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DIE

DEUTSCHEN
DER

MtI-NZEN

SiiCHSISCHEN UNDkiNKISCHENKAISERZEIT.

HERAUSGEGEBEN
VON

HERMANN DANNENBERG. e

MIT EIR'ER KARTE UND LXI TAFELN ABBILDUNGEN.

BERLIN,
WEIDMANNSCHE 1876.

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BUCHHANDLUNG.

VORWORT.

Schriftsteller, der seine Arbeit der Welt vorstellt, muss gar oft ttlit, einer Entschuldigung beginnen, dass cr cincn schon so oft behandelten Gegenstand abermals anzugreifen unternommen, und bemüht sich dann, die neuen Gesichtspunkte zu entwickeln, welche er dem vielfach bearbeiteten Stoffe abgewonnen habe. In dieser Lage befinde ich mich nicht. Im Gegentheil ist noch Niemand an die Aufgabe herangetreten, die ich mir gestellt habe. Wohl ist schon hier und da von Deutschlands altesten Münzen genirgends iu übersichtlicher Darhandelt, nirgends aber im Zusammenhange, stellung, nirgends unter der nothwendigen Hcsch~ankung auf die Zeiten der staatlichen Einheit unseres Vaterlandes. Nur zerstreute Bruchstücke finden wir in der numismatiscllen Littcratur ; wer eine Einsicht in die ältest,e deutsche Münzpr~g~mg gewinnen wollte, der müsste aus einer gossen Anzahl Bücher, Zeitschriften und Schriftehen den Stoff zusammentragen, und würde schliesslieh mit, aller nliihe es doch nur zu einem sehr lückenhaften Bilde voller Widersprüche bringen. Der Grund dieses Mangels ist nicht schwer zu entdecken. Er liegt nicht blas darin, dass wir Deutsche uns weniger als andre Völker auf das N&hstliegentle, das Vaterländische beschränken, vielmehr von jeher das ganze weite Gebiet menschlichen Erkennens uns zu unterwerfen gesucht haben, ,sondern es sind in der Sache selbst Schwierigkciteu genug, welche bishe von einem solchen Unternehmen abzuschrecken vermocht haben, ganz besonders Mang>1 an Sto@, d. h. an einer hinltinglich gossen Anzahl der belreffentlen Münzen , dann aber auch, wesentlich dadurch bedingt, die vielfach unrichtige &Iethode der Behandlung dieses Stotfes, welche zahlreiche Widerspriiche zu Tage gefördert hat, und die Lösung der Aufgabe schwieriger erscheinen lässt, als siel in der That ist.

E.m

IV

Vorwort.

mit den deutschen Münzen des Die wissenschaftlicht Beschäftigung Mittelalters datirt bei uns vom Anfange dea vorigen Jahrhunderts, wo einige bedeutende Brakteatenfunde mit ihren ungewohnten, und doch schönen, deutlichen Typen wundersame Mahre von vergessenen Zeiten erzählten, und daneben Lcibnitz den Eifer fiir Erforschung der tiltesten Welfengeschichte zu beleben wusste. Damals erschien neben den Spezialschriften iiber Brakteaten von Olearius, Schmidt, Leukfeld, Schlegel, Seelaender und Liebknecht auch Joachims Groschenkabinet , in welchem an der Spitze der groschtlnförmigen Geprage auch die altesten Denare, aber getrennt in die Gepräge der Kaiser, der Erzbischöfe von Mainz, Trier, Köln und der Herzöge von Baiern, Beachtung fanden. Aber wie Weniges war damals vorhanden! Wie vielfach musste noch der gleichzeitige Köhler in seinen ))Münzbelustigungenc( Münzen dieser Art als ))hauptrarcc vorftihren, die jetzt zu den verbreitetsten zählen, und selbst, Eckhel konnte noch (doctr. num. vett. proleg. cp. 15) die HMigkeit der antiken Münzen in Gegensatz zu der Seltenheit unsrer alten Denare setzen. Wie hat sich dies seitdem geändert, ! Zwar sind viele dieser LMünzen nur in wenigen oder gar nur Einem Exemplare bekannt, und viele andere hehauyten sich auch noch in verhältnissmässiger Seltenheit, wie dies selbstverständlich auch von den antiken Miinzen gilt, aber den Drachmen von Apollonia und Dyrrhachium, den Tetradrachmen von Thasos und den Münzen von Massilia können wir doch jetzt als ebenso verbreitet die Kölnischen Ottonen, die Adelheids-Denare und noch manche andere gegenüberstellen. Zahlreiche Münzfunde, die zum Glück nicht immer dem Schmelztiegel anheimgefallen sind, haben das Verhältniss zu unseren Gunsten gebessert. Nolhwendig sind mannigfache neue Arten zu den bereits länger bekannten hinzugetreten, und diese neuen Erscheinungen haben die Federn der Münzforscher in Bewegung gesetzt. Aber die meisten haben sich mit einer Beschreibung des ihnen zufällig durch solche Funde gelieferten Materials begnügt, wenige, wie Göt,z, Lelewel und Cappe nach einem grösseren Plane gearbeitet. Und doch sind gerade jene ersteren Schriften die wichtigeren und übertreffen an Brauchbarkeit die systematischen Werke. Bei Götz, der zuerst die deutschen Kaisermünzen, bei Cappe, der ausserdem noch einige andere Münzreihen bearbeitet, hat, liegt der Fehler hauptsachlich in der Unzul;inglichkeit ihres litterarischen Könnens, bei Cappe noch überdies in der grenzenlosen Willkühr, mit der er sich den Stoff nach seiner vorgefassten Meinung zurechtschneidet , bei dem geistreichen Lelewel hingegen an dem Mangel des nöthigen Vorratlies von Yünzen und Büchern, daher denn ))das grosse Lob, welches seine Numismatique du moyen4ge verdient, mehr dem Plane als der Ausführung giltc(, wie Grote (Münzstud. VIII, 33) trelfend bemerkt.

Vorwort.

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Die bisherige sachliche Haupt,schwierigkeit, der Mangel an der erforderlichen Anzahl von Miinzen, ist durch diese Leistungen wenigstens in so weit, heseitigt, dass eine Bearbeitung auch nur des bereits Bekannten schon von vornherein einige Ausbeute verspricht; dass noch Vieles von der Zukunft zu holl’tm bleibt, durfte nicht abschrecken. Dies ist bei allen Erfahrungswissenschaf2en der Fall. Liegt nun auch die Arbeit, die ich unternommen, weit ah von meiner Berufsthätigkeit, so habe ich doch wohl eine gewisse Berechtigung zu derselben, nicht bloss durch meint über ein ~Menschcnalter fortgesetzte Thätigkeit als Münzsammler und einige litterarische Versuche im Facht der Münzkunde, sondern in höherem Grade um deshalb, weil ich mehr als wohl jemals ein Sammler Gelegenheit gehabt hahe, Münzfunde der hier in Frage kommenden Zeit zu untersuchen, von denen ich dann auch zehn, also viel m&r als irgend ein Anderer, eingehend beschrieben habe. Mit Bücksicht Serade hierauf erging schon vor einer Heihe von Jahreu von berufenster Stelle an mich die Mahnuuc;, eine Uehersicht des gesamurten numismatischen Stoffes dieser Periode zu liefern, doch hat weniger diese Aufforderung mich zu meiner Arbeit veranlasst,, als die erst viel später gewonnene Einsicht, dass die bisherige Art der bruchstückweisen Betrachtung und die bisherige Methode überhaupt, welche so vielfach Zu&lligcs als Wesentliches hinstellte, unmöglich zum Ziele führen konnte. Alle Früheren - und ich nehme mich selbst nicht aus -- sind in Irrthümer verfallen, denen sie bei mangelnder UeherSicht ühcr den gesammten Stoff kaum entgehen konnlen. Das Suum cuique ist in der Münzwissenschaft die Haupt,sache ,- es kommt zun:tchst darauf an, die Geprtige gleichnamiger Herrscher und gleichnamigrr Orte richtig zu unterscheiden, erst müssen wir wissen , welchen Alexander, welchen Antiochus, welches Caesarea, welches Antiochia wir vor uns haben, ehe wir uns zu einer doctrina numorum erheben können, bis zu einem gewissen Grade wenigstens muss jene Vorarbeit gethan sein. Bei den ältest.en deutschen Münzen, die sich in drei Hauptklassen, die der Kaiser, der übrigen weltlichen Herren und die der Geistlichen trennen lassen, bietet zwar die Anordnung der beiden Ictztcn Klassen an sich weniger Schwierigkeiten, desto mehr aber die der Kaisermünzen, denn, abgesehen von dem Gegenkönige Hermann, treten überhaupt während zweier Jahrhunderte nur drei Kaisernamen auf: Otto, Heinrich und Konrad, dieser allrrdings nur Einmal, Otto dagegen dreimal und Heinrich sogar fünfmal. Es begreift sich hiernach, wie schwer es beim Mangel von Jahrqzahlen und Namensziffern sein muss, jeden Denar eines Otto und Heinrich an seinen richtigen Platz zu legen. Die Ausscheidung dessen, was von dem Vorhandenen jedem einzelnen Herrscher zukommt, bildet aber, unsere Hauptaufgabe; ihr gegenüber sind die übrigen uns gest,eckten Ziele verhältnissmässig leicht zu erreichen. Dieser Hauptauf-

. VI Vorwort.

gabe bat man wohl theilweis in richtiger Erkenntniss durch Erforschung der theilweis aber hat man die aus ihnen zu Münzfunde zu genügen gesucht, ziehende Lehre irrigen Theorien zu Liebe ausser Augen gesetzt. Solcher lrrlehren sind namentlich zwei aufgest.ellt,: die Theorie von dem stetig abnehmenden Gewicht, und die fast überall, wenn auch meist unbewusxt auftretende Meinung, dass je roher eine Münze, desto älter sie auch sei. ßesonders diese irrthümliche Auffassung der Stylgesetze ist es, welche die grössten FehlgrifFe verschuldet, fast jeder Schriftsteller beruft sich, wenn andere Hilfsmittel ihn im Stich lassen, ausdrücklich oder stillschweigend auf den Styl der Münze. Das ist aber sehr gefährlich: so regelnlässig wie bei den antiken Münzen wirkt in dieser Zeit das Stylgesetz nicht,, und die Fabrik bietet, was meistens verkannt ist, im Allgemeinen weniger lokale als chronologische Unterschiede, wie dies Grote (Münzstud. VII, ~140) richtig hervorhebt. Im bunten Wechswl sehen wir an demselben Orte die verschiedensten Stylgruppen sich ablösen, und sehen alte Typen in neuerer Zeit aufgefrischt, kurz, wil sehen Vieles wider alles Erwart,en von der Persönlichkeit und dem Beliebeu der Stempelschneider ahhangig, was wir auf anderen Gebieten der Miinzkunde als Attribut der Münzstätte kennen gelernt haben. Kein Wunder daher, wenn die Bestimmune der Münzen lediglich nach ihrem Style in so vielen Fällen sich trügerisch erwiesen hat, selbst bei denen, welchen wir das St~ylgctIihl nicht absprechen dürfen. Ist nicht von Allen der Mainzer Denar Heinrichs 11 mit, ‘byzantinischem Brustbilde seines Stylcs halber für jünger erklart? hat man nicht meistentheils die Adelheiclsmünzen, gerade die gewöhnlichsten und das Urtheil am meisten herausfordernden Münzen, Otto dem Grossen zugeschrieben? gleichwie man irrthümlich viele andere sächsische Miinzen, von Dortmund, Magdeburg u. s. w. auf ihn, stat,t auf seinen Gnkel bezogen hat. Solche Irrthümer, verschuldet durch ein vorgebliches St.ylsefühl, wird der Text zu Hüten wir uns also, Unerwiesenes als feststehend anHunderten aufdecken. zusehen, und somit aus falschen Voraussetzungen Schlüsse zu ziehen, die dann nothwendig ebenfalls falsch sein müssen, hüten wir uns, Stylgesetze aufzustellen, ohne sichere Grundlage. Wo aber finden wir diese sichere Grundlage? Zunächst gewiss in Analogien : wir schreiten fort vom Bekannten zum Ilnhekannlen, die nach Zeit und Ort feststellenden Münzen so vieler Bischöfe und einzelner Dynasten helfen uns, andere verwandte einzureihen. Leider aber ist diese Hülfe von gerine;erer Bedeutuns als man glauben sollte. Auch die beiden einzigen Kaiser, deren Miinzen vermöge ihres Namens allein eine feste Stelle einnehmen, Heinrich 1 und Konrad 11 fördern uns wenig, denn Ersterer hat uns überhaupt nur 5 Münzen mit seinem Namen hinterlassen, und Letzterer hat einen Heinrich zum Vorgänger wie zum Nachfolger, so dass es zweifelhaft

Vorwort.

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bleibt, ob ein ihm &-wand& Heiurich dem zweiten oder dem dritten dieses Namens angehört. Aber zum Gluck giebt es auch für dies Labyrinth einen Ariadnefaden: die Münzfunde klaren uns über das Leitalter dieser sowie noch unendlich vieler anderer Münzen auf, und als Resultat lässt sich aufstellen, dass, wenn man diese gehöri g ausbeutet, es jetzt kaum noch zweifelhaft ist, welche Minzen dem ersten, welche dem drit.ten Otto, und welche den verschiedenen Heinrichs zufallen; nur zwischen Heinrich 1V und dem V ist die Grenze nicht immer scharf zu ziehen, so wenig CS gelingen will, dem zweiten Otto zu dem Seinigen zu verhelfen. M’eiter wären wir, wenn - ich will nicht sagen alle je entdeckten - aber doch alle für die Sammlungen geretteten, uncl dem blassen Fundorte oder summarischen Inhalte nach bekannt gewerderlen Funde auch genau beschrieben worden waren. Leider ist dies aber nur bei einem sehr kleinen Thcile, und auch hier nur selten in ganz genügender Weise geschehen. Holtentlich giebt die vorliegende Arbeit crneute und vcr&irkte Anregun, cv dazu, nachdem schon Thornsen wiederholt auf die Wichtigkeit der Münzfunde hingc\viesen hat. Der Mühe einer Lusammcnstellung der bisher bekannt gewordenen Funde, oder auch nur ihrer Prüfung und einer Zusammenslellung der aus ihnen abeuloitonden Folgerungen, wie ich sie hier im VI11 Kapitel der EinMurig unternommen, hat sich noch Niemand untcrzogcn, und doch hofYe ich im Folgenden den grossen, dar;ius entspringenden Nutzen anschaulich zu machen : einzig und allein tlic> Funde in Gemeinschaft mit der Analogie führen zu einer rich@en Anordnung der Münzen. Dass man dabei nicht nach GötzCappe’scher \Veiüe die Laiscrlichcn von den iibrigen lliinzen aussondern darf, liegt auf der Hand, denn erstere empfangen, wie bemerkt, vielfach von letzteren ihr Licht, beide unterliegen denselben Stylregeln, und überdies entziehen sich die Grenzen beiclcr Klassen durchaus einer sicheren Feststellung. Auch bietet erst ein solches Zusammenfassen cles gesammtrn StotYes zu einer Einheit die blijglic~hkeit der Erkenntniss allgemeiner leitender Grundsätze, welche die wie sie bezüglich des Hartwich von gründliche Heseitigung aller IrrLhiimcr, Salzburg, des %:e!inus von Strasshurg, des Otto und Hermann von iindernach (??), der sächsischen Pr3guugcn vor Otto 111 u. s. w. noch vielfach geendlich zur Folge haben müssen. An diesen Früchten mag hegt werden, man erkennen, ob die von mir eingeschlagene Methocle die richtige ist.

Die M’ahl des Themas wird keiner Rechtfertigung bedürfen, seine Man braucht nur einen flüchtigen chronologische Abgrenzung auch ‘kaum. .Blick auf die Geschichte zu werfen. Unter den Karolingern war unser Vaterland nur erst zum geringsten Theile der Kultur gewonnen, diesseits des Rheines erhoben sich erst wenige Ortschaften selbst in den Landstrichen, die

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Vorwort

früher den Römern gehorcht und römische Ansiedlungen gesehen hatten, und die Sachsen hatte ja der grosse Karl erst in wiederholten blutigen Kämpfen Seiner kräftigen Herrschaft gezähmt und dem Christcnthume gewonnen. folgten schwache und schwächere Regierungen, der innere Zerfall wurde durch äussere Feinde beschleunigt, Normannen, Ungarn, Dänen und Wenden zertraten um die Wette die kaum aufspriessende Saat. Der wackere Arnulf konnte nicht nachhaltig wirken, seines Sohn&, des unmündigen Ludwig Herrschaft schien gar das Ende unseres Vaterlandes bringen zu sollen. So treflliche Eigenschaften seinen Nachfolger, den Franken Konrad auch auszeichneten, MOerkannte er doch selbst am Ziele seiner kurzen Herrscher-Laufbahn, dass er sich in seiner Aufgabe vergriffen habe. Richtiger erfasste sie Heinrich 1, der glorreiche Ahnherr des Sachsischen Kaiserhauses; er, der selbst ewig Denkwürdiges vollbrachte, legte den festen Grund zu einem neuen deutschen Rcichc, und ebnete die Wege seinem grösseren Sohne, dem unvergesslichen Otto 1. Wie es ihm gelungen, die Selbstständigkeitsgelüste der Stammesherzöge zum Vortheil des Ganzen in die nöthigen Schranken einzudämmen, wie er die äusseren Feinde in wiederholten Kämpfen zurückget,rieben und die Marken des Reichs weit hinausgerückt, wie er seine siegreichen Waffen bis vor Paris getragen, wie er das italische Reich nicht blas fül Deutschland gewonnen, sondern dasselbe auch der Ordnung zurückgegeben, und durch Macht und Weisheit eine Stellung sich gescha&n, welche ihn und seine Nachfolger als die Könige der Könige erscheinen lässt, ohne dass er doch der Kirche jenes ungebührliche Ucbergewicht eingeräumt hätte, welches sie sich erst in der Folgt zu erobern gewusst - das Alles ist nicht nm dem Geschichtsforscher bekannt, sondern es lebt in dem Herzen eines jeden Deutschen, der für die Griisse des Vaterlandes empfindet. Mit Herrschertugenden reich ausgestattet erscheint auch sein Sohn Otto IJ, aber vielleicht war er zu friih zur Herrschaf1 gelangt, ehe noch der jugendliche Ungestüm in richtige Bahnen geleitet war; die einzige unglückliche Schlacht gegen die Araber stellte Alles wieder aufs Spiel, und der Körper hielt die harten Stösse nicht aus, welche seine Seele zu ertragen hatte, Auch dem Sohne, den er im Kindesalter zurtickliess, war es nicht beschieden, sich dem Grossvater an die Seite zu stellen; grosse Gelehrsamkeit, die ihm, dem Schiiler des gottseligen Bernward von Hildesheim , den Namen des Wunders der Welt eintrug, und ein gewisser phantastischer Zug, der ihn ebenso zu übertriebenen Bussübungen als zur Wiederbelebung des römischen Hofceremoniells und Geringachtung deutscher Art drängte, charakterisiren den dritten Otto. Heinrich 11, seinem Urgrossvater Heinrich 1 nicht unähnlich, nahm die Erhebung seines Volkes zum Ziele - renovatio regni Francorum steht auf seiner Bleibulle -, und erwarb sich den Namen eines Wiederherstellers des deutschen

Vorwort.

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Reiches ‘) hauptsächlich durch seine Verdienste um Begrtindung gesicherter Rechtszustände und Abwendung des Auseinanderfalles des stolzen Baues, wozu sich unter seinem Vorgänger Anfange gezeigt hatten. Weniger bezeichnend ist für ihn sein Seschichtlicher Beinamen des Heiligen, jedenfalls war er kein ascetischer Pfaffenknecht, sondern suchte in der Geistlichkeit nur das naturliebe Gegengewicht gegen die Sewalb,cr anstrebenden weltlichen Grossen, und stattete sie daher mit den wichtigsten Rechten aus, nicht jedoch ohne von ihr zugleich die schwersten .Lcistungcn und Opfer zu verlangen. .Seine WeSe, wenngleich ftir die Kirche weniger besorgt, wandelte im Allgemeinen auch sein Nachfolger, der kluge, unerschrockene, ehrenfeste Konrad, er, der Burgund an Deutschland brachte und das Polenieich zertrtimmerte. Die Fülle der Macht, weltliche und geistliche Vasallen der Krone unterworfen wie nie zuvor, hinterliess er seinem Sohne, Heinrich 111dem Schwarzen, der mit allen grossen Eigenschaften des Vaters noch die Vorzuge einer sorC;faltigen Erziehung verband, das vollkommenste Bild eines Herrschers der Christenheit. Von achter Frömmigkeit, den Satzungen der Kirche allezeit sich beugend, zwang er doch ihre höchsten Diener unter seinen Willen, und setzte Bischöfe und Päpste nicht minder als Herzöse ein und ab, wie es des Reiches Wohl zu erfordern schien. Hell strahlt sein Bild, gleich dem Ottos cles Grossen und Barbarossas, und keine leere Schmeichelei war es, die ihm den Bcinamcn linca justitiae zuerkannt bat. Dornenvoller war die langt Laufbahn seines mit sechs Jahren zur Krone gelangten Sohnes, ungeachtet seiner ausgezeichneten Eigenschaften, welche ihm in minder schwierigen Zeiten den hiichsten Ruhm eingetragen haben wurden, ungeachtet mannhaften redlichen Strebens und Kämpfens konnte er doch seinem herzlosen Sohne die Gewalt nicht ungeschmälert, wie er sie überkommen hatte, vererben; gegen die vereint anstürmende Macht der Kirche und des Adels mit Erfolg zu ringen, hätte vielleicht kaum ein Herrschergenie vermocht. Heinrich V, der tyrannische Rebell, konnte des Papstthums cbcnsowenig Meister werden, schliesslich, und ungeachtet aller seiner Energie und’ Klugheit musste er mit ihm (im Wormser Konkordate) seinen Frieden machen und die lange vertheidigten Rechte der Krone im Wcscnt,lichen Preis geben. Die kurze Regierung des Sachsen Lothar, eines rechtschaffenen und t,apfern Königs, ist durch Ereignisse von Wichtigkeit nicht ausgezeichnet, zeigte aber immer noch das deutsche Königthum als r\as erste der Welt in hehrem Glanze, der bald von dem Hohenstaufen Friedrich neu belebt werden sollte. Dies ist in den allgemeinsten Umrissen der geschichtliche Boden, auf dem wir die Personen sich bewegen sehen, deren numismatische Andenken
1) Doch spricht noch Fickler (Berhtold d. Bärt. S. 7) von Heinrichs kaum das Scepter zu halten vermocht - die ältere, irrige Auffassung. schwacher Hand, die

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Vornrort.

aber er ist auch bekannt genug, uns beschäftigen. Er ist inleressant gnuf;, Nur der obige um eine weilere Schilderung überflüssig erscheinen zu lassen. kurze Abriss schien mir nntzlich, um die Grenzen tlieses Huches feslzuslellen. Unter den Karolingcrn nemlich bildete das heutige Deutschland heine staatliche Einheit, und ein sehr beträchtlicher Theil war der Kultur noch gar nicht Demgemass fehlen uns auch Karolinger ;Mtinzen aus rechtserschlossen. rheinischen Gegenden fast ganz i), und nur die rheinischen sowie die nicderländischcn und lolhringischen Städte haben uns einige wenige geliefert. Numismatisch richtig ist es daher, einzig und allein, diese im Zusammenhange mit den übrigen karolingischen zu betrachten, und ihnen mag man auch die einzige oder allenfalls zwei Münzen anschlicssen, die wir von Konrad 1 kennen. Heinrichs 1 erhalten haben, Die wenigen aber, welche uns das Andenken dürfen wir nicht v’on den andern seines Hauses t,renncn, wie man vorgegebietet CS, die mit ihm neue Rahnen betritt, schlagen hat; die Geschichte und die Rlünzkunde verbietet es durchaus nicht, sondern sieht in ihnen die Einleitung und Vorbereitung zu Neuem. iillc Slünzen aber sowohl aus den Leiten der sächsischen als auc11 der frankischen Kaiser bilden, troz ihrer bunten Mannigfaltigkeit ein Ganzes, und sondern sich scharf von denen dc~ folgenden Hohcnstaulischcn Zeit nach drei Richtungen hin : ~1) sie sind sämmlieh, bis auf einige vereinzelte Ausnahmen am Schlusse der Periode, zvveiwclchc im nordiistlichcn wie im scitige Xünzcn, die eigntlichen Hraktcaten, südwestlichen Dcut,schland so lange in Geltung gewcscn sind, treten erst mit, den Hoheristaufen auf, 2) iiherharrpt machen sich Fnbrikllntcrschictle, an denen rnan spat,er so Iciçllt die engere Ileimath einer deutschen Mittelaltermünze erkennt,, erst nach tlem Schluxsc unseres Zeitalters hemerkbar~ wenn auch Uehergänge schon gegen ihr Kode in den östlichen und südwestlichen Gegenden vorkommen, 3) unterscheidet die Darstellung unsere Münzen wesentlich von den späteren, nur Rrustbiider sind gebräuchlich, während in der Hohenstaufenzeit die sitzende Figur des Regenten die Regel bildet, und nicht lange nachher die Wappen ihre Rolle zu spielen beginnen. Es kommt noch dazu, dass unter den Hohenstaufen die Territorialverhältnisse die bedcutcndsten Verändcrungcn durchmachen, und in Folgt davon ganz ncuc Dynastengeschlechter auftreten. Damit ist dann tlcr Abschluss gewonnen, und es schien sich zu empfehlen, noch die kurze Regierung Lotbars des Sacllsen anzuschliessen, da die einzige sichere hltinze von ihm noch den alten Charakter bewahrt, und dasselbe von den wenigen Bischöfen gilt, die unter ihm gelebt, aber meistens ihre Herrschaft schon früher begonnen haben.
1j Wir haben nur Eine Nünze Ludwigs d. Fr. von Regensburg in einigen höchst seltenen Abarten, und je eine von Constanz, und von Würzburg (Ludwig d. K.) wahrscheinlich Unica.

Vorwort.

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’ Die kurze historische Umschau, die wir gehalten, erinnert uns, dass die Mtinzkunde eine Hülfswissenschaft der Geschichte ist. Sie ist es wenige] in dem Sinne, wie man es friihar in den Abhandlungen de usu et praestantia uumismatum grösstentheils aufgefasst hat, dass sich viele wesent,lich neue historische Daten aus ihr ergeben, obgleich es freilich auch in Beispielen dafiir nicht fehlt, wohl aber dient sie in hohem Grade dazu, das Bild, welches die sonstigen Geschichtsquellen uns von vergangenen Zeitrn liefern, zu ergänzen. Und wo die Quellen so sparsam fliessen, wie ftir den Leitraum, welcher den Gegenstand unserer Betrachtun, 0 bildet, da gewinnen die Münzen eine besondere Wichtigkeit. Wenn wir dennoch so selten wahrnehmen, dass die Geschichtsschreiber von dem, was die Münzen uns lehren, Kenntniss nehmen , so ist das nicht schwer zu erklären. Der Gegenstand ist so umfassend, der Stoff so schwer zu beschaffen, die Fa1schmünzere.i eine so Sefiihrliche Klippe, dass dem Geschichlsforscher eigcnc numismatische Studien unmöglich zugemuthet werden kiinnen , der guten d. h. mit Kritik geschriebeneu numismatischen Bücher sind aber, da vorlauter Dilett,antismus sich vielfach an St,elle der schweir;samen Berufenen hat hiiren lassen, leider nur wenige, und die meisten derselben tiberdies Ylonographien. Was namentlich unseren Gescnstand betritft , so ist schon angcdeut.el., dass der litterarische Stoff grösstentheils in Zeitschriften und kleinen Abhandlungen zerstreut ist, und die grösscren Werke von Joachim, Jlader und selbst Lelewel ihrerseits nur qxinge Beitr#gc stctlen; die einzigen Bücher, welche eine grössere Anzahl der betreffenden Münzen vcrciniL;en, die Cappeschen, erweisen sich aber vorzüglich auch deshalb, weil fiir den fraglichen Zweck als ganz unbrauchbar, Cappe die Hauptpflicht des Münzforschers, die treue Wiedergabe der Münzen oft ganz und gar aus dem Auge geset,zt hat ‘), Was würde man aber von einem Geschichtsschreiher sagen , der seine Ilrkunden in den wichtigsten Stellen unrichtig lesen und unricht.ig wiedergebet1 wiirde? Gerade dieser Mangel und die Wahrnehmung, wie diese Cappeschen Schrift.en, weil sie wirkliche Lücken auszufüllen bestimmt Se\vesen , den grössten Schaden anrichten können und wirklich angerichtet haben, wen’n sie (wie z. 13. von Müller in seiner deuischen Münzgeschichte) vertrauensvoll beuubzt und sogar in ’ der Dahln~annschen Quellenkunde angefiihrt werden, haben mich in der Ueherzeugurig von der Ntitzlichkeit, ja fast, Not,hwendigkeit meiner Arbeit bestärkt. Vor allen Dingen war dabei die grösste Treue in Darstellung der Münzbilder und Inschriften erforderlich; ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, die besten

1) Auf diese schwere Beschuldigung werde ich später vielfach auriickkommen, und nicht unterlassen, sie zu crhiirten. - S. übrigens das Weitere iiber die Litteratur in dem betreffenden Kapitel IX.

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vorwort.

Exemplare aufzusuchen, niemals aber auch nur das Geringste als erkennbar anzugeben, was nicht sicher zu erkennen war. Dies unbedingte Anschliessen an die Originale wird man auch bei den Abbildungen wahrnehmen; freilich habe ich sie ursprünglich nur zu meiner Benutzung gezeichnet, und würde manche bcsscr ausgeführt haben, hätte ich von vornherein gewusst, dass sie wegen der inzwischen so gesteigerten Preise fiir Kupferstecherarbeit unmittelbar als Grundlage einer mechanischen Reproduktion (durch das photolithographische Institut der HH. Gebrüder Burchardt hier) würden dienen müssen. Im Punkte der ‘l’rcue hat nicht blos Cappe, Keiner aber freilich so grob und häufig gefehlt, als er. Aehnlich aber dem Herausgeber eines Urkundenbuches hat der Ilünzforscher zunächst den authentischen Text’ festzustellen. Hat er diese Pflicht, erfüllt, so wird er niemals etwas L’nnützes gethan haben, sollte auch die Weise, wie er seinen Text erklärt,, noch so fehlerhaft sein; Andere können ihn berichtigen, und werden ihm dankbar sein, dass er ihnen den Stoff fur ihre Untersuchungen zugänglich gemacht hat, den sie vielleicht nicht im St,ande gewesen wären, zusammeuzut,ragen. Dass ich aber mit voller Hingabt an meinen Gegenstand dieser Pflicht genügt habe, dies Zeuguiss wird man mir nicht versagen, und die ~~ünzbeschreibu[lgen allein im Verein mit den Abbildungen werden nicht blos dem lliiuzforscher und Munzsammler, sondern auch dem Geschichtsforscher und jedem Geschichtsfreunde von Nutzen sein, sie enthalten ein Stück Kulturgeschichte und dürfen in einem vollst,ändigen Bilde jener Leiten nicht fehlen. Die Münzen aber haben hier eine noch höhere Bedeutung als in späteren Jahrhunderten, weil die Urkunden über sie nemlich so gut wie ganz schwcigcn, und nichts als zahlreiche Nachrichten über Verleihung des Münzrechts an geistliche Stiftungen enthalten. Wenn hiernach wohl Niemand die Berechtigung einer Arbeit wie die vorliegende in Abrcdc stellen wird, so bleibt mir nur noch Einiges über die Art zu sagen, wie ich meine Aufgabe am Besten zu lösen geglaubt habe. Luvördcrst schien es mir durchaus ntithig, den Begriff Deutschland in den Grenzen zu nehmen, welche damals dem deutschen Reiche gesteckt waren, also namentlich ganz Lothringen sowie die späteren Niederlande in Betracht zu ziehen, denn einerseits muss entscheiden nicht was jetzt, sondern was damals zu Deutschland gehört hat, andererseits sind aber auch die im damaligen Deutschland geschlagenen Münzen alle homogen. Dann kam in Frage, ob man auch die vielen barbarischen Gepräge, welche unsere Funde liefern, soweit sie deut,schen Münzen verwandt sind, hinzunehmen sollte, obwohl Manche ihnen den vaterländischen Ursprung abzusprechen geneigt sind; ich habe mich für die Bejahung entscheiden zu müssen geglanbt, schon aus dem Grunde , weil die Darstellung, welche vom damaligen Münzwesen gegeben

werden soll, sonst unvollständig hleihen wiirde: und weil man keineswegs ohne Weiteres annehmen darf, dass derartige Miinzen Falschmiinzerwaare oder ausländische Arbeiten sind. Doch schien ein Masshalten hier ebenso geboten wie hinsichtlich der Stempelverschiedenheiten, denen ich nicht dieselbe hufmerksamkeit geschenkt hahe, wie die meisten Münzbeschreiher. Diese Stempelverschiedenheiten, haben nemlicb ihren Grund darin, dass das jetzige Verfahren, die einmal geschnittenen Münzstempel durch Absenken und demnächstiges Härten der dadurch gewonnenen Stempelkopien mechanisch so oft zu vervielfältigen, als der Bedarf erbeischt, damals noch unbekannt war, und die schnell eintretende Unbrauchbarkeit dcs ersten Stempels immer neue und neue zu schneiden erforderte, die dann, selbst wenn sie von derselben Hand herrührten, notbwendig Abweichungen zeigen mussten, mehr aber noch, wenn verschiedene Stempelschneider thätig waren. Diese Abweichungen, diese Stempelverschiedenheiten haben wissenschaft,lich nichts ZII bedeuten, es ist gleichgültig und nichts daraus zu lernen, oh imperator durch IMP oder IMPE, Konrad durch CONRADVS oder CONRAD ausgedrückt ist, oder oh gar, wie so unendlich oft, Fehler an Stelle des Richtigen treten, MIP statt IMP, CONR DVS statt CONRADVS 11. dgl. Anders verhält es sich, wenh es sich um dunkle Inschriften, um zweifelhafte Darstellungen handelt, dann können auch Stempelverschiedenheiten wichtig werden, und ihre Vergleichung zu einer Lösung des Räthsels führen. In solchen Fällen habe ich auch di6’se Abarten berücksichtigt. Ich habe es selbst für niitzlich und meinen Lesern angenehm erachtet, geringere Verschiedenheiten aufzunehmen, wenn sie besonders seltenen, noch gar nicht oder weni g bekannten Geprägen angehören. Aber die grosse Menge der gewöhnlichen, nicht aus dem einen oder andern Grunde erhehliehen Abarten hahe ich schon aus der praktischen Erwggung allein ausgeschlossen, weil es meistens schon schwer genug hält, auch nur Ein gutes und vollständiges Exemplar für die Bescbr&hung und Abbildung zu gewinnen, und es ebenso unerquicklich als nutzlos ist, wenn hinter diesem einen ganz oder möglichst vollständigen noch so und so viele lückenhafte, in hlossen Nebensachen abweichende Inschriften aufgeführt werden, zumal die Beschreibung der wenigsten in den Büchern enthaltenen Münzen auf volle Zuverlässigkeit Anspruch machen kann; schlechte Erhaltung und mangelhafte Ausprggung haben vielfach irrige Lesungen verschuldet, deren Verewigung mir durchaus nicht. wünschenswerth erschien. Wer andcrcr Meinung ist, kann leicht durch meine Citate die ihm erwiiinschten Varietäten ermitteln und fiir seine Zwecke verwertben. Die Varietäten, wo ich sie beschrieben, habe ich, durch Buchstaben bezeichnet, den Hauptarten angeschlossen, welche allein hezin’ert sind und zur bequemeren Auffindung dieselbe Nummer wie die entsprechenden Abbildungen tragen.

XIV

Vorwort.

Aus welchen Sammlungen ich die beschriebenen Münzen entlehnt,, habe ich jedesmal bemerkt. Wo solcher Nachweis fehlt, da hat mir der Regel nach kein Original zu Gebote gestanden. Ausserdcm habe ich die Abbildungen auch nach Staniolabdrücken und nach guten Zeichnungen, wie den bisweilen aber habe ich freilich Maderschen und Lelewelschen hergestellt, nicht umhin gekonnt, auch solche aufzunehmen, die mir nicht in jeder Beziehung getreu erschienen. Auch die Beifiigung einer Karte habe ich für wiinschenswerth gehalten, sie enthält nur die Münzstätten. Die bisherigen Münzbeschreibungen habe ich möglichst, aber nicht’ unbedingt vollständig angeführt; die Citate gelten jedoch nicht immer der gerade beschriebenen Varietät, sondern ich habe gewöhnlich das mir vorliegende Exemplar beschrieben, und die Riicher angezogen, in denen entweder genau dasselbe oder ähnliche Exemplare mitgetheilt sind, habe also aus den bereits entwickelten Gründen den blossen hbartcn im Allgemeinen keine Rechnung getragen. Münzen, bei welchen Citate ganz fehlen, sind als unedirt anzusehen. Die grosse Anzahl dieser Inedita, denen ich freilich selbst in letzter Zeit viele clurch Veröll’entlichung entzogen habe, wird für meinen Sammlertleiss Zeugniss ablegen. Zahlreicher waren sie: hatte ich mehr als fünf Jahre der Mussestunden anwenden kiinnen, welche mir meine Amtsgesckiftc gelassen haben, und ware mir mit, gleicher Liebenswürdigkeit, wie der Zutritt zu dem reich ausgestatteten und tren’lich verwalteten K. Dtinischen &lünzkabinet,te, so auch die Renutzung der vielen, hochwichtigen Rliinzfunde gestattet worden, welche im K. Museum zu Stockholm aufgespeichert sind. Welche bedeutende Ausheute von demselben zu hofYen gewesen wäre, zeigt ein Blick auf Hildcbrands anglosaksiska mynt, wo S. XXVIH flg. nicht weniger als’ 64 in unsern Zeitraum fallende Funde aufgeführt sind ‘), welche stimmtlich ausscr angelsächsischen auch deutsche Rliinzen enthalten haben, letzt,ere jedoch dem Zwecke des Buches entsprechend, nur ganz summarisch, in schlechterdings nicht zu vcrwerthender Weise bezeichnet. Meine Bemühungen, Einsicht in diese Funde zu erlangen, sind leider gescheitert, Herr Reichsantiquar Hildebrand, der Direktor des St,ockholmer Miinzkabinets, beschied mich, dads wohl die geordneten ‘l’heile der Sammlung, nicht aber diese s%mmtlich noch ungeordneten Funde meiner Einsichtnahme offen ständen. Letztere aber gerade sind CS, welche ganz augenscheinlich und nach glaubwürdigen Mittheilungen ungeahnte Schiitze enthalt’cn, erstere verlobntcn nicht die weite Reise. Ohne Zweifel wird Herr Hildebrand, eingedenk der durch diese Abweisung ubernommenen Ehrenpflicht, nun selbst dafür sorgen, dass diese Reichthtimer nicht länger als todtes Kapital liegen bleiben.
1) Neuerdings hinzugekommeu.

sind zufolge

der numismat.

Zeitun g

1871

S. 111 noch zehn derartige

Funde

Vorwort.

xv

‘I

Unerlässlich schien es mir, meine Vorgänger nicht blos anzuführen, sondern auch ihre Ansichten darzulegen, und wo ich ihnen nicht beitreten konnte, sie zu kritisiren. Wenn ich darin hier und da zu weitläuftis geworden sein sollte, so glaube ich, da ss ein Zuviel eher Entschuldigung verdient, als ein Zuwenig, es bedeutet, dass ich auf denkende, selbstprüfende Leser mehr hoffe, als auf solche, welche sich das ausgesprochene Urtheil blindgläubig aneignen. Und was insbesondere die Cappe’schen Schriften anlangt, so bin ich darauf ausgegangen, dieselben in ihrer vollsttindigen Unbrauchbarkeit darzustellen und damit für die Zukunft unschädlich zu machen. - Es war aber ferner auch meine Absicht, durch möglichst vollst:indige Aufnahme del früher aufgestellten Ansichten die bisherige, so zersplitterte Litteratur fiir Jeden, der nicht meine Forschungen selbstth:itig fortsetzen will, entbehrlich zu machen, sie gewissermassen zu antiquiren. Es wird meine Arbeit also wenigstens das Gute haben, dass kiinftige Spezialleistungen auf diesem Gebiete, namentlich die noch immer sehr erwünschte Beschreibung von Münzfunden, sich einfach an sie anlehnen können, und nur das Neue vollständig geben müssen, es werden fortan die steten Wiederholungen cles bereits Bekannten vermieden werden. Was die geübte Kritik betrifft, so habe ich selbstverständlich gar haufig Irrthümer aufLudecken gehabt, welche nach Vorstehendem bei der s%itherigen fragmentarischen Behandlungsweise des Themas kaum zu vermeiden waren. Ich hotl’o aber bei aller dabei beobachteten Ent,schiedenheit niemals die Grenxen einer erlaubten und sogar nothwendigen sachlichen Polemik überschritten zu haben, und bin fest überzeugt, dass Niemand sich durch meine Kritik verletzt fiihlen wird, und dies um so weniger, als icli mich auch niemali; gescheut habe, die von mir selbst begangenen Fehler blaszulegen, und auch diejenigen der Lebenden nicht geschont hat& die mir näher befreundet sind. Wenn ich über den verstorbenen Cappe etwas strenger habe urtlreilen milssen, so wird man dies nach der Begründung, die ich meinem Urtheile geben werde, nicht tadeln können ; seine achtungswerthe Persönlichkeit wird dadurch in keiner Weise I>er.ührt,. Auch mir wird die Krilik nicht ‘fehlen; ich bitte nur: man möge, um zu einem billigen Urthcile zu gelansen, nicht ausseI Acht lassen, dass so viele Fragen aus andern Wisscnschaftcn herüberspielen, denen ich bei so knapp zugemessener Zeit nicht habe naher treten können. Am meisten, fiirchte ich, werde ich Nachsicht bediirfen bei dem ‘l’heile meines Buches, weicher sich mil, den s$tel von l~eutschland getrennten Provinzen, mit Lothringen und den Niederlanden besch:iftigt,, denu hier ist das litterarische Material am scliwcrslen zu beschaffen. Auch für manche Ungleichheiten in der Behandlun, m muss ich den Mangel an Musse zur Entschuldiguns nehmen ; ausserdem ist nicht zu vergessen, dass nicht wenige Jlünzen

XVI

Vorwort.

mir erst nach dem Beginne des Druckes zugegangen sind, und dass die Vollendung der Abbildungen neben dem Drucke einherging. Noch einige Worte zum Verständniss meiner Miinzbeschreibungen. Nach Kohne’s Vorschlage (in der Vorrede zu Reiche1 IV) verstehe ich unter einem Brustbilde schlechthin das vorwärtsgekehrte Brustbild, und setze die Figur als stehend voraus, dergestalt, dass es nur bemerkt wird, wenn sie anders, also sitzend oder reitend dargestellt ist, oder wenn das Brustbild seitwärts, nach rechts oder links blickt. Was aber ein rechts oder linkshin gewandter Kopf bedeutet,, ist an sich klar, wenngleich man auch hierüber einen, wie mir scheint sehr müssigen Streit geführt hat. Objektiv betrachtet, blickt selbstverständlich jeder auf einer Münze erscheinende Kopf gerade aus; die Ausdrücke ))rechtsc( oder »links gekehrt<<, »rechtscc oder ))linkshin gewandt,« können immer nur eine subjektive Bedeutung und Anwendung auf den Beschauer haben, und da ist es dann wohl weiter selbstverstandlich, dass diese Bezeichnungen nur in Bezug auf ihn gebraucht werden können, ein Brustbild also rechtsgekehrt ist, wenn es nach der rechten Hand des Beschauers gekehrt ist. Umgekehrt braucht bekanntlich aus guten, bei den Münzen aber nicht zutreffenden Gründen die Heraldik die Begriffe Rechts und Links. AfterWeisheit aber ist es, dies auf die Münzen anwenden zu wollen. Cappe thut dies jedoch, braucht also rechts für links, und links für rechts, was bei Vergleichung seiner mit unseren Beschreibungen wohl beachtet sein will (s. Schluss der Vorrede zu seinen K. M. 111 und zu Goslar). Zum Schluss habe ich noch mit Dank aller der Männer zu gedenken, welch-meinem Unternehmen ihre Förderung haben angedeihen lassen, namentlich der HH. Direktoren Dr. Friedlaender und Justizrat11 Herbst als Vorstehe1 der K. Sammlungen hier und zu Kopenhagen, des sel. Baron Pfaffenhoffen, Vorstehers der furstl. Fürstenbergischen Münzsammlung, des K. russ. wirkl. Staatsraths Baron Köhne zu St. Petersburg, Hrn. Beyer zu Warschau, Hrn. Erskr zu Kopenhagen, Hrn. Cohn zu Lübeck, Hrn. Prof. Chautard zu Nancy, endlich auch der HH. Dr. Grote zu Hannover, Pastor Leitzmann zu Tunzenhausen, Dr. A. und J. Erbstein zu Dresden, Geh. Archivrath Dr. Lisch zu Schwerin, Dr. v. Bülow und Dr. Kühne zu Stettin und Prof. Iversen zu St. Petersburg, welche die seltene Güte gehabt haben, mich durch Zusendung von Miinzfunden und einzelner seltener Originale zu unterstutzen. Ganz besonders muss ich aber der K. Akademie der Wissenschaften meinen Dank bezeugen, welche durch Bewilligung eines Zuschusses zu den Herstellungskosten dieses Buches dessen Erscheinen erst ermöglicht. hat. Berlin, im December 1875.

Verbesserungenund Xachtriige.

Seite >, >> t> $7 >f

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23 (und wahrscheinlich auch anderswo) ist quadratum supercussum statt supercusum gedruckt. 184 Potthast (bibl. hist. med. aevi) llsst Udo von Trier bis 16/11 3078 sitzen. 194 Potthast lässt Albero von Monster01 erst 11/4 1131 beginnen. 232 Nach Giesebrecht (111, 169 11 Ausg.) stirbt Herzog Ordulf erst 28/3 1072. 2i9 Z. 3 v. u. ist hinter Jaquellen wären« einzuschalten: (s. auch S. 30). 279 In Jungk, die Bremischen Münzen (Bremen 1875) Taf. 1, 4 ist abgebildet: HEIN -. . . Kreuz. f af. BREM (Obol? 0,45 Gr.) A 292 Hinter )~erhält~~ Z. 4 v. o. ist folgende Anmerkung einzuschalten: Mit besonderer Absichtlichkeit gab König Heinrich (11) bei jeder Gelegenheit seine Auhänglichkeit an seinen kaiserlichen Vorgiinger zu erkennen. Noch in den Urkunden aus seiner letzten Lebenszeit gedachte er haufig Ottos 111 als seines theueren Lehneherrn (vgl. Giesebrecht 11, 64 11 Ausg.). 363 Der Lübeoker Fund (s. S. 494) ergab einen Obol des Grafen Berthold wie Nr. 9;76/7, mit + HEINR. _. ti REX Kaiserkopf r. Rf. . RT0 Krückenkreuz, in jedem Winkel eine Kugel, die im zweiten anscheinend von einem Halbmonde umschlossen. (M. S. 0,64 Gr.1 467 So eben geht mir noch ein schönes Exemplar von Nr. 1213, angeblich aus dem Schwarzower Fund zu (0,74 Gr.). Es hat aber auf der Hf. OIIMCADTVS: oder OMWCADlVS : , macht damit also die Beziehung auf Megingand v. Trier unmöglich. Ich vermuthe eine niedersächsische Herkunft.

Nachweis
der hauptsächlich benutzten, theilweis abkürzungsweise angeführten

Bücher.
Becker 200 seltene Münzen des Mittelalters. Dresden 1813. Berl. Bl. = Bcrlincr Blatter fiir Münz-, Siegel- und Wappenkunde. G Bde. Berlin 1863--18i3. v. Berste tt, Versuch einer Münzgeschichte des Elsass. Freiburg 1840. Nebst Nachtrag. / Miinzgeschichte des Znhringen-Badischen Fürstenhauses u. s.w. Freiburg 1846. B ey sihlag, Versuch einer Münzgeschichte Augsburgs im Mittelalter. Stuttgart u. Tiibingen 1835. / B 1. f. Münz k. = Blätter für Münzkunde, herausg. v. Grote. 4 ßde. Leipzig 1835- 1844. i B od e, das Lltere Miinzwesen der Staaten und Städte Niedersachsens. Braunschweig 1845. Bohl, die Trierschen 31iinzen. Coblenz 1823. 11 Ausg. 184i. [Unvollendet.) , Cappe K. 111.= die Münzen der deutschen Kaiser und Könige des Mittelalters. 3 Bde. Dresden
1848, / >, 1850, 1857.

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i

, die Miinzen der Herzöge von Baiern, der Burggrafen von Regensburg und der Bischöfe von Augsburg aus dem X und XI Jahrb. Dresden 1850. ,, Goslar, Beschreibung der Miinzen von Goslar. Dresden 1860. ,, Hildesheim, die Münzen der Stadt und des Bisthums Hildeshcim. Dresden 1655. ,, Köln, Beschreibung der Cülnischen Münzen des Mittelalters. Dresden 1853. ,, Mainz ,Beschreibung der Mainzer Münzen des Mittelalters. Dresden 1856. Quedlinburg, Beschreibung der Miinzcn des pp. Stiftes Quedlinburg. Dresden 1851. Ch’alon, Hainaut, recherches sur les monnaies des comtes de Hainaut. Bruxelles 1845-1857. Namur, reeherches sur les monnaies des comtes de Namur. Bruxelles. >> v. d. C hij s, de munten der voormalige Hertogdommen Brabant en Limburg. Haarlem 1851. de munten der Leenen van de voormaligc Hcrtogdommen Bra ban t en Limburg. 37 Haarlem 1862. de munten van Friesland, Groningen en Drenthe U.R.W. Haarlem 1855. II de munten der bischoppen, van dc heerlijkheid en de Stad Utrecht. Haarlem 1-59. >P de munten der frankische en duitsch-nederlandsche vorsten. Haarlem 1866. 7, De v egge , Mynt- og Medaille-Samling. Kjöbenhavn 1851. numismatischc Bruchstücke in Bezug auf sächsische Geschichte. 3 Hefte. Dresden Erbstein, 1821-1828. Friedlaender (nm1 Müllenhoff), der Silberfund von Farve. Kiel 1650. der Fund von Obrzycko. Berlin 1844. Gaillzrd, monnaies des comtes de Flandre. Gi es e b r e c h t , Geschichte der deutschen Kaiserzeit 1). Hirsch, R. M. A. = des teutschen Reichs Münzarchiv. 9 Bde. Niirnberg 1756-li6R. Kö hne , Zeitschrift für Münz-, Siegel- und Wappenkunde. 6 Bde. Berlin 1841- 1846. fiir Münz-, Siegel- und Wappenkunde. Neue Folge. Berlin N. F., Zeitschrift ,, 1859-1862. Lelewel, numismatique du moyen-&ge. 2 Bde. und Atlas. Paris 1835.
1) 11 Es ist theilneise die 1, theilmeise die

Baiern

11 Ausgabe angezogen,

letzteren

Falls

mit

dem

ßeisatz:

Ausg.

Nachweis. Meyer,

XIX

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die Bracteaten der Schweiz. Zarich 1845. (Seitdem in 11 Ausg. erschienen.) die ältesten Münzen von Zürich. 1840. Mem. ‘Y t. Pe t. = mbmoires de la soci8te d’archeologiquc ct de numismatique de St. Pbtersbourg. 6 Bde. St. Pbtersbourg, Berlin u.s.w. 1847-1852. Mitthe ilungen der numismatischen Gesellschaft zu Berlin. 3 Hefte. Berlin 1846-57. Münzstudien, herausgegeben von Grote. Leipzig 1857fgg. v. Pfaffenhoffen, die Münzen der Herzoge von Alemannien. Carlsruhe 1845. v. Posern-Klett, Sachsens Münzen im Mittelalter. Leipzig 1946. Rev. -Beige = Revue de Ia numismatique Belge. Bruxelles 1845fgg. Rev. franp. = Revue de la numismatique franpaise. Paris. Robert N. E. = Btudes numismatiques sur une Partie du Nord-Est de Ia France. Metz 1862. To ul, recherches sur les monnaies des 6veques de Toul. Paris, London 1814. de Sa’ilcy, recherches sur les monnaies des bveques de Metz. Metz 1833. Supplement 1835. recherches snr les monnaies des ducs hereditaires de Lorraine. Metz 1841. v. S al’i e t ,%umismatische Zeitschrift. Berlin 1874 fgg. S edlm ai er, Beschreibung des Münzfundes bei Saulburg. Landshut 1854. Streber, die Lltesten in Salzburg geschlagenen Münzen. München 1854- 1855. StronczyBsky, picnia,dze Piastdw. Warschau 1847. catalogue de la collection de monnaies de Christian Jürgensen Thomsan. TI Partie, Thomsen, Copenhague, T. 1 1473, T. 11 1874. T r a c h s e 1, die Münzen und Medaillen Graubündens. Berlin 1866.

Uebersicht.

........................... 1. Die Grenzen dieser Betrachtung ............... 2. Das Münzrecht ..................... 3. Der Münzfuss ..................... 4. Das Gepräge. ..................... 5. Die Inschriften ..................... 6. Die Nachmünzen .................... i. Die Nachahmungen ................... 6. Die Münzfunde ..................... 9. Litteratur ....................... I Lothringen .......................... A. Ober-Lothringen .................... B. Niederlande ...................... C. Rheinlande ...................... 11 Friesland .......................... 111 Sachsen ........................... IV Franken (mit Thüringen) .................... V Schwaben .......................... VI Baiern ........................... VII Münzen, deren Prägstätten nicht zu bestimmen ............. A. deren Münzherr bekannt, deren Prägstätte aber unbekannt 1. Kaiserliche .................... 2. der geistlichen Fürsten ................ 3. der weltlichen Fürsten ................ B. Münzen, deren Prägherr und Münzstätte ungewiss ........ C. Nachmünzen ...................... Wendeniiennige ................... Nachtrag ...........................

Vorwort Einleitung

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38 40 69
65

66 95 141 199 228
300 340 392

445 .....
4-l6 446 46i 471 474

479 485 497

Einleitung.
1. Die Grenzen dieser Betrachtung.
a) In geographischer Hinsicht. Dass wir den Begriff Deutschland nicht in seinem heutigen IJmfa,nge zu nehmen haben, leuchtet von selbst ein, und ist auch in dem Vorstehenden bereits bemerkt: nicht die jetzigen Grenzen dcs Reichs, sondern die jener Zeit, mit welcher wir uns beschäftigen, sind massgebend. Wir müssen also zunächst -Biihmen ausscheiden, denn: dies Land stand wohl in gewisser staatsrechtlicher Verbindung mit dem Reiche, bildete aber keinen integrirenden Bestandthcil desselben, und, was für uns noch wichtiger ist, seine Münzen haben mit den deutschen wenig oder nichts gemein, nur mit den hairischen. welche jedoch auch ihrerseits sich von den anderen deutschen scharf scheiden, gewisse Berührungspunkte. Die iibrigen wendischen Lander machen keine Schwierigkeiten, denn wenn auch die sogenannten WendenPfennige in ihnen zu Hause sein sollten, was jedoch keineswegs fessteht, so schliessen sie sich doch jedenfalls den sächsischen so eng an, dass sie von ihnen nicht getrennt werden können ; in Magdeburg wie in Naumburg sind Münzen diese? Art geprägt und der Name Otto, den einzelne derselben tragen, setzt sie ebenfalls in nahe Beziehung zu Sachsen. Was die Westgrenze angeht, so müssen nicht bloss Elsass -und das ganze Lothringen, ohne Rücksicht auf die neueste Vorrückurig der Reichsgrenze ! unserer Betrachtung unterworfen werden, sondern auch das heutige Belgien sammt den Niederlanden, und zwar nicht nur weil alle diese Länder dem ,deutschen Reiche ebenso angehürt haben, wie die rechts vom Rheine belegenen, sondern auch weil sie mit denselben eine numismatische Einheit bildeten. Von der Schweiz gilt dasselbe. Zwar fiel sie erst 3032 nach dem sussterben des burgundischen Königshauses an Deutschland, aber auch schon frtlher gehorte der deutschredende östliche Theil zum Herzogthum Alemannien , und die nach dessen Ausscheidung allein noch übrig bleibenden Orte Basel und Orbe haben nur Münzen deutschen Styls geliefert, daher man die in Basel vom burgundischen Künige Konrad geschlagenen - und andere giebt es a,us der Zeit der Zugehörigkeit zum burgundischen Reiche nicht bei Zusammenstellung der ältesten Münzen Deutschlands 1 lianncnllory, Deutschlands Li1tcste lun%er,. . ..

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2

Einleitung.

schwerlich wird übergehen dürfen. Auszuschliessen sind dagegen die übrigen Theile des burgundischen Königreiches, in denen nur wenige Münzen und zwar sämmtlicb französischen Fusses geschlagen sind, zumal da diese L6der nur in sehr lockerem Zusammenhange mit dem deutschen Reiche standen. Auszuschliessen ist nicht, minder die Mark Verons, denn ihre Beziehungen zu Deutschland beschränken sich darauf; dass sie zeitweilig von den Herzögen von Kärnthen mitverwaltet wurde, und ihre Münzen, in unseren Funden-vorkommend und zum Theil vielleicht in Deutschland nachgepr%gt, sind doch entschieden italienischer, nicht deutscher Fabrik. Nach Norden ist der Abschluss nicht zweifelhaft: denn Lüneburg und Stade sind die nördlichsteu Prägstätten, weiter nach Norden treten die dänischen Gepräge auf. Die Miinzen dieses weiten Ländergebietes nun tragen s5mmtlich gcnerische Merkmale, welche sic von denen der Nachbarländer scharf und bestimmt sondern, und stellen sich somit, von den politischen Grenzen ganz abgesehen, als ein untrennbares einheitliches Ganzes dar. b) In chronologischer Hinsicht.

Hier befinde ich mich in bedeutendem Widerspruch mit Grote, der (Miinzstud. VII, 285) nicht nur den Anfangspunkt unserer Epoche anders bestimmt, sondern dieselbe auch in zwei Theilen behandelt wissen will. Zunächst soll Heinrich 1. ausgeschlossen und der karolingischen Periode zugetheilt , dafür aber noch Lothar 11. den frankischen Kaisern angeschlossen werden. Ist es nun auch richtig, dass Heinrichs 1. Münzen noch viel von dem karolingischen Charakter an sich haben, so hört doch auch mit ihnen die Geltung des karolingischen Typus noch nicht ganz auf, und man müsstc folgerichtig auch den Otto rex mit karolingischem Monogramm, die Esslinger von ganz karolingischem Gepräge, und wer weiss was sonst noch ausmerzen, Will man aber solche Ilebergangsmiinzen, die doch gerade für die Bildung des neuen Typus und das Erkennen des Entwickelungsganges so sehr lehrreich sind, nicht zulassen, so sind sie aus gleichem Grunde auch der vorhergehenden Zeit abzusprechen, und wo soll man sie dann unterbringen? Es kommt noch hinzu, dass ” Heinrich 1. ein Zeitgenosse des Baiernherzogs Arnolf ist, man mlisste also entweder auch diesen weglassen oder für die verschiedenen Reichstheile einen verschiedenen Anfangspunkt festsetzen. Anders verhält sich die Sache mit Lothar 11. In seiner und seines Nachfolgers Konrad 111. Zeit ist nur wenig gemünzt worden, aber die Münzen aus beider Zeit, und zwar nicht bloss die kaiserlichen, bewahren noch wesentlich gleichen Charakter, so in Goslar, in Köln, in Lüttich U.S. w., wenngleich auch unter Konrad schon an vielen anderen Orten eine neue Darstellungsund Prägeweise die neue Zeit einleitet. Anläufe zum Neuen treten uns aber nicht erst unter Lothar : sondern schon unter Heinrich V. entgegen, ja in Basel und Zürich ging man schon vor der Mitte des XI. Jahrh. zu den Halbbrakteaten über, während sich der a.lte Denar in Köln und anderen Orten bis zur Mitte des folgenden Jahrhunderts erhielt. Will man also nicht etwa für jede Gegend einen besonderen ‘Schlusstermin annehmen, oder ausser Lothar noch Konrad 111. anschliessen, um mit den Denaren alten Schla,ges gänzlich aufzurihnen , so muss man sich schon entschliessen, die Uebergangszeit , welche etwa die ganze erste Hälfte des XII. Jahrb.

1. Die Grenzen dieser Betrachtung.

3

einnimmt, irgendwo zu zerschneiden, und da glaubte ich, ohne Schaden jenem Verlangen nachgeben : und meine Arbeit bis zum Auftrctcn der Hahcnstanfcn (1137) ausdehnen zu kiinnen. Aber Grote will auch ferner, man solle uusercn Zeitraum theilen in den der sächsischen und den der fränkischen Kaiser : ersterem aber noch den Franken Konrad 11. hinzulegen, und in demselben die Baiern von den übrigen Münzen absondern. Letzteres hat keine Schwierigkeit, sondern ergiebt sich eigentlich von selbst ,*da die Grenzen des Herzogthums Baiern auch die Grenzen der bairischen Fabrik bestimmen, wenn man von Augsburg absieht, das hart an der Grenze gelegen ist. Es sollen ferner zwar, - und dies müsste in der l’hat der Fall sein, wenn eine solche Theilung irgendwie berechtigt sein sollte - die Münzen des ersten Zeitraumes sich von denen des zweiten wesentlich unterscheiden.. Wenn das sich aber so verhielte, wie könnte dann die Sonderung der Münzen Heinrichs 111. von denen Heinrichs 11. doch so schwierig sein, als sie es in der That ist, ja wie w%re es möglich, dass viele Schriftsteller, und, nicht immer die schlechtesten, die-selben Miinzen bald Heinrich II., bald dem Dritten, Vierten, Fünften, ja bisweilen sogar dem Sechsten zutheilen? Und das gilt sclbstrcdcnd nicht blos von den Kaisermiinzen. Die Grote’sche Eintheilung trennt aber auch Zusammengehöriges in ganz unzulässiger Wcisc. Bei Halberstadt z. 1% reisst sie die ganz gleichen Gepräge von Brantho und Burchard auseinander, bei Köln trennt sie die ältesten Anno’s von den ihnen ganz vcrwandtcn Piligrims und Hermanns II., bei Duisburg scheidet sie ebenso unbarmher&g die so ähnlichen Denare Konrads 11. und Heinrichs 111. U.S. w. Nicht zu gedenken, dass so viele Miinzen derselben Münzherren in beide Zeiten übergreifen, wie-z. B. die Bardos von Mainz, der mit den Namen und Bildnissen sowohl Konrads 11. als auch Heinrichs 111. geprägt hat, und Alberts 111. von Na,mur, dessen Regi.erung die lange Zeit von IORI bis 1105 umfasst. Uebelstände der letzten Art müssen freilich bei jeder Eintheilung iiberwunden werden) aber man darf sie doch nicht ohne Noth schaffen. Allerdings scheint sich Grote dieser Unzuträglichkcitcn bewusst gewesen zu sein: denn er will (S. 289) aus beiden Zeiträumen die Münzen ausgeschieden wissen »an die sich in dem folgenden Zeitraume längere Münzreihen anschliessen, z. B. die der drei rheinischen Kurfürsten«. Doch es fragt sich, ob dies Auskunftsmittel, das doch a. a,. 0. nur für eine Münzsammlung gegeben ist, welche mindestens das ganze Mittelalter umfasst, auch auf eine Arbeit, wie die vorliegende, anwendbar ist. Man denke sich nur, welch einen bunten Anblick äusserster Zerstückelung sie bieten würde: Heinrich 1. abgenommen, die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln besonders behandelt, die übrigen Münzen in zwei Theilen, deren erster mit Konrad 11. statt mit Heinrich 11. schliesst. Und was wäre damit gewonnen? Die Einsicht, dass die Münztypen sich mit Konrads IT. Tode verändert haben, wie Grote meint, gewiss nicht, wenigstens findet eine solche Veränderung in viel höherem Maasse mit Heinrich IV. statt, und dann will es doch auch wenig bedeuten, dass die jüngsten Münzen unserer Zeit anders aussehen als die ä.ltesten, sobald nicht ein entscheidender Wechsel mit einem bestimmten Zeitabschnitt eintritt. Noch weniger aber kann, wie Grote meint, als Theilungsgrund gelten, ndass die Zahl der Miinzstä.tten, die von Otto 111. an sich plötzlich so auffallend vermehrt hat, nnd jd. h. 1039 - 1137) ebenso plötzlich eine ebenso geringe geworden, als sie vor Otto 111. gewcsemr, dass nun, »von Goslar abgesehen, nur aus verein1* ’

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Einleitung.

zelten Mimzstätten vereinzelte Fabrikate derselben vorliegem. Diese Thatsache, an sich durchaus nicht wesentlich, ist auch gar nicht einmal richtig. Denn gerade erst in dem zweiten Grote’schen Zeitraume öffnen sich die zahlreichen friesischen Prägstätten und vermehren sich die belgischen so beträchtlich, auch Duisburg tr9tt eigentlich jetzt erst in rechte Thätigkeit, und Speier nicht minder. Wie viele Mtinzsttitten aber haben in allen beiden Zeitabschnitten gearbeitet? sie alle aufzuzählen, wtirde zu weit fuhren. Geschlossen haben sich aber auch einige der wenigen älteren Münzstatten schon vor 1039; so namentlich Breisach, wie dann überhaupt im Sndwesten die Münzen entweder ganz anfhüren, oder wenigstens für uns unkenntlich wcrdcn, wogegen umgekehrt unter Otto Ill. Sachsen in die Numismatik erst eintritt. Nach alle dem scheint es mir klar, dass zu einer solchen Theilung, wie Grote sie beliebt, kein ausreichender Grund vorliegt) und dass sie vielmehr ein Zerreissen als ein Theilen sein würde. Denn die meisten Münzstätten haben, wie bemerkt, in beiden Zeiträumen gewirkt, und viele, bei denen dies nicht der Fall, z. B. Bremen, Stade, Fritzlar , Hersfeld , Schwabach, Stab10 , Thoren ) stehen auf der Grenzscheide, oder haben uns nur eine einzige Miiuze hinterlassen, die wohl nur der Anfang oder der Schluss einer spatcr zu entdeckenden Reihe sein mag. Hierbei wollen wir gar nicht sprechen von der Schwierigkeit, die zahllosen Münzen cinzutheilen , deren Chronologie nicht feststeht, und mit denen man also ziemlich willkürlich verfahren miisste, und wollen auch abseheu von den Wendenmünzen, die Grote der zweiten Periode zutheilt j und die doch über das Jahr 1000 hinaufreichen. Statt förderlich wäre also eine solche Theilung des Stoffes in zwei Abschnitte vielmehr hinderlich und verwirrend. Es scheint, dass dieser Vorschlag sowohl aus der mangelhaften Kemltniss dcs ganzen reichen, zum grossen Theil erst jetzt zu Tage geforderten Stoffes, als auch .uameutlich aus der Betrachtun g der polnischen Münzfunde entstanden ist, die Grote in einen gewissen Zauberbann gefesselt haben ; er hat es sich in den Kopf gesetzt, dass sie mit dem Jahre 1OiO schliessen, obwohl dies doch nur bedingt wahr ist, und glaubt damit eine grosse Umwälzung in unsrer Miinzprägung angezeigt. Der zufallige Umstar,? aber, dass wir einen grossen Thcil dieser Mlinzen aus Polen beziehen, und dass die meisten derselben älter als 1040 sind, kann keinen Eintheilungsgrund abgeben. Wollte man durchaus theilen, so wlirdc das Jahr 1000 oder auch 1060 einen viel passenderen Abschnitt bilden, mit beiden tritt eine viel durchgreifendere Typen-Aenderung ein. Es fehlt aber auch dazu an einem hinreichenden Grunde.

11. lks Münzrecht
übten neben den Kaisern viele geistliche und weltliche Herren aus, und zwar diese, wie Grote (Miinzstudien VIII, 37) *nachgewiesen hat, kraft der ihnen übertragenen ‘. ,Amtsgewalt, nicht auf Grund besonderer Verleihung; die einzige derartige Urkunde, idie des Herzogs Konrad von‘ Franken, von 940, in welcher er das Münzrecht vom Kaiser erhalten zu haben bekennt, ist falsch. Was die Bischöfe und Aehte angeht, so sind eine grosse Menge Urkunden auf uns gelangt, in denen ihnen die Kaiser theils für ihren Bischofssitz, theils für

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11. Das Münzrecht.

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andere Orte ihrer Diüzese das Mtinzrecht ertheilen, und sind solche sowohl von Lelewel (111, 139) als von Köhne (111, ISS: , g rösstentheils nach I’feffinger Vitriar. ill. zusammengestellt l) , während die aus karolingischer Zeit von Soetbeer (8. Forsch. z. deutsch. Gesch. IV, 8. 24) verzeichnet sind. Aber für nicht wenige dieser Münzrechte fehlen uns die numismatischen Beläge, dass sie wirklich zur Ausübung gekommen, und umgekehrt haben wir auch von vielen Fürsten Münzen, ohne urkundlicht Nachweise über das erlangte Recht dazu. Man mag sich damit helfen, dass viele wirklich geprägte Münzen, und nicht weniger auch viele ausgestellte Verleihungsurkunden im Laufe der Zeiten verloren gegangen seien. Erschöpfender aber 1 scheint mir Grote’s Erklärung (a. a. 0. 44) , dass die Bischöfe in den von den Römern besetzt gewesenen Theilcn unseres Vaterlandes von Alters her in Besitz vieler Immunitäten gewesen, welchen bei steigender Kultur das Münzrecht hinzugetreten, und dass nur in den Landestheilen neuer Kultur eine ausdrückliche Verleihung nöthig gewesen sei 2j. Hierbei ist freilich die Ertheilung des fraglichen Rechts an die Bis\ thümer Worms 856, Trier 902, und Strassburg 873 und 974 störend. Ferner macht Grote es sehr wahrscheinlich, dass das Münzrecht nur ein Zubehör und Ausfluss des Marktrechts, dass das Zusammenfassen von mercatus, teloneum und moneta eine blosse Kanzleiformel gewesen, das Münzrecht daher, wo es an einem Absatz gefehlt, niemals zur Ausiibung habe kommen können, und dsss man diese Formel nur dann ausser Anwendung gelassen habe, wenn an Orten, wo das Marktrecht bewilligt worden, bereits ein Anderer im Besitze des Rechts zur Anlegung einer Münze sich befunden habe. Damit können wir diesen Gegenstand verlassen, da wir es doch nur mit dem durch Mtinzen bethätigten Rechte zu thun haben. Dunkler noch ist eine andere Seite dieses Gegenstandes, die Frage nämlich: ’ konnten die Kaiser an den Orten, wo sie das Münzrecht vergeben hatten, es noch ferner selbst ausüben? Man nimmt dies gewöhnlich an, jedoch nur für die I)auer des Aufenthaltes des Kaisers. Allein d?fur, dass es sich so verhalten, fehlen, wie Grote richtig sagt (&. a. 0. 38) alle Beläge, während sie allerdings für die karolingische Zeit (in einem Kapitular Karls des Kahlen) und für ilas XIII. Jahrh. (im Sachsenspiegel und einer Urkunde Otto’s IV. von 1209, Origg. Guelf. 111, 639) vorhanden sind. Brote knüpft hieran die Wahrnehmung, dass Kaisermünzen von Aachen und Frankfurt fehlen, dass solche vielmehr, wie er wenigstens meint; lediglich von bischöflichen Städten bekannt seien, dass die Kaiser sich aber in solchen Städten meistens nur wenige Wochen oder gar nur Tage aufgehalten, dass also die Zeit unterdessen zu miinzen ihnen gefehlt hätte, und glaubt daraus schliessen zu müssen, dass ))alle Münzen des sächsisch-fränkischen Zeitraums, welche in bischöflichen und prälatischen Städten mit dem Namen und Bilde der Könige geprägt sind, nicht sog. Kaisermünzen, sondern bischöfliche, d. h. fUr Rechnung des bischöflichen Säckels geschlagene, und dass allein nur die auf königlichen Domänen geprägten als Königsmünzen zu betrachten sind«.
1) Beide vielfach von einander abweichend und der Verbesserung bedürftig. 2) Mit Recht bemerkt Grote, dass man solche Begünstigung der Geistlichkeit nicht aus Frömmigkeit erklgren darf, sondern dass sic die einzige Form einer Zuwendung fiir Bildungszwecke / gewesen und ihre Quellt vielmehr in der Politik zu suchen sei: StLrkung der priesterlichen, ! nicht erblichen Civil-Aristokratie, als Gegengewicht gegen die der Krone geftihrliche Militiri Aristokratie.

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Einleitung.

Hier ist aber zun%chst dem Irrthnmc ZLI begegnen, dass Kaisermünzen nur aus bischöflichen Städten bekannt seien, es geniigt , an Andernach , Breisach, Dinaut, Dortmund, Duisburg, Goslar, Namur, Thicl und Ziirich zu erinnern, nicht zu ge4 len Städte, wie Brüssel, Esslingen und Remagen, denken der nicht bischöfhc in dcncn ohne Kaisernamen zwar, aber doch jedenfalls von den Kaisern geprLgt wurde. Und ferner, Miinzen von Aachen und Frankfurt vermisst man auch von den Karolingern lj, ohne dass es darum Jemandem eingefallen wäre, diese Schwierigkeit in derselben radikalen Weise beseitigen zu wollen: wie Grote dies thut. Viclmchr hat Brote selbst (Münzstud. I., 84) vorgeschlagen, die mit palatina moneta bezeichneten Karolinger Denare als Aachener anzusehen; in ähnlicher Art werden wir die Gepräge beider Städte aus der s%chsischen und fränkischen Kaiserxeit wohl unter denjenigen zu suchen haben, welche zwar den Namen des Kaisers, nicht aber den der Münzstätte trqen. Fehlt es nun auch an einem förmlichen Nachweise dafiir, dass dem Kaiser das Recht zu münzen auch nach dessen Vergebung noch zugestanden hat, so entsteht doch jedenfalls daraus , dass es vor- und nachher so gewesen, eine starke Verrnuthung dafür, dass es sich auch in der Zwischenzeit so verhalten habe 2) , und wenn der stctc Aufenthaltswechsel der Kaiser eine Beschränkung ihres Rechtes auf die Dauer ihrer jeweiligen Anwesenheit bedenklich erscheinen lassen sollte, so mag nicht aber das ganze Recht aufgeben. In der man allenfalls diese Beschränkung, That sind auch diese Bedenken gar nicht so gross: die meist sehr einfachen MiinzStempel konnten in Einem Tage vollendet, konnten auch schon fertig mitgebracht werden. Dnss das bisweilen wenigstens so gehandhabt worden, dass man die MiinzStempel anderswo habe anfertigen lassen, dafiir spricht Manches, namentlich ein Denar Heinrichs 11. mit S. Colonia von entschieden Strassburger Fabrik, und die Nachricht, dass die Miinze des Kaisers schon 8 Tage vor seiner Ankunft Geltung gehabt 3). Eine vollständig befriedigende Aufkllrung ist schwerlich zu erlangen. Man muss’ aber, um einem Probleme möglichst nahe zu kommen. unter den verschiedenen Arten der Lösung diejenige wählen, welche mit den sonst bekannten Thatsachen sich am Besten verträgt. Das scheint mir ,jedoch mit dem Auskunftsmittel, alle in bischöflichen Städten geprägten Kaisermünzen schlechthin f?ir bischöfZwar wo wir kaiserliche und bischöfliche zu erklären, durchaus nicht der Fall. liche Gepräge - ich meine solche, welche sich nach Bild und Umschrift als kaiserliche oder bischöfliche darstellen - an demselben Orte mit einander abwechseln sehen, da könnten wir dies aus der Mode, der Willkiir der Stempelschneider ableiten, denn im Ganzen wird Grote Recht haben, wenn er (Münzstud. VIII, 43) die Wahl des Miinzgepräges in der Zeit, mit der wir es zu thun haben, einzig und allein diesen Arbeitern überlassen glaubt. Aber wie, wenn ganz gleichzeitig an demdie andere selben Orte 2 Miinxen sich finden, von denen die eine rein kaiserliche) rein bischöfliche Typen hat ? beide iibrigcns von guter Arbeit und keine Nachmünzen ? Will man da auch den Stempelschneider anschuldigen, dass er mit so unglaublicher

lj Ein Aachener Denar Karls d. Gr. könnte von einer anderu gleichnamigrn Stadt sein. 2) Nach Münastud. I., 18J scheint dies auch Grote anzunehmen oder tliiher angenommen zu haben. :j) I,clcwcl 111, Ni. Ist diese Nachricht aber auch wohl zuvorliissig?

11. Das Münzrecht.

7

Willkür die Verhältnisse auf den Kopf gestellt habe? MUSS man da nicht vielmehr gestehen, dass, was man auch sonst dagegen einzuwenden haben möge, die eine dieser Münzen wirklich den Kaiser, die andere den Bischof zum Urheber hat? Solcher F&lle liegen aber mehrere vor: aus Strassburg haben wir 2 ganz ,gleiche Denare, die sich nur dadurch unterscheiden, dass der eine den Namen Heinrichs II., der andere den des Bischofs Wicelinus trägt, von Mainz besitzen wir ebenso 2 übereinstimmende Gepräge, beide mit Heinrichs 111. Namen, aber das eine mit urbs Mogoncia, an der Stelle wo das andre Liubold archicpc zeigt, und ebenso licgcn fast glcichc Mainzer Geprage vor von Heinrich V. und vom Erzbischof Adalbert I., nachdem lange vorher schon jede Erinnerung an die kaiserliche Oberhoheit von den Mainzer Bischofsmünzen verschwunden war. Hier wurden wir doch gegen den klaren Augenschein sündigen, wenn wir auch diese neben den rein bischöflichen gleichzeitig einhergehenden rein kaiserlichen Gepräge dem Bischofe zutheilen wollten, wir müssen vielmehr nothgedrungen die Ausübung des Münzrechts durch den Kaiser neb en der bis c h ö flit h en annehmen, wenn uns auch dessen Natur nicht ganz klar ist, und dürfen uns Klarheit nicht dadurch zu schaffen suchen, dass wir den Thatsachen Gewalt anthun. Dies vorausgeschickt werden wir eine kaiserliche Ausmünzung wohl auch in vielen anderen , weniger unzweifelhaften Fällen annehmen müssen, wo wir sonst vielleicht bischöflichen Einfluss zugeben würden. Ich mcinc nemlich, dass die Stempelsehneider, wenngleich von offiziellem Einflusse frei, doch in der Wahl ihrer Typen unwillkürlich eine gewisse Rcgelmässigkcit bewahrt haben wcrdcn , die ja in anderer Hinsicht genugsam bezeugt ist, und die sie daher auch abgehalten haben wird, heut Minzen zu prägen, die in Nichts an den Kaiser erinnerten, morgen solche, welche sein Bild und Namen trugen, um sodann gleich wieder zu autonomen iiberzugehen. Ein ähnlicher Wandel in 1änge re n Zwischenräumen ist damit nicht ausgeschlossen. Nimmt man diesen Grundsatz an, - und ich sehe keine andere Möglichkeit - so gewinnt ma,n ausser den vorgedachten Pallen der evidentesten Art noch eine lange Reihe von Kaisermünzen aus bischöflichen Städten, namentlich, am nur Beispiele zu erwähnen, aus Strassburg und Mainz, wo kaiserliche und bischöfliche Gepräge fortwährend neben einander hergehen. Es scheint also ein unumstösslicher Satz, dass die Kaiser auch nach Verleihung des Münzrechts an die Bischöfe in deren Städten gemünzt haben. Aber damit ist die Frage, welche Münzen man als kaiserliche anzusehen habe, freilich noch nicht in jeder Beziehung befriedigend beantwortet, es bleibt immer noch zweifelhaft: 1) wofür hat man die Münzen anzusehen, welche weder des Kaisers noch des Bischofs (oder Abtes) Bild oder Namen, sondern meistens die eines Heiligen tragen? und 2) hat man auch die ihrem Geprage nach als kaiserliche auftretende Münzen, welche zwar vor dem Erscheinen sicherer Bischofsmünzen, aber doch nach der Ertheilung des Münzrechts in bischöflichen Städten geprägt sind, wirklich als kaiserliche, oder nicht vielmehr als bischöfliche zu betrachten? Eine bestimmte und durchgreifende Antwort wird sich weder auf die eine noch auf die andere Frage ertheilen lassen. Der Regel nach aber dürften die Münzen, die weder den Kaiser noch den Bischof nennen oder darstellen, von Letzterem ausgegangen sein, namentlich wenn sie der Zeit nach, wie z. B. bei Mainz und Metz, in eine Reihe von ächten Bischofsmünzen hineinfallen, ohne dass man wegen Fehlens des bischöflichen Namens und Bildes sie, wie häufig geschehen ist, einer Sedisvakanz zuschreiben darf. -

8

Einleitung

Was aber die zweite Frage angeht, so fehlt es wohl an jedem Merkmale, um sich ’ für die eine oder andere Alternative zu entscheiden 1): es ist ebensowohl möglich, dass der Bischof das ihm bewilligte Recht erst nach geraumer Zeit in Anwendung gebracht hat, als auch, dass er Anfangs nur unter rein kaiserlichem-.Stcmpel gemiinzt, und erst später seine Münzen, sei es mit Einem Male, sei es nach und nach von der kaiserlichen Oberherrschaft losgelöst hat. Hierin haben Schwankungen a.b. Wie aber auch stattgefunden, mit autonomen Münzen wechseln halbkaiserliche diese Verhältnisse zu denken sein mögen, flir unseren Zweck giebt es keine Wahl, wir müssen die Münzen als kaiserliche hinstellen, welche nirgends den Einfluss des Bischofs Verratherr, und müssen es der historischen und staatsrechtlichen Spekulation des Lesers überlassen, ob es diese oder jene als einen A.usfluss des bischöflichen Prägerechtes betrachten will, was ja doch eigentlich nur darauf hinausläuft, wer den Nutz en des Münzrechts gehabt hat, der Kaiser oder der Bischof. Diese finanzielle Seite der Frage liegt aber unserem Zwecke ziemlich fern; uns können Bischofsdes Bischofs münzen nur die sein, welche in Bild oder Umschrift die Einwirkung verrathen. Wir haben uns also boi der Beschreibung der Miinzen an den Augenschein zu halten und müssen 3 Abtheilungen zulassen: J) Kaisermünzen, 2) bischöfliche, 3) solche, welche weder auf den Kaiser noch auf den Bischof hinweisen. Bei’ anderer Verfahrungsweise würden wir, um die praktische Seite der Frage zu betonen, in Verlegenheit sein, wenn wir eine Münze ohne Bischofsnamen doch unter den bischöflichen unterbringen sollten, denn wir würden nicht wissen, wem der mehreren Bischöfe, die dem auf der Münze etwa genannten Kaiser gleichzeitig waren, wir sie beilegen sollten, wir müssten nach Gutdünken entscheiden, und die Verwirrung würde um so g-rösser werden, als ja ohnehin die Zutheilung an einen bestimmten Otto oder Keinrich gewöhnlich schon Schwierigkeiten genug bietet. Und wem die Brotesche Theorie zusagt, nun der wird diese 3 Klassen als eine durch das Gepräge gebotene Eintheilung der Bischofsmünzen ansehen. Zum Schluss dieser etwas langen Betrachtung wird es nützlich sein, noch zu prüfen, wie sich die aus den Bischofsstädten hervorgegangenen Münzen zu der behandelten Frage verhalten. Wir sehen da Folgendes: 1) Mainz. Kaisermünzen : von Heinrich 1. bis Heinrich V. Bischöfliche: zuerst unter Otto ID. und Heinrich II., dann von Bardo bis Adalbert 1. j10311137) anfangs kaiserlich”), autonom seit Siegfried (1060). 2) Sp eicr. Kaiserm. : Otto 1. - 111. 3): Konrad II., Heinrich 111. Bischöfliche: Konrad bis Heinrich 1. (1056 -75)) anfangs autonom, dann kaiserlich. 3) Worms. Kaiserm. : Otto, Heinrich II., III., IV. Bischöfliche : Arnold (104465) kaiserlich, Adalbert (1005 -70) und Erpo (3090-1105?) autonom.
!) So urtheilt auch Thomsen (Miinzstud. 1, S. 358). 2) Das heisst hier soviel als mit dem Namen oder dem Bilde des Kaisers, oder mit beiden zugleich. 3) Die Scheidung der Ottonen-Münzen, namentlich derer von Otto II.! ist freilich nicht ganz

sicher.

11. Das Münzrecht.

9

4)
5) cii

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20)

Fulda. Abt Egbert (1048-58) autonom. Bamberg. B. Ruprecht (1075-1102) autonom. Würzburg. Kaiserm. : Otto II., III., Heinrich 11. Bischof Bruno (1034-1045) autonom. Erfurt. Erzbischof Aribo und Bardo (1020-51j beide autonom. Kaiser Heinrich 111. (1039- 56). Merseburg. Bischof Bruno (1020-36) kaiserlich. Naumburg. Bischof Eberhard (1045-78) autonom. Magdeburg. Kaiserm.: Otto 111. Erzbischof Hartwich (1079 - 1102) kaiserlich, Heinrich 1. und Adelgot (1102- 1119) autonom. Halberstadt. Alle Bischofsm.: von Arnolf bis Reinhard (996 -- 1023)* autonom, nur hat ein Arnolf ATE ALH ET. Quedlinburg. Kaiserm.: Otto 111. Aebtissin Adelheid, Agnes, Gerburg [ca. 1060 - 1137) theils kaiserlich, theils autonom. Hildesheim. Kaiserm.: Otto 111. Bischöfliche : Bernward, Gothard (993 - 1038) und Azelin (1044- 54), alle autonom. C o r v e i. Kaiserm. : Heinrich 11. kebte: Rudhard und Arnold (1046-55j kaiserlich; Saracho (1056-71j und Marquard (1082 - 1106) autonom 1). Utrecht. Kaiserm.: Heinrich II., Konrad 11. Bischöfliche: Bernold bis Konrad (1027-99) sowohl kaiserliche als autonome. Burchard (1099 - 1112) autonom. Andernach. Kaiserm. : Otto 111. (Konrad 111. Erzbischof Piligrim (1021- 36) kaiserlich. Kö1 n. Kaiserm. : Otto 1. bis Heinrich 111. Erzbischof: Bruno 1. (953 - 965) kaiserliche und autonome. Piligrim (102 1 - 36) kaiserlich. Hermann 11. und Anno (1036 - 75) kaiserliche und autonome. Hiltolf bis Bruno 11. (1076-1137) autonom. Trier. Kaiserm. : Otto 1. bis Heinrich 11.) Heinrich V. Erzbischofz) Adalbero (1008- 16) autonom. Poppo (3 016-47) kaiserliche und autonome. Eberhard bis Adalbero (1047- 1152) autonom. Metz. Kaiserm. : Heinrich 1. (und Otto 1. ?) Bischöfliche: Adalbero 1. und Dietrich 1. (929-984) kaiserlich. Sdalbero 11. autonom. Theodorich 11. (984 - 1047) kaiserliche und autonome. ddalbero 111. bis Hermann (1047-90) autonom. Poppo bis Stephan 1090 - 1163) kaiserliche und autonome. Toul. Kaiseim. : Otto (III?). Bischöfliche : Bruno bis Pibo (1026- 1107) autonom.

1) Freilich Saracho mit des längst verstorbenen Kaisers Otto Namen. 2) Theoderich 1. ist sls nicht unzweifelhaft fortgelassen, er gehört vielleicht

nach Metz.

*Seite

9 Zeile 12 v. o. lies 1123 statt 1023.

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Einleitung.

21)

22) 23) ‘L-1; 25) 26)

27) 28) 29;1

3Oj 31)
32) 33)

Verdun. Kaiserm. : Heinrich 1. und Heinrioh 11. Bischöfliche : Haimo bis Richard (990-10 IG) kaliserliche und autonome. Theodorich bis Richer (1046 - 1107), Heinrich 1. ;ll l/ -29) und Albero 111. (1131-56) a.utonom. Kaiserm. : Otto III., Heinrich II. Lütt i eh. Bischöfliche : Waso bis Adalbero (10-12- ll2S; autonom. Hu y. Kaiserm. : Otto 1. bis Konrad 11. Bischof Dietwin (1048 - 75) autonom. Thuin. Kaiserm. : Heinrich II., Konrad II. Bischöfliche : Dietwin (1048- 7’) J und Otbert (1091 - 1 1 191 autnnom. ßergues S. Winoc. Abt Reinold (1052-6s) autonom. Strassburg. Kaiserm.: Otto I. bis Heinrich III. Bischöfliche : Richwin bis Aliutwic (923 -- 1001) kaiserlich, mit Ausnahme I autonomen von Erkambold (965-991). Wicclin (iOf)l-29) kaiserlich (und autonom i). Basel. König Konrad von Burgund (937-993). Bischöfliche : Adalhero 11. bis Beringer (999 - 1072) autonom. Kaiserm. : Otto Ill., Heinrich 11. (!) Constanz. Bischöfliche : Rudhard, Haymo, Warmann (1018 - 3-1) autonom. Chur. Kaiserm. : Otto 1. Bischöfliche : Ulrich und Hartmann (1002- 39) autonom. Augsburg. Kaiserm.: Heinrich II., Konrad 11.: Heinrich 111. (!) Bischöfliche : Ulrich bis Heinrich 11: (923 - 1063) autonom 1). Regensburg. Bischof Gebhard 1. (994-1023), Gehbard 11. (1003-36) oder 111. (1036-60). Freisingen. Kaiserm.: Konrad 11. Bischof Egilbert (1 OOO- 39) autonom. * Salzburg. Kaiserm.: Heinrich 11. und 111. (?) Erzbischöfliche : Hartwich (991- 1023) kaiserliche und autonome, Dietmar (1025-41) autonom. Balduin (1041 - 60) kaiserlich.

Aus. dieser Zusammenstellung, aus welcher ich nur einige nichts beweisende Daten (Nienburg , Wimmelburg , Stablo, Thoren u. s. w.) weggelassen habe, beantwortet sich zugleich die interessante Frage, welche Geistlichen zuerst Miinzen mit ihrem Namen haben schlagen lassen, es sind dies Ulrich von Augsburg, Bruno I. von Köln, Adalbert 1. von Metz, vielleicht auch Theodorich 1. von Trier und Gerhard von Toul. Soviel über das Münzrecht. Denn dass es in dieser Zeit schon den Städten zugestanden habe, wie Köhne (111, 169) und Lelcwel annehmen, ist irrig: die Vcrleihung derartiger Rechte an die damals noch wenig entwickelten Städtegemeinden gehört einer viel späteren Zeit an.
1) Eine von Heinrich 11. vielleicht mit tlcs Bsierllhcrzog-s Kopf und Nwnen.

111. Der Miinzfuss.

31

111. Der Miinzfuss.
Der Münzfnss ist der von Karl d. Gr. eingefiihrte, nach welchem aus dem Pfude (von 367,2Gr.) 240 Denare geprägt wurden, so dass also der Denar 1 :s:$Gr. wicgcn sollte l) . Eine Zwischenstufe bildete der Schilling, eine Summe von 12 Denaren, der jedoch bloss Rechnungsmünze war. Geprä.gt wurden vielmehr nur Denare und halbe Denare, von den Schriftstellern Obole (Hälblinge) genannt 2). DrittelDenare oder Trienten. wie Götz (Nr. 87, 159; 170, 174, 200) und Cappe (1, 306, 116, 176, 271, 284, 285 u. s. w.) die Halbdenare theilweise nennen, giebt es nicht; das Gewicht, wo es angegeben ist, lehrt auch zur Genüge, dass wir es nur mit halben Dcnaren zu thun haben. Schwerlich h%tte man auch bei ,den unzulänglichen mechanischeu Htilfsmitteln so feine Unterschiede wie zwischen Halb - und DrittclDeiiaren, also 0,2.7 Gr. sicher unterscheiden können. Viertel-Denare hat erst das XIII. Jahrhundert gesehen, möglich aber, dass es deren auch unter den Wcndenmiinzen giebt. Man muss bei diesen. wie bei allen Folgen, welche man etwa aus dem Gewiehtc zu ziehen versucht sein möchte, auf die höchst unvollkommene Stlickelung dieser Miinzen Rücksicht nehmen, welche, ganz abgesehen von der Abnutzung, Unterschiede von 49 Procent und mehr bedingt 3). Das hat man nicht immer gehörig beachtet, und ist dadurch zu Trugschlüssen gelangt. Einer der häufigsten Irrthiimer in dieser Beziehung ist der Gedanke; dass man mittelst des Gewichts das Alter der Münzen bestimmen könne, wovon Köhne namentlich Anwendung auf die bairischen Herzogsmiinzen gemacht hat. Man hat den Satz aufgestellt, dass das Gewicht im Laufe der Zeiten immer mehr herabgeht 4). Aber den Beweis hierfür ist man schuldig geblieben, und hat also sehr mit Unrecht aus diesem unerwiesenen Satze Schlüsse gezogen, die sich dann nothwendig als unhaltbar herausstellen. Wenn es nun auch im Allgemeinen richtig sein mag, dass das Gewicht im Laufe der Zeit abnimmt, so ist doch diese Abnahme keine stetige, und vielfach folgt auf sic wieder eine Gewichtszunahmt. Wollte man nun das Gewicht zum Eintheilungsprinzip nehmen, so musste doch zunächst feststehen, welches in einer be1) Miinzstud. VII, 59, in wesentlicher Uebereinstimmung mit Leblanc und Soetbeor (Beitr. z. Gesch. d. Geldes, in d. Forsch. zu deutsch. Gesch. IV, S. 311). 2) Obole, Halblinge sind keine gleichzeitigen Beziehungen (Miinzstnd. VIII, 60). 3) S. den Münzfund von Plonsk in d. Bcrl.Bl. VI, 150, wo z. B. folgende Gewichtsschwankungen festgestellt sind: Speier, Konrad 11. nnd Heinrich 2 Ex. 0,9 und 1,51 Gr. Heinrich IIJ. Rf. Schiff 9 Ex. 0,63-1,lO Gr. Wiirzbur, e B. Bruno 7 Ex. 0,i - 1,114 Gr. Dortmund Heinrich 11. Kopf. R-J. Kreuz 7 Ex. 0,86-1,22 Gr. Devcnter Heinrich 11. Hand 7 Ex. O,(isl- 1,22 Gr. Duisburg Konrad 11. 11 Ex. 1 ,Ol - I,OlT Gr. Küln Piligrim 1,lY- 1,tiZ Gr. Hermann 11. Kreuz. XJ”. Kirche 7 Ex. 0,91-1,75 Gr. Heinrich 11. Strassburg Kopf. RJ. Schrift 1,22 und. 1,ci2 Gr. Kaiser Heinrich 111. Regensburg 1,15 und 1,ti2 Gr. Und an allen diesen grossen Schwankungen tragen sowenig starke Beschädigungen als Nachmünzer Schuld. 4) Monnier (trouv. de Dieulouard p 23) priicisirt diesen Trugsatz folgendermassen (in Bezug auf Metz) : Je regarde comme hors de deute, qu‘d partir tl’AdaIb6ron 1. et de son successeur Thierry le poids ot Ie module vont toujours en diminnwnt. Je regarde egalement comme oertain, qu’a chnque 6poque et sous chaque eveqne le denier conservc Ie m&me poids, m&me avec uu changement de type, cl’ou il suit qu’un denier notablement plus faiblc a BtC?Bmis a une t?poque plus rapprochee de nous que le dcnier fort. In gewisser Boschranknng, namentlich auf die von M. behandelte Zeit und Oertlichkeit freilich vielleicht nicht ganz zu verwerfen,

12

Einleitung.

stimmten Zeit und Gegend das Gewicht gewesen, man müsste zu dem Zwecke vollständige Gewichtstabellen anfertigen, und könnte ? wenn hieraus ein bestimmtes zweifelhaften MiZünzen auf Grund Gesetz für die Gewichtsänderungen hervorginge, dieses Gesetzes ihre Stelle ermitteln, vorausgesetzt freilich, dass man nicht blos das trügerische Gewicht eines einzelnen Stiickes , sondern das Dmchschnittsgev&ht von mehreren Exemplaren wüsste. So ist man aber nicht verfahren, sondern man hat es sich leichter gemacht, man hat die fortschreitende Gewichtsveränderung, die erst zu erweisen war, als Axiom angenommen : und um das Mehr oder Minder dieser Verringerungen sich nicht gekümmert. Keiner der Schriftsteller, die das Gewicht zur Richtschnur nahmen, hat ein System aufgestellt, wie schwer in einer bestimmten Zeit und Gegend der Denar denn eigentlich sein sollte. Das aber wäre doch vor Allem nöthig, soll die Berufung auf schwereres oder . leichteres Gewicht einer zu klassificirenden Mllnze nicht ganz in der Luft schweben 1). Es wäre dies um so nothwendiger , als sich bedeutende lokale Abweichungen von dem Normalgewichte wahrnehmen lassen, und zwar nicht blos in Friesland, wo sie freilich am auffälligsten hervortreten. Zur Erläuterung des Vorstehenden lasse ich hier die Gewichte der BischofsMiinzen von Augsburg, Kiiln und Trier folgen, welche zur Veranschaulichung am geeignetsten sind, weil keine anderen Städte uns so lange Reihen chronologisch fest bestimmter Gepräge hinterlassen haben. Die Wägurigen habe ich selbst nach guten Exemplaren vorgenommen, nur bei den Kölnern auch Cappe’s Angaben in Betracht gezogen. Augsburg. IJlrich (923-973) 1,15 Gr. 1,16 Gr. 3,24 Gr. 1,~ Gr. 1,4 Gr. 3!45 Gr. 1,45 Gr. Gr. 3 ,5:( Gr. Heinrich 1. (973-9822 1,~ Gr. (K. M.) 1,~ Gr. (M. S.) 1,~ Gr. (Sallet 1, :~sT). Liutolf (957-996) 1,ozGr. 1,17Gr. l,%Gr. 1,27Gr. 1,sjGr. 1,54Gr. 1,57Gr. l,s.iGr. Siegfried (ZOOO-1006) 1,~ Gr. l,% Gr. 1,~ Gr. 3;:% Gr. 1,42 Gr. ßruno (1006-29) Kreuz mit 4 Kugeln. 0,s Gr. 0,s Gr. 0,91 Gr. O,nl Gr. O,% Gr. 1,04 Gr. 1,12 Gr. 1,27 Gr. 1,3 Gr. Schriftkreuz 1,09 Gr. l,l Gr. 1,l Gr. 2,12Gr. l,lsGr. l,iTGr. 1,17Gr. l,zGr. Eberhard (1029-47) I,o% Gr. 1,12 Gr. 1,12 Gr. 1,li’Gr. 1,2 Gr. 1,2 Gr. I,~‘L Gr. Nicht also unter Eberhards sondern unter ßrunos Münzen begegnen wir den leichtesten. Von dem zweifellosen Heinrich 11. (1047-63) kenne ich das Gewicht nicht.
1,52

Köln. Cappe. Bruno 1. (953-965) 2,29Gr. 1 ,ö4 Gr. Piligrim (lO21-36) 1,~ Gr. 1,2iGr. 1,3Gr. 1,:)2Gr. l,dzGr. l,aTGr. 1,47Gr. 1,~ Gr. l,ü2 Gr. l,:~Gr. l,%Gr. 1,~Gr.
0,12) O,l-0,105-0,105-0,ll -0,115

Loth.
0,09 0,115 0,09 0,09 -

l,i Gr. 1,tsGr. 1,26Gr. 1,39Gr. 1,4Gr. 1,4Gr. 1,4iGr. 1,sGr. 1:52Gr.

0,085

-

0,101

Loth.

1) Aehnlich urtheilt Grotc (Rliinzstud. V111, S. 1Oi). 2) So wird man den offenbaren Druckfehler l,lO bei Nr. 191 verbessern dürfen.

111. Der Münzfuss. Köln. 1,14 Gr. I,I~ Gr. 1,~ Gr. l,%Gr. 1,s~ Gr. 1,:~ Gr. 1,~ Gr. 1,s~ Gr. ,e münzen 0,s~ Gr. 0,93 Gr. 1 ,i Gr. 1,16 Hermann 11. (1036--56) O,% Gr. 1,06 Gr. 1,~ Gr. 1,:+7 Gr. 3,s~ Gr. 1,:~ Gr. 1,&2 Gr. 1,s~ Gr. 1,~ Gr. 1,56 Gr. (Xanten) 0,9 Gr. 1,06 Gr. 1,08 Gr. 1,13 Gr. Anno (1056-75) 0,72 Gr. 1,23 Gr. l,%G~r. 1,52 Gr. 1,52 Gr. I,(il Gr. 1,M Gr. (Andernachj Cappe. i,sGr. O,otil-~,o8-0,08~-O,oY~NachO,O9-0,092 Loth. Gr. 1,~ Gr. O,o75-0,0~-O,oy-O:1-0,11 1,~ Gr. Loth. (Xauten) 0,075 Loth.
I,FI Gr. O,~~-O,~~~-O,O~-O,O~-O,O8
-O,UY2-O,OY5-0,09-0,09

13

Hiltolf (1076-79) 1,STGr. 1,:M Gr. Siegwiu (3079-89) I;12Gr. I,23Gr. I:siGr. 1,4’3 Gr. 1,49 Gr. 1,51 Gr. l,% Gr. Hermann 111. (1089-99) O,YI Gr. 1,4 Gr. O,OS5-O,u97--0~106 1,; Gr. 0,us - O,I - O,I--O,I Friedrich 1. (1099-1131) 1,~s Gr. 1,~ Gr. 1,~ Gr. 1,~ Gr. Bruno 11. (11-31 -37) 1,41 Gr. 1,~ Gr. 1,~ Gr. 1,~ Gr.

-O,og-6,95 Loth. $09 Loth 1). 1,3iGr. O,oi- 0,~ - 0,~ - O,OSS O,OY~-- 0,101 Loth. 1,49 Gr. O,OS-0,082--- 0,085-O,OY~ -Loth.

Loth.

Trier. Adalbero (lOOS--IG) 1,0i Gr. 1,i Gr. Poppo (1017-47) l,ozGr. 1,04Gr. l,UsGr. l,OiGr. 1,0iGr. 1,lGr. 1,15Gr. 1.15Gr. 1,15 Gr. l:lc> Gr. I,~K Gr. 1,‘~ Gr. 1,~ Gr. 1,~1 Gr. Eberhard (1047 -66) 0.96 Gr. I,li Gr. 1,2 Gr. 1.25 Gr. Udo (1066-77) 1,l Gr. 1,17 Gr. Egilhert (1078- 110’1) O)<i Gr. 1,05 Gr. Bruno (1102-24) 0,65Gr. 0,GsGr. 0,78 Gr. O,iY Gr. O,&Gr. 0,bGr. O,sjGr. U,ggGr. O,% Gr. Albero (1130-52: 0,o~Gr. 0,oGr. 0,~ Gr. O,gsGr. 1,01 Gr. Denken wir uns, die gemusterten Münzen trügen nicht Begentennamen, welche über ihre Zeit keinen Zweifel lassen, sondern sollten nach dem Gewichte allein ihren Platz angewiesen erhalten, wie ganz anders würde dann ihre Anordnung ausfallen, wenn man jene unrichtige Theorie von der steten Gewichtsabnahme zu Grunde legte! Und wie verschieden verhalten sich die verschiedenen Mtinzstatten ! während in Trier das Gewicht lange so ziemlich dasselbe bleibt, scheint es dort allerdings gegen Ende des XI. Jahrb. plötzlich bedeutend zu sinken : während umgekehrt in Köln zu derselben Zeit eine Gewichtsaufbesserung einzutreten scheint. Ganz ahnliehe Erscheinungen finden wir auch anderswo, z. B. in Begensburg, woselbst Köhne, einer der eifrigsten Vorfechter der hier bekämpften Theorie, die Otto’s als viel leichter anerkennen muss , als sie seinem Systeme zufolge sein dürften. Wer wird, Angesichts obiger Gewichtsliste noch wagen, eine Münze auf Grund ihres Gewichts in der bisher so oft geübten Weise bestimmen zu wollen !
1) Auch die sogenannteu Hiltolfs :tus lhrb;~ross~ts Zeit wiegennoch O,ij5bis 0,10(i Gr.

14

Einleitung.

Das Endresultat dieser Betrachtung ist : 2) das Gewicht darf nicht zum Ausgangspunkt für die chronologische Anordnung der Münzen genommen werden, 2) es kommen bei verschiedenen Exemplaren derselben Münzsorte die erheblichsten Gewichtsdifferenzen vor, die ihren Grund in der mangelhaften Stückelung haben, 3) allerdings bewahren die ältesten Münzen bis etwa. zu Ottos I. Tode noch ziemlich treu das Normalgewicht, für die Folgezeit aber lässt sich eine Regel zur Zeit wenigstens nirgends aufstellen, und vielfach tritt nach einer Verminderung auch wieder eine Erhöhung des Gewichtes ein. Alles, was man bezüglich des Gewichtes zu lernen hoffen darf, ist die Erkenntniss des Normalgewichts der einzelnen Jliinzgepräge, dazu bedarf es aber einer anderen Methode als der bisher meist eingeschlagenen , man muss nicht einzelne Miinzen, sondern den Durchschnitt einer grösseren Anzahl zu Grunde legen. Ein grosser Gewinn ist aber auf alle Fälle schwerlich zu hoffen. Schwankender noch als das Gewicht ist die Grösse der Münzen; oft werden fast gleichzeitig in derselben Stadt Münzen des verschiedensten Durchmessers geprägt, wofür namentlich Strassburg und Trier auffallende Beläge bieten. Ueber den Gehalt sagt Grote (Münzstud. VIII, 59) : 1)Dern Feingehalte nach sollen die Münzen aus ganz feinem Silher bestehen, und absichtlicher Zusatz ist in denselben auch nicht zu bemerken. Die Naehmiinzer haben, soweit sie sich nicht dem gesetzlichen Münzfusse anschlossen, eine Verkürzung nicht sowohl am Feingehalt als nur am Gewicht vorgenommen.(t Das wird z. B. durch die Thatsache nicht erschüttert, dass 2 Loth zerbrochene Münzen des Obrzycko-Fundes nur 14 Loth 2’jT Gr. fein hielten (Obrzycko S. 4) ; die chemischen Kenntnisse und mechanischen Hülfsmittel der damaligen Münxmeister waren eben sehr gering, und die Denare hatten nur die Natur der Seheidemünze, bestimmt fiir den kleinen Verkehr (Münzstud. VIII, 60). Eben so wenig sind dadurch geringhaltige Fälschungen aller Zeit ganz ausgeschlossen, doch kommen solche nur sehr selten vor. Dass’ Gold bei uns erst im XIV. Jahrh. vermünzt wurde ist bekannt; der Goldabschlag des Mainzer Denars von Heinrich IV. (Cappe, Mainz Th 11, 21) ist daher, wenn Uberhaupt %cht, als Münze nicht zu betrachten.

IV.
der Miinzen unseres Zeitalters
an das der vorhergehenden

DRS Gepr#ge

schliesst sich, wie sich nicht anders erwarten lasst, Karolingischen Periode an, jedoch mit, der Massgabe, Denaren dass das Monogramm des königlichen Namens, das auf den karolingischen so häufig ist, hier zur seltenen Ausnahme wird, wogegen der Tempel der so unendlich zahlreichen XPISTIANA RELIGIODenare Ludwigs d. Fr. entweder in derselben antiken Bildung, oder in Gestalt der einfachen Holzkirche, welche der OttonenZeit eigenthümlich ist, desto häufiger auftritt. Man kann diese Kirche in der einen oder anderen Form, und das Kreuz, welches ja das ganze Mittelalter hindurch die Münzen der christlichen Völker a,uszeichnet, als den gewiihnlichen Typus der &ichsischen Kaiserzeit bezeichnen, wie er namentlich die Münzen des nlten Mainz und

IV. Das Gepräge.

15

4der Nachbarstädte Speier und Worms, sowie die zahlreichste aller Münzsorten, die Adelheids-Denare charaktcrisirt. Daneben machen sich nicht nur, namentlich im Anfange in Mainz selbst, in Strassburg, Verdun U.S. w. streng karolingische Typen, in Dortmund die früher beliebte zweizeilige Aufschrift des Namens der Prägstätte geltend, sondern es tritt auch in der wichtigsten Handelsstadt, in Köln, der lange festgehaltene Gebrauch auf, das Feld der Rückseite mit deren Namen S. Colonia derart auszufilllen, dass das durchstrichene S. (für Sancta) Uber, und das Schluss-A unter dem Haupttheil des Namens Coloni zu stehen kommt, ein Gebrauch, der später fiir weitere Kreise massgebend wurde. Wie unter den Karolingern die Stempelschneider sich nur selten a.n Daixtellungen der GesichtszUge des Herrschers wagten, so auch unter den ersten sächsischen Kaisern. Von dem ersten dieses glorreichen Hauses, von Heinrich I., kennen wir solche gar nicht, seine Münzen sind aber auch nur in äusserst geringer Zahl auf uns gekommen. Unter Otto 1. treten die ersten Bildnisse auf i welche aber nicht an die karolingisch -römische Tradition anknüpfen, Uufiger werden sie unter Otto III., und unter Heinrich 11. bilden sie fast schon die Regel, und geben fortan den Münzen einen anderen Charakter. Jetzt, und mehr noch unter dem ersten Bankenkaiser Konrad II., ändert sich das Gepräge, und gewinnt, namentlich in Veranlassung der nun liberal1 hervortretenden geistlichen Prägungeil ein Ansehen, das diese Münzreihen von denen der vorhergehenden Zeit gar merklich untersbheidet. Regel wird ,jetzt das Brustbild, sei es das des Kaisers, sei es das des geistlichen oder weltlichen Münzherrn, sei es des Schutzheiligen, und öfter noch als das Kreuz nimmt ein GebLude die Rückseite ein. Damit aber begnügt sich die Phantasie der Stempelschneider nicht; das Kreuz macht die wunderbarsten Wandlungen durch, so namentlich auf den schönen Duisburger Denaren, das Gebäude wird phantastisch verziert, und mit anderen Gegenständen, Köpfen, ßischofsstäben u. s. w. in Verbindung gesetzt, und ab und zu treten auch Adler, &MTc und andere Figuren mehr auf. In der Mitte des XI. Jahrhunderts bildet sich dann der Goslarische Typus : der vorwärtsblickende Kaiserkopf und die gleichfalls vorwärtsgckehrten Köpfe der Heiligen Simon und Judas, und findet, wie vor ihm der Kölnische, weite Verbreitung und Nachahmung, selbst in Friesland und am Rheine, wo man in Remagen und sogar vorübergehend in Köln ihn wenigstens theilweise aufnahm. Das ist in grössern Zügen der Entwickelungsga’ng, welchen das Gepräge genommen hat, es ist aber nöthig, näher auf die Einzelheiten einzugehen, die Bestandthei!: des Gepräges schärfer ins Auge zu fassen. Wir müssen da die bildlichen Darstellungen, das Gepräge im engeren Sinne , von den Inschriften sondern, die in folgendem Kapitel behandelt werden sollen.

a) Das Kreuz. Es tritt meistens frei im Felde schwebend und gleichschenkelig auf, so dass seine Armt fast die Umschrift, oder den Kreis, der sie vom Felde trennt, berühren, gewöhnlich mit einer Kugel in jedem Winkel. Seltner ist es noch kleiner, wie dies besonders bei den Sachsenherzogen Bernhard 1. und 11. der Fall ist, bisweilen reicht es im Gegentheil bis an den Kreis, was vorzüglich bei den westfälischen NacbPrägungen der Kölner Denare vorkommt. Da,gegen ist die Ausfiillung der Kreuzeswinkel die mannigfaltigste. Bei den bairischen und den ihnen verwandten Augs-

16

Einleitung.

burger Münzen wechselt sie unter jedem Herrscher, und trägt wesentlich zur Klassifizirung der ersteren bei. Statt oder neben der einen Kugel erscheinen die untcrscheidenden Zeichen der Münzstätte bei Soest, Speier und Worms. Einmal sehen wir das Kreuz in der Mitte durchbrochen, und mit einem eine Kugel umschliessenden Perlenkreise belegt auf 3 zu einander gehörenden höchst merkwürdigen Denaren Heinrichs II., von denen der eine sich als arabische, der andere als byzantinische Nachahmung zu erkennen giebt, der dritte, echt-deutschen Geprgges, den Kaiserkopf trägt. Ganz leer sind die Winkel auf Münzen von Andernach, Bamberg, Basel, Breisach, Chur, Corvei, Hildesheim, Maestricht, Metz, Naumburg und Strassburg, auf Wendischcn u. s. w. Auch Kreuzehen, Lilien, Stern und allerlei sonstige Zierra.then dienen blos zur Ausfüllung der Leere, während von grösserer Bedeutung der Bischofsstab ist, der gewisse Strassburger und Wormser Münzen als bischöfliche kennzeichnet, auch wohl (s. Quedlinburg, Ulrich von Chur und unbestimmte) mit einer ihn haltenden Hand vorkommt. Höchst merkwürdig und einzig sind die 4 Köpfe in den Kreuzeswinkeln eines Liitticher Denars aus der Zeit Bischof Heinrichs 1. Oefter aber werden die Winkel zur Einschreibun, v des kaiserlichen Namens (auf den Adelheidsmünzen, Hildesheimern, Ma,gdeburgern und Metzern) , des bischöffliehen (Piligrim, Hermann 11. und Anno von Köln, Buco 11. von Halberstadt) oder des der Münzstätte (Metz, Epinal, Marsal, Remiremont, Thuin, Duisburg, Fulda), oder eines Begriffes benutzt, der zu dem Kreuze in Beziehung steht (CRVX, PAX, PI SCI S, VITA) oder auch die abgebrochene Umschrift fortgesetzt (Dietmar von Salzburg). Auch Buchstaben werden an die Enden eines kleinen Kreuzes angesetzt (BONA Devcnter, PETS Echternach). Die Formen aber, unter denen das Kreuz auftritt, sind zu mannigfaltig, als dass sic sich erschöpfend aufzählen und anschaulich beschreiben liessen, es kommt vor: das Kreuz mit langem Fusse (Corvei), das durch 5 kleine Kreuze gebildete Kreuz (Dortmundj , das doppellinige oder Zwillingsfa,denkreuz (Duisburg, das auf ein grösseres breitschenkeliges aufgelegte Kreuz (Namur, Merseburg) , ein aus 4 Lilien gebildetes Kreuz (Strasshurg) u. s. w., die eigenthüu~lichsten Formen aber bei Duisburg und Namur. Zu erw&hnen ist schliesslich noch, dass es auf Münzen von Andernach, Corvei, Augsburg, Regensburg (Herzog Heinrich V.), Freisingen und Salzburg zur Anfnahme einer auf dasselbe gcsctztcn Inschrift (des Namens des Münzherrn oder der Miinzstatte) dient, und manchmal seine Umrisse Bogen-Form annehmen (Piligriin Andernach , Duisburg, Strassburg) , so dass mau nicht Weiss > ob man es noch als Kreuz betrachten darf.

h) Gebiude.

Meistentheils haben wir es pr&sumtiv und dem Anschein nach mit einem Kirchengebäude zu thun: doch glaubt man auch bisweilen die Ansicht eines Palastes. einer Stadtmauer, einer Stadt vor Augen zu haben [,Heinrich 11. von Trier, Herzog Gerhard, Andernach, Regensburg Kaiser Heinrich 111.) Magdeburg, Hildesheim) , und wird bei späteren Kölnern sogar durch die Umschrift IMACO S. COLON IE darauf hingeführt. Die Kirche aber ist, wie schon oben angedeutet, entweder der karolingische S%ulentempel [Dietrich von Metz, Brügge, Gcnt, Trier, Xanten, Salzburg j Hcinriclt 11. und Konrad 11. Strassburg , verschiedene Kölner, Eberhard von

IV.

Das Gepräge.

17

Augsburg, Heinrich 111. Augsburg, g leichzeitige Regensburger, Esslingen) , oder die sphmucklose Holzkirche, wie sie unter den sächsischen Kaisern die meisten Gegenden unseres Vaterlandes sich erheben sahen (Mainz, Worms, Speier, Wiirzburg, Erfurt und die Adelheids-Denare mit ihren Nachahmungen in Halberstadt, Magdeburg und Quedlinburg), oder endlich ist es eine Kirche eigenthümlichcr Bildung, wie der Stempelschneider sie in seinem Wohnort täglich vor Augen haben mochte. Doch dürfen wir nicht glauben, dass wir es immer mit einem wirklichen Bauwerk, so zu sagen einem Kirchen-Porträt zu thun haben) denn vielfach hat das Gebäude eine fast unmögliche Gestalt, und die grosse Verschiedenheit der Gebäude z.B. auf den Münzen der Kölner Erzbischöfe macht es ohnehin wahrscheinlich, dass nicht eine bestimmte Kirche, sondek nur das allgemeine Sinnbild einer solchen hat abgebildet werden sollen. Zu den besten Darstellungen gehören die Kirchen. auf den Münzen von Duisburg, einige von Lüttich und Huy, von Stab10 und St. Trond, auf dem Coblenzer Denar Erzbischofs Eberhard, auf einigen Mainzern, Konrads Bischof von Speier, Udo von Strassburg, Ottos 1. von Chur, und Ruprechts von Bamberg; hier scheinen wirkliche Baulichkeiten dargestellt zu sein.

e) Menschliehe Figuren,
meistens nur als Köpfe oder Brustbilder, entwcdcr der Münzherren oder der Schutzheiligen. Betrachten wir zunächst den Kaiser, so gilt es einem alten Irrthum zu bcgegnen , der jetzt wohl wenig Anhänger mehr zahlen dürfte, in Cappe aber seinen letzten, höchst zähen Vertreter gefunden hat. Es sollen nach dieser von G6tz (K. M. S. 50) zuerst jedoch nur sehr behutsam vorgetragenen Meinung unter Heinrich 11. unter Heinrich 111. die ersten in Profil dargestellten, noch gar keine Brustbilder, unter Heinrich IV. zuerst vorwärtsgekehrte Köpfe erscheinen, und diese Meinung sucht Cappe, mit wenigen von Götz als möglich zugelassenen Ausnahmen jedoch mit viel grösserer Pedanterie als sein Vorgänger durchzuführen, ohne sich um die zahllosen Widersprüche zu kiimmern , in die er dadurch gerath 1). Und seine durch Nichts begründete, völlig willkührliche , sehr häufig schwankende Meinung stützt er mit der gänzlich unrichtigen Angabe, dass der Fund von Egersund, den seine Gegner gegen ihn ins Treffen geführt, nicht vor, sondern nach 1040 vergraben worden, weil er MiZünzen des Sachsenherzogs Bernhard II., der ja erst 1061 gestorben, erhalten habe; als ob diese Münzen, welche übrigens möglicherweise doch auch seinem Vorgänger Bernhard 1. gehiiren könnten, nothwendig aus den letzten Jahren seiner ftlnfzigjährigen Herrschaft sein müssten 2) ! Um diese Ansicht ein für allemal gründlich zu beseitigen, wird es genügen, die Münzen mit kaiserlichen Brustbildern zusammenzustellen, deren Zutheilung keinem Zweifel unterliegt. Es sind das die folgenden :
1) Sehr naiv bemerkt er (K. M. 1, S. 89) wenn man Konrads 11, Niineen in Einer Reihe sähe , so kiinne man wegen ihrer grossen Verschiedenheit zweifeln, ob sie alle von ihm wären ! Das ist ihm nicht eingefallen, dass er die Einförmigkeit in den Reihen der verschiedenen Heinrichc auf Kosten der historischen Wahrheit hergestellt haben könnte1 2) Auch hat er Friedlaender (K. N. 1, S. 78) ganz falsch verstanden, wenn er ihm die Ansicht unterlegt, dass der Fund von Egersund nach 1040 vergraben sei, Friediaender äussert dies bezüglich des Frankfurter Fundes.
D ü une uU a r g, Deutschlande älteste D1ünze.n. 2

18 Brustbild Otto Otto 1. 111.
h!J.

&nleitnnff. von vorn.
MO

Brustbild

in Profil.

HRARISINTIAIA N ETA (Unbest.)

Widerold

von Strassburg

Heinrich

11. Strs~s~b~rg

Konrad

11.

Duisburg,
N IA,

Dcventer , FRESO Thiel, Utrecht, Mainz Speier, (auch BARDO) , Strassburg.

111. Bardo und Lupold von Mainz. Arnold von Worms. Hein r i c h IV. Egbert von Friesland. Wilhelm von Utrecht. Goslar Hermann Heinrich V. Maestricht

Heinrich

Hermann 1. von Schwaben. IJdo u. Erkambold von Strassburg. Widerold und Alutwich von Strassburg (Köln). Huy. Lüttich. Maestricht. Strassburg. Hartwich von Salzburg. Bremen. Dortmund. Huy. Lüttich. Maestricht. Augsburg. Regensburg. Salzburg; hier fehlt jedoch absolute Gewissheit. Huy. * Maestricht (Kaiserkopf ‘/) . Piligrim von Köln. Raimbold von Verdun. Bruno von Merseburg. Dortmund ( ohne Stadtnamen). Soest. Strassburg. Freisingen. Becker 111, 79. Cappe 11, Taf. XXIV, 273. Bruno 111. von Friesland. Wilhelm von Utrecht. von Mainz. Siegfried

Stephan von Metz (Trier u. Mainz nicht so ab so 1u t sicher).

Man sieht also ) dass unter j ed e m Kaiser j ede Art der Darstellung vorkommt, wie CS denn auch ferner nicht zu den Seltenheiten gehört, dass mit einem Profilkopfe auf der einen Seite ein vorwärtsgekehrter Kopf auf der anderen verbunden wird. Auch das kommt vor, dass in derselben Münzstätte auf Vollgesichter Profilkopfe folgen, z. B. in Mainz, wo Konrad 11. und Heinrich 111. von vorn, Heinrich IV. und V. im Profil abgebildet sind, ebenso die Erzbischöfe bis Ruthard und Adalbert, welche wechseln, ferner in Trier, wo Poppo nur im Profil erscheint, Eberhard und Udo wechseln, während deren Nachfolger Egilbert zum Profil zurlickkehrt, der folgende Erzbischof Bruno aber wechselt, und dessen Nachfolger Adalbero sich nur im Profil: den Schutzheiligen dagegen mit vollem Gesicht darstellen lässt. Zahlreiche anderweitige Beläge liefern Duisburg, Köln, Lüttich: Utrecht, Dortmund, Strassburg u. s. w., es wird aber an dem Bisherigen genügen, um die völlige Bodenlosigkeit der Götz-Cappeschen Theorie zu zeigen. Was von den Kaiserköpfen; das gilt selbstverständlich auch von den iibrigen Münzherren und den Heiligen, wenngleich es richtig ist, dass man in der zweiten unter der Herrschaft des Goslarschen Typus, mehr H#lfte des XI. Jahrhunderts, Geschmack an vorw%rtsgcwandtcn Köpfen fand, eine unbestrittene Wahrnehmung, welche nur durch ihre Generalisirung zur Unwahrheit und zu den grössten Irrthümern geführt hat.

IV. Das GeprSge.

19

3) Die Kais er erscheinen gewtihnlich gekriint , seltener, und zwar hauptsächlich auf lothringischen Münzen (von Köln, Liittich, Maestricht, Huy, Viset) diademirt, noch seltener mit einem Lorbeerkranze f), auf einer einzigen Miinze von Huy wie es scheint, auf einer von Regensburg, und auf einer von Otto (1. ?), wo freilich das Brustbild blosse Nachahmung rines römischen Vorbildes sein dürfte. Sehr verschieden, und zwar auf ganz gleichzeitigen Münzen ist die Form der Krone, aus der auch vielfach ohne hinlänglichen Grund Schlüsse auf das Alter der Münzt gezogen sind. Sie ist bald ein schmaler, bald ein breiter, mit Edelsteinen geschmückter Reif mit aufgesetzter Spitze, bald aus vier Platten zusammengefügt, bald einem Barette oder einem Hute zu eerglcichen, auch wohl (Deventer, Otto 111. und Konrad II., Mainz, Heinrich V.) mit drei Zacken versehen; besser als aus einer Beschreibung wird man aus den Abbildungen eine Anschauung hierv’on gewinnen. Einmal bildet auch die Krone allein das Geprage (Strassburg). - Gewöhnlich also ssgt uns der Schmuck des Hauptes, dass wir das Oberhaupt der Christenheit vor uns sehen. Daneben aber fehlen auch nicht die übr.igen Abzeichen der Kaiserwiirde, das Scepter , bald in Lilien - , bald in Kreuzesform, und der Reichsapfel. Ab und zu tragt statt dessen der Kaiser eine Lanze, mit oder ohne FBhnchen (Goslar, Dortmund: , zweimal auch (Duisburg und Quedlinburg 2)) ein Schwert. Umgekehrt sind auch einige Fälle zu nennen, wo uns nur die Umschrift lehrt, dass wir es mit dem Kaiser ZLI thun haben? dessen Haupt ohne jedes kaiserliche Attribut erscheint; SO jedoch nur auf vier Mttnzen von Köln, Devcnter, Duisburg und Minden , vielleicht auch auf einer Maestrichter von Konrad 11. und wohl auch einer Andernachcr, denn hier ist ein Kopf in einem Portal oder Tabernakel sichtbar, der auf einer ganz ähnliehen Münze gekrönt vorkommt. Einen scharfen Gegensatz zu dieser Einfachheit bildet der byzantinische Prunk, mit welchem Heinrich 11.; auf einem Mainzer und Heinrich 111. auf zwei Regensburger Denaren dargestellt ist. Diese Kaiserbilder beschränken sich fast aussohliesslich a.uf das Haupt- oder Brustbild, für welches allein der geringe Raum sich eignete. Zwar nur sehr selten hat der Stempelsehneider die Stylgesetze so ausser Augen gesetzt, wie auf den Münzen von Thiel und einer von Köln (Heinrich 11.1, wo er den blossen Kopf wiedergegeben hat, gewöhnlich wird vielmehr auc.h der Hals und ein Theil der Brust, So besonders schön auf einem Strassbnrger damit also des Kaisermantels sichtbar. einem Andernacher von Konrad II., und dem anonymen Denare Bischof Udos , Regensburger von Heinrich 11. Nur in sehr wenigen Ausnahmen sehen wir des Kaisers ganze Figur, nämlich drei Mal (Celles, Stablo, Duisburg), in vollem Glanze der Majestät thronend, und ein einziges Mal (Heinrich V.) zu Rosse, auf einem Goslarischen Denare. Aber in allen Fgllen dürfen wir nicht immer Porträtähnlichkeit erwarten, auch nicht Ginmal eine solche, wie sie der Stempelschneider zu gewähren im Sta,nde war. Dies beweisen namentlich 2 ganz gleichartige Kölner Denare Ottos 111. mit Kiinigstitel, von denen der eine den höchstens i5jähyigen Königsjüngling alt und bärtig, der andere ilm richtiger untiirtig mit ganz jugendlichen Zagen, fast als Kind vor1) Begreiflicherweise ist es oft sehr schwer zu unterscheiden, oder einem Kranze geschmiickt ist. ob das Haupt mit einem Diadem

2) Zweifelhaft.

2*

20

Einleitung.

stellt. Diese Thatsache steht durchaus im Einklange mit dem, was auch andere Mittelaltermünzen uns lehren, es sei nur erinnert an die von Barbarossa, welche sämmtlich den Kaiser ohne den Bart zeigen, dem er doch seinen Beinamen verdankt. Man hat das oft verkannt, und hat aus den Gesichtsziigen ebenso wie aus anderen trügerischen Merkmalen zu viel herleiten wollen ; es ist dabei grosse Vorsicht niithig, wenn man nicht in Irrthümer gerathen will. 2) Die weltlichen Fürsten, von denen wir Miinzen besitzen, sind ziemlich zahlreich. Ausser dem Könige Konrad von Burgund sind es die Herzöge von Lothringen, Sachsen, Schwaben, Bsiern , ferner Heiurich Pfalzgraf von Lothringen und am Rhein, die Markgrafen von Meissen, die von Friesland, die Grafen von Hennegau (nur Reinhard), Flandern, Namur, Löwen und Bouillon, Burkhard Graf ein Graf Peter von Toul, ein unbekannter Graf Wichmann und eine, von Rhätien, GrLfin (AdaY von Harnaland?). Bilder dieser Herrscher ebenfalls unbekannte, finden wir aber nicht viele, nur auf den Münzen von Baiern, Lothringen, Namur, Löwen, Bouillon, Sachsen und Meissen vielleicht auch des Pfalzgrafen Heinrich kommen solche vor. Da diirfen wir aber nicht ohne Weiteres voraussetzen, da,ss Bild und Umschrift übereinstimmen, denn wie offenbar auf den Münzen des Herzogs Konrad von Lothringen und des Sachsenherzogs Magnus sowie Brunos und Egberts von Friesland der Kaiser dargestellt ist, so wird man dies auch wohl von dem diademirten Kopfe annehmen können, den einige Gepräge Alberts von Namur zeigen, und bei Bernhard 1. von Sachsen bleibt es mindestens zweifelhaft, ob der gleich ist, ihn selbst oder nicht vielmehr Kopf, der ganz dem der Adelheidsmünzen den Kaiser angeht. Es bleiben freilich immer noch gewisse Brustbilder übrig, bei denen der Gedanke an den Kaiser ausgeschlossen ist, diese sind: das einzige Brustbild eines Baiernherzogs (Heinrich V.) , Gozelo 11. und Gottfried von Niederlothringen, einige Alberts von Namur, die Grafen von Bouillon und Löwen, endlich der Meissnische Markgraf Heinrich. Von allen diesen ist Gozelo allein in ganzer Figur (stellend) gebildet, .andre durch das Schwert, Markgraf Heinrich ausserdcm auch durch Schild oder Fahne als die in der Umschrift genannte Person gekennzeichnet. 3) Auch die Bischöfe und Aebte nehmen etwa vom Ende des X. Jahrh. ab die Ehre des Bildnisses für sich in Anspruch. Der erste vielleicht, der sich damit hervorwagt, ist Adalbero 11. von Metz (964 - 1005), dem Bernward von Hildcsheim, Bruno von Augsburg, Ruthard von Constanz und Aribo von Mainz (in Erfurt] bald folgen. Allgemeiner aber wird diese Sitte erst gegen die Mitte des XI. Jahrh., wo zuerst in Köln Hermann II., in Trier Papp?, und später erst in Mainz Siegfried in Darstellung ihrer Gesichtszüge ein Beispiel geben, das bei ihren Nachfolgern stete Nachahmung fand. In der Hand halten die Geistlichen oft den Krummstab; wenn sie das Gesicht uns zukehren, erscheint daneben häufig noch das Evangclienbuch, oder auch ein Kreuzstab, der wohl auch mit dem Krummstabe wechselt. Nicht selten theilen sie auch den Segen aus. Immer aber sehen wir sie im blossen Haupt, mit meistens sehr deutlicher Tonsur, niemals mit einer Inful, die erst gegen das Ende dieser Periode, nur allein auf den Naumburger und Mainzer Mlinzen, und zwar auf letzteren zuerst unter Erzbischof Rudhard (1088 - 1109) sich zeigt. Regelmässig sehen wir die Geistlichen im Kopf- oder Brustbild, nur allein Reinhard von Halberstadt und ein unbekannter Bischof lassen sich in ganzer Figur abbilden. Die Aebtissin von

IV.

Das

Gepräge.

21

@

Quedlinburg erscheint stets im Schleier, in den Händen den Bischofsstab oder Kreuzstab, auch wohl mit dem Evangelium oder mit einer Blume. 4) Von den Heiligen ist nicht viel mehr zu sagen, als dass sie ihrer Geschichte gemäsa dargestellt werden, St. Stephan in Metz mit einem Diadem) das wohl die durch seinen Märtyrertod errungene Krone des ewigen Lebens andeuten mag. Auch hier bildet die ganze Figur die Ausnahme, die Regel das Brustbild, jene Ausnahme vertreten durch den heil. Martin in Utrecht (und Visct?), St. Stephan in Metz und Halberstadt und den heil. Sixtus in Halberstadt. Auf den späteren Kölnern erblicken wir den Kopf des Heiligen in der Kirche. Bisweilen fehlt der Heiligenschein, bestimmt bei 8. Vitus (Corvei) , aber auch wohl bei Bonifacius (Fulda), ’ Kilian (Würzburg) u. s. w. 5) Was aber auch die Künstler gebildet haben, Kaiser, Herzöge und Grafen, Bischöfe und Aebte oder Heilige, stets haben sie sich auf die Darstellung einer einzigen Person beschränkt, nur auf Münzen von Speier, Andernach, Hny und Malmedy (?) kommen ganz ausnahmsweise 2 Brustbilder vor, entweder (Speier) ,neben einander, oder sich ansehend. Ausser diesen etwas steifen, konventionellen Typen hat sich der Stempelschneider ab und zu mit einer etwas genrehaften Vorstellung versucht: auf einem Mainzer Denare von Heinrich IV. ist der heil. Martin mit dem Bettler seinen Mantel theilend, beide im Brustbilde dargestellt, auf einem Denare Gozelos von Niederlothringen Sicht man 2 Männer eine Säule oder einen Baum aufrichten. Und noch merkwürdiger vielleicht sind 2 Münzen von Minden, auf deren einer ein sitzender Münzer bei der Prägarbeit, auf der anderen aber zwei erscheinen, von denen der Eine das eben fertig gewordene Gepräge zu betrachten scheint. Ihnen entsprechen Denare ganz ähnlicher Fabrik, deren Deutung mir Schwierigkeit bereitet, sie zeigen wahrscheinlich einen Münzer mit der Waage. Auch der Kampf des heil. Georg mit dem Drachen scheint vorzukommen, wenigstens ein Ma,nn, der einen Lindwurm oder eine Schlange unter die Füsse tritt.

d) Andere

bildliehe

Darstellungen

sind nicht -,sehr zahlreich. Meistens haben sie wohl mehr oder minder sicher eine religiöse Beziehung. So ist auch die Lanze, welche das Gepräge eines Maestrichter Denars bildet, auf den heil. Lambert, den Schutzpatron von Maestricht zu deuten. Dem Sehwerte dagegen auf den Münzen Gottfrieds von Niederlothringen und Reinhards von Hennegau ist wohl eine derartige Beziehung nicht beizumessen, und den Hirsch auf Mlinzen von Viset wird man, obwohl ein bekanntes religiöses Symbol, auch eher auf den dort blühenden Pelzhandel deuten können. Der Adler aber der gndernachcr Münzen ist das alte Symbol des römischen, durch die Ottonen neu belebten Kaiserthums. Ob das Schiff der Denare von Speier und Gelles in dieselbe Kategorie gehört, mag dahingestellt bleiben. Dunkel ist auch das Zeichen, das als Hauptgepräge auf einer Münze Erkambolds von Strassburg und einer unbestimmten mit H IADMERVS, als Beizeichen aber auf vielen Andernachern und Kölnern (falls diese nicht ebenfalls in Andernach geprägt sind) vorkommt ; ähnlich , aber doch etwas anders sieht es auf einem Denare von Huy aus. Man hat dieser Figur den Namen des gordischon Knoten beige,

22

Einleitung.

legt 1); aus welchem Grunde ist nicht ersichtlich, und schicken sich auch die Spitzen schlecht zu dem Begriffe eines Knoten, nicht viel besser aber zu der Benennung »Schleife«, welche Grote ihr beilegt. In den Mittheil. S. 155 habe ich den Nachweis versucht, dass man dabei etwa an eine Versinnbildlicjnq der heil. Dreieinigkcit zu denken habe, lege’ aber auf diese Deutung, welche nur polemisch gegen den dass an gordischen Knoten gerichtet war, kein Gewicht, und will nur bemerken, 3 übereinandergelegte Schilde, als welche man eine Lhnliche Figur auf Miinzen des norwegischen Königs Harald Hardraade und des Rönigs Anlaf von Northumberland erklärt hat, die Form des in Rede stehenden Symbols wohl kaum zu denken erlaubt. Bei dieser Dunkelheit der Sache habe ich die Beibehaltung der ältesten Benennung als gardischer Knoten, so schlecht sie auch sein mag, für nützlich gehalten, da wir doch irgend eine Bezeichnung haben miissen. Rathselhaft ist auch eine Verzierung: ähnlich der Krone eines Palmbaumes oder hat sie auf einigen Züricher Denaren ; ist sie blosse lineare Raumausfiillung eine Bedeutung? oder ist sie vielleicht ein Anklang an ältere Gepräge:’ Die Lilie, welche Strassburger Gepräge, und zwar sowohl als Haupt- wie als Nebenzeichen enthalten, und welche sp%ter von der Stadt als Wappen angenommen worden, zielt wohl auf die Reinheit der Jungfrau Maria, welche hier die hauptsächlichste Verehrung genoss. Das Gotteslamm findet sich auf einer spätzeitigen Münze von Lüttich, ein Engel auf einem Dcnarc Brunos von Trier. Ziemlich häufig begegnen wir einer Hand 2), bisweilen als dextera Dei, dexoder mit bcigcfügtcm , etwa tcra Domini bezeichnet (Quedlinburg , unbestimmte) gleichbedeutendem AW (Metz, Trier, Strassburg) , ohne diese Beischrift auf Geprägen von Deventer, Egilbert von Trier, Verdun, Gottfried von Lothringen (? ), Tuin? Adolf von Berg) Lllneburg und Esslingen, ferner die Apostel Simon und Judas segnend auf Goslarischen Gepr%gen, und über oder in einem Gebäude mehrfach auf späteren Kölner Münzen. Besondere Erwtihnung verdient noch die IIand oder die beiden Hände auf den Denaren der Triersehen Erzbischöfe Poppo, Eberhard, Egilbert und Bruno, welche 2 Schliissel halten, deren Bärte durch die Buchstaben ETR oder PE der Umschrift SPETRVS gebildet werden; dass diese Hände dem genannten Heiligen gehören, wird bekräftigt durch die Triersehen Münzen Kaiser Heinrichs V. und Erzbischof Adalberos mit PAX PETRVS, auf denen der Apostelfürst mit eben solchen Schlüsseln abgebildet ist. - Wenn die Hand einen Bischofsstab hält, wie auf Münzen von Chur, Quedlinburg, Adalbero IV. und Stephan von Metz oder einen Kreuzstab. wie auf einem Kölner Denare von Hermann III., so ist sie wohl nichts als die Hand des Bischofs, so zu sagen eine pars pro toto. Der Bischofsstab allein bildet das Gepräge auf Münzen von Groningen, Maestricht, Nivelles und einigen unbestimmten. Dass er in einem Kreuzeswinkel vorkommt: ist schon oben gesagt. Aber auch vor dem Kopfe des Kaisers finden wir ihn (bei Duisburg, Bruno von Friesland und unbestimmten), wahrscheinlich um die Münzen als bischöfliche zu kennzeichnen.
1) S. jadoch Miiuzstud. 1, S. 90 Anmerkung. 2) S. YcolLndors Abhandl. von dor sogneuden und schwörcndcn U.S. w. 9. 109.

Hand in seinen 10 Schriftou

IV.

Uas Geprage. Technisches.

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Im Vorstehenden haben wir gesehen, dass die Entwickelung des Gepräges gewissen Gesetzen folgt. Dennoch ware es ein Irrtlnnn, wollte man glauben, dass das Gepräge damals irgendwie unter staatlichem Einllusse entstanden, es ist vielmehr ein Erzeugniss ausschliesslich des unabhängig schaffenden Stempelschneiders. Richtig sagt Grote (Mtinzstud. VIII, S. 43) 1): »Die Munztypen jener Zeit gingen aus der Willkuhr der Fabrikarbeiter hervor, welche offenbar ihre schöpferische Phantasie dabei so wenig als möglich anstrengten, und es ist fast komisch, in dem Wirrwarr von Fratzen und Buchstaben, der sich auf ihren Produkten zeigt l diplomatische Noten, welche die Ktinige und Bischöfe mit einander wechselten, zu sehen. Nicht politische Spitzfindigke’Tten , sondern naive Darlegung des Zeitgeistes in der Richtung auf bildende Kunst in den unteren Schichten ihrer Schöpfungen - also nicht Verschrobenes , sondern etwas sehr und nieht uninteressantes .Naturwüchsiges muss man in den Mtinztypen des Mittelalters, namentlich des früheren, lesen wollen, sonst u. s. w. « Nur so allein können wir uns die furchtbaren Ausartungen erklären, welche wir in den meisten Umschriften dieser Mlinzen wahrnehmen. Aus dem angeführten Grunde ist auch von einer eigentlichen Continuitat des Geprages, von einer bestimmten Fabrik, welche einer gewissen Lokalität eigen wäre, kaum die Rede, die Münzen derselben Prägstatte , wenn auch noch so zeitverwandt, bieten doch die auffallendsten Abweichungen und man kann im Ganzen nur gewisse Fabrikgruppen der verschiedenen Stempelschneider an einem und demselben Orte, die Produkte unterscheiden, deren Individualität in ihnen zum Ausdruck gelangte 2). Nachdem wir bisher von dem bildlichen Inhalt der Münzen gehandelt, bleiben noch einige Worte über die Prägeart zu sagen. An Ueberlieferungen fehlt es hier begreiflich ganz und gar, wir sind also auf den Augenschein und die Natur der Sache angewiesen. Da ist nun Grates Meinung (Münzstud. 11, 492) sehr glaublich, dass man aus dem Zaine die Schrötlinge theils durch Ausschneiden mit der Scheere, theils durch Abreissen ‘vermittelst einer Zange hergestellt habe, wegen der Schwierigkeit beider Operationen aber gegen Ende des XI. Jahrb. die Zaine immer diinner ausgebracht habe, womit denn das Entstehen der Halbbraktcaten und schliesslich, als man sich überzeugt, dass so dünne Miinzen nicht zwei Stempel aufnehmen konnten, das der Brakteaten selbst sich ganz naturgemäss erklärt. Unzweifelhaft hat man, wenn auch nicht immer, so doch jedenfalls den zu dick ausgefallenen Schrötlingen durch Hämmern die erforderliche Dimne gegeben. Die Spuren dieser mag man sie nennen -- 3) erblicken wir auf super Schläge - quadratum ++x+&n+ zahlreichen Münzen und es ist ein Irrthum, wenn man diese Eigenthümlichkeit auf cusum gewisse Gegenden, auf das südwestliche Deutschland beschränkt glaubt, woraus man gelegentlich irrige Folgerungen gezogen hat (s. Nr. 19- 21); ich habe dergleichen Hammerschläge z. B. beobachtet auf Miinzen von Bernhard 11. von Sachsen (Kopf Rf. Kirchenfahne), Ccllcs, Lüttich (Nr. 197a), Deventer [Heinrich 11. Hand), Thiel (Konrad II.), Basel: Wurzburg, Regensburg, Köln LI. s. w., kurz aus den verschie1) S. auch Miinzstud. 1, S. 185. 2) S. auch Münzstud. VII, 110. 3) Dass sic nicht Folge des Priigens sind, beweist ein so zugerichtetes, noch ungeprägtes Stück, das man bei Offenhausen gefunden (Obermaycr bnirische Münz. S. 2.51. Mader 11, 103).

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Einleitung.

densten Gegenden. Wir können danach wohl annehmen, dass in den allcrmcisten Fällen die Spuren dieser Hammerschläge durch die demnächstige Prägung vollständig wieder verdeckt worden sind. liebrigens sind sie keineswegs auf die vor-Hohenstaufische Zeit beschränkt (Mader 11, 63 und 98). Eine andere Eigenthümlichkeit ist die fast viercckigc Gestalt mit abgerundeten Ecken, welche namentlich Münzen von Metz, Trier und Huy, aber auch einige von Augsburg U.S. w. nicht selten zeigen. Endlich kommt es auch vor (bei Chur), dass die Ecken nicht abgeschnitten, sondern nur übergebogen sind, eine Erscheinung, die Mader (11, 164) als einzig bezeichnet, die aber doch noch ausserdem, wenn auch sehr selten 1) vorkommt. Ganz besonders erwähnenswerth ist aber der aufgetriebene Rand der sogenannten Wenden- und einiger ihnen verwandten Münzep, z. B. Bernwards von Hildesheim. Dass dies Auftreiben erst nach der Prägung stattgefunden, lehrt Farve, wo unter vielen Tausenden solcher Münzen sich auch einige wenige fanden, welche diesen Rand noch nicht hatten, also entsprechend breiter waren. Auch mit vielen anderen Münzen muss eine Art Rändelungsverfahrcn vorgenommen worden sein, wie ihr Rand dies bezeugt. Schliesslich sei noch eine Erscheinung bemerkt, welche freilich nicht in der Münztechnik, sondern in einem Zufall ihren Grund hat, der die Münzen nach ihrer Herstellung betroffen; viele zeigen nämlich etwa 1 Linie lange, gekrümmte Einschnitte mit aufstehendem Rande, wie von einem Messer herrührend, so z.B. die meisten der Funde von Egersund und Gross-Rischow, andere wieder sehen wie gekaut aus, so dass man ernstlich gemeint hat, die Menschen hätten sich ihrer Zähne statt eines Portemonnaies bedient. Die Gründe beider Erscheinungen sind noch nicht genügend erklärt.

V. Die Inschriften.
Hier haben wir es nur mit den lesbaren Inschriften zu thun, von den versteckten. und sinnlosen wird bei den Nachmünzen gehandelt. Gewöhnlich nun nehmen die Inschriften beide Seiten der Münzen ein; doch giebt es auch einige mit schriftloser Rückseite (ein anonymer Metzer, Poppo, Udo und Bruno von Trier, Werner von Strassburg , und mehrere von Heinrich 11. mit dem Brustbilde des Erlösers auf der 2if.j ; diese alle tragen aber doch wenigstens noch die Buchstaben AW ) während auch einige bekannt sind, mit ganz buchstabenloser Rückseite (Gozelo von Niederlothringen, Albert und Gottfried von Namur, Poppo und Egilbert von Trier, Stablo, und Heinrich 11. unbekannter Herkunft und ein unbestimmter Denar mit S-PETR-V), dagegen nur 2 mit ganz stummer Hauptseite: Metz und Regensburg (Kaiser Heinrich 11.). Ein Denar endlich, vermutblich eines Grafen von Löwen, scheint g8nz der Schrift zu entbehren.
1) Z.B. Heinrich 111. Bischof von Strassburg.

T-

V. fie Inschriften.

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In den meisten Fällen nun umgeben die Umschriften auf beiden Seiten das Münzbild, gewöhnlich von demselben durch einen glatten oder Perlenkreis getrennt. Aber es kommt auch vor, dass die Inschrift neben das Bild gesetzt wird, so BASILE und CVRA neben die Kirche, CLAVIS neben den Schlüssel (Maestricht), BACVLVS und SCA PAX neben den Krummstab (Groningen und Lüttich), der Kaisername auf Regensburger und Salzburger Denaren neben das Kaiserbild. Oder es wird der Name der Prägstätte z. B. (LEGIA, TVI N , FVLD A) oder der des Miinzherrn PILIGRIM, HERIMAN, ANNO, BVCO, ODDO, OTTO u.s.w.) in die Winkel des Kreuzes eingeschrieben, wie schon oben erwähnt ist. Häufiger noch wird, wie gleichfalls bereits bemerkt ist, die Schrift in das breite Kreuz hineingeschrieben, oder es wird die Schrift kreuzförmig geordnet (Brüssel, Verdun, Corvei, Bruno von Würzburg, Strassburg, Basel). Auch der karolingische Gebrauch, die Inschrift, wenigstens den Namen der Miinzstätte, ins Feld zu setzen! ist noch nicht durchgehends verlassen. Einzeilig steht TVLLO und ZVRICH und zwischen 2 Linien BRVN (Friesland), BVRCH (Utrecht), HOIVM, POPPO (Metz) und TVREC, in 2 Zeilen die Namen der Münzstätten Andernach, Dortmund, Metz, Marsal, Epinal, Strassburg, der heil Jungfrau auf einer Strassburger Münze, des Erzbischofs Bruno von Köln, und der Titel ARC - EPS auf einem Denar IIermanns 11. von Köln. CT, HE I NRI CVS, HALBER Mehrzeilig endlich tritt uns entgegen : CAESARWI STADI, HERIBERTIVICVS (Lüttich), SCA COLON IA (Köln und Remagen), GRVONl NGE, und TEODERIC EPC (Verdun). Auch auf ein Gebäude schrieb man wohl einen Namen ; wenn dies der des Prägorts war (Basel, Kiiln, Utrecht), so ist es weniger befremdend, als dass auch den Namen von Personen, Barde von Mainz, CHON (Speier), Heinrich Bischof von Augsburg, Gebhard von Regensburg diese Stelle angewiesen wurde. Ganz singulär ist das REX auf der Krone zweier Denase des Burgundischen Konrad. Schliesslich hat auch die alte Sitte, Eigennamen monogrammatisch auszudrücken : Anhänger gefunden in Gelles, Huy, Maestricht, Würzburg und ConStanz , viel seltener freilich als man nach dem Gebrauche des Kaisermonogramms in Urkunden erwarten sollte. Gehen wir von der Form der Inschriften zu deren Inhalt über, so müssen wir den Grundsatz an die Spitze stellen, dass auf der einen Seite der Münzherr, auf der @deren die Münzstätte genannt zu werden pflegt, also wie in der vorhermeistentheils. gegangenen karolingischen Epoche, und wie iiherbaupt im Mittelalter Doch ist die Münzstätte gar häufig nur durch den Namen der Schutzheiligen angedeutet, Deventer durch S. Lebuinus, Helmstädt durch S. Ludgerus, Huy durch S. Domitianus, Lüttioh durch S. Lambertus, Maestricht durch S. Servatius oder der S. Maria, Würzburg durch S. Kilian u. s. w., und dies erschwert die Ermittelung Münzstätte gar sehr, wenn es ein Heiliger ist, der eine weitverbreitete Verehrung genoss, wie namentlich die heil. Jungfrau und S. Petrus. Neben dem Münzherrn steht bisweilen, jedoch nur ganz ausnahmsweise, der gewöhnlich sind Name des Kaisers auf derselben Seite, z.B. OTTO LIVTOLF; diese Namen auf beide Seiten vertheilt. Von der Regel, dass die Münze den Münzherrn und die Prägstätte oder statt Fehlt der der letzteren den Heiligen nennt, giebt es nicht wenige Ausnahmen. Münzherr, so steht an seiner Stelle gewöhnlich der Heilige, z. B. Scs Kilianus, RJ. Babenberc, Scs Kilianus, R’. Wirteburg, S. Wigbertus, i$f. Herocarnpia, Scs

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Einleitung.

Mauritius, RJ Magadeburg , es bleibt dann der Vermuthung, ob das Gepräge ein kaiserliches oder ein bischöfliches, freies Feld. Der andere Fall.ist entweder so zu denken, dass auf der Hauptseite der Name, auf der Rückseite der Titel genannt wird, z. B. Heinricus, Rf. Imperator, oder es ist die Umschrift auf beiden Seiten gleichlautend (Conradus re), oder - und dies ist das IIäufigere - es ist der Münzherr, der weltliche oder geistliche Vasall, der seinen Namen dem des Kaisers, von dem er das Recht der Miinze empfangen, beigesellt, wie das besonders in älteren Zeiten Brauch ist, z. B. Adalbero, Rf. Otto imperator (Metz), Otto imp. aug. 1iJ. Bruno archieps (Köln), Deodericus eps, Rf. Heinricus rex (Metz), Otto iniperator, XJ. Burchardus (Schwaben), aber auch in späterer und spätester Zeit noch bei Wilhelm von Utrecht, Hartwich von Magdeburg, Poppo und Stephan von Metz vorkommt. - Es findet sich aber ferner auch neben dem Namen des Bischofs oder des weltlichen Münzherrn und der Prägstätte zugleich der des Kaisers genannt, so bei Bruno I., Piligrim, Hermann 11. und Anno von Köln, Dietrich 1. von Metz, Udo von Strassburg, Ruthard und Arnold von Corvei, Bruno von Friesland u. s. w. Nach diesen einleitenden Worten miissen wir die einzelnen Theile der lnSchriften näher ins Auge fassen. 1) Die Kaiser werden nur ausnahmsweise mit dem Namen allein (in Huy, Maestricht, Stablo, Tuin, Stade und ein unbestimmter Heinrich), am häufigsten nm einfach durch ein beigesetztes rex oder imp erator (IMP oder IMPER, selten ausgeschrieben) bezeichnet. Auch im p. a u g. finden wir oft, nicht aher rex und augustus, das merkwiirdig genug in Urkunden gar nicht selten ist. Rom ano rum fügt nur Konrad 11. auf Merseburger Miinzen allein dem Titel bei, obwahl dies auf päbstlichen Denaren doch schon unter den Ottonen wie unter Heinrich 111. vorkommt, wahrscheinlich nennt er sich ebenso auf einem Denare von Thiel. Ob auf einer Miinze von Aachen zu lesen rex Karo1 oder rex Rom ist nicht ganz sicher, Letzteres aber doch wohl das Wahrscheinlichere. Nichts weniger als häufig ist eine Verbindung des königlichen mit dem kaiserlichen Titel, wie sie schon unter Karl dem Kahlen in Verdun vorkommt ; als einzige Beispiele sind Deventer, Dortmund, Huy, Spcicr und Worms zu verzeichnen, doch steht das von Lelewel (HI, S. 129) geleugnete REX IMP ne beneinander nur auf den Munzen von Huy und Speier, während bei Dcvcntcr der Kaisertitel in der Umschrift, der königliche im Felde, bei Dortmund und Worms aber der eine auf der einen, der andere auf der anderen Seite steht. Einigt Male wird dem Titel noch ein Dei gratia (DI GRA oder GRA DI) beigesetzt und zwar auf den Adelheidsmiinzen und den ihnen nachgeahmten von Magdeburg, Hildesheim und Qucdlinburg , auf zwei Strassburgern und auf verschiedenen der Maasgegend (Liittich, Huy, Maestricht, Viset). Es scheint diese Eigenthümlichkeit beschränkt auf die Münzen der Ottonen und sogar Ottos III. allein. Statt des Imperator bedienten sich einige Kaiser, Otto (1.9) in Chur, Heinrich (111. ?) (unbestimmte) und Heinrich V. (Trier), obwohl nur höchst selten des Titels Caesar 1). Hiermit ist der Kreis der Curialien eigentlich abgeschlossen, und weitere Ehrentitel legen sich die Kaiser bis auf wenige Ausnahmen nicht bei. Diese Aus1) Dies Claesar hat also nicht die römische Bedeutung IV, 149 bemerklich macht. von Thronfolger, wie bereits Mader

z1

V. Die Inkhriften.

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I

nahmen bilden lediglich einige Denare Otto’s I., der auf Münzen Herzogs Hermann 1. von Schwaben und auf räthselhaften schwäbischen mit dem angeblichen ac pacificus im Felde Pius rex, auf Strassburgcrn aber einmal Magnus und zweimal Pacificu s genannt wird ; dass magnus in den Urkunden der Ottonen sehr oft, in deren Eingange aber niemals gebraucht wird, und dass dieses Wort mit dem Beinamen des Glossen, den die Geschichte diesem Kaiser zuerkannt hat, nichts zu thun hat, darauf hat schon Friedlaender (Obrzycko S. 15) aufmerksam gemacht. Ehe wir den Gegenstand verlassen, müssen wir anknüpfen an folgende Worte 7 Maders (IV, 142j : »eher könnte ein Pfennig mit REX einem zu Rom bereits gekrönten Kaiser zugehören. Vorher sich IMP zu nennen, hatte der Pabst nicht gelitten; aber darnach noch blos REX sich zu nennen, kam auf ihn an. Wenigstens Heinrich 11. nannte sich nach seiner Kömischen Krönung in mehreren Urkunden: ROM REX. Voraussetzen jedoch kann mau nicht, dass eine Münze mit REX von einem bereits gekrönten Kaiser h&rühre. ES wäre eine Ausnahme von der Regel, mithin zu erweisen «. Diese gewissermaassen prophetischen Worte finden durch die Münzen volle Bestätigung. Auf einer Münze des Metzer Bischofs Stephan erscheint das Kaiserbild mit HEIN RI CVS REX; Stephan (1120-63) hat mit keinem anderen Heinrich zusammen gelebt als mit Heinrich V., und der war, als er zur Bischofswürde gelangte, Ist hier die Sache ganz unbestreitbar, so wird man nicht längst (seit 112 1) Kaiser. den vergeblichen Versuch machen können, durch Scheingründe die Vergrabungszeit des Egersunder Fundes nach 1039 hinabzurücken, und damit ein anderes Beispiel zu beseitigen, das uns Poppo Erzbischof von Trier bietet. Auch vom ihm nämlich i haben wir einen Denar mit Heinricus rex, womit, da er aus dem gedachten Funde stammt, nicht Heinrich III., sondern nur Heinrich 11. gemeint sein kann, der doch schon 1014 als Kaiser gekrönt war, während Poppo erst 1016 Erzbischof wurde. Auch die Münze selbst sagt uns, dass sie älter ist, als die 4 anderen desselben Fürsten, mindestens a,ber als die 3, welche sein Bildniss tragen, und damit allein wären wir veranlasst, in dem Heinrich keinen anderen als den Heiligen zu suchen, wenn auch der zwingende Grund fehlte, den Egersund uns liefert. Einen ferneren Beleg liefert uns der Breisgauer Graf Berthold, der erst im Jahre 999 Münzrecht für Otto III. auf seinen Münzen als REX bezcichVillingen erhielt, aber den Kaiser nete. Und allzu auffallend ist diese Erscheinung auch in der That nicht? da der Kaiser auch nach der Krönung durch den Pabst immer noch deutscher König war und blieb, wenngleich meistens dieser Titel in dem höher gehaltenen eines römischen Kaisers unterging 1). Wir müssen also es immer noch als Regel festhalten, dass nach der Kaiserkrönung der Königs- durch den Kaisertitel ersetzt wurde, und dttrfen das Gegentheil nur da annehmen, wo hinreichende Griindc eine Ausnahme, wie in den beiden angeführten Fällen, anzunehmen rathell. Umgekehrt könnte CS nicht erklärt, sondern müsste als ein Stempelfehler betrachtet werden, wenn sich impera,tor statt rex fände. Nachweisbar ist dies nm auf dem Obole des Mainzer Erzbischofs
1) Ucbereinstimmend hiermit äussert sich Longptkir icat. Rousseau p. 113) : ndans une Charte de 767 Pepin prcnd Ie titre d’imperator augustus, dont il n’a jamais fait uuage sur aes monnnies. De meme, bien qu’il ftit couronn6 empereur, Charlemagne n’on &ait pas moins, pour notre pays, toujours Ie roi des Francscr etc.

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Einleitung.

Siegfried (1060 --84)) der nur mit Heinrich IV. gleichzeitig gclcbt hat, aber am 16. Febr. 1084, also noch vor dessen Kaiserkrönung (31. März 1084) starb. Hier kommt man aber höchst wahrscheinlich mit der Annahme aus, dass zur Hauptseite dieser Münze, welche ganz die seines Vorgihgers Lupold wiederholt, ein alter Stempel verwandt, oder dass sie dicscm sklavisch nachgeahmt wurde; sie ist offenbar das älteste Gepräge Siegfrieds (vgl. auch Nr. 411). Die Na m en der Kai s er selbst würden zu Bemerkungen keinen Anlass geben, wenn nicht bezüglich der Vertheilung der Otto-Münzen, je nachdem sie den Namen OTTO oder ODDO schreiben, von einigen Schriftstellern wunderliche Ansichten aufgestellt worden wären. Zwar ist Mader weit davon entfernt, zu behaupten, wie Götz (K. M. S. 27) und Cappe (K. M. 1, S. 31) missverständlich ihm unterlegen, dass alle Münzen mit ODDO von Otto 1. seien, vielmehr sagt er (IV, 5. 50) lediglich von den Adelheidsmünzen, die er allerdings irrig Otto 1. beilegt, dass diese alle ODDO trügen, nicht OTTO. Aber Cappe macht diese Schreibweise zum entscheidenden Kennzeichen der 3 Ottonen, er meint (a. a. 0.)) dass keine von Otto 1. den Namen OTTO hat, und dass ihm von denen mit ODDO alle gehören, welche auf der Hauptseite ein Kreuz, auf der Rückseite den Namen einer Stadt tragen, während dieser Kaiser OTTO nur auf solchen Münzen genannt werde, auf denen ein Vasall, ein Bischof oder ein Heiliger sich zeige. Diese Meinung entbehrt dass wir uns ihre Widerlegung ersparen so sehr jeder inneren Wahrscheinlichkeit, können, ,ja wenn sie wirklich begriindet wäre - wie sie es doch entschieden nicht ist -, so würden wir in einer solchen unerklärlichen Thatsache nur ein Spiel des Zufalls zu erkennen haben. Nicht minder haltlos, wenngleich nicht so widersinnig, ist Grotes allerdings nur gelegentlich hingeworfene, nicht näher begründete Ansicht, dass alle Münzen mit ODDO Nachmünzen 1) sind, alle Urstücke dagegen nur OTTO schreiben (Münzstud. VIII, S. 122 Anmerk.). Worin der Unterschied wirklich liegt, das zeigt eine Zusammenstellung dieser Münzen: OTTO steht auf den Münzen von Mainz, S&ier, Worms, Würzburg, von Deventer, Andernach, Trier, Llittich, Huy, Maestricht, Visct, Metz, Toul und Verdun, von Breisach, Chur, Constanz u. Zürich, ODDO auf denen von Hildesheim, Quedlinburg, Corvei (Saracho), Münster. Beide Formen dagegen zeigen die Adelheidsmünzen, von denen die gewöhnlichen mit einer einzigen erst neuerliehst entdeckten Ausnahme ODDO, die mit dem Kopfe und die mit IffME1GI aber OTTO haben, und ebenso wechseln beide Formen auf den WendenPfennigen,’ bei Köln, bei Dortmund und bei Strassburg, endlich auch, wenn Gr. Kab. 1, Suppl. Taf. 111, 32 ganz sicher, bei Worms. wobei dann noch zu bemerken, dass in Strassburg OTTO die Regel bildet, und ODDO nur auf einer einzigen Münze Widerolds sich findet. Man sieht also, dass wenn es einen Scheidungsgrund giebt, derselbe nur ein geographischer sein kann, gerade wie noch heute die Grenze en zwischen den Buchstaben D und T ein provinzieller ist: in Franken, Lothrin 52 Schwaben und Baiern, - denn auch der Baiernherzog heisst auf allen seinen Mtinzen ausschliesslich OTTO - war die Form T wenn nicht allein, so doch ganz vorzugsweise im Gebrauch, und Ausnahmen kommen nur in Köln sowie eine einzige in Strassburg vor: in Sachsen hingegen ist umgekehrt ODDO überwiegend in Geltung, auch Herzog Otto IOrdulf) schreibt sich niemals anders. Will man weiter gehen, so
1) S. über diesen Begriff das folgende Kapitel.

V. Die Inschriften.

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könnte man vielleicht die Kölner mit ODDO ausserhalb der Stadt, in Westfalen, wo diese Schreibweise in Uebung war, geprägt glauben, doch hiesse es jedenfalls zu weit gehen, wollte man dies auf alle ausdehnen; die Wahl zwischen OTTO und ODDO wird oft auf den Dialekt des Stempelschneiders zurückzuführen sein. Dass die Oddo’s nicht blosse Nachmünzen sind, lehrt ein ßlick auf Dortmund, das uns nur Einen OTTO bei 5 Oddo’s geliefert hat, alle so unzweifelhafte Urstücke, als es solche nur iiberhaupt giebt, nicht weniger aber gilt dies auch von den übrigen ODDOs. 2) Die weltlichen Herren, welche uns Münzen hinterlassen haben, sind schon S. 20 aufgezählt. Von diesen setzen die Herxiige ihren Titel der Regel nach aus. cbcnso Pfalzgraf Heinrich und Markgraf Balduin von Flandern, sein Nachfolger dagegen nicht, und ebenso wenig die Markgrafen von Friesland und Meissen, sowie Weitere Ehrentitel kommen die Grafen von Namur, Hennegau, Bouillon und Toul. gar nicht vor, wenn nicht etwa das V vor dem Namen Egberts von Frieshmd die ihm beigelegte ßedcutung vencrabilis hat. Die Herzöge von Schwaben nennen meistens auch den Kaiser, mitunter auf derselben Seite, auf welcher der eigene Name steht, ausserdem nur noch Bernhard 11. von Sachsen in einem einzelnen Falle. Eben derselbe Bernhard ist auch der einzige, welcher sein Land (SAXON IE) nennt. 3) Die Geistlich cn mögen oft statt mit ihrem Namen ihr Gepräge nur mit dem des Schutzheiligen bezeichnet haben, es entsteht dann aber gewöhnlich die Verlegenheit, ob die Münze für kaiserlich oder für bischöflich zu erachten. Wo sie aber ihren Namen kundgeben, da setzen sie gewöhnlich auch den Titel hinzu; doch sind auch die blossen Namen nicht eben selten (Piligrim, Hermann II., Anno und Siegwin von Köln, Dietwin und Obert von Lüttich u. s. w.). Dagegen ist es nicht Sitte jener Zeit, mit dem Titel auch den Bischofssitz zu verbinden, dies thnn nur Saracho Abt von Corvei, Poppo Bischof von Metz, Raimbert Bischof von Verdun, Poppo und Eberhard Erzbischöfe von Trier, Widerold ß. von Strassburg, vielleicht auch Dietwin Bischof von Lüttich, Heinrich Bischof von Speier und Dietmar Bischof von Salzburg: Mader (VI, S. 34) nennt auch Hermann 11. von Köln, aber das COLINS in der Kirche, auf das er sich sttitzt, ist schwerlich COLonleNSis zu lesen. Die Bischöfe bezeichnen sich mit dem griechischen episcopus, das lateinische Synonym praesul ist nur bei Haimo und Raimbert von Verdun und Adalbero 11. sowie Dietrich 11. von Metz, aber auch hier nicht durchweg im Gebrauch; herleiten lässt sich aus dieser Erscheinung also nichts, nur scheint das pracsul nirgends bcliebter gewesen zu sein, als in Lothringen und seiner Nachbarschaft, denn auch die Erzbischöfe von Rheims haben es (im XI. Jahrh.) ebenso angewandt wie die ßischöfe von Cambrary (im XIV. Jahrh.). Im Osten findet es sich nur einmal, bei Burchard von Halberstadt. Nach Mader (IV, 134) findet sich (bei Poppo von Metz) MIN (ister), ein Titel, den später Konrad von Köln auf seinen Münzen führt. ‘Beachtung verdient auch, dass die Erzbischöfe bisweilen nur mit den geringeren Titel e p i sc o p u s bezeichnet werden, wie schon Mader (IV, 328) und Streber (Salzburg S. 24) nachgewiesen haben l), eine Beobachtung, welche für die richtige
1) Letztere freilich unter Berufung auf Brakteaten von Narbonne und Gerhard von Mainz, die doch nicht existiren. Die Zahl der Beispiele, die Streber breibringt, liisst sich aber ansehnlich vermehren durch Brakteaten von Christian und Konrad 1. von Mainz, den Hof~eismarischen Denar des Mainzer Erzbischofs Werner u. s. w.

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Einleitung.

Bestimmung von Münzen des Salzburger Erzbischofs Hartwich von grösster Wichtigkeit ist. Ganz unzweifelhafte Belege hierfür liefern Erzbischof Bnrdo von Mainz (auf seinen Erfurter Geprägen), Poppo Erzbischof von Trier auf 2 verschiedenen Geprägen und der ‘Coblenzer Denar des Triersehen Erzbischofs Bruno, wahrcnd Hermann III. (11,) und Friedrich T. von Köln, welche Streber ferner nennt, auszuscheiden sein möchten. Man darf bei dieser Mehrheit der Fallt, denen sich aus späterer Zeit noch zahlreiche andere hinzufügen liessen, diese Thatsache auf ein Versehen nicht zurückführen, um so weniger als die Erzbischöfe von Köln auf ihren westfälischen Mtinzen meistentheils nur als Bischöfe benannt werden. Ehrcntitcl kommen auf den Münzen der geistlichen Fürsten nicht vor, mit Ausnahme des PIVS , das unter dem Bilde einiger Kölner Erzbischöfe steht, und vielleicht IMdignus ?Cbbas , wie auf einem noch nicht klassifizirten Wichmann zu lesen sein mag. Von den Heiligen ist nur zu sa,gen, dass gelegentlich das sanctus weggelassen wird (Remaclus Stablo) und dass St. Petrus auf einem Wormser Denar als apostolus, St. Lebuinus als confessor und ebenso St. Stephan und St. Lambert (Huy) als martir, St. Sixtus als Papa, St. Martin als archiepiscopus, St. Servatius als episcopus , die Jungfrau Maria und S. Gertrud als Virgo, die heilige Helena (9) als imperatrix bezeichnet werden.
4) 5) Die Städte werden oft nur mit ihrem Namen genannt, besonders wenn dieser buchstabenreich ist, z. B. Constantia, Goshrrium, Hildinesheim, Liuniburg. und zwar nicht etwa blas bei den Noch öfter aber wird ci vi ta s hinzugefugt, Bischofssitzen (Köln, Mainz, Trier, Metz U.S. w.), sondern selbst bei den unbedeutendsten Orten: wie Cham, Nabburg und Meer. Noch weniger ist ein bestimmtes Prinzip erkennbar bei Anwendung des Wortes urb s, mit dem nicht nur Köln, Mainz und Bremen, sondern auch Verdun und Thiel prunken. Seinem festgehaltenen Namen entsprechend wird Hattonchatel als C as t ra bezeichnet, was in dem (etwas zweifelhaften) Bulonis c a s t e 11i eine Analogie hat. Merseburg wird auf einer Miinze als Uivitas Brunonis episcopi unter Weglassung seines Namens bezeichnet, ein einzig dastehendes Beispiel. Die bekannte Sitte vieler Stlidte, sich ehrende Beinamen beizulegen, war auch der Zeit, mit der wir uns beschäftigen, nicht fremd. Köln, Metz und Bamberg nennen sich s an c t a ; ihnen folgen Bremen, Breisach, Speier und Luttich , doch ist es fraglich, ob bei diesen 4 Städten nicht lediglich eine Typennachbildung anzunehmen ist, denn bei ihnen tritt das sancta nicht, wie bei Köln und Metz ausgeschrieben, und bei Bamberg abgekürzt SCA in der Umschrift, sondern nur als durchstrichenes S 1) auf, so zwar, dass der Stadtname mit diesem f und dem Schlussf buchstaben A dem Auge den Eindruck des COLON I macht, welches die getihn-

A

liehen so verbreiteten Kölner Gepräge, namentlich der Ottonen , kennzeichnet. Zn erinnern ist hier auch an Xanten, dessen Name SEA TROIA eigentlich als Troja, Colonia Trajana sanctorum zu denken ist, als die Stadt, wo der heil. Victor mit seinen 330 Gefährten den Märtyrertod erlitten. Dagegen ist es möglich, dass
1) Bei Lüttich such neben dem Bischofsstabe, wo es FX
PAX

gehören kann.

V. Die Inschriften.

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Strassburg sich sancta genannt hat, die betretfende Münze ist nur nicht ganz deutlich. Ferner nannte sich Deventcr und Thiel bon a. Ob das 8 auf Triersehen Münzen ebenso, oder b eat a zu deuten, wie letzteres auch auf einem Denare von Bouillon zu lesen, muss dahingestellt bleiben. In jedem Falle aber liess man sich in Trier hieran nicht genügen, sondern gab der Stadt auch die Bezeichnung als Belgica civitas, denn sie war ehemals die Hauptstadt der römischen Provinz Belgica prima, ja man erhob sie sogar zur secun da Roma. Auffallen kann es demgegenüber, dass das goldene Mainz sich in dieser Zeit niemals SO nennt, auch das sancta auf einer angeblichen Mainzer Münze (Gr. Kab. 1, Suppl. 11, 25) ist wohl a,ls apokryph zu betrachten. Solcher Erinnerungen an alte, vergangeneHcrrlichkeit finden wir aber mehr : fast alle Städte, welche schon in der Rtimerzeit bestanden, nahmen ab und zu ihre alten Namen an, so Speier Nemetis, Andernach Antoniacum, Köln Agrippina, Metz Mediomatrici, Toul Leuca, Verdun Urbs Clavorum, Strassburg sogar fast aussehliessRegina lieh Argentina (statt Argentoratum) , Regensburg l) neben dem latinisirten und einmal dem deutschen Regnesburch auch das celtische Radasbona, Salzburg Juvavia, Zürich Turegum. 6) Auch Münzmeister haben sich, obwohl von Baiern und Augsburg abgesehen, nur sehr selten genannt. Es sind dies Barto auf einem Erfurter Denare Lies Erzbischofs Barde, Sigibod auf einer Münze des Herzogs Dietrich von Oberlothringen (Nr. 432), ANNHELM auf einem Esslinger Denare, ODDV und vermutblich auch H IADMERVS auf unbestimmten Denaren wahrscheinlich säohsischen Ursprungs, Heinrich auf einem Pfennige Heinrichs H. auf der Maasgegend, endlich HRARI SI NTIAIA auf einem Denare Ottos 1. von unbestimmter Herkunft. Man hat, um diese Thatsache Icichter zu verstehen, daran zu denken, dass nicht nur die Merowinger Miinzen und die unserem Vaterlande doch wohl auch nicht unbekannten gleichzeitigen englischen Pennies ohne Ausnahme den Namen des Münzmeisters tragen, sondern dass ein Gleiches auch von den baiirischen und Augsburger Münzen gilt, und dass selbst auf den Brakteaten des XII. Jahrh. sich einige Beispiele desselben Gebrauches nachweisen lassen, wenngleich die Bezeichnung der Miinzen mit dem Namen des Münzmeisters in unserem Vaterlande, ansserhalb Baiern, stets eine seltene Ausnahme geblieben ist. 7) Verse hiedenes. AW, das bekannte biblische Zeichen der Ewigkeit, begleitet das Bild des Erlösers auf Denare11 Heinrichs III., und dem entsprechend die Hand Gottes auf Denaren von Metz, Trier [Udo und Bruno) und Werners von Strassburg. Auf einem Kölner Heinrichs II., sehen wir es in den Winkeln des Kreuzes, neben dem Bischofsstabe auf einem Denare Bernolds von Utrecht, und frei im Felde auf einem ganz ähnlichen Utrechter Heinrichs 11. Dsss bisweilen die dargestellten Gegenstände durch Hinzufügung ihres Namens noch deutlicher bezeichnet werden (AGNVS PATI ENS , BACVLVS , A(quila) VICTRIX, CAPVT, CRVX, SANCTA CRVX, CRVX XRISTI) ist bereits oben gesagt.
1) Der Münzen. deutsche Xmne findet sich nnch Ludwig den] Frommen nicht mehr auf den

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Einleitung.

Auch Miinzbezeicbnungen finden sich : DENARIS (denarius) bei Adalbero 1. von Lüttich, BONVS DENARIVS bei Balduin von Flandern, das allgemeine Namur und Viset, und wohl auch in MONETA aber bei ßrüssel, Celles, Hny, Friesland, falls dem NOTA Egberts 1. diese ßedeutung zukommt. Auf mehreren Münzen des XI. Jahrh. ist HLVDOVVICVS IMP zu lesen, doch hat in Deutschland damals und bis zum XIV. Jahrh. kein Kaiser Ludwig regiert. Der hier gemeinte kann also nur ein Karolinger, wohl nur der Fromme sein, dessen Denare mit gleicher Inschrift um das Kreuz und XPISTIANA RELI GI0 um den viersäuligen Tempel noch heut in allen Sammlungen häufig sind. Dass dies HLVDOVVICVS IMP auf nichts als solche Nachahmung hinausläuft, zeigt am Schlagendsten ein Esslinger Denar, der diesen Typus ganz beibehalten und nur das XPISTIANA RELIGIO durch den Namen der Brägestätte ersetzt hat. Nur halb, nämlich in der Hauptseite mit dem Kaisernamen und Kreuz findet sich dieser Typus bei ßrtissel, Dortmund und Siegwin von KUlu.

VI. Die Nachmiinzen.
Eine eigenthiimliche Schwierigkeit erwächst uns aus den so 8,usserst zahlreich vorkommenden Münzen mit sinnlosen Umschriften 1)) welche oft die sinnreichsten, aber zugleich auch die verschiedensten und sich widersprechenden, selten zum Zielt führenden Erklarungsverduche hervorgerufen haben. Man bezeichnet sie wohl als Nachahmungen 7, als Nachmünzen 3) und begreift unter diesem Namen sowohl die, welche aus der landesherrlichen Münze selbst, in Folge der mangelhaften Befähigung der Stempelschneider so fehlerhaft hervorgingen, als auch die, welche etwa später oder anderswo, mit oder ohne gewinnsüchtige Absicht verfertigt sein mögen. Wenn Grote ein ßedürfniss, beide Klassen zu unterscheiden, als vorhanden annimmt, und für erstere den Namen »Mitmünzen« vorschlägt (Münzstud. IV, S. 60), so ist ilml, ftir unseren Zeitraum wenigstens, zu entgegnen, dass uns in den allermeisten Fällen die Merkmale zur Unterscheidung beider Klassen gänzlich fehlen 1). Dass es vergebliche -Mühe ist, solche Nachmünzen lesen zu wollen, davon ist man wohl ziemlich allgemein überzeugt und eben deshalb ist der Begriff »Nachmünzen für die Wissenschaft nicht gut zu entbehren: ist man sich erst darüber klar, dass man es mit einer Nachmünze zu thun hat, so kann man seinen Scharfsinn sparen, und mag sich nach einem mit einer regelrechten Umschrift versehenen Urstücke umschauen, welches die auf anderem Wege nicht zu erhoffende Erklärung liefert. Solcher Urstücke sind auch in der That für die meisten Nachmünzen vorhanden und es fehlt auch nicht an Beispielen, dass zwei verschiedene Mtinzen, von jeder die eine Seite
1) Auf Mtinzen jener Zeit sind lnngen von jeder Art, sagt Mader (1, 4) Thomsen, Bl. f. Münek. 111, 3) Grote, Miinzstud. IV, S. 58. 4) Wie er dies (Miinzstnd. VIII, richtig geschriebene Namen beinah seltener als MisshandS. 83). S. 5. VIII, 68. S. lti4 Nr. 12) theilweise selbst anerkennt.

VI. zur Herstellung

Die Nachmiinzen.

. 33

einer Nachmünze haben herhalten mlissen. Aber immer noch bleiben allerdings nicht wenige übrig, zu welchen ein Urstück noch nicht bekannt geworden, vielleicht auch niemals euistirt hat; hier muss man, wenn alle Erklärungsversuche scheitern, sich bescheiden, dass man es eben mit sinnloser NWufung von Lautzeichen, mit Inschriften zu thun hat, welche die äussere Gestalt, aber nicht den Wert11 von Worten haben. Man künnte 3 Arten solcher Nachmünzen annehmen: 1) von guter Arbeit, mit gut gestalteten Buchstaben, 2) solche, auf denen zwar die Buchstaben durch ihre misslungene Bildung deutlich verra,then , dass der Verfertiger schreibunkundig gewesen, die Technik aber im Uebrigen verhaltnissmässig tüchtig ist, und 3) solche, die sowohl durch die Form der Buchstaben als auch in sonstiger Hinsicht den Pfuscher ankündigen. Die ersten wird man ohne Weiteres als landesherrliehe im Grateschen Sinne ansehen können Aber darum darf Minzen , als Mitmünzen man die beiden andern noch nicht als Falschmünzer-Waare verwerfen. Man brauchte in jener Zeit, ja, selbst bis zur Erfindung des Absenkens der Münzstempel eine sehr grosse Anzahl Stempel, um? da wird denn mancher ungeschickte Arbeiter mit heran gezogen worden sein, ganz abgesehen davon, dass Lesen und Schreiben ein Vorrecht Weniger war, in einer Zeit, wo so viele Herrscher, je besser sie das Schwert zu handhaben wussten ! desto schlechter mit der Feder umzugehen verstanden, wo die Kaiser statt ihres Namens mit ihrem Monogramm unterzeichneten, wo selbst ein Karl d. Gr. dicsc damals seltene Kunst sich erst im Mannesalter aus eigenem Bildungsdrange aneignete und einer der gcfeiertsten Dichter sich als Analphabet bekannte 1). Man muss, wenn man sich dies Alles vergegenwärtigt, in der That, wie Grate mit Recht sagt, dartiber staunen, dass wir noch so viele korrekte Münzen aus dieser früheren Zeit besitzen. In Vorstehendem ist die Frage, woher diese Nachmunzen kommen, eigentlich schon beantwortet. Eine andere Antwort hat Grote, zunächst freilich nur in Bezug auf die bairischen Münzen, aber gleich gut oder gleich schlecht auch auf alle übrigen passend, in den Münzstud. VIII, S. 88 gegeben, wo er sich folgendermassen äussert: uVon der grossen Masse jener bairischen Münzen ist nämlich der bei weitem geringste Thcil in Baiern selbst von den in den Umschriften angegebenen Münzherren geprtigt ; sie sind fast sämmtlioh Nachmünzen, die in einer den Urstücken sehr nahen Zeit in Polen geprägt wurden. Allerdings unterscheidet J. Friedlaender (Kiihne Zeitsehr. 111, 155) zwischen bairischen Münzen und Munzen bairisther Fabrik, auch Cappe crkllrt einige ganz über-verwilderte Stücke für Nachahmungen aus jener Zeit, a,ber sie erblicken nicht in diesen Nachmünzen die nationale Ausmünzung Polens z;« und S. 80 lässt er gar die bairischen Münzstatten lediglich für Polen arbeiten, so dass sie sich geschlossen hätten, wenn Krieg mit diesem Lande eingetreten sei. Allerdings beschränkt er diese ganz ungeheuerliche Behauptung sofort (S. 92) wieder,
1) Wolfram v. Eschenbach (Willehahn V, Zoj usyaz an den buochen stat geschriben, dez bin ich kunstelos belibencc und sihe kao de keinen buochstapcc (Parzival 115, 21). 2) Die Polen haben, nach Grote, wenn durch Krieg die Zufuhr der bairischen Denare unterbrochen wurde, solche selbst geprägt (a. a. 0. S. 80). Warum nur? Denn nicht als Tausch mittel, sondern als Spielzeug, gleich dem Geizigen, sollten sie das Geld betrachtet haben (S. 8~ und Si). Und 7varum gerade die bnirischen Denare, die doch kcincswegs den H,luptbestandtlleil der polnischen, von Grate allein in ,Betracht gezogenen , Münzfunde ausmachen, sondern der An zahl nach den Adclheidsmünzen, den Kölnern und den englischen Miiuzen nachstehen?
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33

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statt

Willehahn.

34

Einleitung.

indem er diese Münzen »sei es in Baiern, sei es ‘in Polen« nachgepragt sein lässt, und S. 165 sagt cr, vcranlasst durch Luschin’s Recension (Hubers num. Zeitsehr. 1, S. 364) : »Ich bin nioht der Meinung, dass alle Gepräge mit verderhter Umschrift polnische Nachmünzen seien, glaube vielmehr, dass deren auch reichlich in Baiern selbst, und zwar, da in der herzoglichen Mtinzstätte doch nur Urstücke gemacht werden konnten, in anderen (Privat-) Werkstätten gemacht seien. Der Saulburger Fund war zur Ausfuhr nach Polen hestimmt, gelangte aber nicht dahin, und eben sein Inhalt ist viel1 ei c h t zum Theil in Italien verfertigt«. Aber auch in dieser Beschrankurig ist Grotes Meinung gewiss nicht zu untcrschreiben : die hairischen und andere vielbeschäftigten Münzstätten haben Stempelschneider annehmen müssen, wie sie gerade zu haben waren, und wenige nur werden lesbare Inschriften zu liefern vermocht, oder die ihnen etwa von einem gelehrten Geistlichen vorgeschriebenen Inschriften richtig abzuschreiben verstanden haben. Am Schlagendsten beweisen dies die inländischen Funde r), welche im Gegensatz zu den ausländischen nur deutsche Gepräge aus der Nähe des’ Fundortes enthalten; auch in vielen von diesen (Dessau, Nieder-Eichstadt) iiberwiegen die Munzen mit sinnlosen Inschriften, ja einige haben nur Stücke mit Buchstaben-ähnlichem Gekritzel geliefert (Havelberg), und doch sind an diesen die Polen unschuldig, und eben SO der offiziellen Stempelschneider durch wenig wird man hier die Unschicklichkeit Vorschtitzung privater Ausmünzung beschönigen können, nein, diese Funde legen vielmehr das beste Zeugniss für den geringen Bildungsgrad jener Zeit - auf Seiten der Producenten und Consumenten - ab, wie er auch durch unsere sonstigen Quellen bezeugt ist. Und diese Erscheinung ist auch nicht etwa dem Zeitalter, mit welchem wir uns beschäftigen, allein eigen, sie währt in unserem Vaterlande fort bis zur Groschenperiode; es wird genügen, hier an den Herforder Fund (Münzstud. IV, S. 59), den Eibenschitzer (B. Bl. V, S. 129), den von Volpertshausen und den transalbingischen (Bl. f. Miinzk. 111, S. 2GG) zu erinnern, in welchem die Münzen mit entstellten oder ganz sinnlosen Umschriften so unendlich überwogen, ferner an die Mehrzahl der rheinischen Hoheristaufen-Denare, und an so zahlreiche Brakteaten , deren oft ohne jedes Verstandniss zusammengesetzte Inschriften bei übrigens trefflieh gearbeiteten Darstellungen schliesslich dahin gefuhrt haben mögen, dass man die dem Publikum doch völlig entbehrlichen Inschriften zuletzt ganz abschaffte. Wie es noch Niemandem eingefallen ist zj, und schwerlich einfallen wird, die verworrenen Inschriften dieser spätzeitigen Münzen auf Nachmünzurig im Auslande zurückzuführen, ebensowenig ist dies für unsere Denare statthaft; die Sachlagt ist hinsichtlich beider ganz die gleiche, mit der einzigen Ausnahme, dass unsere Denare, aber nicht blos die mit entstellten, sondern ebenso die mit richtigen IJmschriften viel häufiger im Auslande als im Inla.nde gefunden werden. Dies beweist aber nur hiichstens für eine starke Ausfuhr, welche von Wichtigkeit für uns nur insofern sein kann, als eben dadurch die Nothwendigkeit zur Einstellung so vieler ungeschickter Stempelschneider gcgcben sein mag. Damit wird es sich denn auch erklären, warum, von unseren westlichen Nachbarn abgesehen, die Eigenthüm1) S. Kapitel VIII, S. 55. 2) Auch Groten nicht, der (Münzstud. Funde ebenso wie ich erklirt.

IV, S. 58) die zahlreichen

Nachmünzen

der sp&teren

VI.

Die Nachmünzen.

35

lichkeit der sinnlosen Münzinschriften beispielswcisc in Polen, das doch in Bildung unserem Vaterlande Sicher nicht überlegen gewesen ist, bei Weitem nicht in demselben grossen Massstabe a,uftritt, man brauchte dort viel weniger Münzen und reichte daher auoh mit den wenigen tüchtigen Eisenschneidern aus. Um die Frage zu lösen, woher die so grosse Anzahl der Nachmiinzen unseres Zeitabschnittes stamme - und dazu einzig und allein hat Grote es gethan - brauchen In grösserem Umfange wir also eine Nachprägung in Polen nicht vorauszusetzen. wenigstens hat sie keinesfalls stattgefunden, denn hätten die Polen ein so grosses Geldbedürfniss gehabt, so hätte man demselben doch wohl eher durch eine nationale Auspr%gung , als durch Nachahmung fremder Geldsorten abgeholfen, in der That sind aber diese Nationalmünzen aus der Zeit der polnischen Funde (von Mesico I., Boleslaw chrobry und Mesico 11.) bis in die neueste Zeit ganz unbekannt geblieben: und auch jetzt nur, mit Ausnahme allenfalls des Mesico II., als Seltenheiten ersten Ranges, grösstentheils als Unica, ans Licht gekommen. Immerhin aber mag man solche Nachpragung zugeben bei den besonders schlecht gearbeiteten und bei den Stücken, bei welchen am gesetzlichen Gewicht allzuviel abgebrochen ist. Deren kommen aber nicht gar viele vor. Zur Annahme einer derartigen Nachprägung mag uns die von Grote (Münzstud. VIII, S. 89) nach Mittheilung eines polnischen Kenners dass man in Polen neben Miinzen (Stronczynski) gebrachten Nachricht berechtigen, auch die zu einer Goldschmiede-Werkstatt gehörigen Geräthschaften nebst rohem Silber auf den verschiedensten Stufen der Vorbereitung zur Ausmünzung gefunden habe; wenn er auch die mitgefundenen zerbrochenen Münzen als Beleg hierfür heranzieht, insofern sie zum Einschmelzen bestimmt gewesen, so setzt er dabei ganz aus den Augen, dass solche stets äusserst zahlreichen Bruchstücke, welche in keinem Funde fehlen, hergestellt wurden, um die theils fehlende, theils zu knappe Scheidemünzt zu ersetzen l), und dass das Silber in jenen Gegenden nur nach dem Metallwerth geschätzt wurde. Letzteres geht nicht blos aus der überaus grossen Gewichtsverschiedenheit der einzelnen in solchen Funden begriffenen Mlinzen hervor, unter denen die deutschen ebensowohl unter sich als auch von den englischen, byzantinischen und arabischen im Gewicht stark abweichen, sondern auch aus der fast beständigen Beimischung von Schmuckstücken, die ebenfalls fast immer zerbrochen, meist in kleinen Stticken zerbrochen vorkommen, und für die etwas spatere Zeit ist es genugsam bekannt, wie man zwischen Zähl- und Gewichtsmark unterschied, in welcher letzteren die Münzen nur nach ihrem Gewichte zur Geltung kamen 2). Dieser Irrthum bezüglich der angeblich zum Einschmelzen bestimmten Münzstucke stellt dann freilich die Richtigkeit der ganzen Schlussfolgerung in Fra,ge, und l&sst der Vermuthung Raum, dass der Goldschmied weniger Münzen, als Schmuck zu verfertigen in Absicht gehabt habe. 9 Nicht unerwahnt bleiben darf übrigens, dass die Thatsachen, auf welche Grote seine Hypothese von der polnischen Nachprägung stützt, vielfach nicht ganz richt,ig
1) Dies ist, die englische broke-money [s. M&m. St. I%t. 111, S. 361 u. 362). - Bei Obrzycko waren nur 1 Pfd. 5 Loth ganze Münzen gegen 13 Pfd. 231,~ 1~0th zerbrochene, und unter diesen 12 Pfd. 81,‘~ Loth ganz kleine Stiickc, bei Schwaan 850 ganze und 1550 zerbrochene; nirgends hier und bei andern solcher Funde die geringste Andeutung, dass dis Brnchstiicke zum Umschmelzen bestimmt gewesen. 2) Bodc S. 14 und 42. 3*

*

3G

Binleitung.

sind. So z. B. klaubt er (a. a. 0. S. 93) die Inschrift CONRAD auf einem Regensburger Denare Heinrichs VII. im Gr. Kab. leugnen zu dürfen, während sich doch nach meinen 2 Exemplaren auch hier wieder die Zuverlässigkeit dieses trefflichen Buches bewährt, und ebenso ist sein TJrtheil über die bairischen OttosDenare (S. 92), dass sich auf ihnen das Otto dux, meistens korrekt, der Name der Münzstatte aber stets so verhunzt zeige, dass man behaupten könne, es sei noch kein einziges Urstück dicscs Herzogs aufgefunden, durchaus unhaltbar, und man könnte im Gegentheil behaupten, dass gerade seine Münzen, wenigstens die Regensburger, zu denen gehören, welche sich durch ihre Orthographie vortheilhaft auszeichnen. Auch dass die polnischen Funde uns keine nach Konrad 11. geprägten Miiuzen liefere (S. 861, ist eine unbegründete Annahme, wie ein Blick auf Kapitel VIII. lehrt, und ebenso ist es wenigstens stark Ubertrieben, dass von der Mitte des XI. Jahrb. an Goslar in Norddeutschland fast allein gemünzt habe (S. Si). So ist denn ferner auch seine Eintheilung der bairischen Mtlnzen nach dem Grade der Corruption (S. SG) nicht ganz zutreffend, und zuzugeben nur, dass die Miinzen der vier ersten Herzoge im Allgemeinen ganz korrekt sind, nicht aber, dass die Zeit von 955-995 Miinzen mit richtigem Herzogsnamen bei fast durchweg 1)gräulichst entstelltem Namen der Münzstgtte geliefert habe, und dass auf den Münzen der Nachfolger die Namen auf beiden Seiten meist völlig corrupt sind. Eher wiirde sich behaupten lassen, dass je stärker die Ausmünzung, je weniger korrekte Münzen sich finden, und dieser Satz würde sich, ohne Herbeiziehung einer vermeintlichen polnischen Nachmünzurig einfach in der schon angedeuteten Weise begründen lassen, dass die Zahl der geübten Stempelschneider gering war, und man bei erhöhtem Geldbedarf auch zu weniger geiibten seine Zuflucht nehmen musste. Auf Irrthum beruht ferner auch wohl Grote’s Annahme (S. 81), dass manche Nachahmungen unbekannter 1Jrstücke nur in Polen gefunden werden; mir sind solche nicht bekannt, und auch Hr. J. R. Herbst, den ich in dieser Beziehung zu Rathe gezogen, versicherte mir, dass seines Wissens die polnischen Funde sich bezüglich der Nachmünzen von den ihm doch so wohl bekannten skandinavischen nicht wesentlich unterscheiden. Schon aus dem bisher Gesagten dürfte genügend erhellen, dass die Nachmünzen, wenigstens ihrem grösstcn Theile nach deutschen, nicht polnischen Ursprunges sind. Einen schlagenden Beweis hierfür giebt namentlich auch der Saulburger Fund, der, auf bairischem Boden ausgegraben , nur bairische und die ganz verwandten Augsburger Gepräge, 900 an der Zahl, in 335 Arten enthalten hat, und demnach an Nachmünzen eben so reich war, als irgend einer der polnischen Funde. Dennoch will Grotte, dem diese Thatsache nicht entgangen ist, diese Nachmünzen nicht für h e rz o gli c h bairische halten, da doch in den herzoglichen Münzstätten nur Urstücke hätten gemacht werden können, und nimmt, um diese Nachmünzen zu erklären, zu der Annahme seine Zuflucht, dass solche in Privat - Münzstatten verfertigt worden, auf Bestellung der Kaufleute, die sie zu Zahlung in Polen gebraucht (S. 165), ja er geht, veranlasst durch Sedlmairs mehr als abentheuerliche Aufstellung! dass die Münzmeister-Namen AC IZO, CANNO und VECC HO italienische Münzstätten (Aci reale, Canossa und Civita vecchia) andeuteten, sogar soweit, dass er selbst einen italienischen Ursprung dieser MUnzen als möglich zugiebt, freilich in einem anderen Sinne, als Sedlmair , nämlich so, dass italienis‘che Kaufleute, durch Baiern nach Polen ziehend, die in Polen belichten Regensburger Denare theils in Baiern

VI.

Die Nachmünzen.

37

aus mitgebrachten Silberbarren haben schlagen lassen, theils in ihrer Heimath selbst durch Acizo, Canno und Veccho, Leute von italienischem Namensklange, haben anfertigen lassen (S. 82 und 364). Aber das Mtlnzregal, mag man es in dieser Zeit nun als ein Hoheitsrecht oder nur als Ausfluss des gutsherrlichen Grundeigenthums zu betrachten haben (S. 165j, war jedenfalls doch ein Recht, das einen bedeutenden Nutzen abwarf, und daher darf man an solche Privat-Münzstätten nicht denken, auch wenn diese wirklich nur für die Ausfuhr gesorgt hättenr). Es ist aber auch keineswegs nöthig, die Existenz solcher Privat-Mtinzstätten nur zu dem Zwecke anzunehmen, um »die grosse Menge in technischer Hinsicht oft recht gut ausgemünzter Stücke bei dennoch oft so entsetzlich verhunzten Umschriften, neben den ebenfalls in technischer Hinsicht ganz gut gerathenen Münzen mit hinreichend korrekten TJmSchriften zu erklärena , und »um die herzoglichen Stempelschneider gegen den Vorwurf so arg verhunzter Waarc gclicfcrt zu haben, zu schützen « (S. 166) ; beides erklärt sich viel ungezwungener durch die bereits beregte Unkenntniss der Stempelschneider und durch den von Grote selbst (S. 164) bemerkten Umstand, adass die in Deutschland umlaufenden Münzen grösstentheils , die für Polen bestimmten ausnahmslos für den Verkehr von Menschen dienten, die der Schrift ganz unkundig waren, die das Münzstück nur an den Typen ‘erkennen konnten, dass also les- und deutbare Umschriften etwas ganz Ueberflüssiges warencc. Gewiss richtig wird B. Bl. V. 8. 142 gesagt, dass gar oft der von dem schreibkundigen Mtinzmcister vorgelegte Entwurf beim ersten Male sorgfältig nachgeahmt, dann aber der je zuletzt gebrauchte und durch das Prägen unbrauchbar gewordene Copie - Stempel gedankenlos nachgeäfft wurde, so dass endlich, da jene Verwilderun, w sich meistens auf die Inschriften beschränkte, das Urstück aus der verwilderten Nachahmung nur noch vermöge der bildlichen Darstellung erkannt werden kannaj . Auf diese Weise werden sich auch die rückläufigen Inschriften erklären, denen wir nicht selten begegnen; der Stempelschneider wird sie, statt nach dem ursprünglichen Entwurf oder nach dem alten ” Mtinzstempel vielmehr nach einer Münze selbst geschnitten haben, und zwar so wie er sie sah, rechtläufig, so dass sie beim Abprägen rlicklaufig ausfallen musste. Es erklärt sich hieraus ferner auch die von Grote (S. 93) beriihrte Thatsache, dass einzelne Arten der orthographischen Corruption auf so vielen verschiedenen Exemplaren wicdcrkehren ; man hat eben Nachmünzen zu Vormgen neuer Stempel benutzt, und mögen öfter nach einem und demselben Exemplare viele Stempel gearbeitet sein. Auch das Räthsel, dass nicht selten die Inschrift der einen Seite eben so richtig als die der anderen verworren ist (Münzstud. IV 58, VIII 92) löst sich auf diesem Wege: es sind Arbeiten verschiedener Stempelschneider3). Dass man deren eine überaus grosse Anzahl bedurfte, führt Grote (Münzstud. IV 58) aus, und will (Anmerk. a. a. 0.) gelesen haben, dass in Einer Münzstatte an 300 [gewiss übertrieben) in Thätigkeit gewesen.
1) S. 81 it. a. 0. wirft G-rote, um die NachprLgung bairisther Denare in nicht-offiziellen Münzstätten glaublich zu maohcn, die Frage auf: llwiirde es wohl heut zu Tage fiir einen Eingriff in die landesherrliche Mtinzregel gelten, weun ein PorzellanI’abriksnt auf Bcstcllung eines nach Guinea handelnden Kaufmaxms Maledivisehe Kauris aus Porcellan anfertigte‘?<< Darauf ist zu antworten: gewiss. falls die Kauris inlandische Münzen wären, wie es doch für jene vorausgesetzten nicht offiziellen Prägstätten die bairisohen Denare waren. 2) Aehnlich äussert sich auch Grote Münzstud. 1, S. 220. 3) Was Grate Nünzstud. VIII, S. 93 Z. 3 sagt, ist doch selbst jjschr Wunderlichts. \z

38

Einleitung.

Ist nach Vorstehendem die Ausmiinzung in einheimischen Privatmtlnzen zu verwerfen, so ist vollends an eine italienische Nachprägung bairisther Denare noch weniger zu denken , denn es besteht kein Fabrikunterschied zwischen den ACIZO, CANNO und VECCHO Denare und den ähnlichen Denaren mit deutschen Münzmeisternamen, welche uns berechtigte, diese allein in Regensburg, jene in Italien geprägt zu glauben ; ganz gleiche Denare , d. h mit dem Kaiserbilde giebt es aber mit deutschen Miinzmeisternamen überhaupt nicht. Sollten nun die italienischen Kaufleute ganz neue Waare auf den Markt gebracht haben? Es bleibt danach stehen, dass alle unsre Münzen, auch die sogenanntenNachmünzen, in Deutsclrland selbst, in den Städten, welche sie nennen, geprugt sind, und nur einige wenige, ganz verderbte, oft auch im Gewicht sehr unterschiedene (leichtere und schwerere] in Polen ,und anderswo gemacht sein mögen. Schliessen wir letztere, in wirklich mässiger Anzahl vorhandene aus, so ist die Schwierigkeit in der Einordnung der Miinzen mit entstellten Umschriften. welche Grote zu so gewagten und künstlichen Hypothesen verleitet hat, speziell bei den Baiern in der That gar nicht vorhanden. Wenn dann noch einige nicht bairische Münzen iibrig bleiben, welche man wegen zu guter Arbeit nicht für ausländische Waare halten mag, und die doch schwer in das System einzufügen sind, so wird man eher an unbekannte abgelegene Münzstatten und entsprechend stümperhafte, geschmacklose Münzarbeiter zu denken haben, als an polnische Nachmiinzer. Man wird nach allen vorstehenden, durch die nöthige Polemik gegen einen Schriftsteller von Grote’s Ansehn etwas breit gewordenen Auseinandersetzungen wohl thun, den Begriff NaChmünze nur anzuwenden auf Münzen mit stark entstellten Umschriften, welche aus sich selbst heraus gar nicht, oder doch nicht mit Sioherheit zu deuten sind, und werde ich das Wort im Folgenden in diesem Sinne gebrauchen. Dass es auch Nachmiinzen giebt, die nur vermöge der unlcsbarcn Inschrift der einen Seite diesen Namen verdienen, ist bereits oben angedeutet, eins der bekanntesten Beispiele ist der Graf Wichmann. Von den Nachmünzen zu scheiden sind

VlI.

Die Nachahmungen

oder Nachbildungen anderer Muster. Diese verdanken ihre Entstehung entweder dem Mangel an Originalitat bei dem Stempelschneider, oder dem natürlichen Lebergewicht, welches eine beliebte Münzsorte erlangt hatte. Letzteres ist namentlich der Fall bei Köln und spater bei Goslar. Den Kölner Einfluss verrathen recht deutlich die Miinzeu von Luttich, Münstcrbilsen (?): Bremen, Breisach und Speier, welche den Stadtnamen, und von Maestricht, deren eine den Namen des Schutzheiligen ebenso einzeilig mit darübergesetztem f und darunter A (oder \A) zeigen, wie die Kölner . s ihr COLONI . Weiter noch ging man in Remagen, wo man geradezu das 3zeilige
A SCA - COL0

- AG,

und in Corvei , Fritzlar,

Minden

und Paderborn,

wo man

VII.

Die Nachahmungen.

39

das COLONI auf die Münzen brachte 1). Ebenso scheint ein A Stempelschneider des Lothringer Herzogs Dietrich verfahren zu sein, während man in Soest dieser Kölner Mtinzbezeichnung noch den Stadtnamen in ganz kleinen Buchs staben hinzusetzte. Nicht minder ist CSmöglich, dass auch Strnssburg mit COLONI
A

ebenfalls

geradezu

s

und mit SANCTA COLONA gemünzt hat. Letztere Münze ist in der Umschrift nicht deutlich, erstere hat entschieden Strassburger Fabrik. Sicher ist, dass Graf Adolf Hl. von Berg das I MAGOS COLONIE und sein Nachfolger das S ANCTA COLONIA der gleichzeitigen Kölner Erzbischöfe auf ihre Münzen übernommen haben. Und die Macht des Kölner Gepräges ist auch an dem GOLF03 ‘der Miinze (von Thionville oder Lüttich?) ZLI spüren, wie in dem ODDO IMP AVG des Saraoho von Corvci und der Mimigardeford-Denare. Von der weiten Verbreitung des Goslarischen Typus ist bereits die Rede gewesen, nicht blos in der Nähe ist er zu merken, das ferne Friesland kannte unter Egbert 11. kein anderes Gepräge, und selbst Ilernagen und Köln, das doch Andern Gesetze vorschrieb, huldigten ihm vorübergehend. Andere Nachbildungen lehnen sich an byzantinische und sogar an römische Muster, doch ist ihre Zahl nur eine geringe ; die Kunst der deutschen Stempelschneider war im Ganzen eine sehr eigenartige. Höchst merkwürdig ist die Nachbildung eines riimischen Kaiserkopfes (Augustus) und eines So1 mit der Umschrift VICTO.. . auf 2 Denaren Ottos und Heinrichs 11. aus den Oranienbaumer Funde; sie machen es wahrscheinlich, duss damals noch ab und zu römische Münzen in Umlauf waren, wie auch die Funde von Obrzycko, Stolp , Kawallen und Simoitzel solche aufweisen, und wie bis in die jüngste Zeit noch römische Grossbronzen in Südfrankreich in Geltung gewesen sind. Auch der Kopf Heinrichs 11. mit der Strahlenkrone auf zwei Strassburger Münzen mag sich so erklären, das belorbecrte Haupt auf Gepragen von Otto 111. und einiger seiner Nachfolger aber wohl eher ein Symbol des wiedererweckten römischen Kaiserthums sein, obwohl freilich einer seiner Denare von Huy wieder sehr an antike Vorbilder erinnert. Aehnliches lässt sich der Ethelreds-Kopf mit Strahlenkrone ist eine an englischen Miinzen beobachten, offenbare Nachbildung einer Kaisermünze des 111. Jahrh., und Ciolwulf von Mercia kopirte einen Aureus von Valentinian (num. Chron. V, S. 10). Näher noch musste den Stempelschneidern die Nachbildung karolingischer und RELIGIO-Denaren byzantinischer ,Muster liegen. Von jenen, den XPISTIANA des frommen Ludwig ist schon oben (S. 32) die Bede gewesen, und karolingisch ist ferner das Gepräge eines vermutblich in Metz geschlagenen Denars Ottos d. Gr. seine RJ ist genau die eines Metzer Denars von Karl dem Dicken, dessen bei Minsk gefundenen 11 Exemplare (Berl. Bl. VI, S. 289) wahrscheinlich auch erst zur Ottonen-Zeit nachgeprägt worden sind. Byzantinischen Styls dagegen sind ein Mainzer Denar Heinrichs II., zwei Regensburger von Heinrich III., einer von Burkhard 11. von Schwaben mit sitzendem Erlöser, und ein unbestimmter, jedenfalls von der Hand des Mainzer Stempelschneiders Heinrichs 11. mit dem von byzantinischen
1) Wie in Westfalen noch bis ins XII. Jahrhundert, s. Niinzstud. 1, 185 und 221; V,
1Si

Einleitung.

Goldmiinzen entnommenen Kopfe des Erlösers und der dazu gehörigen TJmschrift Ihs Xps rex regnantium; entferntere Anklänge an byzantinische Typen finden sich in manchen Christusköpfen und mehreren Darstellungen der Maria mit dem Rinde. Das Aeusserste im Punkte der Nachahmung aber hat ein Kiinstler unter Heinrich II. geleistet, der mit dem das Kreuz umgebenden Namen I-EI NR I CVS einmal den Kaiserkopf mit der Trischrift I MPERATOR , dann aber 2 byzantinische Kaiserköpfe (von Michael und Constantin VIII.), endlich aber gar die Hauptseite eines spanisch-arabischen Dirhems zusammengestellt hat, ohne sich im Geringsten um das Passende oder Unpassende solcher Zwitterbildungen zu kümmern. Anderweitige Nachbildungen aber von gleichzeitigen Miinzcn , etwa von englischen , französischen oder italienischen sind nicht nachzuweisen.

VIII.

Die Münzfunde.

Bereits in der Vorrede ist die grosse Wichtigkeit der Miinzfunde, welche weniger in unserem Vaterlande, als rings um das Becken der Ostsee herum, besonders zahlreich aber in Skandinavien und Polen ausgegraben werden, betont worden, sie bilden das wichtigste Hülfsmittel fiir die richtige Zeitbestimmung der nicht an und fiir sich bestimmten Miinzen ; der Mangel dieses Hülfsmittels hat die meisten Irrthümer der älteren, seine Nichtberücksichtigung vielfache Missgriffe der neueren Schriftstelle] verschuldet. Es ist oft hervorgehoben und bedarf keines Beweises, dass, wenn unter Tausenden von Münzen sich keine einzige befindet, welche eine bestimmte Zeitgränze tiberschreitet, man auch von den chronologisch zweifelhaften annehmen darf, dass sie dasselbe, Jahr einhalten, dass also, wenn z. B. unter einer so grossen Zahl sich keine Miinze befindet, welche über Konrads IT. Todesjahr (1039) hinausfällt, alsdann auch mit Grund zu glauben, dass Münzen mit dem Namen Heinrich nur von seinem Vorgänger Heinrich 11.) nicht von seinem Nachfolger Heinrich 111. ausgegangen sind, dass ein grösserer Fund, in welchem Konrad 11. und seine Zeitgenossen gar nicht vcrtrctcn sind, uns nöthigt, alle in ihm enthaltenen Kaisermünzen von Heinrich dem zweiten dieses Namens zuzuschreiben, und dass namentlich mehrfache solcher gleichartiger Funde, wie wir deren gerade aus der hier beispielsweise angefiihrten Zeit Konrads 11. und Heinrichs 11. besitzen, schlicsslich zu einer unumstösslichen Gewissheit führen. Freilich sieht es mit der Hülft, die wir von hier zu erwarten haben, zur Zeit noch ziemlich diirftig aus, denn erst wenige Funde aus der grossen Zahl aller zu Tage gefiirderten sind genau und mit Sachkenntniss beschrieben, und besonders für die Zeit der Ottonen, wie für die zweite Hälfte des XI. Jahrb. bleibt noch viel zu wünschen iibrig. Aber dennoch miissen wir auch dies Wenige ausbeuten, und zu dem Ende habe ich es für unerlässlich gehalten, eine Uebersicht der bisher ihrem Inhalte nach einigcrmassen genauer bekannt gewordenen Funde zu geben, und zwar dem Alter nach geordnet, unter Angabe ihrer Stückzahl, sowie summarischer AafZählung der in ihnen enthaltenen Brten, mit besonderer Beriicksichtigung clerer,

VIII.

Die Münzfunde.

41

welche die Vergrabungszeit festzusetzen geeignet sind, sowie derjenigen, deren bisherige chronologische Bestimmung durch sie berichtigt wird. Diese Aufzählung kann und soll selbstredend keine erschöpftmde sein und schliesst eine genauere und eingehcndere Prüfung geeigneten Falls nicht aus ; der beigefügte Nachweis endlich, wo der betreffende Fund veröffentlicht ist, ermöglicht dem Leser jede Kontrolle meiner Angaben.

Reg.-Bez. Posen). [Ca. 973 nach Chr.] 230 ganze, 295 zerbrochene Münzen, ausser 12 Pfd. Sl/z Loth ganz kleiner Bruchstücke. [Friedlaender: der Fund von Obrzycko. Berlin 1844.1 Deutsche Münzen aus den Provinzen Lothringen, Franken, Schwaben und Baiern, dagegen von Bruchstücken der Wendenpfennige mit ODDO abgesehen, keine einzige aus Sachsen, namentlich keine von Otto und Adelheid. Bestimmten Datums sind, die von Bruno von Köln Adalbert 1. von Metz Ulrich von Augsburg Erkamhold von Strassburg Berthold von Baiern Basel, Konrad der Friedfertige und folgende fremde : Rheims, Lothar Winchester, Edgar Pavia, Berengar K: Adalbert Rom, Pabst Johann XTTT. und Otto 1. (Pandulf und Landulf von Capua, unbestimmt gelassen ; doch wohl jedenfalls Pandulf der Eisenkopf (+ 981) der 964-968 mit scincmBruder Landnlf geherrscht hat) Byzantiner, der späteste von Joh. Zimisoes Arabische, der späteste vom Abassiden al Moti lillah vom Jahre
953-965 929-964 923 - 973

1) Obrzycko a/W. (Prov. Posen,

965-991 937-948 937-993
954 - 986 958-975 950--961

950 -961

969-975 970

Endlich noch 2 römische Denare (von Antoninus Pius und Theodosius 1.). Der angefiihrte Abassiden-Dirhem von 970 ist überhaupt die späteste Münze des Fundes. Dass diese im fernen Osten gepr@te Münze nicht Jahre bedurfte, um zu uns zu gelangen, liegt auf der IIand. Man wird daher den Fund nicht zu alt machen, wenn man ihn vor Ottos 1. Tode (953) vergraben sein lässt, Friedländer setzt ihn zwar etwas später, 980, spätestens 990, aber nur weil er glaubte, Strassbnrg habe das Münzrecht erst 974 erhalten? der Erkambold müsse also nothwendig später geprägt, der auf seinen Mnnzen genannte Kaiser demnach Otto 11. (473-983) sein. Dies ist aber ein Irrthum. Urkunden wie Miinzen zeigen uns die Strassburger Bischöfe schon viel früher, schon unter den Karolingern, im Besitze des Münzrechts und es fällt somit jeder Anlass, den Fund so spät hinabzuriicken, namentlich weil ungeachtet zahlreicher (etwa 100) Regensburger Denare von Heinrich 1. und 11. solche von ihrem Nachfolger Otto (976-982) ebenso fehlten als Ethelreds (979--

42

Einleitung

1016), und es lässt im Gegentheil eine Kombination der angegebenen RegierungsJahreszahlen an eine Vergrabung spätestens 973’) glauben. Wie die italienischen Münzen von Mailand, Pavia und Rom sind denn auch alle deutschen Ottonen von Otto 1. Und besonders wichtig ist das Fehlen der Adelheidsmünzen in diesem und dem folgenden Funde (von Tureff), ein klarer Beweis, dass sie nicht unter Otto I., sondern erst unter Otto 111. geprägt sind, denn Köhnes Erklärung, der Eigenthümer dieser Geldsumme habe mit Sachsen, wo diese Münze geschlagen worden, nicht in Verbindung gestanden (s. Köhne V, S. C,lj, ist doch gar zu unwahrschcinlieh: aus allen Theilen der Welt, sogar aus dem fernen Indien, sogar aus der Römerzeit fanden sich Münzen, und gerade von der deutschen Provinz allein, welche dem Fundorte zunächst liegt, sollten sie zufällig gefehlt haben! Und ebenso soll es sich mit dem Tureff-Funde verhalten! Lässt man die Wahrscheinlichkeit nicht ganz ausscr Augen, auf welche sich doch die meisten Sätze in unserer Wissenschaft gründen; so kommt man vielmehr zu dem Ergebniss, dass unter Otto 1. in Sachsen tiberhaupt noch nicht gemünzt ist, ausgenommen die am Schlusse seiner Regierung auftretenden grossen Wendenpfinnige mit ODDO. Nicht unerwähnt darf freilich der angebliche Nachtrag zu diesem Funde bleiben, den Köhne (V, S. 84), aber nach Cappe’s Angaben, geliefert hat. Danach hat Cappe aus demselben, a#usser einigen auch von Friedländer aufgeführten Mtinzen aus diesem Funde auch einen Adalbero von Metz mit Brustbild, und einen Denar König Heinrichs aus Cham erhalten. Jener Denar ist unzweifelhaft von Adalbero 11. (9841005), dieser von Heinrich 11. (1002-3 4). Dass diese beiden Münzen wirklich mit den andern zusammen gefunden sein sollten, deren jiingste doch 30 Jahre älter sind, ist schon an sich ganz unglaublich, erscheint aber vollends als Fabel, wenn wir uns den Gewährsmann näher ansehen. Cappe hat (a. a. 0. 385 und num. Zeit. 1846, S. 6) auch einen bei Essen gemachten Fund westftilischcr Münzen besessen, unter welchen sich, und zwar zahlreich, Münzen von Kaiser Rudolf neben MUnzen der Elisabeth von’ Essen (1370-1413) und anderen über ein Jahrhundert jüngeren befunden haben sollen ; schliesslich hat sich aber auch hier herausgestellt, dass diese Miinzen so verschiedenen Zeitalters in der That zwei verschiedenen Funden angehört haben (M&n. St. Pet. 111, 465). Und mit ganz derselben Leichtfertigkeit hat Cappe nach seinem eigenen Geständniss (Baiern S. 5 Anm.) dem Tureff-Funde auch die viel jüngeren Miinzen Bernhards 11. von Sachsen zugelegt. Es kommt aber noch hinzu, dass %appe in den Nachträgen zum Obrzycko-Funde, die er selbst (numism. Zeit. 1845, S. 85) lieferte, diese 2 anstössigen Denare gar nicht auffiihrt, dahingegen aus dem Sochaczew-Funde denselben Adalbero beschreibt (Num. Zeit. 184ü, S. N), und ist daher die Annahme nicht abzuweisen, dass er später irrthümlich diese Münzen als ein Ergebniss des Obrzycko-Fundes angesehen habe 2).

[Vor 9761 Posen). [M6m. St. Pkt. V, S. 241.1 Dem vorigen etwa gleichzeitig, jedenfalls aber nicht oder wenig später als 976 vergraben, da neben so viclcn Regensburgern der zwei ältercn Heinrichs kein ein2) Tureff (Prov. Posen, Reg.-Bez.
\ 1) Das scheint auch Grote (Miinsstud. VIII, S. 9s) anzunehmen. 2) Wesentlich gleich urtheilt Grate Miinzstnd. VIII, 6. 100.

VIII.

Die Münzfunde.

43

ziger von Herzog Otto vorkam 1). Auch hier keine einzige Adelheid, iiberhaupt keine suchsische Münze. Leider ist der Fund von Kühne nur nach Cappe’s Angaben verzeichnet. Es wimmelt daher von Irrthiimern , namentlich werden Regensburger IIerzogsrniinzen, irrig mit H. rex statt dux aufgeführt, Heinrich dem Vogler zugetheilt, und ein Regensburger Denar mit vermeintlichem C HVN RA DVS APS einem angeblichen Bischof Konrad (um 937) beigelegt, von dessen Existenz die Geschichte nichts weiss! Auch Grote urtheilt (Münzstud. VIII, 99) : »Manch seltenes Stück, welches sich nach Cappe’s späterer Schrift (Ueber die bair. Herzogs-Münzen) in diesem Funde gezeigt haben soll, war bei der ersten Mittheilung (Mem. St. Pet. V, 241) uber dessen Inhalt noch nicht ausfindig gemacht«. Ganz natürlich, Cappe hat aus den zahlreichen Dennoch aber ist diese barbarischen Mlinzen erst später Unmögliches herausgedeutet. Beschreibung, wenn man sic nur mit gehöriger Kritik benutzt, nicht ganz werthlos, um1 glaubhaft besonders was über den Zusammenhang des Fundes erhellt, weil derselbe. wie mir erinnerlich, auf zuverlässigem Wege, nämlich durch Prof. Strzelecki, in Cappe’s HBnde gelegt ist. Dies vorausgeschickt, begriff er Speier, 4 an deutschen Mtinzen : Köln, Otto I., Erzbischof Bruno (953-65)) Otto 1. Schwaben : Liutolf (950 - 954) , Burkhard 11. ‘,955 - 973)) Augsburg, Ulrich (923-973). Baiern : Arnulf, Heinrich 1. und II., also bis 976 spätestens. b) fremdländische : Normandie, Richard I., 943-996. Pavia, Berengar 11. und Adalbert, 950--961. Byzanz : Konstantin X. und Romanus II., 948-959, sowie nicht beschriebene arabische. Auch einer jtmer räthselhaften , vielleicht Breisacher (oder Esslinger ?) Denare Otto’s mit angeblichem, ac pacif. Otto kam hier, wie bei Obrzycko vor; aber es ist unthunlich, deshalb diese Funde nach 973 zu setzen, weil Herzog Otto 1. Sehwaben 973-982 beherrscht hat, vielmehr kann man: wie Grote (Miinzstud. VIII, 99) richtig bemerkt, eher schliessen, dass diese Miinze älter, also nicht von ihm ist. Doch ist freilich der Zeitunterschied nur ein sehr geringer. 3) Stolp (Kreisstadt, Prov. Pommern, Reg.-Bez. Cöslin). [Etwa 9962)./ sichervor 1002. LMem. 11, S. OS.1 Etwa 8 Pfd., also ungefähr 3000 Münzen. c~j Deutsche : Lothringen, Köln, Maestricht. Sachsen : Magdeburg und Adelheids-Münzen. Grössere Wenden. Franken : Mainz, Speier (Nachahmung), Worms und Wtirzburg. Schwaben : Constanz , Strassburg (Erkambold) , Augsburg (Herzog Otto 973-982) und der gred. Otto ac pacif. Baiern : Ausser Otto (976- 982) verschiedcnc Heinrichs, also auch Heinrich 11. nach seiner Wiedereinsetzung 985 - 995.
1) IIiernach ist Köhne en berichtigen, der (a. a. 0. 241) den Fund um 9% vergraben Grotc (Münzstud. VIII, 90) stimmt mit mir überein. 21 Groto (Münzstud. VIII, 98) nimmt sogar das Jahr 9110 an. sein

lässt.

Einleitung.

Böhmen : Boleslsws. - Kärnthen, Verona. Burgund : Basel, Konrad 1) 937-993. U) Fremdländische. Ausser Densren von Nero, Domitian und Hadrian : England: Edgar, Eduard II., Ethelred (nur alten Schlages). Byzantiner : die spätesten von Basilius 11. und Constantin XI. 975- 1025. Arabische : die spätesten von Mo’hdy billah 974 (doch sind nur wenige untersucht). Besonders wichtig ist das Auftreten der Adclhcidsmünzen, welche die Hauptmasse ausmachten, und zwar kamen nicht blos die in splteren Funden so zahlreich erscheinenden mit blossem Di gra rex, sondern auch die selteneren, von Köhne filr die Urgepräge Otto’s 1. ausgegebenen vor, welche allerdings schöner gearbeitet sind, und amen hinter dem Titel haben. Halt man diesen Fund neben die beiden vorigen, so kommt man zu der Ueberzeugung, dass alle Adelheids von Otto III., und dass überhaupt erst unter ihm in Sachsen geprägt worden ist. Es scheint aber dieser Fund noch vor seiner Kaiserkrönung (996) vergraben zu sein, denn nicht allein, dass’ keine einzige Münze von Heinrich 11. darin, so sind auch, wie bemerkt, von Ethelred nur Pennies älteren Gepräges vorhanden, und unter den Ottonen kein einziges Stück, das sich mit einiger Wahrscheinlichkeit an Otto 111. als Kaiser geben liesse. [990-1000~ D%nemarkj. [Annaler.for nordisk Oldkyndighed 1842, S. 22.1 Dem vorigen Funde ganz verwandt, nämlich: a) deutsche Münzen. Lothringen : Köln, Münsterbilsen (9). Sachsen : Otto und Adelheid, auch mit AMEN hinter dem Titel. Franken. Mainz, Speier, Würzburg. Schwaben: Burkhard 11. 955--73, Strassburg, Erkambold. Baiern: ausser Heinrich 1. und 11. auch Otto. Böhmen : Boleslaws. 6j ausländische : Reuen, Richard 1. 943-996, und 11. 996-1026. England : ausser Edmund, Edgar und Eduard 11. (940-979) auch Ethelred, a’ber nur vom ältesten Typus. Byzantiner : Constantin X. und Romanus II., 948-959. Ärabische : die jiingste von 971/2, doch soll auch eine Turkestanische von Nasr el Hakem (993-1012) dabei gewesen sein. Also in Bezug auf die Adelheidsmüuzen IJebereinstimmuug mit dem vorigen Funde, und keine einzige Münze von K. Heinrich 11.
4) Vaalse (auf der Insel Falster, 5) Fölhagen (Schweden)

1235 Stück. [Gegen IOOO] Lbeschrieben von Tornberg und H. Hildebrand in d. antiqu. Tidsskrift för \ Sverige Bd. 111. s. Hubers num. Zeitsehr. 11. S. 574.1 ~6) Deutschland : Metz, Adalbero praesul (984-30051 Köln, Otto 1. - 111. Otto 111. und Adelheid (mit und ohne AMEN hinter dem Titel), 2 grosse Wendenpfennige - Mainz, Otto 111.) CVON DVX (Nachahmung), Speier,
ist zu lesen (s. Mitthcil. 111, S. 206.)

1; So, und nicht Heinrich

VIII.

Die Miinzfnnde.

45

Otto (verwildert), Würzburg Schwaben, Herzog Otto (?) ac pacif, Augsburg (Liutolf) , Strassburg (Otto 111.) B. Erkambold) Regensburg, Heinrich I., 11. (955- 976 und 985-995) und Otto (976-982). DA&! A U) Böhmen, Boleslaws - England, ‘einige Ethelreds vom alten Typus 2 Byzantiner - 835 arabische Dirhems, der jüngste von 971. Unter den fast 600 deutschen Münzen fehlten solche von Heinrich 11. gänzlich. [Um lOOO-i [Berl. Bl. VI, S. 287.1 aj Deutschland : Metz (Karl d. Dicke), Verdun (Heinrich 1.j Lüttich [Otto 111.j, Kiiln (Otto 1. - HI.), Otto und Adelheid (mit und ohne RM(El?I hinter REX), grösserer Wendenpf. - Mainz (Otto! - Schwaben {Herzog Otto 973-982), Coustanz (Otto), Strassburg (Otto, B. Erkambold) Augsburg [Ulrich, Heinrich 1. 973 -982)) Basel (K. Konrad 937-993)) Ziirich - Regensburg (Otto, Heinrich 111. 982-985, Heinrich 11. 985-995.) 0) Böhmen, Boleslaw - Polen? (Nachabmun, * der Dürst%dter Karls d. Gr.) Joh. Zimisces - Arabische, unter den 92 die jüngste von 369 (1. H. (979/980 n. Chr.). Englische Münzen fehlten ganz, ‘und unter SO vielen deutschen war auch hier keine einzige von K. Heinrich 11. von Drontheim). [Bald nach 1002; [Mem. St. Pkt. IV. S. 361.1 aj Deutschland: .Metz (Adalbero 1’) , Verdun (Haimoj , Kiiln , Deventer Otto und Adelheid, Bernhard I., Dortmund, Magdeburg, Wenden (Nachahmungen der Magdeburger) Würzburg - Strassburg (Otto, Heinrich 11. 21, B. Widerold 3) Regensburg (Heinrich Ill. und H. IT., 985-995). b) Ethelred, des älteren Typus [mit Hand uud mit CRVX im Kreuze). Arabische, die jüngste vom Samaniden Nuh ben Nasr 952/s. Das jiingste sichere Datum giebt nicht der Haimo 990-3024 (a. a. 0. Taf. XIV, l), weil auf ihm Otto 111. als Kaiser (AVG) genannt, er also vor 1602 geschlagen sein mussr sondern der Strassburger Heinrich 11. (nicht I., wie S. 363 gesagt wird), mit Königstitel. Da alle iibrigen Kaisermünzen von den Ottonen herrühren, und nur diese einzige von König Heinrich vorhanden gewesen, so dürfte der Fund sehr bald nach dessen Thronbesteigung (1002) verscharrt worden sein.
8) Munkegaard (auf Bornholm). 7) Kaldal (am Meerbusen 6) Minsk (Russlandj.

Otto 111. nf.

367 Stück.

886 [Berl. a) Deutsche: Metz (Adalbero Adelheid (etwa 350 Stlick) ,
Nicht a. II., wie der Beschreiber Zweifel. Nicht H. 1.. wie Holmboe meint. A. a. 0. Taf. XIV, 2.

Stück. [Bald nach 1002] Bl. 111: R. 31.3 II.), Köln, Trier, Deventcr - Otto und Halberstadt (Arnolf) - Hildesheim (Bernder Obrzycko-Fond beseitigt rille

1) etwaigen 2; 3)

des Fundes glaubt,

46

Einleitung.

ward) , Magdeburg, Dortmund (Heinrich 11.; , Herzog Bernhard (Kopf) - Mainz (30 Stückj , Worms, Würzburg - Constanz, Strassburg (Erkambold , Widerold , Alutwich) , Zürich 1) (Herzog Konrad) - Augsburg (Herzog Heinrich: B. Liutolf und Siegfried). Baiern, ausser Otto auch Heinrichs, die nicht näher beschrieben werden. b) Böhmen, ausser Wenzel auch Boleslaws - Pavia, Otto 1. - Ethelred (164 Stück) : nur die älteren Gepräge (Hildebr. A, B . C) , Schweden: Olaf Skiitkönung (991-1.126) - Constantin X. und Romanus 11. Arabische, die jüngste von Nuh ben Nasr 961-75. Also die unbedingt jüngste Jahreszahl liefert ausser dem Augsburger Siegfried (lOOO-OSj der Dortmunder Heinrich 11. sowie ein Niederländer Denar desselben Herrschers (Rs. Henricus rnoneta) , beide mit Königstitel. Deshalb und wegen der Beschaffenheit der zahlreichen Ethelreds sowohl als des Mangels von Jaromirs muss der Fund bald nach 1002 vergraben, also dem vorigen gleichzeitig sein. Reg.-Bez. Cöslin). [Ca. 101 0] 61/h Mark, also 1260 Münzen. [Bcrl. Bl. 1, S. 13.1 a) Deutsche : Metz (Theodorich 11.)) Verdun (Heinrich 1.) Nachahmungen), Lüttich, Köln (Ottonen und Heinrich 11.) - Otto & Adelheid, Herzog Bernhard (mit Kopf, mit Kreuzen), Dortmund (Otto HL, 1Ieinrich 11.) , Halberstadt (Arnolf), Magdeburg, Quedlinburg, grosse und kleine Wendenpf. (letztere Nachahmungen der Magdeburger) - Mainz (Otto, Heinrich 11.)) Worms, Würzburg - Breisgau (Graf Berthold), Constanz, Strassburg (Otto, Heinrich I., B. Erkambold, Widerold, Almwich), Augsburg (Liutolf) , Basel (Adalbert 11. 999-1025) - Baiern, ausser Otto auch Heinrichs bis herab zu Heinricus rex. b) Böhmen, ausser Wenzel und Boleslaws auch Jaromir (1001-3 2) - Ethelred, meist die älteren Typen (Hildebr. A, B, C) - Norwegen, Erik Jarl (1000-15) - Pavia (Otto 1. & 11.). Einige nicht klassifizirte Arabische, aber keine byzantinische Münzt. Die Hauptmasse bestand wieder aus Adelheids. Das Erscheinen einiger, jedoch nur weniger Heinrichs mit Königstitel (Mainz, Dortmund, Köln, Strassburg, Scham), die Jaromirs und namentlich der Metzer Theodorich zeigen: dass der Fund zwar nach 1006, aber nicht viel später, wahrscheinlich v o r 1610 niedergelegt ist.
10) Kawallen (Schlesien, 9) Rummelsburg (Pommern,

Reg.-Bez. Breslau, K. Trebnitz) . [Ca. 303OJ 340 Stück. [S. Schlesiens Vorzeit, XI. Bericht, Breslau 3869.1 ~4) Deutsche: Köln (Ottonen) Devcntcr - Otto 6; Adelheid (204) , ,Herzog Bernhard (mit Kopf, mit Kreuzen), Quedlinburg, Dortmund, Wendenpf. (grössere und kleinere) - Mainz (Otto, Heinrich IT.), Speier, Worms, Würzburg, Bamberg (mit S. KILIANVS) - Schwaben, Herzog Otto (? ac pacif) , Constanz, Strassburg (Widerold, Heinrich IT.), Augsburg ,Limolf) - Regensburg (Heinrich IV. als Herzog und als König]. 6) Böhmen, Boleslaws Verona (Otto), Pavia - Ethelred - Frankreich (1 nachgeahmter Karolinger) - Arabische, die jüngste vom Samanidcn Abd ul Melik ben Null 954--961 - 1 Tra*ja.n I
Ottos 1. (‘IM’. XXVl, 5) gehiirt zu den Adelbei&-Deneren.

1~ Der a~gcblicl~e Züricher

VIII.

Die Münzfunde.

47

Sicher rzm jüngsten lieh mit Königstitel, also die Zeitgränze dieses. wie da Bernhard 1. 3011 starb Herzogswürde hatte.

sind die Heinrichs (Mainz, Regensburg, Strassburg) sämmtvor 1011 geprQ$. Wahrscheinlich giebt das Jahr 1010 des vorigen Fundes. Das ist wichtig für die Bernhards, und einen gleichnamigen Sohn zum Nachfolger in der

[Ca. IOlO] West-Preussen ‘) . u) Deutsche : Metz (Adalbero II., Theodorich 11.)) Verdun (Haimoj, Macstricht (Otto, Heinrich II.), incert. X/ Heinricus nloneta, Thuin (? M&m. IV, S. 59)) Viset (Otto 111.)) Köln (Ottonen), Herzog Theodorich EIL C IV Herzog Bernhard (nur mit Kopf;, Deventer (Otto) - Otto & Adelheid, Bildesheim (Otto, Bernward), Magdeburg, Halberstadt (hrnolfj , Dortmund (Otto, Heinrich), Wendenpf. grosse und kleine (letztere Nachahmungen der Magdeburger) - Schwaben Herzog Otto (?ac pacif.), Breisach (Otto), Esslingen, Strassburg (Otto, Heinrich II., B. Widerold), Basel (K. Konrad 937-993)) Constanz, Augsburg (Liutolf. Siegfried, Bruno, nur vom älteren Typus) - Neuburg N IVVAN Cl VITAS (König Heinrich 11.)) Regensburg, ausser Otto auch Herzog Heinrich (985 - 995) und H. rex vom alten (Portal-) Typus, aber auch mit Kopf (3~‘. VECCHO), Salzburg (Herzog Heinrich IV). 6) Böhmen, Boleslaw, Jaromir - Verona (Otto 111.) - Ethelred - Norwegen (Erik Jarl 1000 - 1015) - Bruchstücke von arabischen Dirhems. Unter allen kein Konrad H., ja nicht einmal ein Heinrich 11. mit Kaisertitel, kein Ulrich von Böhmen (1012 - 37) und kein Knut (1010 - 35), auch kein Regensburger Heinrich V. mit dem Schriftkreuze. Wir kommen also etwa auf dieselbe Zeit wie bei den beiden vorigen Funden, höchstens vielleicht wegen des hkufigereu Auftretens der Heinricus rex -Denare l-2 Jahre später.
33) Mosgau (bei Rosenberg, 12) Dobra (Polen: ‘Gouv. Plock,

Kreis Plock). jCa. 10121 704 Stück. [v. Sallet 1, S. 348.1 u,i Deutsche : Metz (Adalbero I., Theodorich II.), Verdun (Heinrich I., Nachahmungen, B. Haimo) , Dinant (Otto), Lüttich, Maestricht (?Henricus moneta), Köln (Otto, Heinrich II.), Trier (Otto) - Otto & Adclheid’(237 Ex., keins mit AMEN hinter REX), Herzog Bernhard, Magdeburg, Quedlinburg, Dortmund (Otto, Heinrich 11.)) Wigman. com, Wcndenpf. (grosse und Nachahmungen der Magdeburger) - Mainz (Otto, Heinrich 11.)) Speier, Worms, Wiirzburg Schwaben, Herzog Otto (‘?ac pacif.), Augsburg (B. Heinrich I., Siegfried, Bruno vom älteren Typus), Breisach, Strassburg (Erkambold, Widerold, Heinrich II.j, Villingen (Graf Berthold) Eichstädt [Heinrich 11. 985-995), Nahburg (K. Heinrich 11.) , Regensburg (Heinrich 11. 955-76 und 985 -995, Otto, Heinrich IV., auch als König, vom älteren Typus und mit Kopf), Salzburg (Heinrich IV. als Herzog und als Kiinig).

1) Nach gefiilliger Mittheilung des Hrn. Archivrnths v. Mülverstedt in Magdeburg, dem dimer Fund grösstmtheils zugefallen, brtrug derselbe etwa 2000 Stück. Möglich, dass manches in der mir vorgelegten Auswahl gefehlt hat. 8

48

IGnlcitung

b) Böhmen, Boleslaw - Verona (Otto) - Ethelred (meist von altem Typus) - Irla,nd, Sihtric (989 -1029) - 1 arabischer Dirhem. Dass dieser Fund nach 1006 fallt, lehren die Denare der Bischöfe Theodorich 11. und Siegfried, während das Fehlen von Kaisermünzen Heinrichs II., sowie von Knuts und die Beschatlenheit der Ethelreds etwa 1012 - 3014 als die Vergrabungszeit annehmen lässt. 13) Kowal (Polen, Woiwodsche Masowien) . [Cu,. 1020; Etwa 450 Stück. [v. Sallet 11, S. 320.1 a) Deutsche: Ludwig 111. R/. Schleife, Heinrich 11. Hi. IMPERATOR Metz (Theod. TI.). Dinant (Otto), Hq Kopf, desgl. Rf. Arabisch (Otto I.), Ma,estricht (Heinrich II.), Thuin (?Ctto, Mem. IV, S. 59), Dcventer (Heinrich 11.) , Kiiln (Otto, Heinrich 11.) , Trier (Otto), Herzog Theod. Ell. CIV - Thiel (Heinrich 11.) - Otto & hdclhcid (103Ex.), Herzog Bernhard: Dortmund, Hildesheim (Otto, Bernward), Magdeburg. Wigman. com, grössere Wendenpf. - Mainz (Otto, Heinrich 11.) - Augsburg (Liutolf, Siegfried, Heinrich Ir.), Breisach, Constanz (Otto, B. Ruthard) , Esslingen, Strassburg (Widerold, Almwich, Wizclin, Heinrich 11.)) Zurich (Herzog Ernst) - Regensburg (Herzog Heinrich 11.: 955 -76 und 985995, Heinrich IV., auch als König, Heinrich V.), Salzburg (Hartwich). 6) Böhmen, Boleslaw, Jaromir, Dlrich -- Verona - Frankreich (Ludwig IV. 936-954) - Ethelred, Knut - Polen (Mieczyslaw 1. - 992, ßoleslaw 11. 992-1025). Hier also verschiedene Kaisermiinzen von Heinrich II., sowie auch Knuts und 1 Rudhard von Constanz (1018 - 22) , dagegen kein Konrad II., was obige Zeitbestimmung rechtfertigt. [Ca. ‘10201 14) Sochaczew l) (Polen, Woiw. Masowien) 263 ganze Ex. - [Num. Zeit. 3846 H. 185.1 Von Cappe beschrieben. Reinigt man das Fundinventar von seinen Irrthümern (die Nachahmungen der Verduncr Denare Heinrichs 1. sind seinen Vor, gängern, Münzen Adalberts 11. von Metz dem 111. dieses Namens, Utrechter von Heinrich 11. sind an Heinrich IV. gegeben, ein barbarischer Heinrich 11. mit der Hand, von Deventer, ist Konrad 11. zugeschrieben u. s. w.), so haben wir an deutschen Geprägen nur Ottonen und Heinrich II., Baiern von K. Heinrich 11. und Herzog Heinrich V., Egilbert von Freisingen (1006-39), Adalbert 11. von Metz, Bernhard von Sachsen, Wigman com, etwa 60 Wendenpfennige und vielleicht Gotfried 11. Herzog von NiederLothringen. An fremden aber: Jaromir und Ulrich von Bühmen, sowie Ethelreds, während sein Nachfolger Knut fehlt. - Danach könnte dieser Fund sogar etwas älter sein als der vorige: in dem schon Knuts vorkamen. Viel Wert11 ist auf diese Fundbeschreibung freilich wegen der Persönlichkeit des Berichterstatters nicht zu geben.
1) Nicht Socschem, wie C,zppe in den K. 1. best,iindig schreibt

VIII.

Die Miinzfnnde.

49

[Ca. 302o’)] 35) Althoefchen (bei Schwerin a/W. Prov. Posen). [Münzstud. VIII.] Viele 1000 Münzen (mit ßarren U.S. w. 7,~ Kilo). u) Deutsche: MetA (Theod. II.), Huy, Lüttich, Maestricht, Köln (Otto, Heinrich Zl.), Trier (Otto, Heinrich II.), Deventer, Herzog Theodorich (EIL CIV) - Utrecht, Thiel - Otto & Adelheid, Herzog Bernhard, Dortmund (Otto, HeinrichII.), Hildesheim, Magdeburg, Wigman com. Wendenpfennige - Schwaben, Herzog Otto (?ac pacif.), Augsburg (Liutolf, Bruno ältester Typus, K. Heinrich II.), Chur, Constanz, Strassburg (Erkambold, Widerold, K. Heinrich 11.) + Nabburg, Neuburg, Begensburg (Heinrich r.-IV., die jüngsten seiner Königsmünzen mit Brustbild von ACIZO, CVNNO und VECCHO, Heinrich V.) - Salzburg (Hartwich, Herzog Heinrich IV. und V.) - CAESAR IVICT &f. Christogramm. b) Böhmen, Wenzel, ßoleslaw, Wladiwoi, Jaromir, 1 Ulrich - Verona Polen (Mieczyslaw I., ßoleslaw 1.) - Pavia (Otto, Heinrich 11.) - England (Ethelrcd, Knut) - Irland (Sihtric) - Niceph. Phoeas, ßasilius 11. & Const. XI. - Orientalische Mtinzen (11 Ex.). Das sicher jiingste Datum bieten die 6 Pennies von Knut, entscheidend aber ist das Fehlen aller Münzen von Konrad II., von Piligrim von Köln u. s. w. 36) Schwaan (Mecklenburg) 845 Stück. [Ca. 10251 [Köhne N. F. S. 258.1 Namentlich zu erwahnen : Hildesheim (Gothard 1022 - 38) , Strassburg (Heinrich 11.) Krone), Augsburger (bis Bruno), Baiern bis Heinrich V. (einschliesslich) - Engländer von Ethelred und Knut - Russland, Wladimir (981-1015) -Beorgien, David (983-1001) -Abbasiden, Samaniden u. s. w. Es fehlten aber auch hier Konrad TI. sowohl als Piligrim. [1030) Stift Aarhuus) 1306 Stück. [Antiq. Tidsskrift 1849-51, S. 123.1 n) Deutsche : der Ottonen, von Konrad II., Bernhard von Sachsen, Graf Wichmann, Bernward von Hildesheim, Aribo von Mainz, Theodorich von Lothringen, Piligrim von Köln, Adalbe% 11. und Theodorich 11. von Metz, Balduin IV. von Flandern, Erkambold von Strassburg, Bruno ion Augsburg, Egilbert von Freisingen, Wendenpfennige u. s. w. 7)) Böhmen (Ulrich) - Verona (Otto) - England (Edgar, Ethelred, Knut) Irland (Sihtric) - Dänemark (Knut). - Ausserdem einige altere arabische nnd Nachahmungen von byzantinischen. \Ca. 1035 2)1 Etwa 1500 Stuck. [BI. f. Munzkunde 111, S. 137.1 a) Deutsche: namentlich von Metz (Theod. II.), Balduin IV. von Flandern, Andernach (Herzog Thcodorichj, Köln (Piligrimj, Trier (Poppo) - Hildes.

17) Enner (Dänemark,

18) Egersund (Norwegen).

1) Den etwa gleichzeitigen Fund Mitth. S. 262 können wir _ als fiir unseren Zweck unerheblich, übergehen. 2) Nach Ceppe (K. M. 1, R. ‘ii) später als 1040 vergraben, weil - es klingt unglaublich Münzen von Herzog Bernhard 11. im Funde gewesen, welcher 1061 [richtiger 1059) gestorben! Als ob er nicht schon im J. 1011 ZLIUI Herzogthmn gelmgt wiire. 4 unnne~h~rg, mdsehianas amte nliinaen.

50

Einleitung.

heim (Gothard) , Magdeburg, Wenden Augsburg (Bruno), Constanz (B. Buthard) - Kaiserliche von den Ottonen, Heinrich 11. und Konrad 11. b) Böhmen (Ulrich) - England (Edgar, Eduard II., Ethelred, Knut) - Irland (Sihtric) - Dänemark (Knut) - Schweden (Anund 1016- 34). Die Zusammensetzung dieses Fundes lehrt, wie das a. a. 0. S. 140 bemerkt und S. 260 naher begründet wird, dass seine Heinrichs nur von Heinrich 11. sein können ; beweisend hierfür ist namentlich, dass bei 704 Pennies von Knut die seiner Nachfolger Harald, Harthaknut und Eduard gänzlich gefehlt haben, und von einem der häufigsten Geprlge Kuuts sich nur ein einziges, ganz stempelfrisches Exemplar vorgefunden hat (a. a. 0. S. 260). 854 Stück. [Ca. 10401 [Berl. Bl. 11, S. 51.1’ cl) Deutsche: Metz (Theod. II.), Köln (Piligrim, Hermann II.), Trier (Poppo) - Merseburg (Bruno 2) - Würzburg (Bruno), Erfurt (Aribo] - Augsburg (Bruno, Eberhard), Strassburg (Alutwic) - Salzburg (Dietmarj - Kaiserliche bis Konrad 11. einschliesslich U) Böhmen [Ulrich, Bracislaus) - Polen (Miesko 1. s), Boleslaw I., auch fnr Russland) - Ungarn (Stephan) - England (Ethelred, Knut, Harald) Dancmark (Harthaknut) . Das späteste Datum liefert Bracislaus , der 1037 zur Herrschaft gelangt ist, nüchst ihm Hermann 11. (1036), Bruno und Harald (1035j. Wahrscheinlich hat die Niederlegung des Schatzes bald nach 1037 stattgefunden, da spiitere nordische und englische Münzen fehlen, auch unter den deutschen keine ist, die man auf Hein-. rich 111. beziehen könnte 4). 20) Frankfurt a/O. (nicht Fund- sondern Verkaufsort). [IO40 od. etwas später] 400 Stück. [Köhne 111, S. 145.1 a) Deutsche : Köln (Piligrim, Hermann 11.1 - Eckard Markgraf von Meissen - Halberstadt (Buco 1.) - Augsburg (Ludolf, Bruno) - Salzburg (Hartwich) - Kaiserliche bis herab auf Konrad 11. b) Böhmen (Jaromir) - Verona - Ungarn (Stephan) - England (Ethelred, Knut, Harthaknut 1039-41). Die letztgenannte Münze stellt die Vergrabung des Fundes auf die Zeit nach 1039 fest; Jünger noch wären die Itegensburger mit Schriftkreuz, wenn sie wirklich von Herzog Heinrich VII. (1040-47) wären, wie der Text sagt, und nicht, wie jetzt ausser Zweifel ist, von Heinrich V. Noch jünger wäre der Hartwichs-Denar, wenn er dem Bamberger Bischofe (1047-533 angehörte, wie der Redakteur sich auszuführen bemuht. Das Irrige dieser Ansicht wird unten an geeigneter Stelle dargethan werden, und es bleibt somit obiges Datum 1039 als das jüngste in Kraft,
Nach Mittheilung dcs Hrn. J. R. Herbst richtiger Ny-Larskjer. A. a. 0. Taf. XIV, 10, S. 65 irrig für Freisingisch crkl$-t. Nicht Miesko II., wie neucre Funde gelehrt haben Dunkel bleibt dabei freilich eine Duisburger Münze, die Thomsen a. a. 0. unter Heinrich 11. anfiihrt, denn von diesem Kaiser kennt man noch keine. Ob etwa eine der bekannten von Heinrich 111. oder von Konrad TI. gemeint ist, l%sst sich Mangels einer Beschreibung Icidcr nicht beurtheilen. 1) 2) 3) 4) 19) Oster - Larskjer 1) auf Bornholm.

VIII.

Die Miinzfunde.

5i

womit im Einklange steht das Fehlen von Münzen Heinrichs III., wenn nicht etwa, ein Regensburger mit Profilkopf IG/ Säulentempel, den der Verfasser an Heinrich 11. giebt, ihm zukommt, was ich allerdings glauben möchte. Diese einzige Miinze wird dann etwa auf das J. 1040 oder etwas später deuten, welcher Epoohe wir auch die michstfnlgenden Funde verdanken. (Ca. 10401 Etwa 4000 Stück. [Friedlaender (und Mtillenhoff) : d. Silberfund von Farve. Kiel 1850.: Köln (Piligrim) G) Deutsche : Herzog Theodorich von Ober-Lothringen: Herzog Bernhard, Hildesheim (Gothard) - Strassburg (Widerold). 6) Böhmen (Boleslaw, Jaromir, Bracislausj Lucca, Pavia - Normandie (Richard 11. 996 -1020) - England (Ethelred, Knut, Harald 1035-39 1)). - Einige Arabische. Eigenthümlich ist diesem Funde, ausser der ausserordentlich grossen Masse Wendenpfennigc, wclchc den Hauptbcstandthcil ausmachten : die bedeutende Zahl verwilderter Andernacher Denare von Piligrim (229 Stuck), welche mehr auffallen, als etwa die 288 ebenfalls grösstentheils verwilderten Bernhards oder die 49 Pfennige von Stade, deren zahlreiches Vorkommen durch die örtliche Nähe erklärt wird. Zahlreich waren auch die H IADMERVS (225) und die ODDV MFECIT (440)p was ebenso auf deren nahe Heimath schliessen lässt, wie denn aus gleichem Grunde die 242 mehr oder weniger barbarischen Münzen des heil. Stephan von Ungarn unweit des Fundortes geprägt sein mögen. Umgekehrt ist es bemerkenswerth, dass selbst von den so überaus häufigen Adelheidsmünzen hier nur 99 vorhanden waren. Auch x alle andern Arten traten nur in wenigen vereinzelten Exemplaren auf, selbst die Regensburger nur in 2, die Engländer nur in 5 ganzen Exemplaren. Eine Besonderheit bilden schliesslich noch die weqigen arabischen Munzen, welche in so späten Funden sonst zu fehlen pflegen.
23) Farve (Holstein).

[Nach 3040] K. Polen). Etwa 2000 Stück. Lelewel [Il, S. 1091 giebt als die jiingqten Stücke dieses Schatzes an : Augsburg (Bruno) , Köln (IIermann Ir.), Herzog Bernhard, Bracislaus von Böhmen und Harthaknut, und setzt danach die Zeit dieses Fundes auf 1040-42 von dem er librigens nur etwa F>OO fest. Eine nähere Beschreibung des Inhaltes, Stück hat untersuchen können, liefert er nicht, giebt jedoch noch .folgende Münzen als darin begriffen an : Marsal (Theodorich 11. ‘von Metz 2)) , Toul (Bruno), Duisburg (Konrad II.), Kiiln (Otto, Heinrich 11.) Piligrim) . - Thiel (Heinrich 11.3)). - Otto 111. und Adelheid, Dortmund (Otto, Heinrich II., Konrad 11.) Quedlinburg~) (Otto 111.) - Mainz (Otto, Heinrich5) , Konrad II.), Speier: Wurzburg (Otto) - Augsburg (Heinrich 11.) , Strassburg (Erkamboldj . Regens22j Trzeburi (bei Plock,
1) Nicht Harthaknnt, wie es im Texte hcisst. Ines hat schon ‘l’homscn (Bcrl. Bl. 11, S. 63:. jedoch unter Angabe eines unrichtigen Todesjahres fiir Harald (if. Yiirz 1040 statt 1039) berichtigt. 2) Nicht König Karl d. Einfältige. 4) Nicht Botfeld, Heinrich 111. 4) Nicht Tongern. 5) Nach S. 165 Lelewel auch der Denar mit byz:tntinischem Brostbilde, der zweifellos von Heinrich II., nicht 111. ist, wie Lelewel meint. 4*

52 burg kEINRICVS

Binleitung.

Rf. Arabisch

Ethelred,

Knut,

Harald, -

Harthaknut.

(Lelewel XVII, 2). - England: - Nicephorus Photas (964 - 969).

96 Stück. [1045-501 [Antiqu. Tidsskrift 1847, 1. Heft, S. 50.1 u) Deutsche : Dinant , Maestricht l), Köln (Piligrim, Hermann 11.)) Trier (Heinrich XI. a), Poppo). - Friesland (Konrad 11.)) Deventer (Heinrich 11.3)) - Otto und Adelheid, Halberstadt (Brantho oder Buco), Magdeburg, Wenden. - Mainz (Konrad II.), Speier, Worms (Heinrich 11.). - Augsburg (Heinrich IT. 41, Konrad 11.)) Strassburg (Heinrich 11). L) Böhmen (Bracislaus 1.5). -- Verona. - England (Ethelrcd, Knut, Harald, Eduard der Bekenner 1042 - 66). - Dänemark (Harthaknut, Magnus 1042-47). Zwar wird noch cinc Münze von Svend Estridsen 1047-76 angeführt, dabei aber bemerkt, dass diese, durch Inschrift nicht gesicherte Münze der Typen-Gleichheit wegen eher seinem Vorgänger Magnus zukommen möchte. Es wird hiernach das Jahr 1050 spätestens, wahrscheinlich aber ein etwas früheres, die Vergrabung des Fundes angeben. Wenn er, wie es scheint, keinen Heinrich 111. enthalten hat, so kann dies doch bei der geringen Anzahl der Fundstiicke und da dieses Kaisers Münzen weniger häufig sind als die des zweiten Heinrich, nioht gerade auffallen. nach gefälliger Mittheilung des Herrn 24) Valloe. Ueber diesen beträchtlichen, J. R. Herbst i. J. 1837 gemachten, aus 1020 Stucken bestehenden Fund haben wir leider nur gelegentliche Nachrichten, z. B. Köhne 111, S. 130, wonach er mit Magnus d. Guten (i 1047) geschlossen, doch wird hier und da eine Münze vermöge ihrer Zugehörigkeit zu derselben, chronologisch bestimmt, daher er denn nicht unerwähnt -bleiben durfte. Namentlich ist wichtig, dass er nach Herbst (8. Sandö-Fund, No. 59) schon Goslarische Denare enthalten hat. 27 Stück. [Ca. 1050] [Antiqu. Tidsskrift 3847, 1. Heft, S. 55./ Der Inhalt, etwa gleich dem des ersten Ruthsker Fundes, weist auf ungefihr dieselbe Zeit, obwohl das Urtheil bei der geringen Anzahl nicht so sicher sein kamt. Die Zusammensetzung war folgende : a) Deutschland: Duisburg (Heinrich III.), Küln (Piligrim und t CHVIRA DVS 19 Rf. wVMATERNVS Gebäude mit Col-NA), Xanten (Hermann II.), Trier (Poppo “). - Groningen, Deventer (Heinrich 11. ij). Otto und Adelheid, Magdeburg - Speier, Konrad 11. und Heinrich 111.
1) Nicht Utrecht; der Kopf des heil. Lnmbert beweist dies. 2) Nicht Heinrich IIJ. 3) Nicht Heinrich III., Izs. Hand. 4) Nicht Heinrich 111. 5) Hier wird der von mir (Mitth. S. 202) gefiiln& Beweis, dnss diese kleinen von B. 11. sind, bekräftigt. 6) Nicht Andernach, wie es im Texte heisst. i) Nicht Heinrich 111.

23) Ruthsker 1. (auf Bornholm).

25) Ruthsker II. (Bornholm).

Denare nicht

VIII.

Die Münzfunde.

53

(tCHONRAD IP HEINRIC IP) und SPIRA CIVITAS CH ON l?f. SCAMARIA, Worms (Heinrich 11.).

Kirche

mit

6) England (Knut). - Dänemark (Svend Estridsen). Die hier gefundenen 2 Svends mit seinem Namen (SVEIN, in die Zeit nach 1047, wo er zur Regierung gelangte. 26) Schwarzow (bei Stettin).

setzen den Fund

[C a. 1050] Viele 1000 Stück. [Baltische Studien 1875, S. 58.1 a) Deutsche : Gottfried, Herzog von Lothringen, Flaxdern (Balduin IV.), Brüssel, Dinant, Namur, Lüttich, Andernach (Piligrim) , Duisburg (Konrad II., Heinrich III.), Köln (bis Konrad 11. und Hermann 11.) , Xanten (Hermann 11.)) Trier (Poppo) , Pfalzgraf Heinrich - Deventer (Heinrich II., B. Bernolf), Stavern (Bruno) , Thiel (Heinrich II., Konrad II.), Utrecht (Bernolf) - Otto und Adelheid, Bernhard, Bremen (Heinrich 11.) Corvei (Ruthard) , Dortmund (Heinrich II., Konrad 11.) Minden (Heinrich III.), Soest, Halberstadt (Arnolf) , Magdeburg, Naumburg (Eberhard) , Quedlinburg , äusserst zahlreiche Wenden - Mainz (bis Heinrich HL und Bardo) , Speier (Heinrich III.), Worms (Otto, B. Bruno), Erfurt - Augsburg (Heinrich 11.. B. Heinrich II.? 1017 -64)) Chur, Esslingen, Strassburg (Heinrich II., Konrad 11.) - Regensburg. b) Böhmen (Bracislaus 1.) - Pavia - Ungarn (Stephan, Andreas 1.) - Eugland (Ethelred, Knut, Harald, Harthaknut, Eduard der Bekenner). Dänemark (Magnus 4, Svend?)

27) Berlin 1.; so mag der Kürze halber

der erste der 3 in den Mitth. S. 147 beschriebenen Funde heissen, über deren Lokalität nichts bekannt ist. StiickZahl etwa 3500 (Gewicht 22 Mark). [C a. 10601 a) Deutsche : Metz (Theod. 11. l)j , S. Diey (Herzog Theod.) , Verdun, Huy (Otto 111.) Heinrich 11.)) Lü$ch, Maestricht , Namur (Heinrich II., Albert III.), Herzog Gozelo, Andernach (Herzog Dittrich, auch mit EIL CIV), Duisburg (Konrad II., Heinrich III.) - Köln (bis Konrad 11. und Hermann II.), Trier (Poppo). - Friesland (Konrad II.), Deventer (Heinrich II., Konrad II.), Groningen, Stavern (Bruno), Thiel (Konrad II.), IJtrecht (Bernolf). - Otto und Adelheid, Dortmund (Konrad II.), Soest, Stade, Halberstadt (Brantho, Buco), Wenden. - Mainz (Heinrich 11.2), Konrad II., Bardo), Speier (Heinrich 111.)) Würzburg (Otto III., Bruno). - Augsburg (Bruno,’ König Heinrich 11. 3)Y Bruno) , Basel, Strassburg (Heinrich 11.4)) Konrad II. - Regensburg’ (Herzog Heinrich IV. und V., König Heinrich 111.). a) Böhmen (Boleslaw, Bracislaus, Spitignew) - Ungarn, Stephan (Nachahmungen) - England (Ethelred, Knut, Harold, Harthaknut, Eduard der - Bekenner) - Dänemark (Harthaknut , Magnus) - Norwegen (Magnus & Harald 1046 - 47).
Nicht Nicht Oder Nicht Theodorich 1. Heinrich 111. Heinrich 111. Rf. IIeinrich 111.

1) 2) 3) 4)

viersäulige

Kirche.

54

Einleitung.

Von allen in diesem Funde vertretenen Regenten ist Spitignew (1055 - 61) zuletzt zur IIerrschnft gelangt, keiner aber ist später als Herzog Bernhard und König Eduard gestorben, beide 1066. Damit rechtfertigt sich obige Zeitangabe. 28) Ploiisk (Königreich [Ca. 1065] Etwa 2000 Stück. LBed. Bl. VI. S. 150.1 n) Deutsche: Metz, Marsal, Epinal (Thcod. II.), Verdun (Haimo, Rambert), Brüssel, Huy (Heinrich 11.) Konrad 11.)) Lüttich (Heinrich 11.)) Maestricht, Namur, Dinant (Albert III.), Herzog Gozelo, Andernach (Otto, Piligrim, Herzog Theodorich) , Duisburg (Konrad II., Heinrich III.), Köln (Karl, Ludwig - Nachahmungen - Ottonen, Heinrich II., Konrad II., Erzb. Piligrim, Hermann II.), Remagen, Xanten (Hermann 11.)) Trier (Otto, Erzb. Theodorich? Poppo) - Friesland (Konrad II.), Bruno III., Deventer, Thiel, Utrecht - Otto & Adelheid, Bernhard, Corvei (Ruthard), Dortmund, Halberstadt (Buco I.), Hildesheim (Otto III., IIeinrich 111. 1)) Bernward , Godhard), Magdeburg, Minden, Quedlinburg , Soest, WI GMAN COM, HIADMERVS , Wendenpfennige - Mainz (Heinrich 11. - III., Barde, Lupold), Speier (Konrad 11. mit Heinrich III., Heinrich 111. allein), Worms (Heinrich 111.)) Würzburg (Otto III., Bruno), Erfurt (Heinrich 111.1’ , Meissen (Ekhard) - Schwaben (Herzog Otto?), Augsburg (Heinrich Il., Luitolf, Bruno, Eberhard), Esslingen (Heinrich 11.)) Strassburg (Heinrich II., Konrad 11.) - Cham, Eichstadt, Nabburg, Regensburg (Herzog Arnulf, Heinrich 11. - V., König Heinrich III.), Salzburg (Herzog HeinPolen). rich V.) Unbestimmte
(WERTrI

und Pt%R).
VS

b) Böhmen (Ulrich, Bracislaus, Spitignew, Wratislaw) - England (Ethelred, Knut, Harald, Harthaknut, Eduard d. Bek.) - Irland (Sihtric) - Dänemark (Knut, Harthaknut, Magnus, Svend Estridsen) - Schweden (Knut) - Norwegen (Magnus) - Polen (Boleslaw 1.) - Italien (Pavia, Verena) - Ungarn (Stephan, Peter, Samuel, Andreas), Nicht die deutschen Münzen, unter denen die jiingsten die von Hermann 11. von Köln (1036-56), Ruthard von Corvei (1046 - 50), Buco von Halberstadt (1036 -59), Lupold von Mainz (2051- 59), Eberhard von Augsburg (1029-47)) Bruno v. Friesland (1038-57) und Albert v. Namur (1037-1105) sind, sondern die böhmischen mit Wratislaw, der erst 1061 zur Regierung gelangt ist, liefern das Datum des Fundes, der aber nicht lange danach verscharrt sein wird, da unter den zahlreichen englischen Münzen keine einzige von Wilhelm dem Eroberer vorgekommen ist.
29) Bröholt. 400 Stuck.
[1060701

[Holmboe, Bröholtfundet, s. Sallet, 111, 108.1 CL) Deutsche: der Kaiser Otto bis Heinrich 111. einschliesslich. Von Bernhard , vom Grafen Wichmann, Von den von Albert 111. von Namur. Bischöfen Theodorich 11. von Metz, Piligrim und Hermann 11. von Köln,
1) Unter Speior beschrieben.

VIII.

Die Münzfunde.

55

Bernolf von-Utrecht, Bardo von Mainz, Arnold von Worms, Bruno von Würzburg, Buco von Halberstadt und Waetmar von Constanz. 6) Dänemark (Hardeknut und Svend Estridsen), Norwegen (Harald Haarderaade), England (Ethelred, Knut, Harald, Hardeknut, Eduard d. ßek.) . Die sicher jüngsten von Harald Haarderaade (10~4S -66) und Svend Estridsen (1047-76). 30) Selsoe (Seeland). Etwa 1300 Stück. [Gegen 10701 [Ramus : beretning om en samling af gamle Mynter fundne i Jorelen i Sjaelland i Sommeren 1822. Copenhagen, 8”. , 1 Taf.] Diese kleine Schrift, ein Sonderabdruck aus dem XX. Bd. S. 151 flg. der Skandinavisk Litteratur - Selskabets - Skrifter , geht zwar auf die nordischen und englischen Münzen genau ein, fertigt aber die damals freilich noch wenig bekannten deutschen ziemlich kurz ab, so dass wir über dieselben bei Weitem nicht alles Wissenswerthe erfahren. Der Inhalt ist: u) Deutsche (etwa 351) Stück), der Kaiser Otto, der Heinriche und Konrads 11. (auch der Speiersehe von ihm und seinem Sohne) Herzog Bernhard und NERMAN Xj’. AHNTHON - Herzoglich bairische - Lothringen (Herzog Gottfried), Namur (Albert III.) , Köln (Piligrim, Hermann H., Anno) - Utrecht (Bernolf) - Halberstadt (Arnulf, ßrantho), Hildesheim (Bernward 1)) - Mainz (Bardo, Lupoldsj), Speier (Il. Konrad), Würzburg (ßrunoj. b) England (1 Ethelred, 4 Harald, 2 Eduard d. Bek. 3)) - Dänemark (etwa 850 Stück) von Knut (18 ganze und halbe), Harthaknut (3), Magnus und Svend Estridsen. Auch Thomsen, der doch genauere Kenntniss von diesem Funde hatte, setzte ihn (Köhne 111, S. 130) gegen oder vor 1070.+ 31) Simoitzel (bei Colberg in Pommern). Etwa 500 Stuck. [Ca. 10701 [Berl. Bl. 11. S. 150.1 u) Deutsche : Metz (Adalbero 111.) , Lüttich, Namur, Andernach (Piligrimj, Duisburg (Heinrich III.), Köln (Otto, Piligrim, Hermann II., Anno), Trier (Nachahmungen) - Sachsen, Otto & Adelheid, Herzog Otto d), Dortmund (Heinrich 11.) Konrad 11.) , Goslar (Heinrich 111. oder IV.) , Hildesheim (Konrad 11.5) , B. Azelin ?), Lüneburg, Magdeburg, Merseburg (B. Bruno), Stade (Heinrich 111.) - Friesland (Konrad 11.)) Bruno III., Deventer (Heinrich II., Bernolf) , Groningen, Utrecht (Wilhelm) - Mainz (Otto), Speier (Heinrich III., B. Konrad) , Wiirzburg (Otto III., Bruno) , Erfurt (Heinrich 111.) - Augsburg (Heinrich 11.) - Regensburg (Herzog Hein_ rich IV., V., Kaiser Heinrich 11.) König Heinrich 111.). b) Böhmen (Boleslaw, Bracislaus 1.) - England (Ethelred, Knut, Harthaknut: Ednard d. ßek.) - Dänemark (Magnus, Svend Estridsen) 1) 2) 3) 4) 5) So vermuthe ich, statt Bernhard. So wird statt Horimbold zu lesen sein. Die übrigen 15 sind dänische Geprsge. Nicht Otto von Lothringen. Nicht Speier.

56

Einleitung.

Ungarn (Stephan, Peter, Andreas, Bela I., Salomon, Magnus als Herzog). - Ausserdem einige arabische Dirhems älteren Datums, sowie ein Denar der jiingern Pau s t in a. Die ungarischen von Salomon und Magnus (Geisa) sind die jüngsten Miinzen dieses Fundes, jene nach 1063, diese nach 1064 geprägt. nicht Fundort. Ca. 1250 Sttick. [Etwa 10751 [Köhne N. F. S. 321.1 Flandern (Balduin IV.), Huy (Heinrich 11. t)), Namur, Dinant (Albert III.), Trier (Poppo) - Friesland (Bruno III., Egbert I., II.), Utrecht? (Heinrich IV.) - Sachsen (Herzog Otto und sein Bruder Hermann) , Corvei [Arnold, Saracho) - Fulda - Constanz? (Eberhard). Die Hauptmasse bildeten die Denare des Herzogs Oddo und des Heremon, demnächst die friesischen. Von ersteren waren an 1000 Exemplare, jedoch nur 5 bis 6 mit kenntlichen Namen. Diese Münzen hat man bisher mit Unrecht dem Niederlothringischen Otto beigelegt, der doch schon im Jahre 1004 starb. Für ihre richtige Zutheilung ist dieser Fund noch wichtiger als die nächstvorhergehenden und folgenden. Zu erwähnen ist noch eine der angeblich gemeinschaftlichen Regierung Heinrichs IV. und seines gleichnamigen Sohnes (1087 - 1105) zugeschriebene Mtinze, welche allerdings, wenn richtig bestimmt, das Datum dieses Fundes bedeutend herabrücken wurde, es liegen jedoch gegen diese historisch nicht zu rechtfertigende Bestimmung die erheblichsten Bedenken vor, und ausserdem deutet keine einzige der andern MUnzen auf eine so späte Zeit. Man seht diesen Denar unter den unbestimmten. 33) Sandoe (Faröer). 98 Stuck. [IO70 - 751 [Annaler for nord. Oldkyndighed, Copenh. 1868> Berl. Bl. IV, 338.1 a) Deutsche: 1 Celles (Heinrich 111.) , 1 Huy (Heinrich 11.) , 1 Andernach (Theodorich), 1 Duisburg (Konrad II.), 1 Remagen, 1 Deventer (Heinrich 11.)) 1 Dokkum (Bruno), 1 Thiel, 2 Utrecht (Bernolf), 1 Dortmund? (Konrad II.), 1 Goslar (Heinrich 111.3)) 3 Magdeburg: Speier (1 Konrad 11. und Heinrich III., 2 Heinrich 111.4))) 1 SPIRA.... (Kirche Rf. SCAMARIA Kreuz), 1 Würzburg, 1 Augsburg (Eberhard), 5 unbestimmbare nebst 25 Bruchstücken von solchen und von verwilderten, namentlich von Adelheids-Denaren. a) England (3 Ethelred, 9 Knut, 4 Harald, 8 Eduard d. Bek., 3 Irland) Dänemark (1 Harthaknut, 3 unbestimmte), Norwegen (1 Magnus, 1 Magnus & Harald, 2 Harald, 4 Magnus Haraldssön, 10 unbestimmte) - Ungarn (Stephan). , 1) Man wird mir nicht vorwarfen kiinnen, dass ich von allen russischen Funden nur diesen allein crwühne, da doch Köhne (Mem. St. Pt%. 111, 3CXi) deren so viele auf%hlt, denn seine Angaben sind nnr summarische und für nnsercn Zweck um so weniger zn verwerthen, als seine Zutheilnngen an die verschiedenen Ottonen und Heinriche vielfach der Berichtigung bedürfen, aber Mangels genauer Angabe bei diesen Fundnachrichten nicht geprüft werden können, so dass falsche Resultate unausbleiblich sein würden. - Aus gleichem Grunde sind auch Hildebrands Nachrichten über die zahlreichen schwedischen Funde für nns unbrauchbar. 2) Nicht Bischof Balderich von Liittich (lOOS- 10181. 3) Heinrich 11. kann fiiglich nicht in Frage kommen. 4) 1 davon gehört aber nach Hildesheim.

32) Moskau ‘j, Verkaufs-

VIII.

Die Miinzfunde.

57

Für die Zeitbestimmung dieses zwar kleinen, aber äusserst mannigfaltigen Fundes ist entscheidend das Vorhandensein der Miinzen des Ma.gnus Haraldssön (1066 -- 69) und das Fehlen solcher der englischen Könige Harald 11. und Wilhelm I., sowie Knuts des Heiligen von Dänemark. Man wird also seine Vergrabung bald nach 1070 annehmen dürfen, da sonst die gcdachtcn Münzen der nächsten Nachbaren sich nicht würden vermissen lassen. jlOSO- 901 [Berl. Bl. VI, 8. 271.1, a) Deutsche : Metz (anonym), Dinnnt, Namur (Albert), Andernach (Piligrim) , Köln (Otto, Heinrich, Konrad II., anonymer Denar vom Goslarischen Typus, Hermann 11. , Anno, Siegwirr) , Duisburg (Konrad 11.) Heinrich 111.) Remagen (Trier), (S. Eucharius, Egilbert) - Friesland (Bruno 111.) Egbert 11.) , Deventer (Heinrich 11.) Konrad 11. , Bernolf) Groningen Otto & Adelheid, Goslar (Heinrich IV.), IIildesheim (Heinrich 111.; Godhard) , Magdeburg, Minden , Mtinster (MIM 1GARDEFORD) Graf Wichmann - Mainz (Konrad II., Heinrich 111. 1) , IV, Bardo, Lupold), Speier ‘Otto III., Konrad 11. & Heinrich III., Heinrich 111. allein), Worms (Heinrich III.), Würzburg (Bruno, anonym) , Erfurt (Aribo T Heinrich 111.) Augsburg (Sta Maria) , Esslingen , Strassburg (Heinrich II.), Basel / Regensburg (K. Heinrich 111.). 6) England (Ethelred, Knut, Harthaknut, Eduard d. Bek.) , Dänemark Ungarn (Stephan), - 2 Bruchstucke von Samaniden. Die beiden jüngsten Münzen sind die von Egilbert von Trier (1078- 11Cll) und von Siegwin von Köln (1079 - 89). Besonders bemerkenswerth ist das Auftreten der Mimigardeford-Denare. 35) Berlin II (auch ,hier der Fundort unbekannt). [Nach 1090] Gewicht: einige Pfund Silber [Mitth. S. 22 I .] n) Deutsche : Verdun (Nachahmung), Bouillon (Gotfried), Flandern (Balduin IV.], Huy, Maestricht (Konrad 11. und anonym) , Namur, Stablo, Andernach (Otto, Herzog Theodorich), Duisburg (Konrad 11.) Heinrich III.), Köln (Otto, Heinrich 11.) Konrad 11. i anonym vom Goslarischen Typus, Piligrim, Hermann II., Anno, Hermann III.), Trier (S. Eucharius, Poppo), - Deventer , Thiel (Heinrich 11.2) , Konrad 11.) , Groningen - Otto & Adelheid, Herzog Bernhard, Corvei (Arnold 4, Rudhard) , Dortmund (Heinrich II., Konrad 11.)) Goslar (Heinrich IV., Kg. Hermann, AH RTV I CH E) , Halberstadt (Brantho oder Buco) , Hildesheim (Heinrich III. Es),Bernward, Godhard, anonym), Magdeburg, Quedlinburg (Otto), Soest - Mainz (Otto bis Heinrich III., Bardo, Lupold, Wezilo) , Speier (Konrad 11. & Heinrich, Heinrich III., anonym) , (Worms Heinrich II., Heinrich III., B. Arnold) Würzburg (IIeinrich II., anonym, Bruno ), Erfurt (Heinrich 111.4)) - Brei1) 2) 3) 4) Diese Nicht Unter Nicht und andere irrige Zutheilung Heinrich 111. Speier beschrieben. Eeinrich iV. habe ich, ohne besondere ErwLhnung, berichtigt.

34) Piep (Esthland)

22ll Stück.

58

Einleitung.

sach (Otto) , Esalingen (Heinrich II.), Strassburg (Heinrich 11. , Konrad II.), - Regensburg (K. Heinrich II., K. Heinrich III.), Salzburg (Herzog Heinrich IV.). 6) England (Knut, Harthaknutj , Danemark (Svend Estridsen oder Nachfolger), Polen (Mesico 1.)) Ungarn (Andreas 1.). Die jtingsten Münzen sind unter den deutschen und zwar von Hermann von Köln (1089-1099) und Wezilo von Mainz [1085-88), denen zunächst die Goslarischen stehen. Die Hauptmasse ist bedeutend älter. Nachdem wir diese Funde, welche im Auslande i) gemacht sind, und ausser deutschen auch fremde Münzen enthalten, besprochen haben, müssen wir noch einen Blick auf die

inländischen Funde

werfen, welche sich von den ausländischen wesentlich dadurch unterscheiden, dass sie nur deutsche Miinzen, und zwar auch diese nur in sehr enger territorialer Beschränkung, d. h. nur Miinzen der nächsten Nachbarschaft liefern ; wir könnten sic auch Lokalfunde nennen. Von diesen sind leider wenige, und namentlich nur sehr wenige in zureichender Beschreibung bekannt geworden. Es sind dies die folgenden Funde: 36) von Chur, Münzen von Kaiser Otto, und den Alemannischen Herzögen Burkhard II., Otto, Konrad [s. Pfaffenhoffen Herzöge von Alem. S. 19.1. 37) Metz. Saulcy [m. des ev. de Metz Suppl. S. 101 erwähnt einen Fund (von 1834), der einige Denare des MetLer Bischofs Theodorich 1. (964-981) geliefert; nach Lelewel (TH. S. 200) war auch Karl Herzog von Lothringen (977- 991j vertreten.
38) Sawlburg (Nicderbayern).

Es sollen hier 3000 Stück gefunden sein, von dcncn die geretteten 900 Stuck von Sedlmair (Beschreibung des Mtinzfundes bei Saulburg) gut beschrieben und abgebildet, aber thcilweis sehr unrichig klassifizirt und erklärt worden sind. Reinigt man seine Arbeit von den ihr anhaftenden Irrthümern, so besteht der ganze Fund nur aus Münzen: die in Baiern selbst und dem an der Grenze liegenden Augsburg, und zwar in den Jahren !190-1030 2) geschlagen sind. Es sind im Einzelnen folgende : Herzog Heinrich IV. (995-1002) : Neuburg, Regensburg. Derselbe als König: Cham, Nahburg? Neuburg (NIVVAN CIVITAS), Regensburg (1.) Kreuz El$ Kirchengiebel, 2., Kopf Iif. Kreuz, beide Arten etwa zwei Drittel der ganzen Masse). Herzog Heinrich V., Mosellanus, Regensburg. K. Konrad 11. und sein Sohn Heinrich VI. (III.) d. Schwarze 1028 -39, Regensburg.

1) Unter Ausland ist hier natürlich auch Schlesien (Kawallen). Mecklenburg (Schwaan! und Pommern (Rummelsburg, Schwarzow, Simoitzel) zu verstehen, denn alle diese Provinzen waren damals von Slawen bewohnt. 2) Auch Lusthin (Hubers Num. Z. 1, S. 373) nimmt 1030 als Jahr der Vergrabung an.

VIII.

Die Münzfunde.

59

S alz,b u rg , König Heinrich 11.) Herzog Heinrich V., Erzb. Hartwich. Augsburg, Heinrich Il., Konrad 11. und die Bischöfe Luitolf (987-9961, Siegfried (1000 - 06)) Bruno (1006- 29) I Eberhard (1029 - 47) , von Letzterem nur 4 Stück. Der Grundirrthum Sedlmairs besteht darin, dass er die Hartwichs-Denare nach Bamberg statt nach Salzburg, also in die Jahre 1047-53 statt 991-1023 verlegt, was ihn dann ferner veranlasst hat, die Kopfdenare an Heinrich 111. statt an Heinrich 11. ZLI geben. Irrthiimlich sind ausserdem die Zutheilungen an die Münzstätten Neuffen und Tetnang in Wiirtemberg, und gar an die italienisshen Stgdte Aci reale, Canossa und Civita vecchia; das angebliche Neuffen ist, wie bemerkt, Neuburg, die iibrigen sind in Regensburg geprägt, wie am gehörigen Orte des Näheren dargethan werden wird. Hier wurden 50, grösstentheils durch Oxyd sehr zerstörte Denare von Brüssel und Nivelles, sowie 1 nicht zu bestimmender mit PHS gefunden 1s. Rev. Belge 1850, 8. 76.1. 40) In der Umgegend von Meissen sind Wendenrnünzen, unter denen Eberhard von Naumburg (1046 - 78)) zusammen mit Bracislaus 1. von ßöhmcn (1037 - 55)) Andreas 1. (3.046 - 60) und ßela 1. (1060 - 63) von Ungarn ausgegraben. /Tosern 8. Mz. i. M. 4. S. 259.1 Das Land war Grenzland, vielleicht der Fundort der deutschen Herrschaft noch nicht unterworfen, daher dieser Fund nicht streng lokaler Art.
41) Schrien (bei ßeuthen 39) Betekorn (bei Mcchcln) .

a/O.). Wendenpfennige in vielen hundert Exemplaren, nämlich: 1) mit Kopf, wahrscheinlich in Breslau geprägt (Nachahmungen von Taf. IX, 36n Mitth.). 2) mit einem durch 4 Kugeln und einen Bischofsstab gebildeten Kreuze (Stronczynski typ 13) , 3) mit einem von 8 Kugeln kantonirten Kreuze, 4) ähnlioh , aber ein Dreieck in jedem Winkel (Stroncz. typ. 12 m). Ausserdein aber, in 4 Exemplaren, der Denar ßoleslaws 11. (1058-80) mit dem Reiter Xf. B IEZLAVS (Stroncz. typ. 13). Letzteres Datum ist wichtig, um die Prage- mindestens die Umlaufszeit der ged. WendenPfennige festzusetzen. [Um 108OJ [Rev. ßelge 1856, S. 398.1 Lüttich: Waso (1042-481, Dietwin (1048-75) und Heinrich 1. (1075-91), an& aus Cincy, Huy, Maestricht - Viset - Namur, Dinant (Albert 111.) Celles (Heinrich Hl., Abtei) -- St. Trond - LBau - Münsterbilseu Stab10 - Malmedy? - Aachen 1) - Gotfried von Bouillon (1076 -99j.

42) Maestricht 1. Etwa 300 Stück.

43) Nieder-Eichstaedt (zwischen Merseburg,

Naumburg und Halle). Dünne, grosse Denare (Halbbrakteaten) von Merseburg, Naumburg und Magdeburg, deren Prägung um 1300 zu setzen (s. Num. Zeitg. 1857, S. 137). nämlich 181 Wendenpfennige, und Uber 800 s%mmtlich schriftlos, doch wohl gr&stentheils
gegebene Münze Taf. XXII, 48 gehOrt Adalbero 11.

44) Havelberg.

Gegen 1000 Stück, Denare und Halbbrakteaten,

1) Die a. R. 0. nach Curnelimünster von Metz.

60

Einleitung.

Magdeburger
S. 274.1

aus dem Ende des XI.

Jahrhunderts.

[Bl. f. Miinzkd.

11,

45) Dessau. Dünne Denare und Halbbrakteaten von Heinrich 1. (1102-07) und Adelgod von Magdeburg (1107 - 19) und anonyme Quedliuburger, dagegen (unter den etwa 150 Stück) kein nachweisbarer Halberstädter [Mittheil. S. 1051.
46) Santersleben (bei Magdeburg).

Mit unrichtigem Fundorte und vielen irrigen (Cappeschen) Bestimmungen in der Num. Zeitg. 1843, S. 17 (1845, S. 130) beschrieben. Inhalt: Goslarische von Heinrich IV. und V., Halberstädter von Reinhard (1 IO6 - 23) und Quedlinburger von einer geschichtlich nicht bekannten Aebtissin Agnes 1. Ausserdem unbestimmte Magdeburger t?Gtitz 325, .326, 516). Also um 1110 vergraben. ’ Dieser Fund vom Jahre 1832, beschrieben von Saulcy (note sur quelq. monn. du moycn-&ge in den mem. de Ia sec. des antiq. de Ia Normandie) enthielt: Metz (Hermann 1073 - 90, und anonyme). Verdun (Thcodorich 1046 - 89, Toul (Hbo 1069-1107). Ton1 (Graf Peter). Richer 1089-1207).
48) Marsal (Lothringen).. 47) Tronville (bei Metz).

Metz

SALVS

(Adalbero IV. : 1103 - 15). Saarburg, R I MVLI G I S. Verdun ilticher, MVNDI). [S. m8m. de Ia sec. arch. Lorraine 1867.1

49) Dieulouard (Lothringen).

[S. m8m. de la sec. arch. Lorr. 3862 und Rev. num. franc. 1863.1 Trier (Bruno 1102 - 24) , Metz (Adalbero IV., Stephan 1120 - 63j. Toul (Heinrich 1127 - 64). Verdun (Heinrich 1116 - 29, Albero 1131 - 56, hauptsgchlich aber Nachmünzen von König Heinrich I.), Herzog Simon von Lothringen (1115 - 38). Dieser Fund entscheidet unwiderruflich über Adalbero IV. von Metz.
83 Stiick.

50) Maestricht II.

[Gegen

1130]

[Rev. Belge 1853, S. 129.1 Liittich (Adalbero 1.) 1121-28~ Alexander I., 1128-34, Adalbero II., Maestricht (Heinrich V. als König). 1134 - 45, Probst Andreas von Cuyk) . Namur (Gotfried 3 IO5 - 39). Limburg (Walram 11. ?). St. Trond (B. Stephan von Metz 1120 - 63). Aachen.

IX. Literatur.
Das älteste Buch, das hier genannt zu werden verdient , ist Jo a c h i ms Groschen-Kabinet. Es stellt ein für jene Zeit nicht unbeträchtliches Kontingent, und zwar in den Münzreihen der Kaiser, der Erzbischöfe von Köln, Trier und Mainz, sowie der Herzöge von Baiern, im Ganzen 50 an der Zahl, die Abbildungen getreu und zuverlässig, und so ähnlich, als die damaligen Kupferstecher sie herzustellen

IX.

Literatur.

61

vermochten, der Text verständig und behutsam. In der Folgezeit bis zu Mader hat (W i d m e r, W ü r d Niemand annähernd Erhebliches geleistet, einige Monographien wein) sowie See1 aende rs zehn Schriften vom teutschen Münzwesen der mittleren Zeit ,haben das Bekannte wiederholt und gelegentlich ergänzt. Erst mit Mader 1) schlägt die Forschung neue Bahnen ein ; nicht ohne Grund hat er seiner Arbeit den Titel »kritische Beiträge<< beigelegt, er unterwirft den alten, wie den durch ihn herbeigeschafften neuen Stoff einer wahrhaft eingehenden kritischen Priifung, welche niemals irgend eine Seite seines Vorwurfs unerörtert lässt, und würde Vollkommenes auch auf diesem unsrem Gebiete geschaffen haben, hätte ihm einearössere Fülle von Münzen und Einsicht in die Funde zu Gebote gestanden. Wohl der mächtigen Anregung, welche der deutschen von seinen Arbeiten ausging, verdanken wir die Zusammenstellung Kaisermünzen, welche Götz bald darauf unternommen. Ist auch der Gedanke dieses Werkes zu verwerfen, da die gleichzeitigen Münzen sich nicht nach Art der Thalerund Dukaten-Kabinette nach der Würde der Munzherren ordnen und in verschiedene Reihen auflösen lassen, und war ferner auch Götzens, eines schlichten Blirgers (wie er sich selbst nannte) literarische Befähigung nur eine geringe, lässt endlieh auch die Anordnung der Münzen aus den schon früher beregten Grunden viel zu wünschen übrig, so entbehrt doch dies Buch wegen seiner höchst! getreuen, wenn auch in technischer Beziehung etwas rohen Abbildungen keineswegs der Brauchbarkeit, und sein Verfasser verdient dafür und wegen seiner aus jeder Zeile hervorleuchtenden Bescheidenheit mehr Lob, als ihm gewöhnlich gezollt wird. Wenig später erschienen die Sammlungen unedirter Mittelaltermünzen von Be ck er (260 seltene Münzen des Mittelalters) und Erbst ein’s numismat. Bruchstücke, welche einige für uns wichtige Stücke enthalten. Im IJebrigen a.ber scheint nach Herstellung des Weltfriedens auch die Numismatik etwas gefeiert zu haben, bis Lel cw el in der Mitte der 36er Jahre mit seiner »numismatique du moyen-gge, einer doctrina numorum medii aevi« hervortrat. Leider konnte dieser Versuch, wenigstens was unser Vaterland und speciell die vor-Hohenstaufische Zeit betrifft, nur fehlschlagen, weil der ihm zugängliche Stoff doch gar zu dürftig war, und der Verfasser sogar vielfach der nöthigsten literarischen Hülfsmittel entbehren musste. Ausserdem ist aber auch Lelewel noeh zu sehr von der Sucht behaftet, Alles erklären zu wollen, und deutet die sinnlosen Inschriften der Nachmünzen in der gesuchtesten und künstlichsten Weise, und sieht ferner liberal1 zu viel Absichtlichkeit, wittert überall staatlichen Einfluss und diplomatische Rucksichten, wo nur Naivität des Stempelsehneiders im Spiele ist. Eine nicht zu unterschätzende Wichtigkeit besitzt aber sein Buch, auch abgesehen von den gelungeneren Theilen, jedenfalls insofern, als es den Eifer fur Erforschung der Mittelaltermünzen neu angefacht hat. Zeuge dessen sind die numismatischen Zeitschriften, welehe zuerst in unserem Vaterlande, dann in Frankreich, England und Belgien entstanden. Dem Vorgange L ei tz manns , der die erste jmumismatische Zeitung« ins Leben rief, folgten bald Grot e mit den Blättern fUr Mtinzkunde, Kö h ne mit seiner Zeitschrift für Munz-, Siegel- und Wappenkunde. Dass alle drei Unternehmungen sich erhalten konnten, beweist für das vorhandene Bedürfniss und für das Interesse, das man an der mittelalterliehen Münzkunde nahm,
1)

S. seine Lebensbeuchreibung Berl. Bl. V, S.

1.

62

Einloitnng.

.

der sie hauptsächlich dienten und der ihre Herausgeber zugewandt waren. Ausser diesen waren v. Pose rn in Leipzig und T hom sen in Kopenhagen die Seele der numismatischen Bcstrebungcn jener Zeit, denen sich bald auch J. Friedlaender anschloss. Thomsen namentlich muss als der Erste genannt werden, welcher für die Kenntniss des Theiles der Mtinzkunde, mit dem wir es zu thun haben, segensreich gewirkt hat : wenn er auch bei der grossen Ausbreitung der ihm obliegenden Berufsarbeiten nur selten als Schriftsteller eingreifen konnte, so hat er doch wiederholt seiner lJeberzeugung von der Bedeutung der Münzkunde ftir die richtige Erkenntniss der Mdnzen unseres Zeitalters Ausdruck gegeben, hat ferner eine richtigere Würdigung der Nachmünzen angebahnt, deren Lelewel noch nicht hatte Herr werden können, und hat diese seine Grundsätze in einigen trefflichen Aufsätzen und Fundbeschreibungen in den genannten Zeitschriften von Grote und Köhne, sowie in deren Fortsetzungen den Münzstudien und den Berliner Blättern für Münz- etc. Kunde näher entwickelt 1). Wichtig ftir unsere Zwecke sind aber ferner verschiedene Monographien, so S aul c y’s : Recherchcs sur les monnaies des eveques de Metz, Ro bert’s Arbeiten über die Münzen des Bisthums Toul und über das nordöstliche Frankreich, Be ysc h 1 a g ‘s Augsburgische Münzgeschichte, Bo hl’s Triersehe Münzen, sowie Berstet t’s Beschreibung der Strassburgischen und der Badischen Münzen, Pose rn’s freilich hauptsächlich den Brakteaten gewidmetes, leider unvollendet gebliebenes Werk über die sächsischen Münzen, M eye r’s Arbeiten tiber die Munzen von Zurich und die Schweizer Brakteaten, 8 tre ber’s Abhandlung über die ältesten Salzburger Gepräge, besonders aber P f a f f e n h o ff e n’s in jener Hinsicht musterhafte Abhandlung über die Münzen der Herzoge von Alemannien. Reicher Stoff findet sich aber ausserdem aufgezeichnet in den genannten Zeitschriften, in der die Lücke zwischen der Köhne’schen Zeitschrift und den Berliner Blattern füllenden neueren Folge der Köhne’schen Zeitschrift und den memoires de la so&% d’arch&logie etc. de St.Petersbourg, den Mittheilungen der numismatisehen Gesellschaft zu Berlin und der Revue de la numismatique Be 1g e, sowie der annales de la soci&5 etc. des Vosges (Bd. XIII) , in denen hauptsächlich, wenn auch nicht ausschliesslich Münzfunde beschrieben sind, von Holmboe, dem Ersten, der mit dem wichtigen Funde von Egersund diese Bahn betreten, von Friedländer, Köhne, Lisch, Cappe, Iversen, von mir; von de Costcr, Laurent, Monnier und de der uns zuerst in Deutschland mit gutem Beispiel voranRozieres. Friedländer, gegangen, hat auch einige Funde (von Obrzycko, Farve, Kawallen und Althöfchen), Se dlmai r den sehr lehrreichen Fund von Saulburg in selbstständigen Broschüren bearbeitet, Herbst mehre in der antiquarisk Tidsskrift und den annaler for nordisk Oldkyndighed erscheinen lassen. Köhne endlich hat über die in Russland gefundenen abendländischen Münzen des X., XI. und XII. Jahrh. {in den M&m. St. Pkt. 111, IV und einem Separatabdruck) geschrieben, nicht ‘weil die in Russland gefundenen Mtinzen vor den im nichtrussischen Polen, in Pommern und Skandinavien ausgegrabenen etwas voraus hätten, sondern weil ihm als Vorsteher der kaiserlichen
1) Ein Lebensbild dieses trefflichen Mannes, den die d%nischen StDnde durch Aufstellung seiner Mamorbiiste im Mnseum zn Copcnhagen geehrt, hat uns Kiihne in tlcn ßerl. BI. 111, S. 27 gezeichnet.

IX.

Literatur.

63

Mllnzsammlung zu Petersburg der Inhalt gerade dieser Funde zu Gebote stand. Seine Arbeit würde noch niitelicher sein, wenn er die Funde, deren Inhalt er zu unserer Kenntniss bringt, unvermischt, so wie sie gemacht und eingeliefert worden, vorgefunden hätte, wghrend sie jetzt nur wegen der grossen Zahl der in ihr beschriebenen und grösstentheils abgebildeten neuen Gepräge interessirt , und freilich auch in dieser Gestalt noch sehr dankenswerth bleibt. Nachdem zwar nicht alle diese, aber doch die meisten dieser Arbeiten erschienen, trat C app e mit seinen quantitativ, aber durchaus nicht qualitativ bedeutenden Werken hervor, zunächst als Nachfolger von Bötz mit seinen 3 Bänden deutscher Kaisermtinzen, dann mit der Monogrsphie über die Münzen der bairischen Herzöge, der der westfälischen Stifter, der von Mainz, von Quedlinburg, Hildesheim und Goslar. Zu tadeln ist an ihm so ziemlich Alles ; sieht man auch ab ‘von dem Mangel an Uebersichtlichkeit, von den allzuhäufigen Abweichungen des Textes von den Ab, bildungen, der fast durchweg verfehlten Klassifikation, dem beinah durchgängigen Mangel einer Begrlindung seiner oft SO anspruchsvoll vorgetragenen Meinung, den meist so anmassend absprechenden Urtheilen über Miänner wie Schönemann und selbst Mader, endlich von der überall bewiesenen Kritiklosi keit, so bleibt, doch als der schlimmste Vorwurf der bestehen, dass er in unzähli il en Fällen den Kupferstecher veranlasst hat, die Mtinzcn abzubilden, nicht wie sie waren, sondern so unrichtig, wie er glaubte, dass sie sein mlissten, dass er Umschriften ganz willkührlich ergänzt, die Figuren falsch aufgefasst, und diese seine unrichtigen Hypothesen nicht als Hypothesen vorgetragen, sondern als Wahrheit gegeben, als Wahrheit durch den Zeichner hat darstellen lassen, kurz, dass er die Miinzen, wenn auch ohne böse Ab: sieht gefälscht, also ebenso nachtheilig gewirkt hat, wie seiner Zeit der von Eckhel unschädlich gemachte Hub. Goltz. Wem diese Beschuldigungen übertrieben und allzuhart dünken, der müge nicht nur die noch bei Ca,ppe’s Lebzcitcn allzu schonend geschriebencn, wenn auch die Fehler noch so glimpflich andeutenden Kritiken von Leitzmann, Köhne und Thomsen lesen, sondern auch brote’s Aufsatz liber Cappe und seine literarische Wirksamkeit (Münzstud. Bd. V, S. 36) und die Kritik seiner Mainzer Münzgeschichte, welche Hclbig in der Rev. Belge 1857, S. 132, geliefert hat. Das de mortuis nil nisi bene darf bei aller schuldigen Rücksicht fiir die Persönlichkeit des Verfassers doch nicht bis zum Verschweigen oder Vertuschen aller dieser Mängel gehen, denn seine Schriften, die auf den Index gehören, sind geradezu Gift, nur in der Hand des Sachkundigen können sie Gutes stiften, und daher kann nicht genug vor ihnen gewarnt werden 1). Leider sind nicht blos seine unrichtigen Ansichten, sondern ) was schlimmer ist, auch seine unrichtig dargestellten namentlich M till er s deutsche Münzgeschichte Münzen, in verschiedene Schriften, und v. d. Chijs übcrgcgangen. Desto erfreulicher ist die neueste Leistung auf diesem Gebiete : Grotes bairische Münzgeschichte (Münzstud. VIII), Befinde ich mich auch mit einigen seiner Thesen in entschiedenem Widerspruche, wie aus dem Abschnitte über die Nachmünzen tiber
1) Gef’iihrlicher als der 1. Lkxnd des K. M., dessen nnheholfener Styl an manchen nicht iiberarbeiteten Stellen die mangelnde schriftstcllcrische Befiihignng des Verfs,ssers dentlich gering vcrräth und auch dan Laien wawt, sind dis spiiteren Arbeiten, welche dicscn Mangel in Folge fremder Beihülfe wrsteckeu.

64

Einleitung.

-

IX. Literatur.

die Baiern hervorgeht, so habe ich dieser Abhandlun, (p doch im Uebrigen das hgchste Loh zu spenden, und dasselbe nicht besser aussprechen können, als dadurch, dass ich mir ganze Stellen daraus angeeignet habe. Grote hat in dieser Monographie die wichtigsten Fragen, über das Münzrecht, die Nachmünzen 11. s. w. behandelt und entschieden. Noch zu erwähnen sind die 9 Bände 40. umfassenden Untersuchungen über die niederlandischen Münzen von v. d. C hij s, von denen die Bücher über die Kaisermünzen und die von Brabant, Friesland und Utrecht auch unser Thema berühren, eine fleissige Arbeit, welche jedoch hauptsächlich nur Cappe’s Meinungen und Aufsätze der Rev. Belge wiedergiebt, und an Kritikmangel zu sehr leidet. Dass man auch die Münzkataloge nicht ganz unberücksichtigt lassen darf, deren Benutzung freilich meistens viel Vorsicht verlangt, ist selbstversti~ndlich ; zu den wichtigsten und am besten verfassten gehüren der Reich elsche (1V. Bd.) und der kürzlich erschienene Thomsensche.

1. Lothringen.
Das Herzogthum Lothnringicn (Lothringen) umfasste ausgedehnte Landstrecken, nicht blos die Provinz, welcher der Name bis heute geblieben ist, sondern auch das heutige Belgien, da,s südliche Holland und Rheinland. Als erste Herziige treten uus zur Zeit Karls des Einfältigen Reginhar Langhals (mk915) und sein Sohn Giselbert (+ 939) entgegen. Otto’s des Grossen Bruder, Erzbischof Bruno von Köln verwaltete das Herzogsamt mit ausgedehnten Befugnissen und dem ganz ausnahmsweiscn Titel eines archidux, nach seinem Tode (965) wurde eine ‘I’heilung vorgenommeu, und Oberlothringen, welches die Sprenge1 von Metz, Toul, Verdun nebst Luxemburg bcgriff, von Niederlothringen getrennt, welches die Niederlande uud Rheinland umfasste. Numismatjsch müssen wir aber die Theile etwas anders legen, und dem heutigen Lothringen, welches wenigstens den grössten Theil des alten Oberlothringen enthält, einerseits die Niederlande, andrerseits die Rhcinlandc gegenüberstellen, ähnlieh wie Grote (Münzstud. VII, S. 301) vorgeschlagen hat. In dieser Reihenfolge wcrdcn wir die Münzen Lothringens behandeln. In Oberlothringen begegnen wir zunächst einem Herzage Friedrich (959-9841, dem sein Sohn Dietrich, anfänglich unter Vormundschaft seiner Mutter Beatrix, Tochter Hugos Herzogs von Francien, folgte. Nach seinem Tode (1026) gelangte das Herzogthum an seinen Sohn Friedrich 11. Dessen Nachfolger wurde (1033) Gothelo (Gozelo) 1. von Niederlothringen. Als dieser 1044 gestorben, gab Heinrich 111. das Herzogthum nicht an dessen Sohn Gottfried II., sondern an Albert, Grafen vom Elsass. Gottfried aber verzichtete keineswegs auf seine Anspruche, hehauptetc sich einige Jahre, und rächte sich fiir seine Uehergehung durch Ermordung seines Nebenbuhlers (1048), worauf der Kaiser Gerhard von Elsass als ersten erblichen Herzog von Lothringen einsetzte. Dieser regierte bis 1070, und hinterliess die Herrschaft seinem Sohne Dietrich (- 1115)) der als treuer ,Anhänger des ungliicklichen Heinrich IV. und in zahllosen Fehden mit den lothringischen Grossen, namentlich den Bischöfen Hermann und Poppo von Metz sich den Beinamen des Tapfen1 erwarb. Mit Gertrud von Flandern, der er in romantischer Liebe zugethan war, erzeugte er seinen Nachfolger Simon 1. (1115 - 41). Nicht zahlreich und noch weniger häufi g sind die Münzen der Herzöge von Lothringen. Die von Niederlothringen sollen später betrachtet werden. Hier haben wir es nur zu thun mit
D snnenbe rg, Deutschlands LiltkWd 1UUnzen. 5

66

Herzüge von Ober - Lothringen

A. Ober-Lothringen,
dessen Herzöge Dietrich J., Gerhard und Rimon uns Münzen hinterlassen haben, und zwar aus den Prägstätten Andernach, St. Diey, Epinal, Köln(?), Nancy, Remiremont , und einem unbekannten Ort,e Eil. Dieser sowohl als Andernach und Kiiln gahiiren dem Kh&nlande an, werden also unter den Mtinzen dieser dritten Abtheilung Lotiringens in Betracht zu ziehen sein; hier haben wir nur die übrigen Prägstätten zu betrachten. 1. (984~-1026 1)). im Felde 2 zwischen Punkten. Rf. D3jOD)ATV~ (riicklänfigj , im Felde %hnliche Vorstellung. Köhne 111, Taf. V, 11. Mittheil. S. 174. Ta,f. 1,2. 2) DEODERIC. ., im Felde S zwischenPunkten. RJ. SCS DEODA, Krenn mit einem Punkte in jedem Winkel. Lelewel XIX, 22. Saulcy Taf. 1, 4. Lelewel und Saulcy kennen nur letzteren Denar, von dem dieser noch ein zweites mangelhaftes Excmp1a.r mit . . A . . .<v &/: VD3. . . . beibringt. Beide schreiben ihn dem jllngeren Dietrich (1070--- 3 115) zu. Dass dies aber unzulxssig, lehren die Funde, denn Nr. 1 kam in dem Boeskilder 2) und dem ersten Berliner Funde vor, von denen dieser vor 1000, jener sogar vor 1042 vergraben ist, und beide Münzen sind so stglglcich, dass man sie unmiiglich die eine dem ersten, die andere dem zweiten Dietrich zutheilen, also um mindestens ein halbes Jahrhundert von einander trennen kann. Taf. 1, 1.
1) DEOQERICO,

Dietrich

Gerhard Taf. 1,s.

(1948--1070).

Brustbild linkshin. Rf. + GERARDVS (riicklaufig) Kirche. Saulcy, Ta.f. 1, 3. Gerhard erhielt nach Dom Calmet “) vom Pabste Leo IX., seinem Vetter, die Voigtei der Abtei St. Diey und Theile ihres Gebietes übertragen, dennoch ha,t er Sa.ulcg’s Meinung, diese Miinze dem Bischofe Gerhard von Toul (963 - 994) beigelegt. der in Gerhard den Herzog sieht, scheint indessen, soweit sich ohne Ansicht eines Originals nach der blassen schlechten Abbildung urthcilen l&sst , vorzuziehen, doch auch sein Zweifel an der Bichtigkeit der Lesung GERARDVS noch erlaubt.
3} t S DEODATVS

Taf. 1, 4.

4) DVX GERARDVS Kreuz mit einem Punkte in ,jedem Saulcy, Taf. 1, 1. Bf. t (SC)2 PETRVS Gcbaude. 4~) Ebenso, aber ohne DVX. Saulcy, Taf. 1, 2.
Stammtafeln
(4Y, 49,

Winkel.

1) Ich habt die Qrotesohen

621 zn Grunde gelegt,

von denen Köhnes

Angaben (III, S. 1:~;) mannichfach und bedeutend abweichen.
2) Kiihne 111, S. 132. :$) Er sagt: ,)On sait , que Gerard ct Thierry son fils , choisis et demandes par Ie chnpitre pour nvou6s et dbfensenrs dc St. Diez affranchirent cette dglixe de In pnissanco temporelle, de teile dc Toul. Ces princes partagkrent tout Ie tcrritoire de St. Diez en deux Parts, dont l’une Porte le nom de Bnn-du-Doc, et l’autre de Ban-de St. Diez. L’bglise de Toul en fut absolument exclue et n’y cxcrpa plus aucun droit de IZGgnIe, du moins depuis ce temps on ne voit plus aucun exereise de sa parkt (Dom Calmet: notice de Lorraine, art,. 9. Dim.).«

Dietrich

I.,

Gerhard,

Dietrich

II.,

Simon 1.

Taf. 1, 5. 5) Aehnlicher Obol mit t GERAR . . . Kreuz mit einem Punkte im ersten und dritten Winkel. Rf. t * PETRV2 dmliches Geb#ude. Rev. frang. 3848 Taf. XIV, 2. Nr. 4 i jene kostbare Münze’, deren einziges bekanntes Exemplar Marchand dem Kaiser von Oestreich zum Geschenk gemacht, widerlegt D. Calmct, der Nr. 4n dem Bischofe von Ton1 zueignet. Die Herzöge von Lothringen waren seit Gerhard Advokaten von Remiremont, das unter dem Schutze des Apostels Petrus stand, Gerha,rd ruht auch im Dome daselbst 1). Dietrich 11. {lO7O-1115). Saulcy bringt unter ihm (Taf. 1, 5) nach -Mocy d’Elvange: t TEODVXDVS Gebäude. RJ. S . . DEODATVS Brustbild, bezweifelt aber wohl mit Recht die Zuverlässigkeit der Lesung TEODVX DVS, so dass Münzen dieses Herzogs noch zu entdecken bleiben. Simon 1. (1115-1141). Taf. 1, G. G) t SVMON DVX Kreuz mit einer Kugel im ersten und dritten Winkel. Rf. tS(P)INAL Gebäude. - Gew. 1,01 Gr. Ann. de la sec. d’kmulat. du dcpt. des Vosges Bd. XIIl, Taf. 111, 15. Taf. 1, 7. 7) W/MON D . . . Gebäude. Rf . . . MQ . S Kreuz mit einem Punkt in jedem Winkel. - Obol von 0,~ Gr. Mit welchem Rechte Simon in dieser bischiiflichen Stadt hat münzen kiinnen, ist unbekannt; erst sein Nachfolger Matthaeus erhielt vom Bischof Stepha,n die Voigtei von Epinal iibertragen, wahrscheinlich also hat Simon in der unruhigen Zeit, welche na.& Bischof Hermanns Tode fiir das Metzer Stift a.nbra,ch, sich in den Besitz der Stadt gesetzt, welche seinem gewiihnlichen Aufenthalte Ch%tena.y so nahe lag. Ta,f. 1, 8. 8) SCSPETRVS der Heiligt zwei Schlüssel in der Rechten, knieend, rechtshin. Rf. SI MONDVX Kreuz. - Gew. 1 Gr. 2) Prägort vermutblich Remiremont. Zu elw%hnen ist noch eine in den m6m. de la sec. d’arch. Lorraine 1856 veröffentlichte Miinze von 0,s~ Gr. !Obol. ?) mit SIMON Rf. NANCEI , die Monnier jnote s. unc trouv. de monn. f. pr&s de Dieulouard, Nancy 1862) geneigt ist, diesem Simon 1. zuzuerkennen, obwohl die Typen die von Mattbaeus sind, also sehr wohl Simon 11. ( 1376 - 1205) in Frage kommen könnte. Da ich diese MUnze nicht einmal in Abbildung oder genanerer Beschreibring kenne j so muss ich mich mit dieser ihrer blossen Erwähnung begnügen. Vielleicht gehört diesem Herzoge auch folgender Obol des Fundes von Dieulouard : der Heilige rechtshin, hält knieend 2 Schliissel. Kreuz. - Gew. 0,~ Gr. O,j> Gr. Monnier glaubt diesen Obol in Nenfch&tcau geschlagen, das Anfangs des XTI. Jahrh. eine bedeutende Handelsstadt gewesen; und erklgrt Scs Petrus durch die geistliche Oberhoheit von Toul sowie dadurch? dass die dort begüterte Abtei St. Mansuy sehr werthvolle Reliquien des Apostelfürsten bewahrt habe,
Rf. “CA3 NOVVM
1) Benoit: nnmismnt. de Ia Lorraine allemsnde. Na.ncy 18tX, S. 4. 2) Monnier (Dieulonxrd S. 221 giebt, als Gewicht :m 1) die Denare von Simon I. : 1 Gr. 3) von Gerhard: 1, 12 Gr. 2) von Dietrich 11.: 0,9 Gr. - 1,lO Gr. - 3,32 Gr. - 1,4ö Gr. 0,98 Gr. - 1,10 Gr. - 1,30 Gr. - l,50 Gr.
5’

Taf. 1, 9. 9) (SCSP)ET(RjS

68

Ober - Lot,hringen.

Bisthum Metz.

Metz.
Die Schwicrigkeitcn, welche die Münzen dieses Bisthums bieten, liegen nicht auf der Seite, wo man sie auf den ersten Blick vermuthen müchte, wenn man das Fehlen aller Kaisermiinzen nach Heinrich 1. und die Wiederkehr der Bischofsnamen Theodorich und Adalbero gewahr wird, von denen jener zweimal, dieser sogar viermal in unserem nur anderthalbhundertjährigen Zeitraum vorkommt. Dass trotzdem ernste Zweifel über irgend einer Theodorichsund Adalberos - MUnze nicht aufkommen die Zutheilung können, wird man bei näherer Betrachtung zugeben, uud steht für mich insbesondere darum fest, weil ich meine Klassifizirun, v dieser Miinzreihen selbstständig und ganz unbeeinflnsst durch fremdes Urt,heil vorgenommen , und später erst bemerkt habe, dass ich mich dabei in wesentlicher Uebereinstimmung mit Lelewel und anderen Die Dunkelheiten bei dieser Münzklasse bestehen vielmehr in Neueren befinde. den Namen einiger Pragstätten, in dem unaufgeklärten Verhältnisse einer derselben zum Stifte, und in der Auflösung eines gewissen Monogramms. Eine nicht geringe Erleichterung bietet auch dievorarbeit de Saulcy’s, der in seinen »recherches sur les monnaies des eveques de Metz(( nebst Suppl6ment die meisten der bis auf den heutigen Tag bekannt gewordenen Gcprägc beschrieben dieser Münzen und bildlich dargestellt hat. Freilich müssen wir seine Eintheilung als eine mehrfach irrige bezeichnen, wie dies nach Vorstehendem seitdem auch ziemlich allgemein, und theilweis in Bezug auf seine erste Arbeit auch von ihm selbst (in dem SupplBment) anerkannt ist. Die Abweichungen zwischen seinen und meinen Ansichten lassen sich in wenigen Worten angeben: Saulcy beginnt mit dem einzigen unzweifelhaften Denare von Adalbero 1. und schliesst Lhnliche Gepräge seines Nachfolgers Theodorich 1. (964-984) an, dem cr jedoch auch solche mit einem fiinfs%nligen Tempel und mit einem Kopfe auf der 1ZJ giebt. Dem nächsten Bischofe Adalbero 11. theilt cr Denare mit Kopf, mit viersäuligem Tempel Rf. MET TlS im Kreuze und mit dem knieenden Heiligen zu, lässt dessen Nachfolge Theodorich 11. (3005 -47) bis auf cincn Oho1 von Remiremont leer ausgehen, klassifizirt unter Adalbero III. (3017- 72) verschiedene Stempel mit dem Kopfe des 11. Stephan ‘j und beschränkt Adalbero IV. (3103 - 20) auf ein einziges Geprgge mit dem knieenden Heiligen. Die dazwischen liegenden Regierungen von Hermann und Poppo geben selbstredend zu Zweifeln keinen Anlass, sondern dienen vielmehr zur Aufklärung über .die sie umgebenden Adalbero’s. Meines Erachtens aber sind Theodorich 1. nur die unzweifelhaft ihm zugehiirigen Münzen mit Otto imp. zu belassen, alle Ubrigen dagegen der langen Regierung Theodorichs 11. zuzuschreiben, ferner nehme ich Adalbero 11. die mit knieendem Stephan, um sie dem dritten dieses Namens beizulegen, und als Folge davon theile ich dem letzten Adalbero die Denare mit dem Brustbilde zu, welche Saulcy fiir Adalbero 111. beansprucht, erkenne aber an, dass unter ihm das Bild mit dem knieenden Stephan noch nicht gänzlich verschwunden ist. Bei dieser Auffassung allein entwickeln sich die Typen naturgemäss, auch hat sie den grösseren Theil der neueren Schriftsteller ftir sich , a.bgesehen von den Monogramm -Münzen Theodorichs , die allgemein dem ersten dieses Namens gegeben werden. Die Begründung mcincr gegentheiligen ZuGehen wir zu den einzelnen Münzen selbst über. theilung erfolgt an gehöriger Stelle.
1) Und doch hatte schon Geneste Adalbero 111. u. IV. richtig geschieden (s. Saulcy Suppl. S. 21).

Heinrich I., Adalbero 1.

69

Kaisermünzen haben wir einzig und allein von Heinrich 1. (919 - 936). Taf. 1, IO. IO) t HE1 NRI CVS RE-X Kreuz mit einem Punkte in jedem Winkel. Rf. t METT12 CIVITAS Kirche mit M im Portal. - l,uGr., ähnlich (Paris) I,% Gr., Robert N. E. Taf. XVII, 1, ähnlich ‘2. Mit Unrecht hat man noch einige Münzen als kaiserliche auf Metz bezogen. Kihne nämlich hat (V, S. 85) die räthselhafte Inschrift der 1tJ eines t OTTO REX auf Metz gedeutet, während Andere, vielleicht mit mehr Recht, aber auch ohne
Gewissheit, Namur oder Nimwegen herausgelesen haben, daher ich sic unter (las

unbestimmte gestellt habe (s. Taf. LH, 1159). Der Denar aber, den Gappe (K. M. I., Nr. 410) unter Konrad 11. bringt, ist zwar von Metz, aber nicht kaiserlich, sondern vom Bischof Theodorich H., und wird unter dessen Münzen seine Besprechung finden, während sein Heinrich 111. (Nr. 187 a. a. 0.) eine Nachmiinze ist, deren Inschrift s auf der Rf. IEI so wenig eine Erg%nzung zu 8. Stepbanus, wie Cappe vermuthet,
AN i?

mit ELI eine Beziehung auf S. Kilian von Würzburg hat. 7Pl Auch von diesen Nachmilnzen wird weiter unten die Rede sein. Dieser Mangel an Kaisenniinzen findet seine Erklärung theils vielleicht durch fortgesetzte Prägung mit Karls des Dicken Namen 1)) theils durch die frühzeitige Ertheilung des Mtinzrechts an die Bischöfe, und dessen bald in Vollzug gesetzte Ausühung, noch unter Otto 1. Bischofsmünzen. Adalbero 1. (929-964). 11) t ADELBERO viersaulige Kirche. Hf. IMPERATOR Kreuz mit OTTO in den Winkeln. 1,~2 Gr., %hnlich 1,.j0 Gr., M. 9. I,~I Gr., 3,46 Gr. (Dobra I,T’~ Gr.). Robert N. E. XVIII, 2, Saulcy Suppl. 1, 1, Lelewcl XIX, IO. Robert bringt nicht nur (a. a. 0. XVIII, 3) einen ahnlichen Denar, mit entstelltem Kaisertitel (IIVDVTD) ! sondern erwähnt auch (8. 231) einen %hnlichen Obol (von 0,7~ Gr.) : den er jedoch seiner schl&hten Erhaltung wegen nicht nbbildet. Mein Exemplar dieses Obols liest: Taf. 1, 11. Taf. 1, 12.
12) ADE. . . . . Rf.

zulässt, als eine ähnliche

Kreuz mit OTTO,

Umschrift

erloschen. -

0,s~ Gr. Ucbcr die Zuthcilung dieser Münzen sind, Alle einig, und in der That beweisen die seines Nachfolgers unwiderleglich, dass sie nach Metz gehören, whrend nicht nur das Fehlen kaiserlicher Gepräge Ottos i. sowie der Styl, sondern mehr noch der Obrzycko-Fund es ausser Zweifel stellt, dass unter dem Otto nur der erste, unter Adalbero also auch kein anderer als der erste zu verstehen ist.
1) 11 solcher Denare waren im Funde von Minsk. mag auch in Metz geschlagen sein. Der ähnliche
OTTO REX

(Taf. LII, 115:3)

70

Ober-Lothringen.

Bisthum

Metz

Unser Adalbero aber, ein Bruder des Grafen Friedrich von Bar, kämpfte auf’ französischer Seite gegen Otto den Grossen, bis er ihm im Jahre 939 die Thore seiner Stadt öffnen musste. Von da ab bewahrte er dem Kaiser unverbriichliche Treue, und empfing von ihm mannigfachen Lohn, namentlich erhielt cr 960 die Voigtei und Grafschaft Metz zu Lehen. Von diesem Zeitpunkte mag auch sein $Iünzrecht datiren , denn der Denar ist nach Ottos Kaiserkrönung, also zwischen 962 und 964 geschlagen. Theodorich Taf. 1, 13. 1. (964-984).
13) t SCAMETTIS DEODERICEPS ä,hnliclie Kirche. Iif. t IMPRTAVXS Kreuz mit OTTO. - Robert 1,~ Gr.

M. 8. 1,~ Gr., 1,~ Gr. Robert N. E. XVIII, 4, ähnlich 13.) Taf. 1, 14. Aehnlich,

Saulcy Suppl. 1, 2-10.
-

aber t SC-A. Bf. t IM-PRTAVA Robert N. E. XVIII, 5, ähnlich 6.

l,i

Gr.

etwas verprägter Obol 0,66 Gr. Saulcy Suppl. 1, 11. Robert N. E. XVIII, 7. Die ßestimmung dieser Miinzen ist unanfechtbar, da kein anderer Metzer Theodorich Zeitgenosse eines Kaiser Otto war. Dieser Bischof war dem Kaiserhause nahe verwandt, der vertraute 1tathf;eber Ottos des Grossen und in gleicher Gunst bei Otto II., den er auf seinem un@ckllchen Feldzuge nach Italien (982) begleitete. Aber alle Wohlthaten, mit denen beide Kaiser ihn überhäuften, - von denen namentlich der Letztere -ihm 977 zu Thionville ~~tous les droits regalicns de Ia ville et cite de Metz« tibertragen haben soll *) - hinderten Theodorioh nicht, den jungen Otto 111. zu verlassen und ins französische Lager, zu König Lothar überzugehen; Folgen scheint aber diese Untreue nicht gehabt ZU haben, da ihn der Tod bald darauf (am 7. Sept. 984) ereilte. Die Geschichte berichtet vou diesem Bischof ferner, dass er im Jahre 968 die Abtei St. Vincent gegründet und dort eine Münze eingerichtet habe, und, dass er in Epinal einen Markt nebst Münze angele& und von Otto 11. 983 bestätif;t erhalten habe. Urkundlich steht aber nur der Markt zu Epinal fest, Dom Calmet’s Textstelle bezüglich der Münze 2) ist urkundlich nicht nachzuweisen. Dennoch hat gerade diese unbelegte NaGhricht die Franzosen veranlasst, dieTheodorichs-Denare von Epinal diesem Bischof zuzuschreiben, wghrend doch :dl~s fiir ihren späteren l:rsprunf; spricht. Adalbero Taf. 1, 15. II. ,98&-1005).
PRESVL

14) Aehnlicher,

c

15j t ADELBERO Kirche.

‘36) t A (DELJ BERO

Kopf links. Jif. SANCTA METTIS Saulcy Suppl. 1, 20. PRERV (statt PRESV). &j. METT ;is) V, Taf. III, 2,

sonst ebenso. Berl Bl. 111 i Taf. 26, 6, ähnlich Köhne Devegge 1467.

1) Saulcy S. 12. 2). j)ut locus celebrior huberetur percussursm monetae ibi ficri et mercstum publicum constituit celebrari, ctiam hoc docroto et sigillo imperiali snnctirc non praetermiuit. cc Saulcy S. 16, nach D. Colmet: bist. dc Lorruine i’. 111, 8 ili.

Theodorich

I.,

Adalbero

II.,

Theodorich

11.

71

Taf. 1, 17.

17) t ADELBERO

Kopf

links.

Bf. M(ett) IS , sonst ebenso.
Rf. tSAN

-

1,15

Gr. K. M.

in den Winkeln. Saulcy Suppl. 1, 21 (vergl. 22). Dass diese Münzen keinem friiheren und keinem späteren Adalbero gehören, ist unzweifelhaft, auch hat sie noch Niemand einem anderen als unserem Adalbero 11. beigelegt. Die späteren Bischöfe werden durch die Funde, z. B. den von Munkegaard hinsichtlich Nr. 16, einen anderen unbeschriebenen, mit Jaromir von Böhmen (1003-12) schliessenden, hinsichtlich Nr. 17 ausgeschlossen. Von Adalbcro 1. aber können sie nicht herrtihren , weil sie sich sonst Gans fremd zwischen dessen beglaubigte und die ihnen ganz verwandten Gepräge seines Nachfolgers eindrängen würden. Anders freilich wiirde es stehen, wenn Nr. 16 mit t ADELBER . . . . Rf. METT . . ), wie Köhnc (V, S. 84) versichert, bei Obrzycko gefunden wäre, allein diese Angabe beruht einzig und allein auf Cappes Mittheilung. Wie wenig ahcr auf dessen Fundnachlichten zu geben, ist schon oben 8. 42 ausgefiihrt, und es kommt in diesem Falle noch hinzu, einerseits dass Cappe auch einen Denar von Cham mit Heinricus rex also aus der Zeit von 1002 - 2014 in diesem nach allen sonstigen verbiirgten Thatsachen schon 30 Jahre früher niedergelegtem Funde vergraben sein lässt (a. a. 0. S. 85, Nr. ll), andererseits aber, dass Cappe selbst bei Beschreibung seines Antheils am Obrzycko-Funde (Num. Zeit. 1845, 8. 85) diesen Adalhero gar nicht anffiihrt. Kein Zweifel also, dn,ss cr ihn erst n:~chtr%glich aus einer anderen Quelle erhalten, und leichtfertig Köhne mit einer unrichtigen Angabe irrt gefiihrt hat. Bemerkenswcrth ist bei Nr. 15, 16 und 15 der Titel praesul (s. S. 29) der Lothringen recht eigenth~imlich ist, denn er findet sich auch bei seinem Nachfolger und bei Rambert von Verdun, ausscrdem im XI. Jahrhundert auf Miinzen von Meaux und Rheims, im XIV. auf Goldgulden von Cambray. Auch Urkunden haben ihn bisweilen, so z. B. nennt sich Bruno von Trier in einem Briefe an Rudolf von Rheims archipraesul. (Rev. fraq. 1840, 8. 330). Nr. 38 betrachtet auch Sauley als nach einem schlechten Exemplare kiihn ergänzt, es schien daher hesser, keine Abbildung zu geben, als die sicher im Styl verfehlte dieses Schriftstellers zu wiederholen; namentlich die Abkürzung 9 fiir VS erregt Bedenken. Theodorich Taf. 1, 19. 11. (1005-46). Kreuz mit einer Kugel in jedem REX.. .T 4sänliger Tempel. I,I‘L Gr., 1,4S Gr. M. S. 1,~ Gr.
19) t CIEODRI CVm PRESVL Winkel. RJ. (HjEINRICO

18) ADALBERO PRESVL viersauliger Tempel. CTVS STEPHANVS Kreuz mit M -ET-T-IS

Dobra 0,~s Gr., l,~ Gr., K. M. 1,56 Gr.21. Taf. 1, 20. Taf. 1, 21.
20) t DEODERI CVS EPS.

21)

KJ. HEINRICVS (REJX, sonst Mem. St. Pt%. 111, Taf. XI, 12. t (D)EODERICV. Rf. HEINRICVS, sonst cbcnso. Münzstud. 11. Taf. 32, 7. (Grote), Obol von 0,s Gr.

ebenso.

2) Monnier,

Dieulouard

S.

2i

giebt das Gewicht der Denare dieses Bischofs auf 0,8 - 1 Gr. an!

72

Ober -Lothringen.

Bisthnm Netz.

Taf. 1, 22.

20) Im Felde 3 Zeilen, von rlencn nur die mittlere TEOD dent12f. t HENRICV(s II.U) (riickläufig), im Felde 3 t lieh. - K. M. l,lj Gr. 23) Aehnlicher Obol (aus dem Funde von Mosegan). - v. Mülverstedt in Magdeburg. KJ METT1 v>CIV.. . . 21) t DEODERI . . . . Brustb. linksh. Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. Saulcy 1, 2. Aehnlich Suppl. 1, 16 und 17. Bl. f. Miinzkd. 111.) Taf. IV, 74 und V, 81.
Un) + DEODE(ric)VS(ej IS.
1 ,it

Taf. 1, 94n.

RJ.

(t ME)TTI
Mittheil.

wCI (VI)T.

. , sonst

ebenso. -

K. M.

Gr.
Hf. ,.

8. 185, Nr. 88. sonst ebenso. . ITAC,

Taf. 11: 24 b. 2~16)tOEOD(er)ICVSE. M. S. 3,~s Gr.
2-1~) t DEODTIDERICV2E

PPIEI.. &J

. . , iAH,

t.. . ETR2C..

sonst Winkel.
F
uud

cbcnso. Taf. 11, 25.

M. S. O,gs Gr.

25) t DEODRICVS 75 Kreuz mit einer Kugel in jedem Bf. METTIS in 2 Zeilen. - M. 8. 1,2(i Gr. M6m. st. Pkt. 111, Taf. XI, 5 (mit t DEODERICVS

nur 2 Kugeln), 25n) Ebenso, aber t DEODRI CVS p Kreuz mit cincr Kugel im 2., 3., und 4. Winkel (vielleicht auch im ersten). M. S. 1,25Gr., 0,78Gr. K. M. 1,~ Gr. Taf. 11, 26. q Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. Bf. MEDIOMATR, , , . Säulentempel. - K. M. 1:21 Gr. 26 U) Desgleichen, aber . . . . DVRI CV . . . 1Zf. . . . MATMC , , . K. M. 1,~ Gr. 27) Epinal + DEODERICVS F Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. 5”. SPINAL in 2 Zeilen. - M. S 1,22 Gr. Devegge V? 2169. 28) t DEODERICVS q Kreuz mit einer Kugel im 2. und J. Winkel. Rf. SPINAL fünfsäuliger Tempel. - K.M. 1,~ Gr., Epinal (mus. depart.j 171 Gr. Saulcy (Metz) 0,85 Gr. Rev. fr. 1867 11, 4. Rnnales de Ia sec. d’emul. du depnrt. des Vosges XIII, Taf. 1, 1. Aehnlich Saulcy 1: 1 und Suppl. I, 12. 29) Marsal (D,EODERIC.. Winkel. Rf. MARSAL Mfhn. st. Yf%. TH) Taf. Karl 29a) Ebenso, aber . . ICVS
. Kreuz mit einer Kugel in jedem in 2 Zeilen, Clazwischen :3 f>unkte. XI) 6. Bei Lclewel VI, 25 unter dem Einfgltigen. ‘P sichtbar. - M. 8. 3 ;22 Gr.

26) t DEOD(ericu)w

Taf. lI,

-27.

Taf. 11, 28.

Taf. 11, -L!).

Taf. IT, 31.

30) Aehnlicher Obol mit + DE. . . . VS rP, Kreuz mit einer Kngel im 1. und 3. Winkel. Rev. franq. 1867, II, 2. 31) + DEOD(Ej RICVS ‘v Kreuz mit einer Kugel in jeden1 Winkel. Bf. MAR WAL Kirche. - M. S. 1,06: Gr. Berl. Bl. VI.

Theodorich 11.

73

Vorstehende Miinzen sind bisher grösstentheils unbekannt oder doch verkannt gewesen, daher denn Saulcy, abgc&en von den sogleich zu erwähnenden Geprägen von Remiremont, die lange Regierung Theodorichs, die noch dazu in eine numismatisch sehr rtihrige Zeit fällt, wider alle Wahrscheinlichkeit, ganz ohne Münzen gelassen hat, denn einen Denar, den er ihm anfangs zugesehrieben, hat er später mit Die beiden einzigen Stücke, welche von vorRecht Theodorich 111. zurückgegeben. stehenden ihm bekannt waren, Nr. 24 und 28, hat er unter Theodorich 1. aufgefiiltrt; Gründe hierfiir aber giebt er nicht an, ausser dem durchaus ungenügenden, dass dieser Bischof vom Kaiser die Erlaubniss, in Epinal zu münzen, erhalten l) . Ganz unzulässig giebt auch Laurent (ann. etc. des Vosges a. a. 0.) Nr. 28 diesem ersten Theodorich, die ganz ähnliche (Saulcy Suppl. 1, 12) aber an Thcodorich II., weil der Tempel nicht mehr karolingisch ! er übersieht aber, dass beide Münzen identisch, ihre anschcinende übrigens sehr geringe Verschiedenheit ist nur auf die Ungeschicklichkeit des Zeichners zurückzuführenj denn Sanlcy Taf. 1, 1 ist nach einem Original, Suppl. Taf. 1, 32 dagegen nach einer alten Zeichnung von de Geneste, von der Niemand Treue erwarten wird, wiedergegeben. Mit Saulcy legen die meisten französischen Schriftsteller wenigstens die Minzen mit dem sogleich weiter zu eriirternden Monogramm hinter dem Namen dem älteron Theodorich bei, während die dänischen 2) und theilweis auch Köhne , cler nur bei Nr. 26 sich durch Saulcy verleiten lässt, auf meiner Seite stehen, ja wohl auch von Robert lässt sich dies belra.upten , da er, der Theodorich 11. nicht mehr behandelt, unter Theodorich 1. nur die demselben wirklich gehörigen Münzen mit Kaiser Otto aufzählt. Und ferner urtheilt, auch Monnier (Dieulonard S. 26 und 27) richtig, indem er unsre Nr. 2-3, 25, 27, 28 und 29 unserem Theodorich 11. zuerkennt, nur frcilieh hätte er nicht bei Nr. 28 die Möglichkeit, an Herzog Theodorich zu denken (S. 26) zulassen sollenP der dureh das Monogramm ausgeschlossen wird. Aber auf die G r linde für die eine oder andere Meinung kommt es an. Solche sind nur iwei beigebracht, beide fiir Theodorich I., zunächst, dass er das Miinzrecht für Epinal erhalten. Aber daraus folgt doch nicht im Entferntesten, dass Gepräge mit diesem fkltnamen nicht jünger sein kiinnen und namentlich, dass sie ausschliesslich von ihm sein müssen. Dann ferner wird das erwähnte Monogramm, welches die Buchstaben T und P, einmal (Nr. XJ) wohl auch ausserdem noch ein F enthält, in praefcctus aufgelöst 3) und dies damit in Verbindung gebracht, da,ss Theodorich 1. nach D. Calmet bisweilen procurator oder syudicus oder praefectus operum, nach Mabillon fautor ct tutor parthcnonis dc monte St. Romarici, also etwa grand officier oder hemme d’affaires du monast&-e genannt werde, und sollen daher die Miinzcn mit diesem Monogramm vor 977 geschlagen sein, wo dieser Bischof Hoheitsrechte in Metz erhielt. Das wiirde nun wohl das Monogramm auf den in Remiremont, nicht aber auf den in Metz, Epinal und Marsal geprägten Stücken erklgren. Und hat nicht schon Adalbero I., Vorgänger Theodorichs 1. in Metz münzen
1) Diese Nachricht beruht, wie schon S. it) bemerkt ist, nur auf einer unbeglaubigten Mittheilung von Dom Celmet, eine Urkunde dariibcr ist nicht bekannt , sondern nnr iiber Verleihung dcs Marktrechts (Laurent, ann. etc. des Vosges XIII, S. l:iO), doch hiilt auch Saulcy (S. 16) die BEttheilung Cslmet’s für authentisch. 2) Red. ßl. IT, S. 57. Devcgge i-i(i8. lJti!J. 3! Von Laurent in der Hiev. franq. 1867 S. 29.

74

Ober-Lothringen.

Bisthum Metz.

,

lassen? Kann man ferner so ganz abweichende Gepräge zwischen dessen und den ganz gleichen beglaubigten grossen mit Tempel und Kaisername bezeichneten Denaren Nr. 17 bis 23 einschieben? Und ist es glaublich, dass Theodorich I.; der doch in einer münzarmen Zeit lebte, so viel, und Theodorich 11. in seiner doppelt so langen Regierung, die der miinzreichsten Epoche angehört, SO wenig hat prägen lassen, wie ihm etwa nach Aberkennung dieser Monogramm-Münzen noch iibrig bleiben wiirde? Diesen Gegengründen gesellt sich aber noch ein wichtiges Argument zu, das uns die Funde liefern ; keine von allen diesen Münzen ist jemals in einem der älteren vor Theodorich 11. vergrabenen Funde zum Vorschein gekommen, und der Metzer Fund von 3834 hat wohl die unzweifelhaften Münzen des ersten Theodorich, aber kein einziges der hier in Rede stehenden, ihm nur mit Unrecht zugeschriebenen Stücke enthalten. Es wäre mehr als skeptisch, *wollte man einwenden, die Monogramm-Miinzen seien später geprägt, als die Theodorich’s mit Otto, daher in dem letztgedachten Funde nicht vcrtrcten, und ihr Fehlen in den iibrigen ältern Fnnden sei auf Zufall zuriickzuftihreu ; man IIIUSS bedenken, dass ein einzelner Fund zwar nie ergeben kann, wie alt eine gewisse in ihr vorkommende Münze sein kann, sondern nur, wie jung sie nicht sein kann, dass aber doch aus dem ausschliesslichen Vorkommen einer bestimmten Münze nur in neuern Funden und ihrem steten Fehlen in ältcrn eine sehr starke Vermuthun g dafür entsteht, dass sie erst nach der Vergrabung der letzteren geprägt worden. Hiernach wird man unbedenklich das Alter von Nr. 25 - 31 ftir festgestellt erachten können - Nr. 24 wird dann durch den Styl in dieselbe Zeit gewiesen, und Nr. 19-- 23 durch den Kaisernamen. Es kann für 19-21 nur noch in Frage kommen, ob sie wirklich nach Metz oder nicht etwa na’& Basel gehören, wo ein gleichnamiger Bischof als Zeitgenosse eines Kaisers Heinrich erscheint. Gehen wir von Nr. 20 aus, welche Köhne (MBm. Ht. Pkt. IV, S. 103) nach Basel verlegt. Darin zwar hat er recht, dass wegen des auf der IiJ genannten Königs Heinrich nur zwischen Basel und Metz zn entscheiden ist, unrecht dagegen, wenn er sich auf Grund der Fabrik : namentlich des Quadrats auf der Hf. gegen Metz erklart. Denn gerade auch auf Lothringischen Geprägen findet sich dieser Vierschlag, dieses quadratum supercussum ist iiberhaupt auf keine bestimmte Gegend beschränkt (s. S. 231, wogegen es auf dem Obole Nr. 23 fehlt, dessen Zugehiirigkeit zu unserem Denare Nr. 2~) Niemand bezweifeln wird. Welche sonstige Fabrik-Kennzeichen aber auf Basel eher als auf Metz denten sollen, ist mir unerfindlich. Im Gegentheil zeigt unsere Miinze gar nichts von den Eigcnthiimlichkciten, welche die früheren Münzen des Baseler Theodorich wahrnehmen lassen j), die sämmtlich in Halbbrakteaten bestehen. Wollte man nun auch, ohne jede Veranlassung zu solcher Annahme, behaupten, dass Letzterer während seiner nur 14jnhrigcn Herrschaft zwei so gänzlich verschiedene Miinzsorten habe prägen lassen, so wird das doch völlig unzulässig der Thntsache gegeniiber, dass schon die Münzen seiner VorgInger Adalbert und hdelrich, ja selbst Baseler des Königs Konrad, der doch schon 993 gestorben, die entschiedenste Hinneignng zur Halbbrakteaten-artigen Prägung vcrrathcn, wovon unser Denar, so wenig als der Obol oder der Denar Nr. 19 das Geringste erkennen lässt.
1j Dies ist auch Grate nicht entgangen gedacht hat. (Miinzstntl. IT, 10(!6), wenn er auch an Metz nicht

l’hoodorich 11.

75

Es kommt dazu, dass ein andres, Itbrigens leider schlecht erhaltenes Exemplar des hiesigen K. Museums statt eps den gerade in Metz und Verdun heimischen, auch in anderswo aber, und namentlich in Basel noch nicht Halberstadt vorkommenden, beobachteten Titel presul aufweist, den ja auch die zwar nicht ganz, aber doch fast gleiche Nr. 19 hat. Diese verschiedenen Umstände würden wohl schon genügen, um den Anspruch dcs Baseler Bischofs auszuschliessen, die volle Gewissheit aber giebt uns der Fund von Rummelsburg, in welchem diese Münze (Nr. 20) vorgekommen ist, und der von Dobra, der Nr. 19 enthielt. Da deren Vergrabung namentlich wegen des gändichen Fehlens von Miinzen Heinrichs 11. mit dem Kaisertitel und von Konrad 11. um 1010- 1014, keinenfalls aber nach 1041 gesetz: werden darf, wo der Baseler erst zur Bischofswürde gelangte, so ist damit der Streit zu Und neuerdings ist dieselbe Münze auch in dem Gunsten von Metz entschieden. gossen, ebenfalls noch unter Heimich II. vergrabenen Funde von Althöfchen aufist tibrigeus getaucht, der auch den Obol Nr. 23 geliefert hat. Bemerkenswerth das schwere Gewicht von Nr. 19, welche nebst Nr. 20 auch an Grösse die andern weit übertrifft und insofern den ältestcn von Adalbero 1. und Theodorich 1. an die Seite zu stellen ist. Wir haben hier wieder einen der häufigen Beweise für den schnellen Wechsel von Gewicht und Grössc, ein Beweis, wie unzulässig es ist, danach, und danach allein zu klassifiziren, wir begegnen mehr scheinbaren Rcgelwidrigkeiten, als uns lieb ist, und müssen die Erscheinungen vorurtheilsfrei priifen, ehe wir sic in Regeln zwängen, denen nur ZU oft unrichtige Beobachtungen und vorgefasste Meinungen zu Grunde liegen. Nr. 22 und 23 sind nicht sehr deutlich; der Name der ef. kann aber fiigcvelesen werden, so gestellt , dass TEOD die Mitte lieh nicht anders als Teodoricus h einnimmt. Danach und in Betracht des Henricus auf der I$ bleibt kaum eine Die Münzen unterscheiden sich zwar merklich von andere Wahl als Metz iibrig. den übrigen, aber auch diese untereinander bieten der Fabrikverschiedenheiten nicht wenige, so dass dieser Umstand nicht das geringste Bedenken er@. Nr. 2-l hat mehrfache Missdeutungen erfahren. Lclcwel (XIX, 16) hat die Umschrift der Hf. S. Eucharms lesen, oder vielmehr deuten zu müssen ,gq+U~Jt~ was ihm bei der schlechten Prägung dieser Miinze, welche in der Abbildung (Saulcy Suppl. 1, 16) recht hervortritt, nicht anzurechnen ist 111. Da ist CS dann nicht zu verwundern, dass Cappe (K. M. 1 Taf. XIV, 22S), den Charakter der I’r@ung, der bei Lelewel deutlich erkennbar ist, stark entstellend i die Umschrift HVON . . . REX liest und auf Konrad 11. bezieht: ja dass sie sogar bei Beschreibung des Fundes von Egersund $1. f. Münzk. 111, S. 3-18, 1 u. 2) dem Frankenkönige Theodorich (727-741) zugethcilt ist ! Dass wir es aber hier iiberall mit derselben, nur wenig variirtcn Münze zu thun haben, lehrt der Augensobein, namentlich auch hinsichts dcs Cappe’schen Exemplars: das REX ist vom Kupferstecher nur schwach angedcntet, das V hat eine ganz unerhörte Gestalt, N ist wiederum nur schwach sichtbar, alle diese Anzeichen in Verbinduug mit dem auff%lligen Fehlen des Anfangsbuchstaben C beweisen, dwss Cappc, wie so unzählige andere Male, auch hier clcn wenigen vorhandenen Schriftresten arge Gewalt angcthan hat. Uebrigens sind diese
1) Auch Monnicr Dieulouard S. 16 glaubt, dass diese Denare {Sanlcy Suppl. 1, lfj und Iij nicht bischöflich, vielleicht gar nicht Metxer seien.

76

Ober- Lothringen.

Bisthum Metz.

Miinzen vou schlechter Arbeit, und fehlerhafte Umschriften auf ihnen häufig, wie 24 b und 240 lehren. Nr. 2G ist bemerkenswerth wegen des Mediomatrici, der Namensform, die auf den ältesten gallischen Miinxen üblich: unter den Merowingern von Mettis gänzlich verdrängt wird, und unter den Karolingern mit Mettis wechselt 1)) hier aber in der bischöflichen Periode zum ersten und letzten Male auftritt. Was die zu Marsal geschlagenen Pfennige betrifft, so berichten die Schriftsteller, dass Ferri 111.: IIerzog von Lothringen, 1259 seinem Oheim, dem Bischof Jacob von Metz, diese Stadt iiberlassen und Letzterer sie dem Stifte vermacht habe. Diese Erzählung ist bereits berichtigt worden durch einen von Saulcy beigebrachten Pfennig des Bischofs Hermann, während die vorliegenden Münzen Marsal als noch alteren Besitz des Stifts bezeichnen. Es bleibt noch ein Wort über das bereits berührte Monogramm zu sagen. Dass Rolin irrt, wenn er es (in dem m6moire sur quelques monn. lorr. ined. du XI et du XI1 s. Nancy 1841) in primicerius Tullensis auflöst ? und daher eine solche Miinze von Epinal an Bischof Theodorich IV. (1171 - 79) giebt i bedarf keines Beweises. Eher könnte man der schon oben gedachten Laurent’schen Erklärung zustimmen ) derzufolge es den Werth von praefectus hat: denn es enthält deutlich P und T, und das F, welches ausserdem auf dem Obol Kr. 30 wahrzunehmen, mag wohl auch auf den iibrigen Münzen in dem P stecken. Aber wenn dieser Titel dem Theodorich (mag es nun das erste oder, nach der Meinung der franziisischen Miinzforscher, der zweite dieses Namens sein) nur in seinem VerhBltniss zur Abtei Remiremont zugestanden, so muss es doch im hiichsten Grade befremden, dass der Bischof ihn nicht blos auf seinen dort geprägten Münzen, sondern auf allen von Epinal und Marsal, ja sogar auf so vielen Metzer Münze11 führt, und wird man dadurch mit Nothwendigkeit zu einer andern Erkliirung gedrangt. Liegt es nun nicht näher, in dem Monogramm auch den Bischofstitel zu vermuthen, ausgedrückt durch presul, welches Nr. 19 deutlich ausgeschrieben zeigt! und vereinigt mit Tutor Fautor? Theodorich hätte sich also durch dies Monogramm in seiner Doppelstellung als Bischof von Metz und als Tutor 2) von Remiremont bezeichnet,. Fehlt, uns auch eine geschichtliche Nachricht darüber, dass er zu dieser Abtei in gleichem Verhältnisse gestanden wie sein slterer Namensvetter, so hat doch wohl die Annahme kein Bedenken, dass cr auch darin sein Nachfolger gewesen, denn eine solche Voigtei pflegte doch nicht auf die Person beschränkt zu sein. Dass aber Theodorich auch, wie schon gesagt, in Remiremont hat prlgcn lassen, bezeugen die beiden folgenden Miinzen: von welchen leider die erstere nur aus einer sehr unzuliinglichen Abbildung bei D. Calmct bekannt ist: Taf. 11, 32.
32) +THEODE..

keln. Sollte wirklich

-C(us) in den Win. S Kreuz mit RO-MA-RI 11J. [S. Pe)TRVS der heil. Stephan knieend. Saulcy Suppl. 1, 27. der Name mit TH geschrieben sein?

1) Gcnancr gesprochen erscheint Mediomatrici nur unter Lothar 1. 2) Ausdrücklich ltcmcrke ich ;111er, tlsss ich diese F:rklBlnng fiir nichts als eine IIypotheso betrachtet wissen möchte.

Theodorich

II., Adslbero

111.

77

SPE

Taf. 11, 33.

33) t DE(o)B . . CIV

Copenhagen) .

Kreuz. Rf. TRVS in 2 Zeilen Rev. frang. 3867. Taf. 11, 1.
.. Rf. kl. -

(ähnlich

33 a) Ebenso, aber DEODE..

M. S. 1,03 Gr.

Mit welchem Rechte ein Bischof von Metz in Remiremont hat priigen lassen können, das weder zu seinem Gebiete noch zu seinem Sprenge1 gehörte, wissen wir nicht. Saulcy geht darüber ganz mit Stillschweigen hinweg. Es scheint also, dass die mehrgedachte Stellung eines procurator , syndicus , praefectus , tutor und fautor dass in der Iimschrift zwar der ihn dazu befähigt hat. Interessant ist iibrigens, Schutzheilige von Remiremont , im Bilde von Nr. 32 aber der von Metz crschcint. Nr. 33~~) habe ich bei Beschreibung des Plonsker Fundes ngch für Trierisch gehalten, glaube aber jetzt auf Grund der Fabrik fiir Metz mich entscheiden zu müssen. Das m ist iibrigens nicht sicher. Zum Schlusse einige geschichtliche Nachrichten über unsern Theodorich. Er war ein Sohn Siegfrieds Grafen von Luxemburg und Bruder Herzog Heinrichs V. von Baiern, daher Schwager Heinrichs II.? und sollt,e die Erziehung des jungen Adalbert, Sohnes Theodorichs von Oberlothringen leiten, dem Adslbero 11. das Bisthum bestimmt hatte. Es war aber nicht nach seinem Geschmack, sich mit der Rolle eines blossen Verwalters zu begniigen, und ehe noch zwei Jahre verflossen waren, erklärte er sich mit Zustimmung des Volkes und der Geistlichkeit znm Bischof, und behauptete sich sowohl gegen den Herzo g Theodorich als gegen seinen königlichen Schwager, der ihn endlich nach 6 jähriger fruchtloser Belagerung seiner Hauptstadt nm so eher in seiner angemassten Stellung anerkennen konnte, als der junge Adalbert inzwischen das Zeitliche gesegnet hatte. Der Kaiser versuchte nun zwar auf dem Rechtswege durchzusetzen, was er mit Waffcngcwalt nicht hatte ausrichten können, aber nachdem Theodorich auf drei Reichstagen ungehorsam ausgeblieben war, wurde schliesslich durch den Kölner Erzbischof Heribert ein dauernder Friede vermittelt. Von nun ab lebte der Bischof in gutem Einvernehmen mit dem Kaiser und führte ein gedeihliches Regiment durch lange Jahre. Bekannt ist er als Erbauer des prachtvollen Metzer Domes, zu dem er im Jahre 1014 den Grundstein legte 1). Adalbero 111. (1047.-72). 34) . . . . I .VS IMP Kaiserkopf. Rf. ADELB(ER)O.. mit einer Halle vou 6 Säulen. - Copenhagen.
35) t ADELBERO Winkeln. liy. EP-S SC-S

Taf. 11. 34. Taf. 11, 35.

. . Kirche

Kreuz

mit

M-

STE-PHANVS

Taf. 11, 36. Taf. IIj 37,

ausgebreiteten Hgnden zu Boden sinkend, ein Stern. - K. M. 1,~ und 1,~ Gr. Saulcy Suppl. 1, 19, ähnlich Saulcy 1, 4. 36) Aehnlicher Obol. Saulcy Suppl. 1, 23.
37) S STE(PH)ANVS

ET-TIS in den der Heilige r., mit über seinem Haupte

erhobenen
1) Sein Lcbcn hat Siegbert

Händen.

der Heilige wie vorhin, jedoch mit betend Rf. Um ein Kreuz mit 4 (oder nur 2)
beschrieben f,Pertz M.G. IV, 4nl-4%;.

von Geu~blours

78 Kugeln in den Winkeln; doppelte Umschrift, innen METTIS, aussen tA(DELB:jERO EPS. - K. M. 1,2 Gr. Saulcy 1, 6. Suppl. 1, 26. Lelewel XIX, 13. Taf. 11, 18. 3S! Aehnlicher Obol, über dem Heiligen eine segnende Hand. Saulcy, Suppl. 1, 25. ‘laf. 11, 39. 39j Epinal. Aehnlicher Denar, mit SPINAL statt METTIS. 1,115 Gr. (Laurent) . Saulcy, Suppl. 1: 24. 40) Denar, ahnlieh wie Nr. 35, aber mit S-Pl-N-AL statt Ta,f. II, 40. M-ETT-IS. - Gew. (nachLaurent) 1,11sGr. O,yjGr. 0,~Gr. 1,115 Gr. 1) Saulcy , Suppl. 1: 38, Bhnlich Saulcy 1: 5. Die erste dieser Münzen hat in einem ziemlich Umlichen Exemplare des 1. Maestrichter Fundes wegen schlechter Erhaltung eine irrige.Zutheilung an Kornelimünster. erfahren. Man möchte sie auf den ersten Blick alter glauben, und muss, da die folgenden von besserem Style sind, diese für die älteste halten, wozu auch der Kaisertitel niithigt , der sie in die Jahre 1047 - 66 [Heinrichs ITT. Todesj&r) verweist. Beachtung verdient das schöne Kirchengebaude , welches wohl eine Darstellung des im Jahre 1014 begonnenen Domes sein ma,g. - Die ubrigen Münzen (Nr. 35 - 40) sind nach Saulcy von Adalbero 11. Dem widerspricht nicht nur ihre Fabrik, sondern namentlich der Umstand, dass ganz dasselbe Gepräge des knieenden Heiligen und des Kreuzes mit dem Namen der Münzstatte in den Winkeln, wie wir es aÜf Nr. 35, 3G und 40 erblicken, noch unter Adalbero’s 111. unmittelbarem Nachfolger Hermann, ja in der Hauptsache, nemlich dem Bilde des gesteinigten Stephan? noch unter Poppo und Adalbero IV., welche a,uf Hermann gefolgt sind, vorkommt, während Nr. 37 bis 39 wieder aufs Engste mit diesen Nr. 35, 36 und 40 zusammenh%ngen. Würc nun Saulcy’s Meinung richtig, so hätte also Letzterer diesen alten. angeblich zwischen 984 und 1005 gebräuchlichen, unter Theodorich 11. hiichstena Einmal (in Remircmont) angcwnndten, unter Adalbero 111. aber ganz abgckommencn Typus nach 7O.jUhriger oder nach längerer IJntcrbrechung wieder ans Licht gezogen. IJnd wenn man am11 eine solche Wiederbelebung eines alten Typus, so unwahrscheinlieb sie ist, zugeben wollte, so ist doch nimmermehr zu glauben, dass Münzen i welche eine solche Stylgleichheit zeigen , wie die in Rede stehenden von Adalbero und die von Hermann durch einen Zeitraum von 70 Jahren geschieden sein sollten. Solche Annahme würde gegen die ersten Gesetze der Entwickelung des Styls verstossen. Ferner verweist die Form der Buchstaben welche von ungcwöhnlicber, fast moderner Eleganz sind, diese Münzen notbwendig in eine viel spätere Zeit als die von Adalbero 11. Endlich aber fällt ins Gewicht, dass Nr. 56 die einzige Münze, deren Fundort mir bekannt ist, aus dem etwa 1070 vergrabenen Funde von Simoitzcl kommt, keine der vorstehenden Miinzen aber, soviel bekannt, jemals in einem der zahlreichen vor 1047 verscharrten Funde aufgetaucht ist. Danach muss man doch ihre Zugehörigkeit an unsern Adalbero 111. für ausgema,cbt halten. In der Geschichte tritt Adalbero, ein Sohn des Grafen Friedrich von Luxemburg und Neffe seines Vorg%ngers Theodorich II., als ein Priilat von grosscr Klugheit und musterhaftem Wandel auf, der sich mit Eifer seinem Amte widmete. Bei
1) Monnier Dieulouard S. 23 giebt auf 0,8-1 Gr. an.
das

.

Gewicht der Denare dieses Adalbero ~11 s&~a&.

Adalbero

111: , IIermann.

79

beiden Kaisern, welche zu seiner Zeit dem Reiche vorstanden, genoss er Gunst, und bekämpfte 1049, im Verein mit den Bischöfen von Lüttich und Utrecht, glücklich die gegen die kaiserliche Macht aufgestandenen Herzöge von Flandern und Niederlothringen. Zum Lohne seiner guten Dicnstc erwirkte cr von Heinrich 111. 1652 die Exemtion der Metzer Kirche und Geistlichkeit von der Gerichtsbarkeit der kniseiliehen Beamten, und 1056 das Münzrecht zu Saarburg für das Metzer Domkapitel. Kaiser Heinrich IV. aber verlieh unserm Adalbero die Grafschaft Saarbrüok. Als sein Todestag wird der 13. Novbr. 1072 angegeben. Hermann Taf. 11, 41 .
41) SEPHANVS

Taf. 11, 42.

Taf. IL 43.

Taf. 11, 44. Taf. 11, 45.

Taf. 11. 46.

Taf. 11, 47. Taf. 111, 48.

knieend, mit ausgebreiteten Händen, rechtshin. Rf. . . . RIMAN.. . Kreuz mit M -3--T-IS in den Winkeln. Saulcy 1, 17. 42) S STEPHANVS Kopf des Heiligen rechtshin. Bf. t HER1 MANN1 EPI Kreuz mit M-ZK-T-IS. Sauley 1, 16, genauer, aber in unvollkommenen Exernpl. Rev. fr. 62 XII, S. 43) Ebenso, aber f STEPHANVS. Bf. t HERIMANN’EPS Kreuz. - M. S. 1,oo Gr. Saulcy Suppl. II: GR und %hnlich da.selbst 68 und Saulcy 1: 14. 44) f (StcpjHANVS Kopf dcs Heiligen linkshin. &f. t HERI MANN?EP-S Kreuz. Saulcy Suppl. 11, 64. 45) Epinal S SE.. .ANVS, wie Nr. 41. &f. t HERIMANN EP-S Kreuz mit S-PI -N-/L in den Winkeln. aaulcy Suppl. 11, 65. 46) Marsal SEPHAN.. . wie Nr.41. Xf. tHER(IMAN,NEP-S Kreuz mit M-R-S--Ain den Winkeln. Snulcy 1, 15 und besser Tronrille 24. Z{f. wie vorhin (der 47) f STEPHANVS Brustbild rechtshin. Name vollständig). Saulcy Suppl. 11, 66. 48) Aehnlich. i?f. t MARSAL EP-S Kreuz. Saulcy Suppl. 11, G7.

(1073-90). der Heilige

Wir sehen, dass Hermann zuerst sich an die Gepräge seines Vorgängers alllehnt, darauf aber statt der ganzen Figur des Heiligen nur sein Brustbild giebt ; anfangs unter Beibehaltung des Kreuzes mit dem Namen der Prä.gstätte in den Merkwürdig ist Nr. 48 durch die Winkeln, dann aBer mit dem lecrcn Kreuze. Umschrift der 1iJ.: welchcl soweit es das Fehlen des Bischofsnamens betrifft, durch die geschichtlichen Verhältnisse sich erkl~~ren durfte ; dass sie dieser Zeit angehort, lehrt ein Blick auf Nr. 43, von der sie sich nur durch das MARSAL an Stelle von HERIMANN unterscheidet. Hermanns Herrschaft fällt in die Zeit der erbitterten Kiimpfe zwischen Kaiser und Papst, an denen er, nicht zu seinem Vorthcil, sich eifrig betheiligte. Obwohl ein Anhanger Gregors VII., konnte er sich der Thcilnahme an dessen AbSetzung, welche der Wormser Reichstag 1Oi6 aussprach, nicht entziehen ; als er aber bald darauf im Stande voller Willensfrcihcit sich der päbstlichen I’arthei anSchloss, verjagte ihn der Kaiser, und liess ihn auf dem Reichstage zu Mainz IPSO

80

Ober- Tathringcn.

Bisthum Metz.

für einen Feind des Reiches erkltiren. Wenig später kehrte Hermann zwar zurück, musste aber 1085 aufs Neue dem Kaiser weichen, der einen Abt Walo an seine Stelle setzte. Einer abermaligen Rückkehr folgte eine neue Vertreibung und Einsetzung eines Gegenbischofs Bruno, der sich jedoch so wenig als Walo behaupten konnte. Als Legat des heiligen Stuhles kehrte Hermann 1088 aus Italien zurück und starb am 4. Mai 1090, nachdem er etwa zwei Drittel seiner Amtszeit in der Verbannung zuf;ebracht hatte. Mit seinem Tode traten keine ruhigeren Zeiten ein, viclmchr dauerten die zwiespaltigen Bischofswahlen fort ; der Kaiser ernannte seinen Verwandten Adalbero zu Hermanns Nachfolger, wshrend Volk und Geistlichkeit ihre Wahl auf Burkard ! Probst der Triersehen Kirche, und nach dessen bald erfolgten1 Ableben auf Poppo von Burgund, bisherigen Archidiakonus zu Trier, lenkten, der auch am 27. März 1093 durch den Bischof von Constanz als Legat dcs Papstes eonsekrirt wurde, und sich bis zu seinem Tode (1103) behauptete. Da erst gelangte Adalbcro IV. in den Besitz der ihm so lange bestrittenen Wahl, aber der noch fortdauernde Kampf zwischen den beiden Häuptern der Christenheit wurde ihm endlich doch gefährlich. D- Concil zu Rheims sprach am 28. März 1115 seine Absetzung aus, doch hat er noch lange gelebt, sein Todesjahr ist unbekannt. Theodger, der jetzt erwählt wurde, legte bald freiwillig seine Würde nieder, die ohne schwere Sorgen und Miihcn sich nicht vertheidigen liess. Nunmehr wusste Pabst Calixt 11. seinem Neffen, Stephan Grafen von Bar, zur Bischofswürde zu verhelfen (1120), doch konnte er erst zum Besitz gelaugen, nachdem 1122 der Friede zwischen Kaiser und Pabst hergestellt war. Htephans lange Herrschaftszeit (bis 1163)) welche cr zur Wiedererlangung alles während des Schismas der Kirche entrissenen Bcsitzcs verwandte, kann nur zum geringsten Theil Gegenstand unserer Betrachtungen werden. Von seinen gegen einander kämpfenden Vorgiingern haben uns nur Poppo und Adalbero IV. Münzen hinterlassen. Die des Ersteren sind sehr interessant: die einen setzen in dem knieenden Heiligen der lif. den alten Typus fort, während ihre 13J., neu erfunden, ausser dem Bischofsnamen auch den dcs Kaisers trägt, dessen man sich schon lange entwöhnt hatte und den Poppo als geschworener Feind des Kaisers am wenigsten Anlass hatte auszusetzen , wäre die weitverbreitete Ansicht richtio,DT welche den Kaisernamen auf Bischofsmünzen aus besonderer Rücksicht persiinlicher Zuneigung oder Unterwürfigkeit herleitet. Die anderen, ohne des Kaisers Kamen, tragen. vollstandig neue Bilder: das vorwärts gekehrte Brustbild des Heiligen und eine Kirche, und finden ihres Gleichen so wenig vorher als nachher. Diese Münzen sind folgende : I’oppo (10’30- 13tJ3j. Taf. 111,49. 1) 49) t H-ER1 CV-S getheilt durch die gradlinige Inschrift POPPO zwischen 2 Perlenlinien, über und unter denen je ein Riischen. IZJ: der Heilige knieend. Timschrift unleserlich. Netz q.494. 0,95 Gr. (nach Robert). Saulcy Suppl. II,74. Robert N. E. XVIII, 11. Aehnl. Saalcy I, 18. 49 aj Aehnlich, der Kaisername weniger deutlich. RJ. S S . . . HAN 1. Robert Ku’. E. XVIII, 12. - Robert 1 Gr.
1) Abgebildet ist eigentlich endet, als dies bemerkt wurde. die folgende Nr. 49n; der Druck der Tafel 111 w<zr schon be-

Poppo,

Adalbero

IV.

83

auf 49 U) Aehnlich , mit I H INR . . . . und rückläufigem STEPHAN der Rf Saulcy Suppl. 11, 75, iihnlich 76. Taf. 111, 50. 50) t POPPO METMjsis) EP-S Kirche. Bf. f STEPHANVS Brustbild des Heiligen. (Grote.) Saulcy Suppl. 11, 78, ähnlich 77. Mader (IV, 134) führt auch einen POPPO MIN (ister) METEN, leider ohne nähere Beschreibung an. IV. 1090-3135 (1117). diademirtes Brustbild rechts. Rf. Rosette ABER0 EPS Kreuz mit METS in den Winkeln. - K. M. 1 ,OS Gr. Saulcy Suppl. 11, 40, ähnlich 1, 8. Taf. 111,53 u. 51 a) Ebenso, aber IZJ: M-E-Tl-S. (Grote.) 52) S STEPHANVS ebenso. RJ. t HDALBERO EPC, im Felde M --‘ET1 -S auf einem durch Punkte angedeuteten Kreuze. Saulcy Suppl. 11, 37, ähnlich Snulcy 1: 9. Taf. 111,52a. 52n) Ebenso, aber t ADALBERO EPC. (Grote.)
,SI) (S. S)‘EPHANVS

Adalbero

orhobenen Händen rechts. auf welches ein kleineres EPC Kreuz, schräg aufgelegt ist, in jedem Winkel ein Stern. Saulcy Suppl. 11, 36, ähnl. 34 und 1, IO und 11. Mader 111, 74. Taf. 111: 5 i. 51) Obol, von %hnlichem Gepräge, aber RJ. S STEPHANV. Saulcy Suppl. 11, 42, ähnlich 41. Taf . 111) !jr) <. 55) S S’EPHANJ diademirter Kopf r., vor ihm eine Art Scepter. 1?J. * A)DA-BERO EPC Kreuz mit dicken Armen, von dem ein Stern ausstrahlt. Saulcy Suppl. 11, 35, ähnlich Saulcy 1, 32. Monnier, Dieulouard 1, 10. 56) S STPHAN Brustbild mit erhobenen Händen r. Rf. tAD/L BERO EPC Kreuz mit einem Stern in jedem Winkel. Saulcy Suppl. 11, 39. 56a) Ebenso, aber f STEPHAN. Rf. X ABER0 EPS. - M. S. 0,~ Gr. 0,~s Gr. Aehnlich Saulcy Suppl. 11, 38. Taf. 111; 57. 57) t ADA(lbe)RO EPC Kreuz mit einem Kreise belegt. Rf. SS. ANCN (rtickläufig) der Heilige knieend, rechtshin. Obol 0,4 Gr. de Rozi&res : trouvaille de Marsal Abbildang Nr. 1. Taf. 111, 58. 58) ADELBERO EPS Hand mit Bischofsstab, im Felde 4 Sterne. Saulcy 1,19. RJ aSS TEPHANVS der Heilige knieend. Richtig hat schon Saulcy den letzten Denar diesem Adalbero zugeschrieben, meil er die Typen seiner Vorgänger (den knieenden Heiligen) mit denen seines Nachfolgers Stephan (die Hand mit Stab) vereinigt 1). Aber auch die andern hätte er ihm nicht zum Besten Adalbero’s 111. entziehen sollen, sie haben ganz denselben Cha53) S STEPHANVS XJ +ADALBERO
1) Dies, nicht das Gewicht, hätte Monnier, Ergebniss kommt, geltend machen sollen.
D anneah cis, Deutschlands älteste I,rnaen.

Taf. 111, 53.

Brustbild

mit

Dienlonrtrd

S. 20, der iibrigens
ö

zn demselben

82

Ober -Lothringen.

Bisthum Metz.

rakter, und stellen augenscheinlich, besonders in der ßildung der Buchstaben und Köpfe das Mittelglied zwischen Hermann und Stephan dar. Saulcy hat noch manche Verschiedenheiten, aber diese entstammen gewiss mehr oder weniger ungenauen Zeichnungen und beruhen also auf Irrthum, wie z. B. Suppl. 11, 36, die wohl ohne Frage mit 1, 11 und Suppl. 11, 34 identisch ist. Stephan, Taf. 111: 59. (1120-63).

Taf. 111, 60.

Taf. IH,

61 .

Taf. 111, 62.

1. Bf. S’EPHANVS in jedem Winkel ein Stern. Saulcy Suppl. IX, 80. Robert N. E. XVIII, 14. GO) S SEPHI I . (oder AN9, wie Saulcy angiebt) Brustbild r. Rf. STPHAN ME(PC?) Hand mit Bischofsstab. Saulcy 1, 21. 01) S STEPHANS Brustbild r. Rf. *STEPHAN EPC Kreuz mit einem Sterne in jedem Winkel. Saulcy Suppl. 11, 82. Monnier, Dieulouard 11, 3 3. 62) (S. St)EP[H,AN der Heilige mit erhobenen Händen in halber Figur. $RJ. * S,teph)ANVS mit cincm Kreise belegtes Kreuz, in jedem Winkel ein Stern. snu1cy Suppl. 111, 82. Epinal. Gebäude. Rf. STEPHANVS Kreuz mit eiuem im 3. und 3. Winkel. Monnier, Dieulouard II, 17. Gd) SPINAL Gebäude. &f. wTEFAN . . . Kreuz a,uf punktirtem Grunde. - Obol 0,s Gr. Ann. des Vosges XIII, Taf. ITT, 23.
63) SPINAL

59) HENRICjVjS REX gekröntes Brustbild “EPC Kreuz mit einem Kreise belegt,

Taf. 111, 03.

Punkte

Taf. 111. 64.

Remiremont. Taf. 111. 65:
6.5) t SPETRVS knieender Heiliger mit Zif. 8 STEPHANVS Kreuz mit RO-

erhobener
MA-

Hand

r.

RI - CVS.

Saulcy Suppl. 1, 28. Die erste dieser Mtinzen ist wichtig wegen des kaiserlichen Bildes und Namens, die hier in Metz, wie tiberhaupt, zum letzten Male vorkommen, nachdem sie Lelewel 1111, 208) sieht auf allen tibrigen Bischofsmünzen längst verschwunden. darin eine Bekräftigung der Einigung zwischen Calixt 11. und Heinrich V., wonach die Bischöfe die Münze nur als eine weltlicht, der Königsgewalt unterworfene Einrichtung besassen. Wichtig ist die Minze auch wegen des REX, da Heinrich doch sclm~ 13 13 zum Kaiser gekriint worden is. S. 27). Sie fällt in die Jahre 1320625, und macht es glaublich, dass auch Nr. 62 mit ganz gleicher Rf. noch hierher gehört, während ich Nr. 60 wegen der Vorstellung der Rf., welche mit Adalbero IV. Nr. 58 libereinstimmt, und Nr. 61 , wegen Analogie mit Adalbero IV. Nr. 56, hier a.nschliessen zu müssen geglaubt habe. Nr. 63 trägt auch noch älteren Charakter und Nr. 64 schliesst sich cinigermaassen an. Die übrigen hier nicht aufgenommenen Gepräge dieses Bischofs aber dürften, vielleicht mit Ausnahme von Saulcy 1, 21 und 22, und Suppl. II, 81, über die ich wegen ihrer ganz styllosen Wiedergabe mir kein Urtheil gestatte, schon über die Zeitgrenze der Periode , die allein uns beschäftigt, hinaus fallen.

Stephan.

-

Anonyme Meteer.

83

Auch zu St. Trend im Lüttichschen, das der Metzer Kirche als Schenkung des heiligen Trudo gehörte, hat unser Stephan prägen lassen. Man sehe den Artikel St. Trond. (Nr. 279, 280).

Es bleibt nun noch eine Anzahl Mtinzen übrig, welche sich wegen Fehlens des Bischofsnamens chronologisch nicht so sicher bestimmen lassen. Wir wollen sie ne.ch den Miinzstätten ordnen. Metz. Taf. 111, 66.
66) t STEPHAN . . . tonsurirtes Brustbild mit Krum1nsta.b. Rf. Schwörende Hand auf einem Kreuze, begleitet von den Buchstaben A UJ und einem Sterne.

Taf. Ill7 67.

Taf. 111, 68.

M&m. St. Pt%. 111, Taf. XI, 4. 67) S STEP(HA)NVS diademirtes Brustbild linkshin. $b Dreizeilige Inschrift M -ETTIS von 4 (oder vielleicht nur 3) Sternen in den Winkeln begleitet (Grote). Aehnlich M6m. St. Pkt. 111, Taf. XI, 3 und Saulcy Suppl. 111, 95, Tronville Nr. 25. 65) Ohne Umschrift. Kopf linkshin. &“. M--IE--TIS in den Winkeln eines Kreuzes. Saulcy, Tronville No. 27.

Kiihne, durch den allein Nr, 66 bekannt ist, liest S. STEPHAN. . ., während nach der Abbildung ftir das erste S kein Raum ist. Dennoch aber kann nur der heil. Stephan gemeint sein, da die Münze jedenfalls älter als Risthof Stephan ist. Nach Köhne ist sie in der unruhigen Zeit des Bischofs Hermann, vielleicht zwischen 3085 und 1085 geprägt. Mir scheint sie dem Stple na.& doch Ilter, indessen muss ich mich aus Unbekanntschaft mit dem Originale eines weiteren Urthcils enthalten, und will nur daran erinnern i dass in dem benachbarten Trier die Erzbischnfe lit10 1066-77 und Bruno 1102-24 Münzen mit ganz ähnlicher Rf. haben schlagen lassen. Von Nr. 67 hemerkt Köhne, dass die Hf. nach einem Penny von Ethelred oder Knut d. Gr. gearbeitet sei, und glaubt, dass sie in das Jahr 3046, zwischen Theodorich 11. und Adalbero 111. füllt. Allein eine Vergleichung mit den Münzen von Adalbero IV. lehrt, dass sic, wenn nicht unter diesem Bischof, so doch kurz vorher, jedenfalls nach Hermanns Tode gepragt worden, die Ruchstaben der Iimscbrift auf der I1f. sind klein und fein, der Kopf hat den Charakter der Heiligenbilder unter Adalbero IV., und das METTIS ist geordnet wie auf seinem Denar Nr. 52. ES kommt noch dazu, dass die Münze auch bei Tronville vorgekommen ist (Saulcy Suppl. S. 44), was doch auch für eine spätere Prägezeit spricht. Letzteres gilt auch von Nr. 68. Beide will Saulcy zu Stadtmiinzen machen, gewiss mit Unrecht, denn die Geschichte zeigt uns die Städte damals noch nicht in solcher Machtentwicklung, dass man ihnen den Besitz der Münze zutrauen sollte. Nach Monnier (Dieulouard S. 18) würden auch Saulcy Suppl. 111, 92 und 93 hierher gehören, da er sie in die Zeit Hermanns setzt. Obwohl mir das nicht wahrscheinlich vorkommt, ich sie vielmehr nach dem Scbluss unserer Periode geprägt glaube, so setze ich doch, der Vollsfindigkeit halber, ihre Beschreibung her. ü*

84

Ober-Lothringen.

Bisthum Metz.

69) S STEPHANVS der Heilige mit knieend, r. Rf. Kreuz mit M-ET-Ti 69 uj S STEPHANVS

Krcuzcswinkeln.

ausgebreiteten Händen -S in den Winkeln. Saulcy, Suppl. 111, 92. , ähnlich. RJ M-ET--T-S in den Saulcy! Suppl. 111, 93.

Ta.f. 111, 70.

BOCCHENEIS. 70) S STEPHANV diademirtes Brustbild mit erhobener Hand r. Bf. dk BOCCHENEIS Kreuz, auf dem ein kleineres schrIIg

ruht, in jedem Winkel ein Stern. (Grote.) 76a) Ebenso, aber Rf. (Rosette) (B)OCCHEIS und ohne das kleine Kreuz. Monnier, Dieulouard II, 12. Saulcy, Suppl. 11, 45. Taf. 111, 71. 71) Obol wie Nr. 70, mit BOCCHINSS. Die Umschrift dieses Obols, die Saulcy nur nach einer Zeichnung von de Genestc bringt, giebt er. OCI H I NS, während sie nach der Abbildung wie angegeben lauten dürfte, ohne freilich ganz deutlich zu sein. Eine Erklärung liefert er so wenig als Monnicr, der cincn Denar mit SOCCHEIS bringt, in welchem Worte jedoch nach seinem Geständniss der Anfangsbuchstabe undeutlich ist. Um so mehr muss ich mir genügen lassen, die richtige Lesung festgestellt zu haben, welche vielleicht einmal einen Kenner der lothringischen Geschichte und Geographie zur Lösung des Räthsels verhelfen wird, das für jetzt das BOCCHINEIS.-BOCCHEIS noch bildet. Weniger zweifelhaft ist die Prägezeit, über welche eine Vergleichung mit den Münzen Adalberos IV. Aufschluss giebt, bezeichnend ist namentlich der Stern zu Anfang der Umschrift der RJ,, welcher ebenso auf dessen Nr. 54 und 51 mit genau derselben Rosette wie auf unsrer Nr. 76a wechselt. Epinal. Taf. 111, 72. 72) (S P IN) AL Gebäude. Rf. WP I N (AL) Kreuz mit einem Punkte im 2. und 4. Winkel. - 6,66 Gr., 6,849 Gr., 3,01 Gr., 1 ,OSGr., 1,1 Gr. (nach Laurent.) Laurent. ann. de la sec. des Vosges XIII, Taf. 11, 8. Taf. 111, 73. 73) Aehnlicher Obol, mit einer Kugel nur im 3. Winkel. - O,‘~BGr. (nach Laurent.) Ebenda Taf. 11, 13. Laurent glaubt beide Münzen zwischen 1690-1120 geprägt. Darin wird man ihm beitreten können, nicht aber in der Ansicht, dass sic städtisch seien. Andere anonyme Gepräge, namentlich Saulcy, Suppl. 1, 14 (mit einer eine Blume haltenden Handj fallen sicher in spgtere Zeit, wie dies z. B. auch Monnier, Dieulouard S. 26, bestätigt. Marsal. STEPHANVS diademirtes ßrustbild linkshin. Taf. IV, 74. 74) SANCTVS RJ + MARSALKreuzmiteinem Punkteinjedem Winkel. (Grate.) 74~) Aehnlich, aber mit SANCTV STEPHANVS und rüoklaufigem MARSAL . Rev. franp. 1862, XII, 7. Beide Münzen sind von cincr Vollendung, wie sie in dieser Zeit selten ist, die Brustbilder eben so schön gebildet als die Buchstaben; dennoch darf man sie nicht für jünger halten als aus dem Schlusse des XI. Jahrhunderts. Nr. 74a soll

BOCCHENEIS,

Epinal,

Marsal,

Remilly?

85

das Haupt belorbeert haben; da akerzder Heilige auf Nr. 71 ga$z deltlich, und auch sonst immer nur mit einem DiBd&n erscheint, so wird auch wohl hier nur die Undeutlichkeit des Exemplars den Irrthum veranlasst haben. Remilly 1 Taf. IV, 75. i5) RVOMILI NGI (S) Brustbild r. h’f. t M ETTi,V, 2PET Kreuz. Saulcy, Suppl. 11, 46. Rev. franq. 1863, VIII, 6. Taf. IV. 76. 76) f STEPH ANVS diademirtes ßrustbild rechts. I?J (t) RVME LI NGI S , im Felde ME-TTI - S auf einem durch Punkte angedeuteten Kreuze. Rev. frang. 1863, VIII, 7. Saulcy, Suppl. 11; 43. Taf. ‘IV, 77. 771 Aehnlich, aber ohne Diadem. I?/: RVMZLINGIS Kreuz mit einem Stern in jedem Winkel. Rev. frany. 1863, VIII, 8. 78) f S’EPHAN diademirtes Brustbild mit erhobenen Händen rechtshin. lzJ: * RIMVLIGIS, Kreuz mit einem Stern im 2. Winkel. Rev. franp. 1863, VIII, 9. Taf. IV, 78a. 78n; Aehnlich, aber RIMVLIGIS. - Crew. o!sGr. (nach Monnier.) Monnier, Dieulouard 11, 11. 78 6j Aehnlich , aber &J Kreuz mit einem Stern im 1.) 2. und 3. Winkel. - Mittclgowicht: 0;~ Gr. de Rozieres, Marsal Nr. 2. 79) S STEPHANVS ahnliehes ßrustbild. RJ (t) RVMILINGIS Kreuz mit schräg aufgelegtem kleineren, in den Winkeln 2 Punkte mit 2 Stcrncn wechselnd. Rev. franc. 1863j VIII, 30. Taf. IV, YO. 80) S STEPHANVS ähnliches Brustbild. &J t RVMELINGIS ähnlich, aber 4 Punkte in den Kreuzeswinkeln. Rev. franq. 1863, VIII! 11. Aehnlich Saulcy, Suppl. IT, 4-1. Auch die Prä.gstätte dieser Münzen ist noch nicht mit Gewissheit festgestellt. Saulcy und ältere Schriftsteller suchen sic in Remilly, einem Marktflecken, der von Karl dem Kahlen Rumeliscum 1)) und selbst noch vom ßischof Stephan (1120- 63) Romeliacum genannt wird. Allein Saulcy kannte von diesen Münzen, abgesehen von Nr. 75, nur Nr. 76 und 80, und auch diese nur aus älteren Zeichnungen, welche auf jener RVMELIACI 1 . , auf dieser RVMELINGVS lasen, und somit bei jener wenigstens eine Beziehung auf Remilly (Rumeliaoum) unbedenklich erscheinen liessen. ‘ Durch Robert (Rev. frang. 1863. S. 199) sind diese Lesarten in RVMELINGIS berichtigt. Dies RVMELINGIS, sowie das sonstige RVMILINGIS, RIMVLIGIS und REMVLIGIS passt allerdings weniger zu Remilly und seinem lateinischen Namen. Daher glaubt dann Robert damit eines der Dörfer des Namens Hemelange im MoselDepartement bezeichnet, von denen das eine an der Grenze von Luxemburg, das (5 andere »& cot& de l’ancien domaine royal de Florangecc gelegen. ßedenken erregt ihm nur die geringe Bedeutsamkeit dieser Ortschaften. Aus sprachlichen Gründen möchte man sich vielleicht mit Robert für Remelange entscheiden, während histo1) Dass dort schon unter Karl dem Dicken N. E. S. 211 Nr. 8 wahrscheinlich. gemünzt war a macht der Denar bei Robert

86

Ober-Lothringen.

Bisthum Netz.

rische Griinde mehr für die tiltcrc Meinung, fiir Remilly sprechen. Dom Calmet [ 11, 73) berichtet nemlich , dass Bischof Stephan sich anfangs in grosser Verlegenheit befunden, da ihm nur das Gcbict von Rumilly geblieben sei, daher auch Monnier die aus den Funden von Dieulouard stammende Nr. 78 LCvon ihm hier geprägt vermuthet. Und das mag auch wohl richtig und an Remiremont, deutsch Rumelsberg nicht zu denken sein. Die Zeit dieser MUnzen ist bei Weitem nicht so zweifelhaft als die Prägstätte. Zunächst gehören augenscheinlich Nr. 76-80 alle demselben Zeitraume an, Nr. 76 entspricht auf das Genaueste dem Adalbero IV. Nr. 52, Nr. 79 und 80 dem Adalbero IV. Nr. 53, 77 bildet das Seitenstück zu Adalbero IV. Nr. 56 und unsere Nr. 78 unterscheidet sich lediglich durch den einzelnen Stern von Es ist also klar, dass diese Nr. 76 his Nr. 67 mit einem Sterne in jedem Winkel. 80 nur unter Adalbero IV. oder in den ersten Jahren seines .Nachfolgers Stephan gepragt sein können. Das bestitigen auch die Funde von Dieulouard und Marsal. Anders verhält es mit Nr. 75; sie ist bedeutend älter, und sieht den Münzen Hermanns, namentlich seiner Nr. 43 SO ähnlich, dass man sie unbedenklich in seine Zeit setzen darf. Die leisen Zweifel an ihrer Aechtheit, die Robert ausgesprochen, dürften, soweit sich ohne eigene Anschauung der Münze selbst urtheilen lässt, unbegriindet sein; auch Hermanns MtiwLen, wenigstens mein Exemplar, haben ein eigenthümlich rauhes Aussehen, das ZU Zweifeln Anlass bieten könnte. Uebrigens liest Saulcy RVOMILINGIE. h?J t METTISPET, während Robert (auf demselben Exemplar des Museums zu Metz) den Endbuchstaben auf der Ff. unsicher findet, und lieber METTVZ als METTIS annimmt. Robert scheint die grössere Sorgfalt bewiesen zu haben, daher ich ihm gefolgt bin. Unklar ist iibrigens die Bedeutung der BLI& staben PET; gehen sie auf S. Petrus? Remiremont. St. Stephan knieend. Bf. ROMARICVS Kreuz. Taf. IV, 81. 81) t PCTRVS Saulcyl Suppl. 1, 29. Dass unter Pctrus der Apostel zu verstehen, lehrt die ähnlichc Münze des Bischofs Stephan (Nr. 65)) doch scheint allerdings die Darstellung nicht ihn, sondern den Schutzheiligen von Metz anzugehen. Aus der Zeit desselben Bischofs, und zwar aus seinen ersten Jahren durfte auch unser Denar sein, soweit ich nach Saulcy’s keineswegs befriedigender Abbildung, ohne Kenntniss eines Originals urtheilen kann. Saarburg. Brustbild r. lt!! t SAREBORG Kreuz. Taf. IV, 82. Saulcy, Suppl. 11, 47. b2n) S STEPHANV ähnliches Brustbild r. &/: t SAR(eb)O\IR(G) Kreuz, in dessen Winkeln 2 Punkte mit 2 Halbmonden abwechseln. Saulcy, Suppl. 11, 48. 83) f PAVLVS Brustbild r. .l?J SAREBWC* Kreuz. - O,i8 Gr. (nach Monnicr) Mittelgewicht (nach Rozieres) 0,~ Gr. de Rozi&res, Marsal No. 3. Monnier, Dieulouard 11, 16. Taf. IV, 8:<a.‘j 83 a) S PAVLVjS) sonst ebenso. Rf. t S . . . VRG Kreuz mit einem Stern in jedem Winkel. - 0,~ Gr. (nach Monnier). Monnier, Dieulouard 11, 115.
82) f STEPHANVS 1) Aus VerYehen auf dor l‘afcl IV ~1s b3 bczciohnet.

=

Remiremont, Saarburg. -

l’oul.

Otto I., Gerhard,

Bruno.

87

Wir haben schon oben gesehen, dass das Domkapitel zu Metz im Jahre 1056 das ;Iliinzrecht zu Saarhurg erhielt. Von ihm rühren auch Nr. 83 und 83n jedenfalls her, da sie den Schutzheiligen des Kapitels nennen. Weniger sicher ist dies hinsichts der beiden ersten Denare mit dem Bilde uud Namen des heiligen Sfephan, welche älter sind und in Bischof Hermanns Zeit zu fallen scheinen.

Toul,
So münzarm auch diese alte Hauptstadt der Lenker ist: so haben wir von ihr doch kaiserliche, bischöfliche und sogar gräfliche Geprä.ge, freilich alle in höchst beschränkter Zahl. Die ältesten sind von Kaiser seit 9F2). mit einer Kugel in jedem jrücklaufig) , oben 3, unten Winkel. 1 Kugel. - Gew. : i,s Gr. Robert: N. E. Taf. XVIII, 1. Cappc legt die Münze dem dritten Otto bei (111, Nr. 277), Robert dem ersten. Jenes ist so gut möglich, als letzteres. Dasselbe gilt von der folgenden ähnlichen Taf. TV, 84.
8-l) OTTO REX:CIVITN Kreuz hJ im Felde TVLLO

Otto

1. (956-973,

&rcuz mit 4 Kugeln in den Winkeln. darüber 3, darunter 3 Kugeln. - K.M. 3 ,z~Gr. Cappe I, Taf. XVIII, 297. (es fehlt ein Stiickchcn.) Bischof Gerhard der Heilige 1963-994). 86) GERARDVS ePS Kreuz. IiJ . . .ZPETRVS Gebäude. Robert, Tot11 1, 1. Sanlcy bezweifelt den Touler Ursprung sowohl dieser Miinze, als der zweiten von Dom Calmet diesem Bischof& zugeschriebenen, welche oben als ein Gepriige des ’ Herzogs Gerhard von St. DiB (Nr. 1) nachgewiesen ist. Robert möchte wenigstens dies Stück für den Bischof retten. Aber wie will man es erklaren, dass zwei bis auf den Titel (ePS und DVXj vollständig gleiche Münzen, die eine zu Ende des X. Jahrh. (963-994), die andcrc in der zweiten Hälfte des XI. Jahrb. (10~lt&--7Oj geschlagen sein sollten? Kein Zweifel daher, dass beide Münzen identisch, und wahrscheinlich Dom Calmet durch ein undeutliches Exemplar der oben unter Herzog Gerhard (Nr. 2) beschriebenen Münze getäuscht worden ist, wie dies auch Lelewel (111, S. 182) annimmt. Es fällt dem gegenüber auch nicht ins Gewicht, dass Gerhard, wie Robert (S. 12) hervorhebt, von Otto 1. die Abtei St. Di& mit der Münze erhalten, und dort jenen anderen Denar mit S DEODATVS geschlagen haben könnte, während der vorstehende mit S PETRVS auf Toul (Abtei S. Mansuy) zu beziehen sein würde. Gerhard ist und wird vermutblich mtinzlos bleiben 1)) und die Münzreihe der Bischöfe von Toul beginnt mit
85) t(O)TTO... i?f. TVLLO, MP

Taf. IV: 85.

Bruno Taf. IV, 87.
87) BRVMO.

(1026-1051), dem späterenPabsteLeoIX. (1048-1054). EPS* Kreuz. Rf. tEV6HADIV Gebäude. Lelewel XIX, 18. Robert 1, 4.

1) Das schlechte Exemplar eines Denars Dietrichs 1. von Metz, das Robert (Taf. 1, 2) nuch Mory d’Elvange zweifelnd unter seinen Numen stellt, kann füglich ganz iibcrgangen werden.

SS

Olm -Lothringen.

Tod.

Ist Lelewels Zeichnung dieser kostbaren Münze des Trzebun-Fundes, wie nicht zu zweifeln, richtig, so fehlt das L in LEVCHA. Diesem Mangel hilft der folgende ghnliche Denar ab. Taf. IV, S7rz. 87n) 91 . .OEPm. KJ. LEVC.. . , sonst ebenso. - M. S. 1 ,SSGr. Der undcntlichc Name der Hf. wird SRVNO zu ergänzen sein, die Buchstaben sind nicht gerade sorgftiltig gearbeitet, auch das P in EPS sieht wie 0 auti. Udo (lor,l-69). SS) VDO EPS an den Enden und in den Winkeln eines Kreuzes. Iif. LEVCHA CIVITAS Gebäude. - Gewicht 1,2~ Gr. Robert 1, 5. Diese Miinze , sowie eine ganz gleiche kleinere, welche nach ihrer Grösse wie ein Obol erscheint, dem Gewicht nach (1 Gr.) aber öleichwohl ein Denar ist, kennt man nur aus einer alten Zeichnung von de Geneste. Taf. IV, SS. Pibo (Poppo) (1070-1107). 89) PI . . EP -2 Kreuz. IiJ t TVLLVM Gebäude. - Gew. 1,12 Gr. Robert 11, 3. Dem Funde von Tronville verdanken wir die Kenntniss dieser seltenen Münze, die sich noch ganz an die von Bruno ansohliesst. ’ Mit ihr und vielleicht einer anderen, die aber aur . . . . . EPISCOP als Umschrift um das Kreuz, und auf der verprägten BJ: etwa (L)EVC(a)CIVI erkennen lässt (Robert 11, 2), endet die Reihe der bischöflichen Gepräge, dcnu die von Heinrich (1127 - IlOSj gehören schwerlich noch unserem Zeitraume an; man sehe sie bei Robert Taf. 11, 5 und 6 und Xonnier, Dieulouard Nr. 7 und 8. Es bleiben noch zu betrachten folgende Denare des Grafen Peter’ von Toul, der in einer Urkunde des Bischofs Richwin von Toul von Ill.8 erscheint und sich nebst seinem’ Bruder Reinhard im ersten Kreuzzuge hervorthat. Taf. IV, 90. 90) f PETRVS Kopf rechtshin. Bf. PETRVS Kreuz mit 4 Kugeln. Robert 11, 3. 91)a) Aehnlich mit t fl . . . . S. Bf. PET . . S. - Gew. 1,oi Gr. Robert 11, 4. Saulcy und Lelewel sind über diese Zutheilung dieses bei Tronville entdeckten Denars einig, und Robert bemerkt, dass cr schwerlich in Toul selbst geschlagen, eher vielleicht in Remiremont oder einem anderen der vielen Orte, wie MoyenMoutier, Standelmont u. s. w., welche unter dem Schutze des Apostelfiirsten*standen. Der Denar schliesslich mit bEOb . . h!!: angeblich t LEV . . . S, den Lelewel und nach ihm Robert (S. 15, Taf. 1: 3) nach Toul verlegen, Ersterer dem Herzoge Dietrich I., Letzterer einem gleichnamigen Grafen (um 1004) zuschrieben, gehört dem Lütticher Bischofe Dietwin, der ihn in Ciney (CEVNVS) prägen liess. (S. Nr. 220.) Taf. IV, Y9.

Verdun
mit den Pragstätten Dieulouard, Dun, Hatton-ch%tel und Sampigny. Dass die Kaiser in dieser alten Celtenstadt Münzen geprägt haben, lehren uns ranze und halbe Pfennige von

Udo, Pibo, Graf Peter von Toul.

-

Verdun.

Heinrich

1.

89

Heinrich 1. (919-936), die freilich in regelmässigcn glcichzcitigen Stücken ungleich seltener vorkommen, als in Nachgeprägen, welche fir ihre gr‘usse Beliebtheit zeugen. Ein unzweifelhaftes Original verdanken wir dem Obrzycko-Funde.
91) t HEINRICVCI,

einem Punkte Taf. IV, 91n. 9ln)

Ff? +VIRDVNI Kreuz mit im Felde REX. im vierten Winkel. - K. M. 1,s~ Gr. Friedlaender, Obrzycko 11, 5.

Aehnlich, aber tHEINRICV2. - Aehnlich 1,s.IG~., 1,3~Gr. (Minsk), 1,41 Gr. Itobert N. E. XVII, 5, ähnlich Lelewel XIX, 25.
HEINRI (CVS! .

I{J . . . I DVN. - Gew. O,bjGr. ICobcrt N! E. XVII, 9. Die zahlreichen Nachmünzen scheiden sich sehr bestimmt in 2 Klassen, die einen kleineren , scheinbar, vielleicht auch wirklich beschnittenen, sind von gutem Silber und haben stets das Kreuz mit vier Kugeln, die anderen haben den grösseren Umfang der Urstücke und halten das nur mit Einer Kugel versehene Kreuz fest, das freilich auf den @testen die Form eines Malteserkreuzes annimmt. Jene Denare, theilweis wohl unter Heinrichs Nachfolgern in Verdun selbst geschlagen, haben durch ihre entarteten Umschriften Cappe (s. K. M. 1: Taf. XIII! 206, 207, 209, 11, Taf. XXII, 234, 235) verführt, auf ihnen die Namen der Könige Arnulf (1, Nr. 79), Ludwig IV. (1, Nr. 80) und Konrad 1. (1, Nr. 92, 11, 469, 470) zu lesen, von denen ein niichternes Auge nichts entdeckt i). Dass sich dies wirklich so verhält, folgt unwiderleglich daraus, dass diese Münzen der angeblichen Vor gäng e r Heinrichs nur in späteren Funden, z. B. dem von Sierpow (Lelewel 11, 8. 121), von Schwaan _ (Köhne N. F. S., 266 Nr. 9) und dem von Sochaczew (Num. Z. i846. S. 185) 2) und in diesen nicht gerade selten, die Originale aber, lediglich von Heinrich I., nur in den ältcren ‘Funden und nur sehr spärlich auftreten, während es doch, hätte Cappe richtig gelesen und gedeutet I gerade umgekehrt sein mllsste. - Die zweite ,Irt der Nachgeprage (Cappe I! Taf. XXII, 331, Robert XVII, 7 und 8), sind aber nur im Lande selbst, vielleicht auch in den angrenzenden französischen Landestheilen geschlagen und reichen sogar bis ins XIII. Jahrhundert hinab (Robert, S. 227), ein neuer Beleg flir den “type immobilis&, dem wir in der französischen Numismatik des Mittelalters so oft begegnen. Im Funde von Dieulouard , der etwa 1135 vergraben worden, bildete sie die MeQzahl (130 Stück auf 199). Die Ottonen scheinen’in Verdun nicht geprägt zu haben, wenigstens sind bisher keine Münzen von ihnen ans Licht geki>mmen. Dabei darf freilich folgender Denar des Fundes von Schwaan nicht übergangen werden, den Lisch (Köhne N. F. 8. 266, Nr. 10) also beschreibt: »OTTO GRA DI . . rechtsgekehrter Kopf. sc ILJ’. VVIR-NI, im Felde AMA, vergl. Fund von Farve Ta.f. 11, Nr. 13 Y. 45, Nr. 58.~ RIA
1) Ein solcher C’appeschcr Konrad 1. ist CS auch, der Groten (Miinzstud. 1, S. 81) zu der Annahme verleitet, Konrad habe, wenn auch nur vorübergehend Verdun besessen; mit der Veranlassung dszu fällt auch die Hypothese, wie schon Miinzstucl. 11, 8. 966 bemerkt ist. 2) S. auch Nitthcil. d. num. Ges. zu Berlin, S. 190 Nr. 9i.

Taf. IV, 92.

92) Obol mit

90

Ober-Lothringen.

Verdun.

Diese Reschreibung ist aber nicht ganz ,korrekt, sic lautet nach dem Originale, dessen Ansicht ich der Gefälligkeit des Hrn. G. R. Lisch verdanke: OTTO GRADI RX, während aus der verworrenen Umschrift der BJ nichts Sicheres (etwa VTVD . . . I IV), bestimmt aber nicht VV I R-NI herauszubringen ist. Letztere Lesung scheint Thomsen zum Urheber zu haben, denn die Münze erhielt ich eingewickelt in ein Papier, auf dem von seiner Hand VV I RDVNVM und die übrige Aufschrift geschrieben stand. Fehlt aber das entscheidende VVIRDVNVM oder VVI R-NI , so reiht sich die Nünze unter die Maestrichter ein, wohin sie auch die NJ: und das für die Maasgegend charakteristische GRAD1 verweist. Nicht anders verhält es sich dann mit der in Vorstehendem in Bezug genommenen Miinze des Farvcr Fundes (Taf. 11, 131, von der ein Bruchstück desselben Fundes von Schwaan bei Köhne a. a. 0. Er. 11 beschrieben .wird. Und nicht anders wird es, nach dem was über Thomsens Stellung zu dieser Frage so eben gesagt ist, mit den drei Denaren von Ot.to und Heinrich sich verhalten, die er ohne nähere Beschreibung, mit dem Hinzufugen, sie seien sehr undeutlich, aus dem Oster-Larskjer sc Schatze Ißcrl. Hl. 11, S. 61) auf Grund der Aufschrift MAR als Verduner verzeichIA danach als Utrechtische net, ja Cs ist dies um so gewisser, als Thomsen unmittelbar , sc 1<J AMA, Fund von folgende ;Maestrichterj Miinze bringt: »mit . RAIECTVM. RIA Farve 13.~ Beide also, Thomsen und Lisch, idcntificircn eine Münze, welche die dreizeilige Inschrift Sta Maria, und ausserdem nach Versicherung des Ersteren Trajectum, nach Lisch Virduni tragt, mit dem Farve’schen Exemplare. - Das Resultat kann hiernach nicht zvveifclhaft sein: CS sind Maestrichter Denare, die man fur Verduner genommen und bei ihrer schlechten Erhaltung und Unbekanntschaft mit ähnlichen dcutlichcn Maestrichtern mit Sta Maria auch leicht dafur hat nehmen können. Heinrich 11. (lOO2- 1024). V diademirtes ßrusthild rechts. 13J t VI . . . Taf. IV, 93. 93) t HEINRIC-V NVM, im Fcldc StA. Diese gut erhaltene Mtinze hat eine Lücke im Stadtnamen, die sich schwerlich anders a1.s zu VIRDVNVM er@inzcn lassen wird. Auch die Aufschrift im Felde ist, was den ersten Buchstaben anlangt, nicht deutlich. Soll man lesen: S MA, Sancta Maria? oder, wenn CHA stehen sollte, chastrum ? Taf. IV, 9-l) HEIN . . . . ßrqstbild links. Hand. - (Kopenhagen.) An Rohheit schwer zu tibertreffen. 91. Bf. . . . DVhll (oder DVNV)

95) . . . . . RICVS R . ßrustbild rechts. Iif. t VIRDVNVM Hand. - M. S. O,gt Gr. Mit diesen Geprägen, von denen die beiden letzten, wegen ihrer Aehnlichkeit mit den folgenden des Bischofs Richard, vielleicht von Heinrich 111. sind, schliessen die Kaisermünzen, denn Cappe’s Nr. -145 u. ,140: K. M. 1. sind nicht von Konrad II., sondern mit dessen Namen vom Bischof Rambert geprägt. (S. Nr. 102.)

Taf. IV, 95.

Heinrich II., Haimo.

93

Bischofsmünzen.
(990-1024). E . . . Kreuz mit einer Kugel im 2. und 4. Winkel. Bf. (0)TTO MP. . . (riickläufig), im Felde AVG. - ik1. S. o;e 1,lo Gr. Dobra 1,15 Gr. 1,2~ Gr. Robert, N. E. XVIII, 8. Ein M&m. St. Pkt. IV, Taf. XIV, 1. abgebildetes, aber wegen mangelhafter Ausprägung nicht erkanntes Exemplar ergänzt das vorbeschriebene Robert’sche, denn es bat auf der e! (HE) Ia0 CPC. Robert sieht iibrigcns durch diese Mtinze die Ueberlieferung 1) bestätigt, dass Haimo im Jahre 997 die mit der Grafengewalt von Verdun verbundenen Rechte an das Stift gebracht habe. Taf. IV, 96.
96) HElf?lO

Haimo

ahnlichen Obol, zum Abbilden zu schlecht, enthielt der Fund von Mosgau und besitzt ihn Herr Arohivrath v. Mülverstedt in Magdeburg. Taf. V, 95. 9b) Obol. Brustbild mit Krummstab, linkshin. &f. HAEitYIO .. Kreuz mit 3 (oder 0) Kugeln. - Gew. 0,~ Gr. v. Sallet 1, S. 262, wo aber dieses unweit Regensburg gefundene Münzeben auf diese Prägstätte und Bischof Heinrich 1. (1132 - 1155) bezogen wird. Taf. v, 99. 99) HAEI(T\O Brustbild links. Bf. HAEINRICVS. Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. - (Kopenhagen.) v. Sallet 1, 8. 262, wo 3 Exemplare im Gewicht von 1,~s Gr., 1,16 Gr. und 1,12 Gr. abgebildet, aber ebenfalls irrthümlich für Regensburgisch ausgegeben werden. Aber nicht blos in Verdun selbst, sondern auch in Dieulouard, in Dun , Hatton-chatcl und in S+mpigny haben die Bischöfe ihre Prägstätten geha.bt, und Haimo in Dieulouard und wohl auch in Watton-chatel folgende Denare prägen lassen. Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. segnende Band. - K. M. 1,ozGr. Aehnlich Thomsen 3526. Dieulouard ist ein i\larktflecken an der Mosel: im Jahre 997 auf den Triimmern von Scarpona gegründet, es gehörte zur Grafschaft Verdun und kam mit deren Schenkung durch Herzog Friedrich von Niederlothringen an das Bisthum. Der Name Diex-lo-wart bedeutet: Dieu le garde. Taf. V, 100. 100) HAI (MIO . P(S+*
Bf. . Df LOVVART-

97) Einen

Kreuz*mit einer Kugel in jedem Winkel. Bf. CAS-(T)RV Gebäude. - Grote. v. Sallet 1, S. 262. - Gew. 1 ,OSGr. Die wenigen Fundgenossen dieser Münze bei Regensburg (Haimo’sj und die mehren bei Ciechanow sprechen ebenso wie ihre Fabrik mehr für Haimo als für seinen Nachfolger. Hatton-ch&tel, nach B. Hatto von Verdun (817-870) genannt, ein Marktflecken des Herzogthums Bar, war alter Besitz des Bisthums , und nach
1) Wassebourg, autiq. de la Gaule Belgique 1549 p. 209. Saulcy rech. s. les m. des evkques .

Ta,f. V, 101. 301) (HAD)DONIS

de Metz S. 10.

92

Ober-Lothringen.

Verdun.

Saulcy Hauptmünzstätte gen abtrat. Taf. V, 102.
102)

bis 1546,
Ranlbert

wo Bischof Nicolaus
(1024-1039~.
l

es an Karl 111. von Lothrin-

t*COhRAD9. IMP A/G gekrönter bärtiger Kopf linkshin. &?/: tR*A*BT’ PSt WDVNI. - M. S. 1,14 Gr. 1,~ Gr. Götz 222. Köhne 111, 8. 185. Cappe 1, Nr. ,115, 446. Robert N. E. XVIII, 9. Der Stempelschneider hat sich in Zusammenziehung der Buchstaben gcfallcn, iibrigcns aber höchst korrekte Umschriften geliefert, wie sie in dieser Zeit nicht eben häufig sind. Die der BJ lautet, wenn man nur das Zeichen zwischen A und B ‘als das Mitteltheil eines M auffasst, also AMB liest, Rambertus presul Virduni. Ueber den Titel praesul, dessen sich auch Haimo bedient,’ und iiber die Nennung des Bischofssitzes ist schon oben S. 29 gesprochen worden. Taf. V, 103. 103) t.R*AmBERTSPSL* CASTR/ Kreuz Thomsen 3328. Eine Abart s. im Nachtrage. mit Brustbild linkshin. 1$f. tHAD0N.I einer Kugel in jedem Winkel. -

Richard 1. (1639-1646). , Taf. V, 10.1. 164) RICARDVS . . . . bischöfliches Brustbild links. h?f. t HEIN R 102 REX geschlossene Hand. Robert N. E. XVIII, IO. Die Bestimmung dieser Münze ist unbedenklich, da anderswo ein geistlicher &Iüuzherr des Namens Richard nicht vorkommt. 105) t RICHARD . . . segnende Hand. &J. HATT(V)NI2 CA TRV fünfsäulige Kirche. - Kopenhagen. 165a; Desgleichen mit t RICHAWJ 3PIS. I$ HATTONI S CAS . . . . Mbm. St. P&. III, Taf. XI, 8. Beide Munzen stechen gegen die schönen seines Vorgängers Rambert sehr unvortbeilhaft ab. Theodorich, Herzog v. Lothringen (1046-1089). Taf. V, IOti. 106) TIEDERIC9 E(PS) Brustbild mit Stab rechts. &J (VjlR DVNV 1) zweithürmige Kirche. Lelewel XIX, 26. Saulcy, note 8. quelq. monn. du moycn-%ge (extr. des mem. de la sec. des antiqu. de Normandie) Nr. 2. Der Styl dieses und aller übrigen ,. dem Funde von, Tronvillc entstammenden Denare macht es sehr wahrscheinlich, dass er in der letzten Zeit dieses Bischofs geprägt ist. Taf. V, 107. 107) tTIEDERICVS EFS Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. Bf. t SfA MARIA deren verschleierter Kopf mit Heiligenschein rechtshin. Lelewel XIX, 27. Saulcy a. a. 0. Nr. 3 und 4.
1) Die Beschreibungen dieser und der folgenden Miinzen von Theodorich und Richer nach Saulcy, sie sind in den Umschriften oft vollstandiger als die Abbildungen, was sich aus mehreren Exemplaren gewonnene ErgGmung der unvollständigen Stücke erklaren obiger Münze bin ich aber, soweit beide abweichen, Lclewel gefolgt, dessen Zeichnung Saulcys zu sein schien; die Abweichung betrifft übrigens nur die Form des E . gebe durch wird, treuer _

Taf. V, 105.

ich die bei als

Rambert,

Richard

1.. Theodorich,

Richer.

93

Saulcy führt auch eine Abart mit Schrift (legende renversee) an.

rückläufiger

oder auswärts gestellter

Iu-

.lZJ. Kreuz mit je einer Kugel 107a) Ebenso. M. S. I,I~ Gr. 1,15 Gr. Taf. V, 108. 1Otij Aehnlicher Cbol. Saulcy 5 und 6. in 3 Zeilen.

an den Enden. -

Taf. V, 109. 109) TEO-DERIC-EPS

F .ZZJ VIRGO.
+ I + A

Lelewel XIX. Saulcy Nr. 7 - 11. Durch die Zeichen neben dem A der BJ, welches bald von einem Punkte und einem Kreuzehen, bald von 2 Sternen, bald von 2 Vögeln begleitet ist? werden verschiedene Abarten hergestellt. Wichtiger ist Saulcy Nr. 12, 13. Taf. V, 110. IlOj Ein Obol gleichen Gepräges. Taf. V, 111‘. 311) t ‘EODERIC’
EPS Kreuz mit je einer Kugel

an den Enden.

f
Zip t VRBS CLAVORV,

im Felde

Saulcy Nr. 14. Die Umschrift der RJ bildet den einzigen monumentalen Beleg zu der Bezcichnung urbs clavorum , welche einigt Chronisten, namentlich der gleichzeitige Sigebert von Gemblours unserm Verdun beilegen, und zu dessen Erklärung verschiedene Vermutbungen aufgestellt sind. Lelewel sagt (111, S. 180) schlechtweg, die Gegend von Verdun sei früher von dem Stamm der Clavier bewohnt gewesen, lässt es jedoch am Nachweise hierfür fehlen. Dass man aber schon damals über die Bcdeutung dieser Benennung im Unklaren gewesen, beweist folgende Stelle des 1065 geborenen Hugo, der sein Chronicon als Mönch zu Verdun selbst schrieb : In provincia, igitur Belgicae 1. urbs erat posita in confinis Neustriae et Austrasiae, Virdunum nomine, quam antiqui et etiam moderni urhem Clavorum consuerunt appellare. Ethymologiam autem nominis hujus quod est urbs Clavorum ipsa nobis quae sola praeteritarum rerum habet scientiam signavit nobis antiquitas, quod seilicet ob ‘id ita sit appellata, quod a lapidibus praemagnis ferro plumboque compactis et consertis ingenti aere et Studio sit exstructa *) Richer (IOSS- 1105). Taf. V, 111. 112)‘) t R ICl-ER (VS Ej PS Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. Ii!! t MARIA VI (RGO) Kirche. I,elewel XTX, 29. Saulcy, Nr. 17. 113) Obol desselben Gepräges. Saulcy, Nr. 18. Taf. V, 114. 214) t RICkER(VS E)PS Kirche. RJ tMARIA VIRGO Kreuz mit einer Kugel an jedem Ende. Haulcy, Nr. 15, 36. Taf. V. 315. 115) .*. RICI-ERVS EBS Kreuz. Rf. t DS(L)OWART Kirche. Saulcy, Nr. 19. ---_
1) Pertz Monum. X, 292. 2) Ssulcys Beschreibung weicht Styltreue hnlb~:r wiedergegeben habe. etwas von Lelewels Zeichnung ab, die ich ihrer grüsseren

MRI. A

94

Obrr- 1,othringen.

Vfwlun.

Richard

IT., Heinrich

II., Albero

111

Kreuz mit einem Sterne in jedem (oder nur je im Ober-) Winkel. Ii!J: DVN(V)M Kirche. Saulcy Nr. 20. Dun, ein Städtchen im Herzogthum Bar, liegt an der Maas, stidlich von Stenay, und wurde durch Heinrich IV. 1066 dem Herzog Gottfried zur Strafe genommen und dem Hischof Theodorich von Verdun geschenkt; 1387 kam es durch Tausch an das Herzogthum Har. Taf. V, 117. 11.7) .*. RICjl-ERJVS EPS Kreuz. Bj: (t H)ATTON CA(STEL, Kirche. Saulcy, Nr. 21. Unter Nr. 22 giebt Saulcy eine andere Art mit I<b t HATTONIS allein. 118) Obol desselben Gepräges, mit 1 RICHERVS. RJ: HAT TON IS. Saulcy, S. 22: Taf. V, 339. 139) “(:, RICl-ER(VS E)PS Kreuz, mit einem Kreise belegt. I{/: t SA(MP) IN I ACV Kirche. Lelewel XIX, 28. . 120) t VIRCO MARIA verschleierter Kopf der heiligen Jungfrau. .Z<J t SAMPI NIACVM Kirche. Saulcy, S. 23. Sampigny, an der Maas zwischen 8. Mihiel und Commercy gelegen, wurde schon von Childebert 11. der Kirche Verdun geschenkt. Alle diese Denare von Richer und Theodorich sind von feinem, zierlichem Stempelschnitt. Wie bemerkt, sind sie Ausbeute des Fundes von Tronrille, während die nächste dem von RoziBres veröffentlichten Funde von Marsal (s. S. 60) und die folgenden, ihnen nahe verwandten dem von Monnier beschriebenen Funde von Dieulouard (s. S. ÜO) angehört haben.
116)

Taf. V, 116.

:. RIC(HER)V(S

EP)S

Richard II., Graf von Grandpre (1107-1111). Taf. V, 121. 121) Vl(RDVNjVM Burg. ab it S)ALVS MV(NDI) Kreuz. Gew. 0,9 Gr. RoziBres in den m6m. de la sec. d’arch. lorrainc 1867. Die IJmschrift erinnert an das LV X (scil. mundi), das auf einem Styca des Kiinigs Ecgfrith von Northumberland (Ruding, coins of England, Taf. 281 erscheint. - Müglich iibrigens; dass unser Denar noch von Richer ist. Graf von Hlois (1117-1129). verschleierter Kopf linkshin. RJ: *HENRI CVS E4S Kreuz mit Stern im vierten Winkel. - Gew. 0,47 Gr. als Mittel von 5 Stücken. Monnier , Dieulouard Nr. 1. Taf. V, 123. 12:1) Aehnlicher Obol. .fi/: ’ HENRJCVS Kreuz. - Gew. 0,1 Gr. Monnier, Nr. 2. Taf. V, 124. 124) HENRICV . . . Kopf linkshin, dahinter ein Stern. RJ * (VIRGO) MARIA Vogel (Taube?) linkshin. 01101 von Monnier, Nr. 3. 0,4 Gr. Albero III., vou Chiny (1331--135rj). 12hj SCA MARIA verschleiertes Brustbild linksh. Xf. * ALBER Kreuz. - Gew. 0,~ Gr. Monnier, Nr. 4. 126) ALBERO EPS Kopf linkshin. l?JI t2CA MARIA vitrblättrige Rosette. (Angeblich) Ob01 von 0,5jGr. - Monnier; Nr. 5. Heide Münzen scheinen in die ersten Jahre Albero’s zu fallen.
VIRGO

Heinrich Taf. V, 122. 322) *MARIA

II.,

Herzöge

von Nieder-Lothringen.

[Karl , Otto).

95

B. Niederlande.
Es ist bereits oben (S. 64) erwähnt worden, dass nach dem Tode des trefflichen Bruders Otto’s des Grossen, Bruno% Erzbischofs von Köln, der Lothringen mit dem Titel eines Oberherzogs verwaltet hatte, dies Land in Ober- und Nicderr Lothringen getheilt , und jedem dieser Theile ein besonderer Herzog vorgesetzt wurde. Ftir Niederlothringen ernannte Otto 11. im Jahre 9iO Karl, den Bruder des französischen Königs Lothar zum Herzoge , nach dessen Tode (991; sein Sohn Otto zur Herzogswürde gelangte, dem nach einigen Jahren Gotfried 1. “) (1’012-23)) Sohn des Grafen Gotfried von Verdun folgte, in dessen Familie dann das Herzogthum, mit Unterbrechungen durch Friedrich von Luxemburg (1046-65) und Konrad Herzog von Franken (1076-88) bis zum Schlusse des Jahrhunderts verblieb. Nach Gotfried IV. von Bouillon, dem ruhmreichen Eroberer des heiligen Grabes, wird Heinrich von Limburg als Herzog (1101-1106) genannt: von dem das Amt mit Gotfried V. (dem Bärtigen oder dem Grossen; 1106 an das Haus des Grafen von Löwen gelangte, mit einer Zwischenregierung Walrams von Limburg (1128 - 39). Mit dessen Tode löste sich das Herzogthum in seine Bestaudtheile auf. Gotfried’s Nachkommen waren die Herzöge von Brabant, wclchc ihren Herzogstitcl wohl von dem lothringischen Herzogsamte auf Brabant übertragen haben. Von diesen Herzögen von Niederlothringen besitzen wir wenige und seltene Munzen, und nur 3 mit Angabe der Prägstätte : Meer, Löwen und Herstal. Die beiden letzten werden nachstehend beschrieben, während Meer als im Rheinlande belegen, dem folgenden Abschnitte vorbehalten bleibt (Nr. 304 -306). Ausserdem sind auch die übrigen Münzen ohne Namen der Prägstätte hier zu erörtern, da sie der Fabrik nach hierher, nicht aber nach dem Rhein gehören. Auszuschliessen sind zuvörderst die Gepräge, welche man den beiden ersten Herzögen Karl und Otto zugetheilt hat. Karl (976-991). wird von Lelewel (111, S. 150) mit einem Denare (OTTO REX Kreuz. Bf. Carolus im Monogramme t GRATIA D - I REX) bedacht, den Robert (N. E. S. 229) gewiss richtiger Otto dem Grossen beilegt und der in Metz geschlagen sein mag. Unter dessen unbestimmte Gepräge habe ich ihn demzufolge gestellt. (Nr. 3 153.) - Siehe tibrigens auch Trier. Otto (991-1005). Die von Kiihne (Zeitsehr. ITT, S. 143 und N. F. S. 321) ihm zugeschriebenen Denare wird man unter Sachsen finden (Nr. 595.), eben80 den HEREMON, den Höhne ursprtinglich (111, S. 143) fiir einen Grafen, schliesslich aber (Reiche1 IV, 2898 und 2899) flir einen Herzog von Niederlotbringen (954-959) ausgegeben hat.
1) Ich lege Grates l’abcllen zu Grunde, dessen Angaben von Köhne’s [Zeitsehr 111, S. 1:{91 erheblich abweichen.

und namentlich

dessen Bezifferung

96

Herzüge von Nieder-Lothringen

Gotfried Taf. VI, 127.

1. (1012-23).

127) (G)OTDEFRI . . . DVX Kopf rechtshin. Bf. t S (C)A MARI (al XI, im Felde o, das mit den sonstigen Spuren des Geprages

den Namen 02 oder LOVA vermuthen lässt. Gew. l,l~Gr. Rev. Beige 11, 4 (1854), Taf. XIX, 1. Nicht mit Unrecht hebt de Coster a. a. 0. S. 430 die Aehnlichkeit dieses bei Lüttich gefundenen Denars mit den kaiserlichen längs der Maas, namentlich in Lüttich und Huy geschlagenen hervor, weshalb er ihn zuerst unserem Gotfried habe zulegen wollen. Von dieser Ansicht ist er aber durch die Erwägung zurückgekommen, dass die ,Jungfrau Maria vor dem XII. Jahrhundert in keiner irgend beträchtlichen Stadt Brabants als Schutzheilige verehrt wurde, und eignet ihn daher dem Grafen Ansfried von Huy zu, der als Wohlthäter der Kirche zu Lüttich und späterer Bischof von Utrecht bekannt ist, und urkundlich das Münzrecht besessen hat. Aber wenn auch de Coster behauptet, dass der Name Gotfried auf die verschiedenste Weise geschrieben, und selbst als Ansfridus vorkomme, so sind doch Gotfried und Ansfried grundverschiedene, von zwei einander ganz fremden Wurzeln abgeleitete Namen, deren gelegentliche Verwechselung nur auf Irrthum zurückzuführen ist, und warum man den Prlgeort einer herzoglich niederlothringischen Münze gerade in Brabant suchen soll, ist auch nicht abzusehen. Am meisten aber spricht gegen Ansfried der Herzogstitel, da er doch+immer nur Graf genannt wird, und auf die Herzogswürde keinen Schatten von Anspruch hatte. Es ist also schlechterdings unmöglich, in unserem Gotfried etwas anderes als einen Herzog von Lothringen zu sehen? da dieser Name, wie de Coster selbst einräumt, in dieser Zeit nur diesen Herzögen eigen ist. Die Wahl ist allerdings unter den vier Herzögen, welche im Laufe des XI. Jahrhunderts diesen Namen getragen haben, nicht leicht, doch spricht eine gewisse Aehnlichkeit mit Ottonen-Denaren von Huy einigermaassen für den ersten; wenn aber die nachstehend unter Gotfried 11. aufgeführten Denare demsclbcn wirklich zuzueignen sind, so müsste man unseren so ähnlichen, wo nicht gar etwa mit Nr. 131 identischen, eben demselben Herzage zutheilen. Noch schwerer aber ist der Prägeort zu bestimmen, da die Himmelskönigin in so vielen niederländischen Städten als Schutzheilige verehrt wurde, in Maestricht, Huy, Lüttich, Thoren, Herstal u. s. w. Caipe beschreibt (Num. Z. 1846. 8. 194. Nr. 43) : 128) HENRICVS IM gekröntes Brustbild r. Rf. GODEFRIDVS s)ehender Herzog, in der Rechten Lanze, in der Linken einen undeutlichen Gegenstand. Ist die Beschreibung richtig, woran jedoch Cappe’s Gewähr ebenso wie der ungewöhnliche Kaisername und das Fehlen des Herzogstitels zweifeln lassen, so kann diese Munze, da sie dem Sochaczew-Funde entstammt, nur diesem Gotfried gehören. Ich möchte aber glauben, dass statt GODEFRI DVS vielmehr VICTORIA zu lesen fs. Nr. 1179). Gozelo (Gothelo) 1. (1023-45) oder 11. (1044-1046).
Af. GOxE Taf. VI, 121). 329) SC MARIA Brustbild mit Blume; rechtshin. LOCIVX der Herzog r. mit einer Kugel und Fahne, vor seinen Fussen 4 Ringel. - M. S. 1,SA Gr. Kiihne 111, Taf. V, 32. Bl. f. Münzk. 11, Taf. XVI, 234.

.

aotfried

I., Gozelo l.,

Gotfried

If.

93

deren Kopf r., davor 4 Kugeln. .?/1 Aehnlich. Köhne 111, Taf. V, 13. Taf. VI, 330. 130) (t ?j GO * Ziele) DVX Kopf linkshin. R! Ohne Umschrift. Zwei Miinncr, eine SMule oder einen Baum aufrichtend. - M. S. 1 Gr. Bl. f. Münzk. 11, Taf. XVI, 236. Da Gozelo 1. eine Zeitlang (1033-44) auch in Oberlothringen gewaltet hat, so bleibt es ungewiss, ob unsere Mlinzen nicht etwa dorthin gehören. Aehnlicbe Geprlge finden sich aber weder in diesem noch in jenem Theile des Herzogthums, und so scheint Fair jetzt die längere Zeitdauer und eine gewisse Fabrikabnlichkeit mit mehren Denaren der Maasgegend für die getroffene Wahl zu sprechen. Chalon (Rev. Belgc 11, 6, J. 1856, S. 271) glaubt sie in Herstal geschlagen, wo Gozelo wahrscheinlich residirt hat, und wo der Mutter Gottes. die Hauptkirche geweiht, später Karl d. Gr. mit ihr verehrt wurde, von wo wir auch einen Denar (von Herzog Gotfried III? 1143 - 93) besitzen; der sie mit einer Blume in der Hand . darstellt (Rev. Beige 11, 4, J. 1854, XIX, 6, v. d. Chijs leenen van Brab. 1, 2). Diese Meinung scheint mir sehr ansprechend zu sein 1;.
129a. 129a) (SC) MARIA

Taf.VI,

Taf. VI, 131.

131)

G o t fr i e d 11.) in Oberlothringen 1065 -70. GOTDEFRI . . . DVX Kopf r.
RJ VI?.

1044-

46, in Niederlotbringen im Felde. 3.

ht/: t ARIVTIN,

Köhne 11, Taf. VIII, M. S. 1,01 Gr.

0 Taf. VI, 131~. Taf. VI, 132.
13 1 a) Aehnlich

332) GODE.. . . DVX Kopf linkshin. Zi/: VICTO-RIA Schwert. - M. S. 1,~ Gr. Köhne 11, Taf. VIII, 4. Köhne legt beide Münzen dem berühmten Gotfried IV. (von Bouillon) bei, weil die Köpfe auf beiden, jugendlich seien, also seinen Oheim Gotfried 111. (lO70-7G) nicht darstellen könnten, und weil der Schwerttypus den kriegerischen Geist dieses tapferen Fürsten gut charakterisire, sagt aber dennoch unbegreiflicherweise, sie seien älter als Gerhard vom Elsass 1048-70 (a. a. 0. S. 247). Diese für Gotfried IV. angeführten Gründe sind aber von keinem Gewichte: Neigungen und Charakter der Fürsten haben im Mittelalter am allerwenigsten die Wahl dcs Münzgepräges bestimmt, und aus den Brustbildern auf diesen MUnzen das Alter der dargestellten Person herauslesen zu wollen, wlre ein hoffnungsloses Beginnen. So hat denn auch Köhne seine frtihere Meinung später (Zeitsehr. 111, S. 144) verlassen, und diese Mtinzen für älter erklärt. IJnverständlich aber ist seine Argumentation, dass sie jünger als Gozelo, also wohl eher einem (sogenannten) Gotfried 11. (1004-19), als soll es umgekehrt heissen, Gotfried 111. ( 1049- 70) angehörig ; wahrscheinlich Später hat Köhne auch diese Andass sie eher diesem als jenem zukommen. sicht wieder geändert und ist (Mb. St. Pkt. IV, 35) zu seiner früheren zurückgekehrt, muss aber der Thatsachc gegenüber, dass diese Münzen aus dem spätestens zu der künstlichen Voraussetzung 2076 vergrabenen Funde von Selsoe herrühren,
1) Noch nach der Veröffentlichung pr. de Lig-ne S. 4Mj fiir unwahrscheinlich la monnaie c<.
Dannenberg, Deutsehlsnds iltesta Ulimwa.

der beiden ersten Niinzen ~,que nos ducs b&&ticinircs

erklärte es Serrure (cab. du aimt inscrit, lenrs noms mi

SS

HerzUge von Nieder-Lothringen.

(kkfried

iV.,

Gotfricd

L’.

seine Zuflucht nehmen, dass sie sogleich nach ihrer Prägung 1) nach Selsoe gebracht und dort mit den anderen im Jahre 1077 verscharrt worden. Dieser Schwierigkeit zu entgehen, versteht sich Köhne schliesslich dazu, auch Gotfried (III., vun ihm IV. genannt, 1070-7G) als Mitbewerber zuzulassen, nur weil unser Gotfried II. ihm wegen der grossen Verschiedenheit, welche die Münzen von Meer zeigen, nicht passend erscheint. Indessen Gotfried’s TI. Ländergebiet war ausgedehnt genug, und ist daher nicht abzusehen, warum seine Münzen nicht ein verschiedenes Aussehen haben sollten, wenn sie an verschiedenen Orten gepr&gt sind. Eher als an einen Nachfolger könnte man meines Erachtens an Gotfried’s 11. Vorgänger denken, aber Thomsen, der diese MUnzen und den ganzen Selsoe-Fund, aus dem sie nach Kiihne (111, S. 130, 133, 136) sich herschreiben, unter Händen gehabt, hat sich für unseren Gotfried entschieden (Kühne 111, 3 36) und so steht es uns dann nicht an, ohne triftige Gründe von seiner Meinung abzuweichen. Was schliesslich die Umschriften der Rf. von Nr. 131 betrifft, so gesteht Kiihne, dass er sie nicht zu erklären vermag, so wenig dies de Coster (Rev. Belge 11, 4. S. 433) vermocht hat. Sollte aber die Aufschrift im Felde - falls diese Münze sich nicht iiberhaupt als identisch mit der oben unter Gotfried 1. beschriebenen erweisen sollte - sich nicht durch das VICTORIA von Nr. 132 bestimmen lassen’? Mein obiges Exemplar des Schwarzow-Fundes zeigt die mittlere Schriftreihe leider undeutlich, deutlich dagegen das G iiber und das 0 unter derselben. Also
VICTORIA GOTFlilDI?

Andere Gepräge dicscs Herzogs s. man unter Meer (Nr. 304Gotfried IV. (Nr. 188-191). Gotfried (von Bouillon), 1088-1100,

306). s. Bouillon

V., der Bärtige, 1106-28 und 1039-40. Taf. VI, 333. 133) t GO.. . . I DVS Gebäude. Rf. t LOVÄNI . . . Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. v. d. Chijs, Brabant, Taf. III, 1. Die Prägstätte Löwen lässt wohl keinen Zweifel darüber, dass der hier genannte Gotfried kein anderer ist, als der Graf von Löwen, dem der Kaiser, nachdem er den rebellischen Heinrich Grafen von Limburg des Herzogthums entsetzt, da&selbe im .Jahre IlOG als erbliches Lohn ertheilte, und der als Stammvater der Herzöge von Brabant anzusehen ist, obwohl er den Titel noch nicht führte. Löwen war die gewöhnliche Residenz der Herzöge von Niederlothringen (Brabant) aus dem gräflich Löwen’schen Hause, daher sie auch im XII. Jahrhundert bisweilen, und selbst auf Münzen, als Herzöge von Löwen bezeichnet werden, obwohl es doch ein Herzogthum Löwen niemals gegeben hat ; der Titel des Herzogs von Niederlothringen wurde, nach dem Verfall der Reichsherzogthümer, auf Löwen und Brabant, den Sitz ihrer Hausmacht, übertragen 2). i 134) DVX Brustbild im Helm t!) mit Schwert und Fahne. RJ. Gebäude. - Gew. O,gg Gr. Rev. Belge 11, 4 (1854), Taf. XIX, 4.
1) Er lässt nRmlich Gotfried v. Bouillon schon 1076 Herzog werden. 2) S. über Entstehung des Titels dux Brabantiae die Rev. Beige 111 (1847), S. 225.

Nieder-Lothringen.

Grrfen von Lijwcm.

09

Taf. VI, 135. 135) Bärtiges Brustbild (im Helm?) mit Schwert und Vogel, rechtshin. RJ Breites mit Ringeln verziertes Kreuz mit HAST in in den Winkeln. - Gew. O,% Gr. Rev. Belge 11, 4 (1854), Taf. XIX, 5. v. d. Chijs leenen v. Brab. 1, 3. Herstal, im Mittelalter Hnstalium, Heristallum, ist der Prägort der letzten Mtlnze ; es war alter Besitz der Grafen von Löwen, bis Herzog Gotfried 111. es 1171 dem Bisthum Lüttich verkaufte. Dass aber der nicht näher bezeichnete Münzherr unser Gotfried ist, wird höchst wahrscheinlich durch den 11. Maestrichter Fund, dem dieser Denar entnommen ist 1). Damit ist auch Nr. 134 bestimmt, welche denselben Ursprung hat. Allerdings sehen beide jünger aus als Nr. 133, also werden sie in das Ende, wie Nr. 133 in den Anfang von Gotfried’s langer Herrschaft fallen. Für wahrscheinlich halte ich es, dass auch der Denar mit GODEFRI DVS Kreuz, Rf. Hand im Portale, den Köhne (Reiche1 IV, 2754) dem Triersehen Erzbischofe Gotfried (1124-27) zueignet, diesen unseren Herzog Gotfried V’. zum IJrheber hat. Man sehe ihn unter den unbestimmten (Nr. 1250). Dagegen habe ich den von v. d. Chijs (Brabant, Taf. XXXII) unter die Brabanter aufgenommenen Gotfried mit Chalon (Namur 11, fi) unter die Namurer versetzt (s. Nr. 170), dem vielleicht auch der eben gedachte anzuschliessen ist.

Grafen

von Lö,wen.

Taf. VI: 136. 136) + VW RN-I . <u . Kopf rechts, vor demselben ein Schwert. Rf. . . . VA (Lova?) um ein Viereck, das in der Mitte ein befusstes Kreuz, an jeder der beiden Seiten eine Thar oder Fahne zeigt. - Gew. 0,:~ Gr. Rev. Belge 11, 6 (1856), XXI, 39. Taf. VI, 13i. 13ij t3.. , . . VI Kopf linkshin mit Schild (?) und Schwert davor. RJ: Eine Art Gebäude, auf dem man . OVÄ (Lova?) liest. Ebenda XXI, 40. - Gew. 0,~ Gr. Taf. VI, 138. 338) Umschrift erloschen. Lockiger Kopf rechts, davor Schwert. RJ: Gebäude mit . C oder G auf jeder Seite. - Gew. O;gi Gr. Ebenda XXI, 41. Taf. VI, 139. 139) Schriftloser Denar. Kopf rechts, davor Schwert. &!!. Gebäude. Rev. Belge 11, 6 (1856), XXI, 42. - Gew. 0,s Gr. Der Kopf mit dem Sehwerte setzt diese Münzen ebenso wohl als die Fundgenossenschaft in nahe Beziehung zu den Münzen von Bouillon. Wäre das LOVA auf Nr. 136 und 137 sicher, so würde über ihre Zutheilung kein Zweifel sein können ; aber selbst bei dem schlechten Zustande dieser nur in je 1 Exemplar bekannten Münzen ist namentlich hinsichtlich Nr. 136 die Ergänzung zu LOVA, wie de Coster sie vorgeschlagen hat, höchst wahrscheinlich, da die Symmetrie vor den noch übrigen Buchstaben . VA nicht mehr und nicht weniger als gerade 2 voraussetzen lässt, und eine passendere Vervollständigung schwer zu erdenken sein möchte. Dies zu1) Rev. Belge 11, 4 (1834) S. 440.

100

Nieder- Lothringen.

Antwefyen.

gegeben, wird man gegen de Coster’s Vorschlag, beide Mtinzen dem Grafen Heinrich 11. (1062-75), dem Vater Herzo g Gotfried’s V., Nr. 136 vielleicht sogar seinem Vorganger Lambert beizulegen, nichts Erhebliches einwenden können. Nr. 138 glaubt er möglicherweise vom Herzoge von Niederlothringen zu Antwerpen geschlagen.

Antwerpen,
Heinrich 1. (919-936). Taf. VI, 140. 140) t HE. -. VS REX Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. $/: ANTW - (er)PIS Doppelter Kirchengiebel mit CIVITA. Rev. Belge 11, 2 (18523, 1, 12, und ein ähnlicher ebenda Nr. 11. , Ein ganz ähnlicher Denar von Ludwig (dem Kinde) in der Rev. Belge IV, Band 111. S. 140 l) und noch ein anderer aber wesentlich verschiedener desselben Kaisers in der Berl. Bl. VI. Taf. LXXI, 2 (mit LVDOVICI IMPERAT und CRVX im Kreuze). I?L (AN)--TW-PA-t(Clj und VITAS im Felde, machen es zweifellos, dass wir hier Heinrich I., keinen späteren, vor uns haben. Erwähnt wird die Stadt schon 836, zu welchem Jahre es in den Ann. Fuld. heisst: Nordmanni Antwerpam civitatem incendunt (s, Rev. Belge 11, 3. S. 5 Anmerkung). Kiinig

i

Brüssel,
Taf. VI, 141. 141) t OTGERVS @P3T Kreuz mit einer Kugel im ersten und dritten, und einer von drei Monden gebildeten Triquetra im Rf. BRVOC - 3v,LLA in zweiten und vierten Winkel. Form eines Kreuzes, in dessen Winkeln fG93. M. S. O,or Gr., ähnlich 0,~ Gr. v. d. Chijs Brabant 1, 9 (nach Rev. Belge V, 8. 50, Taf. 11, 4 - 6) , ähnlich Bl. f. Miinzk. 11, Taf. XIV, 193. 111 u) tOblIISIII . . . . Kreuz mit ‘r, der Triquetra, A und Punkt in den Winkeln. Rf. Ebenso, nur das P richtig gestellt. M. S. 0,~s Gr. Berl. B. VI, S. 250, Nr. 1. 143 b) t 0 t PCI ,I l2EI 12 Kreuz mit der Triquetra im zweiten Winkel. RJ: BRVOC - <nH in Form eines Kreuzes, in desscn Winkel fG93. Mem. St. Pet. 111, Taf. VIII, 2. Taf. VI, 142. 142) t IIIO(VVI,CVSTIIT (rücklaufig) Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. Rf. . * . BRVX(CEL)LE . * . , im Felde MOhETA zwischen zwei Kreuzehen. Rev. Belge 11, 1 (1651), XIII, 2 u. Rev. BelgeII, 2 (1852), IX, 3. 1424 t II . . TIOVVClSTla (rückläufig) Kreuz mit 3 Kugeln und 1 Kreuxchen in den Winkeln. IiJ * BRVw t (rückläufig) t WEITE .. . . im Felde AT3019 (statt AT3vOM) zwischen zwei Kreuzehen. Devegge, Th. 11, Nr. 1510.
1) Einen Ähnlichen Züricher aufgenommen. ha,t Meyer (Brnkt. d. Schweiz 1. Ausgabe Taf. 111, 197) irrig unter die

Brüssel.

101

1426. 1426; Gleiches Geprage, aber t 9lT2V3lVVOTqB. IZJ: .*.BRVw t (rückl%tflg) - t mEIl-E .:, im Felde blOhELL. - M. S. 0,s~ Gr. Berl. Bl. VI, S. 250, Nr. 2. Alle Schriftsteller, welche sich mit diesen noch nicht lange bekannten Miinzen befasst haben, theilcn sic Brüssel zu, nur Köhnc liest auf seinem Exemplare BRVOCHS, und schreibt sie deshalb, und zwei andere Ähnliche mit mehr entstellten Umschriften 1) ohne weitere Begründung dem schwäbischen Bruchsal zu. Wenn man aber einen Blick auf die Münzen des benachbarten Nivelles wirft, so wird man die Unrichtigkeit dieser seiner Ansicht sofort gewa.hr ; zwischen dieser und unserer Nr. 141 herrschen die innigsten Beziehungen, welche jeden Gedanken an einen so weit von Nivelles entfernten Ort wie Bruchsal schlechterdings ausschliessen. Es kommt hinzu, dass der Fund von Betekorn (bei Mecheln) , abgesehen. von einer unerklärten Münze (mit PHS im Felde) nur diese Münzen und die Niveller enthalten hat, zum deutlichen Beweise, dass beide Landesmünzen waren (Rev. Belge V (1850)) S. 76). Gehört aber Nr. 141 nach Brüssel, so versteht sich von Nr. 142 dasselbe, der übrigens durch eine merkliche Aehnlichkeit mit den Denaren Balduin’s von Flandern und durch das MONETA, das sie mit den Namiirern gemein hat, ihr Platz an dieser Stelle gesichert wird. Die Entscheidung für Brussel ist hiernach ausser. Frage, wie auch Köhne später selbst eingesehen zu ha,ben scheint, denn er spricht (N. F. 8. 16) von unsern Denaren als von Brüsselern. Aus einem Zurtickgehen auf die alten Namensformen dagegen, welche man auch herangezogen hat, ist die Entscheidung nicht zu gewinnen, denn Brüssel wurde damals Broxola, Brosella U. s. w., Bruchsal ganz %hnlich Brochsale, Bruahselle , Bruoselle , Bruochsella , Brusella, Brusela genannt [Foerstemann 11, 296, 297) ; Piot (Rev. Belge VI, S. 444) citirt auch, nach Miraeus, Bruocsella als 916 fiir Briissel gebraucht, und bestreitet, - nach Vorstehendem jedoch mit Unrecht -, dass diese Form auch für Bruchsal gebraucht werde. Das Alter dieser Münzen scheint um Etwas höher hinaufgesetzt werden zu müssen, als die ältcstc Erwahnung der Brüsseler Denare, denen wir in einer Urkunde des Bischofs Liebert von Cambray vom Jahre 1071 als due solidi Bruxellensis monetae begegnen 2~. Was das Gepräge angeht, so schliesst sich Nr. 142 an viel %ltere Vorbilder an, die Hf. lässt, wenn auch entstellt: den Namen Hludowicus imp erkennen, den wir auf den beiden folgenden, auch hinsichtlich des Moneta weniger korrekten Abarten in fortschreitender Entartung erblicken. Auch Denare von Köln (Siegwin), Dortmund und Esslingen, so wie ein anderer nicht nlher bestimmbarer (Konrads 11.) von niederländischer Fabrik haben das Andenken an den frommen Kaiser bewahrt. Schwieriger ist die Erkl&rung von Nr. 141, die noch nicht gefunden ist. Alle Exemplare tragen einen Namen wie OTGERVS , der freilich auf 141 n und 141 b schon in stark verstümmelter Form auftritt. Dabei ist zu bemerken, dass die Aufschrift von 141 b der Abbildung entlehnt ist, während Köhne’s Text etwas abweichend t 0 t PGISll2lEIS (riickläufig!) liest. Auch beschreibt er gleichzeitig eine ERNVSMYo . . AR, im Felde BROPH - HSCE, und in jedem ähnliche Münze.:
1) Mh. St. Pc%. IV, S. 69 Nr. 296. S. 91 Nr. 367.

Taf.VI,

2~ Rev. Belgs V, S. 85. v. d. Chijs Brxbant S. 20.

102

Nieder-Lothringen.

Nivelles.

Winkel des dadurch gebildeten Kreuzes ein Ringel. &?J. d- OTGDRVS Cl0 RE. H Kreuz mit ERHAONIS in den Winkeln (Mem. St. Pet. IV, S. 69, Nr. 2961, und eine dieser ganz nahe stehende (vielleicht identische?) Y. 91 , Nr. 367. Da diese Münzen nicht abgebildet sind, so ist schwer über sic zu urtheilen, jedoch scheint das OTGDRVS sie mit Briissel in Berührung zu bringen, und die kreuzweise Inschrift dem BRVOC - 3~ LLA nachgebildet, während die Umschrift um diesen Stadtnamen eine weitere Entartung anzeigen dürfte; sie muss mit andern OtgerusMiinzen fiir jetzt unter die unbestimmten oder besser vielleicht unter die Nachmünzen verwiesen werden. - Die Umschrift der Hf. erklart v. d. Chijs (nach Piot, Rev. Beige V, S. 80) : Otgerus monetarius S. Petri, ohne aber das S. Petri weiter zu erörtern, die einzelnen Buchstaben ergänzt er: S. Gudula ecclesiae patrona, erkennt also die Heilige, welcher noch heute die Kathedrale. Brüssels geweiht ist 1). Andere legen das G Gaugericus statt Gudula aus, wogegen jedoch zu erinnern ist, dass St. Gery nur der Schutzheilige einer erst im Jahre 1520 zum Range einer Pfarrkirche erhobenen Kapelle ist. Unerklärt ist aber immer noch das OTGERVS u. s. w. ‘von Nr. 141. De Coster (Rev. Belge 11, 4, S. 429 Anm.) sieht zwar in IOTGERVS eine Kontraktion aus Gaugericus. Dies ist aber doch um Nichts wahrscheinlicher als das weiterer Erklärung bedürftige Otgerus monetarius S. Petri. Noch weniger ist an eine Nachahmung des Kölnischen Titels pacis mater zu denken, wie Köhne muthmasst, denn dieser Titel kommt in Köln erst viel später vor. Leau s. unten Nr. 282, 283.

Nivelles

(Nijvel).

St. Amandus wird als der Stifter des Klosters, der späteren Abtei Nivelles, und Gertrud, Tochter des erlauchten Pipin von Landen als dessen erste Aebtissin genannt; sic wurde später hier a,ls Schutzheilige verehrt. Das Münzrecht erhielt die Abtei durch Heinrich III., der in einer 1040 zu Stab10 ausgestellten Urkunde ihr die Stadt Nivclles nebst Markt, Zoll und Münze zuriickgiebt *). Dass sie davon Gebrauch zu machen nicht gesäumt hat, bezeugen folgende MUnzen: Taf. VI, 143. 143) f GERTR(udis) VIRGO Kreuz. Zf. tqFIVD31lS Ill . . . . IOR (oder N) Bischofsstab, daneben Setn I . . . GN. v. d Chijs leenen van Brabant IV, 1 (auch Rev. Belge V, Taf 11, 2). Taf. VI, 144. 344) f GERTRVDIS VIRGO Kreuz mit T im zweiten und A im vierten Winkel. Rf. S-N I-VI ELLA in drei Zeilen neben, NI die Buchstaben P und R, und als letzte Zeile, auf den Kopf gestellt, VDENS. - 11. M. 0,7o Gr. M. S I,Oj Gr. v. d. Chijs a. a. 0. IV, 2 (auch Rev. Belge V, Taf. 11, 3). Die Umschrift des letzteren Denars, dessen Aehnlichkeit mit den Brüsselern bereits erwähnt worden, ist so klar und korrekt, dass sie keiner Erläuterung bedarf. Sie wirft ihr Licht auch auf den erstern, vielleicht etwas ältern, mit dem ersterer auch
1) Daus diese Kirche erst im J. 1017 gebaut worden, nimmt, steht dieser Erklärung durchaus nicht im Wege. 2) v. d. Chijs Iccncn van Brubant S. 52. wie de Coster !Rev. Beige 11, 4) an-

Flandern.

Baldnin

IV.

303

die Umschrift S. Gcrtrudis virgo prudens gemein hat; ob dahinter, wie v. d. Chijs meint,, NIVellensis MONasterii folgt, bleibt um so zweifelhafter, als die Abbildung sta,tt des von ihm angegebenen N ein deutliches R zeigt, auch möchte seine Erklärung der Buchstaben neben dem Stabe durch Sanctacj insignc wohl durch ein gelegentlich auftauchendes deutliches Exemplar Berichtigung erfahren. Bemerkt sei noch! dass der Ort in Urkunden ganz wie hier xiviella, aber auch Nivellia , Nivigella , Nivialum , und auf einer Merovingischen Mlinze Nivialch genannt wird.

Flandern
bildete zwar erst von 1525 ab in seiner ganzen Ausdehnung einen Bestandtheil des deutschen Reiches, während in friiherer Zeit der grössere ‘l’heil des J,andcs auf dem linken Scheideufer zu Frankreich gerechnet wurde, numismatisch aber macht die Scheide keine Grenze und die Münzen von Brligge sehen ganz aus wie die YOII Gent; sämmtlich aber tragen sie entschieden deutschen Charakter. Grund genug, sie unserer Betrachtung zu unterwerfen. Gemünzt wurde in dieser Provinz schon unter Karl dem Kahlen, und zwar in Brügge, Cassel, Courtrai und Gent, von da aber fehlen die Münzen bis zum Grafen Balduin IV. Von diesem haben erst einige in neuerer Zeit entdeckte Funde; namentlich die von Egersund und Enner mehre freilich seltene Denare in theilweise sehr mangelhaften Exemplaren zu Tage gefördert, und diese Funde geben auch zugleich den Beweis, dass diese MUnzen nicht seinem gleichnamigen Sohne und Na& folger, Balduin V. von Lille (1036-67) gehören, was freilich hinsichts derjenigen in Frage kommen kann, deren Alter nicht durch die genannten oder andere eben so alte Funde verbürgt ist (Nr. 146, 348 und 149) 1). ,Balduin IV. (989- 1036). Kreuz mit C, C, Kreuzehen und 3 Kugeln Taf. VII. 145. 115) t Bjal) DVINI92.K. in den Winkeln. RJ t BONVS DENAR1 Kreuz in einer Einfassung von vier Spitzbogen, einem Sterne ahnlieh, in jedem Winkel ein Punkt. - 0,8~ Gr. (Kopenhagen.) (Rev. Belge 11, 1 (1851), Taf. VII, 6. Gaillard, Taf. 11, 15. 14.5 aj t BA (ldui) NI M Kreuz mit 2 Ringeln und 2 Kreuzeben in den Winkeln. .Rp t B(on)VS DE(nari) wie vorhin. 0,s Gr. (Thomsen.) Rev. Belge 11, 1, Taf. VII, 7. Gaillard, Taf. 11, 16. Bl. f. Miinzk. 111, 68. Taf. VII, 146. 146) BA(lduini m) AR Kreuz mit 3 Kugeln, einem Kreuzchcu und 2 Ringeln in den Winkeln. .RJ t BONV(s denari) rückläufig, Vorstellung wie vorhin. - M. S. 0,~ Gr. Taf. VII, l-1-7. 147) t B*A*L.D(ni) NlmAl I Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. Iif. t BONVS DENAir) I Schwert, daneben C* A und COA. - K. M. O;o3 Gr. Mittheil. S. 256, ähnl. ;Mem. St. Pt%. 111, Taf. XIII, 8. Rev. Belge 11, 1: Taf. VII, 8. Gaillard 111, 18 und 19.
1) Die sollen noch aus dem Plonsker Funde stammen

104

Nieder - Luthingen.

Flandern.

1-18) t BOMV(s denari) Kreuz, mit einem an jedem Ende mit Kugeln besetzten Viereck belegt. Rf. . . . . N Am . . . sechssäuliger Tempel. - 0,~ Gr. (M. 8.) Fast scheint es, als ob auf der Rf. sich das bonus denarius wiederhole, mit dem diese so leichten Pfennige so ruhmredig sich schmücken. Oder stimmt etwa die Rf. mit Nr. 152?
l

Taf. VII,

148.

149) t B AL (duini) Ill I , ebenso l?J t BON(us d)EN (ari) derselbe Tempel. O,65 Gr. (M. S.) Anders, als bonus denarius wird man nicht ergänzen können, wenngleich ein Exemplar des Schwarzewer Fundes KJ t BOLIV . . . . hat. mA Kreuz mit einem Punkte, einem Kreuzehen, Taf. VII, 150. 150) t BAL(duini) einem Ringel und einem Dreieck oder Keil in den Winkeln. Rf. t BO(nus den)ARI derselbe Tempel. - 0,sGr. (Kopenhagen.) Rev. Belge VII, Taf. VII, 3. Gaillard 11, 12. Kreuz mit einem Keil oder Dreieck, Taf. VII, 15 1. 151) t B*ALDVINlm-R einem Ringel, einem Kreuzehen und einem Halbmonde in den Winkeln. Rf. t BRVGIA. . . . MI derselbe Tempel. - 0,sGr. (Stockholm.) Rev. Belge 11, 1, Taf. XIII, 1. Gaillard Suppl. Taf. 1, 1. Gaillard liest auf der 2J BRVGIS . . ., während seine Abbildung BRVGI . . . . MA, die in der Revue so wie oben angegeben hat. Was richtig ist, kann ich nicht sagen. Taf. VII, 149.
l l

Taf. VII, 152. 152) t BALDVINlmAl Kreuz mit Dreieck, Kugel, Kreuzehen und Ringel in den Winkeln. RJ t SCI DONATI . . . RV derselbe Tempel. 0,s Gr. (Thomsen.) Rev. Beige 11, 3, Taf. VII, 1. Gaillard 11, IO. Gaillard giebt als Schluss der Umschrift der Rf. . . RI an und will dies durch martyris erklären, seine Abbildung aber sowohl als die der Revue hat deutlich . . RV, ist also vielleicht eher zti ergänzen zu BRVigis). St. Donat war ehedem der Schutzheilige der Hauptkirche von Brügge. 152~~) t BALDVINI mAR ebenso. lif. t.. . . . SCIDONA.. ., derselbe Tempel. - 0,s Gr. (Kopenhagen.) Rev. Belge 11, 1, Taf. VII, 2. Gaillard, Taf. 11, 11. 153b) t BALDV.. . Kreuz mit Ringel, Keil und Kreuzehen in den Winkeln. Rf. . . . . IMA.. . . derselbe Tempel. - 0,~ Gr. (Thomsen.) Rev. Belge 11, 1, Taf. VII, 4. Gaillard 11, 13. Taf. VII, 353. 153) Umschrift erloschen, dasselbe Kreuz. Iif. t GANT Cl VITA derselbe Tempel. - 0,~s Gr. (Thomsen.) Rev. Beige 11, 1, Taf. VII, 5. Gaillard 11, 14. Unrichtin. b giebt Gaillard CIVITAS statt CIVITA näher an. Eigenthümlich ist allen diesen Münzen von im Wesentlichen dreierlei Geprägen das geringe Gewicht, die dünnen, oft durch Punkte mitten im Worte geschiedenen Buchstaben, vor allem aber statt des Grafentitels der Titel marchio, den die älteren Balduine allerdings in einigen Urkunden fuhren.

Balduin

IV.,

Robert II., Balduin

VII.,

Bergues St. Vinoc.

105

Gaillard bringt noch (Nr. 20) einen Denar vom Geprägt der unten beschriebenen der Abtei S. Bergues, die wenigen Schriftreste _ . VI N Itll . . auf der Kreuzseite, bei völlig erloschener Inschrift der Rf. lassen aber die Zutheilung sehr zweifelhaft erscheinen. Serrure jun. und Piot schreiben (Rev. Belge 111, 1 (1857) 8. 112) den Grafen Robert Balduin 11. (1093-2131) VII. (1111-1119) und

noch folgende kleine Denare zu, welche der Vollständigkeit halber hier Platz finden mögen, obwohl ihre Fabrik nicht mehr die deutsche ist, sondern sie stark zu der der belgischen mailles neigen. 154) t ROBERT1 Kreuz mit einem Ringel in jedem Winkel. Rf. t MONETA E schräges, mit einem vcrzicrtcn Viereck belegtes Lilienkreuz. - Rev. Belge II., Bd. VI, Taf. XVII, 2. 155) t EGO SVN be(narius) lilienähnliche Figur. Rf. t ROBE RTI verziertes Kreuz. A. a. 0. Nr. 4. 156) t ROBERT verziertes Kreuz. Xf. t VEDASTC verschnörkeltes Viereck. A. a. 0. Nr. 1. VEDASTE ist St. Vaast in Arras. 157; t ROBERT1 Kreuz mit 2, e. S und E in den Winkeln. Bf. t MABVSREM Monogramm aus zwei T und zwei S bestehend. -4. a. 0. Nr. 3. 158) t 2beSTERA. M segnende Hand zwischen Ul und 71. i?f. t ROBGRTI Kreuz mit NlUNlU in den Winkeln. A. a. 0. Taf. XVIII, 2. 159) t 3cSTcRA segnende Hand. Rf. BfZNC Kreuz mit AS/% in den Winkeln. A. a. 0. Nr. 1. 1Goj t BALDEVIM segnende Hand. Rf. f MONETAS verziertes Kreuz. A. a. 0. Nr. 3. Die Zutheilung dieser Mtinzcn ist -übrigens nicht unstreitig; die Aehnlichkeit der 4 ersten mit Denaren von Bt%hune sehr auffällig.

Grafschaft Alost.
Die von Gaillaid ,Nr. 21) vermuthungsweise dem Grafen Balduin 1. von Alost zugeschriebene mangelhaft erhaltene Münze s. unter den unbestimmten (Nr. 3251).

Bergues St. Vinoc.
Taf. VII,
161.

(um 1052-1068). E7 verziertes Kreuz mit D an jedem Ende und 2 fIl sowie 2 Dreiecken mit Halbmonden in den Winkeln. Rf. t BEREASSVINOC Kreuz mit -1 Kugeln in den Winkeln. - (Thomsen.) Rev. Belge 11, 1 (1851) Taf. VII, 9 (und 11, 4, 8. 200). Gaillard 111, 22. 1G~cE)Ebenso, aber t RAI NOL . . . E. Rf. t BEREASC- A . . . . (Thomsen.) Gaillard 111, 23.
161)

Abt Rainold

t RAINOLIDVS

106

Nieder-Lothringen.

Hennegau.

Der Ort wird zuerst 716 crwlhnt, wo St. Vinoo dort das Evangelium predigte. Das Kloster war dem heiligen Martin geweiht. Als dritter Abt wird unser Rainold (unter dem Namen Rumoald) hier 1652 und 1068 erwähnt, vermutblich aber reicht seine Erwählung etwas höher hinauf, denn seine Münzen Sehhessen sich auf’s Genaueste denen Balduins IV. von Flandern an, dessen Name, wie oben erwähnt, vielleicht auf der h$ eines Denars gleichen Gepräges in den Schriftresten . . . VI NI m.. . zu erkennen ist.

Hennegau.
V. (1013-1030;. Taf. VII, 162. 162) t RAINNADVS Schwert, die Spitze nach unten. p Rf. + MONTEm- Kreuz mit einem Punkte in jedem-Winkel. M6m. St. Pkt. 111, Taf. XIII, 11. Als erster erblicher Graf von Hennegau wird Reinhard 1. Langhals um 900 genannt, dem Reinhard 11. und 111. (bis 958) folgten; von da bis 998 verzeichnet die Geschichte mehre auf Zeit eingesetzte Grafen, unter ihnen einen Namens Reinald, der in der Schlacht bei Peronne 974 fiel. Dem Sohne des abgesetzten Reinhard III., welcher denselben Namen führte, gelang es mit französischer Hülfe, nach lange hin und her wogendem Kampfe, sich wieder in Besitz seines Erbes zu setzen, dessen Eroberung er 998 mit Einnahme der alten Hauptstadt Mons krönte. Reinhard IV. starb im Jahre 3 013, beerbt von seinem Sohne Reinhard V., der (1030) seine Länder seiner Tochter Richilde hinterliess, welche nach einander an den Grafen Hermann von Thuringen (-k 1051) an Balduin von Flandern (+ 3070) und an Wilhelm Osbern Grafen von Hereford vermählt war. Diesem Grafen Reinhard V, dem letzten seines Namens, hat Köhne unsern Denar, den er. zuerst 1) bekannt gemacht, zugeschrieben, wogegen Chalon (Hainaut I., Suppl. S. XI) den gedachten Grafen Reinald vorzieht, und de Coster (Rev. Belge 11, 4, S. 434) ihm beitritt. Chalon macht für seine Ansicht geltend, dass die Münzinschrift Rainnadus eher auf Reinald passt , als auf Reinhard, der immer unter den Formen Rayginerius, Raynerus, Raginerus, Reinerus und ähnlichen auftrete. Darauf kann man aber unmöglich viel Gewicht legen, wenn man bedenkt, wie leichtsinnig im frlihern Mittelalter nicht blos die Stempelschneider, sondern auch die Urkundenschreiber mit der Orthographie der Eigennamen umgingen, so dass man so ähnliche Namen, wie die in Rede stehenden, unmöglich scharf unterscheiden kann. An Reinald darf man aber kcincnfalls denken, denn in so früher Zeit hat kein Graf, am wenigsten ein absetzbarer, Münzen, noch dazu völlig autonome, prägen können. Gehörte unser Denar wirklich diesem Reinald zu, so stiinde er ganz ohne Beispiel da, während er, wenn wir ihn als ein Gepräge Reinhard’s V. betrachten, ringsum, in Flandern, wie in Namur seine Genossen hat. Das giebt auch den Ausschlag für Reinhard V. gegen seinen Vater Reinhard IV. Nicht heranzuziehen ist dagegen sein Format, was Köhne “) thut, aber, wie Chalon (a. a. 0. S. XIII, Anm.) mit Recht
1) Das undeutliche und wirklich unerkannt gebliebene, ganz abgeriebene Exemplar Egersunder Fundes (Bl. f. Miinzk. 111, Taf. V, 87j kommt dabei nicht in Betracht. 2) ~IElle cst trop mince ct trop petites (Rev. Belge 11, Bd. 1, 415.). des

Graf

Reinhard

Reinhard

V.

~

Namur.

Hcinrioh

11.

107

bemerkt, in unzulässiger Weise. Denn cr sagt, wenn die Münze von Reinald wlire, so würde sie von den Mlinzen seines Lehnsherrn, des Oberherzogs Bruno, nicht SO sehr im Gewicht abweichen kiinnen, und sei doch ein wenig kleiner und dünner als diese ; aber wieviel eigentlich der Rainnadus , und wieviel die Bruno’s wiegen, das verschweigt Köhne auch hier wieder. Und was hat die Münze mit dem LehnsVerbande zu schaffen? Das Schwert, das einigen älteren englischen Münzen eigenthümlich ist, kommt in unsrem Zeitraum hier zum ersten Male als selbstständiges Geprggc vor, dann auf niederlothringischen Herzogsmtinzen , um sich schliesslich auf den Münzen der crhlichcn TTcrzögc von Lothringen seit dem XII. Jahrh. cineuktirgern. Vielleicht besteht ein Zushmmenlmng zwischen dicscn Typen. - Die Mtlnze zu Mons oder Bergen, früher Castriloous genannt ) war übrigens aohon unter den Karolingcrn thätig, falls die Denare Karls d. Gr. mit CLS hier zu Haust sind. L T 11 ui n, zwischen Hennegau und Namur gelegen, s. unter Lüttich Nr. 261-266.

Namur

(Namen).

Die sp%torc Grafschaft dieses Namens hat ungefiihr die Ausdehnung des alten pagus Lomacensis; in ihm walteten mehre Grafen, unter denen die in dem alten Schlosse Namur, das zwar erst 689 genannt wird, aher vielleicht römischen Ursprungs ist, die bedeutendsten waren, und bald ihre Macht so zu erweitern wussten, dass seit dem X. Jahrb. ihr Machtbereich so ziemlich mit dem pagus Lomacensis zusammenfiel. In dieser Zeit wurde ihre Gewalt erblich, und Berengar (908 -932) als der erste dieser erblichen Grafen von Namur genannt. In den beiden Hauptorten der Grafschaft, in Namur selbst und in Dinant hatten schon die Merowinger und Karolinger Münzstätten, die aber unter unsern Kaisern ihre Thätigkeit sehr beschränkt zu haben scheinen, denn von Dinant kannte man bis vor Kurzem gar keine, und von Namur kennt man, abgesehen von einem ganz unsichern, von Andern für Metz und fiir Nimwegen beanspruchten Otto (Nr. 1159)) nur folgende Kaisermünze , von 11. (1002-1024, Kaiser seit 1014). Taf. VII, 163. 163) IMPHENRICVS bekränzter (oder diademirter) Kopf linkshin. Iif, Eine durch Doppelschlag undeutlich gewordene Umschrift, in der man jedoch NA t VVM t C unterscheidet. Im Felde 2 Kreuzehen. Mittheil. Taf. IX, 92. Chalon in seiner trefflichen Münzgeschichte von Namur sagt S. 6, wir hätten keine sicheren Kaisermünzen von Namur, denn der von Piot (Rev. Belge 11, 1, Taf. XIII, 4) hierher bezogene Otto könne sehr wohl von Nimwcgcn sein, und der Doppelschlag, der vorstehenden Denar betroffen, mache seine Zutheilung gleichfalls zweifelhaft. Dem gegenüber muss ich aber wiederholen , was ich bereits früher (Mittheil. S. 157) gesagt habe, dass ncmlich diese Münze eine unverkennbare Aehnlichkeit mit den neben ihr gefundenen Denaren des Grafen Albert 111. zeigt. Bedenkt man dies, und nimmt hinzu, dass die deutlich ausgeprägten Buchstaben die Elemente des Stadtnamens NAMVCVM, wenn auch wegen des Doppelschlages in gestörter Folge, enthalten, und eine andere Erklärung schwerlich zulassen, so wird man Heinrich

108

Nieder -Lothringen.

Namur.

meine Deutung nicht für gewagt halten können, wenn sich auch der Wunsch nicht unterdrücken lässt, den Zweiflern bald statt dieses einzigen undeutlichen ein zweites deutlicheres Exemplar entgegenhalten zu können, das uns namentlich über das Gepräge der Rf. aufklären müsste, denn ob das Kreuz, das im Felde zweimal erscheint, zum Gepräge des Feldes, oder nicht vielmehr zur Umschrift, gehört, ist für jetzt nicht zu entscheiden. Dabei kann ich freilich, der Wahrheit zu Ehren, nicht verschweigen, dass eine neuerdings aufgetauchte ganz ähnliche leider auf der Rf. (mit t C . . . t M , s. unbestimmte Nr. 1191) unvollkommcnc Münze die Sache doch wieder in Zweifel stellt; indessen ist letztere wohl nur ähnlich, nicht identisch. Nicht unbedenklich scheint mir auch die Wahl zwischen Heinrich 11. und HL, das Gepräge aber doch besser fiir Ersteren zu passen, wie ja überhaupt die niederländischen Kaisermünzen mit Konrad 11. zu schliessen schcincn. Bald nachher, mit dem Verfall des Herzogthums Niederlothringen, beginnt eine reiche Reihe von Namurer und Dinanter Geprägen der Grafen, anhebend mit Graf Albert 111. (1037--1165). Taf. VII, 364. 164) t CAPVT Kopf rechts. Iif. t NAMVCVM Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. - 1~. M. i,Ol Gr. M. SJ. 1, I 5 Gr. Chalon, Namur, Taf. 1, 1. Taf. VII, 165. 165) ALBERTVS diademirter Kopf rechts. 22s. t NAMVCEN
T

SIS, im Felde fll0
A

NE.

-

M. Ei. 1,~ Gr.

5. Rev. Belge 111, 2, Taf. 111 j 12. Chalon 1, 3-8. Taf. VII, IciG. 166) ALBERTVS Brustbild. Rf. t * NAMVC . . . . Kreuz, in dessen Winkeln 2 Kreuzehen mit 2 Kugeln (?) abwechseln. Gew. 1 Gr. Köhne, N. F. XII, 17. Chalon 1, 11. Taf. VII, 167. lG7. ALBERTV Brustbild rechts. Rf. 00 N 0 MVoCVo M*.* Kreuz mit einem kleinen schräg darüber gelegten. - Gew. 0,85 Gr. Rev. Beige 11; 6 (1856), S. 44. Chalon, Taf. 1, 16. Taf. VII, 168. 168. ALBERT Kopf rechts. Rf. NAMVC Vorderansicht einer Kirche. - Gew. O,s8 Gr. Mem. St. Pkt. 111, Taf. VIII, 8 (mit unrichtig gelesener Inschrift MOGCIA) 1). Chalon Suppl. Taf. 1, 4. 169) ALBE Brustbild. RJ: Kreuz mit AUJNA in den Winkeln. - Gern. 0,~ Gr. Chalon, Suppl. Taf. 1, 6. 169 Q,) AL-t BE Brustbild. &!! Kreuz mit NAAUJ in den Winkeln. - Gew. 0,~s Gr. Chalon, Suppl. Taf. 1, 7. Albert 111. folgte in unmiindigem Alter seinem 1037 bei Bar le Due gefallenen Vater, der im Jahre 1016 zur Herrschaft gelangt war. Wir finden ihn auf Seiten Kaiser Heinrichs 111. gegen ßalduin von Flandern, dann der Gräfin Richilde von Hennegau seinen Beistand leihend, endlich (1076 und 1086) als Bundesgenossen des Bischofs von Verdun gegen Gotfried von Bouillon. Der Tod setzte im Jahre 1105 seiner langen Herrschaft ein Ziel, in welche er schon 5 Jahre vorher seinen mit Ida,
1 J Irrthümlich schreibt Chalon mir die Veröffentlichung dieser Münze zu.

Kühne 11, Taf. VIII,

Albert Lid., Gotfried.

109

einer Tochter des Sachsenherzogs Bernhard erzeugten Sohn und Nachfolger Gotfried als Genossen aufgenommen hatte. Obige Münzen lassen zunlchst die Frage entstehen, ob sie nicht, wenigstens theilweise von seinem Vater Albert 11. stammen, dem Köhne in der That (Mem. St. Pet.IV, S. 57) Nr. 165 beilegt. Aber dagegen scheinen die Funde zu sprechen; nur die, welche nach Konrad 11. oder in seiner letzten Zeit vergraben worden, enthalten solche Miinzen, und wenn snch die Zeitgränze eines Fundes das Vorkommen bedeutend älterer Münzen in einem einzelnen Falle nicht ausschlieast, so sind wir doch, wenn eine bestimmte Mtinzsortc immer mir in spätcrn Fnndsn anzutreffen ist, in ältern aber fehlt, vollkommen zu dem Schlusse berechtigt, dass sie noch nicht geprägt war, als jene ältern Funde der Erde anvertraut wurden. Und das Cepriige eignet sich ebenfalls bcsscr- für Albert 111. Im Uebrigen kann man wohl Chalon darin beipflichten, dass Nr. 164 das älteste Gepräge ist, auf dem der Graf sich noch nicht zu nennen wagt, während er auf Nr. 165 seinen Namen dem kaiserlichen Bilde beifügt, auf den übrigen, anscheinend späteren Stücken aber das Brustbild des Reichsoberhauptes durch sein eigenes ersetzt. Chnlon beschreibt noch (Suppl. Taf. 1, 3 unter diesem Gmfen einen Denar Kopf r., Umschrift unleserlich. J$f. + I I M,. . . . Kreuz mit CRVX), der schlechten Erhaltung wegen mnss aber dies Stiick vorl%ufig als unsicher betrachtet werden.
l l

Gotfried (1105-39). 370) (God) EFRI DV verziertes Kreuz, von einem breitern eingeschlossen. Bf. Dreithürmiges Gebüude auf einem verzierten Bogen, neben dem mittlern Thurme 2 Ringel. - Gew. O,% Gr. Rev. Belge VI, Taf. XI, 1, 11, 3 (1853)) VI, 29. v. d. Chijs Brab. XXXII, Chalon, Taf. 11, 22. Die Zeit dieses Denars bestimmt sich einigermassen durch den 11. Maestrichter Fund, dem er entnommen ist, wogegen seine Heimath grösseren Zweifeln unterliegt. Piot, Meyers und v. d. Chijs glauben ihn in Brabant zu Hause, Chalon dagegen in Namur. Letzterer dürfte Recht haben, er macht die Aehnlichkeit des Gebäudes mit dem auf seiner Nachfolger Münzen (Chalon 11, 27 und 37-39) geltend, die allerdings grösser ist, als die von der andern Seite angcrufcnc Ucbereinstimmung mit dem Gebäude auf einem Antwerpener Siegel späterer Zeit. Ausserdem aber entspricht das Kreuz mehr dem auf andren Namurern als dem auf Brabanter Münzen vorkommenden, und endlich ist die Form der Buchsta a en mehr im Einklang mit den gleichfalls sehr plumpen auf dem Dinanter Denare unsres Gotfried als mit denen der sichern Brabanter. - Dagegen möchte ich Chalon nicht beipflichten, wenn er eine andre, stumme Münze desselben Fundes (mit einem gewaffneten, Fahne tragenden Reisigen. Bf. Thurmgebäude, auf dessen Absatz 2 Vogel, (Chalon, Taf. 11, 23, Rev. Beige 11, 3, Taf. IV, 9)) auch diesem Grafen zuweist; der neue Typus and das gänzliche Fehlen einer Umschrift scheint mir dies zu verbieten. Möglicherweise könnte hierher auch der Denar (Reiche1 IV, 2573) gehören, den ich unter die unbestimmten gesetzt habe (s. Nr. 1250). Taf. VII, 170.

Dinant
reicht in ein hohes Alterthum zuriick: St. Monulph hat dort schon im Jahre 558 der heil. Jungfrau eine Kirche geweiht, bei der beruhmten Reichsthcilung vom 870 fiel S. Maria in Deonant Karl dem Kahlen zu, und im Jahre 1070 schenkte Heinrich IV. dem Bischofc von Lüttich das Schloss zu Dinant 1;. Merowinger und Karolinger haben in Dinant geprägt, von unsren Kaisern war aber bis vor Kurzem keine Mtinze bekannt; ich kann deren 3 auffuhren. Otto Taf.VIII,
171. 171)

III.,

(983REX

1002). Kreuz mit 4 Kugeln.

(tOT)TO

? Rf. DEON.
A

-

v. Sallet 1, S. 355. 1 ,o5 Gr., v. Sallet 11, S. 323. Taf. VIII,
172. 172)

1 ,lhGr.

t OT(T) 0 REX Kreuz mit 4 Kugeln.

2Rf. MOECI.
A

-

M. S. i,2 Gr. Die schlechte Ausprägung macht es erklärlich, Bcrl. Bl. 111, Taf. XXVI, 13 und Mtinzstud. VIII, worden sind. Heinrich Taf.VIII,
173. 173)

dnss diese Münzen in den S. 286, Nr. IQ5 verkannt

11. (1002-24). IMP gekrönter Kopf. Rf. l DEONANT*** Kreuz mit einer grössern und zwei kleinern Kugeln in jedem Winkel. - K. M. 1,s Gr. Mtlnzstud. VIII, S. 272, Nr. 30. De Coster (Rev. Belge 11, 4: 8. 416) glaubt zwar folgenden Denar desselben diademirter Kopf r. Bf. t SCSA M(ari)A Stern oder Kaisers : HEl(nr)lClPMP unvollkommeri,es Christogramm, ebenfalls hier oder in Huy geprägt, mir scheint aber wegen des Gepräges der Rf. mehr Wahrscheinlichkeit für Maestricht zu sein, und wegen dieser Ungewissheit und der Möglichkeit einer Mitbewerbung noch anderer Städte habe ich diese Münze unter die unbestimmten aufgenommen. (Nr. 1183.)
HEINRICVS

Taf. VIII,

111. (10371105). Kopf linkshin. Rf. Ohne Umschrift. Breites Gabelkreuz ( oder sphärisches tnlpenförmig auslaufendes Viereck) mit einem Ringel in der Mitte und je einem in den Winkeln. - M. S. 1,06 Gr., 1,06 Gr., 1,1’i Gr. Chalon, Taf. 1, 2. Rf. DEON . Kreuz mit einer , 175) ALB. . Tm Kopf linkshin. Kugel in jedem Winkel. - Gew. 1,s Gr. Chalon, Suppl. Taf. 1, 2. Die Abbildung zeigt auf der Z?$ eine andre Umschrift als der Text.
174. 374) QEONAM

Graf

Albert

Taf.VIIl,

176.

176) ALBERTVS

diademirter Kopf linkshin. Jl/: t BEONAM doppelliniges Kreuz, ein Halbmond in jedem Winkel. - M. S. (),9; Gr., 1,15 Gr., 1,52 Gr.! Mittheil. Taf. IX, 94. Chalon, Taf. 1, 9.

1)

Rev. Belge IV, S. 335.

Wo III., Heinrich II., C7r:d Albert III., Graf’ Heinrich, Qotfried. Taf. VIII, 177. 177) ALBCRTVS Brustbild

121

Taf.V111,178.

Taf.VIII,

178.

halblinks. RJ: b(eo) NANT Kreuz mit einem Kreise in der Mitte, an den 4 Vierecke ansetzen. - Gew. l,o?? Gr., 0,~ Gr. M&m. St. Pkt. 111, Taf. XIIT, 9. Cha.lon 1, 12. 178) AoLoBoE(oRo)To~ Brustbild r. Rf. tb~6~O~N~A~ (N 0) T ein von Bogen gebildetes Viereck, auf einem Kreuze liegend, von Punkten umgeben. - Gew. O,hi Gr. Chalon 1, 14, ghnlich Rev. Belge 11, 6, XX, 19. 17!)) ALBEQRQT~VQS Brustbild r. &/: auEoO~N~A~NoT Gebaude. - Gew. 0,8 Gr. M. S. 0,92 Gr.
Chalon, 1, 18. Rev. Beige 11, 6, XX, 18.

Kopf r. &?? t b. E(o) N (an)T doppelliniges breites Kreuz mit einem Ringel in jedem Winkel. - Gew. 0,~ GI-. Rev. Belge II, 6, S. 413. Chalon 1, 3.9. 181) ALB.. . T Behelmtes Frustbild mit Fahne. ZJ: . . ON.. . Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. - Gew. 0,i Gr. Chalon, Suppl. 1, 5. Nr. 274 entspricht ganz dem Namnrer mit CAPVT und ist daher als die älteste der Reihe zu betrachten. An Nr. 177 whlie& sich ein Denar von vollständig gleichem GeprSige, den Köhne, sein erster Beschreiber, dem Bruder unseres Albert Ta’f VIII,
1SO. 1SO) ALBERTV

und de Ia Rnche iueignet : RJ t (OVOijNAN.. . - Gepräge wie vorTaf.VIII, 182. 182) tl-EINRICVS. MBm. St. Pkt. JII, Taf. XIII, 10. stehend Nr. 177. De Coster (Rev.Belge 11, 6) (1856) 8. 412, sucht in kEINRICVS den Namen Kaiser Heinrichs 111. und Chalon (S. 31 und Rev. Belge VI, S. 190) erklärte diese Münze für ein LUtticher Gepräge, unter Berufung darauf, dass in einer Urkunde von 1080 Graf Albert uni Heinrich, Bischof von Lüttich als Herren von Dinant bezeichnet werden. Allein Heinrich gelangte erst im Jahre 1075 zur Bischofswürde; so spät scheint -jedoch diese Mtinze nicht zu sein. Gegen de Coster aber spricht, dass weder ein Titel noch irgend ein Zeichen der kaiserlichen Würde den Kopf für den des Kaisers anzusehen erlauben. Somit hat wohl Köhnes Annahme die grössere Wahrscheinlichkeit für sich. Nur kann man nicht, wie er es thut das (0VO)NAN .. . auf diesem, und das b , .NANT auf dem ähnlichen Albert auf Namur beziehen. Gotfried Taf. VIII,
183. 183) . ODEFRI

H ei nr ie h , Grafen von Durbui

. . . Kreuz mit einem Sterne in jedem Winkel. - Gew. 0,T8 Gr. Rev. Belge 111, Taf. IX, 1. Chalon 11, 20. 184) . . . . . . , VS Brustbild r. Bf. t DEO.. . N Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. - Gew. 0,s Gr. Chalon, Suppl. Taf. 1, 8. Auf der ersteren Mlinze hatte man ursprünglich DEOD. - statt DEON gclesen, und sie dem Brabanter Herzoge Gotfried 111. zugetheilt, ohne für das Deod(ericus) der 4/ eine irgend überzeugende Erklärung zu finden. Mit der Lesung Deon(ant) verschwindet alle Schwierigkeit, und passt die Münze auch viel besser in des Namurschen als in des Brabantischen, Gotfricd Zeit.
RJ DEON

(1105-1039). D . . Kopf r.

112

tiiedcr-

Lothringen.

Cellee.

Gelles.
Heinrich Taf. VIII,
185. 185)

111. (1039-56,

HENR der thronende Kaiser mit Reichsapfel Rf. CELLA Schiff. - Gew. 0,s~ Gr.

Kaiser seit 1046). in der Rechten. 20.

Rev. Belge 11, 6 (1856), Taf. XX, Taf. VIII,
186 186)

HEIN - PCS der thronende Kaiser mit Reichsapfel und Scepter. Rf. CELLA Monogramm Heinrichs 111. - Gew.

0,8a Gr. 186~) FEINR.

K. M. 3,06 Gr. Rev. Belge 11, 6, XX, 23. . . . Rf. MONE... sonst ebenso. Mem. St. Pet. 111, Taf: XVI, 1.

3866) l-EINR... IMPR. Bf. (MONEjTA CELA, sonst ebenso. - Thomsen 6820,‘3 1). 1%~) Ebenso, aber bEl..... Rf. (MONETA) CELE. Thomsen 6822. Köhne, der zuerst eine dieser Münzen (Nr. 186a) bekannt gemacht, bemerkt, dass eine ahnliehe, im Kopenhagener Kabinet, aus dem Valloe-Funde, die Inschriften HEI - IMPR. .ii?J MOhETA - CELE - ? trage. Wenn er sie dennoch nach Burgund in die Nähe von Basel verwiesen, so ist daran die geringe Bedeutung des Prägeortes Gelles (bei Dinant) Schuld, welchen erst de Coster zur Geltung gebracht hat. Dass sich aber Köhne zur Rechtfertigung seiner Klassifizirung auf die zweifellos burgundische Fabrik dieser Münzt beruft, zeigt wieder einmal, wie trügerisch solche subjektive Ansichten sind; das quadrattun supercussum, das die lmrgundische Fabrik beweisen zu sollen scheint, ist keineswegs auf Burgund beschränkt (R. S. 23). Als Münzherrn giebt de Coster Heinrich IV. an. Allein nicht nur ist das Monogramm genau das von seinem Vater gebrauchte (s. Götz Taf. XXI), sondern die Funde, der 1. Maestrichter, bestimmter aber der Sandö- und Valloe-Fund schliessen Heinrich IV. aus und bestatigen Köhnes Zutheilung an Heinrich 111. Auch darin irrt de Coster wohl, dass er den Kaiser im Brustbilde, statt in ganzer Figur sitzend, dargestellt glaubt. Höchst merkwürdig ist das Gepräge aller dieser Münzen : der thronende Kaiser, wie er den. gleichzeitigen Siegeln eigenthümlich ist, kommt sonst nur zweimal auf Mühzen unseres Zeitraums vor, bei Stab10 und Duisburg 2)) das Schiff aber der Nr. 185, wahrscheinlich ein religiöses Zeichen, hat höchstens bei Speier seine Analogie, wogegen des Kaisers Monogramm ganz ohne Beispiel ist. zu Celles. Taf.VIII, 187. 187) Ho Aa0 CL0 Brustbild linkshin, mit Krummstab davor. Rf. +CcL t LÄ Gebäude. Gew. 0,85 Gr. Rev. Belge 11, 6, Taf. XX, 22. In der Abbildung erscheint diese Mtinze sehr schön und vollständig, de Coster bemerkt aber, dass alle 6 Exemplare sehr schlecht geprägt, sehr mittelmässig erhalten seien, und dass auch nicht Eines von ihnen die vollen Umschriften liefere;
1) Hier nach Gelle im Hannoverschen verlegt. 2) Nicht Dortmund, wie Bühne (Mb. St. PA. IV, S. 99) sagt.

Abtei

Heinrich

III.,

Abtei

zu Crlles.

-

Bonillon.

113

man muss nach diesen und ähnlicbon Bemerkungen bei anderen Münzen dieses (des 1. Maestrichter) Fundes die meisten in der Rev. ßelge 11, 6, Taf. XIX-XXII abgebildeten Münzen für ergänzt aus mehreren Exemplaren , für gewissermassen restituirt erklären, und dies namentlich bei Würdigung der Gewichtsangaben in Anschlag bringen. S. Hadelin, ein Schiiler cles heil. Remaclus, wurde von dem Kloster zu Celles, dessen erster Abt er gewesen; als Schutzheiliger verehrt,. Celles gehörte vor Alters zum Stifte Lüttich, im Jalire 1337 aber wanderten die Domherren; der ßcdrtickungen ‘des Herrn von Celles miidc, aus und liesscn sich in Visi! nietlcr. Mit diesen Miinecu ist der Kreis der Mtinzen dieses Ortes l~esclrl«ssen, m111 kennt weder frtlbere noch sp&tere.

Bouillon.
Gotfried 11. Herzog von Niederlothringen und Markgraf von Antwerpen besass auch die Grafschaft Bouillon. Von seinen Kindern folgte ihm Gotfricd 111. (der Bucklige] im Herzogthum, während seine Tochter Ida : Gemahlin des Grafen Eustachius II. von Boulogne, Bouillon erhielt (1057). Nach Gotfrieds 111. kinderlosem Ableben (107G) gab KaiFcr Heinrich IV. da.s Herzogthnm Niederlothringen seinem Sohne Konra.d, die Markgrafschaft Antwerpen aber dom Gotfried von Bouillon, Sohne der Ida und des Grafen Eustachius, der nach Herzog Konra,ds Tode (1088) auch Herzog von Niederlothringen wurde. Obgleich es mit der gewiihnliohcn Anuahme, dass Gotfried von Bouillon 1061 geboren worden, schwer zu vereinigen ist, so wird er doch (als Gothofredus ßullio) mit Albert von Namur, Heinrich von Liiwcn u. A. schon im Jahre 1071 als einer der &‘iirsten genannt, welche sich zum Schutze der Gräfin Richilde von Hennegau gegen Robert Friso verbunden hatten; mag er nun statt seiner für ihn die entweder iilter gewesen sein, oder mag er, der Unmündige, Waffen tragenden Vertreter genannt sein, ,jedenfalls scheint so viel festzustehen, dass er schon im Jahre 3071 Bouillon hesessen , wenn auch sein Vater erst nach 1092 (10!)7?), seine Mutter so@r erst 3 133 starb. Ob man nun ihm, oder einem friihern Gotfried die folgenden 4 Münzen zuzuschreiben hat, entscheidet sich danach, ob man sie vor oder nach 3 060 geprsgt glaubt, denn spätestens in dieser Zeit hn,tte die Vcrmählung der Gräfin Ida stattgefunden, mit welcher Bouillon aus dem Hause Niederlothringen herausging .‘). De Coster entscheidet sich für letztere Annahme und scheint Recht zu haben, denn die erste Münze ist einem Funde (dem 11. Berliner) entnommen, der nach 3089 vergraben sein muss, und die 3 anderen dem 1. Maestrichter, del auch sicher nach 3075 : schwerlich vor 3080 der Erde übergeben ist. Waren die 3 letzten Münzen aber alter, w%ren sie von Herzog Gotfried 11. also vor 1060 geprLgt, so würden sie sich wahrscheinlich : nach mindestens 20 jährigcm IJmlauf, in weniger gutem Zustande gezeigt haben. Gewiss aber hat sie Gotfried; den Funden zufolge, schlageu lassen) ehe er Herzog wurde. Taf. VIII, 188. 188) + GO. . . . . VS Kopf rechts, mit Schwert AyI f . . . . . . BVLON I S Gebäude. Mittheil. Taf. X, 105. davor.

114

Nieder-Lothringen. 189. 189)

Bouillon.

-

Liittich.

Taf. VIII,

t GObEFRlbl ähnlicher Kopf mit Schwert. LI . BV ähnlichcs Gebliude. - Gcw. 0,84 Gr.

Rf.

C .. I .

Rev. Belge 11, 6 (1856), XXI, 44. Die Umschrift der 22j: ergänzt de Coster wohl richtig zu Castelli was sich auch auf Nr. 188 anwenden lässt. Taf. VIII, 396.
190)

Bu(loni),

GODE

hin. Taf.V111,191.

. . . . . diademirtes Brustbild mit Schwert davor, rechtsl?y: t B(ul)OPdVS ähnliches Gebäude. - Gew. O,%Gr. Rev. Belge a. a. 0. 45.

191) t G(ojOEFRIOVS lockiger Kopf mit Schwert, wie auf Nr. 189. Xf. + BVLONVS, im Felde BEAT (Beatus Bulonus ?) . - Gew. O,ig Gr. Rev. Bclge a. a. 0. 43.

Lüttich.
Dieser Ort soll noch im VII. Jahrhundert ein Dorf gewesen sein, und dann erst zu einem Städtchen sich emporgearbeitet haben. Das Bisthum, welches dort seit mehr als einem Jahrtausend besteht, hatte seinen Sitz ursprünglich zu Tongern, S. Servatius verlegte ihn (375) nach Maestricht, wo Bischof Monulf gegen Ende des VI. Jahrhunderts eine Kirche über den Gebeinen des heil. Servatius erbaute. S. Amandus, welcher das nach ihm benannte Kloster Elnon bei Tournay siftete, wird ausdrücklich als Bischof von Maestricht (647-649) genannt. Sein Nachfolger war der heil. Remaclius, der sich im Jahre 660 nach Stab10 zurückzog, zufrieden Von 668 -768 stand mit der bescheidenen Stellung eines Abtes dieses Klosters. Lambert! der spüter ebenfalls unter die Heiligen erhoben wurde, dem Stifte vor; Endlich verschon 714 findet sich in Lüttich eine Kirche zu seinem Gedächtniss. legte Bischof Hubert, angeblich im Jahre 721, den Bischofssitz nach Lüttich, wo er seitdem verblieben ist. Lüttich (Leodium, Lethgia, Lcdgia, Legia; s. Focrstemann 11, 940) tritt als Mtlnzstätte schon unter Karl d. Gr. auf, und zwar unter dem Namen Leodicum (Leodico). Dann wird uns berichtet, dass Ludwig 1V. im Jahre 908 dem Bischof Stephan das Münzrecht fllr Maestricht gegeben *), und ferner, dass Bischof Notger dasselbe 985 für Huy, 994 für Fosses und 997 Bestätigung dieses Rechtes namentlich fiir Maestricht erhalten habe, sowie spätere Bestätigungen von 1040 und 1070, letztere für Dinant gemeldet werden 2). Aber aus der ganzen langen Zeit von Karl d. Gr. bis in die zweite Hälfte des XII. Jahrhunderts, wo die Bischofsmiinzen häufiger ,auftreten, kannte man bis vor Kurzem kein Lütticher Gepräge, denn alle, welche Rcnesse in seiner hist. num. dc Liege aufführt, sind theils falsch, theils unrichtig bestimmt “). Nach und nach ist diese Lücke durch einige Kaisermünzen
1) Rettberg, deutsche Kirchengeschichte 1, S. 550. Rev. Helge IV (1848) S. 3-1:). 2) >aInsuper teloneum ac monetam de Trajecto nostra donatione cum consensu Albuini eo tempore illius comitis concessam (Gall. Christ. 111. instrum. col. 146). 3) Rev. Belge 111 (1847), S. 143. 4) Schon Lelewel (111, S. 243) und Grote (Bl. f. Miinzk. 111, S. 73) haben das nachgewiesen. S. aurh Rev. Belge 111, S. 145.

Otto III.,

Heinrich 11.

115

und dann beziiglicb der Bisclmfsmunzen Fund ausgefüllt worden.

durch den hochwichtigen

1. Maestrichter

8) Kaiser.
Kaiser seit 996). Taf. IX, 192. 192) OTTO GRA DI REX diadcmirtes Brustbild linkshiu. *f IZJ LEDGI K. M. 1,tl Gr. 1,35 Gr. Minsk IT4 Gr.
A

0 t to TH. (983-2002,

Rev. Beige VI, Taf. IX,

17-20.

Taf. IX, 193. 193) OTTO

(GRA DI) REX wie vorhin, aber Obol. -

Berl. Bl. I. Taf. Dass dieser Otto der erste nicht sein kann, lehrt die ihrerseits wieder durch diese Ottonen als ein Gepräge des rich 11.) nicht des 111. bezeichnet wird. - Den Denar Belge VI. Taf. IX, IG) R. unter Huy. Heinrich

K.M. 6,4Gr. 11, 29. folgende Münze: welche zunächstfolgenden Heinmit Monogramm $ev.

11. (1002-1024, Kaiser seit 1014). Taf. IX: 194. 194) RE(x H)EINRICV.. . diadcmirtcs Brustbild linksbin. &/: wie vorher. - M. 8. 3,115 Gr. Berl. Bl. VI, S. 251. Taf. IX, 195. 195) t-EINRI.. SI WPERI IO Kopf linksbin. h?J. SC :s Lan) BER TVS (rücklaufig). Kreuz in einem von 4 Bogen gebildeten Vicrcckc, an dessen Aussenseiten die Buchstaben C - I -TP. Rev. Belge VI, Taf. IX) 21. Nach Analogie ähnlicher Münzen von Hup wohl eher von diesem Kaiser, als von Heinrich 111. Die Bf. erinnert ein wenig an Duisburg, ohne dass jedoch eine Nachalnnnng anznnehmen ist. Die Buchstaben C - I -T - P sind wahrscheinlich : ausweislich der’ folgcndcn Münze, für PATRON zu nehmen. 196) Aehnlich,
IMPERA.

aber

mit

rechtsgewandtem
PATRON..

Kopfe
., -

Ii?J: SLANBRT

HEIN RI CVS Gew. l,is Gr.

Rev. Bclgc 11, 6. 7?J . . . DG Taf. IX, 197. 1971 HEI (N)RI RE(X) (diademirter?) Kopf rechtshin. . . PAX Bischofsstab, zu dessen Seiten SA. -- M. S. 3,t2 Gr. Taf. IX, 397a. 39iu) HEIN (RIREX) diademirter Kopf r. AJ: . . . . . GIAPA(x:, Bischofsstab zwischen SA. - M. S. 1,~ Gr. Taf. IX: 198. 198~ HEINRI (RE)X (diademirter?) RJ SCA-PAX zur Kopf. Seite eines Bischofsstabes. - K. M. 1,14 Gr. Herbst in Kopenhagen. Diese Mlinze, welche ich früher als Nr. 397 und 197~ kennen lernte: verrieth sich mir zwar durch ihre Fabrik als niederländisch, einen festen Platz hat sie aber erst durch letztere erhalten, deren Umschriften sich wieder zu LEDGIA PAX ergänzen , wobei das SAncta neben dem Stabe sowohl auf Ledgia als auf pax bezogen werden mag. Das PAX kommt sonst nicht vor, ausser bei Poppo Trier und vielleicht auf einem Denare von Chur. Analogisch wird man auch den unter die unbestimmten aufgenommenen Denar Nr. 1215 hierher rechnen dürfen. 8”

126 Konrad

Nieder- Lothringen.

Liittich.

(1021-1039, Kaiser seit 1027). diademirter Kopf. RJ t 2CS LA(nbert)VS zwischen je 4 ins Kreuz gestellten Kugeln ein Schwert, die Spitze nach unten. Knhne 11, 9. 346. Nr. 4. Diese von Köhne auf Huy bezogene Miinze wird von Piot (Rev. Belge IV. S. 350) unter Lüttich aufgeführt, und zwar vielleicht mit mehr Recht, denn wenn auch das Gepräge etwas an Huy erinnert, so fehlt doch der Stadtname, der sonst alle Gepräge von Huy bezeichnet, und St. Lambert ist der Patron von Liittich, wenngleich cr als solcher begreiflicherweise auch a,uf den Münzen von Huy vorkommt. Etwas ganz Sicheres wird sich kaum sagen lassen, Griinde hat Kiihne so wenig als Piot beigebracht.
199) CONRAD . .

II.

b) Bischöfliche. Da bereits Bischof Stephan 908 das Münzrecht fiir Maestricht, und sein Nachfolger Notgcr gegen Ende des X. Jahrhunderts dasselbe für verschiedene Orte erhalten hat, so köunte man wohl von Letzterem Münzen erwa,rten. Und in der That hat nicht blas Renessc, dessen unrichtige Zutheilungen schon oben gerügt sind, sondern auch Lelewel (111, S. 147/246) ihm eine solche zugesprochen, welche auch seinen Namen und Titel deutlich zeigt. Aber ihre Aechtheit ist doch mehr als zweifelhaft. Sie hat folgendes Gepräge : NOTGER EPS langes Brustbild mit Bischofsstab linkshin. Z</ COD M E HL (angeblich collegium Mehlinense oder LCODME H für Leodiensis) Kirche mit 2 Fahnen auf den Seitenschiffen. Bedenkt man aber, dass Notger schon 1008 verstarb, dass, von Augsburg, Köln, Metz und Strassbnrg, vielleicht auch von Toul und Trier abgesehen, erst zu seiner Zeit die Bischöfe das Miinzrecht auf ihren Namen nuszuiiben begannen, die meisten noch des Kaisers Namen oder Bild ihren Münzen aufpriigten, kein einziger aber damals noch sein eigenes Bild ,zu bringen wagte, bedenkt man endlich, dass Gebäude, so reich und schön, wie das hier dargestellte, dieser Zeit noch fremd sind, so gelangt man nothwendig zu dem Schlusse, dass wir es mit einer Falschmünzerwaare 1) ZLI thun haben, und dies um so gewisser, als dieser Notger uuter deu übrigen erst nach seinem Auftauchen eutdeckten beglaubigten Lütticher Miinzcn ganz fremd und vereinzelt dastehen wiirde. Lelewel bezieht sich zwar auf eine ihr angeblich ahnliehe Münze Ludolf’s von. Trier (99S- 1008) , welche auch dessen Brustbild mit Bischofsstab trage, allein diese Münze ist nicht von Ludolf, sondern von dem viel späteren Rudolf (I183-1189), wie ich in der Huber’schen numismat. Zeitschrift (111, 8. 549) nachgewiesen habe. - Wir kiihnen daher zur Zeit die Reihe der bischöflichen Miinzen, wenn wir sie nicht schon mit zuletzt gedachter Nr. 199 anfangen lassen wollen, erst mit folgendem namenlosen Stucke beginnen , das mehr geistlichen als weltlichen C’harakter zu tragen, ÜbrigenS aber in die Zeit Heinrich’s 11. oder Konrad’s II., also wohl dem Bischofe Reinhard (1025-38)) zu gehören scheint. f Taf. IX, ZOO. 2001 t 2LANBERT. 2 Brustbild des Heiligen linkshin. &t LEDGI A wie vorher. - K. M. 1,25 Gr. Berl. Bl. 11, Taf. XIX, 46.
dhui 1) Lies wird auch in der Rev. Beige 111 (1847) S. 148 bexeugt : BA est bien recunnu nujourquc cctte pike est de f;rbriration motlerne~~. Rcnesse hat öfter so geirrt.

Konrad

II.,

Reinhard,

Wsso,

Dietwin.

117

Kopf mit Bischofsstab linkshin. G/ + {L):SO. IA - K. M. 1,4 Gr. Für die Aufschrift der l?/ weiss ich keine Scheint in dieselbe Zeit gehörig. Erklärung; sie ist auch um so schwieriger: als der erste Buchstab ganz unsicher ist. Irrig ist ein noch schlechteres Exemplar in der Rev. Bclge 1873. Taf. 11, 1 auf Thuin bezogen. Diesem Bischofe wird auch der Denar bei Köhne N. F. XlI, 22. zugeschrieben, den ich unter die unbestimmten versetzt habe.
. . . NTBERTVS
was0 (10’12-3048).

Taf. IX, 202. 201)

~~ . . . AScw 0. Taf. IX, 202. 202) t S (Lambe) RT (rtickläufig) Kopf linkshin. Bischofsstab Uber einem Halbmonde. - Gew 0,82 Gr. Rev. Relge TT, 4 (18X), Taf. XIX, 4.
Dietwin (1048 1075).

Taf. Ik, 203. 203) DIETVIN ETS tonsurirtes Brustbild mit Stab und Buch. 3 t LEG to Io Ao dreithürige Kirche. Gew. 0,~ Gr. Rev. Belge 11, 4. Taf. XIX, 5. De Coster liest wie angegeben) während die Ahbildung nur D I ET I I IETS erkennen lässt; da cr die Abbildungen öfter aus mehreren Excmplarcn hat herstellen lassen (s. 8. 22), so mag eins derselben die von ihm bezeugte Inschrift gchabt haben. Er erklärt dicsclbc D. cpiscopus Tungrensis, was mit Rcttberg’s Angabe (1. S. 550), dass erst Bischof Heinrich 1091 sich Bischof von Lüttich: statt von Tongern genannt habe, in Einklang stehen wiirde. Vielleicht aber ist das ETS nur mit EPS gleichbedeutend, was dem Gebrauche dieser Zeit mehr entsprechen wiirde, denn nur wcnigc Geistliche fügten damals ihrem Titel den Namen ihres Sitzes bei (s. s. 29).
Rf. LEGIA dreithiirmige Kirche, von Taf. IX, 204. 204) t 3. . .‘. . . EPS ähnlich. ‘einer Mauer umschlossen. - Gew. O,SS Gr. Rev. Belge IJ, 4. Taf. XIX; 7. Auch hier liest dc Costcr ETS, während die Abbildung deutlich EPS zeigt. Andere Münzen dieses Bischofs sind unter Ciney, Huy und Thuin zu finden. Etwa in das Ende seiner Zeit wird auch folgende Münze gchörcn 1):

Taf. IX, 205. 205) . . LATNBERTVS Kopf. &J: L- I -GI-A in den Winkeln eines brcitcn vcrzicrtcn Kreuzes. Rev. Belge 111, 1 i,3857,. Taf. IV, 4. Piot glaubt sie weder vom Kaiser noch Bischof, sondern von der Kirche S. Lambert geschlagen. Ganz ähnlich ist folgende, deren Erklärung noch nicht hat gelingen wollen, da ein Heribertesheim nicht bekannt, an Bertheim, Bertheheim aber, das so 1155, aber auch schon 965 vorkommt, ebenso wenig ZLI denken ist als an Heribotesheim. Taf. IX, 206. 206)
I ICVS (vicus?) - HER1 -BREI in 3 Zeilen, darunter zwischen 2 Ringeln. RJ wie vorhin. Rev. Belge 111, 1. Taf. IV, 5.

Kreuz

1) Falls nicht eine Aehnlichkeit mit Nr. 135 und 250 sie in den Anfang des folgenden Jahrhunderts zu setzen nöthigt. Man müsste ein Original sehen.

128

Niedur -Lothringen.

Ltittich.

Heinrich 1. (1075-91). Taf. IX, 207. 207) HEN (R) IC . EPS Brustbild mit Bischofsstab und Buch. &J Kirche mit Vorhof, daneben links L . - Gew. O,Y~ Gr. .Rev. Belge 11, 4. Taf. XIX, 13. Rf. t RHLVOD . . . . Taf. IX, 208. 208) + jLe)GIA Brustbild mit Bischofsstab. [riickl&ufig), Kreuz mit einem Kopfe in jedem Winkel. - Gew. O,‘i8 Gr. (beschädigq . Rev. Belge 11, 4. Taf. XIX, 14. Taf. IX, 209. 209) t LEGln Brustbild mit Krummstab und Buch. &f. t 0 La E Go 10 Ao Gehä,ude. - Gew. 0,~ bis O,% Gr. Rev. Belge 11, 4. Taf. XX, 15. Die Aehnlichkeit des Brustbildes erlaubt die beiden letzten Stücke den ersten anzureihen. Der Typus von Nr. 208 ist unerhört, nur in Polen kommt meines Wissens ein ähnlicher vor (Köhne 11, Taf. XI, 11). Vielleicht hnhen wir an die 4 Evangelisten zu denken.
l

Othert (1091-1119). lt!! Ohne Taf. IX, 210. 210) 9B . ERTVS Brustbild linkshin, davor Krummstab. Umschrift. Kreuz mit einer Lilie in jcdcm Winkel. Rev. Belge 11, 4. Taf. IX, 1G und 111, 5 (1861). Taf. XVII, 13. Der Styl dieses Münzchens ist so fein und zierlich, dass man es, wenn der Name fehlte, gewiss für jünger halten würde. . EPC Brustbild r. AJ. Kirchengiebel mit 2 Thiirmcn, zwischen denen das Eingangsthor. Reiche1 VI. Nr. 559. 212) t OBERTV Darstellung undeutlich. RJ. . . . ESE . . gekröntes Brustbild mit Sccptcr in der Rechten. Rev. Belge IV, 5 (1867). S. 2. Nr. 11. 213) OB... EPC Brustbild mit erhobenen Händen. Rf. Kirche. Renesse, Taf. 111. Nr. 1. 214) OB.. . EPS Brustbild mit Krummstab rechts. Z$J A VICTRIX Adler rechts. Renesse, Taf. 111. Nr. 2. Auch in Thuin hat Othert geprägt.
211) OBER..

Adalbero 1. (1121-1128). Taf. IX, 215. 215) (hl) BERO tonsurirtes Brusthild mit Bischofsstab. RJ. (U; ENA RIS Baum. Rev. Belge 11, 3 (1853). Taf. IV, 3. Taf. IX, 226. 2ltii ALBERO EP ähnliches Brusthild. ~~ Dreithürmiges Gehäude. von einer Mauer eingefasst. Rev. Belge 11, 3 (1853). Taf. IV, 4. Wohl kann die Frage entstehen, oh dieser Bischof oder Adalhero 11. (1 135 -45) Ansprnch auf diese Miinzen hat, aber die tibrigen Mlinzen desselben Fundes, namentlich die Alexander’s, welche wegen des Fehlens von Geprä’gen des Bischofs Heinrich 11. (1135 -64)) fiiglich nicht vom zweiten (1165- 67)) sondern nur vom ersten (1128 - 34j sein können , sowie ferner ein Maestrichter Denar von König Heinrich V., der auch in diesem Funde gewesen, sprechen laut fiir den ersten Bischof dieses Namens. lind dass es kein anderer als der Lütticher ist, folgt daraus, class

Heinrich I., Otbert, Rdalbero 1. Unbestimmte.

119

der betreffende Fund ‘) bei Maestricht gemacht ist, und alle in ihm enthaltenen Münzen einen Gattungscharakter tragen, welcher ihnen ihre Heimath in der Nähe des Fundortes anweist. Interessant ist das DENARIS (für denarius) auf Nr. 215, das an das bonus
denarius der flandrischen Münzen erinnert. Wenn Meyer (a. a. 0. S. 146) bei Re-

Schreibung des gedachten Fundes daran erinnert, dass der auf Nr. 215 dargestellte Baum im Italienischen so genannt werde, wie der Name des Bischofs klinge, so ist dies eine geistreiche Hypothese, die jedoch nur unter der Voraussetzung Werth hat, dass der Stempel von einem Italiener geschnitten ist. Unbestimmte, etwa aus der Zeit von 1119-1128.

Taf. IX, 217. 217) Tonsurirtes Brustbild mit segnender Rechten und Bischofsstab. Rf. + (Agn) VS PATIENS Gotteslamm mit Kreuzstab links. Rev. Belge 11, 3. Taf. IV, 10. Vermuthungsweise wird a. a. 0. S. 147 dieser merkwürdige Denar dem Bischof Friedrich zugetheilt. Dass er in Lüttich zu Hause ist, macht der Inhalt des eben gedachten 11. Macstrichtcr Fundes, dem er entstammt, sehr glaublich, und wird diese Vcrmuthung noch bekräftigt durch die naive Weise, dem Bilde seinen Namen beizufügen, welche Sitte, freilich erst in der 11. Hälfte dieses Jahrhunderts, sich in Ltittich in einem Grade, wie nirgends anders, geltend gemacht hat. Bber die kurze Regierungszeit dieses Bischofs (1119 - 27/5 1121) lässt diese Zutheilung doch etwas bedenklich erscheinen. Dasselbe gilt von den beiden folgenden Denaren desselben Fundes, welche nach Piot (Rev. Belge 11, 6. S. 57) ihm ebenfalls zugehören sollen. Brustbild mit Tonsur rechts. Rf. Gebäude. Rev. Belgc 11, 3 (1853). Taf. IV, 13. Piot bemerkt, dass die Pröbste auf den Siegeln mit Palmzweig und Buch dargestellt wcrdcn, dass Andreas v. Cuyk, ehe er 11127) zum Bischofssitz von Utrecht gelangte, dem Kapitel S. Lamberti zu Ltlttich als Probst vorgestanden, und als Vertreter des Bischofs während der Erledigung des Stuhles geprägt haben könne. Danach würde ihm denn auch folgender ähnlicher Denar desselben Fundes zugeeignet werden können.
218) ANDREAS

Brustbild mit Palmzweig und erhobener Linken, Bf. Kirche. Rev. Belge 11, 3. Taf. IV, 13. Beide Münzen sehen schon sehr in eine neuere Zeit. In diese Periode verlegt Renesse (Taf. 1, 3. Suppl.) noch folgenden Denar: SCS LAMB Brustbild des Heiligen mit Bischofsstab und Palme. I$ Geb%ude. In der Rev. Belge 111 (1847), S. 141 ist jedoch mit Recht schon bemerkt, dass derselbe viel späteren Datums ist.
1) Der 11. Maestrichter, heschrieben Rev Bclge 11,3 (lAS3) S. 129. S. oben S. 60.

219) Tonsurirtes rechtshin.

130

Niador - Lothringen.

Cincy

EIuy.

Ciney.
Bischof Dietwin von Lüttich (1048-1075). tonsurirter Kopf, linkshin. Rf. t CEVNVS Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. - Gew. O,~Z Gr Rev. Belge 11, 6 (1856). Taf. XIX, 9. Taf. IX, 221. 221) DIETVVIN tonsurirtes Brustbild rechts. Rf. t CEVNVS Lilienkreuz mit darüber gelegtem zweiten verzierten Kreuze und Ringel in der Mitte. - Gew. O,85 Gr. Rev. Belge 11, 6. Taff. XIX, 10. Ciney war bis zur Entdeckung des 1. Maestrichter. Fundes, dem wir diese als Münzstätte nicht bekannt. Von Nr. 220 kannte man zwar Denare verdanken, bereits ein Exemplar, doch wurde dasselbe wegen unvollkommener Erhaltung von Lelewel (111. 8. 183) und Robert (monn. dcs cv. de Toul, Taf. 1, 3j irrthümlich nach Toul verlegt, indem sie LEV (cha urb)S oder LEV (&a civ) S statt CEV NVS lasen. Taf. IX, 220.
22Oj

bEObVIN

Huy.
Die Zeit der Gründung dieses Ortes ist unbekannt, der Anonymus Ravennas, der im IX. Jahrhundert geschrieben! erwähnt ihn schon als Stadt. Früher aber schon treten uns seine Miinzen entgegen, denn die Merowingischen Goldstücke mit CHOE, CHOIV sieht man jetzt, gewiss mit Recht, fiir Gepräge von 1Iuy an, indem man CH als ein stArker aspirirtes H betrachtet ‘). Die Karolinger fuhren fort, hier zu münzen, es heisst auf ihren Geprlgen : IN VICO HOIO. Dieselbe Namensform Geschichtlich überliefert ist, dass Ansfried ist in unserem Zeitraume gcbrtiuchlich. Graf von Huy im Jahre 985 seine Grafschaft der Lütticher Kirche zu vollem Eigenthum übertrug, und Otto Ul., als er in demselben Jahre diese Schenkung bestätigte, dem Bisohofe seine Rechte auf die von seinen Vorfahren schon verliehene Münze zu Huy abtrat 2). Wir besitzen von Huy kaiserliche und bischöfliche Münzen, erstere zum Theil schon von Köhne [II, 8. 345j zusammengesellt , letztere erst durch den ersten Maestrichter Fund zu Tage gefördert. a) Kaiser. Taf. X, 222. Kaiser seit 962). 2%) OTTO REX IMPER Kopf linkshin. Ii!!, t HOI0 M OhETA t eine Figur, Bhnlich der Andcrnachcr Schlcifc (dem sogenamten Gordischen Knoten). - M. S. 1,‘~1 Gr. Köhne 11, Taf. XII, 1. (Thomsen 6462.) Otto 1. (936-973,

-.

1) Rev. Relgc IV (184S~ 8. 34ü. 2) Rev. 13elge 111 (lY4i1 S. 143 nach Gall. Christ. 111. instr. col. 148. Der Wortlaut Rev Beige 11, 4 (I8S S. 432: 11etq& quod reliquum erst regiae ditionis, in moneta seilicet et tclonio reliquisque redditibus, munifkcntia Regem ac Impewtorum , pr&cocssorum nostror’um, cccleeise S. Rlariac Loodio vel Hoyo positac jam cesserat, et dilectissima mdter noatrd Theoph:mo Irnperatrix iicndtun pottritt, ratum duximus ejus subscrvire petiti0ni.a

Dietwin

v. Lüttich.

-

Huy.

Otto I., Otto III.,

Heinrich

11.

121

Die Darstellung der Rf. , in welcher Köhnc mit Thomsen drei übereinandergelegte Schilde erkennt, ist schwer zu erklären, es ist von ihr schon oben 8. 21 die Rede gewesen. Ebenso S. 26 von der seltcncn Vereinigung des königlichen und des kaiserlichen Titels. Die Zutheilung dieses schönen Denars an Otto den Grossen lässt Köhne unbegründet; möglich, dass dies richtig ist, da die Münze, abweichend von denen Otto% 111. und seiner Nachfolger den Heiligen nicht nennt, überhaupt ein anderes Aussehen hat. Nur wird sich freilich nicht entscheiden lassen, ob sie nicht doch etwa unter seinem Sohne Otto 11. geprägt ist; wegen ihres Vorkommens bei Kowal (v. Sa,llet TT, 8. 324) b in ich sehr geneigt, das zu glauben. 0 t to 111. (983-1002, Kaiser seit 996). 223) OTTO GRA DI REX diademirtes Brustbild rechts. &J’. SCS LAhDBERTVS, im Felde I-iOIVm. - K. M. l,:szGr. 1 ,SI Gr., M. S. 1,18 Gr. Cappe 1, Taf. XIV, 221. Mittheil. S. 175, Nr. 68. Varictäten Rev. Belge 11, 6 (1856), IX, 7-13. Nicht, wie Cappe 1, S. 74 sagt, identisch mit Götz 224 (oder, wie irrig gedruckt steht, 212) , denn letztere Miinze ist von Konrad 11. Die Inschrift lautet nicht, wie Cappc angieht, HOIOM) sondern HOIVM, l%sst sich auch ni&t HOIOMoneta erklären, sondern enthält einfach den Stadtnamen im Nominativ, der auf den vorgedachten Karolingern im Ablativ steht. Unrichtig giebt ferner Cappe GRA IN statt GRA DI an. - Das Erscheinen des Lütticher Heiligen, das in der Rev. Belge IV, 8. 319 befremdend gefunden wird, hat in der That nichts Auffallendes, Huy hing ja eben von Liittich ab. Taf. X, 223. Taf. X, 224. 224) OTTO (impe)RAVGV belorbeertes Brustbild
Rj’. +SC(SLA)hD BERTVS mART, im Felde von H 0 I VM.

linkshin. ein (theil-

weis verwischtes) Monogramm Cappe 1, Taf. XIV, 222. Unrichtig giebt Cappe (1, S. 71) OODO als Umschrift dieser ausscrgcwöhnlich schönen Münze an , w8hrend die, wie ich mich besinne, gut und getreu gezeichnete Abbildung deutlich OTTO zeigt, dahinter ist eine Lücke, die IMP oder IMPE zu ergänzen sein wird. Ein ganz ähnlicher Denar wird librigens in der Rev. Belge VI (1850) , Taf. IX, 16 auf Lüttich bezogen, das Monogramm nemlich LGIA gelesen; mir scheint aber die Abbildung in Uebereinstixnxnung mit vorstehender Cappe’scher Münze viclmchr HOIVM zu haben, doch wären deutlichere Exemplare freilich wünschenswerth. Heinrich Taf. X, 225. 11. (1002-21, Kaiser seit 1014).
205j HEI (N) RI C REX bekränzter (!) Kopf linkshin. Rf. S M I ANVS, im Felde 2 Perlenlinien mit -1 Kugeln zu jeder Seite.

- K. M. 0,o~Gr.: M. S. l,lj Gr. Mittheil. Taf. IX, 69. Der hier genannte Heilige ist Domitian, Bischof von Maestricht, dem, nebst der heiligen Jungfrau, die Hauptkirche der Stadt geweiht war. Sein Tag ist der 7. Mai (Potthast bibl. hist. Suppl. 8. 205). 1)
1) Er ist iibrigens
leugnet.

so wenig

bokannt , dass lhtrthold

(Gesch. Pommerns)

seine Exist,enz

122

Nieder- Lothringen.

Huy.

Cappe beschreibt K. M. 111, Nr. 309 folgende Münze : HENRICVS . . . gczwischen 2 und 4 Kugeln ‘gebildeten krönter Kopf links. 1) Rf. S . . OMITIANVS Rauten HOIM; ich vermuthe, dass sie mit der vorstehenden identisch ist. Seine Nr. 519, Bd. 1 ist nachstehender Konrad 11. Nr. 230, und ist sie demgemäss auch richtig von Köhne 11, S. 346, Nr. 5 unter diesem Kaiser beschrieben. ,4uch hier giebt Cappe den Kopf unrichtig als gekrönt an. . . . Kopf mit Diadem rechts. RJ’, SCS DOMITIANVS zwischen je 4 Kugeln 2 aus Perlen bestehende Parallellinien. Köhne 11, S. 345, Nr. 1. Rf. . . . . .TIANV. Taf. X, 226a. 226a) Achnlich mit (HEljNR(l)C(V)S. K. M. l,o? Gr. Taf. X, 227. 22s) HEINR. I . . EX Kopf rechts. Rf. S’DOMI . . . . . im Felde
226) HENRI

diadcmirtes Brustbild rechts. im Felde HO iV M mit 2 Perlenlinien sich kreuzend. - K. M. 1,lS Gr. Aehnlich M. S. 1,44 Gr. Aehniich Köhne N. F. XII, 16, wo jedoch der Kaisername verkannt, gelesen und daher zu Baldericus, den Namen eines Lütticher Bischofs . . ERICVS (1008-1018) ergänzt ist. Alle diese Münzen gehören offenbar zusammen und passen vortrefflich in die Zeit zwischen Otto 111. und Konrad 11. Auch hat Cappe (111, Nr. 309) seine frühere Zutheilung an Heinrich 111. demgemgss berichtigt. 11. (1024-1039, Kaiser seit 1027). Taf. X, 229. 229) IMP CONRADVS diademirter bärtiger Kopf rechts. Rf. SCS DOMITIAN(VS) .*., im Felde HOIVM. - K. M. I,o!J Gr. Rev. Belge VI (1850) Taf. IX, 14. Köhne 11, Y. 346, Nr. 2. Götz 268. Cappe 111, Nr. 332. Gr. Gab. 1. Suppl. 65. Es ist dies die Münze, welche Mader’s Scharfsinn (IV, S. 86) so vergeblich in Bewegung gesetzt hat, freilich waren damals Münzen von Huy noch nicht bekannt, und in dem HONN des Groschen-Cabincts war wohl das damals ganz fremde HOIVM kaum zu erkennen.
229aj Ihle COARI (dus) diademirter Kopf rechts. Rf. SC2 DOANMIINVS, im Felde HOMN. - K. M. I,OI Gr. 2296) Aehnlich mit IMP CONRADVS. Rf. SCS\ DOWIFIOR?J und HOIVM. - K. M. I,OA Gr. Taf. X, 230. 230) IMP CONRADVS ähnlieher Kopf. Bf. u>Cu, LAhDB(E)R(TVS) im Felde HOIVM zwischen je 4 Kugeln. -

Taf. X, 228.

H. IVM. 228) HENRICVS IhPERA Rf. f DOM . . . NAVS,

Konrad

M. S. 1,53 Gr. Berl. Bl. VI, S. 251. Cappe 1, 519. Aehnlich Götz 224. Bl. f. Miinzk. 11, Taf. XVI, 237. Die von Köhne unter Huy gestellte Münze dieses Kaisers mit Schwert $1, S. 346, Nr. 4) ist schon oben unter Lüttich heschrieben (Nr. 199).
1) Nach C;tppescher Ausdrucksweise ist also der Kopf rechts gekehrt.

Konrad

11. Anonyme

Bischüfliclm

123

b) Bischiife.
Bis zum ersten Maestrichtcr Funde waren Bischofsmünzen von HLIY aus unserm Zeitraum unbekannt, wenn man nicht die folgende anonyme dazu rechnet, was man freilich wohl um so eher thun kann, als die letzten beiden, unter Dietwin aufgeführten Miinzen auch auf beiden Seiten unter Verschweigung des Prägherrn nur den Namen des Schutzheiligen angeben, und doch schwerlich für kaiserlich gelten können. Taf. X, 231. 231) Z LAN(bertus) diademirter Kopf linkshin. RJ t scs DOMICIA(N)VS,, im Felde zwischen je 4 Kugeln HOI M. Kopenhagen, (Staniol-Abdruck) . Dieselbe Mtimze bringt Kfihne (11, Taf. XII, 2) aus derselben Sammlung mit vollständigem t S LANBERTVm , ob nach einem zweiten Exemplare, oder nach demselben, nur ergänzt, muss ich dahin gestellt sein lassen ; in ersterem Falle läge eine Stempelverschiedenheit, in letzterem Ungenauigkeit vor. Was die Prägezeit dieses Denars betrifft, so ist Köhne gewiss im Rechte, wenn er sie unter Heinrich 11. oder Konrad 11. versetzt, ja man kann wohl noch bestimmter sich fiir Letzteren entscheiden, denn die Rf. entspricht ganz denen dieses Kaisers. Sehr mit Unrecht und ohne Gegengrunde wird diese Annahme in der Rev. Beige 11, S. 259 und 111, 8. 142 verworfen, und dafür das J. 985, wo Lüttich in Besitz von Hny gelangte, als die Zeit dieser Prägung angenommen und schliesslich die Münze sogar für städtisch erklärt. Dies muss man jedoch, wenn man die Stellung, welche die Städte damals einnahmen, und den gänzlichen Mangel an Nachrichten iiber so frühe Verleihung des Münzrechts an sie in Betracht zieht, geradezu als unmöglich bezeichnen, wie im Vorhergehenden bereits mehrfach geschehen ist. Wenn aber auch Köhne die Zeit der Entstehung unsrer Münze im Ganzen richtig getroffen hat, so wird man ihm doch darin nicht beitreten können, dass sie, wie er weiter vermuthet, einer angeblichen Sedisvakanz 3015-1018 ihre Entstehung verdankt; eine solche Sedisvakanz ist gar nicht vorhanden gewesen, da Bischof Balderich erst am 29. Juli 1018 das Zeitliche segnete, ferner hat das Ltttticher Kapitel vor 1688 keine Sedisvakanzmünze schlagen lassen, und endlich ist, wie schon bemerkt, die Miinze mit gutem Grunde für jünger zu halten. Und dann wäre es doch auch auffallend, wenn nicht die Bischöfe, sondern das Kapitel während einer Sedisvakauz den Anfang mit einer selbststindigen Prägung gemacht hätte. Wir haben von Huy kcinc Kaiscrmiinzcn nach Konrad 11. (1039) und andererseits keine Bischofsmünzen mit Namen vor Dietwin (1048) 1) , unsere Münze hat ein Gepräge, das sie in Konrads Zeit versetzt; ist es da nicht durchaus wahrscheinlich, dass sie das erste Erzeugniss der von weltlicher Autorität befreiten bischöflichen Ausmünzung darstellt? Der Bischof ersetzte eben das gewohnte Bild und Namen des Kaisers durch den des Schutzheiligen seines Sprengels. Die Münze, so betrachtet, redet ganz verstandlich: (HJ.) geschlagen auf Befehl des Bischofs von Lüttich, ($/) in HLIY, seiner Stadt. Ist dies richtig, so mag sic von Bischof Waso (1042-48) sein, oder vielleicht, da er sich auf seinen Liitticher Gepragen bereits nennt, von seinem Vorgänger Reinhard (1025-38) oder Nithard (1038-42).
1) Dass der angebliche Baldwich ist bereits oben zu Nr. 228 gesagt. ;Köhnc N. l?. XII, I(i) von Kaiser Heinrich 11. hwriihrt,

224

Nieder- Lothringen.

Huy

Dietwin (1045-75). 232) t DII.*.- INETS tonsurirtes Brustbild mit Bischoftsstab und Kirche. Buch. Rf. t H (0 0 0 j t I 0 V 0 M dreithürmige Rev. Belge 11, 6 (1856), Taf. XIX, 6. Gew. 0,~ Gr. De Coster, dem 6 Exemplare zu Gebote gestanden, giebt a. a. 0. t DIET V - I NETS und t H 0 0 0 t 0 10 V 0 M als Umschriften an, die Abbildung lässt jedoch nur die oben angegebenen Buchstaben erkennen. Taf. X, 232. 233) +3IEWINVw, im Felde HOII, darüber oben und unten ein Kreuzehen zwischen 2 Ringeln. Rf. MARIA und DOMIIN (lctztcrcs Wort rückläufig) beider Brustbilder sich ansehend. - Gew. 0,~ Gr. Rev. Beige 11, 6, Taf. XIX, 8. De Coster bemerkt, dass er diese Umschriften aus 6 Exemplaren zusammengesetzt, und dass er dasselbe Verfahren auch bei andern Münzen dieses Fundes, die grösstentheils mangelhaft ausgepragt und überdies beschädigt gewesen, aber stets mit der grössten Aufmerksamkeit und Kritik habe beobachten müssen. Wir können uns wohl auf diesen so vorsichtigen Forscher verlassen, ersehen aber hieraus, dass, wie bereits zu Nr. 187 bemerkt, die Abbildungen die Mtinzen dieses Fundes meistens idealisirt, nicht in ihrer wirklichen Erscheinung und Fehlerhaftigkeit wiedergeben sind, 233~) Ebenso, aber die Umschrift der Rf. DOMITIANVS. Gew. O,% Gr. Rev. Beige 11, 6, S. 406, Nr. 13. )~merne legende et type. Nach der Beschreibung, die wörtlich lautet: h?J: t DOMITIANVS memes bustes« bleibt es zweifelhaft, ob nicht auch der Name MARIA auf der Münze steht. Taf. X, 234. 234) DOMIT . . . Bischofsstab. O,SS Gr. Heinrich 2351 Aehnliches,
RJ

Taf. X, 233.

dessen tonsurirtes Brustbild rechts, +SA(ncta M)ARIA deren Kopf. Rev. Belge 11, 6, Taf. XIX, 11.

davor Gew.

1. (1075-1091). aber schöneres Gepräge mit V, bOMI * Tl AN’. Bf. +foMoARoloA. - Gew. 0,s~ Gr. Rev. Belge 11, 6, Taf. XX, 16. Dc Coster bezeichnet diese Münzen als gut erhalten; die nächst vorhergehende aber als abgenutzt, und schliesst daraus, dass letztere die altcrc, also von Dietwin, die guterhaltcnc dsgegen als die jüngere von B. Heimich ist. Die Aehnlichkeit dieses schönen Denars mit dem Dinanter des Grafen Albert mit dessen Kopfe, lif. Kirche (Nr. 179)) der gleichfalls in diesem Funde vorkam, ist bemerkenswerth. Taf. X, 235.
l

Otbert
236) OBERTVS

(1091-1119).

EB tonsurirtes Brustbild mit Bischofsstab in der Bcchten. Rf. H 000 IV 0 M (rückläufig:1 Kreuz mit Lilie in jedem Winkel, mit Punkten und Ringeln verziert. Rev. Belge IV, 5 (1867), S. 2, Nr. 12.

Dietwin,

FXeinrich I., Otbert.

-

Macstricht.

Otto II., Otto 111.

1 25

Maestricht.
Zur Unterhaltung der Verbindung mit dem Rhein legten die Römer eine Brlicke uber die Maas und befestigten sie ; die daraus erwachsende Niederlassung, das heutige Maestricht, wurde pons Mosae, dann Trajectum ad Mosam oder Trajectum superius genannt. Der Ort gelangte bald zu grösserer Bedeutung, seine feste Lage bestimmte, wie wir oben gesehen, den heiligen Rervatius, den ßischofssitz von Tongern hierher zu verlegen. Hginfig nahmen die merowingischen Könige hier ihren Aufenthalt und richteten eine Miinzstätte ein, wie eine grosse Zahl auf uns gekommener Trienten bezeugt. Man hat diese früher irrig nach Utrecht gclcgt. Perreau hat aber (Rev. Belge 11, 8. 325) diesen Irrthum aufgedeckt, der durch den gleichlautenden lateinischen Namen (Trajectum inferius oder Trajectum ad Rhenum = Utrecht) und Nichtbeachtung cler geschichtlichen Thatsachen seine Erklärung findet. Auch aus der karolingischen Zeit sind uns Münzen geblieben, und ebenso aus der Regierung der sächsischen und fränkischen Kaiser. Die beiden freilich, welche Perreau a. a. 0. S. 3-15 als solche aufführt, gehören nicht hierher: Die erste aber mit SCS SERVACIVS, von Otto’s III., vom Gepräge der Adelheidsdenare, Lelewel (Hl, S. 132) nach Tongern verlegt, ist von Quedlinburg, während bei der andern, einer IJtrechter von Heinrich 11. (nicht IV.) Perreau in denselben Irrthum der Verwechselung des Trajectnm supcrius mit detn inferius verfallen ist, vor dem er selbst warnt. An Stelle dieser haben wir folgende hier xufzuz&hlen : a) Haisermiinzen. 0 tt 0 11. (973-983).
Im(P) R * TAVG Kreuz, aus doppelten, seltsam verschr%&en Balken gebildet. Bf. t SCS SERVATIVS .EP-SMonogrammaus~-I-E-C-M. - Gew. i,lGGr. Berl. Bl. VI, Taf. 71, Nr. 8. Der Minsker Fund, der uns diese Mtinze geliefert, würde allenfalls auch ihre Zutheilung an Otto 111. erlauben ; da aber die folgenden Münzen, welche mit griisster Wahrscheinlichkeit auf ihn zu beziehen sind, ganz ‘anderen Aussehens sind, so liegt es nä,her, an einen slteren Wo, und zwar wohl eher an den zweiten, als den ersten zu denken. Höchst eigenthümlich ist das Kreuz, das sonst schwerlich jemals in dieser Gestalt vorkommt. 234) +OTTO

Taf. X, 237.

0 t t o 111. (983 -1002, Kaiser- seit 996). 238) (-i-i OTTO GRA DK RE(X) Kreuz mit 4 Kugeln. Rf. f- SER TIVS - \A. M&m. St. Pkt. 11, Taf. VIH, 2: danach Cappe 1, Taf. XV! 243. Diese Münze, das einzige Exemplar des Stoiper Fundes, haie ich zuerst beschrieben und nach Maestricht bestimmt, was auch Köhne (m6m. St. P&t. IV, 8. 53) bei Beschreibung eines ähnlichen Stückes (mit t OTTO t GRAD’ RIX. RJ 2SERTIVS -VA) billigt, wogegen Cappe (1, Nr. 332) sic l) für Quedlinburgisch erklärt, aus keinem andern Grunde, als weil Otto 111. sich oft in Quedlinburg aufTaf. X, 238.
1) Er liest anclr unrichtig
DT statt DT, IIII~ VA stat,t des

zusammengezogenen

\A

326

Niedei-Lothriu~en.

Maestricht.

dass sie von den wirklich nach Quedlinburg gehalten hat. Aber nicht allein, gehörigen (vom Adelheids-Typus) sich auf das Wesentlichste durch ihre Fabrik unterscheidet, so erscheint auch in der Gegend von Quedlinburg der Name der Prggstätte nie im Felde, wie das so häufig bei den Städten am Rhein und westwärts von Köln, namentlich in Liittich und Huy der Fall ist, und nicht minder bezeichnend ist die Stellung des gratia Dei (GRA D‘i ) , das so, statt des gcbriiuchliehen Dci gratia nur noch in Lüttich und Huy liblich ist. Für Otto’s 1. Königszeit da Otto 11. nur als (936 - 62) ist übrigens unsere Miiuze zu alt, und so bleibt, Kaiser regiert hat, nur übrig, sie an Otto 111. zu geben. 239) t OTTO ‘GRA D RE diademirter Kopf linkshin. Kif. t (Sta Ma) R . (:i, 1t A Monogramm von TRAIECT. - K. M. 1, I I Gr. Der Mosgau-Fund lieferte ein Exemplar mit . . GRA D - RE. IZJ”. SCA t m. .., es wird also erlaubt sein, &a Maria zu ergänzen, wenngleich auf dem abgebildeten Exemplare das R mehr wie A aussieht. - Das eben besprochene Gratia Dei, sowie die Stellung des Stadtnamens und dessen monogrammatische Form sprechen dafiir, dass Trajectum hier Maestricht, nicht Utrecht bedeutet. Auch die heil. Jungfrau bürgt dafür! die noch ferner auf Maestrichter, nicht auf Utrechter Geprägen anzutreffen ist. Taf. X, 240. 240) OT(TO?)
SC-(A) ..*** Kopf? -MA-(R)lA. Bf. (T)RA. ., im Felde in 3 Zeilen - M. S. 1,25 Gr.

Taf. X, 239.

Leider von so schlechter Erhaltung das Bild der 11f. bestimmen lässt. Taf. X, 242.

und Auspr%gung , dass sich nicht einmal

241) t OT . . . . . . Kopf 1. Bf. Mehrzeilige Inschrift im Felde, von der nur lesbar AMARI . - M. S. 1,~ Gr. Der Aehnlichkeit wogen darf man wohl auch folgenden Denar hierher setzen, obwohl die völlig erloschene Umschrift der Hjl möglicherweise den Namen Heinrichs 11. cnthaltcn haben mag. Aufschrift K. M. Hier haben wir den deutlichsten Beweis, dass die mehrerwähnten Denare mit dem Namen der heil. Jungfrau nicht nach Verdun, sondern nach Maestricht gehören. Die Rf. enthält übrigens noch Anklänge an karolingische Gepräge. - Noch andere ähnliche Miinxen sind mir bekannt’) die aber zu schlecht zum Beschreiben und Abbilden sind. In dem hbgange der Funde pflegen dergleichen nie zu fehlen, gelegentlich vorkommende, besser ausgeprägte Stiicke lassen uns noch eine bedeutende Bereicherung der Maestrichter Münzreihe erwarten.
TR’A-.CSAM-. R-1. -

Taf. X, 242.

242) . . . . . . . . ..X

Kopf

1.

Rf. Im Felde dreizeilige

Heinrich Taf. X, 243.

11. (1002-1024,
REX) f M. -

Kaiser seit 1014). linkshin.

243) HEINRICV(S TVM

Brustbild

Rf. t TR(AljEC

. . im Felde,

bf. S. 1,SS. Gr. 1 ,~.i Gr.

.

Otto III.,

IIeinrich

IT.

127

Die Fabrik und ein Blick auf den eben besprochenen Denar bezeugen, dass die Münze nicht nach Utrecht gehört, also nicht S. Martinus, sondern S. Maria zu lesen ist. Taf. X, 244. 2-14) Auch die Münze des Farve-Fundes (11, 13) mit Kaiserkopf. Rf. erloschene Umschrift ( . . . AIEC . . . ?), im Felde durch Striche getrennt S (CA)- MA -RIA) scheint hierher gehörig. Zu IJnrecht beschreibt Thomsen (Berl. Bl. 11, S. 63) ein schlecht erhaltenes Stück dcs Oster-LarskjerFundes mit . RAIECTVM.
SC Rf, AMA, RIA

unter Anfiihrung

eben dieser, mit ihr doch keines-

wegs identischen Farver Münze unter Utrecht, wogegen doch das SCA MARIA auf das Bestimmteste spricht (vergl. oben s. 90). Taf. X, 245.
245) HENR . . . . . Kopf

-

linkshin.
-

RJ.

Undeutliche

Iimschrift,

im Felde SCMA
A

M. S. 1,23 Gr.

Den Ottonen Nr. 241 und 242 in der Fabrik näher stehend, als der ersten und der folgenden Munze desselben Kaisers, dient auch diese Miinze zur Erhärtung des S. 23 Gesagten: nicht blos nach einander, sondern auch gleichzeitig sind nicht wahrnehmbar. selten in derselben Stadt mehrere ganz verschiedene Fabrikklassen Nirgends tritt dies deutlicher als in Maestricht hervor, wo wir neben recht sauberen antreffen, zu und gef&Iligen auch die rohesten Gepräge, letztere in der Mehrzahl, denen namentlich die beiden nachstehenden unbedingt zu zählen sind. 246) . . EN. A. . S (d. 11. Henricus) Rf. TRA. . . . Kirche. Rev. Belge 11, 1 (1851), XVII, Taf. X, 246a. gekröntes bärtiges Brustbild.

3, danach Cappc 111, Nr. 406.

246~) HEN . . . VSR. . gekrönter Kopf. Ir?/ RAI . . . M Kirche1). Rev. Belge 11, 1, Taf. XVII, 4, danach Cappc 111, Nr. 401, Thomsen 4114. Gehört der zweite unter Konrad 11. aufgeführte Denar nach Maestricht, SO gilt von diesen noch mehr barbarischen dasselbe. Piot giebt sie (a. a. 0. S. 386) dem dritten Heinrich, im Thomsen’schen Katalog aber wird bemerkt, dass die Funde Mit Heinrichs 111. und IV. Namen nur die Zuthcilung an Heinrich 11. erlaubten. scheint auch in den Niederlanden, wie schon öfter erw&hnt, kaum noch geprlgt zu sein, da unter ihnen die Vasallen die Münzen mit ihren Namen bezeichneten. Im Thomsen’schen Kataloge wird übrigens die Münzt nach Utrecht gegeben, vielleicht auf Grund der Aehnlichkeit ihres Kopfes mit dem der Denare von Thiel. Taf. X, 247.
247) kEII/IRICVS diademirter (belorbeerter?) Kopf rechts. RJ. TRA IECTVM und PX als Umschrift so gestellt, dass die Buclrstaben TRAET und P das obere Ende dreier sternförmig

über einander gelegten
1) Die Inschrift

Linien

bilden.

-

K. M. ,1,25 Gr.
mit der Abbildung nicht

habe ich nach dem Texte gegeben,

der allerdings

ganz stimmt.

128

Nieder- Lothringen.

Mltestricht.

Eine Sihnliche Miinze des Kopenhagener Museums mit rückläufigem TRAIEC hat v. d. Chijs (IX, Taf. XVI, 3) und bemerkt, dass sie nach Thomsen a,us einem etwa 1030 vergrabenen Funde herrührt. Dies und der Egersunder Fund weisen sie als ein Geprage von Heinrich 11. aus. Dass sie aber nicht in Utrecht zu Hause ist, wie v. d. Chijs (IX, S. 177) annimmt, wird klar, wenn man sie neben die Utrechter desselben Kaisers und neben die übrigen Maestrichter hält ; die Fabrik zeugt zu bestimmt für die Maasstadt. Freilich, wie wir öfter sehen, kann man sich in der Fabrik leicht täuschen. So ist es Köhne ergangen, der einen äbnlichen Dena,r für einen Ziiricher ausgiebt, weil er dieselbe Hand wahrzunehmen glaubte, welche die Stempel zu einer sicheren Züricher Münze geschnitten hat. Er beschreibt diesen Denar folgendermaassen: FEINRICVS REX diademirtes Haupt rechts. BJL TVRE CElTA drei in Form eines Sterns übereinandergelegte Lanzen, an deren Enden die Buchstaben der Umschrift TRET befestigt sind (Mcm. St. Pßt. IV, S. 74). Troz Mangels einer Abbildung ist doch die Zusammengehörigkeit dieser und unserer Münze wohl ausser aller Frage, denn ein ähnliches Gepräge findet sich nirgends weiter. Das PX unsrer Münze erinnert übrigens an das SCA PAX der oben (Nr. 197-198) beschriebenen Lütticher Denare desselben Kaisers. Es ist unter Heinrich 11. viel in Maestricht geprägt worden, wenn auch diese Gepräge wegen Mgngel in der Technik und der Erhaltung gar vielfach verkannt worden sind. Fernerer Untersuchung bleibt es vorbehalten, ob etwa der unter den unbestimmten (Nr. 11631 verzeiclmete Heinrich mit l-El1 . ICIPMP. i?J: +<nCAM . . A und eine Art sechsstrahligen Sternes (Rev. Belge 11, 4 (3854), XIX, 3) ein Maestrichter ist, er zeigt zu viel Verwandtschaft mit dem vorliegenden Denare, als dass ich Denen, welchen das Original zugänglich, nicht eine nähere Prüfung desselben auf die Möglichkeit seines Maestrichter Herkommens hin empfehlen möchte. Mit dem angeblichen Hildesheimer (Cappe, Hild. 111, 212, hier Nr. 1183 a) ist er, wo nicht idcntiseh , so doch tiusserst ähnlich. Endlich trägt auch der Heinrich II. mit Rf. I-EINRICVS MOETA (Berl. Bl. III, Ta.f. XXVI, ij manche Kennzeichen un sich, welche eine Vcrmuthung für MaesMcht begründen (s. hier Nr. 1178’~.
TVM

Konrad Taf. XI, 248.
248) RADVS

11. (1024-3039,

Kaiser seit 1027). Lanze

IIV Kaiserkopf rechts. XJ. . . . . t MARIA zwischen A- UJ. - Thomsen (Abdruck) 1 ,li Gr.

Rev. Beige II, 5 (1855) , S. 299. Die Lanze ist das Abzeichen des heiligen Lambert. Bild und Umschrift dieser seltenen Münze weisen also die beiden Schutzheiligen der Stadt, beziehungsweise dcs Bisthums, nach, wie denn auch die Fabrik ganz die Maestrichter ist, wenn auch in der Rev. Beige (a. a. 0.) noch keine Bestimmung gewagt wird. Dort ist iibrigens die Umschrift unrichtig CONRADVS IIV angegeben; es ist aber für die erste Sylbe CON gar kein Platz. Aelinliche Wunderlichkeiten, wenn wir nicht einfach einen Stempelfehler annehmen , bieten uns sächsische Brakteaten von Herzog Bernhard mit ERTIARDVS und RnARDVS, von Magdeburg mit AVRICIVS statt MAVRICIVS, von Erzbischof Albert mit ALRT u. s. w. Taf. XI, 249. 249) t ICV . : DVDN Brustbild rechts. Rf. t TRAIECTVM Kreuz. Rev. Belgc 11, 1 (1851) , XVII : 2, danach Cappe 111. Nr. 335.

Konrad II., Hehrich V.

129

Ob wirklich Konrad? Es wird dies namentlich dadurch sehr zweifelhaft, dass diese Münze , mit unleserlicher Aufschrift der Hf. im Thomsen’schen Kataloge Nr. 4109 - IO (hier allerdings irrig unter Utrecht) auf Grund eines andern Exemplars des Kopenhagener Kabinets, aus dem Kjeldstrup-Funde, mit (H)ENRICV unter Heinrich 11. anfgeführt wird. Die andern, a. a. 0. Rev. Beige beschriebenen angeblich Maestrichter Miinzen sind unter Utrecht aufgeführt, der vorstehenden sehr rohen wird man ihren Platz an dieser Stelle nicht bestreiten kiinnen; sie passt zu den sonstigen Maestrichter Geprä’gen ungleich besser, als zu den Utrechtern. V. (1105-3125, Kaiser seit 1111). REX * (riickläufigj gekriintes Brustbild mit Scepter und Reichsapfel. 8J ZC2 * 2ERWA . des Heiligen Brustbild mit Bischofsstab. Rev. Belge 11, Taf. IV, 1, Taf. VII, 6 u. 11. Bd. 111 (1853), Taf. VI, 37 ; danach Cappe 111, Taf. IV, 41. Zufolge der durch den 11. Maestriohter Fund gelieferten Daten (R.ev. Beige 11, 3, 8. 129) kann dieser zierliche Denar nicht jünger sein, so wie ihn anderseits auch wohl Niemand für alter halten wird. Seinen Prägeort verkündet der heilige Servatius mit lauter Stimme. Wenn Cappe (111, Nr. 510) sagt, dass unsere Münze in der Rev. Belge 11, S. 208 und 345 nach Tongern verlegt würde, so zeigt dies recht deutlich. den goringen Grad seiner Genauigkeit auch im Citiren, denn an beiden Stellen (jedoch d. 347, nicht 345) wird Maestriclit als Prägstätte angegeben und an ersterer sogar die frühere Zutheilung an Tongern bekämpft, und S. 34G wird im Gegentheil gesagt, dass S. Servatius in Maestricht,. in Tongern hingegen S. Maternus verehrt worden, was Cappe dann auch lediglich wiederholt. Dieselben Bemerkungen werden in der Rev. Belge 11, 3, .S, 140 bekräftigt. Wenn endl&h Cappe gar den bctreffenden Schriftstellern vorwirft, dass sie dem Heiligen einen Kreuzstab statt des Bischofsstabes in die Rechte gegeben, so Weiss man vollends nicht, was man dazu sagen soll, denn a. a. 0. ist nur das Wort acrosse« gebraucht, und der Irrthum ist auch hier wieder lediglich auf Cappes Seite, der j)crosse« mit »croix« verwechselt hat. Llebrigens wird in der Rev. Beige 11, 3, S. 145 Anm. ein ahnlieber Denar (angeblich in Westermanns Sammlung) erwähnt, auf dem der Heilige einen Schlüssel statt des Stabes hält. Taf. XI, 250.
250)

Heinrich

-f HfZINRICVS

b) Bisehofsmiinxen.
Die weltliche Gewalt der Bischöfe erstreckte sich nur über die eine B%lfte der Stadt mit der Liebfrauenkirche, in welcher die Bischöfe ursprünglich residirten, während der andere Theil mit der Servatiuskirche dem Kaiser zustand. Obwohl die Bischofe schon seit 908 im Besitz des Münzrechts für Macstrieht waren, so haben sie es doch erst viel später ausgeiibt; den Anfang ihrer Pr%gungen scheint folgender Denar zn bezeichnen, den wir des Bischofsstabes halber kaum für kaiserlich halten dßrfen ; er fallt in die Zeit der Bischöfe Reinhard 1025 - 38 und Nithard 1039-42. Ta,f. XI, 251.
251) CONRADVSII

bekränzter I:p) Kopf linkshin. I?f. TRAIE (ctumj Bischofsstab, daneben ein Punkt. K. M. 0,97 Gr. Mittheil. S. 182. Tnf. IX, 86, darnach Cappe 111, Taf. 1, 11.
iilfcste dliinzcu.

Pan

11 e rrb er g , I>aatsilrlnn~ln

Y

130

Nieder-Lothringen.

Maestricht.

252) t SCS LANBCR (VS EPS) Kopf mit, Tonsur, rechts. Rf. TRAIECTVM , zwischen zwei Kreuzehen die monogrammatisch verbundenen Buchstaben TAv . K. M. 1,s Gr. R.ev. Beige 11, 1 (1851). XVII, 5, danach Cappe III, 402. Thomsen 4011 (unter Utrecht.) Cappe quält sich mit Beschreibung der Figur der Rf., sie dürfte aber nichts anderes sein, als ein etwas unvollkommenes Monogramm von TRAIECT, in welchem das A zugleich fiir das so ähnliche R gilt; nimmt man das c zugleich nicht blos für C, sondern auch ftir w, wie es sich dem Auge zunächst darstellt, so hat man ausserdem noch das beliebte A w. Taf. XI,
LAMBERTVS (S?) Kopf rechts. Rf. TRAIECTI ECCL(esia) Kirche. - K. M. 1,s Gr. M. S. 1,31 Gr. Rev. Belge 11, 1. Taf. XVII, 6, danach Cappe 111, 403. Das ecclesia kommt sonst nirgends vor. 253. 253) tSCS

Taf. XI,

252.

. . . . (rückläufig). Brustbild linkshin. RJ . . . 33T.. Schlüssel, daneben CLAVIS. - Gew. 1,t Gr. Bl. f. Mtinzk. 11, Taf. XVT, 232. Rev. Belge 11, 6. Taf. XIX, 1. De Coster glaubt die Inschriften Sanctus Monulfus und Trajectum ergänzen Iv. T(rajectjNSTIS. zu diirfen, Chalon (R. B. 11, 6. S. 271) Sanctus (L)am.. . in den Die Lesung wird sehr zweifelhaft dadurch, dass auf das SANCTVZM.. Bl. f. Nünzk. ein deutliches H , in der Rev. Beige weniger deutlich, HE folgen, was freilich keinen Sinn giebt. Jedenfalls ist aber die Prägstltte ausser Zweifel, der Schlüssel, ein Attribut des heiligen Servatius, und daher später das Wappen des St. Servatius-KapiteIs zu Maestricht, weist ganz bestimmt auf diesen Ort hin. Dasselbe Gepräge des Schlüssels mit beigefügtem CLAVIS tragt auch ein anonymer Kaiserdenar aus dem Ende des XlI. Jahrhunderts 1). Alle vorstehenden Denare librigens werden in Konrad’s 11. Zeit oder in die nächste Zeit nach ihm fallen. Kopf rechts, davor ein aus mehreren Ringeln Bf. t TRAIECTVM ein unbekannter bestehender Zicrrath. Gegenstand, &hnlich einem Horne auf einer Schildplatte. Gew. 0,~s Gr. Rev. Belge 11, G. Taf. XXII, 55. Zur ErklBrnng dieser merkwlirdigen ! im 1. Maestrichter Funde nur Einmal vorgekommenen Miinze dient, dass in Macstricht zwei Kapitel, zu S.’ Servatius und zu Unserer Frauen bestanden, welche spgter in eine kaiserliche Abtei umgewandelt wurden, und dass, wie schon bemerkt, ersteres im kaiserlichen, letzteres in dem bischiiflichen Theilc der Stadt belegen war. De Coster schreibt sie daher (Rev. Beige a. a. 0. S. 348) dem Kapitel S. Maria ZLI. Taf. XI;
2%. 256) t w ERVATIVw

Taf. XI, 254. 254) t ZANCTVZM.

Taf. XI,

255. 255) t (u(ca M) ARIA

(rückläufig). Kopf des Heiligen. Rf. Kreuz mit einer Ku&1 in jedem Winkel, in einem Perlenkreise, um welchen DIVbVRG, die einzelnen Buchstaben durch Perlenstreifen getrennt. - Gew. 0;82 Gr. Rev. Belge 11, 6. ‘Taf. XXI, 38.
5 und Cwppe 111, Twf. IV, 45, wo xber unrichtig
IPR und

IPM

1) 8. Rev. Bclge 11, Taf. VIl, statt IPE gelesen wird.

Maestricht. Taf. XI,
257. 2573 SERVATIVS

131

(rückläufig). Brustbild mit Bischofsstab (Scepter?) und ausgestreckter Linken. Rf. DIVSBVRG in 4 um ein Kreuzehen gestellten Perlenkreisen. Gew. 0,s Gr. Rev. Belge 11, 6. Taf. XXI, 37. Ta,f. XI, 258. 258) (Ser)AATl(us) Brustbild mit Schwert und Kreuzstab. Rf. Wie vorhin, doch stehen nur die Buchstaben DIVS in den Kreisen, die übrigen ausserhelb. Gew. 0,~s Gr. Rev. Belge 11, 6. Taf. XXII, 54. Taf. XI, 259. 259) SE(rvatiu?)S Brustbild. Rf. S sitzende Figur mit Schwert und Kreuzstab. Gew. 0,~ Gr. Rev. Beige 11, 6. Taf. XXII, 53. Diese 4 Münzen bieten uns schwer zu lösende Mäthsel, und es hilft uns auch um wenig, dass sie alle dem mehrgedachten 1. Macstrichter Fund entnommen sind. Auch abgesehen davon kiiudigen sie selbst ihre Zusammengehörigkeit an: i%r. 256, 257 und 258 sind durch das DIVSBVRG und die Heiligennamen verbunden, und auf Nr. 259 erscheint ein Kopf, stylisirt wie der auf Nr. 258, auf der Rf. aber eiue Figur, mit demselben Schwert und Kreuzstab wie der Kopf von Nr. 258 nusgestattet. De Coster eignet sie deshalb alle, obwohl Nr. 259 mit geringerer Bestimmthcit, dem 8. Servatius-Kapitel zu, und glaubt, dass dasselbe zeitweise Miteigeuthümer der MUnze zu Duisburg gewesen sei. Aber er verhehlt sich dabei nicht, dass diese Münzen doch ganz Maestrichter Typus haben, was sehr auffällig wäre, wenn sie in dem so weit von der Maas entfernten Rheinischen Duisburg geschlagen wären, und er wirft .daher die Frage auf, ob nicht in der Nähe vou .Maestricht irgend ein castrum dieses Namens zu finden wäre. In letzterer Beziehung möchte a,ber wohl jede Mühe vergeblich sein, wenn es den in ihrem Lande so bewanderten belgischen Munzforschern nicht gelingt, und noch weniger als an das Rheinische Duisburg darf mau selbstredend an das Geldrische, im XIII. Jahrhundert mit Stadtrecht bedachte Doesburg denken, das ‘noch cntfcrnter liegt und wohl kaum Beziehung zu Maestricht hatte. Und wem1 man selbst ein anderes Duisburg näher bei Maestricht entdeckte, so würde damit noch immer nicht der auffallende Umstand aufgebellt sein, dass die Rf. vou Nr. 256, 257 und 258 bekannten Geprägen des Rheinischen Duisburg auf das Geuaucstc entsprechen. Man muss daher von zwei Dingen eins annehmen : entweder hat man diese MUnzen in Duisburg am Rhein geprä,gt und das Kaiserbild aus uns unbekannten Grtinden durch das des Maestrichter Beiligen ersetzt oder aber sie sind in Maestricht geschlagen. Erstere Annahme 1) scheint sich aber schon durch den Fund zu verbieten, der nur Münzen aus der Maasgegend enthielt, welche sämmtlich mit den in Rede stehenden die augenscheinlichste Fabrikverwandtschaft haben, wahrend sie von den viel zierlicheren Duisburgern durch rohen Stempelschnitt und schlechtere Ausprägung merklich abweichen. In letzterer Hinsicht muss wiederholt darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Zeichnungen in der Rev. Beige a. a. 0. aus mehreren Exemplaren hergestellt sind, denn ausdrücklich bemerkt de Coster von Nr. 256: »8 exemplaires, en mauvais etat et tres-mal frappes; ils sont tous incomplets((: von Nr. 257 : ))5 cx. tous tres-mal frappes, incomplets et en mauvais etat (I und von Nr. 258 : jj2 ex. mal frappes «. Nun vergleiche man damit die durch1) Piot [Rev. Belge 111, 1 (1857) S. 108~ theilt sie.

132

Nieder -Lothringen.

Eisestricht.

Otbert.

gängig schön gearbeiteten und vollkommen ausgeprägten Duisburger. Man wird dann nicht umhin können, die Annahme, dass Maestricht ihre Hcimath , für allein glaublich zu erklären, wenn auch zur Zeit nicht ausgemacht ist, ob der Name und das Gepräge von Duisburg hier eine Folge blosser Nachahmung, oder wodurch sonst veranlasst ist. Ctbert (1091-1119). 260) . . IRICVS REX Kopf. Bf. OTBE.. . . der Bischof Bischofsstab. Rev. frang. 1841. S. 40. Rev. Belge 11. S. 348. mit

Thuin
lateinisch Tutinum oder Tuinutn 1) oder Tudinium 2) an der Sambre zwischen den Grafschaften Hennegau und Namur gelegen, war frliher eine Villa regia oder fiscus, und schon unter den Karolingern eine Mtinzstätte, wenn anders ein Denar Karl’s des Kahlen mit TVNNIS, wie es scheint, eher hierher als nach dem jetzigen Dorfe ‘Tun bei Cambray gehört 3). Ausserdem kannte man aber bisher diese Stadt nur als wenig benutzte bischöflich Ltittichsche Prägstatte. Neu sind folgende

a) Kaisermünzen. 4,
Heinrich 11. (1002-1024, Kaiser seit 2014). 261) , . INRICVS Kopf rechts. RJ Ein von doppelten Perlenlinien gebildetes Kreuz, in dessen Winkeln TV-IN-VM.. M., S. 1,l Gr. Taf. XI, 262. 2G2) . . . NRIC.. Kopf linkshin. ef. Ebenso, doch ist nur TV-IN.-sichtbar. - M. S. O,% Gr. Eine Vergleichung mit den Denaren von Lltttich und Huy lässt nicht zweifeln, dass dieser Heinrich kein anderer als der zweite ist, die folgende Münzt des Bischofs stellt Dietwill spricht nicht dagegen, denn der ganz abweichende Schriftcharakter diese als viel junger dar. Taf. XI, 261. 11. (1024-39, Kaiser seit 1027). Taf. XI, 263. 263) CVONO REX gekrönter Kopf rechts. RJ Ohne Umschrift. Zweithürmiges Gebäude, neben jedem Thurme 3 Ringel, im Abschnitt TVDIN. M. S. l,lfi Gr. Götz Nr. 223. Diese Miinze, bei Götz sehr getreu und charakteristisch gezeichnet, ist bisher unerklärt geblieben, auch wohl wenig beachtet worden. Anders als auf Thuin wird sie sich nicht beziehen lassen, wenn auch die Fabrik nicht nur, sondern auch das CVONO und die Stelluu g des Stadtnamens im Abschnitt beim Mangel einer Umschrift viel Befremdendes bieten. Indessen so sehr sticht sie doch nicht von den übrigen Denarcn dieser Stadt ab, als beispielsweise gewisse Munzen Alberts 111.
11 Dn Cnngc, s. Rev. Bolgo IV, S. 360. ?j Longpitrier, catsl. Rousseau Nr. 551. 3) Rev. Beige IV, S. Stil. 4) Einen rielleicht hier gepriigtcn OTTO

Konrad

I MPER

s. unter den unbestimmten

Nr. 1261

Thuin.

IIeinrich II., Konritd II., Dictjvin, Otbert. -

Vi&.

Otto 111.

233

von Nanmr und Dinant von einander sich unterscheiden, und zwar nicht hlos die aus dem Anfang seiner Herrschaft von denen aus den letzten Jahren. Und in anderen Gegenden hat unser Denar noch weniger Analogien.

h) Bischofsmünzen.
Einen? in der Rev. Beige 1873, Taf. 11, 1 hierher bezogenen Denar mit dem Kopfe des Lambert s. unter Lüttich (Nr. 201). Dietwin (1048- 1075). 264) bl jetvi)NV2 Kopf linkshin. &?f, TUN’ in den Winkeln eines von doppelten Perlenlinien gebildeten, in der Mitte von einem Perlenkreise durchbrochenen Kreuzes. - Gew. 1, 10 Gr. Rev. Beige 11, 6. (1856) 8. 407. De Coster äussert bei Beschreibung dieses Denars, dass im Llittich’schen gleichzeitig zwei Münzfiisse, ein schwerer und ein leichterer bestanden haben müsstcn, die meisten andern Münzen des 1. Maestrichter und dass dieser Denar ersterem, Fundes letzterem angehören. Ob dies richtig, lasst sich um so schwerer entscheiden, als de Coster nur Durchschnittsgewichte angiebt. Taf. XI, 26.1. Taf. XI, 265. 265) 3IEDVINVS Kopf linkshin. RJ (T?) VINVS Hand. Rev. Beige 111, 1 (1857), Taf. IV, 6 wo der erste Buchstabe der &$ jedoch mehr einem A als einem T ähnlich sieht. Otbert

(1091-3119). Taf. XI, 266. 266) OBERTVS Brustbild mit Bischofsstab und Palmzweig. Iif. TVIN in den Winkeln eines zierlichen Kreuzes. Appel Repertorium ~IV, 2, Taf. XII, 15. Dieses zierliche Mtinzchen deutet schon entschieden auf die folgende Periode hin.

V i s e t (Visi?),
Dies an der Maas gclcgcnc Sdtchcn tritt uns zuerst in dem hcrühmtcn Theilungsvertrage von 870 entgegen, muss aber schon früher zu einiger Bedeutung gelangt sein, da bcrcits unt& Karl dem Kahlen hier geprägt wurde. In den Urkunden kommt der ,Ort unter ‘sehr verschiedenen Namen vor, als Velsatum, Veosatum u. S. W., 1070 auch un& ?ler Form Viosaz , wie auf den nachstehenden seltenen MUnzen. Otto 111. (983- 1002, Kaiser seit 996). Taf. XI, 267. 267) (0T)TO GRAD7 R (EX) diademirter Kopf linkshin. Rf. t VIOZ AZ (MONE) TA im Felde Kreuz mit vier Kugeln in den Winkeln. K. M. 1,31 Gr., Thomsen 1 ,:+Z Gr. v. Mülverstedt. Die gedachten 3 Exemplare ergänzen sich dergestalt, dass über die Inschrift und die Vorstellung der .ZZf. kein Zweifel bleibt. Taf. XI, 268. 268) t LAPlTBERTVw Kopf rechts, davor Bischofsstab Ringel. Rf. VIOZEE Hirsch. Gew. 0,8o Gr. Rev. Beige 11, 6, Taf. XIX, 12. und

134

Nieder-Lothringen.

Stablo.

269) Undeutliche Umschrift. Kopf. &!f. Hirsch, dariiber anscheinend V, darunter I. Obol von 0,s~ Gr. Rev. Belge 11, 6, Taf. XIX, Nr. 12bis. De Coster wirft die Frage auf, ob diese beiden letzten Münzen städtische sind, und verneint sie schliesslich, gewiss, wie schon mehrfach bemerkt, mit Recht. Den Hirsch bezieht er auf den lebhaften Pelzhandel, der in Viset getrieben wurde (a. a. 0. S. 408). Ob übrigens nicht der unter Utrecht beschriebene Heinrich mit dem stehenden Heiligen (Nr. 541) hierher gehörig? In Visct 1Lsst Cappe auch folgenden Denar geprägt sein (K. M. 111, Nr. 511): + VIS-GA0 gekröntes Brustbild. Rf. Gebäude mit einem Thurm zur Seite, daneben im Felde ein Stern, ohne Umschrift, und vcrlcgt ihn. unter Heinrich V. Er gehört aber nach Aachen, denn statt VISG710 ist 71OVIS fiir AQVIS zu lesen, wie Rev. Belge 11, 3, S. 136 und 15ti bemerkt wird, und ist er wohl unter Lothar, wo nicht gar erst unter Konrad 111. geschlagen. Von einem ähnlichen Denar Cp. 111, 512, der sich von dem angeflihrten nur durch das Fehlen des Thurmes, an dessen Stelle ein zweiter Stern steht, unterscheidet, gilt selbstverständlich dasselbe. Diese und ähnliche Münzen desselben Fundes (des 11. Maestricbter) s. in der Rev. Beige 11,3, Taf. IV-VII und unten Nr. 299ff. ; die in unsern Zeitraum fallenden sind oben schon unter Namur, Lüttich und Maestricht, sowie unten bei St. Trond beschrieben.

Taf. XI, 269.

Stab10 (Stavelot).
Es ist bekannt, dass der heilige Remaclus, Bischof von Liittich, der Welt müde und in der Absicht, sich frommen Betrachtungen zu widmen, das Kloster Malmcdy zu bauen begann, dann aber, als er erfahren, dass es auf Kölnischem Boden stand, sich nach dem weniger günstig gelegenen Stab10 (lateinisch Stabulum) wandte, und als dessen erster Abt sein Leben im Jahre 675 beschloss. Beide Stiftungen wurden von Einem Abt regiert, doch bestritten die Mönche zu Malmedy, des höheren Alterthums ihrer Abtei wegen, lange Zeit hartnäckig den Vorrang, welchen Stahl0 als Sitz des Abtes und als Ruhestatte der irdischen Hülle seines Gründers in Anspruch nahm, und Erzbischof Anno von Kiiln wusste es sogar bei dem Kaiser durchzusetzen, dass die Mönche von Malmedy in der Person eines gewissen Tagino einen eigenen Abt erhielten. Tndessen dauerte diese Trennung nur kurze Zeit. Miinzrecht erhielt die Abtei urkundlich erst im Jahre 1152 durch Friedrich 1. l), dass dort aber bereits viel früher b WC p‘“g ra t wurde, beweisen die folgenden, sehr seltenen, erst seit wenigen Jahren bekannten Münzen. Taf. XII, 270. 270) Rechts gekehrtes Brustbild mit Bischofsstab, darüber S-R. RJ. Thronender Kaiser, iiber seinen Schultern FE - hR. K. M. 1,~ Gr. Berl. Bl. 111, Taf. 28, Nr. 11. Da an Rheims, wo St. Remigius Verehrung genoss, aus Gründen der Fabrik nicht zu denken ist, so kann das S* R nur St. Remaclus gedeutet werden, und ist
1) Miraeus dipl. Belg. Bd. 1, S. ö99. Lelewel 111, 8. 195. Rev. Belgc IV, S. 153, wo eine vollständige Geschichte dieser Abtei nebst Beschreibung ihrer danqls bekannten Münzen gegeben ist.

damit eine feste Stätte für diesen Denar von hiichst eigenthümlicher Fabrik gcwonnen, die jedoch etwas an den eben besprochenen Konrad 11. von Thuin erinnert. dass Stab10 zwischen den beiden Miinzstätten Dies wird noch dadurch bekraftigt, Celles und Duisburg gelegen ist, von denen allein wir aus diesem Zeitraume Münzen mit dem Bilde des thronenden Kaisers besitzen. Welcher Kaiser hier dargestellt ist, wird sich wegen Mangels von Anhaltspunkten schwer ausmachen lassen, doch durfte die Wahrscheinlichkeit für Heinrich 111. sprechen, denn die Münze ist nach ihrem Aussehen älter als die folgenden besser gearbeiteten, und geht ihnen auch wohl deshalb in der Zeit vor, weil sie den Kaisernamen trägt, den diese, der gewöhnlichen Entwickelung des Mtinzrechtes und Münzgepräges gemäss, nnterdrtlcken. 271. 271) (Sj REMACLVS EPS Brustbild rechtshin, mit dem an die Schulter gelehnten Bischofsstabe. i?f. STA. _.. S ein über Brkaden in drei Absätzen sich erhebendes Gebäude. Mittheil. Taf. X; Nr. 32, Thomsen 6379-80. Nur 4 Exemplare dieser kostbaren Münze sind bekannt, von denen zwei mir vorgclcgen haben, das zweite aber nur die Buchstaben S . . . . VS. Rf. STA. _. erkennen liess. Gliicklicherweise beeinträchtigt das jedoch die Deutung nicht, zumal da Thomsens Exemplare (STAB)VLAVS haben. Etwas jünger scheint folgende Münze des TI. Maestrichter Fundes zu sein. Taf. XII, 272. 272) flIMACLV Kopf linkshin, davor Bischofsstab. Iif. Ohne Umschrift. Eine Pflanze, aus deren Mitte sich ein Kreuz erhebt. - Gew. 0,~ Gr. Rev. Belgc 11, 6, Taf. XX, 30. Taf. XII,

Malmedy.
Obwohl im preussischen Regier$gsbezirk Aachen belegen, wird Malmedy doch besser hier an Stab10 anzuschliessen sein. \ ,/Taf. XII, 273. 273) Hlb ARCHIEt S Kopf rechts, davor Bischofsstab. Iif. CO L(onia) CIVIW , unter drei Thurmdächern zwei sich anblickende Köpfe, mit einem Sehwerte zwischen ihnen. - K. M. O,iz Gr. Rev. Belge 11, 6, Taf. XX, 26. Taf. XII, 274. 274) .HITAEH tonsurirtes Brustbild mit Bischofsstab rechts. Rf. Undeutliche Umschrift um einen Kopf. -- Gew. 0,s Gr. Rev. Belge 11, 6, Taf. XX, 27. In den Umschriften kann kaum etwas anderes enthalten sein, als der Name tles kölner Erzbischofs Hiltolf 1076- 79, auf den auch das Colonia Civis der ersten Münze hinweist. Dass letztere schöne, nur in Einem Exemplare gefundene Münze aber troz dieser Inschrift in Köln selbst nicht gepragt ist, wird man zugeben miissen, da ihr Gepräge von dem der gleichzeitigen Kölner in jcdcr Hinsicht abweicht. Dasselbe gilt von der andern Münze, die freilich ebenso schlecht als jene schön gearbeitet ist. De Coster vermuthet daher auch (a. a. 0. 417) , dass beide in einem Lehne der Kölner Kirche geschlagen, und (S. 420) , dass dies, wenigstens fiir eine von beiden, Malmedy ist. Das ist sehr ansprechend, die Stylverschiedenheit zwischen beiden Münzen aber noch kein absolutes Hinderniss, 1 sie beide hier einzureihen;

136

NiederL - Lothringen.

Thora.

man muss nur annehmen, dass sic von verschiedenen Stempelschneidern herrlthren. Der Heiligenkopf auf Nr. 274 gleicht übrigens sehr dem Marienkopfe auf dem Huyer . Dietwin Nr. 234.

Thorn,
am linken Maasufer, 1 Meile nördlich von Maaseyk, verdankt seine geschichtliche Bedeutung demselben Grafen Ansfried von Teisterband und Huy, den wir schon oben als Wohlthäter des Stiftes Liittich kennen gelernt haben. Das Kloster, das er hier zu Ehren der heiligen Jungfrau l) gegründet haben soll, nahm seine Gemahlin Hildeswinth oder Hildeward in seinen Mauern auf, und hatte seine Tochter Benedicta zur ersten Aebtissin. später wurde das Kloster in ein Kapitel von 14 Stiftsdamen umgewandelt, das Hoheitsrechte besass, und unter der Aebtissin Margarctha (1531- 77) als Reichsstand fiir den westlichen Kreis zagelassen wurde. Erst von dieser Zeit, vom Jahre 3357 ab kannte man bisher Miinzen, und glaubte an ältcre um so weniger, als sic in Urkunden nicht erwahnt werden. Nur Ferdinand I., der im Jahre 1559 der Abtei ihre Freiheiten bestatigte, bemerkt, dass Otto 1. dem Grafen Ansfried 966 lxllercatus et monetacc zu Casallum (jetzt Kessenich) und Otto 11. im Jahre 9862) demselben Zoll und Münze ZLI Mcdcmalacha (Medemblikj geschenkt habe. Jenes Recht scheint auf Thorn übergegangen zu sein und durfte zur Erkl%runp des nachfolgcndcn , lange unbekannt gebliebenen, kostbaren Denars 3) dienen, cles einzigen, der uns aus dem Mittelalter geblieben ist: Taf. XII, 275. 275) t SA,. . AMI Brustbild rechts, davor ein Zweig oder Blume, die in ein Kreuz endigt. .Ef. . . . . BERGA AB, im Fclclc TOR. Gew. l,zjGr.

A Rühle v. Lilienstern Nr. 56. Rev. Belge 1862 (III, G), S. 466. Das TORA, wenn a,uch eine ungewöhnliche Form des Namens Thorn lässt doch keinen Zweifel über die Heimath dieser Münzt, um so weniger, als der Frauenname und der Aebtissin-Titel dazu auf das Vollkommenste passt. Aber wie diese Aebtissin heisst, das ist uns verborgen, da dgs Verzeichniss der Thorener Aebtissinnen in dieser früheren Zeit ausserst llickenhaft ist, und bis zum Jahre 1235, also in etwa 270 Jahren, nur 7 Namen nennt. Chalon ergänzt zwar Gerherga, aber es giebt doch noch viele andere in berga auslautende Frauennamen, als Adalberga, Adraberga, Agaperga, Agelberga, Agamberga, Aliberga, Ansberga u. s. w. (Foerstemann 1, 262). Allein Gerbergs ist freilich ein häufig vorkommender Name, und so mögen wir bei ihr stehen bleiben, und immerhin auch Chalons Erklärung der Umschrift auf der e/ durch SAC MARIA IM jmaculata) oder Mater lesu als möglich annehmen, bis vielleicht einmal ein gliicklicher Zufall die Umschrift vervollständigt. Unsre Gerberga (Y)scheint die Nachfolgerin der Benedicta, die nach 10 IO gestorben sein soll, gewesen zu sein, der Styl dieses Denars rtickt sie nahe an Ottos 111. Zeit hinauf.
1) Gesta pontif. Bd. 1, S. 206 (nach Rev. Beige 11, 4 S. 431 Anmerkung.) 2) Nach Köhnc 111, S. lli!) erst !1!%. 3) Er findet sich schon abgebildet auf Rühles Tafeln. Von ihm gelangte er an Cappe und dann an mich. Zu einer Zeit, wo diese alten Denare mir noch ferner lagen, überliess ich ihn im Tausch ani de Coster als einen Denar von ‘Thorn, wahrscheinlich einer Acbtissin Gerbergs, als den ich ihn schoq von Cappe erhalten hatte. Wenn also Chalon diese Münze de Coster )jfindencc lässt, so ist dies nicht ganz genau.

Mtinsterbilsen

Otto 111. -,

St. ‘I’rond.

337

Münsterbilsen

(Bilsen),

im belgischen Limburg. Das Kloster wurde im Jahre 656 durch die heilige Landradis gegriindet. Etwa 200 Jahre spater erbaute Graf Odulf daneben eine neue Kirche und widmete sie dem heil. Amor, dessen Gebeine er von Maestricht dorthin überführte 1). Die einzigen numismatischen Andenken dieses Städtchens sind die folgenden, deren Kenntniss wir der Neuzeit verdanken. 0 tt o 111. (983 2 3002, Kaiser seit 996). 276. 276) t OTTII I DEAATOI - (rückläufig) Kreuz. Rev. Belgc 11, 6 (1856),
S. 422.

Taf. XII,

BJ. BlllOsell
3

Der wcitvcrbrcitote Kölner Typus hat viele Nachahmungen, auch in den Niederlanden erfahren. Lassen wir aus der Inschrift auf der l?f. einige überfliissigc Buchstaben fort, wie sie ja auch auf den Kölnern selbst nicht selten sind, so haben wir den Stadtnamen: und diirfen wohl an der Richtigkeit dieser Zutheilung um so weniger zweifeln, als nach de Coster dieser Denar, von dem ein zweites Exemplar nicht bekannt ist, in der Provinz Antwerpen gefunden ist. Der genannte Forscher bezieht eben dahin die von Cappe 1, Taf. XVIII. 302 gebrachte Nachahmung, auf welcher die Buchstaben fast sammtlich zu blossen Strichen entartet sind. Auch der f Dobra-Fund enthält ein Xhnliches Exemplar mit t OTOI I I U II ITOI _ Xf. I IIIO1II I - K. arch. Ko ’ m. in St. Peter&. O,e Gr. e Sallet 7 S. 356, Nr. 39. Taf. XII, 277. 277) Geistlieber mit Bist Lofsst ab und Buch , im Felde V-V-V. litt. w CTI AMEW (rückiäufig) Kreuz. - Gcw. 0,6s Gr. Rev. Belge 11, ü, Taf. XXI, 31. Taf. XII, 278. 27s) Ebenso. Iif. t 31 t . . . . t MV Kreuz in einem mit Ringeln belegten doppelten Kreise. Gew. 0,o Gr. Rev. Belge 11, 6, Taf. XXI, 32. Wie bei Leau (Nr. 282) so glaubt de Coster auch hier den Namen des Heiligen in der Landessprache ausgedrückt, und meint, dass die Stiftsdamen diese beiden Münzen haben schlagen lassen.

St. Tro nd (St, Truijen),
im ehemaligen Hasbcngau (Hesbaye), jetzt zu belgisch Limburg gehörig, hiess früher Sarchinium. Hier kam (etwa 627j Trudo (St. Trond) zur Welt, ein naher Verwandter des erlauchten Pipin von Landen. Er bestimmte sich für die Kirche, führte ein gottseliges Leben und begab sich auf Anrathen des heil. Remaclus nach Metz, wo er dem heiligen Bischof Clodulf einen Theil seiner Güter schenkte, unter diesen auch Sarchinium. Clodulf trug ihm auf, zurückzukehren und in seiner IIeimath ein Kloster zu erbauen, das dann im Jahre 657 den heil. Quintin und Remigius geweiht wurde. Der Ort nahm nach seinem Tode und seiner Heiligsprechung seinen Namen an, und verblieb bei Metz bis 1227, wo Bischof Johann 1. seine Hälfte - die an1) Wolters: not. hist. sur l’anc. chapitre des chanoinesses nobles de Münsterbilsen.

138

Nieder -Lothringen.

St. Trond.

dere trug das Kloster vom Reich zur Lehn - an Bischof Hugo von Liittich vcrtauschte 1:. Wenn auch Lütticher Gepräge von St. Trond, ebensowohl wie ein Denar von Karl d. Gr. (v. d. Chijs IX, Taf. XII, 24) schon länger bekannt sind, so fehlten doch bisher Münzen aus der Zeit der Metzer Herrschaft; der I. Maestrichter Fund hat auch diese Llicke ausgefüllt. Taf. XII,
279. 279) f STEPHAN Brustbild mit Bischofsstab linkshin. Rf. t SCS l TRVDO-I Kirche. - Gew. 6,s~ Gr.

Rev. Beige 11, 6, Taf. XXI, 33. De Coster stellt die ausserordcntliche Zierlichkeit dieses nur in Einem Exemplare aufgefundenen Denars in Gegensatz zu der schlechten Arbeit und der nacblässigen Ausprägung der meisten Stucke desselben Fundes, da doch alle nur wenige Meilen von da geschlagen seien. Jünger, aber doch wohl noch in unsern Zeitraum gehörig, sind folgende Denare des zweiten Maestrichter Fundes : Stephan von Metz, (1126-63). Taf. XII, 286. 280) STEPHAN tonsurirtes Brustbild mit Bischofsstab linkshin. RJ. Ohne Umschrift, dreithttrmige Kirche in einer Umfassungsmauer, beiderseits ein Kreuzehen. Rev. Belge 11, 3 (18533, Taf. V, 15. 281) Aehnlich , aber die Kirche von anderer Zeichnung und ohne Rev. Belge 11, 3, Taf. V, 15bis. die Kreuzehen. Der Lüttic-her Typus kennzeichnet diese Denare als Erzeugnisse der MtinzStätte St. Trond, wie dies von Piot (Rev. Belge 11, 6, S. 44) ausführlich und tiberzeugend nachgewiesen und von de Coster (a. a. 0. S. 42411, bestätigt ist. Bischof

Lbau (Leeuwj.
Dies Städtchen liegt zwar in Brabant, aber dicht bei St. Trend, mit dessen Miinzen die seinigen im ersten Maestrichter Funde und nur dort allein vorkamen. In der unter Bischof Notger verfasten Vita S. Laudoaldi wird es, seinem heutigen vlämischen Namen entsprechend, Levva genannt. R/. Breites, mit Ringeln bedecktes Taf. XII, 282. 282) +SL . . . _ATR Brustbild. Kreuz, in dessen Winkeln LEWE (rückläufig). -Gcw. 0,~s Gr. Rev. Belge 11, 6, XXI, 34. De Coster ergänzt die Umschrift der Hf. dieses nur in 2 Exemplaren gefundenen Denars S.L. PATR (S. Leonardus patronus) und bemerkt, dass der Stadtname vlämisch geschrieben sei. - Von der ältern Geschichte dieses Ortes wissen wir sehr wenig, und namentlich nicht, wem es damals gehört hat; ein Aber die Verehrung des heil. Leonard Kapitel wurde dort erst 1368 eingerichtet. ist dort nach de Coster früheren Datums, denn schon um 1236 sei die nach ihm genannte Kirche auf dem Platze der ihm gleichfalls geweiht gewesenen Ka.pelle gegründet worden. Dagegen bemerkt Piot (Rev. Belge 111, 1 , S. 164) , dass St. Leonard erst im Jahre 1236 Schutzheiliger der Stadt geworden, bis dahin aber
1) Rev. Belge 11, 6 (1856) S. 4ö.

139 St. Sulpitius als solcher gegolten habe, und meint daher S. Lambertus patr. lesen zu müssen, da Leau zu dessen Gebiete gehört habe. Nur auf Grund einer gewissen Aehnlichkeit lässt sich folgender, anscheinend älterer Denar desselben Fundes hierher ziehen. Taf. XII, 283. 283:) . . VJ Brustbild. &$ Umschrift erloschen. Aehnliches Kreuz mit 4 Ringeln in den Winkeln. - Gew. 0,7i Gr. Rev. Belge 11, 6, Taf. XXII, 52.

Die unbestimmten Denare des 1. Maestrichter Fundes.
Unter den letzten Artikeln, von Ltittich bis LBau, sind, wenn wir Nanur nebst Dinant und Gelles sowie Bouillon und Aachen hinzurechnen, alle Mtinzen begriffen, welche in dem älteren Maestrichter Funde enthalten waren, soweit sie eine Erklärung zulassen. Es bleibt noch eine Anzahl übrig, deren Beziehung auf einen bcstimmten Miinzherrn, eine bestimmte Münzstätte nicht oder doch nicht mit genügender Sicherheit gelingen will. Sie alle aber sind, wie ihre Stylverwandtschaft unwiderleglich beweist, in nächster Nähe des Fuudortes geprägt und dürfen daher nicht unter die übrigen unbestimmten gemischt, dondern müssen vielmehr abgesondert von ihnen in Betracht gezogen werden. Es sind aber folgende: 284. 284) Umschrift erloschen. Kopf &shin. Rf. ähnlich. Gew. 1,25 Gr. Rev. Belge 11, 6 (1856), XXII, 46. De Coster erklärt zwar den Kopf der Hf. fiir den des Kaisers, es sind aber keine kaiserlichen Abzeichen an ihm wahrzunehmen. Dennoch mag er Recht haben, da ein Geistlicher oder Heiliger sicher nicht vorgestellt ist. 285. 285) NIER( man) V (ruckläufig) Kopf linkshin. l?f. SORVZ.. V (rückläufig) Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. Gew. 1,~ Gr. Rev. Belge 11, 6, Taf. XIX, 2. De Coster liest HIERMANV> , obwohl die Abbildung nur die angegebenen 5 Buchstaben erkennen lässt, und bemerkt, dass in der Mitte des XI. Jahrhunderts an der Maas mehr Dynasten dieses Namens gelebt haben. Piot vermuthet (Rev. ßelge 111, 1, 8. ‘37) auf der Rf. S. Orontius, und bemerkt, dass in dem Jahre 1064, 65 und 72 ein Pfalzgraf Hermann in Urkunden auftritt, dessen Besitzungen bis an den Roergau, also nahe an Lüttich, reichen. Taf. XII, 286. 286) + HEII . . . . diademirter Kopf rechts. &f. t v) Cl. . . BR, v) Kreuz aus doppelten Perlenlinien, in dessen Winkeln MiZGI. - Gew. 1,25 Gr. Rev. Beige 11, 6, XIX, 3. In der Inschrift der I<f. ist unbedenklich Kaiser Heinrich (11.) ZLI erkennen, die der RJ lautet in der Abbildung wie angegeben, nach de Coster aber STSC. .BR.. . Er ist geneigt, diesen Denar der anscheinend sehr alten Herrschaft Megen (in ßrabant, nahe an Geldern) zuzuschreiben, von der wir schon Münzen kennen, die um 1300 geschlagen sind. 287) t HE. . . CVS REX (rückläufig) derselbe Kopf. h?f. Unkenntliche Inschrift. Kreuz wie vorher, a,ber mit SIMO oder MOSI. - Gew. 1,32 Gr. Rev. Belge 11, ‘6, S. 403, Nr, 7. Nach da Coster der vorigen Münze durchaus verwandt, Taf. XII, Taf. XII,

140

Nieder-Lothrin~eu.

LCuu.

Unbostiumtc

Denare.

288. 288) Brustbild mit Bischofs- und Kreuzstab, ohne Umschrift. Rf. Gebäude, daneben Kreuzstab und OV. - Gew. O,Y~Gr. Rev. Belge 11, 6. Taf. XX, 23. Dass dieser Denar dem Utrechter Bischof Wilhelm, dem de Coster ihn zuerhellt aus seiner Unähnlichkeit mit allen gleicheignet, nicht füglich gehören kann, zeitigen Utrechter Münzen. Er muss vorläufig als unbestimmt angesehen werden. 289. 289) Gekrönter bartiger Kopf, ohne Umschrift. Rf. + HOVOTNOI linksgekehrter, sich umblickender Vogel. Gew. O,% Gr. ~ Rev. Beige 11, 6, Taf. XX, 29. 290) Aehnlich , aber t HOVOH . OIL und Iiber dem Vogel A. Gew. 0,s) Gr. Rev. Beige 11, 6, Taf. XX, 28. De Coster macht darauf aufmerksam, dass die Inschrift HOIOVAI auf’ dem ältesten sichern Loozschen Denare aus dem XIII. Jahrhundert (Rev. Bclge 11, Taf. IV, 2 und 3) denen auf den beiden vorstehenden sehr nahe kommt, und da die mächtigen: in der Nähe von Maestricht begiiterten Grafen von Looz wahrscheinlich schon früh gemtinzt hätten, so stellt er die Vcrmnthung auf, dass sie von ihnen, und zwar Nr. 289 von Emmo (-i- 1079?), Nr. 296 von seinem Nachfolger Arnold (1070?- 1107) ausgegangen seien. Die hlossc Achnlichkeit zwischen zwei gleich unerklärbaren Umschriften hat mir aber nicht ausreichend geschienen, um darauf eine Klassifikation zu gründen. 291) VNER (rücklaufig) stehender Krieger: mit Lanze und gesenktem Schwert. RJ. 0TNIC 0 jrücklänfig; VEIVE 0 Lauze mit gesenkter Spitze zwischen zwei Parallelogrammen. Gern. 0,55 Gr. RW. Beige 11, 6, Taf. XXI, 35. Taf. XII, 292. 292) Ebenso, aber VIEV (rucl&äufig). h!!. Ebenso, aber TVNE (rückläufig) EVNC, und die Vierecke je mit einem Kreuzehen geziert, auch ein Ringel darunter. - Gew. O,% Gr. Rev. Belge 11, 6, Taf. XXI, 36. Die zahlreichste Münzsorte im Funde (48 Exemplare). Daher meint de Coster gewiss mit Recht, dass ihre Heimath nahe am Fundort zu suchen ist, also etwa in Tongern, woran die vielleicht in der Volkssprache abgefassten Inschriften erinnerten. Umschrift. Kaiserkopf zwischen zwei Ringeln. Gebäude. - Gew. O,o Gr. Rev. Belge 11, 6, Taf. XXII, 49. Es ist eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Denare desselben Fundes vorhanden, den de Coster nach Kornelimiinster legt, der aber wohl von dem Mctzer Bischof Adalbero III. ist (Nr. 303).
Rf. HIVIT* V Kopf (mit Perlenschmuck *?) 1zJ: Mit drei 294. 294) . . . . EVI’FB Kreuzen besetzte Brüstung, davor zwei Vögel. Gew. Rev. Belge 11, 6, XXII, 51. 0,Si Gr. De Coster versucht: Dietvinus Tongrensis praesnl zu lesen, und hält es fiir miiglich , dass cr diese Münze in Thuin hat schlagen lassen, von wo man einen jüngeren Denar (Renesse TV, 8) ebenfalls mit zwei Vögeln habe. Die übrigen, von de Coster unter die unbestimmten verwiesenen Münzen dieses Fundes sind schon oben unter Maestricht, Leau und weiter unten bei Aachen beschrieben.

Taf. XII,

Taf. XII,

Taf. XII,

293. 293) Ohne

Taf. XII,

Rheinlande.

Aachen.

141

C. Rheinlande.
Aachen.
295. 295) CARO . . . Gekrönter Kopf. Säulentempel, - Gew. 6,72 Rev. Belge 11, Diese Münze des 1. Maestrichter Fundes Rf. Aquisgranum: sehr ansprechend und unterstutzt Fundes. Taf. XIII,
296. 296) .AROLV.

Taf. XIII,

I<f. . . S GRA. . . (Rückläufig) Gr. 6, Taf. XXII, 47. ergänzt de Coster : Carolus. durch folgenden Denar desselben

. (Karolus?) Kaiserkopf linkshin. 4f. Undeutliche Umschrift. Sich umblick&nder Vogel. - Gew. 0,74 Gr. Rev. Belge 11, 6, !?s.~XKII, 50. Von einigen, schon oben bei Viset erwähnten Aachener Denaren des II. Maestrichter Fundes ist es zweifelhaft, ob sie noch in unsere Zeit, unter Lothar 11. oder vielleicht schon unter Konrad 111. fa,llen. Es sind fo&nde:

Taf. XIII,

297. 297) Ohne Umschrift. Ueber einer Leiste Brustbild des Kaisers mit Kreuzstab und Scepter. RJ. AQ-WS GebBude zwischen zwei Sternen. - M. S. o,u7 Gr. Rev. Beige 11, 3 (2853), Taf. VTT, 42. Das Q ist auf meinem Exemplar ganz deutlich.

298) AO t VIS Kaiserbrustbild. Rf. Gebäude zwischen zwei Sternen. Rev. Beige II,3, Taf. VII, 44, und 1, 2, Taf. IV, 3. Taf. XIII, 299. 299) .Aehnlich, aber statt des Sternes rechts ein Thurm. Rev. Belge 11, 3, Taf. VII, 45 und 1, 2, Taf. IV, 2, danach Cappe 111, 511. Taf. XIII, 306. 3OOj Der thronende Kaiser mit langem Scepter und Reichsapfel, im Felde Ringel, unter seiner Linken A. RJ Kirche zwischen zwei Sternen und sechs Ringeln. Rev. Belge 11, 3, Taf. VII, 43, und 1, 2, Taf. IV; 8. Möglich, dass noch einige andere dort abgebildete Denare dieses Fundes mit sinnlosen Umschriften oder ohne solche hierher gehören. Ta.f. XIII, 301.
301) RaX ROM gekrönter Kopf mit Scepter halbrechts. RJ (Aqui)SGRAl@l Kirche. - K. M. 0,8i Gr.

Schon in Meyers Aachener Geschichte (Taf. 1, 15 und 16) ist diese seltene Münze abgebildet, aber unrichtig, namentlich vergriissert und im Style durchaus entstellt. Auch wird die Umschrift der Hf. hier Rex Karolus gelesen; leider ist das vorliegende Exemplar, so gut es ttbrigens erhalten ist, hinsichtlich dieser IJmschrift nicht recht deutlich, die Buchstaben sind klein und von eigenthumlicher, etwas unbeholfener und fremdartiger Gestalt, doch scheint mir eher RQX ROM als RCIX KaROL gelesen werden zu müssen. Der Uebergangsstyl, dem unsere Münze angehört, scheint sie in Lothais. wo nicht in Heinrichs V. Zeit zu verweisen.

142

Rheinlande.

Pfalz am Rhein.

Pfalz
Taf. XIII:

am Rhein.

Pfalzgraf Heinrich (1045-61). 302. 302) XPS MS Cl.. . P diademirter bärtiger Kopf rechtshin: Rf. HEN.. . COMES PALATIN Kreuzmit HE-IN-RI-ES in den Winkeln. - M. S. 1,46 Gr. Von diesem vortrefflichen Denare, den wir dem Schwarzewer Funde verdanken, ist zwar bereits ein minder gutes, wenn auch den Namen vollständiger gebendes Exemplar (mit HENRI. . . . . PALATIN) schon in Brotes Bl. f. Münzkd. 11, Nr. 225 (S. 336) abgebildet, aber unerklärt und unbeachtet geblieben, da ein anderes scitdem nicht vorgekommen zu sein scheint. Die Mtinze nimmt aber als das einzige numismatische Denkmal der alten rheinischen Pfalzgrafen, und eines Pfalzgrafen aus Auf Münzen wurde dieser Periode überhaupt, unser höchstes Interesse in Anspruch. der rheinischen Pfalzgrafenwürde zuerst Erwähnung gethan unter Heinrichs des Löwen gleichnamigem Sohne, diese Münzen (Brakteatenj sind aber auch nicht in der Rheinpfalz selbst, sondern in Heinrichs braunschweigischen Erbländern geprägt. Dieser Heinrich der Jüngere leitete seine Berechtigung zur Ftihrung des pfalzgräfliehen Titels von seiner Gemahlin Agnes, der Erbtachter des Hoheristaufen Konrad 111. her; zwischen diesem jüngeren Haust und dem unseres Heinrich besteht aber keine Verwandtschaft. Letzterer war der Enkel des Pfalzgrafeu Hermann, welcher in der zweiten Hälfte des X. Jahrhunderts dieses Amtes waltete, und es auf seinen Sohn Ehrenfried (Ezzo) , Ottos 111. Schwestermann vererbte. Ezzos Sohn Otto bekleidete die Pfalzgrafenwürde bis 1045, wo sie mit seiner Erhebung zum Herzoge von Schwaben auf seinen Vetter Heinrich, Hezilos Sohn und Hermanns 1. Enkel überging, den die Geschichte als erbitterten Gegner des Kölner Erzbischofs Anno kennt. 1) Das Pfalzgrafen-Amt, wie es sich im X. Jahrhundert bildete, enthielt richterliche und Verwaltungs-Befugnisse, die Pfalzgrafen waren zugleich Hofrichter und Karneralbeamte (procuratores fisci) , Stauden den Herzügen tbeils beobachtend gegenliber, theils rathend zur Seite, und finden sich überall wo es Herzöge giebt, also in Franken nicht. Unser Pfalzgraf zu Aachen, eingesetzt zuerst von Otto 1. hatte Niederlothringen (ducatus Ripuariae) zu seinem Verwaltungsbezirke, und iiberragte alle anderen an Bedeutung; daraus mag es sich erklaren, dass von ihm allein Mtinzen auf uns gekommen sind. Wo übrigens unser Denar geprägt ist, wird sich schwer feststellen lassen, er hat grosse Aehnlichkeit mit denen seines Vetters Hermann II. von Köln, eines Bruders des genannten Pfalzgrafcn Otto, und nimmt es mit dessen Xantenern an Schiinheit auf. Die ansehnlichen Guter dieser alten Pfalzgrafen waren meistens am Niederrhein helegen.

Kornelimllnster.
303) . . . . VS IMP Kaiserkpof. Rf. . . . . ELIA Kirche wie auf den ersten Aachener [Nr. 295). - Gew. 6,s Gr. Rev. Belge 11, 6 (1856), XXII, 48.
Tab. 51, in wesentlicher Uebereinstimmnng mit Hneusser Gesch. der

1) Brotes genealog. rhein. Pfalz S. 42.

Kornelimtinster.

-

Meer. Gotfried 11.

143

De Coster bezieht die Schriftreste der 1iJ’. auf Cornelius -Münster, welche Abtei am 29. August 985 von Otto 111. das von seinem Vater ertheilte Markt- und mit dem vorstehend beschrieMiinzrecht bestätigt erhielt 1). Und die Aehnliohkeit benen ersten Aachener könnte wohl dafiir sprechen, wenn nicht andererseits eine ebenso unleugbare nur noch grössere Aebnlichkeit mit dem Denare Nr. 34 des Adalalso ist die Umschrift der hero HL von Metz Bedenken erregte. Wahrscheinlich RJ nur ein verderbtes ADALBERO ... .

Meer.
G otfri ed 11.) Herzog Niederlothringen 1065 304. 304) t GODEFRIDVS Kopf links je drei Kugeln. zwei spitzen Dächern. 365. 305) Ebenso, von Qherlothringen , 1044 -- 46, von 70. (eines Heiligen ?), daneben rechts und RJ t MERCCITAS Gebäude mit MBm.2L Pet,. 111, Taf. X, 8.

Taf. XIII,

Taf. XIII,

aber nur zur rechten Seite des Kopfes drei Kugeln. Rf. + MERCCIVITAS Gebäude mit runder Kuppel, auf A s welchem CII, daneben etwa A . M. s. O,G2 Gr. Mem. St. Pkt. IV, S. 35, Nr. 228.
Rf. AMSERAOOOS

dasselbe Gcbiiude mit 113 Mem. St. Pkt. 111, Taf. X, 9. Ob neben dem Kopf nur auf einer, oder auf beiden Seiten drei Kugeln sind, bleibt nach der Beschreibung in Verbindung mit der Abbildung zweifelhaft. 307) Ebenso, aber RJ’. t AR. OERAO. . . S Mem. St. Pt%. IV, 8. 35, Nr. 230. Das Geprä’ge ‘sowie der Fund, dem sie entstammen und der nach Köhnes Zeugniss hauptsächliche Friesische Münzen der Markgrafen Bruno 111, Egbert 1. und (wenige vom) II. (1068 - 90) enthalten , weist diese seltenen Denare dem zweiten Herzoge dieses Namens zu, denn ein anderer Prägherr des Namens Gotfried durfte schwerlich zu ermitteln sein. Die Prägstätte MeRE der beiden ersten Denare ist wohl ohne Frage der auf der Sprunerschen Karte VI (der 11. Ausgabe) Meer genannte Ort, etwa zwei Meilen nördlich von Neuss, wo ein Schloss stand, das die Grafin Hildegunde von Are im Jahre llG4 durch die Hände ihres einzigen Sohnes, des ehrwiirdigen Hermann zu ihrem Seelenheil, sowie zu dem ihres verstorbenen Sohnes, des Grafen Dietrich von Arc und ihrer ganzen Familie dem Erzbischofe Reinold von Köln übergab, um dort ein Nonnenkloster zu stiften. Höchst wahrscheinlich sind die TJmschriften von Nr. 306 und 307, welche sich im Gepräge an die vorhergehende Nr. 305 auf das Genaueste anschliessen, sinnlose Nachahmungen, was ihre Abweichung von einander und das dreifache 0 auf Nr. 306 glauben &sst; aus ihnen auf ein Schloss an der Aar (Ahr?) zu rathen, wie Köhne thut, ist wohl mehr als gewagt. Das Gepräge und Gewicht unserer Denare ist tibrigens mehr friesisch als rheinisch.
lj MartBne: vet. monum. Bd. 1, S. 335. 2) Schannat. : Eiflia illustr. 1, Abtheil. 1, Geschichte des Grafen von Ara.

Ta,f. XlTT, SOG. 306,: Ebenso.

144

Rheinlande.

Xanten.

-

Deventer.

-

Dnisbnrg

Xanten.
Die alte rheinische Niederlassung, von Augustus unter dem Namen Castra vetera angelegt, von Trajan zur colonia Trajana erweitert, damals als Hafenstadt am Rheinstrom wichtig, von den Franken aber zerstört, leitet ihren jetzigen Namen von dem heiligen Victor mit seinen 360 Befahrten her, welche hier im Jahre 298 ihren Tod fanden, und denen zu Ehren die fromme Kaiserin Helena bald darauf eine Kirche, ad sanctos martyres hier erbaute. Aus beiden Elemcntcn, dicscn sancti und der Trajanskolonie wurde der mittelalterliche Name Sancta Troja gebildet, verstlimmelt aus Sancta Trajana , vielleicht unter dem Einfluss der Sage, welche den Ursprung der Franken auf einen angeblichen Stammvater Francus, einen Sohn Hectors zurückführte. Mlinzen von Xanten besitzen wir nur wenige, nur von den Kölner Erzbischöfen Hermann 11. und dann aus dem XIII. Jahrhundert von Konrad’) ; dort ist der Stadtname Sancta Troja, hier schon modernisirt, Manten. Taf. XHI, 308. 308) + HERIMANN des Erzbischofs Kopf rechtshin, davor KrummSEA*TROIA fiinfsäulige Kirche. und Taf. LXI, 1373) Stab und vier Plinktchen. - M. S. 0,s Gr. K. M. 1,08 Gr. Cappe Köln Taf. VI, 99. Aehnlich ebenda Nr. 100, IV. Merle Köln S. 27, Nr. 6 u. 7, MBm. St. Pkt. IV, S. 47, Nr. 268. 308a) Ebenso, aber die Kirche zwischen einem Palmzweige und einem langen Kreuze. MBm. St. PBt. IV, S. 47, Nr. 259. Bl. f. Münzkd. IV, Taf. IX, 220. 308 a) Aehnlich , aber der Kreuzstab links, der Zweig rechts von der Kirche. - M. S. 1,OGGr. Taf. XIII,
Rf. S+Z(A T)ROIA 309. 309) HERIM(ANN t) ebenso, ohne das l :* dieselbe Kirche mit ARCHI-EPS zu den Seiten. - M. S. I,M Gr. Berl. Bl. VI, S. 248.

Taf. XIII,

310. 310) Wie Nr. 2, aber vor dem Brustbilde ARCHIEP. Thomsen 5602.

Deventer
s. unter Friesland, da es rathsam schien, es von IJtrecht nicht zu trennen.

Duisburg.
Bei Gregor von Tours kommt der Ort unter dem Namen Dispargum vor, in einer Urkunde Heinrichs IV. vom 16. October 1065 als Tusborcb jcurtem nostram ‘r.), auf den Munzen stets unter der Form Diesburg. * IJnter den s%chsischen Kaisern _--.-- ..~ 1) Die Kupfer- oder Billon-Miinze weiser 8. 300) gehört nicht hierher. * eines Johannes rex (Mader VI, S. 199, Leitzmann Weg-

Band 1, S. 144, Zeile 3 v. u. lies Diusburg statt Duisburg.

Konrad

II.,

Heinrich

111.

145

scheint hier noch nicht gemünzt worden zu sein, wenigstens sind bis jetzt Münzen von t ihnen noch nicht zum Vorschein gekommen, und ob ein Denar mit
DIVS, CR den

Thomsen (B. Bl. 11, S. 60) aus dem Oster-Larskjer-Funde erwähnt,’ wirklich Heinrich II., dem er ihn beilegt, gehijrt, lässt sich Mangels jeder Beschreibung nicht mit einiger Sicherheit bestimmen , wohl aber stark bezweifeln, denn wäre es nicht einer der bekannten Denare Heinrichs III., so würde ihn Th. doch wohl einer genaueren Beschreibung gewilrdigt haben. Na,ch Tage der Sache muss man bei ihm fast denselben Irrthum annehmen, in den Götz und Becker verfallen sind, welche schlechte Exemplare von Konrad II., jener fiir Heinrich-V. (Nr. 277), dieser (Nr. 71) für Heinrich 111. ausgegeben haben. Vor solchem Irrthum ist ja auch der Beste nicht sicher. Heinrichs-Münzen von Duisburg kommen, abgesehen von diesem zweifelhaften Falle, wo man jedoch auch allenfalls eine Vergrabung im ersten oder zweiten Regierungsjahre Heinrichs 111. annchmcn konnte, in den vor 1010 (dem zweiten ,Jahre Heinrichs 111.) verscharrten Funden meines Wissens nicht vor, wie denn auch Lelewel (111, 162) bezeugt, dass in dem grossen Trzebun-Funde nur Konrad TT., und dieser ziemlich stark, mit Duisburger Geprägen vertreten gewesen sei. Mit diesem also beginnt die Reihe. Kourad Taf.X111,311. 11. (10241039, Kaiser seit 1027).
IMP gekröntes

B &!!.
V t DIVS R

311) CHVONRADVS

Brustbild.

in einem aus doppelten Halbbogen gebildeten Kreuze. G M. S. 1,46 Gr., 1,47 Gr., 3,48 Gr., Plonsk I,OI Gr. - 1,5G Gr. .Götz, 277, 234. Lelewel XVIII, 5. Becker 71. Cappe 1, Taf. V, 66, Taf. XIX, 307, 11, Taf. XXII, 246. Taf. XIII, Taf.XIII, 312. 312) Ebenso, aber statt der doppelten Bogen Ringeln in der Oeffnung. - M. S. 0,~ Gr. 313. 313j Halbmonde mit

Desgleichen, aber die Aufschrift der h!f. eingeschlossen von einem Kreuze, das aus doppelten Halbbogen gebildet wird, dessen äussere aus Perlen bestehen; in den Kreuzeswinkeln wechseln zwei Köpfe mit zwei Vögeln. - M. S. 1,~s Gr. Beides noch unbeschriebene, interessante und jedenfalls seltene Abarten ; zu denen Cappe (111, Nr. 331) noch hinzufngt : 314) eine solche mit der Schleife in jedem Bogen. Heinrich 111. (1039-3056, Kaiser seit 1046.) Taf. XIV, 315. 315) + HEINR(IC)VS REX unbedecktes, unbartiges Brustbild. Rf. D I VS-BVRG in den Winkeln eines doppellinigen Kreuzes. - M. S. 1,~ Gr. 315n) Aehnlich, aber ein bärtiges Brustbild. - M. S. l,tzGr. K. M. 1,~ Gr. Cappe 1, Taf. VIII, 126.
Dannenberg, Deutschlands älteste Münzen.

10

246

Rheinlmde.

Duisburg.

Taf. XIV, 316. 316) Behnlich , aber ein gekröntes bärtiges Brustbild mit Scepter über der rechten Schulter. - M. S. 1,24 Gr., 1,32 Gr. K. M. 1,24 Gr , 1,35 Gr., 1,4 Gr., 1,44 Gr. Cappe 1, Taf. VII, 120, 11, Taf. XXIII, 256. 317. 317) t HEINRICHVS IMBgekröntesbärtigesBrustbild. Rf. Kleines Kreuz mit einem Punkte in jedem Winkel, eingerahmt von vier doppelten Bogen, in deren Winkeln DILVSBV-RG. M. S. 3 ,lt Gr,, 3 ,z:) Gr. Ptonsk 1, K. M. 0,s~ Gr. Nr. 315 und 31G dürfen wegen gleicher Rf. nicht getrennt werden , und schliessen sich vermöge ihrer Fabrik an Konrad 11. an, auch haben Nr. 315 und 315a ganz den Kopf gewisser Kölner und Mindener Dcnarc dieses Kaisers, dem man sie daher ebenso wie die mit ‘Nr. 316 verwandte Nr. 31’7 nicht wird absprechen können. Alle diese Münzen sind von schöner Arbeit. In noch weit höherem Grade verdienen aber dies Lob die folgenden Denare, die man schon aus diesem Grunde seinem Sohne und Nachfolger wird zuschreiben dürfen. Diese zehn verschiedenen Gepräge sind aber unter einander so nahe verbunden, dass sie nicht von einander getrennt werden dürfen; dies zugegeben, kann man sie aber nicht dem dritten IIeinrich zusprechen, denn sonst hätte er während seiner 7 jährigen Königszeit zwölf Gepräge in Duisburg ausgehen lassen und Heinrich IV. in den 28 Jahren bis zu seiner Kaiserkrönung kein einziges. Ausserdem würden sich diese zehn Münzen mit Profilköpfen zwischen die vorwärts gekehrten Köpfe von Konrad 11. und Heinrich 111. als Kaiser (vorstehende Nr. 317) einschieben, was wieder wenig wahrscheinlich ist. Natürlicher ist es nach alledem, die Reihe der Gepräge Heinrichs 111. auf vorstehende zu beschränken, und die Münzen mit Profilköpfen der langen Königszeit seines Nachfolgers zu geben. Man muss sich nur erinnern, dass man kaum erst in dem nahen Xanten unter Erzbischof Hermann (1035 ---5(i) mit dessen Profilbilde gepriigt hatte,. dass in Utrecht, nxhdem Bischof Wilhelm den Kopf desselben Königs Heinrichs IV. sowohl von vorn als von der Seite hatte darstellen lassen, sein Nachfolger Konrad (1076 - 99) zu Profilköpfen überging, namentlich aber, dass in Mainz genau so, wie hier, und zu derselben Zeit i unter Erzbischof Siegfried (1060-84) der Uebergang von den vorwärts zu den Seitwarts blickenden Bildnissen sich vollzogen hat, auch dass in Trier die Profilköpfe während dieses ganzen Zeitraumes herrschend sind, theilweise aber mit Darstellungen im Vollgesicht zusammen vorkommen. Auch die Funde scheinen mit dieser Zeitbestimmung im Einklange zu stehen. - Anders urtheilt zwar Cappe, der gerade im Gegentheile die Demxre mit Profilköpfen unter Heinrich ILL, die vorstehend diesem Kaiser zugeschriebenen (Nr. 316 und 31,) aber unter Heinrich IV. und sogar (Nr. 315aj Heinrich V setzt; wie gewöhnlich bleibt er uns aber die Griinde dafür schuldig, und haben wir solche ohne Zweifel nur in scincr bereits oben (S. 17) besprochenen und verurtheilten Theorie von den Bildniss-Darstellungen zu suchen. Heinrich IV. (1056-1105, Kaiser seit 1084). Taf. XIV, 318. 318) t HEINRICHVS REX gekröntes unbiirtiges Brustbild rechts. RJ. DIVSBVRG Gebäude, in welchem ein rechtsgekehrtes Kiipfchen _ Mader IV, 42. Götz 239. Taf.XIV,

Heinrich IV. In dem Köpfchen Einigermassen ähnlichen Taf. XLV,

347

Taf. XIV,

Taf. XIV,

Taf.XIV,

Taf. XIV,

Eine hat (s. Nr.

vermuthet Mader den Schirmvogt, einen Grafen von Berg. Rückseiten begegnen wir bei Andernach (Nr. 452, 453). -1 319. 319) Aehnlich, aber ohne das Köpfchen; das Kaiserbild zeigt dieselben Züge wie auf Nr. 318. - K. M. 1,l’i Gr. Ca,ppe 11, Taf. XXIII, 253. 320. 320) Aehnlich, aber das Kaiserbild mit leichtem Barte und anderer Krone. Rf. DIVSBVRG ein$eb%ude von ganz abweichender Zeichnung. Götz 328. Gr. Kab. 1, Suppl. Taf. IV, 50. 321. 321) (+ H)EI NRICHVS RX unbärtiges Brustbild mit flacher Krone, rechts. Rf. Um ein Kreuzehen vier verzierte Kreise, in denen DI-VSBV-RG. Gr. Kab. 1, Suppl. Taf. IV, 49 (mit REX). Götz 237. Cappe 11, Taf. XXIII, 254. 321 a) Desgleichen, aber mit bärtigem Brustbilde. Cappe 11, Taf. XXIII, 255. 322) Wie Nr. 321 (also mit bartlosem Bilde), vor dem Kopfe ein Bischofsstab. - M. S. l,ls Gr. Renesse Taf. 1, 1, aber als Bischof Heinrich 1. von Lüttich. 323. 323) HEM.. . HVS R.. gekröntes Brustbild, über jeder Schulter eine Art Rosette. Rf. Achnlich wie 321. Sammlung des Fürsten vou Fürstenberg. 321. 324) . . EINRICHVS I . . unbärtiger Kopf mit flacher Krone, linkshin. Rf. DIVSBVRG, jeder einzelne Buchstab von dem anderen durch Perlenlinien getrennt, in der Mitte ein Kreuz in einem Perlenkreise. Götz 240. Becker 74. höchst zierliche 4f. wie sie ahnlieh Bruno von Trier uns hinterlassen 485).
Rf. DIVSBVRG

REX uubgrtiges gekröntes Brustbild rechts. thronender Kaiser mit Reichsapfel und ausgestreckter Linken. - M. S. l,la Gr. 326) Aebnlich, aber mit bartigern: älter erscheinenden Kopfe. K. M. 3,is Gr. Cappe 1, Taf. XIX, 310. Taf. XIV, 327. 327) t HE(IN)RICHVS REgekröntes bärtigesBrustbildmitSchwert, linkshin. Rf. DIVS-BVRG Kirche. - K. M. O,ss Gr. Cappe 1, Taf. XIX, 309. Vermöge ihrer vortrefflichen Arbeit reihen sich vorstehende Münzen dem Schönsten an, was diese Zeit uns hinterlassen hat; die Köpfe auf ihnen machen fast auf Porträtähnlichkeit Anspruch. Vergleicht man Nr. 318, 319 uud 321 mit dem Kopfe Heinrichs IV. auf dem Denare Siegfrieds von Mainz (Nr. 811), der ihnen freilich an Kunstwerth bedeutend nachsteht, so wird es sehr glaublich, dass hier dieselbe Person dargestellt ist, sowie andererseits unsere Nr. 327 wieder grosse UebereinStimmung mit dem Bilde auf dem Mainzer Denar desselben Kaisers Nr. 796 zeigt. Bei Nr. 325 und 326 wird man ohuehin lieber eine spätere als eine frühere Ent10%

Taf. XIV, 325. 325) t HEINRICHVS

148

Rheinlande.

Neuas.

-

Kiiln.

stchung voraussetzen. Merkwürdig ist hier die Verschiedenheit des Bildnisses, welches zu beweisen scheint, dass dies höchst interessante Gepräge durch mehrere Jah<e festgehalten wurde. Es ist aber der thronende Kaiser den Siegeln entlehnt, auf denen zuerst Heinrich IT. so erscheint, und wird er auf Münzen erst in der Hohcnstaufenzeit gebrauchlieb, während er vorher nur noch in Gelles und Stab10 so erscheint. Beispiellos aber ist diese Darstellung im Verein mit dem Kaiserkopf auf der Nf. Dabei ist die vorzügliche. Ausführung dieser Münzen bewunderungswürdig, und dadurch die Vermuthung nahe gelegt, dass der Kiinstler eine Art Medaille habe liefern wollen. - Nicht minderen Anspruch auf unser Interesse hat Nr. 322. Einem Kaiserkopfe mit Bischofsstab begegnen wir sonst nur noch bei Bruno 111. von Friesland (Nr. 501) und Balduin von Salzburg (Nr. 1151). Während man aber bei jener Münze an eine Nachahmung durch einen Bischof denken kann, ist eine solche Erklärung hier wohl ausgeschlossen, und man wird fast an den Investiturstreit erinnert. Merkwürdig ist bei diesen MUnzen Nr. 321-323 noch, dass ganz dieselbe Rf. auf Denaren des viel spätem Lütticher Bischofs Rudolf (1167- 91) get,reu nachgeahmt ist. Nr. 323 ist übrigens, troz des vorwärts gekehrten Bildes, eben dieser RJ und des Schriftcharakters halber wohl eher hier als unter Heinrich 111. einzureihen.

Neuss.
Taf. XIV, 328. 328) . . . . Sn QVIRI Rf. +SA....
. . . Brustbild des Heiligen mit Palme SONIA drcithürmige Kirche. -Thomsen

und ? 6091.

Die Kirche genau so, wie sie auf dem Denare Brunos 11. von Köln (Nr. 422) und nur auf diesem allein vorkommt, lässt glauben, dass diese höchst seltene Münze noch am Schlusse unserer Periode geprägt ist, ihr Styl widerspricht dieser Annahme nicht, ja das Brustbild zeigt eine unleugbare Verwandtschaft mit dem des Goslarischen (Voigtes) Hermann (Nr. 601). Bekannt ist, dass Neuss, das Novcsium des Tacitus, dem Erzstifte Köln gehörte, daher die Stadt sich auf ihren Münzen als Nussia sanctae ecclesiae Coloniensis fidelis filia bezeichnete. Das Mtinzrecbt erhielt sic 1470 von Friedrich III., und sind ältere Münzen aus dieser Prägstätte bisher nicht vorgekommen, denn der nach Merle von Cappe (I&n 564, Leitzmann Wegweiser S. 188 und Lelewel 111, 240) erwähnte, angeblich kölnische Denar von Engelbert mit NOZEI-VGE hat vielmehr die Inschrift t NOZENBRVGE, ist also von Engelbert Bischof von Osnabrück (s. Münzstud. IV, Taf. 1, 11). - Unsere Mtinze ist selbstverständlich nicht städtisch, sondern erzbischöflich ; ihre ßeziehung auf Neuss wird durch den Heiligen hcrgcstcllt, der auf fast allen Neussischen Münzen, und zwar als römischer Ritter, gepanzert oder ungepanzert, mit Fahne oder mit Schwert und Fahne angetroffen wird. Hier trägt er in der Rechten die Palme des ewigen Lebens, ob in der Linken, wie auf der typengleichen des Grafen Adolf IV. von Berg (t Nr. 427) einen Reichsapfel, oder wie die Abbildung fast glauben l&sst, eine Blume, oder was sonst, ist leider nicht deutlich.

Otto 1.

149

Köln.
T. (936-973, Kaiser seit 962). 329) t ODDO t RE t Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. ? Rf. COLONIA. - M. S. 3,~ Gr., 1,s Gr. K.M. l,szGr., A 1,39 Gr., 1,68 Gr. Cappe 1, Taf. 11, 1 unci 2. Köln 1, 9, 13, 14. Götz 114, 123. Taf.XIV,329cc. Taf. XIV, 330. 329u) Ebenso, aber tODDOtERt - M. S. 1,42Gr. Cappe 1, Taf. 11, 4, Köln 1, 10. 330) Obol, ähnlich wie 1 und 3 a, aber fragmentirt. Friedlaender Obrzycko S. 8. Kreuz mit vier Kugeln. RJ K. M. f Taf. XIV, 331.
331) tOTT0 REX COLONIA. AG

Otto

-M.
1,~

S. 1,68 Gr. K. M. 1,36 Gr., 1,3i Gr., 1,39 Gr., 1,~ Gr., Gr. Gr. Kab. Suppl. 11, 26. Götz 161, 163. Cappe 1, Taf. 111, 1. Köln 11, 34.

aber im zweiten Winkel statt der Kugel eine Schleife. Götz 3 12. Lelewel XIX, 30. % Taf. XIV, 3316. 3318) Wie Nr. 3, aber COkzNlA. - K. archäolog. Kommiss. in St. Petersburg. Berl. Bl. VI, S. 289, Nr. 4.

331 a) Aehnlich,

332) OTTO - IMP in zwei durch einen Strich getrennten Reihen. Bf. t SCOLONIA Cl Kirchengebäude. Lelewel 111, S. 135. Mader klagt (1, S. 68, IV, S. 59) mit Recht über die Schwierigkeit, die Kölner Ottonen richtig ZU ordnen, eine Schwierigkeit, welche durch das Fehlen gleichzeitiger Bischofsmünzen, abgesehen von Bruno, mitverschuldet wird. Diese Schwierigkeit hat Cappe auf eigenthümliche Art zu lösen versucht, aber weit beim Ziele vorbeigeschossen; er meint (K. M. 1, S. 30)) dass dem ersten Otto, und nur ihm allein, alle Münzen mit Oddo zukommen. Eine Begründung dieser Ansicht giebt er nicht, sondern sagt nur, sie sei das Ergebniss sorgfältiger Untersuchung, und beruft sich auf Mader. Er hat aber diesen Schriftsteller gänzlich missverstanden. Mader (IV, 50 flg., nicht IV, 30, wie Köln S. 25 zu lesen) sagt nicht, wie Cappe ihm in den Mund legt, dass alle Oddo-Miinzen dem ersten angehören, sondern erwähnt nur, bei Besprechung der Adelheidsmünzen , die er am liebsten diesem Kaiser beilegen möchte, dass diese sämmtlich Oddo haben l), und legt gerade im Gegentheil (IV, 55, 57, 58) auch den späteren Ottonen solche Münzen mit Oddo bei, sowie er (S. 60, 61) Denare mit Otto und Oddo durcheinander auffuhrt, mit dem Bemerken, dass er kein Merkmal an ihnen entdecke, um sie einem der drei ersten Ottonen vorzugs1) Was freilich auch nicht so unbedingt zum Vorschein gekommen ist (s. Nr. 1170). richtig ist, nachdem neuerlich auch eine mit OTTO

150

Rheinlande.

Köln.

weise zu geben. Nicht besser als um dieses Citat Cappe’s steht es aber um seine Meinung überhaupt. An und für sich schon ist es höchst unwahrscheinlich, dass Otto 1. sich nicht etwa auf allen seinen Münzen Oddo geschrieben, sondern dass er: wie Cappe aufstellt, dies Oddo für seine eigenen, für die eigentlichen Kaisermünzen reservirt haben sollte, w%hrend die Bischöfe ihn bald Oddo, bald Otto genannt hätten. Das schl@t der gcsundcn Vcruunft ins Gesicht. Für seine Meinung fiihrt Cappe zwar das Ringsiegel Otto’s 1. (11, S. 99, Köln S. 25) an, aber ohne zu erwähnen, dass andere Siegel desselben Kaisers sowohl als seines Sohnes und Enkels (s. Götz, Taf. X, XV, XVI) sämmtlich den Namen Otto tragen. Auch die Urkunden begründen keine derartige Trennung, und der ganze Unterschied beruht also gewiss , wie noch heut zu Tage der Unterschied zwischen d und t, ~ dem weichen und dem harten T, wie die Sachsen sich ausdrücken - lediglich auf dem Dialekt; die Gegend und die Landsmannschaft des Stempelschneiders einzig und allein entscheiden die Wahl des d und t, wie schon oben S. 28 ausgefiihrt ist. In dieser Verlegenheit geben uns die Funde einigen Trost, zwar nicht die Mehrzahl derselben, die erst unter den fränkischen Kaisern der Erde übergeben sind, wohl aber die ältereu von Obrzycko, Tureff und Stolp. Der erstgedachte ist noch unter Otto 1.; der von Tureff wahrscheinlich ziemlich gleichzeitig, gewiss aber vor Otto’s 11. Tode, der von Stolp sicher vor Otto% 111. Tode, vermutblich aber noch vor dessen Kaiserkrönung (996j vergraben worden. Also Miinzen des ObrzyckoFundes können nur von Otto 1. sein, solche sind aber unsre Nr. 330 und 331. Nr. 329 wird durch 330 bestimmt, auch sind bei Obrzycko, wie Friedlaender S. 8 erwähnt, Oddos, freilich nur in Bruchstücken vorgekommen. Ausserdem sind Miinzeu, wie Nr. 330, auch bei Tureff aufgetreten, während sie doch des Königstitels halber von Otto 11. nicht sein können, auch wenn man diesen Fund so spät herabsetzen dürfte, und von Obrzycko absehen wollte. Die Stylverschiedenheit zwischen diesen Miinzen untereinander und im Verhältniss zu den gleichzeitigen von Otto’s Bruder , dem Erzbischof Bruno, kann die Richtigkeit dieser Zutheilung nicht in Frage stellen; sind ja doch auch diese Brunos sich einander SO wenig ähnlich, dass ohne den Namen Bruno man sie gewiss nicht demselben Fiirsten beilegen würde. Auffallender ist es, dass wir von diesem Kaiser nur Münzen mit REX haben; es ist daher wohl zu glauben, dass deren Prägung auch während seiner elfjährigen Kaiserzeit fortgesetzt wurde. Nr. 32’3 und 330 sind von rohem Stempelschnitt und plnmpen Buchstaben, den Kölner Münzen Karl’s des Dicken (Cap. 1, Taf. 1, 12, XV, 236! 237, XVIII, 291) ziemlich ähnlich, also wohl die ältern, wogegen Nr. 331 eine neue Zeit zu verkünden scheint; die Buchstaben sind gross und wohl gebildet : die Raumvertheilung tadellos, das ganze Gepräge eines der korrektesten. Eine Spielart von Nr. 331 mit kleineren, mageren Buchstaben und schwebendem Kreuz (Götz 162, Cap. 1, Taf. XX, 339, Köln 11, 33) erinnert mehr als die andern Arten an die Brunos mit Kaisernamen Rf. S. Colonia (Nr. 376). Was das Gepräge angeht, so erklärt Mader (1, S. 55) das kleine G neben dem letzten A der Bf. von 331 durch Agrippina , das später ausgeschrieben erscheint, gewiss richtig; Cappe’s Zweifel (Köln S. 20) ist ungegründet; das A mag mau allenfalls auf Nachmünzen (Köln Nr. 62) als Schlussbuchstaben von Colonia ansehen, obgleich es wohl natürlicher ist, diese Nachmliuzen durch die Urstücke zu

Otto 11.

151

erklären, auf letzteren aber, mit denen wir es hier zu thun haben, folgt es auf das bereits in zweiter Linie ganz ausgeschriebene Colonia, und das auf andern Mtinzen dieser Zeit vollständig enthaltene Agrippina hebt alle etwaige Bedenken über die Kühnheit solcher Ergänzung. Bemerkenswcrth ist, dnss gerade diese Denare mit Oddo und Otto rex länger im Umlauf geblieben sind, dann aber gewöhnlich beschnitten 1) erscheinen, wie schon Thomsen (B. Bl. 11, 8, 53, 111, 8. 38) erwähnt; Götz, 114 und 123, Cappe, Köln 1, 13 und 14: und die Funde von Dobra und Schwarzow bieten Beläge hierfür. Ein solcher abgeminderter Denar ist auch Kr. 33la, den die Schleife vielleicht als ein Andernacher Gepräge bezeichnet. Uebrigens aber kommen von diesen Mtinzen nicht so viele Eachprägungen vor, als von denen Ottos 111.; Ceppe 1, Taf. XV, 231 (Köln 1, 32) mögen solche darstellen. Oh das 8 sta,tt f auf Nr. 331b eine beabsichtigte oder nur zufällige Abweichung ist, lasse ich dahingestellt, versichere aber, dass es vollkommen deutlich ist. Was Nr. 332 betrifft, so kenne ich sie nur aus Lelewrl, der sie im Funde von Sierpow gesehen hat, und diesem Kaiser giebt , leider ohne sic abzubilden ; ich wie dies Cappe (1, S. 168, Köln Nr. 99) habe keinen Grund, zu widersprechen, thut, indem er sie ohne Weiteres an Otto 11. giebt. Otto Taf. XIV, 333. 11. (973 -983).
IMPERATOR

333) + OTTO

Kreuz

mit

vier

Kugeln.

f .RJ COLONIA. AU 333~~) Aehnlich, -K.M. 1,doGr. M.S. 1,5oGr. Minsk1,;5Gr. 338, Köln 11, 30. Ca,ppe 1, Taf. XX,

TatXIV,333O. Aehnlich 1,09 Gr.

3336j ODDO

aber mit riickläufigem OTTO IMPE(RATJO+D. Cappe 1, Taf. XV, 244, Köln 11, 31. f IMPERATCn. BJ’. COLONI. - K. M. 1,~ Gr.
A

(mit OR statt Cn).

Gr. Kab. Suppl. 11, 27. Kreuz
-

M. S. (beschnitten) Kugeln.

334) t ODDOtIMP-AVG

mit

vier

f
Rf. COLONIA. A Gew: I;~Y Gr. I,~z Gr. 1~6 Gr. 1,4 Gr.

Götz 119, Cappe 1, Taf. 11, 8, ähnlich XV, 239, Köln 1, 17. 334a) Ebenso, aber tODD0 IMPA-VG f. - K. M. 1,48 Gr. 1,5s Gr. Cappe 1, Taf. XVIII, 295, Köln 1, 18. Ob diese Münzen hier ihren richtigen Platz haben, ist nicht so leicht zu sagen. Es hat mich der Stolper Fund geleitet, in welchem Nr. 333 sehr schön erhalten, aber nur Einmal, Nr. 334 in mehren, aber ebenfalls sämmtlich vorzüglich erhaltenen Exemplaren vorkam. Da derselbe wahrscheinlich vor Otto’s Kaiserkrönung (996) verscharrt worden ist, so spricht er mehr fiir Otto III., als für einen andern Kaiser, und namentlich verbietet der gute Zustand, in welchem sich alle Exemplare von
1) Sollten dergleichen Exemplare die spätere westfälische Schrötlinge zu pragen, verursacht haben? Sitte, die Stempel auf zu kleine

Taf. XIV,334a.

152

Rheinlande.

Köln.

Nr. 334 befanden, deren Zutheilung an Otto’s 1. Kaiserzeit. Will aber Jemand etwa Nr. 333 dahin verlegen, SO wird sich Ueberzeugendes dagegen kaum sagen lassen, zumal die Rf. dem OTTO REX so ganz gleich sieht. Eben deshalb darf man diese Münze nicht wohl Otto 111. zutheilen, wenn auch der Stolper Fund nach 996 fallen sollte. Wenn man aber überhaupt Otto 11. mit Miinzen ausstatten will, ohne ganz so willkührlich wie Cappe zu verfahren, so wird man die hier getroffene Wahl gelten lassen müssen; Münzen mit REX sind ohnehin ausgeschlossen. Uebrigens giebt es Denare, sehr ähnlich unserer Nr. 334, die ich unter dem folgenden Kaiser (Nr. 342) aufgeführt habe; vorstehende ist anderen Styles, und zwar genau wie Nr. 334~. 0 t t o 111. (983 - 1002, Kaiser seit 996).
335) tODD0 t REX

f
Rf. COLONII. A

Kreuz

mit

vier Kugeln.

- K. M. 1,18 Gr. Mader 1,38. Götz 164. Cappe 1, Taf. 11, 5. Taf. XIV, 335a. 335~) Aehnlich, aber mit rückläufigem t ODDO REX. - K. hl. 1,23 Gr. Taf. XIV, 336. 336) Ob01 wie Nr. 335. - K. M. 0,s Gr. Berl. Bl. 1, Taf. 11, 24. Taf. XV, 337. 337) t OTTO REX Kreuz mit einer Schleife in jedem Winkel. RJ t XRSTIA 0 kl0 ARLGIO Kirchengeb%ude mit doppeltem Dache, innen AGRI-PINA. - K. M. 1,15. M. S. 1,32 Gr. Mein. de St. Pkt. 111, Taf. X, ‘12. Cappe, Köln 111, 42. 338) (t) OTTO RE(X) jugendlicher Kopf rechts. BJ. t XRIA.. No ALLIGIO im Felde, t AG-RIPP-INA in drei Zeilen. - K. M. 0,O Gr. Mem. St. Pkt. 111, Taf. X, ila. Cappe Köln 111, 40. 339) t OTTO REX blrtiger diademirter Kopf rechts. Rj: Aehnlieh, aber XPSTIANA RELIGIO (und . . . . . A,NoAILIG. .) K. M. 1 Gr. 1,~s Gr. Mem. St. Pet. 111, Taf. X , 11. Cappe , Köln III, 41, und dasselbe Exemplar, sehr entstellt, nochmals Cap. 111, Taf. 1,7.
340) OTTO Rf. !GRADI) REX -

Taf. XV, 338.

Taf. XV, 339.

Taf. XV, 340.

diademirter

Kopf

linkshin. 0,s Gr. rechts.

f
COLONI. A

M. S. 1,07 Gr. K.M.

Taf. XV, 341.

341) t OIOIklP..

Berl. Bl. 11, Taf. XIV, 12. AIITAV(rückläufig) gekrönter Kopf Kopenhagen.

f
RL. OLOIII. A

Keine andere Münzsorte lässt sich schwerer klassifiziren, als die späteren Kölner Ottonen. Zwar dass Nr. 35 und 336 hier ihre richtige Stelle haben, ist nicht zu bezweifeln, da jene im Stolper Funde in zahlreichen, guterhaltenen Exemplaren auftrat, sic also und Nr. 3356 mit Grund als kurz vor dessen Vergrabung, mithin unter Otto 111. geprägt zu erachten sind; an diese Münzen lehnt sich a,ber Nr. 336 als ein sehr seltenes Theilstück, nebst dem obengedachten Otto 1. und dem Anno Nr. 392 der einzige Kölner Obol unsres Zeitraums. Nr. 337, 338 und 339 ferner müssen einem und demselben Münzherren zugeschrieben werden, da ihnen gleicher Schriftcharakter

otto III.

153

und dieselbe sehr eigenthümliche Inschrift der Rf., das alte Xpistiana religio und das noch iiltere Agrippina gemeinsam ist. Dass dieser Münzherr aber Otto 11. nicht ist, ergiebt der Königstitel; und ferner entscheidet das Vorhandensein eines Bildnisses von so neuem Style und von so jugendlichem, fast kindlichem Aussehen wie auf Nr. 338, welches lockiges Haar und keine Spur von Bart zeigt, ohne Frage für Otto III., der im Alter von drei Jahren auf den Thron gelangte. Wenn dennoch Nr. 339 einen bärtigen, ziemlich bejahrt aussehenden Kopf trägt, so liegt es doch näher, die Erklärung dafür in der mangelhaften Ausdrucksweise des f’i& jene Zeit freilich gar nicht ungeschickten Stempelschneiders zu suchen, als in der Annahme, dass hier, und hier allein, Otto 1. dargestellt sei 1). Aus ähnlichen Rücksichten wird man auch Nr. 340 diesem Otto nicht verweigern dürfen, während bei Nr. 341 die rohe Zeichnung nicht sowohl ein höheres Alter, als einen weniger tüchtigen Ktinstler andeutet. Aber die Schwierigkeiten einer richtigen Klassifizirung der Kölner Ottonen, von denen ich eben gesprochen, sind hiermit keineswegs erschöpft, treten uns vielmehr eigentlich erst entgegen nicht in den vorstehenden meist seltenen Geprägen, sondern in den sehr häufigen Denaren von gewöhnlichem Gepräge mit Kaisernamen um das kugelgefüllte Kreuz und dem sogenannten Monogramm von Köln. Von diesen mögen folgende hauptsächliche Verschiedenheiten als Vertreter hier Platz haben. f Taf. XV, 342. 342) +ODDO+MP -AVG Kreuz mit vier Kugeln. Rf. COLONII.
-

M. 8. 1,36 Gr.

Aehnlich

Götz 115 und 118.

A

Aehnlich, aber neben dem Schluss-A der Rf. links ein kleines G, rechts ein Kreuzehen. Cappe 1, Taf. 11, 12. Köln 11, 22. 3423) Aehnlich wie 342, aber die Inschrift der Hf. rückläufig, ,t ODDOt IIVIVIIC (also M inIVI, und V in II aufgelöst). ’ Cappe 1, Taf. Xv, 240, Köln 11, 20. Taf. XV, 342~. 342~) Aehnlich, aber t OODD t INDINI (rückläufig) das C in CO LONI I vom Stempel fast verschwunden. M. S. 1,26 Gr., ähnliche 1,l Gr., 1,~ Gr. u. s. w. f zu Taf. XV, 342d. 342d) t ODDO ta 2) *////Cl dasselbe Kreuz. Rf. OLONII,
A

342aj

jeder Seite des A und oben links (neben f) eine Art Kleeblatt. M. S. 1,5’i Gr., ähnlich 1,~ Gr. Aehnlich Cappe 11, Taf. XV, 242, XX, 333, Köln 11, 24 und 25, vergl. 28. Mader 1, 39. 342e) Aehnlich mit t ODDO t PAVG. Cappe 1, Taf. XX,
RJ, OLoflN. *AX

332, Köln 11, 27:

ob nicht diese drei ‘von allen anderen Ottonon so 1) Es verdiente nähere Untersuchung, wesentlich abweichenden Donar0 erst lange nach Otto 111. geprägt sind; ihre Beziehungen zu Erzbischof Annos Münzen, und der Fund, dem sie eptnommi?n’ sind 2 nach Köhnc’s Angaben (MBm. St. P& IV, 5.42) etwa IOiO vergraben -, berechtigen zu solcher Annahme. Kommen sie auch in tlteren oder nur in solchen späteren Funden vor? Sie sind.vielleicht eine Art Gediichtnissmiinze. 2) Diese Figur ist das Münestud. 1, 221 bcschricbcne platte Quadrat mit angefügtem IIaken.

154 342f)

Rheinlande.

Köln.

Desgleichen, tODD0 MIRIVNAIN (rückläufig), der Kugel im vierten Winkel ist eine Art Oehr angehängt, also das S Soester Münzzeichen. Rf. CO LOL/I I 1.
A

Cappe T, Taf. XXI, 3429) Aehnlich,
tODDOt

310,

Köln 11, 29.

Aehnlich

Götz 127.

PRINVS.

.Ef. COfiONII. A

Cappe 1, Taf. XV, 238, Köln 1, 19. Cappe sagt von der letzten Münze (1, Nr. 19): ,,Diese (Haupt-)Seite hat, eine schwache Prägung, aber dennoch ist nach mannigfachen Versuchen nur die angeführte Umschrift herauszubringen, das Wort primus bleibt i!nmer eine auffallende Erscheinung.« Also zunächst ist das PRINVS nichts weniger als sicher, und wenn es dies wäre, so wäre es nicht mehr und nicht weniger als das Werk eines Zufalls, d. 11. das Erzeugniss eines schreibensunkundigen Stempelschneiders , wie die vielen iibrigen’verdrehungen des ursprünglichen IMP AVG) und kann dies PRINVS uns nicht berechtigen, sie mit Cappe an Otto den Grossen zu geben, bei dessen Tode ihr Verfertiger vielleicht noch nicht geboren war. f 342hj tODD0 && MRVN. Rf. OLONIII (das S neben dem A
snt

nicht deutlich). 11, Taf. XXTI,

- M. S. 1,44 Gr. Aehnlich Götz 128, Cappe 231, 111, Taf. 1, 8, Köln 11, 23.
nf. COL~NII

Taf. xv, 342i. 342i) & ODDO & MRVN. ähnlich Taf. XV, 312k. 342kj
tOODD

. -

M. S. 3,31 Gr.,

1.51Gr. f

K. M. i,$Gr.

SAC% das Soester Zeichen.

+IVPINIG --

im ersten Winkel
hl. S. 1,6b:Gr.

Rf. COLONI.
A

Taf. XV, 313.

343)

, . . +IMPAVG

Kreuz mit einem Kreuzehen

in jedem Winkel.

RJ. OLOI I 1. Kopenhagen.
A

f

Dies ist eine kleine Probe aus der unendlichen und fast unerschöpflichen Menge der mehr oder weniger grossen Anzahl Stempelverschiedenheiten, welche auf uns gelangt sind, nur die wesentlichsten und zuverl%ssigsten 1) habe ich herausgehoben, Jeder, den es interessirt, kann diese Liste leicht aus Büchern, namentlich den Cappe’schen, und der ersten besten Sammlung vermehren, denn diese Miinzcn bilden, nebst den Adelheidsdenaren und Wendenpfennigen, die Hauptmasse der meisten Funde. Eben diese Funde lehren, dass die Prägung dieser Stücke mit Ottos 111. Tode schwerlich ihren Abschluss gefunden , sondern noch lange fortgedauert hat, ja es ist zu glauben, dass man damit fortgefahren hat ) bis am Schlusse des XII. Jahrhunderts wieder ein Otto auf den Thron gelangt ist, denn es giebt derartige Denare, welche 1) Zu letzteren rechne ich nicht Cappe 1, Taf. XIII, 311 (Köln 11, 35), auch nicht Cappe 111,
Nr. s
226 +ODDO REX......RATOR

RJ.

Abbildung giebt,

COLINI, A

von der er, NO merkwürdig

sie wPre,

keine

Otto 111.

155

denen des kölnischen Erzbischofs Philipp (1167 - 91) , der sich auch noch des f COkONII bedient, so ähnlich sehen, dass man beide für gleichzeitig halten muss 1). Mehr als in den Umschriften aber sind diese Mlinzen im Style von einander abweichend, denn sie sind theilweis nicht nur zu verschiedenen Zeiten, sondern auch an verschiedenen Orten geprägt. Ueber Cappe’s Meinung, der alle diese Miinzen unter Otto 1. einreiht, ist selbstversttindlich kein Wort zu verlieren, sie ist ein Ausfiuss seiner oben, S. 28, gewürdigten, völlig haltlosen Theorie bezüglich der Namensformen ODDO und OTTO, untcrstiitzt noch durch das vermeintliche ODDO PRIMVS von Nr. 342g, und spricht allen Thatsachen, besonders den Resultaten der Funde, Hohn, welche diese MUnzen bestimmt an Otto 111. und die Folgezeit weisen. Am sichersten vori diesem Kaiser selbst ist Nr. 342; sie gleicht sehr den Geprägen Ottos 11. (?) einerseits (s. Nr. 334) und Heinrichs 11. (Nr. 345) andrerseits. Können wir das Zeitalter der übrigen auch weniger sicher bestimmen, so können wir um so bestimmter annehmen, da& viele von ihnen nicht in Köln selbst zu Hause sind; bei Nr. 342L spricht die äusserste Fabrikähnlichkeit, in Verbindung mit dem auch bei Paderborn vorkommenden Soester Zeichen, fiir diese Prägstätte, bei 342i, mit welcher Nr. 312,i gleiche Fabrik hat, legt uns die Schleife eine ßczichun g auf Andernach nahe, während Nr. 342cl durch das Abzeichen von Minden für diesen Ort gesichert ist. Wie auf diesen Stücken, ZLI denen fernere Beobachtungen und kiinftige Entdeckungen gewiss noch weitere Nachträge bringen werden, die fremde Münzstätte nur durch ein winziges Beizeichen ausgedrückt ist, so erscheint ja deren Namen völlig klar und ausgeschrieben auf Geprägen von Corvei, Minden , Osnabrück, Paderborn, Soest, von Fritzlar und vou Ludolf von Friesland, welche mit demselben Kölner MolTogramme bezeichnet sind. Wundern darf uns das nicht so sehr: Köln war damals ohne Zweifel die erste Handelsstadt in ganz Deut,schland , seine Münzen daher weit verbreitet und im höchsten Ansehen, besonders schwungvoll scheint die Ausmün!ung unter Otto 111. betrieben worden zu sein, von diesem beliebten Gepräge liess man daher auch nach seinemTode nicht, und die Münzstätten der Nachbarschaft waren vielfach bemüht, ihren Erzeugnissen durch Aufprägung dis Kölner Monogramms Geltung in weitern Kreisen ZLI verschaffen 2). Dies gilt namentlich von Westfalen, wo nur Dortmund sich Selbstständigkeit zu bewahren wusste, wenn auch eins der dortigen Gepräge dieses Kaisers (Nr. 713) sich auf das Genaucstc an obige Nr. 335 anschliesst, allem Anschein nach freilich nur, weil beide Münzen von demselben Eisenschneider verfertigt sind. Nach Massgabc dcs Vorstehenden bin ich sehr geneigt, auch Nr. 340, deren Fabrik sehr an Huy, Lüttich und Maestricht erinnert, wo auch allein nur dasselbe GRA DI vorkommt: und nicht weniger auch Nr. 341, die mit den Soestern von Konrad 11. Verwandtschaft ha,t, diesen Nachprägungen anzuschliessen, so wie auch von nachstehenden Denaren Heinrichs 11. vielleicht Nr. 353 in dieselbe Klasse gerechnet werden muss. 1) S. Cappe 111, Taf. V, 50 vergleiche mit Köln IX, 1.50.
2) S. Colonia nicht die Prägestätte, bezeichnet nach Grate (Bl. f. Miinzk. sondern dio Währung. 11, S. 129, Miinzstud. 1, S.
185)

oft

156

Rheinlande.

Köln.

Rf. TANCTA Dnss übrigens Merle Nr. 38 (OTTO IMPRATOR Kopf. COLONIA cnglischcs Kreuz), die Lelewel mit Zweifeln, ob sie von einem der ersten drei Ottonen sei, erwähnt, Otto IV. zum Urheber hat, bedarf kaum der Erwähnung. Schliesslich ist noch folgender Nachmiinze zu gedenken, welche zwar nicht gleichzeitig zur auch den Namen Otto trä.gt, aber doch mit seinen Nachprägungen Welt gekommen ist:

f
344) MVflOIVRV

Kreuz mit vier Kugeln. 341.

Cappe 1, Taf. XXI, Taf. XV, 344a. 344a) Desgleichen,

Köln 11, 36.
-

Rf. COLONII. A

mit MVflOIVIV.

M. S. 0,65 Gr.

Cappe’s Erklärung der Hf. durch Ubiorum ist ohne Frage unrichtig ; höchst wahrscheinlich ist das Wort eine Entstellung von KVROLVS und KVROLVEs gicbt von dieser Münze (Cappe 1, Taf. 1, REX der Denare Karls des Dicken. 12, ‘XV, 236, 237, Köln 1, 6) ebenso, wie von dem Kölner Denare Ludwigs des wie uns Plonsk (Beil. Bl. VI, 8. 245) eine Kindes auch bessere Nachprägungen, solche geliefert hat. Die vorstehende gehört nicht, wie Cappe (Köln, Nr. 22) meint, in die Zeit Tudwigs des Kindes, sondern tief in das XI. Jahrhundert hinein. Eine Nachmünze mit Kirche. RJ schwebendem Kreuze, die Cappe (1, Taf. XIV, 219) durch ))Deutung« der Umschriften zu tOTT0 IMIIP. Rf. COLOI. 101. H hierher verwiesen hat, s. unter den unbestimmten (Nr. 3323) ; sie ist sächsischen, nicht rheinischen Ursprungs. Heinrich Taf. XV, 345.
-

11. (1002-1024,

Kaiser seit 1014).
RJ

s
COLONII. A

345) HEINRICHVS

REX Kreuz mit 4 Kugeln.

M. S. 1,~ Gr. 1,~ Gr.! K. M. l,&Gr. Götz, 194, ähnlich Cappe, Köln 111, 46. K. M. 1, Taf. IV, 51. f Taf. XV, 346.
346) t HENRICVS

(rex) Brustbild

rechts.

Rf.

CO+LAEI(A).

K. M. 1,59 Gr. Mem. St. Pet. 111, Taf. XII, Taf. XV, 347. 3473 t HEINRICVS f
Rf. COLONI. A

2, danach Cappe, Königskopf,

Köln 111, 57.

REX unbärtiger -

ohne Hals.

M. S. 1,21 Gr. 1,4 Gr. 1,45 Gr.
A2 Rf. OJO3 AIM

348) -

. . . . . 0 REX Kreuz mit vier Kugeln.

Mem. St. Pt%. IV, S. 43, ‘Nr. 249. Taf. XV, 349.

349) t H (El) N R . . . REX Kreuz mit vier Kugeln.

Rf: CÖL, vlll

neben

dem S eine Figur, ähnlich dem Labyrinthe auf ‘den Münzen von Cnossus. -‘K. MY 0,s Gr. Cappe 1, Taf. XIV, 223, Köln 111, 50.

Heinrich 11.

157 mit

Taf. XV, 350.

350) HEINRICVS

IMP.

Kreuz

vier Kugeln.

Rf.

Col-O. NIA

- K. M. 1,17 Gr. 1~5 Gr. 1,47 Gr. 1,~ Gr. 1,~ Gr. M. S. (Plonsk) l,t9 Gr. 1,25 Gr. 1,6i Gr.! Aehnlich Mad. 1, 43. Götz 192, 393, 195. Cappe 1, Taf. IV, 53, XVII, 275. Köln 111, 45. 350a) Aehnlich, Aufschrift 351) HEINRICI Taf. XV, 352.
352) HENRCW(2 COLO)NIA

jedoch nur HEINRI . . . sichtbar. rückläufig. - K. M. 1,lY Gr.
IMPRAT

RJ

Dieselbe f

Kreuz mit vier Kugeln.

Cappe 1, Taf. XIV,

226. (Ob sicher?)

Rf. COLONI. A

IMPj Kreuz mit vier Kugeln. ‘Rf. (nANCT(A fiinfsäulige Kirche. - K. M. 1:s: Gr. M. 8. 1,~ Gr. Dasselbe Exemplar bei Cappe 1, Taf. XIV, 224, Köln 111, 56 nicht ganz richtig. (M)PGRA(t.

Taf. XV, 353.

353) HEIRICVS

aug) gekrontes unbärtiges Brustbild.

2
Rf. COLONI. A -

M. 8. 1,53 Gr. Brustbild rechts.
f RJ’. COLONI. A

Taf. XV, 354.

354) ENRICV2

IM(p)

Mader IV, 43.
354~) + HENRIC.. . P. Rf. f NOl09. A -

M. S. 3,s Gr.

Cappe, Köln 111, 39 (schlecht), K. M. 111, Taf. 11, 28 (besser) Köhne N. F. 267, Nr. 16. 3
354 b) . . ENRICVS REX. RJ 110101, sonst ebenso.

Reiche1 IV, 2573. (mit Krone?) und A UJ in den Winkeln. - M. S. 1,s~ Gr.! K. M. 1 ,s4 Gr. l,Bs Gr. Gr. Kab. Suppl. IV, 45. - Götz 273. Cappe 111, Nr. 454. Heber einen Theil dieser Denare verdanken wir Aufklärung den Funden; Nr. 345, 347, 350 und 354 kamen bei Egersund, ausscrdem Nr. 345 bei Rummelsburg und Farve, Nr. 350 bei Oster-Larskjer, Althöfchen und Farve, Nr. 354 bei Schwaan vor. Ucber ihre Zugehörigkeit an diesen Heinrich also kann kein Zweifel mehr erhoben werden, und sind danach Götz und Cappe zu berichtigen, die Nr. 347 wegen des vorwärtsgekehrten Kopfes an Heinrich 111. und sogar IV. geben, sowie Cappe, der Nr. 354 einmal (K. M. 111, 297 und Köln 152) unter Heinrich 11, dann (K. M. 111, 392) unter Heinrich 111. aufführt, ohne sich dieses Widerspruchs bewusst zu sein. Ferner legt Lelewel (111, 121) Nr. 350 Heinrich 1. bei, Mader (1, 43) dem 111. oder IV., später (IV, S. 90) dem 111, und iiber Nr. 355 sind Götz, Cappe und Lelewel (111, 369) einig, dass sie Heinrich IV. zum Münzherrn haben. Taf . XV ? 355 .
355) t HcINRCV(S Rf. t COLOMI IM)PR bärtiges Brustbild (A) Kreuz mit 2 Kugeln

158

Rheinlande.

Kiiln.

Was aber von Nr. 350, das gilt selbstverständlich auch von 348 und 349, die sich ausser durch den Kimigstitel von ihr nicht wesentlich unterscheiden. ’ Es bleiben noch Nr. 346, 352, 353 und 355, welche ohne Beihtilfe der Funde aus sich selbst heraus bestimmt sein wollen. Nr. 346 ist klein und dick und zeigt ein regelmässiges altes Monogramm, daher sie schon Köhne (Mem. St. Pet. IV, S. 44) diesem Könige beigelegt hat, mit dem Hinzufügen, sie scheine der älteste Kölner Pfennig dieses Heinrich zu sein. Wenn auch letztere Annahme sehr gewagt ist, so dürfte doch Heinrichs 11. Anrecht ausser Zweifel sein, denn unter seinen Nachfolgern waren in Köln, wie die Münzen der Erzbischöfe darthun, so kleine, ängstlich gezogene Buchstaben nicht mehr im Gebrauch, die Schrift auf den Mtinzen jener spatern Zeit ist gross, regelmassig und schön entwickelt. Aehnlich verhält es sich mit Nr. 352, 353 und 355. Nr. 352 kann ihre Verwandtschaft mit vielen Denaren des Erzbischofs Piligrim nicht verleugnen, während auf nicht wenigen von dessen wahrscheinlich etwas späteren Geprägen, Schrift und Kirche schon grössere Regelmässigkeit zeigen. Bei Nr. 353 kommt aber eine ausserordentliche Aehnlichkeit mit Strassburger Münzen dcsselbcn Kaisers hinzu, welche so gross ist, dass man beide Münzen für das Werk derselben Hand halten muss, wenn man nicht noch weiter gehen und annehmen will, auch in Strassburg habe man an dem Kölner Monogramm Geschmack gefunden. Letzteres aber verträgt sich wohl kaum mit Strassburgs eigener Bedentung, obwohl ich nicht unterlassen kann, hier auf einen andern Strassburger Denar desselben Kaisers mit SANCT.. . . . NA (Nr. 923) hinzuweisen, bei dem die Möglichkeit, Sancta (Jolona zu lesen, keineswegs ausgeschlossen ist und obwohl doch auch selbst Köln die Nachahmung Goslarischer Muster nicht verschmäht hat. Im Einzelnen ist zu diesen Münzen noch Folgendes zu bemerken. Nr. 347 scheint das Vorbild für Thiel abgegeben zu haben, ein solcher halsloser Kopf kommt sonst nicht vor. Nr. 319 ist höchst interessant wegen der sehr eigenthümlichen, sonst ,nirgends vorkommenden Labyrinth-ähnlichen Figur. Ist sie etwa auch ein Munz- oder Mtinzstätten-Zeichen, wie wir solche schon von Andernach, Mainz, Minden, Soest, Speier und Worms kennen? Nicht verschweigen kann ich dabei, dass Cappe diese Münze mit t HEINRl3 M’ REX giebt, welche Umschrift er, wie er K. M. 1, Nr. 376 sagt, aus 2 Exemplaren gewonnen hat. Richtiger w&re es, diese Umschrift als erdichtet zu bezeichnen, denn von diesen zwei Exemplaren ist das eine bessere das meinige, jetzt im hiesigen K. Museum befindliche, das andere schlecht erhaltene, das ich Cappe tlbedassen habe, lässt durchaus nichts mehr erkenneu. Cappe’s auf diese erdichtete Inschrift gestiitzte Bemerkung, dass der Königstitel sehr selten dem kaiserlichen nachgestellt sei, ist mithin zu streichen; sie ist ausserdem auch schief, denn wo käme diese Titulatur wohl sonst noch vor? - Noch giebt dieser Denar Anlass zu der Bemerkung, dass wahrscheinlich eben solche, aber ohne das Labyrinth, also mit HEINRICVS REX und dreizeiligem SCA-COLONIA vorhanden sind. Nach Cappe’s Abbildung (K. M. 1, Taf. IV, 53, Köln 111: 45) stande dies ausser Zweifel, aber der Text ist damit in Widerspruch, denn er giebt an beiden Stellen HEN RICV SMP an, obwohl er auch wieder (Köln 345) solche mit . . . M Einen Grund aber, dessenungeachtet an RICVS REX, aber ohne Abbildung giebt. derartige Miinzen mit REX zu glauben, bietet nicht der unzuverlässige Cappe, sondern Thomseu, welcher (Berl. Bl. 11, S. 59) unter Anftihrung von Cappe Köln 111, 45 einen Kölner Denar mit HEINRICVS REX aus dem Oster-Larskjcr Funde er-

Iionr;m TI.

159

wähnt, und dann fortfahrt: »Desgleichen mit HEINRICVS IMPE(RATOR)tr, sowie auchBecker, der Nr. 68 eine derartige guterhaltene Münze mit blossem HEINRICVS R bringt. Nr. 351 ist mir nur aus Cappe bekannt, das IMPRAT ist also keineswegs frei von Verdacht. Gewiss apokryph ist aber die Inschrift HEINRI FF’ REX, die er (Köln 138) angiebt, die Abbildung (111, 47) lässt nur HEINRII . EX und dazwischen keinen genügenden Baum für PR erkennen. Ein Denar mit HEINRICVS in drei Zeilen. 2iJ’. IMPRATOR um ein Kreuz, den Köhne (Mem. St. P. IV, 8. 44j nebst einer Abart hierher versetzt, habe ich unter den unbestimmten gelassen (Nr. 1177). Konrad Taf. XV, 356.
3%) tCHVON

11. (1024-1039,
IMPVRA

Kaiser seit 1027).

Kaiserkopf

f rechts. RJ COLONII,
A

neben

dem A bcidcrseits eine Rosette. Cappe 1, Taf. IV, 60. Köln IV, 58. Taf. XV, 357.
357) t CHVONR. . . gekröntes

Brustbild

mit langem Barte linkswahr-

f hin. Zweifelhaft, Taf. XV, 358. BJ
IONI. A

Mem. IV,

S. 44, Nr. 253, und -

scheinlieh dasselbe Exemplar. - Beichcl IV, 2570. ob das hier abgebildete Exemplar 1) mit vorstehendem identisch.
358) (t CVO)NRVDw 1?f. GCACOL0 (CO)LON(I)A

(rückläufig) , Kreuz mit vier Kugeln. - Ab in drei Zeilen. - K. M. 1,19 Gr.

(1) MP Kreuz mit vier Kugeln. Rf. (S)ANCTA fünfsäulige Kirche. - M. S. 1,2o Gr. Berl. Bl. VI, S. 246. Ungenau Cappe 1, Taf. XIV, 230. Köln IV, 60. Taf. XVI, 360. 360) t(C) HVON . . . . Kreuz, in dessen Winkeln zwei Lilien mit zwei 0 wechseln. Bf. SfA COLONIA fünfs8ulige Kirche, ncbcn dcrsclbcn auf jeder Seite die Schleife. - K. M. 1,L Gr. Mittheil. Taf. X, 65. Taf. XVI, 361. 361) t CRONPMOADVS Krenz mit Kugel, Kreuz, Kugel und f Kreuz in den Winkeln. RJ C~~~ll. Mader 1, 41.

Taf. XVI, :j!YJ. 359) (tC) HOhRADVm

Man könnte vielleicht diese Mtinzen alle bis auf Nr. 3% und 359 hier streichen, denn nur von letzteren ist sicher anzunehmen, dass sie unter Konrad 11. selbst und in Köln geprägt sind, da Nr. 358 sich den ähnlichen Heinrichs 11. anschliesst und Nr. 359 ganz den Charakter der Piligrims trägt. Das Exemplar, welches Cappe von Nr. 359 bringt, ist nur scheinbar eine Abart, in der Zeichnung fehlen namentlich beide Male (K. M. 1, Taf. XIV, 230 und Köln IV, GO) die Kugeln in den Kreuzeswinkeln; dass sic aber in der That vorhanden sind, sagt der Text, wenigstens bei Köln Nr. 157, ausdrücklich.
1)

Von Herrn Beyer in Warschau mir zum Zeichnen anvertraut.

100

Rheinlande.

Köln.

Von den tibrigen Münzen ist Nr. 356 lediglich durch Cappe verbürgt, also nicht ganz sicher, wird aber freilich auch von Köhne (M&m. St. P. IV, S. 51) erwähnt; nach Cappe’s Zeichnung vermuthe ich Soest als Prägstadt. Zu Nr. 357 bemerkt Köhne (a. a. 0. S. 44), sie sei dem Soester Denar sehr ähnlich und wahrscheinlich nicht in Köln geschlagen. Nr. 360 könnte wegen des Andernacher Zeichens dasselbe vermuthen lassen, und Nr. 361 gehört wegen der durcheinander gewiirfelten Buchstaben und der Stylisirung des Monogramms vielleicht in eine spätere Zeit, lässt dann aber jedenfalls auf ein vorhanden gewesenes Urstuck schliessen. Besonders wichtig ist aber Nr. 3G0, weil sich um dieselbe eine Reihe anderer Stücke mit nicht lesbaren Stadtnamen gruppiren, welche, wenn sie auch wirklich nicht hier zu Hause sein mögen, doch jedenfalls in naher Nachbarschaft entstanden sein müssen, keinenfalls aber anderswo mit irgend grösserer Sicherheit untergebracht werden können, da sie mit der gedachten Nr. 360 die 11J. gemein haben. Es sind dies aber: Taf. XVI, 362. 362) t CHV(onr)ADV. . . dasselbe mit zwei Lilien gefüllte Kreuz wie auf Nr. 360. Rf. . . . VMIIV..
mit 113.

und zwei 0 HPM Kirche

SA

Bl. für Münzk. 11, Taf. XV, 206.
IP, ebenso &J CIMNO..

Taf. XVI, 363. 363) t CHOVDIVI.. mit A3.
SN

.S dieselbe Kirche

Bl. f. Mtinzk. 11, Taf. XV: 215, ähnlich Cappe 111, Taf. VI, 80. Taf. XVI, 364. 364) t CHOVI . . . . MP ebenso. Rf. SCTNRaEO. (NA) (rückläufig), dieselbe Kirche mit *I - 110, zu beiden Seiten die Schleife. - K. M. 1,19 Gr. 1,55 Gr. Mittheil. IX, 76. Schon Thomsen versuchte auf Nr. 362 und 363 die Aufschrift der Kirche Agrippina sancta zu lesen (Bl. für Münzk. 11, S. 336), war also dem Prägorte auf der Spur, der durch unsere Nr. 360 ziemlich gesichert ist. Man darf tle,nach vielleicht auf der Rf. von Nr. 364 SCTA COLONA um so eher lesen, als bei seinem Nachfolger Heinrich 111. dieselbe Inschrift bei ganz gleichem Gepräge vorkommt (Nr. 368), falls der betreffenden MUnze als einer Cappe’schen zu trauen ist. Zwei andere Denare von gleicher Hf., aber mit sehr abweichendem Gepr%ge der Rf. (Bl. für Münzk. 11, Taf. XV, 218 und 219) habt ich nicht gewagt, hier einzureihen, sondern sie unter den unbestimmten gelassen (s. Nr. 1195 und 1256). Zu erwähnen bleibt noch, dass Cappe (III, 327) folgende Münze: f 365) t CHVONRADVS IMP gekröntes Brustbild. Rf. COLONIA,
A

und darauf (Nr. 328-330) noch drei ganz ähnliche beschreibt. Mir sind solche nie vorgekommen, und Cappe, der doch Abbildungen der unbedeutendsten, am wenigsten interessanten Stempel liefert, hat, wie so oft, diese Ihre Existenz wird also bis jetzt als sehr wichtigen Mlinzen abzubilden unterlassen. zweifelhaft zu betrachten sein, oder vielmehr er hat sich, wie auch in einem anderen Falle (Mainz, Taf. VII, 103) durch eine Becker’sche Fälschung täuschen la.ssen (s. Pinder, die Becker’schen falschen Münzen. Nr. 308).

Konrad

II.,

Heinrich

111.

161

111. (1039-1056, Kaiser seit 1046). Taf. XVI, 366. 366) -k HBNRCVS REX Kreuz mit 0, &, 0 und & in den Winkeln. Bf. SfMIOLONPA fünfsäulige Kirche, auf jeder Seite &. - K. M. 1,22 Gr. Mem. St. Pet. 111, Taf. XI, 1. Taf. XVI, 3G7. 367) t H(EI)M jRl)CVS 1) REX unbartiges, unbedecktes Brustbild. Bf. SfACOLONIA dieselbe Kirche. - K. M. 1,37 Gr. Taf XVI, 368. 368) t HENRICVS REX bartiges (4,) unbedecktes Brustbild. i?f. SCTH COTONNA (rückläufig), Kirche mit t I- 110, auf jeder Seite daneben &. Ca,ppe 1, Taf. VIII, 128, Koln IV, 65. 368a) Ebenso, doch ist auf der Rf. nur SCTNFIDE. . . (rückläufig) sichtbar. - K. M. 1,s~ Gr. Köhne führt Nr. 366 unter Heinrich II., Cappe Nr. 368 gar unter Heinrich V. auf. Hier liegt einmal die Wahrheit in der Mitte. Nr. 366 kann, dem Schriftcharakter und der Form der Kirche zufolge, nicht älter als die ersten Gepr&ge Piligrims sein, ähnelt vielmehr vollkommen dem Denar Nr. 387 seines Nachfolgers Hcrmann II., und Nr. 368 hat: wie schon bemerkt, ganz die B/. und den Styl des eben besprochenen letzten Denars (Nr. 3643 von Konrad II., Nr. 368a zugleich auch genau dessen Inschrift. Letztere Münze (368aj kann Zweifel an der Richtigkeit der Cappe’schen Lesung SCTA COLONNA erwecken, sehr möglich, dass Cappe, wie so häufig, nicht das, was wirklich auf der Münze stand, sondern, was nach seiner Meinung darauf stehen musste, wiedergegeben hat. Die Beziehung beider Münzen (368 und 368a) auf dicscn Heinrich ist hiernach ausser Zweifel. Nr. 367 aber vermittelt den Uebergang von Nr. 366 zu Nr. 368, hat ganz die Rf. wie jene, und ein ganz ahnliehes Brustbild wie diese, kann also auch keinem anderen Kaiser beigelegt werden. Auch erklärt Nr. 367 die Inschrift der ersten Münze, die man nicht, wie Köhnc vorschlägt, Sempiterna Colonia pacifica oder pacis mater lesen kann, es ist nichts als Sta Colonia, das A zu M, das I zu P entartet; das pacis mster ist übrigens ’ viel späteren Vorkommens. S. auch Nr. 1372 im Nachtrage. Brustbilder ganz ähnlich wie auf Nr. 368 finden sich in Duisburg und Minden. Spätere Kaisermiinzen kenne ich nicht, vielleicht reichte der grosse Vorrath an älteren kaiserlichen und erzbischöflichen Geprägen aus, oder man prägte noch immerfort Ottonen. Des Rechtes, in Küln zu münzen, hatten sich wohl die Kaiser damals noch nicht begeben, dies geschah erst im Jahre 1190 2j. Cappe legt jedoch diesem Kaiser noch folgende beiden Münzen bei:
a) t REX HINRICVm zwischen vier Bogen in Kreuzform AIMR-T (d. h. imperator). Rf. wie die Hf. der folgenden

Heinrich

Miinze . Ir) Kirchengebäude, unter König IIermann

Cappe 1, Nr. 526. Köln, daneben
MH -1111.

Nr. 158. f
Rf. COLONIII A

mit 159),

vielen Verzierungen (Cappe, K. M. 1, Nr. 522, Köln von Luxenburg (1081-88) aber nachstehende :
N

1) Das M könnte auch ein
2) Hirsch R. M. Archiv
Dannen b erg, Deutuchlsnds älteste

sein.
IIIunzen.

1, S. 8.
11

162 c) t HERMw

Rheinlande. Köln.

. . . . Kreuz. Rf. VSZA-COLO-AA (K. M. 111, 496). Aber die erste dieser Mlinzen (a) ist aller Wahrscheinlichkeit nach falsch gelesen (vgl. Nr. 4543, und nur eins der vielen Nachgepräge von Piligrim, die zweite ist eine offenbare Nachmünze und zwar niedersächsischen Ursprunges, und die letzte endlich ebenso unzweifelhaft ein etwas entarteter Heinrich 11. (oben Nr. 356). Es bleiben aber noch zu besprechen:

b) Die Münzen

ohne Kaiser-

und Erzbischofs-Namen.

Taf. XVI, 369. 369) RNANDVERIO Kreuz mit T und P im ersten und dritten Winkel. Ii?f. SACOLONIA , im Felde um drei Punkte die Buchstaben APXR. - K. M. 1,62 Gr. 1,12 Gr. Cappe III, Taf. VI, 78. Thomsen 5571-5574. Eine höchst merkwürdige Münze von sehr schöner Arbeit, deren Umschrift ein zweites Exemplar bestätigt, aber der Erklärung nicht näher bringt. Steht auf der Wf. etwa Xpistiana religio , oder Andernach? Besser, wir schweigen hierüber, als dass wir in Cappe’s Fusstapfen treten, der, jedenfalls auf Grund der vier Buchstaben im Felde der 1if. (.angeblich Ar. rex imp.) die Mtinze ohne jedes Bedenken dem Kaiser Arnulf zuspricht! Gerade in diesen Buchstaben unterscheiden sich übrigens beide Exemplare, denn statt ABXR oder RAPX hat das zweite tOLT, so zwar, dass das t die Stelle des 8 einnimmt u. s. f. Auch auf den Erzbischof Evergerus 984-999, wie im Thomsen’schen Kat. 5572-74 geschieht, möchte ich diese Münzen nicht beziehen, ich sehe keinen Grund dazu. Kreuz mit vier Kugeln. RJ. NLZ Kirche mit COL-OIN. - M. S. l,F>8&. Lelewel XIX, 35. Lelewel (11, S. 3 11) und Köhne (Reiche1 IV, 2591) erkennen mit Recht in der Umschrift der RJ. eine Verstümmelung von Herman archieps, die uns freilich bei ihrer verhältnissmässigen Dunkelheit noch nicht veranlassen kann, diese Münze unter dessen Gepräge einzureihen. Und dass auf der TfJ ein Münzmeister Lefwine genannt ist, der uns auf gleichzeitigen englischen Pennies oft begegnet, bedarf keines weiteren Beweises. Aber wenn Lelewel das folgende Wort DRITCAL in PRITCAL ändert, und nun erklärt : ))cal (call) ouvrier, artiste, graveur; writ 1) de lettres: de l’ecriture (1, so mag das scharfsinnig sein, richtig aber ist es gewiss nicht, schon einfach deshalb, weil CS sprachlich nicht gcrcchtfcrtigt ist. Will man durchaus zu kuhnen Vermuthungen seine Zuflucht nehmen, und so wenig als möglich ungedeutet zu lassen, so liegt es vielleicht näher, in DRITCAL Dortmund, DRITMAN zu suchen; in der Folgezeit wenigstens waren englische Münzen in Westfalen sehr beliebt und nicht wenige westfälische Pfennige des XIII. und XIV. Jahrhunderts tragen englische Münzmeisternamen. Seitenstücke zu unserem Denare bilden gewissermassen die Münze des Jaromir von Böhmen mit dem Namen des englischen Königs Ethclrcd auf der Rf. (Berl. Bl. 1, Taf. II! SS), und der vermutblich auch in Böhmen
DRITCAL MANCLDIE-S: 1)
P

Taf, XVI, 370. 370) tLEFPINE:

vertritt bekanntlich im Angelsächsischen die Stelle desW.

Miinaen ohne Kciwr-

nnd ErzbischofwNamen.

163

geschlagene ganz ahnliehe Denar Ethelred’s von ganz gleichem, unenglischem Gepräge mit Aelfsige mo Pint, d. h. Winchester (Bl. für Miinzk. 11, Taf. XX, 313). Kreuz, in dessen Winkeln zwei Kreuzehen mit zwei Kugeln abwechseln. Rf, . NON.. . RAICT Kirche mit CO E 0- NIA, auf jeder Seite ein Ringel. Bl. ftir Miinzk. 11, Taf. XIV, 191. Auf Erzbischof Hermann 11. als Vorbild weist auch diese Münze hin. Schwerlich ist sie in Köln selbst geschlagen. Das OTGERVS findet sich auch in Brüssel und auf einem ähnlichen Dermrc , der unter den unbestimmten (1257) erscheint (Bl. f. Miinzk. 11, Taf. XIV, 192). Die IJmschrift der h?f. klingt an TRAIECT an.
371) t H.. . OTGERVV, IPN.

Taf. XVI, 373.

sitzender Fischer. I$J. WA COLONIA ftinfsäulige Kirche. K. M. 1,12 Gr. Taf. XVI, 372a. 372 a) Deutlicher als auf dem ganzen Exemplare ist auf dem halben (im K. Museum zu Kopenhagen) die.Figur, so dass ich troz der ausserordentlichen Aehnlichkeit mit der letzten unter Minden beschriebenen Mtinze (Nr. 731) doch geglaubt habe, hier nicht wie dort einen Münzer, sondern einen Fischer erkennen zu müssen, der Fisch an seiner Angel scheint mir deutlich. Selten freilich sind in dieser Zeit Gepräge, welche nicht mit der Religion zusammenhängen, zugeben müssen wir sie aber doch als Ausnahmt, nach dem Vorgang-e von Minden und Viset. Die Zeit unserer Miinze dürfte die Heinrichs 111. sein. Die Fabrik ist ganz die Kölnische seiner und der Denare des Erzbischofs Hermann 11.
372) t 90M . . : FIVHI

Taf. XVI, 372.

zweithürmige Kirche, von einer Mauer Kirchenportal, unten ein Kreuz, zu den - M. 8. O,ol Gr. O,% Gr. 44. Hf. bei Cappe 1, Taf. VI, 83 und Kiiln Hl, 52. Dass diese MUnze keine Stadtmünze ist, wäre selbstverständlich, auch wenn wir nicht wüssten, dass die Stadt erst 1474 das Miinzrecht erhalten hat 1). Lelewel (111, 166); Posern (Bl. fiir Münzk. 1, Nr. 38) und Cappe (1, Nr. 526) sehen in den Buchstaben der Rf. den Kaisernamen Heinrich, Lelewel sogar in der Wiederholung, und legt sie daher Cappe Heinrich Ill., Lelewel aber demselben Kaiser in Gemeinschaft mit seinem gleichnamigen Sohne bei. Abgesehen aber von der Misslichkeit einer Deutung solcher einzelnen Buchstaben, abgesehen davon, dass N H oder HN MN von Heinricus oder gar einer Wiederholung dieses Namens doch noch sehr weit entfernt ist, so ist die Rf. den Nachahmungen der Andernacher Gepräge von Piligrim entlehnt, daher diese Buchstaben für nichts mehr, als eine Verstümmelung von ANDERN oder ENDEOR zu halten sind. In die Mitte des XI. Jahrhunderts scheint die Mtinze aber zu gehören, wo unter Anno die kleinsten und Icichtesten Denare erscheinen, während sie später a,n Gewicht und Umfang wieder etwas zunehmen. Das Kirchengebäude kommt auch ziemlich ähnlich auf einem Anno vor, noch ähnlicher freilich unter Hiltolf und Hermann 111.
1) Hirsch R. M. Archiv 1, S. 141. 11*

Taf. XVI, 373.

373) t COLONIA VRBS eingeschlossen. RJ. Seiten NH und MN. Gr. Kab. Suppl. IV,

164

Rheinlande.

Küln

Taf. XVI, 374. 374) Aehnlicher
I2J

Obol.

Thomsen.

Taf. XVI, 375. 375) (t) S SIMONS

/SI(VDAS) Brustbilder beider Heiligen. SCA-COLO-tAG in drei Zeilen. - K. M. 1,09Gr. Lclewel 111, S. 173. Cappc 1, Taf. XXI, 349. Köln IV, 64.

Köhne bemerkt von einem ahnliehen Gepräge, nur mit dem abweichenden tH... M . . NCIO auf der E1f. (Reiche1 IV, 2576), die Mlinze, wahrscheinlich unter Heinrich IV. geschlagen, biete eine merkwürdige Vereinigung des Goslarischen und Kölnischen Typus, gehöre aber, da sie nicht den flachen Goslarischen Stempelschnitt Und das ist wohl unbedingt richtig. Die Fabrik ist zeige, wohl eher nach Köln. wie die des Anno mit gleicher Bf., ausserdem aber ist die Münze bis auf die Umschrift genau so wie eine von Remagen, nur dass das RIGEMAGO durch die Namen der dargestellten Heiligen ersetzt ist. Höchst wahrscheinlich hat man damit der Münze in den Ländern, wo das Goslarische Geld beliebt war, Umlauf verschaffen wollen, was freilich nicht ausschliesst, dass diese Heiligen auch in Köln wie in Remagen ihre Verehrung genossen haben mögen. Lelewel glaubt (111, S. 171) diese Münze durch Erzbischof Annos langen Aufenthalt in Goslar (er war daselbst Abt zu St. Simon und Judas), »et son autorite dans l’empire« erklären zu können.

,

c) Erzbischöfliche.
Bruno Taf. XVI, 376. 376) tOTT0 1. (953-965).
IMBAVw

Kreuz mit vier Kugeln.
-

Rf.

BR(VjN0

ARCHIE(PS),

f im Felde COLONIA. A

M. S. I,%s Gr.

Cappe, KiilnVI, Taf. XVI, 377. 377) tOTT0
/TiCHEP2

85, schlechter bei Lelewel 111, 8. 143 (u. 1849).

Kreuz mit vier Kugeln. Rf. BRVNOin zwei Zcilcn. - K. M. 1,2o Gr. M. S. 1,~s Gr. Friedlaender, Obrzycko 11, 3. Cappe, Köln VI, 83. f Taf. XVI, 378. 378) t BRVV t IIVVO Kreuz (mit leeren Winkeln). Rf. COLONIA A - K. M. 1,64 Gr.
INIPAVG

Die beiden ersten Denare sind, des Kaisertitels halber, zwischen 962 und 965 ii geprägt. Wir wissen nichts von einer so frühen Verleihung des Münzrechtes an j das Erzstift, und ist es daher, wenngleich wir auch Adalbero 1. von Metz und Ul’ rich von Augsburg ebenso früh im Besitze dieses Rechtes sehen, doch möglich, dass : Bruno dasselbe, wenn auch nicht seiner Verwandtschaft mit dem Kaiser, dessen / jüngerer Bruder er war, so doch seiner Würde als Herzog von Lothringen zu veri danken gehabt hat, dass also sein Münzrecht so zu sagen ein persönliches gewesen. ’ Namentlich die letzte Münze, welche autonom ist, lasst sich sehr füglich durch das j Herzogsamt erklären; auch kann man sie, trotz der drei überflüssigen V nicht als eine später geprägte Nachmiinze ansehen. Gestützt wird diese Vermuthung durch das Fehlen der Münzen von Bruno’s nachsten Nachfolgern Volkmar, Gero, Warin, Evergerus und Heribert; erst mit Piligrim beginnt eine ununterbrochene Reihe erzbischöflicher Münzen und hören, cinigc scltcnc von Heinrich 111. abgerechnet, die

Erzbischof

Bruno I., Piligrim.

165

ka,iserlichen auf. Man kann also fiir Köln die kaiserlichen Gepräge bis etwa 1030, und von da ab die erzbischöflichen rechnen. Allzukühn behauptet aber Ca,ppe (Köln, S. 43), Bruno habe das Münzrecht nicht im eigenen Namen, sondern »als Verweser des Reichsoberhauptes< ausgeübt, und seine Münzen gehörten daher eigentlich zu den kaiserlichen. Vorstehende Münzen sind sehr lehrreich, denn sie weichen sowohl im Gepräge als auch in der Fabrik so sehr von einander ab, dass ohne den zwingenden Grund, der in ihren Inschriften liegt, man schwerlich sie alle in derselben Stadt und in dem kurzen Zeitraum von nur drei, höchstens aber zwölf Jahren entstanden glauben würde. Sie liefern also den Beweis, dass gleichzeitig an demselben Orte von verschiedenen Stempelschneidern sehr vcrschicdcn gearbeitet werden konnte, in einem Grade, wie dies zu anderen Zeiten kaum irgendwo der Fall ist. . Eine Nachahmung von Nr. 376 mit unleserlicher Umschrift der RJ wird es sein, welche Lelewel 111, S. 184 abbildet. Piligrim (1021-1036).

Taf. XVI, 379. 379) tCHVONRADVS IMP K reuz mit vierKugeln. $f. SANC (TA CO)LONIA Kirche mit PILI - GRV1 im Portal, auf jeder Seite ein Ringel. - M. S. 1,03 Gr. 1,15 Gr. Berl. Bl. VI, S. 246. Nr. 2, Katalog Whaites (Frankfurt 1871) 1331. Taf. XVI, 380. 380) + CHVONRADVS MP diademirtes bartiges Brustbild rechts. Rf. SANCTA COLONIA dieselbe Kirche mit PILI-GRIN im Portal. - M. S. 1,2i Gr. 1,s~ Gr. 1,37Gr. 3,42Gr. 1,4iGr.
1,s Gr. 1,156 Gr.

Fach. Taf. 1, 2. Cappe, Köln VI, 84. Lelewel 111, 185. Götz 257. Auf keinem der Exemplare, die mir vorgekommen, hatte ich die Umschrift SANCTA COL0 IMP (angeblich S. C. mater pacis! gefunden, die Lelewel nach Merle (Köln. Miinzen S. 21. Nr. 1) angiebt, sie ist auch Cappen (Nr. 197) nur aus Lelewel bekannt 1); der Titel pacis mater kommt auf Kölner Münzen, wie schon öfter bemerkt, erst in der Hohenstaufenzeit vor, und nur der Irrthum, wclchcr die in der zweiten Hälfte des XII. Jahrhunderts gemiinzten HITARC Denare 2) für echte Gepräge des Erzbischofs Hiltolf hat halten lassen, hat zur Verkennung dieser ThatSache durch Lelewei und Köhne 3) geführt. Ganz neuerlich ist mir eine solche Münze zugekommen (s. Nachtrag Nr. 1372). Cappe beschreibt das Brustbild auf Nr. 380 als gekrönt, Lelewel als diademirt, ebenso Köhne (Reichcl IV, 2597). Alle mir bekannten Exemplare zeigen deutlich ein aus doppelter Perlenschnur gebildetes Diadem, nur auf einem sehr schön erhaltenen Exemplar meiner Sammlung bleibt die Entscheidung zwischen Diadem und Krone schwankend. S. jedoch den Nachtrag.
1) zeichnet, das Citat 2) 3) bezüglich Cappen folgende Nr. 198 hat troz des a)Desgleichenn, womit er die Inschrift der K!f. benicht dies COL0 IMP, wie man glauben sollte, sondern regelrecht SANCTA COLONIA; (Reiche1 IV, 2579) ergiebt dies. S. Miinzstud. 111, S. 26, Berl. Bl. 111, S. 52 Anmerkung. MIEm. St. Pet. IV, S. 43. Doch hat Kühne selbst (Reiche1 Bd. IV, 2601) den Irrthum der HITAPC-Münzen erkannt.

Gr. Kab. IX,

166

Rheiulande.

Köln.

381. 381) tCHVONRADVS IMP Kreuz mit PI-LI-GR-IM in den Winkeln. RJ. SANCTA COLONIA funfsäulige Kirche. - M. S. 3,26 Gr. 3,% Gr. 3,4 Gr. 1,47 Gr. 1,s~ Gr. Götz 217. Cappe VI, 86 und 87. Von dieser häufigen Münze giebt es manche kleine Verschiedenheiten, deren bedeutendsten Unterschiede darin bestehen, dass die cinc die Kirche mit spitzem, die andere mit rundem Dache zeigt. Cappe beschreibt dergleichen unter Nr. 199-213. Dagegen waren ihm folgende interessante Abarten unbekannt. 381n) (tC)HONRAD(Vv, IMP) Kreuz mit PI-&-GR-IN in den Winkeln. Rf. (SANCTA) COLONIA dieselbe Kirche (mit spitzem Dach), unter derselben ebenfalls eine Schleife. - M. S. 1,ii Gr. 1,62 Gr.! 381 b) Aehnlich, aber mit je einer zweigartigen Figur, ahnlieh wie auf Nr. 308a, neben der Kirche. - K. M. 1,41 Gr. Da die Schleife nicht auf Andernach beschränkt ist, so brauchen diese Miinzen nicht nothwendig aus der dortigen Prägstätte zu stammen. Taf. XVII, 382. 382) t CHVONRADVS, der Name ILIGRM- R (oder P) auf einem von vier Bogen gebildeten Kreuze. KJ. S6A COLONIA dieselbe Kirche. - M. S. 1,32 Gr. Das Vorbild der Andernacher Denare dieses Erzbischofes, wenigstens was die betrifft. 383. 383) t C.. . . . . SIMP Taf. XVI.

Taf.XVI,

Hf.

Kreuz mit Pljligrim) in den Winkeln. Rf. . . . . RD . . . . . im Felde entstelltes rückläufiges Kölner Monogramm. - M. S. 1,32 Gr. 384) tCHVONRADVS IMP Kreuz mit vier Kugeln. I?J PILI CRIN APCHIEPP Kirche mit COLONIA im Portale. Lelewel beschreibt diese Münze (111, 8. 185) nach Hartzheim (hist. rei num. Colon. Taf. 1, 9. 11, 27, 28) in zwei geringen Abarten, und nach ihm bringt sie Cappe (214 und 215), allein Hartzheim ist ein sehr schlechter Gewährsmann, und so entbehrt sie vorläufig der Beglaubigung um SO mehr, als eine Verwechselung mit den ganz gleichartigen Geprägen seines Nachfolgers so nahe liegt.. Alle diese Münzen lehren uns vermöge des Kaisertitels, der nur auf Nr. 382, gewiss nicht der ältesten, fehlt, dass Piligrim mit seinen Prägungen erst nach 1027 begonnen hat. Aber diese kurze Zeit hat er fleissig benutzt, denn seine Münzen und die seines Nachfolgers Hermann 11. sind in den Funden ziemlich stark vertreten, so dass, wie Thomsen (Berl. Bl. 11, S. 53) mit Recht hervorhebt, ihr Fehlen in grosseren Funden zur Bestimmung der Vergrabungszeit dient. Hermann II., Pfalzgraf (1036-1056).
RJ ERMANN

Taf. XVII,

3853 tCHWONRADVS IMPKreuzmitvierKugeln. ARCHIEPS Kirche mit COLO-NIA

Auffallend schön erhaltenen

im Portal, auf jeder Seite ein Ringel. - M. S. 1,s Gr. O,% Gr. ! Aehnlich Gr. Kab. IX., Taf. 1, 1. Cappe VI, 91. muss der bedeutende Gewichtsunterschied zwischen meinen beiden Exemplaren fiir diejenigen sein, welche durch das Gewicht der

Piligrim,

Hermann 11.

367

Münzen ihre Zeit meinen fixiren zu können; freilich giebt es unzählige ähnliche Beispiele (s. Piligrim 381 a, Duisburg, Konrad u. s. w.). Cappe lässt diese Münze von Hermann als Verwalter der kaiserlichen Münzstätte geschlagen sein; was er sich dabei gedacht haben mag, ist mir nicht klar. Sie kommt iibrigens in zahlreichen Verschiedenheiten vor, die man bei Cappe (Nr. 226-231.) und Lelewel (XIX, 33 und 34) nachsehen möge. Zu den interessanteren gehören die folgenden :
MP Kreuz, in dessen Winkeln zwei mit zwei Kugeln abwechseln. Rf. ERM.. NN AICNERS Kirche, in deren Dache v) im Portale CO I-NIA, dancbcn im Felde H-R-M. - Rf. S. 1,~ Gr. Aehnlich Cappe VI, 92 und Götz 218. Taf. XVII, 3856. 3856) t CHVONRADVS IMP Kreuz, in dessen Winkeln zwei Kugeln mit zwei Schleifen abwechseln. Rf. H3FllAN MACHI EPS Kirche mit COLINS, daneben und darunter H-E-M. Mader IV, 48. Mader’s Vermuthung, dass die Buchstaben neben der Kirche den Bischofsnamen wiederholen, wird durch Nr. 385 a bestätigt, H RMw ist kaum anders zu deuten. 385~) t CHVONRADVS

Schleifen

385~) Ebenso, aber MP statt IMP. RJ I-ERMANN ACHIEPS Kirche mit COL0 - N IA, auf jeder Seite im Felde ein Ringel. - M. S. O,% Gr. 386) . . . RADVW M Kreuz mit vier Kugeln. Rf. . . . . MAN.. .. Kirche mit einem von vier Punkten umgebenen Kreuze im Portale, zu jeder Seite ein Ringel. Mittheil. S. 181, Nr. 83. Taf.XVII, 386a. 386,) Aehnlich, aber SCH (0N)RADVw W. RJ A(R?) M . . . . .Dv>, im Kirchenportale die Schleife. - M. S. 1,ll Gr. Auch Lelewel beschreibt (111, 186) ein ähnliches Stück mit (Hermann) ARC HCP, und ein besser erhaltenes hat Cappe (K. M. 1, Taf. IV, 58), aber er giebt die Inschrift der Rf. unrichtig MARIAE DOMVW (rückläufig) an und erklärt sie ohne den Beweis anzutreten, dass diese Stadt ebenso unrichtig als Mergentheim, damals diesen Namen getragen habe l) und ohne zu bedenken, wie schlecht das Kölner Gepräge für das fränkische Mergentheim passen würde. Richtiger abgebildet ist ein ähnliches Stück in seinen Kaisermünzen Bd. 111, Taf. 1, Nr. 10, statt dessen gebe ich hier das Thomsen’sche Exemplar in Abbildung.
M Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. 1/1 (Schleife), Kirchengebäude. - Thomsen. S. Maternus zu lesen, wie Thomsen gewollt, kann ich mich nicht entschliessen. - Ucbrigens hat Cappe eine andere ähnliche Münze Nr. 437 und 891. Bd. 1. K. M. Taf. XVII, 387. 387) tCRISTIANA RELIGIO Kreuz mit HE-RIM-AN-VS in den Winkeln. Rf. SEA COLONIA fünfsäulige Kirche. - M. S. 1,1‘1 Gr. 2,22 Gr. 1,35 Gr. Gr. Kab. IX, Taf. 1, 5. Cappe, Taf. VI, 88. 3866. 386b) (t CH) VOPADV, Rf. 2aMATHcR* 1) Foerstemnnn (11, 1017) führt nur Mergintaim an, möglich scheint aber auch Mariae domus allerdings.

Taf. XVII,

168

Rheinla,nde.

Kiiln.

Wie Angesichts dieser Münze Cappe (S. 52) sagen kann, Hermann habe seine Münzen »als Verwalter der kaiserlichen Münzstittte (( geprägt, ist unverständlich, sie zeigt sich doch gänzlich frei von kaiserlichem Einflusse ; mit Recht macht vielmehr Lelewel (111, 186) darauf aufmerksam, dass wir von diesem Erzbischofe nur Mtinzen mit Konrad’s 11. Namen, nicht auch mit dem seines Nachfolgers Heinrich 111. haben, daes er also mit des Letzteren Thronbesteigung sich unabhängig gemacht zu haben scheine. Cappe leugnet zwar (S. 57) Lelewel’s thatsächliche Voraussetzung; mit welcher erstaunlichen Leichtfertigkeit aber, kann mall daraus abnehmen, dass er selbst keine einzige mit Heinrich’s Namen anführt. Warum aber hat er dies unterlassen, wenn er sie doch kannte? warum hat er 22 meist nur unwesentlich abweichende Münzen dieses Erzbischofes beschrieben, und gerade diese nibht, welche doch so wichtig wäre? Taf. XVII, im Felde ABCEPS. Rf. S6A COLONIA dieselbe Säulenkirche. - M. S. 1 ,U Gr. Cappe VI, 93. Dieser Denar ist viel seltener als die anderen.
388. 388) + HERIMANNVS, 389. 389) t HEREMA(N) NVS R tS Brustbild mit Stab und Buch 1). Bf. t COLONIA VRBS Gebäude. K. M. 1,0s Gr.

.

Taf. XVII,

Cappe VIII, 122. Bisher hat man diese Münze Hermann 111. zugetheilt, das ist jedoch unrichtig, Andenn sic ka,m im Valloe-Funde vor, dessen jüngste Münze dem Ungarnkönige dreas (+ 1061) gehört 2), und der nach Thomsen sogar spätestens 1047 vergraben ist, da Denare von Magnus des Guten bk 1047) Nachfolger fehlen. - Tm R,eichel’sehen Kataloge (Nr. 2609, Cappe 349) wird ein solcher Denar mit EPS aufgefiihrt. Ob das nicht verlesen ist, statt des auf obigem Stücke deutlichen R t S (RPS) (? Andere Gepräge Hermann’s s. unter Xanten (Nr. 308 - 310). Anno (der Heilige) (1056-1075). 390. 390) t HEINRICVS IMPEP AVG Kreuz mit einer Kugel an jedem Ende und ANNO in den Winkeln. RJ SCA COLONIA CIVIT Kirche mit AGRI-PINA. Cappe VI, 94. 390 a) Ebenso, aber die Inschrift der x/‘. riickläufig. Taf. XVII, 391. 391) t HENRICVS
Bf. IME SGA COLONIA

Taf. XVII,

-

K. M. 1,6i Gr.

vIG dasselbe Kreuz mit ANNS. CIBI f” un f sau .. 1’ lge Kirche, beiderseits ein

Ringel.

-

K. M. 0,94 Gr.
INER AVG.

Cappe VI, 95 (nur $J.).
7iy’. SICA COLONIAQCIBI,

392) t HENRICVS

sonst ebenso. Obol. - MBm. St. Pkt. IV, S. 49 und Nr. 260. Köhne glaubt diese Münze, welche als einziger erzbischöflicher Oho1 sehr bemerkenswerth, leider aber nicht abgebildet ist, noch unter Heinrich 111. geschlagen, weil zur Zeit vor Heinrich’s IV. Kaiserkrönung (1084) bereits das spätere Gepräge mit dem Bilde des Erzbischofes üblich gewesen. Dies ist schief ausgedrückt und
1) Dies Buch verwandelt Merle (S. 2i Nr. 8) wohl wegen der Buckeln in ein Diplom mit Siegeln. 2) Nach gefälliger Mittheilung des Hrn. Justizraths Herbst zu Kopenhagen. - S. übrigens die Fundbeschreibung Nr. 24 8. 52.

Hermann

II.,

Anno.

169

unrichtig ; man muss vielmehr sagen, die Mtinze kann nicht unter Heinrich IV. als Kaiser geschlagen sein, denn damals war Anno langst todt, er starb bekanntlich 1055, nicht erst 1087, wie Köhne, wohl nur in Folge eines Schreibfehlers, angiebt. Also kann der Henricus imper. nur der dritte sein. Ob aber diese Münze sowie die beiden vorhergehenden und die nächstfolgende, von denen dasselbe gilt, alle in den sieben Monaten vom 3. März bis 5. October 1056 geschlagen worden, in denen Anno mit Kaiser Heinrich 111. geherrscht hat? Oder ob nicht das Heinricus imp. auch in der ersten Zeit Heinrich’s IV. beilschalten wurde I ähnlich wie unter Siegfried von Mainz (Nr. 808-810), zumal da Heinrich IV. bekanntlich als Kind auf den Thron gelangte? 393) t HENRICVS REX dasselbe Kreuz mit ANNO in den Winkeln. Rf. S4A COLONIA fiinfsäulige Kirche. Milem. St. Pet. IV, S. 49, Nr. 263. 394. 394) (Sanc)TA OLON(ia) das gleiche Kreuz mit ANNS. II?J SCACOL t AG in drei Zeilen. Cappe VI, 96. Lelewel 111, 187. Dieselbe &??: wie auf dem anonymen Kölner mit S. Simon und Judas (Nr. 375) und auf Denaren von Remagen (Nr. 430 und 431). Von nun ab verschwindet, wie schon längst des Kaisers Bild, so auch sein Name für immer l) von den Kölnischen Münzen. Taf. XVII, 395. 395) t Sf-T PETRVS ATES 2) Kopf mit Tonsur, auf jeder Seite ein Ringel. $f. SANCTA COLONIA dasselbe Kreuz mit ANNO. - K. M. O,i2 Gr. Gappe VI, 98. Cappe zählt (259-2G2) Verschiedenheiten mit entstellter Inschrift der Hf. Taf. XVII,

auf: a) S£I PSRVS AP. S, U) SCI PSTRVS ATES, c) GENSTEVS . ATES (s. Merle, S. 31, Nr. 3, Lelewel 111, 187), d) GENSTCOMES. Dass sie alle nur Entartungen des an die Spitze gestellten Denars mit t SET PETRVS ATES sind, liegt auf der Hand. Mader glaubt (11. S. 106) das ATE hinter dem Namen des Apostelfürsten »a Te Q deuten zu diirfen, richtiger aber wohl sieht Cappc in dem entsprechenden ARES nichts als apostolus. Die einfachste Erklärung ist immer die wahrscheinlichste, die Verwechselung von P mit R und 0 mit E nicht befremdend, Schlimmeres bitten ja die cbcngedachten Abarten, und Nr. 395 ist gewiss auch noch nicht das beste überhaupt geprägte Urstück. Taf. XVII, 396. 396) tANN0
LONIA ARGHIEBS seinBrustbildmitKrummstab. Rf. tC0 (VR)PS Kirche von einer Mauer umschlossen. .

Gr. Ksb. IX, Taf. 1, 6. Cappe VII, 103. Das (ur)BS, das der Verfasser des Groschenkabinets zu ARBS ergänzt, ist schwerlich richtig gelesen, es wird (ur)PS oder (ur)BS, wie auf Nr. 389 heissen. 397) tANN0 . . . dasselbe Brustbild. OLO N I (riickläufig) , zweithürmige Kirche Portale.
AR..

(San) CTA mit fünfsäuligem
RJ

1) Die vom Erzbischof Adolf mit Ottos IV. Namen (Gr. Kab. IX, Taf. XV, 129, Cappe 484) sind doch gewiss unächt. 2) Die Abbildung hat das Cappesche ARES und COLONA.

170

Rheinlande.

Köln.

Nur Cappe (VII, 104) hat diese Munze, an der bei dem durchgängigen Wechsel der Kirchengebaude auffillig ist, dass es in ganz derselben Form noch unter Anno’s Nachfolger Siegwin (Nr. 405) erscheint. Das allein schon verdächtigt Cappe’s Lesung, mehr noch der Umstand, dass er ganz dieselbe Münze, anscheinend - nach der Schriftlucke zu urthcilen - sogar dasselbe Exemplar (VIII, 131) mit der Inschrift BRVNOARE. . . . . bringt; für Bruno 11. ist sie entschieden zu alt, man könnte daher glauben, dass statt BRV zu lesen sei AN. Diese Thatsache, dass Cappe dieselbe Münze ohne jedes Bedenken unter zwei Herren aufführte, giebt der Annahme Raum, dass auf ihr in der That weder Anno noch Bruno, sondern etwas ganz Anderes, dass vielmehr Siegwin darauf gestanden, indess wäre ANNO immer möglich, BRVNO hingegen entschieden nicht. Taf. XVII,
398. 398) +ANNO ARCHIEPC sein ßrustbild mit Stab und Kreuz. R! + IMAGO (f) CGLONI(e) dreithurmige Kirche, von einer Mauer eingeschlossen, im Vorhofe PETR. -K. M. 1) 2:) Gr.

1,41 Gr. 1,5 Gr. M. S. 1,48 Gr. Cappe VII, 101. Vorliegendes Exemplar hat nicht den Stern über der linken Schulter, wie das Cappe’sche. Wenn aber Cappe COLONIA: liest, so ist das doch sehr unwahrscheinlich, gewiss zeigte die Münze statt A: ein einfaches E. Taf. XVII, 399. 399) tANNO-71R(C) Brustbild mit Bischofsstab. dreithürmige Kirche in einer Mauer. - M. S. 1,25 Gr., 1,52 Gr., 1,52 Gr. hat durchgängig Punkte als Worttrennungszeichen, also
Rf. t IMAG(0) Rf. t*IMAGO*f.COLONI~* HIEPC sein S.COL(ONIE)

Ein

Exemplar

t.A(NNO*ARC)HIEPS*

400) tANN0 ARCHIEPC sein Brustbild mit Stab und Buch. Rf. t IMAGO f COLONIE das Brustbild des Apostels Petrus in einem Portale, über dem PET-RVS. Mem. St. Pkt. IV, S. 40, Nr. 263.

Den Denar mit der Hand und angeblichem Hiltolf Taf.XVII,
401. 401)

Dei manus s. Nr. 411.

(1076--1079).

ARCHIEPS Brustbild mit Stab und KreuzRf. t SANCTA COLONIA dreiehen auf einer Kugel. thurmige Kirche in einer Mauer. - M. S. 1,s: Gr., 3,s~ Gr. Lelewel 111, 239. Die Bekanntmachung dieser sehr seltenen Mlinze verdanken wir Lelewel, der ein vollkommen erhaltenes Exemplar abbildet. Cappe bringt (Taf. VII, 105) ein und einem Gebäude von etwas minder gut erhaltenes Exemplar mit . . . TOLIFVS abweichender Zeichnung. Meine beiden Exemplare zeigen, das eine in IJebereinStimmung mit Lelewel t HILTOLFVS ARCHJIPS?). Rf. SA;NC)TA COLONIA, Rf. t (SAN)CTA COLONIA, also alle das andere t HILTO(LFVS) ARCHIEPS. im Wesentlichen gleich. t HILTOLFVS

Taf. XVII,

402. 402) t HILDELI . . . . BC Brustbild mit Stab linkshin. Rf. t IMA . . . OLOhE Brustbild des Apostels in einem Portale, Ubcr dem PET-RV . Cappe VII, 106.

Anno,

IIiltolf,

Siegwin.

171

Cappe wird hier durch Merle unterstützt, der (S. 35, Nr. 1) offenbar dasselbe Exemplar, mit halbabgebrochenem Rande ‘) ebenso beschreibt, nur statt des in der Zeichnung schwach sichtbaren Schluss-E der Bf. I liest. Auffallend ist indessen die sehr abweichende Schreibung des Namens und das Profilbild, das erst unter Hermann 111. wieder auftritt. Dieselbe RJ haben wir aber bei Anno (Nr. 400) gefunden und finden sie auch bei seinem Nachfolger Siegwin (Nr. 404) ; so dass in dieser Hinsicht allerdings nichts zu erinnern wlre. Zu streichen ist dagegen Cappe VII, 107 (Nr. 282 des Textes); hier hat Cappe wie so häufig dem Verlangen nachgegeben, schlechterhaltene gewöhnliche Münzen in seltene umzutaufen. Dieser Typus f%rgt erst unter Friedrich 1. sich zu bilden an, kommt aber in dieser ausgebildeten Form erst unter Bruno 11. (1131 - 37) vor. Die wenigen Schriftspuren des stark beschnittenen Exemplars haben Ca.ppe, der oft viel gröberen Täuschungen unterlegen ist, den Bruno in einen Hiltolf zu verwandeln bewogen. Es bleiben noch zu erwähnen eine gewaltige Anzahl sehr häufiger Münzen mit dem Erzbischof, sitzend oder im Brustbilde, welche sämmtlich vor dem Titel APC die Buchstaben HIT zeigen. Diese sind im Gr. Kabinet unserem Hiltolf zugeschrieben, und dies von Allen, sogar Mader (1, 157) und Lelewel (111, 188) nachgesprochen worden, obwohl doch das Gepräge sie auf das Bestimmteste in die zweite Hälfte des XII. Jahrhunderts verweist, und sie nicht das Geringste weder mit Annos noch mit Siegwins Münzen gemein haben. Köhne hat dies zuerst (Reiche1 IV, S. 447, Nr. 2601) ausgesprochen‘+. Diese Münzen a.lso, von Cappe Nr. 283-330 beschrieben, fallen selbstredend hier aus. Dasselbe gilt von dem Denare mit sitzendem Kaiser (Cappe K: M. 1, Taf. X, 152), den Merle S. 48 in die Sedisvakanz von 1079 setzt. Siegwin Taf.XVII, 403.
403j <nlCEVINO

(1079-1089). (rückläufig) 2
OLONI. A -

Kreuz

mit

einer Kugel

in jedem

Winkel.

Rf.

M. S. ~,OOGr.

Vossberg, Preuss. Münzgesch. S. 65. Cappe VII, 116. Diese Münze, eine Nachahmung der damals noch viel umlaufenden Ottonen, ist dem Anschein nach von geringhaltigem Silber. Brustbild mit Krummstab und Buch. f COLONIE Brustbild St. Petri unter einem Portale, über welchem PET-RVS. -- K. M. 1,37 Gr. M. S. 1,~ Gr. Merle S. 48, Nr. 1. Cappe VII, 117. Dasselbe Gepräge der Rf. wie unter Biltolf (402) und wohl auch schon unter Anno (Nr. 400).
f?J. t IMAGO

Taf. XVII,

404.

40‘1) +SIGCVVINVS

Taf. XVII,

405.. 405) t SIGEVVINVS

mit Stab und Buch. Rf. t (S)ANCTA COLONA zweithürmige Kirche mit säuligem Portale. - K. M. 1,49 Gr., 1,~ Gr. Wegen der RJ s. oben Anno Nr. 397.

Brustbild

ftinf-

1) Cappe hat (durch Weidhas) Merles Sammlung gekauft. 2) S. auch Münast. 111, S. 265, Berl. Bl. 111, S. 52 Anmerkung.

172

R,heinlande.

KUln.

405 a) Aehnlich, aber nur t . . . . VINIV lesbar, das Brustbild mit schrä.gem Stabe und ohne Buch. RJ Ebenso, aber unter der Kirche Ranken-artige Verzierungen. - K. M. 1.,49 Gr. Die Verzierung unter der Kirche soll vielleicht, ähnlich wie auf dem Coblenzer Denare des Erzbischofs Eberhard (Nr. 455), die Wellen des Rheines andeuten. Taf. XVII,#)ci.
ACH12 (rückläufig) Brustbild mit Stah und it IMA) GO f COL01 . . dieselbe Kirche. Cappe VTTI, 119. -107. 407) t SIGEVVIN’ ARCEBS Brustbild mit Bischofsstab. f2f. StAINCTA COLONA dreithiirmige Kirche. - K. M. 406) tSl3WIMVS Kreuz. Rf.

Taf. XVII,

I,IZ Gr.
408) tSEI....

Merle S. 40, Nr. 3, Cappe VIII,

118.

HIEPBrusthild mitStab. Rf. . . . CTA COLONIA Kirche ganz wie auf Hermanns 111. Nr. 412. Gr. Kah. IX, Taf. 11, 11. Bei der Unvollständigkeit des Namens wären Zweifel erlaubt, wenn nicht die Abbildungen im Groschenkabinette sich durchgängig als treu erwiesen. Brustbild mit Stab und Buch unter welcher EIVS. RJ IMAGO f Kirche) von einer Mauer umgeben. M. S. 3,~ Gr. K. M. 1,~s Gr. Merle (S. 19, Nr. 2) und Cappc (Nr. 335 ), der ihn abschreibt, sprechen von einer dreithürmigen Kirche. Das macht die Identität mit unserer Münze, die in allen übrigen wesentlichen Stiicken besteht, jedoch nicht zweifelhaft; da in der That neben dem Portale zwei wenn auch sehr schlanke Thürme aufsteigen; dass bei beiden Schriftstellern EIVS jd. h. PIVS\ in Ill verderbt ist, betrachte ich als unwesentlich.
ARCHIEP ühw einer COLONIE
Leiste,

Taf.XVII,409.

409) t SIGEVVINVS

Taf. XVTI, 410. 410) Dieselbe ITJ,
DOVVICVS

jedoch mit ARCHIC und PIVS. IMP Kreuz mit vier Kugeln.

Rf.

t HIV

M&m. St. Pkt. 111, Taf. XI, 2. 410~) Ebenso, jedoch mit rückläufigem (LVD)OVVICVS IM.. . Thomsen 5613. 411)(7>)Ebenso, doch hält der Erzbischof ein Kreuz statt des Stabes. Rf. Ebenso, aber t HIVDOVVICS IMP. Mem. St. P&. IV, S. 50, Nr. 265. Nach der Abbildung ist Reiche1 IV, 2604 und Cappe Nr. 341 1) zu herichtigen : die Umschrift lautet nicht ARCHIEPC. Dass beide Denare hierher gehören, woran Cappe, er sagt nicht weshalb, zweifelt, das beweist schlagend die Gleichheit ihrer Rf. mit der vorhergehenden Nr. 409. Dagegen zwingt der Kaisername der RJ. noch nicht, wie Köhne (a. a. 0. S. 50) meint, sie in die Zeit des Gegenkönigs Rudolf v. Schwaben (-1 15/10 1080) zu setzen, sie scheinen eher die jtingsten als die ältesten Gepräge zu sein, da das Brustbild über einer Leiste und PIVS sich wohl noch später bis tief in das folgende Jahrhundert hinein, nicht aber früher findet. Auch die zu Nr. 2605 Reiche1 IV,
1) Höchst ergiitzlich und Rf. der vorstehenden ist Cappes Beschreibung bei Nr. 342, welche wörtlich lautet: ähnlichu! Und da ist keineswegs eine AbbildGg beigefügt. ~342 UJ.

ausgesprochene Vermuthung, dass das Erzstift vielleicht von Ludwig dem Frommen das Miinzrecht erhalten habe und ihn deshalb mit diesen Münzen habe ehren wollen, so ansprechend sie auch vielleicht auf den ersten Blick erscheint, freilich mit der Massgabe, dass nicht die wirkliche, wohl aber die vorgebliche Münzberechtigung so hoch hinaufreichen mag, dürfte dennoch bei näherer Prtifung nicht bestehen, da doch ein gleicher oder ähnlicher Grund für dieselbe Erscheinung bei dem Dortmunder Denare aus etwa derselben Zeit mit gleichem Kaisernamen nicht geltend gemacht werden kann. Eine befriedigende Erklärung Weiss auch ich nicht zu geben, und will nur darauf hindeuten, dass der nemliche Kaiser auch in Esslingen, und, sehr entstellt freilich, in Brüssel sowie (korrekt geschrieben) auf einem unbestimmten Niederlander (Nr. 1197j erscheint. Graf von Nordheim (1089-1099). Taf.XVIII,413. 411) H3RIMANNVS Hand mit Kreuzstab, im Felde 4 Ringel. Rj: . . . INRICIVS NE Kreuz mit ANNO in den Winkeln. Univers. Kab. zu Leipzig. - Aehnlich K. M. 0,81 Gr. Mader I? 83. Merle S. 35, Nr. 15. Aehnlich Cappe VI, 97. Hartzheim eignet diese Münze dem älteren Hermann (11.) zu, und meinte, er habe sie bei herannahendem Tode prägen lassen, weil er Anno als seinen von Gott bestimmten Nachfolger im Geiste vorhergesehen habe. Diese Erklärung verwirft Mader mit Recht als abgeschmackt, und, indem er statt Herimannus vielmehr Dei mannus liest, die Umschrift also auf das Gepräge bezieht, setzt er sie unter Anno. Das hat sehr viel Ansprechendes, und so lange ich nur Maders Exemplar, und das des hiesigen K. Museums kannte, zweifelte ich nicht an der Richtigkeit dieser Deutung. Das Leipziger Exemplar hat mich aber eines Besseren belehrt, und so viel Bedenken auch das Gewicht und der alte Typus crrcgen, so bleibt doch nichts übrig als das deutliche H 3 RI MAN N VS auf unsern Hermann zu beziehen, dessen Stempelschneider also ein altes Gepräge des berühmten Anno nun belebt hat, ähnlich wie dies unter Siegfried von Mainz (Nr. 8O8-810) und Egbert 1. von Friesland (Nr. 510 und 511) geschehen ist. 412. 412) t i-EREMANN9 ARCHEP Brustbild mit Krummstab undBuch. Rf. t Al N (CTA) COLONAS dreithürmige Kirche in einer Mauer, ganz wiesiegwin Nr. 408. M. S. 1,4 Gr., 1,4Gr., 1,sGr. Cappe VIII, 123. Aehnlich (SANCTA COLONIA) Gr. Kab. IX, Taf. 11, 12. Taf.XVIII, 413. 413) t HEREMAN. . . . C Brustbild mit Stab und Buch. Bf. tSANCTA OL.. . drcithürmigc Kirche in einer Mauer. Cappe VIII, 121. 43 3 a) Aehnlich mit AINCTA OLONS . (Staniolabdruck.) mit Krummstab. xf. t . . . . Taf. XVIII;114. 414) -fl-ER.. IM.. . IEPS Brustbild ONAS Hand zwischen zwei Thürmen, über einer Mauer. Münzstud. VH, Taf. 1, 2. Taf.XVIII, ~115. 415) . . . . . MAN9A.. . . Brustbild mit erhobener Rechten und Buch, linkshin. Rf. . . NCTACO _. . in einer Mauer ein Portal (Staniolmit drei Thiirmen, in welchem eine Hand erscheint. abdruck). Cappe VIII, 120. Merle S. 51, Nr. 1. Taf. XVIII, Hermann III.,

174

Rheinlande.

Köln.

Stab und Buch, linkshin. eines Heiligen unter drei von einer Mauer eingeschlossenen Thürmen. Thomsen 5615. Der Denar, den Merle S. 27, Nr. 8 richtig unter Hermann 11. beschreibt, Cappe aber (Nr. 355) unter diesem Erzbischof auffuhrt, ist wohl sicher mit Hermanns 11. oben S. IG8 beschriebenen Nr. 389 identisch.
IA Brustbild

Taf. XVHI,

415~~. 415~ 1) IREAI . . . . . Brustbild RJ +Al (C)T(AC)O(LON)

mit

Taf. XVIII,

von Frinul (1099-1133). 416. 416) tFRI (DER) ICVSA. C über einer Leiste Brustbild mit Stab und Buch. Rf. t SA(N)C(T)A COLON (IA) dreithiirmige Kirche, von einer Mauer umschlossen., in deren Thore eine Hand. - Mader 1, 86, Merle 8. 55, Nr. 2, Cappe Nr. 369. 417. 417) Ebenso,
COLON

Friedrich

I., Markgraf

Taf. XVIII,

aber tFRIDER(ICV)S ahnliehe Kirche, M. S. 1,44 Gr.
IA, . . . . . COLONRS.

A*En

Rf.

t SA(NCT)A

jedoch

ohne die

Hand.

-

417 a) Aehnlich,
RJ

aber ohne die Leiste, und mit FR. . E * ICV *S EBC

Gr. Kab. X, Taf. 11, 13. Merle S. 58, Nr. 11. Cappe 361. Taf. XVIII, 428. 418) Aehnlich: aber nw t FRIDE . . . . sichtbar. R/. Ebenso, jedoch, t*lolo.... VM. - M. S. 3,~s Gr. Die theilweis verschnittene limschrift der Rf. ltisst leider nicht erkennen, ob wir es etwa mit einer ausserhalb Kölns geprägten Mtinze zu thun haben. Die Fabrik ist jedenfalls kölnisch und denen der übrigen Denare dieses Erzbischofs, namentlich auch des vorhergehenden, ganz gleich. 419) t FRI (DE) RIC9. . . , . C dasselbe Brustbild über einer Leiste, unter welcher IIVS. Rjl . . . (lmago S) COLON . . . dreithürmige Kirche, an deren Mauer zu beiden Seiten des Thores zwei Hände erscheinen. - K. Pvl. l,% Gr. Cappe VIII, 126. Merle S. 57, Nr. 7. RJ: t (1m)AGO f Taf.XVIII, 420. 420) tFRE(DE)RICG ARPC wie vorhin. COLONAI dieselbe Kirche, aber ohne die Hände. Cappe VIII, 127, Merle S. 58, Nr. 10. Taf. XVIII, 421. 421) t FRI cJE . . . . Brustbild mit segnender Rechten (?) und Stab, ? über jeder Schulter ein Stern. Rf. t IOHAN*ET (AoLVLI) die Brustbilder zweier Heiligen. Cappe VIII, 124. Ich besitze, aus dem Wiggertschen Nachlasse, Abdrücke zweier Exemplare dieser Munze , und eines von Cappe Nr. 359 (VIII, 125) , deren Originale in der Posernschen Sammlung sein sollen. Auf der Rf. des einen der ersteren ist nur t IOHANoET.. . . ., auf der des andern, sich genau anschliessend, . . . . . A j3) OVLVLI zu lesen. Nach demselben Exemplare scheint Cappe gearbeitet zu haben,
1) Hier bedeutet das der Zahl beigefügte cz keine Abart; musste eingefügt werden. die Münze war vergessen und

Taf. XVIII,419.

Friedrich I., Bruno II., Hugo.

175

da er das Gewicht nicht angiebt, er hat aber in gewohnter Weise beide Exemplare Doch mag zu Einem verschmolzen und zur Verdeutlichung noch ein P eingeschoben. der zweite Apostel wohl Paulus sein sollen. Jedenfalls ist die Münze wegen ihres Goslarischen Typus merkwürdig. Von Cappes VIII! 125 aber ist mir der kölnische Ursprung doch sehr bedenklich, und da überdies die Hf. nur wenige undeutliche Buchstabenrcstc zeigt, während das . . AVIOLV . . . . . allerdings an obiges . OVLVLI anklingt, so wird diese kurze Erwähnung bis zum Bekanntwerden eines vollkommneren Exemplars genügen. Von Caipes unter diesem Friedrich beschriebeneu Munzen sind übrigens Nr. 367 und 368 auszuscheiden. Erstere (VIII, 129) ist beschnitten, und lässt nicht, wie der Text angiebt, FRE, sondern höchstens TRO oder allenfalls FRC erkennen, gehört aber nach dem Gepräge in spatere Zeit; Cappe hat die wenigen Schriftreste dieses stark beschnittenen Denars mit gewohnter Kühnheit ergänzt. Aehnlich verhält es sich mit seiner Nr. 368 (Merle 8. 54, Nr. 1) mit der Inschrift t IHTRASV31 auf der Hf., denn sie trägt auf der Rf. dasselbe Gebäude wie Nr. 367, was aus der jedenfalls sehr iihnlichen, von Cappe unter Keinald (3159 - 67) gestellten Nr. 408 (Taf. IX, 141) ersichtlich wird. Bcstcnfalls ist dies Stück eine Nachmünze. Bruno H., Graf von Berg (1133-1137). 422. 422) tBRVNO*ARGEIB Brustbild mit Stab und Buch über einer Leiste, unter der PIVS. Xf. tSANCTA COLONIA dreithürmige Kirche. - M. S. 1,s~ Gr., 1,~s Gr., 1,~s Gr. K. M. 1,41 Gr., l,% Gr., 1,tC Gr. Cappe VIII, 130. Identisch scheint mir Gr. Kab. X, Taf. 11, 14, und der abgenutzte untere Theil der Münze wohl nur unrichtig ergänzt; sollte aber wirklich ein solcher Denar mit sitzendem Erzbischof existiren, so müsste er, troz der alten Form des Kirchengebäudes, Bruno TH. (1193 - 93) zugeschrieben werden, dessen Münzen zur Zeit noch fehlen. 423) t BRVNOAR.. . . Brustbild mit Stab. RJ (San) CTAO LON I (rückläufig) Kirche mit Säulenportal. Cappe VIII, 133, So deutlich auch nach Cappe das BRVNO auf dieser Mlinze ist, so verdient sie doch wenig Glauben, weil das Gebäude genau wie auf dem Siegwin Nr. 405 und 406 gestaltet ist, ja. nach Cappe schon unter Anno (s. dessen Nr. 397) auftritt. Die Münze ist hier entschieden zu streichen (vergl. Nr. 397). Cappe führt unter diesem Erzbischof auch den Coblenzer Bruno (Nr. 457) auf, der aber ganz unzweifelhaft dem gleichnamigen Erzbischofe von Trier angehört. Taf. XVIII, Hugo, Graf von Sponheim, 1137 (Mai bis 30. Junij.

Wenn dieser Erzbischof uns Münzen aus seiner so kurzen Herrschaftzeit hinterlassen hat, so sind es nicht die, welche Cappe ihm beilegt, denn Nr. 132, Taf. VIII, ist eine Nachmünze, auf der das angebliche H am Anfange der Inschrift die alleinige Stütze dieser Zutheilung bildet, und Nr. 133, Taf. VIII, liess, wie ich aus eigener Anschauung versichern kann, von dem Bischofsnamen keine Spur mehr erkennen, Cappe hat das HVG ganz einfach erfunden, weil er sich einbildete, es mtisse darauf stehen. Auch der erst unter Arnold 11. (1151-56) ,aufgekommene Typus des

176

Rheinlande.

Riiln

sitzenden Erzbischofs beweist dies zur Genüge. Die Wnze ist von Reinalcl (3159 - 67) und vollkommen identisch mit dessen Taf. IX, 343 dnrgestcllten Denare. Dagegen könnte folgender Deuar nach Umschrift, Styl und Geprlge allenfa.lls von ihm sein. 424. 424) t Hl0 . . . . . . Brustbild mit Stab und Buch, über einer Leiste. RJ. Sancta COLONA Kirche wie auf Friedrichs Nr. 417 und 418. - K. M. 3,s~ Gr. Auch sein Nachfolger Arnold 1. hält noch das alte Geprgge des Brustbildes, nur mit verändertem Kirchengebäude ! fest, unter dessen Nachfolger Arnold TI. (13 50- 56) aber tritt uns das neue Geprage mit sitzendem Erzbischofe und ausführlichen Umschriften in kleineren Buchstaben vollendet entgegen. Taf. XVIII,

Zum Schluss sind noch folgende Münzen zu erwähnen, welche Gappe ohne Besinnen Kaiser Friedrich 1. beilegt, die aber alter zu sein scheinen, und vielleicht dem gleichnamigen Erzbischof angehören. Sie haben sämmtlich ein gekröntes Brustbild, und auf der h!J’. eine Kirche, ahnlieh wie Friedrichs 1. Nr. 420, sind sämmtlieh etwas knapp ausgeprltgt oder beschnitten, und weichen nur in den wohl noch nicht genügend festgestellten Umschriften ab, die folgendermassen lauten :
a) tETEHLR.. U) FTED.. .GANRC. Rf. IIOGO f COLONA-E

Gr. Kab. X, Taf. 1, 10. . tll3Oti . . . Rf. (Imago) f COL.. . Cappe K. M. 1, Taf. IX, 140, Köln TV, 66. c) . . . . . . RICGKM . . . Rf. . . . .ONAIE. Cappe 1, Taf. XXI, 350. rZ) tFT.... ICWVPC. Rf. (Im)AGO f COLONIA. Götz 596. (Posern). e) . . . . ..RICGAIDID Grote Num. Anzeiger 1873, S. 91 litt. e. f) t ETEMEAICu (Grotej . Grote, Num. Anzeiger 1873, S. 91f. Wghrend also die Umschrift der Af. unzweifelhaft und iibcreinstimnmnd Imago Si. Colonie lautet (nach Brote auch bei e und f, die er nicht abschreibt), so weichen die der Hf. ab und sind für sinnlos zu erachten. Die Münzen an Kaiser Friedrich 1. zu geben, berechtigt nichts als die von Cappe gelesenen Inschriften, die wir aber nach unseren sonstigen Erfahrungen beziiglich seiner Glaubwürdigkeit für gefalscht halten müssen. Alle übrigen Merkmale sprechen gegen diesen Kaiser, namentlich das Imago S. Colonie, das nur von Anno bis Friedrich 1. (1056 - 1131) vorkommt, die Kirche, welche genau wie auf des letztgenannten Erzbischofs Nr. 420 ist, und das Brustbild, welches mit Arno& 1. Tode (1150) von den Kölner Münzen verschwindet. Es entsteht hiernach die Vermuthung, dass wir eine erzbischöfliche Münze mit Kaiserbild vor uns haben, allenfalls und spätestens aus Friedrichs T. erster Zeit, wofür ja Metz, Magdeburg, Lüneburg u. s. w. Analogien bieten.. Die Götz’sche Mtinze (596) scheint auch überdies den erzbischöflichen Titel zu enthalten.

Hugo.

-

Berg.

Adolf III.,

Adolf IV.

177

Berg,
Dies numismatisch wichtige Land, rings umschlossen vom kölnischen Gebiete, hat eine bedeutende Münzgeschichte, welche von Grote (Münzstud. VII, S. 1) trefflich bearbeitet ist. Seine ersten Gepräge lchncn sich an die kölnischcn an, und sind von (1093-1133). Taf. XVTTT, 425. 425) t71DOL.. . . . ONE Hand, neben welcher rechts ein Kreuzehen. Rf. IMA(go S. Col)ON IE Heiligenkopf im Portale, über welchem PETRVS. Brote 1,31 Gr. Mtinzstud. VII, Taf. 1, 1 a. 425a) +71D...... DE MONE Hand zwischen zwei Sternchen. RJ Ebenso, (1ma)GO f COLON (ie). Grote 1,JI Gr. 425b) Ebenso, aber (tAD)OLFV.. . . . . Rf. (IM)AG(O f COLO) NI(E) - v. Poscrn-Klett. Münzstud. VII, S. 5, Nr. 1 c. 425 c) Ebenso, aber t (1IDOLF)VS DE MONE. Rf. (1)MRGO f COLONI(e). - M. S. 3,~ Gr. Grote bemerkt a. a. 0 , dass die Hs. eine freie Nachbildung des Hermann 111. Nr. 434, die RJ aber eine getreue Kopie der Denare von Hiltolf Nr. 402 und Siegwin Nr. 404 ist. Die Münze scheint demnach auch in Adolfs frühere Zeit zu fallen. Graf Adolf IV. (1133 - 1160). 426. 426) tAD0 . . (CO) MES bischöfliches Brustbild mit Krummstab und Buch, über einer Leiste, unter welcher . IVI , über dem Buche ein Ringel. Rf. SANC.. . . . . Mauer mit Kuppelgebäude und zwei Thürmen, darunter Schnörkel. - M. S. 1,s~ Gr., Grote 1,GGr. Mtinzstud. VII, Taf. 1, 3.
l

Graf

Adolf

III.

Taf. XVIII,

427) . . . . HS*COME..

barhäuptig und bärtig, mit Palmenzweig und Reichsa.pfel (oder Kapelle ?) RJ ..NCTA.... die Kirche, wie auf voriger Mtiuze. - Grote 1,4o Gr. Münzstud. VJI, Taf. 1, 4a.
RJ. . . . . .A COLONIA. -

. der Graf in halber Figur,

427.a) Ebenso, aber . . . HSIS C.. .

Brote. Mlinzstud. VII, Taf. 1, 4b. Dass die erste Munze diesem Grafen gehört, ist ausser Zweifel, da sie sich lediglich durch die Umschrift der Bf. von denen seines Bruders Bruno 11. von Köln (1132-37) unterscheidet. Nicht so sicher ist die Herkunft der zweiten, gewiss nur, dass sie von einem Grafen ausgegangen ist, und wenn auch das . . . . HS *COMES des ersten von beiden Exemplaren die Ergänzung zu Adolp HS zulässt, so erregt doch das .._ . . HSIS des zweiten Stückes Bedenken und lässt eher eine Adjektiv-Endung annehmen. Man könnte dann etwa an Seinensis comcs denken (s. a. a. 0. S. 74 b). Jedenfalls scheint diese Münze etwas später als die erste, und fällt vielleicht schon nach 1137. Ihre Gleichheit mit dem Neusser Denare Nr. 328 ist schon oben hervorgehoben.
D iln nen berg, Deutschlands älteste Münzen.

12

178

Rheinlande. Bcmaacn.

Remagen.
Taf. XVIII,
428. 428) Otto 111. tO(tto imp)E Kaiserkopf linkshin. M (ago) Kreuz, in jedem Winkel Halbmond M. S. 1,12 Gr.

R/ (tRig)E und Kugel. -

Die Mnnze ist im Charakter der folgenden g%nzung der Buchstaben . . . ,EM., . . zu Rigemago Taf. XVIII, Taf. XVIII,

so ähnlich, dass ich eine Erwagen zu diirfen glaube.

&f. SCA-COLO-AG 429. 429) t RI (gema) GO Kreuz mit 4 Kugeln. in drei Zeilen. - Thomsen 6099, Berl. Bl. VI, S. 281, Nr. 2.

430. 430) 3) t RIGEMAGObärtigesBrustbilddesKaisers. Bf. t-SCA -COLOtAG im Felde. - M. S. 1,32 Gr., 1,4 Gr. Erbstein, Bruchst. 111, 9, Cappe, K. M. 11, Taf. XXIII, 259, Köln IV, 62, Götz 282. Taf. XVIII, 433. 431) 4) Ebenso, aber die Brustbilder der Apostel Simon und Judas an Stelle des kaiserlichen. - M. S. 1,~ Gr., 1,52 Gr. Mem. St. Pet. IV, S. 58, Nr. 277. Devegges Katalog 11, Taf. VII, 2087. Die letzte Münze ist ganz entstellt bei Cappe K. M. 11, Taf. XXIII, 260 und Köln IV, 63 abgebildet, er beschreibt (K. M. 11, Nr. 530) : ,lohne Zweifel zwei gekrönte Brustbilder gegen einander gekehrt, wenngleich nur eins sichtbar ist, zwischen denselben ein langer Kreuzstab.« Dem entspricht die Abbildung. Jedoch, wenn schon die Abbildung von Nr. 430 schlecht ausgefallen ist, so ist die der letzten (Nr. 431) über alle Begriffe jammerlieh gerathen, weil, wie man deutlich sieht, der Kupferstecher genöthigt gewesen ist, nach Cappes Angabe zu zeichnen, was er selbst durchaus nicht erkennen konnte. Die sich anblickenden Brustbilder beruhen hiernach sicher auf Täuschung, die a,ber um so schwerer zu entschuldigen ist, als Cappe bereits die richtigen Beschreibungen dieser Münze aus Reiche1 (IV, 3146) in seine Kaisermünzen (1, Nr. 584) aufgenommen hatte, und als er ferner seine obige Beschreibung seines eigenen Exemplars, welche doch der Unsicherheit seiner Anschauung Ausdruck gab, bei der Wiederholung in seinen Kölner Münzen, mit Unterdrückung der den Zweifel andeutenden Worte kurzweg wie folgt gefasst hat: »171. Zwei Brustbilder neben einander«, während es sich doch nach der Abbildung um ganz dasselbe Exemplar handelt, nur dass hier der Kreuzstab weggelassen ist. Selbstredend kann man die Brustbilder nicht für die Heinrichs IV. und seines Sohnes halten, wie Cappe thut, vielmehr werden sie die Goslarischen Heiligen, Simon und Judas darstellen, welche ganz ebenso, und auch nicht immer mit Heiligenschein, auf Goslarischen Münzen, und ferner ganz ebenso auf einer kölnischen Münze (Nr. 375) erscheinen, wo sie durch die Umschrift S. Simon SS. Judas anstatt Rigemago als solche bezeichnet sind. Zu verbessern ist übrigens die Lesung RIGIMAGO bei Reiche1 (IV, 3146, 3437) und in den Mem. St. .Pet. IV, S. 58, Nr. 277, 278, denn alle mir je vorgekommenen Exemplare (über ein Dutzend) haben in Uebereinstimmung mit Götz, Erbstein und Devegge, RIGEMAGO. Bei den Römern hiess der Ort bekanntlich Rigomago. Er scheint damals kaiserlich gewesen zu sein, im Jahre 1348 wenigstens verpfändete ihn Karl IV. an Wilhelm VI., Grafen von Jiilich.

Otto 111. -

Eil.

-

Andcrn,zch. Otto 111.

179 .

Eil. ?
Taf. XIX, 432. 432) HEODERICVZ DVX belorbeertes, bgrtiges Brustbild linkshin. Bf. auf einem breiten gcperlten Kreuze EIL CIV und SIGIBOD. - M. S. K. M. 3,06Gr. 1,43Gr. 1,61Gr. Köhne 111, Taf. V, Nr. 10. Köhne, der allein sich mit dieser Munze beschäftigt hat, bemerkt über sie (S. 142 Q. a. 0.) das EIL CIV auf der &!J: sei wohl nicht das Eilich, heutige Eylen bei Zülpich, denn dieses habe zu Oberlothringen gehört. Das ist zunächst insofern nicht recht verständlich, als Theodorich ja gerade Herzog von Oberlothringen war. Aber, wenn man auch Niederlothringen liest, so bleibt doch immer das Ei1 problematisch, denn das angebliche Eylen bei Zülpich vermag ich ,nicht zu finden; gemeint ist wohl jenes Eyl in Amte Rheinberg, das Büsching (Erdbesehr. 111. Th., Bd. 1, S. 1192) als einen Rittersitz des Freiherrn von Eerde erwähnt. Erinnert sei auch Eilba an der unteren Mosel (Foerstemann 11, 514). Ich Weiss dies EIL nicht zu bestimmen, und will nur auf die viereckige Form hinweisen, welche ebenso wie ihre Fabrik überhaupt diese Münze zu der Kölner Nr. 34ti von Heinrich 11. in nahe Beziehung setzt.

Andernach,
das römische Antunnacum, Antonacum hat nur eine kurze Zeit, aber da auch sehr t1rätig, das Münzen betrieben. Diese Gepräge beschränken sich auf eine Dauer von höchstens 30 Jahren, und rühren von Otto 111. und Konrad H., von Herzog Dietrich von Oberlothringen und Erzbischof Piligrim her. Andernach soll eigentlich zu Niederlothringen gehört haben, wenn CS auch hart an der Grenze von Oberlothringen lag; wie Dietrich dort hat prägen können, ist geschichtlich ebensowenig aufzuhellen, als der Ucbergang des Münzrechts an das Erzstift Köln. Doch ist die Sache vielleicht so zu denken, dass die Gepräge sämmtlich vom Erzbischof ausgegangen, die ältesten aber mit dem Namen des Kaisers und dem des Herzogs bezeichnet. a) Kaisermünzen. 0 tto 111. (983 - 1002, Kaiser seit 996). Stadtmauer, in Taf. XIX, 433. 433) t OTTO REX Kreuz. h!J. t ANDERNAKA welcher die Schleife (sog. gardischer Knoten). - K. M. 1,~s Gr., 3,31 Gr. M. S. 1,32 Gr. Köhne 111, Taf. V, 1. Cappe 1, Taf. XIII, 213. 433 a) Ebenso, aber (ohne t) OTTO REX, im ersten Winkel des Kreuzes die Schleife. - (Abdruck). Taf. XIX, 4336. 4336) Ebenso, aber die Schleife im zweiten Winkel, und nur . .TORE. Rf. . . . RNAKA. lesbar. - M. S. 3,24Gr. (desgl. t OTTO REX. Rf. ANDERN . . . - M. S. 1,:)~ Gr. Taf. XIX, 434. 434) t O&TT&O Kreuz. Rf. tANDERNKA Adler. M. S. 1,12Gr., 3,21 Gr. Kühne 111, Taf. V, 2. Münzen mit Königstitel können nur von Otto 1. oder 111. sein. Wenn ich mich gegen Köhne (111, S. 140) für Letzteren entscheide, so bestimmt mich dazu
12*

180

Rheinlande. Andernach.

das neuere Aussehen dieser Münzen und die Funde, von denen die älteren, vor Otto 111. vergrabenen, sie nicht enthalten, was freilich bei ihrer Seltenheit nicht von grossem Gewichte ist, namentlich aber leitet mich die vollständige Gleichheit der Mauer mit der auf der sogleich zu gedenkenden Herzogsmünze, ein Umstand, der uns verbietet, beide so ähnliche GeprLge durch einen griisseren Zwischenraum zu trennen. Sehr merkwürdig ist übrigens der Adler, der hier nicht der heraldische, sondern das aTte Symbol des durch Otto 111. namentlich wiedererweckten römischen Kaiserthums ist. Konrad 11. (3024-- 1039, Kaiser seit 1027). Taf. XIX, 435. 4353 t CHVONRAD(V)S IMP des Kaisers b%rtiges Brust,bild mit Reichsapfel und Scepter. Rf. ODI-NGI Kirchenportal mit einem Schr%gkreuze in demselben, über einem SäulenkapitUe. Kopenhagen. Fehlt auch hier eine lesbare Angabe der Prägstadt, so kann doch na.& der Darstellung der Bf.., welche so nur in Andernach und zwa,r unter Piligrim einheimisch ist, über sie kein Zweifel sein. Die Münze gehiirt zu den schönsten Erzeugnissen der Stempelschneidekunst jener Zeit, und f&llt bei der völlig klaren IuSchrift der HJ. die Unerklarbarkeit der Rf. um so mehr auf. Anderweitige Kaisermünzen von Andernach giebt es nicht, namentlich gehört die von Köhne (Zeitsehr. 111, H. 144, Reiche1 IV, 3095, 3096) hierher verlegte von Heinrich IT , dem Erzbischofe Poppo von Trier (s. Nr. 466). Noch irriger ist Leitzmanns Angabe (Wegweiser S. 167) , dass die Andernacher Kaisermlinzen bis Heinrich 111. reichen, und dass die Herzöge Hermann, Gozelo, Albert und Gotfried, sowie der Erzbischof Konrad, hier hätten prägen lassen; worauf diese Angaben beruhen, ist mir gänzlich unbekannt.

b) Herzogsmiinxen.
Herzog
43fi)

Theodorich

(984-3026).

t Tt-EODERICVS DVX zwei einander zugekehrte Brustbilder. RJ ANDER-NAKA auf einem punktirten Kreuze,

in dessen erstem und drittem Winkel die Schleife, im zweiten und vierten ein Blumeuzierrath. - M. S. 1,02 Gr. Köhne 111, S. 134, Nr. 6. 436a) Ebenso, aher nur . . . DERICV.. . . lesbar. Rf. die Arabeske im ersten und dritten, die Schleife im zweiten und vierten Winkel. - M. S. 1,44 Gr. Taf. XIX, 43i. 437) Wie Nr. 436 aber zwischen beiden Brustbildern ein Scepter. - K. M. 3,4~ Gr. Köhne 111, Taf. V, 7.

aber nur . . . . RICVS DVX lesbar. Rf. ANTONIAK(O?), auf einem punktirten, in jedem Winkel mit einer Arabeske verzierten Kreuze. - M. S. 3,1 Gr. Sandö-Fund 8. 13, Nr. 51. Taf. XIX, 439. 439) t NTDEPIO DVX, ebenso. Rf. ANDERNAKA auf einem punktirten, im ersten und dritten Winkel mit der Schleife, im zweiten und vierten mit der Arabeske geschmiickten Kreuze. M. S. 1,08 Gr.

Taf. XIX, 438. 438) Ebenso,

*

Konrad

II.,

Herzog Thcodorich.

381

439 CJ) Ebenso, aber die Blume im ersten und dritten, die Schleife im zweiten und vierten Winkel. - K. M. 1 Gr. M. S. 1,21 Gr. Köhne 111, Taf. V, 8. 440. 440) Wie 439, jedoch ein Kreuzstab statt des Scepters. Kopenhagen. 440~) Ebenso, jedoch die Blume im ersten und dritten, dio Schleift im zweiten und vierten Winkel. - M. S. 0,es Gr. Taf. XIX, 441. 441) +THEODERICVS DVX belorbcerter bartiger Kopf linkshin. BJ ANDERNAKA auf einem Perlenkreuze (mit leeren Winkeln). Köhne 111, Taf. V, 5, Bl. f. Münzkd. III, Taf. IV, 33. Taf. XIX, 442. 442) TFEODERICVS DVX bärtigerKopf linkshin.’ Bf. tANDER NAEN Stadtmauer mit der Schleife! wie auf den Ottonen. - M. S. 1,31 Gr. Berl. Bl. VI, S. 244, Nr. 3. bärtiger Kaiserkopf linkshin. in zwei Zeilen, oben und unten eine Lilie. - M. 8. 1,~s Gr. Köhne 111, Taf. V, 9. Diese Münzen sind so schön und ihre Umschriften so verstandlich, dass sie fast nirhts zu wiinschen übrig lassen, denn auch das etwas entstellte NTDEPIO statt HTDERIC oder THEODERIC ist noch deutlich genug. Dies NTDEPIO, das ganz gleichlautend auf den verschiedensten Stempeln wiederkehrt, ist übrigens lehrreich, denn es beweist, wie auch geübte Stempelschneider, die aber doch nur schlechte Schreibmeister waren, dieselben entstellten Inschriften mechanisch wiedergaben und immer wieder mit denselben Fehlern abschrieben. Nur über Einen Punkt lassen uns alle diese Münzen im Unklaren, nemlich iiber die Bedeutung des zweiten Kopfes auf Nr. 436-430. Thomscn (Köhne 111, S. 131) lässt es dahingestellt, ob beide Herzöge, der von Ober- und der von Niederlothringen dargestellt seien, oder neben Theodorich sein Bruder Adalbero 11. von Metz, bemerkt jedoch, dass nirgends eine Spur vonTonsur zu sehen sei, dazu wenigstens auf Nr. 436 das eine Brustbild bärtig und belorbeert, das andere jünger erscheine, daher er sich zu der Meinung neige, dass wir hier Theodorich mit seinem Sohne und Nachfolger Friedrich zu erkennen hätten. Den Gedanken an Theodorichs Mutter und Vormünderin Beatrix halt er durch Nr. 337 für ausgeschlossen, welche beide Brustbilder bärtig zeige. Köhne (III, S. 142) stimmt fiir den Herzog und den Archidux Bruno, Erzbischof von Köln, wogegen jedoch zu erinnern, dass Letzterer längst gestorben war (965) , ehe Theodorich zur Herrschaft gelangte. Ich meinerscits möchte zu erwagcn gcbcn, ob man nicht etwa an den Kaiser neben dem Herzoge denken dürfte, denn auf Nr. 443 ist entschieden der Kaiser vorgestellt, den wir doch wohl auch in dem belorbeerten Kopfe auf Nr. 436 und 441 zu erkennen haben; nur wäre dies Vorkommen des ersten Reichsbeamten neben dem Kaiser freilieh, aber weniger befremdend, wenn wir uns erinnern, dass in der Brakteatenzeit nicht selten Bischöfe und Aebte neben dem Kaiser erscheinen, ubrigens auch auf alemanischen Herzogsmünzen beider Namen neben einander stehen. An Typen-Naehahmung, welche manches an sich nicht zu deutende Gepräge erklären hilft, ist im vorliegenden Falle nicht zu denken.
443. 443) + NTDEPIO DVX .RJ. t ANDE-RNARA

Taf. XIX,

Taf. XIX,

182

Rhcinlande.

Andernach.

Anzuschliessen

ist hier noch folgender Denar von weniger sicherer Herkunft. . . . . Brustbild linkshin. R’.
COL 8 N (in) A

Taf. XIX, 444. 444) + THEODERIC - Dr. Grote.

Ob hier ein oder zwei Brustbilder vorhanden, ist bei der starken Abnutzung dieser Miinze fraglich,, wahrscheinlich ist mir aber, dass sie nur Ein, wenn auch ziemlich kleines Brustbild, vielleicht mit einem’ Stabe oder Scepter davor gezeigt hat. dass sie in Köln nicht zu suchen ist, möchte Zweifelhaft ist auch die Prägstätte; schon die Fabrik darthun, welche von der kölnischen sehr abweicht. Weniger entscheidend ist wohl, dass Köln in Niederlothringen belegen war, denn auch von Andernach gilt ja das Gleiche. Die Miinzen ergänzen und berichtigen gar oft unsere ftir diese Zeit namentlich so dürftigen Ueberlieferungen. Wahrscheinlich ist es wohl, dass das Kölner Monogramm hier, wie so häufig, nicht die Prägstätte anzeigt, sondern nur Nachahmung ist (s. S. 38) und dass die Münze in Andernach oder doch in der Nähe geschlagen ist. Noch ist der Denar Bl. f. Münzkd. 111, Taf. IV, 78 zu erwähnen, mit dem gewöhnlichen Gepräge der zwei Brustbilder Rf. Kreuz mit vier Kugeln; die Inschriften sind aber bis auf . . . . CV.. . . auf der Rf. erloschen. Ausserdem hat Theodorich, abgesehen von der bereits erwähnten EIL Cl V auch in St. Die geprlgt (s. Nr. 1 und 2). Von anderen Herzögen besitzen wir aber keine Andernacher Gepräge, und gchören insbesondere die HEREMON Denare mit AHNTHON, die man hierher verwiesen hat, nebst den dazu gehörigen ODDO DVX Münzen nach Sachsen.

c) Ohne Regenten-Namen.
Kreuz. Rf. END-EOI Kirchenportal mit einem Kreuze darin. - M. S. 1,26 Gr. Köhne 111, Taf. V, 4. Nicht weil diese Münze möglicherweise chronologisch ihren Platz zwischen den Herzogsmünzen und denen mit erzbischöflichem Namen hat, was schwer zu entscheiden sein möchte, sondern wegen der Inschrift der Bf. habe ich ihr hier ihre Stätte angewiesen. Dies END -EO I , das auf den folgenden Denaren in wenig veränderter Form (ENDEOR, ENOEOR) wiederkehrt, würde man, da es auf letzteren da steht, wo sich sonst ANDERN findet, unbedenklich für eine blasse Entstellung l&,ztcrer Form halten können, unsere Münze aber macht eine solche Annahme wenigstens zweifelhaft, wenngleich ich die Möglichkeit, dass der Stempelschneider das ursprünglich den Stadtnamen andeutende, gewissermassen ZLI einem nothwendigen Thcile des Gepräges gewordene ENDEOR hier wiederholt habe, nicht geradezu leugnen möchte; der Utrechter Nr. 545 bietet eine Analogie hierfür. Die Bedeutung des ENDE01 LI. s. IV., wenn sich nicht etwa ein Münzmeister dahinter versteckt, bleibt im. anderen Falle noch zu entdecken.
145. 445) tANDERNAOA

Taf.XIX,

kl) Erzbischöf liehe Münzen.
Piligrim (3022? 1036). Alle seine Münzen - und von anderen Erzbischöfen sind keine bekannt haben im Wesentlichen glcicbes Gepräge: Bf. des Kaisers Namen und im Felde auf einem von vier Bogen gebildeten Kreuze den des Erzbischofs. Rf. Kirchen-

Herzog Theodorich.

Anonyme. Erzbischof Piligrim. blos die unterscheidenden
IMVS.

183

Portal. Es genügt daher, in folgender Beschreibung male der einzelnen Gepragc aufzufiihrcn. Taf. XIX, 446.

Merk-

446) t CHVONRADVS, im Felde PILIGRERN unter dem Portale Säulenkapitäl.

Rf. ANDIA

Dasselbe VRBS Denaren

Portal ’ kehrt auf den anonymen, (Nr. 373) wieder.
44 6 a) Ebenso , aber

- K. M. 3,:j Gr. wohl etwas späteren COLON

Kreuzehen Taf. XIX,
447. 447)

Taf. XIX, 448.

448)

4-19)

-149~~)

ANDRNA , und unter dem Portale ein statt des Kapitäles. - M. 8. 1,~ Gr. Aehnlich Lelewel XIX, 32. tCHVONRAEDVS und PILIGR-IMVS. Bf. AND-ERN im Portale ein Schrägkreuz zwischen zwei Punkten, unten blumenartiges Säulenkapital. - M, S. 3,s’~ Gr. Gr. Kab. X, Taf. 1, 4. t CH(VO)NRDVS und ILIGI-MV. -Izf. AND-ERN im Portale die Schleife, unter demselben Kreuzehen. Köhne 111, Taf. V, 3. t CHVONRADVS und PILIGR-IMVS. Rf. AND-RNA Portal mit einem Kreuze in, und einem Kreuze unter demselben. Mem. St. Pet. IV, S. 45, Nr. 256. tCHVONNRIA und ILIGR-MV. 1iJ AND-NRA. Mem. St. Pet. IV, S. 45, Nr. 255.

Taf. XIX, 4496. 449 b) it) CHVORAD . . . und ILOGR-WR. RJ ENO-EOR, iiber dem Portale zu jeder Seite eine Schleife, unter demselben ein Ringel. - M. S. 1,1i Gr. Berl. Bl. VI, S. 247, zu Nr. 7. Aehnlich Cappe, Köln VI, 89, (ohne die Schleife). Hier hat die Schleife eine andere Form angenommen, wie sie sich ahnlieh auf anderen Geprägen desselben Erzbischofs und seines Nachfolgers Hermann 11. sowie einem kölnischen Denare von Kaiser Konrad 11. (Nr. 386a) findet, welche also möglicherweise auch in Andernach geprägt sind. Taf. XIX, 459.
450) fCHVONRADVm IMP

Winkeln? I,JCI Gr. Taf.XlX,
451. 451) tHM*:ORVO

Rf. tER!-ONA

Kreuz mit PILIGRIM in den Portal, unten Kreuz. - M. S.

und l90’ll-MR. Rf. END-EOR Portal mit Kreuz darin. - M. S. l,Z Gr., ähnlich 1,26 Gr., 1,32 Gr. Man sieht an den Inschriften die fortschreitende Entartung, obwohl der Stempelschnitt zu loben ist Taf. XIX,452. 452) t HVORADOM und ILOGI-WR. Iif. END-EOR im M. S. Portale ein bartiger Kopf nach links. - K. M. 1,~ Gr. l,i9 Gr. Berl. Bl. 11, Taf. XIX, 33. ? ? Rf. ENO-ER0 im Por453) t HVOPADOM und IIOGI-WR. tale vorwärts gekehrter Kaiserkopf, unten Säulenkapital. Kopenhagen.

Taf. XIX,

453.

* 184

>, 184 Potthast

(bibl. hist. med. aevi) 1Lsst Udo von Trier bis 16/11 3078 sitzen. Rheinlande. Koblenz.

Der Kopf sieht dem desselben Kaisers auf den Duisburger Münzen ganz gleich, und lässt glauben, dass auch a.uf der vorhergehcndcn Münze Konrad 11. dargestellt ist. Die Münze ist äusserst zierlich, und besonders das Säulenkapitäl deutlich als ein korinthisches charakterisirt. Diese Andernacher Münzen müssen sich grosser Beliebtheit erfreut haben, sie sind viel nachgeahmt, doch sind diese Nachahmungen kleiner und von schlechterer Arbeit. Eine solche ist die folgende: Rf. H - H,M Portal Taf. XIX,454. 454) +. . . . . NENN , im Felde 3kN I - Al. wie auf Nr. 446, darunter ein Kreuz. - M. S. 0,85 Gr., 0,93 Gr., I,I Gr., 1,lö Gr. Cappe (K. M. 1, Taf. VI, 83n, Köln 111, 53) bringt unter Heinrich III. einen ähnlichen Denar mit t RE HIN RICVm und II WR-Al 1); jene Inschrift ist von ihm und seine Münze nichts anderes als eine Nachmünze jedenfalls nur hineingedeutet, mit unlesbarer Inschrift, wie die unsere (s. oben S. 162). Ferner führt Cappe unter Andernach auch Gepräge von Hermann 11. auf; ob das blosse Erscheinen der Schleife auf ihnen dazu berechtigt, ma,g dahingestellt bleiben, ich habe sie unter den kölnischen belassen.

Koblenz.
Vom Erzbischof Poppo von Trier, dem Heinrich 11. 101s den Kammerhof Koblenz mit der Münze schenkte, und Heinrich III. im Jahre 1045 bestätigte, sind Koblenzer Gepräge zur Zeit nicht bekannt, wohl aber von seinem Nachfolger Eberhard (1047-fO66). Taf. XX, 455. 455) t EBERHARQVS ARCHICPS Brustbild mit Krummstab und Buch. RJ t CONFLVENTI*A Kirche mit Kuppeldach und zwei Thürmen, unten Wellen. - K. M. l,l Gr. Bohl S. 15, Nr. 3, Taf. 1, 3, 11. Ausg., S. 38, Nr. 8. Lelewel XIX, 4. Nach Bohls Ansicht ist hier die Gastorkirche und der bei ihr stattfindende Zusammenfluss der Mosel und des Rheins dargestellt. Udo, Graf von Ncllenburg (1066-1077). cnns’r ““’ * Taf. XX, 456. 456) t VDOAR(ch) IEPS Brustbild mit Krummstab. Rf. t C(ON) FLVENCIA Kirchenportal. - K. M. (ausgcbroehen). Bohl S. 18, Nr. 4, 11. Ausg. S. 42, Nr. 6. Dieser Denar schliesst sich eng an die Mainzer, namentlich von Siegfried und Wezilo an, mit denen er das Kirchengebäude gemein hat. Geringer ist seine Verwandtschaft mit gleichzeitigen Kilnern , welche Bohl, augenscheinlich mit jenen Mainzern unbekannt, a. a. 0. hervorhebt. Bruno, Graf von Lauffen (1102-1124). Taf. XX, 457. 457) t BRVNNO EPS Brustbild mit Stab und Buch. RJ t CONI LVENTA dreithürmige Kirche. - M. S. 0,s~ Gr., K. M. 0,~ Gr. Bohl 11, 8. 47, Nr. 9, Cappe Köln IX, 135.
i)

Oder REX HINRICVw

und A-IMR-T,

wie dor Text sagt.

Eberherd, Udo, Bruno.

-

Trier.

Heinrich 1.

185

Dass Mader (1, S. 129) diese Mtinze wegen ihrer Aehnlichkeit mit den Kölnischen dem Kölner Bruno 11. zu geben versucht hat, ist ihm zu verzeihen, denn er wusste noch nichts von den vorbeschriebenen älteren Koblenzer Denaren Trierscher Erzbischöfe. Nicht zu entschuldigen aber ist Cappe, der allen seitdem bekannt gewordenen Thatsachen zum Troze und keineswegs in Unterwerfung unter Maders Urtheil diesen Irrthum aufrecht erhält (Köln S. 87) und sehr naiv bemerkt, Bohl habe für die Aufnahme dieses Denars unter die Triersehen keinen andern Grund gez wusst, als dass er den Namen einer Triersehen Münzstätte führe. Als ob es für die Zutheilung einer Münze an Trier einen bessern Grund geben könnte, als der deutliche Name eines Triersehen Erzbischofs und einer Triersehen Münzstätte ! Der Irrthum wurzelt eben in der Verkennung der selbstverständlichen Grundbedingungen des Verkehrs, nach welchem henachharte Orte verschiedener Herren .in ihren Miinzen mehr Gemeinsames unter einander als mit denen ihrer Hauptstädte haben. Daher erklärt es sich, dass die Koblenzer Denare mehr Aehnlichkeit mit den Mainzern und Kölnern als mit den in Trier selbst geschlagenen haben, was eben nur Cappe’n entgehen konnte. ßeachtung verdient übrigens noch die Umschrift der Hf. Bohl liest sie in seiner ersten Ausgabe tBRVN0 ARS, in der zweiten aber, wie oben angegeben, tBRVNN0 EPS also wie Nr. 470 und manche andere. So auch lautet sie in Cappe’s Abbildung, während der Text t BRVNO ARS. . . angiebtIch würde danach das t BRVNO ARS für eine irrige Lesung halten, wenn sie nicht Mader a. a. 0. anzunehmen schiene. infulirtes Brustbild mit Krummstab. dreithürmige Kirche. Bohl 11, S. 48, Nr. IO. Ruhle Nr. 20. Die Prägstättq, von der in ltiihlcs Abbildung nur CON . . . . TIA zu erkennen ist, kann nur Koblenz sein, das Gepräge lässt in der Inschrift der Hf. eher den Namen Bruno als irgend einen anderen vermuthen.
Rf. +CONlYITIA

Taf. XX, 458. 458) t IRV . . . IEPS

Trier.
Die Münzen dieser alten Römerstadt sind bekanntlich von Bohl in seiner Monographie: IlDie Triersehen Münzen u. s. w. Koblenz 1823~ zusammengestellt, die in unsere Periode fallenden aber nach dem’ damaligen Stande der Wissenschaft,, fehler- und liickenhaft. Es war dem trefflichen Bohl das Glück beschieden, die Mängel dieser ersten Arbeit in einer zweiten Ausgabe (Koblenz 1847) verbessern zu können, diese zweite Ausgabe ist aber nur bis 112-1 fortgefiihrt, und nur in wenigen Händen. Sie bildet, von geringen Verbesserungen und Zusätzen abgesehen, die Grundlage dieses Abschnittes.

a) Kaisermünzen.
Ihm wird Heinrich 1. (919-936). in dem Jahresbericht d. Gesellsch. f. nützl. Forsch. (Trier 1856,

8. 43) ein Denar zugctheilt, dcsscn Gepräge (t & Rf. ikn) aber deutlich beweist, dass er viel älter sein muss, denn derartige Gepräge verschwinden schon unter Karl dem Grossen.

186

Rheinlande.

Trier

Otto 1. (936-973, Kaiser seit 962). Taf. XX, 459. 459) XOTTO RE+ Kreuz mit vier Kugeln. Rf. Kirchengebäude, neben und unter demselben T-R-EV-ER-IS. - K.M. 1) 1,47 Gr. Bohl 1, Taf. 1, 4, S. 5, Nr. 4, 11, S. 19, Nr. 1. Da die Rf. ganz gleich der eines Denars von Karl dem Einfältigen (Bohl 11, S. 16) ist, so kann Uber seinen Urheber kaum ein Zweifel obwalten. Cappe legt diesem Kaiser noch folgenden Denar bei:
ODDO und REX in ein Kreuz gesetzt, dessen Winkel durch IM-PR-AT-OR ausgefüllt werden. Rf. t oToREoVoRob

Kreuz mit vier Kugeln. Cappe 1, Taf. XVII, 277. Köhne N. F. 6. 2Ff, Nr. 12. So lautet die Beschreibung bei Cappc, während die Abbildung eher TI\EVRI hat. Sie ist jedoch unrichtig, und gehört die Miinze vielmehr nach Deventer (s. Nr. 561). Danach ist auch Köhne N. F. S. 266, Nr. 12 zu berichtigen. Otto 11. (973-983).

Taf. XX, 460. 460) tOTT0 IMP AVG Kreuz mit vier Kugeln. Rf. vTREVE Rlw viersäulige Kirche. Berl. Bl. 111, Taf. XXVI, 12. Thomsen, der diesen Denar (a. a. 0.) aus dem Munkegaard-Funde beschreibt, ergänzt den Raum vor dem Stadtnamen mit SCA, Köhne (in einer Anmerkung dazu) bestimmt den genannten Kaiser Otto als den zweiten ; ihm folge ich, da ich zu einer abweichenden Meinung keinen genügenden Grund habe, und das Gepräge, namentlich die Form der Kirche chcr an ihn, als an seinen Nachfolger zu denken auffordert. Schwerlich aber wird sich zwischen Otto 11. und seinem Vater mit Sicherheit entscheiden lassen. Otto 111. (983 - 3 002, Kaiser seit 996).
Rf.

%TREV-ER. A -

Taf. XX, 461. 481) i- OTTO REX Kreuz mit vier Kugeln.

M. S. I,OD Gr. l,~i Gr. K. M. 0,s~ Gr. 1,06 Gr. l,ii Gr. 1,17 Gr. IJ1 Gr. Kowal (Sallet 11, 325) 0,85 Gr. Friedlaender Farve 1, 4. Cappe 1, Taf. 11, 7. Bohl 11, 19, Nr. 2:
4ölaJ Ebenso, mit t OTT EOX. M. S. 1,17 Gr. Lelewel (111, S. 127) und Bohl haben das 8 für das gewöhnliche f genommen. Friedla,ender sagt hitrüber : nBA bedeutet entweder bona, wie es ausgeschrieben auf gleichzeitigen Münzen von Thiel steht, oder vielleicht beata, was ftir Trier, bei der grossen Zahl seiner alten Kirchenheiligthümer nicht unpassend wäre; so heisst Köln auf vielen Münzen Sancta, und Trier selbst heisst sancta auf einem Elfenbein-Relief, welches den Einband eines Missale geziert hat, und sich jetzt im Besitze dcs Grafen von Kesselstein zu Trier befindet; der Heiland hält in der Hand eine Rolle, auf welcher STA TREV steht.n Zu letzterer Bemerkung wäre noch das

SANCTA

2)

von Lelewel

(111, S. 128, Anmerk.)

beschriebene älteste Stadtsiegel

mit ‘REiERIS

1) Diese Miinze befindet sich mit Bahls ganzer Sammlung im hiesigen K. Museum. 2) Abgebildet im Anzeiger f. Kunde d. Deutschen Vorzeit lSi1. S. 230.

Otto I., Otto II., Otto III.,

Heinrich II., Heinrich V. (Herzog Karl.)

187

hinzuzufügen ; auch erwähnt Bohl (11, S. 20) , dass nach Thomas von Cantimprat ausser Jerusalem, Rom, Köln und Trier die einzigen Kirchen sind, denen die Benennung sancta im engern Sinne zukomme, und dass das etwa 1200 entstandene Neuthor zu Trier die Ueberschrift SANCTA TREVIRIS trug. Bei der Zutheilung unsrer Münzen, deren oft viereckige Form bemerkt zu werden verdient, kann man übrigens schwanken zwischen Otto 1. und 111.; die Funde scheinen jedoch mehr für letztern zu sprechen. So grosse und schöne Exemplare wie das vorliegende Nr. 461 können aber vielleicht doch schon unter Otto dem Grossen geprägt, und dcrcn Ausprägung später fortgesetzt sein. Bisher ist jedoch, soviel mir bekannt, eine solche Münze in einem vor Otto 111. niedergelegten Funde noch nicht vorgekommen, und daher die Einordnung unter Otto 111. zur Zeit vorzuziehen. Heinrich Taf. XX, 462. 11. (1002-1024, Kaiser seit 1014).
462) HE(INRI)CV(S) RCX bärtiger Kaiserkopf rechts. Rf. T(RE) VERIS Gebäude mit zwei Thürmcn. - M. S. 1,~ Gr. 1,32 Gr. K. M. 1,02 Gr., l,ll Gr , 1,22 Gr., 1,~ Gr., 1,25 Gr.

num. ined. S. 40. Götz 258. Cappe 111, Taf. 11,29. Bohl II, S. 22. aher meist schlecht nusgeprä,gt. Ca,ppe Diese Münze ist von guter Arbeit, hat sie Heinrich 111. zugeeignet. Dass sie aber nur von Heinrich 11. sein kann, beweist, auch wenn wir Thomsens Zeugniss (M&m. St. Pkt. IV, S. 59) nicht hätten, der Fund von Althöfchen unwiderleglich. Heinrich V. (1106-1125). Taf. XX, 463. 463. I-EIN (ricus Ce) SAR unbärtiges gekröntes Brustbild mit Scepter, linkshin. RJ PAX PETRV(S) der Heilige im Brustbilde, hält zwei Schlüssel, deren Barte die Buchstaben P und E bilden. - K. M. 1,02 Gr. Bohl 11, S. 23. Wie Bohl diese Münze derselben Regierung beilegen konnte, wie die vorige, bleibt unbegreif lieh ; sie ist von ungleich vollendeterem Stempelschnitt und steht auf der Höhe der mittelalterlichen Kunst, daher auch Bohl in ihr die Hand eines italienischen Kiinstlers erkennen will. Damit aber ist ihre auffallende Schönheit um so weniger erklärt, als in Italien die Stempelschneidekunst damals gerade a,uf sehr niedriger Stufe stand. Ihre völlig gesicherte Zeitbestimmung erhält sie dagegen durch den unten (Nr. 490) aufgeführten Denar des Erzbischofs Adalbero (1130 - 1152), der gleichen Styl und ganz dieselbe Rf. zeigt. Beide lassen auch das quadratum supcrcussum (s. S. 23) wahrnehmen.

Friedlaender

b) Herzogsmünzen.
Kar 1, Herzog von Niederlothringen (976 - 991). Den in den Mem. St. Pkt. IV, S. 59, Nr. 280 diesem Herzoge zugewiesenen angeblich Triersehen Denar halte ich eher für ein Erzeugniss der Münzstätte Thuin, habe ihn aber unter die unbestimmten gesetzt (s. Nr. 3261).

188

Rheinlande.

Trier.

c) Münzen Taf. XX, 464.

der Erzbischüfe.
(T) RE.

K. M. O,A~ Gr. v Lclewel XIX, 1. Bohl 11, S. 26. In seiner ersten Ausgabe hatte Bohl diesem Erzbischofe eine Anzahl kleiner Denare beigelegt, von denen er später richtig erkannt hat, dass sic von Theodorich II., also fast 300 Jahre jünger sind. Ersatz fitr diesen Verlust gewährt vorstehender, von Lelewel zuerst bekannt gemachter Denar. Zu verschweigen ist freilich nicht, dass auf dem Exemplare des hiesigen k. Museums, dem einzig bekannten, nicht nur das T in dem Bischofsnamen, sondern auch das T der RJ: keineswegs völlig gesichert erscheint, sowie andrerseits eine grosse Aehnlicbkeit mit des’ gleichnamigen Metzer f PE

Theodorich 1. (965-977). 464) t (T)EOD . . . . Kreuz. Rf.

Bischofs TRVS Denare (s. Nr. 33, 1362, 1362 a) einiges Bedenken erregt 11. Immerhin aber muss Lnurents Versuch (Rev. frang. 1848, S. 287), das TRE als . RE in PE TR
V V V

umzudeuten, zurtickgewiesen werden ; das vorliegende Exemplar erlaubt das nicht, und die Aehnlichkeit beider durch einen so langen Zeitraum getrennten Münzen muss also, was bei ihrer Einfachheit auch so unglaublich nicht ist, als ein Werk des Zufalls betrachtet werden, wenn man nicht die Annahme vorzieht, dass diese Münze dem späteren Mctzer Stempelschneidey>rgelegen habe. Der hier genannte TEOD . . . . kann aber nur der Erxbischof sein, denn der gleichnamige Herzog hat in dem Niederlothringischen Trier keine Gelvalt ausgeübt. Das Fehlen des Kaisernamens ist nicht befremdend, da dieselbe Erscheinung auf des Augsburgers Ulrich zahlreichen, zum Theil wohl noch früheren Geprägen uns entgegentritt; die hohe Bedeutung der Stadt und der Kirche Trier 2) erklärt diese Emanzipation ebensowohl als die frühe Erwerbung des Münzrechtes, das schon Ludwig das Kind im Jahre 9# dem Erzbischof Radbod verlieh und Otto 11. auf Ivoy und Longuyon ausdehnte 3). Nach langer Unterbrechung schien erst Poppo das Mtinzen wieder, und zwar etwas thätiger betrieben zu haben, da gelang es mir, nachfolgenden Denar zu entdecken, dessen grosse Aehnlichkeit mit dem obigen von Heinrich 11. mich selbst troz der mangelhaften Aufschrift des ersten j zu meiner Kenntuiss gelangten Exemplars sofort tiber seine Zutheilung ins Klare setzte. Die Münzlücke ist somit auf Egbert und Ludolf 4) beschränkt. Der fragliche Denar ist aber folgender: Adalbero von Luxemburg (1008- 1016). Taf. XX, 465. 465) A* DALBERO das zweithürmige Gebäude wie auf Heinrichs 11. Münzen. Rf. ‘1’ CRVX XRICTZ Kreuz, die Enden in Kreise auslaufend, in jedem Winkel ein Kreuzehen. M. S. l,O6 Gr. K. M. 1,07 Gr. 1,08 Gr. Kopenhagen.
1) Dass der hierher verlegte Denar des Plohskcr Fundes (Berl. BI, VI, S. 249) dem Metzer Bischof gehört, habe ich 1Cgs.t eingesehen. 2) Gerade diesem ErzbiSchofc best8tigte Johann XIII. den Primat unter den Bischöfen Galliens und Germaniens (Browcr T. 1 annal. Trevir. lib. IX p. -ii'L). 31 Bohl 11, S:25. Beyer Urkd. B. d. Mittelrheins 1, Nr. 150. Soetbeer Beitr. S. 28. Köhne 111, 8. 166. 4) Die von Bohl und Lelewel ihm beigelegte Münze, ist, wie Bohl 11, 8. 29 berichtigt, von Rudolf (1153-89).

Theodorich I., Adnlbertr, Puppe.

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Adalbero, Probst zu St. Paulin bei Trier, wusste nach Ludolfs Tode seine Wahl zum Erzbischof durchzusetzen, erhielt aber nicht die Restätigung Heinrichs II., seines Schwagers, der ihm vielmehr seinen Geheimschreiber, den Mainzer Domprobst Megingand gegenüberstellte. Aber mehr als dessen blasse Ernennung wusste Heinrich nicht zu erwirken, und vermochte nicht, Adalbero des angemassten Besitzes der Macht zu entkleiden und seinem Schützlinge die fruchtlos belagerte Hauptstadt zu der bis zu seinem Ausgangs 1036 eingetretenen Abverschaffen. Von Megingand, leben in Koblenz, auf damals noch kaiserlichem Eigenthum verweilte, werden daher Münzen kaum zu erwarten sein j] ; wogegen schon ßohl eine Ausmünzung durch Adalbero vermuthet, ihm aber nur die anonymen Eucharius-Denare bat zuschreiben können, die ihm aberkannt werden müssen, und unten Besprechung finden sollen (s. Nr. 493). Poppo, Markgraf von Oesterreich (1016-1047),
gelangte durch Megingands, nicht durch Adalbero’s Tod, der erst viel später erfolgte, nach dem einstimmigen Willen des Kaisers, des Volkes und der Geistlichkeit zum Pallium. Numismatisch wichtig ist aus seiner Herrschaft die schon oben erwähnte Schenkung des Kammerhofes zu Koblenz an ihn (1018).

Taf. XX; 466. 466) HEINRICVS

REX Kreuz mit einem V in jedem Winkel. RJ POPPO TREVI, im Felde grosses A. - M. S. 1,12 Gr. 1:~ Gr. l,% Gr.

ßohl 11, X, 33, Nr. 1. Devegge 2044. Bl. f. Mtinzk. 111, Taf. IV, 64. Rühle 60, 61. Schlechte Exemplare dieser Mtinze haben mehrfach falsche Bestimmungen veranlas&, so Reiche1 IV, 3095 und 3096 und Mkm. St. P&. IV, S. 34, wo sie als Andernacher Gepräge (wegen des A) den Kaisern Otto 111. (ODDO TRE. statt POPPO TREVI) und Heinrich 11. beigelegt, und Cappe 1, Nr. 348 (Taf. XIV, 220), wo sie unter Otto 111: eingereiht sind. Berichtigt hat dies zuerst Schoenemann (Anzeiger f. Kunde d. Deutschen Vorzeit. Juni 3855) und dana.ch Ca.ppe 111, Nr. 266. Auch der Beschreiber des Egersunder Fundes hat sie im Uebrigen zwar richtig erklärt, das A jedoch ohne jeden Grund auf Andernach bezogen 2)) das Bohl jedenfalls richtiger durch archiepiscopus deutet. Der König ist Heinrich II., zwar nicht aus dem von Bohl angefiihrten, mir unverständlichen Grunde, dass er Koblenz dem Erzstifte geschenkt, .wohl aber weil diese Mtinze in dem vor Heinrichs III. Thronbesteigung vergrabenen Funde von Egersund vorgekommen ist. ßefremdend ist dabei freilich das REX, da Heinrich 11. schon vor Poppo’s Wahl Kaiser war (seit 1014), aber, wie Bohl (11, S. 33) bemerkt, heisst Heinrich noch in einer Urkunde von 1016 blos rex, und dass dergleichen numismatisch nicht unerhört ist, habe ich bereits oben (S. 27) ausgeführt. Taf. XX, 467. Rf. t POPPO 467) t CH (uon) RADVS IMP bärtiger Kaiserkopf. ARC(hi) EPS verziertes Kreuz, mit . PAX in den Winkeln. 1)

M. S. 3,~s Gr.

Die Berl. Bl. 11, Taf. XIV, 13 mit MNGADIVS 9. man unter den unbestimmten (Nr. 1213). 2) Merkwtirdigerweise hält auch Thomsen (Berl. Bl. 111, 8. 35) Andernach snfrecht, obwohl er doch Poppo atittt Oddo zugiebt.

190

Rheinlande.

Trier.

Die einzige erzbischöf lieh Triersehe Munze mit Kaiserkopf, sehr interessant ausserdem durch das PAX (s. S. 115) und durch den von den sonstigen Triersehen Münzen ganz abweichenden Stempelschnitt, namentlich die kurzen Ruchstaben, welche sich ebenso auf dem Andernacher Denar Nr. 445 finden. Vielleicht also ist’ unsre übrigens durch höchste Seltenheit ausgezeichnete Münze in Koblenz geschlagen. Taf. XX, 468. 468) POPPO ARCHI Kreuz mit vier Kugeln. Rf. Thor mit zweistückigen Thiirmen , im Bogen ein bärtiger Kopf, oben zwischen den Thürmen A. -M. S. 1,Oi Gr., l,is Gr., l,loGr., 1,32 Gr. Devegge 2043. Mittheil. Taf. IX, 95 u. 96. Roh1 11, S. 34, Nr. 2 und 3. Die Deutung des A ist schwierig, ßohl vermuthet advocatus , wo dann die Deutung des Kopfes sich von selbst ergiebt, und meint ferner, dass diese und die ihr ähnliche folgende, sowie die erste Münze in Koblenz geschlagen sein könnten. Taf. XX, 469. 4ti9) POPPO EPC Brustbild mit Stab linkshin. RJ Wie vorher. Thomsen, ßohl 11, S. 34, Nr. 4. Taf. XX, 470. 470) POPPO EPS Dasselbe Brustbild. Rf. Dreithürmigcs Gebäude, ohne Umschrift. - M. S. 1,04 Gr. Rev. franc. 1866, Taf. VII, 5. Thomsen 5871. In dem sehr eigenthit~~chen Gebäude wird a. a. 0. S. 168, eine Aehnlichkeit mit der Porta nigra gefunden ; jedenfalls steht fest, dass Poppo zuerst (1035) dies alte Urner-Bauwerk zu einer christlichen Kirche eingerichtet hat 1). Interessant ist auch dieser wie der vorige Denar als ein neuer Beleg für die Anwendung des bischöflichen statt des erzbischöflichen Titels (s. 15. 19). - Von dieser Münze glaube ich früher einmal einen Goldabschlag gesehen zu haben, welcher den Eindruck der Aechtheit machte ; über den Werth derartiger Abschläge habe ich mich schon S. 14 geäussert (s. auch Nr. 1385). Taf. XXI,
471. 471) + POPPO ARCHIEPS TREV Brustbild mit Krummstab rcehts. Rf. S P’ERVS Hand mit zwei Sehltisscln, deren Bärte die Buchstaben ‘ER der Umschrift bilden. Thomsen 5869.

Bohl 11, 8. 35, Nr. 7, ähnlich Nr. 5 und 6. Gr. Kab. IX, Taf. IX, 74. Das Gepräge der Rj’. erhält sich durch die nächsten Regierungen und ist für Trier bezeichnend. Auch der Name des Bischofssitzes wird nirgends so häufig genannt als hier. Noch wird unter Poppo folgender Denar in dem Jahresber. d. Gesellsch. f. nützl. Forsch. Trier 1852, S. 13 beschrieben und abgebildet. mit Krummstab. Rf. TREVERIS (rückläufig) Thurm. Diese Munze kann aber unmöglich hierher gehören, denn sie hat ganz den kleinen Umfang und genau die Rückseite der Triersehen Denare aus der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts, daher denn ohne Frage die irrige Lesung eines undeutlichen Exemplars der Art angenommen werden muss. 1) Rettberg, Kirchengesoh. 1, S. 25.
472) POPPO .:. IdE Brustbild

Poppo, Eberhard, Eberhard Taf. XXI, (1047-1066).

Ifdo.

191

Brustbild mit Krummstab aber 000 S P’ERVS. Bohl 11, S. 37, Nr. 3 u. 4. K. M. 1,~s Gr. M. S. 1,05 Gr. Der höchst zierliche Stempelschnitt, der schon mit den ähnlichen Denaren Poppo’s begonnen, setzt sich in dieser und den folgenden Miinzen des gleichen Gepräges fort, die zu den besten Erzeugnissen der mittelalterlichen Stcmpclschneidekunst zählen. Auch die regelrechten, ausrührlichen und mehrfach interessanten Inschriften dieser Münzklasse verdienen alle Beachtung. 474) Aehnlich: aber mit linkshin gewandtem Brustbilde. Bohl 11, S. 37, Nr. 5. Taf. XXI 475. 475) t eBeRHAR(DV)S ARCHIt%‘S Brustbild mit Krummstab rechtshin. &J t S P’ERVS - BELT CIV Hand mit Schlüsseln wie vorher, im Felde vier Punkte. K. M. 1,18 Gr. M. S. 1,~ Gr. Bohl 11, S. 37, Nr. 2. 475~) Aehnlich, aber t 2P’ERV2-ELG CIV. - K. M. 0,93 Gr. Die Inschrift der 4/. hat manche Erklärungsversuche hervorgerufen ; man hat geglaubt, S. P. patronus electus civitatis oder auch zufolge andrer Exemplare, denen das B fehlen soll, S. P. elogium civitatis lesen zu müssen. Die Lösung des Xäthsels beruht auf der Thatsache, dass bei der-neuen Eintheilung Galliens im IV. Jahrhundert unsrer Zeitrechnung Trier die Hauptstadt der römischen Provinz Belgica prima wurde. Sieht man nun das Zeichen 3c für eine Verbindung von G und C an, SO hat man Belgica civitas als Bezeichnung von Trier , ähnlieh wie in dieser Zeit auch in Köln das Agrippina und auch anderswo altrömische Benennungen wieder ans Licht treten (s. S. 31). 1)
473. 473) EBERHART ARCHIEPS TREV. rechts. Rf. Wie Poppo Nr. 471,

doch fehlen die Punkte im Felde. Umschrift : S P’ERVS-SCDA ROM. K. M. 3 ,IT Gr. Bohl 11, S. 38, Nr. 6. Die Benennung Triers als Secunda Roma, entsprechend der Roma caput mundi auf Aachener Denaren der Hohenstaufenzeit erscheint nach Bohl zuerst im Jahre 1142 in einer Grabschrift des zu Trier verstorbenen päbstlichen Legaten Ivo, welche mit den Worten: »Roma secunda mihi dedit exequias venerandas« schliesst. 476a). Ebenso, aber das Brustbild mit Bart auf Oberlippe und Kinn. - K. M. 1,25 Gr. Bohl 11, S. 38, Nr. 7. Auch in Koblenz hat Eberhard gemünzt, wie wir gesehen haben. Von seinem Nachfolger Cuno , der schon wenige Monate nach seiner Erwählung unter Mörderhand fiel, sind Münzen nicht bekannt und auch wohl kaum zu erwarten. Udo, Taf. XXI, Graf von Nellenburg (1066-1078).
477. 477) t VDO ARCHIEPISCOPVS Brustbild mit Krummstab rechtshin. Rf. Segnende oder schwörende Hand auf einem Kreuze: in dessen Winkeln oben A-W, unten je ein Stern.

Taf. XXI, 476. 476) Aehnlich,

- K. M. 0,99 Gr. 1,05 Gr. l,ll Maderl, 68. Bohll, S. 16, Taf.I,2.
1) Rev. Belge 111, 4 (ISSO) S. 242 [Taf. XII, 1).

Gr. 1,17 Gr. Bohlll, S.40.ReichelIV,2747.

192

Rheinlande.

Trier.

478) Ob01 gleichen

GeprQes.

-

Bohl 11, S. 41, Nr. 2.

479) Ebenso. Rf. S P’ERVS BELG CIV zwei rechte Hände, jede einen Sehhisse1 haltend, deren Bärte die Buchstaben ‘ER bilden. Bohl 11, S. 41, Nr. 5. Wenn Joachim (Gr. Kab. IX, Taf. IX, 76) einen solchen, nach seiner eigenen Angabe nicht in allen Buchstaben deutlichen Denar, aber mit BEPS CTV abbildet, den Lelewel (111, S. 397) lediglich wiederholt, so darf man wohl mit Bohl eine irrige Lesung voraussetzen, und damit Lelewels einem Triersehen Siegel entnommeno Deutung: S. P. BEnedicnt Populum Sanctae CiViTatis durch das schon bekannte Belg (ica) civ (itm) ersetzen , nicht durch S. P. elcctus patronus civitatis, wie Bohl will. Ein Koblenzer Denar von Udo ist schon oben (Nr. 456) beschrieben. Egilbert Graf von Ortenburg (1079-1101). 489. 4?)(j) + EGI . . . . . CH I c PS Brustbild mit Krummstab rechts. RJ TREjveris c)IVITAS Hand mit zwei Schltisseln, welche statt der Bärte die Buchstaben ‘E und R tragen. - K. M. 1,03 Gr. Bohl 11, 8. 43, Nr. 1. Reiche1 IV, 2748. Ob gerade, wie Bohl sa.gt, die Buchstaben ‘ER zu dem Namen Petrus gehören, möchte ich bezweifeln, d&lann die übrigen, namentlich der Anfangsbuchstabe P fehlen wurde, und scheint im Gegentheil unsre Münze zu beweisen, dass diese stets in gleicher Weise ausgezeichneten Buchstaben ‘ER den Stadtnamen in Erinnerung bringen, der auf der vorliegenden Mtinze zwar schon in der Umschrift enthalten ist, auf den andern ähnlichen Geprägen von Poppo, Eberhard und Udo dagegen entweder ganz fehlt oder nur durch Belgica civitas und secunda Roma angedeutet ist. Uebrigens macht Bohl auf die grosse Seltenheit der Münzen Egilberts aufmerksam ; sie erklLrt sich wob1 mehr aus der durchgängig geringern Ausmünzung zu Ende dieses Jahrhunderts und aus der selteneren Auffindung von Munzen aus dieser Zeit, als aus der geschichtlichen Thatsache, dass Egilhcrt dem Volke und der Geistlichkeit durch den Kaiser aufgedrängt war. Taf. XXI, 480a) Aehnlich, aber t EILBFRT(V)S ARCHIePS RJ: TRWe RIS PEBV l .(Pe durch die Schlüsselbärte gebildet). - Gew. 0,82 Gr. Jahresber. d. Ges. f. nützl. Forsch. zu Trier 1872/3 (Trier 1874) S. 71 Nr. 592. wegen der deutschen Namensform Eilbert.

Interessant

483) +EGILBcRTIS ARCHIEPS Brustbild linkshin, im Felde Hand mit zwei Schlüsein Stern. Rf. ‘REiERIS CIVITA2

seln , deren Bärte die zwischen der Umschrift reihenden Buchstaben PE bilden. Die Stabe der Schlusse1 bestehen aus Punkten, tiber und unter der Hand auf jeder Seite der Bohl 11, 43 Nr. 2. Schliissel ein Ringel. Bohl bemerkt, der Stempelschneider habe, indem er P und E zwischen die Buchstaben S und % der Umschrift geschoben, dadurch die letzteren zu den Worten SPEBVS benutzt.

Egebert, Bruno. Taf. XXI, 482. 482) :. EGELBIRTVS

193

RCHIEP Brustbild mit Krummstab rechts. I?f. REiERIS CIVITAS PE zwei Hände halten zwei Schlüssel, deren Bärte die Buchstaben PE der Umschrift bilden.

Bohl 11, S. 44. Nr. 3. Im Stecki - Zeisberg’sohen Auctionskataloge (Frankfurt 17./11. ähnliches Exemplar mit EGEIBERTVS (unter Nr. 2906) abgebildet, nachgezeichnet habe. Taf. XXI.
483. 483)

1873) ist ein das ich hier

. . . .LBETV2 RCH _. . Brustbild mit Krummstab rechts. Rf. Ohne Umschrift. Rechte Hand auf einem mit Perlen ver-

in dessen Winkeln vier Rosetten. - K. M. Bohl 11, S. 44. Nr. 4. Die Inschrift .*. EGELBERTVZ IRCHIEPS, welche Bohl angiebt, beruht jedenfalls nicht auf seinem, vorstehend genau beschriebenen Exemplare, sondern wohl auf Seelaender’s Abbildung (Ta.f. C. S. 112. Nr. 6). Aehnlich findet sich bei Reiche1 IV, 2719-51 .g. EGELBERTVS RCHIEIPS angegeben. Eine Widerlegung der Blteren, auch von Seelaender getheilten Ansicht, welche diese Münze dem viel späteren Kölnischen Engelbert zuerkennt, ist selbstverständlich unnöthig. Graf von Lauffen (1102-1124). Taf. XXI, 484. 484) tBRVN0 ARCHIERS Brustbild mit Kreuzstab linkshin. Rf. Brustbild eines Engels, über demselben zwei Sterne, unten BEVERIS. - K.M. 0,65Gr. 0,66Gr. 0,67Gr. 0,68Gr. Bohl, Taf. 1, 1. Lelewel XIX, 5. Rühlc 32 (schlecht). Bohl 11, S. 45. Nr. l-4. Ein neue; Beleg für die Erfindungsgabe der Triersehen Stempelschneider. Taf. XXl,
485. 485) BRVNO ARCHI@S) Brustbild mit Krummstab linkshin. &!!. T jij RjIIEI/I V 111 Elil R(:l I j/l S /jl Hand auf einem Kreuze, in

zierten Kreuze, 0,~ Gr.

Bruno,

dessen Winkeln (wenigstens in dreien) je drei Punkte. K. M. 0,87 Gr. Bohl 11, S. 46. Nr. 6. Mit Recht lobt Bohl die Zierlichkeit dieses Denars, auf dem zwar die Hand etwas plump, das Brustbild aber sehr gelungen und individualisirt erscheint. Die Anordnung der Rf. erinnert an ein Duisburger Geprgge (Nr. 324). Taf. XXI, 4b6. 486) +BRVklO
Rf. RHIE.. . . . Brustbild mit Krummstab linkshin. t ORH I EICOBS Hand auf einem Kreuze, in jedem Win-

I

kel vier Punkte. - K. M. 0,67 Gr. Bohl 11, S. 47. Nr.8. Während die iibrigen Triersehen Mlinzen durch ihre vollständigen und regelmässigen Umschriften uns beweisen, dass dort immer noch Nachklänge der alten römischen Bildung fortlebten, zeigt dieser Denar die in diesem Zeitalter sonst so verbreitete Unbeholfenheit im Schreiben. Auf der Rf. scheint, so wenig glaublich es auch an sich sein mag, der Titel archiepisoopus wiederholt zu sein. Taf. XXI, 487. 487) t BRVNO ARCHIEPS Brustbild mit Krummstab. Rf. Schwörende (oder segnende) Hand auf einem Kreuze, das in den oberen Winkeln A und W, in den unteren je einen Stern zeigt. - Thomsen 5887. Bohl 11, S. 46. Nr. 7. , Genau die Rf. des Udo Nr. 477.
Dannenbarg, Ueutsßhlsnds idtestc Münzen. 13

* 194

>>

194

Potthast

lässt

Albero von Monsterol erst l&einland. Trier.

11/4

1131

beginnen.

488. 488) BRVNO RCHICPSI Brustbild mit Krummstab linkshin. Rf. . . RSPETR . . zwei Hände halten zwei Schlüssel, welche in die Buchstaben PE der Umschrift ausgehen. K. M. 0,s Gr. Bohl 11, S. 47. Nr. 5. Bohl giebt S PETRVS als Umschrift an, erkennt auch eine rechte und eine linke Hand; auf seinem obigen Exemplare lässt sich aber nicht mit Gewissheit unterscheiden, ob dies richtig ist, und da Bohl sagt, dass noch Spuren mehrer anderer Buchstaben vorhanden, so glaube ich um so mehr an die Identität seines und des vorstehenden Exemplares der hiesigen K. Sammlung l). Auch finde ich nicht, dass dieser Denar von besserer Arbeit, als die meisten übrigen dieses Erzbischofes ist, wohl aber unterscheidet er sich von ihnen wesentlich und bildet durch sein kleineres Format den Uebergang zur folgenden Periode. Brustbild mit Krummstab linkskin. Brustbild des Apostels, in der Rechten zwei Schlüssel, deren Bärte die Buchstaben PE der Umschrift bilden, die Linke segnend erhoben. (Nach einem Staniolabdruck des Exemplars der Ges. flir nützl. Forsch. zu Trier.) Nach dieser Beschreibung wird die abweichende im Jahresber. der Ges. f. nützl. Forschung zu Trier 1872/73 S. 75. Nr. 621 zu berichtigen sein. Das Gepräge ist dasselbe, welches Bruno’s Nachfolger Adalbero angewandt hat (Nr. 490). Seinem Nachfolger Bruno% Koblenzer Ge d &ge sind bereits erörtert.
Rf. PAX ARCHIEPS PETRVS

Taf. XXI,

Taf. XXI, 489. 48’3) BRVNO

Gotfried (1124-1127) schreibt Köhne (Reiche1 IV, 2754) folgenden Denar zu: GODEERI DV Kreuz. Rf. Schwörende Hand im Portale, oben Kreuz. Abgesehen aber von dem Flossen Namen ohne Titel hat diese Mimze nichts, was auf Trier wiese, und da sie im Gegentheil sich schlecht zwischen die Münzen Bruno’s als Vorgängers und Albero’s als Nachfolgers einfugt, von keinem von beiden das Geringste an sich trägt, so halte ich es Fair viel glaublicher, dass sie dem Niederlothringischcn Herzoge Gotfried V. zukommt, habe sie aber wegen Mangels schla,gender Beweise unter die unbestimmten eingereiht (Nr. 1250). Trierisch ist sie gewiss nicht. Albero Taf. XXI, 490. von Montreuil
(1130-1152). *

Bischofsstab linkshin. des Apostels mit zwei Schlüsseln, deren Bärte die Buchstaben PE der Umschrift bilden, die Linke zum Segnen erhoben. K. M. 0,67 Gr. M. S. 0,91 Gr. O,%Gr. l,ol Gr. Huber% num. Zeitsehr. Wien 1872 (Bd. 111), Taf. XIH, 1. Die Ausprägung dieses Denars ist so mangelhaft, dass es mehrerer Exemplare bedarf, um die richtige Lesung: Adelbero archiepiscopus herzustellen, dabei ist das D an das A angehängt, und die Sylbe per nicht wie sonst durch B, sondern nachlässig durch ein blosses + dargestellt. Die Münze scheint identisch mit der aus
1) welcher ja bekanntlich Bohls Sammlung einverleibt ist

490) A)EL+O A\CIEP Brustbild mit Rf. PA (I?) PETRGS Brustbild

Gotfried,

Albero.

195

Neller
t . ..CS

aufgenommenen
ALBE.. .

bei Bohl
RJ

. . RSETRVS

S. 23. Nr. 2, nnd die abweichenden Inschriften wohl nur auf leicht verzeihlichen Irrthum

zurückzuftihren. Es scheinen übrigens auch Exemplare ohne Umschrift auf der Rf. und mit einem Stern Ubcr jeder Schulter des Apostels vorhanden, die mir vorliegenden aber lassen wegen schlechter AusprBgung keine Beschreibung zu. Bemerkung verdient noch die fast viereckige Form dieser Denare. Die andere Münze, mit welcher Bohl diesen Herrn bedenkt (S. 22. Nr. 1) hat cr in seiner 11. Ausgabe dem Gegenbischofe Adalbero (1008-103 6) zuzueignen versucht; sie gehört aber keinem von beiden, und ist die nachfolgend Nr. 493a mit rückläufigem S. Eucharius. 491) Aehnlichcr Obol. Leider zum Abbilden zu schlecht. K. M. 0,s Gr.

Taf. XXI, 492. 492) . . . . . . m . . . . . Brustbild mit Bischofsstab und erhobener Linken. Rf. AL. . . RTA . . IT? im Felde zwischen zwei Perlenlinien PET(R), darüber (und darunter) ein Stern. - M. 5. 0,o Gr. Als ich vor mehreren Jahren diese Mllnze, deren Inschrift für ihre Anreihung fast gar keinen Anhalt bietet, erhielt, da war ich wegen ihrer Unterbringung in grosser Verlegenheit und versucht, ihre Heimath im südwestlichen Deutschland zu vermuthen. Erst als ich die vorstehenden Adalberos veröffentlichte, konnte mir die völlige Styl- und Fabrikgleichheit beider, troz des in Trier ganz neuen Gepräges, nicht ferner entgehen, und ich wartete nur auf ein deutlicheres Exemplar, das uber die SO dunkelen Aufschriften Aufschluss geben möchte. Diese Hoffnung hat sich ,jetzt insofern erfüllt, als mir Herr Dr. Ladner Abdrucke von sechs ähnlichen Münzen mitgetheilt hat, welche die Sammlung der Gesellschaft fnr ntitzliche Forschungen in Trier bewahrt. Leidersind zwar auch diese sehr schlecht ausgeprägt, immer aber lässt sich doch mit Bestimmtheit der Name A)ELBERO, anfangend an der rechten Hand des Bildes erkennen, und Herr Dr. Ladner giebt als Umschrift der RJ, gewonnen durch Vergleichung sämmtlicher Stücke, ATA mTREVR0. . . , anfangend Uber dem P in PETR, an. Dies . . . ATAw Weiss ich ebenso wenig zu erklären, als die Inschrift meines Exemplares, welches, unter Beobachtung derselben Reihenfolge der Buchstaben ITAIL. . RTA.. laufet, wobei zu bemerken, dass das erste T nicht sicher und vielleicht statt desselben t zu lesen ist. Haben wir es wirklich mit zwei so abweichenden Inschriften zu thun, oder ist etwa das ATA wTREVRO nach meiner Lesung zu berichtigen? Ehe wir eine Erklärung unternehmen, etwa durch alba porta, die bekannte Trischrift eines Denars von Rudolf (1383-89), werden wir wohl thun, uns nach besseren ,Exemplaren umzusehen, zufrieden mit dem bisher Gewonnenen. Meinen Versuch übrigens (Münzstud. 111, S. 64), den Denar Mlinzstud. 11, Taf. 35. Nr. 33 auf unseren Adalbero zu deuten, habe ich längst aufgegeben; was damals, wo ich noch keinen wirklichen Adalbcro kannte, möglich erschien, ist es jetzt nicht mehr.
13*

196

Rheinlande.

Trier.

d) Ohne Namen des Prägherrn.
hff. +S P’ERVS Taf. XXI, 493 1). 493) S EVCHARIVS Brustbild mit Krummstab. zwei rechte Hände halten zwei Schlüssel, welche in die Buchstaben ‘ER der Umschrift auslaufen. Mem. St. Pkt. 111, Taf. XI, 7. Bohl 11, S. 31. Nr. 1. 493a) Desgleichen mit SVIRAHCVES auf der Hf. - M.S. 1,tzGr. Bohl, S. 22. Taf. 1, Nr. 1. 11. Ausg. S. 31. Nr. 2. Letztere Mtinzc (mit rückläufigem, aber nicht erkanntem S. Eucharius) legt Bohl in seiner 1. Ausgabe dem obengenannten Albero von Montreuil, in der 11. aber beide dem Gegenbischofe Adalbcro (1008 -1016) bei. Zu Ersterem hat ihn falsche Lesung der Umschrift verleitet, letztere Zutheilung stützt er auf das Fehlen des erzbischöflichen Namens, da Adalbero weder investirt , noch consecrirt worden, sowie auf die Nennung des heiligen Eucharius, den er nebst Valerius und Maternus als Schutzheiligen verehrt habe. Allein, wenn dies entscheidend wäre, so würde wohl statt des Apostels Petrus eher Valerius und Maternus genannt sein, und dass die Mangel bei Erlangung der Macht Adalbero keineswegs abgehalten haben, unter seinem Namen zu münzen, das haben wir bereits oben gesehen. Auch schon nach ihrem Gepräge muss man diese Dena.re dem Adalbero absprechen, denn nicht allein sind sie von dem zierlichen Stempelschnitt, den selbst Poppo’s älteste Gepräge noch vcrmissen lassen, und der sich erst unter F erhard einbürgerte, sondern sie zeigen auch fl auf der Rf. eine Darstellung, welche ähnlicb zuerst gegen Ende der Herrschaft Olwohl ich Poppo’s, genau so aber nur unter Udo, Egilbert und Bruno vorkommt. nun an und für sich nach dem blossen Aussehen diese Münzen am liebsten in die letzten Jahre Poppo’s oder die ersten Eberhard’s setzen möchte, also in UebereinStimmung mit Köhne’s Angabe, dass sie zufolge eines Fundes der Mitte des XI. Jahrhunderts angehören (Mem. St. Pet. IV, S. 61), so könnte man sie vielleicht mit Rtlcksicht auf. das Geprage der zwei Schlüssel haltenden Hande in die kurze Zeit der Stuhlerledigung nach Eberhard’s Tode zu setzen geneigt sein. Köhne’s Zeitbestimmungen der Funde sind bei der Irrigkeit seiner Ansichten über mehrere gerade der wichtigeren Münzen nicht gerade massgebend, und Thomsen bezeugt nur, dass diese Münzen dem Selsoe-Funde entnommen sind, also vor 1070 geprägt sein mtissen, während sie in seinem Kataloge (Nr. 5865-5867) der Zeit von 1000-1050 zugewiesen sind. Es wird indessen eine Entscheidung dieser Subtilitäten kaum möglich sein. Nicht unwichtig scheint übrigens ein Hinweis darauf, dass beide Heiligen, denen wir auf diesen Münzen begegnen, und nur sie allein neben dem Erlöser auf dem bei Nr. 461 a bereits erwähnten alten, nach etwa fiinf ,Jahrhunderten im Jahre 1537 aufgestochenen Stadtsiegel mit Trevericam plebem Dominus benedicat et urbem (Anzeiger für Kunde der deutsch. Vorz. 1871. S. 236) erscheinen, das nach Bohl um 1237 in Gebrauch gewesen, aber nach dem Schriftcharakter, soweit sich derselbe aus dem restituirten Siegel erkennen lässt, wohl noch aus dem XI. Jahrhundert stammen mag. S. Petrus und Eucharius waren also die Haupt-Patrone. Damit fallt dann auch jeder Grund, um diese Münzen, wie Köhne (a. a. 0.) gethan, der Eucharius- , späteren Matthias-Abtei in Trier beizulagen, zumal, da von einer Er1)

.

Irrthümlich auf der

Tafel

XXI

ulit

493~2

bezeichnet.

Anonyme.

-

Echternuch. -. Prüm.

-l97

theilung des Mtinzrechtcs an dieselbe nichts bekannt, und dessen Ausübung auch im Uebrigen so wenig beglaubigt als glaubhaft ist. Wir diirfen von Trier nicht scheiden, ohne zu erwähnen, dass Grote (Münzstud. 1, S. 409 und 111, S. 1000) gewissen Denaren mit AVGVSTA CIV eine Heimath in Trier sucht, weil dieselben zu den sonst bekannten Augsburgern allerdings wenig passen wollten, und Augusta so gut die Stadt der Treviri als die gewöhnlich darunter verstandene der Vindelici bezeichnen kann. So sinnreich dieser Einfall aber auch sein mag, so besteht er doch wenigstens hinsichtlich der Denare mit dem Bilde der heiligen Jungfrau nicht vor gewissen anderen, Grote unbekannt gebliebenen Thatsaohen, und gehören diese Denare (Nr. 1043) vielmehr nach Augsburg. Nachdem dies feststeht, fällt auch jeder Grund, den an ersterer Stelle (Munzstud. S. 409, Taf. XXIX, 16) gebrachten Denar von Augsburg weg nach Trier zu verweisen; ich habe ihn aber, da er eine vollständige Erklärung weder hier noch da zulässt, unter die unbestimmten versetzt (Nr. 1217).

Echternach.
. . D * Kopf rechts. i?j: t EFTERNACVS Kreuzehen mit vier Kugeln. umgeben von den Buchstaben PSET. - Thomsen 6064. Berl. Bl. 1, Taf. 1, 1. Bl. fiir Mtinzfrde. 1875, Taf. 42, Nr. 3. Echternach, etwa zwei Meilen westlich von Trier gelegen, und der heutigen Welt hauptsächlich durch seine Sprungprozession bekannt, ist von hohem Alterthum. Die Frankenkönige hatten hier einen Palast. Irmina, Tochter Dagoberts II., gründete in Eohternach eine Kirche nebst Kloster, die sie unter den Sehutz des heiligen Willibrord stellte, und schenkte der neuen Stiftung ausser andern Glitern die auf sie vererbte Hälfte der Villa regia Eptcrnacum in pago Bcdcnsi. Die Abtei erhielt unter Abt Ravanger von Otto 111. das Münzrecht (992) 1) dessen AusUbung einzig und allein durch den obigen Lusserst seltenen Denar und Erwähnung der Echternacher Münze in einer Urkunde von 1023 (Lelewel 111, S. 260) bezeugt wird. Zweifelhaft bleibt, ob das PETS der 18f. auf den Apostel Petrus oder etwa einen Abt dieses Namens geht, der in der ersten Hälfte des XI. Jahrhunderts gelebt haben mag. Der heilige Willibrord, den die 11’ nennt und abbildet, ruht in Echternach, aber nicht mehr in der zur Zeit der französischen Revolution in eine Fabrik umgewandelten alten Kirche, sondern in der Pfarrkirche St. Peter. Taf.X&I,
494. 494) *VILLIBR

Prüm.
Dieser zwischen Stablo und Trier in der Mitte belegenen uralten Abtei, von welcher zur Zeit Miinzen nicht bekannt sind*), hat LongpBrier in der Rev. num.
1) S. public. de la SOG du grand-duch6 de Luxenbourg 1850 und Schannst : Eiflia illustr. III. 11, S. 251. 2) Noch jüngst zwar hat I,okalpat,riotismns einen stummen Denar des XIII. Jahrh. hierher verwiesen (Bl. f. Münzfrde 1875 Taf. 42 Nr. 21, doch widerstrebt die ElsPssische Fabrik. Dass Lelewel Münzen von Prüm ermittelt, wie Leitzmnnn (Wegweiser S. 1901 sagt, ist mir nicht bekannt, sein Citat 11, 2il passt nicht, und iu Lelewels Inhaltsverzeichniss fehlt der Artikel Prüm. Abth.

198 1868, S. 230 folgenden
Rf. tHEREVIRTVm

Rheinlande.

Vianden.

Denar zugeschrieben: tLOTHARIV RIX Kopf linkshin. Auf den ersten CO Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. Blick scheint diese Zutheilung sehr ansprechend, denn die Abtei wurde 720 von Bertradis, Grossmutter der Gemahlin des Frankenkönigs F’ipin, und ihrem Sohne Charibert gestiftet und 863 von König Lothar mit dem Münzrechte zu Romarivilla beide Wohlthäter wären also hier von der dankbaren (Romersheim) beschenkt, Nachwelt verewigt. Diese Erklärung wird dann auch in dem Jahresber. der Ges. f. niitzl. Forsch. zu Trier ftir 1872/3, S. 74 als unanfechtbar gebilligt. Dennoch stellt sie sich aus numismatischen Gründen als geradezu unmöglich dar, denn der Typus dieser Münze ist ächt französisch, ein solcher, wie er nirgends und niemals in Deutschland - den Begriff in der weiteren Ausdehnung genommen, in der wir ihn hier anwenden - geherrscht hat. Damit allein wäre diese Zutheilung beseitigt, auch wenn es nicht gelingen sollte, eine bessere an ihre Stelle zu setzen. Dennoch dürfte dies so schwer nicht sein, obwohl ich in der französischen Mttnzkunde nicht sehr bewandert bin, und daher sowenig eine Berechtigung dazu in Anspruch nehmen, als andererseits eine Verpflichtung anerkennen kann, indem es sich hier lediglich um Abweisung des Fremdartigen handelt. Und SO will ich denn nicht unterlassen, darauf aufmerksam zu machen, dass gleichzeitig mit König Lothar (954-986) Graf Heribert 11. von Champagne (968 -993) regiert hat. In diese Zeit und Gegend scheint dieser Denier vortrefflich zu passen, und damit ihm die gebührende Stelle gesichert zu sein, falls nicht die französischen Münzkenner eine bessere nachzui/ weisen im Stande sind. Um die Leser in Stand zu setzen, selbst zu urtheilen, gebe ich hier eine Abbildung der fraglichen Mtinze.

Vianden
hat Friedlaender mit dem t OTTO (Mtinzstud. VIIT, f
REX, Rf. VIEOVI A

S. 286. Nr. 115) wenn auch mit allem Vorbehalt, Denare zu beschenken versucht, der aus dem

Munkegaard-Funde als unbestimmt in den Berl. Bl. 111, Taf. XXVI, 13, abgebildet ist. Diese Bestimmung hat etwas Ansprechendes, das Exemplar dieser Münze aus dem Funde von Althöfchen, welches diese Vermuthung hervorgerufen hat, erinnert etwas an das nahe Trier, Vianden ist alten Ursprungs und heisst in jener Zeit Vienna, was der Mlinzinschrift völlig entsprechen wurde, wenn man das 0 etwa als blosse Reminiscenz an das vorbildliche
COLONI A

ausser Betracht

lassen könnte,

dennoch

hat sich die Hypothese nach Auffindung besserer Exemplare nicht bestatigt, und wird sich die Munkegaard-Münze ohne Zweifel ebenso wie die von Althöfchen als ein Denar von Dinant (s. Nr. 171, 172) ausweisen.

11, Friesland
war früher die Bezeichnung eines ziemlich ausgedehnten Landstriches, der von dem Flusse Sinkfal (jetzt Zwin, bei Sluys) bis zur Weser reichte und in drei Theile zerfiel: Frisia occidentalis, zwischen Sinkfal und Fli, die heutigen Provinzen Süd- und Nord-Holland nebst Theilen von Utrecht, sodann Frisia media, zwischen Pli und Lauwers, oder die jetzige holländische Provinz Friesland , endlich Frisia orientalis, zwischen Lauwers und Weser, welches den grössten Theil von Groningen nebst dem hannöverschen Ostfriesland und einem Theile von Oldenburg umfasst. Das Land südlich vom Zuydersee, zwischen Naarda und Kuindre, die Gaue Fletheti, Harnaland, Islego und Salland, haben nie zu Friesland gehört. Das lothringische Deventer habe ich, gleich Grote (Münzstud. VII, S. 305)) Friesland anschliessen zu müssen geglaubt, da es nicht allein zum Utrechter Gebiete gehört, sondern auch numismatisch viel genauer mit Friesland als mit Lothringen verbunden ist, Emden aus ähnlichen Gründen zu Sachsen gelegt.

a) Kaiserliche Denare.
Konrad 11. (1024-39, Kaiser seit 3024). 495. 495) + CONRAD IMPET bärtiger Kaiserkopf. Bf. tFRESONIA Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. - M. S. O,ia Gr. O,g Gr. O,o2 Gr. Köhne III, S. 188. Abgeb. Dirks, bijdragen j), Heft II, Taf. 11, 30, danach v. d. Chijs IX, Taf. XVI, 1. Höchst merkwürdig, dass hier nicht die Prägstätte, sondern der Name des Landes genannt ist, ohne Beispiel in dieser Zeit, und auch sonst nur bei dem berühmten Gold-Trienten mit AVDVLFVS FRISIA (v. d. Chijs IX, Taf. VII, l), sowie bei einigen Merowinger Trienten vorkommend, die den pagus (Gavaletano, Briennone , Albiciense, Austrebanto, Henegauchia u. s. w.) nennen. Wegen dieser unerhörten Eigenthümlichkeit hat dann auch Köhne, der die Mtinze zuerst mitgetheilt, sie nicht richtig bestimmt, sondern in dem Fresonia, obwohl unter Bezeugung seiner Zweifel, Freisingen vermuthet , Dirks erst hat ihr die gebührende Stelle anTaf. XXII,
1) Abgedruckt aus der Zeitschrift *>, de vrije Fries Bd.WX (Leeuwarden). *

,, S. 199, letzte Zeile lies IV statt VI.

200

Grafen von Friesland.

gewiesen, indem er bemerkt, dass Fresonia und Frisonia der alte Name des Landes ist (s. Foerstemann 11, 529). E r is t nur zweifelhaft, ob sie vom Kaiser selbst, der viele Beziehungen zu Friesland gehabt, zu Utrecht oder Nimwegen, oder aber, ob sie etwa von dem holländischen Grafen Dietrich 111. (Theodericus de Frisia) und dessen Sohne Floris, oder endlich, ob sie vom Grafen Ludolf von Braunschweig in dessen friesischen Besitzungen geschlagen worden. Zu bemerken ist, dass bei Dirks der Schlussbuchstabe T nicht deutlich erscheint, den alle meine drei Exemplare ganz klar zeigen, sie unterscheiden sich nur dadurch, datiti das eine das P verkehrt gestellt haf. Am11 verdient da,s leichte Gewicht Erwähnung, das alle im eigentlichen (West-) Friesland geprägten Münzen auszeichnet. Heinrich IV. (1056-1105,
Kaiser seit 1084).

Zwei mit scincm Namen bezeichnete Denare von unverkennbar friesischer Fabrik, den einen mit seinem rechtsgekehrten Kopfe, den anderen ohne solchen (Köhne, N. F. XI, 1, 2) sehe man unter den unbestimmten (Nr. 1207 und 1208), denn sie tragen keinen Namen einer Prägstätte. Der folgende aber ist von Staveren. 1) bärtiger Kaiserkopf. Rf. t SVENRONV Brustbild der Apostel Simon und Judas. Mem. St. Pet. III, Taf. XVIII, 13. Genau das Geprägt der Münzen des Markgrafen Egbert II., und vermutblich auch ihm zugehörig. Köhne glaubt die Munze 1077 geprägt, nachdem der König die Stadt Egberten genommen, sic aber noch nicht der Utrechter Martinskirche gcschenkt hatte.
496. 496) + HENERTVS

Taf. XXII,

b) Münzun der Grafen von Friesland.
Taf.XXII, Lud01 f bis 1038 (23. April). 497. 497) LIVDO.. . diademirter Kopf linkshin.
RJ (CO)l-OIIA.

2

A Mem. St. Pet. 111, Taf. XI, 9. Kijhne, dem allein wir die Kenntniss dieser Mtlnze verdanken, erläutert sie (a. a. 0. Bd. IV. S. 63) folgendermassen: aEine höchst merkwürdige Münze, die nur dem Sohne König Otto% 1.; Ludolf, zugeschrieben werden kann, denn es fiudet sich in der Geschichte bis zum Jahre 1100 kein anderer Ludolf, welcher gegründetere Ansprüche auf unsere Miinze machen dürfte. Das Brustbild kann unserer Bestimmung nicht widerstreiten, wenn man sich erinnert, dass auf Miinzen Ottos 1. sehr oft dessen Brustbild vorkommt, auch auf vielen gleichzeitigen Münzen, z. B. denen Bernhard’s von Sachsen, Brustbilder angebracht sind. Die Münze selbst ist ein Halbling, nur etwas dünner und breiter als die Bälblinge Ottos I., aber von etwa gleicher Schwere. - Unsere Münze liess Ludolf wahrscheinlich während seines Feldzuges in Lothringen schlagen. In Köln
1) So nach der Abbildung, wghrend der Text
+HENERICVS

angiebt

Graf Ludolf.

201

selbst ist sie nicht geprägt, sie beweist aber, wie der so beliebte Kölner Typus schon damals nachgeahmt wurdea. Gegen diese Ansicht erheben sich aber die gewichtigsten Bedenken. Erstens die Fabrik. Dass sie nicht schwäbisch, hat Köhne richtig erkannt : daher cr sic auch während Ludolf’s Feldzugs in Lothringen geschlagen sein liisst, also ausserhalb seines Herzogthums Schwaben. Aber von einem solchen Feldzuge Weiss die Geschichte nichts ; sein Schwager und Aufruhrs-Genosse Konrad hat wohl in Lothringen gegen Otto gekämpft, Ludolf selbst aber nur in Mainz und dann in Baiern, zuletzt in Schwaben die Waffen gegen seinen Vater geftihrt. Dann ist das Brustbild sehr anstössig. Es soll zwar auf sehr vielen Münzen Otto’s 1. vorkommen, mir sind aber nur fünf bekannt, der (Strassburger) OTTO MAGNVS, der mit l-RARISINTIAI AMONETA, Udo und Erkambold von Strassburg und Hermann von Schwaben, und von diesen wenigen ist die zweite sogar noch unedirt. Auf allen indess sieht das Bild ganz anders aus. Dass aber Ludolf selbst abgebildet sein sollte, wie Köhne zu meinen scheint, daran ist doch gar nicht zu denken, denn kein Vasall liess so früh (95”/,) sein Bildniss auf die Mltnze setzen, zu einer Zeit, wo selbst Königsbilder noch so selten waren, und nach der Krone hat Ludolf seinem Vater keineswegs getrachtet, also sich auch keine königlichen Ehren anmassen können. Drittens spricht gegen die Köhne’sche Ansicht das Kölner Monogramm, das nicht mehr, wie ? unter Otto 1. und meistentheils noch unter Otto 111. korrekt, sondern COLOIIA gestaltet ist 2 so, und nicht COLOIA, A A

wie Köhne’s Text angiebt,

liest mein Staniol-

abdruck, welcher der Köhne’schen Abbildung zu Grunde liegt. Dies Monogramm sieht ganz so aus, wie auf einem Denare mit Ottos 111. Kopfe, der seiner Fabrik nach wahrscheinlich im Lüttichschen zu Hause ist (Taf. XV, 340). Ziehen wir die AehnliChkeit mit dieser’ und ihr verwandten Lutticher und Maestriohter Münzen in Betracht, so werden wir fast mit Nothwendigkeit an Ludolf, den Sohn Bruno’s II., dem Braunschweig sein Dasein und Namen verdanken soll, den Ururonkel König Heinrichs 1. gewiesen. Er. war vermählt mit Gertrud, der Erbtachter Arnold’s, Grafen von Gent und erheirathete mit ihr Staveren: Oostcr- und Westergo0 nebst Islegoo. Mit der Zutheilung unserer Mtinze an diesen Ludolf verschwindet auch der befremdende Umstand ; dass nur der Obol erhalten, der entsprechcndc Denar aber verloren sein sollte. Wir dürfen vielmehr annehmen, dass wir es gar nicht mit einem Obole zu thun haben, sondern mit einem Denare, denn die Münze hat nicht die Grösse eines Obols, sondern genau die der Denare von Ludolf’s Sohne Bruno III., und die friesischen Denare sind, wie schon bemerkt, leichter als die anderen. Dass sie für einen selbst älteren Obol zu sehwer ist, darauf deutet auch Köhne’s unbestimmte Aeusserung über das Gewicht dieser durch Abnutzung offenbar stark verringerten Münze hin, sie soll von » etwa gleicher Schwere mit den Hälblingen Ottos I.« sein ; dies lässt Vermutherr, dase sie diese an Gewicht übertrifft, was sie ganz vortrefflich für einen leichten friesischen Denar eignen würde. -- Die Verwendung des Kölner Monogramms zeigen übrigens, wie schon S. 38 gesagt ist, auch Mtinzen von Fritzlar, Soest, Paderborn, Corvei und Minden.

202

Grafen von Frieslmd.

Bruno 111. (1038-1057). Er war der ältere Sohn Ludolfs aus seiner Eho mit Gertrud, bokannt in der Geschichte als treuer Anhänger Kaiser Heinrichs III., dem er nahe verwandt war, denn dessen Mutter Gisela war auch seines Vaters Ludolf Mutter; sie war erst mit dem Braunschweiger Grafen Bruno 11.) dann mit Kaiser Konrad 11. vermählt. Unser Bruno fiel im Juni 1057 im Einzelkampfe gegen Otto, den Bruder des Markgrafen der nordsächsischen Mark. Bruno’8 ziemlich häufige MUnzen sind zwar schon lange bekannt, aber bis in die neueste Zeit hatte ihnen Niemand ihren gehuhrenden Platz anzuweisen verstanden. Man kann bei v. d. Chijs (de munten van Friesland etc. Haarlem 1855) 6. 22 lesen, welche Vermuthungen Voigt, Mader, Becker, Götz und v. Posern über sie aufgestellt haben. Von ihnen allen ist Götz der Wahrheit am nachsten’ gekommen, denn er hatte schon an Heinrich 111. und den Braunschweiger Grafen Bruno 111. gedacht, und Posern hat ihm zugestimmt. Erst Dirks aber, an der Hand von Thomsen, hat in den oben angeführten Bijdragen das Dunkel vollständig erhellt, und durchaus überzeugend nachgewiesen, dass diese Denare unter Heinrich 111. und mit dessen Brustbilde von dem Sohne des obengenannten Ludolf und der Gertrud, Bruno, Grafen von Braunschweig, Staveren, Ooster- und Westergoo, Islegoo u. s. w. in seinen friesischen Besitzungen, und zwar zu Bolsward, Dokkum, Leeuwarden und Staveren geschlagen sind. Dem gegenüber ist es fast unbegreiflich, wie noch mehrere Jahre nachher ein übrigens verdienter Schriftsteller Morel-Fatio (Rev. numism. franp. 1640 S. 468) gegen diese bestbegrundete Ansicht einen völli g aussichtslosen Kampf unternehmen und diese Münzen fUr schweizerische erklären konnte, geprägt von dem Herzoge Heinrich von Schwaben (3 638 - 43) zu Ztirich 1) und Doggingen (bei Basel), Erklärang während er für die übrigen Inschriften (Bolsward und an$TQie schuldig blieb. Es ist aber doch der beste Beweis fiir die Richtigkeit der Lösung eines wissenschaftlichen Problems, wenn die Thatsachen sich der Lösung willig unterordnen, während man im entgegengesetzten Fallt höchstens von einer Hypothese sprechen kann. Ersteres trifft aber bei dem Dirks’schen Systeme vollständig zu, das, abgcschcn von den augcnsohcinliohon Inschrifts-Verdrehungen, wie sie ja bei fast allen Mlinzen unseres Zeitalters erscheinen, nichts dunkel lässt. Dem gegenüber hat die Morel’sohe Hypothese keinen Anspruch auf Beachtung. 2) welche librigens mit den anderen Das Gepräge aller dieser Bruno-Münzen, friesischen das Verdienst guter Arbeit theilen , ist übereinstimmend dasselbe : der rechtsgekehrte unbärtige Königskopf 3)) mit einem Kreuzscepter vor demselben. Rf. zwischen zwei Perlenlinien der Name BRVN, in der Umschrift der Name des Prägortes.
1) So

stellte LIVN

VERT

liest er VRECAAIT, (Leeuwarden).

oder vielmehr

VREO-AVIT,

richtiger

AVIT-VREO,

das ent-

2) Nicht mit Unrecht wirft v. d. Chijs (S. 31 Anmerkung 1 ) Herrn M. Mangel an Rücksicht gegen den hochverdienten Mader vor. Dessen Irrthum war jedenfalls verzeihlich, einer Erklärung wie der Dirksohen gegenüber, würde er gewias nicht durch Besserwissen haben glänzen wollen. 3) v. d. Chijs drückt (S. 19) seine Verwunderung dariiber aus, dass er den anderen dieses Kaiser8 ;Cappe 1, Taf. V, 71 -83) so wenig Phnlich sieht; ganz natiirlich, da v. d. Chijs sich auf Cappe stiitzt , und die meisten Münzen, die dieser unter Heinrich 111. aufführt, vielmehr von Heinrich 11. sind.

*:,

,, S. 202, Zeile 2.5 v. o. lies Ytaveren statt Leeumsrden.

Bruno 111.

203

Bolsward. Taf. XXII,
-198. 498) t HEMRICVS RE.

Rf. BODII-SMER.

v. d. Chijs, Taf. 1, 2. Dirks bemerkt dazu, dass Bolsward (im Westergoo) im Mittelalter zufolge seiner Siegel Bodelsvert und Bodelswart geheissen, und nach allen Ueberlieferungen lange vor Bruno% Zeit von Bolswyna, des Friesenkönigs Radbot 1. Tochter, gegründet worden. Keinenfalls kann die Beziehung der Umschrift unseres Denars auf Bolsward das geringste Bedenken haben, zumal das I sehr gut Fair L genommen werden kann, eine Verwechselung, die auch bei Leeuwarden vorkommt, und da ferner auch das verkehrt gestellte W so wenig befremdend als beispiellos ist. Lasst man diese unbedeutenden Verbesserungen zu, so lautet die Umschrift BO DLIS WER (t) , also fast genau wie auf den angeführten Siegeln. Bolswarder Münzen mit so richtiger Umschrift sind übrigens selten, häufiger die mit entstellter, von denen in den Mem. St. Pt%. 111,429 folgende angeführt werden :
498a) t HENPICVS ,1986) tHENRICVS IE. Rf. BOVI-AIOII. IE. Ii?f. BOVI-NDIA E. lif. BOIII - RIAT - A. a. 0. Nr. 67. (rückläufig). -A. a. 0.

Nr. 68.
-198~) t HENRICVS

(rückläufigi.
-

-

A. a. 0.

Nr. 69.
495dj t HEINRICVS IE. ähnlich (BODl-NIAIV)

Rf. BODI-AIVN.
0,~ Gr. Rf. BOIN-FIMT

M. S. 6,: Gr.,

Einedcr letzteren ähnliche mit gleicher Bf., bringt v. d. Chijs, Taf. 1, 3 und zeigt Neigung, sie nach Bonfurt, ehemals Bornwert in Oostergoo zu legen. Solche dunkele Inschriften lassen sich aber nur durch regelrechte aufhellen. Dokkum. Taf. XXII, 499. 499) t HENRICVS RE. h?J DO CC-VGGA. - M. S. 0,51 Gr. ?,62 Gr. 0,62 Gr. O,i5 Gr. 0,s~ Gr. (1). v. d. Chijs, Taf. 1, 3-9. In den Mem. St. Pet. 111, und bei v. d. Chijs finden sich viele Verschiedenheiten von sehr untergeordneter Bedeutung. Wichtig ist nur die folgende als die einzige mit deutlichem Kaisertitel, denn die übrigen mit den Buchstaben PE, IE, IR, ER9, E sind doch wohl eher ftir königliche anzusehen ; nur das einzige IRE (Mem. St. Pet. 111, S. 429. Nr. 73) könnte man allenfalls imperator oder imperator rex lesen.
500) tEIHRCIVS IM.

Rf. DOCC-VGGA.

Mem. St. Pkt. 111, S. 430. Nr. 82. Sodann ist noch folgende, wahrscheinlich von einem Bischofe (von Utrecht?) nachgeschlagene Münze hervorzuheben : Taf. XXII, 501. 501) t HENRICVS RE Königskopf mit Bischofsstab statt des Kreuzscepters, rechtshin. Rf. DOCC-VbbA und * BR.VN* - M. S. 0,7 Gr. 0,76 Gr. Taf.XXII, Leeuwarden. 502. 50-2) t HENRICVS
RE.

Rf. L*IV.N

(rückläufig) v. d. Chijs 1, 1. 1)
neuen Rubrik

-

VEa RT

wieder

1) Kein Druckfehler! von 1 an zu zählen.

v. d. Chijs fängt bei jcder

auf derselben

Kupfertafel

204 502~)

Grafen von Friesland. t HENRICVm IE.

Rf. LIN-VERT (ruckläufig). Köhne, N. F. 321. Nr. 2. Dirks sucht auszuführen, dass Leeuwarden, Frieslands Hauptstadt, bereits im IX. Jahrhundert bestanden habe, wenn es auch zuerst in einer Urkunde von 1149 als Lienward erwähnt werde. Diese Form in Verbindung mit der Form Liewert, welche noch heute im Volksmunde lebt, lässt an der richtigen Erklärung dieser Umschrift .nicht zweifeln. Dirks vermuthet, dass sie von Mtinzmeistern aus den Geschlechtern Cammingha und Reynalda geschlagen worden, von denen das erstere, sie werden in den alten bereits im IX. Jahrhundert genannt, noch heute blllht; friesischen Besetzen erwähnt, welche von der Einführung eines leichteren Pfennigs sprechen, was auf unsere Bruno-MHnzen vortrefflich passt. Zahlreicher als soloho Exemplare mit richtigem Stadtnamen sind die mit verstümmeltem , in denen sich oft nur noch schwer das Ursprllngliche crkcnnen lässt; das L geht in T und das T in O(D ?) über. Als Beispiele seien erwähnt :

50.26) t HEMRICVS

(ruckläufig). MBm. St. Pt%. 111, S. 430. Nr. 87. 502~) tHEINRICVS.RE. Rf. DIVA VERO. - M. S. 0,75Gr. O,i8 Gr. 0,82 Gr.
IR. RJ LIVA-AERT IE. LIVA VERO

502d) t HEINRICVS

(rückläufig).

A. a. 0.

Nr. 84.
IE. Rf. TIVA-VREO (riickläufig). A. a. 0. Nr. 88. Man sieht deutlich die fortschreitende Entartung, und sieht, in welche Irr thtimer man verfallen kann, wenn man derartige Nachmtinzen vereinzelt betrachtet; hat doch selbst Dirks Nr. 502s anfangs für ein Gepräge von Staveren gehalten. 5020) t HENRICVS

Staveren. Taf. XXII, 503. 503) t* HEIMR*ICVSa O,SZ Gr.
REV.
Rf.

S IAV-ERVN.

-

M. S.

5034 +* HE*VIRn ICVS*RE.

Ganz wie auf diesen Munzen wird der Name dieser Hauptstadt des Westergo0 bei ihrer ersten Erwähnung im Jahre 991 geschrieben. Es bleiben noch einige Mlinzen zu erwähnen, die sich nicht mit gleicher Sicherheit bestimmten Prägorten zuweisen lassen, hauptsächlich wohl, weil die Umschriften verderbt sind, vielleicht auch, weil bei den grossen Ueberschwemmungen, denen das Land in früherer ‘Zeit wiederholentlich, namentlich aber 1218 und 1287, wo der Einbruch des Zuyder-Sees erfolgte, ausgesetzt war, so manche Ortschaft von den Fluthen verschlungen wurde, deren Nachweis heute keiner Gelehrsamkeit mehr gelingen will. (rückläufigj. v. d. Chijs, Taf. 11. Dirks wirft die Frage auf, ob dieser Denar nicht etwa zu Midlum, einem Dorfe auf der Höhe der Midlumer Hügel, nahe bei dem sagenreichen Almeum (jetzt Harlingen) geschlagen worden. Taf. XXII, 504. 504) t HEMRICVS
RE. RJ MILD -NVM

RJ S IAV-ERVN (rlickl%utig) M. 6. 0,~s Gr., ähnlich O,i7 Gr. 0,~ Gr. O,‘J~ Gr.

Egbert 1.

205

(ruckläufig). Mem. St. Pet. 111, S. 431. Nr. 101. Rf. HAV-RODI. - A. a. 0. Nr. 102. 506) desgl. Rf. MAIV-RODI. - A. a. 0. Nr. 103. 507) desgl. Rf. ROAI-NDIV. 508) desgl . Thomsen 3956, ähnlich Rev. Belge V, 5. Taf. VIII, 29. Weiter als gewöhnlich bei diesen im Ganzen ziemlich korrekten Mtinzen ist die Verderbniss auf folgender Münze getrieben.
505) HENRICVS IE.
509)

Rf. BVIM-ROIA

+MSEVRCIS

RE.

Rf. VNS-DVN

(ruckläufig). A. a. 0. Nr. 104.

Egbert 1. (1057-1068). Bruno% Bruder, nie wa.nkend in der Treue gegen den ungllicklichen Heinrich IV., dessen Lebensretter er wurde, als der kaiserliehe Knabe zu Pfingsten 1062, um dem strengen Anno von Köln zu entgehen, sich in den Rhein sttirzte. Er erhielt im Jahre 1067 die Belehnung mit Thüringen. Seine Münzen sind erst in neuerer Zeit bekannt geworden 11, sie sind seltener als die seines Vorgängers und selbst seines Nachfolgers und unterscheiden sich von denen des ersteren auch bedeutend durch grösseren Umfang bei entsprechender DLinne. Man darf wohl Köhne’s Unterscheidung annehmen, der ihm die Denare ohne Kaiserkopf beilegt, denn diese schliessen sich besser an die besonders seltenen an; welche vermöge des kaiserlichen Profilkopfes und des BRVN nur von diesem älteren Egbert sein können, während die von Goslarischem Gepräge, d. h. mit vorwärts gekehrtem Kaiserkopfe und den Goslarischen Heiligen, welche dann dem juugeren Egbert zufallen: in keiner Weise mehr an die Brunos anklingen. 510) t ECBERTVS gekröntes Brustbild Heinrichs 111. mit Kreuzscepter rechts. Rf. ECBER R IVS ruckläufig, im Felde BR*VN. (Graf A. Stroganoff) . So lautet die Beschreibung bei Kühne, N. F. 8. 321, wo man die Abbildung neben so vielen weit weniger ,wichtigen, theilwcis auch bereits anderweitig darWenn nicht ein Druckfehler vorausgesetzt wergestellten Münzen ungern vermisst. den darf, so soll also das Brustbild den verstorbenen Kaiser andeuten, dann kann aber auch der Zweifel gar nicht entstehen, den Köhne berührt, ob die Mtinze nicht von Bruno in Gemeinschaft mit seinem Bruder Egbert geprägt sei: es ist das BRVN ebenso wie das Kaiserbild reine Typen-Nachahmung, gerade so wie das BARDO und HEINRICVS IMP nebst dem Kaiserkopfe auf den Munzen Siegfried% von Mainz (s. Nr. 411), das ANNO auf einem Denare Hermanns 111. von Köln (Nr. 809), das HLVDOVVICVS auf den Esslinger Denaren u. s. w. Eben wegen dieser vollkommenen Nachahmung können wir aber diese und die ähnliohe folgende Münze nur diesem älteren Egbert geben, wenn wir ihn nicht ganz munzlos lassen wollen, was bei der starken AusmUneung unter seinem Vorgänger und seinem Nachfolger doch höchst bedenklich wäre. Taf. XXII, 511. 511) Ebenso, aber Rf. tSEL-HROl4 und,BRVN. Mem. St. Pet. 111, Taf. XVIII, 6, danach v. d. Chijs, Taf. VIII,
veröffentlicht.

1.

1) Dia ersten drei hat lXrks

206

Grafen von Friesland.

V. d. Chijs (S. 441) glaubt die Miinzstätte in Seltnon, einem jetzt unhekannten Orte im Gaue Hugmerchi gefunden, Dirks dagegen vermuthet Selwerd bei Groningen, VOII WO ein Groschen (Cavalier) aus dem XIV. Jahrhundert bekannt ist (v. d. Chijs, S. 530. Taf. XVIII, 1). ES tritt nun ein neues Gepräge auf: zwischen zwei Perlenlinien MOTA oder NOTA (auch rückläufig) und einmal statt dessen BO* RD. Rf. Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel; dabei steht der Name des Fürsten und der Priigstadt bald auf dieser, bald auf jener Seite. Also die Hf. gleich der Rf. der vorhergehcndcn Munzen Egbert% und Bruno’s, nur freier behandelt, das nicht mehr passende BRVN durch moneta - denn so ist doch das MOTA, NOTA wohl zu erklären, - oder das unverständliche BORD ersetzt. Mit vollem Rechte eignet daher Köhne diese Mtinzen dem Bruder Bruno% 111. zu, und Dirks, der anfänglich ftir Egbert 11. gestimmt, scheint diese Meinung später verlassen zu haben; sein Argument wenigstens, dass der Kaisername fehle, beweist nichts ftir Egbert II., den Gegner Heinrichs IV. ZU Bruno’8 Prägstätten kommen noch einige andere hinzu, deren Entzifferung freilich noch nicht vollständig hat gelingen wollen. Die folgende verschweigt den Münzort. Taf. XXII, 512. 512) EBCERTVS Bolsward. Taf. XXII,
513. 513) ECBE0,42

und MOTA. Rf. t ECBERTVS. MBm. St. Pkt. 111, Taf. XVIH, 7.
22s. tBODLINVVE. -

RTVS und NOTA. RTVS
0,52

Gr. (!) Gr.

Mem. St. Pkt. 111, Taf. XVIII,

K. M. 8.

514) ECBE-

M. S.

515) GHI - MIEHC NVVER.

und *MOTA. RJ t BODLVSVER. A. a. 0. S. 433. Nr. 111. (rückläufig) und * blO*TA. RJ t BODLI Köhne, N. F. S. 322. Nr. 5.

Dokkum. 516. 516) DOCC -VGGA (rückläufig) und *ATON. Rf. tECBERTVS. - M. S. $82 Gr. 0,s~ Gr. K. M.O,72 Gr. Nicht weniger als 30 Abarten dieser Münze werden in den Mem. St. Pct. Ill. S. 431. Nr. 117 146 aufgezahlt, die Abweichungen sind aber SO unbcdcntcnd und bestehen nur in verschiedener Gestaltung und Stellung der Buchstaben, dass es sich nicht verlohnt, sie auch nur theilweise wiederzugeben. Taf. XXII, Emnigheim? Taf. XXII,
517. 517) ECBE0,45

RTVS

und NOTA.

Rf. t EMNICHEI.

-

K. M.

Gr. (!)

Aehnlich Köhne, N. F. S. 322. Nr. 14.

und NOTA. Rf. +EMNIGllM. MBm. St. P6t. 111, S. 436. Nr. 361. Nicht hlos die Inschrift der Hf., welche an das unerklarte GH I - MlEHC (Ghicheim) von Nr. 515 erinnert, ist räthselhaft, sondern auch das EMNlGHElM der Rf. 3) ist noch nicht mit Sicherheit ermittelt: Köhne vermuthet das alte Dorf Emblicheim unweit der Wechte in der Grafschaft Bentheim, wo vielleicht einst ein von Egbert besuchtes Schloss gestanden habe, Piot *), Emlichheim bei Koevorden ,
538) CHME-MIEHC

2)

1) So lesen vollstiin(liger Egbert8 11. Münzen. Rev. Belge 1855 S. 331.

Egbert 1.

207

Dirks l), Wester-Emden in Fivelgo, nach der Mittheilung in Köhne, N. F. S. 322. Nr. 14 aber Emswandechem südlich von Bolsward. Sprachlich hat unstreitig Emlichheim, Emblichheim am Meisten für sich, aber freilich nicht der Ort im Bentheimsehen, denn dass Egbert dort hat prägen gönnen, ist ganz unwahrscheinlich, und alle übrigen Gepräge dieser Dynasten sind westfriesische. Leeuwarden. Taf. XXII, 519. 539) LVAV-ERTN Oldeboorn? (rtickläufig) und * BO* RD. RJ: t EC Mem. St. Pkt. 111, Taf. XVIII, IO. Dirks denkt an das alte Dorf Oldeboorn, am Flusschen Boom, den Hauptort von Utingeradeel, der seit alter Zeit Jahrmarkt nebst Wegegerechtigkeit besass, und wahrscheinlich Marktplatz von Bordego war, indem er auf die gewöhnliche Verbindung zwischen Markt- und Mtinzrecht hinweist.
620. 520) NEREBERTVS. RERE

und NOTA. Iif. tECBERTVS* Mem. St. Pkt. 111, Taf. XVIII, 9.

Taf. XXII,

Staveren. und NOTA. Rf. tECBERTVS* Mem. St. Pkt. 111, S. 435. Nr. 152. 521~~. 521a) STVA-ERON und NOTA. sonst ebenso. - M. S. 6,ssGr. K. M. (468 Gr. 522) ECBERTVS (rückläufig) und NO : TA. Rf. tSTA
523) STVA-ERON VEREN.

Taf.XXII,

Köhne, N. F. 322, ähnlich M&n. St. Pet. 111, S. 436. Nr. 160. Münzstätten. 523) ECBE-RTVS (rückläufig) und*IIOTII* Rs. tMDINISIM. Mem. St. Pet. 111, S. 436. Nr. 162. ,523;) ECBE-RTVS und NOTA. Rf. tMSINISIIM. Köhne, N. F. XII, 6. 524) Ebenso. Rf. jHTEVSN.11. Köhne, N. F. XII, 7.
525) VVAaARVN - S3lZ *

Unbekannte

Taf.XXII,523n.

Köhne, N. F. S. 323. Nr. 17. Die Beschreibung der letzten Münze lässt es im Dunkeln, ob das S3lL die Stelle des NOTA im Felde einnimmt. Durch die Aufschrift von Nr. 523 findet sich Köhne an Minden erinnert, bemerkt jedoch, es sei unwahrscheinlich, dass Egbert diese Stadt besessen. Gewiss, und es lässt sich nicht mehr sagen, als dass sie wohl gleichen Ursprungs mit Nr. 523 a ist. Auch darf man nicht, wie Dirks versucht, die Umschrift rlickwärts gelesen, MISINIDM auf Meissen deuten, alle diese Münzen sind, wie schon bemerkt, in Westfriesland zu Hause. Meissner würden ohne Frage Meissner, und Mindener westfälische Fabrik zeigen, denn nicht nach dem Münzherrn, sondern nach der Münzstitte richtet sich die Fabrik. Zu Nr. 521 a, 524 und 525 schreibt Köhne: »Drei unbekannte Münzstätten ; nach Dirks ist die erste MSIN ISI IM , vielleicht Marssum, wo splter (zwischen
1)

Vrije Fries VI, S.

261.

208

c

Grafen von Friesland.

1398 und 1404) Herzog Albert *) von Baiern, Graf von Holland Münzen schlagen liess, oder etwa Mamehem südlich von Bolsward. In der Legende von Nr. 525 glaubt derselbe Gelehrte das alte Dorf Tyemaron, jetzt Tjummerum zu erkennen«. Wahrscheinlich aber haben wir es hier wieder mit blossen Nachmünzen zu thun, an deren Entzifferung alle Gelehrsamkeit der Welt zu Schanden wird. Eine solche Nachmlinze ist auch die bisher unerklärt gebliebene Bl. ftlr Mtinzk. 11; Taf. XVI, 22G, sie hat die Rf. unserer Nr. 523a, auf der Hf. aber um ein Kreuz t3E; SV i FIBR, was rtlckwärts gelesen, und die drei Punkte durch T ersetzt: EC+ BERTVS giebt. Man sehe diese MUnze unter den unbestimmten am Schlusse dieses Werkes (Nr. 1303). Egbert 11. (1068-1090). Sehr unähnlich seinem Vater Egbert 1. und seinem Oheim Bruno brachte dieser Furst sein Leben im Kampfe gegen den Kaiser zu und strebte selbst nach der Krone, ward aber IO!)0 erschlagen, ohne dass er seine ehrgeizigen Pläne erfiillt gesehen hätte. Seine Mtinzen dürfen also nicht, wie Götz und Cappe gethan, unter die Kaisermünzen aufgenommen werden , sie zeigen nicht und können nicht zeigen irgend etwas, das Egbert als König bezeichnete. Sie tragen ilbereinstimmend dasselbe Geprgge: den bärtigen Kopf des Kaisers, Rf, die Brustbilder der Apostel Simon und Judas, also den Goslarischen Typus, wie er auch anderer Orten nachgeahmt worden. Taf. XXII,
5%. 5%) t VECBERTVS. Rf. t VECBERTVSo.

Mem. St. I’ct. 111, Taf. XVIII, 11. Das V vor dem Namen erklärt man durch venerabilis, es kommt aber statt dessen auch I vor, das illustris gedeutet wird ; beides nebst vir spectabilis Titel der Grafen. Der Name wird übrigens, wie der seines Vaters, stets mit C, nicht mit G geschrieben, wie Köhne angiebt; beide Buchstaben sind auf diesen Münzen ganz deutlich zu scheiden. Bolsward.
527) t ECBERTVS. 527 u) t ECBERTVS. Rf. tBODLISVVER. -

K. M. 0,56 Gr.

IZf.

EqDLISVVERT.

Mem. St. Pet. III, Taf. XXII, 5273. 5276~ tVECBERTVS. Dokkum. Taf. XXII,

S. 439. Nr. 168.

Rf. t(B)ODLIMVVE(R).

v. d. Chijs, Taf. 111, 13. 528. 528) t ECBERTVS. Rf. t DOGGINGVN. M. S. 0,s~ Gr. O,G2Gr. K. M. (I,o; Gr. Mem. St. Pkt. 111, 8. 439. Nr. 170. v. d. Chijs, Taf. ID, 2. Aehnlich Erbstein, Taf. 11, 12. 528~~) t IECBERTVS 1. Rf. Ebenso. Mem. St. Pt%. 111, S. 439. Nr. 173. Eine Nachahmung scheint Mem. St. Pet. 111, S. 440. Nr. 176 :
528 b) + ECBERTVS . Rf. t DIM0VNVOII. 2)

1) Vielmehr Johann, s. v. d. Chije Friesland Taf. XXII, 2; Holland S. 360. 2) Auch wohl die Billon-liinze + EME, . CVS 3f. + DOCC.. . . , die Thomsen unter Heinrich IV. auffiihrt.

Kat. 1Yti9

Egbert

11.

209

K. M. 0,‘i Gr. 3. Mader IV, 63. Götz 304. Lelewel XVIII, 35. Bode, Taf. 1, 12. Mader’s, von Götz, Lelewel und Bode wiederholte Lesung EMN I SHEM ist unrichtig! verschuldet durch knappe Ausprägung seines Exemplares.
Rf. tEMNIGHEM. -

Taf. XXD,

529.

Emnigheim? 529) tECBERTVS. v. Cl. Chijs VIII,

Garrelsweer. Taf. XXII, 530.
540) tECBERTVS. Rf. t GEROIEVVRE.

v. d. Chijs, 530~) Ebenso. RJ

Taf. VIII,

4.

Aehnlich

Erbstein,

Taf. 11, 13.

t GEREVVERE.

Mem. St. Pkt. 111, S. 440. Nr. 192. 53Ob) Ebenso. Rf. t GEREVVIORE. - A. a. 0. 193. 530~) Ebenso. RJ t GEROIEVVER. - A. a. 0. 394. 530d) Ebenso. Rf. tGEROIEVVRE. - A. a. 0. 395. So grosse Uebereinstimmung des Stadtnamens schliesst den Gedanken an Nachmiinzen aus. Gernrode, worauf Cappe (11, Nr. 538ct) räth, kann aber unmöglich gemeint sein, auch nicht Groningen, das Köhne vorschlägt, denn der Name ist zu abweichend und die Stadt war Utrechtisch. Grosse Wahrscheinlichkeit hat dagegen wohl die Vermuthung von Dirks, der Garrelsweer in Fivelgo, damals Gerlewiswert , 1285 Geroldiswere genannt, darin Sicht und zur Unterstützung anfiihrt, dass nach Adam Bremensis hist. eccles. Heinrich IV. seinem Gtmstling, dem Erzbischof Adalbert von Bremen zwar 1057 die Grafschaft in Hunesgo (Hunsingo) und Fivelgo mit Markt- und Zollrecht in Wincheum und Gerlewiswert geschenkt, dass aber im Jahre 1067 Egbert 1. dieselbe in Besitz gehabt hat. Leeuwarden.
,531) tECBERTVS.

Ii?J tLINVVART.

Auch schrieben :

Mem. St. Pet. 111, S. 440. Nr. 177. 531 czj t VECBERTVS. Rf. t LI NVVARTVM. - Ebenda Nr. 186. folgende augenscheinliche Nachahmung wird a. a. 0. Nr. 181 bc531 r,) t EGINERTVS.

&f j t I IO1IGV I ~VJ ; letztere Inschrift scheint aber, da sich ein Fragezeichen dahinter befindet, nicht deutlich, was bei Nachmünzen eine sehr gewöhnliche Erscheinung ist. Staveren.
t VSTAVERONV. O,G5 Gr. O,i2 Gr. L. Rf. -

Taf. XXII,

532. 532) t VECBERTVS
0,52

M. S. Cappe 1.

Gr., iihnliche v. d. Chijs VIII,

IO.

Aehnlich Taf. VIII,

Erbstein 124.

11, 11.

532 a) t ECBERTVS. 532 b) t IECBERTVS.

I’if. t STAVEREN. Rf. t STAVEROMV.

Mem. St. Pet. 111, S. 440. Nr. 183. Köhne, Taf. XXII,
Danncnbe

533.
rg,

533) tSTAVEROl4.
älte8tc Münzen.

N. F. S. 323, Nr. 20. NORVTSAI. K. M. O,il Gr. v. d. Chijs, Taf. 111, 6.
Iif.
14

Deutschlands

220

Friesland.

Utrecht.

Die Umschrift der Bf. der letzten MUnze soll wohl auch Staviron heissen, die Buchstaben sind nur durcheinander gewürfelt. Das V vor STAVERONV auf Nr. 532 liest Röhne: villa. Winsum.
Rf. tVVINfHEM. M. S. C),USGr. K. M. O,x Gr. MBm. St. Pkt. 111, Taf. XVIII, 3 2, danach v. d. Chijs VIII, 2. Nach dem zu Garrelswder Gesagten zu Winsum (Wincheum) in Hunsingo geschlagen, nicht zu Winsen an der Luhe im Lüneburgischen, wie Kiihne vermuthet hatte.

Taf. XXII,

534.

534) +ECBERTVS.

Unbestimmte.
535) tVECBERTVS. Rf. tVLFAVMi/RG.

M&m. St. PBt. 111, S. 441, Nr. 203. Dirks erinnert bei der Endsylbc , dass ein bcdeutendcs Dorf in der Provinz * Dqnthe Norg heisse; der Anfang klingt sehr an den Namen Olaf an.
536) t ECBERTVS. Rf. t GEN01 . . AM.

Nach Dirks, wie Kiihne a. a. 0. S. 324 mittheilt, Dorf Goynghom, Goenghem bei Sneek. 537) Ebenso. RJ. +NEOB’VVHES. K8hne, N. F. 324, Nr. 35. 538) Ebenso. RJ. t SERBEVEN. A. a. 0. Nr. 36. Alle diese Münzen der friesischen Grafen sind, wie bereits bemerkt, von sauberer Arbeit und guter Ausprägung, b vleieh denen ihrer Uberseeischen Nachbarn, der Englander. Ihre Mannigfaltigkeit ist erstaunlich und gerechtfertigt durch Egbert’s Beinamen ditissimus. Dennoch sind sie nicht allzu gemein und wareu bis zur Entdeckung eines grossen polnischen und eines russischen Fundes sogar selten. Köhne, der beide beschrieben bat, führt nicht weniger als 41 Bruno’s, 75 von Egbert 1. und 56 von Egbert TT. a.uf.

Köhnc, N. F. XII, 3. wahrscheinlich das alte

Utrecht.
Nachdem am 22. November 6!)ö Papst Sergius den Friesen-Apostel Willibrord unter dem Namen Clemens zum ersten Erzbischof der Friesen bestellt hatte, wies ihm Kiinig Pipin seinen Sitz in Wiltaburg oder Utrecht an, wo er im Jahre 726 die Domkirche dem heiligen Martin weihte. Aber noch war da.s Land dem Christenthume nicht gewonnen , erst unter Bischof Hamokar (790-806) wurde da,s Heidenthum gänzlich ausgerottet. Doch auch damit kehrte der Friede noch keineswegs ein, die unablflssigen Einfälle der Normannen, die sich bis zum Anfange des XI. Jahrhunderts wiederholten, hinderten eine gedeihliche Entwickelung. Es fehlen uns daher auch die Mtinzen aus diesem ganzen Zeitraume ; die Merowingischen GoldTrienten mit TRIECTO FIT gehiircn, wie man jetzt erkannt hat, nach Maestricht. Erst mit Heinrich 11. beginnen die IJtrechter Mtinzen, nachdem die namentlich unter den Merowingern und Karolingcrn so fleissige Münzstätte des nahen Durstadt (Wijkby-Duurstede) ihre Thätigkeit lgngst hatte einstellen miissen. Doch ist es freilich nicht unmiiglich, dass man schon früher in Utrecht zu prä.gen angefangen, die Urkunden lassen diese Miiglichkeit sehr wohl zu. Die älteste derselben ist von Otto 1. *,,
, fk 210, Zeile 14 v. o. lies Drenthe statt Dronthe, >-

Heinrich

IT.

211

vom Jahre 937 1) ; hier, wie in der Verleihung von 949, in welcher derselbe Kaiser zu Quedlinburg demselben Bischofe alle bisherigen Schenkungen bestätigt 2)) scheint es sich ,jedoch nur um Uebcrlassung der Einkünfte aus der Münze zu handeln 3). Bald darauf aber erhielt Bischof Balderich das volle Münzrecht, denn in einer Urkunde desselben Kaisers vom Jahre 953 “) heisst es:’ praelibato quippe concedimus episcopo licentiam , in praescripto loco Trecht nominato, monetam faciendi u. s. w. Weitere Best%igung und Erweiterung dieses Rechtes erhielt das Stift unter Bischof Ansfried, dem Otto 111. 998 die Villa Bomele (später Zalt-Boemel) mit der Münze überlässt s), und unter B. Bernold, der zwei Schenkungen Heinrich% 111. aufzuweisen hat, die eine von 1040, die sich auf Groningen mit der Münze 6) und die andere von 1046, die sich auf Deventer mit der dortigen Münze bezieht ‘). Diese Urkunden finden durch unsere Münzen ihre Bestätigung, denn von Bernold tiind uns ausser Utrcchtern auch Groningische und Deventersche Gepräge hinterbAieben, wogegen wir kaiserliche aus Groningen so weni g als Münzen von Bommeln überhaupt aus so früher Zeit hesitzen. - Auch zu Vught (in Nord-Brabant) haben die Utrechter Bischöfe das Münzrecht geha,bt, denn B. Ansfried schenkte 1006 dem Kloster bei Amersfoort die Hälfte von Zoll und Münze zu Fughtc “), was Bernolf im Jahre 3050 bestätigte.
B) Miinzen der Kaiser.

11. (1002--1024, Kaiser seit 1014). Ta,f. XXIII, 539. 539) HEINRICVS REX gekröntes Brustbild. 2ij’. XRISTIANA RELIGIO Gcblude, in welchem T-RA-IEC-T-V in vier Zeilen. - K. M. 1,s~ Gr. 1,4 Gr. 1,41 Gr. M. S. 0,s~ Gr. Giitz 281. Cappe 1, Taf. VI, 88. Blätt. f. Münzk. 111, Taf. IV, 65. v. d. Chijs IX, Taf. XVII, 3 und 6. Man ist stillscl?wcigend übereingekommen, diesen Denar Heinrich 111. beizulegen. Das thun Lelewel (111, S. 164), Grote (Bl. f. Münzk. IV, S. 166), Cappe (1, Nr. 505), v. d. Chijs (IX, S. 219) und Köhne (M&n. St. P&. 111, S. 442), während Götz ihn sogar unter Heinrich IV. auiYiihrt. IJnd doch hatte bereits Holmboe bei Beschreibung des Fundes von Egersund (Bl. f. Münzk. 111, S. 340 und 141) das Richtige getrofYen. Mit Bewusstsein hat sich zuerst Lisch (KUhne, N. F. 275. Nr. 44) der Frage unterzogen, indem er unsere Münze zufolge der Zusammensetzung des Fundes von Schwaan Heinrich dem Schwarzen ab- und dem Heiligen zuspricht. darliher lassen aber die beiden erwtilmten Funde keinen Dass dies allein richtig, Zweifel aufkommen ) von denen jener vor 1035, dieser ,sogar etwa 30 Jahre früher der Erde iibergeben sein muss. Auch bildet es ja die Regel, dass mit der Ausprägung der Bischofsmünzen die Kaisermlinzen aufhören. \
1) v. d. Chijs 2) Ebenda S. 3) Keinesfalls Bildnis8 zu schlagen, 4) v. d. Chijs 5) Ebenda S. 6) Dort 22. 5) Ebenda S. 9) v. d. Chi,js

Heinrich

Utrecht S. 14. 15. liisst sich darsns mit v. d. Chijs (1:~sRecht des Bischofs, herauslesen. Utrecht S. 16. 17. 23. m. d. hertogd. Brsbnnt 8. 20.

Miinzen

mit seinem

14*

212

priestand.

Utrecht.

Die weitere Frage, ob Trajectum hier Utrecht (Trajectum ad Rhenum oder Trajectum inferius) oder Maestricht (Trajectum ad Mosam oder Trajectum superius) bedeutet, welche Perreau (Rev. Belge 11, S. 346) in letzterem Sinne entscheidet, kann jetzt füglich nicht mehr aufgeworfen werden, wo wir ganz gleichzeitige Maestrichter von ganz abweichendem Styl kennen, und zum Ueberfluss die nachfolgenden Münzen des Bischofes Bernolf, namentlich die erste, den Iitrechter Ursprung dieses Denars so laut bezeugen. Thomsen beschreibt aus dem Oster-Larskjer-Funde sc folgende Münze unter Utrecht : »mit . RAIECTVM.
Bf. AMA, RIA sc

(Berl. Bl. 11, S. 61) Fund von Farve 13~;
»OTTO GRA DI . . .

indess bringt Lisch (Köhne, N. F. 266, Nr. 10) einen Denar: rechtsgekehrter Kopf.
RIA

.ZZf. VVI R - N 1, im Felde AMA «, unter Anfihrung

desselben

Citates, Farve 13. Einer von Beiden mindestens mnss sich hiernach geirrt haben, es ist aber schon oben bei Verdun und Maestricht gezeigt worden, dass sich Beide im Irrthume befinden und beide Münzen in Maestricht geschlagen sind (s. S. 89 und 129). Konrad 11. (1024-1039, Kaiser seit 1027). 540. 540) CVONRD- REX* unbktiges Brustbild Konrad%. Rf. t(XPIS) TIAIA REXG Gebäude, in welchem T-RA-IEC-IV in vier Zeilen. - K. M. 1,34 Gr. Friedlaender, Farve 1, 5. Rev. Belge 11. Ser. Bd. 1, (1851). Taf. XVII, 3, danach v. d. Chijs IX, Taf. XVII, 7. Dass dieser seltene Denar nicht, wie in der Rev. Belge a. a. 0. gesagt, und von Cnppe (111. Nr. 334) wiederholt wird, nach Maestricht gehört, lehrt ein Blick auf dcs Bischofs Bernold erste, nach dieser genau kopirte Mtinze (Nr. 543). Taf. XXIII, 111. (1039-1056, Kaiser seit 1046). Kopf linkshin. Rf. SCS MARTNIVS (die Inschrift am Anfang und hinter A unterbrochen durch zwei parallele Perlenlinien), der Heilige mit Stab in der Rechten. - M. S. 1,s~ Gr. Stettin 0,9 Gr. l,t5 Gr. Köhne 111, Taf. VI, 9, danach v. d. Chijs IX, Taf. XVI, 2. Dass diese Milünze, aus dem Valloe-Funde, wie Köhne (a. a. 0. S. 173) sagt, von diesem Heinrich sei, kaun man schon gelten lassen, wenngleich zwingende Gründe ftir den Ausschluss Heinrich’s 11. schwer beizuhringen sein möchten und ich sie am liebsten Letzterem zuerkennen müchte. Etwas Anderes aber ist es, ob sie, wie Höhne noch bei Beschreibung eines ähnlichen Exemplares (mit HEIMRICVS. RJ. S MARTINVS, Mt%n. St. PBt. 111, S. 396. Nr. 8) und nach ihm Cappe (111, Nr. 395, 396, Mainz, Nr. 98, 99) annehmen, nach Mainz, oder wie v. d. Chijs (IX, S. 176) eher glauben möchte, nach Utrecht zu legen ist. Grunde giebt keiner dieser Schriftsteller. Unter den Mainzern aber wird man nirgends einen passenden Platz für sie ermitteln, sie wird dort überall als ein Fremdling erscheinen; dagegen bringen ihre Grösse, die feinen Buchstaben und die in dieser Zeit seltene Darstellung des in ganzer Figur stehenden Heiligen sie der nachfolgenden zweiten MUnze Taf. XXIII,
541. 541) HEINRICV

Heinrich

Konrad

II.,

Heitirich

III.,

Bischof Bernold.

213

B. Bernolds sehr nahe, sodass sie wohl eher nach Da aber der heilige Martin auch noch an andcrcn vielleicht auch an -einen von diesen, z. B. Viset, zu endlich das erste Exemplar 1) zu Gesicht bekommen, wahrscheinlich dtinken. Taf. XXIII,

Utrecht als nach Mainz gehört. Orten Verehrung genoss, so ist Nachdem ich unlängst denken. will mir Letzteres nicht so un-

542. 542) t HE.. . . VSPE* I der Heilige (oder Bischof) mit Bischofsund Kreuzstab. R? HE* NPICV . _ . Stadtmauer, übe: derselben VI-IECTI. - K. M. 0,5 Gr. Es scheint dies Stuck, das freilich hinsichtlich der Schreibart des Stadtnamens nicht mehr ganz korrekt ist, auf beiden Seiten den Namen des Königs zu tragen. und mag auch vom Bischofe ausgegangen Das Gepräge ist ganz das bischöfliche, was zweifellos wäre, sein, dürfte man in der Figur der Hf. sein Bildniss sehen, was jedoch durch die Umschrift SOS Martinus auf den ähnlichen Bischofsmünzen in Frage gestellt wird.

b) Münzen der Bischöfe.
IJnbärtiger Kaiserkopf (Konrads 11.). in welchem T- RAI -ECT. - M. S. 0,79Gr. (abgerieben). Berl. Bl. VI, S. 243, Nr. 4. Als genaue Nachbildung des Denars Konrads 11. wohl das älteste Gepräge dieses Bischofs, roher als das nachfolgende, wichtig, weil es den Utrechter Ursprung der ähnlichen oben besprocheneh Denare Heinrichs 11. und Konrads unwiderleglich beweist. Taf.XXIII, 544. 544) t SCS*MART*INVSA*R CBIEPS der Heilige im Kniestück, mit Krumm- und Kreuzstab. XjI t S BERNOLDV SEDIS CODVI* I gezinnte Mauer mit zwei Thürmchen und oflenem Thore, dartiber SfRA-IECTV in zwei Zeilen. v. d. Chijs, Utrecht, Taf. 1, 14. Aehnliche Lelewel XX, 3. Bl. f. Münzkd. IV, Nr. 353.
IiJ BERNOI.. . . . Gebäude,
l l

Taf. XXIII,

Bernold 543. 513) Umschrift

(1027-1054).

verwischt.

544~~) t IIISCS*MART.INVSA*RCblES. 2EDIS. CODVt 1, sonst ebenso. -

1?J

t SBERNOLDV.

M. 8. 0,s Gr., ähnliche
BERNOLPVS EBIS

0,~ Gr.
5446) COPV,

K. M. O,ij Gr., 0,s~ Gr.
&J

t IIISCS* MARTQ INVS.COV.

sonst ebenso. - M. 8. 0,89 Gr. Es kommt dieser schöne Denar in vielen Stempeln vor, v. d. Chijs giebt deren (Taf. 1, B- 15 und XXVIT, 4, 5) nicht weniger als 12 verschiedene; mehre freilich, mit verstümmeltem Stadtnamen (V-ECT und ähnlich) , kündigen sich als Nachmünzen an. Ein wunderlicher Einfall ist es, wenn v. tl. Chijs auf der Bf. sedis dominus (bestuurder des Zetels) liest, während es doch offenbar, wie Nr. 544 b ganz deutlich macht, nichts Anderes als episcopus heisst; die Form des P, welches einem
1) Alle drei sind undeutlich,
dan

meinige,

so ziemlich

das beste, hat nur H . . . , . . (REX?)

Rf.

S..MARTI...

214 D ähnlich

Friesland.

Utrecht.

Sicht, und der vor dem Schlussbuchstaben des Namens Bernoldus angebrachte Punkt hat den Irrthum hervorgerufen ; diese Punkte erscheinen aber hier Uebrigens hat v. d. Dhijs und auf Bcrnolds Groningcr Denarcn vielfach unmotivirt. selbst (Taf. 1, 12) ein Exemplar mit deutlichem: (B]E(R)NOLFVmZ. EPISCOP*V*S* und Grote (Bl. f. Münzkd. IV, 358) mit tSB(ERNOL)DV*SEPISCOPVt 1. Diese bizarren Inschriften haben auch andere Münzkenner irregeleitet, z. B. Reiche& der in seinem Kataloge Bd. VI, 93-95 solche Miinzen dem Bischof Arnold (1196- 9s) zutheilt, von dem keine vorhanden sind; er liest t S*AR*NIOLTVS EBISCOPVS. Eine Schwierigkeit bei Erklärung unserer mit so ungewöhnlich langen und übrigens deutlichen Inschriften ausgestatteten Münzen bietet das S vor dem Stadtnamen. Grote sieht darin den Schluss des Titels episcopus, ebensoKöhne (M6,m. St. P& 111, 443) ; aber was soll man dann aus dem S vor dem Namen. Bernoldus machen? das doch wohl viel natürlicher als Schlussbuchstab des Titels anzusehen ist. Sollten also nicht doch vicllcicht Lclewcl und v. d. Chijs, die Sanetus Trajectus (Snnct.um Trajectum) lesen, Recht haben? Oder soll es heissen : Trajecti signatus? wie die erste Münze Wilhelms fast glauben lässt 3 ES ist schlimm mit solchen einzelnen Buchstaben, die sich kaum mit Gewissheit deuten lassen. de Ponte (1054-1076). Taf. XXIII, 5.15. 5-15)t WIIHELMVS CP (rückläufig: tonsurirtcs Krnstbild mit Bischofs- und Kreuzstab XJ tTRAIECTVMS, Mauer und *V*--ECT wie vorhin. v. d. Chijs XXVII, 1. Dieser seltene Denar schliesst sich ziemlich genau an die seines Vorgangers, und bewahrt das’ durch die Umschrift unniitz gewordene, aber gewissermassen zum Typus gehörige VECT iiber dem Stadtbilde, ähnlich wie Graf Egbert 1. das BRVN seines Bruders anfangs beibehalten hat; man hat es als nothwendigen Theil des Gepräges angesehen. tonsurirtes Brustbild mit Bischofsstab rechts&J t HENRICVS RE hin, hinter demselben ein Kreuzehen. bärtiges Brusthild Heinrichs IV. - M. Si. $66 Gr., ähnliche 0,~ Gr., O,XI Gr., 0,8ti Gr. K. M. O,ti5 Gr., 0,~s Gr. AehnlicheGötz, 292. Bl. f. Miinzkd. IV, 371. v. d.Chijs 111, l-1 O. 2111e diese Miinzen bei Götz, Grote und v. d. Chijs unterscheiden sich nur durch die Beizeichen, einige ha,ben statt des Kreuzchens einen Ringel, andere ein Ankorkreuz, andere ein Kreuzehen vor dem Stabe, wieder andcrc sind ganz ohne solches Beizeichen. Gewiss nicht zu billigen ist es, wenn v. d. Chijs (S. 34) in dem Ringel hinter dem Bischofsbilde sein Familienwappen, die Mispelblume, erkennen will ; es ist weit vom Ringel bis zu dieser Blume, und dann sind Wappen in so friiher Zeit, noch dazu Bischofswappen, ganz unerhört. Nicht mit Unrecht hebt Grote (a. a. 0. IV, 168) die Stylverwandtschaft mit den gleichzeitigen Englindern hervor. Noch nähere Verwandtschaft aber besteht mit den Denaren der friesischen Grafen Egberts 1. und II., und ist daher wohl anzunehmen, dass unsere und die. gmz dmlichen beiden folgenden Münzen nicht wie die so abweichende Nr. 545 in Utrecht selbst, sondern in dem den Prägstätten der Egberts näher gelegenen Groningen geschlagen sind.
5 k(i. 546) t VVIIHEINIVS

Wilhelm

Taf. XXIII,

Wilhelm, Taf XXIII,
547. 547) +VVIIHEIMIVS A?f. + HENRICVS

Konrad.

215

tonsurirtes Brustbild mit Bischofsstab rechts. RE rechtgekehrtes unbärtiges Brustbild * des Königs, mit Kreuzehen in der Hand, hinter ihm ein Stern. - M. S. 0,s Gr. Mem. St. Pet. 111, Taf. XVIII, 3, danach v. d. Chijs 111, 11. 547~~) Ebenso, aber eine Rosette statt des Sternes. - M. S. 0,ö Gr., K. M. 0,~s Gr. Taf. XXIII, 546. 548) t VVIPlIEIHV2 wie vorhin, aber hinter dem Bischof ein It??. t IEMRICV2 RE Heinrichs IV. gekröntes Kreuzehen. Brustbild nach links, vor ihm Kreuzscepter, hinter ihm ein Ringel. Mem. St. Pet. 111, Taf. XVIII, 4, danach v., d. Chijs 111, 32. De Coster führt ,(Rev. Belge 11. Ser., Bd. VI, 8. 415, Taf. XX, 23) aus dem grossen (1.) Maestrichtcr Funde noch folgenden Denar unter diesem Bischofe auf: Brustbild mit Bischofs- und Kreuzstab. j?J Gebäude, im Felde Kreuzstab und OV; ich finde aber nichts, was diese Zutheilung glaublich machen könnte, sondern im Gegentheil gar keine Verwandtschaft mit den iibrigcn Utrechtern, und habe es daher vorgezogen, diese Miinze unter den unbestimmten des gedachten Fundes zu belassen (s. S. 140, Nr. 288). Taf.XXIII,549.
549) t NRVECIRHSV Kaiserkopf BIVBSNI tonsurirtes Brustbild wie auf Nr. 546. Af. tEHI

mit Fähnchen und Kreuzstab.

Thomsen 4044. Das Gepräge, verglichen namentlich mit Nr. 5-46, lässt nicht daran zweifeln, dass die Miinze hier richtig eingereiht ist. Auffallend sind die anscheinend sinnlosen Inschriften, die aber diesmal ausnahmsweise, wenn man die Buchstaben richtig ordnet, den Namen des Kaisers und des Bischofs ergeben, nemlich : HINRCVS oder HEINRICVS RE. I?J VIIHENVS oder VVIIHEINVS BB. Konrad 550. 550) . . VONR (1076-99). Kreuzstab.

Taf. XXIII,

. . . Brustbild mit Bischofs- und h!J. . . IECTV . . Mauer mit drei Thiirmen.

Bl. f. Miinzkd. IV, Taf. XVII, 355, danach v. d. Chijs 111, 3. Keiner der Schriftsteller, welche diese Münze besprochen, hat ihr diesen Platz ohne Zweifel angewiesen. Grote zieht CS vor, riickläufig (Be)RNOV(dus) zu lesen, statt (C)VONR(adus), weil das Brustbild denen auf Bernolds Münzen so völlig gleich sei, und von denen der Nachfolger so entschieden abwcichc. Mir scheint das unrichtig: einerseits sehe ich keine grosse Aehnlichkeit mit den Bernoldsmünzen, und andererseits keinen so bedeutenden Unterschied von Wilhelms ersten Münzen, wogegen freilich die übrigen wahrscheinlich nicht am Bischofssitze selbst geschlagenen ausser Betracht bleiben miissen; die Verschiedenheit der Miinzstätten erklärt ja iiberhaupt die grossen Unterschiede, welche in der Utrechter Miinzreihe an den Denaren eines und desselben Bischofs wahrzunehmen sind. Noch weniger ist v. d. Chijs zu dem Zweifel berechtigt, ob die Münze nicht in Maestricht zu Hause sei; hätte er die Liitticher Bischofsreihe angesehen, in der kein Konrad vorkommt, so wiirde cr diese Vermuthung nicht geäussert haben. Auch Lelcwcl geht sehr fehl, wenn er (111, 239) den Kölner Typus zu erkennen glaubt, und die Miinze daher dem Erz-

216

Friesland.

Utrecht.

bischof Konrad (1237 - 61) zueignet, von dessen doch allgemein bekannten Geprägen sie sich in einem Grade unterscheidet, dass dieser Irrthum wirklich schwer begreiflich wird. Cagpe tritt Lelewel im ersten Punkte bei , giebt sie aber doch wenigstens dem bedeutend älteren Erzbischof Arnold 1. 2137-1151 (Köln 393). Immerhin bleibt zu wünschen, dass einmal ein besseres Exemplar zum Vorschein kommen möchte, das durch deutliches tCVONRADVS EPC. Rf. TRAIECTVM alle Zweifler zum Schweigen brächte. Taf.XXIII, 551. 551) t PICONRADVS
l?J. t HEINCVRDV

sein Brustbild mit Buch und Bischofsstab. des Kaisers bärtiges Brustbild mit Lanze

und Kreuzscepter. Mem. St. Pet. 111, Taf. XVIII, 5, v. d. Chijs 111, 2. Ganz ähnlich der folgenden und der ersten Deventerschen Miinze (Nr. 5733, daher wohl ebendort geprägt. Zu bemerken ist, dass v.d. Cbijs RJ t H . . . HRVRSV liest, anders als Köhne, aber diesem hat das Original, jenem nur ein Abdruck desselben Exemplars vorgelegen. 551 a. 551 a) Aehnlich i aber ohne das PI zu Anfang der Umschrift, übrigens die Umschrift fast ganz zerstört. (Hesseling in Groningen) 0,~ Gr. (?) v. d. Chijs Taf. XXX. Taf. XXHI, 552. 552) + . . CONRADVS sein Brustbild mit Kreuzstab und Buch. Rf. t HERNPTVES Kreuz mit einem Ringel in jedem . Winkel. v. d. Chijs 111; 4. Taf. XXIII, 533. 553) t CVON(RjADVS EPS sein Brustbild mit Stab rechtshin. RJ t TRAIECTVM Kreuz mit einem Punkte in jedem Winkel. - (Munnik van Cleeff; 0,~ Gr. - v. d. Chijs 111, 5. Von sehr spätem Gepräge, gewiss aus des Bischofs letzten Jahren. v. d. Chijs hat noch einige ähnliche (Taf. 111, 6, IV, 8, XXVII, 3 und 4) ; er nennt mehre derselben halbe Denare. Da sie aber mit den andern von gleicher Grösse sind, so ist dies bei ihrer schlechten Erhaltung und der unregelmässigen Stiickelung wohl zweifelhaft ; das Gewicht allein (0,s Gr.), kann nicht den Ausschlag geben, wiegt doch die sehr schlecht erhaltene Nr. 551 1c, von v. d. Chijs ein Denar genannt, sogar nur 0,~ Gr. - Aehnlich ist der Denar Mieris II, 2 (Bl. f. Münzkd. IV, XVH, 356, an dem Mader (VI, 238) und Köhne (Mem. St. Pet. 111, S. 44G, Nr. 225) mit Unrecht zweifeln. Taf. XXIII, *
554. 554) TRAIECTI rechtsgekehrter Kopf mit Bischofsstab. Rf. (e)PISS(COP) (rückläufig) viersäulige Kirche. - (K. Kab.

Taf. XXIII,

zu Haag) 0,s Gr., 0,~s Gr., O;~I Gr. Rev. Belge 11. Ser. Bd. VI, Taf. XX, 24, ähnlich v. d. Chijs 111, 1, XXVII, 1 und 2. Grate giebt (Bl. f. Miinzkd. IV, S. 169, Taf. XVII, 352) ein ähnliches Stück (TRHIECR. Rf. EPIS. . .) mit dem Bemerken, dass es aus dieses Bischofs Zeit sein müsse, und v. d. Chijs stellt diese Münze zwar,eben dahin, meint aber, sie möchte wohl eher Maestrichtisch sein. Das glaube ich nicht, wenngleich ich gestehen muss, noch kein Original gesehen ZU haben, und folge de Coster, der sie, obwohl sie aus dem grossen (1.) Maestrichter Funde stammt, doch nach Utrecht verlegt. Es scheinen diese Münzen den Uebergang zu bilden von den älteren Denaren mit vorwärtsge-

Konrad, Burkhard.

217

kehrten1 Kopfe und Gebäude zu den jüngeren (Nr. 553 vorstehend) mit Profilkopf und Kreuz; das Gebäude haben sie noch aus alter Zeit gerettet, das vorwärts gekehrte Brustbild aber schon durch den Profilkopf ersetzt. Burkhard, Graf von Lechsgernund (1099-1112). SC. SI. MA. . . . Brustbild (des heil. Martin?) mit einem Kreuzstab in der Linken. Rf. . . . l : R l .* C (rückläufig), im Felde zwischen zwei Perlenlinien t BVRCH. Mem. St. Pt%. 111, Taf. XVII, 12, danach v. d. Chijs IV, 1. Die Hf. dieses Denars hat die Utrechter und mehr noch die Groninger Denare Bcrnolds, die Rf. dagegen die weitverbreiteten friesischen Denare Bruuos zum Vorbilde, also Muster, die ein halbes Jahrhundert älter sind, aber gewiss damals noch umliefen. Es ist daher wohl anzunehmen, dass auch diese Mtinze in dortiger Gegend, d. h. in Groningen, nicht in Utrecht selbst geschlagen ist, zumal sie sich von den beiden folgenden und dem diesen ganz ähnlichen jüngsten Gepräge Konrads (Nr. 553; so beträchtlich unterscheidet, und Burkhard nur kurze Zeit den Bischofsstuhl innegehabt hat. Taf. XXIII, 555. 555) Taf. XXIII, 556. 556) BVRCAR(D)V. . Kopf mit Bischofsstab rechts. Rf. t TRAIE . . VM Kreuz mit einem Sterne in jedem Winkel. Bev. Belge X, Taf. IX, 18, danach v. d. Chijs XXVII, 1, ähnlich Bl. f. Münzkd. IV, Taf. XVII, 357. Von sehr modernem Aussehen.

557. 557) . . . RCA. . . Kopf mit Bischofsstab rechts. Rf. Umschrift verwischt. Ueber einem Bogen drei Thurme von einer Mauer umschlossen. - (0,s Gr.). v. d. Chijs XXVII, 2. Obwohl von beiden Umschriften nur die drei angegebenen Buchstaben erhalten sind, so scheint das Gepräge doch eine andere Zutheilung nicht zu erlauben. Es bleibt aber ein besseres Exemplar noch zu wunschen. Dagegen ist die Münze, die v. d. Chijs auf Taf. XXVIII als die erste bringt, diesem Bischofe bestimmt abzusprechen, sie ist bedeutend jünger. Man sieht, es steht noch schwach mit den Utrechter Munzen aus dem Ende unserer Epoche, von Burchards Nachfolger Godebald (1112- 27) und Andreas (1127 - 39) fehlen sie sogar gänzlich. Zwar fuhrt v. d. Chijs unter Ersterem einige auf, welche in diese Zeit zu fallen scheinen, allein sie entbehren des Bischofsnamens, sind also unbestimmt. Es sind, von kleinen Verschiedenheiten abgesehen, folgende : 557 u) Umschrift verwischt. Bischöfliches Brustbild mit Bischofsstab rechts. Rf. t HEI RIC (schwach sichtbar), Kreuz mit vier Kugeln. - 0,6 Gr. v. d. Chijs IV, 1, 5, 6. 557b) Ebenso, aber auf der Rf. TRAIECVM (so!). 0,~s Gr. v. d. Chijs IV, 4. Das Heirio hält v. d. Chijs für Heinrichs V. Namen; sehr möglich, denn nachdem langst schon der Kaisername von den Bischofsmünzen verschwunden war, taucht cr unter diesem Kaiser auch in Maestricht und Metz noch einmal wieder auf. Ueber eine Deventersche Münze von Andreas s. unten Nr. 576. Uebrigens muss hier auch auf den Artikel Maestricht verwiesen werden, wo sich mehre von Andern hierher verlegte Münzen beschrieben finden,

Taf. XXIII,

218

Friesland.

Groningen.

-

Deventer.

Groningen.
Bischof Taf. XXIII,
558. 558) t*SC*S

tonsurirtes Brustbild RJ. BER mit Bischofsstab, über jeder Schulter mehre Punkte. l NOIDW.2EP2.VII.XIV* im Felde CRV-ON*IN-Ce* in drei Zeilen. - M. S. 0,~s Gr., 0, A Gr.,, 0,s~ Gr.) 0,s~ Gr., 0,88 Gr. K. M. O,o Gr. Aehnlich Mem. St. Pkt. 111, Taf. XVIII, 1. Rühle von Lilienstern 2. Ausser den vielen geringen Stempelverschiedenheiten, deren v. d. Chijs Taf. 1, 16-18 und 11, IO-25 einige bringt (Gew. O,t% bis 0,s Gr.),‘giebt es auch eine Art mit blossem Bischofstitel hinter dem Namen des Heiligen.
l

Bernold (2027-1954). BONIFA*CIVS ABCblEPS

558 n) t IBONIFAOIVS CCIVON* NICE*

EPS.

3J.

t IVBERNIDVS

EPS

und

DRRS Groningcn 1040 an das Stift gekommen, ist oben S. 211 mitgetheilt. Der Name wird ganz so geschrieben wie in dem betreffenden Schenkungsbriefe von Heinrich 111. (Villa Gruoninga in comitatu Trent,e) . Taf. XXIII,
559. 559) t BERNALDRVSE-S Bischofsstab, nebendemselben BACV -L-VS. Rf. t GRMIGGEA& Kreuz mit einem Punkte

in jedem

Winkel.

-

K. M. 0,s~ Gr. Bischofsstab
((),56--0,75

und BACV-LV-S. Gr.) Mem. St, Pet. 111, Taf. XVIII, 2, danach v. d. Chijs 11, 32, ähnliche 11. 26-31, 33. Die naive Art, neben das Bild noch das Wort zu setzen, ist in dieser Zeit selten, doch nicht ohne Beispiel, es kommt noch vor CLAVIS auf Maestrichter und CAPVT auf Namurer Münzen, ein Jahrhundert später wird diese Sitte aber allgemcincr in den südlichen Niederlanden (Brabant, Namur, Lüttich). Ausserdem kennen wir keine früheren Münzen von Groningen, und auch diese waren Grote noch unbekannt, als er die Utrcchtcr Bischofsmünzen beschrieb. Doch ist bereits oben ausgeführt, dass einige Gepräge der Bischöfe Wilhelm und Burkhard vermutblich hier entstanden sind.
559a) t BERNOLDVS EPS 12s. t GROMIGGEAA

Deventer,
Hauptort des Gaues Harnaland, trägt seinen Namen von Davo, einem Freunde des heil. Lebuin, Schutzpatrons der Stadt, und wird demgemäss in alter Zeit auch Daventer , Daventria genanntl). Der Ort kommt schon 899 vor. Im Jahre 954 heisst die Stadt »urbs Davindrc in pago qui dioitur Harnalant in oomitatu Wigmanni«2). Im Jahre 1046 schenkte, wie schon oben S. 221 bemerkt ist, Heinrich III. Münze
1) Mon. Gcrm. 11, 364. 2) Sagittarius antiq. Magdeb. 30.

Otto 111.

219

und Zölle »in loco Daventre dicto« an Bischof Bernold von Utrecht. Dem entsprechend schliesscn die Kaisermünzen mit Konrad 11. und beginnen mit Bernold die bischöfliehen.

.

a) Kaisermünzen.
0 t t o 111. (983 - 1002, Kaiser seit 996). gekröntes bärtiges Haupt. Bf. AVENTI . Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. Friedlaender, Kawallen Fig. 8. Cappe bringt (1, Taf. XI, 172) eine ähnliche Mtinze mit ODDO.. . , und Holmboe beschreibt eine solche mit OT. . . RJ . . . . DRA (Mem. St. Pet. IV, s. 365). Ob aber Cappe richtig gelesen hat? sein Exemplar war ,schlecht erhalten, und eine Verwechslung mit dem so ähnlichen Denare Konrads 11. ist mir nach dem Charakter des Kaiserkopfes, der freilich in der Abbildung nicht gut stylisirt ist,, sehr glaublich. Das erste derartige Stück, wahrscheinlich aber von Konrad, nicht von Otto, wie Cappe 1, S. 66, Nr. 329a sagt, findet sich bei Götz 599, welcher die Priigstltte richtig erkannt hat, daher Lclcwcls Irrthum auffallend ist, der (Taf. XIX, 39) ein solches , aber allem Anschein nach wieder von Konrad mittbeilt , jedoch (111, S. 134) nicht nur die Hf. . . . . CO.REX PACI , Otto rex pacificus, sondern auch die &?J. unrichtig MAVNTIA liest, und durch Maguntia erklärt. Eine Entschuldigung für diesen Irrthum liegt allerdings in der schlechten Ausprägung und den grösstentheils unkorrekten Umschriften dieser ziemlich roh gearbeiteten Münzen, welche sogar bis zum Auftauchen des obigen Exemplars zu dem Zweifel berechtigten, ob unter den Ottonen solche, den Konrads so ganz ähnliche, von den HeinrichsDinaren aber so durchaus verschiedene Prägungen stattgefunden. Letzterer Umstand aber ist es auch, welcher uns bestimmen muss, in dem Otto unsrer Mtinze eher den letzten als den ersten zu sehen. Taf. XXIV,
NO. 50)

OTTO’0 REX+

561. 56;) ODDOREX in Kreuzform geschrieben, ringsum Spuren cinor Umschrift. Bf. DAV (E) N (R) IE Kreuz, mit einer Kugel in jedem Winkel. K. M. 1,s~ Gr., Schwerin 1,45 Gr., 1,~ Gr. Katalog ThomsenTaf. IV, 4078, ähnlich Cappe 1, Taf. XVII, 277. Cappe hat IM-PR-AT-OR. lt’ -l-oTo hE oV0 Ro I gelesen, und die &Ittnze daher ftir Trierisch erklärt; so viel ich mich aber erinnere, unterstutzte sein Exemplar diese Deutung sehr schlecht. Da die Münzen auch nach Deventer viel besser als nach Trier passt, so schliesse ich mich der Thomsenschen Ansicht an, bemerke a,ber, dass sein Text, vielleicht nach einem anderen Exemplare, das DAVENRIE als bis auf das Schlus-E lesbar angiebt. Auf Deventer bezieht v. d. Chijs (IX, 8. 167) auch den von mir unter die auf dem Cappe unbestimmten aufgenommenen Denar : OTTO REX. h?J IIVVERbT, (1, Nr. 332, 11, Nr. 479) Wertheim lesen zu können glaubt; mir erscheint auch jcnc Deutung unzulässig. Mit grösscrcm Rechte hätte v. d. Chijs dagegen wohl den f ODDO REX. BJ. F13MVACl unter die Deventerscben Gepräge aufnehmen können,
A

Taf. XXIV,

wie dies auch Köhne

(Mem. St. Pet. IV, S. 38, Nr. 231) gethan hat, die Inschrift

220

Friesland. Devcnter.

der RJ. lässt sich ohne grossen Zwang dementsprechend lesen. Aber sicher ist das nicht, wie ich schon früher (Mem. St. Pet. 11, S. 105) gesagt; noch weniger sicher freilich, was Cappe (1, S. 33, Nr. 118) sagt: ndie Schrift ist verkehrt gestellt, und soll S. Reinvald heisscn, der Schutzpatron von Dortmund war.r Heinrich 11. (1002-1024, Kaiser seit 1014). 562. 562) HENRICVUJ , im Felde A W, darliber A, darunter v). RJ. DAVANTRIA Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. K. M. 1 Gr., 1,05 Gr., 1,07 Gr. M. S. 1,os Gr. Köhne 111, Taf. V, 17, N. F. XIV, 13, Cappe 1, Taf. XIV, 225, danach v. d. Chijs Utrecht 11, 36, XXVII, 8, und Band IX, Taf. XVI, I 1. Funde von Schwaan und Althöfchen liefern den Beweis, dass dieser keinem späteren IIeinrich sein kann, und zugleich, wie Lisch (Köhne, bemerkt, dass gewisse Wendenpfennige ihn zum Muster genommen haben.

Taf. XXIV,

Die Denar von N. F. 279)

563) HEINRICVZ IMPERATO Hand, neben welcher RE-X. Rf. DAVANTRIA Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. M. S. l,li Gr., 1,18 Gr.; 1,18 Gr., 1,~s Gr. Götz 188, 189, Bl. f. Mlinzkd. 111, Taf. 111, 42, Cappe 1: Taf. IV, 54, u. XVIII, 306, danach v. d. Chijs IX, Taf. XVI, 4-6. Selten kommt diese ziemlich häufige MUnze in so schönem Excmplarc vor. Sie kann, weil bei Egersund und Oster-Larskjer gefunden, nur diesem Heinrich angehören. Das8 sie von dem Baiernherzog Heinrich (11.) dem Zänker sei, der sich gegen seinen Vetter Otto II. und dessen Sohn empört hat, ist eine nur von Götz aufgestellte Muthmassung, die er auf eine angebliche Verwandtschaft mit Augsburger und Regensburger Denaren stützt, aber schwerlich festgehalten haben wurde, hätte er bessere Exemplare mit Kaisertitel gekannt. Dies hat schon Posern (Bl. f. Münzkd. 1, Nr. 18) bemerkt: Es kommen librigens auch Exemplare mit blossem Namen ohne Kaisertitel vor, wie Cappe 1, Taf. XVIII, 305. 564. 564) HEIN I RI C(V) 2 IMAT langhaariger Kopf linkshin. Rf. DAV (A) N (Tj RIA (rückläufig), im Felde BONA um ein Kreuzehen, zwischen den Buchstaben Ringel. - M. S. 1,07 Gr., l,o’i Gr., l,lGr., l,llGr., 1,12Gr. K.M. 1,12Gr., 1,37Gr. Gr. Kab. 1, Suppl. V, 57. Mader IV, 37. Lelewel XXI, 1. Götz 229-232. Cappe 1, Taf. IV, 55, danach v. d. Chijs IX, Taf. XVI, 9. Den Namen Heinrich hatte schon Joachim gelesen, die Prägstätte aber nicht entziffern können, Mader ist durch ein schlechtes Exemplar verleitet, auf Otto 111. verfallen, Götz hat richtig nach Joachims Zeichnung Deventer herausgebracht. Dies ist Lclewel entgangen, er hat mit Mader die Prägstätte in dem BONA erkennen zu müssen geglaubt. Cappe hat Götz’ Meinung nach seinem eigenen schönen Exemplare 1) bestätigt, aber nicht nur dessen Priorität verschwiegen, sondern ihn sogar ausdrticklieh den Irrenden beigezählt (1, 387). Dieser Irrthum war aber sehr verzeihlich, denn gute Exemplare kommen selten vor, und die Analogie des bona Davantra,
1) HEINRCVS IMPERIIO Rf. DAVANTRA

Taf.XXIV,563.

Taf. XXIV,

(rückl%ufig).

Heinrich

II.,

Konrad

IT.

221

nemlich das bona Tiele war damals noch nicht bekannt, man las noch Botiele (Lelewel 111, 163). Die’ fernere Analogie aber, die Cappe anzieht, bona Trevera,, ist so ausgemacht noch nicht, da sich dies Beiwort nicht ausgeschrieben findet, Dieser Denar ist übrigens dem voralso sehr wohl beata gelesen werden kannl). an diesen hergehenden, nicht aber dem ersten stylverwandt : seine Zugehörigkeit Heinrich wird aber noch sicherer begründet durch sein Vorkommen bei OsterLarskjer. Köhue (Mem. St. Pt%. IV, S. 38) erwähnt Nachahmungen dieser (oder wohl der vorigen?) Mnnze mit PAX auf der HJ und dreithtirmigem Gebäude auf der Rf. 565) + HENR.. . . . Kirchenportal mit zwei Kugeln in der Mitte, Rf. +. . . ENTR.. Kreuz, zwischen 0 und drei Kugeln. auf welchem ein Bischofsstab schräg aufliegt, in den beiden anderen Winkeln <u und Kreuzehen. - Christiania 3,31 Gr. Holmboe, Bröholt-Fund Nr. 181. Leider fehlt die Abbildung dieses nirgends sonst vorkommenden Stuckes, dessen Rf. an gewisse Adelheids-Nachahmungen in dem Grade zu erinnern scheint, dass, wenn der Gewährsmann nicht so zuverlässig wäre, ich eine irrthumliche Lesung annehmen würde. 11. (1024-39, Kaiser sei&. ‘r’ * 566) CO* R-D+ES rohes Brustbild mit struppigem Haar, geschmückt mit einer dreispitzigen Krone, deren mittelste Spitze ein Kreuz, die anderen Ringel tragen. RJ: +. . VEND . S . . Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. Mem. St. Pkt. IV, S. 37, Nr. 232. 566a) Ebenso, aber CORA. DVS GIN. Rf. t DAVCNTRE. Thomsen Kat. 4084. Rf. t (DA)VEN(TRc). Taf. XXIV, 566 b. 5666) Ebenso, aber CORA(D) A2lM. Aehnliehe M. S. I ,o4 Gr., 1,o5 Gr., 3,s~ Gr., l,15 Gr. K. M. 1,12 Gr. Mem. St. Pt%. 111, Taf. X, 102). Aehnlich Lelewel XIX, 39, Cappe 1, Taf. VIII, 132, danach v. d. Chijs IX, Taf. XVI, 4. Exemplare wie das Lelewelsche , die es zweifelhaft lassen, ob man mit Konrad oder mit Otto zu thun hat, sind häufig, selten dagegen so vollkommen ausgeprägte wie die obigen, oder das Cappesche mit CORADVSI. Rf. t DAV. NTRE, vorausgesetzt, dass es nicht nach Cappe’scher Art restituirt ist. Zwischen diesen Konrads und den so ganz ähnlichen Ottos stehen die Denare von Heinrich 11. ganz fremd in der Mitte ; ohne die Inschriften wtirde Niemand glauben, dass alle diese Mtinzen Einen Ursprung haben. Lehrreich wie dieser Wechsel im Style ist auch der Umstand, dass man nach drei Jahrzehnten alte, inzwischen längst verlassene Typen wieder ins Leben rief. Die ziemlich grosse Anzahl undeutlicher und in den Konrad
1) Gleiche Leichtfertigkeit, wie in Bezug auf Göte beweist Cappe hier auch hinsichtlich Madera, wenn er sagt, dorsclbe erkliire (IV, S. 82) die Haare des Königskopfes unsrer Miinze fiir eine Zackenkrone, während Mader doch diese Krone nicht auf dieser Deventerschen, sondern ganz richtig auf der ebenda gedachten Strassbnrgischen Miinze sieht. 2) Hiernach die Beschreibung, nicht die Abbildung.

*

.;

.; S. 221, Zeile 19 v. 0. lies seit 1027 statt reit 1039.

222

Frieslnnd.

Deventer.

Namen zwischen Otto und Konrad schwankender Gepräge lassen es übrigens ads möglich erscheinen, dass man mit Ottos 111. Tode die Prägung dieser Miinzen nicht ’ eingestellt, sondern während Heinrichs 11. Regierung fortgesetzt hat.
CVNR.. . . EX unbärtiger Kopf in einem Kreise (Heiligenschein?) Rf. . . . . ANTRIA Kreuz mit einem Bischofsstab im ersten und dritten, und Zierrathen in den beiden anderen Winkeln. - Aehnliche (ohne leserliche Umschriften.) M. S. I,oI--1,~ Gr. Cappe 1, Taf. XXII, 335, danach v. d. Chijs IX, Taf. XVI, 3. Nur mit grossem Widerstreben habe ich dieser Münze hier einen Platz gegönnt, denn der Kopf scheint eher der eines Heiligen als des Kaisers, die Inschrift auf allen Exemplaren, die ich je gesehen, lautet nicht; wie Cappe angiebt : Cnnr (adr) ex, sie schliesst, im Uebrigen undeutlich, auf meinen 6 Exemplaren mit . . . . BEH, während sich auf der Rf. aus den weuigen abweichenden Schriftresten noch weniger etwas Sicheres herausbringen lässt. Sie scheinen sämmtlich Nachmtinzen, wohl eher bischöflicher als kaiserlicher Prägung zu sein. Auch v. d. Chijs (IX, S. 197) hegte Zweifel, geräth aber freilich auf Irrwege, wenn er an Konrad I. denkt. Wenn ich dennoch diese Miinze hier aufgenommen habe, so ist dies auf Köhne’s Autorität hin geschehen, der (Mem. St. Pet. IV, S. 38) sie als eine in Russischen Funden vorgekommene Deventersche Münze Konrads 11.) unter Anführung der betreffenden Beschreibung bei Ca.ppe (1, Nr. 411 j erwähnt, allerdings nur erwähnt, nicht beschreibt, was sehr wohl die Möglichkeit offen, ja fast vcrmnthcn lässt, dass auch ihm deutliche, zur Ergänzung des mangelhaften Cappe’schen dienende Exemplare nicht zur Hand gewesen sind, und er, ohne Misstraucn in diesen Schriftsteller zu setzen, durch Berufung auf ihn die Sache erledigen zu dtirfen geglaubt hat.
567)

b) Minzen Taf. XXIV,

der BischGfe.

Bernold (1027-1054). 568. 568) t BERNOVDVS EPS Bischofsstab zwischen den oben mit Kreuzen verzierten Buchstaben A und UJ. Bf. t DAVEN TREMSIS Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. M. S. O,% Gr. K. M. O,% Gr. MaderVI, 42. LelewelXX, 4. v.d. ChijsUtrechtII, 34, XXVII, 7. Eine Nachbildung des ersten Gepräges Heinrichs II., das der Zeit nach vielleicht sein letztes ist. Auf einer derartigen Nachmiinze glaubt v. d. Chijs (S. 28, Taf. XXVIIE>) nach Thomsen auf beiden Seiten S LEBVI NVS lesen zu mussen, was abe schwerlich richtig ist. mit einer Kugel in jedem Winkel. thurmartiges Gebäude. (Kopenhagen.) v. d. Chijs Utrecht XXVH, 9. Rf. t BER . . . . Kreuz Taf. XXIV, 570. 570) . . . . NTREN . . tonsurirtes Brustbild. mit einer Kugel in jedem Winkel. - K. M. 3,t Gr. Diese Mtinze ist sehr wichtig, weil sie den Prä,gort der beiden folgeudeu bestimmt. Taf. XXIV,
569, 569) t BERNO.. . . ES Kreuz RJ . . ENTRENS . .

Bischof Bernold.

Konrad.
t

223 H El N RCVS

Taf. XXIV,

571. 571)

t

BERNOIDV2EI Brustbild mit Tonsur. Rf. REX Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. -

Da Heinrich schlagen. Eine Verschiedenheit

v. d. Chijs XXVII, 2. 111. 1046 die Kaiserkrone erhielt, beschreibt Köhne

K. M. 1 :oi Gr. Mittheil. Taf. X, 47. zwischen 1039 und 1046 ge-

(MBm. St. Pkt. 111, S. 442, Nr. 205). des heil. Martin mit Tonsur - Kreuz mit Kugeln in

571 CL)t BERNHOL..

und Nimbus. den Winkeln. v. d. Chijs sieht in dem Brustbilde den Bischof. Die Entscheidung zwischen Bischof und Heiligen ist schwer; einen Heiligenschein habe ich aber auf keiner dieser Münzen so wenig als auf den Utrechtern und Groningern mit stehender Figur bemerkt. Doch das beweist nichts gegen die Darstellung eines Heiligen, da auch der heil. Lebuin auf der folgenden Nr. 573 ohne dies Abzeichen abgebildet ist. Wenn aber wirklich ein Heiliger hier erkannt werden muss, so ist dies wohl eher Lebuin , als Martin, denn diese* Münzen haben ganz die Deventer’sche , nicht die TJtreehter Fabrik. Taf. XXIV, 572. 572) t BERNV.. . . RJ. t BERN.. . D, Gepräge wie vorher. M. S. 0,s~ Gr. (Nachmtinzen 1,09 Gr., 1,14 Gr., 1,15 Gr.). K. M. 0,98 Gr. Häufiger als so korrekte, wie diese und Köhne’s (Mem. St. Pkt. 111, 442, Nr. 206).
572~~) t BERNOLDVS EP2. Zi?J. t BERNOLDVS .. .

. . 2 Brustbild nf. tHEINRIC..

sind Nachmünzen. Taf. XXIV,
573. 573)
t SLEBVINVS CONF tonsurirtes Brustbild. Rf. t BER NOLDVSEPS Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. M. S. 1 Gr., 1,08 Gr. (Nachmünze 1,o9 Gr.).
l

v. d. Chijs Utrcoht XXVII, 9. Rev. Belge V, 5, Taf. VII, 22. Mit so vollkommen richtigen und vollstlndigen Umschriften höchst selten. Nachmtinzen finden sich eher, sind aber dann meistens von den vorstehend beschriebenen Arten nicht zu unterscheiden. Eine solche Nachmünze besserer Gattung ist v. d. Chijs XXVII, 1.
573n) CON . . RJ. t EDNVw RfAEDI ; die Umschrift dieser Rf. wusste v. d. Chijs nicht zu deuten, sie ist offenbar nichts anders als das entstellte t BERNOLDVS EPS
t

IEDVINVS

des vorstehenden Urstücks Nr. 573 ; solche Nachmünzen lassen sich; wie so oft bemerkt, nicht aus sich selbst, sondern nur aus ihren Urstticken erklären. Konrad Taf. XXIV, (10761099).

574. 574) CVONRADVSI

tonsurirtes Brustbild mit schwörender (seg(oder mit Buch in der R.) und Bischofsstab. Rf. t VENTIIRDV gekriintes Brustbild mit, Kreuascepter und Lanze, tiber der linken Schulter ein Ringel. v. d. Chijs Utrecht IV, 7. nender) Rechten

224

.

Friesland. Deventer. Konrad, Andreas.

v. d. Chijs kann weder erkennen, was der Bischof in der Rechten hält, noch die Umschrift der Rj: lesen, doch meine ich , dass eine Vergleichung dieser Münze mit der ganz ähnlichen oben aufgeführten Utrechter desselben Bischofs (Nr. 551) in ersterer Beziehung zur Aufklärung verhelfen könnte, und dass letztere Umschrift, wenu man nicht beim Kreuz, sondern beim zweiten Buchstaben vorher zu lesen beginnt, ungezwungen Daventria (DVVENTIIA) giebt. Eine Abart mit COHRADVSI. Bf. tLIN TVRDV besass Thomsen (s. seinen Katalog Nr. 4051). Nur in ersterer Beziehung ergieht sich eine Schwierigkeit daraus, dass v. d. Chijs und Köhne jene Utrechter Mtinze verschieden darstellen, jener, allerdings nur nach einem Staniolabdruck mit segnender Rechten, Köhne nach dem Originale mit einem Buche in der rechten Hand. 575. 575) C . II . Al. S (also CoNrAL;uS) tonsurirtes Brustbildmit Bischofsstab rechtshin. Rf. t DAVGNTRIA (riickläufig) Kreuz, in der Mitte von einem Kreise durchbrochen. v. d. Chijs Taf. XXVIII. Die Trischrift der Hf. ist unsicher: sind aber die in der Abbildung angegebenen Schriftreste sicher, so lassen sie eine andere Ergänzung wohl nicht zu, die Sache wird nur dadurch etwas bedenklich, dass die Abbildung bei v. d. Chijs nach einem blossen Abdruck gearbeitet ist. Es passt aber der Styl sehr gut fur diese Zeit, das runde E ist schwerlich anstössig. Der in der Rev. Belge 1872, S. 106 (Taf. 1, 6) diesem Konrad beigelegte Golddenar mit bischüflichem Brustbilde ohne Inschrift. h!!. t DAtVtTRtIA um ein in jedem Winkel mit einem schrägen Kreuzehen gefnlltes Kreuz ist seinem Style nach viel junger, und zwar um 1150 geprägt; entscheidend daftir ist nicht sowohl die a. a. 0. hervorgehobene Aehnliehkeit mit Utrechter Mtinzen des B. Gotfried (1156 - 78) als dass ganz ähnliche Mtinzen (selbstverständlich ’ silberne) in grösserer Anzahl mit anderen gefunden sind, welche einen sitzenden Bischof Rf. Gebüude, beiderseits ohne Umschrift zeigen, und zwar ein Gebäude wie auf den Kölner Mtinzen der Erzbischöfe Arnold II., Friedrich 11. und Reinald (1151-67), von denen sie auch wohl wegen Uebereinstimmung des Gepräges ausgegangen sein werden. Ausserdem ist mir auch von guter Hand versichert worden, dass die Inschrift Dav’tria auf jenem im Jahre 1872 versteigerten Exemplare der Sammlung Michiels van Verduynen keineswegs wirklich lesbar gewesen sei. Andreas Graf von Kuyck (1127-1339). 576. 576) AD . . . EPS tonsurirtes Brustbild mit Kreuzstab und erhobener Rj. t DVANTRIA Kreuz mit einer Kugel in Linken. jedem Winkel. v. d. Chijs, Taf. IV. Die MUnze will mir älter scheinen, und muss man vielleicht, da der Name Andreas doch nicht sicher, Konrad lesen, für dessen Zeit sie besser passen wurde. Zu erwähnen bleibt schliesslich noch folgende, nur von Cappe (num. Zeit. 1845, S. 92, Nr. 2) beschriebene, angeblich mit dem unbestimmten Denare, Bl. f. Miinzkd. 111, Taf. IV, 76, identische Münze : SCSSB . . . . Brustbild mit starkem Bart. Rf. AVEN TRIA Hand, zu jeder Seite Rosetten. Taf. XXIV, Taf. XXIV,

(Campen.;

-

Nimwegen.

--

Thiel. Heinrich 11.

225

Campen.
Als ein Gepräge dieser Stadt beschreibt . . IM Kaiserkopf. Rf. CIVITAS jedem Winkel. Troz Thornsens Autorität zweifle ich erwähnten Münze, von der ich sonst nirgends
CHVNRA.

Thomsen
CAMPEN

(Num. Zeit. 1846, S. 162) : Kreuz mit drei Kugeln in

stark an dieser überdies nur beiliiufig eine Spur habe entdecken können.

Nimwegen,
(Noviomagus, Niumaga u. s. w.) wird von v. d. Chijs (IX, S. lG5) als Münzort des Denars von OTTO REX aufgeführt, den Köhne (V, S. 85) in Metz gepragt glaubt, den ich aber unter die unbestimmten (Nr. 1159) gesetzt habe. Allerdings hat Nimwegen ein hohes Alter, es erscheint schon auf der Peutingerschen Karte als Neomagus, und diente vielen Kaisern von Karl d. Gr. ab, der dort eine Pfalz anlegte, zum Aufenthalt. Da die Stadt aber bis zur Hohenstaufenzeit keine Münzen aufzuweisen hat, die Inschrift der Rf. auch, wenigstens nicht immer, wie v. d. Chijs angiebt, N-VMA-C, sondern gewöhnlich M-VMAS-C lautet, so sind Nimwegens Ansprüche wohl ziemlich unsicher. Wäre das N gewiss, so wurde damit eher meine frühere Deutung auf Namur (Mittheil. S. 185) unterstützt. Es scheint aber eine Nachmünze zu sein, deren Klassifizirung ohne Bekanntschaft mit einem Urstücke nicht gelingen kann.

Thiel.
Heinrich Tl. (1002-1024, Kaiser seit 1014). Taf. XXIV, 577. 577) Hl., . . . Kopf linkshin. Rf. X (TliErE Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. (Kopenhagen). Taf. XXIV, 578. 578) HEINRICVS IMPERATOR. unbärtiger Kaiserkopf. Rf. X TIETE (rückläufig) Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. - K. M. (mit IMPERAO.) 1,~ Gr. M. S. 1,32 Gr., 1,44 Gr. v. d. Chijs IX, Taf. XVH, 2. Aehnlich Cappe 1, Taf. Vl, 87, danach v. d. Chijs IX, Taf. XVII, 1. Bl. f. Miinzkd. 111, Taf. X, 187. 578a) HEINPINPICVS MPETO. Rf. X T(IEr)E sonst ebenso. M. S. 1,~s Gr. 5786) Ebenso aber HEINRICVS lMPER(A)T* RJ X TI(E)rE. M. S. 1,s Gr. Taf.XXIV, 578~. 578~) Ebenso, aber HEINPI*CVZ Ia.. . R. Rf. (X) TIETE. M. S. O,ob Gr. Köhne (Mem. St. PCt. 111, S. 426)) Cappe, und ihm folgend v. d. Chijs, geben diese Münzen (Nr. 578 mit IMPERATOR) an Heinrich 111. ; dass sie aber älter sind, lehrt uns Egersund (Bl. f. Mtinzkd. HI, Taf. 111, 41) und eine Vergleichung mit den Utrechtern, der Kaiser ist auf unseren Denaren ganz ähnlich, nur ohne Hals dargestellt, was ausserdem nur noch bei Köln vorkommt. Auch hat
Dann c n b c i g , DeutacMmds älteste Munaen.

15

226

Friesland.

Thiel.

Thomsen bereits vor langer Zeit das Richtige geahnt (a. a. O., S. 256) und in seinem doch wohl auf seinen eigenen Angaben fussenden Kataloge heisst es zu Nr. 4106 dass die skandinavischen Funde, insbesondere ausser dem Egersunder der von Kjeldstrup dafür, dass diese Münzen nur von diesem Heinrich sein konnten, den vollständigen Beweis liefern. Ganz bestimmt wird aber Heinrich TH. durch den Fund von Althöfchen *aller Ansprüche beraubt, die ihm etwa Zweifelsüchtige noch zusprechen könnten. Nr. 577, bisher unedirt, ist äusserst selten, und bemerkenswerth wegen des Profilkopfes, da alle Thieler Miinzen den vorwärts gekchrten Kopf tragen. Die anderen sind häufiger, aber doch in gut ausgeprägten Exemplaren schwer anzutreffen. Daher haben sie den Scharfsinn der Gelehrten in den 30er Jahren lange vergeblich in Bewegung gesetzt, man wollte aus dem nachfolgenden Konrad Botfeld , eine alte Harzburg herausdeuten, bis Thomsen zuerst ein schönes Exemplar (mit HEINRICVS IMPERAT. Rf. XTIETE, Bl. f. Münzkd. 111, Taf. X, 187) bekannt machte, und richtig auf Thiel an der Waal, eine alte geldrische Stadt, als blühender Handelsort die Nachfolgerin des von den Normannen zerstörten Durstadt (Wijk by Duurstede) bezog; der Handel nach England ging von Köln den Rhein hinunter nach Thiel. derselbe Kopf. Rf. BO-XTIETEK. M. 1,35 Gr. Aehnliche Gepräge haben Lelewel (XXI, 7, mit t MRPEINSI.. .A) und v. d. Chijs (IX, Taf. XVII, 12 mit Tl. . . . SVIA). Mir scheint vorstehende Inschrift auf der Hf. zugleich den Namen EIM (RIC) V zu enthalten, worüber ein besseres Exemplar Auskunft geben müsste. Vielleicht ist die Umschrift auch nur wie die des Lelewelschen und Chijsschen Stückes verwildert, dass aber nicht erst Konrad diese Rf. angenommen hat, beweist folgender Denar des Schwarzow-Fundes. PP Taf.XXIV,580. 580) HEINRI(CVS IMPERATJO derselbeKopf. Rf. (T)IELE. NA M. S. 1,43 Gr.
579. 579) TIETEIM.. . .V. Rf. NA in drei Zeilen. . . . . . derselbe Kopf. Rf. TIELA VRBS (bon) A Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. - (Kopenhagen). Anders als angegeben lässt sich die limschrift der Rf. ausweislich der vorhergehenden und der nachfolgenden Münze Nr. 584 von Konrad fiiglich nicht ergänzen.
581.

Taf. XXIV,

Taf.XXIV,

581) HEMRI

Taf. XXIV,

Konrad 11. (lO’L4- 1039, Kaiser seit 1027). 582. 582) CAOL’lRADA(l). Af. (,I~)~I~E~TQE(Q), dasselbe Gepräge. - K. M. 1,4s Gr. 582 ai Desgleichen mit CONRADV2. Rf. t OTO Io Eo l-0 E. Cappe 1, Taf. V, 67, danach v. d. Chijs IX, Taf. XVII, 9. Aehnlich Bl. f. Münzkd. 111, Taf. X, 188. 5826) Ebenso, mit COIHRADVS. Rf. oToI”XoloEoA. - Kat. Thomsen 4107.
583) . . . . . . REX RO.. .

Bf.

TIE..

. (rückliiufig) , sonst ebenso.

- M. S. 1,56 Gr. Hätten wir nicht die Münzen des Merseburger Bischofs Bruno, auf denen Konrad seinem Titel noch das Romanorum beifugt, so könnten wir glauben, dass

Heinrich

11. Konrad

11.

227

statt des R ein K und also KOunrat zu lesen sei, jene Analogie schliesst aber die Annahme eines solchen Stempelfehlers aus. Und wegen des REX wird man lieber an Konrad, als an seinen Vorgilnger dcnkcn. Taf. XXIV, 584. 584) CVON (RADV) S R (rückläufig), derselbe Kopf. R4 BO-X TIELE-NA in drei Zeilen. - K. M. 1,s Gr. M. S. (ähnlichj 1,s Gr. Bl. f. Münzkd. 11, Taf. XV, 215, ahnlieh Cappe 1, Taf. V, 68, danach v. d. Chijs IX, Taf. XVII, 10. Die Lücke des vorliegenden Exemplaas wird vollst&ndig ergänzt durch das in den Bl. f. Miinzkd. : CVONRADVS R. Das bona Tiele, dem bona Daventria analog, kann man nicht, wie v. d. Chijs thut (a. a. 0. S. 201) mit bona moneta Tielensis erklären, Heinrichs 11. Nr. 581 mit Tiela urbs bona verbietet das. Erwähnung verwahrscheinlich geistlicher Herren, welche neben dem dienen noch Nachprägungen, Kaiserkopfe einen Bischofsstab zeigen. Eine solche ist unter den unbestimmten abgebildet (Nr. 1276), %hnlichc hat Cappe (1, 487, Taf. XXI, 374) nach Metz, und (11, 529, Dies hat schon Köhne @Rm. St. Pkt. 111, Taf. XXIII, 262) nach Wurzburg verlegt. S. 427) erinnert.

15’

111. Sachsen.
Hier allein hatten die Römer keinen festen FUSS zu fassen vermocht, und sind daher die sächsischen Länder auch am spätesten der Kultur und dem Christenthume gewonnen. Damit hängt es zusammen, dass auch Münzstätten hier viel später, als im übrigen Deutschland entstehen, erst unter Otto III., nicht, wie man gewöhnlich, aber ohne jeden Grund annimmt, schon unter Otto 1. 1) ; langsam rückte die Kultur von Westen nach Osten vor, die StLdte, in welche die Kriegsnoth unter Heinrich 1. den neunten Mann der Sachsen widerwillig hineingezwungen hatte, bedurften einer gewissen Entwickelung, ehe ihnea mit dem Markte auch die Münze nöthig wurde. Freilich muss man hierbei absehen von dem Obole, den Grote (Münzstud. 11, S. 779) mit gewissem Rechte als von dem Sachsenherzoge Bruno für Ludwig den Jüngern (876-882) in Hamburg geprägt bezeichnet, der aber vermöge seiner Inschrift t LVD.OVIC . . . Rf. BRVNO wohl auch die Möglichkeit einer andern Erkl&rung zulässt, und ferner die Wcndenpfennige mit ODDO ausser Betracht lassen, die nach Friedlaenders Zeugnisse im Obrzyckoer Schatze waren. Wenn man aber auch ein gewisses Recht hat, mit jener, lange vor unserer Periode entstandenen Münze die Reihe der sächsischen Münzen, und der Herzogsmllnzen insbesondere zu beginnen, so muss man sic doch als eine Ausnahme, entstanden unter ganz ausnahmsweisen Umständen, in einem wichtigen Orte, zugleich an der Reichsgränze und an der See gelegen, ansehen, und muss nach ihr eine Lücke von mehr als 300 Jahren zugeben, was wiederum Bedenken gegen die Zulässigkeit der Grote’schen Zutheilung rege macht. Und was jene grossen Wendenpfennige betrifft, so hat zwar Mader (1; S. 70) die Frage aufgeworfen, ob dieser Name etwa Herzog Otto den Erlauchten (880 - 912) angehe, aber. der Mangel eines Titels berechtigt noch nicht zu dieser Annahme, und die Funde weisen, glaube ich, dieser Mtinze ein viel geringeres Alter zu, sowie es auch ausserdem ihren Zusammenhang mit den andern kleinen Wendenpfennigen, deren einige ja auch den Namen OTTO tragen, zerreissen hiesse, wollte man sie in so friihe Zeit verlegen ; man wird vielmehr den Namen Otto für kaiserlich halten müssen. 1) Dass Verleihungen dcs Miinzrechts
8. s. 5. schon unter ihm vorkommen, steht nicht entgegen,

Herzöge von Sachsen. Bernhard 1.

229

Als des genannten Otto’s des Erlauchten Sohn, Heinrich der Vogler, auf den Deutschen Thron erhoben wurde, behielt er das Hcrzogthum seiner Väter bei, desgleichen auch sein Sohn Otto, der es jedoch im Jahre 959 an Hermann Billung gab, in dessen Hause es sich bis zu scincm Ausgange (1106) forterbte. Unter Sachsen ist hier aber nicht das ganze Land, in der Ausdehnung, in welcher Otto und seine Ahnen es verwaltet hatten, zu verstehen, sondern nur Ostsachsen zwischen Weser und Unterelbe, wlhrend Westfalen unmittelbar von der Krone abhängig blieb, und an der mittleren Elbe und in den slavischen Marken Markgraf Gero unabhängig von dem Herzog-e waltete 1). Von diesem Hermann Billung, der im Jahre 973 starb, können wir nach Vorstehendem Münzen nicht erwarten 2)r die ältesten sind von seinem Sohne und Nachfolger, dem tapfern 1. (973-1011). Taf. XXV, 585. 585) BERNHARDVS DVX gekrönter Kopf linkshin. h?f. N NO MINI DNI AMEN kleines Kreuz im Felde. - M. S. 1,62 Gr. K. M. 1,~s Gr. 1:s~ Gr. 1,~ Gr. 1,08 Gr. Böhmen, sächs. Gr. Kab. 1, 2. Lelewel XXI, 2. 5854 Aehnlicher Denar mit rückläufigen Inschriften. K. M. 1,12 Gr. Taf. XXV, 586. 586) Obol, ähnlich wie Nr. 585. Dr. Brote. Dass diese Münzen nur diesem ältern Bernhard angehören können, macht das Bildniss. welches dem auf den Adelhcids-Denaren und denen Bernwards von Hildesheim so ähnlich ist, wahrscheinlich, und die Funde von Kaldal, Munkegaard und Kawallen zur Gewissheit. Und da ferner eher zu glauben, dass er die kaiserlichen Münzen nachgeahmt habe, als umgekehrt, ausserdem auch die älteren Funde, von Minsk, Vaalse, Fölhagcn, Tureff, Obrzycko und besonders der grosse Stolper Fund keine derartige Mlinze enthalten haben, der letztgedachte aber namentlich um 1000, die andern gleichzeitig oder noch früher vergraben sind, so erhellt, dass dieses Jahr etwa den Anfang dieser Ausmiinzung bezeichnet. Sie ist ziemlich bedeutend gewewie sie in späteren Funden nicht selten sen, und mag in verwilderten Exemplaren, anzutreffen sind, noch lange nach seinem Tode fortgesetzt worden sein. Dasselbe gilt von der folgenden Miinze, die man gewöhnlich als Gepräge seines Sohnes und Nachfolgers Bernhard 11. angesehen hat, die aber, weil bei Rummelsburg und Kawallen vorgekommen, wohl schon unter dieser Regierung mag geprägt worden sein. Thomsen drückt sich auch über sie vorsichtig so aus: Bernhard 1. oder 11. (Berl. Bl. 11, S. 56;). Und das mag richtig sein, der Sohn mag das von seinem Vater eingeftihrte Gepräge beibehalten haben ; CS fehlt an jedem Grunde, zu glauben, dass der neue Herrscher in diesen Zeiten, oder dass dessen Münzer sofort für ein neues Gepräge gesorgt hätten; namentlich wenn dem Vater ein gleichnamiger Sohn folgte, ist das durchaus nicht als feste Regel anzunehmen. 1) Giesebrecht 1, 414. Weiland (0. sächs. Herzogth. unter Lothar u. Heinrich d. L.) fiihrt als eigentliche herzogliche Gewalt’ geübt aus, dass die Billunger überhaupt mehr markgräfliche, hätten. 2) M. Erbstein will zwar eine solche besessen haben, seine desfallsige Bemerkung aber (num. Bruchst. 111, S. 36) lässt kaum zweifeln, dass eine undeutliche oder barbarische Miinze ihn zu einer falschen Deutung verführt hat. Möglich auch, dass er einen der unten aufgeführten HEREMONDenare gemeint hat. Bernhard

230 Taf. XXV, 587.

IIerzöge von Sachsw.

587) BERNHARDVX kleines Kreuz. lif. NOMIDNIAMIN (rücklaufig) kleines Kreuz. M. S. 1,44 Gr. 1,~s Gr. 1,24 Gr. 1,~ Gr. IT19 Gr. K. M. 1,42 Gr. 1,~ Gr. 3,~ Gr. 1,~ Gr. Böhmen 1, 4. Lelewel XXI, 3. 5870,) Ebenso, aber BERNHARDVS DVX. Z&f. NNOMINI DN MHN. - M. S. 1,~ Gr. 1,~ Gr. Das Gepräge dieser Münzen ist das Ekkard’s von Meissen, die Ausprägung gewöhnlich eine sehr schlechte, die meisten Exemplare lassen von der Inschrift nur wenig erkennen, denn das Silberblech ist sehr dünn, wortiber nur der stark aufgetriebene Rand täuscht. . Bernhard 11. (1011-59). Taf. XXV, 588. 588) Aehnlicher Denar (BNHARDV DVS DVX) mit einem Sterne auf der IIf. (etwas verprägt). M. S. l,ii Gr. Taf. XXV, 589. 589) BERNHARDX im Felde ein Punkt. i?f. NOMNE DOMO IV (rückläufig) im Felde kleines Kreuz. - K. M. 1,~s Gr. M. S. 1,~s Gr. 1,54 Gr. Gewöhnlich nur in sehr schlecht s,usgeprägten Stücken anzutreffen. Die Inschrift der RJ: bedeutet wohl auch in nomine Domini amen, hier wie oft auch auf den vorhergehenden Stticken sehr unorthographisch. In älteren Funden ist mir diese Münze noch nicht begegnet, daher sie mir eher diesem Bernhard ZLL gehören scheint. Rf. . . MINEDN.. . . Punkt. Taf. XXV, 589a. 589a) BERNH . . . . kleines Kreuz. - M. 8. 1,37 Gr. Taf. XXV, 590. 590) BRNHARDVS auf einem Kreuze eine rechte offene Hand. .Zif. *LIVNIBVRHC Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. -- M. S. 0,~ Gr. O,o Gr. O,o Gr. 1,1 Gr. 1,18 Gr. Böhmen 1, 1. Lclcwcl 111, S. 123. v. d. Chijs Bd. IX, ,Taf. XVI, 8 (unter Deventer) Götz 188 (unter Heinrich dem Zänker) _ Böhmen glaubt diese Münzen eher dem ersten als dem zweiten Bernhard zueignen zu müssen, weil er sich um Lüneburg, das alter Billungischer Besitz gewesen, besonders verdient gemacht habe, offenba,r ein sehr ungenügender Grund; Lelewel dagegen neigt sich mehr zu Bernhard II., weil der Typus der Hand einer späteren Zeit eigen sei. Diesem Grunde tritt das Ergebniss der Funde hinzu: Die Mtinze ist zwar nicht allzu häufig, wenngleich bei Farve allein 3 16, freilich zum allergrössten Theile verwilderte Exemplare gefunden worden sind; ausserdem ist sie auch bei Oster-Larskjer, Schwarzow und Simoitzel beobachtet, in früheren Funden meines Wissens nicht. - Eins meiner Exemplare hat übrigens das Kreuz ohne die Kugeln. Taf. XXV, 590a. 590~) Ebenso, aber *BERNHARD um das Kreuz. Rf. . . . NIB VRH um die Hand. - M. 5. O,on Gr. Taf. XXV, 591. 591) t l OVONRADTZ halblinks gekehrter bartiger Kopf. ZJf. BERNHARDV Kirchenfahne. - K. M. O,oo Gr. Bl. f. Münzk. 11, Taf. XV, 240. Mittheil. d. num. Ges. S. 151. 1) 29. Juni; s. Weiland, d. sächs. Herzogth. unter Lothar und Heinrich S. 25. Fälschlich
wird oft 1060 oder 1061 als Todesjahr angegeben.

Bcrnllard I., Bernhard 11.

231

-

592) Ebenso, aber BERNHARDVm 2iJ t BERN.. . Bl. f. Münzk. 11, Taf. XV, 238. Aehnliche Münzen in schlecht geprägten Exemplaren mit unverständlichen Umund Schwarzow und schriften sind häufig i), sie kamen u. a. bei Farve, FrankflIrt im ersten Berliner Funde vor. Es war bisher nur Ein Erklärungsversuch gemacht, von Thomsen nemlich, der sie jnum. Zeitg. 1847, S. 15) sehr unglücklich zweien Wppischen Grafen, Bernhard und Konrad z), zugeschrieben hat, aus keinem andern Grunde, alr, wegen der vermeintlichen Aehnlichkeit mit einer bei Hartzheim (hist. rei num. Colon. Tar. IJ., 21) abgebildeten Ilippischen Mlinze. Allein diese Aehnliahkeit ist, wie schon anderweit 3) gesagt ist, gar nicht vorhanden, und die Hartzheimsehe Münze 4) stammt aus dem X111. Jahrhundert. Dieser einzige Grund der Zutheilung ist also hinf%llig, und andcrc dürften sich schwerlich dnrbictcu, im Gegcntheil ist es bekannt, dass die Westfälischen Dynasten ssmmtlich erst nach unserer Periode zu münzen begonnen haben, und zwar selbst die geistlichen Herren, wenn Ausserdem hat Tbomsen auch die Fabrik wir die Bebte von Corv-ei ausnehmen. gegen sich, die mit den Münzen der benachbarten Münzstätten Corvei, Dortmund und Soest auch nicht die geringste Aehnlichkeit zeigt. Nur dieses Missverständniss allein lässt wohl Grote (Miinzstud. Vll, 8. 80) ganz im Vorbeigehen an die Grafen von Wer1 denken. Wir müssen uns also anderweitig nach einem Herrn flir diese Miinze umsehen, und da wir in den ltcihen der geistlichen Fürsten nur Bernhard von Lübeck [IO1 4 - 23) und Benno 5) 1. und 11. von Osnabrück (1052- 89) finden, bei ihnen aber der Name Konrad unerklart bleiben würde, so scheint sich allein unser Herzog Bernhard als miiglich darzustellen, der einigen seiner Münzen, nicht allen, den Namen Man kann dagegen nicht einwenden, dass Konrads des Saliers aufgeprägt hiitto. (lies sonst bei seinem Geschlcchte nicht iiblicb gewesen, denn wir finden in dieser Beziehung nirgends ein festes System beobachtet: die Miinzen eines und desselben Bischofs tragen bald cien Kaisernamen, bald verschweigen sie ihn, oft prägt ein Bischof autonome Münzen und sein Nachfolger bekennt wieder seine numismatische Abhängigkeit von der Königsgewalt, und genau dasselbe Verhältniss tritt uns bei den Herzögen von Allemanien entgegen, welche uns stimmtlich Münzen sowohl mit als ohne Kaisernamen hinterlassen haben. Und ist es denn ein so grosser Unterschied, ob der Herzog, wie wir doch bezüglich Bernhards I., des Herzogs Magnus (Nr. 569), und zufolge der Nr. 594 auch hinsichts Bernhards 11. selbst annehmeu müssen und wie auch Nr. 595 seines Sohnes zeigt, seinen Miinzen den Kopf des Kaisers, oder ob er ihnen dessen Namen aufprägt”! Denn der Kopf auf den vorliegenden Mtinzen ist doch wohl wegen Mangels der kiiniglichen Abzeichen nicht der dcs Kaisers. Ich glaube nicht! dass diese meine Zutheilung ernstlich in Frage gestellt oder gar widerlegt wird durch ein ,Exemplar des Bröholt-Fundes mit an1) Gewicht O,h2-1,05 Gr. 2) Damit sind, wie Friedlaender (Farve S. 31j vermuthet, die Westf%schen Grafen zu Wer1 Bernhard 1. und dessen Xoffen Konrad 1. und Bernhard 11. in der 1. Hälfte des XI. Jahrh. gemeint. 3) Farvc a. a. 0. Mittheil. S. 152. 4) Miinzstud. V. S. 163, Taf. 1, 7. 5) Benno wird bekanntlich oft fiir Bernhard gebraucht (Foerstemann 1, 232, Pertz mon. Gcrm. Bd. VI,. Auch unser Herzog Bernhard kommt unter diesemXamen (z. B. bei IIelmold) vor.

*

t> 232 Nach Giesebrecht

(111, 169 11 Ausg.) stirbt Herzog Ordulf erst 28/3 1072. Herzöge von Sachsen.

232

zumal da gerade das EPS mehr als undeutlich geblich tBIEHR.EPS, diese Munzen meistentheils arg entstellte Inschriften haben.

ist und

Taf. XXV, 593. 593) Ebenso, aber BERNHARDVm. &‘f. tGEFRl DEMARII. Berl. Bl. VI, S. 155, Nr. 4. M. S. O,% Gr. Ueberall also der Name Bernhard, dazu bald Konrad, bald wieder Bernhard, Der Sinn dieses GEFRIDENARI I ist bald eine andere Umschrift) wie hier. mir nicht klar; man hat PETRI DENAR11 darin erkennen wollen, man könnte vielleicht ebenso gut GODEFRI lesen, also an einen Münzmeister denken, mich erinnert es an das GEHEREI, dem wir bald (597) begegnen werden, und das freilich nicht minder’ dunkel ist. Taf. XXV, 594. 594) (B ?)E , . . DVX gekrönter bärtiger Kopf. Rf. tSAXON I c Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. (Nach einem StaMem. St. Pet. ID, Taf. IX, 17. niolabdruck.) Köhne, der diese Miinze bekannt gemacht (a. a. 0. 8. 413) giebt AE als Anfang der Umschrift der Hs. an, bemerkt aber dabei, dieser Anfang sei so undeutlich, dass sich der Name des Herzogs nicht erkennen lasse, indessen falle die Münze in die Mitte des XI. Jahrhunderts, müsse also Bernhard 11. oder Ordulf gehören, doch sei fir Ersteren mehr Wahrscheinlichkeit. Die IJndeutlichkeit des ersten und dritten Buchstaben bestätigt auch die Abbildung, welche nicht AE, sondern CEF angiebt. Der Kupferstecher hat aber nur nach demselben Staniohtbdruck gearbeitet, der mir vorliegt; deutlich ist auf ihm nur der zweite Buchstabe E, der erste scheint mir aber eher B als A, und da der Anfang der Umschrift nach Köhne unsicher, AE aber keinen Sinn gieht, so werden wir das B als richtig voraussetzen und die Umschrift somit zu BERNARDVX oder vielleicht BENNODVX ergänzen dürfen, da die Münze einen nicht ungeübten, schreibenskundigen Stempelschneider anzeigt, und keine andere Ergänzung den geschichtlichen Daten entsprechen würde. Höchst ‘bemerkenswert11 ist übrigens das SAXONIE der BI.., denn nirgends findet sich sonst der Barne dcs Herzogthums genannt. Nur das FRESONIA auf einem Denar Konrads 11. (Nr. 495) bietet eine gewisse Analogie Hinsichtlich der Darstellung ist noch zu erwähnen, dass Köhne’s Beschreibung : »rohes bärtiges Brustbild mit spitzem Helme<< nicht zutrifft; das Bild ist keineswegs roher als auf den Münzen dieser Zeit durchschnittlich, und das Haupt wohl nicht mit einem Helme, der auch ganz ungebräuchlich sein würde, sondern mit einer spitzen Krone bedeckt, ähnlich der auf den ältesten Goslarischen, den Erfurter und den Denaren Egberts von Friesland. Ganz derselben Darstellung begegnen wir auch auf einer Münze seines Sohnes Hermann, Nr. 597a. Ordulf oder Otto (1059-71)“). * Taf. XXV, 595. 595) t DVX ODDO (riickläufig) gekröntes Brustbild. Rf. DVX ODO (riickläufig) Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. - M. S. 0,96 Gr. K. M. 0,sa Gr. Bl. f. Miinzk. 11, Taf. XVI, 243. t DVX OD. I 595 o) Des@., aber [rückläufig) Rj’. (rückläufig)
t DVX 0% D.
lj 28. Maerz; s. Weiland sächs. Herz. S. 33.

Rernhard

II.,

Ordulf oder Otto,

Hermann.

233

Taf. XXV,

595b) wie Nr. 595, aber Rf. DVX ODDO. rUckläufig. - M. 8. 0,135 Gr. 595 c. 595 c) Ebenso, aber t DVX I DI (rlickläufigj. Rf. t IDS OVDI. - M. S. 0,n Gr.

Hermann, Herzog Ordulfs Bruder, (+ 1086.) Taf: XXV, 596. 596) Wie vorher, aber t LIEREMON. RJ. DVX ODDO rückläufig. - M. Ei. 1,os Gr. O,n Gr. K. M. O,s2 Gr. 0,7-1 Gr. ßl. f. Mtinek. IT, Taf. XVI, 242. Taf. XXV, 597. 597) t HEREMON ähnliches Brusthild. Rf. t GEHEREI Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. M. S. 0,~ Gr. (DE HEREI), 0,~ Gr. 0,SiGr. 0,83Gr. 0!91 Gr. (CIHEREI). K. M. 0,68 Gr. O,‘i2 Gr. Bl. f. Mtinzk. 11, Taf. XVI, 243. Taf. XXV, 597n. 597a) Ebenso, aber mit spitzer Krone, wie auf der letzten Bernhards-Münze (594). - M. S. fl,72 Gr. 0,8~ Gr. K. M. 0,~ Gr. Zur Erklärung ist Nr. 773 heranzuziehen, nemlich: +HEREMON diademirter (?) Kopf rechts. Rf. +AHNTH -ON in den Winkeln eines befutititen doppellinigen Kreuxcs. Bl. f. Münzk. 11, Taf. XVI, 244, 245. Thomsen, der diese Miinzen Otto% und Hermanns zuerst im Zusammenhange veröffentlicht, hat sie unerklärt gelassen, ist aber doch seinem Vorgänger Riihlo, dor schon einige derselben gebracht hatte, darin beigetreten, dass AHNTHON Andernach bedouten möchte. Den ersten und einzigen durchgreifenden Erklärungsversuch hat Köhne gemacht. Er sieht in dem AHNTHON ebenfalls Andernach und meint, dass der Herzog Hermann von Lothringen (954-959) dasselbe vielleicht besessen, findet aber das Fehlen seines Herzogstitels befremdend, und spricht ihm schliesslich diesen Denar ab, weil zwei Herzöge, Hermann und Otto, wie sie doch auf Nr. 596 erscheinen, nie gleichzeitig gewesen seien. Dagegen erinnert er, dass GEHEREI, Wenn es Gerresheim bedeuten kijnne , im Beuitüe eines Grafen Hermann (976- 103 6) gcwcscn sei, der freilich sohwcrlioh in Andcrnaoh habe münzen können. In dem Otto siebt er den Lothringer Herzog (992- 1004), und schliesslich (Reiche1 IV, S. 512) in dem HEREMON d,och wiodcr den Herzog von Niederlothringen. Also der Grund flir die Zntheilung der ODDO DVX-Denare an den Lothringer Herzog ist ihre Zusammengehörigkeit mit den HEREMONs, dcron AHNTHON auf Andernach bezogen wird. Wäre letztere Prämisse richtig, so könnte man den Schluss allenfalls zugeben, wenn auch nicht ohne sich zu verhehlen, dass die allerstärksten Bedenken entgegenstehen Denn nicht allein erscheint das vorwärts gelf$rte Kaiserbild vor Heinrich 11. nur zweimal, nicht allein ist die Form ODDO nicht sächsisch * und in Lothringen, Köln ausgenommen, unerhört (s. S. 28) ; nicht allein besteht auch nicht die mindeste Aehnlichkeit zwischen diesen und den sicheren Andernacher Münzen, sondern es kommen auch diese MUnzen in den nlteren Funden, in denen man sie, der Zeit des Lothringers Otto entsprechend, vermuthen sollte, niemals, vielmehr aussohliesslioh in Funden aus der zweiten H&lfte des XI. Jahrhunderts vor. Aber abgesehen hiervon heisst Andernach doch Antunnaoum oder Antonacum und wird auch in letzterer Form nur auf einem einzigen, bisher unbe* :, :, S. 233, Zeile 8 v. u. lies +ur sächsisch” statt )>nicht säcllsischu.

234

Herzöge von Sachsen

kannten Denare Herzog Diet,richs genannt, während auf allen iibrigen Münzen sowohl dieses Dietrich, als Otto’s 111. und Erzbischof Piligrims das deutsche Andernaka in aussobliesslicbem Gebrauche ist. Jedenfalls muss man auch, um die richtige Form Anton als Anfang des Stadtnamens zu gewinnen; die beiden H streichen, und man muss sich denn doch wundern: dass der Stempelschneider, der in den Kreuzeswinkeln genügenden Raum mindestens für ANTONACV hatte, wesentliche Buchstaben fortliess und dafür überflüssige setzte. Man darf nicht einwenden, dass wir solchen Schreibfehlern unzählige Male begegnen; das ist wahr, aber zum Ausgange und zur einzigen Grundlage der Erklärung einer rätbselhaften Münze dürfen wir sie nicht einer andern Deutung bietet. 1) Und nehmen, so lange sich noch die Möglichkeit das ist hier der Fall, wenn wir nur von dem trügerischen Andernach absehen. Aber ehe wir uns zu positiven Erklärungsversuchen wenden, müssen wir noch den bedeutendsten Grund, welchen Köhne gegen sich hat, ins Auge fassen: die Funde. Also, unsre Oddo - und Hermann-Münzen sind noch niemals in Funden beobachtet, deren Vergrabung vor 1060 fiele i von den mir bekannten haben sie nur die von Sclsoe, Bröholt, Moskau und von Simoitzel enthalten, sämmtlich etwa und waren namentlich in dem Moskauer im Jahre 1070 der Erde anvertraut, wohl an 1000 Excmplarc, jedoch »von solcher Bescbaffenbeitcc, wie Köhne (N. F. S. 321) sagt, »dass nur auf 5 oder 6 die Namen Hermann und Oddo noch zu erkennen waren«. Wie will man Angesichts dieser Thatsache, besonders dem Moskauer Funde gegentiber, der ausserdem fast nur noch späteeitige Münzen (friesische von Bruno 1038 - 57, Egbert 1. und 11. 1057-- 90, Albert von Namur 1037 - 1105, Kaiser Heinrich IV. u. s. w.) enthalten hat, noch die Zutheilung an den 70 Jahre früher verstorbenen Lothringer Herzog aufrecht erhalten>! Auch dahinter wird man sich nicht zurückziehen können, dass, wie in obigen Worten Köhne’s angedeutet zu sein scheint, diese Münzen des Moskauer Fundes etwa grössten Theils Nachmiinzen gewesen seien, denn solche brauchen nicht später als die Urstücke zu sein, und sind es auch meistens nicht. Und ferner beweist das Vorkommen einer Münze in einem Funde freilich niemals, wie lange vor dessen Vergrabung sie geschlagen worden ist; wenn sie aber so massenhaft auftritt, wie die fraglichen im Moskauer Funde, wenn sie, die doch sonst nicht häufig ist, die Hauptmasse ausmacht, so darf man doch wohl nicht annehmen, dass sie lange vor der Vergrabung des Schatzes geprägt worden. Müssen. wir a,ber bienacb zugeben, dass nichts für, alles gegen die Beziehung unserer Denare auf den Herzog von Lotbringen spricht, so ist die richtige Deutung nicht schwer zu finden. Nur müssen wir uns crinncrn, dass Bernbards 11. Sohn und Nachfolger im Herzogsamte, der gewöhnlich unter dem Namen Ordulf vorkommt, auch den Namen Otto getragen hat. Alle Neuern sagen dies, und in der Tbat bestätigen es die Quellen, in welchen seine Zeitgenossen ihn bald mit diesem, bald mit jenem Namen bezeichnen. 2) Bedenken wir, dass ein anderer Herzog Otto gar
1) Bedeutung 2) Saxonum Bernardus sunt. Et felicitate So war bisher die Sachlage. Nachdem ich dies langst gcscbrieben, bat Nr. i72 die wahre des AHNTHON cnthiillt. So heisst cs in den rnnales Xosenveld (Pc& M Cr. XVI, S. 100) a. 1073: )lOrdulfus tlux obiit 5 Kal. Aprilis., und bei Helmold thron. Slav. (Pertz M. G. XXI, 28: »mortuus est dux Saxonum etc. Cuius hcreditatcm Ordulfus et Heremannus filii ejus inter sc pxrtiti quidem Ordulfus ducatum suscepit gubernandum, licet fortitudine et militiae usu lange a paterna diverteritcc. Und (ebenda S. 29) .defuncto Ordulfo successit in principatum filius

Hermann.

235

nieht vorkommt, denn der von Schwaben und Baiern braucht doch nicht erst noch erwllhnt zu werden, so kann wohl an der Richtigkeit dieser Zutheilung nicht im Mindesten mehr gezweifelt werden. Und mit derselben vereinigen sich auch alle übrigen Thatsachen auf das Vollkommenste. Dieser Oddo dux steht, wie auch Thomsen und Köhne erkannt haben: im engsten Zusammenhanfe mit dem HERE MON. Dieser wie Oddo haben den Kaiserkopf, wie Bernhards letzte Münze, und wie die Miinzen von Ordulfs Sohne Magnus. 1J11cl einer der HEREMONs zeigt uns den Kaiser mit genau derselben spitzen Krone, wie jener Bernhard II., ja bis auf 697 IL) eimmtlar vüllig gleic:ll. Und die TJrnwhriftcrl sind boidc Kinzan (094 und endlich, wie schon angeführt, der Name Otto in der weichen Form Oddo iat in ganz Saclikw~i fa*t auwschliesalich g:t@~acrI w%hrond er im ganzen Ubrißeu Deutsiohland nicht vorkommt, ausscr in KUln, wo cr mit Otto wcehsclt. ‘) Bernhard 11. hinterliess aber zwei Söhnt, und wahrem1 der ältere Otto das Herzogthum erhielt, wurde der jüngere Hermann aus den Allodialgütern, deren die Billunger so viele besassen j abgefunden. Manches mag auch, wie das im Mittelalter Gebrauch war, beiden Briidern zur gesammten Hand verblieben sein, und sich daraus vielleicht Nr. 596 erklären, die Beider Namen vereinigt zeigt. Hermann wird mit Buco von Halberstadt und dem abgesetzten Hcrzoge Otto von Baiern als Anstifter der im Jahre I 073 gegen Heinrich IV. angezettelten Vcrsohwtirun~ genannt, und als Grund a,ngegeben, dass der Kaiser seinen Neffen Magnus schon zwei Jahre gefangen hielt. Hermann war siegreiob, eroberte no& in demselben Jahre Lüneburg n11r1 Ii~isl,e dadurch seinu NtdTen FHWOIII. Sl%w (Winter 1075/6) sehen wir ihn dagegen in Gefangenschaft des Kaisers. Es darf uns nicht wundern: dass Hermann auch unter seinem alleinigen Namen gemünzt hat, zumal da er auch den Titel eines Pfalzgrafen (beziiglich dcs ostf4ischcn Sachsen) geführt hat. Man könnte freilich zun%chst fragen, ob denn HEREMON a,uch Hermann bedcutcn soll, noch dazu, da dafür auch oft NEREMON und sogar das ganze fremde SEAOW t SEOV erscheint. Indessen letztere, offenbar ganz sinnlose Inschrift muss man, wenn man eine Erklärung sucht, ganz ausscheiden, und wenn man tlann erwägt, dass der Name Hermann unter den Formen Hariman, Harman, Heruman, Hairman, Heiriman, Ariman, Eriman, Erman, Ayrman (s. Foerstemann 1: 627) auftritt und dass in Münzinschriften so häufig H und N verwechseln, so wird man wohl auch unser HEREMON, NEREMON und NERMAN gelten lassen. Auch Ramus, der an Her.mann Billung denkt, und Holmboe, der (Bröholt Nr. 179) die Münze für eine Andernacher des Erzbischofs Hermann 11. - bei Weitem noch das Wahrscheinlichste hält, sind darüber nicht in Zweifel. Für AHNTHON ist neuerdings die Deutung gefunden (s. Nr. 772) für GEHEREI dagegen wird sie

eju8 Magnus.. Dagegenbraucht I,ambertusHersfeld. [s. Scafnnbnrg.)stets die Namensform Otto (s. I’ertz M. G. VII, S. lT9j : 1)is(Magnuscomes, Freund desRaiernherzoga Otto) filius erat Ottonis ducis Saxoniac, cgrcgiuaadolescens etc. N (S. 1%) ~~Herimannus frater Ottonis Sax. duciscc 18. 196)
oDux Saxoniae necdum excesserat et filius ejus burc quoque oppidum VII, 275) )Xagnus filius aliquis constitutus fuerat, Magnus adhnc in castello maximum Ottonis ducis Ottonis ducis Saxoniaert quia . . . . . . dux Otto paulo ante humanis rebus Hartesburg deditns servabatur«. (S. 200) rliuniSaxonicicc. Ferner in Bertholdi annales (Pertz (S. 363) Gertrud, nobilissima Ottonis du&.

1) Das Richtige hat wohl Grote schon geahnt, wenn er (Bl. f. Münzk. 11, S. 338) die Vermuthungäussert,dassdieseMünzenim nördlichenNiedersachsen zu Hauseseien.

236

Herzöge von Sachsen.

Pagnua.

noch erwartet. 1) Dies GEHEREI klingt etwas an das GEFRI DENAR11 der einen vorgedachten Bernhards-Münze an. Wahrscheinlich ist CS, gleich AHNTHON, sehr verderbt, und vielleicht ebenfalls ostfriesisch. Steht das Cl HEREI, das eins meiner Exemplare hat, etwa für Clvitas HEREManni ? wohl schwerlich. Es durfte vielmehr ebenso ein Erzeugniss der Unkenntniss des Stempelschneiders sein, als die Umschrift DVX IDI. Bf. IDSOVDI auf der dritten Oddo-Münze Nr. 595~. Eine merkwürdige Nachahmung wird man unter den ungewissen finden, eine Vereinigung der Hf. unsres Hermanns mit der BJ Bruno’s von Friesland. Magnus (1073 z)- 1106). BJ. LIVN . . . zweithürmiges Taf. XXV, 598. 598) MA. . . . . bärtiger Kaiserkopf. Gebäude. - M. S. 0,s~ Gr. Es ist ungleich nattirlicher, die Inschrift der Hf. zu Magnus, als zu Hermann (rex) zu erg%nzen, auch abgesehen davon, dass Lüneburg , welches die Rf. doch offenbar nennt, alter Billungischer Besitz und als PrLgstätte der Herzöge aus diesem Hause bekannt ist. Diese Münze, bisher uncdirt und gewiss von äusserster Seltenheit, ist die einzige dieses letzten Sprossen eines ruhmreichen Geschlechts, des Grossvaters Albrechts des Bären. Troz des geringen Gewichtes wird man sie nicht als Obol ansprechen dürfen, sondern als leichten Denar, ähnlich den friesischen, ansehen miissen. Einen Halbbrakteaten , vielleicht von seinem Enkel Heinrich dem Stolzen, s. unter Goslar Nr. 704. Es giebt noch zwei Miinzklassen, welche in Sachsen, und zwar in Ostsachsen, Diese sind am Schlusse ihre Heimath haben, die Adelheids- und die Wendenmünzen. des Werkes unter den unbestimmten abgehandelt. Wir gehen daher jetzt zu den einzelnen Prägstätten, nach geographischen Gruppen geordnet, von Obersachsen anfangend, über.

Naumburg,
(Graf von Wippera? 1046-1078). Taf. XXV. 599. 599) EPELIHWIDA EPC Kreuz mit zwei Kugeln und zwei von Ringeln eingeschlossenen Kugeln in den entgegengesetzten Winkeln. rf. m---CPEIaA V) Kreuz mit breiten Schenkeln. - K. M. 9,~ Gr. M. S. 1,07 Gr. . . Posern Taf. XXXIV, 1, ä,hnlich ebenda Nr. 2. Taf. XXV, 600. 600) Dasselbe Gepräge, aber @f. XI. I - 1. I Krummstab Ill I Ill um das Kreuz. Rf. w C wPETRVU, Kreuz mit breiten Schenkeln. - M. S. 1,07 Gr. Diese Mtinzen haben ganz das Gepräge und die Fabrik der Wendcnpfennige, und sind deshalb wichtig für die Bestimmung ihrer Heimath. Sie können nirgends anders als nach Naumburg gehören, wo der Apostelfürst ursprünglich allein, dann mit Paulus verehrt wurde, woher sich das Stiftswappen (Schlüssel und Schwert) schreibt.
1) So gut wie bei Passau (Foerstemann 11, S. 568) kann es auch in Niedersachsen einen solchen Ort gegeben haben. 2) Erst von seiner Freilassung (13. August 1Oi3) ist wohl seine Herzogswürde zu datiren.

Eberhard

oder Eppo

Naumburg.

Riwhof

Eberhard.

Unbestimmte. -

Begau. Windelf.

-

Nerseburg.

237

Unbestimmte Bischofsmünzen aus dem Anfange des XII,

Jahrhunderts.

Infulirtes Brustbild mit Bischofsstab Taf. XXV, 601. 601) Umschrift unleserlich. Rf. t NVWNHVO Vorderansicht einer Kirche. linkshin. Num. Ztg. 1857, S. 142, Nr. 31. Pastor Leitzmann. RJ. t-H HIAVH, sonst ebenso. Leitzmann. 601 a. 601 a) UV.. . . AAA. Taf. XXV, 601 b. 6016) . . ALAV . . Rf. Umschrift unleserlich. Uebrigens wie vorher. - Leitzmann. Diese Münzen und noch andere unwichtige Varictätcn entstammen einem im Jahre 1857 zu Nieder-Eichstlädt bei Lauchst%lt, etwa 2 Meilen von Merseburg, Naurntrnrg nm1 Halle gemachten Funde einer beträchtlichen Anzahl IIalbbrakteaten, deren einige von Heinrich V. das Zeitalter so ziemlich bestimmen. l) Leider waren, wie gewöhnlich bei dieser Miinzklasse , nur auf wenigen die Inschriften einigermassen lesbar, und auch von diesen die wenigsten korrekt, jedoch etliche mit der Umschrift Merseburg und wohl auch (vorstehende Nr. 601) Naumburg vorhanden, während andere, ebenso dem Fundorte entsprechend, nach Magdeburg weisen. Man könnte vielleicht die Umschriften von Nr. 601 LC und 601 B auf Walram beziehen, der von 1090 - 1111 den Naumburger Stuhl inne hatte, doch bleibt dies immer zweifelhaft.

Pegau.
Diese berühmte, im Jahre 1093 vom Grafen Wipert von Groitzsch gestiftete, und im Jahre 1096 geweihte Benediktiner-Abtei hat mit der AusUbung des Mlinzrechtes nicht lange gesäumt. Schon vom zweiten Abte haben wir Brakteatenformige Münzen, die wegen ihrer eigenthümlichen alten, der des Meissnischen Markgrafen Heinrichs des Jüngern verwandten Fabrik noch in unsre Zeit fallen mögen. Da aber letzteres zweifelhaft, wird eine Verweisung auf die guten Posern’schen Ahbildungen genügen. Windolf ~1100-1150). 6021 t +AClCl2 WITOU 0 Brustbild mit Fahne, über der linken Schulter ein Stern. -- K. M. O,i8 Gr. 0,84 Gr. Posern Taf. XLV, Nr. 11, shnlieh, mit verschiedener Umschrift, Nr. 12. 602 a) Aehnlich, aber Umschrift unlcscrlich. Brustbild mit Krummstab über der linken Schulter. Posern Taf. XLV, 13.

Merseburg.
Es ist bekannt, wie Otto 1. hier 968 ein Bisthum gründete, wie dasselbe aber schon 973 auf Betrieb des auf den Magdeburger Stuhl erhobenen zweiten Bischofs, des ränkevollen Giselar wieder aufgehoben wurde, und welche Muhe es sich die folgenden Kaiser kosten liessen, das begangene Unrecht wieder gut zu machen. Dies glückte erst Heinrich II., der die Wiederherstellung des Bisthums am 4. März 1001
1 Num. %eitung 18ji, S. 13i.

,

238

Sachsen.

Meraeburg.

bewirkte und gleichzeitig ihm nebst vielen Freiheiten das Münzrecht ertheilte. 1) Bis vor Kurzem kannte man aber nur Münzen aus der Braktcaten-Zeit. Da brachte der eben gedachte Fund von Nieder-Eichstädt einige hierher zu verlegende Halbbrakteaten j jedoch ohne Bischofsnamen. Den ersten (Halb-)Denar mit Sieherrn Bischofsnamen aber lieferte der Fund von Simoitzel. Wenn meine damalige Zutheilung etwas kühn scheinen mochte, so haben sie zwei seitdem von mir entdeckte andere Denare desselben Bischofs in erfreulichster Weise bestätigt. Es sind die besprochenen aber die folgenden drei Münzen. Bruno Taf. XXVI, (1020-1036).

rechts. Rf. t BRVNO Halb-Denar. K. M. 0,62 Gr. Berl. Bl. II, Taf. XIX, 18. Der IJmstand, dass auf der I5f. W für M steht, Lässt vermutheu, dass auf der RJ. dieselbe Verwechselung stattgefunden hat ; dann lautet also die Umschrift: BRVNO.. . . MAR. Nur ein Bischof kann hier gemeint sein; nur in Augsburg, Merseburg, Minden, Toul) Verdun und Wiirzburg aber finden wir Zeitgenossen Konrads 11. des Namens Bruno, also ist zweifelsohne zu lesen : Bruno episcopus Martisbnrgensis , zumal da Augsburg, Ton1 und Verdun durch die Fabrik ausgeschlossen sind. Die Bekräftigun g dieser früher 2) von mir ausgesprochenen Meinung liefern die beiden folgenden Denare, welche durch die Fabrik, namentlich das ganz iibereinstimmende, höchst eigenthümlich gestaltete Gebäude der ersteren in die engste Beziehung zu diesem Obole gesetzt werden. Taf. XXVI, Taf. XXVI,
604. 604) (CJONRAD..

603. 603) . . ONRADVm ROW . . . Kaiserkopf . . . WAR dreithürmiges Gebäude.

. . . Kaiserkopf linkshin. dasselbe Gebäude. - Kopenhagen.

RJ. (BRVJNO..

.. .

605. 605) . . . . . 3VStlOMANO.. . . Kaiserkopf .*.. MIS EPI. - Kopenhagen.

rechtshin.

RJ. t CIVI

Berl. Bl. 11, Taf. XIX, 18. Thomsen hat letzteren Denar aus dem Oster-Larskjer Funde bekannt gemacht, ohne eine Erklärung zu versuchen, Köhne (a. a. 0. S. 65) die Lesung CIVI (T FRVXI)MIS E(gilbertus) PR(aesu1) vorgeschlagen, ihn also an Egilbert Bischof von Freisingen (Fruxinium) gegeben. Bedenklich hierbei war die kiihne Abkiirxung E. PR, nicht ‘minder, dass das Gepräge durchaus nicht das bairische ist, wie es ein wirklich von diesem Egilbert herrührender Denar zeigt. Aber mit der Lesung EPR war das Richtige auch kaum zu finden ; sobald ich jedoch das Original in die Hände bekam, und entdeckte, dass diese Münze, gleich Nr. 603, mit einer Inschrift von seltener Ausftihrlichkeit und Deutlichkeit versehen, und mit dieser durch das sonst unerhörte Romanorum hinter dem Kaisernamen verbunden, in der That die Inschrift t CIVI : - . VIIS EPT trägt, da konnte ich nicht länger zweifeln, dass auch sie nach Merseburg zu legen, und die Inschrift mit höchster Wahrscheinlichkeit Civitas Brunonis epiiscopij zu lesen ist. Mader erwähnt (1, 8. 74) einen Wendenpfennig mit GRVNOES und (aller1) Die Urkunde zum ersten Male abgedruckt 2) Berl. Bl. 11, S. 153.

bei Posern S. X(i.

RlWUO. Ans dem Anfange des XII. Jahrhunderts.

239

Rf. SRC.... und Kreuz mit dings sehr verwischtem) gekröntem Brustbilde. breiten Enden. Er lässt ihn unerklart, giebt auch keine Abbildung, und vermag ich daher irgend Bestimmtes über ihn nicht zu sagen. Aber die Frage kann ich nicht unterdrücken, ob nicht etwa das G ein B) die Münze also von unsrem Bruno ist; die Existenz solcher Wendenpfennige von dem nahezu gleichzeitigen und benachbarten Naumburger Eberhard lässt dies als sehr möglich erscheinen.

Aus dem Anfange des XII. Taf. XXVI,

Jahrhunderts.

606. 606) t IO. . . . . . TI ? bärtiges Brustbild mit runder Kopfbedeckung. Rf. ME.... VRC mit drei Thürmen besetzte Mauer. - Pastor Leitzmann. l) Num. Zeitg. 1857, S. 137, Nr. 7. Goi’. 607) RIGG- WV Reichsapfel.

infulirtes (?) Brustbild eines Geistlichen mit Rf. Kirche. - Leitzmann. Num. Zeitg. 1857, S. 140, Nr. 13. 608) Brustbild mit Krummund Lilienstab. Rf. Kirchenportal. Die Umschriften auf beiden Seiten unleserlich. A. a. 0. Nr. 7. Umschrift Taf. XXVI, 609. 609) Brustbild des Bischofs mit Krummstab und Palme. undeutlich. Rf. MERCA(U CIV, Mauer mit drei Thurmen. - Lei tzmanu . Num. Zeitg. 1867, S. 141, Nr. 240. Taf. XXVI, 610. 610) Aehnliches Brustbild. Rj-. Zwei Thürme, verbunden dureh einen Doppelbogen, auf dem ein Kreuz zwischen zwei Ringeln. Umschriften unleserlich. - Leitzmann. A. a. 0. Nr. 26. 611) MITCIM. Kreuz, von einem breiteren eingeschlossen, in jedem Winkel ein Stern. 1g . . . NZH . , . Kirche auf einem Doppelbogen zwischen zwei Thürmen, oben zwei Ringel. - Leitzmann. Num. Zcitg. 1857, S. 142, Nr. 23. Taf.XXVI,ölla. 611a) Ebenso, aber HVHIIIC. fif. NVNIIIA. - Leitzmann. S&mmtlich aus dem Funde von Nieder-Eichstädt, aus dem noch manche, aber wenig bedeutende Abarten a. a. 0. verzeichnet sind. Ob Nr. 606, wie Leitzmann will, das Bild des Kaisers (Heinrich V.) entllält, ist mir zweifelhaft. Ebenso, ob nicht Nr. 607 doch dem Bischof Richwin von Naumburg (1123 - 25) gehört, was die Inschrift NV W . . . . auf der Hf. eines sonst ganz gleichen Exemplars (a. a. 0. 8. 140, Nr. 14) fast zu erlauben scheint. Nr. 611 hält Leitzmann für Merseburgisch einmal wegen des Kreuzes, das dieses Stift vorzugsweise führte, wie es denn auch, schwarz in Gold, später sein Wappen bildete, und sodann, weil derartige Stücke weder bei Havelberg noch bei Dessau vorgekommen sind. Die Umschriften geben keinen Aufschluss, sie weichen, wie eine Vergleichung mit Nr, 611~ und ähnlichen Stücken lehrt, ab und sind sinnlos.
1) Durch die Gefälligkeit des Hrn. Pastor Leitemann bin ich in den Stand gesetzt, getreue Zeichnungen nach seinen Originalen zu liefern, welche namentlich an Styltreue die in der Num. Zeitung gegebenen weit übertreffen; nach ihnen habe ich auch die Beschreibungen eingerichtet, die daher von denen a. a. 0. öfter abweichen.

Taf. XXVI,

240

Sachsen.

Wimmelburg.

-

Quedlinburg.

Wimmelburg.
mit Schwert und Lilie. Rf. WI . . . . . zwischen denen ein Bischofsstab. M. S. 0,68 Gr. Taf. XXVI, 612a. 612a) . . . . COM . . . Dieselbe Vorstellung. Rf. Wie vorhin. Von der Umschrift ist WI . . DEBV.. und allenfalls noch das 0 vor D zu erkennen. - M. S. 0,72 Gr. Zu Wimmelburg, das jetzt ein Rittergut und Dorf im Mannsfelder Seekreise, unweit und westlich von Eisleben ist, bestand im Mittelalter ein Benediktiner-Mannskloster, das aber entschieden nicht schon im Jahre 909, sondern von einem Grafen Christian aus dem Stamme der nachmaligen Grafen von Mansfeld gegründet wurde, und zwar, wie Bischof Reinhard von Halberstadt ausdrücklich sagt, unter seinem Vorgänger, dem Bischof Burkhard (1036-60). Dieses Kloster, bekannt durch die wunderthätige, Besessene heilende Cyriaksglocke, gegen welche Luther eiferte, war sehr ansehnlich, hatte bedeutenden Güterbesitz, und seine Aebte hatten auch vom Pabste Victor IV. (1160-64) das Recht erhalten, die Mitra zu tragen. Es ist daher wohl zu begreifen, wenn auch bisher unbekannt geblieben, dass die Aebte das Münzrecht ausgeübt haben, in dessen Besitze sich noch manche andere Abteien befunden haben mögen, deren Münzen wir nur wegen mangelnder Inschriften nachzuweisen ausser Stande sind. Die Inschriften der beiden vorstehenden, wesentlich gleichen, vielleicht auch ganz identischen Exemplare sind sehr abgerieben, so dass ich im ersten Augenblick an ihrer Lesung, und noch viel mehr an ihrer Deutung verzweifelte. Bei näherer Prüfung konnte ich zwar auf der HJ von Nr. 612 nichts weiter als das OT . . . . . entdecken, was jedenfalls der Name des Voigtes ist - die Schirmvoigtei war bei den Grafen von Mansfeld - , auf der Rf. des zweiten Exemplars gelang es mir aber, ausser dem W, das auf dem ersten allein völlig deutlich ist, noch 1. ODEBV . . zu lesen, ohne dass ich von den angefiihrten historischen Verhältnissen Kenntniss gehabt hätte. Diese Kenntniss verdanke ich erst Herrn Archivrat11 v. Mtilverstedt, dem ich von meiner Lesung mit dem Bemerken Mittheilung machte, dass die Münze einem Orte WI. ODEBVrg in der Umgegend von Halberstadt oder Quedlinburg angehören müsse. Man wird hieraus entnehmen, in wie hohem Grade diese mit voller Unbefangenheit gewonnene Lesung einer, wenn auch sehr abgeriebenen Inschrift als sicher anzusehen ist. Wimodeburg, Wimotheburg, Wimedeburg ist aber die mittelalterliche Namensform von Wimmelburg, und erscheint namentlich auch auf dem ältesten, aus dem Anfange des XIV. Jahrhunderts stammenden Siegel der Abtei (als Wimedeburch), während das von 1487 schon Wimmelburgh hat. l)
E. . . Mauer mit zwei ThUrmen,

Taf. XXVI,

612. 612) +OT..

. . . Brustbild

Quedlinburg,
eine der altesten und ansehnlichsten Städte Niedersachsens war der Sitz einer berühmten, von der Kaiserin Mathilde, der Gemahlin des hier beerdigten Heinrichs I., gegrtindeten Frauenabtei, die aus dem Kloster Wendhausen bei Thale im Harz ent1) S. Zeitsehr. d. IIarz-Vereins f. Gesch. uud Alterthumskunde 1, S.
45.

Ottoirr.

241

standen war. Im Besitze des Münzrechtes sehen wir sie schon im Jahre 993 1). Ihre Munzen sind aber sämmtlich selten, hauptsächlich wohl weil das nahe Magdeburg den Hauptbedarf an Tauschmitteln deckte. Die Ausbringung der Adelheidsmiinzen, welche in dieser Gegend, zum Theil vielleicht auch in Quedlinburg selbst, stattgehabt haben mag, scheint zuerst den Mtinzhammer in Bewegung gesetzt ZU haben, und zwar unter Otto III., dem Urheber aller Prägungen im Sachsenlande. Quedlinburg ist iibrigens ziemlich früh schon Gegenstand numismatischer Studien gewesen, aber die ältern Schriftsteller, Olearius und Leukfeld, haben nur Rrakteateu behaudelr~ könn&. Denare wind vrat viel spilter behandelt worden, zuvon Otto 111. Dann brachten zwei gluckn%ehst der, jedoch vielfach verkannte, liehe Funde, der von Santersleben und der von Dessau, neuen bedeutenden Zuwachs, namentlich erotcrcr MUnecn cincr geschichtlich ganz unbekannten qebtissin Agnes. Aber die Munzen des jüngsten, des Dessauer Fundes, entbehrten leider aller irgend lesbaren Inschriften, und die des Santerslebener Findes waren grösstentheils undeutlich geprägt oder mangelhaft erhalten. Cappe, der die Münzen dieser Abtei bearbeitet hat, ist dadurch zu argen Irrthümern verfihrt worden z), er hat die Umschriften unrichtig gelesen und Münze; aufgenommen, die nicht nach Quedlinburg gehören. Sein Buch, soweit es sich auf diesen Zeitraum erstreckt wenigstens, schadet ohne Frage mehr, als es nützt. a) Kaisermünzen. 0 t to 111. (983-1002, Kaiser seit 996). (rtickl%ufig) , Kreuz- mit ODDO in den Winkeln. Rf. 2C2 2ERVA*CIV2 Kirchengebäude, neben welchem T-T. - M.S. 1,3Gr. 1,45Gr. K.M. 3,~sGr. 1,~Gr. Aehnlich Lelewel XX, 2 (mit DIJ . Götz 137. Ca.ppe, Quedl. Taf. 1, Nr. 3 6 [mit 2 statt 2C2). 613a) .Aehulich, aber mit rückläufigem SCS SERVACIVS. - M. ti. 1,31 Gr. Götz 138. MBrn St. Pkt. 111, S. 425. Lelewel (111, S. 3 :;2) setzt diese Münze nach Tongern, weil er die bis auf die Umschrift der h!f. ganz gleichen Adelheidsmünzen ftir Aachener Gepräge, und S. Servatius fUr den Schutzheiligen von Tongern hält. Dass Letzteres unrichtig und Tongern vielmehr den heiligen Maternus als solchen verehrte, ist bereits in der Revue Belge 11, S. 346 gesagt, dennoch aber auch dort die Münze unrichtig nach Maestricht bestimmt, welches freilich den Schutzheiligen mit Quedlinburg gemein hatte. Die Entscheidung zwischen bcidcn Stiidten fällt nicht schwer, wenn man nur in Betracht zieht, dass die Adelheidmünzen, wie bei deren Beschreibung näher ausgeftihrt ist, nicht in Aachen, sondern in Magdeburg und Umgegend, jedenfalls in Sachsen, entstanden sind. Auch über den Münzherrn, der kein älterer als Otto 111. sein kann, geben sie vollen Aufschluss. Die Maestrichter Münzen sind dann auch Taf. XXVI,
GI 3. 613) t DC RA t REX

ganz andem beschaffen, und hätte Cappe die mit OTTO GRA DI RE(X;

i?f. SEfRTlVS w

1) S. Leukfeld, antiq. uum. Quedl. S. 206. v. Ersth, cod. dipl. Quedl. S. 25, Kettner antiqu. Quedl. S. 33. 2) Etwas gelinder hst Leitzmenn schon diese Riige :husgesprochen in der Zeitsohr. d. HnrzVereins 1Si2 S. iti5. 16 u an n t3 n IJ crg, Doutaahlanda ii1tcsto Münzen.

242

Sachsen. &nedlinburg. nach Quedlinburg und Köhne (Mem.

nicht, wie er (K. M. 1, Nr. 331, Quedl. SJ. 13. Nr. 1) gethan, verlegen sollen, nachdem ich sie schon früher richtig bestimmt St. Pkt. III, S. 425 nnd IV, 51) dies bestätigt hstte. Unter Heinrich
tHEN..

V. führt Cappe (K. M. 1, Nr. 613, Qn. S. 14, 3) auf: . .CVSR unter einem Bogen gekröntes Brustbild mit Kreuzstab. RJ QIDLINGNES Vogel mit ausgebreiteten Flügeln (K. M. 1, Taf. VIII, 129, Quedl. 1, 1 u). Lauteten die Umschriften wirklich wie angegeben, so könnte man zwar nicht Heinrich V., wohl aber Quedlinburg gelten lassen, allein die Abbildung ergiebt : t lIEL/I- CVCR. Rf. Ql DLINGN E2l. . , und wie ich mich sehr wohl erinnere, war auch dies keineswegs auf dem sehr mangelhaften Cappe’schen Exemplare, und ein anderes ist mir nicht bekannt - wirklich zu erkennen. Die Münze muss also von Quedlinburg, wohin sie nur auf Grund irriger Lesung gelangt ist, entfernt, und vorläufig den unbestimmten zugezählt werden. Dass sie iibrigens, wenn sie wirklich Quedlinburgisch Ware, von Heinrich V. nicht sein kann, lehrt ein Blick auf die nachstehend beschriebenen Denare der ihm gleichzeitigen Aebtissin Agnes.

b) Ohne Namen des Haisers und der Aebtissin.
614. 614) tQVlDlLl(NG)b dreithurmiges Gebäude. Rf. tz(Ci?) DlONl2lV2 Ha,nd mit Krummstab. - K. M. 1,30 Gr. Berl. Bl. IV, Taf. 49. Nr. 8. Ilnverkennbar ist die Fabrikverwandtschaft mit den breiten Magdeburgern, dem Helmstädter, gewissen Hildesheimern und den Denaren der Halberstädter Bischijfe Brantho und Burkhard 1. Letztere bestimmen annähernd die Prägzeit, und zwar möchte ich dieselbe möglichst weit hinauf, noch unter Adelheid I. (999-1044) ansetzen, weil diese Miinze dieselbe Eigenthtimlichkeit der verkehrt gestellten 2 zeigt, als die von Otto 111. Schoenemann , der zuerst diesen Denar beschrieben (Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, Juni 1855, S. 150), bemerkt, dass der heilige Dionysius 1) neben S. Servatius Patron des Stiftes gewesen, besonders verehrt von der Königin Mathilde, die laut der Sachsenchronik ihm und der heiligen Jungfrau auch das Stift zu Engern geweiht habe. Ausser seiner grossen Seltenheit hat dieser Deuar auch das Verdienst, dass er uns iiber häufiger vorkommende Nachmünzen aufklart, ncmlich : Taf. XXVI, 614~; Ebenso, aber .*:f CIWONISIVS. RJ EL(V?) DAVONCIA. Aehnliche Exemplare m. 8. wiegen I ,‘LY Gr. 1.:~<3 Gr. Bl. f. Münzk. 11, 2Oü.

c) münzen der Aebtissinnen.
Taf. XXVI, Adelheid 11. (1063 und 1088 erwähnt). 616. 615) t.. . . . HT AB Brustbild der Aebtissin mit Lilienstab in der Rechten. Rf. . . . NRICVS Brustbild mit Schwert und Reichsa’pfel. (Ellemals in der Sammlung des Direktors Wiggert in Magdeburg, jetzt wahrscheinlich in der der Stadt Quedlinburgj .
Kerl Y. Frenkrcich schickte an Kiini g Heinrich 1. dir Hand des 11.llionpius (Giose216’.

1) Küaig
brecht, 1, s.

(Heinrich

V.),

Anonyme,

Aebtissin

Adclhcid

11. Agnus 1.

243

Nach den Schriftresten wohl nur auf diese Aebtissin zu beziehen. Ob wir unter dem Heinrich den Kaiser oder den Sehutzvoigt zu verstehen haben, wäre zweifelhafter, wenn nicht auf Nr. 622 ebenfalls der Kaiser erschiene. 616) +ADKLEIDA AB ihr Brustbild mit Blume und Kreuzstab. Rf. . . . IDELIld.. . . dreithürmigc Kirche. Cappe, Qu. Taf. 1, 3. Cappe hat, als er diese Münze zuerst mittheilte (num. Zeitg 1843, S. 22) nur gesagt, die einzelnen kenntlichen Buchstaben liessen sich auf ADELEIDABA adeuten~, und fugt scinor späteren Beschreibung hinzu, die Umschrift t ADALEI DA AB sei »fast Unleserlichts. Das kann man ihm, der auf den undeutlichsten Mtinzen Im Widerspruch tle,nrit noch etwas entziffern zu können meint, unbedingt glauhen. stellt die Abbildung diese Umschrift als v o 11k o m m e n deutlich dar. Man sieht hieraus abermals, wie wenig man sich selbst auf die Cappe’schen Zeichnungen verlassen kann, auch da, wo Cappe an der Entstellung nicht unmittelbar schuld ist; der Kupferstecher, dem deutliche Münzen meist recht gut gelungen sind, wusste mit schlechter erhaltenen nicht fertig zu werden, er verstand es nicht, das nur kaum noch Sichtbare Alles tritt bei ihm hart und schroff oder gar in sanfteren Umrissen wiederzugehen, nicht hervor und unbedenklich stellt er, durch Vorschrift des Verfassers, durch dessen Angaben auf dem Umschlag der Munze gezwungen, auch das dar, wovon sein Auge nichts zu erkennen vermochte ‘), Hiernach glaube ich an diese Adelheid um SO weniger, als sie aus dem mit etwa 1130 schliessenden Santerslebener Funde kommt, und ganz das Gepräge der demselben entstammenden Agnes-Denare hat, sie wird also nichts mehr und nichts weniger als eine schlecht erhaltene Agnes sein.
/? 00

1. (um m.* Taf.XXVI,617. 617) tÄNGNE$. ..- ihr Brustbild mit erhobener Rechten und Kreuzstab, über ihrer rechten Schulter ein Kreuzehen. RJ QVl(DE)LIG(EB) Kirche in einer Mauer. - M. S. 0,84 Aehnlich Cappe, Quedl. Taf. 1, 4. Gr. und 0,85 Gr. ti3 7 a) Ebenso, aber t ANG. . . ABh. R$ QVIDE . . . . Cappe, Quedl. Taf. 1, 5. 617 6) Ebenso, aber über der rechten Schulter eine Kugel) tA. . Rf. t QVIDE.. N.. . , ESA ABA. Cappe, Quedl. Taf. 1, 6. Taf. XXVI, 618. 618) . . . NES-EA die sitzende Aebtissin mit erhobener Rechten und Buch. Bf. t . . . . TIV der Heilige mit segnend erhobenen Cappe, Quedl. 1, 7. Händen, im Felde fünf Kugeln. G39) . ..GN... B71 jrückläufig~ , die Aebtissin mit segnender Rechten und einem Kreuzstab mit FLhnchen, über ihrer rechten Schulter ein Ringel. Rf. DEX(te) RADO. . Hand, von zwei Sternen begleitet, auf einem Kreuze. Cappe, Quedl. 1, 8. 619~) . . NGNES 0BA. Rf. DEX.. . . . , sonst ebenso. Cappe, Qu. 1, 9, wo AGNES. BA statt des im Text angegebenen . NGNES.
‘Yd 1) Doch kommen einige seltene Ausnahmen IV, K. M. Band 111 (hier Nr. 622). * vor, Z. B. die sogleich zu erwähnende 1ü* 2 S. 243, Zeile 24 v. o. lies 1100 statt 1200. Nr. 55

Agnes

244

Sachsen.

Qnedlinburg.

Meine Exemplare Taf.XXVI,6191,.

dieser Münze haben:

Rf. +DEX....ON, 619b) +A (unsicher), . G..S*ICBA. Gepräge wie 619 Gew. 0,85 Gr. Rf. tDE. . . .DON. Taf. XXVI, 619 c. 629 c) Ebenso, aber I(?)NGNE*A(?)BAf!) - Gew. O,iS Gr. 619d) Ebenso, aber . GNESABA. RJ’. . . XTERA.. . Gew. 0,~ Gr. K. M. 0,~s Gr. 619e) Ebenso, aber der Kreuzstab ohne Fähnchen und t ANGNES ABA. RJ. REX..D... Cappe, Quedl. 1, 10. Die volle Inschrift scheint also zu lauten: tANGNES ABA. Rf. t DEXT ERA DON. Nr. 618 scheint nach Cappe’s Abbildung zu urtheilen, authentisch, doch hat Cappe früher (num. Zeitg. 1843, S. 21) auf der ‘WJ: nur +. . . .ES. RJ. t SSE . . . . gelesen, was wieder Zweifel erregt; wäre dies ein anderes Exemplar, so hätte er es doch als erggnzend erwähnen mtissen. Etwas bedenklich ist auch die Figur des Heiligen, die dem Stephan ähnlicher sieht, als dem Servatius, doch könnte dies auf Typen-Nachahmung beruhen.

der Aebtissin mit einem beschriebenen Buche in der Linken, neben ihrem Kopfe S -. R/ dreithtirmige Kirche, oben zwei Ringel. (Nach einem Staniolabdruck) . Eine der anmuthigsten Darstellungen in dieser Reihe zierlicher Mlinzen. Die Geschichte kennt keine Quecllinbuger Aebtissin Agnes vor der Markgräfin von Meissen 1184-1203. Aber diese nennt sich selbst die zweite, und obige Mtinzen, Fundgenossen des Halberstädter Reinhard sowie Goslarischer Kaisermiinzen von Heinrich IV. und V. nötbigen uns, im Einklange damit eine gleichnamige Vorggngerin anzunehmen, welche nicht passender als zwischen Adelheid, die 1068 und 1088 vorkommt, und Gerburg, die im J. 1137 stirbt, angesetzt werden kann (s. auch Num. Zeitg. 3 845, S. 130 und 1849, S. 23). Cappe führt schliesslich unter dieser Agnes folgenden Denar an, den Köhne (Zeitsehr. V, S. 350) der Agnes 11. zugewiesen hatte:
HEINRICVS IM Kaiserkopf

Taf. XXVI,

620. 620) t ANGNE . . . A Brustbild

rechts. Rf. t!Fc

stehende,

anscheinend unbekleidete Figur mit einer Art Scepter in der Rechten. - Kopenhagen. Köhne, Zeitsehr. V, Taf. VIII, 10. Mit Recht hat schon Grote (Münzstud. 11, 932) das Irrige dieser ErklLrung und Zutheilung hervorgehoben: der Kopf ist nicht der Heinrichs IV., noch weniger des VI., sondern des II., sehr ähnlich dem auf Strassburger Denaren , die Rf. antiken Mustern nachgebildet, etwa einem SOL INVICTVS COMES Constantins d. Gr., erinnert sehr an den Denar desselben Kaisers mit Rf. VICTO.. . (Nr. 1179) und ist gleich diesem die Münze nicht näher bestimmbar. Die Inschrift der Rf. kann sehr wohl auch anders als Agnes gelesen werden, und muss es, wenn, wie es scheint *), das angebliche G ein 0 ist. Klar ist danach freilich nur, dass diese merkwtirdige Mtinze der Agnes, von deren Geprä,gen sie in jeder Hinsicht, namentlioh auch in der 1) Ich habe das einzige bekannte Exempkkr des Kopenhagener Museums genau untersucht.

.

Agnes I., Gerburg. Fabrik, abweicht, und zu denen sie nach Zeit und Gegend durchaus nicht gehören kann. Man sehe sie Taf. LIII, 1180. Gerburg Taf. XXVI,
(1108?-1137).

215 nicht passt,

621. 621) t ELECCIO MEI der Aebtissin Brustbild mit Kreuzstab, neben ihrer rechten Schulter eine Blume. Bf. QVIDELIGE BV* Kirche, von einer Mauer umschlossen. - K. M. 0,~s Gr. Berl. Bl. IV. Taf. 49. Nr. 9. Aehnlich Cappe, Quedl. 1, 1 n (mit DEI statt MEI). 621 n) t ELECCIO MEN Brustbild der Aehtissin mit erhobener Kechten? und Kreuzstab mit Fähnchen (ohne die Blume), Rf. + QVI D . GEB Kirche. - M. S 1),93 Gr. Cappe, Qu. 1, 2, aber-wohl unrichtig-mit +QVlD . . . ENB. Taf. XXVII, 622. 622) t HEINRIC.. . I)ärtigesKaiserbrustbild. Rf. tEL(ECC)lO MEI Brustbild der Acbtissin l), in der Linken einen Kreuzstab, über ihrer rechten Schnlter ein Stern. Cappe, K. M. 111, Taf. IV, 55. Taf. XXVII, 623. 623) Brustbild der Aebtissin mit Krummstab. $f. Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. Auf beiden Seiten maagelhnfte ‘ITmSchrift, aus missgestalteten Buchstaben bestehend. - M. S. 0,~s Gr. 0,77 Gr. K. M. 0,5Gr. 0,62&. O,fizGr. 0,65Gr. 0,75 Gr. Mittheil., Taf. VI, 6. 623a) Ebenso, aber der Stab zur Linken. Mittheil., S. 114. Nr. 31. Cappe legt Nr. 621 der Beatrix 1. (1045-63?j bei, während er Nr. 622, das so deutliche Bild der Aebtissin für das der ‘Jungfrau Maria haltend, unter Heinrich VI. setzt. Schon die gleiche Inschrift, welche sonst gar nicht vorkommt, hatte ihm sagen sollen, dass beide Münzen zu einander gehören, sowie auch Nr. 622 als entschiedener Halbbrakteat eine so späte Datirung durchaus nicht gestattet. Das ganz unerhörte ELECCIO MEI, auf Nr. 621. vollkommen deutlich, hat Cappe sichtlich nicht verstanden, auf Nr. 622 aber missverstanden, indem er übersetzt: ein von mir Auserwählter, d. h. der Kaiser. Das ist mindestens sehr gezwungen, man muss Daher sind dann auch beide Münzen für vielmehr übersetzen : meine Erwählung. eine Art von Gedächtnissmünzen zu halten, geschlagen beim Antritt der Regierung. Es ist dies eine sehr seltene Erscheinung, die jedoch einige Analogien, namentlich im Bereich der bairischen und böhmischen Münzen des XII. Jahrhunderts hat. Die Münzen habe ich früher der Agnes beigelegt, möchte mich aber doch lieber für ihre Nachfolgerin entscheiden, und zwar wegen der Fabrik von Nr. 622, welche auf Heinrich% V. Zeit verweist, Nr. 623 ist dann ein späteres Gepräge derselben Aebtissin. Nr. 621, aus dem Funde von Santersleben herrührend, erlaubt sehr wohl, sie in diese der Vergrabung des Fundes nahe Zeit zu verlegen, und die Fabrikverschieden-* heit steht nicht entgegen, auch von Goslar haben wir gleichzeitig dicke Denare und
1) Cappe beschreibt: ein gekrüntes, vielleicht auch nur mit Schleier und Schein umgebenes Brustbild; von dem Heiligenscheine lässt aber die Abbildung nichts wahrnehmen, und die angebliche Krone wird lediglich durch die Kiigelchen des Perlenkrciscs gebildet,, welcher die Inschrift gegen das Bild abgrenzt.

216

Sachsen.

Halberstadt.

,

Halbbrnkteaten, namentlich die Reitermünzen von Heinrich V. Wollte aber Jemand Nr. 621 der Agnes, Nr. 622 wegen der abweichenden Fabrik und des verschiedenen Gepräges der Gerburg zusprechen, so würde auch nicht viel dagegen zu erinnern sein, besonders unter der doch wohl begründeten Voraussetzung, dass die SO ganz verschollene Agnes dem Stifte nur wenige Jahre vorgestanden hat. Nr. 623 und 623 a sind nebst Ihnlichen, nur duroh die Zeichnung ein wenig unterschiedenen Halbbrakteaten sowie Mlinzen der Magdeburger Erzbischöfe Heinrich 1. (1102-1107) und Adelgod (1107-1119) bei Dessau gefunden, und können demnach wohl nur dieser Abtei, nicht der entlegeneren heiligen Kreuz-Abtei zu Nordhausen, dann aber nur dieser Aebtissin zugeeignet werden, denn der Agnes 1. kann man sie wegen der grossen Abweichung von ihren sicheren Münzen nicht geben. Zwar ist ein ebenso grosser Abstand zwischen Nr. 621 und 623, aber; abgesehen davon, dass Nr. 621 den Namen der Aebtissin verschweigt und jedenfalls in das Antrittsjahr fallt, so darf man nicht vergessen, dass die lange Amtszeit der Gerburg gerade die Wandelung der Denar- in die Halbbrakteatenund Brakteaten-Prägung sich vollziehen sah. Gar sehr irrt Cappe wieder, wenn er auf zwei ähnlichen Stiicken Inschriften angiebt , welche auf den Namen der Aebtissin gehen ; diese Münzen, aus meiner Sammlung (was Cappe freilich verschweigt) lassen von .VRT . . . GAB (d. h. VRTBVRG. AB), RJ: Q.. N . . RG (Quidlinburg) und von GCIR.. . . , wie auf Nr. 17 und 18 (Qu. Taf. 1, 13 und 14) zu lesen, nicht das Geringste erkennen j), wie es mir überhaupt nicht möglich ist, aus irgend einem Quedlinburger Stücke dieses ganzen, durch meine Hände gegangenen 2) Fundes irgend einen Theil einer sinngebenden Inschrift herauszubringen : es sind die ärgsten Zerrbilder, die man sich nur denken kann, an Rohheit unübertroffen. Um nichts besser steht es mit folgender angeblichen Gerburg bei Cappe, Qu. 1, 12, die sich, wenn wirklich so vorhanden, an Agnes anschliessen wurde. tGER!3.. . GA. Rf. t IIOB . . AIZE, das Gepräge ganz wie Agnes Nr. 621, also jedenfalls ein verwischtes Exemplar dieser Münze, denn von der Umschrift, die Cappe gelesen, habe ich auf seinem Exemplare nie etwas entdecken können, und während er die Inschrift ohne weitere Beschränkung, wie angegeben, ausdrückt, hat er früher (Num. Zeitg. 1543, 8. 22. Nr. 66) ehrlicher gesagt, sie sei GERBERGIN ABA »zu dcutenqc.

Halberstadt.,
Die älteste vorhandene Urkunde über Verleihung des Münzrechtes an dieses Stift ist von 974 3). Demselben Bischof Hildeward, der dies auswirkte, bestätigte Otto 111. im Jahre 992 alle verliehenen Rechte und dazu das Marktrecht in Seligenstadt. Von 1) Schon Leitzmann erhebt (Num. Zeitg. 1852 S. 21) auf Grund von Cappes eigenen Angaben gerechte Bedenken gegen diese Abbildungen. 2) Den Dessauer Fund, von mir in den Mitth. d. num. Gesch. zu Berlin S. 105 boschriebcn, erhielt ich bis auf einen von dem hiesigen Miinzhändler Weidhas angekauften, von mir aber auch benutzten Theil, von C. W. Barth in Leipzig. Erst von mir hat Cappe seine Exemplare bezogen. 3) - rconcessimus, ut in loco sui episcopii Saligenstadt vocato publica moneta et thelonium inde persolvendum nostra conficiatur permissione, eaudemquo monetam et thelonei solucionem nostra potentia et auctoritate impcratoria ad altart 8. Stephani protomartyris Summa ecclesie ejusdem

ArUlllf.

247

diesem auch später vielfach bestätigten Münzrechte haben die Bischöfe, und zwar schon IIildeward’s michster Nachfolger Arnolf fleissigen Gebrauch gemacht, wenn auch ihre Münzen aus diesem Zeitraum keineswegs zu den häufigen z&hlen. Keine von ihnen trägt des Kaisers Namen oder Bild, doch wäre es wohl möglich, dass von den zahlreichen Adelheidsmünzcn sich einige auf Hildeward zurückführen liessen, wie I’osern (Num. Zeitg. 1849. S. 15) dies muthmasst. Den Anfang macht also: Arnulf Taf. XXVII, 621.~4) (996-1023).

lllb +l Jl ‘11 1 1’ 111 blln. . iZf. AIT~)AHI-H(T) A(RNOLFjV SEPS T3. kT1 Kirche. - K. M. 1,s Gr. M. S. 1,s~ Gr. Berl. Bl. 111, Taf. 26, 11. Gr. ICab. 1, Suppl. 11, 15. Götz ‘1OO.

- M. 8. 1,s Gr. t*DI. Berl. Bl. 111, Taf. XXVI. Nr. 10. Von beiden Mtinzen ist die erste schon lange bekannt, Mader (IV, 8. 53) hatte sie richtig als Halberstädtisch erkannt, Lelewel (111, S. 141) dies bestritten, aus dem ganz nichtigen Grunde, weil nicht bekannt sei, dass Arnulf » maitre de la monnaie independante CI gewesen, und hat sie vielmehr, troz ihres von Mader mit Hecht betonten rein deutschen Geprages auf Trient bezogen. Wen nicht schon Mader’s Gründe überzeugen, der wird gegenüber der zweiten Münze ,jeden Zweifel aufgeben mtissen , denn beide Münzen haben gleiche Hf. Aber darin irrt Madcr, dass er diese Miinze fiir eine Zwittermünze hält, zu deren Rf. man einen fremden Stempel genommen ; man wird vielmehr in dieser Rf. nur die Nachahmung eines beliebten Gepräges sehen diirfen 1)) kein Versehen um1 ebenso wenig eine Huldigung an die kaiserliche Vormünderin, denn hätte Arnulf, wie die meisten seiner Amtsgenossen im Anfange ihrer Münzprägung sich der kaiserlichen Oberhoheit erinnern wollen, so würde er.wohl den Namen des wenn auch minderjährigen Königs nicht weggelassen haben. Auch Joachim scheint mir fehlzugreifen, wenn er in dem Kopfe die Adelheid erblickt, auf beiden Münzen ist derselbe ziemlich roh gezeichnet und das Geschlecht nicht mit Sicherheit zu erkennen. Am Wenigsten kann man Thomsen (Berl. Bl. 111, S. 37) die Ohrringe zugeben, von denen er auch nur in der Beschreibung spricht, wogegen er im Texte selbst bemerkt, dass es zweifelhaft bliebe, ob Ohr oder Ohrring dargestellt sei. Es wird also, der IJmschrift zufolge, Arnulf selbst abgebildet sein, wenn nicht etwa, wie auf den folgenden Denaren, der Stiftsheilige S. Stephan. Uebrigens kann man nach Vorstehendem Thomsen nicht darin beipflichten, dass Nr. 624 zwischen 996 und 999, also während Adelheid’s Vormundschaft geschlagen sein müsse, die Prägezeit kann sehr wohl sein und ist wahrscheinlich eine spätere. I Xf.
Halberstaden& episcopii ex nostro jure donavimus etc. cc Leukfeld, add. ad antiqu. num. Halberst. S. 248. Die Nachricht bei Mad& IV, 52, Lolewel 111, 141 und Köhne Zeitsehr. 111, S. l-i!) u. 168, dass die Bischöfe das Münzrecht im J. 973 erlangt, beruht wohl :tuf der ursprünglich unrichtigen Angabe Leukfeids (antiqu num. Halberst. S. 32). 1) Wie auch auf Denaren Boleshsws 111. von Böhmen (Mittheil. T:lf. 111, 10; Berl. Bl. 111, Taf. 34 Nr. S).

Taf. XXVII,

625. 625) Dieselbe II!‘:

- STE HALBER.

248

Sachsen.

Halberstadt,

2
Taf. XXVII,
626. 626) Derselbe

Kopf. M. S. 2,12 Gr.

Umschrift

erloschen.

RJ OLONI.

-

AU

Da es eher glaublich ist, dass man in dem kleinen Halberstadt Kölner,. als dass man in Köln Halberstädter Gepräge nachgeahmt hat und der Kopf in Köln keine Erklärung findet, so glaube ich diese interessante Munze hierher gehörig. Die Identität des Kopfes mit denen der beiden vorigen Denare kann kein Werk des Zufalls sein. B ran t h o (oder Rranthoch) (1623-36) . Taf. XXVII, 627. 627) t SSSIEIT MR Brustbild des heil. Stephan mit Kreuzstab rechtshin. Iif. t BRANTHOCHV.. . . . . dreithiirmige Kirche. - M. S. 1,22 Gr. K. M. 1,2% Gr. v. Rühle (in Loos’ Sammlung von Aufsätzen über das MtinzWesen). Nr. 14. Die folgende Münze lehrt: dass die Inschrift der HJ: S. Stepbanus martir bedeuten soll. Beide haben die Fabrik und die Grösse, welche auch anderen Münzstätten der Harzgegend, von Helmstädt , Hildesheim , Quedlinburg und besonders Magdeburg um diese Zeit eigenthlimlich ist. Burkhard 1. (Graf von Vohburg:!) (163ti-59J. RJ. tBVR.... Taf. XXVII, 628. 628) t SS STE . . . MR dasselbe Brustbild. RVDRAEPC dieselbe Kirche. - M. S. 3,15 Gr. 1,22 Gr. I,z’~ Gr. 1,~ Gr K. M. 1,2fi Gr. l,m Gr. IT33 Gr. Erbstein, num. Brchst. 111, Taf. 11, 16. Köhne, Zeitsehr. 111, Taf. V, 36. Im Timm’schen Milnzverzeichnisse (Kopenhagen 1834. 111: 181) wird eine ähnliche Münze ,mit SS STEPHNV. Rf. t BVRCHARD DI GAECPC beschrieben. Danach wird bei Köhne 111, 8. 149 die Umschrift zu tSS STEPHNVMR. Rj’. tBVRCHARD DI GRAEPC ergänzt. Man kann zugeben, dass sie so lauten muss, darf aber nicht voraussetzen? sie überall so anzutreffen; alle mir vorgekommenen Exemplare sind unvollkommen und leiden an orthographischen Fehlern, namentlich habe ich immer nur DIGA statt DIGRA gefunden, und das Erbstein’sche Exemplar hat, übereinstimmend mit Reiche1 IV, 1835 BVRHAR , von meinen aber das deutlichste t BVRCARD (gi) EPC. Und ein Exemplar des Bröholt-Fundes (Holmboe, Nr. 381) hat . . . ST PMR, also doch wohl protomartir, wie Erbstein, ohne Glauben zu finden, las. Taf. XXVII, 628n. 628 a) Ebenso, aber X . S STEPHV. . . OMR. RJ. t BVR CHAR.. . SVL. - M. S. 1:31 Gr. Also praesul statt episcopus, sonst diesseits des Rheines unerhört. 11. oder Ruco (Graf von Veltheim?) [1059--88). 629. 629) t H (AjLVERSTIDI 1) Kreuz mit BVCO in den Winkeln. (Universität Rf. . . . . . CVS M zweithiirmiges Kirchenportal. Leipzig). Köhne, Zeitsehr. 111, Taf. VI, 13.
die Köhncsche Abbildung unrichtig
t HALBERSTIDI

Burkhard

Taf. XXVII,

1) So der Text, wi&rend

ungicbt

Brantho,

Burkhard

I.,

Burkhard

II.,

Stephan,

Rsiuhard.

249

Von einem besseren Exemplare müssen wir Aufklärung liber Inschrift und Darstellung der RJ. erwarten, wahrscheinlich enthält sie auch den nur etwas fehlerhaften Namen des Schutzheiligen, und zwischen Thürmen seinen Kopf, wie auf den Reinhards-Denaren Nr. 632 und 633. Besser als seine Mtinzen hat sich sein Andenken im Volksliede erhalten ; das bekannte Kinderlied : Buköken von Halberstadt u. s. w. bezieht sich auf ihn, den unruhigen kriegerischen Bischof. (auch Herrand genannt, 1089-1102). Knicstlick dcs Hciligon mit Krcuzstah und Stola, im Felde Kugeln. RJ t.. . . HAHS Kreuz, in jedem Winkel ein Ringel, von einem grösseren umschlossen. - M. S. 6,88 Gr. Dieser Denar bei Santersleben , vielleicht nur in diesem einzigen Exemplare gefunden, mag zu den ältesten des Fundes gehören. Eine Ergänzung der vier fehlenden Buchstaben mit STEP giebt den Namen dieses Bischofs Stephan, freilich eine blosse Möglichkeit, zu der aber alle sonstigen Eigenschaften der Munze sehr gut passen. Stephan (auch Herrand genannt, 1089-1102), oder dessen Gegenbischof Friedrich 1. (1090-3105). Taf.XXVII, 631. 631) * SQS SIXTW. PP sitzender Prälat mit segnender Rechten (?) und Buch, iiber welchem ein Kreuz. Bf. SfS S(T)EPHANl/’ der Heilige, von fünf Steinen getroffen, zu Boden gesunken, über ihm die segnende Hand Gottes. - M. S. 1 Gr. Höchst wahrscheinlich stammt dieser, durch zierlichen Stempelschnitt wie durch vollständige und ganz korrekte Inschriften ausgezeichnete Denar aus dem Funde von Santcrslcben. Dieser schloss mit Bischof Reinhard; da dessen Milnzen aber ganz anders aussehen und zum Theil Goslarischen Einfluss verrathen, von dem die vorliegende ebenso wie die früheren Halberstädter frei sind, so scheint es angezeigt, ihn zwischen Reinhard und Buco II., also in die Zeit des Schismas zu setzen, in welche er in jeder Hinsicht passt. Ueber das befremdende Erscheinen des heiligen Pabstes, der sonst niemals auf Halberstädtern und meines Wissens überhaupt nicht auf deutschen Miinzen erscheint, belehrt uns v. Miilverstedt in seiner Hierographia Halberstad. (Zeitsehr. des Harz-Vereins 1871, S. 394), der zufolge der heilige Sixtus in Urkunden von 1652, 61 und 62 neben der heiligen Dreieinigkeit und der heiligen Jungfrau als Mitpatron des heiligen Stephan genannt wird 1). Er ist es auch wohl, den die Munze darstellt. Taf. XXVII,
630.

Stephan

630) + SC STEPHANVS

Taf. XXVH,

Reinhard (Graf von Blankenburg, 1106-23). 632. 632) t REIN (HA) RVS zwischen zwei Thürmen das Haupt des Heiligen, über demselben ein Kreuz. Rf. +S(CS)STEPHAVS der Heilige im Kniestiick, mit Stab und Stola, im Felde einige Ringel und Kugeln (Steine ?). - M.S. 6,77Gr. 0,sgGr. 0,eZGr. Num. Zeitg. 1843, S. 22. Nr. 63 und 1856, S. 85. Nr. 3.

1) 1052 Halberstadeusis Ecclcsiac Episcopi, in honorc S. ct individuae triuitatis et S. Mariae genitricis Dei perpetueque virginis et S. Stephani Protomartyris et S. Sixti Martyris dedicatae, und 1061. öZ: Hnlberstadensem ecclesiam in honorem S. et individuar Triuitatis et S. Mariae semper virginis atque genitricis Doi sanctique Stephani protomartyris et s. Sixti dedicatam.

250

Sachsen.

Hslberstadt

-

Nienburg.

-

Magdeburg.

dieselbe Vorstellung. Bf. t SCS SkTIHAVS der Heilige, die Rechte erhoben, über dem linken Arme die Stola, in halber Figur, ringsum vier Stcinc. - M. S. 0,~s Gr. o,a Gr. o,gs Gr. Die Inschrift der .&?J ist merkwürdig verderbt, wenn aber, wie es fast scheint, der Buchstab hinter dem T, nicht 1, sondern P ist, so sind die Buchstaben, abgesehen von dem ausgelassenen N, nur versetzt.
633. 633)t REINHARVS

Taf. XXVII,

mit erhobenen Händen. RJ S-S der heil. Simon und Judas, über ihnen eine Blume. - M. S. 0,89 Gr. O,et Gr. K. M. 0,88 Gr. Num. Zeitg. 1843, S. 21. Nr. 54 und 1856. S. 85. Nr. 7. Taf. XXVII, 635. 635) +REIN ‘ARVS Vorstellung wie auf Nr. 632. Rf. Umschrift undeutlich. Kreuz mit einem Ringel in jedem Winkel (oder - num. Zeitg. 1857, S. 62 - zwei Sterne mit zwei Ringeln in den Winkeln wechselnd). Grosser halbhrakteatenförmiger Denar. Num. Zeitg. 1856, Taf. 1, 1 (S. 177. Nr. l), ähnlich 1857, S. 62. Nr. 36 1). Taf. XXVII, ti36. 6361 t REIN1 . . Bischof mit Krumm- und Kreuzstab. Rf. UmKreuz mit einem Sterne in jedem Winkel. schrift undeutlich. Grosser Denar, halbbrakteatenförmig. Num. Zcitg. 1856, Taf. 1, 4 ider Text giebt t REIV . . . an) S. 177. Nr. 4. Taf. XXVll, 637. (ii37) REIVNCMRI bischöfliches Brustbild mit Palme(?) und Krummstab. RJ S / . . NRVHR Kreuz mit zwei Sternen und zwei Kugeln in den Winkeln. - K. M. 0,94 Gr. Aehnlich Num. Zeitg. 1856, Taf. 1, 3. (S. 177. Nr. 3’1. Unter diesem Bischofe tritt eine höchst bemerkenswerthe Aenderung in der Münzprägung ein. Nr. 632 bis 634, gewiss noch aus dem Anfange seiner HerrSchaft, tragen noch den alten Denar-Charakter, wie er sich bis dahin ja auch in den Nachbarorten Goslar, Magdeburg und Quedlinburg erhalten hatte, die folgenden dagegen neigen schon stark zu den Halbbrakteaten , welche sein numismatisch nachster Nachfolger Rudolf (1136-49) ausschliesslich schlagen liess. Dass Nr. 632 von Reinhard sei, bestreitet zwar Cappe (Num. Zeitg. 3843, 8. 22) und schreibt sie auf Grund der wenigen Schriftreste . . . . ARVS seines Exemplars dem Bischof Dietmar zu, ohne gewahr zu werden, wie unwahrscheinlich es ist: dass dieser während der 16 Tage seiner Herrschaft (l.- 36. Februar 1089) geprlgt haben sollte, aus der 16jährigen Herrschaft seiner Nachfolger Herrand und Friedrich uns aber Münzen mit deren Namen nicht geblieben sind. Das . . . . ARVS kommt ja auch auf anderen Münzen unseres Reinhard vor! wie denn die Auslassung des D für diese Zeit wahrlich nichts Befremdendes hat. Und zum Ueberfluss hat von meinen drei gut erhaltenen Exemplaren das eine ganz deutlich wie oben beschrieben REIN.. RVS, das andere REINH . . . . Aehnlich haben schon v. I’osern und Leitzmann, wiewohl vergeblich, Cappe zu belehren versucht.
1: Nur die HJ. ist abgebildet.

Taf. XXVII,

634. 634) t REI jNH)ARDVS Brustbild M(ONIjV6A die Brustbilder

Otto 111.

251

Nr. 634 gewährt als Nachahmung des Goslarisohen Typus Interesse. Nr. 637 würde vermöge ihrer sinnlosen Umschrift schwer zu bestimmen sein, wenn sie sich nicht an Nr. 635 und 636 so nahe anschlösse, und die Anfangsbuchstaben an Reinhard erinnerten. Mit diesen Münzen schliessen die Halberstädter Gepräge dieser Periode, da von Reinhards Nachfolger Otto keine bekannt sind. In der Num. Zeitg. 1856, S. 177 werden zwar unter Reinhard noch mehr Halbbrakteaten aufgeführt, sie sind aber anonym, und wohl eher von Otto oder noch später.

Nienburg,
an der Saale oder Kloster-Nienburg, im Anhaltischen. Die Abtei ‘erhielt im Jahre 993 von Otto 111. das Münzrecht zu Hagenrode, daher Posern dem im Jahre 3000 und 1003 genannten Abt Eggihard die von anderen der Kaiserin Editha zugeschriebenen Denare mit EalLAR und dergleichen zutheilt (Num. Zeitg. 1849, 8. 15): ich habe sie unter die unbestimmten verwiesen (Nr. 1172, 1173). Gesicherter sind wohl die nach Halberstädter Art geprägten Halbbrakteaten des um 1130 vorkommenden Abtes Adalbero, die Leitzmann hierher setzt (Num. Zeitg. 1856, S. 180) ; nur ist es freilich sehr möglich, dass sie schon jenseits 1137 fallen. Taf. XXVIII, 638. 638) t&DELBE(RTV)S (rückl&figj Heiligen-Brustbild zwischen Bf. Umschrift unleserlich. Gebäude zwischen zwei Thiirmen. zwei Bäumchen. - M. S. 0,s~ Gr. Taf. XXVHI, 638 n. 638n) Aehnlich aber von abweichender Zeichnung. - M. 8. 0,s Gr.

Magdeburg.
Otto der Grossc stiftete hier im Jahre 937 zu Ehren der heiligen Petrus, Mauritius und Innocentius ein Kloster, ertheilte demselben 965 Münz- und Marktrecht allda, und zu Ende desselben Jahres auch fUr Getlide (Gittcldc), crrichtctc aber im Jahre 968 Magdeburg als Erzbisthum, und übertrug diesem die meisten Rechte, welche das nun auf den Berg vor Magdeburg verlegte Kloster besessen hatte ‘1, vermehrte dieselben auch noch am 20. Mai 987 durch das MUnzrecht zu GiebichenStein (bei Halle). Aber erst ein Jahrhundert später treten Gepräge mit dem Namen des Erzbischofs auf, die früheren tragen grösstentheils den Namen oder das Bild des Kaisers.

a) Kaisermünzen.
Taf. XXVIH, Otto 111. (9S3-1002; Kaiser seit 996). 639. 639) OTTO in den Winkeln eines Kreuzes, ringsum : t DI GR\A REX. Ii?J t MAGADABVBG Kirche. K. M. 1 ,i Gr. 1,54 Gr. M. S. 1,4s Gr. [Iofmanh, Gesch. der Stadt Magdeburg, Bd. 11, Taf. 11, 1. &iehnlich Lelewel 111, S. 138. Götz 131. Cappe 1: Taf. 111, 14. ßode 1, 8.
das Münz-

1) Dahin ist Kiihnc fZeitschr.111, S. 188 u. Mkm. St. Pkt. 111,369), dass derErzbischof

recht im J. Hö5 erhalten, zll berichtigen; vermutblich ist Lelewel (111, S. 139) Urheber dieses Irrthums.

252

Sachsen.

Magdeburg.

639n) Ebenso, aber t D-A BRA REX. - M. 8. 1,s Gr. 1,6 Gr. (Kowal) 1,~s Gr. 640) Ebenso, aber statt der Umschrift zwölf Striche, durch vier Kreuze getrennt und im Kreuze OTOT. RJ MGADHAG. Cappe 1. Taf. XV, 247. Taf. XXVIII, 641. 641) Halb-Denar wie Nr. 639, aber RJ tMAGADADV. (Nach einem Staniolabdruck) Dass Lelewel und Cappe mit ihrer Zutheilung dieser Münzen an Otto 111. gegen Götz und Köhne (Zeitsehr. 111, S. 162 und Mem. St..%. 111, 424), welche sie Otto dem Grossen zusprechen, Recht haben, bezeugen die Adelheidsmtinzen ganz gleichen Gepräges (Nr. 1164 - 1176)) welche nur von dem jüngeren Otto sein können. Bemerkung verdient hier wie auf Nr. 639 die geschnörkelte Form des A und V. Spätere Kaisermünzen fehlen, denn Cappe’s angeblicher Hermann . . . . VNS Brustbild mit Schwert und Lilie. RJ t MAGOCAHVRG Brustbilder der Goslarisehen Heiligen (1, Taf. VIII, 122) leidet an demselben Makel, wie so viele nur ihm bekannte Münzen : die Umschriften sollten nach dem Texte lauten . . R.. ANSI. Ii?J. t MAGODAHVRG, lauten aber nach der Abbildung wie angegeben, während Cappe früher (Nun]. Zeitg. 1843, S. 20. Nr. 39) von derselben Münze nur gesagt hatte, es sei »aus der zwar undeutlichen Umschrift HEREMANVS herauszulesen«. Wäre selbst letzteres richtig, so würden wir doch in dem ungekrönten Bilde keineswegs den König zu erblicken haben, sondern einen Dynasten, von dem unter Goslar noch die Rede sein wird (s. Nr. 691). Unter einer ziemlichen Anzahl seiner Münzen von Goslarischem Typus ist mir noch keine mit der Cappe’sohen Umschrift vorgekommen, daher bis auf Weiteres auch hier eine falsche Lesung vorausgesetzt werden darf. b) Ohne Namen Taf. XXVIII, des Kaisers und Erzbischofs.

642. 642) Gepräge wie der Otto-Denar Nr. 639, aber mit der ITmschrift : t DAaClABVDG. h!f. +M+GVTABVBG. -K. M. 1,niGr. Gr. Kab. 1, Suppl. Taf. 111, 30 : danach Götz 132. Merkwurdig durch den in so verschiedener Orthographie wiederholten Stadt643. 643) MAGADABEGw

(rückläufig), Kirche. Rf. NNOMIDklI I MEN M. 6. 1,~ Gr. 3,~ Gr. K. M. 1,s’~ Gr. Köhne, N. F. XIV, 2. MUSS noch unter Otto III., oder gleich zu Anfang der folgenden Regierung geprägt sein, denn sie fand sich bei Rummelsburg und sogar in vielfachen Nachmlinzen, welche den Uebegang zu den eigentlichen Wendenpfennigen (Nr. 333Ofgg.) vermitteln. Es ist sehr glaublich, dass letztere massenhaft von den Ma.gdeburger Erzbischöfen geschlagen worden sind. Auch der Egersunder und der Frankfurter Fund enthielten Nachahmungen unseres Denars., kleines Kreuz. Taf. XXVIII, Taf. XXVIII, 644. 644) Halb-Denar desselben Schlages (Kopenhagen).

namen. Taf. XXVlIIj

645. 645) t SES MAVRI . . . . (rückläufig), bärtiges gekröntes Brust(ruckläufig), Kreuz auf bild rechts. Rf. t M(AG)ADABVRG Köhne, Zeitsehr. III, Taf. VI, 14. einer Säule.

Otto III.,

Anonyme.

253

Taf. XXVIII,

Taf. XXVIII,

Taf. XXVIII,

Sehr sich ziemlich

gekrönter Kopf, vor demselben eine Fahne. auf einem Doppelbogen ein erhöhtes Kreuz zwischen zwei Thtirmen. (Ehemals in der Cappe’schen Sammlung.) Köhne, N. F. Taf. XIV, 4, 6,$7, 647) (t S<S) MAVRICIVS bärtiges gekröntes Brustbild rechts. Rf. t (MAGA) DEBVPG Mauer mit zwei ThUrmen, zwischen denen ein grosses Kreuz. -- M. S. 1,3i Gr. Hofmann, Bd. 11, Taf. 11, 3. Köhne, Zeitsehr. 111, Taf. VI, 15. 648. ‘648) t S-CS MAVRCIVS A,hnliches Brusthihi. Rf. t MAGA T+EBVRG, mit drei ThUrmen bewehrteMauer. - M. S. l,lj Gr. Berl. Bl. VI, 5.157, woaber +MAGATl-EBBRG, einDruckfehler. selten, während die folgenden, meist viel grösseren verwandten MUnzen häufig finden.
646. 646) + SeS AVICIRVS

RJ t MAGADEBVRG

648a) Ebenso, aber tSCS MAVRICIVS. Rf. tMAGADEBVRG. - M. S. 1,12 Gr. 1,~ Gr. 1,42 Gr. 3,44 Gr., sowohl in grösseren als kleineren Exemplaren vorkommend. Mader 1: 46, danach Lelewel XVIII, 46 und Bode 1, 10. Cappe 111, Taf. 11, 27. 648 6) Ebenso, aber t MAGEDEBVRG. Taf. XXVIII,
648 c. 648 c) Ebenso, 648d)

aber t MAGDEBVRG.

Hofmann, 11, 4.

Desgleichen, mit t 2fS MVARICIV(2). Rf. t (MAG)ADE DVRG (rUckläufig).~M. 8. 648e) Wie 64tia, aber mit rückläufigem t MAGADEBVRG. Bl. f. MUnzk. 111, Taf. IV, 62.

.

ci48f) Ebenso, aber t 26s MARABVZ. Rf. t MAGADEBVRG (rückl%ufig) . - M. S. 1,32 Gr. 1,s~ Gr. Mader (1, S. ‘79) verlegt diese Münzen, wenigstens Nr. 648 a, die allein er. bespricht, in Heinrich% IV. Zeit, und zwar am liebsten in die Zeit, da er vom Pabste des Reiches verlustig erklärt, Rudolf von Schwaben aber noch nicht gewählt war (1077). Letzteres zwar tadelt Grote (Bl. für Mttnzk. 1, S. 274), billigt aber die Zeitbestimmung überhaupt. Besser jedoch belehren uns die Funde, nach denen sie schon in der letzten Zeit Konrad% 11. geprägt sein müssen, denn sie kamen bei Egersund und Frankfurt vor. Ihre Prägung wird aber unter Heinrich 111. noch fortgedauert haben, namentlich werden diesem die grösseren und die mehr entarteten, vielleicht durch fortgesetzte Nachahmung entstandenen zugehören. Ein solcher Denar mit MARABV2 statt MAVRICIVS, also wie Nr. 648f, hat Cappe verleitet, die verwi!chten Anfangsbuchstaben 2E2 MA durch CON zu ergänzen, also CON RABVS zu lesen, und demnach die Münze dem ein Jahrhundert jüngeren HohenstaufenKaiser Konrad 111. beizulegen (K. M. 1, Taf. VIII, 133), die spätere Berichtigung (Bd. IIl, S. 69) wird manchem Leser entgehen. Den Kopf auf diesen MUnzen erklärt Mader (a. a. 0.) für den des Kaisers, Köhne (Zeitsehr. 111, 183, Reiche1 IV, 1751 und 3674) fUr den des »mit einer niedrigen Inful bedeckten« Heiligen (Moritz), und Wiggert , der den Nachweis zu Hofmann’s Abbildungen geliefert, hat, tritt dem bei. Aber auf allen zahlreichen Exemplaren, die mir in Originalen und Zeichnungen vorliegen, ist das Haupt deut-

254

Swlncu. Megdcburg.

lieh mit einer Krone bedeckt. Die passt aber so wenig als die angebliche Inful ftir den heiligen Moritz. Denn er stammte nicht aus königlichem Gebliit, sondern war Anführer (dux) der Thebanischen Legion, und wird als solcher in Waffenrüstung dargestellt. So, gewöhnlich, aber keineswegs stets mit dem Helme bedeckt, erscheint er auf zahllosen späteren Magdeburgischen Münzen, niemals aber gekrönt, noch weniger mit einer Inful , nnd wenn er auf einer einzigen MUnze, einem Brakteaten des XII. Jahrhunderts (Mader 11.: Versuch, Taf. 111, 41, Hofmann IV, 17) mit einer Krone in der Hand, aber den Helm auf dem Haupte abgebildet wird, so ist diese Krone, die er aus Ehrfurcht mit dem Gewande, nicht mit der blassen Hand fasst, die Krone des ewigen Lebens, die er durch seinen glaubensmuthigen Tod errungeu hat. Auch kann man fiir die Meinung, dass‘ das Brustbild der Umschrift zufolge den Heiligen darstelle, nicht etwa Nr. 646 anführen, auf .welcher vor dem Brustbilde eine Fahne erscheint, wie sie Moritz so oft in der Hand trägt, denn dem Kaiser steht sie als dem obersten Heerführer ebenso gut zu, als dem Legionsführer, die Kaiser tragen sie namentlich auf vielen Reiterbrakteaten, aber auch auf Denareu von Goslar, Dortmund u. s. w. ES scheint wieder einer der nicht seltenen Fälle vorzuliegen, wo Bild und Umschrift sich nicht aufeinander beziehen. Taf. XXVIII, 649. F4Yj t MAVRICIVS IM bärtiges Brustbild des Kaisers mit einer Lanze, von der Troddeln herabhangen, und Scepter. RJ: (t) S - SS 1MO (N IV) (6A) Brustbild beider Heiligen, über ihnen LCX. - M. S. 0,s~ Gr. 1,ls Gr.
640~~) tMARV.. , IVS IM. RJI (t)S/SMON RJ: tS/SSIMOIVt9A.

IV6A. --

-

M. S. 0,s; Gr. zur Linken A.

G49b) +IMVRICIVS.

M. S. 0,s Gr.

649 c) Wie 649, aber der Kaiser mit einem Fahnchen, Cappe 1, Taf. VII, 101.

649d) Wie 648 aber statt LCX eine Blume. Hofmann 11, Taf. 11, 6. Cappe VII, 104. Von diesen seltenen, erst durch den Santersleber Fund bekannt gewordenen, daher wohl in den Anfang des XII.. Jahrhunderts zu setzenden Münzen hat Cappe noch zwei Abarten (Taf. VII, 102 und 103), die ich aber glaube übergehen zu mtissen , da er sie, wie stets bei Hinweisungen auf früher beschriebene Stücke, mangelhaft beschreibt und die Abbildungen nur je eine Seite darstellen. Merkwtirdig sind diese Mifnzen namentlich auch deshalb, weil sie die hohe Bedeutung die selbst einen Handelsplatz wie der Goslarischen Munzsttitte veranschaulichen, Magdeburg beherrschte. Merkwürdig und ohne Beispiel ist besonders auch das LEX auf Nr. 649, geht es auf das göttliche Gesetz? oder soll es bedeuten, dass die Münze nach Vorschrift des Gesetzes in gutem Sehrot und Korn ausgebracht ist? G50. 650) t SeS MAVRICIVS bärtiges Brustbild des Kaisers mit Vorderansicht Schwert und Lanze. Rf. t MAGADEBVRG der Kirche. Bl. f. Mtinzk. 111, Taf. 1, 4. Hofmann 11, Taf. 11, 5. Dieser sehr seltene Denar wird den eben besprochenen (Nr. 649 und folgende) im Alter vorgehen, obwohl ich bis zur Ansicht eines Originales kein sicheres Urtheil wage. An ihn, ebenso wie an Nr. 648 schliessen sich zahlreiche Nachgepräge an,
l

Taf. XXVIII,

Anonyme.

255

welche in den Ausgang des XI. und theilweise in den Anfa,ng des folgenden Jahrhunderts fallen. Es sind dies die nachstehenden: Umschrift grösstentheils verBiirtiger Kaiserkopf linkshin. schnitten. RJ tMAG.... VRG Mauer mit zwei Thürmen, zwischen denen ein Kreuz. - Aehnliche M. S. 0,s Gr. 0,8Gr. 0,Si Gr. 0,84 Gr. 0,85 Gr. 0,87 Gr. 0,89 Gr. 0,o Gr. O,gi Gr. 0,92Gr. 0,92Gr:0,93Gr. 0,94Gr. O,gsGr. 0,99Gr. 1,0:$,Gr. 1, z Gr. 1) Köhne, N. F. XIV, 8. 651 ti) Ebenso, aber +AONIGAl. B! . . .AGAl- yA. 653 G) Desgleichen, mit +G-lAC--0NIaV. Rf. tAUMOA. .t--6. Aehnlich Cappe 11, Taf. XXIV, 267-272, darunter (Nr. 271) mit linsgekehrtem Kopfe. Unter sehr vielen Exemplaren, die ich gemustert, war nur Nr. 651 mit theilweise lesbarer Umschrift. Die Umschriften aller anderen - und sie zählen nach Hunderten - sind abweichend, geben, wie man bei Vergleichung einer genügenden Anzahlbal d erkennt, und Nr. 651 a und 651 b hinreichend darthun, keinen Sinn; aus ihnen Adelgod herauszulesen, wie in den Bl. f. Münzk. 11, S. 275, troz der Angabe, die Inschriften seien sinnlos, versucht wird, ist unstatthaft, auch beruht die Annahme dieses Namens auf falschen thatsächlichen Voraussetzungen, u. a. darauf, dass der Würzburger Denar bei Götz 242 (s. Taf. XXXVII, 858) Magdeburgisch sei. Ob die Münzen aber nicht doch diesem Erzbischofe gleichzeitig sind, lasse ich dahingestellt, es fehlt mir an entscheidenden Daten, es zu behaupten oder zu bestreiten. Die Muster (Nr. 648-648f) nehmen etwa die Zeit von 1030-50 ein; wie weit hinab aber mögen diese Nachbildungen sich erstrecken. 9 Aus drei Funden sind sie bekannt. Der von Schallehne (Köhne, N. F. S. 335) enthielt sie in wenigen Exemplaren, wahrscheinlich also ältere Nachzugler , seine Vergrabungszeit mag gegen die Mitte des XII. Jahrhunderts zu setzen sein. Der Havelberger Fund (Bl. f. Miinzk. 11, S. 274) lässt eine genaue Zeitbestimmung noch weniger zu, da er keine einzige Münze mit lesbarer Inschrift enthielt; die Wendenpfennige in ihm mögen älteren Datums sein, der Fund somit wohl auch in das XII. Jahrhundert hinabreichen. Endlich der Potsdamer (Köhne, N. F. 330) enthielt nur diese und die sogleich zu gedenkenden gleichfalls chronologisch nicht bestimmbaren erzbischöflichen Mtinzen. Jedenfalls schliesst der Umstand, dass die sicheren Münzen der Erzbischöfe Hartwich, Heinrich und Adelgod ganz anders aussehen, die Mfglichkeit, diese und die folgenden, etwa gleichzeitigen Denare für deren ZeitgenoSsen zu halten nicht aus, da auch deren Gepräge mannichfaltig sind, und die Ausdehnung des Magdeburger Gebietes sowie die Mehrheit der Mtinzstätten eine verschiedene Prligung sehr erklärlich machen. Möglich freilich, dass auch die bisher münzlosen Erzbischöfe Budger und Norbert (1119-34) Theil an diesen traurigen Gebilden haben. Taf. XXVIII,
G51. 651)

Taf. XXVIII,

652.

652)

Bärtiges Kaiserbild mit Schwert und Lanze (oder Scepter). Ji/ Vorderansicht der Kirche. Beiderseits wenige Spuren sinnloser Umschrift. - M. S. 0,~s Gr. Götz 325, 516. Bl. f. Münzk. 11, Taf. XX, 293, 294
auch viele der beiden folgenden Abm%en und noch andere

1)

Es sind nnter diesen Stiicken

iihnliche.

Götz bringt die Mlinze unrichtig unter Konrad 111. und berichtet (Nr. 516), dass sie mit anderen im Halberstädtischen gefunden sei. Das Urstuck ist vorstehende Nr. 650. 653. 653) Bärtiges Brustbild mit spitzer Krone, in der Reehten ein Fähnchen, über der linken Schulter ein Stern. B! IJeber einem Bogen ein grösseres Gebäude zwischen zwei Thiirmen. Wenige Buchstaben-ähnliche Zeichen. Götz 326. Bl. f. Miinzk. 11, Taf. XX, 295. Hier ist Nr. 650 schon freier behandelt. Man könnte das ßrustbild allenfalls für das des heiligen Moritz nehmen, die Kopfbedeckung mösste dann ein Helm sein. Bei der grossen Rohheit des Stempels ist es aber schwer, eine Entscheidung zu treffen. Taf. XXVIII,

c) Münzen mit Namen oder Bild des Erzbischofs.
Hartwig Taf. XXVIII, (lO79-11022 oder der Gegenbischof Hartwig
(1085 - 1089).

654. 654) t HEIN RI CV(s i) MN (pri bärtiges Brustbild des Kaisers. Rf. t HARTVI (CS ar)CHv, Brustbild mit Bischofsstab. Mem. St. F’et. 111, Taf. IX, 24. Da ausser dem Salzburger Hartwig (991-1023) nur dieser Erzbischof Hartwig und sein gleichnamiger Gegner (1085-89) als Zeitgenossen eines Kaisers Heinrich vorkommen, die MUnze aber zu den Salzburgern, welche sämmtlich von bairisther Fabrik sind, schlechterdings nicht passt, so können allein diese Magdeburger Anspruch auf sie machen. Zwischen ihnen beiden sicher zu entscheiden, wird nicht möglich sein. Zwar war der Gegenbischof Heinrichs IV. treuer Anhänger, das schliesst jedoch keineswegs aus, dass der rechtmässige Erzbischof sie hat schlagen lassen, besonders, nachdem er sich nach des Gegenkaisers Rudolf Tode mit Heinrich ausgesöhnt hatte. - Das Kaiserbild ist nicht, wie Köhne (a. a. 0. S. 424) sagt, genau das der Erfurter Denare, die ja auch nicht von diesem Kaiser, sondern von seinem Vater Heinrich III. sind, erinnert aber freilich eiuigermassen an dasselbe, jedoch nicht mehr, alsj die Nahe der Zeit und des Ortes dies bedingen. Die Münze wird bald nach Heinrichs Kaiserkrönung (1084) geprägt sein. Brustbild mit Tonsur, in der Rechten den Bischofsstab. Rf. tMAG. . . . G vierthurmiges Gebäude. (Nach einem Staniolabdruck) . Köhne, N. F. XIV, 11. Diese Mlinze ist ohne Zweifel jünger als die vorige. Grösseres Interesse als durch ihre Seltenheit - ich kenne nur das ehemals Cappc’sche Exemplar - erhalt sie dadurch, dass sie zur Bestimmung der ganz ähnlichen, jedoch mit lesbaren Inschriften nicht versehenen Nachahmungen (Blätt. für Münzk. 11, Taf. XX, 298, 299 und 296, 297, s. folgende Nr. 656 und 656~) aus dem Havelberger Funde dient. Während diese noch Gestalt und Grösse des Denars bewahrt haben, giebt es auch noch entferntere Nachbildungen von grösserem Umfange, also Halbbrakteaten, wie solche a. a. 0. 302 und 303 -305 sowie bei Hofmann 11, Taf. 11, 7 und 8 abgebildet sind. Letztere ist nachstehende Nr. 657. Taf. XXVHI,
655. 655) t . . . . EVIG

.

Anonyme.

Bischof Hnrtwig,

Hcinrirh

1.

251

‘) 656) Brustbild mit Krummstab und Fähnchen. Rs. Ganz dasselbe vierthürmige Gebäude, wie auf Nr. 655. Die Umschrift auf beiden Seiten nicht ausgeprägt. Bl. f. Münzk. 11, Taf. XX, 298 (ähnlich 299, mit Stab und Krummstab). ‘I’a.f. XXVIII, 656 CI1). 656a) ßrustbild des Erzbischofes mit Bischofs- und Kreuzstab. Rf. Zweithiirmige Kirche mit langem Kreuzstab zwischen deu Thiirmen. Wenige rohe Buchstaben. Bl. f. Münzk. 11, Taf. XX, 297 und 296. Grote (a. a. 0. 8. 276) glaubt den Kopf mit einer flachen Bischofsmutze bedeckt, mir scheinen aber wenigstens auf dieser (297. XX) die Haare sicher, wenn auch noch so kunstlos angedeutet, und die Tonsur unbestreitbar. Ein anderes Exemplar (a. a. 07s. 276. Nr. 6) zeigt die Attribute umgekehrt, den Stab links, das Kreuz rechts. Das Gebäude ist übrigens eine Nachbildung von Nr. 647. 657. 657) Tonsurirtes Brustbild, zur Rechten der Bischofsstab, über der linken Schulter ein Stern. Dassclbc vicrthürmigc GCbäude wie auf Nr. 655. Beiderseits, sehr matt, einige Schriftzüge. Hofmann 11, Taf. 11, 7. Ta)f. XXVIlI: tiljti. 65Sj Tonsurirtes Brustbild mit Krummstab und Lilie. xf. Dreithürmiges Gebäude (iiber dem, nach dem Texte: zwei Sterne). Die Umschrift nicht ausgeprägt. Bl. f. Münzk. 11, Taf. XX, 360. Taf. XXIX, 659. 659) -/URI-CIA, . . tonsurirtes Brustbild mit Kreuz- und Krummstab, über jeder Schulter ein Stern. Rf. . AOAO. . . Mauer mit drei Thürmen, oben zwei Sterne. Aehnlich ßl. f. Münxk. TI. Taf. XX, 303. Dass die beiden letzten Münzen gerade von Hartwig sind, will ich keineswegs behaupten, wenngleich ich auch nicht glaube, dass sie, wie in den Blatt. fllr Münzk. 11. S. 277 gesagt wird, bis zu Erzbischof Friedrich hinabreichen. Als Fundgenossen von Nr. 656 und ti57 dürften sie aber ungefiihr in diese Zeit, und wohl eher nach Magdeburg, als nach einem anderen benachbarten Bisthum, z. B. Brandenburg oder Havelberg, gehören. Nr. 659 ist ubrigens nicht nur bei Havelberg, sondern auch bei Potsdam vorgekommen. - Unter den unbestimmten (Nr. 3278) S. man übrigens einen Denar, der Hartwig’s Namen zu tragen scheint, dennoch aber ihm abgesprochen werden muss. 1. (Graf von Asle, 3162-1107). Taf. XXIX, 660. 660) tHENRIV(SA) Brustbild des Erzbischofes mit Stab und Buch. (Grosser HalbRf. t(SI)aEFRIT dreithürmiges Gebäude. Mittheil. d. num. Ges. VI, 8. brakteat). - K. M. 6,~ Gr. Der Dessauer Fund, dem wir diese und die folgenden Mtinzen, bis auf Adelgot Nr. 662, verdanken, enthielt auch mehrere einseitig ausgeprägte Exemplare (s. z. B. IIofmann 11, 9. Mittheil. VI, IO), nach denen die Inschriften ergänzt sind. Abgesehen von dem Fundorte, erhebt ein später bekannt gewordener ganz ähnlicher
1) Auf Taf. XXVIII ist das (I ausgelassen, dies Versehen erst jetzt bemerkt. li u anne nb e i-g / Deutschlsnds Dlteste-Wimmen.

Taf. XXVIII,

Heinrich

258

grosser Halbbrakteat des nä&hsten Erzbischofes Adelgot die Richtigkeit dieser Zutheilung nber allen Zweifel, selbst ftir den Fall, dass etwa in dem nächst dem Fundort gelegenen münzberechtigten Kloster Nienburg um diese Zeit ein Abt Heinrich gelebt haben sollte. Der Siegfried dürfte der Voigt sein, wie das A glauben lässt, das auf einem (einseitigen) Exemplare seinem Namen folgt (Mittheil. S. 108. Nr. 5). Noch andere einseitige Stücke haben das Gebäude von folgenden sinnlosen Umschriften umgeben : 660a) +AMRECVl. Mittheil. VI, 9.
66Ob) t*CHENOI.

Mittheil.

S. 109. Nr. 7.

661. 661) t 1IENRIVS.A ähnliches Brustbild mit Krumm- und Kreuzstab. Einseitiger grosscr Halbbrakteat. - K. M. 0,77 Gr. Mittheil., Taf. VI, 7. Wir haben hier den ersten Anlauf zu den Braktcaten, die vom Erzbischof Konrad (113~1-42) ab die ausschliessliche Form des Magdeburger Geldes bilden. (Graf von Veltheim, 1107-29). Taf. XXIX, 662. 662) t ADELIbOCBEIS sein Brustbild mit Krummstab und Kreuzchen. Einseitig ausgeprägter grosser Ilalbbrakteat. Hofmann 11, Taf. II, 10. Taf. XXIX, 663. 663) +ADLbOCl2 Brustbild mit Krummstab und Buch. Rf. t PASIDE(liH)AE Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. - K. M. O,‘~Z Gr. O,i? Gr. M. S. (ahnlieh) 0,~:s Gr. Mittheil., Taf. VI, 1. Nicht unmöglich, dass die Inschrift der Rf. ARaHIEPS lauten seil, doch hatten die meisten Stiicke des Fundes, soweit sie überhaupt deutlich waren - und dies waren der schlechten, halbbrakteatenartigen Ausmunzung halber die wenigsten - mannigfach abweichende Inschriften. Die besten mögen hier Platz haben:
663~) tAELID 663 6) +AMONEdM. 663~) tASIN. .QM. REX. Rf. Rf. ..IIERIVD. PAXsTAPIARI.

Taf.XXIX,

Adelgot

Mittheil. Mittheil.

VI, 4. VI, 2.

1if. unleserlich.

Mittheil., S. 113. Nr. 19. 663d) t PVHNCVSS (rückläufig). Rf. A3HVNC Kreuz mit Kugel. Kreuzehen, Kugel und abermals Kreuzehen. - Mittheil. VI, 3. Man sieht, die Inschriften, mit Ausnahme von Nr. GG3 selbst, deren tADLbOCl2 aber auf verschiedenen Stempeln vorkam, also keinem Zufall zugeschrieben werden darf, rühren von schreibensunkundigen Arbeitern her. 664. 664) . . ORIC . . Fahne, von zwei Sternen begleitet. Rf. t . . C .ON . Mauer mit zwei Thürmen, zwischen denen ein grosses Kreuz. Mittheil. VI, 5. 664a) Ebenso, aber oMO(riciu?)S. Rf. . IICNO.. Mittheil., S. 113. Nr. 25. 664b) Ebenso, aber . . . . Cl. . . . Rf. t HEN . . . (ruckläufig). M. S. 0,54 Gr. Mittheil., 8. 114. Nr. 28. Das t HEN . . . könnte glauben lassen, dass diese Munzen eher Heinrich als seinen Nachfolger Adelgot zum Urlreber haben, als ganz sicher möchte ich das aber Taf. XXIX,

.
Heinrich I., Adelgot. Goslar. 259

auch nicht ansehen, da die Inschriften der Rf. vielfach abweichen, während die Hs. allerdings auf allen Exemplaren übereinstimmend t MORICIVS zu lauten scheint. Den Magdeburger Ursprung bezeugt übrigens schon das Gebäude, dem wir bereits auf Nr. G47 in ganz ähnlicher Gestalt begegnet sind, und das man als specifisch Magdeburgisch betrachten kann. Aber auch das t MORI CIVS der Hf. spricht laut dafür, wie nicht minder der. Typus der Moritzfahne. Vielleicht sind es, wie der folgende grosse einseitige Halbbrakteat, Giebichensteiner Gepräge. 665. 665) t MAVRICIVS ERS Fahne, daneben A, ein Stern und zwei Kreuzohen. Hofmann 11, Taf. 11, 11. Von Adelgot’s Nachfolgern, Rudger und Norbert, kennt man zur Zeit noch keine MUnze, wohl aber von dem nächsten Erzbischof Konrad, sowohl die letzten Denare als die ersten eigentlichen Brakteaten. Taf. XXIX,

Goslar,
die alte mächtige Reichsstadt, der Lieblingsaufenthalt der fränkischen Kaiser, hat eine der reichsten Mtinzreihen aufzuweisen, von der kein kleiner Theil in unseren Zeitraum fallt. Aber die chronologische Anreihung dieser Miinze ist nicht ohne Schwierigkeit, und andererseits ist es auch nicht immer leicht zu entscheiden, welche derselben in Goslar selbst, welche nur unter Goslarischem Einfluss entstanden sind, denn das Goslarische Gepräge war weit und breit beliebt und rief daher zahlreiche Nachahmungen hervor, selbst am Rhein und in Friesland, wo es sich förmlich eingebtirgert hatte. In ersterer Beziehung kommt es vorzüglich darauf an, die Anfange der Goslarischen Prägung festzusetzen. Da möchte man nun vielleicht sie mit der Entdeckung der Silberadern im nahen Rammelsberge in Verbindung bringen, welche in Otto% d. Gr. letzten Jahren geschehen, und in der That lässt auch Leitzmann (Wegweiser, S. 299), leider ohne Angabe seiner Quelle, diesen Kaiser hier eine Mlinze anlegen, wenngIeich er deren älteste bekannte Erzeugnisse auf Heinrich 111. zurückführt. Aber zu jener Zeit war Goslar nur ein Dorf, das erst unter Heinrich 11. zu einer Stadt heranwuchs r), eine Ausmunzun g kann also hier ftiglich nioht in so früher Zeit erfolgt sein, denn es fehlte an einem Markte, ohne den keine Münze zu denken ist. Demgemäss ist man auch meistens übereingekommen, die Thätigkeit der Goslarischen Münze erst unter Heinrich IV. beginnen zu lassen, da einerseits kein Kaiser sich dort ‘so viel aufgehalten hat, als gerade er (nicht weniger als acht mal hat er das Fest der Geburt des Herrn daselbst begangen), andererseits die verwandten, chronologisch fixirten Münzen des Markgrafen Egbert sowie des Gegenkönigs Hermann unwiderleglich darthun, dass ,ein grosser Theil der Heinrichsmünzen keinem anderen als ihm zu eigen sind. Und man kann wohl sagen, dass gerade
1) So lehrt uns dieses Kaisers Zeitgenosse, Dietmar v. Merseburg (a. 1617, ad Goslariam tendens villam, Pertz M. G. V, 833) und annalistn Saxo (sub eodem Heinrico civitas Goslaris hoc modo fertur fundata fuisse, I’erts M. G. VIII, 660). Nach letzterem Chronisten hat Heinrich d. Vogler, den Cappe (Mz v. Goslar, Vorwort) als Gründer der Stadt Goslar nennt, den Ort nur als Weiler angelegt (vicum Goslarie construxit, Pertz M. G. VIII, 593). Wenn dennoch Otto v. Freisingen von Otto d. Gr. sagt: IJhic est Otto, qui primus venas argenti et auri juxta civitatem Goslariam in Saxonia invcnit <I, so kann daraus fdr den Zustand Goslars zur Zeit dieser Entdeckung nichts gefolgert werden; zu der Zeit, wo Otto schrieb, war Goslar eine Stadt.
li*

260

Sachsen.

Gosliw.

hierauf die unrichtige Theorie von dem chronologischen Verhältnisse der Kaiserköpfe im Profil und derer im Vollgcsichtc (8. S. 17) wesentlich beruht. Nur Cappe hatte (in seiner ,,Beschreibung der Münzen von Goslar«, Dresden 1860), eben dieser von ihm gepflegten Theorie zu Licbc, einen einzigen Denar mit Profilkopf dem Vorglnger, Heinrich 111. zugewiesen, dem er jedoch, wie unten gezeigt werden wird, bestimmt nicht angehört, und Leitzmann scheint ihm hierin gefolgt zu sein (Wegweiser, s. 300). Demnach ist es gewissermassen eine kühne Neuerung, wenn Herbst bei Besprechung des Sandö-Fundes 1) eine Goslarische Münze an Kaiser Heinrich II., spätestens 111. giebt, indem er sich zur ltechtfertigung auf die Funde, namentlich ausser dem genannten auf die von Selsoe, Törring und Valloe beruft. Diese Ansicht ist gewiss richtig, so weit sie sich auf Heinrich 111. bezieht, unrichtig aber, so weit sie Heinrich IT. angeht. Denn die fragliche Münze, ein Halbdenar, trägt den Kaisertitel, den Heinrich IV. erst seit 3084 führte, also erst lange nach Vergrabung der gedachten Funde erlangt hat, dagegen sind Goslarische Münzen noch niemals in einem der zahlreichen Funde vorgekommen, welche vor Heinrichs 111. Kaiserkrönung (1046) niedergelegt sind, nicht in denen von Sierpow, Trzebun, Egersund, Frankfurt u. s. w., eine Thatsache, welche sehr gut zu dem stimmt, was so eben über Goslars Geschichte gesagt ist und durch das Fehlen Goslarischer Münzen von Konrad 11. ihre Bekraftigung erhält. Will man dessenungeachtet annehmen, dass das zu Goslar gewonnene Silber hier schon in Heinrich’s H. letzten Jahren oder unter Konrad 11. und Heinrich 111. als König geprägt worden, so muss man diese Ausmünzung in einem Theile der so überaus häufigen, wahrscheinlich lange nachgeprägten Adelheidmünzen suchen ; ein Beweis hierftir wird sich jedoch nicht erbringen lassen. Das Gepräge der Goslarischen Münze bildet mit wenigen Ausnahmen der vorwärtsgekehrte Kopf oder Brustbild des Kaisers, und auf der II!~. die Brustbilder der heiligen Apostel Simon und Judas, denn an ihrem Festtage erblickte Heinrich 111. das Licht der Welt, und ihnen weihte er den prachtvollen Dom, den er im Jahre 1U48 neben seiner stolzen, noch heute theilweise erhaltenen Kaiserpfalz, dem ältesten Profanbau Deutschlands, anlegte “:I. Heinrich 111. (1039-1056, Kaiser seit 1046). Taf. XXIX, 666. 666) t (Heinri)CVS IMEPR bärtiges Brustbild des Kaisers. Bf. t S (S Simon S.)IVBA bärtiges gekröntes Brustbild mit Lanze, nach links. (Nach einem Staniolabdruck) Cappe, K. M. 1, Taf. XVH, 286. Die Umschrift giebt Cappc, nicht in Uebereinstimmung mit der Abbildung, t H . . RICVS IM’ER. Rj’. t S.. . . . IIVDA A an und ergänzt Apostolus; ich habe sie nach einem Abdruck des Cappe’schen Exemplares hergestellt, auf welchem nur das E in IMEBR nicht sicher, und die vorhergehenden Buchstaben CVS nur in ihren unteren Theilen sichtbar sind. Es scheint mir, als läge uns hier das älteste Goslarische Gepräge vor, entstanden vielleicht, ehe noch die Kiipfe der beiden Schutzheiligen die stereotype Beglaubigung bildeten, die Dicke der Miinze und ihre Schwere 3) lassen dies glauben.
1) 8. Annaler for nordisk Oldkyndighed 1563 S. 3iti, und Bd. Bl. IV, S. 338. 2) Giesebreeht 11, S. 414, S. 433 11. Ausg. J, 0,09 Loth (des alten prcuss. Gewichts, Iü Loth = 1 Mark; troz der starken Abnutzung.

1

Heinrich

111.

261

Merkwiirdig ist der doppelte Kaiserkopf, der aber in dem bisweilen scheinenden Kaisernamen eine Art von Analogie hat. Taf. XXIX, 667. 667) t HE I N (RI CVS)
SlMO(NS/SI)VBAS

doppelt, er-

I MPR bärtiger Kaiserkopf. Rf. tS/S Brustbilder der Apostel, über ihren Köpfen ein Kreuzehen. Obol. - K. M. O,~D Gr. Halb-Denar mit it HEINjRICVS . AS (ohne das Krouzchen ?) IM..

(i67n) Aehnlicher
667 bj . . INRICVS

.rtf: t SISIMON..

M. S. 0, TGr.

IMP.. RJ. 4-S SIMON SSIVDAS. HalbDenar des Sandö-Fundes (Nr. 5!)), Gewicht unbekannt. Hier ist wohl die eigenthiimliche Form des b typisch nicht hervorgehoben. IMPR. Rf. tS/SIMON SiS IVBAS. 1 Gewicht O,OAELothl). Cappe K. M. 11, Taf. XXIIT, 263. Goslar S. 8: Nr. 41. Cappe hat (1, Taf. VI, 91, Goslar I, 2) einen ähnlichen ebenso vollstxndigen Obol, aber diese Vollstandigkeit ist, &e er, allerdings nur K. M. 1, Nr. 565 bcmerkt, durch Zusammensetzung aus zwei Exemplaren erzielt, die Münze also hier zu Ubergehen. Ob es nicht mit der eben beschriebenen gleiche Bewandtniss hat’? Die späteren Denare gehen theilweise fast auf das Gewicht dieser I-Ialbdenare herab, die älteren aber haben etwa das doppelte Gewicht. 667r.j tHEINRICVS

Taf. XXIX,

668. 668)

t HEINRICVS

IMBR.

h!J

S-SIMON

S-S

IVDAS.

Denar vom Gepräge der vorigen Obole. Kopenhagen. Höchst selten in solcher Vollständigkeit; bei der starken Ausmünzung unter den folgenden Regierungen werden vollkommene Exemplare immer seltener. Der Goslarische Typus ist nun fertig, er bleibt so im Wesentlichen ein volles Jahrhundert bis unter Konrad IE., nur wachsen die Brustbilder und der Schrötling. Auch die Krone unterli&$ kleinen Wandlungen, die spitze Form dieser bis jetzt beschriebencn Stiickc scheint die älteste, die runde mit einem oder zwei Bügeln, wie sie schon die folgende Münze zeigt, etwas jiinger. Mader (IV, 94) hat dies verkannt. Taf. XXIX,
668~8. 668uj

t HEINRICHVS IMP, übrigens cbcnso, nur mit runder Krone und über den Köpfen der Apostel ein Ringel. - M. S.
1,23 Gr.

Aehnlich Mader IV, 44, Götz 279: 301 und 302, Rode 1, 11. Götz hat diese Münze troz des Kaisertitels (Nr. 301 und 302) dem GegenZu erwahnen ist das S in dem Kaisernamen, könige Hermann zugeschrieben. welches sich in derselben eigenthlimlichen Gestalt, aber nur in diesem Namen, auch auf dem vorstehenden Obole sowie auf dem Denare von Heinrich IV., Nr. 671 findet. Ich möchte fast vermuthen, dass der Ob01 mit HEINRICVS IMBR und umkugeltem Kreuz auf der Gr. (Köhne N. F. XII, 8~ auch hierher gehört; man findet ihn unter den unbestimmten (Nr. 1205) . Ob es auch Miinzen mit Königs- und Kaisertitel (t RE. . . . IICVSIM) giebt, wie Lelewel 111, S. 170 (nach Heineccius syll. num. Goslar, Taf. 1, 1) anführt?
1) 0,45 Loth, wie bei Ca$pe zu lesen, ist nnmöglich, es muss ohne Zweifel O,O-l5 Loth hcissen.

262 Heinrich Taf. XXIX,
669. 669) + REX

SmA~son.

Goslar.

IV.

HINR(ICVS)

sceptern. a! über ihnen V. Taf. XXIX,

(1056-1105, Kaiser seit 1084:. bärtiger Kaiserkopf mit zwei Kreuz+S/SSIO.. . 6A die Brustbilder der Heiligen,

Erbstein 111 Bruchst. Taf. 1, 10. 670. 670) t REX (Heinri) CVS bärtiges Brustbild (oder Fähnchen) in der Rechten, über A. Rf. t S /WO.. . Brustbilder der - M. S. O,YZGr. Aehnlich Götz 294 und Cappe 1, Taf. 670m) Ebenso, aber tXHINR K. M. O,s2 Gr.
,... CS. Bf.

des Königs mit Lanze seiner linken Schulter beiden Schutzheiligen. VI, 98, Goslar’I, 9.
-

. . . . . SUINS...

das 67Ob) (t RE)X Hl.. . . , das A über der rechten Schulter, Fähnchen in der Linken. Rf. t S\SI . . . . S. Sonst ebenso. Bl. f. Münzkd. 1, Taf. V, 83. * Die Unzulässigkeit einer Deutung des A auf Marsberg, welches diesen Bu& staben allerdings später in das Stadtwappen aufgenommen hat, ist schon von Grote (a. a. 0. S. 206) dargethan. 670 c) Aehnlicher Kaiserbild Taf. XXIX, Denar, mit zerstörten Umschriften, ohne Att.ribut, zwischen A und 8. Götz 305, unrichtig unter Egbert. aber das

671. 673) t H (EINR( ICHVS

IMP bärtiges Brustbild des Kaisers, mit Fähnchen und Reichsapfel. Rf. GOSLARIVM Gebäude in einer Umfassungsmauer. - M. S. 1,~2 Gr. K. M. 1,16 Gr. Berl. Bl. IV, Taf. 49, Nr. 10 (mit vollständigem t HEIN RICHVS IMP).

Die ganz gleiche Münze des Gegenkönigs Hermann weist diese mit Bestimmtheit hierher, und man darf wohl sagen, in die nächsten Jahre nach 1084. Ausserdem kommt der Stadtname neben dem Gebäude an Stellt des gewöhnlichen Gepräges nur noch bei dem Voigte Dietrich vor. Bemerkenswerth ist, wie lange sieh das seltsam verzogene S in Heinriehus erhalten hat, das sich schon auf Obolen findet, die ohne Zweifel von seinem Vater, also mindestens 30 Jahre älter sind.
672j t REX HENRICVS

bärtiger

Reichsapfel. @Y tS/S darüber ein Ringel. Cappc 1, Taf. VII, 673) Aehnlich,
tl-EINRICVS)

Kaiserkopf mit Scepter SIMON V cJA deren Brustbilder, 107, nur die Hf. abgebildet.

und und

aber t HENRICVS (nach dem Texte Nr. 561 IWE. Rj. S-S SIMON IVdA, über ihren Brustbildern ein Kreuz. Cappe 1, Taf. VII, 108: auch hier nur die Hf.. abgebildet.

Möglich,

673 a) Ebenso, aber t MINRICVS IMP und über den Köpfen der Heiligen ein Ringel. Cappe 1, Taf. VII, 109. dass Minricus hier für Mauritius steht, und die Münze sich somit an

Heinrich

IV.

263

die ähnlichen Magdeburger anschliesst. Noch zweifelhafter, oh diese und die a,nderen nur durch Cappe bekannten Miinzen ganz zuverlässig sind 1). 674) t HEI (NRIJVS IMP bärtiger Kaiserkopf linkshin, vor ihm ein Fähnchen und Rad (Reichsapfel ohne Kreuz?) Rf. t S/S SIMON (VdA) beider Brustbilder, die Hände an einen Kreuzstab haltend. - M. S. 0,~ Gr., 0,88 Gr., 0,o Gr. Cappe 1, Taf. VII, 100. Gütz 241. , Dass dieser schöne Denar nicht von Heinrich 111. sein kann, dem Cappe ihn zuletdt beigelegt (Goslar S. l), ist schon oben gesagt, Styl und Fund (von Santersleben) verbieten dies auf das Bestimmteste, und Cappes Grund, dass urkundlich Goslarische Münzen schon 1054 in Umlauf gewesen, ist selbstverständlich eben so unerheblich, als die fernere Behauptung, unter Heinrich IV. kämen Profilköpfe nicht mehr vor, unrichtig ist (s. S. 17). Aber zwischen Heinrich IV. und seinem Sohne ist es begreiflich nicht so leicht zu entscheiden, denn Beider Regierung als Kaiser (lOS4- 1305 und 1111-25) ist durch einen so kurzen Zwischenraum getrennt, dass in ihm eine merkliche Veränderung sich kaum vollzogen haben kann. Auch die Züge des übrigens nicht ohne Kunst gearbeiteten Bildnisses lassen einen sicheren Sohluss nicht zu ; sie passen eben so wohl für Heinrich IV., der mit 34 Jahre Kaiser wurde., als für Heinrich V. Aber selbst wenn man die Mtinze in Heinrichs IV. letzter Zeit, etwa, was die Wahrscheinlichkeit ftir sich hat, im Jahre 1100 geprägt sein lässt, so ist dagegen von dieser Seite her nichts zu erinnern, denn der Kaiser zählte damals erst 50 Jahre. Dass er, und nicht sein Sohn dargestellt ist, machen aher dessen Mttnzen (von Mainz, Metz und Trier) glaubhaft, welche ihn alle bartlos zeigen. Und noch ein anderer Umstand spricht gegen Heinrich V.: es wäre, wenn ihm diese Münze zugesprochen würde, das Fehlen seiner Reitermünzen in dem Santerslehener Funde, welche doch wegen des Königstitels älter sein müssen, eine auffallende Erscheinung. Bei der Zutheilung , wie ich sie vorschlage, fällt dies Bedenken fort, der Fund ist vergraben, ehe Heinrich V. Kaiser wurde, und sogar noch vor Prägung seiner Reitermlinzen 2). Die Denare Cappe 1, Taf. VI, 92 und 93 sind aller Wahrscheinlichkeit nach irrig hier eingereiht, man sehe sie unter den Münzen des Goslarischen Typus (Nr. 695, 699). Mit Bestimmtheit lässt sich dies aber behaupten von den Halbhrakteaten Seeländer’ Taf. 67 (mit sitzendem Kaiser, ohne Umschrift. Rf. den Köpfen der beiden Schutzheiligen), die Cappe (Goslar Nr. 42) diesem Kaiser beilegt. Der Mangel einer Umschrift und der Umstand, dass nicht bloss Heinrich V., sondern auch noch Lothar und selbst Konrad 111. das alte Gepräge des Brustbildes heihe1) Seine Glaubwürdigkeit zeigt sich wieder bei Nr. 125 VIII, Bd. 1 im schlechtesten Lichte; nach der Abbildung wie nach dem Texte hat sie die Inschrift + HERICVS 00000 ; da sic aber identisch sein soll mit Götz 299, so ist kein Zweifel, dass die 00000 nur Zeichen fehlender Buchstaben sind, die Cappe zur Nachachtung für den Kupferstecher auf den Umschlag der Münze gesetzt hatte, die dieser aber gewissenhaft nachgebildet, und Cappe dann leichtfertig von der Abbildung in den Text übertragen hat. - Ganz leicht sind freilich diese Santerslebenschen Münzen nicht zu lesen, denn so schiin auch die Stempel der Mehrzahl nach geschnitten sind, so unvollkommen haben sie meistens gefasst, das Gepräge und besonders die Buchstaben erscheinen daher gewöhnlich nur sehr seicht, wovon allerdings die gänzlich verfehlten Cappeschen Abbildungen nichts erkennen lassen, 2) Auch Leitsmann (Num. Zeit. 18-E S. 130) setzt den Fund in diese Zeit

Taf. XXIX,

674.

264

Sachsen.

Goslar.

halten haben, zwingt uns, diese Miinzen in die Hoheristaufen-Zeit zu vertveisen, WO das Bild des sitzenden Kaisers die Regel bildet. Ganz unrichtig citirt auch Lelcwel (IH, S. 170) als Stadtmünze aus dieser Zeit einen Halbbrakteaten Seeländers (S. 3 12, Taf. C, Sj, derselbe hat nicht, wie er sa’@, die Köpfe der beiden Apostel, und stammt aus dem Anfange der Hohenstaufen-Zeit. Hermann Taf. XXIX, von Luxemburg
(1081-88).

675. 675) t HE(RI)MANNVS

(R:EX des Königs blrtiges Brustbild mit Rf. GOSLARIVM Gebäude in Kreuzstab und Lilienscepter.

Taf. XXIX,

einer Urnfassungsma,uer. - M. S. 1 ,05 Gr. K. M. 1,~ Gr. Ca,ppe 111, Taf. II. 31, &J: t S SI.. . . 676. 676) t HERIMANNVS REX ahnlieh wie vorhin. S IVZIAS, beider Brustbilder. - 1,12 Gr. Aehnlich Mader IV, 47, aber a,us zwei Exemplaren ergänzt,
t HERMANNVS REX.

676 a) Aehnlich , aber mit einem Sternchen über den Heiligen. Götz 300. 676 bj Ebenso, aber . . ANNVS.. &?f. t S. . DAS, Ringel tiber dem Kopfe. - M. H. 1,tz Gr.
676~)

Cappe 111, Taf. 11, 32. Die Lesung RIP wird ein Irrthum sein, da Hermann den Kaisertitel nicht getragen hat, ebenso ist das Brusthild unrichtig dargestellt, denn nach dem Texte ist es dem vorigen gleich, während die Abbildung die Rechte leer zeigt. Auch die Form der Krone scheint entstellt zu sein. Nur in Goslar, wo er im Jahre 1082 vom Mainzer Erzbischof Siegfried gekrht wurde, hat der machtloseHermann Münzen geschlagen 1;? aber auch nur die hier besehrieCappe legt ihm zwar noch eine Anzahl anderer bei (K. M. 1, Taf. VIII, bencn Arten. 118 -3 22), aber sie alle tragen ein ungekriintes Bildniss und den hlossen Namen ohne Titel; deswegen, und mehr noch wegen des Fundes (von Santersleben) , aus dem sie kommen, und der sie in den iinfang des folgenden Jahrhunderts weist, müssen sie ihm abgesprochen werden, und habe ich sie unter die Münzen des Goslarischen Typus (Nr. 691- 692) aufgenommen. Zu erwähnen bleibt nur noch folgendes Stück: . iiber einer Mauer zwischen zwei Thürmeu der halblinks gekehrte Kopf dcs Königs. Bf. tS/S MON VdA über ihren Köpfen ein Kreuzehen. Cappe 1, Taf. VHI, 123. Goslar V, 44. Nur auf Cappe beruht unsere Kenntniss von dieser Münze, ich erinnere mich aber, dass ich nie das REX HERM auf seinem Exemplare habe entziffern können, und betrachte sie daher als apokryph. Zu bemerken ist auch, dass Cappe im Widerspruch mit der Abbildung den Kaiserkopf als linkshin 2) gewandt bezeichnet.
677) t REX

H . RMANNVS ebenso.

RIP.

Bj:

tS/S

SIMONS

SI jVb)AS,

sonst

HERM

1) Die Kiilner Miinztt, die Cappe K. M. 111, 4% ihm znschreibt, ist von Heinrich II., die Magdeburger (1, Taf. VIII, 122) ist bereits obon besprochen. 2) Oder, wie er sagt, rechtshin, denn cr nennt Rechts, was wir Andern Links nennen.

Hermann, Heinrich V. Von dem anderen Gegcnkönigc

265

wie Lelewel (111, S. 270) bezüglich Taf. XXIX,

Egbert haben wir keine Goslarisohen Münzen, des EMNIGHEM Denars (Nr. 529) irrig glaubt.

Heinrich V. (1106-25, Kaiser seit 1321). 678. 678) t HEIN RICVS REX des Königs bärtiges Brustbild mit einem Reichsapfel in jeder IIand. Rf. S/S SIMON IVdA, die Brustbilder beider Heiligen, über ihnen eine segnende Hand. - M. S. 0,9 Gr. Cappe 1, Taf. VI? 94, Goslar Taf. 1, 5. Ca,ppc li-isst den Kiinig beide Hiinde zum Segnen erheben, was, wie mir scheint, durch mein schönes Exemplar berichtigt wird, obwohl es auch gerade an dieser Stelle nicht ganz deutlich ist. Die Fabrik dieser .Santerlebenschen Miinzc zeigt, dass wir uns der Zeit der Halbbrakteaten nähern, und verbietet daher die Zutheilung an Heinrich IV. (also vor 1084), welchem Cappe sic gegeben hat, obwohl die einzige chronologisch sicher bestimmte, die der Fund enthielt, die des Halberstädter Bischofs Reinhard (Z106-23) ihn hätten abhalten sollen, eine Münze so neuen Aussehens so alt zu machen. Aus demselben Funde schreiben sich auch die folgenden bis Nr. 681 einschliesslich her, für die ich bis auf Nr. 680n die Verantwortlichkeit Cappe allein überlassen muss. ti784 Ebenso, aber zwischen den Heiligen eine Blume (oder, wie Cappe sagt, dreifache Korn%hre) Cappe 1, Taf. VI, 95, nur die 12s. abgebildet. 678 h) Ebenso, aber SCS über den Brustbildern. Cappe 1, Taf. VI, 96, ebenfalls nur die Rf. 679) Aehnlieh, aber der König mit Lanze und Scepter. Gf. Ueber den Köpfen eine Kaute. Cappe 1, Taf. VI, 97. (iW) t REX HINRICVS des Königs b&rtiges Brustbild mit zwei .(verschieden gestalteten) Kreuzsceptern. Rf. tS/S SIMON IV6A: iiber ihren Brustbildern ein Kreuzehen. Cappe 1, Taf. VII, 305. HEINRVS. M. S. 0,~ Gr.

Taf.XXIX,

68On. 680n) Ebenso, aber t REX

681) t HEINRICVS bärtiges Brustbild mit Sceptcr und Reichsapfel. Rf. t 2/2 IMON V6A, über ihren Brustbildern ein Ringel. - Cappe 1, Taf. VI, 106. Ein schlechtes Exemplar dieses Denars mag es sein, das Cappe verführt hat, die Schriftreste (He) NRIVS @ex), . . . ARIVS . . . zu lesen, und zu Lotarius zn ergänzen. - K. M. 1, Taf. VIII, 131. 682. 682) H . . . S REX Heinrich mit Seepter in der Rechten, nach rechts galoppirend. Rf. t . . . . VdA Brustbilder der Heiüber ihnen ein Ringel. (Grotc) O,% Gr. K. M. ligen, 0,~ Gr. Münzstud. 11, Taf. 32, Nr. 2. Taf.XXIX, BY’La. 682~) HEI -VIRICS R hinter dem Reiter S. Rf. . . . IMOl4 VdA, sonst ebenso. (Grote) 0,92 Gr., (andere 0,~ Gr., 0,81 Gr., 0,88 Gr., 0,96 Gr.). Der wesentliche IJnterschied zwischen diesen beiden Münzen besteht darin, dass erstere ein Denar, letztere von viel grösserem Umfange bei verminderter Dicke, Taf. XXIX,

266

Sitchsen.

Goslar.

also ein Halbbrakteat ist, freilich noch nicht von der später beliebten Dünne, welche die Darstellung der zuerst ausgeprägten Seite fast ganz unkenntlich machte.
682b) HENRICIPT. .L?? tSCS SI.. . DA, sonst wie Nr. 682.

Cappe (K. M. 111, Nr. 572) allein kennt diesen Denar mit Kaisertitel, man um so mehr zu misstrauen Ursache hat l), als er ihn nicht abbildet. Taf. XXX, 683.

dem

683) t REX HEINRIVS gekröntes bärtiges Brustbild mit Fähnchen Rf. t S/S (1)MON IV6A beider Brustbilder, und Lilienscepter. ein Stäbchen berührend, über ihnen ein Stern. Grosser HalbPastor Leitzmann. brakteat. Taf. XXX, 683a. 683;) Achnlich, jedoch halten die Heiligen ein Medaillon mit einem rechtssehenden Köpfchen. Grosser Halbbrakteat. Pastor Leitzmann. - Num. Zeitg. 1857, S. 59, Nr. 6. Dies sind schon reine, ausgebildete Halbbrakteaten , welche meistentheils so mangelhaft ausgeprägt vorkommen, dass man sie fur wahre Brakteaten halten kann, wie dies Cappe K. M. 11, Taf. XV, 131 und 132 begegnet istz). Er hat sie deshalb auch Friedrich Barbarossa zugeschrieben. aber mit t HENERNIPRX. Cappe 111, Taf. IV, 56. Nur von Cappe wird der Kaiser- und Künigstitel dieses Halbbrakteaten vertreten, gewiss hat er aber die Umschrift wieder falsch gelesen, die auf diesen Halbbrakteaten überhaupt grössere Sorgfalt verlangt, als er zu beweisen gewohnt war. Eine ganze Reihe ähnlicher Mtinzen sind übrigens von ihm (Goslar Nr. 57 fgg.) und in der num. Zeitg. 1857, S. 59 beschrieben, die Verschiedenheiten sind aber nur geringe, und die Exemplare fast durchgängig sehr unvollkommen, so dass eine weitere Aufzählung dieser Fragmente keinen Nutzen gewähren würde und zwar um so weniger a1.s die richtige Entzifferung dieser unvollkommenen Gepräge grosse Schwierigkeiten bietet. Man erkennt aus den vielen Stempeln nur, dass die Ausmlinzung eine ziemlich starke gewesen ist. Taf. XXX, 684) t HINRCHV . .X Brustbild des Kaisers mit Scepter und Lanze. Rf. t.. t- . . IV t dA Kreuz mit ftinf Kugeln im ersten und dritten, und einem Sterne im (zweiten 9 und) vierten Winkel. - M. S. O,os Gr. Cappe fuhrt unter diesem Kaiser noch folgende beiden Halbbrakteaten auf:
685)

683 b) Aehnlich,

684.

. . . CHVS- I RT der sitzende Kaiser mit erhobener Rechten und Lilienscepter. Rj: . . . ONIVBA Kreuz mit einem Blumcnkreuze belegt. - (Goslar 60, Taf. V, 54). RJ. t WS SIONIV6A 686) tHEI t... t CVM t. . . Brustbild. dreithurmiges Gebäude in einer Mauer. (Goslar 83c, die Rf. abgebildet, Taf. VI, 64). Allein man wird unbedenklich auch diese hier ausscheiden können, da ihr Gepräge wie ihre Fabrik sich bedeutend von der aller beglaubigten Goslarischen Mttnzen dieses Kaisers unterscheidet, und ihr Erhaltungszustand ein solcher ist, dass
1) wie schon Grote Miinzstud. 11, S. 500 bemerkt. 2~ Siehe Cappe Goslar Nr. 59a und 63.

Heinrich

V., Lot,har,

Voigt Dietrich.

2fi7

wir abermals eine unrichtige Lesung annehmen müssen. Denn von der Umschrift , . CHVS - I RT der ersteren ist auf der Abbildung so gut wie nichts zu erkenneu, und die Hf. der anderen hat er, wahrscheinlich wegen zu schlechter Ausprägung, gar nicht abbilden lassen, er sieht auf ihr ein Brustbild, »von dem aber weiter nichts zu bestimmen ist«, und sagt von der Umschrift, sie sei auf Heinricus imperator zu ndeuteq was in seinem Sprachgebrauch ungefähr so viel bedeutet, als dass sie nicht gelesen, sondern gerathen sein will. Lothar (1325-1137). 687) + REX LOTERIVS bärtiges Brustbild des Königs mit Lilienscepter und Reichsapfel. Rf. S/SSIMON VGA beider Brustbilder mit einem Vogel ein jedes. Grosser Halbbrakteat. Berl. Bl. IV, Taf. 49, Nr. 11. K. M. O,% Gr. 6874 t REX LOTHARVS. Rf. S/S SIMON IVdA, die Heiligen ohne die Vögel (?j sonst ebenso. Münzstud. 11, Taf. 32, Nr. 1 und (gewaltig geschmeichelt) Cappe, Goslar V, 51. Es sind diese Halbbrakteaten die einzigen Mt?mzen dieses Königs, denn der Goslarische Denar, den Cappe (K. M. 1, Taf. VIII, 131) fUr ihn beansprucht, ist, wie schon oben gesagt, ein verkannter Heinrich IV’). Das Gepräge unserer Halbbrakteaten ist ganz wie Heinrichs V. Denar Nr. 678, die Technik aber die seiner Halbbrakteaten. Wie schlecht die Ausprägung, wie schwer die Vorstellung und die Inschrift der zuerst geprägten und durch den Stempel der Rf. grösstentheils wieder vernichteten JIf. zu erkennen sind, wie stark also die Abbildungen dieses und anderer Halbbrakteaten bei Cappe restituirt sind, und so gänzlich uber den Charakter dieser höchst eigenthümlichen Mtinzen täuschen, das sehe man in Grotes sehr lehrreichem Aufsatz über ,diese MUnzen (Mlinzstud. 11, S. 492 und 1004). Taf. XXX, 687. Münzen hunderts. Taf. XXX, des Voigtes Dietrich, Ende des XI. Jahr-

688. 688) t THEDER(ICV) S A(D) Brustbild mit Schwert und erhobener Linken. Rf. GOSLA(RIVM) Gebäude in einer Mauer. -

M. S. 1,09 Gr. K. M. 1,16 Gr. Bode Taf. VII, 1, danach Cappe Goslar V, 48. Die Hf. stimmt vollständig überein mit Heinrich IV. Nr. 671 und Hermann Nr. 675, also wird die Prägezeit ebenfalls in die 80er Jahre des XI. Jahrhunderts zu setxen sein. Aber geschichtlich ist über diesen Dietrich nichts bekannt. Taf. XXX, 689. 689) Hf. ebenso. Rf. A(HRTVI)CHEDG Gebäude abweichender Bauart, in einer Mauer. - K. M. O,% Gr. Bl. f. Münzkd. 11, Taf. 111, 30, aber das Brustbild mit, einem Kreuze in jeder Hand.
1) Posern freilich giebt INum. Zeitung 1836 S. 65) als Schlussbuchstaben seiner sieben Exemplare AE statt AD an und ich habe cinc mit ÄB gcschcn, was allerdings mn11 Gopriige schlecht passt. Auf die Mitthoilung im Bildtschcn Kataloge, dass auch Exemplare mit $f. Advocatus Anthonaci vorhanden (Blatt. f. Münzk. 11, S. 226) ist selbstverstindlich nichts zu geben. Andernach gehörte damals zu den numismatischen Tagesfragen.

2ti8 Taf. XXX, 690.
690) IIf.

Sachsen.

Goslar

ebenso. &J AHRTV(ICH)EDe droitbürmige Kirche. K. M. 1,~ Gr. Bl. f. Münzkd. 11, Taf. 111, 32. Becker 111, 110. Ueber diese Miinzen, deren Umschriften ich nach Thomsens Zeugniss (Bl. f. Münzkd. 11, S. 226) ergänzt habei), ist schon Manches vernmthet worden, ohne dass Gewissheit erzielt wäre. Fest steht aber jetzt, nachdem Nr. 688 zu Tage gekommen, dass sie in oder bei Goslar geprägt sind, nicht, wie man wohl früher geglaubt hatte, zu Essen, und ferner, dass sie dem Ausgange des XI. Jahrhunderts angehören, denn Nr. 688 hat die Rückseite mit dem Heinrich IV Nr. 671 (und dem Hermann Nr. 675) durchaus gemein, ausserdem aber ist cinc dieser Münzen in dem zweiten Berliner Funde (Mittheil. S. 223) vorgekommen. Am wahrscheinlichsten ist wohl Poserns Meinung @um. Zeitg. 2846, 8. 65)) dass sie von der um 1064 erwähnten Aebtissin Hedwig von Gernrode ausgegangen, wenigstens passt der Ort, und - wenn wir ihr ein längeres Lcbcn zutrauen - auch die Zeit, sowie ferner das Gebäude von Nr. 689 sich fast ebenso auf einem vermutblich nicht viel später geschlagenen Denare der Agnes von Quedlinburg wiederfindet. Aber einigermassen bedenklich bleibt dabei immer, dass wir sonst von Münzen dieser Abtei gar nichts haben, denn der in der num. Zeitg. 1861, S. 25 fiir eine spätere Hedwig von Gerurode (3118-- 54) beanspruchte Brakteat wird von Posern (Sachsens Mz. Nr. 664) doch wohl richtiger auf Grund seiner Umschrift und Fabrik nach Nordhausen verlegt. Also scheint es am Gerathensten, diese Münzen auf Grund der Umschrift der ersten vorläufig bei Goslar einzureihen. Wenn auch hiermit ftir jetzt das Gebiet der Goslarischen Münzen erschöpft ist, so bleibt doch noch eine Anzahl zu besprechen iibrig, welche, zwar nicht in der Stadt selbst, aber doch nach Goslarischem Typus geprägt sind. Dass derselbe bis in weite Ferne Anklang gefunden, dass man selbst in Friesland und am Rhein, und zwar hier zu. Köln selbst (unter Erzbischof Friedrich) und zu Remagen ihn mehr oder minder vollstandig nachgeahmt hat, ist bereits oben angedeutet worden. Selbstverstandlieh hat er in näherer Nachbarschaft seinen Einfluss in noch stärkerem Maasse ausgeübt, und in der That hat uns besonders der Fund von Santersleben gelehrt, dass die Münzstätten zu Halberstadt und Magdeburg eine Zeitlang von Goslar ihre Anregung empfingen. Aber mit diesen Geprägen haben wir es hier nicht mehr zu thun, da sie unter den betreffenden Städten behandelt sind, hier haben wir uns nur mit denjenigen Münzen zu beschäftigen, können. vom Qoslarischen Typus Certlichkeit zugewiesen werden & ’

welche zur Zeit keiner bestimmten

Taf. XXX, 69 1. 691) + H (EREME) AN I VS Brustbild unbedeckten Hauptes mit Fähnchen und Reichsapfel. @jI tS/S S(IMjON IVd die Brustbilder beider IIeiligen, über ihnen ein Kreuzehen. M. S. O,i6 Gr., O,SI Gr., 0,85 Gr., O,ox Gr., O,Y~ Gr., 0,87 Gr., 0,9 Gr., 0,~ Gr., O:s:r Gr., 6,s~ Gr. Cappe K. M. 1, Taf. VIII, 139, nur die Hf. abgebildet. ._... --~~-----.-~~~~
1) S. Mich Nnm. Zcitnng
lS-lfi, S. 17.

Minzen vom Goslitrischen Typus.

269

Cappe halt das Bild für gekrönt. Auf den mir vorliegenden 1 I Exemplaren desselben Fundes (von Santersleben) ist davon nichts zu erkennen, auf zweien ist sogar eine Tonsur ziemlich deutlich, was freilich schlecht zu der Kleidung und den Attributen der Figur passt. Auf jcdcn Fall ist damit und beim Mangel des königlichen Titels der Gedanke an Hermann von Luxemburg ausgeschlossen, dem Cappe diesen Denar beilegt, und scheint die Münze vielmehr einem Geistlichen anzugehören, dessen Stempelschneider sich bemiiht hat, sie den beliebten Goslarischen SO ahnlieh als möglich zu machen. Derselbe muss zu Anfange des XII. Jahrhunderts gelebt haben, denn die Münzen neigen sich schon sehr den Halbbrakteaten zu, und der gedachte Fund ist um 1100 oder wenig später vergraben. - Es finden sich übrigens Abweichungen in der Umschrift, z. B. MERERENIVS, die aber um so mehr übergangen werden müssen, als die unvollkommene Ausprägung doch nicht erlaubt, sie vollständig festzustellen. Rf. (t) S/S SIMON IV@, sonst ebenso. Cappe K. M. 1, Taf. VIII, 118, Gos1a.r V, 43. Auch hier sieht Cappe, im Widerspruch mit der Abbildung, den Kopf ftir gekrönt an. Freilich ist Abbildung wie Beschreibung aus zwei Exemplaren hergestellt, ein bedenkliches Verfahren, das jedenfalls viel mehr Behutsamkeit und Kritik erfordert, als Cappe besass. Es kann nicht genug vor solcher Rcstituirung schlecht erhaltener und noch dazu von Hause aus schlecht gepr%gter Mtinzen gewarnt werden.
691~) tHEREMAN$VS.

ähnliches Brustbild mit Schwert und Scepter. Sonst ebenso. Cappe 1, Taf. VIII, 121. Goslar V, 42. Mir ist dieses Gepräge mit dem Sehwerte noch nie vorgekommen, und liegt daher der Verdacht nahe, dass es nur einem Irrthum Cappes sein Dasein verdankt, obwohl an und für sich gegen dasselbe keinerlei Bedenken sich erhebt.
692) + HERMAENIS

bärtiger Kaiserkopf. Brustbilder der Goslarischen Heiligen, über ihnen ein Kreuzehen. - M. S. 1,4 Gr. Kaum wird man eine Goslarische Münze von so vollkommener Ausprägung finden, aber so schijn auch der Stempelschnitt und die Prägung, so missrathen sind die Inschriften, in welchen man sich vergebens mühen würde, einen Sinn zu entdecken, denn die Form der Buchstaben verräth deutlich genug den Analphabeten. Der Fabrik nach kann er am Bhein zu Hause gewesen sein. Wohl eine ähnliche Nachmünze ist es, die Cappe Goslar Nr. 34, bei wesentlich gleichem Gepräge, ohne Angabe der Quelle und ohne Abbildung also beschreibt : +SNCNSIV.. . . XIN (angeblich S. Simon, S. Judas rex imperator). Bf. t . . . . . S
693. 693) t MEVIECRVNCbEVhBT Rf. t IhEluECVhBOTIO t NONS-S..

Taf. XXX,

. . . , Rj. t S/SS . . . . BAS, dasselbe Gepräge, aber über den Brustbildern ein Bischofsstab. - Dr. Grate. Dem Bischofsstabe zufolge muss der Milnzherr ein Geistlicher sein, und liegt ’ es nahe, ihn in der berühmten Benediktiner-Abtei Bursfelde (im heutigen Fürstenthum Göttingen) zu vermuthen, welche von Heinrich IV. im Jahre 1093 das Itecht er694) + HEINRI

Taf. XXX, 694.

270

Sschson. Goslar.

hielt, nach Goslarischem Muster zu prägen l) . Aber über diese blasse Möglichkeit kommen wir nicht hinaus. Taf. XXX, .
695. 695) t R . . . . . zwei Thürme in einer Mauer, zwischen ihnen ein Kreuz. RJ WSION . . . . die Brustbilder beider Heiligen,

über ihnen ein Kreuzehen. - M. S. 0,~ Gr., 0,s Gr. Cappe K. M. 1, Taf. VI, 92, Goslar 1, 3. Cappe bringt diese Münze unter Heinrich IV., indem er REX WRICVS liest. Hiervon aber habe ich auf seinem Exemplare nichts sehen können, so wenig als auf meinen beiden, von denen das eine, wie angegeben t R . . . ., das andere . . . Q AV.. . erkennen lässt. Dass auch Cappes Exemplar nichts weniger als von guter Beschaffenheit war, lehrt ein Blick auf seine Abbildung, in Verbindung damit, sondern.auch in dem 12 Jahre dass er - und nicht blos in seinen Kaisermlinzen, später erschienenen Buche über die Goslarischen Munzen - sagt, der Kupferstecher habe aus Versehen die Umschriften dieses Denars sowie von Nr. 699 verkehrt gestellt, wieder ein deutlicher Beweis, dass er nicht zu lesen vermocht hat, was Cappe ihm abzubilden vorgeschrieben. 696) . . . . RMA ähnliche Darstellung, jedoch mit einem Thurm an Stelle des Kreuzes. Rf. . . . . . IVc3A die Brustbilder der Heil. Simon und Judas. - Thomsen (Nr. 6843). Die mit . . . . RMA sehliessende Umschrift wage ich nicht, mit Thomsen, auf König Hermann zu beziehen, möchte die Munze vielmehr fUr etwas später, den Santerslebenschen , zu denen die vorhergehende, so ähnliche gehört, zeitverwandt halten. Das Gebäude erinnert Ubrigens stark an eins auf einem Kölner Denare des Erzbischofs Friedrich (Nr. 417, 418). Dennoch scheint die Mnnze eher sächsisch als rheinisch zu sein. Taf. XXX, 696. Mauer mit zwei Thürmen, zwischen denen ein Kopf. Rf. t WS SIMO.. .A die Brustbilder der Goslarischen Heiligen, über ihnen: (L) EX. - M. S. 0,6 Gr., 0,~ Gr., O,Y~ Gr. Cappe (1, Taf. XIV, 232) liest unrichtig PROPATRES und erklärt ebenso unrichtig den Kopf für gekrönt, daher er die Münze Heinrich IV. zueignet. Ich Weiss sie nicht näher zu bestimmen, wenngleich das so merkwürdige LCX (übrigens mit unsicherem L) auch auf Magdeburger Geprägen desselben Fundes (von Santersleben) auftritt (s. Nr. 649). 698) Gekrönter Kopf Heinrichs III., Umschrift erloschen. RJ t SISS.. -AS linksgekehrter Kopf mit Tonsur, den Krummstab geschultert, vor ihm ein Kreuzstab. - Dr. Grote. Die Umschrift der Rf. ist wohl jedenfalls die Goslarische , der dargestellte Geistliche aber mag der Abt von Bursfelde sein, nach dem zu Nr. 694 Gesagten. Es ist dies der Denar, der in den Mtinzstud. VII, S. 366 auf Grund irriger Lesung der wenigen Buchstaben der Rf. dem Halberstädter Bischof Stephan (1089 - 1102), fUr den er übrigens der Zeit nach sehr gut passen wurde, beigelegt ist.
1) Ad iustsr Goslwiensiu monetae (Heineccins, num. (loslitr. 8.
104)

Taf. XXX,

697.

6973 t IOPATRESIT

Taf. XXX,

698.

Münzen vom Goslarischeu Typus. Taf. XXX, 699.
699) +~wlCl(Vkl)XHA

271

Hand zwischen zwei Kreuzen, darunter . Kreuz mit zwei Sternen ein Stern. Rf. . . . . MOL4 U2H.. und zwei Kreuzen in den Winkeln. - M. S. 0,74 Gr., 0,o Gr. Cappe K. M. 1, Taf. VI, 93. Goslar 1, 4. Nach Cappe wäre diese Mtinze von Heinrich IV. in Goslar geprilgt, er liest auf der Rf. S . . . NONS-SA, und erklärt die Inschrift der Hf. Enricus rex imperator. So klar sind die Umschriften aber doch nicht, und die Zutheilung der Münze, die in Heinrichs V. Zeit fallen wird, bleibt etwas zweifelhaft. Dass sie, wenn nicht in Goslar selbst, so doch in der Nähe entstanden ist, macht ihr Vorkommen in dem Funde von Santersleben glaublich. Taf. XXX, 700. 700) tS/SSlMOIVd(A) die Köpfe beider Heiligen, über ihnen 0. Rf. . . (S)CRVClbEI Kreuz mit 0 in jedem Winkel. M. S. 0,68 Gr., 0,s Gr. Stammt ebenfalls, wie kaum zu sagen nöthig , aus Santersleben , und ist das Seitenstuck zu einem Halberstädter Denar, welcher statt der Goslarisohen Heiligen den heil, Stephan hat (Nr. 630). Schwer ist es, eine Deutung der Umschrift der Rf. zu geben. Ist sie religiösen Inhalts: s. oruci Dei? oder ist etwa S6RVaCIus bEl martyr gemeint? Sinnlos scheint sie jedenfalls nicht zu sein, da sie auf beiden Exemplaren tibereinstimmt. Taf.XXX, 701.
701) t HEI , . . . gekrönter Kopf Heinrichs (111.) Rf. Vl3MANVS IN-A Mauer mit Thürmen. - M. S. 1,21 Gr.

Ist Wigmannus indignus abbas zu lesen? Und wo ist dieser Wigmann? Die schöne, deutliche Münze lässt noch eine Erklärung hoffen. Ich möchte glauben, dass sie eher im Westen, als im Osten Goslars ihre Heimath hat. Bemerkung verdient das S, von ganz derselben Form wie auf Nr. 668a und 671. Taf. XXX, bärtiges Brustbild des Kaisers, zwischen Scepter und Rad (Reichsapfel ohne Kreuz?) Rf. (C)IVITAS (W?) ein dreithtirmiges Gebäude in einer Mauer. - Dr. Grote. Wäre das W sicher, so könnte man die Münze nach Wimmelburg legen.
702. 702) t HEINRICVS (A?)

703) t . . . POSIV * M Brustbild Heinrichs IV. mit Lanze, tiber seiner linken Schulter A. Rf. t . . . . M SVET Gebäude in einer Mauer. - Dr. G-rote. Bl. f. Miinzkd. 1, Taf. V, 82. Dass diese Mtinze nicht des A wegen in Marsberg geprägt ist, wie a. a. 0. S. 20 M. Erbstein behauptet, hat schon Grate ebenda ausgeftihrt. Der Prägort bleibt unbestimmt, scheint aber auch im Weften von Goslar zu suchen.
DVX Brustbild mit Schwert und t Rf. Brustbilder des heil. Simon und Judas, über ihnen ein Stern. Num. Zeitg. 1857, S. 140, Nr. 6. Dieser Halbbrakteat wird a. a. 0. Heinrich dem Fetten, von Nordheim (+ 1102) zugeeignet. Aber hat er den Herzogstitel geführt? Von seinen Nordheimischen Gtitern wohl nicht, auch nicht von Meisscn ; hier war er Markgraf, dort Graf, und dass er Herzog von Sachsen gewesen, wie a. a. 0. S. 244 gesagt wird, ist mir nicht bekannt. Sollte also: richtige Lesung vorausgesetzt, nicht Heinrich der Stolze, dem König Lothar das Herzogthum Sachsen ubertrug, als Prägherr anzusehen sein? 704) . . . . CVS

Taf. XXX,

703.

272

Sachsen.

Hcln~stii~lt

-~- 1Tildcsheim.

Helmstädt.
Das St. Ludgeri-Kloster zu Helmstadt wurde nicht, wie die Abtei Werden, durch diesen Heiligen selbst! sondern erst später, vermutblich zu Anfang des X. Jahrhunderts durch Werdener Mönche gegründet ‘). Beiden Abteien stand ein einziger Abt vor, der in beiden Theilen seines Gebietes, dem rheinischen wie dem niedersächsischen prägen liess. Verleihungen des Mtinzrechtes an die Ychwesterahteien sind nur kir den westlichen Gebietstheil, für Werden und Llidinghausen (vom Jahre 974) bekannt, aber während eine derartige Urkunde für Helmstädt fehlt, gehen doch die Helmstädter Münzen den Werdenern im Alter vor, wenngleich nur in dem einzigen, nachfolgenden, noch nicht lange bekannten Exemplare : gekrönter Kopf. rechts. Rf. (t) SCS LIV3lE. , dreithlirmiges Gebäude. Mtinzstud. 111, Taf. XII, 3, 8. 471, wo Folgendes über diese Mtinze gesagt wird: »Ein breiter Denar, in Volumen wie in Typen ganz übereinstimmend mit denen von Magdeburg (mit S. Mauritius oder Cornabus) und von Halberstadt vom Bischof Burghard (1: 1036-59 ; 11: 1059-88) , im Volumen mit dem Quedlinburger S. Dionysius. - Der Name Ludgerus weiset diese Mtinze bestimmt nach Helmstädt hin. - Es waren also während der münzarmen zweiten Hälfte des XI. Jahrhunderts im Gaue Nordthüringen vier Munzstätten thatig, deren Fabrikate sich durch Eigenthümlichkeit des Volumens und der Typen von denen des nachstbenachbarten Goslars, der Hauptmünzstätte des nördlichen Deutschlands während dieser Zeit, auffallend unterscheiden, und durch ihren vergrösserten Durchmesser den ersten Schritt zum Brakteatenthum anbahnencc. Ich möchte hierzu nur bemerken, dass es statt Cornabus heissen muss Marabus (s. Nr. 648 f.) ,, und dass die Münze doch wohl nicht so entschieden in die 11. Hälfte bedes XI. Jahrhunderts versetzt werden darf, denn die ähnlichen Halberstadter ginnen schon mit Brantho, setzen sich also schwerlich bis Burkard 11. fort. Taf. XXXI, 705. 705)

t (Scs L)V3lERVS

Hildesheim.
Hildinesheim , Hildeneshem, Hildeseim2) ist seit 818 (oder 815 U) Sitz eines Bischofs, und hat uns eine nicht geringe Anzahl von Munzen, meist jedoch erst aus Die Mtinzen sind aber älter als die älteste bekannte Erspäterer Zeit hinterlassen. theilung des Rechts dazu, das Heinrich 111. 1053 dem Bischof Azelin für Huginhusen Ob dort wirklich geprägt worden: lässt (auch Huinhusen, jetzt Wienhusenj verlieh. sich aus unseren Münzen nicht erkennen, wogegen Gepräge aus dem nahen, damals jedoch wohl schon zerstörten Mundburg bis auf uns gekommen sind. Cappe hat uns eine Beschreibung der Münzen dieser seiner Vaterstadt geliefert (Dresden 1855) ; sie leidet an den Mängeln aller seiner Arbeiten, deren einzelne schon von Thomsen (Münzstud. 1, S. 355) gerügt sind. Er beginnt mit drei
1) Rettberg, deutsche Kirchengesch. Bd. 11, S. 4iY. 2) Foerstemann 11, 736.

Otto 111, Heinrich Ii,

Konrad 11.

2i3

Münzen von Otto (11 und 111), die jedoch s%mmtlich von hier weg nach Speier und Strassburg zu verweisen sind (s. Nr. 826, 827, 908), die einzig wirklich hier gepni,gtc hat er nicht gekannt, oder vielleicht nicht crkaunt, nämlich folgende.

a) Kaisermünzen.
0 t t o 111. (983 - 3002, Kaiser seit 996). Taf. XXXI, 706. 706) t a IGR\AtReX Kreuz mit ODDO. Rf. 2 CAMARIA M. S. 1,4 Gr. K. M. 1,54 Gr. (Kowal) Holzkirche. (v. Sallet 11, 322) 1,31 Gr. Berl. Bl. 111, Taf. 28, Nr. 8. Viele Httidte haben ihre Münzen mit dem Namen der heil. Jungfrau geschmückt, namentlich Speier, Strassburg , Verdun, Maestricht , das GeprMge aber, ganz das der Adelheidsmünzen, welche doch ohne Zweifel in Niedersachsen geprägt sind, und deren Gepräge in Magdeburg, &uedlinburg und Halberstadt auftritt, erlaubt nicht, diesen Denar einer andern Gegend zuzutheilen. Wie der Ort, so wird aber auch die Zeit durch das Datum der Adelheidsmünzen bestimmt, welche zuerst unter diesem Kaiser, nicht wie vielfach irrig angenommen worden, schon unter Otto d. Gr. geschlagen wurden. Heinrich 11. Die von Cappe nach Hildesheim verlegte Münze (Farve Taf. 11, 13) mit Kaiserkopf. $f. dreizeiligem SCA-MA-RIA und unleserlicher Umschrift, ist wahrscheinlich in Maestricht 1) sicher aber nicht in Hildesheim geschla.gen, wie die Fabrik unwidersprechlich lehrt. Man sehe sie Nr. 244. Konrad 11 (2024-1039, Kaiser seit 1027). $f. S-C , MARIA 707. 707) IPPE CVONRADR bärtiger Kaiserkopf. deren Brustbild. MBm. St. Pt%. 111, Taf. VIII, 11 , danach (ohne es zu erwähnen) Cappe H. 1, 11. Köhne bestimmt diese Münze und die sogleich zu gedenkende ganz ähnlicbe seines Nachfolgers, gegen Cappc, für Speier nicht fiir Hildesheim, während Thomsen (Münzstud. 1, 358) sich darüber nicht ausspricht. In der That war nach dem damals vorhandenen Materiale die Sache sehr zweifelhaft. Köhne’s Grund aber, entnommen von der Fabrik, welche von der Bildesheimischen so verschieden sei, kann als durchschlagend nicht anerkannt werden, denn mindestens eben so gross ist der Abstand zwischen dieser und Heinrichs 111 ganz ähnlichen grob gearbeiteten Münzen einerseits und den damaligen so zierlichen Speiersehen Geprägen andererseits, namentlich dem eleganten Denare, auf dem sich derselbe Kaiser mit seinem Sohne Heinrich hat darstellen lassen. Eher liesse sich eine gewisse Aehnlichkeit zwischen diesen Münzen und den gleichfalls &hr grossen Strassburgern mit Heinrichs 11 und Konrads 11 vorwärtsgekehrten Brustbildern wahrnehmen, und diese hat dann in der That auch mich früher diese Mlinzen, beim Mangel anderweitiger Anhaltspunkte für Speierache halten lassen, ich glaubte, dass dies Konrads älteste Gepräge seien, Taf. XXXI,
1) Nicht Verdun, wie Thornsen(Miinzstud. 1, 358) meint.
Dannenberg, Deutschlands älteste Münzen. 18

274

Sachsen.

Ifildesheim.

welche sich noch an die grosscn, rohen Denare von Otto 111 anschlössen, und dass erst in seinen späteren Jahren ein besserer Stempelschnitt zur Geltung gelangt sei. Nachdem ich aber in Kopenhagen einen im Weiteren zu beschreibenden Hildesheimischen Denar mit dem Profilkopf der heil. Jungfrau gesehen (s. unten Nr. 715), und dann selbst einen andern mit ihrem vorwärts gekelrrten Bilde Nr. 716 erhalten, habe ich diese Ansicht aufgeben mussen, und bin durch die ausserordentliche Uebereinstimmung dieser Münzen mit unserem Konrad völlig überzeugt worden, dass derselbe nirgends anders, als ebenfalls in Hildesheim entstanden sein kann. Cappes Irrthum übrigens, der diese Mtinze dem Sohne Heinrichs IV (1103) zuschreibt, verdient kein Wort der Widerlegung, der Kaisertitel allein ist Widerlegung genug. Es giebt keine Münzen von diesem jlingern Konrad, und kann keine geben, wenigstens keine deutsche. Heinrich 111. Der Denar mit rechtssehendem Kaiserkopfe t I-EI N RI C 1MPER. Rf. 0 SCA MARIA und Christogramm (Taf. 111, 212~, den Cappe von diesem Kaiser in Hildesheim geprägt glauht, muss seiner niederländischen Fabrik halber von hier verwiesen werden (s. Nr. 1183a) und wahrscheinlich nicht minder seine Nr. 1098: 708) . . . . RICVS . . linksgekehrtes Brustbild des Kaisers. RJ. . . MAR.. . verschleiertes Brustbild der Jungfrau Maria. Cappe H. 1098. Da eine Abbildung fehlt, ich die Mtinze auch nie gesehen habe, so vermag ich kein sicheres Urtheil über sie zu fallen, muthmasse aber, dass Cappe das sichtlich sehr verwischte Exemplar gänzlich verkannt hat. Liest er doch auch auf der eben erwähnten Münze des Farver Fundes, wo Friedlaender die wenigen Schriftreste so wenig zu entziffern vermocht hat, als ich es im Stande bin, ganz dreist . . . EPCS.. [episcopus). RJ. .. . ..NES . M . . . (Hildinesemensis) und zwar, wie ich bemerken will, auf eben demselben Exemplare! Indess mag die Münze einstweilen hier stehen bleiben. 709. 709) I-EINRICVS IMPR bärtiges Brustbild des Kaisers. Rf. SCA MARIA Brustbild der Jungfrau Maria. - M. S. 1,ssGr. Aehnlich Cappe 1, 7. K. M. 1, Taf. XVII, 289. Hier ist Münzherr wie Münzstätte zunächst zweifelhaft. Dass es Heinrich IV nicht sein kann, wie Cappe meint, wird zwar schon durch das eben beganz ähnliche Gepräge von Konrad 11 sicher gestellt, aber ob diese schriebene, ganz gleiche Münze von seinem Vorgänger Heinrich 11, oder seinem Nachfolger Heinrich 111 herrührt, das ist weniger leicht zu entscheiden. Jenes ist Grotes Ansicht (Münzstud. 1, S. 358 Anm.), dieses Köhnes (Mem. St. Pet. III, S. 402) und Thomsens (Münzstud. 1, 358). Köhne beruft sich auf das Gepräge und die Schwere Gründe, welche, wie öfter gesagt, in dieser Allgemeinheit keine Beweiskraft haben Grote auf die Funde. Letzterer Grund wäre sehr gewichtig, wenn hier nicht, wie ich glaube, ein Irrthum mit im Spiele wäre ; von allen mir bekannten vor Heinrich 111 niedergelegten Funden hat kein einziger diese Münze geliefert, wogegen sie in den späteren, von Plonsk, Sandö, Berlin 11 und Piep vorgekommen ist. Damit dürfte die Frage zu Gunsten van Heinrich 111 jedenfalls bis dahin entschieden sein, dass etwa doch einmal in einem vor seiner Thronbesteigung oder Kaiserkrönung ;104R) vergrabenen Funde ein Exemplar angetroffen werden sollte. Taf.XXXI,

ileimich

111, Bischof Sernward,

Gothard.

245

h) Rischofsmiinzen.
Bcrnward (993-1922).
7lc)j BERNWARD EPS diademirter Kopf linkshin. RJ HILDE NESHEM Kreuz mit einer Kugel im zweiten und vierten Winkel. - M. 8. 1,32 Gr., I,% Gr. eKowal 3 ,ZJ Gr. Bl. f. Münzkd. 1, Taf. 1, 3 ‘). Cappe 11, 15. RJ. klllllIlllllllllMII~ 720~~. 710~~:t BERNWARD Pm , ebenso.

Taf.XXXI,

schwebendes Kreuz. - K. M. 1,3i Gr. Cappe II, Taf. 17. Taf. XXXI, 710 6. 71Ob) BERN WARD EPS , sonst ebenso. Rf. HILDENESEM im Felde drei Kugeln. Mbm. St. Pet. 111, Taf. IX, 23, danach Cabpe 11, Nr. 16. Mittheil. S. 235, Nr. 36. Alle diese Münzen, namentlich aber die zweite, schliessen sich genau an die des Sachsenherzogs Bernhard 1 an, und zeigen vermöge ihres aufgetriebenen Randes, eine gewisse Verwandtschaft mit den wendischen. Taf. XXXI, 711.
713) BERMWARD EPS Kopf rechishin. Rf. HILDEMESHEM

Kreuz. - K. M. 1,:s~ Gr. Nicht blos die Stellung des Kopfes, sondern auch die Kleinheit und grössere Zierlichkeit des Stempels unterscheiden diesen Denar von dem vorhergehenden. Er hat mehr Aehnlichkeit mit dem des folgenden Bischofs, durfte also junger sein als jener. Bernwards Namen wird in der Geschichte mit Auszeichnung genannt, sein Ruhm stammt nicht sowohl von seiner hohen Geburt aus einem mächtigen sächsischen Hause, als von seiner Gelehrsamkeit, und seiner Hebung in den Kiinsten, mit Recht wurde er daher dem jungen Otto 111 als Lehrer beigesellt. Auch die Kirche hat iha durch Heiligsprechung geehrt. Und in der Kunstgeschichte hat er sich einen Namen gemacht durch die ehernen Reliefthüren am Hauptportale des Domes ZU Hildesheim, sowie die in dessen Hofe aufgestellte eherne Christussäule, eine entfernte Nachbildung der Trajansaule , welche beide noch heute an ihn erinnern. 8. auch Mundburg. Gothard (1022-3038).
712) tGOD(EHAR)DVS EPS Kopf rechts. Rf. t HILDENES HEIM Mauer mit drei Thlir&en. - M. S. 1,31 Gr., 1~ Gr.,

1,~ Gr. K. M. 1 Gr. S. 235, Nr. 37. Bl. f. Berl. Bl. VI, S. 357. Mittheil. Mtinzkd. 111, Taf. IV, 60. Die auf dem einen Exemplare fehlenden Buchstaben EHAR werden durch das andere ergänzt. Taf. XXXI,
732~~. 712~~)tGODEHARDVS*3PS aber t HILDENESHEIM

Farve Taf.

derselbe Kopf. RJ. wie vorhin, rückläufig. - K. M. l,ZY Gr. 1, 2, danach Cappe 11, 38, Mem. St. Pkt. III, S. 421, Nr. 61.
11, S. !)ZT hebt es irrig, dass das Kreuz 1s*

1) Dort (S. 10) und in’den

Mihmstnd.

in jedem

Winkel eine Kugel habe.

276

Sachseu. Bildesheim.

So bestimmt auch Cappe die Ungenauigkeit der meisten Münzbeschreiber tadelnd *) versichert, dass der Kopf auf dies% Münze gekrönt sei, so bestimmt ist dies doch unrichtig, meine drei Exemplare, sowie das mir vorliegende des FarveFundes (jetzt im K. Museum) lassen darüber, dass in dem lockigen Haupthaare sich keinerlei Schmuck befindet, nicht den leisesten Zweifel bestehen; und in der guten Abbildung bei Cappe ist auch nicht eine Spur von einer Krone zu entdecken. Eben dasselbe bezeugt auch Thomsen (Münzstud. 1, S. 359)) indessen ist auf allen gedachten, sehr deutlichen Exemplaren von einer Tonsur, die er vermuthet, ebensowenig etwas zu erkennen. Dennoch wird der Kopf wohl der des Bischofs sein. Und aus dieser: mit solcher Sicherheit aufgestellten unrichtigen Behauptung leitet Cappc die Irrlehre ab, dass Godhards wie Bernwards Münzen kaiserliche seien, welche sie als l>Miinzbevollmächtigte« des Kaisers hätten prägen lassen, was er dann sogar zu einem allgemeinen Gebrauche ausdehnt, nach welchem die Bischöfe jener Zeit nur Aufseher oder Verwalter der kaiserlichen Münze gewesen seien. Hierfür spricht doch auch nicht das Allergeringste, eher liesse sich, wie es Grote auch thut, das Gegentheil verfechten, dass die meisten Kaisermünzen eigentlich bischöfliche seien (s. oben S. 5), Azelin (1044-1054). RJ. *A--X-I-A-V-I Taf. XXXI, 713. 713) t ACEL.. . . EPS Kopf rechtshin. viereckiges Gebäude. - Münzstud. 1, Taf. 28, Nr. 8. 713~) ACEL(I)NOE(pis). Rf. . . . NAI, sonst ebenso. Münzstud. 1, Taf. 28, Nr. 7. Vermöge ihrer Grösse stellen sich diese Münzen, wie die eben besprochenen der Kaiser Konrad 11 und Heinrich 111 als Zeitgenossen der breiten Denare von Halberstadt, Helmstadt: Magdeburg und Quedlinburg dar. Es werden wohl einob sie in Hildesmal deutlichere zu Tage kommen, welche uns dartiber aufklären, heim selbst oder etwa in Wienhusen (Huginhusen) geprägt sind. Die folgende ist wohl ein nur noch mehr entartetes Exemplar: 713b) Ebenso, aber . ..LBRE(P)... RJ .,.. X-I*A*V*I. Münzstud. 1, Taf. 28, Nr. 9. und Bischofsnamen.

c) Ohne KaiserTaf. XXXI;714.

714) t S = CAMAR(IA) verschleierter Kopf rechts. Rf. t HILDE NESHEI N Gebäude. . Cappe 1, 6. Mittheil. S. 235, S. 38. Berl. Bl. 11, S. 66.

Wegen der Aehnlichkeit mit dem Godhards-Denare wird auch diese Miinze in seine Zeit, schwerlich in die seines Nachfolgers Dietmar fallen, denn sie ist bei OsterLarskjer vorgekommen. Bald darauf treten die grossen Denare von Konrad 11 und Heinrich 111 auf, in deren Zeit auch die beiden folgenden, ihnen nahe verwandten gehören mussen : Taf. XXXI, 715. 725) (S)CAllAF.. verschleierter q-. . . . IARIA dreithtirmige I,IG Gr. Kopf der heil. Jungfrau linkshin. Kirche. Kopenhagen - M S.

1)

&uis tulerit Gracchos de seclitione querentes!

Azelin,

Anonyme.

~

Idundburg.

Bischof Bcrnwurd.

277

Das Gebäude der Rs. ist genau das der Godhards-Denare, und kommt sonst nirgends wieder vor: was in Verbindung mit dem Bildniss der Jungfrau Maria und der Fabrik den Hildcsheimischen Ursprung dieser Münze ausser Zweifel setzt. Die Umschriften scheinen auf beiden Seiten Sta Maria zu lauten, verrathen aber einen im Schreiben wenig bewanderten Stempelschneider. Noch mehr gilt das von einem zweiten Exemplare des Kopenhagener Museums, das etwa MEMA I . . . auf der Hf. trägt, während mein Exemplar. ANIARIA. 71?f.t ICIN . . IARIA hat. Alle diese Münzen haben übrigens, wie schon bemerkt, mit den gedachten Konrads und Heinrichs einerseits sowie der nächstfolgenden andererseits die unleugbarste Fabrikverwandtschaft. 716) ICI.. M. S. War das Gebäude der der vorliegenden Aehnlichkeit und unsere Nr. 716 merklich Stempelschneider gemein zu den angeblich Strassburgischen Taf. XXXI, 717. Taf. XXXI, 716. . .A verschleierter Kopf. &y. ANI.. . . Gebäude. 1,17 Gr. vorigen Münze denen Godhards entnommen, so hat das mit dem auf Nr. 7 14. In der Fabrik aber sind diese unterschieden, wogegen letztere mit Nr. 715 denselben haben scheint. Wahrscheinlich ist sie identisch mit Denaren Nr. 4488 -90 des Thomsenschen Kataloges.

717) . . . .A MARI . gekrönter (3) Kopf (der Jungfrau’?) rechtshin. . . viereckiges Gebaude. Rf. . . LDINE2H. Cappe, K. M. 1, Taf. XVII, 283. Hild. 1, 5. 717 r~) Ebenso, Kopf rechtsh., von einer Krone nichts zu erkennen. Rf. H(iljDINE2H. M. 8. 2,~ Gr. In Grösse und auch sonst dem Azelin (Nr. 713) sehr nahe stehend. I 718.

718) tNAI(HI?)2THAD: diadcmirtcr Kopf. Rf. HILDINE.. . - M. S. 1,:~ Gr. Berl. Bl. VI, S. 156. Nach Fabrik und Grösse Zeitgenossin der vorigen Münze und des Azelin. Da der Stadtname auf der R/ so deutlich, so kann auf der HJ, des Anscheins ungeachtet, nicht auch ein Ortsname genannt sein, wenn auch die Neustadt, an welche die Inschrift erinnert, lange als eigener Stadttheil von Hildesheim, mit abgesonderter Verwaltung, bestanden hat. Die Mtinze ist wohl Nachmünze, was in noch höherem Grade von den folgenden gilt. 718a) Ebenso, aber t NA.. . . THAD. RJ’ .AL.. . HEI . . . Mtinzstud. 1, Taf. 28, Nr. 10. 7196) Ebenso, aber . NA.. .2THAD. lt/ . .Al t.. . EA. N Munzstud. 1, Taf. 28, Nr. 12.

Taf. XXXI,

Mundburg,
Bischof Bernward (995- 1022). Taf. XXXI, 71!1. 719) t!ERNWARDPm Kopf linkshin. Rf. tMVNDBVRVC1 Kreuz. M. S. 1 Gr., ähnlich Grote 1,~:s Gr. 1,36 Gr. Mlinzstud. 11, Taf. 36, Nr. 9. Cappe S. 117, Nr. 10. Berl. Bl. 111, S. 37. Der Prägort, von Cappe in Lüneburg verkehrt, wo Bernward als kaiserlicher Münzverwalter habe pragen lassen (!) , von Köhne in einem Schlosse Hundsrück in

278

Sachsen.

Statie.

-

Bremen.

der Grafschaft Dassel vermuthet, ist von Brote (Mtinzstud. 11, S. 927) ermittelt. Er sagt : »Ueber MundbUrg C(astrum?) berichtet Tankward, der Biograph Bernwards (Monum IV, 761) : ubi flumina Alera (Aller) et Ovakare (Oker) confluunt, munitinnculam - extruxit ; und eine Urkunde Heinrichs 11 von 1013 (Origg. Guelf. IV, 435 ; Falke trad. Corb. 236) : Bernwardus - dicens, - sibi - jus castellum aedificandi, quod Mundburg vocatur, in ripa Alerae, permissum fuisse; und da nach dieser Urkunde diese Erlauhniss von Kaiser Otto 111 ertheilt gewesen ist, so fällt die Zeit der Erbauung der Burg in die Jahre 993 bis 1002. Die Oker fliesst, mittewegs zwischen Celle und Gifhorny von Suden her in die von Osten und Westen fliessende Aller, die hier die Gränze der Gaue Flotwide und Gretingen, beide zum Lande Ostfalen und dem Hildesheimer Bischofssprenge1 gehörig, macht. Der Mündungsstelle gegentiber, auf der Nordseite, liegt jetzt das Dorf Miiden, dessen Name an den der spurlos verschwundenen Burg alliterirt. - Ob der Name SO viel wie »Schutzburg« (Lüntzel, Gesch. d. Diüc. Hildesh. 1, 141) bedeutet oder sich auf die )lMlindung« der Oker bezieht? « Auch Giesebrecht (1, S. 631) erwähnt diese zum Schutze gegen die Vikinger angelegte Burg.

,

Stade,
720) HEINRICO gekrüntes Brustbild. &f. **i?TATHV Kirche. -- M. S. 0,s~ Gr. 0,86 Gr. K. M. 0,94 Gr. Köhne 111. S. 184, Nr. 29. Götz XXIV , 270. Cappe 1, Taf. XXII , 375. Cappe hat diese Münze nicht erkannt, sondern sie nach Mainz verlegt und Heinrich IV zugeeignet. Ich neige mich aber zu Köhne’s Meinung, der sie Heinrich 111 giebt. Aelter kann sie ihrem Gepräge nach ftiglich nicht sein. v) Gebäude. Rf. AGNV v> DEI Kreuz in den Winkeln. M. S. 0,96 Gr. K. M. 0,6 Gr. 0,~ Gr. Cl,55 Gr. 0,75 Gr. 0,~ Gr. 0,~s Gr. 0,89 Gr. O,%; Gr. 1,04 Gr. l,ol Gr. 2,04 Gr. l,i Gr. Farve, Taf. 1, 3. Cappe 111, Taf. VI, 81. Mittheil. S. 169, Nr. 53. Berl. Bl. 11, S. 61. Erzbischof Benzelin Alebrand von Hamburg und Bremen erhielt im Jahre 1038 das Münzrecht für Stade. Vorstehende Mlinze scheint dessen sofortige Ausübung zu bezeugen, denn in dem Funde von Farve, der bald nach 2038 vergraben sein muss, erschien sie zum ersten Male und gleich in 51 Exemplaren, was doch bei ihrer sonstigen Seltenheit darauf hinweist, dass sie kurz vor dessen Vergrabung geschlagen ist. Das Datum der beiden Funde, in denen sie mir ausserdcm noch vorgekommen (Oster-Larskjer und Berlin 1) steht damit im Einklange, ersterer ist mit dem von Farve gleichaltrig. Was das Gepräge anlangt, so setzt Friedlaender mit überzeugenden Gründen das Wort piscis zu dem Kreuze in Beziehung, und erklärt es durch den Nachweis, dass es eben nur als TJebersetzung des griechischen ixS&s aufzufassen sei, welches auf altchristlichen Denkmälern statt der Formel ‘1yoCs XeLaz& 3~06 viOs
721) w TATHVCIVITA mit Pl-S-Cl-S

Taf. XXXI,

720.

Taf. XXXI,

721.

t

* $7

2i9

Z. 3 Y. n. ist hinter u&nellen wären« einzuschalten: IIeinrich 11.

(s. auch S. 30).

279

deren Anfangsbuchstaben es begreife, unzählige Male vorkomme. Es scheint diese Erklärung der ferner vorgeschlagenen, piscis auf den in der Niihe der Stadt bliihenden Fischfang deutenden, vorzuziehen, denn ein so profaner Gedanke würde schlecht zu dem Kreuzt und dem Agnus Dei passen, das mit dem piscis nach ersterer Annahme durchaus gleichbedeutend ist, und in ähnlicher Weise, wie hier piscis in religiösem Sinne, finden sich auch sonst Inschriften bei dem Kreuze, z. B. vita auf Fuldischen Münzen derselben Zeit, lux bei einem strahlenden Kreuze auf einem Styca des Königs Ecgfrith von Northumberland (Ruding num. of the coins of Gr. Br. Taf. 28) u. s. w. Wenn übrigens Friedlaender die Namensform Stathu aus Urkunden nicht nachzuweisen vermochte, sondern nur bis zu dem ganz ähnlichen Stethu gelangte, so kommt uns jetzt Foerstemann zu Hülfe, der ausserdem noch Statho, Statha, Stadun, Stadea a,nfiihrt (11, 1309). Dass darunter keiner der andern gleichnamigen, aber ganz unbedeutenden Orte (bei Leeuwarden, bei Strassburg und in Mittelfranken) zu verstehen ist, liegt auf der Hand; alle diese werden durch die Fabrik ausgeschlossen. Die Farve, S. 30, Nr. 23 , Cappe 111, Nr. 483, als Oho1 beschriebene Miinze ist wohl nur ein etwas zu leicht ausgeprägter Denar; die beiden Exemplare befinden sich im hiesigen K. Museum, sind vom Stempel der Denare und wiegen 0,s Gr. und 0,~ Gr., schliessen sich also als wenig unterwerthig an die übrigen, von 0,~s bis 1 ,i Gr. wechselnden, Denare. Solche bedeutende Gewichtsabweichungen sind ja in dieser Zeit sehr häufig (s. S. 11).
owmjp,

Bremen.
Heinrich Taf. XXXI, 722. 11 (1002-3024,

**
Kaiser seit 1014).

722) t H . INRICI-M Kopf linkshin. Rf. BREk. - Dr. Brote A 1 ,i Gr. (Maders Exemplar.) Mader 1, 48. Götz 233. Lelewel XVIII, 32. Bl. f. Münzk. 1, 18.

723) t EINRI - CIM Kopf rechts. Rf. Ebenso. K. M. 1,05 Gr. und (mit rückläufigem BR. . .j 0,8gGr. M. S. 3,12 Gr. 1,~ Gr. Berl. Bl. IV, Taf. 49, Nr. 14, ähnlich Farve Taf. 1, 1. Mem. St. Pkt. 111, Taf. X, 3. Nr. 722 hat ganz den Kopf wie die Corveier und Dortmunder Denare; da letztere sicher von Heinrich 11, so kann auch unsre Mtinze nur von ihm sein, wie denn auch ihr hoher Rand auf diese Zeit hinweist, und würden also Mader, Brote, Lelewel und Köhne gegen Götz und Cappe Recht haben, welche sie an Heinrich 111 geben. Letzterer bestreitet auch das klare sancta Brema, weil sich nirgends ein Beweis fände, dass Bremen sancta genannt werde. Als ob nicht die Münzen für die meisten, sie betreffenden Thatsachen , alleinige Quellen wären!%ebrigens bemerkt Mader von Nr. 722, dass dem H ein E angehängt zu sein scheine, eine Vermuthung, welche durch Nr. 723 9och wahrscheinlicher wird. **
279 In Junglr, die Bremischen Münzen (Bremen f Xf. BREM (Obol? 0,45 Gr.) A
1875)

Taf. XXXV,

723.

Taf. 1,

4

ist abgebildet:

HEIN

-. . .

Kreuz

280

Sachsen.

Bremen.

Unbestimmt.
Taf XXXI, 724. 724) BREMENSIS
RJ VRBS (rückläufig) diademirtes Brustbild rechts. . . . MORAO . . I I6lL schwebendes Kreuz in einem Per-

lenkreise, von welchem aus nach den Kreuzeswinkeln vier Spitzen ausgehen. - K. M. 1,ol Gr. Berl. Bl. IV, Taf. 49, Nr. 15, ähnlich 11, Taf. XIV, 11. Das Miinzrecht erhielt das Stift schon im Jahre 888 l) und später 966 (Erzbischof Adeldag). Die vorstehende Münze könnte also sehr wohl erzbischöflich sein. Aber ein Name lässt sich in der Inschrift, von welcher das andere Exemplar (Berl. Bl. 11, Taf. XIV, 11) . . EIIORAO . . zeigt, nicht erkennen. Sie gehört aber, da sie bei Oster-Larskjer gefunden ist, wohl in die Zeit des Erzbischofs Hermann (1032-35) oder Libentius (Liavizo, 1029 - 32). Zu bemerken ist übrige&, dass sie den hohen Rand der vorigen Denare nicht hat; auch in Hildesheim haben ihn ja nur die Denare von Bernward, nicht die seines Nachfolgers Godehard. Den Denar mit -iVlCTVS CAEAR. Rf. Christogramm, der möglicherweise hier geprägt ist, sehe man unter den unbestimmten (Nr. 1190).

Minden.
Taf. XXXII, 725.
725) MI ND* A 0 111 Kreuz mit einer

Kugel

in jedem

Winkel.

f
Rf. OLANI,

neben dem A auf jeder Seite eine Art Kleeblatt.

- Dr. Grote. Eine Münze, deren Wichtigkeit ihrer Seltenheit gleichkommt, denn sie hilft uns eine Reihe anderer ohne Stadtnamen bestimmen, welche neben dem Kölner Monogramm dieselben Münzzeichen tragen, und tiberhaupt von ganz derselben Fabrik sind. Davon ist bereits S. 155 die Rede gewesen, wo diese Mlinzen nur des bessern Auffindens halber unter Köln aufgeführt sind. Heinrich Taf. XXXII,
726.

111.
REX

bärtiger Königskopf linkshin. Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. - K. M. 1,:s~ Gr. M. S. Cappe 1, Taf. XXI, 3, 4. Köhnc 111, 8. 183, Nr. 26. Taf. XXXII, 727. 727) t HENRICVS REX ungekrönter bärtiger Kopf. Rf. wie vorher. - Cappe 1, Taf. VIII, 127. MBm. St. P&. 111, Taf. X, 6. Minden lässt sich in den Urkunden unter der Form Minteona nicht nachweiSen; Foerstemann ftihrt (11, 1029) Mimida, Minida, Mimda, Minda, Mindo, Mindun und selbst Mirmidona auf, und es kann sonach wohl die Frage entstehen, ob das
726) t HEINRICVS Rf. tMINTEONA MINTEONA auch wirklich unser Minden an der Weser oder nicht vielmehr einen
nnmornm et negotiandi nsnm in eodem loco Brema

1) BjSnper haoc etiam ipercussnram

nnncupatofieri pfxmittimus, sicut dndum ecclesiac ejusdem reotoribns in Hamapnrg conccssnm fuisse, sed proptor inf’estationcm paganorum (nunc inibi) essenon possccomperimns.sitqnein potestate episcopi provisio ejnsdem mercati cum jnre telonii (1- Bromisches Urkundenbuch Nr. 7.

Mindon.

Heinrich

111.

281

andern Ort ähnlichen Namenslautes bezeichnet. In den numismatischen Werken, in denen iibrigcns von diesen Miinzen noch nicht lange die Rede ist, hat man sich Unbesehens fur Minden entschieden, Mooyer aber hat (Westfäl. Prov.-Bl. IV: S. 30) die Sache genauer in Erwägung genommen, und glaubt unsre Münzen nicht in Minden, sondern in Menden an der Ruhr oder Menden an der Sieg geprägt, eine eigentliche Begründung seiner Ansicht bleibt aber auch er schuldig. Was sich gegen Minden sagen lässt, ist bereits angedeutet : der mangelnde urkundliche Nachweis der Namensform Minteona. Ebensowenig kommt letztere aber nir die beiden von Mooyer vorgezogenen Orte vor, von denen jenes Minithinne, Menethe, dieses Menethene, Menethon, Menedon; Menedene und Mendene genannt wird. Auch der fernere, sprachlich vielleicht gerechtfertigte, numismatisch aber nichts bedeutende Zweifel, ob denn das d statt in th, auch in t hat ubergehen können *), kann hiernach gegen Minden nicht geltend gemacht werden, denn eben dieser Umstand wtirde Menden nicht weniger als Minden treffen. Eher noch könnte man es bedenklich finden, dass Nr. 726 nicht blos einem Dortmunder, sondern auch einem Andernacher Denare (des Herzogs Theodorich, Nr. 443)) und Nr. 727 wieder einem Dortmunder und einem Kölner Denare desselben Kaisers so ausserordentlich ähnlich sind, und könnte daraus herleiten, dass das diesem Orte näher gelegene Menden (a. d. Ruhr) grössere AnsprUche auf diese Münze hat! als das entferntere Minden. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass die zuerst beschriebene sicher Mindische Münze mit dem Kölner Monogramme den entschiedensten kölnischen Einfluss bezeugt, ferner aber auch, dass Fabrik-Aehnlichkeit oder Gleichheit, bewirkt vielleicht durch Stempelversendung oder durch die grössere oder geringere Entfernung zweier Umzug des Stempelschneiders, Orte von einander nicht nothwendig bedingt ist. Wägt man dann noch die Bedeudas als tung beider Städte gegen einander, so neigt sich die Wage zu Minden, Bischofssitz die Orte Namens Menden an Wichtigkeit weit hinter sich liess. Auch die Frage, welchem Heinrich unsere Denare gehören, ist nicht ganz leicht zu beantworten; und in der That hat Cappe den letzteren an Heinrich V gegeben. Aber hier entscheidet die ausserordentliche Aehnlichkeit mit den erwähnten Kölnern und Dortmundern zu Gunsten von Heinrich 111, und gegen eine Zutheilung des ersten Denars an Heinrich 11 spricht der Umstand, dass, soviel mir wenigstens bekannt, derselbe in Funden aus dieses Kaisers Zeit noch nie vorgekommen ist, wogegen er z. B. bei Plonsk und Schwarzow erschien. Taf. XXXII, 728. 7%) NO(E?j . . . . VCMO sitzender Münzer (mit Hammer und BJ t MINT(EON)A wie vorher. Stempel 7) linkshin. Thomsen “) 6479, 80. Köhne 111, S. 183, Nr. 28 (der nach demselben Exemplare M . . . VCMO angiebt). Taf. XXXII, 729. 729) t MVRE . . . . . (oder t HVRL) rückläufig. Aehnliche Vorstellung. Rf. . . . NA Kreuz wie vorher. - Kopenhagen. Taf. XXXII, 730. 730) HEN.. . . . . . zwei Männer, von denen der eine in der rechten Hand eine Münze (“/) betrachtend hält. Rf. t MNTE ON . . Dasselbe Kreuz. - K. M. O,os Gr.
1) Es sei hier nur an das Paterbrunnuu, Hadonis, Ratispona und Radaspona, namentlich aber das Deodericus, Teoderjcus, Oddo und Otto erinnert. 2) Das auch von Köhne benutzte Thomsensche Exemplar liegt mir in galvanoplastischer Kopie vor, die ich Hrn. J. R. Herbst verdanke.

282

Sachsen.

Minden.

j

aber ERIMv>. . . ~Kf. +. . . . . NRH. Bl. f. Münzk. 11, Taf. XV, 220. Die Vorstellung der ersten Mtinze (Nr. 728) erklärt nicht nur die gleiche, nur weniger deutliche der zweiten, sondern auch die verwandte der dritten Münze dahin, dass hier einer der beiden Mtinzer (der Wardein’?) die eben geprägte Münze besichtigend in die Hand nimmt. Eine ähnliehc Darstellung auf Münzen ist mir nur aus Russland bekannt, wo Boris, Fürst von Twer (1428-61) das Gepräge eines sitzenden Münzers, der mit dem Hammer auf den Stempel schlägt, anwandte (Reiche1 1, 3844, Tsohertkoff Taf. IX, 1). Das höchst merkwtirdige und fast beispiellose Bild unserer Münzen 1) veranlasst , nach dessen IJrsache zu fors hen. Liesse sich nachweisen, dass, so wie noch heut zu Tage im Englischen m@r $4 en Mtinzhof bezeichnet, und wie es im Angelsächsischen und Altnordischen, im heutigen Dänischen und Schwedischen der Ausdruck fur das Fabrikat, die Munze, das Geld ist, so auch dieselbe Wortform damals in der sächsischen Mundart Geltung gehabt, so wäre unbedenklich ein Zusammenhang zwischen dieser Darstellung und dem Stadtnamen anzunehmen. Möglich aber auch, dass letzterer an den berühmten Schmidt Mime erinnert, den Lehrer des in der Dietrichssage gefeierten Schmiedekünstlers Wieland, der sein Schwert nach ihm Mimung taufte. Ob Nr. 728, wie Köhne meint, den Namen des Mttnzmeisters hat, was der Schluss MO fast glauben lässt, ist zweifelhaft. Weitere MUnzen von Minden, das ja auch im späteren Mittelalter nur wenig geprägt hat, sind nicht bekannt, namentlich nicht mit Namen der Bischöfe z), die doch schon 976 in Besitz des Münzrechts gelangt sind. Es sind aber hier die folgenden beiden Münzen anzuschliessen, deren Gepräge sie zu den oben beschriebenen in die engste Beziehung setzt. 731. 731) t ZIDIIVHRTDAOM sitzender Münzer, eine Waage haltend. .EJ t RVWHOV(fl3MSSCl) neben einem Bischofsstabe zwei unbekannte Geräthschaften. - M. S. 1,07 Gr. Taf. XXXII, 732~. 734a) Aehnlich, aber . . . . RTDAO. Bf. t 3.. . . . IDN. -Kopenhagen. Beide Denare stammen aus dem Clemensker Funde, der etwa um 1050 ver,graben ist, sind also Zeitgenossen der vorstehenden, denen sie sich vermöge ihrer Vorstellung anzureihen scheinen. Das Motiv zu derselben ist wohl ebenfalls der Münzschmiede entnommen. Ganz klar ist das zwa,r nicht, beim ersten Blick denkt man an einen Fischer, wie ein solcher wirklich auf einer ähnlichen Kölner Mlinze (Nr. 372) abgebildet zu sein scheint. Aber Fische angelt unser Mann doch entschieden nicht ; was er handhabt, ist nicht leicht zu sagen, fest steht aber doch, dass es zwei Gegenstände von gleicher Gestalt sind. Das schliesst jeden Gedanken an Fischfang aus, bringt uns aber in natürlicher Gedankenfolge auf eine Waage. Anscheinend derselbe Gegenstand ist auf der Bf. wiederholt, nur in einer Art Einfassung, so dass er fast wie ein Glockenstuhl mit Glocke aussieht. Oder sollte diese
1) Aehnliche Darstellungen auf Reliefs, Glasbildern und Siegeln Taf. XX, 1846 S. 36i, Mittheil. d. num. Ges. zu B. S. 133 und in Schive’s 2~ Ueber den Henricus RJ Sibertu, den Voigt (numi Germ. med. (1022-36), Leitzmann (num. Z. i3, S. 26) nach Verden (1046-60) legt, naucrer Beschreibung nicht urtheilen. Grote (Münzstud. V, S. 53) ignorirt * x :: S. 282, Zeile 11 v. 0. lies mint statt mynt. s. Rev. numism. 1840 norske Mynter. aevi. 18) nach Minden lässt sioh Mangels geihn.

Taf. XXXII,

736a. 736n) Aehnlich,

Taf. XXXII,

Heinrich

111. -

IIerford.

283

auf der Bf. wirklich dargestellt sein. q Die Perlenkette, welche von der Basis ausgeht, und als Strick angesehen werden könnte, l%sst das immerhin als möglich erscheinen, und zu dem Krummstabe, welcher auf die bischöfliche Stadt geht, würde das eher passen, als Münzwerkzeuge. Wie es sich aber auch mit der RS. verhalte, so dürften doch jedenfalls beide Munzen den Minderischen anzureihen sein, welche uns sonach den Münzer in dreifacher Thätigkeit zeigen: 1) hier, das Metall (oder die geprägten Münzen?) wägend, 2) beim Prägen selbst (Nr. 728 und 729), 3) sein Werk beschauend (Nr. 736 und 730~). Etwas befremdend bleibt dabei freilich die grosse Aehnlichkeit dieser Denare mit dem erwähnten Kölner; sie zu erklären, bieten sich verschiedene Wege : entweder hat derselbe Stempelschneider in Köln und Mindcn gearbeitet i oder MINTEONA ist in der That nicht Minden, sondern ein näher an Köln gelegener Ort, oder endlich die Kölner Münze. ist nicht in Köln selbst gcpragt, obwohl die Kölnisobe Fabrik hier ziemlich erkennbar scheint. Jedenfalls haben wir hier eins der interessantesten Gepräge, über welches die Akten noch nicht geschlossen sind, die Zukunft wird uns hoffentlich durch weitere Entdeckungen die noch fehlenden Aufschlüsse bringen, wie ja die meisten der hier besprochenen Gepräge dieses Kreises bisher unbekannt waren und erst der jlfngsten Vergangenheit zu danken sind.

Herford.
Dunkel ist die älteste Geschichte dieser Abtei, lückenhaft die Folge der Aebtissinnen bis zum Ausgange des XI11 Jahrhunderts. Die Gründung dürfte im Jahre 790 stattgefunden haben. Ihre Münzen sind von Cappe zusammengestellt, aber in gänzlich ungenügender Weise, namentlich hat er bei ihrer chronologischen Einreihung die unglaublichsten Verstösse gegen die bekanntesten Stylgesetze begangen, und während die ältesten dieser kleinen dicken Denare (Wewelinghöver) nicht über die Zeit des Münstersehen Bischofs Ludolf von Holte (1226- 48) hinaufreichen, hat Cappe andre, sogar noch jüngere bis zu der 1004 und 1012 genannten Aebtissin Godesta hina&usetzen sich erlaubt. 1) Eine Widerlegung dieser weder durch irrthümliche Lesung noch durch irgend einen erörterungsfghigen Grund gestützten, ganz willkührlichen Bestimmung wird man nicht verlangen ; ,Jeder, der mit den westfälischen Münzen des Mittelalters auch nur oberflächlich bekannt ist, wird auf den ersten Blick erkennen, dass die fraglichen Denare (mit sitzender Aebtissin!) etwa 300 Jahre jünger sind. Bisher also hatten wir keine vor dem XI11 Jahrhundert geschlagene Hervorder Mtinzen aufzuweisen, obwohl wir die Abtei schon 974 in Besitz des Münzrechts sehen. Sehr interessant ist daher der folgende etwa zwei Jahrhunderte ältere bisher unbekannte Denar : Taf. XXXII, 732. 732) t N . . . . .ANIVS bärtige) Kaiserkopf mit Kreuzscept.er, linkshin. RJ t HERCVO.. , Gebäude, in welchem ein Kaiserkopf (Thomsen 6294). *

1) Auch Leitemann (Wegweiser S. 144) lässt die Hervorder Münzen noch unrichtig mit dem XI1 Jahrh. beginnen; dass ihm der nachstehende. oder andere unedirtc ddbci vorgeschwebt, erhellt keinesweges. *

,, 283 >,

4 v. u. ,,

6249 statt

6294.

284

Sachsen.

Hcrford.

-

Corvei.

Leider lässt sich die Inschrift der Hf. nicht mit Sicherheit feststellen, Hr. J. B. Herbst liest t MLS . . . IVS und im Thomsenschen Kataloge wird t N RCN . . . VANV angegeben, ich, der ich Hrn. H. eine galvanoplastische Kopie verdanke, möchte die obige Lesung vorziehen. Deutungsfähig ist so wenig die eine als die andere Inschrift, auch auf Heremanius (rex) wage ich sie nicht zu beziehen. Weniger zweifelhaft scheint es mir aber, dass die Mnnze in Heinrichs IV Zeit gehört, nicht nur erinnert das Gebäude sehr an das auf dem Corveier Denar Nr. 738, des Abtes Marquard (1082 - 1106), sondern der Kopf der Hf. hat auch grosse Aehnlichkeit einerseits mit den Dortmundern Nr. 760 und 761, anderseits mit dem Goslarschen (Nr. 674) Darum wird man aber den unbärtigen Kaiserkopf 1) der Rf. nicht dieses Kaisers. auf Heinrichs IV Sohn beziehen dürfen ; derartige Darstellungen haben wohl mehr einen allgemein symbolischen Charakter.

Corvei
ist eine bekannte Stiftung Ludwigs des Frommen, von dem Abte des BenediktinerKlosters Corbie (in der Picardie) ursprtinglich zu Ertha gegründet, dann aber wegen des rauhen Klimas dieses Ortes, in das schöne Weserthal nahe bei Huxori (Höxter) verlegt, wo bald um das Kloster ein blühendes Städtchen, zum Unterschiede von der Mutterkirche auch Corbeia nova genannt, erwuchs. Der fromme Kaiser übergab der Abtei die Kirche zu Heresburg (Marsberg) , sowie Meppen und Volkmersen, und verlieh dem Abte Warinus die Einkunfte der 833 zu Corvei angelegten Munze.2) Auch die folgenden Kaiser bewahrten der Abtei ihre Gunst, Ludwig das Kind ertheilte ihr (900) das Münzrecht in Horohusen, Otto 1 (945) zu Meppen (bestätigt 946, 973, 1025 u. S. w.) und Konrad 111 (1150) das zu Heresburg. Es ist eine ziemliche Reihe sämmtlich seltener Gepräge aus dieser Zeit bis auf uns gelangt, theils mit Kaiser: oder Abtsnamen, theils ohne solche. a) Kaisermünzen. Heinrich 11 (1002-1024, Kaiser seit 1614). 733. 733) HENRICVS REX Kopf linkshin. h?J X CORBEIAU, Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. - K. M. 1,~ Gr. (Cappe’s Exemplar 0,oo Loth) . Cappe K. M. 1, Taf. VI, 84. Westfal. XIII, 34. Cappe giebt diese Münze freilich an Heinrich 111; eine Vergleichung aber mit der ganz ähnliehen Dortmunder, welche auf der Rf. Otto (111) nennt (Nr. 746), und daher nur von Heinrich 11 sein kann, widerlegt ihn ; beide Münzen sind sich im höchsten Grade ähnlich , es scheint derselbe Stempelschneider in beiden, etwa 18 Meilen von einander entfernten Städten gearbeitet zu haben. Auch Köhne (Mem. St. Pt%. 111, 423) neigt sich mehr auf Heinrichs 11 Seite. Taf. XXXII,
1) Irrig beeeichnct der Thomsensche Katalog den Kopf als »ti%e mitr6ecc. Regesta hist. Weatfaliae etc. hcrausg. v. Erhard, dipl. 8. - Ueber die bestrittene Aechtheit dieser und anderer Münzverleihungen aus karolingischer Zeit s. Soetbeer in den Forschungen zur deutschen Geschichte IV, 29.
2j

Heinrich

11, Abt Ruthsrd.

285

Konrad 11 wird von Cappe (Westfal. S. 109) mit dem zuerst von Plato (Sendschreiben Nr. IG) veröffentlichten ,Denare (t SANCTVS VITVS Kopf in vierbogiger Einfassung. Rf. QVRBEIIA QIVIT3 langes doppelliniges Kreuz in gleicher Einfassung) bedacht, den er ihm deshalb beilegt, weil er den englischen Pennies Knuts d. Gr. nachgeahmt ist, und dieser ein Zeitgenosse Konrads war. Diese ThatSachen sind zwar unbestreitbar, auch Madern (V, S. 112) nicht entgangen, ebenso unbestreitbar ist aber auch, dass diese Mtinze etwa zwei Jahrhunderte jlinger ist, als das Urbild. Der Schriftcharakter beweist dies unwiderleglich, und Cappe hätte, auch wenn er sich durch Mader und Köhne (Zeitsehr. 111, 180) nicht warnen lassen wollte, sich doch erinnern sollen, dass das geschlossene Cl und B[ im XI Jahrhundert unerhört ist. He in r ic h 111 soll zufolge Cappe (Westf. S. 110) hier ip Corvei die vielbesprochenen Münzen mit der Hand haben schlagen lassen, die Andre ftir Salzburgisch halten. Man findet sie unter Esslingen aufgeführt (Nr. 951).

b) Münzen mit Abtsnamen.
Ruthard (1046-1050). 734. 734) HEINRICREX Kreuz mit langem Fusse, in ,jedem Winkel eine Kugel. Rf. ROTHARDVS auf breitem Kreuze, in dessen Winkeln . ABAS. - M. S. 1,1 Gr. 1,51 Gr. Köhne V, Taf. VIII, 12. Mittheil. S. 233, Nr. 31. Berl. Bl. VI, S. 270. Diese Münze, obwohl noch nicht lange bekannt, hat doch schon ihre Litteratur ; ausser mir haben Herquet , Grate, Köhne und Thomsen sich mit ihr besohäftigt. Köhne, der sie zuerst beschrieben, hat sie einem Fuldaer Abte dieses Namens (1075-96) gegeben, ohne der Existenz des gleichnamigen Corveiers zu gedenken. Herquet (Mem. St. Pi& 1, 178) ist ihm einfach beigetreten, und auch ich habe mich (Mitth. S. 233) für Fulda entschieden, weil mir für die nur vierjährige Herrschaft des Corveiers zwei Münzen von ganz verschiedenem Gepräge zu viel schienen. Thomsen hingegen (Mbm. St. Pkt. 111, 242) hat für Corvei gestimmt, während Brote (Mtinzstud. 11, S. 931), ohne eine eigne Meinung an die Stelle zu setzen, seine Zweifel nach beiden Seiten hin geltend gemacht hat. An Grtinden werden von Köhne (MBm. St. Pkt. 111, 423) und Thomsen Fabrik und Schwere vorgebracht; aus denselben Thatsachen also ziehen beide entgegengesetzte Sehhisse! Mit dem Argumente des Gewichts nehmen es Beide etwas leicht, denn sie geben das Gewicht weder dieses Denars, noch des ihm als tertium comparationis gegentibergestellten sichern Corveier Rothards an. Und wenn sie es auch thäten , so würde doch kaum etwas daraus zu folgern sein, weil das schwankende Gewicht der einzelnen, so verschieden ausgebrachten Mtinzen nie entscheidet, sondern nur das durch Wägen einer grössern Anzahl gewonnene Durchschnittsgewicht. Eine solche grössere Anzahl Exemplare dieser seltenen Mtinzc wird aber schwerlich Jemandem zur Hand sein. Also von diesem aus dem Gewicht entnommenen Grunde werden wir absehen müssen. Zwei andere Grunde aber veranlassen mich, jetzt, nachdem sie mir zur Kenntniss gekommen, für Corvei zu stimmen: erstens das Vorkommen dieses Denars nicht Taf. XXXII,

,

286

Xachscn.

Corvei

nur in dem Plonsker Funde, der wahrscheinliehst um 1065, also zehn Jahre vor der Wahl des Fuldaer Ruthard verscharrt ist, sondern sogar in dem noch fruher, etwa mit dem 1050 vergrabenen Schwarzewer Schatze, und sodann seine Gleichheit sicheren, unten beschriebenen Corveier Ruthard. Letztere ist zwischen den mir früher bekannt gewordenen Exemplaren allerdings weniger wahrnehmbar, sehr gross aber und augenfallig bezuglieh der Exemplare des Kopenhagener Museums, und daher von Thomsen hervorgehoben und zur Grundlage seiner Entscheidung gemacht. Sehr mit Unrecht wird dagegen geltend gemacht, dass der Corveier Ruthard mit keinem Heinrich als König gleichzeitig gelebt habe (Münzstud. 11, 931, Num. Zeitg. 1858, S. 54) ; zwar war das Antrittsjahr dieses Abtes auch das der Kaiserkrönung Heinrichs HL, aber letztere erfolgte doch erst am Weihnachtstage 1046, während Ruthard schon am 23. Februar zu seinem Amte gelangte, also bis zum Bekanntwerden der Krönung fast ein ganzes Jahr zur Prägung dieses Denars Zeit hatte. Und nicht unbemerkt kann daneben bleiben, dass derselbe, wenn auch auf den ersten Blick ziemlich abweichend, doch in zwei Punkten seine Verwandtschaft mit dem spätern Gepräge Ruthards verräth : einmal in der seltenen Abkiirzung des Namens Heinrich und sodann in dem in Kreuzesform geschriebenen Namen, nur dass das Curbia des spätern Denars ohne das Kreuz erscheint- Es können uns danach wohl kaum noch Zweifel bleiben, und nur der Vollständigkeit halber mögen die Zweifelsgrunde, welche Grote gegen beide vorgetragene Ansichten anfiihrt, noch gemustert werden. Er betont, dass die Schrift auf einem Kreuze auf diese Art nur auf den Denaren Heinrichs von Baiern (1017 - 26), seines Nachbarn Bruno von Augsburg (1006 bis 1029) und Herzogs Dietrich von Lothringen (984- 1026) vorkomme, und ferner, dass das umkugelte Kreuz dieser Art ausserdem zu Heinrichs IV Zeit nicht bekannt sei. Auf das erste Bedenken, abgesehen davon, dass dabei der angeblich Wetzlarsche Denar Cappe, K. M. 1, Taf. XVII, 280, (hier Nr. 1161) libersehen zu sein scheint, ist Folgendes zu erwidern. Soll dasselbe tiberhaupt einen Werth beanspruchen, so ist stillschweigende Voraussetzung, dass die fraglichen Gepräge mit Schriftkreuz von einander kopirt oder doch das eine unter dem Einflusse des anderen entstanden sind. Es ist nun aber gar nicht abzusehen, weshalb der Stempelschneider Ruthards nothwendig das Schriftkreuz der oben angeftihrten Denare nachgeahmt haben sollte ; hatte er dies gethan, so würde er doch schwerlich dabei stehen geblieben sein, sondern würde auch die andere Seite nachgeahmt haben, gerade wie solche völlige Nachahmung hinsichtlich der Regensburger und Augsburger Denare unzweifelhaft vorliegt. Selbstständig steht auch, wie es scheint, der Andernacher da, wie sich aus der bei aller Uebereinstimmung doch vorhandenen Verschiedenheit schliessen lässt. Für die Selbstständigkeit des Corveier Stempelschneiders spricht aber recht eindringlich und überzeugend auch der Umstand, dass dasselbe Schriftkreuz auch ausserhalb Deutschlands und in ganz verschiedenen Zeiten bekannt ist, so in Spanien, wo wir es in Besalu in Catalonien 1) , und in England, wo wir es beim Erzbischof Ceolnoth von Canterbury und den Königen Ethelwulf und Aethelbeahrt finden. 2) So wenig man eine Wechselwirkung zwischen diesem und den von Grote angezogenen deutschen Denaren behaupten wird, ebensowenig muss unser Denar nach einem 1) Heias: dem. de las monedas hispano-cristianaa Taf. 89 Nr. 2 und 3.
2) Ruding XIJI, 1, XIV, 2, XVI, 1 und 2. Suppl. D 2: und 2ö.

Bnt,hard,

Arnold

1, Swacho.

287

Muster dieser geprägt sein, und will man dennoch durchaus darauf bestehen, so sehe ich auch nicht, warum denn in Corvei nicht einer der vor 20 bis 30 Jahren in Andernach, Augsburg oder Regensburg geschlagenen Denare, namentlich einer der letzteren noch jetzt so häufigen, hätte kopirt werden können. Noch weniger verstehe ich, welche Bedenken selbst bei einer Zutheilung an Fulda das Kreuz der Hf. erregen kann, denn umkugelte Kreuze kommen doch zu derselben Zeit, wie überhaupt im ganzen Mittelalter, mannigfach vor; soll aber das Bedenken Erregende etwa in dem langen Fusse dieses Kreuzes liegen, so ist zu entgegnen, dass solches in unsrem Zeitraume ausserdem überhaupt nicht erscheint, man würde also, wenn dieses Argument überhaupt eine Bedeutung hätte, diese MUnze auf Grund desselben ganz aus unsrer Zeit verweisen mlissen. Aber gerade dieses Kreuz der HJ spricht doch recht laut für die Originalität des Stempelschneiders, der also fremder Vorbilder nicht bedurfte, um zu dem Schriftkreuze der RJ zu gelangen, und sehen wir alle folgenden Corveier Münzen an, mit Ausnahme des sicher nur aus merkantilen Rücksichten den Kölnern nachgebildeten Nr. 739, so finden wir, dass sie sämmtlich selbstständige, saubere Typen haben, welche für die Geschicklichkeit und den Erfindungsgeist der Corveier Münzer beredtes Zeugniss ablegen. Nach Vorstehendem halte ich den Streit, der nur zwischen Corvei und Fulda schwebt, wo allein Aebte des Namens Rothard vorkommen, zu Gunsten der erstern Abtei für entschieden und Grotes Verdikt gegen den einen wie den andern ohne Nachweis eines dritten Rothard flir durchaus unberechtigt. Taf. XXXII, 735. 735) tHEINRI& IMP Kreuz. RJ t ROTHARDA-B, C IaR (d. h. Curbia). - K. M. 1,4u Gr. 3,06 Gr.
B

im Felde

Bl. f. Münzk.

11, Taf. XVI,

222.

Arnold 1 von Falkenberg (1051-1055). Taf. XXXII, 736. 736) Ebenso, aber Rf. t ARNOLD A-B. Bl. f. Münzk. 11, Taf. XVI, 221. Köhne, N. F. XII, Dieser Denar ist dem vorigen bis auf den Namen vollkommen gleich. Saracho,

11.

von Rostorf, (1056-1071). ab) AS COR bärtiger Kopf mit Tonsur und Diadem, einen Krummstab haltend, linkshin. RJ + ODDO t IV(PI N) G flaches bis an den Perlenrand reichendes Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel, an der im ersten Winkel sich zwei Strichelchen befinden, wie auf den Soestern. Köhne, N. F. XII, 12. Eine an Wichtigkeit unübertroffene Mtinze. Ihr grösster Werth besteht darin, dass sie Zeit und Gegend einer grossen Anzahl von Kölnischen Nachgeprägen feststellt, welche dieselbe Rf., aber auf der andern Seite das Kölner Monogramm haben. Dann in dem bemerkten Soester Zeichen, von dem es danach scheint, dass es die Kölner Nachprägungen überhaupt zu kennzeichnen bestimmt war, denn es findet sich auch auf dem ältesten Paderbqrner Denare (Nr. 741). Ferner ist bemerkens: werth i dass dem Titel auch der Name des Stiftes beigefügt ist, was bekanntlich Taf. XXXII,
737. 737) t SARA(cho

288

Sachsen. Corvei.

nur selten vorkommt (s. S. 29). Endlich verdient auch das Diadem Erwähnung, wofür ich kein zweites Beispiel Weiss, denn der Kopf stellt wegen der deutlichen Tonsur offenbar den Abt vor. Zu vergleichen wäre etwa Nr. 74 und 76. (1086-1102). Taf. XXXII, 738. 738) t MARVARTDO sein Brustbild mit Tonsur, den Krummstab in der Rechten. Rf. DE CORBEIO dreithlirmige Kirche, auf dem mittleren Thurme ein Kreuz. Reiche1 IV, 2401. Mem. St. Pkt. 111, S. 422, danach Cappe, Westf. XII, 31. Köhne glaubt auf diesem sehr saubern Denare den ältesten Dom von Corvei dargestellt. Der Aehnlichkeit mit dem Gebäude auf dem Hervorder Denare ist schon oben gedacht (s. 732). Marquard

c) Ohne Kaiser- und Abts-Namen.
Taf. XXXII, 739. 739) t CORBEIA Kreuz mit einer Kugel f Rf. COgAy l I (Thomsen 6240). in jedem Winkel.

Auch Minden, Paderborn und Fritzlar haben uns solche Kölner Nachprägungen geliefert, während die Hf. mit dem Kaisernamen und Kreuz auf den vorigen Mtinzen von Saracho in Münster, Lüdinghausen und Osnabrlick nachgeahmt worden ist. 740. 740) t (S)VlTVS t MmTIR dessen Kopf mit krausem Haar linkshin. Rf. CORBEIA Gebäude. Köhne 111, Taf. VI, 11, danach Cappe Westf. XII, 30. Mir ist diese MUnze nie zu Gesicht gekommen. Köhne, der sie gesehen, erklärt sic (Mem. St. Pkt. 111, S. 423) ftir älter als Ruthard. Der Kopf des Heiligen erscheint auch’ hier mit krausem Haar, ganz wie auf dem oben gedachten zwei Jahrhunderte spätern, und auf andern noch jüngern von Corvei und Höxter , bei denen der Heiligenschein jeden Zweifel, ob nicht etwa der Abt vorgestellt sei, unbedingt ausschliesst. Der heilige Vitus wurde aber im Jahre 835, wo seine Reliquien von Paris hierher gebracht wurden, zum Schutzheiligen der Abtei neben dem heiligen Stephan bestellt, später aber demselben vorgezogen. Doch finden wir Letztern neben seinem jtingern Genossen noch auf einem (unedirtenj Denare des XT11 Jahrhunderts. Die Umschrift der HJ. lässt übrigens Köhne mit SC beginnen, wovon jedoch in der Abbildung keine Spur, sondern nur vor dem V ein freier Raum fiir einen, nicht fiir zwei Buchstaben ist. Taf. XXXII,

Paderborn.
Obwohl hier schon im Jahre 795 ein Bisthum errichtet wurde, und die Urkunden schon im XI1 Jahrhundert Paderborner Mlinzen erwähnen, das Münzrecht aber dem Stifte schon von Otto 11 bestätigt wurde, so kannte man bisher doch kein Uber den Anfang des XI11 Jahrhunderts hinaufreichendes Gepräge von diesem Orte. augenscheinlieh ins XI Jahrhundert Von grossem Interesse ist daher folgender, gehfirende, auch in anderer Beziehung wichtige Denar.

Narqunrd,

Anonyme.

--

Paderborn.

-

Soest.

-

Dortmund.

Otto 111.

289

Taf. XXXII,

741. 541) PATERBRVNNVMi

Kreuz mit einerKugelimdrittenund dem f SocsterZeichenimviertenWinkel. RJ.OLOIIlI.-M. S. 1,25Gr.
A

Der Stadtname ist korrekt geschrieben, er kommt auch in den Formen Patherbrunnen, Paderbrunna, Patharburn , Padrabrunno u. s. w. vor. Das eigenthümliche Soester Zeichen ist schon vorstehend bei Saracho von Corvei bemerkt worden, es scheint erst später ausschliessliches Eigenthum von Soest geworden zu’ sein. Eine ziemliche Anzahl der Kölner Nachpragungen lässt sich dieser und den Külner Denaren von Minden und Corvei, einige auch wohl denen von Fritzlar anreihen; flir die vorliegende ist besonders charakteristisch der sehr flache Stempelschnitt und die Leiter-Lhnliche Gestalt des NII in COLONII. Ueber den REX OTTO (pacifi?)CVS Hand, daneben Kreuzihen. RJ. PA . . . . IT, den Mader, IV, S. 58, als möglicherweise Paderbornisch angicbt, lässt sich selbstverständlich nach dieser blossen oberflächlichen Beschreibung nicht urtheilen.

Soest.
Taf. XXXII, 742. 742) f*CHVONIHDVNMI c selben ein Kreuzehen. diademirtes Brustbild

lif.

rechts, vor demf Das Kölner Monogramm 01011 1,

neben dem A der Stadtname SOES-SASN. - M. S. 1,2fGr. !,3G Gr. 1,~ Gr. 7-12~4)Ebenso, aber +CHVONRADVS IMP. Rf. der Stadtname SOES-2222V. - M. S. 1,ls Gr. i?f. SOES -SASN 712 bj Desgleichen t CHVONRADVS IMP neben dem Monogramm. - Köhne 111, S. 164, Anmerkung 3a. 742 c) Ebenso, aber der Stadtna.me SOES - IIIV. Köhne 111, Taf. VI, 4. Aehnlich, Lelewel XIX, 31. Cappe 1, Taf. XIV, 229. Götz 219. Auf allen diesen Verschiedenheiten ist der Anfang des in kleinen Buchstaben geschriebenen Wortes neben dem Monogramm stets iibereinstimmend derselbe SOES, daran also, dass damit die Prägstgtte Soest gemeint ist, nicht wohl zu zweifeln; das SOES -SASN ist auch ungezwungen SOESSASIENsis zu lesen. Wie viel Münzen kölnischen Gepräges aber mögen wir haben, die uns ihre eigentliche Heimath nicht verrathell !

Dortmund,
Taf. XXXIII, 0 tto 111 (983-1002, Kaiser seit 996). 743. 743) +ODDO t REX Kreuz mit einer Kugel iu jedem Winkel. Rf. THERT-MANN1 in zwei durch ein Kreuz getrennten Zeilen. -. K. M. 1,ogGr. 1,23 Gr. 1,29 Gr. 1,35 Gr. 1,~ Gr. M. S. 1,31 Gr. 1,35 Gr. v. Sallet 11, 322, Gr. Ka,b. 1. Suppl. 111, Nr. 33. Götz 165. Cappe 1, Taf. IT, 6. Mader IV, S. 60.
erg, Deutschlands ültesta Müoeen.

IJ arm

enb

19

290

Sachsen.

Dortmund.

743n) Ebenso. htf. THERTMANNN in zwei Zeilen, darüber eine Figur, wie das obere Ende eines Bischofsstabes, darunter ein gestürztes R. Friedlaender, Kawallen Taf. Nr. 3. Taf. XXXIII,
744. 744) ODDO

Winkel. kleines Kreuz mit einer Kugel 1,:~ Gr. K. M. 1,~ Gr. Gr. Kab. 1, Suppl. 111, 36. Götz 130. Cappc 1, Nr. 159-161. Mader IV, S. 61. 744 CJ) Ebenso, aber das Kreuz der Rf. ohne die Kugeln. - M. S. 1,32 Gr. 744 6) Ebenso,
IIMM

IMPERATOR Kreuz Bj’. THEROTMANNI

mit einer Kugel in jedem in einem Perlenkreise ein an jedem Ende. M. S.

aber OTTO IMPERATOR. RJ. THEROTWA kleines Kreuz, ohne die Kugeln. Mem St. Pet. IH, Taf. IX, 18. Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. N I bärtiger Kopf ohne Gesichtsumriss, Kawallen, Taf. Nr. 4.

745) ODDO IMPERKOR RJ: TH ERTOPRAN

daneben zwei Kugeln. Friedlaender, Taf. XXXIII,

745 u. 745 aj Ebenso, aber O(D) DO (IM) PERAT ruckläufig. RJT (TjHE(R)OTMAM1/11. - K.M. 1,35 Gr. Aehnlich M. H. 1,~ Gr. Aehnlich Gr. Kab. 1, Suppl. 111, 34. Götz 130. Nr. 743 ist gewissen Kölnern (Nr. 3353 so durchaus ähnlich, dass man der l1f. nicht ansehen kann ! ob man es mit einem Dortmunder oder Kijlner Gepräge zu thun hat; eigenthün~licl~ ist dem Dortmunder nur die Form des mit einem Punkt gefiillten 0. Da nun jene Kölner nur von Otto 111 sein können, wie bei Köln (S. 152) gezeigt ist, so muss von diesen Dortmundern dasselbe gelten. Nr. 744 hat auch wieder cinigc Verwandtschaft mit Kölnern von Otto 111, wird aber mit noch mehr Sicherheit an dessen Regierungszeit durch den ersten der Heinrichs-Denare gewiesen, da beide die Kreuzseite mit einander gemein haben. Beachtenswerth ist die Form des D, in welchem der gerade Strich dünn, der Bogen dick ist, gerade wie bei einigen Kölnern desselben Kaisers, dem Mindener mit Kölner Monogramm und dem Saracho von Corvei. Nr. 745 aber, der vorigen Münze in der Fabrik so ahnlieh, kann unmöglich ältcr sein. So rechtfertigt sich die durch Lelewel (111, S. 137) bezeugte, bisher aber nicht näher begründete gewöhnliche Meinung, welche alle diese Münzen dem dritten Otto zuweist. Zwar bemerkt Leitzmann (Wegweiser S. 139)) dass Dortmund schon unter Karl dem Crossen Münzrecht gehabt, uns jedoch keine älteren Gepräge als von Otto 1 hinterlassen habe. Diese Mittheilung beruht aber wahrscheinlich auf Cappe, der alle diese Dortmunder Otto dem Grossen zutheilt, augenscheinlich aus keinem andern Grunde, als dem 1~. M. 1, S. 30 entwickelten und oben S. 28 widerOddo bei gewissen Geprägen nur diesen Kaiser legten, dass die Namensform bezeichne. Ausser Cappe giebt nur noch Götz unsre Nr. 745 und Köhne (Mem St. Pet. 111, S. 418) ohne nähere Begründung unsre Nr. 743 an Otto den Grossen.

Otto 111, Heinrich 11.

492

Cappe selbst hat übrigens seine Meinung, S. 45, berichtigt. Heinrich Taf. XXXIII,

wenigstens in Bezug auf Nr. 745, K. M. 111,

Taf. XXXIII,

Kaiser seit 1014). i46. 746) (H)EL/IRICIIVS REX Kopf linkshin. I?f. ODDO IMPE RATOR Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. - K. M. 1,53 Gr. 747. 747) HEIRICI IVS REX. &J’. THROTMOI I IA sonst ebenso. - K. M. 1,25 Gr. 1 ,x Gr. M. S. 1,2s Gr. Berl. Bl. 1, Taf. 11, 16. Cappe 1, Nr. 473. MBm. St. Pet. 111, s. 415, Nr. 45.
748. 748) + HEINRICVS REX gekröntes Brustbild links. IMPERATOR Kreuz mit einer Kugel in jedem h?f. ODDO

11 (1002-1024,

Ta,f. XXXIII,

Winkel.

Taf. XXXIII.

i49

MBm. St. Pt% 111, Taf. X. 4. 749) Ebenso, aber Bf. tTHRETMANNI rückläufig. - K. M. l,:jsGr. 1,aGr. M.S. 1,:jGr. 1,~s Gr. 1,~ Gr. 1,:jsGr. 1,4sGr. 1,72 Gr. (!) Gr. Kab. 1: Suppl. V, 51. Götz 260 u. 261. Cappe 1, Taf. VI, 85. Becker 73. *)
mit vier Kugeln. qf. THROT

Taf. XXXIII,

750. 750) HEINRICVS REX Kreuz MONIA kleines Kreuz. -

Taf. XXXIII,

1~41 Gr. 751. 753) t H3fl..
MONNA

K. arch. Komm. (v. Sallet 1, 353.)
aber grösscrer Kopf.

zu St. Pkt.
221: t DRET

. . . ähnlicber,

Kreuz mit vier Kugeln. Köhne 111, Taf. VI, 12. Taf. XXXIII, 752. 752: t HENRINC. . . . (rückläufig) diademirter Kopf links. Bf. THE(rtma) NNI kleines Kreuz mit vier Kugeln in den Winkeln. - K. M. 1,04 Gr. Aehnlich Bl. f. Münzk. 111, Taf. 111, 32. Rf. (TH) Taf. XXXIII, 753. 753) HEN, . . . PAVC (rückllufig) derselbe Kopf. ERIMAN Kreuz mit vier Kugeln, umgeben von vier kleineren Kreuzen. - M. S. 1,Zi Gr. 1,15 Gr. Aehnlich MBm. St. PBt. 111, Taf. IX, 2% Nr. 746 und’ 747 sind bis auf die Umschrift fast völlig gleich, und da wegen des Namens Oddo erstere nur von Heinrich 11 sein kann, so ist damit auch die Zeitbestimmung der letztern gewonnen; ausserdem aber kam letztere auch in den Schätzen von Munkegaard und Kummelsburg vor, die beide in Heinrichs 11 ersten Jahren vergraben sind. Nr. 746 möchte man geneigt sein so zu erklären, dass sic gleich nach Heinrichs 11 Thronbesteigung geschlagen und zur I?f. in der Eile ein Stempel seines Vorgängers, nemlich wie bemerkt die 11J. von Ottos Nr. 744 verwandt worden. Angesichts von Nr. 748 aber, welche bei ganz verschiedenem Stempel dasselbe Problem der beiden Kaisernamen Otto und Heinrich aufstellt, dürfte diese Erklärung sich nicht halten lassen, vielmehr Köhnes Meinung (M&m. St.
1) Hier, merkwürdig deutet ist.

genug, unerkannt,

w#hrend sie doch schon im Gr. Kab. richtig ge19”

292

Sachsen.

Dortmund.

Pet. 111, S. 416) ZU erwägen sein, dass Heinrich seines ,Vorgangcrs Andenken zu ehren beabsichtigt habe, eine Ansicht, die durch den unten (Nr. 766) zu gedenkenden Pfennig Heinrichs IV mit dem Namen Kaiser Ludwigs und einen eben solchen vom Kölner Erzbischof Siegwin einige Wahrscheinlichkeit erhalt.* Diese Nr. 748 dient dann wieder, um Nr. 719, nach Cappe von Heinrich 111, zu bestimmen, welche von ihr, gerade wie Nr. 747 von 7-46, nur durch die Umschrift der RJ. sich unterscheidet. Ausserdem aber spricht für diese Zeit ihrer Ausprägung der Oster-Larskjer Fund und Ktihnes Zeugniss (Mem. St. Pet. 111, S. 416), während Nr. 753 und also auch die nur wenig abweichende Nr. 752 durch Egersund (Bl. f. Münzk. 111, Taf. 111, 33, 34) ihren Platz angewiesen erhalten, Nr. 751 aber wird man von Nr. 7-19 nicht trennen diirfen, und Nr. 756 ist durch sein Ottonisches Gepräge als eine der giltesten Münzen dieses Kaisers bezeichnet. Zu bemerken ist noch, dass von Nr. 749, sowie von Nr. 752 und 753 mannigfache Stempelverschiedenheiten mit theilweise entstellten Umsohriften vorhanden sind. Solche finden sich z.B. Bl. f. Münzk. 111, Taf. 111, 49 und Taf. IV, 72, 73, und eine ganz ähnliche bringt Ca.ppe 11, Taf. XXIII, 248, wo er aber das verwischte Gepräge ganz falsch aufgefasst und in Folge dessen den Kopf nach rechts statt nach links gekehrt dargestellt hat. *j Es giebt zur Zeit keinen Dortmunder von Heinrich 11 mit rechtsgewandtem Kopfe. Konrad11 Taf. XXXIII, (1024-3039, Kaiser seit 1027).

754. 754) IMRERATOR (rhcklä,ufig) gekrönter Kopf links. Rf. CON RADVS REX (ruckläufig) Kreuz mit vier Kugeln. - M. S. 3,~ Gr. K. M. 1,~sGr. 2,55 Gr. Götz 226. Lelewel XVIII, 4. Cappe 1, Taf. IV, 62. 755. 755) Ebenso, aber Rf. t DRETMONNA. - Christiania. Holmboe, Bröholt-Fund Nr. 158 (Taf. 11, 20).

Taf. XXXIII, Taf. XXXIII,

756. 756) CONRADVS RE (rückläufig) diademirter (?) Kopf links. RJ. CONRADVS RE (rücklaufig) Kreuz mit vier Kugeln. - M. M. 1,~ Gr. K. M. 1,45’Gr. 1,~sGr. Götz 225. Mem. St. PBt.111,Taf. IX: 2 1. Cappe 1, Taf. IV, 61. Die erste Münze findet, wie schon Köhne (111,S. 181) hervorhebt, ihre lokale Bestimmung durch Heinrichs 11 Nr. 751, man kann auch hinzufügen Nr. 749, und namentlich die erst neuerdings cntdcckte zweite der drei vorstehendenMünzen, deren Münzfürst wiederum durch die bis auf die Umschrift der Rf. ganz gleiche erste Münze ausser Zweifel gesetzt wird. Damit ist aber auch für die Unterkunft der dritten gesorgt, welche bei gleicher Fabrik ganz dieselbe Rf. wie die erste hat. Der Kopf dieser Münze ist vielleicht den gewöhnlichsten Ethelreds (Hildebrand typ. D) entlehnt; die Westfälischen Stempelschneiderhaben ja in der folgenden Zeit die Münzen der Engländer in viel griisserer Ausdehnung nachgebildet. Cappe giebt auch (11, Taf. XXII, 245) ein Gcprilge ganz wie Nr. 754, aber mit R.. .OVN RDA (rtickläufigj . Rf. DGEMT . . .ATOR. Ob, wenn überhaupt
1) Wenn auch Cappe dass ihm Links ist, 292 Hinter den Kopf als linksgekehrt. was uns Rechts. beschreibt,
an

darf

man

doch

nicht

ver-

gessen, * ,,

)>erhältx Z. 4 v. o. ist folgende Anmerkung einzuschalten: Mit besonderer Absichtlichkeit gab König Heinrich (11) bei jeder Gelegenheit seine Anhänglichkeit an seinen kaiserlichen VorgLnger zu erkennen. Noch in den Urkunden aus seiner letzten Lebenszeit gedachte er hiiufig Ottos 111 als seines theueren Lehneherrn (vgl. Giesebrecht 11, 64 11 Ausg.).

Konrad 11, Heinrich 111.

293

richtig gelesen, mehr als blosse Nachahmung? Auch führt er (11, Nr. 493) eine Abart von Nr. 755 mit CONRADVS 1 auf der HJ. auf; wohl nicht zuverlässig, sondern eher ein verwischtes Exemplar, das von RE nur noch den ersten Strich erkennen liess. Taf. XXXIII, 111 (1039-1056, Kaiser seit 1046). 757. 757) SHEINRICVS REX bärtiger Königskopf links. BJ. tTH ORTMANNE Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. K. M. 3,49 Gr. Mader IV, 41. Götz 236. Lelewel XXI, 8 (ohne lesbaren Titel). 7.57a) Ebenso, aber +HEINRICHVS IMP. Rf. THORTM.NNE Gr. Kab. 1, Suppl. V, ,i3. . 758) t HEINRICHVS REX- bärtiger Kaiserkopf. RJ THORT M(A)NNE kleines Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. Gr. Kab. 1, Suppl. V, 52. 758bis) Ebenso, aber IMP. Götz, 275. Cappe 1, Taf. XXI, 345. Heinrich

758~. 758 aj Desgleichen, aber auf jeder Seite des Kopfes ein Punkt. RJ. Grössercs Kreuz, sonst ebenso. - K. M. 1,SR Gr. M. S. 1 ,:s Gr. Giitz 274. Aehnlich Cappe 1, Taf. XXI, 344. Diese und die folgenden Münzen bieten uns grössere Schwierigkeit, da uns die Funde bei ihnen im Stich lassen. Köhne giebt Nr. 757 an Heinrich 11, mit den Worten, der Denar Götz 236 sei vielleicht, die bei Mader 1, 45 und IV, 41 bestimmt unter Heinrich 11 geschlagen (Mem. St. Pet. 111) S. 415). Hier ist zunächst zu bemerken, dass Götz 236 mit Mader lV, 11 identisch ist. Dann aber vermisst man die Gründe ftir jenes ))Vielleicht« und dieses »Bestimmtcc, und glaubt ich im Gegentheil, beide Münzen d. h. unsre Nr. 757 (Mader IV, 41 i Götz 236) und Heinrichs IV Nr. 763 (Mader 1, 45j und besonders letztere ganz bestimmt Heinrich 11 absprechen zu miisson. Es ist nemlich nicht zu verkennen, dass sie von viel besserem Stempelschnitt sind, als die oben unter Heinrich 11 aufgezählten nicht nur, sondern auch als die Konrads, letztere also würdcu einen Rückschritt in künstlerischer Hinsicht bedeuten. Ferner würde der zuletzt gedachte Denar IMader 1, 45) mit vorwärtsgekehrtem Haupte unter Heinrich 11 doch gar zu fremd dastehen - alle seine und Es kommt hinzu, dass mir diese sogar noch Konrads Münzen haben Profilköpfe. Münzen in Funden aus Heinrichs 11 Zeit - und diese vor 1039 vergrabenen sind doch gerade die zahlreichsten - noch niemals vorgekommen sind. Sind auch diese Gründe sämmtlich nicht apodiktischer Natur, so scheinen sie mir doch genugsam gegen Heinrich 11 zu sprechen, fiir den nichts beigebracht ist und schwerlich etwas beigebracht werden kann. Zwar führt auch (Lelewel 111, 153 und 355) Nr. 757 unter Heinrich 11 auf, mit dem Bemerken) es sei solches Exemplar mit Kaisertitel bei Trzebun gefunden, aber das Exemplar, das er abbildet (XXI. 8) entbehrt des Titels, er sagt (S. 155) nur, man könne die Lücke mit IMR ausfüllen, und sonach ist nach der unbestimmten Art, wie er sich ausdrückt, wohl anzunehmen, dass auf keinem der dort entdeckten Exemplare IMP wirklich zu lesen gewesen. Münzen aus Heinrichs 111 erster Königszeit sind aber in dem Schatze von Trzebun , den Lelewel selbst um 10-20- 42 setzt, ebenso wenig auffallend wie von Harthaknut

Taf. XXXIII,

2!N

Sachsen. Dortmund.

.

1039 - -11, die doch in ihm vertreten waren (Lelewel 111, 115). Nr. 757 mit Mader (lV, 8. 96) dieser Regierung zuschreiben. und 759 betrifft, so ähneln sie gewissen Duisburgern (Nr. 316, Heinrich 111 sein können, so sehr, dass man sie ihm nicht wird ders nioht seinem Nachfolger beilegen wollen, denn auch diese Miinzen bis Heinrich 11 hinaufzurticken, möchte wohl Niemandem schlicssen ist folgende merkwürdige einseitige Stempelprobe von Taf. XXXIII, 759. 759) tBEbll40 ME VECIT 758~~. - K. M. Hcinrioh

Wir können also Was aber Nr. 756 317), die nur von absprechen, besonschön gearbeiteten einfallen. AnzuKupfer :

derselbe Kopf wie auf Nr. 758 und

Taf. XXXIII,

IV (1056-1105, Kaiser.seit 1984). 760. 760) t HENR( I)CVS RX bärtiges Ilrustbild des Königs rechtshin, vor demselben ein Fähnchen. Rf. t . . . IT.. H (M)ONA langes, dtinnes Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. K. M. 1,4 Gr. 761. 761) t HEIMRICVS* REX ähnliches Brustbild linkshin, aber Rf. tTHEMHNONIE Kreuz mit einer mit cincr Lanze. Kugel in jedem Winkel. M&m. St. PI%. 111, Taf. IX, 19. 762. 762) HV. . . .CHV.. bärtiges kaiserliches Brustbild zwischen Lanze und Rosette. RJ t 9. . TERC langes dtinnes Kreuz, eine Kugel in jedem Winkel. - K. M. l,to Gr. 7ti2a) t IHV. DECHVIO. RJ t 3. . ITERC, sonst ebenso. M. S. 1,~ Gr.

Taf. XXXIII,

Taf. XXXIH,

763. 763) PIS . . . I HRI . . bärtiges Brustbild des Kaisers mit Fähnchen und Kreuzscepter. Rf. THORTMANNE dasselbe Gepräge. Mader 1, 45. 764) H3H . . HVS I P bärtiges gekröntes Brustbild mit Kreuzscepter und Lanze. RJ. t. . . TMANI c dasselbe Gepräge. Cappe 1, Taf. XXI, 346. 765) tHEINR. . . . . gekröntes bärtiges Brustbild , zur Rechten Lanze, links eine Rosette. RJ . . IIRT3RMIII dasselbe Gepräge. Cappe 1, Taf. XXI, 347. Nr. 761 glaubt Köhne (a. a. 0. S. 415) Heinrich 11 geben zu mlissen, weil sie mit dessen Nr. 747 in Form und Schwere übereinstimme. Aber wie verschieden beide in der Form sind, das springt wohl in die Augen, bei der Münze Heinrichs 11 ein rohes Brustbild, mit kaum angedeuteter Krone, hier ein sehr zierliches, dazu die Buchstaben hier sehr scharf und sauber, dort zwar auch gut gestaltet, aber bei Weitem mehr im Style der Ottonen-Zeit, kurz Stylunterschiede, die auch Köhne nicht unbemerkt gelassen, da er das Brustbild jenes Heinrich 11 sehr roh, dieses so schön findet, dass er es fiir ein ähnliches Bildniss des Königs halten möchte. Worin dann aber die Uebereinstimmung hinsichtlich der Form liegen soll, vermag ich nicht einzusehen. Was ferner die Gewichtstlbereinstimmung betrifft, so ist schon 8. 11 ausgeführt, wie geringe Bedeutung dem Gewichte für die chronologische Anordnung unsrer Münzen beizulegen ist, und die Dortmunder Münzen dienen recht

Taf. XXXIII,

Heinrich IV.

295

zur Erläuterung dieses Satzes : die von mir gewogenen Ottonen haben 1,OI)- 1,U Gr., die von Heinrich 11 3 ,OJ - 1>72 Gr., ja bei einer und derselben Sorte schwankt das Gewicht von 1,:3-- 1,72 Gr., und die Konrads ergeben 1,25- 1 ,FIS Gr. Also von der stetigen Gewichtsabnahme, welche die Voraussetzung für die Klassifizirung der Mtinzen nach ihrem Gewicht bildet, überhaupt von einer erkennbaren Regel keine Spur. Die Gründe für Heinrich 11 zerfallen mithin in Nichts, für cinc spätcrc Prägung spricht dagegen nicht nur das Aussehen der Münzen) sondern, wie wir wohl annehmen dürfen, auch die Funde. Denn Köhne, dem die geringe Bedeutung seiner für Heinrich 11 beigebrachten Gründe kaum entgangen sein dürfte, wurde wohl nicht versäumt haben, sich, wie er doch sonst nicht unterlässt, auf den Fund, dem diese Munze entnommen ist; zu berufen, wenn anders dieser Fund eine Zutheilung an einen spätern Heinrich ausschliisse. Aus seinem Schweigen .dürfen wir also abnehmen, dass dies nicht der Fall, und haben nur noch zu untersuchen, ob mehr Wahrscheinlichkeit fiir Heinrich ITT oder IV. An und für sich möchte man vielleicht ftir Erstern stimmen, da etwas Aehnlichkeit mit Heinrich 111, Nr. 757, vorhanden, hält man aber die Münze an die Goslarische mit Profilkopf Heinrichs IV (Nr. G74j und an die doch auch wohl dicscm Kaiser glciehzeitige Hervordcr (732) , bcdcnkt man ferner, dass zwischen Heinrich 111 und IV als Köuigen nur ein so äusserst geringer Zwischenraum (1046 - 1656) liegt, so wird man doch wohl Heinrich 1V vorziehen mtissen. In der That sind auch bei aller Aehnlichkeit noch hinreichende Verschiedenheiten zwischen beiden Münzen wahrnehmbar, welche eine Vertheilung auf zwei Regierungen rechtfertigen, besonders das Kreuz, das den alteren Munzen in dieser Form, ohne jede Ausladung an den Enden, fremd ist. Noch mehr entfernt sich dasselbe von der älteren Form auf den folgenden Münzen und reicht auch gerade bis zu dem die Umschrift abgrenzenden Kreise. Ganz besonders dünn erscheint es aber auf .Nr. 760. Diesen Denar wird man für alter als Nr. 763 unmöglich erachten diirfen! ja es fragt sich vielleicht, ob man ihn nebst Nr. 762 -765 nicht seinem Nachfolger zusprechen muss. Das jedenfalls wird wohl Niemand gegen die von mir vorgeschlagene Anordnung einwenden, dass ich auf Heinrichs 111 von vorn dargestellten Köpfen unter scincm Sohne wicdcr Profilköpfe ncbcn vorwartsgekehrten Bildnissen folgen lasse, es ist zwar nach Götz und Cappe eine Todsünde, Auch trozdem aber, wie 8. 18 gezeigt ist, eine sehr gewöhnliche Erscheinung. können Nr. 763 - 765, die man doch bei ihrer grossen Aehnlichkeit nicht trennen darf, den Wahn zerstören, dass unter demselben Kaiser stets nur einerlei Kronenform zur Anwendung gekommen ; alle haben eine andere Krone, eine Wahrnehmung: die uns freilich auch Heinrichs 11 Dortmunder Denare, sowie zahlreiche andere Münzen machen lassen. Wollten wir die Heinrichs-Miinzen dieser Stadt nach der Form der Krone vertheilen , sn hätten wir nicht Heinrichs genug. Rchliesslich sei noch erwähnt, class Cappe Nr. 764 und 765 für verdächtig erklärt; ich habe jedoch an seinen Exemplaren, die ich freilich vor langen Jahren zuletzt gesehen, nichts Verdächtiges bemerkt. In Heinrichs IV Zeit miissen auch folgende Denare fallen: Taf. XXXIII,
766. 7%) t THROTMANNE 3~“. t VVI DOVICVS

bärtiges Brustbild mit Krone und Lanze. IMP Kreuz mit einer Kugel in jedem 20.

Winkel. Mem. St. Pkt. 111, Taf. IX,

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Sachsen. Miinstcr. 766a) (i-T) HROTMANNE

dasselbe Brustbild, aber über der linken Schulter ein Stern. Rf. t VVDOVI . CV2 MP Kreuz mit einem Stern in jedem Winkel. Cappe 1, Taf. XVI, 267. Dass diese Mtinzen von Ludwig IV (1314- 47), unter dem Cappe sie aufführt, nicht sein können, bedarf keines Beweises, der Name Ludwig wird hier wie bei dem stylverwandten Denare des Kölner Erzbischofs Siegwin, bei Eeslingen und Brüssel auf Ludwig den Frommen gehen. Köhne versetzt sie in die Jahre 1077 1080, wo Rudolf von Sehwaben dem ächten Könige noch mächtig gegenübergestanden, und meint, die Dortmunder hätten, um es mit keinem der beiden Nebenbuhler zu verderben und in der Ungewissheit, wem schliesslich der Sieg bleiben würde, ihre Münzen mit dem Namen eines längst verstorbenen Kaisers zu bezeichnen vorWäre das aber nicht ein sicheres Mittel gezogen (Mem. St. Pkt. 111, S. 417). gewesen, es mit Beiden zu verderben:’

Münster
hat bisher unter den Prägstätten der fränkischen Kaiserzeit gefehlt. Grote in seiner mustergllltigen Münstersehen Miinzgeschichte (Münzstud. 1, S. 177) nimmt an, dass die ältesten Mtinsterschen Gepräge der ersten Hälfte des XI1 Jahrhunderts angehören, ohne den Anfangspunkt näher zu bestimmen. Der Fund von Piep (s. 8. 57) hat uns aber darüber aufgeklärt, dass schon zu Ende des XI Jahrhunderts mit ihrer Pr%gung begonnen wurde, eine Thatsache , die uns nur bei der Seltenheit von Funden aus dem Ende des XI und Anfang des XI1 Jahrbundorts, sowie vielleicht der Seltenheit dieser ältestcn Münzen hat verborgen bleiben können. 1) Das fragliche Strick ist aber das folgende: Taf. XXXIII, in jedem Winkel. 3 ,:~i Gr., ähnliohe, wahrscheinlich spätere M. S. 1,31 Gr. 1,45 Gr. 1,48 Gr. 1,47 Gr. l,& Gr. 1,49 Gr. 1,s~ Gr. 1,58 Gr. Aehnlich Cappe Westf. 1, 8- 11, Münestud. 1, Taf. XVII, 3, 4 (theilweis gewiss später\. Von deti wahrscheinlich späteren Geprägen guter Arbeit weicht dies Exemplar besonders darin ab, dass der Stern fehlt, welcher auf jenen vor dem entstellten Kaisertitel erscheint. Das Zeita,lter dieser durch Funde nicht bestimmten Denare lässt sich kaum näher begränzen, auch der Name Mimigardeford bietet dazu keine Handhabe. Zwar nennt sich schon Bischof Erfo 1092 episcopus Monasteriensis, doch ist daneben der frühere Name auch offiir,iell geblieben, denn Bischof Werner schreibt sich noch 1137 Mimigardefordensis ecclesiae episcopus, und ein Denar, der seinem Typus nach schon der Hohenstaufenzeit angehört (Münzstud. 1, Taf. XVII, 6) hat auch noch das alte Mimigardefordi. Folgender Halb-Denar aber ist seiner Zeit nach sicher, weil er eine Umschrift hat, die zwar Grote noch nicht zu deuten wagen konnte, die wir ‘aber jetzt unbedenklich beziehen müssen auf 1) Geahnt scheint dies Grate schon111haben (Münzstud. IV, S. 61).
767. 767) (t) MIMIGA;R)DEFORD dreithürmige Kirche. RJ. tODDOt w 3VI IID Kreuz mit einer Kugel

Bischof Burkhard.

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Liidinghausen. -

Osnabrück.

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Bisch