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„Was war der Stern von Bethlehem? Antike Astrologie und Neues Testament“

Dr. Wolfgang v. UngernSternberg

Facharbeitsgruppe Neues Testament: 17./18. März 2014, Marburg

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Kontakt: mail@wolfgang.ws

„Portfolio“ Kontakt: mail@wolfgang.ws In der frühen Kirche war die Deutung des Sterns von

In der frühen Kirche war die Deutung des Sterns von Bethlehem als übernatürliche Erscheinung weit verbreitet (z.B. Diodor v. Tarsus:

«Göttliche Kraft in Form eines Sterns»). Dagegen steht allerdings, dass es sich mit den magoi eben doch um berufsmässige Sterndeuter gehandelt hat. Offensichtlich hat es genau diese gebraucht, um den Stern zu erkennen bzw. zu deuten. Bei den astronomischen Modellen ist der Komet das bekannteste und wahrscheinlich falscheste, da Kometen in der Antike als Unglücksbringer galten. Konjunktionen hatten den Vorteil, dass man sie durch Kombination der Planetensymbolismen deuten konnte. Als „ heliakischen Aufgangbezeichnet man das zeitgleiche oder –nahe Aufgehen eines Planeten am Horizont zusammen mit der Sonne.

Auf der einen Seite wird vor Sternenkult (Astrolatrie) gewarnt, auf der anderen wirkt Gott als Schöpfer aber ausdrücklich mit Bezug auf Jesus auch durch Zeichen am Himmel.

Ausserdem gehört es zum Lobpreis des Schöpfers, dass er die die Himmelsmechanismen lenkt:

31 Knüpfst du die Bänder des Siebengestirns, oder löst du die Fesseln

des Orion?

32 Kannst du die Tierkreisbilder hervortreten lassen zu ihrer Zeit und

den Großen Bären leiten samt seinen Jungen?

33 Hast du die Ordnungen des Himmels erkannt, oder bestimmst du

seine Herrschaft [oder: Urkunde, Himmelsschrift] auf der Erde? Hiob 38

[oder: Urkunde, Himmelsschrift] auf der Erde? Hiob 38 Wenn wir uns mit dem Thema von „Zeichen

Wenn wir uns mit dem Thema von „Zeichen am Himmel“ beschäftigen, ist es essentiell wichtig, uns das biblische Weltbild vor Augen zu halten:

Die Sterne können als Gottes Diener zur Ausführung seines Plans auftreten, wie es beim Kampf gegen Sisera in Richter 5 schön zum Ausdruck kommt.

Die Sterne „gehören nicht den Astrologen“ und wer sich als Christ damit beschäftigt, wie die Zeichen zur Geburt Jesu beschaffen gewesen sein könnten, macht sich deswegen auch nicht des Vorwurfs von Astrologie oder Astrolatrie schuldig. Vielmehr versucht er einen Teil Teil der Evangelienhistorie besser zu verstehen.

Teil Teil der Evangelienhistorie besser zu verstehen. 9 Juda ist ein junger Löwe. Du bist hochgekommen,

9 Juda ist ein junger Löwe. Du bist hochgekommen, mein Sohn, vom Raube. Wie ein Löwe hat er sich hingestreckt und wie eine Löwin sich

gelagert. Wer will ihn aufstören? 10 Es wird das Zepter von Juda nicht weichen noch der Stab des Herrschers von seinen Füssen , bis dass der

Held komme, und ihm werden die Völker anhangen.

Gen 49

Schon 1906 wurde der Vorschlag gemacht, dass das auffälligerweise zwischen den Füssen (!) platzierte Szepter ein Hinweis auf den Stern Regulus im Sternbild Löwe sei, wo er zwischen dessen Füssen oder an seinem Herz positioniert war. Dabei wurde schon hingewiesen auf das Löwenhoroskop von Antiochus I. von Kommagene (um 70 v. Chr.) aus der Westterrasse des NemrudDagh. 1 Zur Literatur siehe die 44seitige kommentierte Liste von R. Freitag 2 und neuer R. Coates 3 . Zum Motiv von Stern und Szepter vgl. auch Num 24, 17 .

1 Alfred Jeremias, Das Alte Testament im Lichte des Alten Orients: Handbuch zur biblisch orientalischen Altertumskunde, 2., neu bearb. Aufl (Leipzig: Hinrichs, 1906), 397f.

2 Ruth Freitag, The Star of Bethlehem: A List of References (Washington: Library of Congress, 1979).

3 Richard Coates, “A linguist's angle on the Star of Bethlehem,” Astronomy & Geophysics 49, no. 5 (2008).

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9 Sie aber zogen hin, als sie den König gehört hatten. Und siehe, der Stern,

9 Sie aber zogen hin, als sie den König gehört hatten. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er kam und oben über der Stelle stand , wo das Kind war. Mat 2

„Stern“ wird hier offenbar im allgemeinen Sinne (Licht am Himmel) verstanden, denn am Stillstehen eines „Sterns“ im modernen astronomischen Sinne (=Fixstern) wäre auch damals nichts Besonderes gewesen. Kann aber ein Planet stillstehen? Die Frage hat die Astronomen z.T. bis ins Mittelalter beschäftigt. Antwort: Einerseits physikalisch nein, wenn man das Sonnensystem quasi von aussen betrachtet. Andererseits aber sehr wohl und auch heute immer wieder, wenn von der Erde aus betrachtet (s. Skizze).

Von August 3 v. Chr. bis Juni 2 v. Chr. spielte sich eine ganz besondere

Von August 3 v. Chr. bis Juni 2 v. Chr. spielte sich eine ganz besondere Kette von Phänomenen am Himmel ab. Zunächst zog Jupiter (Königsplanet) eine Dreifachkonjunktion um den Stern Regulus (Königsfixstern) im Zeichen Löwe. Neun Monate später vereinigte sich – wiederum im Löwen – Venus (astrologisch: Frau) mit Jupiter in einer spektakulären Konjunktion: Sie schoben sich perspektivisch so übereinander, dass sie für das menschliche unbewaffnete Auge zu einem einzigen „Stern“, d.i. Licht am Himmel verschmolzen. Dabei addierten sie ihre Leuchtkraft, so dass dieser neue Stern der hellste am Firmament wurde. Die symbolträchtige Zeit von neun Monaten in Verbindung mit dem Symbolismus von Venus als „Frau“ kann Astrologen als Indikator für „Zeugung“ und „Geburt“ gedient haben.

Und ein großes Zeichen erschien im Himmel: Eine Frau , bekleidet mit der Sonne, und

Und ein großes Zeichen erschien im Himmel: Eine Frau , bekleidet mit der Sonne, und der Mond war unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt

ein Kranz von zwölf Sternen.

Offb 12, 1

Eine der deutlichsten Stellen in der Bibel dafür, dass man ausdrücklich etwas Astronomisches beobachten soll. Die „Frau“, die sich „mit der Sonne bekleidet“, ist das Sternbild Jungfrau , das auf der Ekliptik genau neben dem Löwen liegt. In Offb 12 ist es diese Frau, die den Messias gebiert. Sie liegt direkt neben dem Sternbild Löwe, was gut zum Zusammenhang oben passt. Ganz nah an der ersten JupiterRegulus Konjunktion bot sich uns nebenstehendes Bild: Die Sonne „bekleidet“ die Frau im Torso, während der Mond „unter ihren Füssen steht“. Genau, wie es die Offenbarung schildert.

3 Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel: Und siehe, ein großer, feuerroter Drache

3 Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel: Und siehe, ein großer, feuerroter Drache, … 4 und sein Schwanz zieht den dritten Teil der Sterne des Himmels fort, und er warf sie auf die Erde. Und der Drache stand vor der Frau ,… 15 Und die Schlange warf aus ihrem Mund Wasser wie einen Strom hinter der Frau her

 

Offb 12

Warum speit die Schlange (= Drache aus V.3) Wasser? Das Sternbild Hydra bezeichnet eine mehrköpfige Wasser schlange. Drehen wir das Bild 90%, so dass die Jungfrau aufrecht ist, so steht die Schlange direkt bei ihr. Hydra ist das grösste Sternbild und aussergewöhnlich lang, daher wohl der Hinweis auf den „dritten Teil des Himmels “.

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Neues Testament 3 Wolfgang v. Ungern ‐ Sternberg 2 Und das Tier , das ich sah,

2 Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther und seine Füße wie Bärenfüße und sein Rachen wie ein Löwenrachen . Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Macht. Offb 13

Sehen Sie ganz links den Löwen? Die Jungfrau wäre in dieser Darstellung schräg links oberhalb davon. Direkt auf der anderen Seite des Löwens sehen wir weitere Tiere, die im Anschluss in Offb erwähnt werden:

Draco , den Drachen und Ursa Maior, den Grossen Bären . Diese Anhäufung von Entsprechungen bei den Sternbildern kann wohl nicht mehr zufällig sein.

(Vorsicht, der Panther ist nicht im Sternbild „Camelopardalis“ / Giraffe zu suchen [pardalis = Panther], es wurde [im Westen] erst im 17. Jh. eingeführt.)

15 Denn diese sind nicht berauscht, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte

Stunde des Tages; 16 sondern dies ist es , was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: […]

20 die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut,

ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt. Apg 2

Dass der Mond sich „in Blut“ verwandelt, ist kein Wunder, sondern beschreibt als terminus technicus ein reguläres Naturphänomen: Die manchmal auftretende rötliche Verfärbung der Mondsilhouette bei Mondfinsternis (entsteht durch Restlichtdiffusion in der Erdatmosphäre). Sofern der Text uns sagen möchte, dass es „dies ist“, was bei der Kreuzigung eintrat, hätten wir eine Datierungshilfe für die Kreuzigung: Mondfinsternis mit rotem Mond in der Nähe des Passahfestes. Ein möglicher Kandidat wäre der 3. April 33 n. Chr.

Ein möglicher Kandidat wäre der 3. April 33 n. Chr . 25b Von dem Zeitpunkt an

25b Von dem Zeitpunkt an , als das Wort erging, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis zu einem Gesalbten, einem Fürsten, sind es sieben Wochen. Und 62 Wochen lang werden Platz und Stadtgraben wiederhergestellt und gebaut sein, und zwar in der Bedrängnis der Zeiten. 26 Und nach den 62 Wochen wird ein Gesalbter ausgerottet werden und wird keine Hilfe finden. Dan 9

Das Interessante an diesem Kreuzigungsdatum (3. April 33 n. Chr.) wäre, dass es hervorragend mit der Prophetie über die 69 Jahrwochen (69 x 7 = 483 Jahre) bei Daniel übereinstimmen würde, sofern man von 444 v. Chr. als dem relevanten Erlass zum Wiederaufbau durch Artaxerxes ausgeht und die prophetischen Jahre Daniels mit je 360 Tagen

veranschlagt (ausführlichere Begründung auf Wunsch nach dem Referat) .

Begründung auf Wunsch nach dem Referat) . Gesamtdarstellung Beachten Sie den roten Pfeil: Neun

Gesamtdarstellung

Beachten Sie den roten Pfeil: Neun Monate von der ersten JupiterRegulusKonjunktion bis zum Verschmelzen von Jupiter und Venus (häufig in Observatorien gezeigt). Unten links die rote Markierung zeigt die Jungfrau mit Sonne und Mond wie o.a.

Weiter signifikant, weil sehr selten ist die Planetenballung (violettes Dreieck) im August 2 v. Chr.