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Einführung

Elektrische Filterschaltungen spielen eine herausragende Rolle in allen Bereichen


der modernen Telekommunikation, der Signalverarbeitung sowie der Mess- und
Regelungstechnik. Dabei entspricht die Funktion des „Filterns“ einem Auswahl-
prozess, bei dem charakteristische Merkmale der zu filternden elektrischen Grö-
ßen benutzt werden, um bestimmte Anteile erkennen und verarbeiten zu können.
In den meisten Fällen sind es elektrische Spannungen, die auf diese Weise nach
bestimmten Kriterien verarbeitet werden.
Unter diese allgemeine Definition fallen beispielsweise die auf bestimmte Mi-
nimal- bzw. Maximalwerte reagierenden Amplitudenfilter sowie über spezielle
Impulse synchronisierte Auswahlschalter, die als Zeitfilter angesehen werden
können (Beispiel: PCM-Zeitmultiplex).
In der bei weitem überwiegenden Anzahl aller Anwendungen werden elektri-
sche Filter aber eingesetzt, um die in den elektrischen Spannungen enthaltenen
spektralen Anteile unterschiedlich zu bewerten und beim Durchlauf durch das
Filter gezielt zu verändern.
Dieses Buch befasst sich ausschließlich mit diesen frequenzselektiven Filtern,
die – soweit es den Bereich der Elektrotechnik betrifft – im allgemeinen Sprach-
gebrauch vereinfachend als „Filter“ bezeichnet werden und deren Funktion darin
besteht, aus einem Frequenzgemisch nach festgelegten Kriterien bestimmte An-
teile zwecks Weiterverarbeitung oder auch Unterdrückung „herauszufiltern“.
Aus einer Vielzahl von Filteranwendungen in der modernen Elektronik seien
sechs typische Beispiele herausgegriffen:
• Tiefpassfilter zur Bandbegrenzung in Systemen zur digitalen Verarbeitung
analoger Signale (Anti-Aliasing-Filter);
• Tiefpass als Rekonstruktionsfilter am Ausgang eines Digital-Analog-Wandlers
(Video-Filter);
• Bandpassfilter zur Frequenzselektion in Empfangsgeräten für drahtlose Kom-
munikationssysteme;
• Hochpassfilter für Oberschwingungsanalysen oder als Teilstufe in extrem
breitbandigen Bandpassfiltern;
• Bandsperrfilter zur Unterdrückung einzelner Störfrequenzen;
• Allpassfilter zum Ausgleich von Laufzeitschwankungen (Delay Equalizer).
Schaltungstechnisch eng verwandt mit den Aktivfiltern sind die freischwingenden
„linearen“ Oszillatoren, die entweder ein Filter als selektives Element enthalten
oder auf dem Wege einer speziellen Dimensionierung unmittelbar hervorgegan-
gen sind aus aktiven Filterschaltungen.
2 Einführung

Um die Funktionsweise von Oszillatoren verstehen zu können, ist es deshalb


unerlässlich, über vertiefte Kenntnisse der Filtertechnik zu verfügen. Ein Hinweis
darauf, dass es sich bei Oszillatoren um besonders interessante und anspruchs-
volle Systeme handelt, ist die – zunächst widersprüchlich erscheinende – Forde-
rung, dass „lineare“ Oszillatoren auch über nicht-linear wirkende Funktionen
verfügen müssen, um ein qualitativ hochwertiges sinusförmiges Signal produzie-
ren zu können.
Die Wirkungsweise der klassischen passiven Filternetzwerke beruht auf den
von der Frequenz abhängigen Eigenschaften des Kondensators und der gewickel-
ten Spule. Diese früher als „Siebschaltungen“ und heute als „Reaktanzfilter“
bezeichneten LC-Kombinationen haben auch weiterhin noch eine gewisse Be-
deutung im oberen MHz-Bereich.
Angeregt durch die in den 50-er Jahren des vorigen Jahrhunderts sich stür-
misch entwickelnde Halbleitertechnik konzentrierten sich zahlreiche Forschungs-
aktivitäten auf die Untersuchung der Möglichkeiten, gewickelte Spulen wegen
ihrer gravierenden Nachteile – Kosten, Gewicht, Volumen, mechanische und
elektromagnetische Eigenschaften – durch Verstärkerschaltungen zu ersetzen.
Stellvertretend für viele bahnbrechende Arbeiten auf diesem Sektor sei eine
Veröffentlichung aus dem Jahre 1955 erwähnt (Sallen u. Key 1955), in der ein –
auch heute noch gebräuchliches – Schaltungsprinzip für Aktivfilter auf der Basis
gesteuerter Spannungsquellen beschrieben wird. Der eigentliche Durchbruch der
aktiven Filtertechnik ist eng verbunden mit der Technologie der monolithischen
Integration linearer Schaltungen, die ab 1960 die ersten voll integrierten Operati-
onsverstärker hervorgebracht hat und wenige Jahre später auch kompakte Filter-
bausteine in Hybridtechnologie ermöglichte.
Als weiterer bedeutender Entwicklungssprung in diesem Bereich gilt die etwa
seit 1980 beherrschbare monolithische Integration kompletter Filterschaltungen in
MOS-Technik. Die Funktion des Widerstandes wird dabei entweder durch einen
Verstärker mit Stromausgang (OTA-C-Filter) oder durch eine Kombination aus
Signalschaltern und Kondensator nachgebildet (Switched-Capacitor-/SC-Filter).
Diese SC-Filter nehmen – aus systemtheoretischer Sicht – eine Zwischenstellung
ein zwischen den zeitkontinuierlichen Analogfiltern und den zeitdiskret arbeiten-
den Digitalfiltern. Gerade in diesem Bereich konnten innerhalb der letzten dreißig
Jahre viele interessante netzwerktheoretische Erkenntnisse gewonnen und schal-
tungsmäßig umgesetzt werden.
Angeregt und motiviert durch die extremen Anforderungen der heutigen mo-
bilen Kommunikationsdienste – mit Betriebsspannungen unterhalb von 1,5 V bei
minimalem Leistungsverbrauch, guter Dynamik und Frequenzen im hohen MHz-
Bereich – konzentriert sich der Entwicklungsaufwand seit etwa 10 Jahren auf
vollständig integrierte Filterschaltungen, die im „Log-Modus“ (log domain) ar-
beiten. Dabei werden die Eingangssignale zunächst über eine logarithmische
Kennlinie komprimiert, bevor sie verarbeitet – d. h. gefiltert – und danach wieder
nach dem Kompander-Prinzip exponentiell gedehnt werden (Frey 1996). Dieses
derzeit noch nicht ganz ausgereifte Schaltungsprinzip wird im vorliegenden Buch
jedoch nicht berücksichtigt.