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FALLS NICHT ZUSTELLBAR, BITTE ZURÜCK AN ÖZP BZ. DER ABSENDER VERPFLICHTET SICH, DIE PORTOSPESEN FÜR

FALLS NICHT ZUSTELLBAR, BITTE ZURÜCK AN ÖZP BZ. DER ABSENDER VERPFLICHTET SICH, DIE PORTOSPESEN FÜR RÜCKSENDUNG ZU TRAGEN.

Monatszeitschrift der Südtiroler Landesverwaltung 6-7/2009
Monatszeitschrift der Südtiroler Landesverwaltung
6-7/2009
Dirreekkttteee Demookkratie II Freizeeiitwohhnsitze Woohnbbauufförrddeerruuunnngg DDiirreekkkttteee DDDeemmokratie
Dirreekkttteee
Demookkratie
II
Freizeeiitwohhnsitze
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DDiirreekkkttteee
DDDeemmokratie I
Flugverkehr

Die Volksabstimmungen

am 25. Oktober 2009

Flugverkehr Die Volksabstimmungen am 25. Oktober 2009 AUTONOME PROVINZ BOZEN - SÜDTIROL PROVINCIA AUTONOMA DI
Flugverkehr Die Volksabstimmungen am 25. Oktober 2009 AUTONOME PROVINZ BOZEN - SÜDTIROL PROVINCIA AUTONOMA DI

AUTONOME PROVINZ BOZEN - SÜDTIROL

am 25. Oktober 2009 AUTONOME PROVINZ BOZEN - SÜDTIROL PROVINCIA AUTONOMA DI BOLZANO - ALTO ADIGE

PROVINCIA AUTONOMA DI BOLZANO - ALTO ADIGE

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www.provinz.bz.it/lpa

Worüber wird abgestimmt?

» Am Sonntag, 25. Oktober, wird in einer landesweiten Volksabstimmung über folgende Gesetzentwürfe abgestimmt:

Wohnbauförderung Vorrang der einheimischen Bevölkerung

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weißer Stimmzettel

Stopp dem Ausverkauf der Heimat Änderung des Landesraumordnungsgesetzes – Regelung für Freizeitwohnsitze

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lila Stimmzettel

Die einführende, abschaffende, beratende oder bestätigende Volksabstimmung,

das Volksbegehren, Volksabstimmung über Großprojekte

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gelber Stimmzettel

Landesgesetzentwurf zur Direkten Demokratie Anregungsrechte Befragungsrechte Stimmrechte

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hellblauer Stimmzettel

Landesgesetz zur Verminderung des Flugverkehrs

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apricot-farbener Stimmzettel

Impressum
Impressum

Wer darf abstimmen?

Wie wird abgestimmt?

Nach Erhalt der Stimmzettel begibt sich der Abstimmende in die dafür vorgesehenen Wahl- kabine.

Durch ein Ankreuzen des „JA“ stimmt der Ab- stimmende für den vorgelegten Gesetzentwurf, durch ein Kreuz im „NEIN“-Kästchen dagegen. Stimmen mehr Wähler für das Ja, werden die bestehenden Gesetze gemäß den vorgelegten Entwürfen abgeändert, gewinnt das Nein, blei- ben die bestehenden Landesgesetze in Kraft.

Um allerdings ein gültiges Abstimmungsergeb- nis zu erhalten, muss das so genannte Quorum für jede einzelne Frage erfüllt werden. Dies heißt, dass mindestens 40 % der Abstimmungs- berechtigten ihre Stimme abgegeben haben müssen. Wird das Quorum nicht erreicht, bleibt in jedem Fall das bestehende Landesge- setz in Kraft, und zwar unabhängig vom Aus- gang der Volksabstimmung.

Abstimmen dürfen alle Bürger, die am 25. Oktober 2009 mindestens 18 Jahre alt, in die Wählerlisten eingetragen und seit mindestens vier Jahren ununterbrochen in der Region Trentino-Südtirol ansässig sind, wobei für den größeren Teil dieser vier Jahre eine Ansässig- keit in Südtirol nachgewiesen werden muss.

Wer abstimmen möchte, muss sich am 25. Oktober bis 22.00 Uhr in der Wahlsektion einfinden, die auf dem Wahlausweis angegeben ist. Um abstimmen zu können, müssen sich die Bürger ausweisen können.

Herausgeber: Südtiroler Landesregierung; Schriftleitung: Presseamt der Südtiroler, Landesregierung (lpa@provinz.bz.it) Chefredakteur: Paolo Ferrari; Verantwortlich für die deutsche Ausgabe: J.Christian Rainer Redaktion: Silvana Amistadi Sagnella (silvana.amistadi@provinz.bz.it), Michele Bolognini (michele.bolognini@provinz.bz.it), Maja Clara (maria-margarethe.clara@provinz.bz.it), Paolo Ferrari (paolo.ferrari@provinz.bz.it), Franco Grigoletto (franco.grigoletto@provinz.bz.it), J. Christian Rainer (christian.rainer@provinz.bz.it), Angelika Schrott (angelika.schrott@provinz.bz.it), Johanna Christine Wörndle Vegni (johanna.woerndle@provinz.bz.it) Redaktionssekretariat: Margit Adami Gallo, Claudia Ladurner, Renata Lana Pomaro, Karin Putzer Zozin, Loredana Trentini Boga Grafik: Friedl Raffeiner, Verena Premstaller Redaktionsschluss: 22. September 2009

© Die Verwendung von Texten und Bildern aus der Monatsschrift „Das Land Südtirol“ für nicht auf Gewinn ausgerichtete Zwecke ist nach Rücksprache mit der Redaktion möglich

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WOHNBAUFÖRDERUNG

WOHNBAUFÖRDERUNG

Wohnbauförderung Vorrang der einheimischen Bevölkerung

» Mit dem von den Promotoren zur Abstimmung vorgelegten Entwurf soll das Wohnbaugesetz des Landes (17.12.1998, Nr. 13) abgeändert werden, indem die Gewährung von Wohngeld und die Zuweisung von Wohnungen des Wohnbauinstituts neu geregelt werden.

» So soll die Gewährung von Wohngeld, also der Beitrag, den das Wohnbauinstitut Einkommensschwachen zur Begleichung von deren Mieten zur Verfügung stellt, an die Bedingung geknüpft werden, dass der Empfänger seit mindestens fünf Jahren seinen Wohnsitz oder Arbeitsplatz in Südtirol hat.

» Seit Inkrafttreten der Wohnbaureform im vergangenen Jahr gilt für alle neuen Wohngeldgesuche bereits als Voraussetzung, dass der Empfänger seit mindestens fünf Jahren in Südtirol ansässig ist oder dort seinen Arbeitsplatz hat. Bürger von Staaten, die nicht der Europäischen Union angehören, müssen sich bei Einreichen des Gesuches seit mindestens fünf Jahren ohne Unterbrechung regulär in Südtirol aufhalten und dort zusätzlich seit mindestens drei Jahren erwerbstätig sein.

» Wer in den Genuss der Zuweisung einer Mietwohnung des Wohnbauinstituts kommen will, soll, so sieht es der vorliegende Gesetzentwurf vor, seinen Wohnsitz oder Arbeitsplatz seit mindestens zehn Jahren in Südtirol haben.

» Derzeit gilt als Voraussetzung für Bewerber von Sozialwohnungen, dass sie ihren Wohnsitz oder ihren Arbeitsplatz seit mindestens fünf Jahren im Lande und seit mindestens zwei

Jahren in der Gemeinde haben müssen, in der die Wohnungen liegen. Nicht-EU-Bürger müssen sich bei Einreichen des Gesuches ohne Unterbrechung seit mindestens fünf Jahren regulär im Landesgebiet aufhalten und dort mindestens eine dreijährige Erwerbstätigkeit ausgeübt haben.

» Auch die staatlichen Bestimmungen des so genannten „Piano casa“ (Gesetz vom 6. August 2008, Nr. 133), mit dem ein Programm für die Errichtung und Wiedergewinnung von Sozialwohnungen beschlossen worden ist, sieht als Mindestvoraussetzung für die Zuweisung von Sozialwohnungen auch an Ausländer, die sich regulär im Staatsgebiet aufhalten, eine Ansässigkeitsdauer von lediglich fünf Jahren in derselben Region vor.

» Zudem sieht der vorgelegte Gesetzentwurf vor, dass all jene, die – mit Erlaubnis des Wohnbauinstituts – neben dem Antragsteller in eine Mietwohnung des Instituts aufgenommen werden sollen, auch selbst die Voraussetzungen für die Zuweisung einer Mietwohnung erfüllen müssen.

» Im geltenden Landesgesetz ist geregelt, dass die zugewiesene Wohnung nur von jenen bewohnt werden darf, die im Gesuch um Wohnungszuweisung angegeben sind. Andere Personen dürfen nur auf begründeten Antrag und nach vorheriger Ermächtigung seitens des Wohnbauinstitutes in die Wohnung aufgenommen werden. Die Ermächtigung ist nicht erforderlich für die minderjährigen Kinder des Bewerbers und – im Falle der Heirat – für den Ehegatten.

Der zur Abstimmung vorgelegte Gesetzentwurf

Wohnbauförderung - Vorrang der einheimischen Bevölkerung

Wiedereinführung der 5-jährigen Ansässigkeitspflicht für das Erlangen des Wohngeldes des Wohbauinstituts und Erhöhung der Ansässigkeitspflicht für die Zuweisung von Mietwohnungen des Wohnbauinstituts Änderung des LANDESGESETZES vom 17. Dezember 1998, Nr. 13 Wohnbauförderungsgesetz

Artikel 1 (Änderung des Art. 91 des Landesgesetzes vom 17. Dezember 1998, Nr. 13)

1) Art. 91, Abs. 1) des Landesgesetzes vom 17. Dezember 1998, Nr. 13 erhält folgende Fassung

„1) Was die Mieter angeht, die die allgemeinen Voraussetzun- gen für die Zulassung zur Wohnbauförderung haben und

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WOHNBAUFÖRDERUNG

WOHNBAUFÖRDERUNG

deren Jahresgesamteinkommen - bestehend aus der Summe aller Einkommen des Mieters und der mit ihm im gemein- samen Haushalt lebenden Personen - insgesamt nicht höher ist als die Grenze der zweiten Einkommensstufe, entspricht der Beitrag der Differenz zwischen dem Mietzins, der sich aus dem Mietvertrag ergibt – der jedoch nur bis zur Höhe des Landesmietzinses gemäß Artikel 7 anerkannt wird - und dem Ausmaß des Mietzinses, den ein Mieter des Wohn- bauinstitutes bei Anwendung von Artikel 112 Absatz 2 für eine gleiche Wohnung schulden würde. Einzelpersonen, die das 23. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, können nur in sozialen Härtefällen oder wenn sie besonderen so- zialen Kategorien angehören zum Wohngeld zugelassen werden.“

Artikel 2 (Änderung des Art. 97 des Landesgesetzes vom 17. Dezember 1998, Nr. 13)

1) Der Buchstabe a), im Art. 97, Abs. 1 des Landesgesetzes vom 17. De- zember 1998, Nr. 13 erhält folgende Fassung:

„a) sie müssen ihren Wohnsitz oder ihren Arbeitsplatz seit min- destens 10 Jahren im Lande und seit mindestens zwei Jahren in der Gemeinde, in der die Wohnungen liegen, haben;

Artikel 3 (Änderung des Art. 101 des Landesgesetzes vom 17. Dezember 1998, Nr. 13)

1) Art. 101, Abs. 6 des Landesgesetzes vom 17. Dezember 1998, Nr. 13 erhält folgende Fassung: „(6) Die zugewiesene Woh- nung darf nur von jenen Personen bewohnt werden, die im Ge- such um Wohnungszuweisung angegeben sind. Andere Perso- nen dürfen nur auf begründeten Antrag und nach vorheriger Ermächtigung seitens des Wohnbauinstitutes in die Wohnung aufgenommen werden, sofern sie die Voraussetzungen laut Art. 97 erfüllen. Die Ermächtigung ist nicht erforderlich für die min- derjährigen Kinder des Bewerbers und im Falle der Heirat für den Ehegatten.“

Artikel 4 (Übergangs- und Schlussbestimmungen)

1.) Auf die Ansuchen die vor der Gemehmigung dieses Gesetzes ein- gereicht wurden, für die noch keine Wohngeldgewährung oder Zu- weisung einer Mietwohnung erfolgt ist sowie auf alle Ansuchen, die nach der Genehmigung dieses Gesetzes eingereicht werden, werden die mit diesem Gesetz geänderten oder ergänzten Be- stimmungen und eingeführten erforderlichen Voraussetzungen angewandt.

2.) Die vor dem Tage der Genehmigung dieses Gesetzes durchgeführ- ten Zuweisungen von Mietwohnungen des sozialen Wohnungsbau- es bleiben aufrecht, auch wenn die Bewerber um Zuweisung nicht mehr die mit Inkrafttreten dieses Gesetzes wirksamen Bestimmun- gen im Art. 97, Abs. 1) Buchstabe a) des Landesgesetzes vom 17. Dezember 1998, Nr. 13 erfüllen.

3.) Das vor dem Tage der Genehmigung dieses Gesetzes gewährte Wohngeld gemäß Art. 91 des Landesgesetzes vom 17. Dezember 1998, Nr. 13 wird auch dann für den Rest des laufenden Jahres, in dem dieses Gesetz Inkraft getreten ist, ausgezahlt, wenn die Emp- fänger die mit Inkrafttreten dieses Gesetzes wirksamen Bestim- mungen hinsichtlich der Ansässigkeitsdauer bzw. der Arbeitsplatz- pflicht nicht mehr erfüllen. Für die Gewährung des Wohngeldes im darauf folgenden Jahr die mit diesem Gesetz eingeführten oder geänderten neuen Bestimmungen angewandt.

Artikel 5

(Inkrafttreten)

1.) Dieses Gesetz tritt am dreißigsten Tag nach seiner Kundmachung im Amtsblatt der Region in Kraft.

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Dieses Gesetz ist im Amtsblatt der Region kundzumachen. Jeder, dem es obliegt, ist verpflichtet, es als Landesgesetz zu befolgen und für seine Befolgung zu sorgen.

Begleitbericht

Ziel dieses Gesetzesvorschlages ist die Stärkung des Vorranges der einheimischen Bevölkerung in Südtirol bei der Zuweisung von Miet- wohnungen des Wohnbauinstituts und bei der Gewährung des Wohn- geldes des Wohnbauinstituts. Die Grundausrichtung des Wohnbauförderungsgesetzes, Landesge- setz vom 17. Dezember 1998, Nr. 13, war immer jene der vorrangigen Behandlung der einheimischen Bevölkerung. Diese Ausrichtung soll im Zusammenhang mit dem Wohngeld wieder eingeführt und im Zu- sammenhang mit den so genannten Sozialwohnungen des Wohnbau- instituts verstärkt werden. Für die Gewährung des Wohngeldes, dem Mietenbeitrag des Wohn-

bauinstituts, sollen wieder alle allgemeinen Voraussetzungen für die Zulassung zur Wohnbauförderung gelten, also auch die 5-jährige An- sässigkeitsklausel.

1999 wurde für das Wohngeld eine Ausnahmebestimmung beschlos-

sen, welche nur mehr die Verpflichtung zur Ansässigkeit in einer Gemeinde Südtirols vorsah, ohne eine bestimmten Zeitraum vorzusehen. Seitdem ist der Anteil der einheimischen Bevölkerung bei den Wohn- geldempfängern von knapp 96 Prozent auf unter 70 Prozent gesunken.

Der Anteil der Nicht-Staatsbürger ist von rund 4 Prozent auf 30 Pro- zent angestiegen, davon 98 Prozent aus Nicht-EU-Gebieten. Im Jahr

2005 wurden über 21 Millionen Euro an Wohngeld ausbezahlt.

Für die Möglichkeit der Zuweisung von Mietwohnungen des Wohn- bauinstituts soll die Ansässigkeitspflicht von derzeit 5 Jahren auf 10 Jahre angehoben werden. Auch bei den Mietwohnungen des Wohnbauinstituts, den so genann- ten Sozialwohnungen, ist der Anteil der einheimischen Familien bei den Neuzuweisungen zurückgegangen und der Anteil von Nicht- Staatsbürgern um ein vielfaches angestiegen. Artikel 1 dieses Gesetzesvorschlages streicht die Ausnahmebestim- mung für den Wohngeldbereich und setzt somit wieder die Verpflich- tung voraus, den Wohnsitz oder den Arbeitsplatz seit mindestens 5 Jahren in Südtirol zu haben. Artikel 2 erhöht die Ansässigkeitsdauer für die Zuweisung einer Miet- wohnung des Wohnbauinstituts von derzeit 5 auf 10 Jahre. Artikel 3 bestimmt, dass alle Personen, die zusätzlich in eine Sozial- wohnung aufgenommen werden sollen und für die es die Pflicht der Ermächtigung durch das Wohnbauinstitut braucht die Voraussetzun- gen des Art. 97 des Wohnbauförderungsgesetzes erfüllen müssen. Art. 4 regelt das Inkrafttreten und die Anwendung der mit diesem Gesetzesvorschlag neu eingeführten Bestimmungen.

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FREIZEITWOHNSITZE

FREIZEITWOHNSITZE

Stopp dem Ausverkauf der Heimat

Änderung des Landesraumordnungsgesetzes – Regelung für Freizeitwohnsitze

» Mit dem zur Abstimmung vorgelegten Gesetzentwurf soll das geltende Landesraumordnungsgesetz ergänzt werden, und zwar um Bestimmungen zur Errichtung von „Freizeitwohnsitzen“.

» Bereits derzeit sind im Raumordnungsgesetz des Landes verschiedene Regelungen zur Einschränkung des „Ausverkaufs der Heimat“, also des Zweitwohnungs-Marktes vorgesehen.

» So sieht das geltende Gesetz etwa als übergeordnete Maßnahme vor, dass die Gemeinden bei der Ausweisung neuer Bauzonen dem Wohnbaubedarf der für ein Jahrzehnt vorausberechneten Entwicklung der ansässigen Bevölkerung Rechnung tragen müssen.

» Zudem enthält das Landesraumordnungsgesetz die Bestimmung, dass in neuen Wohnbauzonen 60 bzw. 55 Prozent des Bauvolumens dem geförderten Wohnbau, 40 bzw. 45 Prozent dem freien Wohnbau vorbehalten sind. Von letzterem Anteil werden wiederum 60 Prozent für den konventionierten Wohnbau reserviert. Sie bleiben damit der ansässigen Bevölkerung vorbehalten.

» Bei einer Änderung der Zweckbestimmung gastgewerblicher Betriebe bleiben mindestens 60 Prozent konventionierten Wohnungen vorbehalten, der Rest kann nur für Dienstleistungen oder Detailhandel vorgesehen werden. Auch bei der Umwidmung nicht mehr genutzter landwirtschaftlicher Gebäude in Wohnvolumen muss dieses konventioniert werden.

» In neuen Wohnbauzonen sind Zweitwohnungen demnach nur im Rahmen der 16 Prozent des freien Volumens zulässig, wobei auf diesen Anteil auch Nahversorgung, Dienstleistung und Gastgewerbe entfallen.

» Diese einschränkenden Regelungen haben dazu geführt, dass Südtirol im Vergleich zu ähnlich attraktiven Gebieten des Alpenraums, in denen der Zweitwohnungsbau nicht oder weniger reguliert wird, von den dort auftauchenden raumplanerischen und soziokulturellen Problemen verschont geblieben ist. Die Internationale Alpenschutz- Kommission Cipra nennt Südtirol daher in diesem Bereich „beispielhaft“.

Der zur Abstimmung vorgelegte Gesetzentwurf

Stopp dem Ausverkauf der Heimat Änderung des Landesraumordnungsgesetzes – Regelung für Freizeitwohnsitze

Art. 1 Änderung des Landesgesetzes vom 11. August 1997, Nr. 13, Landes- raumordnungsgesetz – Einfügung neuer Artikel 42, 43, 43bis, 43ter "1) Nach Artikel 41 des Landesgesetzes vom 11. August 1997, Nr. 13, Landesraumordnungsgesetz, werden folgende Artikel eingefügt:

"Art. 42 Beschränkungen für Freizeitwohnsitze

(1) Freizeitwohnsitze sind Gebäude, Wohnungen oder sonstige Teile von Gebäuden, die nicht der Befriedigung eines ganzjährigen, mit dem Mittelpunkt der Lebensbeziehungen verbundenen Wohnbedürfnis- ses dienen, sondern zum Aufenthalt während des Urlaubs, der Fe- rien, des Wochenendes oder sonst nur zeitweilig zu Erholungszwe- cken verwendet werden. Als Freizeitwohnsitze gelten nicht:

a) Gastgewerbebetriebe zur Beherbergung von Gästen sowie Kur- und Erholungsheime, die von öffentlichen Einrichtungen, Be-

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trieben oder Einrichtungen der freien Jugendwohlfahrt erhalten werden; b) Gebäude, die während des Jahres jeweils kurzzeitig an wech- selnde Personen als Ferienwohnungen vermietet werden; ent- sprechende Neubauten, gelten jedoch nur dann nicht als Frei- zeitwohnsitz, wenn der Vermieter der Ferienwohnungen im betreffenden Gebäude seinen Hauptwohnsitz hat; Ferienwoh- nungen in Gebäuden, die in einem räumlichen Naheverhältnis stehen und eine einheitliche Gesamtplanung aufweisen, sind zusammenzuzählen;

c) Wohnräume, die der Privatzimmervermietung dienen.

(2) Als Freizeitwohnsitze dürfen nur mehr Wohnsitze verwendet werden, die innerhalb von 365 Tagen nach Inkrafttreten dieses Landesgesetzes von den Gemeinden in das Verzeichnis der Frei- zeitwohnungen als zulässige Freizeitwohnungen eingetragen wur- den und für die eine Feststellung über die Zulässigkeit der Ver- wendung des betreffenden Wohnsitzes als Freizeitwohnsitz nach diesen Vorschriften vorliegt. Die Gemeinden können hierzu die vorhandenen Daten und Informationen verwenden oder diese bei den Besitzern einholen. Die bis zum Tage der Genehmigung dieses Gesetzes als Freizeitwohnsitze verwendeten Wohnungen werden

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FREIZEITWOHNSITZE

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von Amts wegen in das Verzeichnis der Freizeitwohnungen ein- getragen, wenn keine vor der Genehmigung dieses Gesetzes gel- tenden gesetzlichen Bestimmungen der Verwendung der betref- fenden Wohnung als Freizeitwohnsitz entgegenstehen. Darüber hinaus dürfen neue Freizeitwohnsitze durch Vorhaben im Sinne des Abs. 5 erster Satz in Wohngebieten geschaffen werden, wenn dies durch eine entsprechende Festlegung im Flächenwidmungs- plan für zulässig erklärt worden ist. Hierbei ist für das betreffen- de Grundstück die höchstzulässige Anzahl an Freizeitwohnsitzen festzulegen.

(3) Die Schaffung neuer Freizeitwohnsitze darf nur insoweit für zu- lässig erklärt werden, als die geordnete räumliche Entwicklung der Gemeinde entsprechend den Aufgaben und Zielen der örtlichen Raumordnung dadurch nicht beeinträchtigt wird. Dabei sind ins- besondere zu berücksichtigen:

a) die Siedlungsentwicklung;

b) das Ausmaß des zur Befriedigung des Wohnbedarfes der Be- völkerung erforderlichen sowie des hiefür verfügbaren Baulan- des;

c) das Ausmaß der für Freizeitwohnsitze in Anspruch genomme- nen Grundflächen, insbesondere auch im Verhältnis zu dem zur Befriedigung des Wohnbedarfes der Bevölkerung bebauten Bauland;

d) die Gegebenheiten am Grundstücks- und Wohnungsmarkt sowie die Auswirkungen der Freizeitwohnsitzentwicklung auf diesen Markt;

e) die Art, die Lage und die Anzahl der bestehenden Freizeit- wohnsitze;

f ) die Auslastung der Verkehrsinfrastruktur sowie der Einrich- tungen zur Wasserversorgung, Energieversorgung und Abwas- serbeseitigung, die Auswirkungen der Freizeitwohnsitze auf diese Infrastruktur und deren Finanzierung sowie allfällige mit der Schaffung neuer Freizeitwohnsitze entstehende Erschlie- ßungserfordernisse.

(4) Die Schaffung neuer Freizeitwohnsitze darf nicht mehr für zulässig erklärt werden, wenn der Anteil der aus dem Verzeichnis der Frei- zeitwohnsitze sich ergebenden Freizeitwohnsitze an der Gesamt- zahl der Wohnungen 8 Prozent übersteigt. Der Gemeinderat kann diesen Prozentsatz auf bis zu 4 Prozent absenken. Freizeitwohnsit- ze, für die eine Ausnahmebewilligung im Sinne des Abs. 6 erster Satz vorliegt, bleiben bei der Berechnung des Anteiles der Freizeit- wohnungen an der Gesamtzahl der Wohnungen außer Betracht.

(5) Die Baubewilligung für Neubauten, die ganz oder teilweise als Freizeitwohnsitze verwendet werden sollen, sowie für Zubauten und die Änderung des Verwendungszweckes von bisher ander- weitig verwendeten Gebäuden, Wohnungen oder sonstigen Ge- bäudeteilen, durch die Freizeitwohnsitze neu geschaffen werden sollen, darf unbeschadet der sonstigen Bewilligungsvorausset- zungen nur erteilt werden, wenn für das betreffende Grundstück eine Festlegung nach Abs. 2 vierter und fünfter Satz vorliegt und die höchstzulässige Anzahl an Freizeitwohnsitzen auf die- sem Grundstück nicht überschritten wird. Maßgebend ist die Anzahl der Freizeitwohnsitze aufgrund des Verzeichnisses der Freizeitwohnsitze.

(6) Weiters dürfen Wohnsitze aufgrund einer Ausnahmebewilligung des Bürgermeisters nach diesem Absatz oder aufgrund einer ent- sprechenden Ausnahmebewilligung nach früheren raumordnungs- rechtlichen Vorschriften als Freizeitwohnsitze verwendet werden. Die Ausnahmebewilligung ist nur zu erteilen:

a) auf Antrag des Erben einer Wohnung wenn der betreffende Wohnsitz dem Antragsteller oder anderen Personen nicht an- derweitig der Befriedigung eines Wohnbedürfnisses dient;

b) auf Antrag des Eigentümers des betreffenden Wohnsitzes oder des sonst hierüber Verfügungsberechtigten, wenn ihm auf- grund geänderter Lebensumstände, insbesondere aufgrund beruflicher oder familiärer Veränderungen, eine andere Ver- wendung des Wohnsitzes nicht möglich oder zumutbar ist, der

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Wohnsitz anderen Personen nicht anderweitig der Befriedi- gung eines Wohnbedürfnisses dient und der Antragsteller ins- besondere im Hinblick auf seine persönlichen oder familiären Verhältnisse oder seine Rechtsbeziehung zum Wohnsitz ein Interesse am Bestehen des Wohnsitzes hat und der Eigentümer des betreffenden Wohnsitzes seinen Wohnsitz oder seinen Ar- beitsplatz seit mindestens fünf Jahren in Südtirol hat.

(7) Der Inhaber einer Ausnahmebewilligung im Sinne des Abs. 6 ers- ter Satz darf den Freizeitwohnsitz nur für sich, seine Familie und seine Gäste verwenden. Die entgeltliche Überlassung des Freizeit- wohnsitzes ist nicht zulässig.

(8) Um die Erteilung der Ausnahmebewilligung im Sinne des Abs. 6 erster Satz ist schriftlich anzusuchen. Der Antrag hat den betref- fenden Wohnsitz zu bezeichnen und die zur Beurteilung des Vor- liegens der Bewilligungsvoraussetzungen erforderlichen Angaben zu enthalten. Die Richtigkeit dieser Angaben ist vom Antragsteller durch geeignete Unterlagen nachzuweisen oder, soweit ihm dies nicht möglich ist, anderweitig glaubhaft zu machen. Der Bürger- meister hat über den Antrag mit schriftlichem Bescheid zu ent- scheiden. Der Bescheid, mit dem die Ausnahmebewilligung erteilt wird, ist aufzuheben, wenn die Voraussetzungen für deren Ertei- lung nicht mehr vorliegen.

(9) Die Errichtung von Freizeitwohnsitzen oder die Eintragung von Freizeitwohnsitzen im Sinne dieses Artikels kann nur von Perso- nen beantragt oder vorgenommen werden, die ihren Wohnsitz seit mindestens 5 Jahren in einer Gemeinde Südtirols haben. Die fünf- jährige Ansässigkeit gilt nicht für die Wirkungen und im Sinne des Abs. 6, Buchstabe a).

(10) Wer einen Wohnsitz als Freizeitwohnsitz verwendet oder ande- ren zur Verwendung als Freizeitwohnsitz überlässt, ohne dass der Freizeitwohnsitz in das jeweilige Verzeichnis der Freizeitwohnsit- ze der Gemeinde eingetragen ist, ohne dass eine Feststellung über die Zulässigkeit der Verwendung des betreffenden Wohnsitzes als Freizeitwohnsitz im Sinne des Abs. 2 erster Satz oder ohne dass eine Baubewilligung im Sinne des Abs. 5 erster Satz oder eine Ausnahmebewilligung im Sinne des Abs. 6 erster Satz vorliegt, begeht eine Verwaltungsübertretung.

(11) Eine Verwaltungsübertretung begeht weiters, wer

a) einen Wohnsitz, dessen Eigenschaft als Freizeitwohnsitz erlo- schen ist oder als erloschen festgestellt worden ist, weiterhin als Freizeitwohnsitz verwendet oder anderen zur Verwendung als Freizeitwohnsitz überlässt oder

b) einen Freizeitwohnsitz, für den eine Ausnahmebewilligung im Sinne des Abs. 6 erster Satz vorliegt, anderen als den im Abs. 7 genannten Personen oder Personen entgeltlich zur Verwen- dung als Freizeitwohnsitz überlässt.

(12) Verwaltungsübertretungen nach den Abs. 9 und 10 sind von der Landesverwaltung mit Geldstrafe bis zu Euro 20.000 zu bestrafen.

Art. 43 Verzeichnis der Freizeitwohnsitze

(1) Der Bürgermeister hat ein Verzeichnis der Wohnsitze, die auf- grund einer Feststellung im Sinne des Art. 42, Abs. 2, einer Baube- willigung im Sinne des Art. 42, Abs. 4 oder einer Ausnahmebewil- ligung im Sinne des Art. 42, Abs. 6 als Freizeitwohnsitz verwendet werden dürfen, zu führen. Das Verzeichnis hat hinsichtlich der einzelnen Freizeitwohnsitze zu enthalten:

a) den Namen, das Geburtsdatum und die Adresse des Eigentü- mers des Wohnsitzes und des allenfalls sonst hierüber Verfü- gungsberechtigten;

b) die Nummer und die Widmung des Grundstückes, auf dem sich der Wohnsitz befindet;

c) die Adresse des Wohnsitzes;

d) die Baumasse und die Wohnnutzfläche des Wohnsitzes, bei Wohnungen oder sonstigen Gebäudeteilen weiters die genaue

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Bezeichnung und erforderlichenfalls eine planliche Darstellung der betreffenden Räume.

(2) Freizeitwohnsitze, für die eine Baubewilligung im Sinne des Art. 42, Abs. 5 vorliegt, sind nach dem Eintritt der Rechtskraft der Baubewilligung in das Verzeichnis aufzunehmen. Freizeit- wohnsitze, für die eine Ausnahmebewilligung im Sinne des Art. 42, Abs. 6 erster Satz vorliegt, sind nach dem Eintritt der Rechtskraft der Ausnahmebewilligung in das Verzeichnis auf- zunehmen und als solche kenntlich zu machen. In den Fällen des Art. 43bis, Abs. 1 und 2 sind nach dem Eintritt der Rechts- kraft der Baubewilligung das Datum und die Nummer des betreffenden Baubewilligungsbescheides in das Verzeichnis aufzunehmen.

(3) Aus dem Verzeichnis sind zu streichen:

a) Wohnsitze, deren Eigenschaft als Freizeitwohnsitz erloschen ist oder als erloschen festgestellt worden ist;

b) Freizeitwohnsitze, für die eine Ausnahmebewilligung vorliegt, im Falle der Aufhebung der Ausnahmebewilligung nach Art. 42 Abs. 8;

c) Freizeitwohnsitze, für die die Baubewilligung erloschen ist.

(4) Die Gemeinde darf zum Zweck der Überwachung der Einhaltung der Bestimmungen dieses Gesetzes über Freizeitwohnsitze erfor- derlichen Daten ermitteln und automationsunterstützt verarbei- ten.

(5) Die Gemeinde darf die Daten zum Zweck der Überwachung der Entrichtung von Gebühren und Abgaben bzw. Steuern verwenden. Die Gemeinde darf die Daten ferner in anonymisierter Form zu statistischen Zwecken benützen und der Landesregierung über- mitteln.

Art. 43 bis Wiederaufbau und Erweiterung bestehender Freizeitwohnsitze

(1) Im Falle des Abbruches oder der sonstigen Zerstörung ei- nes Freizeitwohnsitzes darf, soweit dies baurechtlich sonst zu- lässig ist, statt dessen ein Neubau errichtet werden, wobei hinsichtlich der Baumasse alle geltenden Bestimmungen einzuhalten sind.

(2) Bei Zubauten und Änderungen des Verwendungszweckes von bisher anderweitig verwendeten Gebäuden oder Gebäu- deteilen, durch die bestehende Freizeitwohnsitze vergrößert werden sollen, sind alle geltenden baurechtlichen Bestimmungen und die Bestimmungen hinsichtlich der Baumasse einzuhalten.

Art. 43ter Erlöschen der Eigenschaft als Freizeitwohnsitz

(1) Die Eigenschaft eines Wohnsitzes als Freizeitwohnsitz erlischt, wenn

a) der Eigentümer des Wohnsitzes oder der sonst hierüber Verfü- gungsberechtigte gegenüber dem Bürgermeister schriftlich er- klärt, dass der Wohnsitz künftig nicht mehr als Freizeitwohnsitz verwendet werden soll, oder

b) der Wohnsitz durch ein Bauvorhaben vergrößert und zu einem anderen Zweck als dem eines Freizeitwohnsitzes verwendet wird.

(2) Eine Erklärung im Sinne des Abs. 1 Buchstabe a) wird mit ihrem Einlangen beim Bürgermeister unwiderruflich und wirksam. Ist in der Erklärung für das Wirksamwerden ein späterer Zeitpunkt ange- geben, so wird sie mit diesem Zeitpunkt wirksam.

(3) Im Falle des Abs. 1, Buchstabe b) hat der Bürgermeister mit schriftli- chem Bescheid festzustellen, dass für den betreffenden Wohnsitz die Eigenschaft als Freizeitwohnsitz erloschen ist.

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FREIZEITWOHNSITZE

FREIZEITWOHNSITZE

Begleitbericht

Mit diesem Gesetzentwurf soll dem Ausverkauf der Heimat Einhalt geboten werden. Die Errichtung von Freizeitwohnsitzen soll strengen regeln unterworfen werden. Sie ist in Zukunft Einheimischen vorbe- halten, d.h. als Voraussetzung gilt die 5-jährige Ansässigkeit im Lan- desgebiet. Weiters werden Freizeitwohnsitze genau definiert. Viele Gemeinden Südtirols leben seit Jahren mit der Problematik, dass Wohnraum von Orts- und Provinzfremden als Freizeitwohnsitze ver- wendet werden. Damit geht der einheimischen Bevölkerung wertvol- ler Wohnraum verloren, es kommt zu weiterer Zersiedelung und der Ausverkauf der Heimat schreitet voran. Der Gesetzentwurf besteht aus einem einzigen Artikel. Mit ihm wird das Landesraumordnungsgesetz geändert, es werden die Artikel 42, 43, 43bis und 43ter in das Raumordnungsgesetz eingefügt. Der neue Art. 42 des Landesraumordnungsgesetzes definiert den Be- griff “Freizeitwohnsitz” und nennt die Beschränkungen dafür. Nicht als Freizeitwohnsitze gelten natürlich Gastgewerbebetriebe bzw. Be- herbergungsbetriebe und –einrichtungen. Als Freizeitwohnsitze dürfen nur mehr jene verwendet werden, die in ein entsprechendes Verzeichnis der Gemeinde eingetragen sind. Bis zur Genehmigung dieses Gesetzes bestehende Freizeitwohnsitze werden von Amts wegen von der Gemeinde in das Verzeichnis ein- getragen, sofern keine vor der Genehmigung dieser neuen Raumord- nungsartikel geltenden gesetzlichen Bestimmungen der Verwendung der betreffenden Wohnung als Freizeitwohnsitz entgegenstehen. Die Neuschaffung von Freizeitwohnsitzen wird strengen Einschrän- kungen unterworfen: Die Gemeinde kann die Neuschaffung von Frei- zeitwohnsitzen selbst noch weiter einschränken. Ausnahmebewilligungen gibt es nur in ganz wenigen Fällen, z.B. bei einer Erbschaft, wenn die Erben einer Wohnung den Wohnsitz nicht als Hauptwohnsitz benützen können/wollen. Die Neuschaffung von Freizeitwohnsitzen ist nur Personen möglich, die seit mindestens fünf Jahren in Südtirol ansässig sind oder hier seit mindestens 5 Jahren ihren Arbeitsplatz haben. Für Verstöße gegen die Vorschriften hinsichtlich der Freizeitwohnsit- ze kann es Verwaltungsstrafen von bis zu 20.000 Euro geben. Im neuen Art. 43 des Raumordnungsgesetzes wird bestimmt, dass die Gemeinde ein Verzeichnis der Freizeitwohnsitze zu schaffen hat. Die Daten dürfen auch zur Feststellung von Steuern und Gebühren verwendet werden. In anonymer Form können die Daten zu statisti- schen Zwecken verwendet oder auch der Landesregierung übermittelt werden. Im Art. 43bis werden gesetzlichen Regelungen für die Neuerrichtung für den Wiederaufbau oder die Erweiterung von Freizeitwohnsitzen getroffen. Im Art. 43ter wird bestimmt, wann und wie die Eigenschaft als Frei- zeitwohnsitz erlischt.

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DIREKTE DEMOKRATIE I

DIREKTE DEMOKRATIE I

Die einführende, abschaffende, beratende oder bestätigende Volksabstimmung, das Volksbegehren, Volksabstimmung über Großprojekte

» Der zur Abstimmung vorliegende Gesetzentwurf sieht eine Neuregelung der Instrumente der Direkten Demokratie und damit die Abschaffung des derzeit in Südtirol geltenden Landesgesetzes (18.11.2005, Nr. 11) vor, in dem Volksbegehren und Volksabstimmung folgendermaßen geregelt werden:

» Durch das Volksbegehren wird den Bürgern das Recht zur Vorlage von Gesetzesinitiativen eingeräumt. Vorgelegt wird ein ausformulierter Gesetzentwurf samt Begleitbericht und Finanzierungsregelung von mindestens drei Wahlberechtigten.

» Nach Einreichung des Entwurfs beim Landtags- präsidium haben die Promotoren vier Monate Zeit, um 8000 Unterstützer-Unterschriften für das Begehren zu sammeln.

» Gelingt dies, hat zunächst die zuständige Gesetzgebungskommission des Landtags sechs Monate Zeit, um den Entwurf zu behandeln. Erfolgt diese Behandlung nicht, muss das Plenum des Landtags den vorgelegten Gesetzentwurf innerhalb von weiteren sechs Monaten abschließend behandeln.

» Das geltende Landesgesetz sieht zudem die aufhebende Volksabstimmung vor. Damit kann ein Landesgesetz ganz oder teilweise aufgehoben werden. Der Antrag für eine Volksabstimmung muss von wenigstens 30 wahlberechtigten Bürgern gestellt werden. Über die Zulässigkeit des Antrags entscheidet ein dreiköpfiges Richterkollegium.

» Nach Einreichung des Antrags bei der Landesabteilung Zentrale Dienste haben die Promotoren auch hier vier Monate Zeit. Allerdings müssen sie in dieser Zeit 13.000 Unterstützerunterschriften sammeln.

» Eine aufhebende Volksabstimmung hat dann Erfolg, wenn am Wahltag mindestens 40 Prozent der Wahlberechtigten an der Volksabstimmung teilnehmen und die Mehrheit der gültigen Stimmen zu Gunsten der beantragten gänzlichen oder teilweisen Aufhebung von Landesgesetzen ausfällt.

» Dieselben Bestimmungen (Anzahl der Promotoren, der Unterstützerunterschriften, Zulässigkeit etc.) wie für die aufhebende gelten auch für die gesetzeseinführende Volksabstimmung, nur müssen die Unterschriften innerhalb von drei Monaten gesammelt werden.

» Mit der gesetzeseinführenden Volksabstimmung übernehmen die Wähler die Rolle des Gesetzgebers. Ähnlich wie beim Volksbegehren muss ein ausformulierter Gesetzentwurf samt Begleitbericht und Finanzierungsregelung vorgelegt werden. Falls mindestens 40 Prozent der Wahlberechtigten zur Abstimmung gehen und die Mehrheit der gültigen Stimmen zu Gunsten des Gesetzentwurfs ausfallen, erlangt dieser Gesetzeskraft.

» Schließlich sieht das geltende Landesgesetz eine beratende Volksabstimmung vor, wann immer die Mehrheit der Mitglieder des Landtags eine solche wünscht. Gegenstand der beratenden Abstimmung ist ein Gesetzentwurf, der vom Landtag noch nicht abschließend behandelt worden ist.

» Für die beratende Volksabstimmung gelten dieselben Regeln wie für die aufhebende.

» Falls sich die Bürger in der Abstimmung für den Entwurf aussprechen (und das Beteiligungsquorum erreicht wird) muss der Landtag diesen innerhalb von sechs Monaten behandeln. Das Abstimmungs- ergebnis ist für den Landtag aber nicht bindend.

» Alle Abstimmungen sind derzeit ausschließlich über Landesgesetze zulässig, nicht aber über andere Verwaltungsakte. Zudem erfolgen alle Abstimmungen landesweit.

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Der zur Abstimmung vorgelegte Gesetzentwurf

Die einführende, abschaffende, beratende oder bestätigende Volksabstimmung, das Volksbegehren, Volksabstimmung über Großprojekte

Abschnitt I Zielsetzung, Beteiligungsrecht, Ausschluss von Sachgebieten

Art. 1 Inhalt und Ziele

1. Das vorliegende Gesetz regelt die Anregung, Anberaumung, Abhal- tung und Durchführung der einführenden, abschaffenden, beraten- den und bestätigenden Volksabstimmung, des Volksbegehrens und die jeweiligen Verfahrens-weisen.

Art. 2

Beteiligungsrecht

1. Das Recht, sich an der einführenden, abschaffenden, beratenden oder bestätigenden Volksabstimmung, sowie am Volksbegehren zu beteili- gen, haben alle Bürger, die zur Wahl des Südtiroler Landtages berech- tigt sind und somit die Voraussetzungen gemäß Art. 25 des Sonder- statutes Trentino-Südtirol erfüllen.

2. Als Beteiligung gilt das Einbringen oder Unterzeichnen des Antra- ges auf Abhaltung einer Volksabstimmung oder das Einbringen oder Unterzeichnen eines Volksbegehrens im Rahmen und nach den in diesem Gesetz enthaltenen Vorschriften sowie die Ausübung des Stimmrechtes bei den Volkabstimmungen.

Art. 3

Ausschluss

1. Einführende und abschaffende oder beratende Volksabstimmungen sind unzulässig für

a) Steuer- und Haushaltsgesetze

b) die Geschäftsordnung des Landtages

c) Bestimmungen, welche die Rechte und den Schutz der Sprach- gruppen betreffen

2. Einführende abschaffende oder beratende Volksabstimmungen sind weiters unzulässig wenn

a) sie einen Gegenstand betreffen, für den in den vorhergehenden drei Jahren bereits eine Volksabstimmung stattgefunden hat

b) wenn ihre Durchführung in den Zeitraum der letzten 6 Monate vor dem Ende der Legislaturperiode des Landtages fällt.

3. Die bestätigende Volksabstimmung gemäß Art. 47, Abs. 5 des Son- derstatuts Trentino-Südtirol ist in jedem Falle zulässig.

Abschnitt II Die einführende, abschaffende, beratende oder bestätigende Volksabstimmung, das Volksbegehren

Kapitel 1 Die einführende Volksabstimmung

Art. 4 Gegenstand, Antragsteller und Modalitäten

1. Der Antrag auf Abhaltung einer einführenden Volksabstimmung be- trifft die Einführung von Landesgesetzen oder Durchführungsverord- nungen zu Landesgesetzen

2. Der Antrag auf Abhaltung einer einführenden Volksabstimmung ist an die Präsidentin oder den Präsidenten des Südtiroler Landtages zu richten und kann

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a) von wenigstens drei Bürgern, welche die in Art. 2, Abs. 2 ge- nannten Voraussetzungen erfüllen

b) von wenigstens 20 amtierenden Bürgermeistern Südtiroler Ge- meinden die nicht weniger als ein Zehntel der Bevölkerung in der Provinz, gemäß den Daten der letzten allgemeinen Volks- zählung, vertreten, mit gleichlautenden mit Mehrheit der jeweils amtierenden Ratsmitglieder gefassten Gemeinderatsbeschlüssen gestellt werden.

3. Der Antrag auf Abhaltung einer einführenden Volksabstimmung be- inhaltet:

a) einen mit Begleitbericht versehenen Landesgesetzentwurf oder einen mit Begleitbericht versehenen Entwurf zu einer Durch- führungsverordnung.

b) die Namen der drei Erstunterzeichner des Antrages, im Folgen- den Einbringer genannt, ihren Wohnort sowie deren Kontakt- adressen

c) die Bestätigung über die Eintragung der Einbringer in die Wäh- lerlisten und die Bestätigung, dass sie die Voraussetzungen ge- mäß Art. 2, Abs. 2 dieses Gesetzes erfüllen.

4. Für jeden Landesgesetzentwurf oder für jede Durchführungsverord- nung ist ein eigener Antrag zu stellen.

5. Die Einbringer des Antrages können bei der Präsidentin/dem Präsi- denten des Landtages den Beistand der Ämter des Landtages bei der Abfassung der Texte beantragen, die sie zur einführenden Volksab- stimmung vorlegen wollen.

6. Die Zulässigkeit oder Nichtzulässigkeit des Antrages erklärt die Prä- sidentin/der Präsident des Landtages gemäß den Bestimmungen im Abschnitt III dieses Gesetzes.

Art. 5 Anberaumung der einführenden Volksabstimmung

1. Eine einführende Volksabstimmung über den für zulässig erklärten beantragten Gegenstand erfolgt,

a) wenn wenigstens 8.000 am Tag der Unterschriftenleistung für die Wahl des Südtiroler Landtages wahlberechtigte Bürger in- nerhalb von 180 Tagen ab dem Tag der Aushändigung der Formblätter für die Unterschriftensammlung den Antrag gemäß den im Abschnitt III dieses Gesetzes vorgesehenen Modalitäten unterzeichnen

b) wenn der zulässige Antrag von wenigstens 20 amtierenden Bür- germeistern Südtiroler Gemeinden die nicht weniger als ein Zehntel der Bevölkerung in der Provinz, gemäß den Daten der letzten allgemeinen Volkszählung, vertreten, mit gleichlauten- den mit Mehrheit der jeweils amtierenden Ratsmitglieder ge- fassten Gemeinderatsbeschlüssen gestellt wurde.

2. Die Anberaumung und Durchführung der einführenden Volksab- stimmung erfolgt gemäß den Bestimmungen im Abschnitt IV dieses Gesetzes.

3. Erhält der Antrag auf Abhaltung einer einführenden Volksabstim- mung nicht die vorgeschriebene Zahl von gültigen Unterstützungs- unterschriften, wird über ihn keine Volksabstimmung abgehalten. In diesem Fall kann der Antrag von den Einbringern in ein Volks- begehren umgewandelt werden, wenn die Zahl der ordnungsgemäß gesammelten Unterschriften der Mindestzahl von Unterschriften für ein Volksbegehren entspricht oder diese übersteigt.

4. Im Falle der Umwandlung des Antrages gemäß Absatz 3 muss keine weitere Unterschriftensammlung für ein Volksbegehren erfolgen und es werden die in diesem Gesetz vorgesehenen weiteren Verfahrensre- gelen für ein Volksbegehren angewandt.

5. Die einführende Volksabstimmung findet weiters nicht statt,

a) wenn der Südtiroler Landtag den Gesetzesvorschlag bzw. die Südtiroler Landesregierung den Vorschlag zur Durchführungs-

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verordnung vor dem für die Volksabstimmung festgesetzten Tag unverändert genehmigt.

b) wenn der Südtiroler Landtag den Gesetzesvorschlag bzw. die Südtiroler Landesregierung den Vorschlag zur Durchführungsverordnung vor dem für die Volksab- stimmung festgesetzten Tag inhaltlich verändert geneh- migt und wenigstens zwei der Einbringer innerhalb von zwei Kalendertagen ab dem Tag der Genehmigung ihr Einverständnis für die Nicht-Abhaltung der Volksabstimmung erklären.

Unbeschadet der Bestimmung laut Abs. 5, Buchstabe a) können die Einbringer einen Antrag für eine Volksabstimmung nach der Hin- terlegung der Unterschriften laut Abs. 1 Buchstabe a) nicht mehr zurückziehen.

Der Südtiroler Landtag kann gemäß einem in der Geschäftsord- nung des Landtages zu regelnden Verfahren bis zum 20. Tag vor dem für die Volksabstimmung festgesetzten Tag einen konkur- rierenden Gesetzentwurf zur Volksabstimmung vorlegen. Die Südtiroler Landesregierung kann bis zum 20. Tag vor dem für die Volksabstimmung festgesetzten Tag einen konkurrieren- den Entwurf für eine Durchführungsverordnung zur Volksab- stimmung vorlegen. Der konkurrierende Entwurf des Landtages oder der Landesregierung wird unverzüglich im Amtsblatt der Region veröffentlicht und den Bürgern in geeigneter Form zur Kenntnis gebracht.

Die Einbringer des Antrages auf einführende Volksabstimmung haben das Recht, der Begründung des konkurrierenden Gesetzent- wurfes eine Stellungnahme anzufügen.

Art. 6 Abstimmungsgegenstand

Bei der einführenden Volksabstimmung stimmen die stimmberech- tigten Bürger darüber ab, ob sie der Einführung des Gesetzesvor- schlages oder des Vorschlages für eine Durchführungsverordnung zu einem Landesgesetz zustimmen oder dessen Einführung ableh- nen.

Mehrere im selben Zeitraum als Antrag für die einführende Volksabstimmung vorgelegte Gesetzentwürfe oder Entwürfe für eine Durchführungsverordnung zu einem Landesgesetz die den- selben Gesetzgebungsgegenstand betreffen, werden gemeinsam behandelt.

Werden mehrere Gesetzentwürfe oder Entwürfe für eine Durch- führungsverordnung, die denselben Gesetzgebungsgegenstand be- treffen, gemeinsam zur Abstimmung gestellt, so sind sie mit Titel und Einbringer sowie Kurzbeschreibung auf einem Stimmzettel an- zuführen. Ihre Reihenfolge richtet sich nach der Zahl der gültigen Unterstützungsunterschriften für die jeweilige einführende Volks- abstimmung. Ein konkurrierender Gesetzentwurf oder Entwurf für eine Durchführungsverordnung wird nach den vom Volk erstellten Entwürfen angeführt.

Die abgegebene Stimme darf nur auf „Ja" oder „Nein" lauten und muss sich unmissverständlich auf den Gesetzentwurf oder den Ent- wurf für eine Durchführungsverordnung beziehen.

Bei mehreren zur Abstimmung vorgelegten Entwürfen darf je- der Stimmberechtigte nur zu einem einzigen der auf dem Stimmzettel angeführten Entwürfe mit „Ja“ stimmen. Gibt der Wähler mehr als eine „Ja“ – Stimme ab, ist der Stimmzettel ungültig.

Gibt der Wähler weder eine „Ja“ noch eine „Nein“- Stimme ab, ist der Stimmzettel weiß.

Kennzeichnet der Wähler den Stimmzettel durch irgendein anderes Zeichen, als jenes der korrekten Stimmabgabe für „Ja“ oder „Nein“ ist der Stimmzettel ungültig.

Stimmt der Wähler zu ein und demselben auf dem Stimmzettel angeführten Entwurf sowohl mit „Ja“ als auch mit „Nein“, ist der Stimmzettel ungültig.

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Art. 7 Ergebnis der einführenden Volksabstimmung

1. Ein Gesetzentwurf oder ein Entwurf für eine Durchführungsverord- nung für ein Landesgesetz ist durch Volksentscheid angenommen, wenn die Mehrheit derjenigen, die ihre Stimme gültig abgegeben ha- ben, mit „Ja" gestimmt hat.

2. Bei einer gleichzeitigen Abstimmung über mehrere Entwürfe ist jener Gesetzentwurf oder jener Entwurf für eine Durchführungs- verordnung angenommen, der die größte Zahl der Ja-Stimmen er- halten hat. Bei gleicher Zahl an Ja-Stimmen ist derjenige Entwurf angenommen, der nach Abzug der auf ihn entfallenden Nein-Stim- men die größte Zahl der Ja-Stimmen auf sich vereinigt, in jedem Fall aber mindestens ein Fünftel der gültigen abgegebenen Stimmen.

Art. 8 Beurkundung und Bekanntmachung

1. Die Präsidentin/ der Präsident des Landtages stellt das Ergebnis der Volksabstimmung fest und macht es im Amtsblatt der Region be- kannt.

2. Ist ein Gesetzentwurf durch Volksabstimmung angenommen, so wird er wie ein vom Landtag beschlossenes Landesgesetz beurkundet und mit dem Hinweis verkündet, dass das Gesetz durch Volksabstim- mung angenommen worden ist.

3. Ist eine Durchführungsverordnung zu einem Landesgesetz durch Volk-sabstimmung angenommen, so wird sie wie ein von der Lan- desregierung beschlossene Durchführungsverordnung beurkundet und mit dem Hinweis verkündet, dass die Durchführungsverordnung durch Volksabstimmung angenommen worden ist.

Kapitel 2 Die abschaffende Volksabstimmung

Art. 9 Gegenstand, Antragsteller und Modalitäten

1. Der Antrag auf Abhaltung einer abschaffenden Volksabstimmung betrifft

a) die vollständige oder teilweise Aufhebung von Landesgesetzen

b) die vollständige oder teilweise Aufhebung von Durchführungs- verordnungen zu Landesgesetzen

c) die Aufhebung von Verwaltungsakten von Landes- oder Be- zirksinteresse.

2. Verwaltungsakte gelten dann als von Landes- oder Bezirksinteresse, wenn sie:

a) Ausgaben über ein Tausendstel des Landeshaushaltes betref- fen, bevor die Ausgabe getätigt wurde

b) wiederkehrende Ausgaben über ein Fünftausendstel des Lan- deshaushaltes betreffen, bevor die Ausgaben getätigt wurden,

c) Projekte betreffen, für die es einer Umweltverträglichkeitsprü- fung bedarf, bevor ein Drittel des Gesamtprojektes fertig ge- stellt wurde

d) einzelne Fachpläne zur Landesentwicklungsplanung betreffen, bevor der gesamte Fachplan umgesetzt wurde,

e) von der Landesregierung als solche erklärt worden sind.

3. Der Antrag auf Abhaltung einer abschaffenden Volksabstimmung ist an die Präsidentin oder den Präsidenten des Südtiroler Landta- ges zu richten und kann

a) von wenigstens drei Einbringern, welche die in Art. 2, Abs. 2 genannten Voraussetzungen besitzen

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b) von wenigstens 20 amtierenden Bürgermeistern Südtiroler Ge- meinden die nicht weniger als ein Zehntel der Bevölkerung in der Provinz, gemäß den Daten der letzten allgemeinen Volks- zählung, vertreten, mit gleichlautenden mit Mehrheit der je- weils amtierenden Ratsmitglieder gefassten Gemeinderatsbe- schlüssen gestellt werden.

4.

Der Antrag auf Abhaltung einer abschaffenden Volksabstimmung beinhaltet:

a) die genaue Angabe der Daten und des Titels des Gesetzes, der Durchführungsverordnung zu einem Gesetz, dessen/deren vollständige oder teilweise Abschaffung zur Volksabstimmung vorgelegt wird, mittels Formulierung einer Frage, die mit Ja oder Nein zu beantworten ist,

b) die genaue Angabe der Daten, des Titels und des Gegenstandes eines Verwaltungsaktes, dessen Abschaffung zur Volksabstim- mung vorgelegt wird,

c) im Falle einer abschaffenden Volksabstimmung, die sich auf einen Teil des Landes bezieht, gegebenenfalls der Be- zirk oder die Bezirksgemeinschaft, auf welche sich die Ab- stimmung zu einem Gegenstand gemäß Art. 9, Abs. 1, Buchstabe c) bezieht.

d) die Namen der Einbringer des Antrages, ihren Wohnort sowie deren Kontaktadressen

e) die Bestätigung über die Eintragung der Einbringer in die Wählerlisten und der Bestätigung, dass sie die Voraussetzun- gen gemäß Art. 2, Abs. 2 dieses Gesetzes erfüllen

f ) eineBegründungderEinbringerfürdenAntragaufAbschaffungder Gegenstände gemäß den Absätzen 1 und 2.

4.

Für jeden Landesgesetzentwurf, für jede Durchführungsverord- nung, für jeden Verwaltungsakt oder für jeden klar abgrenzbaren Vorschlag zu einem Sachbereich ist ein eigener Antrag zu stellen.

5.

Die Einbringer des Antrages können bei der Präsidentin/dem Prä- sidenten des Landtages den Beistand der Ämter des Landtages bei der Abfassung der Texte beantragen, die sie zur abschaffenden Volksabstimmung vorlegen wollen.

6.

Die Zulässigkeit oder Nichtzulässigkeit des Antrages erklärt die Präsidentin/der Präsident des Landtages gemäß den Bestimmungen im Abschnitt III dieses Gesetzes.

Art. 10 Anberaumung der abschaffenden Volksabstimmung

1.

Eine abschaffende Volksabstimmung über den für zulässig erklärten beantragten Gegenstand erfolgt,

a) wenn wenigstens 8.000 am Tag der Unterschriftenleistung für die Wahl des Südtiroler Landtages wahlberechtigte Bürger innerhalb von 180 Tagen ab dem Tag der Aushändigung der Formblätter für die Unterschriftensammlung den Antrag ge- mäß den im Abschnitt III dieses Gesetzes vorgesehenen Mo- dalitäten unterzeichnen

b) wenn der zulässige Antrag von wenigstens 20 amtierenden Bürgermeistern Südtiroler Gemeinden die nicht weniger als ein Zehntel der Bevölkerung in der Provinz, gemäß den Daten der letzten allgemeinen Volkszählung, vertreten, mit gleichlau- tendem mit Mehrheit der jeweils amtierenden Ratsmitglieder gefassten Gemeinderatsbeschlüssen gestellt wurde

2.

Die Anberaumung und Durchführung der abschaffenden Volksab- stimmung erfolgt gemäß den Bestimmungen im Abschnitt IV dieses Gesetzes.

3.

Erhält der Antrag auf Abhaltung einer abschaffenden Volksabstim- mung nicht die vorgeschriebene Zahl von gültigen Unterschriften, wird über ihn keine Volksabstimmung abgehalten.

4.

Die abschaffende Volksabstimmung findet nicht statt,

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DIREKTE DEMOKRATIE I

DIREKTE DEMOKRATIE I

a) wenn der Südtiroler Landtag vor der Volksabstimmung das Landesgesetz, das Gegenstand der abschaffenden Volksabstim- mung ist, aufhebt

b) wenn der Südtiroler Landtag vor der Volksabstimmung den Teil des Landesgesetzes, der Gegenstand der abschaffenden Volksabstimmung ist durch Aufhebung oder Änderung des entsprechenden Landesgesetzes aufhebt

c) wenn die Südtiroler Landesregierung vor der Volksabstimmung die Durchführungsverordnung oder den Teil der Durchfüh- rungsverordnung , die/der Gegenstand der abschaffenden Volks- abstimmung ist, durch Aufhebung oder Änderung aufhebt

d) wenn das Landesgesetz, das einer zur abschaffenden Volks- abstimmung vorgelegten Durchführungsverordnung oder ei- nem Teil davon zugrunde liegt, vor der Volksabstimmung vom Landtag aufgehoben wird oder die darin vorgesehene Durch- führungsverordnung durch Änderung des Landesgesetzes au- ßer Kraft gesetzt wird

e) wenn das gegenständliche Landesgesetz oder der gegenständ- liche Teil des Landesgesetzes, die gegenständliche Durchfüh- rungsverordnung oder der gegenständliche Teil der Durch- führungsverordnung vor dem Tag der Volksabstimmung vom Verfassungsgerichtshof außer Kraft gesetzt wird.

f ) wenn der Verwaltungsakt, für welchen die abschaffende Volks- abstimmung anberaumt wird vor dem Tag der Volksabstim- mung aufgehoben wird.

5. Unbeschadet der Bestimmung laut Abs. 4, Buchstage a) können die Einbringer einen Antrag für eine Volksabstimmung nach der Hinter- legung der Unterstützungsunterschriften nicht mehr zurückziehen.

6. Im Falle der abschaffenden Volksabstimmung, die sich auf einen Teil des Landes bezieht werden, soweit anwendbar, die Bestim- mungen des Abs. 3, Art. 14 und des Art. 18 dieses Gesetzes a ngewandt.

Art. 11 Abstimmungsgegenstand

1. Bei der abschaffenden Volksabstimmung stimmen die stimmberech- tigten Bürger darüber ab, ob sie ein Landesgesetz vollständig oder teilweise, eine Durchführungsverordnung zu einem Landesgesetz vollständig oder teilweise oder einen Verwaltungsakt von Landesin- teresse aufheben wollen.

2. Die abgegebene Stimme bezieht sich auf die Frage „Sind Sie für die Aufhebung“ mit der Angabe des Landesgesetzes oder des Teiles des Landesgesetzes, der Durchführungsverordnung, oder des Teiles der Durchführungsverordnung oder des Verwaltungsaktes von Landesin- teresse mit Daten, Titel und Gegenstand.

3. Die Stimme darf nur als „Ja" oder „Nein" auf die Frage gemäß Abs. 2 abgegeben werden.

4. Gibt der Wähler weder eine „Ja“ noch eine „Nein“- Stimme ab, ist der Stimmzettel weiß.

5. Kennzeichnet der Wähler den Stimmzettel durch irgend ein anderes Zeichen, als jenes der korrekten Stimmabgabe für „Ja“ oder „Nein“ oder stimmt er auf demselben Stimmzettel für dieselbe Frage mit „Ja“ und „Nein“ ist der Stimmzettel ungültig.

Art. 12 Ergebnis der abschaffenden Volksabstimmung

1. Entfällt die Mehrheit der gültigen Stimmen auf das „Ja“ ist

a)

das zur Volksabstimmung vorgelegte Landesgesetz

b)

der zur Volksabstimmung vorgelegte Teil des Landesgesetzes

d)

die zur Volksabstimmung vorgelegte Durchführungsverord- nung

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a) einen Landesgesetzentwurf

d) der zur Volksabstimmung vorgelegte Teil der Durchführungs- verordnung

e) der zur Volksabstimmung vorgelegte Verwaltungsakt von Landes- oder Bezirksinteresse aufgehoben.

Kapitel 3 Die beratende Volksabstimmung

Art. 14 Gegenstand, Antragsteller und Modalitäten

1. Der Antrag auf Abhaltung einer beratenden Volksabstimmung kann

b) einen Entwurf für eine Durchführungsverordnung zu einem Landesgesetz

c) einen Entwurf für einen Verwaltungsakt von Landes- oder Be- zirksinteresse

d) einen Vorschlag oder eine Auswahl von Vorschlägen zu einem Sachbereich, der im Zuständigkeitsbereich des Landtages oder der Landesregierung liegt

e) Ausgaben über ein Tausendstel des Landeshaushaltes

f) wiederkehrende Ausgaben über ein Fünftausendstel des Landes- haushaltes

g) Projekte, für die es einer Umweltverträglichkeitsprüfung bedarf

h) einzelne Fachpläne zur Landesentwicklungsplanung

i) Verwaltungsakte oder Projekte, die von der Landesregierung als Verwaltungsakte oder Projekte im Landes- bzw. Bezirksinteresse erklärt worden sind zum Gegenstand haben

2. Eine beratende Volksabstimmung wird anberaumt,

a) wenn es der Südtiroler Landtag mittels Beschluss, der mit Stim- menmehrheit seiner Mitglieder gefasst wurde, beantragt

b) wenn es die Südtiroler Landesregierung, bezogen auf Fragen in ihrem Zuständigkeitsbereich, beantragt

c) beschränkt auf die Gegenstände gemäß Buchstaben e), f ), g), h) und i), Abs. 1 dieses Artikels, wenn 5.000 am Tag der Unterschriftenleistung für die Wahl des Südtiroler Land- tages wahlberechtigte Bürger innerhalb von 180 Tagen ab dem Tag der Aushändigung der Formblätter für die Unter- schriftensammlung oder 15 Gemeinden mit Gemeinde- ratsbeschluss den Antrag, der vorher von mindestens drei Einbringern, welche die in Art. 2, Abs. 2 genannten Voraus- setzungen besitzen gestellt wurde, gemäß den im Abschnitt III dieses Gesetzes vorgesehenen Modalitäten unterzeichnen oder 15 Gemeinden mit Gemeinderatsbeschluss den Antrag stellen

3. Beschränkt sich die beratende Volksabstimmung auf einen oder mehrere Bezirksgemeinschaften so müssen die Bürger, welche ge- mäß Art. 2, Abs. c) die Unterschrift leisten in die Wählerlisten einer Gemeinde des bzw. der betreffenden Bezirkes bzw. Bezir- ke eingetragen und für die Wahl des Südtiroler Landtages wahlbe- rechtigt sein. Wird eine beratende Volksabstimmung, die auf eine oder mehrere Bezirksgemeinschaften beschränkt ist, von Gemein- den beantragt, so reduziert sich die in Art. 2, Abs. c) erforderliche Zahl von 15 Gemeinden auf 5 je betroffenen Bezirk, die mittels Gemeinderatsbeschluss die beratende Volksabstimmung beantragen müssen.

4. Der Antrag auf Abhaltung einer beratenden Volksabstimmung ist an die Präsidentin oder den Präsidenten des Südtiroler Landtages zu richten.

5. Der Antrag auf Abhaltung einer beratenden Volksabstimmung be- inhaltet:

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a) die genaue Angabe der Daten und des Titels des Landesgesetz- entwurfes, des Entwurfes zu einer Durchführungsverordnung oder einem Verwaltungsakt, samt Kurzbeschreibung

b) die genaue Bezeichnung und Kurzbeschreibung für einen Vor- schlag zu einem Sachbereich, der im Zuständigkeitsbereich des Landtages oder der Landesregierung liegt

c) gegebenenfalls die Angabe, auf welche Bezirksgemeinschaft oder welche Bezirksgemeinschaften sich die Volksabstimmung im Falle der Buchstaben c), d), e), f), g), h), i) im Abs. 1 dieses Arti- kels beschränken soll

d) eine kurze und gut verständliche Beschreibung des Ziels der Ab- stimmung in Form einer Frage, die nicht irreführend sein darf

e) die Namen und vollständigen Daten der Einbringer, wenn es sich um einen Antrag gemäß Abs. 2, Buchstabe c) dieses Artikels handelt, sowie die Bestätigung über die Eintragung der Einbrin- ger in die Wählerlisten für die Wahl des Südtiroler Landtages.

6. Wird der Antrag vom Südtiroler Landtag oder der Südtiroler Lan- desregierung gestellt, erklärt die Präsidentin oder der Präsident des Landtages die endgültige Zulässigkeit.

7. Die Zulässigkeit oder Nichtzulässigkeit des Antrages gemäß Abs. 2, Buchstabe c) erklärt die Präsidentin/der Präsident des Landtages ge- mäß den Bestimmungen im Abschnitt III dieses Gesetzes.

8. Für jeden Landesgesetzentwurf, für jede Durchführungsverordnung, für jeden Verwaltungsakt oder für jeden klar abgrenzbaren Vorschlag zu einem Sachbereich ist ein eigener Antrag zu stellen.

9. Die Anberaumung und Durchführung der beratenden Volksabstim- mung erfolgt gemäß den Bestimmungen im Abschnitt IV dieses Ge- setzes.

10. Erhält ein gemäß Buchstaben c), d), e), f), g), h), i) Abs. 1 dieses Arti- kels eingebrachter und für zulässig erklärter Antrag nicht innerhalb des vorgesehenen Zeitraumes die nötige Zahl von Unterschriften findet keine beratende Volksabstimmung statt.

Art. 13 Beurkundung, Bekanntmachung, folgende Handlungen

1. Die Präsidentin/ der Präsident des Landtages stellt das Ergebnis der Volksabstimmung fest und macht es unverzüglich im Amtsblatt der Region bekannt.

2. Mit dem Tage der Veröffentlichung ist der Gegenstand, der mittels Volksabstimmung aufgehoben wurde wurde, außer Kraft gesetzt.

3. Landtag und Landesregierung dürfen einen mit Volksabstimmung aufgehobenen Gegenstand weder in Wort noch im Inhalt wieder ein- führen.

4. Innerhalb von 90 Tagen ab dem Tag der abschaffenden Volksabstim- mung führen Landtag oder Landesregierung die in ihren Zuständig- keitsbereich fallenden und aufgrund des Ergebnisses der abschaffen- den Volksbefragung notwendigen Änderungen an Landesgesetzen, Durchführungsverordnungen oder Verwaltungsakten durch.

Art. 15 Abstimmungsgegenstand

1. In der beratenden Volksabstimmung stimmen die stimmberechtig- ten Bürger darüber ab, ob sie einen Vorschlag gemäß Art. 14, Abs. 1 befürworten oder ablehnen; die Abstimmung mittels ein und dem- selben Stimmzettel darf sich nur auf einen klar abgrenzbaren Gegen- stand beziehen.

2. Die abgegebene Stimme bezieht sich auf die Frage „Sind Sie für den Vorschlag….“„ mit der Angabe des genauen Abstimmungsgegenstan- des und der Kurzbeschreibung.

3. Die Stimme darf nur als „Ja" oder „Nein" auf die Frage gemäß Abs. 2 abgegeben werden.

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4. Gibt der Wähler weder eine „Ja“ noch eine „Nein“- Stimme ab, ist der Stimmzettel weiß.

5. Kennzeichnet der Wähler den Stimmzettel durch irgend ein anderes Zeichen, als jenes der korrekten Stimmabgabe für „Ja“ oder „Nein“ oder stimmt er auf demselben Stimmzettel für dieselbe Frage mit „Ja“ und „Nein“ ist der Stimmzettel ungültig.

Art. 16. Ergebnis der beratenden Volksabstimmung

1. Das Ergebnis der beratenden Volksabstimmung hat beratenden, kei- nen für die Institutionen bindenden Charakter.

Art. 17

Bekanntmachung

1. Die Präsidentin/ der Präsident des Landtages stellt das Ergebnis der Volksabstimmung fest und macht es unverzüglich im Amtsblatt der Region bekannt.

Art. 18 Beratende Volksabstimmung in einem Teil des Landes

1. Wenn ein Abstimmungsgegenstand gemäß Art. 14, Abs. 1, Buchsta- ben c), d), e), f), g), h), i) sich ausschließlich auf einen Teil des Landes bezieht, kann im Antrag beziehungsweise im Beschluss des Landtages oder der Landesregierung vorgesehen werden, dass die beratenden Volksabstimmung nur in der betroffenen Bezirksgemeinschaft oder in den betroffenen Bezirksgemeinschaften stattfindet.

2. Soll die beratende Volksabstimmung nur in einem Teil des Landes stattfinden, dann reduziert sich die Anzahl der erforderlichen Un- terschriften auf 2 Prozent der in den betreffenden Bezirken für den Südtiroler Landtag wahlberechtigten Bevölkerung.

3. Erfolgt der Antrag auf Abhaltung einer beratenden Volksabstimmung in einem Teil des Landes von der Landesregierung, vom Volk oder von den Gemeinden, ist bei der Beratung über die Zulässigkeit des Antrages auch über die Frage zu befinden, ob der Abstimmungsge- genstand sich ausschließlich auf den betreffenden Teil des Landes be- zieht. Ist dies nicht der Fall, erklärt die Präsidentin/der Präsident des Landtages den Antrag für nicht zulässig.

4. Beschließt der Landtag die Abhaltung einer beratenden Volksabstim- mung in einem Teil des Landes entfällt die Überprüfung der Zuläs- sigkeit laut Abs. 3.

5. Erfolgt die beratende Volksabstimmung in einer oder mehreren Be- zirksgemeinschaften, so sind nur die in die Wählerlisten der Gemein- den dieser Bezirksgemeinschaft bzw. dieser Bezirksgemeinschaften eingetragenen und zur Wahl des Südtiroler Landtages wahlberechtig- ten Bürger wahlberechtigt.

Kapitel 4 Die bestätigende Volksabstimmung

Art. 19

Gegenstand

1. Die bestätigende Volksabstimmung findet im Sinne des Art. 47, Abs. 5 des Sonderstatutes für Trentino-Südtirol über die Landesgesetze laut den Absätzen 2 und 3 desselben Artikels statt.

2. Sobald der Landtag ein Gesetz im Sinne des Artikels 47 Absätze 2 und 3 des Sonderstatutes für Trentino-Südtirol verabschiedet hat, sorgt der Landeshauptmann für seine sofortige Veröffentlichung im Amtsblatt der Region und zwar ohne laufende Nummer und ohne Beurkundungsklausel.

3. Dem Gesetzestext wird der Hinweis vorangestellt, dass er einer bestätigen- den Volksabstimmung unterzogen wird, falls innerhalb von drei Monaten ein entsprechender Antrag gestellt wird. Dieser kann gestellt werden:

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a) von sieben Landtagsabgeordneten oder von Seiten eines Fünf- zigstels der bei den Landtagswahlen wahlberechtigten Personen, wenn das Gesetz mit der absoluten Mehrheit der Mitglieder des Landtages verabschiedet worden ist;

b) von Seiten eines Fünfzehntels der bei den Landtagswahlen wahl- berechtigten Personen, wenn das Gesetz mit der Zweidrittelmehr- heit der Mitglieder des Landtages verabschiedet worden ist.

4. Wenn innerhalb von drei Monaten ab der Veröffentlichung des Ge- setzes kein Antrag auf bestätigende Volksabstimmung gestellt oder der Antrag für nicht zulässig erklärt wurde, sorgt der Landeshaupt- mann für die Beurkundung des Gesetzes.

Art. 20 Antrag auf Volksabstimmung

1. Der Antrag auf eine bestätigende Volksabstimmung muss bei der Prä- sidentin/beim Präsidenten des Landtages eingebracht werden. Über die Hinterlegung ist eine entsprechende Niederschrift zu erstellen. Der Antrag muss den Titel des Landesgesetzes, das Datum seiner Verabschiedung durch den Landtag sowie das Datum der Veröffentli- chung im Amtsblatt der Region beinhalten.

2. Wenn der Antrag von Landtagsabgeordneten stammt, beglaubigt der Generalsekretär des Landtages oder ein von ihm beauftragter Beam- ter die Unterschriften der Antragssteller.

3. Wird der Antrag auf bestätigende Volksabstimmung von Wählern gestellt, so ist dieser von mindestens 3 für die Landtagswahlen wahl- berechtigten Antragstellern einzubringen. Im Antrag müssen Vorna- me, Name und Domizil der einzelnen Antragsteller sowie die Person angegeben werden, welcher die Verfahrensmitteilungen zugesandt werden sollen. Mit dem Antrag sind die Bescheinigungen über die Eintragung der Antragsteller in den Wählerlisten einer Südtiroler Ge- meinde vorzulegen.

4. Die Sammlung der erforderlichen Unterstützungsunterschriften laut Art. 20, Abs.3 Buchstaben a) und b) hat innerhalb von 180 Tagen ab dem Tag der Aushändigung der Formblätter für die Unterschriften- sammlung zu erfolgen und erfolgt laut den Bestimmungen im Ab- schnitt III dieses Gesetzes.

5. Über die Zulässigkeit des Antrages auf Abhaltung einer bestätigen- den Volksabstimmung entscheidet die Präsidentin/der Präsident des Landtages gemäß den Bestimmungen im Abschnitt III.

Art. 21 Anberaumung der bestätigenden Volksabstimmung

1. Die Anberaumung und Durchführung der bestätigenden Volksab- stimmung erfolgt gemäß den Bestimmungen im Abschnitt IV dieses Gesetzes.

Art. 22 Abstimmungsgegenstand

1. In der bestätigenden Volksabstimmung stimmen die stimmberechtig- ten Bürger darüber ab, ob sie das vom Landtag genehmigte Landes- gesetz bestätigen oder ablehnen.

2. Die abgegebene Stimme bezieht sich auf die Frage "Stimmen Sie dem

verabschiedet und

Gesetz betreffend

im Amtsblatt der Region

zu, welches vom Landtag am

vom

veröffentlicht worden ist?".

3. Die Stimme darf nur als „Ja" oder „Nein" auf die Frage gemäß Abs. 2 abgegeben werden.

4. Gibt der Wähler weder eine „Ja“ noch eine „Nein“- Stimme ab, ist der Stimmzettel weiß.

5. Kennzeichnet der Wähler den Stimmzettel durch irgend ein anderes Zeichen, als jenes der Korrekten Stimmabgabe für „Ja“ oder „Nein“ oder stimmt er auf demselben Stimmzettel für die selbe Frage mit „Ja“ und „Nein“ ist der Stimmzettel ungültig.

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Art. 23 Ergebnis der bestätigenden Volksabstimmung - Bekanntmachung

1. Die Präsidentin/der Präsident des Landtages stellt das Ergebnis der bestätigenden Volksabstimmung fest.

2. Falls die Volksabstimmung zu Ungunsten der Genehmigung des Lan- desgesetzes ausgefallen ist, ist das Landesgesetz abgelehnt. Die Präsi- dentin/der Präsident des Landtages sorgt dafür, dass das Ergebnis im Amtsblatt der Region veröffentlicht wird.

3. Falls die Volksabstimmung zu Gunsten der Genehmigung des Lan- desgesetzes ausgefallen ist, beurkundet der Landeshauptmann das

Gesetz mit folgender Formel: "Der Südtiroler Landtag hat genehmigt;

anberaumte Volksabstimmung ist zu Gunsten der Geneh-

migung des Gesetzes ausgefallen; Der Landeshauptmann beurkundet

das folgende Landesgesetz: (Text des Gesetzes) ".

Kapitel 5

Das Volksbegehren

Art. 24 Gegenstand, Antragsteller und Modalitäten

1. Das Volksbegehren betrifft den Vorschlag an den Landtag oder an die Landesregierung,

a) einen ausformulierten Gesetzentwurf oder einen ausformulier- ten Entwurf für eine Durchführungsverordnung zu beschließen

b) eine ausformulierte Beschlussvorlage zu einem Verwaltungsakt von Landesinteresse zu beschließen

2. Der Antrag für ein Volksbegehren ist an die Präsidentin/den Präsi- denten des Südtiroler Landtages zu richten und kann von wenigstens drei Einbringern, welche die in Art. 2, Abs. 2 genannten Vorausset- zungen besitzen, gestellt werden.

3. Der Antrag für ein Volksbegehren beinhaltet:

a) die genauen Daten und den Titel des Gesetzes oder der Durch- führungsverordnung zu einem Gesetz, deren gänzliche oder teilweise Abschaffung dem Landtag oder der Landesregierung vorgeschlagen werden

b) einen ausformulierten Gesetzentwurf beziehungsweise eine aus- formulierte Beschlussvorlage zu einer Durchführungsverord- nung zu einem Gesetz

c) eine ausformulierten Beschlussvorlage zu einem Verwaltungsakt von Landesinteresse

d) die Namen der Einbringer des Antrages, ihren Wohnort sowie deren Kontaktadressen

e) die Bestätigung über die Eintragung der Einbringer in die Wäh- lerlisten und der Bestätigung, dass sie zum Zeitpunkt der Un- terzeichnung die Voraussetzungen gemäß Art. 2, Abs. 2 dieses Gesetzes erfüllen

4. Für jeden Landesgesetzentwurf, für jede Durchführungsverordnung, für jeden Verwaltungsakt oder für jeden klar abgrenzbaren Vorschlag zu einem Sachbereich ist ein eigener Antrag zu stellen.

5. Die Einbringer des Antrages können bei der Präsidentin/dem Präsiden- ten des Landtages den Beistand der Ämter des Landtages bei der Abfas- sung der Texte beantragen, die sie als Volksbegehren vorlegen wollen.

Art. 25 Behandlung des Volksbegehrens

1. Das Volksbegehren wird vom Landtag beziehungsweise von der Lan- desregierung behandelt, wenn wenigstens 2.500 am Tag der Unter- schriftenleistung für die Wahl des Südtiroler Landtages wahlberech-

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tigte Bürger innerhalb von 180 Tagen ab dem Tag der Aushändigung der Formblätter für die Unterschriftensammlung den Antrag gemäß den im Abschnitt III dieses Gesetzes vorgesehenen Modalitäten un- terzeichnen

2.

Der Landtag behandelt den mittels Volksbegehren vorgeschlagenen Gesetzentwurf gemäß den Vorschriften seiner Geschäftsordnung.

3.

Ein mit Volksbegehren vorgeschlagener Gesetzentwurf verfällt nicht mit Ende der Legislaturperiode. In der neuen Legislaturperiode be- ginnt die in der Geschäftsordnung für die Behandlung des mit Volks- begehren vorgeschlagenen Gesetzentwurfes vorgesehene Frist am Tage nach der Wahl der Landesregierung.

4.

Die drei Erstunterzeichner des Gesetzentwurfes haben das Recht, oh- ne Stimmrecht an den Arbeiten der zuständigen Gesetzgebungskom- mission teilzu-nehmen.

5.

Ein Volksbegehren, das in den Zuständigkeitsbereich der Landesre- gierung fällt, wird unmittelbar nach ordnungsgemäßem Abschluss der Unterschriftensammlung und der endgültigen Zulassung des Volksbegehrens auf die Tagesordnung der Landesregierung gesetzt und ist innerhalb von 180 Tagen abschließend zu behandeln.

Art. 26 Ergebnis des Volksbegehrens

1.

Wird ein mit Volksbegehren vorgeschlagener Gegenstand vom Land- tag beziehungsweise von der Landesregierung mit inhaltlichen Ände- rungen genehmigt, abgelehnt oder nicht innerhalb von 180 Tagen ab dem Tag, an dem es auf die Tagesordnung gesetzt wurde, genehmigt, so können die Einbringer das Volksbegehren innerhalb von 14 Tagen nach Ablauf dieser Frist den Wortlaut des ursprünglichen Textes als Antrag für eine einführende Volksabstimmung einbringen.

2.

Der Antrag wird von der Präsidentin/dem Präsidenten des Landtages ohne weitere Prüfung für zulässig erklärt.

3.

Die für den zulässigen Antrag auf Abhaltung einer einführenden Volksabstimmung nötige Zahl an Unterstützungsunterschriften ge- mäß Art. 5, Abs. 1, Buchstabe a) ist um die Zahl der für gültig erklär- ten, für das betreffende Volksbegehren gesammelten Unterschriften reduziert, wird diese Unterschriftenzahl nicht innerhalb einer neu zu eröffnenden Frist von 120 Tagen nach Aushändigung der Formblätter erreicht, dann findet keine einführende Volksabstimmung statt, die Entscheidung des Landtages bzw. der Landesregierung ist endgültig.

5.

Es gelten die Bestimmungen für die einführende Volksabstimmung.

Abschnitt III Formvorschriften für die Entscheidung über die Zulässigkeit, für die Unterschriftensammlung und folgende Amtshandlungen

Art. 27 Kommission für die Abwicklung von Volksabstimmungen

1. Beim Landtag ist innerhalb von 90 Tagen nach Beginn einer neuen Legislaturperiode für die Dauer der Legislatur die Kommission für die Abwicklung von Volksabstimmungen errichtet. Diese besteht aus:

a) einem Richter des Landesgerichtes von Bozen,

b) einem Richter der Kontrollsektion des Rechnungshofes mit Sitz in Bozen,

c) einem Richter des Verwaltungsgerichtes Bozen.

2. Die Mitglieder der Kommission für die Abwicklung der Volksabstim- mungen werden durch Auslosung bestimmt, indem vom Präsidenten/ von der Präsidentin des Landtages je ein effektives Mitglied und ein Ersatzmitglied aus drei Dreiervorschlägen an Namen ausgelost wer- den, welche vom Präsidenten des Landesgerichtes Bozen, vom Prä- sidenten der Kontrollsektion des Rechnungshofes mit Sitz in Bozen

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und vom Präsidenten der Autonomen Sektion für die Provinz Bozen des Regionalen Verwaltungsgerichtes unterbreitet werden.

3. Das Amt des Sekretärs der Kommission wird vom Generalsekretär des Landtages oder von einer von ihm beauftragten Person ausgeübt.

4. Die Kommission wählt aus ihrer Mitte einen Präsidenten, der dann die Sitzungen einberuft und leitet, und einen Stellvertreter. Sie ent- scheidet bei Anwesenheit aller Mitglieder mit Stimmenmehrheit.

5. Den Mitgliedern der Kommission steht jene Vergütung zu, die im Landesgesetz vom 19. März 1991, Nr. 6, für die nicht der Landes- verwaltung angehörenden Mitglieder von Kommissionen mit nach außen hin wirksamer Tätigkeit vorgesehen ist.

Art. 28 Überprüfung der Zulässigkeit

1. Die Präsidentin/der Präsident des Landtages erklärt innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt eines der Anträge gemäß Abschnitt II, ob der An- trag zulässig ist oder nicht. Die Antragsteller werden innerhalb von 24 Stunden von der Entscheidung informiert.

2. Die Präsidentin/der Präsident des Landtages stützt sich bei ihrer/ seiner Entscheidung auf ein bindendes Gutachten der Kommission gemäß Art. 27.

Art. 29 Folgewirkungen der Entscheidung über die Zulässigkeit

1. Erklärt die Präsidentin/der Präsident des Landtages den Antrag für zulässig, ordnet sie/er die Veröffentlichung der Entscheidung und des Antrages im Amtsblatt der Region an und leitet den Antrag am Ta- ge der Erklärung über die Zulässigkeit an die Abteilung für zentrale Dienste der Landesregierung weiter, welche die weiteren Amtshand- lungen vornimmt.

2. Handelt es sich um einen Antrag für eine einführende Volksab- stimmung, kann die Präsidentin/der Präsident des Landtages nach Rücksprache mit den Fraktionsvorsitzenden des Landtages ein Ge- setzgebungsverfahren zur Behandlung des dem Antrag zugrunde lie- genden Gesetzentwurfes im Landtag oder zur Behandlung eines kon- kurrierenden Gesetzentwurfes einleiten. Die Landesregierung kann entsprechend ein Verfahren zur Behandlung des Entwurfes für eine Durchführungsverordnung zu einem Landesgesetz oder eines kon- kurrierenden Entwurfes einleiten.

3. Erklärt die Präsidentin/der Präsident des Landtages den Antrag für eine einführende, abschaffende, beratende oder bestätigende Volks- abstimmung beziehungsweise für eine Volksbegehren für unzulässig, räumt sie/er den Einbringern eine Frist von 7 Tagen ein, um behebba- re Mängel zu beheben und den Antrag neu einzubringen. Nach Ab- lauf der Frist können die Mängel nicht mehr behoben werden.

4. Innerhalb von weiteren 10 Tagen ab Erhalt des neuen Antrages ent- scheidet die Präsidentin/der Präsident des Landtages endgültig, wo- bei sie/er sich auf ein bindendes Gutachten der Kommission für die Prüfung von Volksabstimmungen und Volksbegehren stützt.

5. Gegen die Nichtzulassung eines Antrages können die Antragsteller Rekurs bei der Autonomen Sektion Bozen des Verwaltungsgerichtes Trient einreichen, welche nicht später als nach Ablauf von 30 Tagen über den Rekurs entscheidet.

6. Wird der Antrag vom Verwaltungsgericht nach endgültiger Entschei- dung für zulässig erklärt, wird nach Absatz 1 verfahren.

7. Wird der Antrag vom Verwaltungsgericht nach endgültiger Entschei- dung für nicht zulässig erklärt oder unterbleibt der Rekurs gegen die Nichtzulassung, kann derselbe Antrag nicht mehr gestellt werden.

Art. 30 Sammlung der Unterstützungsunterschriften

1. Innerhalb von 5 Tagen ab Erhalt des für zulässig erklärten Antrages händigt die Abteilung Zentrale Dienste der Landesregierung den An-

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tragstellern eine ausreichende Zahl von Formblättern für die Samm- lung der Unterstützungsunterschriften aus.

2. Für die Sammlung der Unterschriften sind fortlaufend nummerier- te Blätter zu verwenden, auf welchen die wesentlichen Angaben des Antrages auf Volksabstimmung wiedergegeben sind. Diese sind vom Direktor der Abteilung für Zentrale Dienste oder einem von ihm be- auftragten Beamten zu vidimieren.

3. Die Unterschriftensammlung hat innerhalb der von Abschnitt II vor- gesehenen Fristen zu erfolgen.

4. Der zur Unterstützung des jeweiligen Antrages berechtigte Wähler setzt seine Unterschrift unter den Antrag auf Volksabstimmung oder Volksbegehren; neben der Unterschrift wird sein Vorname, Name, Geburtsort und Geburtsdatum sowie die Gemeinde, in deren Wäh- lerlisten er eingetragen ist und die Art der Feststellung seiner Identi- tät, angegeben. Die Beglaubigung muss auch das Datum, an dem sie vorgenommen wurde, beinhalten. Sammelbeglaubigungen für alle auf dem Blatt aufscheinenden Unterschriften sind zulässig, wobei die Anzahl der auf dem Blatt gesammelten Unterschriften angeben wer- den muss.

5. Die Unterschrift muss von einer der folgenden in Artikel 14 des Gesetzes vom 21. März 1990, Nr. 53, in geltender Fassung, vorge- sehenen Personen beglaubigt werden: Notare, Friedensrichter, Lei- ter und Mitarbeiter der Kanzleien der Oberlandesgerichte und der Landesgerichte, Sekretäre der Staatsanwaltschaften, Landeshaupt- leute, Bürgermeister, Gemeindeassessoren und Landesräte, Präsi- denten der Gemeinderäte und Landtage, Präsidenten und Vizeprä- sidenten der Stadtviertelräte, Gemeindesekretäre und Sekretäre der Provinzen, vom Bürgermeister und vom Landeshauptmann beauf- tragte Beamte. Für die Beglaubigung sind weiters die Landtagsab- geordneten und Gemeinderäte zuständig, welche ihre diesbezügli- che Bereitschaft dem Landeshauptmann bzw. dem Bürgermeister kundtun.

6. Der Bürgermeister erteilt einem Bürger, der in die Wählerliste der Gemeinde eingetragen und für die Wahl des Südtiroler Landtages wahlberechtigt ist auf dessen Antrag hin für die Dauer der Unter- schriftensammlung die Berechtigung, beschränkt auf das betreffende Gemeindegebiet die Unterschriften der in die Wählerlisten der be- treffenden Gemeinde eingetragenen Bürger zu beglaubigen.

7. Der vom zuständigen Bürgermeister gemäß Abs. 6 beauftragte Bürger übt eine öffentliche Funktion aus und unterliegt allen Bestimmungen, Verpflichtungen und der rechtlichen Verantwortlichkeit, die mit der Beglaubigung der Unterschriften verbunden sind.

8. Der Bürgermeister der jeweiligen Gemeinde bestätigt innerhalb von 3 Tagen ab dem Zeitpunkt, an dem der Antrag auf Bestätigung über die Eintragung in die Wählerlisten an ihn in mündlicher oder schrift- licher Form gerichtet wurde, ob die jeweiligen Unterzeichner in die Wählerlisten der Gemeinde eingetragen und für die Wahl zum Süd- tiroler Landtag wahlberechtigt sind. Wenn die Unterzeichner eines Formblattes ausnahmslos in den Wählerlisten ein und derselben Ge- meinde eingetragen sind, kann anstelle der Einzelbescheinigung eine Sammelbestätigung auf dem Formblatt erfolgen.

9. Ist die Mindestanzahl an erforderlichen Unterschriften erreicht, hinterlegt mindestens einer der Einbringer die Formblätter bei der Abteilung für Zentrale Dienste, deren Direktor den Einbringern ei- ne Empfangsbestätigung versehen mit Datum und Uhrzeit und der Anzahl der hinterlegten Formblätter ausstellt.

10. Handelt es sich beim zulässigen Antrag für die Durchführung einer Volksabstimmung um einen Antrag, für den keine Unterschriften- sammlung nötig ist, wird unverzüglich das Verfahren für die An- beraumung der Volksabstimmung beziehungsweise für die Behand- lung des Volksbegehrens eingeleitet.

Art. 31 Überprüfung der Unterschriften - Bekanntmachung

1. Innerhalb von 15 Tagen ab dem Tag der Hinterlegung der Unter- schriftenlisten überprüft die Abteilung für Zentrale Dienste die Zahl der ordnungsgemäß hinterlegten Unterschriften. Doppelt abgege-

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bene, ungültige, nicht beglaubigte oder nicht mit dem Vermerk der Eintragung in die Wählerlisten für die Wahl des Südtiroler Landtages versehene Unterschriften werden gestrichen.

2. Die Abteilung für Zentrale Dienste fertigt eine Niederschrift über die Zahl der gemäß den Bestimmungen dieses Gesetzes zulässigen Unterschriften, der gestrichenen Unterschriften sowie über allfällige festgestellte Unregelmäßigkeiten an.

3. Die vom Direktor der Abteilung Zentrale Dienste unterzeichnete Nieder- schrift wird unverzüglich an die Präsidentin/den Präsidenten des Landta- ges, an den Landeshauptmann und an die drei Einbringer übermittelt.

4. Ist die mindestens erforderliche Zahl an zulässigen Unterschriften für eine Volksabstimmung erreicht, beraumt der Landeshauptmann nach Rücksprache mit der Präsidentin/dem Präsidenten des Landtages in- nerhalb von 30 Tagen ab Erhalt der Niederschrift laut Absatz 3. die Volksabstimmung an, wobei die Termine, Fristen und Verfahrenswei- se des Abschnittes IV dieses Gesetzes einzuhalten sind.

5. Ist die mindestens erforderliche Zahl an zulässigen Unterschriften für ein Volksbegehren erreicht, leitet die Präsidentin/der Präsident des Landtages beziehungsweise der Landeshauptmann innerhalb von 5 Tagen ab Erhalt der Niederschrift gemäß Abs. 3 das Verfahren für die Behandlung des Volksbegehrens ein.

6. Ist die mindestens erforderliche Zahl an zulässigen Unterschriften für eine Volksabstimmung oder für ein Volksbegehren nicht er- reicht worden, erklärt die Präsidentin/der Präsident des Landtages die Abweisung der Volksabstimmung oder des Volksbegehrens. Die Entscheidung wird unverzüglich den Einbringern mitgeteilt und im Amtsblatt der Region samt Niederschrift der Abteilung für Zentrale Dienste veröffentlicht.

7. Gegen diese Entscheidung können die Einbringer oder jeder andere der Unterzeichner, unabhängig davon, ob die jeweilige Unterschrift für zulässig oder unzulässig erklärt wurde, innerhalb von 30 Tagen ab dem Tag der Veröffentlichung im Amtsblatt der Region Einspruch bei der Sektion Bozen des Verwaltungsgerichtes erheben.

8. Das Verwaltungsgericht entscheidet innerhalb von 30 Tagen ab Einlan- gen des Einspruchs. Die endgültige Entscheidung des Verwaltungsge- richtes ist unverzüglich im Amtsblatt der Region zu veröffentlichen.

9. Ist aufgrund der endgültigen Entscheidung des Verwaltungsgerichtes die Zahl der erforderlichen Unterschriften erreicht, wird gemäß Abs. 5 verfahren.

10. Wird ein Antrag auf Volksabstimmung oder für ein Volksbegehren endgültig abgewiesen und nicht gemäß den Bestimmungen dieses Gesetzes in eine Volksabstimmung mit geringerer erforderlicher Un- terschriftenzahl, in ein Volksbegehren oder in eine Petition umge- wandelt oder wird gegen die Entscheidung der Präsidentin/des Präsi- denten des Landtages gemäß Abs. 6 kein Einspruch erhoben, darf der selbe Antrag vor Ablauf von 12. Monaten nach der Veröffentlichung der endgültigen Abweisung im Amtsblatt der Region nicht erneut als Volksabstimmung oder als Volksbegehren gestellt werden.

13. Wird ein gleichlautender oder großteils gleichlautender Antrag vor Ablauf der Frist laut Abs. 12 gestellt, erklärt die Präsidentin/der Prä- sident des Landtages nach Einholung des Gutachtens der Kommis- sion für die Prüfung von Volksabstimmungen und Volksbegehren den Antrag für unzulässig.

Abschnitt IV Anberaumung und Durchführung der Volksabstimmungen – Informationsrecht - Informationspflicht

Art. 32 Anberaumung der Volksabstimmung und organisatorische Abwicklung

1. Der Landeshauptmann beraumt die Volksabstimmung nach Rück- sprache mit der Präsidentin/dem Präsidenten des Landtages an ei- nem Sonntag innerhalb von 90 Tagen nach Erhalt der Niederschrift laut Art. 32, Abs. 4 an.

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2. Die Abstimmung darf nicht am selben Tag zusammen mit der Land- tagswahl oder mit den allgemeinen Gemeinderatswahlen stattfinden.

3. Es können höchstens fünf Volksabstimmungen für ein und denselben Tag anberaumt werden.

4. Der Wahl des Landtages oder den allgemeinen Gemeinderatswah- len ist der Vorzug zu geben. Kann aufgrund der Anberaumung von Landtagswahlen oder allgemeinen Gemeinderatswahlen die Frist für die Anberaumung einer Volksabstimmung laut Abs. 1 nicht eingehal- ten werden, so ist diese Frist um weitere 90 Tage verlängert.

5. Das Dekret über die Anberaumung der Volksabstimmung laut Ab- satz 1 wird im Amtsblatt der Region veröffentlicht. Die allgemeine Bekanntmachung des Dekrets erfolgt durch Plakate, die mindestens 60 Tage vor dem Wahltermin auf Veranlassung der Gemeinden an- geschlagen werden

Art. 33 Regelung des Wahlganges

1. Bei den Volksabstimmungen sind alle Bürger stimmberechtigt, die am Abstimmungstag in den Wählerverzeichnissen der Gemeinden Südtirols für die Wahlen zum Südtiroler Landtag eingetragen sind.

2. Für die Führung und die Anpassung der Wählerverzeichnisse, für die Einteilung der Gemeinden in Wahlsektionen, für die Vorbereitung der Stimmzettel zur Volksabstimmung, für die Wahlhandlungen und für die Stimmenauszählung gelten die Bestimmungen, welche für die Wahl des Südtiroler Landtages zur Anwendung kommen.

Art. 34 Information der Stimmberechtigten

1. Im Zeitraum zwischen dem 30. und dem 40. Tag vor dem Volksab- stimmungstermin erhält jede/r Stimmberechtigte zusammen mit der Abstimmungsbenachrichtigung eine Abstimmungsbroschüre. Diese Abstimmungsbroschüre enthält:

a) den Tag der Abstimmung sowie die Öffnungszeiten der Stimm- lokale

b) eine zusammenfassende, allgemeinverständliche Beschreibung des wesentlichen Inhalts aller Abstimmungsvorlagen in glei- chem Umfang

c) in je gleichem Umfang die Auffassungen der Einbringer des Vor- schlags und deren Befürworter, die Gegenpositionen sowie die Auffassungen der Mehrheit

d) des Landtages beziehungsweise der Landesregierung

e) gemäß der Transparenzregel in Art. 39, die Angabe aller physi- schen und juridischen Rechtsträger, die an der Finanzierung der Kampagnen für eine Volksbefragung, eine Volksinitiative oder ein Referendum im Ausmaß von mehr als 3.000 Euro beteiligt sind

f) gegebenenfalls das Ergebnis einer Abstimmung über die Vorlage im Landtag, angegeben in der Summe der Ja-Stimmen, Nein- Stimmen und der Enthaltungen bei der Abstimmung

g) die Abstimmungsvorlagen im Wortlaut

h) ein Muster des Stimmzettels oder der Stimmzettel eine Erläute- rung des Abstimmungs- und Auszählungsmodus

2. Die Erstellung der Informationsbroschüre obliegt dem Direktor der Abteilung für Zentrale Dienste unter Berücksichtigung der Vorschlä- ge der Präsidentin/des Präsidenten des Landtages sowie der Einbrin- ger des Antrages

3. Die Abteilung Zentrale Dienste garantiert eine objektive und ausge- wogene Darstellung der verschiedenen Positionen in gleichem Aus- maß anhand einer schriftlichen Darstellung der Position der Einbrin- ger in der vorgegebenen Länge und der Gegenposition anhand von veröffentlichten Texten, in denen diese bis zum Zeitpunkt der Verfas- sung der Broschüre für sich geworben hat.

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Art. 35 Garantie auf gleichberechtigte Berichterstattung

1. Für die öffentliche Werbung, die im Hinblick auf eine Volksabstimmung stattfindet, und für den Zugang zu den Informationsträgern werden, so- weit vereinbar die für die Landtagswahlen geltenden Regeln angewandt.

Art. 36

Chancengleichheit

1. Wenden Organe, Behörden und andere öffentliche Stellen des Landes oder der Gemeinden zusätzlich zur Information der Stimmberech- tigten nach Art. 34 finanzielle Mittel für Werbemaßnahmen zu den Inhalten der Vorlagen der Volksabstimmung oder des Referendums auf, so sind diese in derselben Höhe den Einbringern des Antrages zur Werbung für ihre Position zur Verfügung zu stellen.

Art. 37 Bekanntgabe der Ergebnisse

1. Auf der Grundlage der von allen Sektionswahlämtern des Landes übermittelten Auszählungsprotokolle stellt die Abteilung für Zentrale Dienste die Anzahl der Personen fest, die sich an der Abstimmung beteiligt haben. Sie gibt, nach Ermittlung der gültigen befürworten- den Stimmen und der gültigen ablehnenden Stimmen sowie nach Überprüfung der beanstandeten Stimmen, das Ergebnis der Volksab- stimmung bekannt, wobei sie feststellt, ob unter allen gültigen Stim- men die Antworten mit „JA“ oder jene mit „NEIN“ überwiegen.

2. Das Ergebnis wird gemäß den Bestimmungen dieses Gesetzes und soweit vereinbar gemäß der Regelung für die Landtagswahlen be- kannt gegeben.

Abschnitt V Übergangs- und Schlussbestimmungen

Art. 38 Aufschiebung der Wirkung

1. Der Landeshauptmann kann mit begründetem Dekret die Wirkung der einführenden oder abschaffenden Volksabstimmung für höchs- tens 120 Tage aufschieben, um das Entstehen von Rechtslücken zu vermeiden.

Art. 39

Transparenzregel

1. Die Einbringer eines Antrages auf Volksabstimmung oder für ein Volksbegehren sind verpflichtet, die Quellen und die Beträge der Fi- nanzierung ihrer Initiative, einschließlich aller für die Unterschriften- sammlung und die Werbung für die Volksabstimmung aufgewandten Mittel dem Amt für Wahlen und Abstimmungen bekannt zu geben, sofern von diesen Quellen Beträge von mehr als 3000 Euro stammen.

2. Die Quellen der Finanzierung sind zusammen mit den Beträgen in der Abstimmungsbroschüre bekannt zu machen. Sollten nach Druck- legung der Broschüre weitere Finanzierungen der Initiative bekannt werden, dann sind deren Quellen und Beträge mittels Aussendung des Landespresseamtes bekannt zu machen.

Art. 40 Kostenrückerstattung für die Einbringer

1. Wird eine Volksabstimmung, die vom Volk beantragt wurde, mittels Abstimmung mehrheitlich angenommen oder wird sie durch eine Entscheidung des Landtages beziehungsweise der Landesregierung angenommen, werden den Einbringern die ihnen entstanden Kosten für die Unterschriftensammlung und für die Information der Öffent- lichkeit erstattet.

2. Wird ein Volksbegehren vom Landtag beziehungsweise von der Lan- desregierung angenommen, werden den Einbringern die entstande-

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nen belegbaren Kosten für die Unterschriftensammlung und für die Information der Öffentlichkeit erstattet.

3. Die Erstattung wird mit 0,50 Euro pro erforderlicher Unterschrift für den Volksbegehrensgesetzentwurf und mit 1 Euro pro erforderlicher Unterstützungsunterschrift für eine Volksinitiative, ein Referendum oder eine Volksbefragung festgesetzt.

4. Die Festsetzung und Auszahlung des Erstattungsbetrages ist spätes- tens drei Monate nach Abschluss der Behandlung des Volksbegeh- rens oder nach dem Tag der Volksabstimmung schriftlich bei der Ab- teilung Zentrale Dienste der Landesverwaltung zu beantragen. Dieses veranlasst die Auszahlung an die Einbringer.

Art. 41 Finanzbestimmung

1. Es gehen zu Lasten des Landeshaushaltes:

die Ausgaben für die Spesenrückvergütungen gemäß Art. 40; die Ausgaben für die Vergütungen an die Mitglieder der Kommission für die Prüfung von Volksabstimmungen und Volksbegehren; die Ausgaben für die Abwicklung der Handlungen im Zusammen- hang mit der Volksabstimmung, einschließlich der Rückvergütung der von den Gemeinden getragenen Ausgaben, gemäß den von der Landesregierung festzulegenden Modalitäten.

2. Für die Feststellung und Auszahlung der Ausgaben gemäß Absatz 1 sorgt die Abteilung Zentrale Dienste

3. Die Deckung von eventuellen Ausgaben gemäß Absatz 2 erfolgt mit eigenen Bereitstellungen zu Lasten der HGE 01110 des Haushaltsvor- anschlages für das Finanzjahr 2007 und folgende, die gemäß Artikel 18 des Landesgesetzes vom 29. Jänner 2002, Nr. 1 ergänzt werden können.

Art. 42 Aufhebung von Gesetzen

1. Das Landesgesetz Nr. 11 vom 18. November 2005 ist aufgehoben.

2. Alle weiteren im Widerspruch zu diesem Landesgesetz stehenden Landesgesetze sind aufgehoben.

Art. 43

Inkrafttreten

Dieses Gesetz tritt am 120. Tage nach seiner Veröffentlichung in Kraft Dieses Gesetz wird im Amtsblatt der Region kundgemacht. Jeder, den es angeht, ist verpflichtet, es als Landesgesetz zu befolgen und dafür zu sorgen, dass es befolgt wird.

Bericht zum Landesgesetzentwurf:

„Die einführende, abschaffende, beratende oder bestätigende Volksabstimmung, das Volksbegehren“

Der vorliegende Gesetzentwurf regelt auf der Grundlage der Verfas- sung und des Autonomiestatuts die einführende, abschaffende, be- ratende oder bestätigende Volksabstimmung und das Volksbegehren und ermöglicht Volksabstimmungen über Großprojekte und Verwal- tungsakte von Landes- oder Bezirksinteresse. In einem einzigen Gesetz sollen die verschiedenen Formen der Mitbe- stimmungsmöglichkeiten der Bürger im Rahmen der direkten Demo- kratie geregelt werden. Grundsätzlich wird in diesem Gesetzentwurf unterschieden zwischen der Volksabstimmung, welche in einer Abstimmung der Wahlbevölke- rung gipfelt, dem Volksbegehren, in welchem eine bestimmte Zahl von Wahlbürgern den Landtag oder die Landesregierung verbindlich auffor- dern, sich mit der Einführung einer konkreten gesetzgeberischen Maß- nahme zu befassen Die Volksabstimmung wird ihrerseits wiederum unterteilt in die einführende Volksabstimmung, mit welcher die Wahl- bürger die Einführung von Landesgesetzen oder Durchführungsverord- nungen beschließen können abschaffende Volksabstimmung, mit wel- cher die Wahlbürger Landesgesetze, Durchführungsverordnungen oder Verwaltungsakte im Landes- oder Bezirksinteresse abschaffen können

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beratende Volksabstimmung, mit der die Bürger dem Landtag oder der Landesregierung ihre Meinung über einen Landesgesetzentwurf, über einen Entwurf zu einer Durchführungsverordnung, zu einem Verwaltungsakt von Landesinteresse oder zu einem Vorschlag oder einer Auswahl von Vorschlägen im Zuständigkeitsbereich des Landes Südtirol kundtun bestätigende Volksabstimmung, in der die Wahlbürger das vom Landtag beschlossene Landtagswahlgesetz bzw. die Gesetze über die Volksabstimmung und Volksbefragung bestätigen oder ablehnen, Wesentliche Neuerung in diesem Gesetzentwurf ist auch die Tat- sache, dass es sowohl bei der abschaffenden als auch bei der bera- tenden Volksabstimmung eine Abstimmung über Projekte bzw. Großprojekte geben kann und dass die Abstimmung auf einen oder mehrere Bezirke beschränkt werden kann. Damit soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass immer mehr Bürgerinnen und Bürger ein Mitspracherecht bei größeren Vorhaben von Landes- oder Bezirksinteresse einfordern. Im Abschnitt I des Gesetzentwurfes wird unter anderem bestimmt, dass sich an den Volksabstimmungen und Volksbegehren alle Bür-

ger Südtirols beteiligen dürfen, welche das Wahlrecht zum Südtiroler Landtag haben. Der Abschnitt II beinhaltet die Bestimmungen zu den verschiedenen Formen der Volksabstimmung und zum Volksbegehren. Das Kapitel 1 regelt die Art und die Verfahrensweise der einführen- den Volksabstimmung. Diese kann vom Volk oder von mindestens

20 Südtiroler Gemeinden, die mindestens ein Zehntel der Bevölke-

rung Südtirols vertreten, beantragt werden. Mit ihr kann ein Landes- gesetz oder eine Durchführungsverordnung zu einem Landesgesetz mittels Volksabstimmung eingeführt werden.

Mindestens drei Wahlbürger - oder die Bürgermeister der 20 Gemeinden - müssen den Antrag auf Abhaltung einer einführenden Volksabstim- mung einbringen und gleichzeitig den Text des einzuführenden Ent- wurfes samt Begründung vorlegen. Wird der Antrag vom Volk gestellt, müssen mindestens 8.000 für den Landtag wahlberechtigte Bürger innerhalb von 180 Tagen den Antrag unterzeichnen. Über die Zulässigkeit entscheidet die Präsidentin oder der Präsident des Landtages, die/der einem bindenden Gutachten eines Richter- kollegiums folgt. Der Landtag bzw. die Landesregierung haben die Möglichkeit, vor der Volksabstimmung den vorgeschlagenen Gesetzentwurf bzw. die Durchführungsverordnung zu genehmigen, womit die Volksabstim- mung hinfällig wird. Darüber hinaus können Landtag oder Landesregierung einen kon- kurrierenden Entwurf zur Volksabstimmung vorlegen. Erhält der Antrag auf Volksabstimmung nicht die erforderliche Zahl von Unterschriften, kann er gegebenenfalls in ein Volksbegehren umgewandelt werden. Die Mehrheit der Abstimmenden entscheidet über die Einführung des. vorgeschlagenen Entwurfes. Kapitel 2 sieht die abschaffende Volksabstimmung vor. Mit ihr kön- nen Landesgesetze oder Durchführungsverordnungen ganz oder teil- weise aufgehoben werden; darüber hinaus es können Verwaltungsak- te von Landesinteresse abgeschafft werden. Das Gesetz definiert den Verwaltungsakt von Landesinteresse, beispielsweise werden Projekte als Verwaltungsakte von Landesinteresse betrachtet, wenn sie Aus- gaben von über einem Tausendstel des Landeshaushaltes betreffen. Auch Projekte, für welche eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor- gesehen ist, können abgeschafft werden. Die abschaffende Volksabstimmung kann von 8.000 Bürger oder von

20 Gemeinden beantragt werden.

Auch hier haben Landtag oder Landesregierung die Möglichkeit, mit eigenen Entscheidungen die geforderte Abschaffung vorzunehmen. Im Rahmen der abschaffenden Volksabstimmung kann auch eine Abstimmung über Projekte, Vorhaben bzw. Großprojekte vorgese- hen werden und zwar auch beschränkt auf einen oder mehrere Be- zirksgemeinschaften. Die im Kapitel 3 vorgesehene beratende Volksabstimmung kann vom Landtag oder von der Landesregierung für den jeweiligen Zuständig- keitsbereich oder vom Volk beantragt werden. Das Volk kann gefragt werden, ob es einen Gesetzentwurf des Landtages oder einem Ent- wurf für eine Durchführungsverordnung der Landesregierung, einen Entwurf für einen Verwaltungsakt von Landesinteresse oder einen Vorschlag zu einem Sachbereich, d.h. einem Projekt von Landesin- teresse befürwortet oder nicht. Für Vorschläge zu Sachbereichen oder Projekte kann auch das Volk den Antrag auf Abhaltung einer beratenden Volksabstimmung stellen, mindestens 5.000 Wahlbürger müssen diesen Antrag unterschreiben.

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Im Rahmen der abschaffenden Volksabstimmung kann auch eine Abstimmung über Projekte, Vorhaben bzw. Großprojekte vorgese- hen werden und zwar auch beschränkt auf einen oder mehrere Be- zirksgemeinschaften. Das Abstimmungsergebnis ist bindend, wenn es um Verwaltungsak- te, Vorhaben und Projekte bzw. Großprojekte geht. Die im Kapitel 4 geregelte bestätigende Volksabstimmung ist vom Art. 47 des Autonomiestatuts vorgesehen und sieht die Abstim- mung über das vom Landtag beschlossene Landtagswahlgesetz bzw. die Abstimmung über die vom Landtag beschlossenen Geset- ze für die Volksabstimmung oder Volksbefragung vor. Sieben Land- tagsabgeordnete oder ein Fünfzigstel der bei den Landtagswahlen wahlberechtigten Personen können den Antrag auf Abhaltung der bestätigenden Volksabstimmung stellen, wenn das betreffende Lan- desgesetz vom Landtag mit absoluter Mehrheit seiner Mitglieder be- schlossen wurde. Wurde das Landesgesetz von der Zweidrittelmehrheit des Landtages verabschiedet, kann nur ein Fünfzehntel der bei den Landtagswah- len wahlberechtigten Personen eine Volksabstimmung beantragen. Das Landtagswahlgesetz bzw. die Gesetze für die Volksabstimmung bzw. Volksbefragung sind in diesem Falle erst dann genehmigt und kann erst dann in Kraft treten, wenn die Mehrheit der Wähler zustimmt. Das im Kapitel 5 vorgesehene Volksbegehren unterscheidet sich von den verschiedenen Arten der Volksabstimmung inso- fern, als über das Volksbegehren der Landtag bzw. die Landes- regierung abstimmen. Mittels Volksbegehren wird dem Land- tag bzw. der Landesregierung vom Volk vorgeschlagen, einen ausformulierten Gesetzentwurf zu behandeln oder zu geneh- migen bzw. einen Entwurf für eine Durchführungsverordnung oder einen Verwaltungsakt von Landesinteresse zu beschließen. Landtag oder Landesregierung sind verpflichtet, den vom Volk ein- gebrachten Entwurf gemäß den Bestimmungen der jeweiligen Ge- schäftsordnung abschließend zu behandeln. 2.500 Wahlbürger müssen den Antrag auf Volksbegehren unter- zeichnen, damit dieser Antrag auch behandelt werden muss. Die drei Ersteinbringer haben dabei die Möglichkeit, in der zuständigen Gesetzgebungskommission an den Arbeiten ohne Stimmrecht teil- zunehmen bzw. der Landesregierung ihren Vorschlag zu erläutern. Wird der Entwurf vom Landtag bzw. von der Landesregierung ohne wesentliche Änderungen genehmigt, tritt der Entwurf als Landes- gesetz oder als Durchführungsverordnung in Kraft oder wird als Verwaltungsakt umgesetzt. Wenn der Landtag bzw. die Landesregierung den jeweiligen Ent- wurf ablehnt, mit Änderungen genehmigt oder nicht innerhalb von 180 Tagen abschließend behandelt, können die Ersteinbrin- ger den Entwurf als einführende Volksabstimmung vorlegen. Sie müssen die auf eine einführende Volksabstimmung fehlende Zahl von Unterschriften innerhalb einer weiteren Frist von 180 Ta- gen sammeln, also nicht mehr 8.000 Unterschriften sondern 5.500 Unterschriften. Abschnitt III des Gesetzentwurfes beinhaltet die Formvorschriften für die Entscheidung über die Zulässigkeit, für die Unterschriften- sammlung und für die folgenden Amtshandlungen zur Anberau- mung einer Volksabstimmung oder zur Umsetzung eines Volksbe- gehrens. Unter anderem wird die Einsetzung einer Kommission für die Prü- fung von Volksabstimmungen und Volksbegehren verpflichtend vorgesehen. Die Kommission besteht aus drei Richtern, die von der Präsidentin bzw. dem Präsidenten des Landtages zu Mitgliedern der Kommission mittels Los bestimmt werden. Im Abschnitt IV des Gesetzentwurfes werden die Modalitäten für die Anberaumung und für die Durchführung der Volksabstimmung sowie das Informationsrecht geregelt. Art. 36 sieht genaue Modalitäten für die Information der Bürger über die anberaumten Volksabstimmungen vor. Art. 37 regelt den gleichberechtigten Zugang zu den Medien für Befürworter und Gegner eines Abstimmungsgegenstandes. Art. 38 regelt die Chancengleichheit bei den Werbemitteln. Art. 39 legt die Modalitäten für die Bekanntgabe des Ergebnisses fest. Im Abschnitt V sind die Übergangs- und Schlussbestimmungen des Gesetzentwurfes enthalten. Laut Art. 40 kann der Landeshauptmann die Wirkung einer Volks- abstimmung aufschieben, wenn vorher Rechtslücken „geschlossen“ werden müssen. Art. 41 schreibt die Transparenz hinsichtlich der Finanzierung der Kampagne für oder gegen eine Volksabstimmung vor. Art. 42 regelt die Kostenrückerstattung für die Einbringer einer erfolg- reichen Volksabstimmung oder eines erfolgreichen Volksbegehrens.

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Landesgesetzentwurf zur Direkten Demokratie – Anregungsrechte, Befragungsrechte, Stimmrechte

» Der zur Abstimmung vorliegende Gesetzentwurf sieht eine Neuregelung der Instrumente der Direkten Demokratie und damit die Abschaffung des derzeit in Südtirol geltenden Landesgesetzes (18.11.2005, Nr. 11) vor, in dem Volksbegehren und Volksabstimmung folgendermaßen geregelt werden:

» Durch das Volksbegehren wird den Bürgern das Recht zur Vorlage von Gesetzesinitiativen eingeräumt. Vorgelegt wird ein ausformulierter Gesetzentwurf samt Begleitbericht und Finanzierungs-regelung von mindestens drei Wahlberechtigten.

» Nach Einreichung des Entwurfs beim Landtags- präsidium haben die Promotoren vier Monate Zeit, um 8000 Unterstützer-Unterschriften für das Begehren zu sammeln.

» Gelingt dies, hat zunächst die zuständige Gesetzgebungs-kommission des Landtags sechs Monate Zeit, um den Entwurf zu behandeln. Erfolgt diese Behandlung nicht, muss das Plenum des Landtags den vorgelegten Gesetzentwurf innerhalb von weiteren sechs Monaten abschließend behandeln.

» Das geltende Landesgesetz sieht zudem die aufhebende Volksabstimmung vor. Damit kann ein Landesgesetz ganz oder teilweise aufgehoben werden. Der Antrag für eine Volksabstimmung muss von wenigstens 30 wahlberechtigten Bürgern gestellt werden. Über die Zulässigkeit des Antrags entscheidet ein dreiköpfiges Richterkollegium.

» Nach Einreichung des Antrags bei der Landesabteilung Zentrale Dienste haben die Promotoren auch hier vier Monate Zeit. Allerdings müssen sie in dieser Zeit 13.000 Unterstützerunterschriften sammeln.

» Eine aufhebende Volksabstimmung hat dann Erfolg, wenn am Wahltag mindestens 40 Prozent der Wahlberechtigten an der Volksabstimmung teilnehmen und die Mehrheit der gültigen Stimmen zu Gunsten der beantragten gänzlichen oder teilweisen Aufhebung von Landesgesetzen ausfällt.

» Dieselben Bestimmungen (Anzahl der Promotoren, der Unterstützerunterschriften, Zulässigkeit etc.) wie für die aufhebende gelten auch für die gesetzeseinführende Volksabstimmung, nur müssen die Unterschriften innerhalb von drei Monaten gesammelt werden.

» Mit der gesetzeseinführenden Volksabstimmung übernehmen die Wähler die Rolle des Gesetzgebers. Ähnlich wie beim Volksbegehren muss ein ausformulierter Gesetzentwurf samt Begleitbericht und Finanzierungsregelung vorgelegt werden. Falls mindestens 40 Prozent der Wahlberechtigten zur Abstimmung gehen und die Mehrheit der gültigen Stimmen zu Gunsten des Gesetzentwurfs ausfallen, erlangt dieser Gesetzeskraft.

» Schließlich sieht das geltende Landesgesetz eine beratende Volksabstimmung vor, wann immer die Mehrheit der Mitglieder des Landtags eine solche wünscht. Gegenstand der beratenden Abstimmung ist ein Gesetzentwurf, der vom Landtag noch nicht abschließend behandelt worden ist.

» Für die beratende Volksabstimmung gelten dieselben Regeln wie für die aufhebende.

» Falls sich die Bürger in der Abstimmung für den Entwurf aussprechen (und das Beteiligungsquorum erreicht wird) muss der Landtag diesen innerhalb von sechs Monaten behandeln. Das Abstimmungs-ergebnis ist für den Landtag aber nicht bindend.

» Alle Abstimmungen sind derzeit ausschließlich über Landesgesetze zulässig, nicht aber über andere Verwaltungsakte. Zudem erfolgen alle Abstimmungen landesweit.

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Der zur Abstimmung vorgelegte Gesetzentwurf

Landesgesetzentwurf zur Direkten Demokratie – Anregungsrechte, Befragungsrechte, Stimmrechte

ABSCHNITT I:

Gegenstand des Gesetzes und allgemeine Verfahrensbestimmungen

Art. 1 Inhalt, Ziele und Inkrafttreten des Gesetzes

1. Das vorliegende Gesetz regelt die Ausübung der Anregungsrechte, der Befragungsrechte und der Stimmrechte der in Südtirol ansässi- gen und italienischen Staatsbürger/innen, die im Sinne des Art. 25 Autonomiestatut zu den Landtagswahlen zugelassen sind, oder – im Falle der Petition – der in Südtirol ansässigen Staatsbürger/innen und der in Südtirol ansässigen Angehörigen von EU-Mitgliedsländern.

2. Das Anregungsrecht wird ausgeübt

a) mittels Petition, mit der beim Landtag beziehungsweise bei der Landesregierung entsprechend ihrer Zuständigkeiten allgemei- ne Bedürfnisse vorgebracht und die rechtliche Regelung einer Materie gefordert werden können

b) mittels Volksbegehren, mit dem dem Landtag ein Gesetzent- wurf sowie alle weiteren in seiner Kompetenz liegenden Be- schlüsse vorgeschlagen werden kann.

3. Das Befragungsrecht wird ausgeübt:

mittels beratende Volksabstimmung, mit der auf Begehren des Volkes oder auf der Grundlage von entsprechenden Beschlüssen des Landta- ges beziehungsweise der Landesregierung über Vorschläge zu:

- Landesgesetzentwürfen

- Durchführungsverordnungen von Landesgesetzen

- Beschlüssen

- Verwaltungsmaßnahmen

des Landtages, der Landesregierung oder des/der Landeshauptmannes/ Landeshauptfrau eine zustimmende oder ablehnende Haltung der Abstimmungsberechtigten ermittelt werden können.

4. Das Stimmrecht wird ausgeübt

a) mittels bestätigendem/ablehnendem Referendum, mit dem nachfolgende Beschlüsse durch Volksabstimmung von der Mehrheit der abgegebenen Stimmen beschliessend angenom- men oder verworfen werden können:

a1) die Gesetze des Landtages a2) die Vorschläge des Landtages gemäß Artikel 103 Absatz 2 des Sonderstatutes der Region Trentino-Südtirol, in geltender Fassung, an den Regionalrat zur Ergreifung von Initiativen zur Änderung des Statutes a3) die Durchführungsverordnungen zu Landesgesetzen a4) die Verwaltungsmaßnahmen des Landes

b) mittels einführender/abschaffender Volksabstimmung, mit der die Beschlussvorlagen, die gemäß Punkt a dem bestätigenden/ ablehnenden Referendum unterworfen werden können, durch Volksabstimmung beschließend von der Mehrheit der abgege- benen Stimmen angenommen oder verworfen werden können. Bezieht sich die Vorlage auf mehrere Gegenstände, dann müs- sen diese in einem hinreichenden Zusammenhang stehen.

5. Die Regelung der Anregungsrechte, Befragungsrechte und Stimm- rechte erfolgt auf der Grundlage und in Anwendung des Artikel 47 Absatz 2 des Sonderstatutes der Region Trentino-Südtirol in gel- tender Fassung und des Art. 123 der Verfassung der Italienischen Republik sowie in Übereinstimmung mit den in der Verfassung der Italienischen Republik und im Sonderstatut der Region Trentino- Südtirol festgelegten Prinzipien.

6. Um eine rationale Verwaltung der neuen Zuständigkeiten in Sachen Wahlen und Abstimmungen gemäß Artikel 47 des Sonderstatutes

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der Region Trentino-Südtirol, in geltender Fassung, gewährleisten zu können, erlässt der/die Landeshauptmann/Landeshauptfrau in- nerhalb 30 Tagen nach Inkrafttreten dieses Gesetzes ein Dekret, mit dem innerhalb der Abteilung Zentrale Dienste ein Amt für Wahlen und Abstimmungen errichtet wird.

7. Das Amt für Wahlen und Abstimmungen ist beauftragt, innerhalb von 24 Monaten nach seiner Einrichtung ein Konzept zur Neure- gelung des Verfahrens der Volksabstimmung zum Zwecke der Re- duzierung der Kosten und einer besseren Beteiligung der Bürger/ innen auszuarbeiten und dieses in diesem Sinne ständig weiterzu- entwickeln.

Art. 2 Inhaltliche Schranken bei Volksbegehren, beratender Volksabstimmung, einführender/abschaffende Volksabstimmung und bestätigendem/ ablehnendem Referendum

1. Bei der Ausarbeitung einer Vorlage für ein Volksbegehren, eine beratende Volksabstimmung oder eine einführende/abschaffende Volksabstimmung gelten die gleichen inhaltlichen Schranken wie für die Rechtssetzung durch den Landtag und die Landesregierung.

2. Volksbegehren sind unzulässig in Bezug auf die Geschäftsordnung des Landtages und zu jenen Normen, die den Schutz der Rechte der Sprachgruppen garantieren. Beratende Volksabstimmungen, ein- führende/abschaffende Volksabstimmungen und Referenden sind unzulässig, wenn sie:

a) Steuergesetze und die Jahreshaushaltspläne

b) die Geschäftsordnung des Landtages

c) Bestimmungen die Rechte und den Schutz vor Diskriminie- rung der Sprachgruppen betreffen.

3. Beratende Volksabstimmungen, einführende/abschaffende Volks- abstimmungen und bestätigende/ ablehnende Referenden können Verwaltungsmaßnahmen der Autonomen Provinz Bozen zum Ge- genstand haben. Verwaltungsmaßnahmen von lokalem oder indi- viduellem Interesse können nur dann Gegenstand von beratenden und beschließenden Volksabstimmungen werden, wenn sie sich schwerpunktmäßig auf einen Teil des Landes beziehen und auswir- ken. und eine der folgenden Bedingungen erfüllen:

a) Ausgaben über ein Tausendstel des Landeshaushaltes betreffen oder

b) wiederkehrende Ausgaben über ein Fünftausendstel des Lan- deshaushaltes betreffen oder

c) Projekte betreffen, für die es einer Umweltverträglichkeits- prüfung bedarf oder

d) einzelne Fachpläne zur Landesentwicklungsplanung betreffen oder

e) von der Landesregierung als von Landesinteresse erklärt wor- den sind.

Die Unterschriftensammlung muss in mindestens 10 Gemeinden stattfinden oder in Gemeinden, in denen, gemäß den Daten der letzten allgemeinen Volkszählung, mindestens 10% der Landesbevölkerung ansässig ist. Die Anzahl der in den betroffenen Gemeinden zur Unter- stützung nötigen Unterschriften reduziert sich in diesem Fall auf 3% der in den angegebenen Gemeinden Wahlberechtigten. Die Abstim- mungen erfolgen in diesem Fall ausschließlich in den Gemeinden, die gemäß Art. 3 Absatz 3d anzugeben sind.

Art. 3 Antrag auf Volksbegehren, beratende Volksabstimmung, einführende/abschaffende Volksabstimmung und bestätigendes/ablehnendes Referendum

1. Ein Antrag auf Volksbegehren, beratende Volksabstimmung, ein- führende/abschaffende Volksabstimmung oder bestätigendes/ab-

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lehnendes Referendum muss von wenigstens zwanzig in Südtirol ansässigen und italienischen Staatsbürgern/innen, die im Sinne des Art. 25 Autonomiestatut zu den Landtagswahlen zugelassen sind im Amt für Wahlen und Abstimmungen eingebracht werden.

2. Die ersten drei Einbringer/innen sind berechtigt, die übrigen in al- len Angelegenheiten zu vertreten. Sie sind unabhängig voneinander vertretungsberechtigt.

3. Der Antrag muss enthalten:

a) die Namen der Einbringer/innen und ihren Wohnort sowie ei- ne Kontaktadresse derselben

b) die Vorlage gemäß Art. 10, 15, 20 oder 24

c) einen Bericht zum Inhalt und zu den Zielen der Vorlage.

d) und, wenn eine Abstimmung in einzelnen Gemeinden erfol- gen soll, gemäß Art.2, Absatz 3 die Angabe der interessierten Gemeinden.

4. Das Amt für Wahlen und Abstimmungen kontrolliert binnen 24 Stunden, ob der Antrag alle im Absatz 3 aufgezählten Bestandteile aufweist. Nach erfolgter Kontrolle bestätigt das Amt mit einer Nie- derschrift den Antrag, händigt den Einbringern/innen eine Ausfer- tigung der Niederschrift aus und leitet den Antrag zur Überprüfung der Zulässigkeit an die dafür zuständige und gemäß Art. 4 im Land- tag eingerichtete Kommission weiter.

Art. 4 Einrichtung der Kommission zur Überprüfung der Zulässigkeit der Vorlage

1. Beim Landtag ist die Kommission zur Überprüfung der Zulässigkeit der Vorlage eingerichtet. Diese besteht aus:

a) dem/der Präsidenten/in des Landtags,

b) dem/der Volksanwalt/anwältin

c) einer im Einvernehmen zwischen Landtagspräsidenten/in und den Einbringern des Antrages bestellten Person.

2. Der/die Präsident/in des Landtages beruft die erste Sitzung ein.

3. Das Amt des Sekretärs der Kommission wird vom Generalsekretär des Landtages oder von einer von ihm beauftragten Person ausgeübt.

4. Die Kommission wählt aus ihrer Mitte einen Präsidenten, der dann die Sitzungen einberuft und leitet, und einen Stellvertreter. Sie ent- scheidet bei Anwesenheit aller Mitglieder mit Stimmenmehrheit.

5. Den Mitgliedern der Kommission steht jene Vergütung zu, die im Landesgesetz vom 19. März 1991, Nr. 6, für die nicht der Landes- verwaltung angehörenden Mitglieder von Kommissionen mit nach außen hin wirksamer Tätigkeit vorgesehen ist.

6. Die Kommission entscheidet innerhalb von 60 Tagen ab dem Datum der Einreichung des Antrages auf Volksbegehren oder Volksabstimmung über die Zulässigkeit der Vorlage. Die Kom- mission unterrichtet das Amt für Wahlen und Abstimmungen innerhalb der vorgegebenen Frist über das Ergebnis der Prüfung. Ist ihr Ausgang positiv, dann wird den Einbringern/innen die von ihnen verlangte Anzahl der für die Unterschriftensamm- lung vorgesehenen Formblätter ausgehändigt. Wenn im vorlie- genden Gesetz nicht anders verfügt, beginnt die Frist für die Un- terschriften-sammlung mit der Aushändigung der Formblätter. Auf Anfrage können während der Dauer der Unterschriften- sammlung beim Amt für Wahlen und Abstimmungen weite- re Unterschriftenbögen bezogen werden. Auf Veranlassung des Amtes für Wahlen und Abstimmungen werden Antragsteller und Gegenstand der Vorlage im Amtsblatt der Region bekannt gemacht.

7. Hält die Kommission die Vorlage für unzulässig, weil der Grundsatz der Einheit der Materie nicht respektiert wird, weil die Vorlage den Bestimmungen dieses Gesetzes nicht entspricht oder weil andere in

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Art. 2 angeführte Vorgaben nicht berücksichtigt worden sind, dann werden die Einbringer/innen derselben darüber benachrichtigt. Sie können der Kommission gegenüber ihre Position schriftlich und/ oder mündlich vorbringen.

8. Bezieht sich das beabsichtigte Volksbegehren, die beratende Volks- abstimmung, bzw. die einführende/ abschaffende Volksabstimmung auf mehrere Gegenstände, die in keinem hinreichenden Zusammen- hang stehen, so kommen die einzelnen Gegenstände als getrennte Vorlagen zur Abstimmung. Die Trennung der Gegenstände erfolgt im Einvernehmen zwischen den Einbringern und der Kommission.

9. Formelle Änderungen am Wortlaut der Vorlage können in Überein- kunft mit den Einbringern und Einbringerinnen von Amts wegen nachträglich vorgenommen werden. Das gleiche gilt für Abände- rungen der Frage, wenn diese irreführend ist. Eventuelle Abände- rungen der Fragen werden in Übereinkunft mit den Einbringern und Einbringerinnen und dem/der Direktor/in des Amtes für Wah- len und Abstimmungen vorgenommen. Substantielle Änderungen erfordern, dass die Vorlage erneut eingereicht wird.

10. Gegen den begründeten Beschluss der Kommission, der eine Vor- lage für unzulässig erklärt, kann beim Verwaltungsgericht der Region Trentino Südtirol-Autonome Sektion Bozen Rekurs einge- reicht werden.

Art. 5 Modalitäten der Unterstützung der Vorlage

1. Die im Antrag auf Volksbegehren, beratende Volksabstimmung,

einführende/abschaffende Volksabstimmung oder bestätigendes/ ablehnendes Referendum enthaltene Vorlage kann von jeder/jedem

in Südtirol ansässigen und italienischen Staatsbürger/in, die im Sin-

ne des Art. 25 Autonomiestatut zu den Landtagswahlen zugelassen sind, unterstützt werden.

2. Für die Sammlung der vorgesehenen Unterschriften müssen die

vom Amt für Wahlen und Abstimmungen bereitgestellten Form- blätter (A) verwendet werden. Auf diesen Formblättern müssen von den Einbringern/innen die Vorlage und der Bericht zum Inhalt und zu den Zielen der Vorlage wiedergegeben werden. Daran an- schließend werden die Namen und der Wohnort der Einbringer/ innen des Vorschlags angegeben. Wenn der Wortlaut der Vorlage und des Berichtes mehr als zwei Seiten beansprucht, dann sind diese in einen eigenen Bogen (B) geheftet einzufügen. Der Bogen

B mit der Vorlage und dem Bericht ist integrierender Bestand-

teil der Formblätter A und muss immer mit diesen zusammen

aufliegen.

3. Die Vorlage wird von der/vom unterstützenden Wählerin/Wähler durch Anbringung ihrer/seiner Unterschrift auf den eigens dafür vorgesehenen Formblättern unterstützt. Neben der Unterschrift müssen klar leserlich und vollständig Vor- und Zuname, Ort und Datum der Geburt sowie die Gemeinde, in deren Wählerliste er/sie eingetragen ist, angegeben werden. Die Richtigkeit dieser Angaben gibt die unterstützende Person mit dem Personalausweis, mit der Angabe der Nummer und der ausstellenden Gemeinde oder mit ei- nem diesem gleichwertigen Dokument zu erkennen. Nummer und Ausstellungsgemeinde des Dokumentes werden ebenfalls auf dem Formblatt festgehalten.

4. Am Fuß der auf einer Seite gesammelten Unterschriften sind in ei- nem eigenen dafür vorgesehenen Abschnitt die Unterschrift und die persönlichen Daten jener Person anzugeben, die für die Richtigkeit der auf dieser Seite abgegebenen Unterschriften verantwortlich ist und sie beglaubigt. Die Unterschriften müssen beglaubigt werden von einem/einer Notar/in, von einem/einer Gerichtskanzlisten/

in eines Gerichts, einem/er Landtagsabgeordneten oder Landes-

rat/ rätin, einem/er Gemeinderat/rätin oder Gemeindeassessor/

in, vom/von der Gemeindesekretär/in oder einem/er von ihm/ihr beauftragen Gemeindebediensteten, vom/von der Bürgermeister/

in oder einer/m in der Wählerliste der Gemeinde eingetragenen

Bürgerin oder Bürger, die/der auf ihren/seinen Antrag hin inner- halb von 3 Tagen vom/von der Bürgermeister/in dazu beauftragt worden ist.

5. Der/die vom/von der Bürgermeister/in beauftragte Bürger/in übt eine öffentliche Funktion aus und unterliegt damit den Bestimmun-

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gen, Verpflichtungen und strafrechtlichen Verantwortlichkeit, die mit der Ausübung dieser Funktion verbunden sind.

6. Den Formblättern müssen die von den Bürgermeistern der Gemein- den, denen die Unterzeichner angehören, ausgestellten Beschei- nigungen, die die Eintragung in die entsprechenden Wählerlisten attestieren und die auch Kollektivbescheinigungen sein können, beigelegt werden.

7. Die Bürgermeister müssen diese Bescheinigungen innerhalb fünf Tagen nach erfolgtem Ansuchen ausstellen. Wenn die Un- terzeichner eines Bogens ausnahmslos in den Wählerlisten derselben Gemeinde eingetragen sind, kann anstelle der Kol- lektivbescheinigungen am Ende der einzelnen Bögen mit den Unterschriften der Unterzeichner eine Sammelbestätigung abgegeben werden.

8. Die im vorherigen Absatz vorgesehene Frist kann im Zeitraum von 90 Tagen vor und 60 Tagen nach einem Wahltag verdoppelt werden. Die Frist für die Unterschriftensammlung wird dementsprechend verlängert.

Art. 6 Einreichung der Vorlage beim Amt für Wahlen und Abstimmungen

1. Die Vorlage ist ordnungsgemäß beim Amt für Wahlen und Abstim- mungen eingereicht, wenn sie innerhalb der festgelegten Frist von der vorgeschriebenen Anzahl von Wählerinnen und Wählern un- terzeichnet und von mindestens einem der Einbringer gemäß Art. 3 Absatz 1 vorgelegt worden ist.

2. Wird für eine einführende/abschaffende Volksabstimmung die da- für erforderliche Zahl an Unterschriften nicht erreicht, die für ein Volksbegehren erforderliche Zahl jedoch schon, dann kann der Antrag in einen auf Volksbegehren umgewandelt werden. Wird für ein Volksbegehren die erforderliche Zahl an Unterschriften nicht erreicht, dann kann der Antrag in eine Petition umgewandelt werden.

3. Der/die Direktor/in des Amtes für Wahlen und Abstimmungen bestätigt mittels Niederschrift die Einreichung der Vorlage, das Datum und die Hinterlegung der Unterlagen. Ist die erforderliche Unterschriftenzahl nicht erreicht worden, dann ist auf Erklärung der Einbringer/innen anzugeben, ob der Antrag abgewandelt wer- den soll in einen Antrag auf Volksbegehren oder in eine Petition. In der Niederschrift gibt er/sie weiters, gemäß der Erklärung des/ der Einbringer/s gemäß Absatz 1, die Zahl der gesammelten Unter- schriften, an.

Art. 7 Überprüfung der ordnungsgemäßen Einbringung des Volksbegehrens, der beratenden Volksabstimmung, der einführenden/abschaffenden Volksabstimmung oder des bestätigenden/ ablehnenden Referendums

1. Das Amt für Wahlen und Abstimmungen beginnt sofort nach er- folgter Einreichung einer Vorlage mit der Überprüfung des Zustan- dekommens des Volksbegehrens, der beratenden Volksabstimmung, der einführenden/ abschaffenden Volksabstimmung oder des bestä- tigenden/ ablehnenden Referendums.

2. Ein Volksbegehren, eine beratende Volksabstimmung, eine einfüh- rende/abschaffende Volksabstimmung oder ein bestätigendes/ab- lehnendes Referendum ist zustande gekommen, wenn - die Vorlage mit den Unterschriftenlisten innerhalb der vorge- schriebenen Frist vorgelegt worden ist; - die nötige Anzahl der Unterschriften erreicht worden ist, wobei doppelte oder von den Gemeindewahlämtern nicht bestätigte Unterschriften nicht berücksichtigt werden.

3. Das Amt stellt innerhalb 20 Tagen nach der Übermittlung mit Be- schluss die erfolgreiche Einbringung und etwaige Formfehler fest. Dieser wird den Einbringern und Einbringerinnen zugestellt. In- nerhalb 10 Tagen können die Einbringer/innen, soweit zulässig, die

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festgestellten Mängel beheben und Schriftsätze zum Zwecke der Widerlegung der genannten Mängel vorlegen.

4. Innerhalb drei Tagen nach Ablauf der festgesetzten Frist ent- scheidet das Amt mit endgültigem Beschluss, ob das Volks- begehren, die beratende Volksabstimmung, die einführende/ abschaffende Volksabstimmung oder das bestätigende/ ableh- nende Referendum zustande gekommen ist. Ist dem so, wird der entsprechende Beschluss zusammen mit der Vorlage inner- halb fünf Tagen dem/der Präsidenten/in des Landtages oder dem/der Landeshauptmann/Landeshauptfrau, je nachdem, ob die vorgelegte Vorlage in die Zuständigkeit des Landtages oder der Landesregierung fällt, und dem/den Einbringer/n bzw./und der/den Einbringerin/nen zugestellt. Der/die Landtagspräsident/ in beziehungsweise der/die Landeshauptmann/ Landeshaupt- frau übermittelt die Vorlage umgehend der zuständigen Ge- setzgebungskommission beziehungsweise dem/der zuständigen Landesrat/rätin.

5. Ist das Volksbegehren, die beratende Volksabstimmung, die ein- führende/abschaffende Volksabstimmung oder das bestätigende/ ablehnende Referendum nicht zustande gekommen, wird der ent- sprechende Beschluss unverzüglich den Einbringern und Einbrin- gerinnen übermittelt, die gemäß den einschlägigen Staatsgesetzen dagegen Rekurs einreichen können.

6. Volksbegehren, beratende Volksabstimmung, einführende/ab- schaffende Volksabstimmung oder bestätigendes/ablehnen- des Referendum sind endgültig nicht zustande gekommen, wenn die Rekursfrist ungenutzt verstreicht oder das zuständige Gericht den Rekurs abschlägig behandelt.

Art. 8 Veröffentlichung im Amtsblatt der Region

1. Ist ein Volksbegehren, eine beratende Volksabstimmung oder eine einführende/abschaffende Volksabstimmung zustande gekommen, sorgt der/die Landeshauptmann/ Landeshauptfrau unverzüglich für die Veröffentlichung der Vorlage und der Namen der Einbringer/ innen im Amtsblatt der Region.

2. Dasselbe gilt, wenn nach ungenutztem Verstreichen der Fristen für die Unterschriftensammlung, der Rekursfristen oder infolge abschlä- giger Gerichtsentscheide ein Volksbegehren, eine beratende Volks- abstimmung, eine einführende/abschaffende Volksabstimmung oder ein bestätigendes/ablehnendes Referendum endgültig nicht zustande gekommen ist.

ABSCHNITT II Die Anregungs- und Befragungsrechte

Kapitel 1

Die Petition

Art. 9

Das Petitionsrecht

1. Alle in der Provinz ansässigen Staatsbürger/innen und in Südtirol ansässigen Angehörigen von EU-Mitgliedsländern können Petiti- onen an den Landtag oder die Landesregierung richten, in denen sie gesetzliche Maßnahmen fordern oder einen allgemeinen Bedarf bekunden.

2. Der/die Präsident/in des Landtages beziehungsweise der Landes- regierung übermittelt die eingereichten Petitionen an die jeweils zuständige Gesetzgebungskommission beziehungsweise an den zu- ständigen Landesrat und eine Kopie davon den übrigen Mitgliedern des Landtags beziehungsweise der Landesregierung.

3. Die Behandlung der Petition wird in der Gesetzgebungskommissi- on oder durch den/die zuständigen Landesrat/rätin innerhalb 180 Tagen mit einem Bericht an den Landtag beziehungsweise an die Landesregierung abgeschlossen.

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4. Der/die Präsident/in des Landtages beziehungsweise der Landesre- gierung übermittelt den Bericht allen Landtagsabgeordneten bzw. Mitgliedern der Landesregierung und benachrichtigt die Petitions- teller über das Ergebnis der Behandlung.

Kapitel 2

Das Volksbegehren

Art. 10 Die Vorlage des Volksbegehrens

1. Die Vorlage besteht:

a) aus den genauen Daten und dem Titel des Gesetzes, dessen gänzliche oder teilweise Abschaffung dem Landtag vorgeschla- gen wird

b) oder aus einem ausformulierten Gesetzentwurf.

Art. 11 Fristen und Unterschriftenzahl beim Volksbegehren

1. Das Volksbegehren ist ordnungsgemäß im Amt für Wahlen und Ab- stimmungen eingereicht, wenn es innerhalb 180 Tagen von mindes- tens 2.500 in Südtirol ansässigen und italienischen Staatsbürgern/ innen, die im Sinne des Art. 25 Autonomiestatut zu den Landtags- wahlen zugelassen sind, unterzeichnet worden ist.

2. Für die allgemeinen Verfahrensbestimmungen gelten die Regelun- gen wie in Abschnitt I Art. 2 bis 8 des vorliegenden Gesetzes vor- gesehen.

Art. 12 Prüfung in der Gesetzgebungskommission

1. Die zuständige Gesetzgebungskommission muss innerhalb 30 Tagen nach dem Zeitpunkt der Übermittlung der Vorlage sei- tens des/der Landtagspräsidenten/in mit der Prüfung der Vor- lage beginnen. Erfolgt die abschließende Prüfung nicht in- nerhalb 180 Tagen nach dem ersten Behandlungstag, dann wird die Vorlage automatisch dem Landtag zur Behandlung unterbreitet.

2. Eine/r der in Art. 3 Absatz 2 vorgesehenen Einbringer/innen hat das Recht, in jeder Phase an der Behandlung der Vorlage in der Gesetzgebungskommission beteiligt zu sein. Der/die Einbringer/ in beteiligt sich mit dem gleichen Recht und mit den gleichen Befugnissen, die laut Geschäftsordnung des Landtages für die Vertreter der Landesregierung oder des/der vorschlagenden Ab- geordneten vorgesehen sind. Der/die Einbringer/in kann außer- dem von einem Experten oder einer Expertin begleitet werden, dessen/deren Befugnisse denen der Beamten/Beamtinnen und Experten/Expertinnen, die den Regierungsmitgliedern beistehen, gleichgestellt sind.

3. Im übrigen erfolgt die Behandlung in der Gesetzgebungskommissi- on unter Berücksichtigung der Geschäftsordnung des Landtages.

Art. 13 Behandlung im Plenum

1. Die in der Gesetzgebungskommission abschließend behandelte Vorlage oder die Vorlage, für die die Frist gemäß Art. 12 Absatz 1 verfallen ist, wird innerhalb 30 Tagen auf die Tagesordnung des Landtages gesetzt.

2. Der/die Landtagspräsident/in kann kraft Artikel 73 der Ge- schäftsordnung des Landtages eine/n Vertreter/in der ge- mäß Art. 3 Absatz 2 vorgesehenen Einbringer/innen ermäch- tigen, im Plenum des Landtages für nicht länger als dreißig Minuten den Begleitbericht vorzulesen und den Gesetzentwurf zu erläutern.

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DIREKTE DEMOKRATIE II

DIREKTE DEMOKRATIE II

3. In allen weiteren Verfahrensfragen zur Behandlung im Plenum gilt die Geschäftsordnung des Landtages.

4. Innerhalb 180 Tagen nach Eintragung des Volksbegehrens in die Tagesordnung muss der Landtag dieses betreffend einen Beschluss fassen. Dieser Beschluss kann sein:

a) die Annahme der ursprünglichen Vorlage

b) die Annahme einer abgeänderten Fassung der ursprünglichen Vorlage

c) die Ablehnung der Vorlage

d) die Annahme eines Gegenvorschlages.

5. Wird die Frist vom Ablauf der Legislatur unterbrochen, dann be- ginnt die Frist von insgesamt 390 Tagen für die Behandlung in der Gesetzgebungskommission und im Plenum des Landtages mit dem Beginn der neuen Legislaturperiode von neuem.

Art. 14 Gleichzeitigkeit von Gesetzentwürfen

1. Gesetzentwürfe zu gleichem Gegenstand, die erst nach Veröf- fentlichung des Volksbegehrens im Amtsblatt der Region beim/ bei der Präsidenten/in des Landtages eingebracht werden, können erst nach der Genehmigung oder der Ablehnung dieser Vorlage behandelt werden, es sei denn, dass die Mehrheit der Einbringer/ innen der Vorlage gemäß Art. 3 Absatz 2 mit einer Koppelung einverstanden ist.

Kapitel 3 Die beratende Volksabstimmung

Art. 15 Die Vorlage der beratenden Volksabstimmung

1. Die an der Urne ausgeübte beratende Volksabstimmung ist eine un- verbindliche Willensbekundung der wahlberechtigten Bevölkerung gegenüber dem Landtag, der Landesregierung und dem/der Lan- deshauptmann/ Landeshauptfrau zu allen Gegenständen der politi- schen Willensbildung, die von öffentlichem Interesse sind. Sie kann vom Volk und, entsprechend den jeweiligen Kompetenzen, vom Landtag oder von der Landesregierung angeregt werden.

2. Die Vorlage der beratende Volksabstimmung besteht:

a) aus einem Vorschlag oder einer Auswahl von Vorschlägen zu einer Materie, die im Zuständigkeitsbereich des Landtages liegt

b) aus einem Vorschlag oder einer Auswahl von Vorschlägen zu einer Materie, die im Zuständigkeitsbereich der Landesregie- rung liegt

c) aus einer kurzen und gut verständlichen Umschreibung des Ziels der Abstimmung in Form einer Frage, die nicht irrefüh- rend sein darf.

Art. 16 Fristen und Unterschriftenzahl bei der beratenden Volksabstimmung

1. Eine Vorlage wird der beratenden Volksabstimmung unterworfen, wenn:

a) 5.000 in Südtirol ansässige und italienische Staatsbürger/innen, die im Sinne des Art. 25 Autonomiestatut zu den Landtags- wahlen zugelassen sind, innerhalb 90 Tagen ein entsprechen- des Begehren unterstützen

b) die absolute Mehrheit des Landtages eine beratende Volksab- stimmung beschließt

VOLKSABSTIMMUNG DIREKTE DEMOKRATIE II

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DIREKTE DEMOKRATIE II

DIREKTE DEMOKRATIE II

c) zwei Drittel der Mitglieder der Landesregierung eine beraten- de Volksabstimmung beschließen

2. Für die allgemeinen Verfahrensbestimmungen gelten die Regelun- gen wie in Abschnitt I Art. 2 bis 8 des vorliegenden Gesetzes vor- gesehen.

Art. 17 Beratende Volksabstimmung in einem Teil des Landes

1. Wenn eine beratende Volksabstimmung Vorlagen zum Gegenstand hat, die sich ausschließlich auf einen Teil der Provinz beziehen, kann im Begehren des Volkes beziehungsweise im Beschluss des Landta- ges oder der Landesregierung vorgesehen werden, dass die beraten- de Volksabstimmung nur in einem Teil des Landes stattfindet. Im Antrag auf beratende Volksabstimmung sind die Gemeinden genau anzugeben, deren Bevölkerung aufgerufen ist, sich bei der beraten- de Volksabstimmung zu äußern.

2. Soll die beratende Volksabstimmung nur in einem Teil der Provinz stattfinden, dann reduziert sich die Anzahl der in den betroffenen Gemeinden zur Unterstützung nötigen Unterschriften gemäß Art. 16 Absatz 1 a) auf 2% der in den angegebenen Gemeinden wahlbe- rechtigten Bevölkerung.

3. Gemeinden, die nicht zu den gemäß Absatz 1 angegebenen Ge- meinden gehören, können sich an der beratende Volksabstim- mung beteiligen, wenn ein entsprechendes Begehren aus ersteren Gemeinden zustande kommt. Die Frist für die Einreichung der notwendigen Unterschriften gemäß Absatz 2 beginnt für diese Gemeinden mit der Veröffentlichung des Antrages auf beraten- de Volksabstimmung gemäß Art. 4 Absatz 6 beziehungsweise mit der Veröffentlichung der Beschlüsse gemäß Art. 16 Absatz 1 b, c im Amtsblatt der Region. Für alle weiteren Verfahrensregeln gelten die Regelungen wie in Abschnitt I Art. 2 bis 8 des vorliegen- den Gesetzes vorgesehen.

Art. 18 Befragung zu einer Auswahl von Vorschlägen

1. In einer beratende Volksabstimmung kann eine Vorlage bestehend aus mehreren Vorschlägen zur Abstimmung gebracht werden.

2. Stehen mehrere Vorschläge zur Auswahl, dann werden Abstim- mungsformulare verwendet, die maschinell ausgezählt werden können. In diesem Fall kann die Abstimmung entweder durch Ankreuzen eines einzigen Vorschlages erfolgen oder können mehrere Vorschläge in der Reihenfolge des gegebenen Vorzugs

mit den Zahlen 1, 2, 3,

werden, so dass sich eine Prioritätenfolge ergibt. Die höchs- te Zustimmung erhält jener Vorschlag, der am häufigsten mit der Ziffer 1 ausgezeichnet wurde. Bei der Auswertung ist auch die Reihenfolge der Bevorzugung der einzelnen Vorschläge fest- zuhalten. Über den Modus der Abstimmung entscheiden die Einbringer/innen.

in absteigender Wertung ausgewählt

3. Das Auswertungsverfahren wird mit eigener Durchführungsbestim- mung festgelegt.

Art. 19 Einleitung, Durchführung und Ausgang der beratenden Volksabstimmung

1. Ist ein Begehren gemäß Art. 16 Absatz 1 b, c zustande gekommen, kommt die Vorlage zum nächstmöglichen Termin zur Abstimmung, unter Berücksichtigung der Bestimmungen gemäß Art. 17 Absatz

3.

2. Ist ein Begehren gemäß Art. 16 Absatz 1 a zustande gekommen, werden die Bestimmungen in Art. 12 und 13 angewandt. Sind die in den beiden Artikeln vorgesehenen, aber um die Hälfte verkürz- ten Behandlungsfristen abgelaufen, kommt die Vorlage zum nächst- möglichen Termin zur Abstimmung.

24 VOLKSABSTIMMUNG DIREKTE DEMOKRATIE II

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3. Für die Abstimmung gelten die Regelungen von Abschnitt III des Gesetzes.

4. Der Zuständigkeit entsprechend nimmt der Landtag oder die Landes- regierung zum Ausgang der Befragung Stellung und fasst einen be- gründeten Beschluss, in dem er/sie sich für dessen Annahme oder des- sen Ablehnung ausspricht. Der Beschluss wird vom Landespresseamt vollinhaltlich allen lokalen Nachrichtenorganen bekannt gemacht.

ABSCHNITT III

Die Stimmrechte

Kapitel 1 Die einführende/abschaffende Volksabstimmung

Art. 20 Die Vorlage der einführenden/abschaffenden Volksabstimmung

1. Die Vorlage besteht:

a) aus den genauen Daten und dem Titel des Gesetzes oder der Durchführungsverordnung zu einem Gesetz, das/die zur Gän- ze oder teilweise abgeschafft oder geändert werden soll

b) oder aus einem ausformulierten Gesetzentwurf oder Ände- rungsvorschlag zu einem bestehenden Gesetz

c) oder aus einer ausformulierten Beschlussvorlage zu einer Durchführungsverordnung zu einem Gesetz

d) oder aus einer ausformulierten Beschlussvorlage zu einem Verwaltungsakt von Landes- oder Bezirksinteresse

e) sowie aus einer kurzen und gut verständlichen Umschreibung des Ziels der Abstimmung in Form einer Frage, die nicht irre- führend sein darf.

2. Kommt eine einführende/abschaffende Volksabstimmung zustan- de, mündet sie, vorbehaltlich einer vollinhaltlichen Annahme der Vorlage durch den Landtag beziehungsweise durch die Landesre- gierung und dem darauffolgenden Beschluss der Mehrheit der Ein- bringer/ innen gemäß Art. 3 Absatz 1, innerhalb 15 Tagen, die ein- führende/abschaffende Volksabstimmung zurückzuziehen, in einer Abstimmung an der Urne.

Art. 21 Fristen und Unterschriftenzahl bei der einführenden/abschaffenden Volksabstimmung

1. Die einführende/abschaffende Volksabstimmung ist ordnungsge- mäß im Amt für Wahlen und Abstimmungen eingereicht, wenn sie innerhalb 180 Tagen von mindestens 10.000 in Südtirol ansässigen und italienischen Staatsbürgern/innen, die im Sinne des Art. 25 Au- tonomiestatut zu den Landtagswahlen zugelassen sind, unterzeich- net worden ist.

2. Für die allgemeinen Verfahrensbestimmungen gelten die Regelun- gen wie in Abschnitt I Art. 2 bis 8 des vorliegenden Gesetzes.

3. Eine einführende/abschaffende Volksabstimmung kann auch von mindestens zehn Gemeinderatsversammlungen veranlasst werden, die nicht weniger als ein Zehntel der Bevölkerung in der Provinz, gemäß den Daten der letzten allgemeinen Volkszählung, vertreten und einen gemeinsamen Antrag jeweils mit absoluter Mehrheit be- schließen.

Art. 22 Die direkte einführende/abschaffende Volksabstimmung

1. Die direkte einführende/abschaffende Volksabstimmung besteht aus einer Vorlage, die nicht bereits als Volksbegehren im Landtag

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behandelt worden ist und die folglich nach erfolgreicher Einrei- chung und vor der Abstimmung gemäß Art. 12 und 13 im Landtag beziehungsweise von der Landesregierung zu behandeln ist.

2. Die zuständige Gesetzgebungskommission beziehungsweise der/ die zuständige Landesrat/rätin muss innerhalb 30 Tagen nach dem Zeitpunkt der Übermittlung der Vorlage der direkten ein- führende/abschaffende Volksabstimmung seitens der/des Land- tagspräsidentin/en oder des/der Landeshauptmannes/Landes- hauptfrau mit der Prüfung der Vorlage beginnen. Die Behandlung in der Gesetzgebungskommission beziehungsweise durch den/die zuständige/n Landesrat/rätin wird entweder innerhalb 180 Tagen nach ihrer Übermittlung abgeschlossen und ein entsprechender Beschluss an den Landtag beziehungsweise an die Landesregierung weitergeleitet, oder die Vorlage wird ohne einen solchen nach Ab- lauf dieser Frist zur endgültigen Stellungnahme dem Landtag bezie- hungsweise der Landesregierung übermittelt.

3. Der Landtag beziehungsweise die Landesregierung behandelt die Vorlage innerhalb einer Frist von 180 Tagen und beschließt mehr- heitlich die Annahme, Ablehnung oder Ausarbeitung eines Ge- genvorschlages, der zusammen mit der einführende/abschaffende Volksabstimmung zum nächstmöglichen Termin zur Abstimmung gebracht wird. Die Opposition kann einen Minderheitenbericht vorlegen.

4. Gemäß Art. 28 Abs. 2 können von den Stimmberechtigten in der Abstimmung eine von beiden Vorlagen oder auch beide Vorlagen angenommen oder abgelehnt werden. Die Stimmberechtigten kön- nen als Antwort auf eine Stichfrage ankreuzen, von welcher Vorlage sie wollen, das sie in Kraft tritt, wenn beide Vorlagen mehrheitlich dem status quo vorgezogen werden.

Art. 23 Die indirekte einführende/abschaffende Volksabstimmung

1. Die indirekte einführende/abschaffende Volksabstimmung be- steht aus einer Vorlage, die schon mittels Volksbegehren mit 2.500 Unterschriften eingebracht, im Landtag behandelt, aber nicht vollinhaltlich angenommen worden ist und die als Vorlage zu ei- ner einführenden/ abschaffenden Volksabstimmung mit der Un- terstützung von 10.000 Unterschriften unverändert eingebracht werden kann. In diesem Fall ist eine erneute Prüfung der Zuläs- sigkeit nicht notwendig, und es unterbleibt die Behandlung der Vorlage im Landtag.

2. Erfolgt eine substantielle Änderung an einer als Volksbegehren im Landtag behandelten Vorlage, dann muss diese abgeänderte Vorlage gemäß Art. 22 als direkte einführende/abschaffende Volksabstim- mung eingereicht werden.

DIREKTE DEMOKRATIE II

dung durch den Landtag, dem Datum und der Nummer des

Amtsblattes der Region, in dem es veröffentlicht worden ist sowie aus der Frage: „Stimmen Sie dem Vorschlag zur Abän-

derung des Autonomiestatutes betreffend

verabschiedet und im Amtsblatt der Region Nr.

Landtag am

zu, welches vom

vom

veröffentlicht worden ist?“

c) oder aus dem Wortlaut der Durchführungsverordnung, dem Datum ihrer Verabschiedung durch die Landesregierung, dem Datum und der Nummer des Amtsblattes der Region, in dem

sie veröffentlicht worden ist sowie aus der Frage: „Stimmen Sie

zu, welche von der Lan-

verabschiedet und im Amtsblatt der Region

der Durchführungsverordnung zur

desregierung am

vom

veröffentlicht worden ist?“

d) oder aus dem Wortlaut des Verwaltungsaktes von öffentlichem Interesse, dem Datum seiner Verabschiedung durch die Lan- desregierung, dem Datum und der Nummer des Amtsblattes der Region, in dem er veröffentlicht worden ist sowie aus der

zu, welcher

verabschiedet und im Amtsblatt der Regi- veröffentlicht worden ist?“.

Frage: „Stimmen Sie dem Verwaltungsakt zur

vom Landtag am on

vom

2. Das Amt für Wahlen und Abstimmungen sorgt für eine Bezeich- nung der Vorlage, die den Gegenstand der Abstimmung unmissver- ständlich benennt.

Art. 25 Fristen und Unterschriftenzahl beim bestätigenden/ablehnenden Referendum

1. Der Antrag auf ein bestätigendes/ablehnendes Referendum ge- mäß Art. 3 muss innerhalb sieben Tagen ab der Beschlussfas- sung durch den Landtag beziehungsweise durch die Landes- regierung vorgelegt werden. Wird ein entsprechender Antrag eingereicht, teilt das Amt für Wahlen und Abstimmungen dies sofort dem/der Landtagspräsident/in und dem/der Landeshaupt- mann/Landeshauptfrau mit. Letztere/r sorgt für die sofortige Veröffentlichung des Beschlusses im Amtsblatt der Region, und zwar ohne laufende Nummer und ohne Kundmachungsklausel. Wenn innerhalb von sieben Tagen kein Antrag auf bestätigendes/ ablehnendes Referendum vorgelegt worden ist oder wenn ein be- antragtes Referendum nicht zustande gekommen ist, dann tritt der Beschluss mit seiner Veröffentlichung in Kraft.

2. Dem Gesetzestext oder der Verwaltungsmaßnahme wird in der Veröffentlichung der Hinweis vorangestellt, dass er dem Referen- dum unterworfen wird, wenn dieses innerhalb der in den Absätzen 4 und 5 festgesetzten Fristen von den gemäß dieser Absätze Berech- tigten erwirkt wird.

3. Erhält

eine

indirekte

einführende/abschaffende

Volksabstim-

3. Mit Zweidrittelmehrheit kann die Landesregierung begründet beschließen, dass ein von ihr gefasster Beschluss aufgrund ei-

mung

die

nötige

Unterstützung

von

10.000

Unterschriften,

ner besonderen Dringlichkeit im Sinne der Verwirklichung des

dann

kommt

sie

alleine

oder

zusammen

mit

einem

Gegen-

allgemeinen Interesses und des Gemeinwohls oder zur Abwen-

vorschlag

des

Landtages

zum

nächstmöglichen

Termin

zur

dung von Schaden für die Allgemeinheit unverzüglich in Kraft

Abstimmung.

 

treten kann.

Kapitel 2 Das bestätigende/ablehnende Referendum

Art. 24 Die Vorlage des bestätigenden/ablehnenden Referendums

1. Die Vorlage besteht:

a) aus dem Wortlaut des Gesetzes, dem Datum seiner Verab- schiedung durch den Landtag, dem Datum und der Nummer

des Amtsblattes der Region, in dem es veröffentlicht worden

zu,

verabschiedet und im Amtsblatt

ist sowie aus der Frage: „Stimmen Sie dem Gesetz zur

welches vom Landtag am

der Region

vom

veröffentlicht worden ist?“

b) oder aus dem Wortlaut des Vorschlages gemäß Artikel 103 Ab- satz 2 des Autonomiestatutes, dem Datum seiner Verabschie-

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4. Die Vorlage zum bestätigenden/ablehnenden Referen- dum gemäß Art. 24 Absatz 1 a, b und c ist ordnungsgemäß im Amt für Wahlen und Abstimmungen eingereicht, wenn sie innerhalb 90 Tagen ab Veröffentlichungsdatum des Be- schlusses von mindestens 7.500 in Südtirol ansässigen und italienischen Staatsbürgern/innen, die im Sinne des Art. 25 Auto- nomiestatut zu den Landtagswahlen zugelassen sind unterzeichnet worden ist.

5. Die Vorlage zum bestätigenden/ablehnenden Referendum gemäß Art. 24 Absatz 1 d ist ordnungsgemäß im Amt für Wahlen und Ab- stimmungen eingereicht, wenn sie innerhalb 45 Tagen ab Veröffent- lichungsdatum des Beschlusses von mindestens 7.500 in Südtirol ansässigen und italienischen Staatsbürgern/innen, die im Sinne des Art. 25 Autonomiestatut zu den Landtagswahlen zugelassen sind unterzeichnet worden ist.

6. Für die allgemeinen Verfahrensbestimmungen gelten die Regelun- gen wie in Abschnitt I Art. 2 bis 8 des vorliegenden Gesetzes vor- gesehen.

VOLKSABSTIMMUNG DIREKTE DEMOKRATIE II

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DIREKTE DEMOKRATIE II

DIREKTE DEMOKRATIE II

7. Ist das bestätigende/ablehnende Referendum zustande gekommen, kommt die Vorlage zum nächstmöglichen Termin zur Abstim- mung.

ABSCHNITT IV Verfahrensbestimmungen zur Durchführung der Abstimmung

Art. 26 Gegenstand der Abstimmung

1. Gegenstände einer Abstimmung können sein:

a) Vorlagen zur beratenden Volksabstimmung

b) Vorlagen zur einführenden/abschaffenden Volksabstimmung

c) Gegenvorschläge, die vom Landtag beziehungsweise von der Landesregierung zu einführenden/abschaffenden Volksabstim- mung beschlossenen wurden

d) Vorlagen zum bestätigenden/ablehnenden Referendum.

Art. 27 Abstimmungsberechtigung

1. Zur Abstimmung berechtigt sind alle in Südtirol ansässigen und italienischen Staatsbürger/innen, die im Sinne des Art. 25 Autono- miestatut zu den Landtagswahlen zugelassen sind

Art. 28

Fragestellung

der Abstimmung

1. Die Stimmberechtigten nehmen eine Vorlage mit Ja an und leh- nen sie mit Nein ab. Die Fragen müssen entsprechend formuliert sein.

2. Bei zwei Vorlagen zum gleichen Gegenstand haben die Stimmbe- rechtigten zusätzlich zur Annahme oder Ablehnung der einzelnen Vorlagen die Möglichkeit, in einer Stichfrage zu entscheiden, wel- che von den Vorlagen, sollten sie beide mehrheitlich angenommen werden, in Kraft treten soll.

Art. 29

Anberaumung

der Abstimmung

1. Abstimmungen können dreimal im Jahr stattfinden. Das Amt für Wahlen und Abstimmungen gibt die Termine der Abstimmungs- sonntage innerhalb 15. Dezember für das darauffolgende Jahr be- kannt. Sie dürfen nicht auf Sonntage festgesetzt sein, die in der Schul- ferienzeit liegen oder an sogenannten verlängerten Wochenenden. Sie werden mit Dekret des Landeshauptmannes/der Landeshauptfrau beschlossen und im Amtsblatt der Region veröffentlicht. Legt es die geringe Zahl der Abstimmungen nahe, ist die Landesregierung befugt, deren Kumulierung auf einen späteren Abstimmungstag zu beschließen.

4. Die Abstimmung wird mit Dekret des/der Landeshauptmannes/ Landeshauptfrau anberaumt, das nicht weniger als fünfzig und nicht mehr als 60 Tage vor deren Durchführung zu erlassen ist.

Art. 30 Abstimmungssprengel

1. In jedem Sprengel wird in Anwendung der im Landesgesetz Nr. 4 vom 14.3.2003 und im Regionalgesetz vom 8. August 1983 Nr. 7 und in den nachfolgenden Änderungen enthaltenen Bestimmungen ein Wahlamt errichtet, das aus einem/einer Vorsitzenden und fünf Stimmzählern/innen zusammengesetzt ist.

2. Wenn mehrere Vorlagen gleichzeitig zur Abstimmung kommen, werden die den Mitgliedern der Sektionswahlämter auf Grund des im vorstehenden Absatz genannten Gesetzes zustehenden festen Bezüge um 5,16 Euro erhöht.

Art. 31 Feststellung der Zahl der Stimmen und Ausrufung des Abstimmungsergebnisses

1. Eine Ausfertigung der Niederschriften über die Amtshandlungen der Sektionswahlämter und eine Ausfertigung der Stimmenzäh- lungstabellen werden dem Amt für Wahlen und Abstimmungen übermittelt.

2. Das Amt für Wahlen und Abstimmungen stellt sofort nach Erhalt der Niederschriften sämtlicher Sektionswahlämter und jedenfalls nicht später als 15 Tage nach Durchführung der Abstimmung in öf- fentlicher Sitzung die Gesamtzahl der Stimmberechtigten fest, die sich an der Abstimmung beteiligt haben, stellt weiters die Summe der Ja-Stimmen und der Nein-Stimmen zur gestellten Frage und, wenn gestellt, das Ergebnis der Stichfrage fest und gibt dann das Ergebnis der Abstimmung bekannt. Über diese Handlungen wird eine Niederschrift in drei Ausfertigungen verfasst, wovon eine beim Amt für Wahlen und Abstimmungen hinterlegt wird und die an- deren dem/der Landeshaupmann/ Landeshauptfrau, und dem/der Präsidenten/in des Landtages übermittelt werden.

Art. 32 Beschwerden und Anfechtungen

1. Über die Beschwerden und Anfechtungen, die den Ablauf der Abstimmung betreffen, und die innerhalb dreißig Tagen nach der Abstimmung eingereicht werden müssen, entscheidet das Verwal- tungsgericht der Region Trentino Südtirol – Autonome Sektion Bozen. Das Gericht fällt seine Entscheidung, worauf das Amt für Wahlen und Abstimmungen gemäß Art. 31 die Zahl derer, die sich an der Abstimmung beteiligt haben und die Zahl der gültigen Stim- men genau festlegt.

Art. 33 Veröffentlichung der Ergebnisse

1. Sobald der/die Landeshauptmann/Landeshauptfrau im Besitze der vom Art. 31 vorgesehenen Niederschrift ist, sorgt er/sie für die Ver- öffentlichung der Ergebnisse der Abstimmung im Amtsblatt der Region.

2. Alle abstimmungsberechtigten Vorlagen werden an das Amt für Wahlen und Abstimmungen weitergeleitet und kommen zum

Art. 34

nächstmöglichen Termin zur Abstimmung.

Ausgang

3. Gesetzt den Fall, dass nach der Anberaumung der Abstimmung der Landtag aufgelöst und die entsprechende Ausschreibung der Wah- len im Amtsblatt der Region veröffentlicht wird, kann das Amt für Wahlen und Abstimmungen die Durchführung der Abstimmung unterbrechen und diese bis zum nächsten Abstimmungssonntag ge- mäß Absatz 1 verschieben. Eine Zusammenlegung einer Wahl und einer Abstimmung kann nur in begründeten Ausnahmefällen von der Landesregierung beschlossen werden. Ausgeschlossen ist eine Zusammenlegung von Wahlen und Abstimmungen, die sich auf dieselbe Verwaltungsebene beziehen.

26 VOLKSABSTIMMUNG DIREKTE DEMOKRATIE II

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1. Die Vorlage einer Abstimmung ist angenommen, wenn die Mehr- heit der abgegebenen Stimmen sich dafür ausspricht und sich min- destens 15% der Stimmberechtigten an der Abstimmung beteiligt hat.

2. Der/die Landeshauptmann/Landeshauptfrau tätigt und veranlasst alle Amtshandlungen, die nötig sind, damit die bei der Abstimmung angenommenen Vorlagen in Kraft treten können. Wird eine Vorlage mehrheitlich abgelehnt, wird dieses Abstimmungsergebnis ebenfalls im Amtsblatt der Region veröffentlicht.

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3. Der/die Landeshauptmann/Landeshauptfrau kann mit entsprechen- dem Dekret die Wirkung der Abstimmung für höchstens 120 Tage vom Datum der Veröffentlichung an aufschieben, um das Entstehen von Rechtslücken zu vermeiden.

ABSCHNITT V

Garantieklauseln

Art. 35 Recht auf Nutzung institutioneller Rechtsberatung

1. Wer eine Vorlage für ein Volksbegehren, eine beratende Volksab- stimmung oder eine einführende/ abschaffende Volksabstimmung ausarbeiten will, hat das Recht, im gleichen Maße die Beratung des Rechtsamtes des Landtages in Anspruch zu nehmen, wie die Landtagsabgeordneten und soll damit alle nötigen Vorausset- zungen haben, eine rechtlich zulässige Vorlage einzubringen. Auf Antrag führt das Rechtsamt eine Vorprüfung durch. Das Ergebnis wird den Antragstellern, dem/der Präsidenten/in des Landtages und der Landesregierung schriftlich mitgeteilt. Das Rechtsamt des Landtages wird dieser zusätzlichen Aufgabe entsprechend ausgestattet.

2. Die Einbringer/innen einer Vorlage für ein Volksbegehren, eine beratende Volksabstimmung oder eine einführende/abschaffende Volksabstimmung haben gleichermaßen das Recht, für die Überset- zung derselben den Übersetzungsdienst des Landtages in Anspruch zu nehmen.

Art. 36 Information der Stimmberechtigten

1. Bei Beginn einer Unterschriftensammlung zum Volksbegeh- ren, zur beratenden Volksabstimmung, zur einführenden/ab- schaffenden Volksabstimmung oder zum bestätigenden/ab- lehnenden Referendum machen die Gemeindeverwaltungen die Vorlage, die Frist für die Unterschriftensammlung und die Möglichkeiten der Leistung der Unterschrift innerhalb der Ge- meinde ortsüblich und für die Ortsansässigen zu wahrnehmbar bekannt.

2. Im Zeitraum zwischen dem 30. und dem 40. Tag vor dem Abstim- mungstermin erhält jede/r Stimmberechtigte zusammen mit der Abstimmungsbenachrichtigung ein Abstimmungsheft. Dieses Ab- stimmungsheft enthält:

a) den Tag der Abstimmung sowie die Öffnungszeiten der Stimm- lokale

b) eine zusammenfassende, allgemeinverständliche Beschreibung der Abstimmungsvorlagen in gleichem Umfang

c) in je gleichem Umfang die Position der Einbringer/innen des Vorschlags und deren Befürworter/innen, die Gegenpositionen sowie die Beurteilung der Mehrheit des Landtages beziehungs- weise der Landesregierung und der Minderheit, sofern diese einen eigenen Bericht verfasst hat.

d) gemäß der Transparenzregel in Art. 39, die Angabe aller phy- sischen und juridischen Rechtsträger, die an der Finanzierung der Kampagnen für eine beratende Volksabstimmung, eine einführende/abschaffende Volksabstimmung oder für ein be- stätigendes/ablehnendes Referendum im Ausmaß von mehr als 5.000 Euro beteiligt sind

e) gegebenenfalls das Ergebnis einer Abstimmung über die Vor- lage im Landtag, angegeben in der Summe der Ja-Stimmen, Nein-Stimmen und der Enthaltungen bei der Abstimmung

f ) die Abstimmungsvorlagen im Wortlaut

g) ein Muster des Stimmzettels

h) eine Erläuterung des Abstimmungs- und Auszählungsmodus, insbesondere nach Art. 18.

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DIREKTE DEMOKRATIE II

DIREKTE DEMOKRATIE II

3. Die Erstellung der Informationsbroschüre obliegt dem/der Direk- tor/in des Amts für Wahlen und Abstimmungen. Er/sie garantiert eine objektive und ausgewogene Darstellung der verschiedenen Po- sitionen in gleichem Ausmaß anhand einer schriftlichen Darstellung der Position der Einbringer/innen durch diese selbst in der vorge- gebenen Länge und der Gegenposition anhand von veröffentlichten Texten, in denen für diese bis zum Zeitpunkt der Verfassung der Broschüre geworben worden ist. Solche Schriften sollen von den Interessierten dem Amt für Wahlen und Abstimmungen zu diesem Zweck zur Kenntnis gebracht werden.

4. Volksabstimmungen sind vor dem Abstimmungstag durch den/ die Präsidenten/in des Landtages ohne eine Stellungnahme in den Amtsblättern und in den öffentlichen sowie privaten Medien be- kannt zu machen. Der/die Präsident/in des Südtiroler Landtages lädt ohne eine persönliche Stellungnahme zur Teilname an der Ab- stimmung, die zusammen mit den Abstimmungsheften gemäß Art. 36 an alle Stimm-berechtigten verschickt wird, ein.

Art. 37 Garantie auf gleichberechtigte Berichterstattung

1. Für die öffentliche Werbung, die im Hinblick auf eine Abstimmung stattfindet, und für den Zugang zu den Informationsträgern, wer- den die für die Parlamentswahlen geltenden Regeln angewandt.

Art. 38

Fairnessregel

1. Wenden Organe, Behörden und andere öffentliche Stellen des Lan- des oder der Gemeinden zusätzlich zur institutionellen Information der Stimmberechtigten nach Art. 36 finanzielle Mittel zur Bewer- bung ihrer Position betreffend die Inhalte der Vorlagen des Volks- begehrens, der beratenden Volksabstimmung, der einführenden/ abschaffenden Volksabstimmung oder des bestätigenden/ablehnen- den Referendums auf, so sind diese in derselben Höhe den Einbrin- gern zur Werbung für ihre Position zur Verfügung zu stellen.

Art. 39

Transparenzregel

1. Die Einbringer/innen einer beratenden Volksabstimmung, einer einführenden/abschaffenden Volksabstimmung oder eines bestä- tigenden/ablehnenden Referendums sind verpflichtet, die Quellen und die Beträge der Finanzierung ihrer Kampagne, einschließlich aller für die Unterschriftensammlung und die Werbung für die Ab- stimmung aufgewandten Mittel dem Amt für Wahlen und Abstim- mungen bekannt zu geben, sofern von diesen Quellen Beträge von mehr als 5.000 Euro stammen.

2. Die Quellen der Finanzierung sind zusammen mit den Beträgen in der Abstimmungsbroschüre bekannt zu machen. Sollten nach Drucklegung der Broschüre weitere Finanzierungen der Kampagne bekannt werden, dann sind deren Quellen und Beträge mittels Aus- sendung des Landespresseamtes bekannt zu machen.

3. Die Nichtbefolgung der oben angeführten Vorschriften wird mit ei- ner Verwaltungsstrafe von Euro 500 bis 5.000 geahndet.

ABSCHNITT VI Schlußbestimmungen

Art. 40 Kostenrückerstattung für die Einbringer/innen

1. Den Einbringern/innen eines Volksbegehrens, einer einführenden/ abschaffenden Volksabstimmung, einer beratenden Volksabstim- mung oder eines bestätigenden/ ablehnenden Referendums werden die Kosten zur Unterschriftensammlung, der Förderung der Dis- kussion und zur Information der Öffentlichkeit erstattet, sofern die in ihnen enthaltenen Vorlagen für zulässig erklärt worden sind und die einführende/abschaffende Volksabstimmung, das bestätigende/ ablehnende Referendum oder die beratende Volksabstimmung zur

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Abstimmung gelangen oder die Einbringer/innen die Vorlage zu- rückgezogen haben.

2. Die Erstattung wird mit 0,50 Euro pro erforderlicher Unterschrift für den Volksbegehrensgesetzentwurf und mit 1 Euro pro erforder- licher Unterstützungsunterschrift für eine einführende/abschaffen- de Volksabstimmung, ein bestätigendes/ablehnendes Referendum oder eine beratende Volksabstimmung festgesetzt.

3. Die Festsetzung und Auszahlung des Erstattungsbetrages ist spä- testens drei Monate nach Abschluss der Behandlung des Volksbe- gehrens im Landtag oder nach der Feststellung des Ergebnisses der Abstimmung schriftlich beim Amt für Wahlen und Abstimmungen zu beantragen. Dieses veranlasst unverzüglich die Auszahlung an die Einbringer/innen.

4. Den Einbringern/innen wird auf Ansuchen und nach Feststellung der Berechtigung auf Rückerstattung vor der Abstimmung eine Vo- rauszahlung der Hälfte des zustehenden Betrages gewährt.

Art. 41 Durchführungsverordnung

1. Innerhalb 60 Tagen nach Inkrafttreten dieses Gesetzes erlässt die Landesregierung eine Durchführungsverordnung, die die weite- ren Verfahrensmodalitäten für die Anwendung des Volksbegeh- rens einerseits und der beratenden Volksabstimmung, der einfüh- renden/abschaffenden Volksabstimmung und des bestätigenden/ ablehnenden Referendums mittels Abstimmung andererseits regelt.

Art. 42 Struktur zur Beratung in Fragen der finanziellen Deckung von Gesetzesentwürfen, die von Landtagsabgeordneten oder als Volksinitiative eingebracht werden

1. Beim Südtiroler Landtag ist eine ständige Struktur eingerichtet, die die Aufgabe hat Landtagsabgeordnete und Einbringer von Geset- zesvorschlägen gemäß Art. 3 bei der Festlegung der finanziellen Deckung von Gesetzentwürfen zu beraten. Diese Struktur erfüllt ihre Aufgabe in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Amt für Haushalt und Finanzen der Südtiroler Landesverwaltung. Die Or- ganisation und Gliederung der Struktur erfolgt mit Durchführungs- verordnung des Südtiroler Landtages.

Art. 43 Finanzbestimmung

1. Es gehen zu Lasten des Landeshaushaltes:

a) die Ausgaben für die Kostenrückerstattung gemäß Art. 41 an die Einbringer/innen von Volksbegehren, beratenden Volksab- stimmungen, einführenden/abschaffenden Volksabstimmun- gen und Referenden

b) Die Ausgaben für die Errichtung der Wahlämter, für die Auf- stellung der Sektionswählerlisten und für die Zahlung der Ver- gütungen an die Mitglieder des Wahlamtes werden von der Gemeinde vorgestreckt und vom Land durch die Abteilung Zentrale Dienste rückerstattet.

2. Für die Feststellung und Auszahlung der Ausgaben gemäß Absatz 1 sorgt die Abteilung Zentrale Dienste.

3. Die Deckung von Ausgaben gemäß Absatz 1 erfolgt mit eigenen Bereitstellungen zu Lasten der HGE 01110 des Haushaltsvoran- schlages für das Finanzjahr 2009 und folgende, die gemäß Artikel 18 des Landesgesetzes vom 29. Jänner 2002, Nr. 1, ergänzt werden können.

Art. 44 Aufhebung von Gesetzen

1. Das Landesgesetz Nr. 11 vom 18. November 2005 ist aufgehoben.

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2. Alle weiteren gesetzlichen Vorschriften, die im Widerspruch zu die- sem Landesgesetz stehen, sind aufgehoben.

Begleitbericht zum „Landesgesetzentwurf zur Direkten Demokratie - Anregungsrechte, Befragungsrechte, Stimmrechte“

Wir zitieren eingangs den Verfassungsrechtler, Prof. Andrea Pi- raino, mit einem Auszug aus seinen Ausführungen im Rahmen der Anhörung vom 6./7. Okt. 2004, die von der Sonderkommission des Südtiroler Landtages im Rahmen der Behandlung der Gesetzent- würfe zur Direkten Demokratie veranstaltet worden ist: „Mit der Reform der Italienischen Verfassung vom Jahr 2001 ist die direkte Demokratie und ihre Institute nicht mehr nur ein außerordentlich zur Geltung kommendes Korrektiv der repräsentativen Demokratie, sondern eine notwendige Ergänzung, mit der die Kluft zwischen den Institutionen und den Bürgerinnen und Bürgern überwunden und ein vom Art. 118 der Verfassung vorgegebene neue Beziehung zwi- schen diesen möglich wird. Absatz 4 des Artikels führt das Subsidia- ritätsprinzip ein, das die Verpflichtung der Institutionen vorgibt, die autonome Initiative der einzelnen und sich zusammenschließender Bürger zu fördern (die Reform wird in der Regionen mit Sondersta- tut auf der Grundlage des Art. 10 des Verfassungsgesetzes 3/2001 angewandt). Die Notwendigkeit, verstärkt auf die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger am lokalen politischen Leben zu setzen, wird auch auf europäi- scher Ebene empfunden. Das belegt die „Empfehlung“ des Ministerko- mitees des Europarates vom 6. Dezember 2001. Schon diese neue normative Ausrichtung für sich genommen, insbe- sondere aber die Vorgabe des Absatz 1 von Art. 123 der Italienischen Verfassung, der die Anwendung des Rechtes auf Initiative und Refe- rendum über Gesetze und Verwaltungsmaßnahmen der Regionen re- gelt, wandelt das Wesen der Institute der Direkten Demokratie von ei- ner reinen Kontrollfunktion zu regelrechten Steuerungsinstrumenten und somit zu Instrumenten einer vollwertigen direkten Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an den Aufgaben der Gesetzgebung und der Verwaltung.“ Mit der, am 21. Februar 2001 in Kraft getretenen Reform des Autonomiestatutes hat das Land Südtirol die Zuständig- keit zur Festlegung der Regierungsform erhalten. Damit ist dem Land Südtirol in Erweiterung der bestehenden Autonomie auch die Kompetenz zuerkannt worden, die Ausübung der po- litischen Macht im Rahmen seiner Kompetenzen zu regeln. Im Wesentlichen geht es dabei um die Regelung der politischen Rechte der Bürgerinnen und Bürger. Mit dieser ist zum Einen fest- zulegen, wie die Bürgerinnen und Bürger nach den Regeln der in- direkten Demokratie die ihnen in der Demokratie ursprünglich zuerkannten politischen Entscheidungsmacht einer politischen Vertretung übertragen und diese sie ausüben soll, zum Anderen, wie und in welchem Ausmaß die Bürgerinnen und Bürger nach den Regeln der direkten Demokratie die politische Entschei- dungsmacht selbst ausüben und zugleich auch eine direkte Kon- trolle über die Tätigkeit der politischen Vertretung ausüben können sollen. Vorliegender Gesetzentwurf regelt die Direkte Demokratie, je- ne Hälfte der Demokratie also, mit der den Bürgerinnen und Bürger angesichts der Delegierung ihrer Entscheidungsmacht einerseits die politische Handlungsfreiheit erhalten bleibt und an- dererseits ein Kontrollrecht gegenüber der Tätigkeit der politischen Vertretung ausüben können. Sie ist eine notwendige Ergänzung zur indirekten, repräsentativen Demokratie. Ohne sie driften die Bürgerinnen und Bürger in eine problematische Zuschauerrolle, wenn nicht gar in die politische Apathie ab. Ohne sie verselbständigt sich politische Macht und entwickelt diese immer mehr, scheinbar durch höhere Effizienz legitimiert, autoritäre Formen. Direkte Demokratie kann jetzt erstmals in Südtirol voll ausge- bildet und damit eine vollwertige Demokratie geschaffen wer- den. Entscheidend ist dabei, dass die Ausgestaltung der De- mokratie so weit als möglich von der Bevölkerung bewusst mitvollzogen werden kann. Aus diesem Grund soll der vorliegende Gesetzentwurf zur gesetzeseinführenden Volksabstimmung gebracht werden. Ein weiterer Grund dafür ist die Überzeugung von der Wich- tigkeit eines Qualitätsstandards, der die Erwartungen interessierter Bürgerinnen und Bürger hinsichtlich anwendungsfreundlicher Regeln festhält. Angestrebt ist eine umfassende Regelung, die dem Stand der

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Diskussion und den Erfahrungen mit Direkter Demokratie in Europa gerecht wird. Seit 15. Dezember 2005 ist dazu ein Landesgesetz in Kraft, das zwar auf Anstoß und Anregung eines Volksbegehrens zur Regelung der Direkten Demokratie zustande gekommen ist, dessen Regelung aber in keiner Weise diesem Vorschlag entspricht. Aus diesem Grund soll jetzt mit vorliegendem Gesetzentwurf, der zur gesetzeseinführenden Volksabstimmung gebracht werden soll, den stimmberechtigten Bür- gerinnen und Bürgern die Möglichkeit gegeben werden in Anwen- dung des geltenden Gesetzes selbst zu entscheiden, welche Regelung der Direkten Demokratie in Zukunft gelten soll. Das in Kraft befindli- che Gesetz, das Volksabstimmungen und Volksbegehren regelt, sieht sehr starke Einschränkungen vor, zeichnet sich durch eine erschwerte Anwendbarkeit aus und kennt so gut wie keine Garantieklauseln, die gegen den Missbrauch dieser Mitbestimmungsrechte schützen sollen. Die hier vorgesehene Regelung erweitert demgegenüber stark die Zu- griffsmöglichkeit der Bürgerinnen und Bürger auf bislang ausschließ- lich der politischen Vertretung vorbehaltene Entscheidungsbefugnis, garantiert aber zugleich mit einer ganzen Reihe von Regeln eine ver- nünftige, sinnvolle, vor allem gleichberechtigte und transparente, faire Nutzung der direktdemokratischen Instrumente der politischen Mit- bestimmung.

Die Instrumente der Direkten Demokratie

Allseits anerkannt ist als Grundmuster für die Ausbildung der Di- rekten Demokratie die Formel „Initiative und Referendum“. Sie garantiert die einfache und effiziente Ausübung der direktdemo- kratischen Grundrechte: der direkten Kontrolle durch die Bür- gerinnen und Bürger und der politischen Handlungsfreiheit. Die bisher auf gesamtstaatlicher Ebene bekannten Instrumente Direk- ter Demokratie fließen in diese beiden Grundformen ein: das so- genannte abrogative (gesetzabschaffende), nunmehr mit Art 47 des reformierten Autonomiestatutes ergänzt mit dem sogenannten propositiven (gesetzeinführenden) Referendum geht in die ein- führende/abschaffende Volksabstimmung (hier im weiteren auch als Initiative oder Volksinitiative bezeichnet) ein. Sie bietet in ei- nem die Möglichkeit mittels Volksabstimmung geltende Gesetze abzuschaffen, abzuändern, durch neue zu ersetzen oder neue Gesetze einzuführen. Das sogenannte bestätigende Referendum (referendum conferma- tivo), wie es sowohl auf Staatsebene zur Kontrolle über Verfassungs- änderungen vorgesehen ist, wie auch nunmehr auf Landesebene zur Kontrolle über die Regierungsformgesetze, wird hingegen als weitaus effizienteres und viel mehr den demokratischen Grundgedanken re- alisierendes Instrument (dass Beschlüsse der politischen Vertretung dem mehrheitlichen Willen der Bevölkerung entsprechen sollen) für die Kontrollfunktion übernommen, die bisher auf beschränk- te Weise das abrogative Referendum erfüllt hat. Das Referendum (von referieren = berichten, und von den Entscheidungsbefugten begutachten lassen) entspricht damit wieder seiner ursprünglichen Bedeutung. Das Grundmuster „Initiative (einführende/abschaffende Volks- abstimmung) und Referendum (bestätigende/ablehnende Volksabstimmung)“ wird auf den verschiedenen Entscheidungs- ebenen ausgebildet: als Gesetzesinitiative und Gesetzesreferen- dum in Bezug auf die einfache Gesetzgebung, als Satzungsinitiative und Satzungsreferendum in Bezug auf die Regierungsformgesetze, als Verwaltungsinitiative und Verwaltungsreferendum in Bezug auf Verwaltungsmaßnahmen und Durchführungsverordnungen, als Sta- tutsinitiative und Statutsreferendum in Bezug auf die Möglichkeit des Landtages, über den Regionalrat Vorschläge zur Abänderung des Autonomiestatutes an das römische Parlament zu richten. Mit diesen Instrumenten soll das Volk sein Stimmrecht ausüben können. Er- gänzt wird dieses Grundmuster mit dem Instrument des Volksbegeh- rens, das als Anregungs- oder Vorschlagsrecht, wie derzeit schon möglich, die Möglichkeit bietet, den Landtag unverbindlich mit Ge- setzesvorschlägen zu befassen. Es kann aber auch als Vorstufe zur Gesetzesinitiative genutzt werden und zwar immer dann, wenn der Vorschlag nicht unbedingt zur Volksabstimmung kommen soll. Die Volksbefragung (befragende Volksabstimmung) hingegen bietet den Bürgerinnen und Bürgern ebenso wie ihrer politischen Vertretung noch vor einer Beschlussfassung die Möglichkeit einer Willenssondie- rung zu einem wichtigen Gegenstand. Sie ist ein weniger aufwendig anwendbares Instrument, das Orientierung möglich machen soll und nicht abschließende Urteile, weshalb diese Abstimmung unver- bindlichen Charakter hat. Das einfachste der im Gesetzentwurf vorge-

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sehenen direktdemokratischen Instrumente ist die Petition, die es der einzelnen Bürgerin und dem einzelnen Bürger gleichsam im Allein- gang erlaubt, ein Anliegen von allgemeinem Interesse mit Anrecht auf eine Stellungnahme der politischen Vertretung zur Behandlung vor- zulegen.

Teil 1 des Gesetzentwurfes:

Die allgemeinen Verfahrensbestimmungen bei der Ausübung der Anregungsrechte, des Befragungsrechtes und der Stimmrechte durch die BürgerInnen.

Die Zulässigkeit einer Vorlage

Bei der Regelung der Direkten Demokratie ist grundsätzlich von einer Gleichberechtigung der Bürgerinnen und Bürger mit den politischen Vertretern auszugehen. Das muss sich auch in den Bedingungen für die Zulässigkeit einer Vorlage widerspiegeln. Der Entscheidungsbe- reich des Landtages und jener der Bürgerinnen und Bürger soll sich al- so im Wesentlichen decken. Von diesem Grundsatz sind mit Rücksicht auf die entsprechende geltende italienische Rechtslage ausgenommen die Steuergesetze, die Jahreshaushaltspläne und die Geschäftsordnung des Landtages. Bedingung für die Zulässigkeit ist auch die Einheit der Materie einer Vorlage. Sie soll im Sinne einer klaren Entscheidungsmöglichkeit im Unterschied zur bisher geltenden Praxis nicht gewährleistet werden durch den Ausschluss von nicht entsprechenden Vorlagen, sondern, wenn nötig, und wenn die Komplementarität der nicht einheitlichen Elemente der Vorlage gegeben ist, durch die Aufsplittung der Frage in mehrere Fragen, die sich auf die nicht einheitlichen Elemente be- ziehen. Die Überprüfung der Zulässigkeit der Vorlage und die verbindliche Entscheidung darüber ist einer dreiköpfigen Kommission zugespro- chen. Sie setzt sich zusammen aus dem/der Landtagspräsidenten, dem/der Volksanwalt/anwältin und einer weiteren, im Einvernehmen zwischen LandtagspräsidentIn und den Einbringern namhaft gemach- ten Person. Mit dieser Besetzung der Kommission sollte eine objek- tive und sachliche Überprüfung gewährleistet sein. Mit dem nötigen Einvernehmen zwischen LandtagspräsidentIn und Einbringern be- treffend eines der drei Mitglieder der Kommission ist vor allem auch bezweckt, dass sich von Anfang an ein auf Konsens verpflichteter Dialog zwischen den Institutionen und den Einbringern einrichtet. Um einer Unzulässigkeitserklärung vorzubeugen, haben die Bürgerin- nen und Bürger in der Phase der Ausarbeitung der Vorlage, so wie die Landtagsabgeordneten, das Recht auf eine Beratung durch das Recht- samt des Landtages. Überdies sieht der Gesetzentwurf die Einrichtung einer eige- nen Struktur im Südtiroler Landtag vor, die sowohl Landtags- abgeordnete als auch die Einbringer von Anträgen auf Volksab- stimmung und Volksbegehren bei der für Gesetze vorgesehenen Festlegung der finanziellen Deckung durch den Landeshaushalt beraten soll.

Die Unterschriftensammlung

Jede/r Bürger/in der/die zur Wahl des Südtiroler Landtages be- rechtigt ist, kann die Beschlussvorlage mit ihrer/seiner Unterschrift unterstützen. Bislang muss die Unterschrift in Anwesenheit eines Notars, Gerichtskanzlisten, Friedensrichters, des Gemeindesekre- tärs oder eines vom Bürgermeister beauftragten Beamten abgege- ben und von diesem beglaubigt werden. In der Regel bedeutet das den Gang ins Rathaus. Wenn das Gespräch, die Verständigung der Menschen, etwas vom Wichtigsten bei Initiativen aus dem Volk ist, dann wird diese durch eine solche Regelung erschwert (ab- gesehen von den objektiven Schwierigkeiten, eine Unterschrift im Einklang von Öffnungszeiten des Amtes und den Arbeitszei- ten der Menschen z. B. auch außerhalb der Wohnsitz-gemeinde, abzugeben). Wie bisher üblich, sieht der Gesetzentwurf die Beglaubigung der Un- terschriften vor. Es ist aber nicht entscheidend, wer für die Richtig- keit der Unterschriften, sondern dass jemand für deren Gültigkeit garantiert und strafrechtlich dafür verantwortlich ist. Deshalb soll auf Anfrage und ohne Unterschied jede/r wahlberechtigte BürgerIn vom Bürgermeister mit der Beglaubigung für die Unterschriftensammlung in der eigenen Gemeinde beauftragen werden können. Damit ist ge- sichert, dass dort gesammelt werden kann, wo sich die Menschen

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aufhalten und auch Zeit haben, sich zu informieren und miteinander zu reden. Diese Regelung entspricht dem sich immer mehr durchsetzenden Bild vom selbstverantwortlichen Bürger, der mit dem, seit 7. Oktober 2001 in Kraft befindlichen neuen Verfassungsartikel 118 auch direkt insti- tutionelle Aufgaben und Verantwortung wahrnehmen kann. Auf alle Fälle unterliegt derjenige oder diejenige, der/die die Unterschriften beglaubigt, in dieser Funktion allen Bestimmungen, die für Beamte, die sie ausüben gelten. Wird eine Unterschrift fälschlich beglaubigt, dann kann er/sie dafür strafrechtlich belangt werden.

Die Unterschriftenzahl – Zugang nicht nur für jene, die es ohnehin schon leicht haben, politischen Einfluss auszuüben

Dass heute der Landtag oder die Bürgerinnen und Bürger, vor lauter Beteiligung derselben am öffentlichen Leben, nicht mehr zum Arbei- ten kommen könnten, wird wohl niemand ernsthaft meinen. Wir dür- fen froh sein, wenn sich Menschen öffentlich engagieren! Die Frage, wie viel Zustimmung in der Bevölkerung Bürgerinnen und Bürger da- zu berechtigt die gesamte Bevölkerung mit einem bestimmten Thema / einer Frage zu befassen, darf jedenfalls nicht willkürlich beantwortet werden, sondern muss

a) anhand von bewährten Erfahrungswerten und

b) aufgrund einer bestimmten Rechtslogik beantwortet werden.

Kommt man über beide Wege ungefähr zum gleichen Ergebnis, dann besteht guter Grund anzunehmen, eine hinreichende gut begründbare Einstiegshürde gefunden zu haben.

a) Ein Anhaltspunkt sind die geltenden Prozentsätze für eine nötige Zustimmung in der Bevölkerung zur Durchführung von Volksabstimmungen: sie liegen in der Schweiz mit den ältesten und bewährtesten Erfahrungswerten und in Italien zwischen 1,5 und 3 %. Dem entspricht der Wert von ca. 7.500 Unterschriften (= 2 %), die im reformierten Autonomiestatut für das Referendum vorgeschrieben sind, das in Bezug auf die Grundgesetzgebung in Südtirol angewandt werden kann und die Unterschriftenzahl, die für das geltende Referendum zur vollständigen oder teilweisen Abschaffung von Gesetzen (8.000) vorgesehen ist. Da dieses direktdemokratische Instru- ment mit den niederen Unterschriftenzahlen bisher so gut wie gar nicht angewandt worden ist (4 Anträge auf ein abschaffen- des Referendum seit 1957, von denen keines zur Abstimmung gekommen ist) hat das Argument, es müssten höhere Unter- schriftenzahlen angesetzt werden um Missbrauch zu verhin- dern, keine Berechtigung.

b) Es folgt hingegen einer überzeugenden Rechtslogik, von ei- ner Übereinstimmung auszugehen zwischen der Berechti- gung einer Bürgerin / eines Bürgers als Mandatar Gesetz- entwürfe zur Behandlung und Beschlussfassung vorzulegen und der Berechtigung als Bürgerinnen und Bürger in Volks- abstimmungen entscheiden zu können. Wenn also für ein volles Landtagsmandat ungefähr 7.000 Stimmen nötig sind, dann muss die Berechtigung für Bürgerinnen und Bürger, den Mandataren gleichberechtigt gesetzgeberisch tätig zu werden, bei einer Zustimmung in ähnlichem Ausmaß liegen. Zu berücksichtigen ist dabei, dass eine in der Wahlkabine geheim abgegebene Stimme einfacher und unverbindlicher zu bekommen ist, als eine öffentliche Unterschrift für ein Volksbegehren.

Die Übereinstimmung der Zahlen deutet daraufhin, dass die festzule- gende gültige Berechtigung bei etwa 2 % der wahlberechtigten Bevöl- kerung liegt. Im Gesetzentwurf werden dementsprechend für das Re- ferendum 7.500 Unterschriften vorgesehen (und wird damit die vom reformierten Autonomiestatut vorgegebene Zahl übernommen) und für die Gesetzesinitiative 10.000 Unterschriften. Damit ist gewährleistet, dass nicht nur jene die Instrumente nutzen können, die starke Organisationen hinter sich haben, sondern gera- de auch Minderheiten, die sich schwer tun, mit ihren Anliegen in die Öffentlichkeit zu dringen. Die Geschichte lehrt uns, dass es immer wieder kleine Minderheiten sind, von denen wichtige Entwicklungs- schritte ausgehen.

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Es wird bei der Höhe dieser Einstiegshürden immer wieder vorkom- men, dass die erforderliche Unterschriftenzahl nicht zustande kommt. Dennoch kann es sich dabei um Vorschläge handeln, die es wert sind von der politischen Vertretung behandelt zu werden. Aus diesem Grund sieht der Gesetzentwurf vor, dass dann, wenn für eine Volksin- itiative zu wenig Unterschriften für ihr Zustandekommen gesammelt werden konnten, diese als Volksbegehren zu behandeln ist oder ein nicht ausreichend unterstütztes Volksbegehren als Petition behandelt werden muss. Im ersten Fall natürlich vorausgesetzt dass die für ein Volksbegehren erforderliche Unterschriftenzahl gesammelt werden konnte.

Ein Amt für Wahlen und Abstimmungen

Die verwaltungsmäßige Anwendung der Instrumente besorgt ein zur Bewältigung der neuen Zuständigkeiten des Landes in Sachen Wahlen und Abstimmungen eingerichtetes Amt. Dieses wird mit dem vorlie- genden Gesetz damit beauftragt, innerhalb von zwei Jahren eine Re- form der Verfahrensbestimmungen zur Durchführung von Volksab- stimmungen zum Zweck der Kostenminimierung und einer größeren Beteiligungsmöglichkeit auszuarbeiten. Im einzelnen erfüllt das Amt für Wahlen und Abstimmungen folgende Aufgaben:

Damit für eine Beschlussvorlage Unterschriften gesammelt wer- den können, muss an das Amt für Wahlen und Abstimmungen ein entsprechender Antrag gestellt werden. Ist der Antrag zur Unter- schriftensammlung vollständig, dann wird die Vorlage an die Kom- mission zur Überprüfung der Zulässigkeit weitergeleitet, die inner- halb von zwei Monaten über diese beschließt. Ist das Ergebnis der Überprüfung positiv, dann werden den Antragstellern vom Amt die für die Unterschriftensammlung notwendigen Unterschriftenbö- gen ausgehändigt. Unterschriften können nur auf den vom Amt für Wahlen und Abstimmungen ausgehändigten Unterschriftenbögen gesammelt werden. Bevor die Frist für die Unterschriftensammlung abgelaufen ist, muss die Beschlussvorlage zusammen mit den notwendigen Unterschriften beim Amt für Wahlen und Abstimmungen eingebracht werden. Das Amt für Wahlen und Abstimmungen kontrolliert, ob die Sammelfrist eingehalten worden ist und ob die notwendigen Unterschriften einge- sammelt werden konnten.

Teil 2:

Die Anregungsrechte und das Befragungsrecht

Der Gesetzentwurf sieht zwei Anregungsrechte vor: die Petition und das Volksbegehren.

Das Petitionsrecht

ist das Recht eines/r jeden in der Provinz ansässigen Staatsbürgers/ in und in Südtirol ansässigen Angehörigen von EU-Mitgliedsländern, beim Landtag oder bei der Landesregierung, je nach Kompetenz, Eingaben zu machen. In einem einfachen und kurzen Text kann er/ sie sein/ihr Anliegen zur Behandlung vorbringen, wenn dieses von allgemeinem Interesse ist. Die Petition wird innerhalb von sechs Monaten von der zuständigen Gesetzgebungskommission bzw. vom zuständigen Landesrat begutachtet, und ein entsprechender Bericht muss dem Einbringer sowie den Landtagsabgeordneten bzw. der Landesregierung vorgelegt werden. Dank dem Petitionsrecht kann jede Bürgerin und jeder Bürger die Landtagsabgeordneten bzw. die Landesregierung anregen, Normen setzend (oder auch abschaffend) tätig zu werden.

Das Volksbegehren

Mit einem Volksbegehren kann der Landtag angeregt werden, Nor- men setzend (oder auch abschaffend) tätig zu werden. Mit dem Un- terschied, dass in diesem Fall die Anregung von vielen ausgeht und nicht von einem/r Einzelnen. Die Beschlussvorlage, die als Anregung im Landtag eingebracht wer- den soll, muss einen ausformulierten Gesetzentwurf zum Gegenstand haben. Im Unterschied zu der Volksinitiative und dem Referendum kann ein Volksbegehren auch zu Steuergesetzen und zum Landes- haushalt eingebracht werden.

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Ein Volksbegehren ist zustande gekommen, wenn innerhalb von sechs Monaten 2.500 Unterschriften gesammelt werden konnten. Die zu- ständige Gesetzgebungskommission hat dann sechs Monate Zeit, über den Gesetzentwurf zu befinden. Anschließend muss der Landtag in- nerhalb von 6 Monaten, endgültig zum Gesetzentwurf eine Entschei- dung treffen. Diese kann sein:

a) den Gesetzentwurf zu verabschieden;

b) den Gesetzentwurf mit Abänderungen zu verabschieden;

c) einen eigenen Gesetzentwurf in der Materie zu verabschieden;

d) den Gesetzentwurf abzulehnen.

Die befragende Volksabstimmung (Volksbefragung)

Das Befragungsrecht ist in Form der Volksbefragung anwendbar. Es gibt immer wieder Fälle, in denen es sinnvoll ist, dass die Bürgerin- nen und Bürger, bevor Gesetze, Durchführungsverordnungen oder Verwaltungsakte erlassen werden, die eine große Tragweite haben, klarstellen können, was sie sich diesbezüglich von den politischen Vertretern erwarten. Und manchmal werden die politischen Ver- treter dies selber gerne wissen wollen. Für diese Fälle ist die Volks- befragung ein geeignetes Instrument. Damit können die stimm- berechtigten Bürgerinnen und Bürger in einer Volksabstimmung, die auch vom Landtag oder von der Landesregierung veranlasst werden kann, zu einer Beschlussvorlage zwar um ihre Meinung ge- fragt werden, sie können damit aber nicht selbst eine Entscheidung treffen. Ein Begehren auf Volksbefragung ist zustande gekommen, wenn in- nerhalb von 3 Monaten 5.000 Unterschriften dafür gesammelt wer- den konnten. Damit haben die Einbringer des Begehrens das Recht erworben, die stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger zu der von ihnen eingereichten Beschlussvorlage zu befragen, ob und wie ein Problem, eine Materie von allgemeinem Interesse gehandhabt werden soll. Das Volk kann damit eine politische Orientierung vor- geben. Damit diese möglichst klar ausfällt, kann eine Beschluss- vorlage auch mehrere verschiedene Vorschläge zur Lösung eines Problems anbieten. Die Volksbefragung kann, wenn es sich um eine Beschlussvorlage han- delt, die die Bevölkerung nur in einem Landesteil betrifft, auf diesen Landesteil beschränkt werden. Die zuständige Institution (Landesregierung oder zuständige Gesetz- gebungskommission) muss eine begründete Stellungnahme zum Aus- gang der Befragung abgeben und dazu, wie sie gedenkt, das Ergebnis zu berücksichtigen.

Teil 3:

Die Stimmrechte

Das Stimmrecht kann mit den Instrumenten des Referendums (bestä- tigende/ablehnende Volksabstimmung) und der Volksinitiative (ein- führende/abschaffende Volks-abstimmung) ausgeübt werden.

Das Referendumsrecht

Gemäß Artikel 47 Absatz 5 kann jedes vom Landtag verabschiede- te Gesetz, das dazu beiträgt, die Regierungsform unseres Landes zu definieren (z.B. das Gesetz zur Wahl des Landtages), dem Referen- dum unterworfen werden. Gemäß diesem Absatz 5 ist das Referen- dum zustande gekommen, wenn innerhalb von 3 Monaten ca. 7.500 Unterschriften (im Absatz 5 ist von 1/50 der Stimmberechtigten die Rede) gesammelt werden konnten. Bei der Abstimmung entscheidet die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Es macht Sinn, von den Gesetzen, die die Regierungsform des Lan- des Südtirol definieren, von Landessatzungsgesetzen zu sprechen. Das heißt, die Gesetze zur Regierungsform des Landes bilden in ihrer Ge- samtheit die Landessatzung, in der die Regeln für die Demokratie in unserem Lande stehen. Dementsprechend kann das Referendum, wie es von Artikel 47 Absatz 5 des Autonomiestatutes vorgesehen ist, als “Satzungsreferendum“ bezeichnet. Diese statutarisch vorgesehene Form des bestätigenden/ablehnenden Referendums ist im Gesetzentwurf als Grundmuster für vier weitere Formen des Referendums übernommen worden.

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DIREKTE DEMOKRATIE II

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Gemäß Artikel 47 des Autonomiestatutes, der im Rahmen der Be- stimmungen zur Regierungsform weitere Stimmrechte vorsieht, führt der Gesetzentwurf das Gesetzesreferendum ein. Mit die- sem kann jedes Landesgesetz und eine jede Durchführungsver- ordnung zu einem Landesgesetz dem Referendum unterworfen ' werden. Ein Gesetzesreferendum kommt zustande, wenn innerhalb von 3 Mo- naten 7.500 Unterschriften gesammelt werden. Die Beschlussvorlage kommt zum nächstmöglichen Termin zur Abstimmung, in der die Mehrheit der abgegebenen Stimmen über Ablehnung oder Annahme entscheidet. Das Gesetzesreferendum ist eine Garantie für die Bürgerinnen und Bürger, dass die politische Vertretung keine Entscheidung fällt, für die es unter den Wahlberechtigten keine Mehrheiten gibt. Regierung und Landtag müssen auf dieser Grundlage ler- nen, die Stimmberechtigten zu überzeugen anstatt diesen nur zu verordnen. Bei der Ausarbeitung von Gesetzen und Durchführungsverordnungen werden damit Beteiligungsverfahren für die Zivilgesellschaft wichtig. Sie garantieren eine rasche Umsetzung der neuen Bestimmungen, wenn erst einmal ein Konsens gefunden worden ist.

Das Verwaltungsreferendum

Die Möglichkeit Verwaltungsbeschlüsse der Volksabstimmung zu unterwerfen ist im Gesetzentwurf auf jene Fälle begrenzt, in denen ein Landesinteresse oder, wenn ein lokales oder individuelles Inter- esse vorliegt, auf jene Beschlüsse, mit denen hohe Ausgaben verbun- den sind, die stark umweltrelevante sind oder die die Landesregierung selbst als von Landesinteresse erklärt. Das heißt, es kommen nur Verwaltungsbeschlüsse zur Abstimmung, an denen aufgrund der ho- hen Kosten oder der Umweltrelevanz die gesamte Bevölkerung Süd- tirols interessiert ist und nicht beispielsweise nur eine einzelne kleine Gemeinde. Verwaltungsmaßnahmen lokalen oder individuellen Interesses kön- nen dann der Abstimmung unterworfen werden, wenn es sich dabei handelt um:

a) Beschlüsse, die Ausgaben über ein Tausendstel des Landes- haushaltes zum Inhalt haben;

b) Beschlüsse, die wiederkehrende Ausgabe über ein Fünftau- sendstel des Landeshaushaltes zum Inhalt haben;

c) die Projekte betreffen, für die es einer Umweltverträglichkeits- prüfung bedarf;

d) einzelne Fachpläne zur Landesentwicklungsplanung betreffen

e) wenn die Landesverwaltung erklärt, dass ein Verwaltungsakt von Landes-interesse ist.

Sie können aber jedenfalls nur dann einer Volksabstimmung unter- worfen werden, wenn sie sich schwerpunktmäßig auf einen Teil des Landes beziehen und auswirken, und die Unterschriftensammlung in mindestens 10 Gemeinden stattfindet oder in Gemeinden in de- nen, gemäß den Daten der letzten allgemeinen Volkszählung, min- destens 10% der Landesbevölkerung ansässig ist. Die Abstimmung erfolgt dann in diesen Gemeinden. Die Anwendung des Referendums auf Verwaltungsbeschlüsse ist so geregelt, dass es nicht zu Verwal- tungsblockaden kommt. Mit dem Referendum werden nicht vollen- dete Tatsachen in Frage gestellt und damit Verzögerungen verursacht, sondern wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass nur Beschlüsse rechtskräftig werden, die auch mehrheitlich von der Bevölkerung ge- teilt werden. Das Rechtskräftigwerden von Beschlüssen der Landes- regierung wird nur dann ausgesetzt, wenn innerhalb von 7 Tagen ein Antrag auf Referendum eingereicht wird. Sollte für die Durchführung eines solchen Beschlusses besondere Dringlichkeit bestehen, dann kann die Landesregierung mit qualifizierter Mehrheit das unverzüg- liche Inkrafttreten beschließen. Über das Rechtskräftigwerden kann die Bevölkerung nur entscheiden, wenn innerhalb von 45 Tagen nach Beschlussfassung 7.500 Unterschriften für die Durchführung einer Volksabstimmung gesammelt werden. Ist dies der Fall, dann kommt der Gegenstand des Beschlusses zum nächstmöglichen Abstim- mungstermin zur Abstimmung, d.h. bei drei jährlich festgesetzten Abstimmungsterminen, mindestens innerhalb der kommenden 4 Mo- nate. Eine solche Verzögerung ist unter diesen Voraussetzungen mehr als gerechtfertigt.

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Letztlich wird die Landesregierung aufgrund einer solchen Ein- griffsmöglichkeit der BürgerInnen bedacht auf Legitimitätserhaltung sicher mehr als bisher darauf bedacht sein, keinen Anlass für einen Referendumsantrag zu geben, womit im Vorhinein viele Streitfäl- le, die bislang zu langwierigen und kostspieligen Gerichtsverfahren und Verschleppung von notwendigen Lösungen führen, vermieden werden.

Das Statutsreferendum

Auch Vorschläge des Landtages an den Regionalrat zur Abänderung des Autonomiestatutes (gemäß Art. 103, Absatz 2 des selben) kön- nen dem Referendum unterworfen werden. Gemäß Entwurf kommt ein solches zustande, wenn innerhalb von drei Monaten 7.500 Unter- schriften gesammelt werden. Der Vorschlag an den Regionalrat zur Abänderung des Autonomiestatutes kommt zum nächst möglichen Termin zur Abstimmung und auch dort entscheidet die Mehrheit der abgegebenen Stimmen, ob er angenommen oder verworfen werden soll.

Das Volksinitiativrecht (auf einführende/ abschaffende Volksabstimmung)

gibt die Möglichkeit zu einer Volksabstimmung über eine Beschluss- vorlage, die von den Bürgerinnen und Bürgern selbst ausgearbeitet worden ist. Zu unterscheiden sind:

- die Satzungsinitiative, bezogen auf einen Gesetzentwurf zum Gegenstand, der dazu beiträgt die Regierungsform unseres Lan- des zu definieren

- die Gesetzesinitiative, bezogen auf einen einfachen Gesetzent- wurf oder einen Entwurf zu einer Durchführungsverordnung zu einem Gesetz

- die Verwaltungsinitiative, bezogen auf einen Entwurf zu ei- nem Verwaltungsakt von Landesinteresse

- die Statutsinitiative, bezogen auf einen Vorschlag an den Regi- onalrat zur Abänderung des Autonomiestatutes gemäß Artikel 103 Absatz 2.

Die StimmbürgerInnen ergreifen immer dann die Volksinitiative (ein- führende/abschaffende Volksabstimmung), wenn in einer Sache nichts weiter geht oder wenn sie etwas ganz Neues vorschlagen sowie wenn sie bereits bestehende Normen abändern oder abschaffen wollen. Im Unterschied zum Volksbegehren, das ein Anregungsrecht ist, kommt es bei der Volksinitiative nach der Behandlung der Beschlussvorlage im Landtag oder in der Landesregierung zur Volksabstimmung über die Beschlussvorlage. In der Abstimmung entscheiden die abgegebe- nen Stimmen, ob die Beschlussvorlage rechtskräftig werden soll. Damit eine Volksinitiative zustande kommt, müssen innerhalb von sechs Monaten 10.000 Unterschriften gesammelt werden. Ihre Be- handlung in den Institutionen entspricht bis zur Abstimmung im Ple- num jener des Volksbegehrens. Bei der Abstimmung kann der Landtag den vorgeschlagenen Gesetz-

entwurf, so wie er vorliegt, beschließen. In diesem Fall kommt es mit der Zustimmung der Einbringer nicht zur Volksabstimmung. Lehnt der Landtag den Gesetzentwurf ab, kommt es zur Volksabstimmung, in der die stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger darüber ent- scheiden, ob die Beschlussvorlage rechtskräftig werden soll. Es gibt auch eine dritte Möglichkeit: Der Landtag arbeitet einen Gegenent- wurf aus, der mit zur Volksabstimmung gebracht wird. In diesem Fall sind die Stimmbürger/innen aufgerufen zu entscheiden,

- ob der Gesetzentwurf der Initiative rechtskräftig werden soll

- ob der Gegenentwurf des Landtages rechtskräftig werden soll

- oder, für den Fall, dass beide Vorlagen den Vorzug gegenüber dem status quo erhalten, mit der Beantwortung einer Stichfra- ge, welche der beiden Vorlagen rechtskräftig werden soll.

Teil 4:

die Verfahrensbestimmungen zur Volksabstimmung

Abstimmungstermine und -modus

Das Amt für Wahlen und Abstimmungen legt innerhalb 15. Dezem- ber eines jeden Jahres drei Sonntage des nächsten Jahres fest, die zur Abhaltung von Volksabstimmungen geeignet sind. Die drei Abstim-

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mungssonntage werden vom Amt für Wahlen und Abstimmungen terminlich so fixiert, dass sie nicht mit Wahlsonntagen zusammenfal- len und nicht in die Schulferienzeit oder auf sogenannte verlängerte Wochenenden fallen. Die Zusammenlegung einer Volksabstimmung mit einer Wahl, ausgenommen mit einer Landtagswahl, kann in be- gründeten Fällen vorgesehen werden. Ebenso kann die Abstimmung über eine einzige Vorlage, wenn keine Dringlichkeit gegeben ist, aus Gründen der Kosteneinsparung auf den kommenden Abstimmungs- termin verschoben werden. Mit drei vorgesehenen Terminen ist gewährleistet, dass die Ge- genstände von Referenden und Initiativen bald zur Abstim- mung kommen können und somit Beschlüsse des Landtages oder der Landesregierung nicht unnötig lange ausgesetzt bleiben. Das Ergebnis der Abstimmung wird von den Sektionswahläm- tern der einzelnen Gemeinden sofort dem Amt für Wahlen und Abstimmungen übermittelt, von dem das Endergebnis der Ab- stimmung ermittelt wird. Auch über Beschwerden und Anfech- tungen, die den Ablauf der Volksabstimmung betreffen, entschei- det in erster Instanz das Amt für Wahlen und Abstimmungen. Gegen dessen Entscheidungen kann beim Verwaltungsgericht der Region Trentino Südtirol – Autonome Sektion Bozen Rekurs eingelegt werden. Weiters gibt das Amt für Wahlen und Abstimmungen für jeden Abstimmungstermin eine Abstimmungsbroschüre heraus, in dem alle Beschlussvorlagen, über die abgestimmt wird, vorgestellt wer- den. Diese Abstimmungsbroschüre bekommt jede/r stimmbe- rechtigte Bürgerin und Bürger einen Monat vor der Abstimmung zugeschickt. Wenn der Landtag in der Behandlung im Plenum eine Abän- derung der Beschlussvorlage beschließt oder einen Gegenent- wurf ausarbeitet, dann kann er diesen ebenfalls zur Abstim- mung bringen. In diesem Fall können die StimmbürgerInnen entscheiden:

a) ob die Vorlage der BürgerInnen rechtskräftig werden soll;

b) ob der Gegenentwurf des Landtages rechtskräftig werden soll;

c) in einer Stichfrage, welche Vorlage rechtskräftig werden soll, falls beide mehrheitlich angenommen werden.

Ein Mindestbeteiligungsquorum als vorläufiger Kompromiss zugunsten einer Mehrheitsfähigkeit

Seit dem Referendum am 8. Oktober 2001 über die Verfassungs- änderung für eine föderale Organisation des italienischen Staates und dem am 25. Juni 2006 über die Reform des zweiten Teils der italienischen Verfassung ist es offensichtlich: Ein Beteiligungs- quorum ist bei Volksabstimmungen in Italien kein verfas- sungsrechtliches Muss – bei Verfassungsreferenden entschei- det die Mehrheit der Abstimmenden. Das gleiche gilt für das seit August 2002 rechtskräftige Referendum, das auf die Regie- rungsformgesetze angewandt werden kann. Ist aber ein Refe- rendum in Bezug auf die Grundgesetzgebung (Verfassung, Sat- zung) ohne Beteiligungsquorum Realität, dann besteht auch keine verfassungsrechtliche Verpflichtung zu einem solchen in Bezug auf die einfache und das heißt, weniger zu schützende Gesetzgebung. Das Beteiligungsquorum ist eine außerhalb Italiens so gut wie un- bekannte Regelung und erklärt sich dort einzig aus dem Wesen des abrogativen Referendums. Als Verfahrensregel eines Beteili- gungsinstrumentes entmutigt es Beteiligung zu praktizieren und enthält es die Möglichkeit einer effektiven Stimmenthaltung vor. Zur Beteiligung kann nicht gezwungen werden, indem man sie er- schwert, sondern Beteiligung soll sich lohnen. Nicht legitim ist die schlichte Gleichsetzung von Gründen der Nichtbeteiligung, die da sein können: Desinteresse, Bequemlichkeit, Inkompetenz, Unent- schlossenheit und die verschiedensten privaten Gründe der Ver- hinderung, mit einer ablehnenden Haltung zum Vorschlag, der zur Abstimmung kommt. Solche Gründe sind, genau so wie bei Wahlen, als Stimmenthaltungen zu zählen, die niemandem das Recht nehmen dürfen, mit der eigenen Stimme mitentscheiden zu wollen. Die Schweizer Direkte Demokratie lebt seit über hundert Jahren oh- ne Beteiligungsquorum so gut, dass bisher niemand darauf verfallen ist, es einzuführen. Dasselbe gilt beispielsweise auch für die 50jährige Direkte Demokratie in Bayern. In Italien verleitet es hingegen immer

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wieder Gegner einer Initiative zum Diskussionsboykott, und das ist das letzte, was im Rahmen von direktdemokratischen Verfahren mög- lich sein sollte. Nur bei wenigen Gesetzesinitiativen ist davon auszugehen, dass eine Mehrheit in der Bevölkerung dafür ein spezifisches Interesse auf- bringt. Für wie wenig Gesetzesinitiativen im Landtag wäre dies der Fall. So aber, wie die Bevölkerung an ihre politischen Vertreter die Vollmacht überträgt sich mit der Regelung der verschiedensten Ma- terien zu befassen, von denen die meisten nur einen kleinen Teil der Gesellschaft wirklich interessieren, so sollen Bürgerinnen und Bürger auch die Möglichkeit haben an ihre Mitbürger die Zuständigkeit zu delegieren, über Materien, die ihnen wichtig sind und in denen diese sich selbst als urteilfähig empfinden, entscheiden zu können. Der An- teil jener, die in der Schweiz nie zu einer Abstimmung gehen beträgt nicht mehr als 15 % der WählerInnen, und Südtirol hat eine traditio- nell hohe Wahl- und Abstimmungsbeteiligung. Diese an den verschiedenen Abstimmungen insgesamt zu 85 % sich beteiligende Bevölkerung hat ein Recht darauf, dass ihre je- weilige Beteiligung gültig ist unabhängig davon, wie viele BürgerIn- nen am jeweiligen Thema interessiert sind. Schon weil bei gelten- dem Beteiligungsquorum die meisten BürgerInnen damit rechnen müssten, dass dann, wenn ihnen eine Abstimmung wichtig ist, eine schweigende Mehrheit ihnen die Berechtigung dazu vorent- halten könnte, wird eine große Mehrheit in der Bevölkerung ein solches ablehnen. Wenn allgemein bekannt ist, dass jene entscheiden, die zur Ab- stimmung gehen, und wenn mit der vorgesehenen Abstimmungs- broschüre für alle Stimmberechtigten die erforderliche Infor- mation gewährleistet ist, dann ist nicht zu befürchten, dass eine abstimmende Minderheit einer desinteressierten und uninformier- ten Mehrheit, die nicht zur Abstimmung geht, ihren Willen auf- nötigt. Somit kann und soll auf ein Beteiligungsquorum verzichtet werden. Dies alles zu Gunsten einer völligen Beteiligungsquorumsfreiheit vorausgeschickt, ist doch davon auszugehen, dass eine Mehrheit der StimmbürgerInnen in Südtirol sich noch nicht so weit mit der Frage des Quorums auseinandergesetzt hat, dass für sie ein solcher Schritt ausreichend gerechtfertigt und nachvollziehbar wäre. Das Ziel des Verzichts auf ein Beteiligungsquorum kann deshalb nicht sofort er- reicht werden. Aufgrund des Bedarfs einer konkreten Erfahrung ist im vorliegenden Gesetz deshalb noch eine Mindestbeteiligung an den Abstimmungen von 15% der Stimmberechtigten als Voraussetzung für deren Gültigkeit vorgesehen und betrachten diese Regelung nur für eine Übergangsphase tauglich.

Teil 5:

Die Garantieklauseln

Rechtsberatung für hochwertige und erfolgreiche Anwendung der Instrumente der Direkten Demokratie

So wie Abgeordnete ihre gesetzgeberische Arbeit mit Hilfe eines gut ausgestatteten Rechtsamtes erfüllen können sollen, so sollen alle Bür- gerInnen, die direktdemokratische Instrumente anwenden wollen, ei- ne solche Beratung in Anspruch nehmen können. Ihre Vorschläge sol- len juristisch einwandfrei und durchführbar und auf diese Weise eine Bereicherung der politischen Diskussion sein. Es hat niemand etwas davon, wenn sie nachher als unzulässig zurückgewiesen werden müs- sen. Die entsprechende Ausstattung des Rechtsamtes des Landtages ist eine lohnende Investition. Ebenso sollen die Einbringer einer Beschlussvorlage zu deren Über- setzung den Übersetzungsdienst des Landtages in Anspruch nehmen können.

Gleichberechtigung, wenn es um Information geht

Die Abstimmungsbroschüre: Jede/r Stimmberechtigte soll das Recht haben, unabhängig von der Berichterstattung der Medien, ob- jektiv über den Inhalt einer Abstimmung informiert zu werden; nicht anders als Landtagsabgeordnete, die alle Unterlagen zu einem Entwurf erhalten. Deshalb sieht der Gesetzentwurf vor, dass alle Stimmberech- tigten 30 bis 40 Tage vor der Abstimmung eine Broschüre er- halten, in der sachlich korrekt der Gegenstand der Abstimmung

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DIREKTE DEMOKRATIE II

DIREKTE DEMOKRATIE II

selber, die befürwortende und die ablehnende Position dazu dargelegt sind. Die Fairnessregel: Wenn öffentliche Gelder verwendet wer- den, um im Hinblick auf eine Abstimmung für eine Position zu werben (z.B. mit Veranstaltungen oder Werbedrucke), müssen solche im gleichen Ausmaß der Gegenposition zur Verfügung gestellt werden Das par-conditio-Gesetz, das im Sinne einer gleichberechtigten Prä- senz in den Medien bei Wahlen zur Anwendung kommt, gilt auch im Falle von Volksabstimmungen.

Die Transparenzregel - damit alle wissen, wer mit wie viel dahintersteht

Es muss akzeptiert werden, dass hinter einer Initiative starke Interes- sen mit viel Geld stehen und damit massiv werben können, und hinter anderen nicht viel mehr als die Überzeugung von der Richtigkeit des Anliegens. Wichtig ist aber, dass diejenigen, die über deren Annahme oder Ablehnung entscheiden sollen, wissen, wer mit wie viel Geld hin- ter einer Initiative steht. Deshalb ist mit dem Gesetz vorgesehen, dass alle Geldgeber mit Beträgen über 5000 Euro in der Abstimmungsbro- schüre aufscheinen müssen.

Damit die guten Ideen nicht am lieben Geld scheitern – die Kostenrückerstattung

Im Grunde ähnlich wie Parteien, jedoch zeitlich und sachlich begrenzt, erfüllen auch die Promotoren einer Volksinitiative oder eines Refe- rendums eine gesellschaftlich wertvolle Funktion. Sie erarbeiten Ge- setzentwürfe, Beschlussanträge, Vorschläge, die rechtskräftig werden können. Sie lösen Diskussion, Auseinandersetzung, einen Klärungs- prozess in der Gesellschaft aus, sie bringen diese allemal ein Stück in ihrem Selbstverständnis und in dem, was für sie gelten soll, weiter. Es ist klar, dass vor allem die Bekanntmachung eines Vorschlags und die Förderung der Diskussion mit erheblichen Kosten verbunden ist. Aus diesen Gründen soll auch dieses politische Engagement, wenn es die nötige Unterstützung in der Bevölkerung erfahren hat, in einem Mindestumfang finanziell möglich gemacht werden (0,50 Euro pro Unterschrift für Volksbegehren und 1 Euro pro Unterschrift, die das Zustandekommen einer Volksabstimmung ermöglicht hat).

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FLUGVERKEHR

FLUGVERKEHR

Landesgesetz zur Verminderung des Flugverkehrs

» Der Bozner Flughafen umfasst eine Fläche von 80.000 Quadratmetern, die Staat und Land gehören. Er wurde 1917 als Militärflughafen angelegt und ab den 30er Jahren zivil genutzt. 1995 bis 1999 wurde der Flughafen modernisiert und zum zweiten Mal für den kommerziellen Flugverkehr geöffnet. Über den Flughafen Bozen werden derzeit jährlich 1800 kommerzielle, 6000 private und rund 2000 militärische Flüge abgewickelt. Im Vergleich dazu sind es in Trient 25.000 Flüge jährlich, nachdem dort keine Einschränkungen wegen des Linienverkehrs bestehen.

» Über den Flugbetrieb am Bozner Airport wacht die zivile Luftfahrtbehörde ENAC, die dem Verkehrsministerium unterstellt ist und die Luftfahrt regelt, kontrolliert und sanktioniert. Ihr unterstellt ist die Flugsicherungs-Gesellschaft ENAV, die auch in Bozen Tower und Navigationsanlagen betreibt, also den Flugverkehr kontrolliert und die nötigen Informationen weitergibt. Die ENAV ist eine Gesellschaft, deren Anteile zur Gänze das Wirtschaftsministerium hält.

» Nach Abschluss der nötigen Erhebungen hat die zivile Luftfahrtbehörde ENAC dem Flughafen Bozen die nötige Lizenz ausgestellt. Betrieben wird der Flughafen von der ABD (Airport Bozen Dolomiten), einer Gesellschaft im Besitz der öffentlichen Hand. Ihr obliegen die Führung, Instandhaltung und Nutzung der Anlagen für den Flughafenbetrieb und die Bereitstellung aller am Boden notwendigen Dienste.

» Im Juni dieses Jahres hat das römische Verkehrsministerium die Flugverbindung Bozen-Rom zu einer Verbindung von öffentlichem Interesse erklärt. Dies bedeutet, dass die Linie ab 1. Dezember 2009 von einer Fluggesellschaft bedient werden muss, die klar festgelegte Kriterien erfüllt. Zudem wurden die Anzahl der täglichen Verbindungen und die Ticketkosten festgeschrieben (von 140 bis 227 Euro mit einem Mittelwert zum Ende des Geschäftsjahres von 170 Euro). Welche Gesellschaft die Flüge in den kommenden drei Jahren anbieten darf, wird über eine öffentliche Ausschreibung ermittelt.

» Dem Flughafen Bozen kommen auch Funktionen in den Bereichen Zivilschutz und Gesundheitswesen zu. So wurde auf dem Flughafenareal ein Zivilschutz-Stützpunkt errichtet. Im Falle einer Unterbrechung von Straßen- und Eisenbahnverbindungen fungiert der Airport zudem als Brückenkopf für Zivilschutz-Flüge. Schließlich spielt der Flughafen im Gesundheitswesen eine wichtige Rolle, etwa wenn es um den Transport von Organen, um die Verlegung von Patienten in weit entfernte Spezialkliniken sowie um den Anflug des Rettungshubschraubers bei Nacht oder widrigen Wetterbedingungen geht.

» Von den Einschränkungen des zur Abstimmung vorliegenden Gesetzentwurfs bleibt der Flugverkehr in den Bereichen Gesundheitswesen, Zivilschutz sowie öffentliche Sicherheit ausgenommen. Dieser ist aber auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen, die wiederum Kosten verursacht, die mit jenen der heutigen Struktur vergleichbar sind.

» Mit dem zur Abstimmung vorgelegten Gesetzentwurf soll das Land verpflichtet werden, auf jegliche direkte oder indirekte Förderung des Flughafens in Bozen zu verzichten. Das Verbot soll für Bau, Instandhaltung und Betrieb des Flughafens ebenso gelten, wie für Dienstleistungen rund um den Flughafen.

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VOLKSABSTIMMUNG FLUGVERKEHR

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Der zur Abstimmung vorgelegte Gesetzentwurf

Landesgesetz zur Verminderung des Flugverkehrs

Artikel 1

1. Im Bewusstsein seiner regionalen und globalen Verantwortung sowie seiner besonderen geografischen Lage verzichtet das Land Südtirol darauf, durch eigene Dienststellen oder Einrichtungen, durch wie immer geartete Beteiligungen an Gesellschaften oder sonstigen Einrichtungen des öffentlichen oder privaten Rechts oder durch die Gewährung von Förderungen an solche Gesell- schaften oder Einrichtungen zum Bau, zur Instandhaltung oder zum Betrieb wie immer gearteter Anlagen, die der Abwicklung des Flugverkehrs dienen, und zur Durchführung von Dienstleis- tungen, die mit dem Flugverkehr zusammenhängen, beizutragen.

2. Gesellschaften und Einrichtungen, die zusätzlich zu Geschäf- ten mit der in Absatz 1 bezeichneten Zielsetzung auch Unter- nehmungen anderer Art betreiben, dürfen Förderungen nur für Tätigkeiten in Anspruch nehmen, die sich nicht auf sol- che im Zusammenhang mit der Abwicklung des Flugverkehrs beziehen.

3. Bereits bestehende Beteiligungen des Landes Südtirol an Gesell- schaften oder sonstigen Einrichtungen, welche Tätigkeiten mit der in Absatz 1 bezeichneten Zielsetzung zum Gegenstand ha- ben, werden innerhalb von drei Jahren ab dem Inkrafttreten die- ses Gesetzes aufgegeben.

Artikel 2

1. Die Vorschriften des Artikels 1 beziehen sich nicht auf die Ab- wicklung des Flugverkehrs für Erfordernisse des Gesundheitswe- sens, des Zivilschutzes und der öffentlichen Sicherheit.

Artikel 3

Landesgesetze und Planungsinstrumente, deren Bestimmungen zu den in Artikel 1 vorgegebenen Grundsätzen im Widerspruch ste- hen, sind zu überarbeiten und innerhalb eines Jahres an diese an- zupassen.

Bericht zum Gesetzesentwurf

„Landesgesetz zur Verminderung des Flugverkehrs“

In Anwendung des Landesgesetzes Nummer 11 vom 18. November 2005 („Volksbegehren und Volksabstimmung“) wird eine gesetzeseinfüh- rende Volks-abstimmung zum Flugverkehr durchgeführt.

Da der Flugverkehr mehrere Problemfelder aufweist, deren Lösung über die Anwendung reinen Fachwissens hinausgeht, stellt sich eine Volksabstimmung als ein geeignetes politisches Instrument dar:

1. Finanzierung. Der Flugverkehr wird maßgeblich mit Steuergel- dern finanziert

2. Lokale Auswirkungen. Die Bevölkerung kommt für die externen Kosten des Flugbetriebes auf (gesundheitliche Belastungen; Mehr- kosten im Sanitätsbereich; Wertminderung von Immo-bilien).

3. Globaler Aspekt. Der Flugverkehr trägt maßgeblich zum Klima- wandel bei.

Auch spielt die geografische Lage Bozens eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für oder gegen eine Förderung des Flugverkehrs von Seiten des Landes Südtirol:

1. Durch seine Lage zwischen Bergen kann der Flughafen Bozen nur unter erschwerten Bedingungen angeflogen werden (geografisch- technischer Aspekt).

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FLUGVERKEHR

FLUGVERKEHR

2. Das Einzugsgebiet des Bozner Flughafens ist unter Berücksichti- gung der nahe gelegenen Flughäfen zu klein, um ein langfristiges Überleben des Flughafens zu sichern (geografisch-ökonomischer Aspekt).

3. Bozen liegt im Einflussbereich der „Alpenkonvention“, welche im Verkehrsprotokoll den Neu- und Ausbau Flughäfen im Alpen- raum negativ beurteilt (geografisch-staatsrechtlicher Aspekt).

Eine landesweite Volksabstimmung für die Schließung des Flug- platzes wäre nicht zulässig, da dieser sich im Eigentum des Staates befindet. Sehr wohl kann aber ein von der Bevölkerung beschlos- senes Landesgesetz vorsehen, dass das Land Südtirol jegliches En- gagement für den Flugverkeh