Integration und Cloud Computing: Komplexität steht im Gegensatz zu den Versprechen und Erwartungen

Autor: Datum: Tags: René Büst , Senior Analyst 29.01.2014 Cloud, Cloud Computing, IaaS, Integration, SaaS

Cloud Computing Anbieter sollten sich der Realität stellen und ihren potentiellen Kunden die Wahrheit sagen! Die Integration im gesamten Cloud Stack sorgt für die größte Komplexität in der Cloud. Das beinhaltet ebenfalls die weiteren Kosten die kein Public Cloud Anbieter neben seinen on Demand und pay per use Versprechen transparent auf seinen Marketingfolien stehen hat. Ein Überblick.

Wie ist die Cloud Computing Anbieter versprechen neben der Erwartungshaltung bedarfsgerechten Nutzung (on Demand) und Abrechnung (Pay per der Anwender? use) einen einfachen Zugriff auf IT-Ressourcen. Das hört sich auf
dem Papier fantastisch an und funktioniert in der Regel sehr gut. Der Spaß hört allerdings auf wenn es darum geht, bestehende Systeme oder gar neue Services in der Cloud zu kombinieren. Die Integration verursacht die größten Schmerzen. Gespräche mit Anwendern und Anfragen von an der Cloud interessierten Unternehmen spiegeln eine harte Realität wieder. Die Erwartungshaltungen bestehen z.B. darin, existierende on Premise Lösungen gegen 1:1 Äquivalente in der Cloud zu ersetzen. Die Hoffnung besteht, dass sich damit der Integrationsaufwand - der früher on Premise bestand - deutlich einfacher realisieren lässt, da sich die Systeme der jeweiligen Anbieter "bereits innerhalb einer zentralisierten Infrastruktur befinden". Es wird also davon ausgegangen, dass sich die altbekannte Schnittstellenproblematik, die jeder IT-Abteilung seit Jahrzehnten große Probleme bereitet, einfacher umsetzen lässt. Dabei handelt es sich aus Anwendersicht um eine nachvollziehbare Erwartungshaltung. Schließlich halten die Anbieter die Fäden innerhalb ihrer Cloud Infrastruktur (auch SaaSAngebote) in der Hand und könnten eine einfachere Integration zwischen mehreren Systemen aus dem eigenen Hause bieten. Ähnliche Rückmeldungen kommen von den Cloud Systemintegratoren. APIs und die Integration von anbieterübergreifenden Services aber ebenfalls anbieterproprietären Services sorgen in der Cloud für den selben Aufwand wie on Premise.
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Wie sieht die Realität Im Prinzip sollte die Cloud das Mekka für jeden ITaus? Verantwortlichen sein. Er kann sich die besten Services für seinen
Anwendungsfall heraussuchen, diese vorab ohne großen Aufwand testen und anschließend integrieren. Das ganze Ausmaß des Disasters spiegeln allerdings bereits aktuelle Cloud Marktplätze wieder. Cloud-Marktplätze versuchen Best-of-Breed Lösungen zu katalogisieren, indem sie einzelne Cloud-Lösungen in unterschiedliche Kategorien zusammenfassen und Unternehmen damit ein umfangreiches Portfolio verschiedener Lösungen bieten, mit der sich eine Cloud-Produktivitäts-Suite zusammenstellen lässt. Dennoch zeigen diese Marktplätze, obwohl sie sehr stark kontrolliert und vermeintlich integriert sind, an einer entscheidenden Stelle massive Probleme mit der Integration. Es existieren viele einzelne SaaS-Applikationen die nicht zusammenspielen. Das bedeutet, dass keine gemeinsame Datenbasis existiert und das z.B. der E-Mail Service nicht auf die Daten im CRM-Service zugreifen kann und umgekehrt. Damit entstehen einzelne Datensilos und Insellösungen innerhalb des Marktplatzes. Die Anzahl neuer SaaS-Applikationen wächst täglich und damit auch der Bedarf, diese unterschiedlichen Lösungen miteinander zu integrieren und Daten austauschen zu lassen. Aktuell bewegt sich der Cloud-Markt jedoch unkontrolliert auf viele kleine Insellösungen zu, die jede für sich zwar einen Mehrwert bieten, in der Summe jedoch zu vielen kleinen Dateninseln führen. Mit solchen Entwicklungen haben Unternehmen schon in den Zeiten vor der Cloud zu kämpfen gehabt und das vergebens.

Worauf sollte man Eines sollten (angehende) Cloud Nutzer beachten und vor allem achten? verstehen. Die Cloud ist ungleich der bekannten on Premise
Infrastruktur. Das bedeutet, selbst die Migration eines E-Mail Systems, einer der vermeintlich höchststandardisierten Anwendungen, wird dabei zum Abenteuer. Das liegt daran, dass viele Unternehmen kein Standard E-Mail System nutzen und stattdessen weitere proprietäre Add-ons oder selbstentwickelte

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Erweiterungen angebunden haben, die so nicht in der Cloud existieren. Hinzu kommen weitere Applikationen, die einfach zur IT-Enterprise Architektur dazu gehören und höchst individuelle Ansprüche erfüllen. Ich habe mit dem Strategie-Manager eines deutschen DAX Unternehmens gesprochen das weltweit tätig ist und eine Cloud Strategie evaluiert. Das Unternehmen verfügt Global über etwa 10.000(!) Applikationen (Desktop, Server, Produktionssysteme usw.). Dieses Beispiel ist sehr extrem und spiegelt nicht die durchschnittlichen Herausforderungen eines Unternehmens dar. Es zeigt aber die Dimension, in der man sich bewegen kann und die sich ebenfalls auf deutlich kleinere Applikations-Infrastrukturen herunterbrechen lassen. Vor dem Weg in die Cloud sollten sich IT-Entscheider daher darüber Gedanken machen und die Chance nutzen, die alten über die Jahre hinweg entstandenen Sonderlocken abzuschneiden. Eine 1:1 Migration wird ohne großen Aufwand und Mehrkosten nicht funktionieren und die Einsparpotentiale, welche die Cloud bietet, relativieren. Wer sich für den Umzug seiner individuell entwickelten Applikationen auf eine Cloud Infrastruktur (IaaS) bzw. Platform (PaaS) entscheidet sollte einplanen, das er mit der Entwicklung dieser Applikation auf der grünen Wiese startet. Eine 1:1 Migration wird (evtl. je nach Cloud Infrastruktur/ Platform) nicht funktionieren und ist ein Mythos. Wer Hilfe beim Betrieb seiner virtuellen Infrastruktur (IaaS) bzw. Entwicklungsplattform (PaaS) benötigt, sollte nicht auf einen Public Cloud Anbieter setzen, sondern auf einen Managed Cloud Anbieter bzw. Hosted Private PaaS Anbieter, die beide zusätzlich Professional Services bieten.

Cutting out the middleman funktioniert nicht!

Die Public Cloud hat auf Grund des Self-Service den Beigeschmack des "Cutting out the middleman", bei dem ein Zwischenhändler nicht mehr benötigt wird, da sich der Endkunde direkt beim Hersteller bedient. Für Distributoren, die sich ausschließlich auf den reinen Wiederverkauf von Software und
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Hardware spezialisiert haben, trifft dies auch zu. Software-as-aService wird zu deren Tod führen, wenn sie sich nicht verändern. Cloud Natives (Startups, innovative Unternehmen) werden sich ebenfalls den Self-Service zu nutze machen. Allerdings gilt das nicht für die Masse im Unternehmensumfeld. Systemintegratoren werden wichtiger als jemals zuvor. "Cutting out the middleman" in der Public Cloud funktioniert nicht. Dafür sind die Schnittstellenproblematik und das fehlende Cloud Wissen zu gegenwärtig. Carlo liegt mit seiner Vermutung, dass Accenture mit Cloud Beratung und Integration bereits 3,6 Milliarden Dollar Umsatz macht tendenziell richtig. Die Indizien und Rückmeldungen aus dem Markt sind eindeutig.

Crisp Research schätzt, dass im Jahr 2014 in etwa 2,085 Milliarden EUR in Cloud Integration und Consulting investiert werden. Bis zum Jahr 2018 werden sich diese Investitionen bis auf ca. 6,83 Milliarden EUR mehr als verdreifachen. Systemintegratoren und Integration-as-a-Service Anbieter dürfen sich somit auf eine rosige Zukunft freuen.

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Autor

René Büst ist Senior Analyst und Cloud Practice Lead bei Crisp Research mit dem Fokus auf Cloud Computing und IT-

Infrastrukturen. Er ist Mitglied des weltweiten Gigaom Research Analyst Network, Top Cloud Computing Blogger in Deutschland und gehört weltweit zu den Top 50 Bloggern in diesem Bereich. Darüber hinaus zählt er zu den weltweiten Top Cloud Computing Influencers und den Top 100 Cloud Computing Experten auf Twitter. Seit über 16 Jahren konzentriert er sich auf den strategischen Einsatz der Informationstechnologie in

Unternehmen und setzt sich zudem mit dem IT-Einfluss auf unsere Gesellschaft sowie disruptiven Technologien auseinander. René Büst ist Autor zahlreicher Cloud Computing und Technologie Fachartikel, Referent sowie Teilnehmer in Expertenrunden. Auf CloudUser.de schreibt er über die Themen Cloud Computing, ITInfrastrukturen, Technologien, Management und Strategien. Er hat einen Abschluss als Dipl.-Informatiker (FH) in Technische Informatik von der Hochschule Bremen sowie einen M.Sc. in ITManagement and Information Systems von der FHDW Paderborn.

René Büst, Senior Analyst rene.buest@crisp-research.com https://www.xing.com/profile/Rene_Buest @ReneBuest

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