^e 1776 in Sßcimar oon


ben S'iicfengeiftcrn gerebet, bie fid^ o"(^ ben mciügen
geoffenbarten 2ßal)rl)eiten nic^t beugen. Uiib aus fpätcrcr
3eit nod^ ftammen bie fatirifc^cn 33erfe beö ilan^lerö
im jroeiten Xcil bcs gouft:
3w SBorgefc^ic^tc beä ©ttigcn ^ubcn? (35. 293 f.) 153

„3latnv unb ®ctft — fo fprid^t man nid^t äu ©l^rifteit,

3)eä]^aI5 »erfirennt man 2lt^eiften,

Söeil forc^e SReben ^öc^ft gefä^rlic^ finb."«»)

3luf einem jerriffenen ^e^en Rapier, ber beutlid^ an


©oet^es 33ef(^reibung feiner bamaligen aJJanuffripte
erinnert (oben ©. 52 f.), finben fic^ bann ein paar
einzelne ©tetten (33. 293—303), bie ©oet^e o^ne 3u.
fatnmenl^ang, rcie fie il^m eben einfielen, l^intereinanber
meberf($rieb unb bie fid^ nid^t mit genügenber ©id^er=
t)eit in ben ©ang beö ©ebid^teö einfügen taffen. 3Jiit

ben beiben erften 5ßerfen raei^ iä) nid^tö anzufangen:

293 3dl I?a6e nun bcm fircngf[tcn?] Ijcilgen teben


Von meiner 3ugenb midi «rgc[ben].

©oetl^e f eiber fann mit bem ^Reimpaar unmögtid^ fd^on-


eine !lare 5BorfteIIung oerbunben l^aben. ®enn „t)on
i^ugenb" !ann bod^ nur iin kälterer fagen; unb roenn
biefer fid^ „nun" bem fieitigen 2ihzn ergibt, fo ift baä
nid^t t)on ^wQenb an. Wan fief)t, ba§ bie 33orfteIIung

noc^ ganj unbeftimmt mar. SJiöglid^erraeife liegt f)ier

ber Slnfa^ gu einer SSorgefc^id^te be§ ©roigen ^uben


üor, ben mir ja alö einen retigiöfen 3Jiann fennen.
Sßeit intereff anter finb bie beiben folgenben 93erfe:

295 <D 5rcun5, ber ITTenfdi ift nur ein Coljr,


Stellt er fidj (Sott als feines (ßleidjen r>or.

©iefeö Fragment unterfd^eibet fid^ t)on allen übrigen


baburd^, ba^ eö fid^ nid^t gegen eine beftimmte geiftUd^e

3ftic^tung be§ 18. ;3at)r^unbert§ roenbet, fonbern gegen

bie fd^raad^e menfd^lid^e 3Sorftettung§i unb ^affungöfraft


154 ©Ott als Unferggleid^en oorgeftettt (95. 295 f.).

übcrtiaupt, wie jic ju allen 3^^^^" ^(^^ uni^ ift- 3)aä


f^agtncnt trifft alfo aud^ ni(^t bloB ©tilling, fonbern
ben ®i(^ter mit, bie gan§e ©otteööorfteUung be§ ©turmeö
unb ^rangcö unb bcr 3Jlenfd^cn überl^aupt. ©etöi^
bcnfcn wir unö ben milben ©pott üon ber l^öd^ftcn

^ö^e l^erab beffer im 3)Junb beö ^eitanbes als beö


i^uben. ©oet^e aber l^at rcenig ©ebanfen fo oft unb fo
unermüblid^ mieberl^olt, raie biefen, ber auf bie ©pur
^euerbad^ö leitet unb fel^r bejeid^nenbermeife, eben
feiner allgemeinen SBejiel^ung wegen, nid^t in ben geift;
lid^en Slomanen, fonbern bei ben ganj ©ro^en, bei
@. 33runo, aHonteöquieu, SSoItaire, Sid^tenberg u. a.,

feine Sßorläufer finbet. S'iatie gelegt würbe er ©oct^e crft

in ber ©turm^ unb SDrangjeit, too er unb feine ©e;


noffen @ott unb ©ötter ebenfo tjertraulid^ umfaffen
unb am warmen ^erjen liegen wollten, wie bie ©rofeen
ber SBorjeit, einen ©ofrateä ober ©t)a!efpeare. $Die

walire S^leligion nennt ber junge ©oetl^e bamalö bie^

jcnige, ber ftatt beö ^eiligen ein großer 3Wenfd^ er;

fd^eint, ben id^ nun mit Siebe§entt)ufiasmuä an meine


23ruft brüdfe unb rufe: „3Kein greunb unb mein
S3ruber!" 2)aö war ganj im ©inne ^erberö ge*

fprod^en, bcr in G^riftus, otinc an feiner ©otttieit ju


jweifeln, bod^ ben gröfjeften 3J?enfd^enfrcunb unb ben
ücrbicnftoottften 3)knn oerel^rtc, unb bcr in feiner

„^laftif" fd^ricb: „©btter unb gelben bcr ©ricd;en


waren alle aus itircm 0efd;ted)t, i^rc SSorfal^rcn, it;rcös

glcid^cn . . . Gö ift wunberfam, wie fetten unö nur ein

aWenfd^ crfd^cint unb wie nod; fettcner aJJenfd^ einen


SRenfc^en umfafU unb it)n fo lieb gewinnt, bafe er i§n
mit fi^ trage unb i^n bcr ©wigfcit gebe." 3" biefcm
2lnt^ropomorp^tftifc^e «orftcaung ©otteä (Sß, 295 f.). 155

©innc fagt autl^ ber alte Pfarrer bei ©oet^e: ba ®ott


9}?enf(^ geroorben fei, bamit tüir arme finnlid^e ^rea^
turen i^n mögten f äffen unb begreiffen !önnen, fo

tnu^ man fid^ t)or nid^tö mel^r lauten al^ it)n micber
jum ©Ott gu mad^en. 2)ie ^ranffurter ©elefirten 3ln=

jeigen klagen: „2Bann werben bod^ bic 3}tenfd^en bie

9?atfc^Iüffe be§ Unenblid^en nid^t mel^r nad^ ben ©ins


gebungen ifirer fteinen tprid^ten unb ftoljen Seibens

fd^aften mobein, Pour savoir ce qu'il est 11 faut etre


lui meme get)ört aud^ J^iefier." 2)en 33rief an ßaüater
üom 26. 2lpril 1774 mu^ man l^ier ganj nad^lefen;
aber nod^ fiebcn 3al)re fpäter fd^reibt @oett)e an i^n:
„2Bot)l fagft ®u, bafe ber aJlenfd^ ©ott unb ©atan,
ißimmel unb ®rbe alles in @inem fex;, benn maä finb

biefe begriffe anberö als ^ongepte, bie ber 3Jlenfd^ oon


feiner eigenen S^iatur })at." ®er 2lnt^ropomorp]^i§muä
t)at pei ©eiten : er ift bie einjig möglid^e, ber menfd^s

lid^en ©d^roäd^e entfpred^enbe Sßorftellungsart ©otteö;


aber er ift eben bod^ nur menfd^lid^e 33efd^rän!tl^eit —
fo !ann aud^ baö Urteil über ilin jroiefpältig fein.

SBäl^renb bie ©türmer unb ©ränger bic menfd^tid^s

perfönlid^e SSorfteUung ©otteä für bie einzig möglid^c


erJlären, finb bie ©d^üler ©pinojaö in 2Beimar barüber
anbcrer SJJeinung: „®u roiHt ©ott in 3Jienfd^cngeftatt
alö einen ^reunb, ber an ®id^ ben!t," fd^reibt igerber
an i^ttcobi, „bebenfe, baB er aläbann au^ menfd^tid^,
b. 1^. eingefd^ränft an 2)id^ benfen mu^. ©ag alfo,

marum ift er ©ir in 3Kenfd^engeftalt nötig?" Unb


©oetl)e fülirt nod^ fpäter in ben 3o^wiß" 3Cenien ben
^antlieiften mit ben, je^t mieber ironifd^, gemeinten
SSerfen ein:
156 aint^ropomorp^tftifc^c SJorftettung ©otteä (33. 295 f.).

— „SBa§ foH mir euer ^ol^n,


ÜBer baä m unb ©ine?
35er ^rofeffor ift eine ?ßerfon,
©Ott ift feine."

@in paar ;3;al^re fpäter (1789) geid^nct @oetf)e baä


^rofll be§ Jupiter unb fd^reibt an gerbet: ,,Sei bcr

©clegcnlicit f)aBe id^ fel^r fonberbare @eban!en über


ben 2lntf)ropomorpf)iömuä gehabt, ber allen S^ieligionen
ju ©runbe liegt unb fiabe mid^ beö bonmots abermatä
erfreut: Tous les animaux sont raisonnables, l'homme
seul est religieux." ®ie fd^öne ©eele ftagt in i^ren

Scfenntnijfen, ba§ roir, um oon ben göttlid^en 2)ingen

pi reben, unfere SSorftellungsart anroenben tnüffen:


„2Bo ift t)or i^m ctrcaö ^of)e§ ober 2^iefe§, etroaä

2)un!Ieä ober ^elleö? 2Bir nur l^aben Oben unb


ein

Unten, einen ^ag unb eine ^a^t. Unb eben barum


ift er uns ölinnd^ geworben, weil wir fonft {einen S^l^eil

an if)m fiaben Jönnten" ; bann roei^ fie aber bod^ roieber,

bafe im S3egnff beö 3Jicnfd^en !ein SBiberfprud^ mit


bem ber ©ottfieit liege, barauf grünben fid^ ja bie 2lns

fprüd^c unferer @ottäI)nlid^!eit. ^ier fiabcn mir alfo bie


Um!e{)rung be§ Safecä, bie fpäter in SBerfen fotgenber*
ma^en (autet:

„3c me^r bu fül^Ieft ein 3Jlen]d) ju fein,

a)eflo ä^nlic^er bift bu ben ©öttctn."

3n „3örocl in ber SBüftc" ^ei§t eö: „2Bie bcr SWann,


fo aud^ fein ©ott" ; aud^ biefen ©aU ^at ®octl)e fpäter

in ben 3al)men Xenien in Jßerfe übertragen:

„fflle einet ift, fo ift fein öott.

2)arum warb Ciott fo oft sunt ®pott.''


aintl^ropomorp^iftifd^e SSorftettung ®ottc§ (SB. 295 f.). 157

3n ©id^tung unb SBol^rl^eit erörtert ©oetFie fel^r fd^ön,

wie ftd^ Saoater, bie ^lettenberg unb er felbft nad^


ifirer t)erf(^iebenen ^erfon il^ren e(;riftuö auäbilbeten.
^m 3lnfd^IuB an @. 33runo finb bonn bie fd^önen 35erfe

gebid^tet:

„Sm Innern ift dn Unioerfum aud^,


Salier bcr ^ölhx töBIid^er &ihtaud),
S)a^ jegtid^er baä Sefte, roa§ er fennt,
®r ©Ott, ja feinen @ott benennt,
Sl^nt ^immcl unb ©rben übergibt,
31|n fürd^tct unb roomögKd^ tiebt."

^ie ©prüd^e in ^rofa formulieren ben ©ebanfen atts

gemein : ,,®er 3Jienfd^ begreift niemals, toie antliropo;


morpf)ifd^ er ift"; man barf l^ier nid^t bloB an reli=

giöfe SSorfteHungen benfen, benn @oett)e rebet in Briefen


aud^ baoon, boB äffe ^l^ilofopi^ie über bie ^atux nur
3lntl^ropomorpl^iömu§ bleibe, unb er gibt felbft eine

antl)ropomorpl)iftifd^e Sluäbeutung »on ^aff unb ©to§.


S3ei ©cfermann flagt er bann mieber barüber, ba^ bie

2iük ©Ott traftieren, alö märe baö unbegreiflid^e, gar


nid^t ausjubenfenbe äBefen ni(^t t)iel mel^r alä i^reSs

gleid^en; fie mürben i§n fonft nid^t mit 'Slarmn nennen.


Unb mie na|e fid^ biefer ®eban!e mit bem anbern üon
ber Unfa^barfeit unb Unoerftänblid^feit ©otteö für ben
SJienfd^en (oben 6. 58) berührt, baä gel^t ja au^ nod^
au^ ben SSorten im jmeiten ^eil beö ^auft lieroor^^):

„2;i^or! 2ßer bortl^in bie 2lugen blinjelnb rid^tet,

©id^ über 3BoIfen ©eineägreid^en bid^tet."

297 Du f üljlft nidjt wie es mir bur[d^] Vilatd unb Seele g«B|t,
Wenn ein gcängftet fjers bey mir um Hcttung fielet,

IPenn idi ben Sünbcr feljn mu§ [fci| mit?] glütjenbe


158 5?cucr 2lnfa| lux Slbfcnbung beö So^neö ? (S?. 297 ff.)

^afe ^ier ein ©egenfa^ gtoifd^cn ber d^riftlid^cn SJJitbc


unb ber angeblid^en ©raufamfeit unb ^artfiergigfeü
ber jübifd^en ^letigion angebeutet fei, fann i^ niä)t
heraushören. Soeper §ält bie ©tette für einen 2:eil ber
Sflebe ©ottcö oor ber 2lbfenbung be§ ©ol^neä (SS. 106 ff.).

33effer würben fie bem ^nl^alt nad^ in Mm\> beö


Sol^neö felbft paffen, ber feine jraeite 3>2iffion baburd^
beroirfen ober erbitten fönnte. £eiber aber paffen bie
fed^öfü§igen i^amben, bie fonft rool^l gerftreut (33. 8.

77. 149. 162. 303) oorfommen, gerabe ju jenem


ftropt)ifd^ gcglieberten Fragment ni(|t. SSieHeid^t ift e§
ein früherer Slnfa^ ober ein 2lper9U ju einer beab=
ftd^tigten Umarbeitung ber 2lbfenbung beö ©ol^neö (oben
©.91)10«).

300 Unb fan6 als id? midj aufgerafft


X?crfd]üttet adi in meinem 23ette
2>e5 Ccbens 23alfams 5ünefraft,
lüomit ein 5ürf}enfin6 f\d\ tooljl begnüget iiätte.

Cb biefe 93erfc roirflid^, mic @rid^ ©d^mibt oers


mutete, eine bIo§e ^improoifation bes ^id^terö finb
ober ob nid^t oietteid^t borf; ber ©raige 3"^^ i^cbet, ber
fid^ nad^ einer unruhigen 9lttd^t ju neuer SBanberung
aufgerafft f)at, mu& rool^l unentfd^ieben bleiben. ®er
ifebensbalfam ift t)ier in füfinftcr 2Bcife oerraenbet. ®r
wirb aud^ in „©d^erj, Sift unb diaä)t" enoäfmt, bort
im eigentlichen ©inn. 5l^on einem ©rfinbcr bicfefi

Ouadfalbcrmittelö fann nid^t bie JWebe fein; benn jebcr


aWarftf (freier t)at ein anbcreö, cbcnfo berühmtes Uni*
Derfalmittel. 2lud^ im geiftlid^en ®on Duid;otte wirb
oon einem Ouacffolber Dr. QtiihH untrüglid^cr S3alfam
2)cS 2c6en§5alfam§ f^üHcfraft (33. 300 ff.). 159

ausgeboten, ber burd^ bie ganje d^riftlid^e äßelt alö ein

ollgemeineö 3)littel berüfitnt fei, oline ben feine ^amilie


fein foHte unb ber fi($ fieben ^af)xi lang plt, b. 1^.

nod^immer fo gut bleibt ot§ je^t. ^n übertragenem


©inn mirb er gern für ©eelifd^es ücrrcenbet: 3llbertine

(SJrün nennt eine geiftige ^reube ^^raaliren Sebenöbal»


fam"; ©opfiic oon 2a ^io^^ erwartet in bem SBefud^
ber %xau ©araffin einen Sebensbatfam, ber fie oer:
jungen raerbe. 3lud^ bei ©oetfie l^at bie 3Wufe bem
^an§ ^aä)^ für bie ©eete S^ial^rung unb 33atfam au§s
ertefen, inbem fie i^m bie ©eliebte jufülirt. ©oetEie
üerroenbet bie <Sad^e liier in gan§ finnlii^er Sebeutung
man erinnert fid^ on ben Sebenöquett, ben ajiineroa
bem ^rometl^euö für bie 3JJenf(^en eröffnet. Qn bem
„^ürftenÜnb" (3S. 303) oergteid^e man ben Urfauft:
,ßx tf)ut, alö mär er ein dürften ©ol^n"^*^^-

©eutlid^er ift ber ^ufammenl^ang, aber nur uns


ooflfommen ber SBortlaut unb ber ©inn von etlid^en

$ßerfen ju erfennen, bie ©oeti^e auf bem ^oliobogen,


ber bie Slnfunft beö ^eilanbs (33. 109 ff.) fd^ilbert, unten
an bem ^anh nad^getragen unb burd^ 3SerroeifungSs
geid^en alö greif d^en bie 5Serfe 165 unb 166 gefiörig be^

jcid^net iiat (oben ©. 105). ^ier mürben fie nun rool^t

bem ^n^ali nac^, aber nic^t nad^ bem 2^one gepaßt


l^aben, ber bie feierlid^e Stimmung mit einer gretten

^iffonans unterbrochen ^ötte.

304 nidjt gut nid^t h'ös, nidjt gros nidjt flcin,

fo fdjcifig als fie folltcn f^yn.


'X>od\ voenn crs tljät fid) fcftc fopfcn
Das Hcid] (Sottcs Ijindn ju propfen
160 ScnfcitS »Ott ®ut ttttb »öfc (SJ. 304 ff.).

S)er 3ufammenf)ang ift l^icr üötttg !(ar: ßfinftuö finbet


bie Sißelt fo toieber, tote fie immer geroefen ift (55. 158 ff.).
'^iin ift eä aber ein alter Siebling§gebatt!e beä jungen
©oetl^e, ba§ bie SBett immer unb überall glei(^, gut
unb böfe in ©inem, geroefen fei. ©r ftanb alö 3Belt-
betrad^ter Don jelier jenfeitö üon gut unb böfe; unb
wenn er fid^ babei auf ,,eble ^f)ilofop^en" beruft, fo
TOü^te id^ nur ©pinoga gu nennen, bann aber aud^
^an§ (Ba^§,, ber feinen ©d^man! com 33auernfned^t
mit ben SSerfen fd^lie^t:

„©ie ftnt gcleid^, po§ ober guet,


©Ott eä böd^ aB int peften tl^uet."

®er junge ©oetfie aber fd^reibt fd^on 1770: Strasburg


fei nid^t ein ^aar beffer nod^ fd^limmer als aUeö roaö
er auf ber SBelt !enne; eö l^abe aber bodl; gemiffe
(Seiten, bie einen jum ©uten unb SBöfen in 33eroegung
fe|en unb aus feiner gerob^nlid^en Sage bringen fönnten.
Unb in ber ©^afefpearerebe : ,,®aö mos eble ^l^ilo:
foppen üon ber 2ßelt gefagt l)aben, gilt audl) dou
©dafefpearen , bas roas mir bös nennen, ift nur bie

anbre ©cite t)om ©uten, bie fo nott)roenbig ju feiner

©fiftenj get)ört, als Zona torrida brennen unb Saplanb


einfrieren mu§, bafe es einen gemäßigten ^immelsftrid^

gebe/' 2tud^ in ben jjranffurter @cle^rten Slnjeigen


rebct ©octtie, wenn es üon ber 9iatur licifet : „fd;ön unb
l)ä§lid^, gut unb bös, alles mit glcid^cm 9ied^t neben
cinanbcr epiftirenb". ©in anbercö ÜDial mcnben fid^

bie 2lnjei0cn, gclcgcntUd^ ber ^allerfd^en ©riefe über


bie roid^tigftcn 2Bal)rf)eiten ber Offenbarung, gegen bie
auc^ in unfercn i^ogmcntcn ücrfpottctc antl^ropomor^
Senfeitä ooit ®ut unb SBöfc (95. 304 ff.)- 161

p^iftifd^c 3«et^obe (oben <B. 155 f.), bie jcbc SSorftettungö^

art bcä Wltn\6)m jur ©ad^e ©ottcö machen unb mit


SSerfoIgungögeift bel^aupten möd^te, ba^ baö, raaö @ott
t)on imö alö gut unb böfe angefeJien l^aben roill, aud^
t)or if)m gut unb böfe fei. „®arin finb wir alle einig,

baB ber 3Jlenfd^ baö tl^un fottte, roaö rair atte gut
nennen." Söenn roir uns erinnern, wie ©oettje aud^
in ben Sefenntniffen ber fd^öne (Seele unb an pei
©teilen im gauft baä ^unfel unb ^eH, Oben unb Unten
ber 3Jtenfd^]^eit jufd^reibt (oben ©. 155 f.), fo möd^te
man roof)! aud^ l^ier an ®oetl;e benfen, bcffen 2^un frei=
lid^ ber Sefire beä 3fiad^fa^eö nid;t entfprad^; benn
a)ZerdE fd^reibt t)on ilim an 3^ico(ai: „er fotgt ganj
feiner Saune, unbefümmert über bie ^olge i^rer 9Jiora=
tität". Unb @oetf)e felbft befennt nod^ fpäter Saüater
gegenüber: „2ttte beine ^beale f offen mid^ nid^t irre

fül^ren mal^r ju fein, unb gut unb böfe roie bie 9'iatur/'

SBeiter l^ei^t e§ im ^ater Srei;:

„Uttb lebt ein jebeä bod| fortan,


©0 ÜHI unb fo gut eS fonn."

2lud^ baä berbe 5^raftraort, beffen fid^ ©oetl^e in unferem


f^ragment (33. 305) t)on ben SJienfc^en bebient, fommt in
ben ^Briefen nod^ fpäter in berfelben Sebeutung üor,
menn er an SJterct fd^reibt, er fei in Söeimar mel^r aU
jemalö am ^la^, baä „burd^auö ©d^eifige biefer jeits

lid^en ^errlid^feit §u erfennen''. Unb ganj berfelbe


2^on I)errfd^t in einem Srief an Berber: „Sieber 33ru;
ber, fd^reib mir bod^ mand^mat, grimm ober gut, über
affeö unb nid^tö! ©ie^, ba bie SBelt fo ooff <B^ti^'
ferte ift, fofften mir bod^ mit einanber tiffiren unb
aJlinor, ®oet!)c§ ewiger 3ube. H
162 Slnbcte ?paralipomeno?

fd^cifen" ^^^). S)ie testen, fprod^tid^ nod^ nid^t gcluns

gcnen unb nid^t fidler Icferlid^cn SSortc fd^einen gu


fogcn: um bo§ ditid^ ®otte§ in bicfe fd^eifigen aKenfd^cn
ju pfJonjcn, ntüBtc ber ^eilanb fic crft nod^ tüd^tig

fd^röpfcn. ©inen „fopfen" ober „!öpfeln" bebeutet: il^m

gur 3lber lafjen ober il^m ©d^röpfföpfe fe^en, aud^: bie


^läl^ungen abtreiben, „tropfen" ift bie ältere mittel;

beutfd^e e^orm t)on ,,pfropfen''.


3Benn wir fonft nod^ Umfd^au l^alten, wo fid^ etraa

S^lefte üom ©roigen igwi'cn fänben, ftid^t unö fd^on


burd^ bie gleid^e 33efd^affenl)eit ber ^anbfd^rift ein
33lättd^cn in bie 2lugen, baö fid^ im 'üflad^la^ ber
Ätettenberg gefunben l^at unb bie 3Serfe entplt:

35ic Ferren Blenbt gar offt au oieleä Sid^t,


©ie fel^n bcn SBalb vov lauter Söumen nid^t.

;3inl^altlic^ liefen fid^ bie SBerfe fel^r gut entroeber auf


bie ortl)obofen ^ogmotifer ober auf bie ©d^üler ©ems
lerä mit i^ren gewagten ^ppotl^efen (oben <B. 119 f.)

begießen. Unb auä) baä $ßeröma§ fommt in unferen


Fragmenten l;äufig genug (33. 20. 137. 144 f. 148.
151. 153. 155. 163. 170. 172), befonberö auä) in
ttttgemcincn ©äfecn ($ß. 74 ff. 291 f. 296) oor^"').
©anj im im SSerömaB unfcrer j^ragmente
©til unb
finb ferner bie 33erfe über bie Dreieinigkeit in ber ^ey en^
füd^c beö „%aü^i" gebid^tet, unb ba Öoetlje in ^Italien

bie Rapiere jum ©roigcn ^uhen loiebcr gelüftet fiat,

fönnte ja auc^ rool)l ein j^ragment im „%a\i^t" 2luf;


na^me gefunben tiabcn. 2lber ber Gingang: ,,aWein

^eunb, bie Äunft ift alt unb neu", ber auf jjauft
JBejug nimmt, jcigt beutlid^ an, bafe ber Dialog l^ier
SReid^tum ber ©prad^e unb beä 6tile§. 163

feine £ü(fe oufioeift; e§ fönnte alfo l^öd^ftenä ein ?^rag=

ment benu^t fein, waä fid^ nid^t ntefir beroeifen

löfet^"*). ©euttid^ bagegen erfennt man aber bie nega^


tit)c 3fiad^tt)irfung beö (Sraigen ;3u^ß"/ ^^^ i^ bamal§
nod^ nicj^t enbgültig aufgegeben roor, in bem „f^auft".
®enn ba^ bie in baö Fragment neu eingefd^obene ©teile
über bie 2^l^eo(ogie in ber ©d^ülerfjene fo troden unb
und^arafteriftifd^ ausgefallen ift, fäHt umfomelir auf,
o(ö 3Repl^iftopl^eleö l^ier, toie man meinen follte, am
meiften ©etegenl^eit gefiabt fiätte, red^t ben Teufel ju
fpielen. ,^ier barf man mol^t ber 3Keinung 2lu§brudf
geben, bafe ber ©id^ter beö ©migen ^uben, ber von
<5atire auf bie Ürd^tid^en 3uftänbe unb bie tl^eotogifd^e

2ßiffenf(^aft [trotte, mit ben färben nur abfid^tlid^

gefpart l^at, meit er fic^ felber nid^t in bie Duere


!ommen moHte^**^).

4. ;§prarf^ß unb IBtx«.

@ö gibt nur menige gro^e unb fein anbereä 9Berf


©oet^eö t)on fo geringem Umfange, bie über eine fo
reid^e ©fala oon Xömn »erfügten unb oon ber ©prad^^
gemalt beö jungen ©id^terö ein fo lebenbigeö 3ß"9«iö
ablegten al§ biefe Fragmente, ^n htm fedften unb
burfd^ifofeften 2;on beginnt er oon bem ©egenftanb gu
reben, bem er bod^ felber eine religiöfe Sebeutung jus
fd^reibt. Ungeniert fte^t er im ^roömium mit ber
eigenen ^erfon in bem 33orbergrunb, um bann lang=
fam l)inter bem ©egenftanb gu »erfd^roinben. ©nttodt
i^m bie 3::räg^eit ber ortl^obojen ^riefter nod^ einen
lebhaften ©d^mur (3S. 39 ff.), fo tritt er bann fpäter
164 2)cr Qtil be§ ©tunncS unb SJrangcä.

nur mel^r {jeroor, um bie £cfcr auf bic ^auptfai^c auf=


ntcrffam su ma($en (25. 75) ober ben l^ormloj'en 35e;
gleiter 6f)rifti "tit „mein a^ann" (58. 222) anjurebcn;
erft am ©nbe eineä fpäteren ?5e^en§ !ommt er bann
roieber mit einer leidet {lingemorfenen epifd^en gormcl
(58. 276) unb mit ber ^anö ©ad^fif(^en SlnÜinbigung
be§ fpäteren Scrid^teä (SS. 290) gum 2Bort. 23alb mä)
bcm treul^ersigen 2^on beö @ingange§ mit ber gutrau=
lid^en ^Inrebe an ben lieben Sefer (58. 13 ff.) beginnt
er bic ©prac^e ber @eiftli(3^en gu reben unb er roeiB

bic ortl^oboyc unb amtlid^e ©eiftlid^fcit aud^ im S^on


unb im SBortfd^afe »on ber Ieibenf(i^aftli(^ aufgeregten
ber feparatiftifd^en 3eIoten ^u unterfc^eiben. ©d^arfc
fatirifd^c ©eiBel^iebe auf bie ©otteöläfterer mie auf bie

©eifttid^en merben bann mieber oon bcm berbftcn 2:on


ber SBänfelfängerbattabc abgelöft; biefer aber fofort

mieber alö gu unebcl fallen gelaffen unb bie erl^abenfte


^cicrlid^feit f)errfd^t in ben 58erfen oon bcm mieber^
fetircnben ^cilanb, bcffen innige Siebe ju bcm 3Kenfd^en^
gcfd^tcd^t einen crgreifenben Sluöbrud finbet, aber auä)
felbcr batb roiebcr bcm ernften 2:on ber ftrafenben

©atirc 5piafe mad^en mu§. Unb im Icbtiafteftcn 5piaubcr-

ton roanbcrn mir nun mit (5l)riftu8 unb bcm ®orf=


Pfarrer auf ber SanbftraBc, pren bie üblid^cn ^^ragen

ber 2;omjad^e, ben fd^lcd;tcn 2Biö beö branntioeinigen

Äorporalö unb bic fd^roffc 3lbroeifung ber übet ge*

launten, balb jebod^ roicber begütigten 5l5d^in — (auter

2öenbungcn am ber Umgangöfprad;c be« 58oIfeö, jebc

einen ganjcn (Sf)ara!tcr tnit ein paar äöorten fofort


beutlid) üor unfcre 2lugcn ftettcnb. Unb bicfeö ganjc

©emifd^ fo fräftig mit biblifc^em ©aucrteig burc^fe^t.


©innlic^e 2lnfc^aurtc^fcit bcS ©tireä. 165

ha^ eö nid^t toie ein 3Ka^!ud^en fi^cn bleibt, ©s ift,

Toie ber ©id^ter fagt (33. 20), toir!li(^ ein ^auberroelfd^,


er 'ifat rairfüd^ gerebet, wie e§ ifim ber ©eift eingegeben
bat. ®s raar aber aud^ ein ^fingftgeift, ber eä i^m
gegeben ffat, mit fo meten 3""9ß" 3" reben.
S)er ©tit beö ©turmeä «nb 2)rangeö ift nament=
lid^ im ^roömium fühlbar, rao fid^ au($ bie burf(^i=
fofe ^ittij^Iäffigfeit unb @leid^güttig!eit in bem oft bin=

geworfenen SBörtd^en „mobl" »errät (SS. 1. 16. 18).


©päter üermenbet ber 2)id^ter ein Kraftwort mie
,,^re(f" (33. 83), um einem fatirifd^en 2luöfall bie

^ointe aufjufe^en. @ott 3Sater unb ©ott ©o^n mit


©robtieiten (33. 96) berumraerfen ju laffen, bot er balb
aufgegeben, aber ben bar^tofen 2)orfpfarrer gutmütig
aU „©d^af" (33. 206) eingefübrt unb felbft bie feiere

lid^e Stimmung beö mieberfebrenben §eilanb§ burc^


eine triüiale SBenbung mie „in ber ©auce liegen"

(33. 159) unterbrod^en. 9Jiit bem ©til biefer 3cit teilen

aud^ unfere Fragmente bie 33orliebe für bie finntid^e

2lnfc^auung gegenüber ber logifd^en unb grammatifd^en


gorm. 33om ©otteäbienft ift bie 3flebe, — ber ^ic^ter
aber, ber gleid^ ha^i ganje Söefen oor 2lugen l^at, fäbrt
nid^t mit „er", fonbern mit „eö" fort (33. 52); ba§
Häuflein ift beifammen, — aber „fie" gaffen unb
langemeilen nun (33. 61); bie ©umpfbeit unb bie 33e=

gier werben genannt unb ausgemalt — ,,baä", nämlii^

alle§ maö in bem 33ilb entbalten ift, ruft ben ^eilanb


berunter (33. 152). ®em Sefer bleibt eö nid^t blofe in
einzelnen 33erfen, fonbern oft eine ganje ©tredfe üon
33erfen binburd^, felbft bort, roo bie ^erfonen ahmz^=
fein, überlaffen, fid^ baö ©ubjeft auö bem 3wftimmen=
166 S)tc ei^ntat.

l^ang ober auö bem ©inn gu crgänsen; bei bcm ^ro=


nominatfubjeü, unb jroar in allen brei ^erfonen, ift ba§
faft baö ©eroö^ntid^e (oben ©. 133). ©o wie baö ^ro;
nomen, feiilt aud^ öfter ber 3lrti!el, ber beftimmte fo
gut Töie ber unbeftimntte, fo baB allgemeine 33egriffe

mit ber ^raft üon ^nbioibuen auftreten unb Slppetta^


tiütt wie Eigennamen gebrandet erfd^einen : (ber) ^ottrer

$ß. 41 ;
(eine) roonneöolle 3ö^rß 33- 135 ;
(bie) Steforma^
tion SS. 270; (baö) ^erj 33. 286 (l^ier formelfiaft). 3)ie

3SorIiebe für fräftige ^ürje unb ^napp^eit ^eigt fid^

aud^, TOenn baö ©imptey für ha^ Äompofitum ge^

brandet wirb (g. 33. „lieö" für „erlief" 33. 239); unb
in ber, freilid^ auc^ auf mctrifd^en ©rünben berul;enbeu
SSorliebe für bie gufammengejogenen ober üerfürjteu
formen, bie bem „coupierten ©til" fein ©epröge geben:

3. 33. rab (33. 169); ©leiter (33. 256); an (be)ö (^. 268);
an (für I)eran, 33. 228). 3lud^ in ber ©pntaf wirb
oieles abgefd^afft, roaö bie geroö^nlid^e ©d^riftfprad^e
befonberö im ©ebraud^ ber ^artüel rerlangt; in un=
mittelbar aufeinanber fotgenben 3Serfen roerben 3. ö. bie

eingeflammerten 2Börtd^en erfpart : (fo) gering 33. 230


als mie (ba) er 33. 231 ;
(als) ein grembling 33. 235
als (ob) fie'S 33. 248; fic badeten lang (nad^) 33. 252;
oon uraltcrs (f)er) 33. 269. ^ie ©vntaj: bebient fid^, wo
nid^t ^bl^ere 3lbfid^ten »orliegen, ber einfad^ften SOMttel
ber Umgangsfprad^e ; roie biefe beüorjugcn unfcre j^rag;
mcnte bie ^arataje, fie gc^eu ber logifd;en über; unb
Unterorbnung ber ©äfce in ber ©d^riftfprad^c gcfliffcnt--

lid^ ouft bcm SBege. 3)ie bominiercnbc ilonjunftion


ifl ballet ,,unb", t)on bem ein fo ftarfcr ©cbraud^ ge*
mad^t wirb, ba§ es einmal in oicr 33erfcn fed^Smal

I
S)er Stlberrcid^tum. 167

erf(3^cint (35. 69—72). ,,Unb'' !ommt im (Stoigcn ^u'otn

in attcn Sebeutungcn t)or: cö certritt „ebcnfo" (58. 17);


e§ bebeutet: ,,unb bod^" (3?. 71); es fte^t für „fo
\ia^'' (SS. 196); eä l^ebt ben 33orberfa^ tüieber auf
($8. 28). ®er 33ebingung§fo^ nimmt in aufeinanber=
folgenben SSerfen (58. 15 unb 17) bie ^orm beö ^aupt=

fo^eö an; unb für ba§ 2lna!olutf) f)at ©oetl^e fd^on ()ier

bie SSortiebe beraä^rt, bie il^m au^ fpäter eigen ge=

btieben ift (58. 123; ^intereinanber 58. 150 unb 152).


Zuritt in atten biefen ?^ätten anftatt ber logifc^en 58er=

fnüpfung unb Unterorbnung ^auptfafe gleid^bered^tigt

neben ^auptfafe, fo ift eö natürli($ ein ganj anbereä


®ing, roenn bie ©umpfl^eit bes menf(^Iic|en ©inneä
unb bie f(^(angen!notige 58egierbe in einem Söirrfat üon
begonnenen unb toieberaufgegebenen 9tebenfä^en gefd^iU
bert werben, meldte, felber ein fold^er ©d^tangenfnoten,
ha^ unüare ©treben unb 9?ingen fräftig üerfinnlid^en
(33. 147 ff.).

®em 58ilberreid^tum ber Fragmente fonnteu aud^


bie 2lnmer!ungen nur annäl^erungämeifc geredet werben,
^ier fei nur barauf aufmerffam gemacht, raie füi^n

©oetl^e baö ^eilige mit bem 5profanen cergleid^t

(58. 120 ff.); n)ie er in ber näc^ften 5Rä^e zugreift,


menn er bie ©eifter mit ben Sfllieinroeinforten (58. 92)
ober bie offisieUen Eunbmod^ungen ber ©taatöretigion mit
petfd^ierten ©elterfermafferftafi^en »ergteid^t (58. 226 f.);
wie if)m aud^ bie 3^atur, 2lmeifen unb «Schlangen, ben
©toff gu 5Bitbern 149 ff.); roie er ben
liefert (58. 35 f.,

biblifd^en 58ilbern üom Sauerteig (58. 203 ff.) unb »om

Feigenbaum (58. 231 ff.), mit 58enu^ung anberer 58ibels


ftetten, eine originelle 5lBenbung gibt ; roie fid^ auä bibli*
168 Äompoftta; 93eitDörter; 3[rd^aiftifd^e8.

fd^en keimen ba§ S3ilb bcö ©cigeö gu einer groteäfen


^crfonifüation auöroäd^ft (33. 174 ff.) unb ber S8aud^
einfad^ al§ 9tame für feinen S^räger, ben feiften Pfaffen,
bient ($ß. 41. 190). 3(u(j^ auf ben rafd^en SBed^fet ber
33ilber, bie, o^ne fid^ aufjut)eben ober ^u ftören, einö
in boö anbere übergel^en, unb auf baö fül^ne ^tviQma,
baö barauö folgt, fei nur im 33orübergel^en aufmer!=
fam gemad^t. Unter ben SReubilbungen fpielen wie in
ber @oetf)ifd^en ^ugenbbid^tung überhaupt, fo aucf)

l^icr bie Äontpofita bie erfte dioUe, roo ber junge


S)i(^ter bie füfinften SSerbinbungen fd^afft, inbem er
bie 3SorfteIIungen auf ft)!lopifd^e Sßeife einfad^ ncben=
einanber fteHt: ©d^merjen ^ügel (3S. 129), junger
©inn (33. 174), stauen «gänbe (Sß. 175) ober baö
prad^toollfte Scifpiel: „mit ^erj unb Siebeöarmen flefift

bu 0U& tiefem ®rang ju mir'' (33. 138 f.). 3^ur einmal


finbet fid^ boö ©egenteit: aus metrifd^en ©rünben löft

ber ^id^ter bos 5lompofitum „^od^roeg'' in „^ol^er


SBcg'' auf (SB. 207). 2lud^ ^ier begegnen mir bcm
fiieblingsmörtd^en „att" (Sß. 132. 173), baö im Urfauft
fo roat)l(oö angcmenbet mirb unb fpäter meife auf
bie nad^brüdflid^ften ©teUcn cingefd^ränft rourbe. 33on
jiel^enbcn Seiroörtern werben nur bie cinfad^ften ge*
brandet: am meiften baö innige, oon Sutt)er gel^egte

äöbrticin: lieb (ber liebe ©ol^n 33.94, bas liebe Seben


ber 9iatur 33. 181, baö 33rot fo lieb 33. 204), ober
jroeimal l^intcreinanbcr ooll (bie ooHc 3BeIt 33. 118,
ber oollc ^immclöflug 5ö. 123), baö f)omcrifd^e: bie
weite 6rbe (33. 110) ober gar nur baö gcmütlid^e „mein"
(93. 222). 2lu6 ber älteren ©prad^e ftammen bie jum
2;eite im ^ialeft unb im 33olffiUeb fortlebenben ^^ormen
2)ic jatnbifd^en Änittetnerfe. 169

unb SBenbungen, wk: 33efuri^t (9S. 204), Xnxm


(3S. 221), baö ^on§ ©ad^fifd^e f^toung (SB. 109) unb
bie burd^gc^enben l^et unb tet, von benen baä leitete

gern jur Umfd^reibung bient: tet er fagen (33. 249),


Ut er fragen (33. 285. 289 u. ö.). Slud^ in ber 2öort=:

ftellung geigt fi(^ Slltertumlid^es : fo bie feit Opi^ t)er=

pönte, im 33olfeIieb fortlebenbe ^lad^fteHung beä 2lbie!=


tioeö: X069UX 3ion fränflid^ (33. 48); 33rot fo lieb
(33. 204); ober bie ©d^IuBftellung beä 33erbum§, bie
wie bei ^anö Baä)^ auf metrifc^em 33ebürfniö berufit:

er auf bem 33erge füEe ^ä(t (33. 115. 133. 239). SBie
im Urfauft fommt enblid^ bie 2Bieberf)oIung berfelben
SBörter unb 33egriffe unmittelbar fiintereinanber nid^t
feiten oor. ©ie ift geroi^ öfter, loie aud^ im ?^auft,
njo fpäter fo oiete ^nberungen nötig befunben würben,
avL^ ber ^lüd^tigfeit beö erften ©ntraurfeä §u erflären;
fel^r oft aber anä) mirb fie gang unanftö^ig fiinge^

nommen, alä eine bto^e ?^olge ber treu nad^geatimten

Umgangöfprad^e, bie befonberä mit ben „fragt" unb


„fagt" nid^t fparfam ift: namentlid^ biefe Söörter n)ieber=
loten fid^ bei ©oet^e gern (33. 101 f.
245 ff.
249 ff.),

aber auc^ „oott" (3^. 118. 123), „loofir (33. 1. 16.

18. 106) unb in d^iaftifi^er (Stellung „meit" unb „nai)"

(33. 109 f.).

®ie i^ragmente finb in 5lnitteloerfen gefd^rieben,

bie ber S)id^ter in bem ^roömium felber ben „mols


gefd^liffnen leidsten 9?eimen" (33. 10) entgegenftettt, wo*
bei er rool)! einen ©eitenf)ieb auf SBielanbä 9?eimfunft

(oben ©. 50) füfirt. 33on ben 307 «ßerfen finb gmei


drittel ftumpf, unb !aum ein drittel (87 33erfe) flingenb,

njas gang bem frifc^en, fedfen, aggreffioen ^n^ait ent*


170 2)ic trod^äifd^crt Änittelocrfe.

fprtd^t. ®cr Sänge na^ bctoegcn fid^ bie SBerfe jtoi;

fd^cn 4 unb 6 Hebungen unb gtoifd^en 8 unb 13 ©il;


ben; jebod^ fo, ba^ bie merliebigen SSerfe niematö bie
3al^l »Ott 11 ©üben überfd^reiten. daraus erfiel^t

man fd^on, ba^ eö fel^r jol^me ^nitteberfe finb, ebenfo


wie bie 3Serfe beö Urfauft. Unb in ber %at finb benn
aud^ nid^t weniger aU 200 aSer[e regelmäßige üier;
füßige :3öniben mit ftumpfem (146) ober Hingenbem (54)
2luägang. SBenig »on biefem ©d^ema entfernt fid^ eine
größere ainjot)! (27) üon 9]erfen, bie in einem Sßeräfuß
§tt)cifilbige ©en!ungen im 2lufta!t 1; im
aufroeifen:
groeiten guß 6 im brüten ^uß 17 im vierten %n^ 2.
; ;

3fiur pei $ßerfe biefer jambifd^en ©ruppe l^aben in jmei

SSeräfüßen eine graeifilbige (5en!ung : ber eine (Sß. 203)


im erften unb groeiten, ber anbere (33. 242) im erften
imb britten ^uß; unb fogar fiier muß eö nod^ groeifet;
I)aft bleiben, ob ©oettie im erften ?^alle baö SBort
„Sauerteig" nid^t groeifilbig gel^ört f)ai. 9iod^ weiter

entfernen fid^ nur groei jambifd^c SSerfe t)on bem


©d^ema, inbem beibe mit jnjeifilbigem 3luftaft eine
fel^lenbe ©en!ung oerbinben; groifd^en erften unb ber
vierten Hebung: Unfer ^crr/fü^lt i^m auf ben 3d^n
33. 212; pifd^en ber jroeitcn unb britten Hebung: 2luö
ber ©d^Ürj ein Ärautliaiipt ocrlor 278. ^d^ fomme
borauf nod^ jurüdE.
2)er ilnittelocrs !ann aud^ faUcnbcn S^l^ptlimuö an*
nehmen, was freilid^ bei uncntfc^icbcner ^Betonung, be^
fonbers wenn mcl)rcre einfilbigc äBörter an bie ©pi|}e
treten, nid^t immer fidler ju crfennen ift. 3)ie ;^af)l ber

üier^ebigen S3crfc mit bcutlid^ foHenbem 9?l)i;tl^mu6 be-


trägt nur 24 (gegenüber 200 jambifd^en), mafi roiebcr
2Die längeren SBetfe. 171

gu bem fräftig auäfd^reitenben STon unb iö^'^ttlt beä


©ebid^teö ftimmt. Unb t)on biefer SJünberja^t entfernt
fid^ ber größere Xdi (15) nur baburd^ t)on bem jambi;
f(^en ©diente, ba§ ber erfte 58eröfu§ !ein ^ambuö, fon=
htvn ein ^aftpluö ift: eine ©rfd^einung, bie befannt^

lid^ aud^ in ben ftreng jambifd^en $ßerönta§en etraaä


burd^auö ©eroöl^ntid^eö ift unb fid^ in unferen ?5rag=

menten aud^ breimal l^intereinanber raieberl^ott (33. 215 ff.

237 f.). ©tel^t ()ier äroeifilbige ©enfung im erften %u^


beö trod^äifd^en SSerfeö, fo finben mir fie im peiten
%M^ nur breimal, im britten nie. 3^^^^'^'^ i" ^ß^-
felben tro(^äif(^en!ommt graeifilbige ©en!ung
SSerfe

breimal vov: peimal im erften unb jmeiten %u^


(33. 41. 235) unb einmal im gmeiten unb britten ^u^

(33. 21), n)obei aber ha^ ^rembmort {^n ^uboa bem


fjeitigen Sdnb) su Ua^Un ift. Slud^ liier finben fid^

nur brei 33erfe, bie größere greitieiten in Slnfprud^


netimen. Qwd mit einer breifilbigen ©enfung im
erften unb einer peifilbigen ©enfung im jtoeiten 2^aft

(33. 40 unb 62); unb einer mit fel^Ienber ©en!ung im


erften unb mit peifilbigen ©enfungen im jmeiten unb
britten ^a!t (33. 26). 2lud^ barauf fomme id^ gleid§

jurücf.

S^lid^t fetten, in 32 fallen üon ben 307, gelien bie


3Serfe über üier Hebungen l^inauä: 26 fünffüßige unb
6 Jamben; längere 33erfe üon fattenbem
fed^äfüjjige
Sfl^^tl^muä fommen alfo nic^t ror. 9)ian fül^lt bie
2Bir!ung biefer längeren Jamben fofort; in ben meiften
fällen fann man fid^ bie 2ßir!ung aud^ !lar jum 33en)u|ts
fein bringen, ©ie bienen entmeber baju ber ^eriobc
einen beutlid^en Slbfd^luß ju geben (58. 8. 20. 83. 169).
172 25te ©cnfungcn.

Ober ftc l^aben einen fentcntiöfen 6^ara!ter (Sß. 73 ff.

291 f. 303) unb üerfd^roinben fofort (23. 78 ff.), roo


bie ©atire l^eftig ^eroorbrid^t. ©obalb ber joieber;
gefeierte ^eitanb oon ber erften ^räne §u ber ^Ics

ffejion über bic SBelt unb bie 3Jienfd^en übergebt,


fiellen fie ftd^ ein (SS. 144 ff.); rote auc^ fonft in ben
Partien, roo ber ©id^ter ober feine ^erfonen ju re=

fleüieren beginnen ($8. 162 f. 169 ff.


293 f.). 3rber
aud^ ber 2lu§bru(f ber unenblid^en ©ebnfud^t be§ ®r-
löferä nad^ ben 3)ienfd^en (23. 137, mitten unter uier^
l^ebigen QSerfen) unb fein 9Jiitgefül^l mit bem reuigen
©ünber (23. 297 ff.) greifen ju ben längeren 2Serfen,
unter benen aud^ etlid^e 2llejanbriner finb (23. 8. 77.
162. 297 f. 303).
SBenn roir nun bie ?iatur ber ©enfungen nä^er
betrad^ten, fo f)i(ft unä aud^ l^ier bie Stnnal^me einer

abfoluten, fid^ ftet§ gleid^bleibenben Duontität ber ©itben


nic^t com ^ledf. @ö ift ja fe^r leidet ju beobad^ten,

bafe (Silben mit liquiben 5lonfonanten befonberä l^äufig

üorfommen, ober bafe ©oett)C in anbern ^^ällen ein 2Bort

roie ,,Sauerteig" eben aud^ 5roeifilbig l^ören fonnte. 3)em


fte^t aber roieber gegenüber, ba§ SSörter roie: „©Ott",
„fprid^t", „einmal", „tialb" ebenfogut in ber jroeifilbigen

©enfung oorfommen, 2!Börter alfo, bercn oofalifd^cr


unb fonfonantifd^er ©elialt unb barum aud^ iljre ©ilbens
quantität offenbar eine größere ift. 9Jle^r l)ilft es uns
fc^on, roenn roir in ben fällen, roo foldfje fd^roere

©ilbcn in jroeifilbiger ©enfung ftcl^cn, bic ill^ortftaffen

in öetrad^t jiel)cn: es finb meiftens ^artifcln: ,,bod^",


„fo", „aud)", „oon", „aus" ; ober bas im 3luftaft be^

fonbcrs beliebte unb ftetö fd^nctt gefprod^ene Jlöörtd^en


S)ic »icIftlBigctt ©cnfungen. 173

„all" (oline ©mpl^afe): „aller Söünfd^e"; ober bas faft


enflitifd^e einmal: „nid^t einmal"; ober baä roieberl^olte

„l)alb —|alb", löie jebe 3Bieberl)olung flüd^tiger ge;

fpro(^en; ober ein SSerbum (33. 67), ba§ nid^t bie

eigentlid^e 2luö[age entliält, fonbern nur einen fd^on be*


!annten Segriff mieberl^olt; ober gelialtreid^e 6ilben in
^rembraörtern, über bie mir flüd^tiger als bie 9lomanen
l^inroegeilen: „^Reformation". ®aä ift fd^on bie relatioe
Duantität; bie Duantität, bie nid^t allein tJon ber
(Summe ber ©prad^laute abl^ängt, fonbern oon ber
Sebeutung, bie bie ©ilbe für bie 5Webe l^at. Unb nun
!ommt nod^ ein SBeitereö l^inju. (So finb in allen f^^ag^

menten blo^ sroei $ßerfe entlialten, rco bie ©enfungö^


filben galilreid^er auftreten. <Sel)en mir fie uns genauer
an. einer lautet (SS. 62):

„iQättctt ba§ aud^ fönnen im Xitmpel f^in".

S)aö ift eine beiläufig l^ingemorfene, fd^nippifd^e 33ei

merfung : fie liötten rul^ig in ber £ird^e bleiben !önnen,


baju ptten fie raal^rlid^ nid^t eine eigene ©e!te ju
grünben gebrandet! UnmiHfürlic^ lieft man ben ©a^
rafd^ unb fd^nippifd^ ^in; unb ebenfo unroiMürlid^,
rool)l ganj unbewußt l^aben fid^ bie rielen ©enfungen
cingeftellt. 2)ie relatioe Quantität ift bei bem rafd^en
S^empo eine nod^ geringere geroorben unb ber 3Ser§

tieft fid^ tabelloä.

®er anberc SSerö (33. 40) entliält einen ©d^rour:

㤊tte man Band Raulen ein SBifftum geben".

^^ ftelle fogleid^ benjemgen 3Scrö auö bem gauft (2805)


gegenüber, ber im Urfauft bie meiften ©enfungen ents
174 S)ie fcl^Icnbcn ©cnfungen.

^ält, obrool^I bcr Urfauft fonft mefirfilbige ©enfungen


mit ben Iiärteften SBortformen umgefit:

„33ci dttcr »erfc^mä^ten Sießc, fieim pHifd^en Clement!"

®aö ift anä) ein ©d^rour! Unb loenn wir Bcoboc^ten,


wie wir ©(^toüre einmal feierlich langfam, bann mieber
leibenfd^aftlid^ fieftig unb rafd^ jum 2lu§bru(f bringen,
werben mir balb im reinen fein mit biefen $8erfen.
©ie gel^ören ber le^teren 2lrt an, werben unroiHfürlid^
rafd^ getefen unb bie Quantität rairb baburd^ fo |erab=
gebrüdt, ba§ man an einem 2;a!t :
\
^atU man ©an!t
|

feinen 2lnftoB me^r nimmt.


SSetrad^ten mir nun ebenfo bie brei einzigen ?^älle,

wo bie ©en!ung fel^It. ©ie lauten:


^errnl^Mter me^c ©e'poratift (Sß. 26).
2lu§ bcr <Sd)üvi ein Äraüt^oüpt oerlör (5B. 278).
Unfer ^e'rr / fü^It if)m auf beii 3d^n (SB. 212).

3)cr lefttc %aU erlebigt fid^ leidet: fobalb mir uad^


,,Unfer $crr" jene !leine ^aufe eintreten laffen, mit
bcr mir bei ber ©rjäl)lung bie ©rmartung auf bie ^iebe
einer neuen ober befonbers roid^tigen ^erfon teufen,

fteat fid^ 3lfjent auf ,,fü^lt'' ein unb ift bie fe^lenbe
©enfung aud^ in bcr natürlid^cn S'lebe begrünbet.
3n ben beibcn erften 3?erfen danbelt eö fid^ iebcämal
um ein Äompofitum, baö einen ganj neuen, raid^tigcn,

nid^t äu übcr^örenben 93cgriff enthält; bei bem man


alfo aud^ ocrmeilen fann unb oerrocilt, bcfonberö im
ärociten '^aU, roo eine fomifd^c 2ßirfung beabfid;tigt ift

unb aud^ crrcid^t wirb. 3)er ^Wad^brudf fällt auf bie

crftc ©ilbe nad^ unfcren 93ctonungsgcfe6en ;


fobatb man
biefe aber nad^brüdflid^ betont unb bie Silbe ausl)ält.
3)ic ©d^onung ber notürlid^cn ^Betonung. 175

fteHt fid^ ber 3^ebenof§entvon felbft auf ber jtoeitcn


©Übe ein. ®ie ©enfung fielet atfo mit ber
fefilenbe

natürlid^en Betonung ebenfo im ©inftang, toie bie


3Serfe im Urfauft:
gfrau aWdrtl^e! — ®r(ftd^en, roaS föa'g? (^fauft 2873).

SSor feinem Äöntg ber ®rben! (g^auft 3022).

^ier f)ot ©oetl^e ben erfreuten, langgezogenen 2lu§ruf


ber aJiartl^e (©retd^en) unb ben übertrieben galanten
3luöruf beö 9Jiepf)ifto (^onig) lebenbig im Dfir gel^abt,
alä er bie SSerfe fd^rieb, geroi^ o^ne eine 2l{)nung, ha^
bie fo leidet l^erjufteHenbe ©enfung fef)lt. @rft fpäter,
alä er fie vom Rapier meg taö, mar ifim ber 3lu§=

ruf nid^t mel^r im Ot)r unb er cerfd^Ummbefferte bie


33erfe, inbem er anftatt ber entbelirlid^en ©enfungen
fd^led^te Hebungen l^erfteHte:

grau aRort^e!^ ©raelc^en, mä fottä?


S3ör feinem ÄönigJ ber Srben!

%ixx ben Sefer jebenfaHs angenefimer, ber fid^ nun nid^t


metir in Unfoften ju fe^en braud^t!
9fiie begegnen unö in biefen präd^tigen ^nittelüerfen
SSerle^ungen ber natürlid^en 33etonung ! ®ie ^Betonung
ber ^ompofita auf ber hin %if)kx,
jraeiten «Silbe ift

raeil immer ba§ ©runbraort burd^ Si;onf)öf)e ^ur


ba
©eltung fommt: ^ers ^römmigfeit 23; aj^ajfud^en
205; bemütfiig 239; branbtraemger 253. @benfo=
raenig üerftö^t ein betontes SBort im 2Iufta!t gegen bie
natürlid^e ^Betonung; biefer in allen SSer^arten ges
TOöfinlid^e %aü mirb ftetä burd^ 3:on^ö§e ausgeglid^en
ßap unb 6f)ampdgner unb Surgiinber 93. 91. ^m
©a^afjent gilt baäfelbe; bie SSerfe: aber bas fd^bne mar
176 2)ie 3lcime.

babei SS. 63; bcr difo @ott licö im ^imtnet riil^n 210,
finb gcrabc, weil baö 3Bort fo ftarf betont ift, ba^ eö
nur burd^ ^öl^e jur ©eltung gebrad^t loerben !ann,
ebenfo tabcltoö, raie bcc 3?er§ 2lrnbtö: ®rei SBorte,
©Ott, tönig unb SSdtertdnb (3Jletri! n02). SBeit

fd^Ied^ter ift cö mit ben 92cbenaf§entcn in fünbigeä 86,

f notige 149 beftellt, bie roirflic^ ftören. ®ie ^älle ber


SBortoerfüräung bieten nid^tä SefonbereS; f^rembmörter
roie Sf^eformatjon, ^tetigjon, omnja mürben im 18. ^a^v-
l^unbert attgemein mittfürtid^ belianbelt. 2Bortöerlänge;
rung !ommt in ungern ö^inlid^er 2Beife nur einmal üor:
ftanbe 243.
3lu(3^ bie 9leinl^eit ber Steime ^at für ben 3Jletrifer

nid^tä 2luffäIIigeö ; man meife ja, ba^ ©oetl^e anä) fonft


lange unb furje, l^elle unb bunüe 33o!aIe reimt unb ba^
fid^ biefe ©rfd^einungen gum ^Teile aus feiner 3Kunbart
erflären. S)ie 9ieimpaare werben feftgelialten, rco bie
@rjäf)Iung rafd^ unb flott fortfd^reitet. ©el^r oft aber
freujen (abab) ober umfd^tingcn fid^ (abba) bie S^ieime,

rooburd^ 2lnfä^e ju ftropl^ifd^cr ©liebening entftet)en,

bie umfo beutlid^er füt)lbar roerben, roenn bie abs


roed^felnben Steime aud^ bem @cfd^ted;t nad^ üerfd^icben

finb. ©0 l^ebt fid^ bie Stiebe ber ©eparatiften oon ber


©rjät)Iung ftrop{)ifd^ ab ($8. 55 ff.); aber aurf; bie

mciften S^eflcyionen näl^ern fid^ ber ©trop^enform, unb


bie 3J?einung bcs S)id^tcrft ilber bie S^leformation ftef)t

roieberum mitten jroifd^en forttaufenben 3leimpaaren


(35. 268—274) in ftropl)ifc^er «cftalt. 5Die 2tnfä<jc ju

ber ©tropf)cnform bcr S3änfelfängcrbaIIabe bebicncn fid^

beöfelbcn oicrl^cbigcn jambifd^cn Ü^erfeö, ber in bem


gonjcn Öcbic^t oorl^crrfc^t ; finb aber nid^t jur Älarl^cit
35ic 3lcimc. 177

gebiefjcn (SS. 93 ff.). 3ln t)ier ©teaen raenbct bcr

^id^tcr bcn ^rcircint an. 3"^^^ alö ber töiebcrfcl^renbc


^eitanb auf bcm SJerge ftitt^ätt («ß. 115 ff.), tt)0 bcr

®reircim bie (Situation aud^ voixtiid^ feftju^alten fd^eint.

®ann bei bent langgezogenen ©ruB bcs igeitanbö an


feine Srüber, bie 3Jlenfd^en, ber bur<3§ ben 5Dreircim
nod^ länger im Dfire fortflingt (5ß. 131 ff.). 3um
britten malt er bie fd^langenfnotige 33cgier unb bie

S)umpff)eit beö ©innes, aus ber ber 3Jicnfd^ fid^ fo

mülfam entporjuringen fud^t, roie ber Sefer in bcn


fünftlid^ t)erf(^(ungenen ©ä^en unb in bcn brcifad^cn
9fieimen feftgelialten rairb (33. 147 ff.). 2ln bcr eierten
©teae (5ß. 268 ff.) fd^tie^t fid^ eine 5Rep[ejion beä 5Did^tcrö

über bie Sfleformation, bie ben @ang ber ^anblung


unterbrid^t, an bie ©rjä^lung in ber SBcife an, ba§ fie

mit biefer burd^ smei S'ieime t)erbunben ift, mobei aber


ha^ gtcid^e 9?eimtoort roieber^olt mirb.

SRinot, ©oet^es Gwigtt 3ub«. 12


m. BatJi0BTx!itditß.

1. ^Br ifalitntfrf^e pian.

.n SBcimar ifiat ©oet^c, roic mix (oben ©. 50 f.)

t)on SBicIanb gehört f)aben, bcn ©roigcn i^uben


groar öfter »orgelefen, namentlid^ um bem ^crgog einen
©ef allen ju tun, aber feine Suft jur ^ortfe^ung
empfunben. 2)ie rüdEfid^tälofe ©atire Tag i^m l^icr

cbenfo fern, alö bie ^riti! ber Ürd^lid^en 3"ftä"^ßr


bic er in SBeimar unter Berber beftens geborgen ^ielt.

2)er ©roige ^nhe entfd^roanb oöllig feinen 2lugen. S)aß


„3KärIein con 6f)riftuö" aber würbe ifim burd^ bie

©d^riften jroeier ^reunbc immer roieber nal^e gebrad^t.

Unb wenn mir aud^ einen bireften ©influB berfclben

auf feine Sßorftellungsart nid^t nad^roeifen fönnen, fo


bleibt bod^ feine eigene 2lnfid^t, bie in ben Urteilen
barüber jum 2lusbrui fommt, für unö »on bem größten
3intereffc.

®oetl)c roor nod^ in ^ranffurt, als ioerber (1775)

eine ©d^rift über bie Sriefc ber jünger ^alob unb


3uba6 ausgeben liefe, an beren „gefü{)Iter 2Bclt'' fid^

ber ^id^ter befi ©roigcn 3luben erlabte. 2lbcr er f)ält

mit bem Selcnntniö nid^t jurüd, bafe i{)m ber ®egen;

ftanb, bie ganje fie^re üon (S^rifto ala ein ©d^einbing,


boft i^n alfi aWcnfd^cn, alfi eingefd^rönftefi, bebürftiges
^ctbcrg unb Sttüatetä ©l|tiftu§. 179

®ing rafenb mad^c, bod^ eben nur in ber 33el^anblung


^erberö lieb fei. „(^oti ober Steufel, fo bef)anbelt,

wirb mir lieb, benn er ift mein 33ruber. Unb fo fül^l

id^ ttud^ in att ©einem SBefen nid^t bie (Sd^al unb


§ülle, barau§ beine ßaftors ober ^arte!in§ l^erauö;

f^lüpfen, fonbern ben emig gleid^en 33ruber, 2Jlenfd^,

©Ott, Sßurm unb SfJarren. — ©eine 2lrt gu fegen —


unb nid^t etroa aus bem ^efirigt ©olb ju fieben, fons
bern ben ^el^rigt jur tebenben ^ftanje umjupalingene;
firen, legt mid^ immer auf bie ^niee meineö ^erjenö/'
9Jlan fielet, bafe ©oet^e I)ier eine 2lrt, ben Sauerteig au^^
jufd^euern, »orgefunben l^at, mit ber aud^ er fid^ einöers
ftanben erflären konnte. $ßon SBeimar l^at Berber bann
fein 33ud^ über bie 2lpofalt)pfc unter bem ^itel: „"^Slaxan
2ltl^a. ©aö S3ud^ oon ber ^"'^""ft beö <oerrn, beö
^Wcuen 2::eftamentc§ ©ieget" (1779) auögel^en laffen,

eine ber in jener 3"t maffenl^aft roie bie ^ilge empor=


fd^ie^enben ©rHärungen ber 2lpofalt)pfe, worin er auö;

pfül^ren fud^te, ba§ bie Offenbarung ^oi)anne§ nid^t

bloB baö SBefen beü ßfiriftentums , fonbern aud^ ber


3ßeltgefd^id^te enthalte. Unb ein ^a^v fpöter oeröffcnt=
lid^te Saoater, ber bie Stimmen über ^erberö 33ud^
eifrig fammelte unb nad^ 2Beimar fd^idfte, gleid^fatts

auf ©runb ber Offenbarung i^foliannes feine äJieffiabe

,,3ßf"ö 3Keffiaö ober bie ^u^funft be§ iperrn", nad^


^lopftodfä 3Jlufter in ^ejametern gebid^tet (1780).
©oetl^e, ber baö SSer! in ber ^anbfd^rift fennen lernte,

urteilt anfangs offenbar jurüdflaltenb, menn er fid^ jroar


nur mit ber erften ^älftc einoerftanben erflärt, mit ber
peitcn nid^t, wenn er aber bennod^ bie trcfflid^e 2lrt ber
Söel^anblung unb poetifd^cö SSerbienft beftel^en lä^t; benn
180 Saoatcrä (S^riftuä.

fpätcr rcbct er fel^r beutltd^ tjon einer geroaltfanten


©treifung in ha^ @ebiet ber ©id^tfunft. ^nl^aUlid^
fanb er ben 3Jleffia& taufenbmal mel^r cergöttert alö
in ^Iopfto(f§ 3Keffiabe, ma§, fi^on einen leifen 2^abet

enthält. Unb roenn eö Bei Saoater, ber ja bie SBiebers


fünft be& ;3oI)anne§ erwartete, nid^t anberö üoraus*
jufe^en war, al§ ba§ er fid^ an ben Sieblingäjünger
be§ ^errn anfd^Iie^en roürbe, fo antwortet ©oct^e
mit unoerfioi^tener 3lbneigung: Saoaterö 3)Zefjtabe lefe

fid^ gut, „roenn man einmal baä 33ud^ (bie 3lpofatt)pfc!)

mag; unb roaä in ber 2lpo!ati)pfe entl^alten ift, brüdft

fid^ burd^ beinen 3Jtunb rein unb gut in bie ©eele,


mie mid^ bünft." '^nx bie 3luöfätte Saoaterä ftörtcn
il^n : „SBoju benn aber bie eroigen 3:^rümpfe, mit benen
man nid^t ftid^t unb fein ©piel gcroinnt, weil jie fein

9Kenfd^ gelten läfft/' ©in ^df)x fpäter, nad^ ber Seftüre


ber S3riefe in Saöaterö 3Sermifd^ten ©d^riften, roirb

trofe ber mormen ^wftimwtung ber ©egenfa^ nod^ beuts


lid^cr: „©elbft beinen Gl^riftus liab' id^ nod^ niemalö
fo gerne, als in biefen Briefen angefe^cn unb bc«
rounbcrt. ©s erl;ebt bie ©eele unb giebt ju ben
fd^önften 33etrod§tungen 2lnla§, man
roenn bid^ baö
l^errlid^c 6n;ftalll^clle @cfäö (benn baö mar er unb
als fold^es oerbient er jcbe SSercl^rung) mit ber
^öd^ften ;3"t)runft faffcn, mit beincm eigenen ^od^rotticn
Xxanl fd^äumenb füllen, unb ben über ben Staub
^inübcrftcigcnbcn ©ifd^t mit SBolluft roicber fd^lürfen

fie^t . . . S3ei bem SBunfd^ unb ber 33egicrbc, in einem


3[nbioibuo alles ju genießen unb bei ber Unmoglid^feit,
ba§ blr ein ^nbioibuum genugt^un fönne, ift eft l^ert«

lid^, ba§ auA alten QdUn um ein Söilb übrig blieb.


©oetl^e txennt fid^ »on Sooater. 181

in bas bu bein 2lIIeö übertragen unb in i^m bid^ be;

fpiegelnb bid^ felbft anbeten !annft. 3^ur baö fann i^


nid^t anberö al§ ungered^t unb einen S^iaub nennen,
ber fid^ für beine gute ©ad^e nid^t jiemt, ba^ bu atte

!öftli(^e ^ebern ber taufenbfad^en ©eflüget unter bcm


^immel i()nen, aU wären fie ufurpirt, auäraufft, um
beinen ^arabieöoogel auäfd^Iie|lid^ bamit §u fd^müdfen.
©iefeö ift, raaö unö not^roenbig oerbrie^en unb un^
leiblid^ fd^einen mu^, bie roir unö einer jeben, burd^
9Jlenfd^en unb bem aJZenfd^en offenbarten SBeiäl^eit gu
(Sd^ülern l)ingeben unb alö Söl^ne ©otteö ii^n in uns
felbft unb allen feinen ^inbern anbeten/' S)iefe Über^
jeugung, bie ©oetfie mit einer im Sriefroed^fet mit
Saoater bisfier ungerootinten (Sntfd^ieben^eit unb ^eftig=

!eit als „einen efiernen beftel)enben ^elä ber 9Jienfd;{)eit

bcn SBogen ber ©^riftenfieit" gegenüberftellt, berulit auf


bemfetben ©ebanfen, mie bas Fragment unfereö ©e«
bid^teö: „®ö maren, bie ben SSater aud^ gefannt" —
(oben ©. 147 ff.), ^ier alfo trennen fid^ bie Söege
©oetbeö unb Saoaterö; unb fie finb nod^ weiter auö=
einanber gegangen, alö Saoater feinen „^ontiuä g^itatuö"
1782 §u ceröffentlid^en begann, einen apologetifd^en
Straftat, in bem er ©briftuä wie einen anberen 2)ien:
fd^en aud^ ju fennen, mit if)m in unmittelbarem ©ebetö=
üerfelir gu ftel)en bel^auptete unb oon bem Sefer tjer^

langte, ba§ aud^ er fid^ ju biefem ß^riftuä befenne.


©oetbe fanb l^ier nod^ mel)r alle (Sigenl)eiten unb
2llbernl)eiten Saoaterä an bie ^erfon ßlirifti angeknüpft,
beffen ©efd^id^te ilim ben 5^opf oerrücft liaht. S)aä
3Bcr! mad^te il)m einen gerabeju „raibrigen" ©inbrucE,
toeit ßaoater fid^ fo ungebärbig gegen ben alten ©ott
182 §erber§ ^'ban.

unb feine ^inber (bie ben SSater au^ gekannt!) ge-

rcanbt fiatte. ®a§ ©»angelium nennt er nid^t bie einzige


Offenbarung; unb in bem 2BunbergIauben Saoaterä fie^t

au(^ ber 2)id§ter beö ©roigen ^uben je^t nur mel^r


Säfterungen gegen ben großen @ott unb feine Offen;
barung in ber S^iatur (oben <B. 57). ©egenüber bem au^-
fd^lie§li(^en ©inreid^ ßl^rifti tritt er für bie oon @ott
eingefe^te 2lrifto!ratie ein, b. 1^. für bie großen aWänner,
in benen fld^ @ott aud^ geoffenbart l^at, bie man aber
nad^ jenem Fragment verbrannt l^at! 2)iefem ejrflufioen
Saüaterifd^en 6|riftentum gegenüber bejeid^net er fid)

ätoar nid^t als SBiberd^riften ober Und^riften, aber alö


bejibierten 3fiid^t(^riften ; unb fd^reibt an bie j^rau
Don ©tein: „2)ie ©efd^id^te beö guten ^t^u§> l^ab id^

nun fo fatt, ha^ iä) fie t)on feinem als attenfaHä oon
i^m fclbft fiören mögte." Sßon Saoater unb feinem
ß^riftentum manbte fid^ ©oetl^e immer mel^r ab unb
jugleid^ aud; oon allen ben anberen, bie i^re ©tül^le

um ben 2^^ron beä Sammes ftcUten; in Italien trat


ber ,,alte iQcibe" nod^ mel^r ^eroor, ber oon einem faft
julianifd;en §afe gegen baö ©tiriftentum ergriffen mar.
©eine eigenen ©ebanfen fanb er am beften in Berbers
i^been ausgebrüdft, beren oierter 2leil baß ß^riftentum
bel^anbelte. .^erber l)ält ben Unterfd;ieb junfd^cn ber
Jleligion ßl^rifti unb ber d^riftlid^en 9leligion, ber fd^on
bem SBolfenbüttler ^ragmentiften unb aud^ Seffing
geläufig mar, fonfequent feft; bie d^riftlid^e S^leligion

fei gröfetcnteilö eine ^ieligion an 6l)riftuö, b. l). eine


gebanfcnlofe 3Inbctung feiner ^-Pcrfon unb feines ilreujes.
3ln CSl)riftus felber bagegen preift er bie menfd^en^
frcunblid^e ®enfart unb er feiert in il^m ben iöertretcr
§crbcrS Qbccn. 183

her ed^tcftcn Humanität, toic er fid^ ja felbfi mit einem


Sieblingönamen ben 9Jienfd^enfol^n genannt l^abe. (Soetl^e

befannte fid^ ooH ju ^erberö ^been: „S)a id^ feinen


aJicffiaö §u ermarten l^abe, fo ift mir bieö baö liebfle

©oangelium." Unb bem 3Serfaffer fd^rieb er balb nad^


ber 9?ü(!!ef)r auä i^toKen: „S)aö ß^riftentum l^aft hu
nad^ SBürben bel^anbelt; id^ banfe bir für mein 2:^^eil.

3d^ ^(ibi nun aud^ ©clegenfieit, eö oon ber ^unftfeite


näl^er anjufe^in, unb ba roirbö aud^ red^t erbarmlid^.
überfiaupt finb mir bei biefer ©elegenl^eit fo mand^e
©ratjamina roieber rege gemorben. @ö bleibt mal^r:
baä 3)iät)rd^en t)on (S^riftuö ift Urf ad^e, ba§ hk 2Bett
nod^ 10/m ^al^re ftel^en fann unb niemanb red^t ju
SSerftanb !ommt, weil eä ebenfo oiel ^raft beö Sßiffenä,

beö SSerftanbeä, beä 33egriffe§ brandet, um es gu uv-


t^eibigen als eö ju beftreiten. 9?un gel^n bie @enera=
tionen burd^ einanber, baä ^nbioibuum ift ein armes
^ing, es erfläre fid^ für meldte Partei es motte, bas
(SJanse ift nie ein ©angeö, unb fo fd^roanft bas 3Rcn;
fd^engefd^ted^t in einer Sumperei tiin unb roieber, baö
atteö nid^tö gu fagen l^ätte, menn es nur nid^t auf
fünfte, bie bem 3Jienfd^en fo mefentlid^ finb, fo großen
©influfe f)ätte. 3Bir motten es gut fein laffen. (5ie^
bu bid^ (Berber mar bamals in 5Wom) nur in ber
^tömifc^en tird^e red^t um, unb ergö^e bid^ an bem,

roas in i^x ergö^tic^ ift^°^)/'


Unb gerabe burd^ bie S3eobad^tung ber römifd^en
^ird^e mar au^ ©oet^e felber !urj üorl^er miebcr auf
ben @roigen :3;uben jurücfgefül^rt roorbcn, nod^ e^e er
5tom felber gefe^en (latte. 2luf ber Steife nad^ diom
trifft er in einem fleinen 3teft ber 2lpenninen auf
184 3)er ^lan toud^t in Stalten rotcbcr auf.

einen ^äpilli(ä^cn Offtgier, ber bann einige SCage mit


il^m ben SBagen teilt unb i^m auf ber gal^rt oon
meiern SRufeen wirb. SSalirfd^einlid^ l^at ©oetl^c il^m

bic erften naiveren 3^ac^rid^ten con bem ^opft ju oer^


ban!en unb auä) feine freien Su^erungen über bas
^faffenroefen in dtom blieben nid^t ol^ne ©inbrudE auf
ben ©id^ter. ®enn gleid^ barauf fd^reibt er ju ©irebo
22. Oftober 1786 in fein STagebud^: „^eute frü^ fafe
id^ gang ftiH im SBagen unb ^ah^ ben ^tan ju bem

großen ©ebid^t ber 2ln!unft beä ^errn ober bem ©roigen


:3iuben red^t ausgebad^t. 9Benn mir bod^ ber ^immet
nur 3taum gäbe, nad^ unb nad^ baö atleö au§äuarbeiten,

roa§ id^ im ©inne liabe." Ö« ^ß^ 3tttliß«if<^cn Steife


]^at ©oetl^e (bie ©tette ift am 6. unb 7. 2lprit 1815
gefd^rieben) bie 2^agebu(^notij bem S)atum erjl unter
,,2:emi, ben 27. Dftober" (1786) »erroertet unb feine
©rfal^rungen in 33etreff bc§ Äatl^olijismuö burd^ bie 33es
gegnung mit einem ^riefter, ber an ©teile bes päpfts
lid^en ©olbaten fein 9ieifegefä{)rte geworben fei, ocrs

ftör!t. 2luf bie erften, nod^ inbireften (Sinbrüdfe ber


Jlbmifd^en SBelt fü^rt er aber aud^ I)ier baö äBieber=
auftaud^en beö alten planes jurücf : „S)em ÜKittelpunfte
bes Äatljolijismuö mid^ nä^ernb, oon 5latl)oUfcn ums
geben, mit einem ^^riefler in eine ©ebie cingefperrt,

inbcm id^ mit reinftem ©inn bie roa^r^afte ^iatur unb


bie eblc Äunft ju beobad()ten unb aufjufaffcn trad^te,

trat mir fo lebhaft Dor bie ©eclc, bafj oom urfprüngs


lid^cn (£t)riftcntl)um alle ©pur ocrlofd()cn ift; ja, roenn
id^ mir efi in feiner Sicinljeit oergegenroärtigte, fo roic

tt)ir efi in ber 3lpoftclgcfd[)ic^te fel)cn, fo mu&te mir


fd^aubern, mafi nun auf jenen gemüt^Ud^cn Slnfängen
2)cr italienifc^e «ßlan. 185

ein imförmlid^eä, ja barocfeä ipeibentfium loftet. ®a


fiel mir ber eroige ^ube roieber ein, ber 3^w9ß ott^^^

biefer rounberfamen 6nt= unb 2tufroidflungen geroefen


unb fo einen rounberlid^en 3wftanb erlebte, ba§ ß^riftuö
felbft, alö er jurüdfommt, um fi(^ nadi) ben grüd^ten
feiner Sefire umjufefien, in ®efat)r gerätl^, jum jroeiten

SJial gefreujigt §u roerben. ^tm ßegenbe: Venio iterum


crucifigi (oben ©. 11) follte mir bei biefer ^ataftropfie

gum ©toff bienen." Sßenn ©oetl^e fotd^e @eban!en


meift in ben SJJorgenftunben, olö er fid^ nod^ üor 2::ages=
anbrud^ in ben SBagen fe^te, groifd^en ©d^Iaf unb
Söad^en roalten lie^, fo barf eä unö aü6^ nid^t rounbern,

ba§ er nad^ 9?om eilt, um ben ^apft am Slllerl^eiligens

f cft §u feigen, bann aber enttäufd^t ausruft : „2Baä roürbe


GliriftuS fagen, roenn er l^ereinträte unb fein ©benbilb
auf (Srben fummenb unb l)in unb roieber roanfenb an*

träfe? ®aä Venio iterum crucifigi fiel mir ein."

3n einem ^otte!taneenl)eft auö ber römifd^en 3^il


fiaben fid^ nun aud^ 2lufgeic§nungen gefunben, bie unö
einen genaueren @inblic! in ben italienifd^en 5pian ges
ftatten unb mand^eä intereffante detail an bie iganb

geben, ©ie lauten:

1 (£rr>ger 3[u&e].

P[iu5] VI. 5d)önfter ber 2Ticnfd]cnfinöer. Heib.


vom iljn cinfpcrren, itjn nid^t r»eglaffcn rote il|n ber
Kayfer.
6 5taat5gcf[angen] im Pattfan beljalten. al Gesu

3efuiten ^vo%. Hob tes ungeredjten ^ausljalters.

3Jlan fiel)t auf ben crften 33licf, ba^ trofe ber über=
fd^rift ^ier nid^t oon bem ^uhm, fonbern oon bem
186 ?apft ?i"ä VI.

roieberfel^renbcn ^cilanb bic dieht ift, ber ju bem gegen;


roärtig regierenben ^apfl ^tuö VI. in ©egcnfafe gebrad^t
wirb, ©oeti^e felber nennt biefen in ber i^talienifd^en
a^ieife bie fd^önfte roürbigfte SKännergeftalt (3- 2); unb
bie ©ö(^]^aufen fd^reibt balb barauf an Söielanb : ,,^er
l^eiligc SSater ift, roie ©ie roiffen, ein fd^öner 3)?ann unb
für mid^ jebes aJlal^t eine redete ^reube ifin gu fel;en."
23on ^o^em SBud^s unb eblen 3"9^"/ ^^o^ feinen
70 3fö^i^en no^ ^on jugenblid^ blül^enber ©efid^tsfarbe,

raupte er ben päpftlid^en Ornat mit einer rool^Iftubierten

Äofetterie gu tragen unb befonberö feinen Heinen %u^


gefd^idEt ju geigen. Slid^t btofe bie öffentlid^e 3J?einung

nannte il^n einen ^omöbianten ; auä) ©oetfie fd^reibt an


ben ^erjog: „2luf alle f^äUe ift ber ^apft ber befte

©d^au ipieler, ber l^ier feine ^erfon probucirt/' ©iefcm


eiteln 9)lanne oon beraubter ©efallfud^t 3'leib auf ben
roieberfcl)renben ^eilanb jujufd^reiben, ber mit feinem
eblen ©efid^t unb einfad^en Äteib fd^on in ben S^rag^
mcnten (33. 236 ff.) unbewußt unb unabfid^tlid^ bie

tieffte SBirhmg auf bie 9JJenfd^cn auöübt, lag nafie

genug. 3)iefer Sfieib fottte ben ©tatttialter Gf)rifii auf


©rben baju oerteiten, ben roieberfel^renben (Sf)riftus ein^

fpcrren unb atö ©taatsgefangenen im 33ati!an feftl^alten

ju laffen; eine ©jene üon großartiger Ironie: ber


2)iener, ber fein 2tmt im 92amen bes ^errn filiert, fpcrrt
ben ^crrn ein, ber oon i^m Sted^enfd^aft ju f orbern
gcfommcn ift! 9Scnn [\ä.) ber ^opft barauf bcnifen
fotttc (3- 3 f.), bafe eö i^m ber ilaifer ^ofepl; II. in

2Bicn ebcnfo gcmad^t ^abc, als er im ^aift 1782 bort


bic 93erf|onblungcn im ^»tercffe ber Äird^e fül;rte, fo

fonntc biefe« unroal^re, aber roeit oerbreitete Oerüd^t


Sic 3efuiten. 187

offenbar nur jur 33ef<^önt9ung feineä SSorgc^euö bicncn.


SBenn ©oetlie bann toeiter bic ^ird^e al Gesu unb ben
;3efuitcntro§ (3- 5 f.) erroäl^nt, fo wax grocifeUoö eine
fatirif(|e S3e5iel^ung groifd^en i^efus felber unb benen,
bie in boppeltem ©inne, alö ©Triften unb alö Orbenö;
(eute, feinen S^iamen tragen, beabfid^tigt. @ö barf aber
bod^ nid^t überfefien werben, ba^ ©oetl^e auf ber ita;

lienifd^en Steife, aUerbingö nod^ in Sagern, über bie


^efuiten fel^r objeftiö geurteilt l^at. @r rül^mt nid^t
bloB ifjren ^ird^en etraaä ®ro|eö in ber Slntage nad^,
ba§ allen 3Jienfd^en inäge^eim 6{)rfurd^t einflöße. @r
finbet überl^aupt ben ©eniuö be§ fat^olifd^en äußeren
©otteöbienftes nirgenbä mit fo üiel SSerftanb, ©efd^idE
unb ©efd^madE unb namentlid^ mit fo vkl ^onfequeng
ttuögefüt)rt, alö M ben ^efuiten, bie nid^t bie alte, ah-
geftumpfte 2lnbad^t ber anbern Orbensgeiftlid^en fort=
gefegt liätten, fonbern mit bcm ©enio ©äfuli fort;
gegangen feien, ©oet^e mod^te über fie roof)! ebenfo
benfen, roie über bic congregatio de Propaganda fide,
bic er aud^ naiver fennen ju lernen münf^te unb, trog=
bem er fidler mit il^ren 2^enbenäen nid^t einoerftanben
mar, fcf)r objeftio beurteilte: „®er ©eift ber erften
«Stifter fd^eint freglid^ verflogen, jur 2luöbreitung ber
päpftlid^en 2Wad^t mar eö ein grofeeö ^nftitut/' (gg mu§
aber aud^ im 2luge bel^alten werben, ba§ eö bie ^efuiten
waren, meldte bie 2ßal)l beä ^apfteö puö VI. gegen
ilire ^einbe burd^gefe^t liatten. 3Son l^ier au§ fd^eint
fid^ aud^ ha^ „£ob beö ungered^ten <0au§§alterä" (3. 6)
§u er!lären. ©a^ ©oet^e für biefe Parabel, wie für
bie Parabeln ß^rifti ühtx\)an}i>t, eine gro^c SSorliebe
liattc, fagt er felber in einem S3rief an Saoater. 2lud^
188 2)«^ ungcred^tc ^ouäl^aWer.

wat CS 8« feiner ^tit m(3^tö ©ettcneö mel^r, ba§ man


bie ^arabel mit umgefe^rtem (Spie§ gegen bie ©eift;
lid^feit manbte. „2)ie geiftlid^en ^Quöt)alter t)on ber
gegentöärtigen 2lrt pflegen lieber gu nel^men als §u
geben/' fagt ber S8erf affer ber ^eripatetüer; unb aud^
ba§ amtlid^e SBöIInerifd^e ©bift fprid^t nod^ fpäter ben
2Bunfc^ auä, ba§ bie ^rebiger als malere £ned;te ^efu
©Iirifli unb treue ^aus^alter ber ©etieimniffe ©otteä
erfunben roerbcn möd^ten. ©o t)er(o(fenb eö nun au^
roäre, fid^ eine (Sd^Iu^fjene gu benfen, roo ber roieber;
fe{)rcnbe ^crr von bem ^apfte, als bem ungereci^ten
iöauäl^alter, 3fiec^enfd^aft forbert, fo fte{)t biefer 2ln:

nafime hoä) bie ©rmägung gegenüber, bafe bem ^errn


nid^t baä „Sob" beö ungered^ten ^auäl^oltcrö in ben
3Kunb gelegt rcerben fonnte. @ö ptten alfo roolit bie

^efuiten bie 2lufgabe gel^abt, baö ^ontififat bes oon


il^nen gen)ät)lten ^apfteä gu red^tfertigen, ber feineäroegö
oI)ne 23erbienft mar. ©oetl^e flogt gtoar gelegentlid;

über bie fd^Ied^te Slbminiftration im ilird^enftaat, ift

aber geredet genug, fie auf eingeroftetc Übel jurücfjus


fül)ren unb baä SSerbienft beä ^apftes um bie 3lu6=

trodfnung ber pontinifd^en ©ümpfe anguerfennen. 2lber

roas biefer getan ^at, um ben gerrütteten ginangen beö


5lird;enftaateö aufgulielfen unb um feine ^I^lepoten gu

bereichern, gab norf) immer «Stoff genug gu fatirifd^em


Sobe : bie bcbcnf lid^en ©rbfd^leid^ereien, bie f oftf pieligen

5{anonifationen u. bgl. m.
Grft in ber italicnifd^en 3eit liat alfo bie Segenbc
vom roiebcrfcl^rcnbcn ^cilanb it)re ©pifce gegen ben
Äatljoligismuft crl)altcn. 3" ben j^ragmcnten ber granf*
furtcr ^^ieriobe l)atte Öoctl)C biefc i^Jartie bloB ange^
2)ie ©otirc rid^tct fid^ gegen ben Äatl^oKaiämuä. 189

beutet, aber niä)t auögefütirt (oben ©. 116 f.). ©rft je^t,


wo if)m ber ^attioligismus im Seben nal^e trat, fie^t

er ba§ entartete ß^riftentum in ifint. ®ie ©ofumentc


au^ ber ^^it ber itatienifd^en ^Reife bezeugen, ba^ @oet^e
fx^ ben ©inbrüdfen bes fatfiolifd^en ^ultuö unb ber
!at^otifd^en 3Jit)t^oIogte feine§ioegä oöllig »erfd^loffen fiat.

„2Ba§ bie 3Jiutter @otte§ für eine fc^öne (Srfinbung ift,

fül^lt man nid^t e^er aU mitten im 5^atl^otigiämuö/'

fd^reibt er ba§ eine Tlai ; unb bie Sßeil^nad^tsfeier, mo


ber ^apft t)om S^l^rone l^erab baö l^ol^e 3lmt fiält, er;

Hart er für ein einjigeö ©c^aufpiel in feiner 2lrt, freilid^

nid^t o()ne J^ingujufügen : „id^ bin aber bod^ im S)ioge=


niömuö ju alt geworben, ba^ eö mir »on irgenb einer
©eite ptte imponieren fönnen." Unb ein fotd^er "^a^^

fa^ folgt jebeämal, fo oft oon biefen fingen bie 3iebe

ift, bie er gern in einem 2ltem mit bem ^l^eaterioefen


nennt: „id^ bin für bieö ^ofuöpofuö ganj üerborben";
„baö ^tieater freut mid^ fo wenig roie ber Pfaffen
3Jlummeret|''; „i^ bin für alles gu alt, nur für baä
Söalire nid^t. Q^re Gärimonien unb Opern, Umjüge unb
Sallette, eö fliegt mie SBaffer an einem SSad^ötud^ ab."
S)abei ift e§ pbfd^ gu beobad^ten, wie ©oetlie oon bem
objeftioen ©tanbpunft ber älteren Fragmente l^inroeg auf
ben proteftantifd^en l^inüber rüdft. ^n ben Fragmenten
waren bie ßonfeffionen einfad^ burd^ baö ©d^roä^en unb
baä ©rimaffenmad^en unterfd^ieben roorben (9S. 274,
oben <B. 140 f.), maä für ben ©id^ter auf baöfelbe
l^inauäfam. ^n dtom aber, alö er ben ^apft jum
erften 3}ialc ju 2ltterfeelen fie^t, ^at er baö auäbrücl:
lid^e ^ßerlangen, ba^ er reben möd^te! ©eine ©ebärben,
roic er fid^ t)or bem Slltar i^in unb l^cr beroegt unb
19d ei^rijiug unb ber 5ßapft.

murmelt, erfd^einen ifim roie bte eineö gemeinen Pfaffen,


^a regt fid^ bte proteftantifc^e ©rbfünbe in il^m; er
erinnert fid^ aud^ fiier, wie in unferen Fragmenten
(33. 242. 287 f.), bafe 6f)riftu§ in ber S3ibe( gern,
geiftreid^ unb gut fprid^t, unb fragt, maö ber roiebers
fe^renbc ^eitanb roolil gu biefem ftummen ©ebärben?
bienft fagen mürbe? @§ ift ja freilid^ ein 3"!^^ auö
ber fpäteren S^it, roo bie romantifd^en 2luö[d^reitungen
ben ©id^ter fefter inä eigene Sager brängten; unb in
ben SSene^ianifc^en Epigrammen werben aud^ bie fatf)0;

lifd^en ^riefter burd^gel)ed^elt, weil [ie plappern mie


geftem fo l^eut, maö mit bem „SBelfd^en" unb „©c^roä^en"
(aS. 65. 274) ber Fragmente jroar nid^t ibentifd^ ift,

meil e§ fid^ um auämenbig gelernte, and^ oon ben


©laubigen gebanfentoö nad^gefprod^ene ©ebete I;anbelt,

aber bo($ feinen fo biametralen ©egenfa^ bilbet. a3e=


ftel)en aber bleibt bod^ alö bie ^auptfad^e in bem italie=

nifd^en ^(an bie ©egenüberfteHung be§ roieberfel^renben


ioeilanbcö unb feines ©tattl^attcrö auf Erben, bcß
^apftes. tiefer ©egcnfa^ ift ein burd^aus proteftan^

tifd^er, baö Sieblingöttiema be§ JRef ormationögeitatters


in ©atiren, Flugblättern unb 2)ramen bes 16. ^afir^
t)unbertö unjä^Iige aWale befianbelt. Sei 2Biftiff juerft

nad^gemiefen, bann in ben ^uffitifd^en ilreifen befonberö


beliebt, ift er oon Sut^er mit malircr SBoffuft aufges
griffen roorbcn, als er fic^ in feinen F^ugfd^riften immer
me^r in ben ©ebanfcn liineinrebete, ba{3 er in bem
^apft ben 3tntid^rift bcfämpfe. Unter auöbrildflid^er
Silligung fiutl)er6 Ijat bann 2)leland^t^on ben ^cjt ju
ben Silbern oon Äranad^ gefd^ricbcn, in benen bie
armut, baö Seiben unb Bulben (S^rifti bem weltltd^en
Gl^riftuä unter bcn Stntilcn in 3iom. 191

©eprönge unb her ^offart beö ^apfteö ^unft für


^unft entgcgengefe^t lourbcn. 2Bie in bcn Fragmenten
(33. 166 ff.), fo ftelit olfo auc^ l^ier ber ©id^ter auf
bem 6tanbpun!t ber geiftlid^en ^lomane, ba§ baä Ux-
(^riftentutti unb bie reine Seigre ßl^rifii entartet fei.

9^ur beobad^tet er bie Entartung {)ier ni(^t auf bem


Soben bes ^roteftantiömuö, fonbern auf bem beö
^at^olijiömus.
@r Iä§t ßfiriftuä beäl^alb in 9lom auftreten; unb
bamit finb ein paar anbere 9Jtotioe angebeutet, tjon

benen unfere ^ofumente groar nid^tö »erraten, bie aber


bei tüeiterer ©ntroidlung be§ planes faum ju um=
gelten geroefen mären, ß^riftuö erfd^eint in dtom nid^t
bIo§ unter ilatl^olifen, fonbern andi) unter ben Stntüen;
ba§ ^l^ema „ßEjriftuö im Olt)mp", baö fpäter iöötberlin
(„®er ©innige") unb in neuerer 3ßit ber 9JJaler ^tinger

bel^anbelt l^aben, mar l^ier nai)t gerücft unb ber ©egen^


ftt^ ber d^rifttic^en unb ber antifen äöeltanfd^auung im
Zeitalter SSindfelmannö nid^t §u umgel^en. ßfiriftuä

aber fottte in 9tom aud^ bem emigen i^uben begegnen;


unb bamit mar meiter baö ^^ema „2l^aät)er in diom"
angegeben, baö ^amerling fpäter auögefüfirt l^at. Über
bie SSerbinbung ber beiben ©agen freilid^, bie für uns
gerabe bas Sntereffantefte märe, lä§t unö ber S)id^ter

au^ biefeö aJtal im ©tic^. 2)er eroige ^nht ift für


il^n nod^ mel^r alö in ben Fragmenten fiinter bem
mieberfel^renben ^eitanb jurücEgetreten, ber roenigftenö
in ber „^talienifd^en SfJeife'' auc^ im ^itel Doranftel^t.
3Jiit ben irrenben unb ru^ielofen SBanberern, bie ©oetl^c
glei(^5eitig in i^talien angejogen l^aben, mit Obpffeuö
unb ^affo l^at ber eroige ^ube jefet fo rocnig gu tun.
192 ®is SSerfnüpfung ber 2Rottoe Breiöt toiebcr un^eftimmt.

als bic f^ragmentc mit bem unbefiauften ^lüd^tling


^auft, bem Unmcnfc^en ol^ne 9taft unb 9?ul^. 2B{e c§
ftd^ bamals nur um eine ©atire auf bie geifttid^en

3uftänbe, oon ber 2lrt beö ^ater 33rei), beö ©atrjroö,


bes ^a^xmaxtt^\^^i^^ unb beö 33af)rbt, gel^anbelt l^atte,

fo Qud^ je^t; unb n)ie bamatä, fo raar aud^ je^t bie


(Satire auf bie geitgenöffifd^en 3"ftönbe beö ßl^riften-

tum§ gemünjt, wie ber bie %\u


S^iame beö ^apfte§ unb
fpielung auf feine Begegnung mit ^aifer ^ofepi^ beut=
lid^ geigen, gleid^oiet ob ©oet^e, roaö !aum möglid^ ge:

roefen märe, biefe Sf^amen bei ber 2luöarbeitung rairflid^


beibel^atten l^ätte ober ob er fie nur atö ©tüfeen für
baö ©ebäd^tnis unb bie ^^antafie aufgejeid^net l^at.

über bie ©d^roierigfeit aber, jroei gleid^e ^äben ju oer=


fnüpfen, mar ©oetJie immer nod^ nid^t I)inau&gefommen.
®aö geigt beutlid^ ber Serid^t in ber i^talienifd^en Steife:

ber eioigc :3ube f)at bie ©ntmidflung biefer S)inge mit


2lugen gefel)en unb erlebt — ber mieberfefirenbe ^eis
lanb aber ift in ©cfal^r gefreujigt gu merben. SBaö
l^oben biefe beiben 3Kotioe, fünftterifd^, für einen 3"'
fammenl^ang? ©off ber eroige ^wbe ben Serid^terftatter
abgeben, ben ber ^err cinoernimmt, als er Sted^en^

fd^aft forbert? ©off an bie Söanberungcn beö 3i"ben


bie gefd^id^ttid^e ©ntroicElung ber 2)inge, atfo bie SSers
gangen{)eit, unb an bic 2Bieberfet)r bes ^eilanbs ber
gegcnroärtigc 3wftQnb gcfnüpft roerbcn? ^iefe '^vaQtn
l)ai ®oct()C [\ö) root)t fclbft nod& nidf)t oorgclegt. Sßid^tig

aber ift, bo^ er fid^ jctjt mit bem ilcrn ber ^egcnbc
befd^äftigtc unb über bic Äataftropl)c nid^t metir im
^tücifel roor: Ct^riftuö foffte gefangen genommen roerbcn
unb crnftlid^ in Oicfolir geraten, oon feinen 3tnt;ängcrn
S5er ^lan wirb roieber fallen gelaffen. 193

unb ^f^ad^fotgern gefreugigt 5U werben. Unb erft au§


btefer 3^it i^aben rcir aud^ bie beftimmte 2lusfage beö
^id^terö, baB e§ ii^m um ein ,,gro§eä ©ebid^t", alfo

um ein ©angeä gu tun war. ®r raar ja nad^ Italien


gegangen, um feine unfertigen ©ad^en gu üottenben;
nid^t btoB bie ©öfc^enifd^e 2tuögabe, fonbern aud)
bie ^unftonfd^auung be§ reifen ©id^terö butbete feine

f^rogmente.
^reilid^ aber ift biefeö beabfid^tigte ©anje nid^t ju

ftanbe ge!ommen; unb ©oetfie l^at fid^, oon anberen 2lufs

gaben umlagert, geroiB nur raenige ©tunben in Italien


mit bem @ebi(^t befd^äftigt. Sßieberum näfirten fid^

anbere Slrbeiten beä ©ic^terö von ben :3been, bie burd^


ben (Sraigen ^uben bei il^m in ^lufe geraten toaren.
2)ie 3lu§fätte gegen bie plappernben Pfaffen unb gegen
baö oerJ^a^te Söort „ß^rift" (nid^t ßl^riftuä) gingen mie
atteä, maä ©oetl^e gegen ben ^atl^olisismuä auf bem
bergen l^atte, in bie 33enejianifd^en Epigramme über;
unb mieberum ftanb Berber an @oetf)e§ (Seite, al§ er
im 19. 33ud^ feiner ^been bie römifd^e ^ierard^ie t)or:
nafim. 3^ad^ ber jraeiten italienifd^en S^ieife aber ^at
@oetf)e begreiftid^ermeife feine Suft mef)r empfunben,
baä ©ebid^t mit ber ©pi^e gegen ha^ ^apfttum am--
jufü^ren. Tlan mei^ ja, mie er balb barauf im ^afo*
bifd^en 3^^^^^ geredeter über baö ßfiriftentum unb im
Greife ber f^ürftin ©alli^in milber über ha^ ^apfttum
urteilen lernte; unb in „©id^tung unb 2Bal^rl^eit" §at
er fid^ tf)eoretifd^, mie im peiten S:eil beä „?^auft" praf^

tifd^ gegen bie fatl^olifd^e ajlijtfiologie nid^t mefir fo ah


Ief)nenb -uerl^alten , wie in bem italienifc^en ^lan oom
mieberfel^renben ^ei(anb^°^).
Minor, föoct^eS eniiget 3ube.
13
194 ®tn neuer ?Ian.

2. Ber J^Ian in 3iä)bxng. unb W&l)t})t\t

Grft im 1813 rourbe @oeÜ)e rcäl^renb her


3^af)re

3lrbeit an ®t(^tung unb 9Bo^rf)eit bei ber 33efprcc^ung


feiner religiöfen ©ntroidlung unb feiner i^uG^nbfd^riften

roieber auf ben ©toigen ^uben aufmer!fam, hzn er feit

^a^r§el^nten über bem raicberfel^renben ^eilanb gan§


aus ben 3lugen ccrioren Iiatte. ®a er bie alten grag^
mcnte nod^ in ben ^änben F)atte unb bie genaue 23e=

fd^reibung ber iQanbfd^riften faum einen 3^ßifß'^ barüber

läU, baB er fie rairüid^ b^^^^orgejogen bat, foEte man


ertoarten, bafe fein Serid^t fid^ auf biefe f^ragmente
ftü^te unb nur bie SüiJen unb ben ©($Iu§ ergänzte.

^a& ift aber, rote mir gteic^ feben raerben, feinesroegö

ber gall; rcenn ©oetbe bie Fragmente überbaupt bur^s


gelefen f)at, fo ift er abfic^tlid^ von il^rem i^lnbatt abs

geroid^en. ^^benfallö aber l)ahm mir e§ mit einem


ganj neuen $lan ^u tun.
^ier erft nennt ©oetbc ben (Sd^ufter mit bem
3'iamen beö 5ßoIf§bud^eö : StbaSocrus. (Sr ift ein 2Bclt=

ünb, beffen ©inn bto§ auf baö ^rbifd^c gerid^tct ift

unb ber feine ?^reube baran bat, bie 2Sorübergc(;cuben

auf ©ofratifc^e SBeife ju nedfen. ^tiarifäer unb <Sab=


bujäcr feieren bei ibm ein unb unterbalten fid) mit ibm.
2lud^ Gbtiftuö mad^t mit feinen 3ü»9cn: bei ibm t;alt;

unb ber ©d^uftcr lä^t es fid) angelegen fein, aud^ ibn


ju feiner Ijcitercn unb gefunbcn SJeltanfd^auung ju be^
fel)ren. ßr roarnt Gbriftuö baoor, baö ^so\t von ber
3lrbeit weg in bie ©inbbc ju lodfen. ^c w^br 6l;riftuö
^crrortritt, umfo heftiger roenbct ftd^ ber ^ube gegen
i^n, ben er als 9Kcnfd^en liebt, aber als politifcben
2)cr S)re§bener Sd^ufter. 195

3?ul^cftörcr l^a^t. ®urd^ i^ubaö erfährt er t)on ber ®c;


fangennefitnung ß^rifti ; unb er tritt ifjm nun auf bem
legten äßege nac^ ber 3öeife (lartoerftänbiger 3Henf(|cn
mit bcn S^orraürfen entgegen: er fei nur f eiber an
feinem Unglüif fd^ulb! er fiabe eö il^m immer, gefagt!
®a tro(Jnet 3Seronifa eben bas ©efid^t be§ ^eilanbö mit
bem Xu^, auf bem aber nid^t baö 93ilb beä teibenben,
fonbern ha^) be§ vtxfläxUn ^eitanbö erfd^eint. Unb
ßf)riftuä fagt ju bem iguben: „S)u raanberft auf ©rben,
biö bu mid^ in biefer ©eftalt toieber erblidft." 3l^a§üer
ift raie betäubt unb fommt erft nad^ einiger 3ßit raieber
ju fid^ ; er rafft fic^ auf unb beginnt, raäl^renb alleä gur

ilreujigung ftrömt unb ©trafen S^rufatemä ocrs


bie

öbet finb, feine SBanberungen, an beren ^^aben ber


2)id^ter bie ^auptpunfte ber £ir($engef(^id^te fid^ ab*
fpielen laffen mollte. (Später erfal^ren mir, ba^ ber
^ubc aud^ bei ©pinoga §u 33efud^ erfc^einen follte.

®en ^auptbcrid^t ^at ©oetfie am 26. aJJärj 1813


biftiert. @in ^af)x früEier mar im jroeiten ^eite oon
®id^tung unb 2Ba()rf)cit bie ©rjätjUmg t)on feiner
©reäbner S'leife erfd^ienen unb barin aud^ jenes ©d^ufterö
gebadet roorben, bei bem er bamatö gemo^nt (latte. 2Bir
roiffen t)on il^m nur, baB er ein SSermanbter oon
©oetl^eä Seipgiger ©tubennad^bar Simpred^t mar; an^
feinen originellen 93riefen an biefen lernte i^n ©oetl^e
fennen unb nun mit @mpfet)(ungen feines 3^ad^;
felirte

bars in Bresben bei if)m ein. ©r rül^mt feine glüd-


Iidf)e D^aturanlage, bie fieitere unb frofie 2lrt, mit ber
er fein enges, armes, muffeliges Seben betrad^tete, felbft

ben Übeln unb Unbequemlid^!eiten eine gute (Seite ab=


jugerainncn roufete unb baä Scben an fidb als ein @ut
196 S)er S)reöbencr ©d^ufter.

Bctra(3^teter 2luf [einem ©d^emel fi^enb unb fleißig bei

ber 2lrbeit, roar er bod^ inttner luftig unb fd^oß^oft,


3U 3^e(!ereien aufgelegt, raie er benn oud) ben jungen
^id^ter mit fef)r artigen Einfällen, jum ^eil aus @ott=
frib§ e^ronif, bem fiiebtingöbu(| oon @oet^e§ i^ugenb,
beroittfommte. ©o erfd^ien er ©oetl^e aU ber SSertretcr
bes tüd^tigen 3}?enfd^enoerftanbeä, ber, auf einem ^eiteren
©emüte ruljenb, in gteid^mä§ig l^ergebrod^ter 2^ätig!ett
fid^ geföHt; bem aber freilid^ aud^ bie ^el^rfeite nid^t
fe^tt. 2)enn biefer glücftid^ befd^ränfte 9Jiann »erlangte
aud^ ron anberen, ba^ fie fid^ genau auf biefelbe

SBeife glüdEKd^ füllten füllten; unb er rerfe^te baburd}

ben jungen S)id^ter balb in 9Jli§be]^agen unb jule^t


in Sangemeile: „^^ fanb mid^ n)ol;l befd^äftigt, untere

Italien, aufgeregt, aber feinesroegs glüdlid^ unb bie

©d^ul^e nad^ feinem Seiften rcollten mir nic^t pajfen/'


®en englierjigen ©inn, ber fid; jebem Isolieren ©treben
gegenübcrftellt unb bie ©enügfomfeit als einjigeö ^id
be§ ®afcin§ betrad^tet, l^at ber junge ©oetl^e in ber
2^ierfabel üon bem 3lbler unb ber Staube üerfpottet, mo
ber gelälimte 2lbler bie einfältige SBeisl^eit ber ^aubc
beläd^elt, bie i^m nid^tö nü(jen !ann. 3tusbrüdElid^ mitt

©oet^e aud^ bie Stimmung erlebt l^aben, in bie fidj

ber Icibenbe ß^riftus burd) bie fd^roffc 2lbmcifung bcö


roeltf lugen ^uben oerfe^t fielet: „Slrst, t)ilf birfelber!"
ober wie ©d^ifferfi ©e^lcr fagt: „^e^t, SRetter, l)tlf bir

felbft, bu rctteft aUel"


3!)a§ nun ber ©d^uftcr 9lt;aöoeru6 in Did^tung unb
SBa^rl)cit nad^ biefem 9Wobell gcjeid^nct ift, burfte ®oetl)e
mit Siedet bcliauptcn, aud^ wenn bas Original fein fo
clnjigefi gerocfcn ift, roic ber junge Woctl;c glauben
5ßro!tifcl^c ^i^irofopl^en unter ben ©d^uftern. 197

mod^te. ®cnn fold^e proftifcj^e ^f)tto[op|en unb be^

tüu^ttofe SScUtüeife fanten feit ^onö <Baä)?> unter ben


©d^uftern nic^t fetten vox (oben <B. 38). 9?e6mann er;

gäl^lt auö etraas fpäterer ^^it von einem pf)i{ofopf)ifd^en

(S(^u{)f(i(fer, ber in Seipjig im ^arolinum mo^nte, nur


mit ©tubenten t)er!eljrte unb nie onber§ aU in 33eg(ei;
tung einiger ajJufenföl^ne fpajieren ging, ©ie tranfen
iJ)m freilid^ gu üiel, ober feine Siebe gu geleierten Untere

fialtungen übermog attes unb be^raegen mürbe er, ob;


mo|l man ben ^ert aU einen ^axxm anfa^, in giem=
lid^cn ©Iren gehalten. 2)iefer ©d^ufter fprad^ am liebften

t)on ^olitif, er entfd^ieb »on feinem ©d^emel fierab ben


3luögang ber ©d^Iad^ten, bie ©d^icEfale ganger 33ölfer;
er fritifierte ^rieben§fd)tüffe unb 33erträge in ergö^;
lid^er SBeife unb geriet babei in einen folc^en ©ifer, ba§
fid^ bie 3"|örer '^alh tot tackten unb niemanb etmaö
gegen il^n aufzubringen oermod^te. Slud^ ber 3lf)aöt)eruö
in ©id^tung unb SBal^rlieit l^at e§ ja mei^r mit ber
politifd^en ©eite üon ßJirifti Sluftreten gu tun, atö mit
ber religiöfen, bie it)m l^erglid^ glei(^gültig gu fein

fd^eint. äßenn aber fein ^au§ als 3Jiittelpun!t beä geift=


lid^en Sebenö ber ©tobt begeid^net mirb, fo erinnert
man fid^ fofort an bie Ulme im ©eiftlid^en ^on Duid^ottc,
unter ber ba§ SBeltünb ^eremial), feines 3^i<^ß"^ <J"^
ein ©d^ufter, bie SSerfftatt auf gef erlagen i^at unb rao

bie ©eparatiften unb a^et^obiften il^re SSerfammlungen


gu Ijalten pflegen (oben ©.25 f.); biefen raadferen ©and^o
^anfa l)at ©oetlie fd^roerlid^ fd^on gang aus bem @e=
bäc^tniä verloren unb auf ben Sl^n^errn oerraeift er ja

felbft, menn er fagt, ba| er ben ©d^ufter mit ^ans


©ad^fenä ©eift unb ^umor auögeftattet unb burd^ bie
198 ®ct ©d^uftcr cm SBertfinb.

Steigung §u (Sfirifto üerebclt (labe. SBenn eä ftc^ aber


biefer S^laturptiitofop]^ §ur 2lufgabe ntad^t, bie ©d^rift^
geleierten auf ©ofratifd^e SEeife 511 neden, fo ift ba§
ganj in bem «Sinne su oerftel^en, in bem Hamann ben
(Sofrateö auffalte unb fid^ felbft in i§m fpiegelte: ber
©o!rate§, ber fid^ aufteilte, baäfelbe ju glauben, roie bie
anbem, in Sßal^rfieit aber nur barauf ausging, bie
anbcren mit faunifd^em aj^utroiffen in il^rem Glauben
SU ftören; ber jur (Satire unb i^ronie greifen mu^te,
weil er üon Sopt)iften umgeben mar unb üon ^rieftern,
beren gefunbe $ßernunft unb gute 2Ber!e in ber ©in-
bilbung beftonben; ber lieber bie 5)3robe ber (Spötterei
unb guten Saune als eine ernftfiafte Unterrebung an=
[teilte; ber wie alle ^bioten, b. f). raie atte, meldte be^
!ennen nid^tö ju miffcn, guüerfid^tlid^ unb entfd^ieben
gefprod^en l^at, eben meil er gteid^gültig gegen ba§,
maß man Sffial^rieeit nannte, geroefen ift . . . ©ö fpringt
aber auf ben erften S3lidf inö 9luge, ba§ biefer 3l|a8=
cerus in 2)id^tung unb 2ßa§rl)cit mit bem ©d^ufter in
ben Fragmenten nid^tö meljr gemein f;at. 3)iefer ift

ein eifcrer gcroefen, jener ein SBeltÜnb; biefer ein


religibfer 9ieuerer, jener ein politifd^er 33erteibigcr beö

S3efte^enben; biefer ein Sd^roörmer, jener ein $8crtreter


beö gcfunbcn aJienfd^enoerftanbeö ; biefer eine patljetifd^e,
jener eine fatirifd^e ?flatüx. Originale fmb fie beibe,
jeber aber eine anbere (Spielart, ein 9^arr auf eigene
^anb. ®ic fiftenbe Sebenömcifc jeitigt eben bie üer*
fc^iebcnftcn 2lrten oon Originalen.
3lm «olföbud^ ^at ber ©d^uftcr bei ber @cfangcn=
ne^mung 6l;rifti felbft mit ^anb angelegt. (So mar nur
eine notmenbißc ^olgc beö geänbertcn ^auptd^arafterö.
3)ic ajlotioterung von 3uba§' SJcrrat. 199

wenn ©octl^c biefeö 9Jlotiü in 5Did^tung unb SBal^rl^cit

fallen lie^: baä religiös gteid^güttige, poUtifd^ Jonfers


vaim SBeltfinb l^atte nid^tö babei ^u fu(^en. 33ei

©oetl^e erfäl^rt ber i^ube erft Don bem üerjroeifelten

:3uba§ baüon, ber aud^ bei SFieid^arb (oben ©. 5) mit


bem ^nhm befreunbet ift unb bei @oet|e ben igerrn
nur fd^einbar oerraten ^at. ®enn nur in ber feften
Ober^eugung, ha^ ßl^riftuä fid^ al§> 9?egenten unb 3?otföi
fiaupt erflären rcerbe, unb um ba& biäl^er unüberminbs
li(^e 3öwbern beä ^errn mit ®tmalt gur Xat ju nötis
gen, l^at er bie ^riefter su 5Cätlid^!eiten gegen ßl^riftuä
aufgel^e^t. ©iefe 2luffoffungüon bem 9fieid^e ©otteä
unb bem 3Serrat bcö ^uha^ mar nid^t neu. ©d^on ber
SBolfenbüttler ^ragmentift l^at bie ©teilen, in benen
ß^riftuö ein raeltlid^eö ^leid^ ju ftiften üerfprid^t, au§
ben (Soangetien gufammengefteHt unb einer ftrengen
£ritif unterzogen, beren S^lefultat mar : bo^ bie jünger
in ber 2^at burd^ louter ^eitlid^e 3luäfid^ten, teitö ber
iQol^eit unb ^errfd^fud^t, teitö reid^er SSorteile an ©ütern
jur 5Rad^foIge beftimmt morben feien; bafe bie affgemeine
Slnfd^auung ber ^uben con bem 9)Zeffias bie mar, ba^
er ein roetttid^er großer ^önig fein unb ein mäd^tigeö
9leid^ ju igsi^ufölem errid^ten rcerbe; ba§ man aber
biefe Hoffnungen, atä fie burd^ ben ^ob (S^rifii ents
täufd^t mürben, auf ben rcieberfelirenben ^eilanb über*
trug, ber ja feine 3ufunft unb bie Segrünbung eines
neuen 9leid^es in Slusfid^t geftefft ^atte. 3)amit l^ängt
nun aud^ bie 3)iotioierung mn i^ubas' 5ßerrat jufammen,
ber nad^ ©oeti^e nur ein fd^einbarer ift. S)ie 30 ©itber;
linge erfd^ienen ja feit je^er als ein gar gu armfeliges

aJJotiö unb bie ©id^tungen üon ber gJaffion maren


200 ®ic Siotioiecung Don ^ubaS' aScrrat.

feit jcl^cr bcntüfit, l^ier ftär!ere SBcrocggrünbe rcatten

ju taffen. ^fiamentli^ bie ^affionäfpiete fud^ten l^ier

nad^jul^elfen, roie fieute nod^ baö Oberammergauer ©piel


jcigt. .^ier fagt ^üha% : ,,2)a§ 33enct)men beö 3Jieiftcrö

ijl mir uncrflärbar. ©eine großen XaUn liefen l^offen,


er werbe ba^ ^tid^ ^löraet l^erftetten; aber ie^t rebet
er Bon 6d^eiben unb Sterben unb oertröftet auf bie
3ufunft/' 2)aö bauert bem ^uha^ ju lang, er fiefit

nur 2lrttiut unb S^liebrigfeit üorauö; unb befd^Iie^t fid^

Don i^nt gurüdjujielien. 35ei bem SSerrat red^net er

aber bod^ aud^ mit ber Hoffnung, bafe ber SKeifter fxegen
unb fid^ in feiner igerrlid^feit offenbaren !önne — bann
TOoEe er fid^ iJim reuig gu ^üfeen werfen unb ba§ $8ers

bienft für fid^ in Slnfprud^ nel^mcn, bie ©ad^e jur @nts


fd^eibung gebrad^t ju liaben. f^ür ©oetl^e fommt natür;
iid^ blofe ^lopftod in Setrad^t, bei bem bie SJlotis
rierung eine ätinlid^e ift. 2ll§ aJlotioe beö ^uba§ gelten
l^ier ^a§ unb ©iferfud^t auf i^o^^nnes, ben geliebtercn
jünger, unb bie 58egierbe nad^ Steid^tum, bie miebcr
burd^ ben S^eib auf ;3>of)annes gcf(^ürt wirb, ber im
neuen Sleid^ be§ SJiittlers bie l^errlid^ften ©d^äfee fams
mein roerbe. 33alb bel^nt fid^ ba§ ®efu()( bc§ ^Reibcö
aud^ auf bie übrigen ^üwQix aus, bie alle größer fein
werben alö er im fommenben didd). ®a erfdf^eint

i\)m fein 93ater im 2:raum unb jeigt i^m bas funftige


?leid^ unb maß einem jeben i^ünger gcl^ören wirb : i^m
fclbft foll nur ein ftcines gebirgiges £anb sufallcn. Unb
nun flüftert i^m ber ©eift bes Sßaters ju: ber aj^effias

©erjiet)c bamit, bas oerfieiftene \)txxM)c Stcid^ aufgu--

rid^ten; 3|ubafi möge [\^ ocrftcHen, als ob er it^n ben


^ricftcrn oufiUcfern motte, um i^n cnblid^ ju bcrocgen.
a)ie ©jene vov bem $aufc beä ^uben. 201

fein neueö S^leid^ §u ftiften, fo roürbe an^ er fein (Srb=

teil früher erlangen, ^ubaä rebet fid^ bann felbft ein,

ba^, raaö er tue, nur 5ur SSerl^errlic^ung ^efu gefd^el^e,


ber fd^on feinen S3erfoIgern §u begegnen wiffen unb
unuberroinblid^ feine SSerlierrtid^ung enbigen werbe.
„®er ^ag fei gefegnet," fagt er ju fid^ fetber, „wenn
ber 3Jleffias buri^ bid^ fein neues ^önigreid^ anfängt."
SBenn 6§riftu§ aber roirflid^ fterben rootte, bann fei er

ein Träumer unb nid^t üon @ott gefanbt! . . S)aö ift

bic gleid^e SJiotioierung wie in ©oetl^eä S)id^tung unb


SBalirlieit ; ob ©oetlie f d^on in ber 3ßit ^er ?|?ragmente,
ein i^o^r nad^ bem ©rfd^einen bes üoffenbeten S^effias,
benfelben ©ebanfen fiatte, raiffen roir nid^t. ^n neuerer
3eit f)ai SSÜtor von ©trau§ ha& politifd^e ajlotio in
ben 33orbergrunb gerü(Jt.

2lud^ in ber entfd^eibenben (Sgene oor bem ^aufe


beä ;3uben weidet ®oetf)e§ 33erid^t oon bem 3SoIfäbud^ ah.
ßl^riftuö raiH nid^t raie bort an bem ^aufe beö ^n'oen
ru^en, fonbern er fättt mie im ©oangelium unter ber
Saft be§ ^reujeö ju 33oben, bas ©imon oon ^prene meiter
ju tragen gesroungen roirb. 2)er ^ube erwartet ni(^t

f c^on mit feinem ©efinbe ben ^eilanb ;


fonbern er tritt

aus freien ©tüdfen Iierauö, um i^n tüd^tig auäjufd^elten.


3luBer bem ^uha^ f)at ©oetl^e no(^ anbere biblifd^e
Figuren mit ber ^anblung oerbunben, bie fid^ oor ber
^üre bes 3"i>ß" abfpielt ben ©imon oon ^tirene, ber
:

i^m baä ^reuj tragen |ilft, unb bie SSeronifa, bic il^m

ba§ ©d^roei^tud^ reid^t. aJiöglid^ermeife Ijat liierju bas


3SoI!sbuc^ ben 2lnla^ gegeben: entmeber burd^ ben er=
meiterten S^ejt, ber in ben 2Inpngen bie ©efd^id^tc t)on

ber Sßeronifa entl^ält; ober burd^ bie ^oljfd^nitte, bic


202 SSeronifa mit bem ©d^roci^tud^.

no(^ ganj im <Stit bes 16. :3iaf)rl£)unbertö bie aufeinanbers


folgenben ©tabien bcö ^reugioegeä als ein Sieben;
cinanbcr barftcHen unb ben ©roigen Rubelt, mit bem
^inb auf bem Slrm unter ber Xüx ftefienb, neben
©imon unb SSeronifa geigen. ?^reilid^ ergab e§ fid^

aber für ©oet^c felber ebenfo leicht, mie für bie aSer;

faffer unb ^ttuftratoren beä SSoIfebud^eö, bie 3c"9ß"


bes Äreusmegeä nad^ bem bibtif($en Serid^t oorgufül^ren,

baö ^erfonal ju üerüoUftänbigen unb bie entfd^eibenbe


©jene ju beleben, f^ür bie ^eilige SSeronifa l^otte ©oetl^e
um biefe ß^^t nod^ baju eine befonbcrc S^orliebe: fie

rourbe i()m burd^ ba§ fpät ermad^te ;3"tereffe für bie

d^riftlid^e ^unft näl^er gebrad^t unb im SSriefroed^fet mit


ben SBoifferee ift in ben i^a^ren 1814 biö 1816 öfter

oon il^r bie Sf^ebe. ©in ^ioangebid^t fpiett barauf an,

„SQ3ie auf jencS Xn^ bcr 2;üci^er


©ic^ beö fetten SBilbmö brüdtc."

®ie Sibel toei^ aber nid^tö bauon, ba§ auf bem


©d^roeiBtud^ baö 2lntli^, nid^t beö leibenben, fonbcrn
beö oer Härten ^citanbö erfd^eine, cor bem ber 3"be
geblenbet jurücftaumelt unb baö feiner SBanbcrung jum
3iel geftedft roirb. 2)er ^üngfte XaQ, biö ju bem ber
3[ube im 5ßolföbud^ roanbern mu§, mirb bei ®oct()e ie(5t

mit ben SBorten bcjcid^nct: biö er ben ^eitanb in biefer


oerflärten ®eftalt micberfietit. 2)cr 3>"be ifl nid^t, mie
im Solföbud^, 3c"0ß ^^^ Ärcujigung, fonbcrn er mu6
fid^ fofort auf ben 2öeg mad^en. 2öcnn 0octt;e in
S)i(i^tung unb 2BaI)rF)cit bie SBanbcrungcn beö ^ubcn
b(o§ a(ö Seitfaben benu^t f)abcn ro'iü, um bie E^eroors

fted^enbpcn fünfte bcr JlcUgion«* unb 5lird^engcfd^id^tc


Sie Äirc^engefd^id^te unb ©pino^a. 203

nad^ 33cfinben bar§uftetten, fo rairb biefe 33el^auptung

burd^ tneinen Slotntnentar toiberlegt, ber bie Fragmente


aü§) ben !ir($lid^en 3"^"^^" ^^^ 18- S^lir^unbertä,
alfo auö ber ©egenraart beö ®id;terö, refttoö erftärt.

@oetf)e niu§ ja auc§ felber jugeben, ba^ tl)m bie 3ßit

unb bie ©ammlung gu ben nötigen ©tubien gefefitt

{)aben; barin ift jugleid^ auä) ba§ ©ingeftänbniö ent=


i;alten, bafe feine 5lenntniö ber ^ird^engefd^id^te bamalä
äu einer fold^en 2lufgabe nid^t auöreid^te (oben ©. 43 ff.)-

SBenn iljm bann in fpäterer ^^^t bie ^irc^engefd^id^te

nät)er trat, tnoi^te er raotil nxefir alö einmal an ben


^lan be§ ©raigen ^uben gurüdbenfen unb in i^m
ebenfo einen gefc^idften ^^aben für bie Ürd^engefd^id^t;
li^en ©ntroiölungen finben, raie anbere bie 2Betts

gefd^id^te an bem gleidjen gaben fid^ abfpinnen liefen


(oben ©. 9 f.). @in fpäterer ©ebanfe war aud^ ber,

ben etüigen i^uben mit bem größten ^^ilofopl^en beä


mobernen ^ubentumö gu konfrontieren unb auf feinen
SSanberungen bei ©pinoga einfefiren §u laffen, äl^nlid^
rcic bie ^eripatetüer in bem S3efuc^ bei ^ant ben ^öl^e-
punft il^rer SBanberungen erblicfen (oben ©. 17. 19).
SSon biefer SSegegnung mit ©pinoga ergäfilt ©oet^e erft

in bem vierten 33ud^ dou 2)id^tung unb 2Baf)rl^eit,

ha§> befanntlid^ fel^r üiel fpäter, in feinen legten i^al^ren


biftiert unb erft nad^ feinem 2:obe erfd^ienen ift. 33alb
barauf ^at bann 2luerbad^ in feinem dioman baä
^l^ema aufgegriffen unb ben eroigen :3«ben, ber ben
©pinoja im ©d^lafe befud^t, im ^uffe üon ber Dual be§
SSanbernä ertöft roerben (äffen ; l^ier erlöft alfo ©pinoga
ben 2lf)a§oer unb in if)m ba^ jübifd^e 33ol!, atä beffen
9?epräfentant ber eroige ^ube bei 2luerbad^ erfc^eint.
204 2)ic S3erfnüpfung ber SRotioe ihxU «oicbcr unbeftimmt.

Ober bie SScrfnüpfung ber beiben (Sagen Iö§t uns


©oetl^e aud^ in ©id^tung unb 2Ba{)rl^eit im ©tid^; ob=
gleid^ er weitere aHitteilungen in 3luäfid^t ftellt: ,,3Son
ber SSanberung beö ;3«^6n unb oon bem ©reignis,
TOoburd^ bai ©ebid^t groor geenbigt, aber nid^t abge=
fd^Ioffen joirb, meHeid^t ein anbereö 3KaI." '^m f)at

er ja roirüid^von ber SBanberung beä ^uben nod^ ein=


mal gefprod^en, eben inbem er ben Sefud^ bei ©pino^a
ergö^lte; unb er l^at aud^ baä gro^e ©reigni§, ba§ ben

©d^IuB bilben foHte, ein ^al^r fpäter in ber ^talieni=

fd^en Steife mitgeteilt: nämlidj bie 2Bieber!unft beö


^eilonbeä, bas Venio iterum crucifigi. 6ö ift aber
red^t bejeid^nenb, bo§ er in 3)ic^tung unb Söal^r^eit
über baä Fragment Sluäfunft geben fonnte, ol^ne beö
mieberfel^renben ^eilanbö ju gebenfen, unb in ber
3ltalienifd^en ^leife, ofine ben eroigen ^uben anberä aU
gang beiläufig alö S^UQzn ju berül^ren (oben <B. 185);
roäre ii)m bie SBerfnüpfung ber beiben ©agen jemalö
flar geroefen, fo tiätte er über biefen ^auptpunft
nid^t fd^roeigen !önnen. ©in ^«'ßifet baran, ba§ bie
Sßieberfunft beö ^eilanbes ben ©d^lu^ bilben fottte,

ift nid^t möglid^. 3lm aUerroenigften !ann ber ^efudfj


bei ©pinoja, ctroa roie fpäter bei 2luerbad^, bie ®rs
löfung herbeigeführt l^abcn. ®enn ©oetf^e beseid^nct
it)n auäbrüdlid; alö ein bloßes ,,rocrt()cö i^nßi^cbienö",
eine Gpifobc alfo, oon ber nid^tö aufgefd^rieben roorben

fei, bie fid^ burd^ 2tusbilben in ©cbanfen üon einem


blojjcn Ginfall, ber als oorübergcljcnbcr ©djcrj nid^t
o^ne 5ßcrbienft geroefen roäre, bergcftalt erweitert I;abc,

ba§ er feine 2lnmut oerlor unb er il;n als läftig fid;

au0 bem ©inne fd^lug. Xa^ aber von bem ©d^luB


SSecmutungcn ü6cr bcn SluSgang. 205

Tt)irfli(^ itxoa^ aufgcfc^rieben war, fagt ©oet^c ja m^--


brüdltd^; er erfannte in ben Fragmenten ben Slnfang
bes ©c^tuffes (oben ©. 144). Unb fo !ann er au^
mit ben 3ßorten, ba^ baö ©ebid^t burc^ jeneä ®reigm§
jraar geenbigt, aber nid^t abgef($Ioffen raorben fei, nur
fogen motten: ba§ er bie ©d^tuBfsene raol^l begonnen,

aber nid^t auögefül^rt l^abe. 3lber aurf; fie ftimmt ni($t


3U bem 33eri(^t in ©id^tung unb 2Ba^rf)eit. S)enn in
ben Fragmenten feiert ber ^err eben nid^t in ber »er;
Härten ©eftalt, in ber if)n ber S«be auf bem ©d^meiS^
tud^ ber 5ßeroni!a erblidft l^at, nid^t als SBettrid^ter,

fonbern in fd^tid^ter unb menfd^lic^er ©eftalt toieber.

Ob unb xok fid^ jene ©eftatt am biefer entroicEett

f)ätte, barüber fe^tt jebe SSermutung. ©benfo aud^


über ha§> ©d^idffat be§ ^uben : ba bie 3:^ragif in feinen

eroigen SBanberungen roeber im ^i^agment nod^ in ^id^=


tung unb SBafirl^eit angebeutet ift, Fiaben mir nid^t ein^
mal einen 2ln{)altöpun!t bafür, ob unb roie ber eroige
^ube erlöft werben fottte. ©d^roerlid^ roirb jemanb bie

SJJeinung 2)ün^erö teilen, ba^ er nad^ ben üblen ©r*


falirungen (S^rifti t)on biefem neuerbing§ auf bie SBans
berung gefi^icEt roerben fottte; man mü^te bann eine

brüte Bw'^w^ft be§ ^errn in ber cerflärtcn ©eftalt ans


nel^men, burd^ bie baä @ebidf;t ni(^t blof5 geenbigt,
fonbern aud^ abgefd^loffen roorben roäre. 9)iel)r SSal^r;

fd^einlic^feit liat e§ für fid^, \ia^ ber ^eilanb am ©nbe


feiner jroeiten ©rbenroanberung bie irbifd^e ^ütte ah
roerfen unb in t)er!lärter ©eftalt, t)on ©ngetn umgeben,
ben SBeltrid^ter fpielen fottte. ®ie meifte Sßatjrfd^ein=
lid^feit aber fprid^t bafür, bafe ©oetfie ba§ ©ebid^t
überi^aupt gar nid^t gu ®nbe gebadet l)at. ©d^roerlid^
206 2)aä ©efpräd^ mit ©ceBerf Ü5er bie 2;remeIIen.

^at er fid^ bamalä bo§ SBeltenbe fo oorgeftellt, toie

htti cor feinem S^obe, rao er ju ©oret fagte: „^^


fcf)c bie 3^^^ fomtnen, wo @ott feine greube mel^r an
i\)x i)at unb er abermatä aUeö jufammenfdjlagen mu§
p einer Derjüngten ©d^öpfung. i^d^ bin gerai^, e§ ift

alle§ barnad^ angelegt unb e§ ftef)t in ber fernen 3«=


fünft fd^on 3^^^ unb (Stunbe feft, wann biefe 55er=

jüngungäepod^e eintritt. 3lber biä bal^in l^at eö fidler

nod^ gute SBeile unb rair fönnen nod^ i^^^^i^toufenbe

unb aber i^^lfirtaufenbe auf biefer lieben alten %l<x^t,


wie fie ift, allerlei ©pa^ l^aben."^"^)

3. I^Bt nafurroiJl'BnfifiapIirfjB pian. JRuÄklang.

S)cn eroigen ^vhtn l)at ©oetl^e gule^t ganj auö


ben 2lugcn üerloren; bie ©eftalt beö toieberfelirenben
^eilanbä aber ift i^m treu geblieben biö anö (Snbe.

©d^on etlid^e ^a^xc cor bem ^lan in ^id^tung unb


SBalirl^eit, ber bie SBieberfunft bes ^errn gar nid^t er;

loälint, l^at @oetl)c eine 3cit'fö"9 i'ß" ©ebanfen eines


©ebid^teä auf naturrciffenfd^aftlid^er ©runblage crroogen.
^m 2tpril 1808 weilte 2:l)oma8 ©eebecf in SHSeimar,

mit bem @octl)e ©gperimentc mad^te unb fid^ aud^ bei

3:ifd^ über ben ©aloanismuß unb ben in ber romanti*


fd^cn ^eriobe mobcrnen ajigftijismus unterl)ielt. 2)ie

Stiebe fam einmal auf bie ^flanjcngattung ber 2;rc=


mcllcn, bie in ber bamatigcn SBiffenfd^aft ben 9hmcn
Tremella Nostoc Linnei, bcutfd^ bas 3lo\io^, au^
^immclfiblumc, ^immelsblatt, Grbblumc führte, ©eebedf
warf ben ®cbanfcn \)\\\, bafe man lcid;t glauben !önnc,
ber 3Kcf|iafi fönne ouö ben 2:remcllcn, bie bei ©eroittcr--
3)cr ^cilonb entftel^t auä ben ^remetten. 207

regen aU eine ©aUerte jum SSorfd^cin fommen, entftel^en.

©oetl^e griff tiefen ©ebanfcn leb^oft auf, unb rooHtc


auf i^n ein ©ebid^t „9Jiaranatl^a ober ber ^err fommt"
bauen, ©r l^atte alfo vov, fid^ für bie 3"^""ft ^^^
^errn beöfelben bib[if($en ^itetä ju bcbienen, ben
Berber (oben ©. 179) für fein Suc^ über bie 2l;)o!as

Ippfe geraäl^tt ^atte, ber fid^ ja oud^ an htn ^orintl^ers

brief anlel^nte, an^ bem baä 9JZaran 2ltl^a, b. ^. 6 x6-


pio? fjX^e, ber §err fommt, ftammt. Sfiiemer erl^ielt

ben 2luftrag, ©oetfien ben ^lan in§ ©eböd^tniä §u


rufen ; er f)at bas öfter getan, aber ol^ne ©rfotg. Über
bie 2lbfid^t, bie biefem naturraiffenfd^aftlid^en ©ebid^t
von ber ^"'^""ft ©runbc gelegen fein
^^^ iQerrn gu
mag, laffe i6) ben ^Jiaturforfd^ern ba§ Sßort. ®er ins
jioifc^en leiber oerftorbene grofee ©oetl^efrcunb unb
33otani!er 21. ferner ron 9JtariIaun l^at mir unter
bem 29. SKärj 1897 barüber fotgenbeä mitgeteilt:
„Unter S^remellen oerftanb man ju ©oetl^eö ^tit
^ffanjen, meldte baä 2lnfel)en ber aufgequottenen
©atterte liaben. ©egemoärtig reil)t man fie gum ^eile
in bie Slbteilung ber ^ilge, teiltoeife in bie 2lbtei5

lung ber Sllgen unb §raar in bie ©nippe ber ^i^anos


pl^tjceen. Dl^ne Zweifel breite fic^ ha^ ©efpräc^ mit
©eebed um eine ^flangenart auö biefer le^teren ©ruppe
unb §raar mit größter 2Bal^rfd^einlid^!eit um eine 2lrt,
tt)el(^e bei ben mobernen Sotonifern ben Flamen
Nostoc commune fülirt. ©iefer Sf^oftoc ift aud^ unfe^
ren ^Bauern längft aufgefallen unb fülirt bei il^nen \)m
9^amen „©ternfd^nuppen". 3)?on bringt il^n mit ben
©ternfd^nuppen in 3ufommenl^ang, ja man l^ält biefen
^^loftoc gerabeju für auf bie ©rbe gefallene ertofd^ene
208 Äerncrä Urteil.

©tcrnfd^nuppen. S)iefe 3JJeinung Ijat t^ren ©runb


barin, ha^ fi(^ Nostoc commune in großer 2J?enge
äur 3^it i'ßö Überganges üom ©ontmer in ben ^erbft
einfteHt, atfo ju einer S^K ^^ ß"«^ bie ©ternfd^nuppen
fo (läufig gefeiten werben (Saurcntiuöfd^roarm!). ^m-,
befonbere fielet mon na^ taureid^en ^ä^Un ober
nad^ ©eroitterrcgen an grafigen ^lä^en, nicf;t feiten
aud^ auf hen 2Begen ben olioengrünen gallertartigen
^ioftoc (leruntliegen. ®a man bort am Stbenb oor^er
ober üor bem ©eraitterregen feine ©pur beöfelben be;
mer!te, !am ba§ Sanboolf auf bie 3)? einung, biefe
gallertartigen 5lörper feien raie ber ^au unb Stiegen
üom ^immet gefatten. ©iefe 3Jieinung fd^eint nun
jur 3ßit ©oetl^eö au^ t)on üieten 9iaturforfd^ern ges
teilt roorben ju fein, worauf ber ^amt „^immetä^
blumc" l^inbeutet. ®a§ rätfeti^afte plöfelid^e 2Iuftreten

biefeä SfZoftoc regte aber and) an, bem (Sntftefien

biefer ^flanje nad^jugrübeln unb ba mochte man auf


bie Urjeugung (generatio aequivoca) gekommen fein.

3d^ glaube bie SBenbung beä ©efpräd^es mit ©eebedE


ba^in red^t ju oerfteljen, bafe man in bem plöfetid^en

2(uftreten biefcs 3toftoc einen lang gefud^ten eflatanten


%a\l oon Urzeugung oor fid^ gu fjabcn oermcinte, ber
unter bem ©influffe ber Gleftrigität bei ©eroiltern fid^

abfpicic, bie 33ilbung eines „Urfd^Icimeö", ber bann


ben Sluögangspunft beö ^flan3enrcid;eö, geroiffermaBen
bie Söurjcl beö ^flanjenftammbaumcfi bilben fönntc.
^er fpätercn 3cit mar cö tJorbeI)altcn , bie Gntroidf;
Iungögcfd;id^tc bicfcö 3fioftoc auf baö gcnaucftc ju unter*

fud^cn unb 5U ermitteln, bo§ bcrfclbc wie alle frtipto*

gamifd^cn OJcroädOfe fid; burd^ i^cttcn, meldte alfi ,©poren'


SBettfteinä Urtcit. 209

Qngefprod^en raerben, üerme^rt, roooon man aber ju


@oett)eö 3ßit ^ßinß 2ll^nung iiattc."
9)?it biefen 2lu§fti^rungen crflärt ftd^ ber S^iad^fotger
Werners, ^rofeffor Dr. di\ä)axh 3Bettftein von Sßeftcrös
(leitn, anä) fieute nod^ einoerftanben; er fäfirt aber in
feinem Briefe »om 27. 2lpril 1904 fort: ,,^n ber 6r;
flärung, raiefo ©oet^e burd) ba§ ©efpräd^ über 2^res

mella bie 2Inregung ju einer 5Di($tung über bie Sßieber;


feiir be§ 3Jieffiaä empfing, möd^te i^ aber hoä) ein
rcenig üon ferner abmeieren. @§ ift ba gu bead^ten,
baB baö ßJefpräd^ mit ©eebecE in einer 3cit fid^ o.h
fpielte, in ber man piel über ben Urfprung ber 2tbti
weit auf ber ©rbe bebattierte. ®a^ hk Seberoefen
einem ©ntroicftung^projeffe i^r ®afein perbanfen, rourbe
attmäf)Iid^ tiav, nur über ben 3tuögangöpunft für biefe

(Sntroidlung mar man fid^ nid^t !lar. a)Jand^e badeten

an bie Ur§eugung ((Sntftel^ung ber Organismen


aus bem Unorganifd^en), anbere baran, ba^ bie Ur=
Organismen aus bem SBeltraum auf bie ©rbe fämen.
%üv nun bas fd^einbare iQerabfaUen bes
le^tere bot
Nostoc aus bem ^immel einen roittfommenen 2rn^atts=
punft. §ier fd^ien ber %aU porjuliegen, ba^ gerabefo,
rcie feinerjeit bei ©ntfte^ung beS SebenS auf ber ©rbe,
aud^ Iieute nod^ lebensfäl^ige organifd^e ©ubftanj aus
bem 2Be(traum auf bie ©rbe fommt. @s lag bei einer
mgftifd^en Setrad^tungsroeife pietteid^t na^e, einen 33er-
gleid) gu gieljen gmifd^en biefem Söiebereinbringen or;
ganifd^er ©ubfianj aus bem SBeltraum auf bie ßrbe
unb ber Söieberfe^r bes SJJeffias."

©0 piet ift alfo gemi§, ba^ ber 3JJeffias ben


^immetsflug nid^t me^r in menfd^lid^er ©eftalt mad^en.
210 S)er ^err fomtnt mit ben ^eerfd^aren Bei SBaterloo.

fonbern als eine „©ternfd^nuppe" oom ^imtiiel foUcn

foHtc. Unb geraiB ptte ©oetfie feine naturroiffenfd^oft;

lid^en ©ebonfen über 9JJetQmorpt)ofe ftorf in 2tnfpru(^

nehmen muffen, faUö er be§ ^eilanbä nienfd;lid^e @rs


fd^einung aus biefem gallertartigen ©toff f)ätte ent=

ftcfien laffen, raie bie 33enuö aus betii <B6)anm be§


9Jleereö tieröorgegangen ift. Ob fid^ freiließ bie natnr^

töiffenfd^aftüc^e 3)?otir)ierung auf ben ^immelöftug beö


^errn l^ätte befd^ränfen unb ob bann etwa unfere f^rag^
mente t)ätten einfe|en follen; ober ob baö ganjc nur
ein fgmbolifd^ bargeftettter Diaturoorgang (;ätte werben
f ollen, Toer »ermöc^te baö §u fagen? 93ieIIeicf;t ber

©id^ter felbft nid;t, wenn man i^n barübcr befragen


fönnte.
3lus einer ganj anberen Siiegion fa^ ®oetf;e nad^
ber ©d^lad^t bei 9Bater(oo ben ißerrn fommen; unb eä

ift ein fd^roerroiegenbeö B^^Öi^^ä bafür, mie nat)e it)m


bie $8orftettung beä roieberfe^renben ^eilanbes lag, ba§
fie fid^ i()m bei ben oerfd^iebenften ©elcgenfjeiten roic Don
fetbft aufbrängt. :3c^t badete an^ er fid), wie fo oiele
anberc ©änger ber 33efreiung§friege, ben ^errn an ber
©pi^c oon ^eerfd^aren miebergefommcn, um ba§ grofee
beutfd^c 33olf oon frcmben 33anbcn loöjureifeen:

„9hm t'6ni laut: ber Jperr ift ba,


SJon ©terncn Ql'dnit bie i)iad;t,

(Sr l)at, bamit uni $eil ncft^f^O»

(Meftritteu unb gciünd^t!"

Unb er t)at aud^ fpätcr baft SSilb bcfi ^eilonbeö


nidfit mcljr au6 ben 2lugen unb am bem ^crjen ücr?

loren.

3Ufi er für 3c(tcr ben %^ian einer >Untate jum


©dritter unb ©octl^e al§ ©J^riftuSnaturcn. 211

Jubiläum ber S^iefonnation na^ bem 9Hufter beö


igänbelifd^en aJteffiaö entraarf, raolltc er mit bem
Sonner auf bem «Sinai, ber ©efe^gebung: ®u follft!,
beginnen unb mit ber 9luferftef)ung beö <oetfönbeö, alö
ifirer Erfüllung: Su rairft!, fc|IieBen. SBenige SBod^en
cor feinem 2^ob äußerte er gegenüber ©dermann, über
boö efiriftentum ber ©oangelien fei nid^t l)inau§ju!oms

men; er unterfd^ieb alfo nod^ immer jroifd^en ber Seigre

(Sf)rifti unb ber d^rifttid^en ^ieligion. Unb rcenn er

nod^ im §öc^ften ©reifenalter im ©inne be§ mieber;


fef)renben ^eitanbes fragte, rao benn baä raa^re ©Ejriftens

tum iü finben fei, ba i)klt er eine gar merfmürbige,

uncrmartete Slntroort in Sereitfd^aft. igatte er fd^on

geJ)n ^a^xt frü(;er on «Sd^iHer bie eingeborne ßf)riftu§;

tenbenj berounbert, bie ifin nid^tä ©emcineö berühren


liefe, o^ne es gu oerebeln; fo fagte er jroei ^a§re cor
feinem 2^obe gu ©cfermann: „3Ber ift benn fieutjutage
ein efirift, mie ©firiftuö if)n l^aben raottte? ^d) attein
oietteid^t, ob ^^r mid^ fd^on für einen Reiben t)altet"^*^^).

©oetfieä tiefreligiöfe 9iatur, fein ^rommfein fiat

ben fd^önften 3luäbrudf in ber ^orfteUung t)on bem


n)ieberfe{)renben ^eilanb gefunben, an ber er t)on feinem

erften ©ebid^t biö gu feinem ^obe treu unb auäbauernb


feftgefialten fiat.
jattmcrftun^ßtt»

S3ct bcr 9luffud^ung bec SBibcIfteaen ^at mtd^ Dr. g-iltfcl^

unterftü^t, beffcn Dlame bei ben »on il^m nad^geroiefencn 3ittttctt

ftetä gcnonnt ift. Sei ber Äorreftur roar mir aud^ biefeä 9)k[
91. ^oger üon 2:i^urn j^ilfreid^. SBciben banfe iö) ^er}Iic| für
tl|re aKü^eiDoItung ; cbcnfo ben Ferren Dr. §od unb Dr. Srotonef
für i^re unten üerjeic^neten Siod^ioeife.
gür ben %t]ct roirb ein für aUcmal auf bie SBeintarifd^e SIuöj

go6e oerroiefen; S)ün^er§ ©inroenbungen in ber Qeitfc^rift für


beutfc^e ^^ilorogie XXXI 108 ff. berufen auf Unfenntniä ber
§anbfc^riften unb auf einem SSerfc^en beä Äritiferä.
Kommentar in ber arceiten 2luflage ber öempelij
2luc^ Soeperä

fd^en Sluägabc ber (^ebit^te unb S)ün^erg Kommentar in Äürfd;:


nerä 9JotionaIIiteratur unb 2)ünfeerä unb 3]iel^op Äommentare
in ben Grläuterungen au ©oetl^eä ©ebidjten finb nic^t befonberä
aitiert.

abfüraungen: eup^(orion oon ©aucr). — SJ.j.®. (SJerjunge


©oet^e). — &. (5ron!furtcr ®ere^rtc Slnjcigen 1772, 9teu=
gf. 31.

bnirf).— 3a^rbuc^ (GJoet^cja^rbud^). — 3ube (ber reifenbe S-,

2lnm. 26). — Saooter (öoet^c unb 2lnm. — i?., 36). fiinb.

(SWüaerä ©iegfrieb »on i^inbcnberg, Dieclam). — SWenoaa (Slnm. 23).


— (5«ot^anfer von
9lot^. 2lnm. — ^er.
3iicolai; 29). ^ißeripa'

tetifer,«nm. — Du. 21). 3). 3)on Quichotte,


(3)er Weiftlic^c

«nm. 25). -- GopOie (Sophien« 9lnm. — SReifen, 28). SOiertel»

ja^r8f(^rift (von ©euffert). — (Woetf^eö Selbf^eugniffe


SJogel

über feine Steaung iuv Siellgion unb a" religiö^«rirc^licl)en

3froflen, 2. «ufl., üeipaig 1000). - ©. «. (aUefm. «u8gabe ber


©etf«). — ffi,^. (^empeltft^e «luSgabe).
3tnmerr«ti9 1 6iä 12. 213

1) 2B<p I 30.

2) aOß^ III 178.


3) S, 9?cubour, 2)tc ©age oom ©ttigcn Qubcn, 2. 3lufl.,
Seipaig 1893. ©imrocf VI 421 ff. Ä. ©ngel, SufammenftcUung
ber gauftfd^riften, 2. SKufl., Dlbenburg 1885, ©. 618 ff.

4) 2lui in beut oon ®örreä 9Jr. 33 ©. 200—203 befpro(^e--


ncn Solföbud^e bürfte bie ©efd^id^terjäl^Iung nur angebeutet, nid^t
ouSgefül^rt fein.
5) Bibliotheque universelle des romane 1777 Juillet II

7—249 unb Septembre 211—213. 2. D^euBour, Sentralblatt

für «ibliot^efäracfen X 307 (1893).


6) »ibliot^ef ber ^omam, 3fliga 1782 VIII 79 ff. IX 39 ff.

X 111 ff. XI 99 ff. XII 83 ff. 5Reic^arb gibt in ber SSorrebc,

um fic^ fcineg ^(agiateS fd^ulbig ju mad^en, ouäbrüdflic^ ju, ba^


er bei ber Umfd^affung beä Ileinen SSoÜäromaneä oom roanbern;
ben Quben einen ber gefd^irfteften 3Jiitarbeiter ber ^ßarifer 'Sioman-

biblioti^ef lum SBorgänger gel^abt l^obe; bie ®rftling§ibee fei beff cn

Eigentum, in ber ^Bearbeitung aber fei er, fonberlid^ in ben fol;

genben Qal^rl^unberten, von il^m abgeroid^en. — 5leid^arb nennt


fid^ übrigenä nid^t alä SScrfaffer. @in ©eparatabbrud mit S:itel*

fupfer von ©l^oborciedfi ift mit 33enü^ung beä gleid^en ©afeeä

ober berfelben a3ogen 3tiga 1785 erfd^ienen. ®in 9J?9fterium ober


goftnad^täfpiel , in bem ber eroige Qube auftritt (©.8), ift mir
nid^t befannt unb loirb aud^ oon ©reijenad^ nid^t erroäl^nt; bie

©teile oerbient Sead^tung!

7) 2)iefe ift aber erft 1783—86 in SBJintertl^ur erfd^ienen,

4 93änbe; mit bem ©rfd^einen beä StomanS würbe fid^ biefeä


3itat mol^t »ereinigen laffen, nid^t ober mit ber 3«it ber §anb?
lung.
8) -Reubrurf ber erften 2luägabe bei S^leclam 97 ff.

9) 2«attpuä 24 unb 25. 16, 27 f. ^ßauluä an bie ^^effa;


ronid^er unb Äorintl^er. Sßgl. bie Äritif be§ SBoIfenbüttelifd^en
Unbe!annten in Seffingg SQßerfen («pempel) XV 370 biä 374. 378
biä 383. 399.
10) III 397.
11) 2üfa§ 18, 8.
12) ^rgg. bei 2;ifc^enborf ©. 36; ©euffertä «ierteljal^rgfc^rift
214 2tnmcrfung 13 biä 21.

IV 148 f.
— GrbentDonbcrungen ber ^itnmlifd^en: Sanbau in
ÄO(^ä 3eitfc^rift, 9?eue golgc XIV 1 ff. 472 ff. ^ötQ SCßictram
tnac^t ftc^ barüber luftig (93orte§ein 2tu§gabe II, ©. XXIII).
2)rama Comoedia Christi in vitam redeuntis, 1561 von bent
Sogiften $. IDiüHer in Slnnaberg in beutfd^er Sprad^e jur 2luf:
fül^rung gcbrad^t: 93artufd^, S)ie 2lnnoberger Sateinfd^ule, ^ßrogr.
ainnaberg 1897.
13) ®ö^c, ^ang ©ad^s' g-abeln imb erjäl^Iungen I 485 ff.

356 ff. 33earbeitungen oon 2lrnim wnb Äleift bei ©teig, Äleiftä
^Berliner Äämpfc 512 ff.

14) airc^io f. Sitgefc^. XI 60 ff.

15) ©. 654 ff.

16) S)cr junge ©oet^e II 226.


17) Bup^an, SSor §erberä ©eburtstag, eine SSorlefung,

SBcimar 1904, 6. 11.


18) 30 III 1795 bei (S. «paug, grouenfclb 1891, @. 56.
19) 2)ic ^eripatetifer III 41 nad^ bem crften 2)rudf;
f. fe^r

oerünbert in 3:iebgeä Sßerfen, ^aUt 1832, 3. »anbeten 120 ff.

20) 2ßaä Sefuä in Dcfterfunb erlebte. SSon SBiftor §. 3ßidE=

ftröm. ©injig outorifterte Überfe^ung ou§ bem ©d^n)ebifct;en »on


griebric^ v. Äänel. SJerlag »on (Srnft ^ofmann u. 6o., !öerlin
1902.
21) „Die Peripatetiker / des IS^e» Jahrhunderts / oder /

Wanderungen zweyer Aufklärer. / Apostelgesch. I v. 11: /

dieser Jesus —
wird wiederkommen — / (Vignette mit Unter-
schrift: Sag Bursche! Willst du mir bald / den Messias
finden? — / Athen / bey Aristoteles Erben / im letzten Jahr

der 642 Olympiade.* 286 6. 8"». ^d) »erbanfe ben .«pimueiä


auf biefe Schrift ^errn Dr. Stefan $odf, ber mir aud^ fein

Gjemplar jur Verfügung geftettt ^at. 2llä Söerfaffer l^at Dr. .^odf
on einem, i^m leiber nid;t me^r erinncrlid;en Drte Süenturini
(Wöbefe VP 405; MUg. beutfd;e SöiogrnpOie) beaeid^nct gcfunben,
nat no^l baö 3(id;tige fein f önnte. !Die gortfedungen ^lU mir .^evr
Dr. Itüfter, 2)ireftoc ber Hamburger ©tabtbibltotl^er, auäfinbig ge^

mac^t unb aui feiner 9(nftalt gelteren. 6ic fül;ren ben Jr^ftur
gebrucftcn Xitel: „2)ie / ^peripatOelifcr / bca / nt^tjel^nten ^a^v=
^unbert« / ober / äUonberungen aweper 3lufriiirer. — / 3iDevter
3lnmerhmg 22 6iä 24. 215

%'^tH. — Sßenn bcä aKenfd^en ©ol^n tominen wirb, met)neft / bu,


ba^ er aud^ ®Iau5en finben auf (Erben? / Sucä 18, 8. /
raerbe

airtona, / 5e9 ber SSerragSgefellfd^aft. / 1795 /." 2)er britte %^eil

ift 1796 erfd^tenen unb fül^rt ha^ SWotto: „©ine 3Rct)nung er=

gibt fid^ bem Sid^tglanse, nie ber / (Seroolt; ©ebanfen fcel^errfd^en

rooßen, \\i ein fd^intärifd^eS / Unternel^men , roeil eä bie Gräfte


beä aJlenfd^en üBerfd;reitet; / c§ ift ein tprannifd^eä Unternel^men,

roeil 9?iemanb baä / 3led^t i^at, meiner SOernunft ©renjen an:


juroeifen. / ®regoire." S)er jroeite ^eil i^at, roie ber erftc,

286 Seiten S", ber britte 232 ©eiten.


22) I 42 f. 11 24. III 41.

23) ßrid^ ^ontoppiban, ^rebiger, fpäter 5ßrofeffor ber %^iO-


logie in Äopenl^agen: Menoza, en asiatisk prinds, 3 33bc.,

1742 f.; ic^ fenne nur bie beutfc^e Überfe^ung (33orrebe unter;
jeid^net: Wc. ©arftenä, ©openl^agen ben 30. aJJartii 1746):
„3Jienoäo, / ©in / afiatifd[)er ^rin^, / roeld^er bie 3BeU uml^er ge^
jogen, / S^riften / ju fud^en, / aber beä ©efud^ten roenig gefunben. /

2lu§ bent 2)änifd^en üfierfe^t. / %om. I. / 2)iit 3iöm. Äavferl.


Äönigl. ^ol^ln, unb ©^urfürftl. ©äd^f. / aßergnäbigfter gregl^eit./
(Sopenl^agen unb Seipjig, 1750. / ^m SSerlag ber (Sompagnic:
SBud^l^anbtung , / 6eg «^ranj ©l^riftian 3Kumme u. ßl^riftian
®abriel 3iotl^e." 3)er 2'itel beä jroeiten unb britten 5£eire§ ift,

ba bie 3Signette unb baä ^riüilegium fel^Ien, cerlängert: „. ..ju


fud^en,/ 33efonber§ in 3i"^ien, ^ifpanien, ^tafien, / granfrcid^,
©ngellanb, ^oQanb, 3;eutfd^lanb, / unb SJännemardf, / aber be§
@efud[;ten roenig gefunben. / ©ine ©d^rift, roeld^e bie untrieg:
lid^en ßrünbe ber natür: / lid^en forool^r alg ber geoffenbarten
9tcIigion beutlic^ barftel^ / let, unb roiber bie 2l6roege berer meiften

(Sl^riften im / ®Iau5en unb £eben treulid^ roarnet. / 2lug bem


S)ämfd^en . . .". 35ie SBänbe finb burc^paginiert unb mad^en in-
fammen 944 ©eiten gr. 8" ou§. 1754 foU eine britte Sluflage
erfd^ienen fein.

24) ^6) fenne nur bie Überfe^ung: „©efd^id^tc / be§ / be«


türmten 5ßrebiger§ / SBruber ©erunbio / »on ©ampajaä / fonft /

©erunbio 3oteä / xn jroeg Sänben. / 2luä bem ©nglifc^en. /

©rfter (3roet)ter) 33anb. / Seipjig, / bet) ©ngell^arb ^Benjamin


©c^roidfert, 1773." Über baä Original ogl. %\ä\\ox II 361 ff.
216 Sanmcrfung 25 biä 29.

SBielanbä 2;c«tfd^er 3Rerfur 1773 III 195 ff., gcjeid^net %.


§. 3(aco6i).
25) ,The Spiritual Quixote: or, the summer's ramble ot
Mr. GeoSrj Wildgoose. A Comic romance', 3 ^be., 12",
1772. „S)cr / geiftlic^e 2)on Quijote, / ober / ©ottfrieb 2öirb=
goofenä / ben ©ommcr über / angefteHte aBanberfd^aft. / (Bin
!omifcl^er 9iomon. / Sluä bem englifd^en. / (Srfter (Sroeiter, dritter)

2l^etl. / Seipjig, / be^ Sßeibmannä erben unb SRctc^. 1773." 2)en


mir Dr. Srotonef nad^geioiefcn unb mid^
englifd^cn SJerfaffer ^at
auf Dictionary of National Biography unb @. Serferä Siffer«
tation: „3)on Duijote in ber englifd^en Siterotur" (Serlin 1903)
oerroiefen, roooon mir iebod^ bic le^tere nid^t jugänglid^ nav.
Qd^ fenne nur bie beutfc^e überfc^ung von ©eQiuä.
26) „©riefe / eincä / reifenben Quben / über ben / gegenroärs
tigen 3"ftanb / beä Stcligionäioefcnö / unter ben / 5ßroteftanten unb
(Sot^olirfen, / unb / über bic 2luferfte^ung Qefu. / herausgegeben /

von einem Sa9eu:33ruber. / SSierte, ganj umgearbeitete unb »er;


mehrte 2luflage. / 1781." ^d^ fennc nur biefe; bie erfte ift nod^
bem 2lnont)menIeEifon von ^oljmann unb Sol^atta 1771 ers

ft^iencn; ber SSerfaffer ift §cinrid^ ©rnft 2:eutl^orn, Pfarrer in


aSiebenfopf in Reffen, 93rubcr beä befannteren .^iftoriferä.
27) 2)er gute ^Pfarrer in ber englifd^en Literatur btä 3u
©olbfmit^'ä Vikar of Wakefield, 2)iffertation von ^einrirf; «Sd^ad^t,
SBcrIin 1904.

28) „6op^ienä / SReifc / von HWemel nad^ ©ac^fen. / Quis-


quia. Erit. Vitae. Scribam. Color. Hör. / 3'lc(^tmä^ige britte, vom
SBerfoffer burc^gefe^: / ne unb »ermel^rte, 2luögabe, in fed^ä 5öän:
ben. / 2Kit Äupfern. / SKit JRöm. Äaiferr. unb ß^urf. Sttrf;f. oUergn.
^rioilegio. / fieipjig / bei) 3o^onn Jriebric^ Quniuö 1778" fed^S ;

»änbc 8«. 2)ic erftc 2luftage ift 1769—1773 in fünf »änben,


bic jroeitc 1775 in fed^ä 93änbcn erft^iencn. 2)ie (Sntfte^ung bc8
Womaned fällt jum l.eH in ben 2lnfang ber ©cd^jigcrjol^rc: IP448
ift, role ber SScrfaffer fagt, 1703 gefc^ricbcn.

29) „3)oö Heben j unb / bic 9JJcinungcn / beä .^errn IJlagiftcr /

6e6a(bud Stot^anfer. unb Stettin, / bei; (^ricbric^ 9{ico(ai /


/ iBerlin

1778, 1776, 1776; 8 ©änbe." gioeite »erbeffertc 3lufragc 1774;


britte perbefferte Auflage 1776.
anmerfung 30 big 36. 217

30) Qubc 57. 59. ©op^ie II 431. 447. III 75. 2). Üu. I 146.
31) 3Rert03a 601 ff. ©oet^eja^rßuc^ X 169 ff. Äriegf, Sic
Srüber ©encfenberg, granffurt a. m. 1869, ©. 366 f. SJec^ent,

©oet^eg fc^öne ©cele, @ot^a 1894, ©. 128. 145. ®oet^e, ^mpü


XX 37. 2)cr junge ©oct^e II 226. Äriegf, J)eutfc^c Äultur;

fiilber au§ bem XVIII. ^o^rl^unbert, Seipjig 1874, ©. 112 ff.

©oct^eä aßer!e, ^etnpel XXII 63. XVII 367. XXIX 721. SBogel,

©elbftäcugniffe, 2. 2lufl., ©. 211 ff. frankfurter ©ete^rte 2ln=


geigen (9?eubrurf) ©. 32 f. 335 f. 2)ag meifte im Äommentor!
32) §emper XXII 175 ff. S?gr. bie Qal^men Xenien 9h. 493,
ipempel IIP 281 f.

33) 9?eubrutf <B. 473 ff., befonberä S. 476; man beachte aBcr
bie ©teilen Bei ^ßagcal, bie ©d^Ioffer im ©oeti^eial^rbud^ X 187 f.

jitiert. ^n Setreff ber 2lutorfd^aft ber SRejcnfion: a. o. 0. 182 ff.;

2)ed^ent, ©oet^eg fdEiöne ©eele ©. 229; unb neuerbingg ben


SBrief ^erberg, 2)eutfc^e 3teDuc XXVI 12, 368.
34) Äanjler 2KüUer 6ei 33obe, »erlin 1901, ©. 85 f. |»empet
XX 135. XXI 126 ff. XXII 26. 2)er junge ®oet^c II 237. 221.
jjronffurter ©elel^rte 3lnjeigen ©. 612 ff. ^^ Bilbc mir nid^t

ein, biefeg fird^engefd^id^tlid^e Äapitel, bag nid^t nebenbei ju er:

lebigen ift, l^ier abgetan 5U i^aben; eg bebarf einer genaueren


Unterfud^ung. ^d^ ftelte i^ier bie SCßerfe jufammen, bie für
©oet^e etn3a in SBetrad^t fommen fönnten. griebrid^ ber ©ro^e
mad^t ftd^ einen 2lugjug aug 5Ieurt)g Äird^engefd^id^te, ben ber
^opft Derbrennen läfit, S^Uiv, griebrid^ ber ©ro^e alg ^l^ilo:

fopl^, aSerlin 1886, im lapitel:


©teHung 3ur 9teligion.
griebrid^g
5I)er junge ©oetl^c II 221 jitiert 93eIIarmin unb ©edfenborff.
^erber bei ©upl^an XI 84 jitiert ©pittlerg ©runbri^ ber d^rift=
tid^en Äird^engefd^ic^te, ©öttingen 1782; ferner 3Wogl^eim, Saum:
gorten, «ßfaff, ^ablongfi, SBalc^, ©otta, ©emmler, 2lrnotb. SSom
rationaliftifd^en ©tanbpunft aug l^at ^enfe ein üierbänbigeg
äßerf gefc^rieben.
35) Tempel IV 313. SBeim. SKuggabe V 1, 130 ff.

36) 25ie ©teilen in Sacaterg Siogebud^ ber (Smfcr 3ieife:

^unfg aiuggabe beg Sriefroed^felg sraifd^en Saoater unb ©oetl^e,


aßeimar 1901, ©. 293 (früher 9iorb unb ©üb 76, 404) unb
©. 297 (früher 3totb unb ©üb 91, 58). Ungenou in ©e^nerä
218 Slnmerfung 37 biä 48.

ScBcn SaoaferS II 129: „©popöe unb Ämttet=35erä." ©anj fe^lt

bie ©teile in (^irjelä) ©riefen ®oetl^e§ an l^eloetifcl^e j>-reunbe

1867, S. 25. 2)ie 2)oticrung von ^offmann (SBierteljal^rgfci^rift


rV 145 ff.), fd^on frül^er von S)ün^er (3eitfcl^nft für beutfd^e
^^Uologie XXV 289 ff.) lüiberlegt, ift je^t ganj ^attloä. SSgl.

aud^ @räf, ©oet^e über feine 2)id^tungen I 1, 38 ff. 35ün^er


im Sal^rbud^ I 147. SSon ®oet^e in ber oon il^m fetbft ent=

worfencn 6§ronoIogie ber SCBerfe unb in ben 2Cnnalen 1769—1775,


b. ^. jroifd^en ber 9tücf!e^r »on Seipsig unb ber Überfiebrung
nad^ SBeimar ongefe^t. SSon SRiemer unb ©dfermann in ber Duart=
auögabe 1769—1775, in ber (Sl^ronologie 1773—1774.
37) «riefe (SBeimorifc^c STuägabe) II 145 f.
147 f. 193. 201.
HJlerdfbriefe III 88. Soeper, SBriefe ©oetl^eä on ©opl^ie oon Sa
Slod^e, ©. 32. 35 f. 2)en ^inrceiä auf bie ©teße ouä bem 58riefe

93öttigerä an SCßoIf oom 3. SWai 1795 »erbanfc id^ 9«aE Äod^ in


ben Seric^ten bcä freien SJeutfc^en |)oc^ftifteS XIII 12*; bie
©teile felber ift in bem Programm beö Ägl. Äaifer {Jriebrid^=

©gmnafiumä in ffranffurt a. 9Jl. 1890 (aßil^elm ^eter§, gur


Oefc^id^tc ber SBoIffc^en ?ßroIegomena ju §omer, 3Kitteilungen
ani ungcbrudf ten ©riefen üon {^-ricbrid^ 2luguft 2ßoIf an Äarl
Sluguft SBöttiger) ©. 37 gebrudft.
38) «ecmpel XXII 180 f. XXIII 9 f.
= 3Q3eimanfcf;e 2lu8gabe

XXVIII 310 f.
XXIX 14 f. ajaju ©cfcrmann (©orct) 14 III

1880.
39) Duetten unb gorf (jungen II 67; grefe, 0oet^e6riefc 186.
40) I 46 f.

41) 3iollif)udf X (bei 9teu5aur).


42) VIII 82 unb 84.
48) 9leubaur 74.
44) 5«orb unb ©üb 75 (223) ©. 82.
46) 9ieu6aur 60. 62. 64 f.

46) 9t6gebnid(t bei ©imrotf.


47) 2). Du. III 164. ^er. II 76. g. &. 81. 207 f. 253 f.

Hn Saoater 4 VIII 82. $emper III* 6. (Spätere etetten bei

aogel« 178 ff.

48) 9tn Stolberg 26 X 75. gauft 8482 ff. §empel II« 287.

ecfermonn 81 XII 28 (Soret) unb 8 III 81.


2lnmerfung 49 6iä 67. 219

49) 2)te SBiBclftette »on ^iU^di) nad^gcroiefen. S). j. @. II


237 ff.

50) meno^a 942. 601. 2). Du. I 54 f. III 88.

51) iDJonograpl^ien oon 2eut6edjer (Slmfterbam 1857) unb


£uciuä (Strasburg 1881).
52) 2(I6erti, Briefe üBer ben allerneuften 3"ftönb ber 9le:

ligton unb ber 2Biffenfd^aft in ®ro^5rttannien 1 107 ff. 2). Du.


I 65 ff. II 173 ff. 3Jienoäa 420 ff. 495 ff. @oct^e rennte bic
©d^ule ber ^rjte, üon ber bie 3!}?et^obiften ben S'Jomen ^af>m;
er fc^reifct in ben (gp^emeriben (2B. 21. XXXVII 81): „^^emifon,
Xeffaluä Jraaianuä bie ©tiffter ber 2«et^obifc^en ©ecfte."
53) ^er. III 180. 3iot^. II 27 ff.

54) Stempel IP 208. 478; IIP SRegifter s. v. DriginaHtätS'


fud^t. §ornad, ©oeti^e in ber ©poc^e ber SSoHenbung 9.

55) (gtf ermann 11 III 32. @rüner 2 VIII 22. 33riefc ouä
ber Sc^roeij 12 XI 79. 2). j. ®. II 220—223.
56) I 111.
67) 3lot^. I 42. II 32. 91 ff. ©op^ie III 94. 99 ff. 5ßer.

I 110. Silbe ©. 57. 2). Du. III 236 f. 2). j. @. II 382. III 78.

Tempel XXI 174. 382 f. III 143. 2Iug ^erberä 3la6)la^ I 59.
III 29. Serno^ä, ©d^tegetä ©l^afefpeareüberfe^ung ©. 244.
58) matf^. 23, 2. 2). j. ®. II 227. Seffing, ^empel XV 110.
59) 2). j. 0. II 218. 227. ©op^ic III 672. Sinb. 11 f.

60) <pempel IIP 182.


61) ©toiaerg an SSo^, SeKingJ^auä, ©. 104. ©leim an U3,
©c^übbefopf, ©. 246. ©erunbio I 316.
62) §ubi6ra§ {von 2Bafcr überfe^t, 1765) ©. 360. 3tot^.
II 59 f. «ßer. II 203. 221.
63) X. l &. II 239. §erberä ^been IX. Sud^, 5. Äapitel.

©up^an XIII 388 f.


64) Slpoftelgefc^. 2, 19. 43. 5, 12. 6, 8. 2. Äor. 12, 12.

305. 4, 48 m^noia ©. 659 f.


(^irtfc^).

65) 2). j. 0. II 225 f. §empel XVII 374. Tlmoia ©. 503 ff.


657. 2). Du. I 60. 120. 325 f. II 152 f. 225 f. III 34. 298.
368 f.
66) %. ®. 21. XIX unb 149 f.

67) 2Katt^. 23, 2.


220 ainmcrfung 68 5iä 81.

68) gcfötoS 1, 8. 62, 11. Scremioä 8, 22. 3ac^oria§ 9, 9.


ajJatt^. 21, 5 (girtfc^). 3lot^. I 73. «ßer. 87. 114. ^ube ©. 129.
g. ®. 21. XVm. ajlenoja ©. 603. Sinb. ©. 37.

69) Dffenb. 3o^. 18, 10 (gittfc^).

70) Sefftng, <ßemper XVIII 73 ff. <pamer, Äropftodftubicn


I 49 ff. III 113 f. 3lot^. I 37 f. II 7. 9 ff. ©leim an Uj,
©c^übbefopf ©. 456. ©cigcr, SHIttoeimar ©. 71. 2). j. ®. I 83.

II 217 ff. %. ©. 21. ©. 174 ff. 346. 476. 9ja^r5ucl^ X 148.

^etnpel III 263. erfermonn (©orct) 17 III 32. 35fcn, Sranb I.

71) öubibraä ©. 360 f. 3lotf). I 37. 44. 47 ff.


II 61.

230. 247.
72) menoia ©. 602. 606. 694. 724. ©opl^ic VI 55. Qubc
©. 34. 63. 2). j. ©. III 214. ^empel XVn 377.
73) 3Keno3a ©. 601. 2). j. ®. III 227.

74). I 240.
75) 5Rot^. II 37. III 36. 2). Du. III 146 f. 148 ff.

76) 3Kcno}o ©. 716. 2). Qu. I 707. II 230. 2). j. ®. II 216.

77) mait^. 16, 19. 18, 18. 2). Qu. I 325. III 242. 2).i.©.
I 240.
78) aStertcIio^räfd^nft IV 131; Socpcr bei Ipcmper, 2. 2lufr.;
2)ün^er in ilürfc^nerä 5JationaIItteratur. 2). j. ®. II 219. 42.
Sinbcnberg ©. 90 ff.
101. 3lotf). I 74. II 86. 2). Du. II 384 f.

aWiUerg 2lfabcmifd)er 93riefiDecf)fer, bic ©teüe bei Ärügcr ©. 18.


79) 3Rattf). 24. Äop. 3o^. 5, 25 ff. Offenbarung 3o^. Sef--

ftng, Tempel XVII 27. ^crber, «pempel XII 40. dlotf). I 30.

2). j. 0. I 79. II 198. III 226. 2tn Saoater 5 VI 80; Sauater


on Goethe 10 VIII 82. ^afobfen I 199. 3Keno3a @. 654 ff.

©(^crcr, 2luä ©oet^eg ^tü^jeit ©. 20. (^wpf). III 103.


IV 181 f. 1. Äor. 12, 10 (Jirtft^).
80) «iertelja^röfc^rift
^empcl XXII 164. 336 unb 819. edemann 23 X 28.
XXIV
2). Du. I 128. III 863. 3loti). I 52 f. 168. III 143. ^cr. I 114.

121. III 179. ©rabbe (©riefebac^ II 435): „2)a tvinfcn nun


bie obgefc^iebencn Seelen (an Siebfrouenmild;) fid; fott unb

»erben aOe ©elfter; benn ber Iran! gibt auc^ benen ©eift, bie
oor^er feinen Ratten."
81) 9tn ^orobie Älopftodö benfen »ie^off, 2oeper unb (Sri(§
®(^mibt, S^arafteriftifen I 182, o^ne ba^ i(^ an ber oon bem
2tnmettung 82 6i§ 94, 221

leiteten äitiertcn ©tette (9JJcfftaä I 135 ff.) eine Übereinftimmung


mit unfercm j^^ragment ju ernennen oermöd^tc; 2)ün^er leugnet
fie. 5ßer. I 258; II SSorrcbc. §empel XX 7. SBeim. 2luäga6e
XXXVII 108. aWatt^. 24, 19 u. ö. ^erber, §einpcl XII 35 f.

82) 25. i. ^emper II 352. ©euerer, £ttcratur=


&. I 79 ff.

gefc^ic^te ©. 489. a«att^. 4, 8 ff. Sufag 4, 5 ff. (giUfc^). §empet

IP 54, Sß. 84 ff. 2). i. ®. I 82 ff. «Per. I 63. 66. 71. 88. 33riefe
IV 296 f. öentpet XI 1, 143. 332. 339. IP 123. 2). j. ®. III 701.
gauft 2923; 2Kinor, gauft I 157.
83) ^er. I 6.
84) ^auluä Ott bie ©pl^efer 6, 12. ißcmper XVII 890: prft
ber aBert, minov, fjauft I 226. Selter, griebrtc^ ber ®ro^e alö
sp^ilofop^, »erlin 1886; Kapitel: griebrid^ä ©tettung jur 9ie=
ligion. 5ßer. I 140 f. 183. 2). j. ®. II 221. ^cmpel IV 196.
edermann 11 III 32.

85) mmoia ©. 660. ^fauft 2836 ff.

86) ^falm 38, 8 f. ^er. II 130. 200. 5Rot^. I 120. g. ®, 21.

©. 60 ff. 266 ff. 345 f. 456. 563 ff. 651 ff.

87) ^er. II 19. 133. III 80. 2ln ®inftuB »on ©olbfmit^
(^a^xbud) VI 294) gloube ic^ nic^t. Sinb. ©. 160.
88) «Per. I 131. ^ube ©. 71. gauft 2836 ff. Xaffo I 4.

^empel III 275.

89) ^er. I 102. 143 ff. 152.


90) Seffing, ^empel XV 264 f. XVI 108 f. ^er. II 18.
150. 196. ©opl^ie I 484. dloti). II 79. 127. 134 ff. III 22.
62 ff. Sube ©. 2. 10. 20. 31 f. 40 ff. 80 f. 2). j. ®. III 210 f.

II 226 f. %.&.%. ©. 319 ff.; bie Stejenfton ift tanm »on


©oetl^e, lüegen ber ©teilen über ben Teufel unb baä Übel in
ber mit (f. oben ©.40 f.). 2). i. &. III 495 f.; bie aftejenfion ift

nod^ bem ©efagten nid^t »on ©oeti^e.

91) ^er. II 130. 190 f. 199 ff. ^Rot^. II 58 f. 190 f. 218,


222 ff. III 77 f. 2). Du. II 200 f. III 84. 244 f.
92) ^ube ©. 50 f. ^er. I 152. II 24. 3Jot^. II 8. (Sdfer=

monn 31 XII 23.


93) Qup^. VII 253 f. 3lot^. II 71—100. 236 f. III 12.
^er. II 44. 132. 204. III 9 ff. 108 f.

94) 9^ot^. II 22. ©op^ie III 77. «ßer. I 9 f.


222 ainmerfung 95 5iä 101.

95) 5. 3Äo[e§ 33, 1. 3tot^. II 13. 221. III 6. ^ubc ©. 41.


43. ©op^ic UI 409. ^er. II 47. 111. «effing XIV 71. 2). j. ®.
n 221 f. 3Betm. 2luägabc VI 136. ^etnpcl IIF 283. 9?ot§.

n 238. Sube ©. 58. ^er. II 138. 2). du. II 47. 2). j. ®.


II 222. Sinb. ©. 37. 35. Du. III 289. <&. ©ad^ö, gabeln unb
(Sc^roänfc, (Soeje I 485 ff. 9Jot^. II 248. III 7. aWapnc,
SWörife ©. 130. ©cc^ent im ^a^rbuc^ X 169 ff. Seffing, ^envptl
XV 397. ^0^. 4, 5 ff. matt^. 15, 22 (girtfc^).

96) 3jo^. 21, 22 f. aJiatt^. 16, 27 f. Äarl ©elT, ©oetl^eS


Stellung jur ^Religion unb jum Sl^riftentuni, ^^reiburg i. 33. 1899,
©. 17.
97) Tempel XXVII 4 f.; bie ©teKc ift mäv^ 1819 ge:

fd^rieben.

98) 1. @p. Sol^. 2, 23. 3]lierteria^r§fc^nft IV 139 f. «eiger,


33ortr. unb SBerfuc^e ©. 275. (^upf). III 102 f. Sefftng, .tiemper
XV 97 ff. 269 ff XVII 24. 248. 267 ff. «ßfalm 79, 6. ^ube 28 f.
.

88. 5«ot^. III 22 ff. 62. 64. ?ßer. II 24. III 120. 210. ©oet^c:
:pemper XXI 120 ff.; S.j. 0. II 216. III 332 f.; gauft 590 ff.;

2lrc^io f. Siteraturgefc^. X 457; Subiläumönuögabe XIII 281.


Sonffcn, ©torberg I 78. ^-auft 4897 ff. Wanj ä^nlid^ fogt auc§
Cmor ©J^ijorn in ©(^adfä überfc^ung:
©0 Dtcl ber 3äJetfen auf Grben ouc^ aufgetreten
Unb neue i^e^rcn auf bie alten gepfropft,
SJlan ^at ftc l^inauägetüorfen alä falfc^c ^ropf^eten
Unb il^ncn bie ÜRünber mit (Srbe geftopft.

99) gSierteljal^räfc^rift IV 135 f. 9JJinor unb ©auer, ©tubien


^ur (Moet^ep^irologie 96 f. 107 f. 3). j. &. I 303. II 219. g. 0. 31.

@. 336 unb 176 f. 9ln Saoater 26 IV 74; 9 IV 81. .«öerbcrS


^aö)la^ II 263. .^empel III* 242. 3ln ^tthtv Gnbc Suli 89.
tiempel XVII 872. 881 f. .<pcmpel XXII 166. II >
377. IV 326.
IIP 160. II 224 (ogl. ^a^rbuc^ VII 24Ö f.). XIX 54. 175 (»gl.
»Hemer, »riefe von unb an öoet^c 0. 816). ffidermann 81 XII 28.
Sauft 11448 ff.

100) (Sieiger, Vorträge unb Scrfuc^e ©. 284.


101) 3ubiläum8au8flabe VIII 844. 2). Du. III 59. 66. 96 f.

X. j. «. III 466 f. 704. Wcrrfbricfe II 251. l'angmcffcr, ©araffln


6. 144. Urfauft 6. 620.
2lnmerfung 102 m 108. 223

102) ©. i. ®. I 233. II 43. III 77. 230. %. &. 21. 176


unb 667. ^mpzl XVII 372. ^auft 1669 f. 1783 f. 2ln
a«erd 22 I 76. 2ln ^erber 1 IV 75. 2ln Saoatcr 22 II 76.

3«er(f6riefe III 132. $anä ©a(§g, fabeln unb ©c^roänfc I 487.


103) SBerid^te beg ^'reien beutfd^en ^od^ftifteö , 3'ieue golge
VII 65.
104) f^auft 2559 ff.

105) gauft 1984 ff. 2«inor, gauft I 103 ff.

106) 2In Berber 2Rai 1775. ^erberg aWoran Sltl^a: ^at)m


11 229 f.; 2)ün^er, 3eitfci^nft für beutfc^e ^ß^irologie XXV 298 ff.

aipofahjpf ef ommentare : ^atjm^ ^erber I 644 ff . ; ©d^tüieger, 3Zotl^:


anfer ©. 83 ff. ©oet^e unb Sooater, ^unrf ©. 85 ff. 404. 97.
99 ff.
101 f. 105. 114 f. 117. 121. 124. 129 f. 137. 181 f. 2ln
bic ©tein 6 IV 82. 29 VII 82; 9 VIII 82; 4 X 82.
2In Saüoter
»riefe VI 429. $erber§ ^becn, IV. %ixi, XVII. Suc§. ©oet^e,
Tempel XXIV 417. 3In Berber 4 IX 88. SKnbere ©teilen über
S^riftu§ bei SBogel - 185 ff.

107) SRiemcr, 2Kitteirungen II 524 = ©d^riften ber ©oetl^c;


gefeQfc^aft II 196 = ^ogebüc^er I 315 f. 2Rorriä, ©tubien 11«
110 ff. §empel XXIV 112. 116. ©c^riften ber ©oet^egefcIT:
fd^oft II 346. S)ün^er in ber ^citfc^rift für beutfd^en Unterrid^t
IV 316 unb in ber 3eitfc^rift für beutfc^e ^^irologie XXV
ff.

298 f. Über ben ^opft ^iu§ VI. »gl. JDünftcr bei ^lempel XXIV
116 f. 726 unb SRegifter. «ßreu^ifc^c ^a^rbüc^er LXV 540 ff.
^efuiten: ©c^riften II 16 f. 340. Sufaä 12, 42—48; an Saoater
28 X 79. «Per. I 89. III 158. ©c^riften II 334. 160. 249.
260 f. 274 f. Sßeim. 2luggabe I 323. 460. Jpempel IV 139.
Siu^erungen ©oetl^eä über ben Äot^olijiömuä bei SSogel ^ 224 ff.

.^empel XXIII 68. 2)oä ^Berpltniä Öoet^eä jum Äot^oliaiämuä


ift i^ier gleid^fallä nur berührt unb «erlangte eine fad^oerftän;
bigere Se^anbtung, alä i^m neuerbingä ju ^eil geraorben ift.

XXII 178—181. XXIII 8. 2;agebüc^er V 27.


108) .^empel
^empel XXI 97—102. XXII 181. Siebermann, ©oet^e unb
!J)re§ben ©. 3 f. Slebmann in ben Seipjiger 5ieubrurfen I 30 f.

3Kinor, Hamann ©. 23 f. ^. ©c^tnibt im bleuen Sieic^ 1880,


3lv. 24, ©. 94 f. 2)ün^er im ^a^rbuc^ 1 153 f. Sefftng, §empe[
XV 339 f. 394. Älopftocfä «öJeffioö III 422 ff. 590 ff. IV 1224 ff.
224 9lnmerfung 109.

Über ^xxha^ in ber Sichtung ber neueren 3«it: 21. SBünfd^e,


^nternotionale Sitcraturberic^te VIII 16 ff. 351. Äod^, SBerid^te
bc§ freien beutf^en ^od^ftifteä, 9teue g^otge, XIII 13* f. Sit.

@(^oIV110. V939. Sßeronifa: ©imrocf, Solfäbüc^er VI 144 f.

S«cu6our ©. 76. 82 ff. 3a^r5uc^ XVII 15*. ®i»an II. Sud^, 1.

^empcl XXIII 8. 2(uer5ac^: S. Sc^mibt, 2lCg. Seitung 1874,


Seir. 91r. Sünder, Griäuterungen II 427. ©cferntann
125.
23 X 28. 2luä neuefter Seit: 3. «. ©tauö (1837—1892), ein
©belmenfc^ im fd^lic^ten ©eroonbe. Briefe eineä p^ilofopj^ifd^en
©c^uJ^mad^erä, bearbeitet unb ^erauägegeben von Helene ajiorfc^,
»erlin 1904.
109) 9iiemer, aWitteitungen II 525 f. nad^ feinem S^agebud^
S)eutfd^e 9leoue XI. ^al^rgang, Df tober 1886, <B. 24. 9JJaran
2lt^a: 1. Äor. 16, 22. Sollte nid^t aud) ©onnenbergö 2)onatoa
ober baä SBeltenbc (oon ®oetl^e 1806 an bie Stein gefc^icft) il^n

an ben Stoff erinnert l^abcn? ^empet XI 203. 3In 3elter


14 XI 1816; SBrtefe XXVII 232 ff.
260 ff. SBeim. Sluäg. XVI
670 ff. 2ln 3elter 9 XI 20. banaler SKütter 7 IV 30. ßder^
monn 11 III 32.
SBßtrog bcr ^. ®. ©otto'fc^ctt 58uc^§otiblung 9loci^fotgcr
Stuttgart unb aSerlln

3. SJlinor:

(£ntjte!)ung6gcfd)id)te unb (£r!lärung


^n ättiet Sänben
©rftct 93anb: 35er Utfauft unb ba^ f^ragmcnt
3njeiter 93anb: S)cr erftc 3teü
©c^eftct 8 «DJotf. ^n 8cinen6anb 10 aWorf
. aöie ntciöt anbcrg ju etroarten, tft ber au§ fold^en Orunban*
. .

•fc^auungen fferooröegangene ^Jauftfommentar etne mufletgiltige 9lrbett.


®ine umfaffenbe SenntniS ber fjauftltteratur unb atteä beffen, roa«
baju gehört, oetbunben mit einer großen ©ic^er^eit unb Sd^ärfe beS
Urteils befähigten ben aJerfaffer an bte 9tu§fct)etbung unb gibroeifung
beffen ju ge^en, roaS in ben nor^anbenen fjauflfoinmentaren ^remb-
artigeS, Ungoeti)tf(^e8, bent @runbtt)pu§ aCBiberftrebenbcä fl^ eingeniftet
^at. ajltt aSergnügen unb reid^em ffieroinn rotrb ber Öefer bte 3;ragöbte
oon ber Zueignung an biä jur Serferfjene an ber ©anb biefe§ ftom=
mentarS öerfolgen. S)ie große Selefen^ett be§ SSerfaffer«, bie i^m ftet«
eine reiche fJüHe fdjlogenber ^araüelfteUcn unb jutreffenber 3ttate an
bte §anb gibt, Derleii)t feinen (griäuterungen eine üci^ere (Brunblage.
Sei^jtgev ;^eltunq
5D'linor8 S8u^ ift ein Süleifterroerf ber Interpretation: fo ganj oon
innen ^erauS fct)aut unb beutet e§ bie ®td)tung. ®8 ift ber erfte Äom-
mentar feit langen Sauren, bem mon fic^ mit Suft unb fjreube ant)er=
trauen barf, ni^t nur, lueil er ganj auf ber „SBiffenfcijaft ber Satfajften"
funbtert ift, fonbern me^r noc^, rceil er über ben a;eilen nie baä geiftige
Sanb oergißt unb überall ben Sbeenjufammen^ang unb bie großen
tünftlertfdjen S^ogen im 2luge behält, „ason bem ©anjen in bte Seile" —
btefe ©oet^efc^e aJlaEime tft ouch SMinorS too^I bead^teter ©runbfag:
er rote feine 8efer fahren gut babei.
aSJeftermanng iltuftciette beutfii^e iViunat^befte
etn unenbttc^er Sleiß flecft in biefen betben Sßänben. a;a§ SSer=
ftänbntS be« „^auft" wirb bur^ biefe« SlBert roefentltd) erleichtert unb
geförbert (Sinoringenbe Schärfe unb Ilare 3)arftellung flnb bie ©aupt-
»orjüge biefeS ÄommentarS. 'Seutfd^e dtebue
aJltt bem Dorliegenben SDBerte, bem ©rgebniä langjäfjrtger ©tubicn,
^at ber betannte (Sete^rte ctnen erfc^öpfenben unb bod) ^anblt(^en
Äommentar junäd^fl jum erften Seile t)on ©oet^eg ?fauft gefc^affen,
roie man t^n ftd) oon je gemünfc^t ^at, ein SBert, baä bem l)euttgen
Stanbe ber SBiffenfcljaft burcl)au§ entfprtdjt. @8 roirb aüen ®eotfc
beten, ttorne^mltd^ ber atabcmtfdjen Qugenb, foroie ben 93ül)nenleitent
unb Sd^aufpietem mit feinem reichen SEBiffenäftoffe unb feinen trefflichen
gftngerjeigen rotWommen fein. Sce^bener 3Injeiger
. 3)agegen liegt jeht bie größte unb nad) meinem Urteil oud&
. .

befte©infü^rung in ben §auft o^ne Seyt —


in ben beiben S9änben —
uon aJlinor t»or, bie ®ntfte^ungägefc^id)te unb ©rttärung oerbinben.
^ier flnbet man aiHe«, roaS man roiffen rata ober bodg 2llle8, toa« —
tnon JU roiffen brandet. 'X>ic d^riftlii^e aOÖelf, a^tarduvg
«erlag bcr ^. ®. 6,otto'fc^cn 33u(^^nnblung 9?od^foIger
©tuttgott unb 33erlin

^cci^es Sßriefe. Stußgetoä^lt unb in d^ronologifd^er Q^olge


mit Sfnmerfungcn l^crauggege&cn oon ©buorb oon ber
-fetten.
6 93änbc. ©el^eftet 5U je 70 ^f., in Seinenbanb
(gotta'fc^e 95i6Itot^cf ber SScUIitcrotur) ju je Wi. 1.—
Siö^cr erfc^ienen 93anb 1—3
"^xieiwe^fet iwifi^ett ^c^ilTer unb ^oetße. äRtt Einleitung
oon ^ronj ÜRunrfcr
4 ©inäelbänbe (Sotta'fc^c SSibliot^e! ber SBeltlitero»
tur) 5u je 3R. 1.—. 2 !J^o^peI6änbe in Seinen Wl. 4.—
^0et9(s SSriefe an ^tau von ^tein, nebft bem ^agebucJ^
QuS unb ©riefen ber ^rou oon ®tein. SDHt
3ftalien
Einleitung oon Si. ©ctncmonn
4 einselbänbe (eotta'fc^c 95ibliotf)et ber aBeltlitero»
tur) ju je 9W. 1.—. 2 $)ov»vcIbänbe in Seinen 3JJ. 4.—
fffierwann, ^efptät^e mit ^ort9< in ben Teilten ^la^ren
fein» <^e6en5. Tlit einleitcnber Slb^anblung unb 9ln=
mer!ungen oon C 9fJoguctte
3 ffiinäelbnnbe ((S:otta'frf)c »ibliot^ef bcr aSBeltlitera«
tur) äu je SK. 1.—. Qn 1 Seinenbonb gebunben ^. 8.—
^ort^'s ^ttter^ortungen mit bem «^anjref ^riebric^ von
^ttlTer. .f)erau8gegeben oon tt. 9t. ^. 93urf^arbt
(Cotto'fc^e lyanbbibUot^ef). ©eOcftct Wl. 1.—. ^^n
Ceinenbanb SW. 1.50
'^idov (iÄeQn, ^eßcr ^ociQcs ^ermann unb "^oxott^ea. S(u&
bcffcn Starfilafe ()evau«igcgebcn oon Gilbert Sei ^tmonn
unb ^^eobor ©(^iemnnn. 2. Siuflage
(«c^eftct 3Jl. 3.—. ;3[n Seincnbonb an. 4.—
yauf ^fi^fe , 5>«» ^oet^f^an» in Weimar. 4. Jluflage.
aJiit ;^auftrntionon. Rnrtoniort 'iSl 1.—
J»rinci($ ^o^, ^oet9e unb |»(9iftrr in perfanricöem |^fr-
l^^ce. yiadf brieflichen SOtittcilungcn. "Unt Einleitung
unb Erläuterungen neu herausgegeben oon (^)t)mnafial'

Oberlehrer (»corg Söcrlit.


Weljcftet 9W. 3.—. ^n Scinenbanb W. 4.—
5?./'