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Liebe Landsleute!

Vor einigen Monaten hat die ARBEITSGRUPPE FÜR SELBST- nigten Tirol, oder als selbstständiger Staat, seinen Wohl-
BESTIMMUNG bereits eine Broschüre an alle Haushalte stand verlieren würde, führt zu Verunsicherungen, die eine
verschickt, welche die politischen und wirtschaftlichen Be- offene Diskussion über die politische Zukunft unserer Heimat
weggründe für eine Selbstbestimmung aufzeigte. Das große erschweren. Anlass genug, um anhand konkreter Vergleiche
Interesse an dieser Informationsschrift und der Wunsch, die mit anderen Kleinstaaten die Frage der Überlebensfähigkeit
Bevölkerung ehrlich über die Situation unseres Landes aufzu- Südtirols zu beantworten und die Folgen einer noch länger
klären, hat uns nun dazu bewogen, diese zweite Broschüre andauernden Zugehörigkeit zu Italien aufzuzeigen.
zu erstellen. Letztlich ist die Frage nach einer gesicherten Zukunft nämlich
Oft genug wird behauptet, dass es uns doch gut bei Itali- auch von den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedin-
en gehe und dass jede politische Veränderung nur zu einer gungen abhängig.
Verschlechterung der gegenwärtigen Situation führen würde.
Auch die Behauptung, dass Südtirol in einem wiederverei- Bilden Sie sich selbst Ihre Meinung!

Selbständig nicht lebensfähig?


Genau das Gegenteil ist wahr!!
Kleine Länder sind erfolgreicher als große Kleine Länder ganz groß
Die Schweiz vor Finnland, Schweden, Dänemark und Singa- Im vergangenen Jahrzehnt wurden weltweit die meisten Han-
pur: So lautet die Rangliste der wettbewerbsfähigsten Staa- delshemmnisse abgebaut, wovon hauptsächlich die kleinen
ten, die das World Economic Forum für das Jahr 2006 er- und flexiblen Staaten profitieren. Im Rahmen der Europäi-
stellt hat. schen Union gilt schon lange das Prinzip, dass die kleinen
Die großen ökonomischen Schwergewichte, die Vereinigten und flexiblen besser und attraktiver sind als die schwerfälli-
Staaten, Japan und Deutschland finden sich erst auf den Fol- gen und großen Staaten. Etwa 80% der Wirtschaftsgesetz-
geplätzen. gebung kommt aus Brüssel und muss in den Staaten umge-
Italien liegt auf Platz 42. Auch der Vergleich des Pro-Kopf- setzt werden.
Einkommens oder der Punkte im „Human Development Index“ Von der Öffnung der Märkte haben die kleinen Länder be-
der Vereinten Nationen, ergibt dasselbe Bild: Mit Luxemburg, sonders profitiert. Bisher waren kleine Binnenmärkte in der
Norwegen und Island stehen wiederum kleine Länder an der Regel ein Nachteil. Nun können kleine Staaten auch jenseits
Spitze. Wenn Lebensstandard, Sterblichkeit und Zufrieden- ihrer Grenzen aktiv werden, wirtschaftlicher Erfolg hängt
heit untersucht werden, schneiden kleinere Länder besser ab nicht mehr von Größe ab. Die Globalisierung hat den kleinen
als größere, wobei die Vereinigten Staaten die prominente Ländern wirtschaftlich mehr genutzt als den großen.
Ausnahme von der Regel sind. Südtirol hat in seiner geographischen Lage ideale Voraus-
setzungen um zu den reichsten und erfolgreichsten Ländern
Kleine Länder sind attraktiver! Europas zu gehören.
Kleine Länder wie Luxemburg und die Schweiz haben die Chan-
cen genutzt. Südtirol hätte das Potential, durfte es aber bisher
Beispiel „neue EU Staaten“
noch nicht ganz ausschöpfen! Luxemburg, das sehr gut mit Dass die kleinen Staaten erfolgreicher, da anpassungsfähiger
Südtirol vergleichbar ist (siehe eigene Graphik) in besonderem und flexibler sind, zeigt auch die Entwicklung der neuen EU-
Maße! Sie haben sich als Drehscheiben für den globalen Aus- Staaten im Baltikum und Sloweniens.
tausch von Gütern, Dienstleistungen und Kapital angeboten. Die kleinen Neuen haben in vielen und entscheidenden Berei-
chen eine sehr viel bessere wirtschaftliche Entwicklung hinter
Kleine Länder nutzen dann ihren Vorteil: sich als die großen Neuen.
Sie können rascher als große
auf politische und technologische Die Kleinen in der EU -
Veränderungen reagieren! klein aber fein

„Nach vierzig Jahren Bundesrepublik Land Einwohner (Stand 2006)


sollte man eine neue Generation in Deutschland
Estland 1.347.510
nicht über die Chancen einer Wiedervereinigung belügen.
Es gibt sie nicht.“ Lettland 2.286.700

Gerhard Schröder im Juni 1989 Slowenien 2.003.584

Quelle: SPIEGEL-Online, Artikel „Gegen die Mauer“ vom 31.03.2005


Zypern 735.800
Luxemburg 457.250
So kann man sich täuschen, kurz darauf fiel die Mauer
Malta 398.534
und Deutschland war wieder vereint!
Quelle: Eurostat
Italien auf dem Weg nach unten!
Südtirol geht mit!
Auch wenn man uns heute von verschiedenen Seiten immer Schulden verursachen Zinszahlungen - das Geld wird über
wieder zu erklären versucht, dass es uns doch gut gehe und eine hohe Steuerbelastung für die Bürger und die Unterneh-
wir deshalb den Status nicht in Frage stellen sollten, so spre- mer hereingeholt. Trotz gegenteiliger Ankündigungen jeder
chen die volkswirtschaftlichen Daten eine andere Sprache. italienischen Regierung steigt die Belastung für die Bürger Jahr
für Jahr an. Während in allen anderen europäischen Staaten
Italien fällt in den vergangenen Jahren Steuern gesenkt wurden, ist Itali-
und zieht damit Südtirol Jahr für Jahr en dazu nicht in der Lage. Südtirol hängt mit drin!
in der Wettbewerbsfähigkeit nach unten!
Das staatliche Renten- und Sozialsystem gehört zu den
schlechtesten und teuersten Europas. Altlasten verhindern
eine wirkliche Reform. Südtirol hängt mit drin!

Privatisierungen, die in anderen europäischen Ländern an-


gegangen wurden, wurden nur halbherzig angegangen. Es
fehlt der politische Mut wirkliche Schnitte zu machen. Die ita-
lienische Fluglinie ALITALIA flog in den vergangenen Jahren
pro Tag zirka 1 Million Euro Verlust ein. Der Steuerzahler
zahlt die Zeche. Südtirol hängt mit drin!

Die wirklichen Probleme des Staates werden nicht


angegangen und ziehen den Staat Italien immer wei-
ter nach unten. Alles was wir mit unserer heutigen

Im Jahr 2006 lag Italien nur noch auf dem 42. Platz in der
Liste der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Die Tendenz
zeigt klar nach unten! Unter den 25 EU-Staaten war das Platz
22. Nur Griechenland, Polen und Zypern wurden wirtschaft-
lich schlechter eingestuft.

Was hat das mit Südtirol zu tun?


Die Staatsverschuldung in Italien ist nach wie vor so hoch,
dass die gesamte Wirtschaftsleistung eines Jahres nicht aus-
reichen würde, um die Schulden zu bezahlen. Der absolute
Negativspitzenwert in Europa! Die ersten Forderungen, dass
auch Südtirol seinen Anteil übernehmen müsse, sind schon
aufgetreten! Südtirol hängt mit drin!
Rechtslage machen können, sind kosmetische Kor- Der Hauptunterschied
rekturen. Bei den großen wirtschaftlichen Zukunfts- Luxemburg, konnte sein Schicksal immer alleine bestimmen
themen (Steuern, Staatsschulden, Renten, Moderni- und ist heute eines der erfolgreichsten und immer noch auf-
sierung des Staates) gilt auch für Südtirol das Prinzip strebensten Länder Europas. Die Zukunftsthemen können un-
abhängig von unverschuldeten Altlasten (siehe Beispiel: Itali-
„mitgefangen - mitgehangen“. en und Südtirol) angegangen werden.
Durch eine eigenständige und auf das Land angepasste Wirt-
Spätestens unsere Kinder und Jugendlichen wer- schaftspolitik wurde Luxemburg das was es heute ist. Einer
den die Zeche für unser „es geht uns ja gut bei der attraktivsten Wirtschaftsstandorte innerhalb der Euro-
Italien“ zu zahlen haben. päischen Union. So haben allein 190 Banken und 10.000
Gesellschaften ihren Sitz in Luxemburg.

Von wegen: Zu klein um lebensfähig zu sein!

BELGIEN Das Durchschnittseinkommen in Luxemburg liegt bei 64.297


DEUTSCHLAND Euro während jenes in Südtirol bei zirka 26.500 Euro liegt.

Luxemburg Südtirol
LUXEMBURG Fläche km² 2.586 7.400
Luxemburg Einwohner 2005 457.250 483.000
Inflationsrate 2006 3% 2%
FRANKREICH
Wirtschaftsleistung 29,4 Mrd. € 12,8 Mrd. €
Beschäftigungsquote 2005 63,6 70,0%
Luxemburg als Vorbild Arbeitslosenquote 2006 4,8% 2,8%
Wirtschaft nach Sektoren 2006
Es liegt im Zentrum Europas und hatte neben der Kleinheit ei-
nige Gemeinsamkeiten mit Südtirol. Jedoch auch bedeutende Dienstleistungen 77% 63,5%
Unterschiede sind fest zu stellen. Industrie 22% 26,5%
Luxemburg beheimatet mit seinen zirka 457.000 Einwohnern
etwa gleich viele Menschen wie Südtirol. Landwirtschaft 1% 10%
Es ist zweisprachig. Neben der französischen Sprache, ist Quelle: Eurostat und Wifo
die deutsche Sprache und das Luxemburgische Amtsprache.
Luxemburg liegt wie Südtirol zwischen zwei Kultur- und Wirt- Luxemburg ist zusätzlich Sitz einiger EU Institutionen, die Ar-
schaftsräumen. Luxemburg liegt zwischen dem französischem beitsplätze im Land geschaffen haben. Diese ergänzen das
und dem deutschen Kulturraum. Bild, sind aber nicht der Grund für den Wohlstand.
Besser und innovativer
„Initiativen für eine Wiedervereinigung Tirols in den unterschiedlichsten Bereichen
sind nicht realistisch“
Landeshauptmann Herwig Van Staa Die folgenden Graphiken aus unterschiedlichen internationa-
len wirtschaftlichen Fachzeitschriften verdeutlichen einerseits
Quelle: Tageszeitung Dolomiten am 04. Dezember 2006 das Zurückfallen Italiens in die zweite Liga, wenn es um Wett-
bewerbsfähigkeit geht, andererseits zeigen sie, dass geogra-
Klingt diese Aussage nicht wie jene deutscher Politiker vor
der Wiedervereinigung? phische Kleinheit durchaus ein Vorteil sein kann.

BIP pro Kopf in Kaufkraftstandards 2005 - EU25=100

Luxemburg 248
Wirtschaftliches und politisches Umfeld
Irland 137

Dänemark 124 Rahmenbedingungen:


100 = beste Bedingungen
Niederlande 123

Österreich 123
Luxemburg 99,65
Belgien 118
Norwegen 98,44
Großbritannien 115

Finnland 112 Schweiz 98,03

Deutschland 110 Niederlande 92,80

Frankreich 109 Österreich 92,70

Italien 103
Großbritannien 92,23
Tschechien 73
Deutschland 90,12
Ungarn 61
Frankreich 89,18
Polen 50

0 50 100 150 200 250 300 Italien 85,18

Quelle: Eurostat 2006 Tschechien 68,82

Ungarn 68,50

*Das in Kaufkraftstandards ausgedrückte Bruttoinlandspro- Polen 66,26

dukt BIP vermittelt ein authentisches Bild der tatsächlichen 0,00 20,00 40,00 60,00 80,00 100,00 120,00

Kaufkraft der einzelnen Länder. Quelle: Euromoney magazine, Country Risk Survey March 2006

Südtirol hätte die einmalige Möglichkeit ein „Luxemburg in Die Rahmenbedingungen für Unternehmen sich in diesem
den Alpen“ zu werden. Ein unabhängiges Bindeglied in der Land niederzulassen und Arbeitsplätze zu schaffen. Eine
EU zwischen den Kulturräumen, das sein Schicksal selbst in Kombination aus Steuern, Bürokratie sonstigen Belastungen
die Hand nimmt und die Probleme der Zukunft selbst angeht. und positiven Anreizen.
Politische Stabilität Lebensqualität
10= Risiko politischer Instabilität ist sehr gering 10=sehr hoch

Dänemark 9,71
Österreich 9,58

Finnland 9,68 Schweiz 9,41

Österreich 9,42 Island 9,41

Dänemark 9,36
Schweiz 9,19

Deutschland 8,73
Deutschland 8,88
Niederlande 8,42
Großbritannien 8,63
Frankreich 8,20
Tschechien 7,77
Großbritannien 7,14

Frankreich 7,72
Tschechei 7,06

Ungarn 7,62
Italien 6,73

Italien 4,90 Ungarn 5,46

2,08 Polen 3,12


Polen
0,00 2,00 4,00 6,00 8,00 10,00 12,00
0,00 2,00 4,00 6,00 8,00 10,00 12,00

Quelle: World Competitiveness Yearbook, 2006 Quelle: World Competitiveness Yearbook, 2006

Wer weiß, wer im nächsten Jahr regiert? Mitte-Links mit dem


„Die deutsche Frage steht derzeit
Kommunisten oder Mitte-Rechts mit den Faschisten? Weil man
als akute Frage der Wiedervereinigung...
es nie genau weiß und sich auf keine langfristige Wirtschafts-
politik verlassen kann, wandert man als Unternehmer nach nicht auf der weltpolitischen Tagesordnung.
Möglichkeit ab. Auch von Südtirol verlegten in den vergange- Diejenigen, die derzeit von Wiedervereinigung daherreden,
nen Jahren einige Unternehmen ihre Betriebe nach Österreich. haben ... keine vernünftige realitätsnahe Perspektive.“
Hans Eichel

im November 1989 im SPD Organ „Wir Hessen“


Lebensqualität
So kann man sich täuschen, kurz darauf fiel die Mauer
Der Begriff Lebensqualität wird nicht nur mit mehr Mitsprache und Deutschland war wieder vereint!
und mehr selbstständigen Entscheidungsmöglichkeiten, son-
dern immer mehr auch mit Sicherheit verbunden. Sicherheit vor
Verbrechen, Sicherheit im Alter, Sicherheit, dass die Kinder in die Zuwanderer zu integrieren und sie in ihre sehr viel über-
einer Umgebung aufwachsen, in der sie sich entwickeln kön- schaubarere Gesellschaft aufzunehmen. Die Zuwanderung ist
nen. Die Integration der Zuwanderer spielt hier eine besonders leichter steuerbar und kontrollierbar als in großen Ländern. In-
wichtige Rolle. Den kleineren Staaten gelingt es viel besser, tegration von Zuwanderern heißt auch sozialer Friede. In Italien
erfolgt eine Art wilde Einwanderung, ohne wirkliche Kontrolle. Gutes Image
Skala: 0-10
Durch die Einwanderung wird Südtirol schrittweise italianisiert.
Die dringend benötigten Arbeitskräfte, die in Südtirol leichter Österreich 8,04

integrierbar sind, die Menschen aus Mittel- und Osteuropa, Schweiz 7,92

stammen aus einem uns ähnlichen Kulturkreis. Italien und da- 7,46
Großbritannien
von ist Südtirol auch betroffen, setzt jedoch verstärkt auf Zu- 7,25
Dänemark
wanderer aus Nordafrika und Albanien. Die Integration dieser
Niederlande 7,24
Menschen in die Südtiroler Kultur gestaltet sich sehr schwierig.
Deutschland 6,49

Impressum: Ungarn 6,33

Belgien 5,02
Verfasser: Sven Knoll, Schenna, svenknoll@gmx.at
Für den Inhalt verantwortlich: Prof. Dr. Karl Socher, Universität Innsbruck, Karl.Socher@uibk.ac.at 4,13
Frankreich
Presserechtlich verantwortlich: Roland Lang, Terlan, roland.lang@hotmail.com
Herausgeber: ARBEITSGRUPPE FÜR SELBSTBESTIMMUNG Italien 4,07
Sven Knoll, Schenna - Sepp Mitterhofer, Meran - Ltg. Pius Leitner, Vahrn -
Dr. Egon Kühebacher, Innichen - Paul Bacher, Bozen - Peter Ploner, Meran - Polen 3,89
Ltg. Dr. Eva Klotz, Bozen - Roland Lang, Terlan - Dr. Luis Zingerle, Schabs 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Bilder: Quelle: Südtirol Marketing, Urheber: Andergassen, Helmuth Rier, Milanesio,
Gestaltung: Hauger-Fritz, Meran - Druck: Athesia, Bozen
Quelle: World Competitiveness Yearbook, 2006

„Wenn es wirklich zu einer Abstimmung käme


und wir sechs Monate Zeit hätten die Bürger aufzuklären,
würde sich auch heute eine knappe Mehrheit
für eine Rückkehr zu Österreich finden.”
Landeshauptmann Luis Durnwalder

Quelle: Tageszeitung Dolomiten am 08. Juni 2006

Worauf warten wir?