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Bozen

Mitteilungsblatt der Schützen der Alpenregion


Sondernummer Bozen, Innsbruck, Weyarn, Kronmetz im April 2008 32. Jahrgang

Die Schützen
in der Kritik
Die Schützen stehen in Süd-Tirol
ganz besonders im Lichte der Öf-
fentlichkeit. Sie werden nicht immer
nur geschätzt, sondern von manchen
Seiten auch angefeindet. Sofern dies
von italienischer Seite geschieht,
mag es nicht weiter verwundern. Es
gibt in Süd-Tirol noch genug itali-
enische Nationalisten, denen es ein
Dorn im Auge ist, dass sich die Tiro-
ler südlich des Brenners noch immer
nicht haben assimilieren lassen. Sie
wissen auch, dass die Schützen mit
ihrem Festhalten an tirolerischen
Traditionen und mit ihrem entschie-
denen Eintreten für ein geeintes Ti-
rol wohl das größte Hindernis für
die „Endlösung“ der Süd-Tirolfrage
im Sinne der Nationalisten sind.
26. April 2008
Kritik kommt aber auch aus den Rei-
hen der eigenen Tiroler Landsleute, Bozen - Waltherplatz
und mit dieser Kritik muss man sich

50 Jahre Südtiroler Schützenbund


doch etwas näher auseinanderset-
zen. Die Schützen seien zu konser-
vativ, heißt es da unter anderem. Es
stimmt, dass die Schützen konser- Am . März des Jahres 1958 wurde in Bozen der Südtiroler Schützenbund gegründet.
vativ sind, weil sie Traditionen und Zum Jubiläum findet am kommenden Samstag, 6. April, in Bozen ein Festakt statt.
überlieferte Werte bewahren wol- Verschiedene Schützenkompanien werden an diesem Tag im Rahmen eines Exerzier-
len. Dies schließt aber keineswegs wettbewerbs durch die Stadt Bozen marschieren und ihr Bild prägen (siehe dazu das
die Aufgeschlossenheit für Neues detaillierte Programm und eigene Berichte).
weiter auf Seite 2
Das Jubiläum ist ein Anlass, in dieser Sondernummer der Schützenzeitung auf die Ge-
schichte und das Selbstverständnis der Schützen im südlichen Tirol und insbesonde-
re auf die letzten 50 Jahre zu blicken. Viele Menschen in Stadt und Land haben das
Schützenwesen in jahrzehntelanger Kleinarbeit aufgebaut, mitgewirkt und nicht nur
Im Internet unter in Summe so manches erreicht. Die Gründungsväter haben es sich bestimmt nicht er-
www.schuetzen.com träumt, wie prächtig ihre Saat aufgehen und zu welch wichtiger Institution der Südti-
roler Schützenbund heranwachsen sollte. Daher wird in den folgenden Seiten auch auf
die Entstehungsgeschichte des Südtiroler Schützenbundes ausgiebig eingegangen.


aus. So setzen sich die Schützen


z. B. schon seit langem für die Er-
haltung der Umwelt ein, und sozi-
ales Denken und Solidarität gehö-
ren seit jeher zu ihren Werten. Altes
mit Neuem zu verbinden, ist sicher
eine der großen Stärken dieser ge-
nerationenübergreifenden Vereini-
gung. Der Zustrom vor allem junger
Mitglieder in jüngster Zeit beweist,
dass auch viele Jugendliche erkannt
haben, wie wichtig es ist, überliefer-
te Werte zu pflegen und mit neuem
Schwung zu erfüllen.

Die Schützen seien zu weit rechts,


hört man auch immer wieder. Nichts
ist falscher als das. Gerade die Schüt-
zen sind sich bewusst, welche ver-
heerenden Folgen Faschismus und
Nationalsozialismus für die ganze Tiroler Landsleute!
Welt, besonders auch für das süd-
liche Tirol hatten. Sie lehnen daher 50 Jahre Südtiroler Schützenbund – wuchssorgen und ist vitaler denn je.
alle extremistischen, autoritären Ide- ein Grund zum Feiern. Es waren Jahre Die Zuwächse der vergangenen Jahre
ologien, seien sie rechts oder links, der Freude, der Genugtuung, aber auch sind beachtlich und zugleich der Be-
entschieden ab. Gerade in jüngster Jahre des zähen Ringens um den Erhalt weis dafür, wie gut Alt und Jung sich
Zeit hat der Südtiroler Schützen- des tirolischen Geistes in unserer auch heute noch für dieselben Ziele
bund bewiesen, dass er sich von Heimat. und Ideale einsetzen können. Vieles
rechtslastigen Tendenzen eindeutig hätte man sich vor fünfzig Jahren nicht
zu distanzieren weiß. Viele Menschen in Stadt und Land, in träumen lassen. Genau dieser Umstand
Berg und Tal haben das Schützenwesen stimmt mich für die Zukunft optimis-
Die Aktionen der Schützen seien seither jahrzehntelang in Kleinstarbeit tisch.
eine Provokation für die Italiener und aufgebaut, mitgewirkt und nicht nur in
würden das friedliche Zusammenle- Summe so manches erreicht. Ange- Mein größter Wunsch und der
ben stören, heißt es schließlich von fangen von der Kultur- und Denkmal- Wunsch vieler Menschen im Lande
Seiten mancher Gutmenschen. Mit pflege in unseren Gemeinden, über ist ein wiedervereintes Tirol, kulturell,
der gleichen Argumentation könnte die gesellschaftlichen und sozialen geistig, aber auch politisch. Der Frei-
man den Gewerkschaften empfeh- Beiträge bis hin zum volkstumspoli- heitswunsch der Slowenen, Montene-
len, des lieben Friedens willen keine tischen Bekenntnis haben Schützen griner und Kosovaren gibt uns Auftrieb
Verbesserungen rechtlicher und ge- und Marketenderinnen in den letzten und zeigt, dass alles möglich ist – man
haltlicher Art zu fordern. 50 Jahren mit ihrem Einsatz viel be- muss nur wollen. Vor allem muss aber
wegt. All diesen Menschen wollen wir der politische Wille vorhanden sein.
Wenn der Einsatz für Gerechtigkeit danken - ohne ihren Beitrag wäre unser Es ist zu wenig, bei Sonntagsreden
– und nichts anderes tun die Schüt- Land heute sowohl geistig als auch von „Selbstbestimmung“ und „Tiroler
zen – eine Provokation sein sollte, kulturell um vieles ärmer. Einheit“ zu reden, wenn man dann im
dann muss man feststellen, dass täglichen Leben nur halbherzig dazu
solche „Provokationen“ höchst not- Mit den Feierlichkeiten zu unserem steht. Die Zukunft kann nicht gutma-
wendig sind. Friedlich zusammenle- Jubiläum wollen wir am 26. April auch chen, was in der Gegenwart versäumt
ben kann man umso besser, je mehr signalisieren, dass das, was unsere wurde.
Respekt gegenüber dem Nächsten, Väter und Großväter gesät haben, in
gegenüber seiner Geschichte und den vergangenen Jahren reiche Früchte In diesem Sinne:
gegenüber seinen Rechten vorhan- getragen hat. Der Südtiroler Schützen- Der Freiheit entgegen!
den ist. Genau dafür setzen sich die bund ist heute zu einer wichtigen und
Schützen ein. viel beachteten Institution im Lande
herangewachsen, hat keine Nach- Paul Bacher
Nikolaus Mayr Landeskommandant
3

Von den Anfängen der Schützen


50 Jahre Südtiroler Schützenbund bedeutet natürlich nicht, dass es Schützen im süd-
lichen Tirol erst seit 50 Jahren gibt. Das Tiroler Schützenwesen hat sich schon im
Spätmittelalter entwickelt, als die Tiroler ihren Landesfürsten immer mehr Freiheiten
abrangen. Dazu gehörten etwa die Beseitigung der Leibeigenschaft (ab 106!) und
die Wehrfreiheit, die alle Untertanen vom Kriegsdienst außerhalb des Landes be-
freite, sie aber zur Verteidigung des Landes verpflichtete. Seit 1 saßen die Tiroler
Bauern und Bürger auch schon neben dem Adel und den Prälaten im Landtag. Diese
Freiheiten, von denen man in anderen Gegenden Europas für einige hundert Jahre
erst noch träumte, waren natürlich keine reinen Geschenke der Landesfürsten aus
lauter Liebe zu ihren Tirolern. Sie ergaben sich vielmehr aus der Notwendigkeit,
Bürger und Bauern als Verbündete gegen den Adel zu gewinnen; zudem haben auch
der Freiheitswille und eine gewisse Unnachgiebigkeit der Tiroler eine Rolle gespielt,
die stets auf ihre Privilegien pochten und sie immer weiter auszubauen versuchten,
so dass Tirol auch innerhalb der Habsburger Monarchie immer eine Sonderstellung
hatte.

Kaiser Maximilian I. hat 1511 mit dem „Landlibell“, das er mit dem Landtag ausgehan-
delt hatte, die Wehrfreiheit, die sich im Laufe der Zeit entwickelt hatte, bestätigt und
eine Verteidigungsordnung geschaffen, die in großen Zügen bis 1918 in Kraft blieb.
Das Schützenwesen bewies vor allem in den napoleonischen Kriegen seine Stärke ge-
gen eine gewaltige Übermacht. In Frankreich war eben erst nach der Revolution ein
Volksheer gebildet worden, das dann zu Eroberungen in ganz Europa antrat, während
Tirol schon seit Jahrhunderten ein Volksheer hatte, das ausschließlich seine Heimat
verteidigte, mit militärischen Erfolgen, die ganz Europa verwunderten.

Trotz der letzten Endes unvermeidbaren militärischen Niederlage war 1809 ein Fanal
für den Freiheitswillen in ganz Europa, der schließlich zum Sturz des Tyrannen führ-
te. Die Erinnerung daran war und ist für Tirol prägend. „Tirol 1809“ wurde zum Sym-
bol für Freiheitswillen und Wehrhaftigkeit. Wie stark diese Erinnerung auch nach
100 Jahren war, spürte man bei den Jubiläumsfeiern 1909. Im großen Festumzug im
September 1909 in Innsbruck marschierten allein aus Südtirol über 10.000 Schützen
mit. Ein letztes Mal wurde das Schützenwesen im Ersten Weltkrieg auf eine harte mi-
litärische Probe gestellt. Nach der Kriegserklärung Italiens vom Pfingstsonntag 1915
hielten die Standschützen, unterstützt nur durch ganz wenig reguläres Militär und
durch das bayerische Alpenkorps, den italienischen Angriff auf, bis Kaiserjäger- und
Landesschützenregimenter von der Ostfront nach Tirol verlegt werden konnten.


Tirol und die Schützen zerschlagen


Am Ende des Ersten Weltkriegs.
Nach dem unglücklichen Ausgang des Ersten Weltkrieges wurde nicht nur Tirol ge-
Österreichische Soldaten auf dem Weg in
die Gefangenschaft. teilt, sondern auch das Schützenwesen zerschlagen. In den bei Österreich gebliebe-
nen Teilen Tirols, also in Nord- und Osttirol, verloren die Schützen ihre Rolle in der
Landesverteidigung und wandelten sich in Traditionsvereine um. So konnten sie die
Zwischenkriegszeit und den Zweiten Weltkrieg, wenn auch mit einigen Problemen,
überleben. Nach dem Krieg lebten die Schützen im Bundesland Tirol sofort wieder
auf, besonders gefördert ab 1947 von der französischen Besatzungsmacht, die auch
Gewehre und Säbel erlaubte. Bereits 1950 konnte der Bund der Tiroler Schützenkom-
panien gegründet werden.

Im südlichen Teil Tirols bedeutete das Ende des Ersten Weltkrieges hingegen ein
vorläufiges Aus für das Schützenwesen. Die Schützen wurden verboten, die Schieß-
stände enteignet, ganz gleich, ob sie den Kompanien oder den Gemeinden gehörten,
die sie mit den Geldern der Bevölkerung gebaut hatten. Die Faschisten veranstalte-
ten eine regelrechte Jagd auf historische Waffen, Fahnen, Trachten, Schützenschei-
ben usw., die sie entweder rücksichtslos vernichteten oder in irgendwelchen Mu-
seen verschwinden ließen. Nur wenige Exemplare überlebten diese Zeit. Auch viele
schriftliche Aufzeichnungen, Mitgliederlisten, Urkunden, Versammlungsprotokolle
usw. wurden zerstört. Option und Auswanderung bedeuteten dann einen weiteren
empfindlichen Aderlass.

Die deutsche Besetzung 1943 –1945 wurde vom Großteil der Südtiroler Bevölkerung
zunächst als Befreiung begrüßt, da sie das Ende der Unterdrückung durch das fa-
schistische Italien bedeutete. Erst allmählich wurde klar, dass der Nationalsozialismus
– global gesehen – sogar noch schlimmer als der Faschismus war. Das frühere, zutiefst
demokratische Schützenwesen, bei dem die freie Wahl der Offiziere selbstverständ-
lich war, wurde auch von den Nazis nicht geduldet. Wohl aber versuchten die Nati-
onalsozialisten, Trachtenträger für ihre Zwecke einzuspannen und mit ihnen Feste zu
veranstalten, wobei alles von oben diktiert wurde.
5

Wenig Freiheit nach „Befreiung“


Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die feindselige Einstellung Italiens gegen alles
Tirolerische und damit auch gegen das Schützenwesen bestehen. Auch nach der „Be-
freiung“ von Faschismus und Nationalsozialismus war der faschistische Geist überall
spürbar. Der Gedanke des Schützenwesens war aber lebendig geblieben und begann
langsam wieder zu erstarken. Vereinzelt hatten Schützenkompanien im Geheimen
überlebt oder ihre Angehörigen hatten zumindest untereinander Kontakt gehalten.
Sie suchten die geretteten Trachten zusammen und begannen wieder, vor allem bei
kirchlichen Festen, auszurücken. Dafür mussten sie sich meist als „Gruppo folcloristi-
co“ (Trachtengruppe) anmelden.

So waren beim 150-Jahr-Jubiläum des Herz-Jesu-Bundes im Jahr 196 bereits wieder


einige Schützenabordnungen dabei, ebenso bei der 50-Jahr-Feier des Bauernbundes
195 in Sterzing. Treibende Kraft bei dieser Wiederbelebung des Schützenwesens
und bei den zaghaft einsetzenden Wiedergründungen, die offiziell immer noch als
Trachtengruppen erfolgen mussten, war Georg Klotz aus Walten, der nicht nur im
Passeiertal, sondern im ganzen Land wirkte. Wenn es sein musste, marschierte er
auch zu Fuß bei Schneetreiben über den Jaufen in das Wipptal, um dortige Kompa-
niegründungen zu betreuen. Beim Oktoberfestumzug im Jahr 1957 in München führ-
te Georg Klotz einen Block Südtiroler Schützen an. Dieses erste Auftreten Südtiroler
Schützen im Ausland nach dem Zweiten Weltkrieg fand in der deutschen Presse ein
enormes Echo und gab damit auch dem Schützenwesen in Südtirol Auftrieb. Italien
reagierte höchst verärgert, und es kam zu den üblichen Schikanen gegen einzelne
Schützen.

Die Gründung des Südtiroler Schützenbundes


Der erste Landeskommandant (1958-
Im Hinblick auf die bevorstehende 150-Jahr-Feier der Tiroler Erhebung von 1809 1961), damals noch Landesobmann des
Südtiroler Schützenbundes war ein Ladiner.
wurde gleich nach der Kundgebung von Sigmundskron (17. November 1957), bei Alois (Vijo) Pupp (*1902 in Antermëia /
der über 35.000 Südtiroler ihrem Wunsch nach Selbstbestimmung, „Los von Rom“ San Martin de Tor; †1969 in Brixen)
und Rückkehr zu Österreich Ausdruck gegeben hatten, die Gründung des Südtiro- war in dieser Zeit (1956 – 1960) auch
ler Schützenbundes angegangen. Landeshauptmann Dr. Ing. Alois Pupp berief für Landeshauptmann, später war er bis 1968
den . März 1958 die Gründungsversammlung im Südtiroler Kulturinstitut in der Halbzeitpräsident und Halbzeitvizepräsident
des Landtages. Er war Mitglied der Trenser
Schützenkompanie.


Dr.-Streiter-Gasse in Bozen ein. Rund 200 Männer aus dem ganzen Land kamen zu-
sammen, darunter auch 30 Mitglieder der zehn bereits bestehenden Schützengrup-
pen in Passeier, im Eisacktal und im Wipptal. Anwesend waren auch weitere Süd-
tiroler Politiker sowie die gesamte Bundesleitung der Nordtiroler Schützen. Georg
Klotz erläuterte den Zweck des geplanten Südtiroler Schützenbundes. Einstimmig
genehmigte die Versammlung das Statut, in dem als Zweck des Bundes die Pflege und
Erhaltung des Schützenwesens, die Erhaltung und Förderung der Trachten, die Pflege
des Schießwesens und die Vertretung gemeinsamer Ziele im Interesse der Heimat
genannt werden. Zum ersten Landeskommandanten des Südtiroler Schützenbundes
wurde einstimmig Landeshauptmann Alois Pupp gewählt. Georg Klotz aus Walten
wurde sein erster Stellvertreter, Josef Badstuber aus Trens zweiter. August Pardatscher
aus Kaltern wurde Bundesgeschäftsführer (später Bundesmajor), Dr. Albrecht Lutz
aus Bozen Bundeskassier und Dr. Norbert Mumelter aus Bozen Bundesreferent für
Brauchtum und Veranstaltungen.

Schwieriger Wiederaufbau
Von den über 10.000 Schützen, die es in Südtirol vor dem Ersten Weltkrieg gegeben
hatte, waren noch etwa 200 übriggeblieben. Der neu gegründete Südtiroler Schüt-
zenbund setzte daher alles daran, schnell wieder möglichst viele Kompanien auf die
Beine zu stellen und nach einheitlichen Richtlinien zu organisieren. Dies war auch
deswegen schwierig, weil viele Trachten verloren gegangen waren und die Neuan-
schaffung trotz der vom Land gewährten Beiträge ein großes finanzielles Opfer für
die Schützen bedeutete. Zudem beobachteten die italienischen Behörden die Neu-
gründungen sehr argwöhnisch, so dass immer mit Schikanen zu rechnen war. Trotz-
dem war die Begeisterung groß, und überall im Lande regte sich der Wunsch, wieder
Schützenkompanien zu gründen. Dazu muss man auch erwähnen, dass die Südti-
roler damals weitgehend rechtlos waren, wie auch der Prozess gegen die Pfunderer
Burschen vom Jahr 1956 gezeigt hatte, bei dem aus einem Unglücksfall ein Mord
Dieses Bild wurde bei einer Ausrückung konstruiert worden war. Für Südtiroler gab es keine Staatsstellen und keine der vie-
gleich nach der Gründung des Bundes len Sozialwohnungen, die nur zur Förderung der italienischen Zuwanderung gebaut
aufgenommen. Links der spätere
wurden. Allein in den 50er-Jahren mussten etwa 20.000 Südtiroler auswandern, weil
2. Landeskommandantstellvertreter
Jörg Pircher jun. - Hofmann sie im eigenen Land keine Arbeit fanden, während zugleich Tausende von Italienern
zuwanderten. Diskriminierungen aller Art bei Behörden und Polizei waren an der
Tagesordnung. Wer Schütze wurde, bewies damit Zivilcourage im ungleichen Kampf
um Gerechtigkeit.


Gedenkjahr 1959 gibt Auftrieb


Noch im Jahr 1958 konnte im September bereits in Kaltern ein Schützenfest mit
über 1000 Schützen aus ganz Tirol gefeiert werden. Es folgte gleich das Gedenk-
jahr 1959, das zu Jahresbeginn mit Feiern am Reichrieglerhof und beim Sandhof
in Passeier eröffnet wurde und dem Schützenwesen im südlichen Tirol starken Auf-
trieb gab. Bei den Bezirksfeiern im Sommer 1959 in Kaltern, Olang, Schlanders und
Brixen wurde deutlich, dass das Schützenwesen im südlichen Tirol wieder lebte. An
der Peter-Mayr-Feier in Brixen, einer Art Generalprobe für den großen Festumzug
in Innsbruck, nahmen schon 44 Kompanien mit rund 1900 Schützen und 150 Mar-
ketenderinnen sowie elf Musikkapellen teil. Für den Festumzug in Innsbruck am 13.
September 1959 stellte Südtirol dann 32 Fahnenabordnungen und 57 Kompanien mit
2050 Schützen und 170 Marketenderinnen sowie 16 Musikkapellen. Der Eindruck
in ganz Tirol und im gesamten deutschen Sprachraum war überwältigend. Italien al-
lerdings sah diesen Ausdruck neu erwachten Selbstbewusstseins der Südtiroler mit
großer Verärgerung und bereitete scharfe Gegenmaßnahmen vor. Mit polizeilichen
Repressionsmaßnahmen sollte den Südtirolern untersagt werden, sich öffentlich als
Tiroler zu zeigen.

Italien setzt auf Repression


Mit Regierungsdekreten vom 13. Dezember 1960 und vom 22. April 1961 wurde den
Schützen praktisch jede Tätigkeit untersagt: Sie durften keine Fahnen, keine Rangab-
zeichen und nicht einmal mehr Federn auf den Hüten tragen, und das geschlossene
Ausrücken wurde nur noch ausnahmsweise mit Sondergenehmigung bei kirchlichen
Veranstaltungen geduldet. Der Landtag protestierte vergeblich. Die Bundesleitung
des Südtiroler Schützenbundes, in der Anfang 1961 der SVP-Kammerabgeordnete
Dr. Marl Mitterdorfer Landeshauptmann Pupp als Landeskommandant abgelöst hat-
te, stellte daraufhin die Tätigkeit des Bundes ein. Die Geschäftsstelle in der Gummer-
gasse wurde aufgelassen, und mit Rundschreiben vom 26. Februar 1962 verordnete 1961 – der Südtiroler Schützenbund war
die Bundesleitung auch den Kompanien eine Zwangspause. seit gerade 3 Jahren gegründet – und in
Süd-Tirol herrschte praktisch Ausnahmezu-
stand. Obwohl als Organisation vollkommen
unbeteiligt, verdächtigte man die Schützen
damals pauschal, Urheber der Attentate zu
sein.


Dramatische Situation in Südtirol


Die Situation hatte sich damals in Südtirol zugespitzt. Einzelne Sprengstoffanschläge
aus Protest gegen die von Italien fast wie in der faschistischen Zeit weiter geführte
Unterdrückung hatte es schon ab 1956 gegeben. Auf der anderen Seite hetzten na-
tionalistische Presse und Parteien gegen die Südtiroler, und Polizei und Carabinieri
gebärdeten sich als repressive, unduldsame Besatzermacht, der die Südtiroler hilflos
ausgeliefert waren. Am 30. Jänner 1961 flog der Aluminium-Duce in Waidbruck, ein
Reiterstandbild des faschistischen Diktators Mussolini, in die Luft. Italien, das sich
durch diesen Anschlag anscheinend mehr provoziert fühlte als durch frühere Atten-
tate z. B. gegen Eisenbahnlinien, reagierte darauf unter anderem mit den erwähnten
scharfen Maßnahmen gegen die Schützen, noch bevor in der Feuernacht vom 11./12.
Juni 1961 rund 40 Stromleitungsmasten gesprengt wurden.

Danach war es endgültig aus. In Südtirol herrschte für einige Jahre praktisch Ausnah-
mezustand. Hotels wurden beschlagnahmt, um tausende zusätzliche Polizisten un-
terzubringen, es gab wahllos Hausdurchsuchungen, Massenverhaftungen und Folte-
rungen. An den Sprengaktionen, die die Weltöffentlichkeit auf das im südlichen Tirol
herrschende Unrecht aufmerksam machen sollten, hatten sich Südtiroler aller Gesell-
schaftsschichten, darunter selbstverständlich auch Schützen beteiligt. Der Schützen-
bund als Organisation war aber vollkommen unbeteiligt gewesen. Trotzdem richtete
sich die Wut der im Dunkeln tappenden Ermittler, die von der Eigenart des Landes
und seiner Geschichte meist überhaupt keine Ahnung hatten, hauptsächlich gegen
die Schützen, die man wegen ihres offen bekannten Tirolertums pauschal verdäch-
tigte. Zu den Verboten für die Tätigkeiten der Kompanien kamen noch Schikanen
gegen einzelne Schützen hinzu, so dass manche aus Angst um ihre Existenz und aus
Rücksicht auf ihre Familie die Kompanien verließen. Einige Kompanien stellten die
Tätigkeit vollkommen ein, andere versuchten den Zusammenhalt zu bewahren und
mit Sondergenehmigung zumindest bei kirchlichen Veranstaltungen auszurücken.
(v.r.) Jörg Klotz, der spätere Landeskom-
mandant Dr. Karl Mitterdorfer und Josef
Zivilcourage zeigten jene Schützen, die an den Beerdigungen der an den Folterungen
Badstuber in Trens, Ende der 50er Jahre. verstorbenen Freiheitskämpfer Franz Höfler in Lana (29. November 1961), Anton
Gostner in St. Andrä (14. Jänner 1962) und Luis Kerschbaumer in St. Pauls (13. De-
zember 1964) oder an der Beerdigung des vom italienischen Geheimdienst ermorde-
ten Luis Amplatz in Bozen (10. September 1964) teilnahmen.

Die Zügel werden etwas gelockert


Ab 1967 wurden die strengen Maßnahmen langsam gelockert. Zuerst wurde in die-
sem Jahr das Verbot des Ausrückens aufgehoben. Auf Druck der Basis wurde daher für
den 22. Juni eine Generalversammlung des Südtiroler Schützenbundes einberufen,
bei der Dr. Karl Mitterdorfer erneut zum Landeskommandanten gewählt wurde. Dr.
Bruno Hosp als neuer Bundesmajor brachte frischen Schwung in den Bund. Es galt,
den Schützenbund, dessen Mitgliederzahl sich wegen der erwähnten Schikanen von
3400 auf 1700 halbiert hatte, neu aufzubauen und den wiedergewonnenen Tätig-
keitsspielraum auszuweiten. So war das Tragen der Fahnen nach 1967 zunächst noch
verboten: Polizei und Carabinieri drohten mit Beschlagnahmungen der Fahnen und
Auflösung der Umzüge oder Prozessionen, wenn Fahnen mitgetragen würden. Um
dieses Verbot zu überwinden, ordnete Hosp an, bei der Beerdigung des ehemaligen
Landeskommandanten und Landeshauptmannes Alois Pupp am Andreas-Hofer-Tag
1969 in Brixen trotzdem geschlossen die Kompaniefahnen mitzutragen. An die 80
Fahnen erwiesen dem Landeshauptmann die letzte Ehre, und angesichts der vielen
tausende, zum Teil auch prominenten Trauergäste wagten es Polizei und Carabinie-
Nicht wenige Schützen wurden nach der
ri nicht, dagegen einzuschreiten. Seither gehörten die Fahnen wieder zum Bild der
Feuernacht verhaftet, viele von ihnen wur-
den gefoltert. Franz Höfler, Oberjäger der Schützenkompanien.
Lananer Kompanie, starb an den Folgen der
Misshandlungen im italienischen Kerker.


Neuer Aufschwung des Schützenbundes


Karl Mitterdorfer blieb bis 1984 Landeskommandant. In diese Zeit fällt ein beacht-
licher Aufschwung des Schützenbundes. 1969 wurde im Waltherhaus wieder eine
Geschäftsstelle eröffnet. 1975 schlossen sich die Schützenbünde Bayerns, Nordtirols
und Südtirols unter der Schirmherrschaft der damaligen Landeshauptleute bzw. Mi-
nisterpräsidenten Goppel, Wallnöfer und Magnago zur Alpenregion der Schützen
zusammen. Später kamen auch noch die Welschtiroler Schützen hinzu. Zu den Al-
penregionsfesten, die abwechselnd von einem der Mitgliedsbünde ausgerichtet wer-
den, kommen jeweils mehr als 5000 Schützen aus ganz Tirol und Bayern. Seit 1977
erscheint auch die Schützenzeitung als Mitteilungsblatt der drei Bünde.

Schützen werden unabhängig


Von 1984 bis 1989 leitete Dr. Bruno Hosp als Landeskommandant den Südtiroler
Schützenbund. Ein einschneidendes Ereignis war die Aktion „Götterdämmerung“ bei
der Landesversammlung der SVP am 12. April 1986. Einige Burggräfler Schützenof-
fiziere, die sich als Angehörige des Ordnungsdienstes getarnt hatten, unterbrachen
kurz die Landesversammlung, um in einer Stellungnahme und auf einem Transparent
gegen die Paket („Verzichts“)politik der SVP zu protestieren. Die aufsehenerregende
Aktion hatte Folgen. Gegen die Verantwortlichen wurden zwar Disziplinarmaßnah-
men verhängt, aber das enge Verhältnis SVP / Schützen, das sich auch in der Perso-
nalunion wichtiger Ämter ausgedrückt hatte, war gestört. Der Schützenbund profi-
lierte sich nun immer mehr als parteiunabhängige Organisation. Dieser Kurs setzte
sich auch unter dem Nachfolger von Bruno Hosp, Pius Leitner, fort, der von 1989
bis 1993 Landeskommandant war. Die Schützen begannen immer mehr, ihre Vorstel-
lungen von der Entwicklung des südlichen Tirol und der angestrebten Landeseinheit
an die Öffentlichkeit zu tragen. Sie äußerten sich zu wichtigen Fragen wie Paket-
abschluss, Ortsnamenfrage oder Schule nicht nur mit Pressemitteilungen, sondern
Mit der unkonventionellen Aktion „Götter-
auch mit aufsehenerregenden Aktionen. So demonstrierten rund 2000 Schützen am
dämmerung“, bei der Burggräfler Schützen
20. Mai 1991 gegen die geplante Restaurierung des faschistischen Siegesdenkmals, die 13. Landesversammlung der SVP am
für die der Staat einige hundert Millionen Lire bereitgestellt hatte. Fanatische italie- 12. April 1986 blockierten, begann die
nische Faschisten beschimpften und bespuckten die Schützen, die sich nicht provo- effektive politische Unabhängigkeit des
zieren ließen, womit sie international beeindruckten. Die Faschisten, die auch tätlich Südtiroler Schützenbundes.
wurden, wurden nicht belangt, während die Bundesleitung des Schützenbundes eine
Anzeige erhielt, weil die Demonstration von der Polizei verboten worden war. Der
Prozess zog sich bis zum Kassationsgerichtshof hin, der schließlich entschied, dass
die Demonstrationsfreiheit wichtiger sei als ein nicht gerechtfertigtes Verbot der Po-
lizei.

Da Pius Leitner 1993 für den Landtag kandidierte, trat er als Landeskommandant
zurück. Das Amt wurde ein Jahr lang nicht besetzt, sondern von seinen Stellvertre-
tern Prof. Dr. Luis Ploner und Wolfram Klotz ausgeübt. Danach wurde der Durst-
Manager Dr. Richard Piock zum Landeskommandanten gewählt. Auch unter ihm
gab es spektakuläre Aktionen zu den Themen Ortsnamenfrage und faschistische
Denkmäler. 1995 wurde zudem der „Gesamttiroler Schützenbund“ als Dachverband
der Schützenbünde des historischen Tirol gegründet. Die Landeshauptleute der drei
Landesteile und die Äbte der fünf Hochstifte unterstrichen durch ihre Teilnahme die
Bedeutung dieses Aktes.

Die erste Salve nach 82 Jahren


Zwei eindrucksvolle Kundgebungen gegen
Im Jahr 2000 erhielten die Südtiroler Schützen nach langen Verhandlungen die Ge-
die Restaurierung des Siegesdenkmals
nehmigung, historische Waffen zu tragen, nachdem der Schützenbund sich bereit sollten als herausragende Ereignisse in die
erklärt hatte, dass die Gewehre als Waffen unbrauchbar gemacht werden und nur Geschichte des Schützenbundes eingehen.
noch für Platzpatronen benützbar sind, während die Säbel stumpf sein müssen. Die Friedlich demonstrierende Schützen wurden
erste Ehrensalve nach den letzten Salutschüssen des Jahres 1918 wurde am 24. Juni von Neofaschisten handfest und lautstark
2000 am Bozner Waltherplatz bei der Uraufführung des „Tiroler Zapfenstreiches“ von gestört.
Florian Pedarnig geschossen. Inzwischen haben die meisten Kompanien des Landes
10

ihre Gewehre und können nach intensiver Ausbildung und nach strengen Richtli-
nien Ehrensalven schießen. Es kann nicht genug betont werden, dass das Salven-
schießen kein aggressiver Akt ist. „Salve“ bedeutet auf Latein „heil“ bzw. „unversehrt“.
Eine Salve schießt man zu Ehren Gottes, dem verstorbenen Kameraden oder dem
Landesfürsten und Staatsgästen, indem die Mitglieder der betreffenden Formation
ihre nach oben gerichteten Gewehre zugleich entladen (man spricht daher auch von
Generaldecharge) und so dem Geehrten beweisen, dass sie keine Kugel mehr im Lauf
haben und ihm in friedlicher Absicht entgegentreten. Nicht zufällig ist „salve“ auch
ein Friedensgruß.

Schützen-Petition erregt Aufsehen


Im Jahr 001 wurde Paul Bacher aus Bozen neuer Landeskommandant. Unter seiner
ebenso ausgewogenen wie entschiedenen Führung verbesserte sich das Verhältnis zur
Paul Bacher, Mitglied der Schützenkompa-
nie Gries, sorgt mit einem ausgeglichenen
Kurie, die den Schützen mit Prof. Dr. Paul Rainer einen Landeskuraten zur Seite stell-
Führungsstil seit 2001 für einen starken ten. Es gab auf Bundesebene wiederum zahlreiche Aktionen in den Bereichen Kultur
Aufschwung, besonders unter jungen Mit- (z. B. die Wanderausstellung über den Ersten Weltkrieg mit 15.000 Besuchern), Um-
gliedern. welt (z. B. die Transit-Tagungen „Stoppt die Zerstörung“ in Neumarkt und „Landun-
ter“ in Vahrn), Soziales (Spendenaktion für die Überschwemmungsopfer in Nordtirol
mit einem Ergebnis von 60.000 Euro!) und zu politischen Themen.

Besonderes Aufsehen erregte im Jahr 006 die „Schützen-Petition“ an den österrei-


chischen Nationalrat, die 11 der 116 Südtiroler Bürgermeister mit unterzeichnet
haben. In der Petition wurde ersucht, das Selbstbestimmungsrecht für Südtirol so-
wie die Schutzmachtfunktion Österreichs für Südtirol in der österreichischen Ver-
fassung festzuschreiben, wobei das Selbstbestimmungsrecht inter-
national anerkannt ist und die Schutzmachtfunktion sich aus dem
Gruber-Degasperi-Abkommen ergibt. Trotz der Proteste Italiens
sprach sich das österreichische Parlament am 1. September 006
für die Eintragung der Schutzmachtfunktion in der Verfassung aus.
Welchen Anklang der Südtiroler Schützenbund mit seiner klaren,
gegen alle Extremismen von links und rechts scharf abgegrenzten
und gleichzeitig allen faulen Kompromissen abgeneigten Linie fin-
det, beweist die Entwicklung der Mitgliederzahlen. Von 00 bis
008 hat sich die Zahl der aktiven Mitglieder von 176 auf 903
sehr stark erhöht, wobei gleichzeitig das Durchschnittsalter von
1, auf 39, Jahr gesunken ist, also immer mehr Jugendliche in
die Kompanien eintreten.

Arbeit in Bezirken und Kompanien


Zu dieser kurzen Auswahl an Tätigkeiten des Südtiroler Schützenbundes auf Bundes-
ebene kommt natürlich noch die umfangreiche Arbeit auf Bezirks- und Kompanie-
ebene. Entgegen der landläufigen Meinung stellen die Schützenfeste nur einen klei-
nen Teil der Tätigkeiten dar, obwohl ihre Bedeutung als kameradschaftliche Treffen
zwischen Schützen verschiedener Gebiete und verschiedener Sprachen (die Welschti-
roler sind immer gern gesehene Gäste) nicht zu unterschätzen ist. Das Auftreten in
Tracht ist zudem ein Bekenntnis zur Bewahrung überlieferter Traditionen und des
Selbstbewusstseins als Tiroler. Weit mehr Zeit und Arbeit als die Feste nehmen al-
lerdings die eher unauffälligen Aktionen in Anspruch. Schützen leisten wertvolle
kulturelle Arbeit mit der Erhaltung von Kapellen, Bildstöcken und Wegkreuzen, mit
Vorträgen, Publikationen und Lehrfahrten. Sie leisten soziale Arbeit mit Spendenakti-
onen, Altersheimbesuchen und freiwilliger Arbeit für soziale Zwecke. Sie engagieren
sich im Umweltbereich mit Säuberungsaktionen, Tagungen und Informationsveran-
staltungen, Stellungnahmen und, wenn es sein muss, auch mit friedlichen Demons-
trationen. Ziel all dieser Aktivitäten ist es, das südliche Tirol als Heimat so gut wie
möglich zu erhalten und zu entwickeln und die Landeseinheit Tirols nie aus den Au-
gen zu verlieren.
11

Der Südtiroler Schützenbund


im 50. Jahr
seiner Gründung
4903
4812
Der Südtiroler Schützenbund zählt derzeit 138 Mitglieds- 4697
kompanien sowie zwei Schützenkapellen (Meransen und 4586
Pichl), mit insgesamt .903 aktiven Mitgliedern. Davon sind
31 Jungschützen und Jungmarketenderinnen (bis 16 Jahre), 4496
60 Marketenderinnen und 3.868 Schützen und Offiziere. 4382
4340
4294
Zu den .903 aktiven Mitgliedern kommen 181 Ehrenmit-
glieder und 98 unterstützende Mitglieder in den Kompa-
4233 4243
nien hinzu, insgesamt ergibt das 6.01 Mitglieder. Insgesamt 4176
sind seit Anfang letzten Jahres 3 Männer und Frauen in
Süd-Tirol einer Schützenkompanie beigetreten. Im Vergleich
zu 007 hat der SSB um genau 91 aktive Mitglieder zuge-
nommen. Die mitgliederstärksten Kompanien sind Meransen 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
(76), Algund (73), und „Franz Höfler“ - Lana, „Alte Pfarre“
- Natz und „Peter Kemenater“ - Schabs (je 71). Die Mitgliederzahlen in Süd-Tirols Schützenkompanien der letzten zehn Jahre. Der
Trend zeigt steil aufwärts. Schütze und Marketenderin sein ist wieder „in“.

Diese Zahlen der Mitgliederstatistik sind umso erfreulicher,


wenn man das Durchschnittsalter in den Südtiroler Schützen- Die stärksten Jahrgänge stellen die 1990-Geborenen (15),
kompanien ansieht. Ebenfalls seit dem Jahre 00 ist dem- gefolgt von den 1988ern (17), 1989ern (1), 1981ern
nach das Durchschnittsalter konstant im Sinken begriffen. (1) und 1987ern (10). Das jüngste Mitglied einer Kom-
Im Vergleich zum Vorjahr hat es auf Bundesebene um 0,9 panie ist  Jahre alt, das älteste 95. Der jüngste Bezirk im
Jahre abgenommen. Statistisch gesehen sind die Süd-Tiroler Bezug auf das Alter seiner Mitglieder ist der Bezirk südliches
Schützen im Schnitt 39,5 Jahre alt. Bedenkt man, dass in den Wipptal mit durchschnittlichen 36,5 Jahren, der Bezirk Bo-
Schützenkompanien aktive Mitglieder – anders als etwa bei zen ist mit ,8 Jahren der älteste. Das Durchschnittsalter
der Feuerwehr – nicht altersbedingt ausscheiden, ist diese der Kompanien reicht von 6,9 Jahren der Kompanie Altrei
Statistik um so beachtenswerter. (Eggen 7,35 und Ehrenburg 7,55) bis zu den 59,59 Jahren
der Kompanie St. Ulrich - Gröden („Mjr. Josef Eisenstecken“
- Gries 57,7 und Anpezo Hayden 53,03).
41,23 41,21

Die Mitgliederzahl bei den Jungschützen und Jungmarke-


40,83
tenderinnen hat mit 31 (+1) weiter zugenommen. Hierbei
40,52 muss erwähnt werden, dass der gesamte Jahrgang der 1991
40,31
Geborenen zu den aktiven Schützen und Marketenderinnen
übergetreten ist, dies sind immerhin 106 Mitglieder. Den
39,97
größten Zuwachs konnte der Bezirk Pustertal verzeichnen,
39,73 der nun mit 101 Burschen und Mädchen die meisten Jung-
39,44 mitglieder aufzuweisen hat. Erfreulich ist besonders der Um-
stand, dass sich in den vergangenen Jahren die Anzahl der
Jungschützen stets gesteigert hat. Waren es im Jahr 001
noch 56 Mädchen und Buben, so sind es im heurigen Jahr
2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
ganze 31 Jungschützen und Jungmarketenderinnen. Und
Während die Mitgliederzahlen steigen, sinkt in Süd-Tirols Schützenkompanien das dies, obwohl jedes Jahr – wie bereits erwähnt – der Jahrgang
Durchschnittsalter der Kompanien kontinuierlich. Ein Zeichen dafür, dass vermehrt der 16-jährigen zu den aktiven Schützen und Marketende-
junge Leute zu den Schützen finden.
rinnen übertritt.
12

50 Jahre Schützenbund

Die statutarischen
Aufgaben der
Schützen
Der Südtiroler Schützenbund ist ein Verein, der, aufbauend chen gesellschaftspolitischen Einsatz hatten Schützen auch
auf die Tradition der Landes- und Zuzugsordnungen der Ti- in der Vergangenheit.
roler Geschichte, die Aufgabe hat, die Heimat und die Iden-
tität des Tiroler Volkes gegen innere und äußere Feinde und Beispielsweise entsandten 1813/14 die Schützen einen eige-
Bedrohungen zu schützen und diese Tiroler Identität, ange- nen Delegierten nach Wien, um die Wiederherstellung der
passt an die moderne Zeit, der Jugend weiterzuvererben. alten Landesverfassung zu fordern, 1862 erzwangen Tiroler
Schützen, dass der von Herzog Ernst II. von Sachsen-Co-
Die Aufgabe der Schützen in den früheren Jahrhunderten burg-Gotha zum 1. Allgemeinen Schützenfest in Frankfurt
war die bewaffnete Verteidigung des Landes gegen militä- eingeladene Garibaldi und seine Mannen wieder ausgeladen
rische Feinde, welche die Selbstständigkeit und die besonde- wurden, ansonsten sich die Tiroler Schützen geweigert hät-
ren Freiheiten des Erbkronlandes Tirol bedrohten. ten, daran teilzunehmen.

Schützen haben nicht nur kulturelle Aufgaben, sonst wären


Die Aufgabe der Schützen heute: sie ein auf Trachten, Denkmalrenovierung und Brauchtums-
erhaltung spezialisierter Heimatpflegeverband.
…ist die Verteidigung Tiroler Identität, wann immer sie be-
droht wird. Identität wird definiert als Sprache, Kultur, Sit- Schützen haben nicht nur gesellschaftlich-soziale, solida-
te, Brauch, Rechtsempfinden, Glauben, Wertesystem und rische Aufgaben der Nachbarschaftshilfe, sonst wären sie
allgemein gelebte Verhaltensnormen von Menschen eines eine Art trachtentragender Vinzenzverein.
bestimmten Raumes; Identität ist also die Summe der Cha-
raktereigenschaften, die über Generationen tradiert, die Die Trinität der Aufgaben – gesellschaftspolitische, kultu-
Menschen eines bestimmten Gebietes (Heimat) geprägt ha- relle und soziale – ausgerichtet auf das Ziel der Identitätser-
ben und ihnen ein unverwechselbares Gesicht verleihen. Der haltung Tirols, machen die Schützen heute aus.
geographische Raum dieser Menschen – ihre Heimat – ist
einerseits von diesen Menschen geprägt, andererseits prägt Zweck und Aufgaben einer Schützenkom-
Heimat die Menschen.
panie laut § 2 der Satzungen sind:
Schützen sind – so gesehen – aktive Heimatschützer!
Aus diesem Ziel sind dreierlei Aufgaben ableitbar: a) Festhalten am überlieferten Väterglauben;
• gesellschaftspolitische (volkstumspolitische) Aufgaben; b) Pflege und Erhaltung der Tradition der Schützenkompa-
• kulturelle Aufgaben; nie, des heimatlichen Schützenwesens und des damit ver-
• gesellschaftlich-soziale (solidarische) Aufgaben bundenen Brauchtums;
c) die beispielgebende Ausübung der Rechte und Pflichten
Schützen haben nicht nur volkstumspolitische Aufgaben, der Süd-Tiroler zur Erhaltung der Tiroler Wesensart und
sonst wären sie eine politische Partei, wohl aber die Aufgabe der Existenzsicherung der deutschen und ladinischen
als „politisches Gewissen“ des Landes auf all jene offenen und Volksgruppe in der angestammten Heimat;
schleichenden Bedrohungen der Tiroler Identität aufmerk- d) die Erhaltung und Förderung der heimatlichen Trachten;
sam zu machen und gegen sie mobil zu machen; einen sol- e) die heimatkundliche Ausbildung ihrer Mitglieder und die
13

Angelobung in einer Schützenkompanie: Die Neueintritte bekunden dabei feierlich, zu den Satzungen des Schützenbundes und der eigenen Kompanie zu stehen.

Förderung des örtlichen kulturellen Lebens durch Zu- Kulturelle Aufgaben


sammenarbeit mit den verschiedenen kulturellen Einrich- • Pflege des Geschichtsbewusstseins durch Begehen von
tungen und Organisationen des Ortes; Gedenktagen, Wiederherstellung von Denkmälern und
f) die Pflege des Scheibenschießens; Gebäuden sowie die Herausgabe von Publikationen;
g) Pflege und Schutz der heimatlichen Landschaft und Na- • Wiederbelebung von Bräuchen, Prozessionen, die Beflag-
tur sowie Schutz der Natur- und Kunstdenkmäler; gung an Feiertagen;
h) die Beflaggung mit Tiroler- und Schützenfahnen bei fest- • Pflege und Wiederbelebung der Dialektsprache und -aus-
lichen und kirchlichen Anlässen; drücke;
i) die Förderung kameradschaftlicher Zusammenarbeit in- • Pflege des alten Liedgutes;
nerhalb des Südtiroler Schützenbundes sowie mit Schüt- • Pflege der heimischen Trachten;
zenkompanien der Alpenregion. • Pflege und Wiederbelebung des Scheibenschießens so-
wie der damit verbundenen kulturellen Riten.
Gesellschaftspolitische (volkstumspolitische) Aufgaben:
• Schützen treten für die Selbstbestimmung und die fried- Gesellschaftlich-soziale (solidarische) Aufgaben
liche Wiedervereinigung Tirols in einem europäischen • Pflege der Kameradschaft ohne Unterschied des Stan-
Kontext ein; sie verfechten unter anderem die Idee eines des;
europäischen Bundeslandes Tirol, in dem nur die überge- • Nachbarschaftshilfe in den Dorfgemeinschaften durch
ordneten Aufgaben der Verteidigung, der Währung und Pflege der Soldatenfriedhöfe, Hilfe in karitativen Orga-
der großen Außenpolitik den Nationalstaaten oder einem nisationen
europäischen Bundesstaat übertragen bleiben, während • Integration von Jugendlichen durch Vermittlung von Ge-
alle anderen Funktionen durch diese grenzüberschreiten- meinschaftssinn, Verantwortungsbewusstsein für die Ge-
de Regionalgemeinschaft selbstständig erfüllt werden; meinschaft;
• Bekenntnis zum Vaterland Österreich • Engagement und Hilfe für in Not geratene Schützen
• Lösung der Toponomastikfrage (Ortsnamengebung) im (Herz-Jesu-Notfonds).
historischem Sinne, d.h. Abschaffung der faschistischen
Namensdekrete und Wiedereinführung der historisch
gewachsenen deutschen, ladinischen und italienischen
Orts- und Flurnamen;
• Durchsetzung der Zweisprachigkeit auf allen Verwal-
tungsbereichen;
• Einsatz für die Erhaltung der Natur, von Naturdenkmä-
Mitteilungsblatt der Schützen der Alpenregion
lern und gegen rein ökonomisch orientierte Ausbeutung
der Natur;
ren
• Eintreten für Minderheitenrechte und Kampf gegen Ver-
jetzt abonnie
letzungen des Gleichheitsprinzips der Menschen vor dem
Gesetz;
78
0471 97 40 .c om en
info@schuetz
14

Gastkommentar

Mut zur
Wahrheit
wäre angebracht!

Günther Andergassen ist am 17. April 1930 Ich gehöre jenen Generationen an,
in Margreid in Süd-Tirol geboren und lebt in die in den 30er-Jahren Volksschüler
Innsbruck. Er ist Musikpädagoge und -wissen- waren und vom Kindergarten an bis
schaftler. Vor seiner Pensionierung war er Di- 1939 ausschließlich italienischen Un-
rektor des Vorarlbergers Landeskonservatoriums terricht über sich ergehen lassen muss-
in Feldkirch. Für sein vielseitiges Schaffen wurde ten. Deutsch war verboten! Das Glück,
ihm von Bundespräsident Rudolf Kirchschläger in der deutschen Sprache unterrichtet
1981 der Titel Professor verliehen. 1989 erhielt zu werden, verdanke ich der „Kata-
er das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um kombenschule“ und meinen mutigen
die Republik Österreich, 1991 zeichnete ihn das Eltern. Dazu ging ich von Quirein aus
Land Tirol mit dem Verdienstkreuz des Landes einmal in der Woche – mit einem Heft
aus. Im Jahre 1940 wanderte Günther Ander- unter dem Hemd versteckt – an jenem
gassen, damals ein 10-jähriger Bub, mit seiner so genannten „Siegesdenkmal“ vorbei
Familie aus, wie eben 70.000 andere Süd-Ti- in die Grieser Fagenstraße, wo meine
roler auch, die sich im Zuge der Option für die Deutschlehrerin, Frau Kurzmaneck,
Günther Andergassen, Musikwissenschaftler
mit Süd-Tiroler Wurzeln.
Auswanderung entschieden hatten. wohnte.

Als nach der Herz-Jesu-Nacht 1961 durch Vi- Einmal mussten wir Buben mit über-
sumspflicht und „Schwarze Listen“ Nordtiroler gestülpten Schwarzhemden, die Mäd-
Teilnehmer an Aktionen die Grenze versperrt chen in weißen Blusen, so Aufstellung
blieb, übernahm Günther Andergassen die Ver- nehmen, dass sich das Luftbild „DUCE“
antwortung im BAS. Wunderbarerweise wurde ergab. Auf dem Siegesdenkmal steht
Andergassen erst ab Herbst 1963 beschattet. – von Liktorenbündeln gerahmt – jener
Schließlich wurde er auf einer Fahrt mit seinen menschenverachtende und alle Süd-
Salzburger Kulturkunde-Studenten am 2. April Tiroler verletzende Spruch „hinc cete-
1964 in Venedig verhaftet. Das Urteil lautete im ros excoluimus lingua legibus artibus“
II. Mailänder Prozess „30 Jahre Gefängnis“. (frei übersetzt: „Wir haben „denen da“
Nach 7 Jahren Haft wurde Günther Andergas- Sprache, Gesetz, Künste (Kultur) bei-
sen auf Intervention vieler Menschen, darunter gebracht!“) Es ist anzunehmen, dass der
Politiker wie Bundeskanzler Bruno Kreisky Oberste Denkmalschützer soviel La-
oder Kardinal König, aus der Haft entlassen. tein kann, dass er die Arroganz dieser
LH Wallnöfer empfing Prof. Andergassen am Inschrift erfasst hat.
23. Dezember 1970 im Innsbrucker Landhaus
mit den Worten: „Wenn ös net g’wesen wart’s, Denn: Süd-Tirol hatte vorher und
hatt’n mer net amol a Paket“. durch Jahrhunderte seine eigene Spra-
Zum 50. Geburtstag des Südtiroler Schützen- che (Deutsch und Ladinisch) kultiviert,
bundes fordert Prof. Andergassen zum Mut zur seine eigene gültige Gesetzgebung
Wahrheit auf. (der mussolinianische Codice Rocco
15

Wenig Mut zur Wahrheit: Keine italienische Nachkriegsregierung hat sich bislang für die von Mussolini an den Süd-Tirolern begangenen Untaten nach 1922 entschuldigt. Im
Gegenteil. Faschistische Denkmäler wurden aufwändig restauriert und – wie hier am Finanzgebäude in Bozen – teilweise sogar erst nach dem Krieg fertiggestellt.

aus dem Jahr 1929 hatte uns gerade dem Gericht!), das bedauerlicherweise Da stehen – zum „Beweis“ für die „Gül-
noch gefehlt!), hatte seine eigenen von der Hand des Süd-Tirolers Hans tigkeit“ der Grenzen nach Norden
Künste und Kultur. Dieses provokante Piffrader stammt, worauf noch einge- jene „Friedhöfe“, die solche keine sind!
Denkmal steht immer noch da in seiner gangen werden müsste, will man die- Man hat die armen Knochen von itali-
protzigen Überheblichkeit! Wer aber ser tragischen Künstlergestalt gerecht enischen Gefallenen des Ersten Welt-
dieses und die anderen faschistischen werden. kriegs, die ihren Tod im Süden und
Denkmäler aufbewahren will, muss nicht auf Süd-Tiroler Boden gefunden
entweder von faschistischer Einstellung Auf diesem Relief ist ein protziger hatten, dort beigesetzt. In Mals ruhen
geprägt oder ein Faschistenfreund oder Mussolini dargestellt, womöglich eins- so auch 54 österreichische Soldaten,
gar selber Faschist sein, selbst wenn es tens sogar „denkmalgeschützt“, wie er die zu „soldati italiani“ gemacht wur-
der oberste Denkmalschützer in Süd- – gerahmt vom „credere obbedire com- den, um der „Befreiung Süd-Tirols wil-
Tirol ist. battere“ und dem „PNF“ (Partito Nazio- len“ – was für ein Hohn!
nale Fascista) hoch zu Ross nach Äthi-
Dieses und die anderen faschistischen opien reitet; jener Kriegsverbrecher Den Faschisten war das Grab am Ison-
Denkmäler sind weder aus historischen, Mussolini, der – ohne Kriegserklärung zo nicht „heilig“ genug: Die Gebeine
noch aus politischen, oder aus kunst- 1935 das unbewaffnete Land überfällt, kamen ihnen für eine „Geschichtsfäl-
historischen Gründen aufzubewahren! mit seinen Giftgasbombern unter der schung“ gerade recht! Sie schreckten
Denn, wenn das „Kunst“ ist, dann ist Zivilbevölkerung Hunderttausende vor einem Transfer in „fremde“ Erde
Michelangelo und Leonardo und Ma- hinmorden lässt, unter anderen auch nicht zurück und nicht vor dem Recht
saccio und Ghirlandaio und Vivaldi koptische Mönche, alles unter dem auf „friedliche Grabesruhe“!
und Verdi und Mozart und Schubert Motto „Missionierung“ von „Barbaren“,
und Beethoven und Bach und Händel Lazarette, Frauen und Kinder nicht Alle Straßennamen in Bozen, die zu-
nicht „Kunst“! verschonend, Flüsse verseuchend, gan- dem Kriegsverbrecher aus dem Abes-
ze Landwirtschaften, Viehherden mit sinienkrieg verewigen sollten, gehören
Diese Denkmäler gehören allesamt Giftgas zerstörend. abgeschafft, Alpini-Denkmäler, z.B.
schärfstens geächtet. Wenn das nicht jenes in Bruneck (genannt „Kapuziner
geschieht, so abgebaut und weit weg Objektive Dokumentationen – auch Wastl“), gehören geschleift, wobei man
von einem öffentlichen Platz (nicht von italienischen Historikern getragen, nur auf jenen Alpini-General Pirzio Bi-
in Bozen!) auf einem „Friedhof“ aufge- – bezeugen das! Man sollte an alle ver- roli verweisen muss und dessen Appell
stellt, wo der „Kitsch der Geschichte“ nunftbegabten Italiener die Aufforde- an seine Soldaten zur Ausrottung der
aufbewahrt wird und die „Ewiggestri- rung zur Einsicht richten, endlich zu äthiopischen Eliten („Hier könnt ihr
gen“ ihre Kränze niederlegen mögen. verstehen, dass alle diese menschenver- gar nicht genug Räuber, Mörder und
achtenden und die Süd-Tiroler Volks- Vergewaltiger sein!“).
Wenn überhaupt möglich, ist noch un- gruppe verletzenden Denkmäler von
erträglicher für uns Süd-Tiroler jenes einer deklarierten Mehrheit mit uns Nirgends im deutschsprachigen Raum
an faschistischer Überheblichkeit nicht geächtet werden müssen: In einem de- gibt es auf einem öffentlichen Platz ein
zu überbietende monströse Riesenrelief mokratischen Land darf es keinen Platz Nazi- Denkmal mehr, geschweige denn
am Bozner Finanzgebäude (gegenüber für sie geben! ein Hitler-Portrait. Und hätte da einer
16

Keiner ist für dieses Land gefallen. Im April einmal Hitler als „größten Staatsmann vorgeworfen: Keine, ich betone noch-
1938 wurden im staatlichen Auftrag am des 0. Jahrhunderts“ bezeichnet, wie mals: Keine hat sich bislang für die von
Soldatenfriedhof in St. Jakob die Gebeine das noch vor 15 Jahren Gianfranco Fini Mussolini an der Süd-Tiroler Volks-
exhumiert und in dieses Mausoleum in
Burgeis überführt. Auch am Reschenpass
mit Benito Mussolini getan hat, er wäre gruppe begangenen Untaten nach
soll so der Eindruck einer rechtmäßigen, wegen „Wiederbetätigung“ mit vielen 19 bis 193 entschuldigt. Keine hat
tapfer erkämpften Grenze erweckt werden. Jahren Gefängnis verurteilt worden. sich für die von Mussolini noch 1938
Der Reisende erkennt nicht, dass diese Sol- herausgegebenen italienischen Rassen-
daten weit weg von hier und zum Großteil Und all das in einem europäischen gesetze entschuldigend zu Wort ge-
erst nach dem Krieg verstorben sind.
Land demokratischen Anstrichs? Jeder meldet! Noch hat keine Regierung den
„anständige“ Italiener muss sich dafür Mut zur Wahrheit aufgebracht!
wohl zu Recht schämen! Zusammen-
fassend möchte ich festhalten: Alle Keine italienische Regierung hat bis-
angesprochenen faschistischen Denk- lang die innere Kraft und Größe an
mäler und Erinnerungen an diese un- den Tag gelegt, sich der faschistischen
heilvolle Zeit sind eine Schande nicht Vergangenheit und ihrer Aufarbeitung
nur für Italien, sondern für das ganze zu stellen. Das gleiche gilt auch für das
demokratische Europa! „Faschisten“ Verhältnis Italiens zur deutschen Volks-
oder Personen mit „faschistoider“ Ein- gruppe in Süd-Tirol. Diese Vergangen-
stellung sollen sich ihre „Helden“ aus heitsbewältigung steht ebenfalls aus.
Geschichtsbüchern holen, die heute
sogar in Italien mit der Vergangenheit
aufgeräumt haben und in denen Benito Veranstaltungshinweis
Mussolini als Kriegsverbrecher entlarvt
ist, der er war. Frieden und Versöhnung TAG DER
TIROLER
zwischen den Volksgruppen?

In der täglichen Praxis gibt es damit


kaum noch Probleme! In Bozen hätte
sich eine qualifizierte Mehrheit mittels
EINHEIT
Referendum zum Entschluss durchrin-
gen müssen, den „Sieges-Platz“ in einen
7. JUNI 2008
Am 6. Juni 1936 wurde der Alpino, im
Volksmund „Kapuziner-Wastl“ genannt,
„Friedens-Platz“ zurückwidmen zu las- INNSBRUCK
in Bruneck feierlich enthüllt. Er erinnert an sen. Dann wären erst recht die „Pace“- Tummelplatz
die kämpfenden faschistischen Truppen in Fähnchen vor Fenstern und Balkonen
Afrika Nach mehrmaliger Zerstörung durch überflüssig geworden! Die Freiheitskämpfer:
Freiheitskämpfer wurde er immer wieder Günther Andergassen, Hans Stieler
aufgerichtet.
Zudem sei allen italienischen Regie- Sepp Mitterhofer, Siegfried Steger
rungen der Nachkriegszeit nochmals
17

50 Jahre Schützenbund

Bozen im Zeichen der Schützen


Marschwettbewerb
im Herzen der Stadt
Abtreten Ein wesentlicher Teil der Feier zum 50-Jahr-Jubiläum des
rt u
we Südtiroler Schützenbundes ist der Marschwettbewerb am
5
ng s
Be

po
sten Samstag, 6. April, mit Schwerpunkt am Bozner Walther-
platz. Von 13 bis etwa 17 Uhr werden sich elf Kompanien
des Südtiroler Schützenbundes im Herzen von Bozen an
diesem Wettbewerb beteiligen und dabei die Zuschauer er-
ahnen lassen, welche Menge an Arbeit und Idealismus hinter
dem anscheinend mühelosen Auftreten, Marschieren und
rt u
Salveschießen der Schützen steckt.
we
1
ng s
Be

po
sten Der Marschwettbewerb beginnt um 13 Uhr am Musterplatz.
Antreten Dort muss jede der elf teilnehmenden Kompanien zunächst
einmal Meldung machen, wobei die Genauigkeit der Mel-
Ehrentribüne

dung sowie Sauberkeit und Einheitlichkeit der Tracht be-


wertet werden. Zum Klang der Trommeln marschieren die
rt u
we
4 Kompanien dann auf den Waltherplatz, wo sie zunächst
ng s
Be

po
sten eine Generaldecharge abgeben. Mit der Generaldecharge
rt u (wörtlich „Generalentladung“) ist die Ehrensalve gemeint,
we
2 die nach ganz strengen Regeln und natürlich möglichst
ng s
Be

po
sten
gleichzeitig erfolgen muss. Es handelt sich um eine alte mili-
tärische Ehrenbezeugung, die zutiefst friedlichen Charakter
hat; das Entladen der Gewehre soll nämlich beweisen, dass
we
rt u
man keine Kugel mehr im Lauf hat und dem zu Ehrenden in
3
ng s
Be

po
sten
friedlicher Absicht entgegentritt. Unter Begleitung der Mu-
sikkapelle Zwölfmalgreien – auch dies ein weiterer Grund,
sich den Wettbewerb nicht entgehen zu lassen – müssen die
Kompanien dann am Waltherplatz beim Marschieren und
bei den Wendungen Präzision beweisen. Ein eigener Pro-
grammpunkt ist die Defilierung vor der Ehrentribüne.
Die Bewertungsposten und ihre Kriterien:
Vom Waltherplatz ziehen die Kompanien weiter zum Korn-
Punkt 1: Antreten und Meldung der Kompanie, Sauberkeit platz, wo der Fahnenaustritt bewertet wird und die Gewehr-
und Einheit der Tracht, Unterladen (Sicherheit), visitierung stattfindet. Am Wettbewerb beteiligen sich die
Doppelreihenspringen und Abmarsch Schützenkompanien Völser Aicha, Kurtatsch, Göflan, Kal-
Punkt : Links Front, Generaldecharge tern, Platt, Laas, Ehrenburg, Lana, Pfalzen, Lüsen und St.
Punkt 3: Marschieren und Wendungen Andrä.
Punkt : Defilierung
Punkt 5: Fahnenaustritt und Gewehrvisitierung
18

50 Jahre Schützenbund

Was
geschieht bei den
Schützen?
Rund 5.000 Schützen und Marketen- werden restauriert und gepflegt, und
derinnen, 138 Mitgliedskompanien, 2 es wird bewusst überliefertes Brauch-
Schützenkapellen – das ist der Südti- tum gefördert und weitergegeben.
roler Schützenbund im 50. Jahr seines
Bestehens. Ein Verein, dem die Erhal- Fit, nicht nur in Landeskun-
tung der Heimat, die Traditionspflege
und der Väterglaube am Herzen liegt, de und Geschichte
wie kaum einem anderen.
Der Südtiroler Schützenbund bietet
Überparteilich, aber einem seinen Mitgliedern jedes Jahr ein
reichhaltiges Fortbildungsprogramm
klaren volkstumspoli- an: Es reicht vom Wissen über die Ge-
tischen Auftrag folgend schichte der Heimat über Redeschu-
lungen bis zu Seminaren über Stil und
Die Aufgaben des Schützenbundes Etikette. Außerdem sind auf der stets
leiten sich grundsätzlich nicht aus po- aktualisierten Homepage des Südtiro-
litischen Vorgaben ab. Überparteilich ler Schützenbundes: www.schuetzen.
und trotzdem einem klaren volkstums- com rund um die Uhr Informationen
politischen Auftrag folgend, erarbeiten zu verschiedensten Themen zugäng-
die höchsten Gremien, die Bundesver- lich.
sammlung und der Bundesausschuss,
Vorgaben, nach denen die ausführen- Heimat leben und gestalten
den Organe auf Bundes-, Bezirks- und
Kompanieebene auf demokratische Es gibt viele Wege, auf denen Men-
Art und Weise ihrem Schützenauftrag schen im ganzen Land zu den Schüt-
gerecht werden. zen finden. Manch einen bringt die
Familientradition schon in frühester
Kultur nicht nur pflegen, Jugend als Jungschütze in die örtliche
Kompanie, andere finden im Pflicht-
sondern vor allem leben und Oberschulalter bei den Schützen
in der Kameradschaft von Gleichge-
Dieser Leitspruch bestätigt sich im sinnten ihren Platz. Letztendlich tritt
konsequenten Einsatz der Schützen auch eine nicht unerhebliche Anzahl
Klares Bekenntnis für Tirol, klare Absage
an totalitäre Staatsformen. Süd-Tiroler
in verschiedenen Bereichen: So wird als Erwachsene den Schützen bei, um
Schützen in Innsbruck im Juni 2007. die heimische Trachtenlandschaft gemeinsam mit jüngeren und älteren
lebendig und natürlich erhalten, hei- Kameraden Heimat zu erleben und zu
mische Bau- und Kulturdenkmäler wie gestalten.
Kapellen, Bildstöckln oder Wegkreuze
19

Gemeinsam Tirol erleben. Alt und Jung sind gleich viel wert.

Gegen Ungerechtigkeit und Rolle, ob man als Schütze unter Ge- in den Gemeinden macht sie zum
gegen Verherrlichung wehr ausrückt oder als Marketenderin wichtigen Träger des in Tirol seit
neben dem Hauptmann in der ersten Jahrhunderten ausgeprägten Gemein-
von totalitären Staats- Reihe steht. Allen gemeinsam sind die schaftssinns.
formen Ziele, die Freude an der Traditions-
pflege und die Bereitschaft, sich für die
Sich gesellschaftspolitisch einzu- Heimat einzusetzen.
setzen, klar die eigene Meinung zu
vertreten und als Gewissen des Landes
zu wirken, wo immer es notwendig Liebe zur Heimat
erscheint, sehen die Schützen wohl als Auftrag
seit jeher als ihren Auftrag an. Aus
diesem Selbstverständnis heraus lässt Die Liebe zur Heimat bedeutet für
sich leicht erkennen, warum sich die Schützen vor allem auch die Liebe zu
Schützen gegen Ungerechtigkeit und ihren Menschen. Spontane Nachbar-
die Verherrlichung von totalitären schaftshilfe und solidarische Aufgaben
Staatsformen auflehnen. Unsere
Heimat ist einzigartig und darf nicht
schlechten Ideologien zum Opfer
fallen. Die Landeseinheit und das Va-
terland Österreich sollen dabei nicht
nur leere Worthülsen bleiben.

Kameradschaft mit gleich-


gesinnten in ganz Tirol und
in Bayern
Der Lohn allen Tuns könnte größer
nicht sein: Dicke Kameradschaft mit
Gleichgesinnten in ganz Tirol und in
Bayern. Hier, wo sich Alt und Jung,
Mann und Frau ohne Unterschied des
Zusammenstehen, einander Heimat sein. In den Kompanien des Südtiroler Schützenbundes hat jeder den gleichen
gesellschaftlichen Standes mit einem Stellenwert. Ob Student oder Unternehmer, ob Beamter, Bauer oder einfacher Arbeiter. Alle sprechen sich mit
freundschaftlichen „Du“ ansprechen, einem freundschaftlichen „Du“ an.
findet jeder seinen Platz und seine
Aufgabe. Es spielt dabei keine große
20

Hartmuth Staffler

VonHelden und kritischem


Geschichts-
bewusstsein
Das Heldentum - ein strapazierter Begriff. schaffen. Dabei haben sie die Ge- am 20. Februar 1810, in der Brixner
Neben vielen unscheinbaren Zeitgenossen sind schichte nicht als Lehrmeister akzep- Gegend auch an Peter Mayr, den Wirt
für viele Schützen auch jene Menschen Helden, tiert, sondern entweder verleugnet an der Mahr, der am gleichen Tag wie
die in kriegerischen Auseinandersetzungen oder als Machtinstrument verfälscht Andreas Hofer in Bozen erschossen
für die Heimat ihr Leben lassen müssen, auch und missbraucht. wurde. Die Tiroler Freiheitskämpfer
wenn man damit scheinbar nicht immer dem von 1809 sind in letzter Zeit von
Zeitgeist entspricht. Bezeichnend ist, dass sowohl Napole- gewisser Seite oft als rückständige,
on als auch Mussolini mit dem Beginn stockkonservative Bauern dargestellt
Wenn wir unserer Tiroler Freiheits- ihrer Herrschaft auch eine neue worden, die sich gegen die modernen,
helden gedenken, so soll dies kein Zeitrechnung einführten als Zeichen aufklärerischen Ideen der franzö-
leeres Ritual sein, sondern ein echtes dafür, dass sie mit der Vergangen- sischen Revolution gestellt hätten. Als
Gedenken und damit auch ein Nach- heit gebrochen hatten. Noch heute Beweis dafür wurde sogar herangezo-
denken über unsere Geschichte, für kann man am Mussolini-Denkmal am gen, dass sie sich gegen die von den
die der Freiheitskampf 1809 ein ein- Finanzamt in Bozen lesen, dass es im Bayern eingeführte Pockenimpfung
schneidendes, prägendes Erlebnis war. 20. Jahr der faschistischen Ära begon- gewehrt hätten. Abgesehen davon,
Echtes Geschichtsbewusstsein ist ja nen wurde. Fertiggestellt wurde es ja dass es auch heute noch durchaus
heute leider keine Selbstverständlich- erst im Jahr 1957 von einem Staat, der respektable Impfgegner gibt, gehen
keit. Es gibt Menschen, die glauben, sich inzwischen demokratisch nannte. solche Vorwürfe am Wesen der Sache
dass man keine Wurzeln brauche, dass Dieser leichtfertige Umgang mit der vorbei. Sie sind vielmehr ein Beweis
Traditionen überflüssig seien, dass Ge- Geschichte, die entweder geleugnet dafür, dass sich manche Berufskri-
schichte etwas für Rückwärtsgewandte oder verfälscht wird, ist bezeichnend tiker an Kleinigkeiten aufhängen
sei, während wir im Heute leben und für Diktaturen, für menschenverach- müssen, weil es ihnen in den wich-
an das Morgen, nicht an das Gestern tende Ideologien. tigen, grundsätzlichen Dingen an
zu denken hätten. Argumenten fehlt. Unsere Tiroler
Echtes, das heißt ehrliches und auch Vorfahren von 1809 waren nämlich
Wer so spricht, beweist, dass er aus selbstkritisches Geschichtsbewusst- in vieler Hinsicht fortschrittlicher
der Geschichte nichts gelernt hat. sein ist hingegen die Grundlage für als die Franzosen, die zwar eben erst
Seit den napoleonischen Kriegen hat die gesunde Weiterentwicklung einer eine Revolution gemacht hatten, dann
Europa immer wieder schreckliche Gesellschaft auf der Grundlage ihrer aber in einen schlimmen, aggressiven
Katastrophen erlebt, ganz beson- überlieferten Werte. Absolutismus zurückgefallen waren.
ders im vergangenen Jahrhundert. Es Unsere Tiroler Vorfahren hatten sich
waren Politiker, die glaubten, über die Geschichtsbewusstsein braucht kon- ja ihre Freiheiten bereits lange vorher
Geschichte erhaben zu sein und eine krete Anhaltspunkte, und es braucht ohne blutige Revolution erworben,
eigene, neue Geschichte schreiben zu bewusst gelebte Rituale, also Feiern allen voran die Wehrfreiheit, die sie
können, es waren verblendete Ideolo- beziehungsweise Gedenkfeiern. Ein verpflichtete, ihr Land zu verteidigen,
gen, die Millionen ins Verderben führ- solcher Anhaltspunkt ist für Tirol das die sie aber von jeder Wehrpflicht
ten. Machtbesessen und rücksichtslos Gedenken an den Freiheitskrieg von außerhalb des Landes befreite. Und
wollten sie einen „neuen Menschen“ 1809 und an den Tod Andreas Hofers da kamen die Franzosen und die mit
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Peter Mayr, der Held der Wahrheit. Anführer des Aufstandes von 1809. Als er in Gefangenschaft geriet, erhielt Peter Mayr die Möglichkeit, sich zu retten, indem er öffentlich
erklärte, nicht gewusst zu haben, dass das Tragen von Waffen bei Todesstrafe verboten war. Doch er wollte sein Leben nicht durch eine Lüge erkaufen. Und wurde hingerichtet.

ihnen verbündeten Bayern daher, un- bringen können. Aber nein, er hat sich seine Mitmenschen und sein Land
terwarfen im Namen ihrer Freiheit das beim Loaterer wenig oberhalb seines liebte und der sich dafür aufgeopfert
Land, führten eine allgemeine Wehr- Mahrwirtshauses versteckt, fast als ob hat. Erweisen wir ihm unsere Ehre und
pflicht ein, erhöhten die Steuern und er auf seine Festnahme warten wollte, versuchen wir, in seinem Geiste für
verboten eine Reihe von altvertrauten, und er hat dann auf einen möglichen unser Land Tirol zu arbeiten.
liebgewordenen Bräuchen. Freispruch verzichtet, weil er sich das
Leben nicht mit einer Lüge erkaufen
Sich dagegen aufzulehnen, wie es wollte. Es war wohl nicht nur die
unsere Männer von 1809 getan haben, sicher vorhandene große Wahrheits-
war also keineswegs reaktionär, son- liebe, die Peter Mayr dazu getrieben
dern es war eine aus dem Volke kom- hat. Es war auch eine große Liebe zu
mende Aktion der Selbstbehauptung seinem Land und zu seinen Landsleu-
und der Selbstbestimmung. Angesichts ten. Er war bereit, die Verantwortung
der Übermacht der Feinde und ihrer auf sich zu nehmen und sein Leben
Brutalität gegenüber der Zivilbevölke- zu opfern, um damit vielleicht andere
rung war der Kampf auf Dauer nicht Landsleute zu retten. Diese Haltung
zu gewinnen. Gerade in ihrer Nieder- macht ihn zum Helden, den wir zu
lage sind aber unsere Männer vom Jahr Recht verehren. Dieser Geist von
1809 zu Helden geworden. Wir ver- Peter Mayr und den anderen Männern
ehren sie nicht wegen ihrer erstaun- von 1809 ist zum Glück auch heute
lichen militärischen Erfolge, sondern noch zu spüren in vielen Menschen
vor allem wegen ihrer menschlichen im Lande, die sich selbstlos für andere
Größe auch in schweren Stunden. einsetzen.
Peter Mayr hatte sich, nachdem der
Kampf der Tiroler Landesverteidiger Peter Mayr ist ein wunderbares Bei-
gegen den übermächtigen Gegner spiel für diese Verbundenheit mit dem
bereits aussichtslos geworden war, Land und seinen Leuten, das heißt für
noch einmal zum letzten Widerstand die Heimatliebe, die wir heute mehr
in der Brixner Gegend hinreißen denn je brauchen, gerade in dieser
lassen. Die Folgen waren schreck- Zeit der Globalisierung.
lich. Die Franzosen brannten zur
Peter Sigmair, der Held der Vaterliebe.
Vergeltung rund 200 Bauernhöfe und Es gibt in unserem Lande leider noch
Peter Sigmair, geb. 1775 in Olang,
beinahe 30 Ansitze um Brixen nieder Denkmäler, die die menschenver- Freiheitskämpfer 1809. Als die Franzosen,
und stürzten damit unzählige Familien achtende faschistische Ideologie und an seiner statt, den Vater verhaften wollten,
in bittere Not. Peter Mayr hat dieses ihre brutale Aggressionspolitik gegen stellte er sich und wurde am 14. Jänner
Elend schwer getroffen, weil er sich andere Völker verherrlichen. In der 1810 in Olang hingerichtet.
dafür mit verantwortlich fühlte. Er Mahr aber stehen wir vor einem
hätte sich durch Flucht in Sicherheit Denkmal für einen Menschen, der
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Jungschützen

Jugendarbeit
im Südtiroler
Schützenbund
Jungschützen waren im Statut des terung mit. Regelmäßig stattfindende
Südtiroler Schützenbundes ursprüng- Sitzungen garantierten gute freund-
lich gar nicht vorgesehen; in einigen schaftliche Kontakte und es wurde ein
Kompanien des Landes war man Schwerpunktprogramm erstellt.
trotzdem bereit, begeisterte Buben Ziel der Jugendarbeit ist laut der Sat-
einzukleiden und mitmarschieren zu zung die religiöse und charakterliche
lassen, auch wenn sie jünger als 16 Bildung und Festigung, die Förderung
Jahre alt waren. Es wurden ihrer aber der Tiroler Gesinnung, Kameradschaft
immer mehr, so dass die Bundesleitung zwischen den Jungschützen und
Ende der 70er-Jahre beschloss, ein -marketenderinnen ganz Tirols unter-
Referat für die Jüngsten im Bund zu einander sowie das aktive Interesse für
schaffen. Ebenso wurden in Kom- das Tiroler Schützenwesen, so dass die
panien, Bezirken und Bundesleitung Jungschützen und -marketenderinnen
Betreuer ernannt. Das war der Beginn als aktive Mitglieder in die jeweilige
gezielter Jugendarbeit im Südtiroler Schützenkompanie übertreten können,
Schützenbund. Die ersten Bundesbe- wenn sie es möchten.
treuer hatten es allerdings nicht leicht,
da sie zum einen absolutes Neuland In diesem Sinn wurden mehrere Pro-
betraten, zum anderen auch auf keinen jekte erfolgreich umgesetzt:
Mitarbeiterstab als Unterstützung
zurückgreifen konnten. • Aus der Erkenntnis heraus, dass
Kinder mit einem chronologischen
1996 beschloss die Bundesleitung, Bogen über 1000 Jahre Geschichte
der Jugendarbeit mehr Gewicht zu voller Daten und Namen überfordert
geben. Da in den Kompanien immer sind, wurde angeregt, das Konzept für
mehr Mädchen aufgenommen wurden, das Jungschützen-Leistungsabzeichen
wurde zusätzlich eine Bundesjugendre- zu ändern. In der Folge wurden vier
ferentin ernannt. Broschüren unter dem Titel „Tirol anno
. . .“ mit jeweils wechselnden Schwer-
Die beiden Referenten gingen als punktthemen verfasst. Mit deren Hilfe
erstes daran, eine Jugendleitung, bereiten sich die Jungschützen darauf
Die Flagge, welche bei den Zeltlagern der
bestehend aus den Bezirksbetreuern vor, zwölf Fragen zu beantworten und
Jungschützen über dem Lager weht: „Wir
Jungschützen bauen Tirol!“ und den Bezirksmarketenderinnen das Leistungsabzeichen in Bronze,
aufzubauen, da nur im Team effizi- Silber oder Gold – je nach Alter und
ente und kontinuierliche Jugendarbeit Schwierigkeit – zu erwerben. Das
gewährleistet werden konnte. Die Hauptziel dieser Initiative ist, die
Betreuer und Marketenderinnen aus Neugier der Jungschützen auf die Ge-
den Bezirken machten mit viel Begeis- schichte unserer Heimat zu wecken.
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Burggräfler und Passeirer Jungschützen bei der Defilierung

• Jungschützenschießwettbewerbe und bekommen die Möglichkeit, sich ferat des Schützenbundes verwirklicht:
in allen Bezirken sollen die Freude über Sinn und Inhalt der Gelöbnisfor- In Erinnerung an die 158.000 Süd-Ti-
am Schießsport wecken, außerdem mel Gedanken zu machen. roler Unterschriften für eine Rückkehr
werden die fünf besten Jungschützen Süd-Tirols zu Österreich, die 1946
ermittelt, die dann am jährlich stattfin- • Schon seit längerem war der dem damaligen Bundeskanzler Vigl
denden Tiroler Jungschützenschießen Wunsch nach einer eigenen Jung- übergeben wurden, überreichten Jung-
teilnehmen. schützenflagge vorhanden, ein junger schützen dem Nationalratspräsidenten
Betreuer steuerte das Motto bei: „Wir Andreas Khol im Wiener Parlament
• Alle drei Jahre findet ein Tiroler Jungschützen bauen Tirol.“ Seitdem eine Arbeitsmappe mit ihren Vorstel-
Jungschützentreffen statt, es wird weht diese Flagge über jedem Zeltla- lungen über die Zukunft Süd-Tirols.
abwechselnd von den Jungschützenbe- ger.
treuern des Südtiroler Schützenbundes Die Zahl der Jungschützen hat sich
und des Bundes der Tiroler Schüt- • Im Jahr 1999 wurde das Jungschüt- im letzten Jahrzehnt verdreifacht,
zenkompanien (Nord- und Osttirol) zenstatut neu formuliert und den obwohl die 16-Jährigen laut Statut zu
veranstaltet. Bedingungen des Jugendförderungsge- den Schützen und Marketenderinnen
setzes angepasst. übertreten. Dies bestätigt, dass die
• Das Jungschützenzeltlager findet Jugendleitung mit ihrer Arbeit auf dem
seit dem Jahr 2000 unter dem Motto Eine besondere Initiative wurde 2006 richtigen Weg ist.
„Abenteuer Heimat“ jährlich statt, und in Zusammenarbeit mit dem Kulturre-
zwar jeweils in einem anderen Tal. Es
bietet den Jungschützen Gelegenheit,
sich gegenseitig kennen zu lernen Impressum:
und mit allen Ecken unserer Heimat Sondernummer der Tiroler Schützenzeitung 3-2008
vertraut zu werden. Eigentümer und Herausgeber: Südtiroler Schützenbund, Schlernstraße 1, Bozen
Eingetragen beim Landesgericht Bozen 6/77.
• Die Bundesleitung gewann die
Verantwortlicher Schriftleiter im Sinne des Pressegesetzes: Hartmuth Staffler.
Überzeugung, dass auch die 16-Jäh- Die Tiroler Schützenzeitung versteht sich als Mitteilungsblatt des Südtiroler Schützen-
rigen – obwohl nun schon aktive bundes, des Welschtiroler Schützenbundes, des Bundes der Tiroler Schützenkompanien
Schützen – als Jugendliche eine ihnen und der Bayerischen Gebirgsschützenkompanien.
gemäße Aufmerksamkeit benötigen.
Die Veranstaltungen zur 50-Jahr-Feier und diese Sondernummer konnten Dank der
So entstand 2004 das Grundsemi-
freundlichen Unterstützung der Autonomen Region Trentino-Südtirol, der Autonomen
nar „Schützen – fit für den Alltag“, Provinz Bozen - Abteilung Familie und Kultur, sowie der Stiftung Südtiroler Sparkasse
das seitdem jährlich veranstaltet durchgeführt werden. Die Veranstaltung am Waltherplatz steht unter dem Ehrenschutz
wird. Übertretende Jungschützen der Stadt Bozen.
und Neumitglieder werden über die
Geschichte des Tiroler Wehrwesens, Schriftleiter SSB: Martin Huber, Schlernstraße 1, 39100 Bozen
Geschichte, Struktur und Aufbau des
Druck: Athesiadruck, Bozen
Südtiroler Schützenbundes informiert


Festprogramm
17. April 2008, Bozen: Waltherhaus, 4. Stock
10 Uhr: Pressekonferenz und Buchvorstellung
50 Jahre Südtiroler Schützenbund

26. April 2008, Bozen: Waltherplatz und Stadttheater


1.30 Uhr: Eintreffen der Teilnehmer am Marschwettbewerb
auf dem Waltherplatz

13 Uhr: Beginn des Marschwettbewerbes mit 11 Kompanien


des Südtiroler Schützenbundes und der Musikkapelle
Zwölfmalgreien

18 –18.30 Uhr: Angelobung der landesweiten Neuzugänge

18.30–19.30 Uhr: „Tiroler Zapfenstreich“ auf dem Waltherplatz,


aufgeführt durch die Schützenkapelle Pichl,
mit der Gesamt-Tiroler Ehrenformation

0 Uhr: Abmarsch zum Stadttheater

0.30 Uhr: Festversammlung im Stadttheater

Die Veranstaltung am Waltherplatz steht unter dem Ehrenschutz der Stadt Bozen

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