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Bühnenpräsenz durch Erweiterung des Bühnenraumes

Was wir auf der Bühne zeigen, kann nur dann beim Zuschauer ankommen, wenn wir über
die Begrenzung des Raumes hinausfühlen und –denken.

Dabei handelt es sich um zwei Komponenten: Die energetische Bühnenpräsenz und die
Komponente des Woher/Wohin.
Die energetische Bühnenpräsenz erzeuge ich als Spieler/in, indem ich mich
a) auf nichts als das konzentriere, was zum Spiel führt, d.h. ich „erzähle“ nicht mit
überflüssigen oder illustrativen, extra komischen oder redundantes Elementen,
sondern sowohl im „Wo“ als auch im „Wer“ und „Was“ spiele ich nur aus der Situation
heraus. Das gelingt mir dann, wenn ich mich hundertprozentig hineinbegebe in die
Situation. Ich darf die Situation nicht durch Klischees erfassen, sondern durch
körperliches schmecken, hören, fühlen, sehen des gespielten Wo, Wer, Was (nicht
durch Zeichen dafür!) Das erfordert, dass ich im Alltag eine „Sammlung“ anlege von
Sinneseindrücken. Wie fühlt sich dies an, wie sieht das aus, was macht jenes für ein
Geräusch? Nur durch mein physisches Erleben das ich mit dem Publikum teile, also
zeige, das sich manchmal nur in kleinsten Spannungen , in Blicken, Mimik, Haltung
auswirkt, kann ich das Wo, Wer, Was etablieren. Wenn ich so spiele, vermeide ich
unnötiges „Herumfuchteln“, das Energie von der Situation abzieht. Wenn ich „erzähle“
statt zu zeigen, werde ich die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf Äußerlichkeiten
lenken und sie nicht erreichen können. Durch intensives „Zeigen“ bündele ich die
Aufmerksamkeit auf das, was ich als Figur fühle, denke, erlebe.
b) Ich füle als Spielerin mit meiner Energie, die aus der Körperspannung und
Spielspannung / Wachheit entsteht, den ganzen Raum. Die Bewusstheit des Raumes
trägt meine Stimme weiter. Übungen dazu („Sieh mit dem Rücken! Sprich mit den
Füßen!“) geben mir dieses Gefühl für die Wahrnehmung des Raumes.
Das Woher/Wohin erweitert unseren Handlungsraum auf den (imaginären) Raum, den der
Zuschauer nicht sieht. Wenn wir zeigen, woher wir kommen (was ist da geschehen?) und
wohin wir gehen (was wollen wir da? Was erwartet uns dort?), dann fällt die Spannung nicht
ab, wir haben das richtige Timing und brauchen auf der Bühne keine Anlaufphase.
Grundsätzlich gilt: Aufgänge und Abgänge haben ein Woher und Wohin – immer! Wenn eine
Szene auf der Bühne beginnt, stellen wir uns an die entsprechende Stelle und bekommen
einen Vorhang (tatsächlich oder verbal).

Übungen

1. Woher und Wohin


Gehe über die Bühne. Zeige keine Handlung, sondern zeige uns lediglich, von wo Du
kommst und wohin Du gehst. Erzähle das nicht durch vorgeführte Handlungen, sondern
zeige durch Dein Verhalten. Tu so, als ob die Zuschauer genauso wie Du wüssten, welche
Räume Du betreten und verlassen hast.

2. Zeige eine Szene nur mit einem einzigen Satz. Mit deinem Spiel muss ausgedrückt
werden, wo und wer Du bist und was Du tust/getan hast. Tip: Lass Dir Zeit! Fühle genau!
Sei erst dann zufrieden, wenn Du alles genau erlebt hast!

3. Weitere Wo-Übungen und Physikalisierung eines Gegenstandes (siehe website)