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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen »

Übersicht

15. Februar 2013

 

1- Perspektive

 

Zweites Halbjahr 2013: Der reale oder zumindest erwartete Zusammenbruch des Dollars zwingt die Welt, sich neu zu ordnen

Wie die Eurokrise Europa gezwungen hat, sich zu modernisieren und seine Wirtschafts- und Finanzgovernance den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzupassen, wird die schwere Dollarkrise die Welt zwingen, die Gesamtheit der Strukturen der Weltgovernance umzubauen. Dabei muss die erste Baustelle das internationale Währungssystem sein, wenn der Sturm überstanden werden soll, der die nationalen Währungen treffen wird… (Seite 2)

 

2- Teleskop

 

2013 bis 2015: Das Ende der Weltherrschaft des Petrodollars

2005 überholte der Ölverbrauch der Schwellenländer den der westlichen Staaten. Dass ein "zweiter" Kunde, reich und konsumfreudig, am Markt auftauchte, war für die ölproduzierenden Länder eine unwiderstehliche Gelegenheit, trieb den Ölpreis in die Höhe und änderte grundlegend die Kräfteverhältnisse zwischen dem Westen und den OPEC- Staaten … (Seite 11)

 

3- Fokus

 

GEAB - $- Index und GEAB - €- Index vom Februar 2013 - Nach zwei Jahren eine Trendwende: Der

Euro steigt, der Dollar fällt

Damit sollte der GEAB-$-Index ein einfacher und verlässlicher Indikator für die Wertentwicklung des Dollars sein, weil er die Multipolarität der Welt, die am Entstehen ist, auch zur Grundlage seiner Wertmessung macht. Zukünftig wird LEAP weiterhin regelmäßig den GEAB € Index veröffentlichen, mit dem auf umfassender und

verlässlicher Basis die Entwicklung der Gemeinschaftswährung Eurolands dargestellt werden soll. … (Seite 20)

Ölkrise: Besondere Empfehlungen an die Regierungen der europäischen Mitgliedstaaten

In der heutigen, im Umbruch befindlichen Welt können die vor sich gehenden radikalen Änderungen es unendlich erschweren, die Interessen eines Landes oder einer Region richtig einzuschätzen, wenn sie nicht richtig erfasst werden. Insbesondere die Versorgung mit Erdöl spielt, wie wir dargelegt haben, im Übergang zur Welt von Morgen eine entscheidende Rolle. In diesem Rahmen und um die Interessen Europas herauszuarbeiten, damit es besser für die Zukunft gewappnet sei, bringen wir fünf einfache Empfehlungen den europäischen Regierungen zur Kenntnis… (Seite 23)

Praktische und strategische Empfehlungen

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Vorsicht an den Aktienmärkten: Die Eingeweihten wetten auf Kursverfall

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Grenzmärkte

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Edelmetalle

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Opa-Boom

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nationale kleine und mittlere Unternehmen… (Seite 25)

 

4- Der GlobalEurometer

 

Ergebnisse & Auswertung

Langsam aber sicher steigt die Zahl der Befragten, die in den nächsten sechs Monaten mit einem Zusammenbruch des Dollars rechnen, wieder auf stratosphärische Höhen; nur noch 5% gehen davon aus, dass dies nicht eintreten werde, während 81% eine solche Entwicklung für die US- Währung vorhersehen. Im Dezember waren es "nur" 74% gewesen, und schon 79% im Januar… (Seite 26)

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Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°72 – 17. 01. 2013 © Copyright GEFIRA / LEAP – 2013 - ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

Jede Nutzung in seiner Gesamtheit oder Auszügen des Inhalts der Ausgaben des Global Antizipations-Bulletin, einschließlich seiner Reproduzierung, Veränderung, Vertrieb oder Veröffentlichung ohne die schriftliche Einwilligung von LEAP ist streng verboten und stellt einen strafwürdigen Tatbestand dar.

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1- Perspektive

Zweites Halbjahr 2013: Der reale oder zumindest erwartete Zusammenbruch des Dollars zwingt die Welt, sich neu zu ordnen

Wie die Eurokrise Europa gezwungen hat, sich zu modernisieren und seine Wirtschafts- und Finanzgovernance den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzupassen, wird die schwere Dollarkrise die Welt zwingen, die Gesamtheit der Strukturen der Weltgovernance umzubauen. Dabei muss die erste Baustelle das internationale Währungssystem sein, wenn der Sturm überstanden werden soll, der die nationalen Währungen treffen wird.

Nach unseren Vorhersagen wird sich dieser Umbau, dessen genaue Konturen sich erst mit dem G20- Treffen im September 2013 konkreter abzeichnen werden, aller Voraussicht nach überstürzt vollziehen; denn wir gehen davon aus, dass die ersten großen Erschütterungen des Dollarsystems schon in der Zeit von März bis Juni 2013 eintreten werden.

Ein Satz von Antonio Gramsci 1 beschreibt wunderbar die lange und gefährliche Übergangsphase, in der wir gegenwärtig leben: "Die alte Welt stirbt, die neue Welt lässt noch auf sich warten, und in diesem Zwielicht tauchen die Monster auf." Diese Phase wird zu Ende gehen, aber die Monster werden gefährlich bleiben.

Ganz offensichtlich ist einer der maßgeblichen Faktoren, die den Machtverlust der USA beschleunigen werden, Erdöl. Dem Petrodollar, ein Schlüsselelement amerikanischer Dominanz in der Welt, ist nur noch kurze Zeit vergönnt. Daher werden wir in dieser Ausgabe des GEAB ausführlich die Entwicklung des Ölmarkts analysieren. Weiterhin veröffentlichen wir wieder einmal den GEAB- Dollar- und den GEAB - Euro- Index, dank derer auch in dieser Zeit der Währungsstürme die Wertentwicklung der Währungen verlässlich verfolgt werden kann. Und wie immer schließt der GlobalEurometer die Ausgabe ab.

Krisenanzeichen zuhauf oder warum wir unsere Warnung für März bis Juni 2013 aufrecht erhalten

Seit dem letzten Monat und der 71. Ausgabe des GEAB ist das Bündel an schwerwiegenden Trends und Indizien für eine Katastrophe in der Zeit von März bis Juni 2013 noch angewachsen. Da sind zum einen die "Währungskriege", die inzwischen auch auf die Politik der Länder übergriffen haben und das Vertrauen der Länder in ihrer Partner ruinieren. Wir werden im Folgenden darauf näher eingehen. Aber auch intern liegen viele Hinweise vor, die wir als Warnungen vor den weiteren Entwicklungen in den USA sehen sollten.

Mit ihrer Entscheidung, die Diskussionen über die Haushaltseinschnitte/Steuererhöhungen von denen über die Anhebung der Schuldengrenze abzukoppeln 2 , haben die Amerikaner die Zahl der Stolpersteine, die vor ihnen liegen, verdoppelt. Bisher gab es den vom Ende Februar, Anfang März, über den zu stürzen es zu vermeiden galt, nun gibt es einen weiteren im Mai, der die USA auf den Boden schicken könnte. Diese Abkoppelung zeigt deutlich, welche Strategie die Republikaner verfolgen. Sie werden sicherlich so hart wie möglich verhandeln, um als Gegenleistung für die Erhöhung der Schuldenobergrenze weitere Ausgabenkürzungen durchzusetzen, aber letztendlich werden sie nicht darum herumkommen, für die Erhöhung zu stimmen, wenn sie nicht für die Katastrophe verantwortlich gemacht werden wollen, die auf die Zahlungsunfähigkeit folgen würde 3 . Hingegen werden die Auswirkungen der ab dem 1. Mai vorgesehenen automatischen Haushaltskürzungen, wenn auch nicht schmerzlos, bei weitem nicht so schrecklich wie oft behauptet sein, und die Republikaner sind fest entschlossen, eine massive

1 Siehe zu diesem italienischen Intellektuellen Wikipédia.

2 Quelle : The New York Times, 23/01/2013.

3 Zwei Artikel, die sich mit den Folgen einer amerikanischen Zahlungsunfähigkeit beschäftigen, für die USA selbst "Preparing for the

Unthinkable: Could Markets Handle a US Default?" (CNBC, 17/01/2013), und für Russland "Could the Russian economy withstand a

U.S. default? "(RBTH.ru, 04/02/2013).

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Eindämmung des öffentlichen Defizits durchzusetzen bzw., sollte dies nicht gelingen, statt dessen die automatischen Kürzungen wirken zu lassen.

statt dessen die automatischen Kürzungen wirken zu lassen. Goldpreis in Dollar (gelb, linke Achse) und Obergrenze

Goldpreis in Dollar (gelb, linke Achse) und Obergrenze der US- Schulden (Billionen USD, rechte Achse) -

Quelle: wealthcycles.com.

Aber davon abgesehen, wer könnte angesichts der Haushaltskürzungen Anfang März und nach einem, wieder einmal, "unerwarteten" und weitgehend ignorierten Rückgang des US- BIP im vierten Quartal 2012 4 noch ernsthaft davon ausgehen, dass im ersten Quartal 2013 die US- Wirtschaft wieder wachsen könnte? Es sei denn, man fälscht die Statistik. Der Rückgang ist umso unvermeidlicher, da im Nordosten der USA wegen eines Schneesturms einige Tage lang jegliche wirtschaftliche Aktivität zum Erliegen kam und die Grippewelle dieses Jahr besonders aggressiv war 5 . Das sind natürlich geeignete Ausreden 6 , wenn es darum gehen wird, das Schrumpfen einer Wirtschaft zu erklären, von der es offiziell heißt, dass sie sich im Aufschwung befindet. Dennoch wird die Nachricht Ende April von einem erneuten Abgleiten der US- Wirtschaft in die Rezession (definitionsgemäß ein Rückgang des BIP in zwei aufeinander folgenden Quartalen) nicht spurlos an der Weltwirtschaft vorbeigehen.

Glücklicherweise ist ein Damm errichtet worden, der verhindern wird, dass die dadurch ausgelösten Wellen Schaden anrichten können: Der Ratingagentur Egan Jones, weniger loyal gegenüber den USA, deren Bonitätsnote sie schon drei Mal auf inzwischen AA- gesenkt hat, ist für eine Dauer von 18 Monaten untersagt worden, die USA zu bewerten. Das ist ja ein wirklich glücklicher Zufall! Und von den drei großen Ratingagenturen wurde gerade S&P verklagt, auch wieder rein zufällig diejenige, die den Affront begangen hatte, die Bonitätsnote der USA herabzusetzen. Wenn die beiden anderen da nicht verstehen, dass es in ihrem Interesse ist, gegenüber den USA mit Bescheidenheit und Respekt aufzutreten

So nutzlos dieser "Damm" auch sein mag, so zeigt seine Errichtung doch, dass die Regierung Obama dem Jahr 2013 mit viel Sorge entgegen sieht; der "Damm" ist damit ein Hinweis darauf, dass der große Schock auch nach Einschätzung der US- Regierung unmittelbar bevorsteht. Aus diesem Blickwinkel muss man auch die Verlautbarung der Federal Deposit Insurance Corporation 7 (FDIC) vom 1. Januar 2013 interpretieren, mit der bekannt gegeben wird, dass ab dem 1. Januar 2013 Girokonten nicht mehr unbegrenzt garantiert sind, sondern wieder die Garantiegrenze von 250.000 USD für die Gesamtheit der Ersparnisse auf Bankkonten gilt. Damit sind auf einen Schlag 1400 Milliarden USD Bankeneinlagen im Fall von Bankinsolvenzen nicht mehr staatlich garantiert 8 . Für die FDIC bringt dies natürlich die angenehme

4 Die Argumentationsschiene, der die US- Märkte folgen, zeigt, wie weit sie sich von der Wirklichkeit entfernt haben: "Wenn die Wirtschaftsnachrichten gut sind, ist das umso besser, denn das heißt, dass der Aufschwung da ist; wenn sie schlecht sind, ist das genauso gut, denn dann wird die Fed einschreiten." Ein solches Verdrängen der Realität und grundloser Optimismus ist typisch für eine Macht, die am Rande des Abgrunds steht.

5 Vgl. CNBC, Major Flu Outbreak Threatens to Slow Economy Further, 10/01/2013.

6 Quelle : ZeroHedge, 07/02/2013.

7 Quelle : FDIC.gov.

8 Quelle : BusinessFinance, 19/07/2012.

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Folge mit sich, dass die Behörde bei weiteren Bankenpleiten nicht mehr so sehr dem Risiko ausgesetzt ist, selbst in die Zahlungsunfähigkeit zu geraten.

Und offensichtlich bereiten sich auch große Akteure der globalen Finanzwirtschaft entsprechend vor:

Enorme Wetten auf Kursrückgänge wurden mit Sicht auf Ende April abgeschlossen 9 ; zwei Schweizer Banken änderten ihre Gesellschaftsform, damit ihre Gesellschafter nicht mehr mit ihrem eigenen Vermögen für Verluste der Bank 10 haften; Eric Schmidt stößt Googleaktien mit einem Wert von 2,5 Milliarden USD ab 11 usw.

Aber nicht nur die Märkte bereiten sich auf das Schlimmste vor. Auch die amerikanische Regierung scheint mit Unruhen und zahlreichen Krawallen zu rechnen: Sie rüstet ihr Ministerium für Innere Sicherheit (Department of Homeland Security) mit 7000 Sturmgewehren aus 12 . Und die Regierung denkt nicht daran, auf ihr "Recht" zu verzichten, dass sie sie selber zugestanden hat, amerikanische Bürger ohne auch nur den Anschein eines gerichtlichen Verfahrens umzubringen, wenn der Verdacht besteht, dass sie eine "konkrete Bedrohung" terroristischer Art 13 darstellen - da mögen Teile der Bevölkerung dagegen protestieren, solange sie wollen.

Bankeninsolvenzen: Von Island lernen, heißt siegen lernen

Angesichts des zu erwartenden Schocks gehen wir davon aus, dass viele Länder, und unter ihnen auch die USA, sich bei der nächsten Bankenkrise ein Vorbild an Island nehmen werden und Banken nicht mit viel frischem Geld retten, sondern sie in die Pleite gehen lassen werden 14 . Ein Beispiel dafür lieferte schon Irland, das die Bank IBRC liquidierte, und es dürfte Schule machen. "Wie Irland seine Bankenlast in nur einer Nacht abwarf", lautete die bewundernde Schlagzeile von La Tribune 15 . Die isländische Methode bietet sich immer mehr als die adäquate Lösung bei einer neuen Bankenkrise an, und dies aus den folgenden Gründen: Zum einen scheint dies viel besser zu wirken als die Rettungsschirme, die in anderen Ländern aufgespannt wurden, wenn man sich ansieht, wie auf welch gutem Weg Island ist, sich von seiner Finanzkatastrophe zu erholen. Zum anderen fehlen den Staaten inzwischen schlichtweg die Mittel, um die Banken noch einmal zu retten. Und schließlich ist es doch recht offensichtlich, dass es für jede Regierung sehr verlockend ist, mit einer Maßnahme, die in der Bevölkerung mit viel Beifall aufgenommen würde, einen Teil ihrer Schulden und "toxische Werte" abstoßen zu können, die ihre Volkswirtschaft belasten.

Diese Banken, die als "too big to fail" gelten, sind nämlich Inhaber von riesigen Forderungen gegen westliche Staaten und Privatpersonen; aus ihnen ziehen sie ihren Profit und auf sie bauen sie ihre Macht. In vorhergehenden Ausgaben des GEAB haben wir bereits eine Parallele gezogen zwischen einer Bank wie z.B. Goldman Sachs und den Templern 16 , einem Orden von Mönchssoldaten im 13. Jahrhundert, der sich auf Kosten des Staates übermäßig bereichert hatte, bis er vom König Frankreichs Philippe dem Schönen zerschlagen und sein Vermögen eingezogen wurde. Einige geplante Maßnahmen, von denen man in den Medien lesen kann, weisen schon in diese Richtung. So wollen einige Staaten z.B. die Banken zwingen, Geschäftsbanken und Sparkassen zu trennen 17 ; dies würde in der Tat dazu führen, dass die Probleme der ersten nicht auf die zweiten durschlagen würden. Genauso kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die vielen, gegenwärtig gegen große Banken ganz zu Recht anhängige Klagen oder verhängte Strafen (Barclays usw 18 .) ein Mittel der Regierungen sind, an das Geld der Banken zu kommen, um es wieder dem Staat oder der Realwirtschaft zuzuführen.

9 Quelle : Do Wall Street Insiders Expect Something Really BIG To Happen Very Soon? Activist Post, 07/02/2013.

10 Quelle : Nach mehr als 200 Jahren Existenz machen zwei Schweizer Banken ihre Revolution, Le Monde, 06/02/2012.

11 Quelle : Forbes, 11/02/2013.

12 Quelle : The Blaze, 26/01/2013.

13 Quelle : Le Monde, 06/02/2013.

14 Wie die isländische Bank Icesave, die die isländische Regierung in Konkurs gehen ließ; und vor allen Dingen weigerten sich die Isländer mittels eines die Regierung bindenden Referendums, für die Schulden der Banken zu haften. Quelle : Wikipédia.

15 Quelle : La Tribune, 07/02/2013.

16 Quelle : Wikipedia

17 Quelle : Reuters, 02/10/2012

18 Um sich eine Vorstellung davon zu machen, wie viele Klagen und Verfahren anhängig sind, reicht es z .B. bei Google den Suchbegriff Bank + Klage einzugeben.

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Sicherlich werden die Regierungen der großen Länder nicht aktiv am Untergang einer Bank arbeiten; aber eines ist sehr wohl sicher: Heute und in der weiteren Zukunft sind die Motivation der Behörden und die finanziellen Mittel, die sie aufwenden würden, um Banken vor einer Pleite zu retten, himmelweit von der und denen entfernt, die sie 2008 und 2009 aufwandten. Sollten dennoch einige der "too big to fail"- Banken Gnade vor den Augen der Regierungen finden, wie Bank of America, die in großen Schwierigkeiten stecken soll 19 , so ist jedoch sicher, dass die Verantwortlichen so weitgehend wie möglich zur Kasse gebeten würden.

Aber unabhängig von den Maßnahmen, für die sich die Regierungen in nächster Zeit entscheiden werden, wird dieser neue Schock, den wir schon in der 62. Ausgabe des GEAB vorhergesagt hatten ("2013 : Ende der Vorherrschaft des US-Dollars als wichtigstes Zahlungsmittel des Welthandels") den Machtverlust der USA beschleunigen und die Vorherrschaft des Dollars als wirksamstes Mittel amerikanischen Einflusses in der Welt brechen.

Wege aus der US- Krise: Nur schlechte Lösungen

Als Wege aus der Krise stehen den USA nicht viele und nur schlechte Lösungen offen. Die Option eines Staatsbankrotts wirkt verlockend, wäre aber katastrophal, wie wir schon beschrieben haben und würde verheerende Folgen für das Land zeitigen, das zu sehr von den Finanzmärkten und dem Vertrauens des Rests der Welt abhängig ist. Ein Staatsbankrott wäre das Ende für den Dollar als internationale Leitwährung.

Eine andere, subtilere und langfristigere Möglichkeit, sich von den Schulden zu befreien, wäre die Inflation. Aber merkwürdigerweise ist das nicht so einfach, wie allgemein geglaubt. Die Fed druckt doch schon seit Jahren ohne Unterlass Geld, aber weder springt deswegen die Wirtschaft an noch kommt es zu einer nennenswerten Inflation. Dass trotz der Geldmengenvermehrung Preissteigerungen ausbleiben, lässt sich zumindest auf zwei verschiedenen Arten erklären: Zum einen, wie sich dem folgendem Schaubild entnehmen lässt, hinterlegen die Banken, die für ihr Geld eine sichere Anlage suchen, ungefähr die gleiche Summe, die die Fed kreiert hat, bei der Zentralbank und neutralisiert damit das Geld, das nicht in Form von Krediten in die Realwirtschaft fließt, dort also keine Nachfrage und damit höhere Preise erzeugen kann. Wenn in einem Land zum Beispiel 1000 Geldscheine zu 100 $ in Umlauf sind und jeder Geldschein durchschnittlich vier Mal im Jahr den Besitzer wechselt, entsteht damit eine Nachfrage von 400.000$ pro Jahr. Wenn im folgenden Jahr wegen der Krise die Geldscheine aber nur zwei Mal den Besitzer wechseln, muss die Zentralbank die Geldmenge verdoppelt haben, um auch nur eine gleichbleibende Nachfrage zu sichern, was jegliche Inflation ausschließt. Die Geldmengenvermehrung wird durch die geringere Umlaufgeschwindigkeit kompensiert. Das ist genau das, was in den USA gegenwärtig passiert, wie man dem folgenden Schaubild entnehmen kann.

19 Quelle : The Frightening Truth Behind Bank Of America's "Earnings", ZeroHedge (17/01/2013)

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6 Oben, in blau, die Einlagen der Banken bei der Fed; in rot die öffentlichen Schulden
6 Oben, in blau, die Einlagen der Banken bei der Fed; in rot die öffentlichen Schulden

Oben, in blau, die Einlagen der Banken bei der Fed; in rot die öffentlichen Schulden im Besitz der Fed. Unten die Geldumlaufgeschwindigkeit (M2) - Quelle : Fed of Saint Louis

Um Inflation auszulösen, ist wohl die Abwertung des Dollars erforderlich. Aber wie kann man abwerten, wenn man selber die Leitwährung ist? Denn jedes Land wird ebenfalls entsprechend abwerten wollen, um wettbewerbsfähig zu bleiben; und wenn alle abwerten, bleiben die Wechselkurse unverändert. Um so diskret wie wirksam abzuwerten, könnten die USA ein oder zwei Verbündete, (sagen wir einmal, rein willkürlich, Japan, eventuell auch Großbritannien) bitten, mit einer rücksichtlosen Geldpolitik ihre eigene Währung nach unten zu treiben 20 . Dann stiege im Verhältnis zum Yen der Dollar und niemand könnte den USA vorwerfen, ihre Währung abzuwerten; dass der Euro im Vergleich zum Dollar stiege, könnte man ja dann dem Euro vorwerfen. So lässt sich doch die erstaunliche Zurückhaltung der USA gegenüber der japanischen Geldpolitik erklären, die doch nie zögern, den Chinesen Währungsdumping vorzuwerfen. Aber diese neoprotektionistische Politik mittels Währungsmanipulation ist riskant und kann einen Abwertungswettlauf auslösen.

20 Offensichtlich und entgegen der allgemeinen Annahmen brauchte der Yen weder die Intervention der japanischen Zentralbank noch die Wahl von Abe, um an Wert zu verlieren. Die Kursverluste setzten schon im Oktober 2012 ein. Die wirtschaftlichen Grunddaten reichen für eine Abwärtsbewegung der Währung, warum also noch drauflegen?

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7 In rot der Kurs des Euro in Dollar; in blau der Kurs des Yen in

In rot der Kurs des Euro in Dollar; in blau der Kurs des Yen in Dollar (NB, der Yenkurs wird überlicherweise in Yen pro Dollar angegeben und nicht in Dollar pro Yen wie in diesem Schaubild)

- Source : Google finance

Eine andere, weit berechenbarerer Möglichkeit bestünde in einer Reform des internationalen Währungssystems (IWS). Denn der Dollar ist aktuell nur dank seines Status als internationale Reservewährung so "hoch" bewertet. Solange die Welt Dollar braucht, um Handel zu treiben, gibt es eine starke Nachfrage und sein Kurs bleibt hoch. Das gleiche gilt für das Vertrauen in die amerikanischen Staatsanleihen 21 . Daraus lässt sich ableiten, dass der Dollar, wenn er nicht mehr der alleinige Pfeiler des IWS sein wird, sondern nur noch ein Bestandteil eines Währungskorbs, automatisch einen guten Teil seines Wertes einbüßen und dann den wahren Zustand und die wahre Bedeutung der amerikanischen Realwirtschaft widerspiegeln wird. Eine solche Abwertung würde den USA ermöglichen, auf Dauer zur Wettbewerbsfähigkeit zurück zu finden, den Aufschwung einleiten und (importierte) Inflation auslösen, was wiederum ermöglichen würde, die Schulden abzubauen. Wir wiederholen also hier noch einmal unsere Überzeugung, dass eine Reform des IWS die beste Lösung wäre, um diese Krise zu überwinden.

Aber auf den ersten Blick scheinen die USA die großen Verlierer einer Reform des IWS zu sein, denn die privilegierte Stellung des Dollars ermöglicht ihnen, ihre Einfuhren mit Geld zu bezahlen, dass sie frisch drucken. Es ist daher zu befürchten, dass die USA eine solche Reform blockieren werden. Jedoch muss ihnen klar sein, dass der Dollar mit oder ohne diese Reform seinen Status als Weltleitwährung verlieren wird; nur wird für den zweiten Fall der Weg dahin nicht ruhig verlaufen, sondern chaotisch und gefährlich. Denn einige bedeutsame Trends weisen in diese Richtung:

Erst einmal der ausgeprägte Wille der BRICS, eine solche Reform auf den Weg zu bringen. Die EU könnte sie darin bald unterstützen, wenn Francois Hollandes Aufruf zur Reform des internationalen Währungssystems nicht folgenlos bleibt 22 . Wir gehen jede Wette darauf ein, dass gerade in Moskau beim Treffen der G20- Finanzminister (15./16. Februar) dieses Thema auf den Gängen diskutiert wird. Das Thema wird am 26./27. März in Durban beim BRICS- Gipfel erörtert werden. Und auch beim G20- Treffen in St. Petersburg im September wird Putin nicht die Gelegenheit verstreichen lassen, diese Reform einzufordern. Auch aus anderen Kreisen wird die Neugründung des IWS gefordert, wie z.B. vom OMFIF in einer neuen Studie 23 .

Weiterhin spielt natürlich Öl eine entscheidende Rolle in den kommenden Entwicklungen. Als LEAP/E2020 im Januar 2006 in der ersten Ausgabe des GEAB den Fall der Dollarmauer vorhersagte, zogen wir dabei eine Parallele zwischen der Berliner Mauer, dank derer das kommunistische System des Ostblocks so lange zu überleben vermochte, und der Dollarmauer, die die USA beschützt. Aber diese Dollarmauer stützt sich wiederum auf Öl, dieser so wichtige Rohstoff, der fast alle Länder zwang, sich um jeden Preis mit Dollar einzudecken. Solange Öl mit Dollar bezahlt wird, besteht nach der US- Währung Nachfrage und ist die Vorrangstellung des Dollars gesichert. Dass die Europäische Union sich der Iranpolitik der USA

21 Hierzu Uncle Sam’s 'F' Rated Bonds (F wie "Flucht" »), CNBC (16/01/2013). « Were the United States any other country, its bonds would have long ago been downgraded to junk. »

22 Rede vor dem Europäischen Parlament: "es geht darum, die unumgängliche Reform des internationalen Währungssystems anzugehen" : LCP.

23 Quelle : OMFIF, 25/01/2013.

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angeschlossen und ebenfalls Sanktionen gegen das Land verhängt hat, ist ganz entscheidend für die USA. Würden die Europäer den Iraner Öl gegen Euro abkaufen, wäre das Schicksal des Dollars als Weltleitwährung wohl schon besiegelt. Aber die sich bessernden Beziehungen zum Iran und die Wahlen vom Juni 2013, die einen neuen Präsidenten als Nachfolger von Mahmoud Ahmadinedschad bestimmen werden, wird es der EU ermöglichen, die Sanktionen zu beenden und vom Iran wieder Öl zu kaufen, das sie mit Euro bezahlen wird. Diese Entwicklung wird den Wertverlust des Petrodollars maßgeblich beschleunigen.

Schließlich bleibt festzuhalten, dass diese Emanzipation der Weltwirtschaft vom Dollar von vielen Ländern schon vorbereitet und geplant wird, wie man am Goldmarkt feststellen kann: Die Zentralbanken kaufen Gold wie nie zuvor 24 , China kauft Rekordmengen 25 , und Deutschland möchte seine Goldreserven wieder aus den USA zurückholen 26 27

wieder aus den USA zurückholen 2 6 … 2 7 Goldkäufe Chinas 2012 (in Tonnen) -

Goldkäufe Chinas 2012 (in Tonnen) - Quelle : ZeroHedge

Diese Goldkäufe dienen insbesondere dem Ziel, das Überleben der Staaten zu gewährleisten, wenn das Vertrauen in den Dollar verschwunden und er für den Ölkauf nutzlos sein wird 28 , und die Währungsturbulenzen zu überstehen, die dem Zusammenbruch des Dollar folgen werden, letztendlich auch um für die Eventualität gerüstet zu sein, dass das neue internationale Währungssystem zumindest anteilig wieder einen Goldstandard einführt.

Die verzweifelte Jagd der USA nach ihrer kurzfristigen Energieunabhängigkeit auch unter Inkaufnahme schwerer Umweltschäden kann auch aus dieser Sicht interpretiert werden: Wenn der Dollar nicht mehr alleinige Weltleitwährung sein und deutlich an Wert verloren haben wird, wie kann das Land dann noch das für es so lebenswichtige Öl einführen, das es nicht mehr bezahlen kann?

24 Quelle : CNBC, 14/02/2013.

25 Quelle : ZeroHedge, 05/02/2013. China möchte ganz offensichtlich das wahre Volumen seiner Goldreserven geheim halten, denn das Land behauptet, über 1000 Tonnen zu verfügen, während es jährlich 800 Tonnen aufkauft

26 Quelle : Le Point, 16/01/2013.

27 Dabei ist es doch auffällig, dass 300 Tonnen, die in Paris verwahrt waren, unverzüglich nach Deutschland transportiert werden konnten, während die 300 Tonnen, die von den Amerikanern in New York verwahrt werden, erst im Verlauf von sieben Jahren nach Deutschland geschickt werden. Hätten die Amerikaner das Gold gar nicht mehr (was viele vermuten), hätten sie der Bundesbank sicherlich genau dieselbe Zusage gegeben.

28 Siehe hierzu Petrogold: Are Russia And China Hoarding Gold Because They Plan To Kill The PetroDollar? (The economic collapse,

12/02/2013) und The Petro-Dollar Sunset (Silver Doctors, 18/01/2013).

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Die Auswirkungen auf den Rest der Welt

Natürlich wird die Geopolitik des Öls durch diesen Wandel umgestoßen, der sich schon seit Beginn der Krise abzeichnet. Deshalb beschäftigen wird uns im "Teleskop" dieser Ausgabe mit einer Studie zu den relevanten Entwicklungen auf dem Ölmarkt. Es ist übrigens auffällig, dass die Krise zu einem Zeitpunkt ausgebrochen ist, als der Ölverbrauch der Schwellenländer erstmals den der Industrieländer überflügelte.

erstmals den der Industrieländer überflügelte. Ölverbrauch: in rot die USA, Japan und Europa, in blau der

Ölverbrauch: in rot die USA, Japan und Europa, in blau der Rest der Welt - Quelle: yardeni.com

Es gibt inzwischen zwei streng getrennte Blöcke von Öl konsumierenden Ländern: Auf der einen Seite der Westen, auf der anderen Seite die BRICS und andere Schwellenländer; der Verbrauch der Industrieländer geht langsam zurück, während der Verbrauch der Schwellenländer rapide ansteigt. Wenn der Westen einem Land sein Öl nicht mehr abkaufen möchte, nehmen die BRICS und insbesondere China es sehr gerne. Der Einflussbereich und das Versorgungsgebiet des Westens werden daher immer kleiner.

Wie schon zu Zeiten des Kalten Krieges hat nun ein Öl produzierendes Land zwei potentielle Kunden, die untereinander in Wettstreit stehen. Wenn ein Land diese Situation gut für sich zu nutzen weiß, gewinnt es beträchtlichen Spielraum und kann nur sehr schwer destabilisiert werden. Nigeria, traditionell ein Öllieferungsland der USA, das von der amerikanischen Ankündigung überrascht wurde, zukünftig auf nigerianische Öllieferungen zu verzichten 29 (angeblich würde die Förderung von Schieferöl ausreichen), muss sich keine Sorgen zu machen, auf seinem Öl sitzen zu bleiben. China wird die Gelegenheit gerne nutzen, seinen Einfluss in diesem Land zu auszudehnen.

Bei genauer Betrachtung zielt die Politik Chinas und Russlands 30 immer auf die Erhaltung des Status Quo, ob in Syrien oder gegenüber dem Iran; lieber akzeptieren sie verbesserungswürdige Situationen als das Risiko einzugehen, Chaos auszulösen. Für sie bieten stabile Verhältnisse bessere Entwicklungsmöglichkeiten. Dass man von Syrien nicht mehr so viel in den Medien hört, ist darauf zurückzuführen, dass China und Russland ihre Politik durchsetzen konnten: Bachar el-Assad soll die Lage

29 Quelle : AllAfrica, 28/01/2013. 30 Putin scheint seine international gewichtigere Rolle gut zu tun. Er soll mit dem Gedanken spielen, Medwedew durch Alexej Kudrin zu ersetzen, der doch als einer der Kritiker seiner Politik gilt. Wir würden diese Entscheidung begrüßen, da sie die russische Politik bereichern würde; sie wäre im übrigen konform mit unserer Vorhersage in der 62. Ausgabe des GEAB vom Februar 2012 " Putin wird wahrscheinlich Alexei Kudrin mit dieser Aufgabe (des Premierministers) betreuen. Der ehemalige Finanzminister konnte in den letzten Monaten mit den Oppositionellen in einen konstruktiven Dialog eintreten. Seine Ernennung wäre ein Zeichen des Kremls, bei aller Kontinuität dennoch auch bereit für Veränderungen zu sein. Quelle: Der Spiegel (23/01/2013), Interview mit Alexei Kudrin :

« We Have to Take a Chance with More Democracy ».

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stabilisieren; wenn erst einmal wieder Ruhe eingekehrt sein wird und ein echter politischer Wandel initiiert werden kann, kann man ihn immer noch ausbooten, falls er zum Störfaktor wünschenswerter Entwicklungen werden sollte. Umgekehrt sind Bemühungen, andere Länder zu destabilisieren, häufig das Markenzeichen schwächelnder Mächte, deren Strategie sich darauf beschränkt, zu "teilen, um zu herrschen".

Als Folge des Machtverlusts der USA ist die Neuordnung der Welt auch im Mittlern Osten im Gang, wo Ägypten unter dem neuen Präsidenten Mursi seit dem diplomatischen Schlichtungserfolg im Gazakonflikt im November 2012 31 nicht länger den amerikanischen Weisungen folgt. Die Einladung an Ahmadinedschad nach Kairo zum Treffen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit 32 (OIC) ist eine bedeutende Wende und ein starkes Signal für ein mögliches friedliches Zusammenleben zwischen Schiiten und Sunniten. Dass Ägypten, mit seinen mehr als 80 Millionen Einwohnern ein afrikanisches Schwergewicht, wieder einen Platz auf der internationalen Bühne einfordert, ist eine gewichtige Entwicklung in dieser Region. Den Islamisten, die weiterhin die einzige wichtige politische Kraft im Land bilden, wird angesichts dieser Entwicklungen und unter dem Druck der Menschen nur gelingen, an der Macht zu bleiben, wenn sie die Regierung auch für andere politische Kräfte öffnen, gewissermaßen Wasser in ihren Wein gießen (bzw., als Islamisten, Wein in ihr Wasser). Die Regierung Marzouki in Tunesien ist insofern mit gutem Beispiel voran gegangen.

Diese Entwicklungen machen sich nun auch im übrigen Afrika bemerkbar. Wir sind inzwischen, was Afrikas Zukunft anbelangt, nicht mehr so pessimistisch. Im Gegensatz zu dem, was zu erwarten schien, nehmen auf diesem Kontinent die Konflikte eher ab 33 . Die Investitionen nehmen zu, insbesondere aus China, das sich der strategischen Bedeutung des Kontinents bewusst ist. In Bildung machen die Länder Fortschritte. Die Länder können nicht mehr so leicht zum Spielball der großen Mächte gemacht werden, wie wir dargelegt haben. Schließlich und vor allen Dingen scheinen die Afrikaner fest entschlossen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen 34 . In diese Aufbruchsstimmung fügt sich nahtlos in die französische Intervention in Mali ein, mit der die Fehler des Eingreifens in Libyen ausgebügelt werden. Führende Länder wie Südafrika, Nigeria oder auch Algerien wollen für Afrika einen gewichtigeren Platz in der Weltordnung und setzen sich für eine Integration des Kontinents ein. Die ersten Schritte in dieser Richtung werden die Länder gehen, die Frankreich in Mali ablösen werden, wobei die Afrikanische Union eine entscheidende Rolle spielen wird. Aber auch bei der Justiz vollzieht sich eine regionale Integration, wie man an dem Prozess gegen Hissène Habré sehen kann, der in Senegal vor einer Art internationalem Gericht steht 35 .

Im Übrigen fällt auf, dass der übliche internationale Rahmen in sich zusammengefallen ist. In Mali musste Frankreich allein eingreifen, die üblichen Verdächtigen unter den internationalen Organisationen haben sich schön herausgehalten, die VN zögert auch mit einem Engagement und die Nato denkt nicht daran einzugreifen, während die Staaten Afrikas Flagge zeigen.

Wie das Eingreifen Frankreichs in Mali Afrika wachgerüttelt hat, so hat es Frankreich wieder zu seiner traditionellen diplomatischen Rolle in Europa verholfen, was wichtig für das europäische Gleichgewicht ist. Europa ist mehr als nur eine gemeinsame Wirtschaft. Eine funktionierende europäische Diplomatie ist notwendig, um endlich mit ernsthaften Diskussionen über die Schaffung einer europäischen Verteidigung zu beginnen. Leider scheint Merkel für und mit Europa nur begrenzte Pläne zu haben, wie man während der Verhandlungen zur finanziellen Vorausschau der EU sehen konnte, deren Ergebnis so unbefriedigend ist, dass es die Abstimmung im Europäischen Parlament nicht passieren wird 36 .

Die letzten Beiträge Merkels zu den Diskussionen in der EU bestätigen, dass die Kanzlerin in Wirklichkeit seit Beginn der Krise immer ein Bremsklotz der notwendigen Entwicklungen war. Sicherlich war zu begrüßen, dass sie während der letzten Jahre im letzten Moment doch immer die auf europäischer Ebene getroffenen Entscheidungen akzeptierte. Aber immer wand sie sich so lange wie möglich, und die ständige

31 Quelle : Le Monde, 22/11/2012.

32 Ahmadinedschad in Kairo : "Wenn unsere beiden Länder zusammenarbeiten, dürfte dies die ganze Region verändern". Quelle :

crif.org, 06/02/2013.

33 Quelle : Africa: Wars Do End - Why Conflict in Africa Is Falling (AllAfrica, 28/01/2013).

34 Quelle : SlateAfrique, 05/11/2012.

35 Quelle : La Nouvelle Expression, 12/02/2012

36 Quelle : Le Monde, 08/02/2013.

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Sorge vor einem Scheitern war für Europas Reputation sicherlich alles andere als hilfreich. Mit ein wenig Antizipation wäre sicherlich viel Zeit gewonnen worden. Heute, wo die Eurokrise nicht mehr so virulent ist und in Deutschland Bundestagswahlen anstehen, vertritt die Kanzlerin nur noch ihre Interessen und die ihrer Partei und tritt bei der wirtschaftlichen und politischen Integration Europas wieder mit Macht auf die Bremse: Bankenunion, Eurobonds, Eurowechselkurs, EU- Haushalt usw., Angela Merkel sagt zu allem Nein, nur nicht zu dem Beitragsrabatt für ihrem guten Freund Cameron, dem großen Europafreund, zur IWF- inspirierten Sparpolitik und zu den Plänen für eine Freihandelszone EU- USA!!!

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Entfremdung der Kanzlerin von ihrem Koalitionspartner FDP als Folge der verlorenen Wahlen in Niedersachsen 37 die Möglichkeit eröffnet, dass die Kanzlerin ein besseres Gespür für Europa entwickelt. Was optimistisch stimmt, ist, dass die Deutschen nicht so blauäugig sind und trotz ihrer allgemein guten Meinung von der Kanzlerin ihren ultraliberalen Äußerungen der vergangen Wochen mit viel Skepsis begegnen - und daraus keinen Hehl machen.

37 Quelle : Der Spiegel, 31/01/2013.

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2- Teleskop

2013 bis 2015: Das Ende der Weltherrschaft des Petrodollars

Erdöl in den Genen: Die USA in einer Sackgasse

Das 20. Jahrhundert war die Zeit des ölgetriebenen Wachstums und des Aufstiegs der USA zur Supermacht; heute hingegen droht der Welt eine Zukunft teurer Energie; entsprechend reagieren die Regierungen mit strategischen, geopolitischen und technischen Maßnahmen. Für die USA, ein Land, das sich ein Leben ohne oder mit teurem Öl nicht vorzustellen vermag, stellt dies eine Herausforderung dar, an der es zerbrechen könnte; den Amerikanern droht nicht nur ein "down sizing" ihres Konsumverhaltens in beispielloser Weise; was ihnen droht, ist eine vollständige Neudefinition des "American way of life" 38 .

Wir werden darlegen, warum in den Jahren von 2013 bis 2016 zu Tage treten wird, dass alle Versuche der amerikanischen Politik seit 2005, die amerikanische Abhängigkeit vom Ölweltmarkt zu kappen, gescheitert sind, und dass die Weltherrschaft des Petrodollars zu Ende geht.

und dass die Weltherrschaft des Petrodollars zu Ende geht. Anteil des motorbetriebenen Transport an der

Anteil des motorbetriebenen Transport an der Gesamttransportleistung – Quelle : UITP 2006

1. Die Illusion Schiefergas Wir teilen in keiner Weise die plötzlich aufgekommene Euphorie der Medien über das Potential von Schieferöl und - Gas, das angeblich den USA bis 2020 die nationale Energieunabhängigkeit bringen soll 39 ; vielmehr hält LEAP/E2020 die überschäumende Begeisterung für diese neue Energieform lediglich für den verzweifelten Versuch, die Illusion von der Nachhaltigkeit eines gescheiterten Wirtschafts- und Wachstumsmodells aufrechtzuerhalten.

38 Quelle : « Modal share of motorised private mode vs GDP by city », UITP, 2006 39 Quelle : « The U.S. may become energy-independent after all », Washington Post, Novembre 2012

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Die Fördermengen in der Schieferformation Bakken, in der die größten Schieferöl - und - Gasvorkommen des Landes liegen, gehen schon heute jährlich um 38% zurück 40 , weil die Quellen schon nach einigen Jahren weitgehend ausgebeutet sind 41 . Heute fördern die USA täglich 2,1 Millionen Fass Schieferöl (Mb/Tag) 42 , was 11% des landesweiten Verbrauchs entspricht. Bei dieser Größenordnung der Nachfrage - von den schrecklichen Umweltfolgen gar nicht zu reden - sind Schieferöl und - Gas lediglich wie ein Strohfeuer im Energieangebot, deren Bedeutung nur sehr beschränkt ist.

im Energieangebot, deren Bedeutung nur sehr beschränkt ist. Der Rückgang der Förderung in der Bakkenschieferformation

Der Rückgang der Förderung in der Bakkenschieferformation – Quelle : DI

2. Eine saft- und kraftlose Energiewende Der Ehrgeiz der Regierung Obama, den gegenwärtigen Ölverbrauch bis 2025 um 2,6 Millionen Fass pro Tag zu senken, ist nicht sehr ausgeprägt 43 und die krankhafte Abhängigkeit der US- Wirtschaft von fossilen Energieträgern bleibt ungebrochen. Nur zum Vergleich: Während in Deutschland die Regierung davon ausgeht, dass der Anteil des Energieverbrauchs, der durch erneuerbare Energien gedeckt wird, von heute 25% bis 2040 auf 65% ansteigen wird, geht die amerikanische Regierung von einer Steigerung von derzeit 11% auf dann 16% aus 44 .

Die USA, mit Abstand größte Verbraucher fossiler Energie 45 , verwenden weder Mittel noch Ehrgeiz auf eine Energiewende zu erneuerbaren Energiequellen. Ihr Investitionsvolumen in erneuerbare Energiequellen belief sich 2011 auf 51 Milliarden USD, also gerade einmal die Hälfte der Summe, die in Europa aufgewandt wird, uns sogar weniger als die 52 Milliarden USD, die China dafür ausgibt 46 . Die Wirtschaftskrise, unter der das Land leidet, beschneidet jeglichen Spielraum für Maßnahmen zur Vorbereitung auf eine Zeit nach dem Öl.

40 Quelle : « Shale Natural Gas Better than Oil », Energy & Capital, Janvier 2013

41 Quelle : « Bakken Dispatch », Informationswebseite zum Schiefergasboom in der Bakkenregion, Janvier 2013

42 Quelle : « BP Energy Outlook 2030 », BP, Janvier 2013

43 Quelle : « President Obama: Keep Your Promise to Our Children, Commit to Making the Half the Oil Plan a Reality », Union of Concerned Scientists, Dezember 2012

44 Quelle : « Will Germany Banish Fossil Fuels Before the US? », MotherJones, Januar 2013

45 Quelle : « CO2 emissions per capita from fossil fuel use and cement production in top 5 emitters », PBL Netherlands Environmental Assessment Agency, 2012

46 Quelle : « Global Trends in Renewable Energy Investment 2012 », Edgar 4-2; UNPD, 2010; Olivier et al., 2012

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Und es bleibt das Problem, dass die Regierung sich mit ihrer Absicht, die hohen Subventionen für die Ölindustrie 47 zu kürzen, gegen den Senat 48 , der unter dem Druck der mächtigen Lobby steht 49 , nicht durchsetzen kann 50 . Und die Lobbyisten setzen alles daran, dafür zu sorgen, dass die Regierung die Interessen der von ihnen vertretenen Unternehmen mit denen des Landes gleichsetzt.

3. Das Ende des billigen Öls Bis jetzt ist der so häufig vorhergesagte "steile Abfall" der Ölförderung ausgeblieben, die bisher immer die Nachfrage abdecken konnte. Dennoch fiel der Ölpreis seit Jahresmitte 2009 nie mehr unter 70 USD, also ein Preisniveau, das deutlich höher ist als der Höchstpreis von 30 USD, den Öl vor 2005 20 Jahre lang nie überschreiten konnte.

Heute kann sich die schwächelnde US- Wirtschaft teures Öl nicht mehr leisten; jedoch ist angesichts der neuen Lage am Ölmarkt keinesfalls davon auszugehen, dass der Ölpreis 2013 deutlich sinken wird:

Seit 2010 liegt der WTI (der US- Preisindex für ein Fass Rohöl) deutlich unter dem Brent, (dem europäischen Referenzindex für ein Fass Nordseeöl). Ursache dafür ist hauptsächlich das mangelhafte Management der Rohölvorräte, die, aus Kanada und Bakken angeliefert, im schlecht funktionierenden Logistikzentrum von Cushing in Oklahoma stranden. Was eine gewisse Zeit lang sehr profiträchtig erschien, ist in Wirklichkeit die Folge der unzureichenden Vertriebsmöglichkeiten des WTI- Öls am Weltmarkt, wodurch die Bedeutung des Brent- Index wuchs 51 . Um nicht noch weiter die Kontrolle über den Weltmarkt zu verlieren, werden die USA die Transportmöglichkeiten für das in Cushing vorgehaltenen Öl zu den Raffinerien am Golf von Mexiko dank der Seaway- Pipeline verbessern. Wenn dann WTI auf dem Weltmarkt wieder allgemein verfügbar sein wird, werden sich Brent und WTI erneut annähern 52 .

Weiterhin verschlechtert der schlechte Zustand der Ölförder- und - Verarbeitungsanlagen im und am Golf und anderenorts in Amerika - der sich beim BP- Unfall 2010 in schlimmster Weise manifestierte 53 - nachhaltig die Ertragslage bei der WTI- Förderung.

Die deutliche Verschlechterung des EROI (Energy Return on Investment) der neuen Ölfelder zeigt eindrücklich, dass Öl in Zukunft nicht mehr so kostengünstig wie in früheren Zeiten gefördert werden kann 54 . Von 2005 bis 2012 haben sich die Kosten der Ölförderung verdoppelt, nämlich von 300 auf 600 Milliarden USD 55 .

Trotz der weltweiten Wirtschaftskrise, die sich in den USA insbesondere in dem bisher einmaligen Rückgang der Zahl der mit dem Automobil zurückgelegten Kilometer pro Einwohner pro Jahr manifestiert 56 , bleibt die hohe Nachfrage nach Öl dank der Schwellenländer ungebrochen 57 . Entsprechend wurden die seit 2011 deutlich geringeren Ausfuhren Nigerias in die USA durch chinesische Nachfrage ausgeglichen 58 ; schließlich investiert China seit 2010 maßgebliche Summen in Nigeria und seine Ölförderung 59 . Überhaupt ist die große Nachfrage der Schwellenländer, die als bedeutende Kunden am Ölmarkt aufgetaucht sind, bei denen sich Energiehunger mit Dollarreichtum paart, eine wichtige Ursache für die steigenden Ölpreise, die für sie jedenfalls keine unüberwindbaren Hindernisse auf ihrem Wachstumsweg sind.

Seit Beginn 2013 verliert der Dollar insbesondere im Verhältnis zum Euro spürbar an Wert, was den Petrodollar für die Öl produzierenden Länder noch weniger interessant macht.

47 Quelle : « STATEMENT OF ADMINISTRATION POLICY - S. 2204 – Repeal Big Oil Subsidies Act (Sen. Menendez, D-New Jersey) », White House, März 2012

48 Quelle : « Budget hawks: Does US need to give gas and oil companies $41 billion a year? », The Christian Science Monitor, März

2011

49 « How The Oil Lobby Greases Washington's Wheels », The Huffington Post, April 2011

50 Quelle : « Oil lobby seeks to work with Obama », Financial Times, Dezember 2012

51 Quelle : « Brent challenges WTI despite questions about oil benchmark », Risk, Januar 2013

52 Quelle : « Why The Brent-WTI Spread Will Close », FNArena News, October 2012

53 Quelle : « BP cost-cutting a cause of Gulf of Mexico oil spill, US report finds », The Telegraph, September 2011

54 Quelle : « EROI of Global Energy Resources - Preliminary Status and Trends », State University of New York, College of Environmental Science and Forestry, November 2012

55 Quelle : « Upstream Capital Spending Budget », Barclays Capital Dez. 2011 E&P Survey.

56 Quelle : « Chart of the Day: We're Driving Less and Less and Less », Mother Jones, Januar 2013

57 « IEA Boosts Global Oil Demand Forecasts on China Economic Rebound », Bloomberg, Dezember 2012

58 Quelle : « ‘Nigeria’s Crude Export To China Closes US Demand Gap’ », Leadership Nigeria, August 2012

59 Quelle : « Nigeria, China Sign Major Oil Deal », Wall Street Journal, Mai 2010

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Diese Neustrukturierung des Ölmarkts, der wegen der starken Abhängigkeiten der verschiedenen Marktteilnehmern voneinander schon heute recht komplex ist 60 , trifft auf eine weitgehende Neuordnung der Weltwirtschaft. Die alles entscheidende Bedeutung von Öl als Energiequelle in diesem Prozess verhindert auf mittlere Sicht massive Preissprünge. Für 2013 geht LEAP/E2020 davon aus, dass der Ölpreis im Verhältnis zum aktuellen Dollarkurs weitgehend stabil bleiben wird, wobei allerdings der Dollar selbst vor dem Risiko maßgeblicher Kursverluste steht, wie wir in der 71. Ausgabe des GEAB ausführten.

steht, wie wir in der 71. Ausgabe des GEAB ausführten. Globale Ölhandelsströme 2011 - Quelle :

Globale Ölhandelsströme 2011 - Quelle : BP

4. Der privilegierte Zugang zu ausländischen Energiequellen verengt sich Um ihre Energieversorgung sicherzustellen, haben die USA überwiegend Öl aus Ländern eingeführt, die ihnen geografisch oder politisch nahe stehen 61 . Nichtsdestoweniger wird traditionell ein Förderrückgang in Mexiko durch verstärkte Einfuhren aus Saudi- Arabien ausgeglichen, obwohl der Mittlere Osten alles andere als eine politische stabile Region ist 62 . Und Venezuela, jederzeit bereit, wider den amerikanischen Stachel zu löcken, plant den Bau einer Pipeline quer durch Kolumbien, um einen besseren Zugang zum chinesischen Markt zu erhalten 63 .

In dem Verhältnis zwischen den USA und der OPEC hält diese und innerhalb der OPEC insbesondere Saudi- Arabien das Heft des Handelns in den Händen. Saudi- Arabien verfügt über einen "Amboss", der das Land vor Instabilität bewahrt; denn allein das Risiko von Unruhen würde den Ölpreis auf über 300 USD ansteigen lassen und entsprechend verheerende Folgen für die Weltwirtschaft zeitigen 64 . Und das Land benutzt auch einen "Hammer", wie man im Jahr 2012 feststellen konnte, als Saudi-Arabien die bedeutendste Fördermengenreduktion innerhalb eines Jahres durchsetzte, um den bereits hohen Fasspreis zu stabilisieren 65 . Und wenn man sieht, dass es sich die OPEC sogar herausnimmt, die USA wegen ihrer Defizite zu rügen, wird deutlich, wie sehr sich die Zeiten geändert haben 66 .

60 Quelle : « Major Trade Movement, Trade flows worldwide (million tonnes) », BP, 2011

61 Quelle : « Where The U.S. Gets Its Oil », Energy Information Administration, April 2012

62 Quelle : « U.S. Reliance on Oil From Saudi Arabia Is Growing Again », NY Times, August 2012

63 Quelle : « Venezuela-Colombia Oil Pipeline: Leaders Discuss Plans For Project », Huffington Post, November 2011

64 Quelle : « Yamani: Oil could reach $300/bbl over unrest in Saudi Arabia », Centre for Global Energy Studies, April 2011

65 Quelle : « Saudis cut oil output to lowest in a year », Financial Times, Dezember 2012

66 Quelle : « OPEC Cuts Oil Output to 14-Month Low Amid Economic Uncertainty », Bloomberg, Januar 2013

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16 Ölbezugsquellen der USA – Quelle : Nelscon Hsu / NPR Arabien emanzipiert sich vom amerikanischen

Ölbezugsquellen der USA – Quelle : Nelscon Hsu / NPR

Arabien emanzipiert sich vom amerikanischen Einfluss, um seinen wichtigsten Kunden China bevorzugt beliefern zu können.

Da die Amerikaner weniger von Öllieferungen aus dem Mittleren Osten abhängen als Europa oder Asien, investieren sie aus einem ganz anderen Grund enorme Summen in die militärische Sicherung der Region 67 , zu der sie sich in den siebziger Jahren gegenüber der saudischen Regierung als Gegenleistung für das Monopol des Dollars als Zahlungsmittel auf dem globalen Ölmarkt verpflichtet hatten 68 . Das Überleben des Petrodollars, der eine weltweite Nachfrage nach US- Dollar erzeugt und damit der amerikanischen Währung einen künstlichen Wert verleiht, vollkommen losgelöst von den wirtschaftlichen Grunddaten der USA, steht auf dem Spiel. Nur so vermögen die Amerikaner weiterhin, ihre enormen Schulden zu finanzieren, von denen ihr wirtschaftliches Überleben abhängt.

Jedoch haben die amerikanischen Einflussnahmen in der Region während der letzten Jahre, ob militärisch (der Irak liegt am Boden, dem Umsturz in Libyen folgte die Krise in Mali) oder geopolitisch (nach dem "arabischen Frühling" droht nun Ägypten das dauerhafte Chaos, die Intervention in Syrien ist zum Scheitern verurteilt, und Israel, im Vertrauen auf amerikanische Unterstützung, rührt dauerhaft die Kriegstrommel gegen den Iran und hält damit die Region in Unruhe), der Welt gezeigt, dass die USA den Mittleren Osten weder verstehen, geschweige denn dort für Ordnung sorgen können. Entsprechend wird auf viele Jahre ihr Spielraum reduziert sein und ihre Vertrauenswürdigkeit leiden.

China und die anderen Schwellenländer untergraben das internationale Privileg des Dollars als alleiniges Zahlungsmittel am globalen Ölmarkt (Petrodollar)

2005 überholte der Ölverbrauch der Schwellenländer den der westlichen Staaten. Dass ein "zweiter" Kunde, reich und konsumfreudig, am Markt auftauchte, war für die ölproduzierenden Länder eine unwiderstehliche Gelegenheit, trieb den Ölpreis in die Höhe und änderte grundlegend die Kräfteverhältnisse zwischen dem Westen und den OPEC- Staaten. Diese Neuausrichtung des Ölmarkts war natürlich alles andere als günstig für die westlichen Staaten, die enorm verschuldet waren und unfähig, auf Dauer einen höheren Ölpreis zu bezahlen. Der Westen reagierte darauf mit der Spaltung des Ölmarkts: Auf der einen Seite die OPEC, die vermehrt die Schwellenländer beliefert und ihren Handel verstärkt ohne Nutzung des Petrodollars abwickelt; auf der anderen Seite ein "neuer", nicht- konventioneller Markt, der versorgt wird mit dem Öl, das durch das äußerst umweltschädliche Fracking in den westlichen Staaten selbst erzeugt wird, um auf diese Weise den Ölpreis niedrig zu halten, den

67 Quelle : «The Cost of Protecting Oil in the Persian Gulf», Resources For the Future, Januar 2012

68 Quelle : « Washington-Ryad : Gefährliche Liebschaften », RFI, Septembre 2003

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Petrodollar zu retten und die Abhängigkeit vom globalen Ölmarkt zu verringern. Welches Modell zukunftsfähig ist, ist nicht schwer vorhersehbar.

Modell zukunftsfähig ist, ist nicht schwer vorhersehbar. Ölbezugsquellen Chinas – Quelle : EIA 1. China macht

Ölbezugsquellen Chinas – Quelle : EIA

1. China macht seine Lieferanten zu Partnern 69 China weiß, dass eine ausreichende Versorgung mit fossilen Energieträgern, insbesondere mit Kohle, deren Verbrauch steil nach oben geht 70 , aber auch mit Öl für seine schnell wachsende Wirtschaft lebenswichtig ist. Um seine stabile Entwicklung zu sichern, schafft es ein nachhaltiges Beziehungssystem zu anderen Ländern, das politisch und wirtschaftlich auf seine Interessen abgestimmt sind.

Da 25% seiner Öleinfuhren aus Afrika kommen, hat China in Angola, Nigeria und insbesondere im Sudan in Ölförderung und - Verarbeitung 71 investiert, und setzt sich insoweit über die Position der westlichen Staaten zu Darfour hinweg.

2012 schloss China mit Saudi- Arabien im Rahmen eines joint venture einen Vertrag in Höhe von 8,5 Milliarden USD über den Bau der weltweit größten Erdölraffinerie 72 .

2.Wie sich die BRICS vom Petrodollar emanzipieren: Bilaterale Handelsabkommen zuhauf Neben dieser Kooperationsstrategie, die die Handelspartner auf lange Sicht im gemeinsamen Interesse einer abgestimmten Entwicklung bindet, ist China auch unter den Schwellenländern führend in ihren Bemühungen, das Monopol des Petrodollars zu brechen und sich aus den daraus entstehenden Zwänge zu befreien.

Da Iran wegen des Embargos der westlichen Staaten sein Öl nicht mehr in den Westen verkaufen kann, beliefert es eben China, das dafür mit Yuan bezahlt 73 , was sich für den Iran als wirksamere Strategie herausstellt als die Errichtung einer Iranischen Ölbörse 74 . China hat in den letzten Monate eine Vielzahl solcher Verträge, die für Ölkäufe und auch andere Handelsbeziehungen ohne Dollar auskommen,

69 Quelle : « China’s crude oil imports by source 2011 », EIA, September 2012

70 Quelle : « EIA: China rivals the world in coal consumption », PennEnergy, Januar 2013

71 Quelle : «Sudan: China, Sudan Agree to Increase Oil Production - Officials », All Africa, November 2012

72 Quelle : « Saudi oil refinery deal shows close ties », China Daily, Januar 2012

73 Quelle : « Iran accepts Yuan for Oil trade with China, threatens US Dollar », Commodity Online, Mai 2012

74 Quelle : « Iranian Oil Bourse », wikipedia

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abgeschlossen: Mit den Vereinigten Arabischen Emiraten 75 , Brasilien 76 , Russland 77 , (wie auch die BRICS untereinander 78 ), aber auch mit Ländern, die eigentlich dem Westen zuzuordnen sind, wie Japan 79 oder Australien 80 . China wagt sich sogar in Länder vor, die eigentlich zur amerikanischen Einflusszone gehören und hat für 15 Milliarden USD die kanadische Ölfirma Nexen gekauft, was dem Land Fördermöglichkeiten in kanadischen Ölsand wie auch im Golf von Mexiko eröffnet 81 .

Auch die anderen Schwellenländer verfolgen ähnliche Strategien. Z.B. kauft die Türkei Öl vom Iran und bezahlt dafür mit Gold 82 ; auch der Warenverkehr zwischen Indien und Japan kommt inzwischen ohne Dollar aus 83 .

Nicht nur ist der Dollar als Leitwährung des Welthandels allgemein unter Druck; auch verfolgen wichtige Ölproduzenten wie Russland, der Iran und Venezuela im Schulterschluss mit China das gemeinsame Ziel, die amerikanische Macht zu brechen. Daher bestehen für LEAP/E2020 keinerlei Zweifel, dass 2013 das Jahr sein wird, in dem die Herrschaft des Petrodollars, dessen Verwendungsgebiet bereits schmilzt wie Schnee in der Frühjahrssonne, zu Ende geht.

3. Die Aufspaltung des Ölmarkts Staatliche Ölfirmen, die das Gros des Öls in die Schwellenländer liefern, erbrachten 1970 lediglich 10% der weltweiten Ölförderung; heute ist ihr Anteil auf 90% angewachsen 84 . Diese Bedeutungsverschiebung am Ölmarkt bringt mit sich, dass die privaten Ölfirmen - die sogenannten "Großen", die mehrheitlich ihren Sitz in den westlichen Staaten haben und die gerade in den Medien mit viel Aufmerksamkeit bedacht wurden, da sie dank der Ölpreissteigerungen Riesengewinne einfahren konnten - in Wirklichkeit immer unwichtiger werden; schon seit Jahren gehen ihre Fördermengen regelmäßig zurück (das ist der Fall für Exxon, Chevron 85 , Shell 86 , BP 87 , Total 88 und auch Gazprom 89 ) und auch ihre Zukunft sieht nicht rosiger aus, da ihre Fördergebiete zu den schwierigsten zählen und damit auch zu den kostenintensivsten. Ölindustrie und Finanzindustrie weisen beeindruckende Ähnlichkeiten auf: Auch die Banken prahlen ob ihrer dank Quantitative Easing künstlich aufgeblasenen Gewinne und versuchen zu verdecken, dass ihr Geschäftsmodell nur funktioniert, wenn die Schulden exponentiell steigen und sie ihre Zukunft also schon hinter sich haben.

Europa vor wichtigen Entscheidungen

Von diesen Konflikten nur am Rande berührt verfolgen die Länder Europas ihren eigenen Weg. Zwar sind sie weiterhin von Öllieferungen abhängig, aber ihr Ölverbrauch ist rückläufig (vergleichbar mit dem Rückgang in den USA), da die Wirtschaft in Rezession ist und die Energiewende an Fahrt aufnimmt. Europa nimmt damit in Energiefragen eine Führungsrolle auf dem Weg in die Welt von Morgen ein, in der Öl dauerhaft teuer sein wird.

Dennoch muss Europa auf kurze Sicht Antworten auf mehrere Fragen finden:

75 Quelle : « Dim sum bonds sprout in Dubai », CNN Money, März 2012

76 Quelle : « Brazil and China agree currency swap », Financial Times, Juni 2012

77 Quelle : « China-Russia currency agreement further threatens U.S. dollar », International Business Times, November 2010

78 « BRICS to sign pacts for trade in local currencies », Zeebiz India, März 2012

79 Quelle : « China and Japan to start direct yen-yuan trade in June », BBC, Mai 2012

80 Quelle : «Currency pact with Australia is ‘natural’: Zhou », Financial Review, November 2012

81 Quelle : « Nexen sale to China's CNOOC backed by Canada government », BBC, Dezember 2012

82 Quelle : « Turkey Swaps Gold for Iranian Gas », Wall Street Journal, November 2012

83 Quelle : « India and Japan sign new $15bn currency swap agreement », BBC, Dezember 2011

84 Quelle : « National oil companies reshape the playing field », Bain, October 2012

85 Quelle : « Exxon and Chevron toil in hunt for growth », Financial Times, Februar 2013

86 Quelle : « Oil giants like Shell, BP struggle to increase output », First Post, November 2012

87 Quelle : « Remaking BP has yet to pay off », Financial Times, Januar 2013

88 Quelle : «ÖL - Total: Förderung runter, Profite rauf », Enviro2B, Februar 2013

89 Quelle : « Under Pressure: Once Mighty Gazprom Loses Its Clout», Der Spiegel, Februar 2013

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Harmonisierung der nationalen Energiepolitiken, die bisher von der auf EU-Ebene geplanten Energiepolitik kaum beeinflusst wurden 90 .

Definition einer gemeinsamen und vernünftigen Haltung zur Förderung von Schiefergas und -Öl; während Frankreich und Bulgarien wegen der Risiken für die Umwelt auf eine Ausbeutung verzichten wollen, haben Großbritannien und Polen die Förderung beschlossen. Wie in unseren Empfehlungen dargelegt, plädiert LEAP/E2020 für einen Verzicht auf eine Förderung von Schiefergas und - Öl.

Verwirklichung der Projekte der Vernetzung von Transport und Bevorratung von Gas und Öl auf europäischem Niveau 91 .

Russlands ist zweifelsohne der wichtigste Energiepartner Europas, dem es die Hälfte seines Gas- und ein Drittel seines Ölverbrauchs liefert 92 . Deutschland weiß um das Potential einer strategischen Partnerschaft zwischen Europa und Russland 93 und sollte Europa bewegen, eine solche einzugehen.

Auch wenn heute die Entwicklung der Welt überwiegend von den BRICS bestimmt wird, wäre es dennoch auch für diese vorteilhaft, Synergien mit Europa zu entwickeln. Bereitschaft dazu scheint vorhanden zu sein; so empfiehlt sich z.B. Russland als stabiler Partner Europas. Und sogar der unbändige Iran, der mit seinen Waren nicht mehr nach Europa darf, weil Europa sich ausschließlich Israel und Amerika verpflichtet fühlt, benimmt sich eher wie ein enttäuschter Verehrer als ein Feind und straft im Gegenzug Europa mit einem Lieferstopp; Leidtragender dieses Streits sind einige europäische Länder, die gerne wieder iranisches Öl kaufen würden 94 .

Wieder einmal steht Euroland am Scheideweg. Es hat die Wahl zwischen auf der einen Seite einer unbedingten Bündnistreue zu Amerika, wodurch es für seine Ölversorgung auf den immer kleiner werdenden Ölmarkt für Petrodollar beschränkt würde und daher Schiefergas und - Öl mittels Fracking europaweit fördern müsste, und auf der anderen Seite der Möglichkeit, sich auf dem neuen Ölmarkt, den die Schwellenländer eröffnet haben, einzudecken und gleichzeitig seine Energiewende voranzutreiben. Den USA steht diese Wahl nicht offen, Euroland aber sehr wohl; und auch wenn Angela Merkel dem Druck nachzugeben scheint, den die Akteure der Welt von Gestern und ihre alten Reflexe erzeugen 95 , geht LEAP/E2020 davon aus, dass die Möglichkeit von alternativen Lösungen und der Einfluss der europäischen Zivilgesellschaften, die massiv Stellung gegen das Fracking bezogen haben, Europa ermöglichen werden, einen Weg einzuschlagen, der Europa die Zukunft gewinnt. 2013 muss das Jahr werden, in der Europa beginnt, in der Welt von Morgen zu leben, die Initiative ergreift, enger mit den BRICS zusammen zu arbeiten, sein Öl endlich in Euro bezahlt und seine Erfahrung in monetärer Integration in die internationalen Bemühungen zur Schaffung einer neuen internationalen Leitwährung als einem Korb aus nationalen Währungen, die die Weltwirtschaft repräsentieren, einbringt, wofür sich LEAP schon seit 2009 einsetzt 96 . Der nächste G20- Gipfel in St. Petersburg im September 2013 wird die Gelegenheit bieten, diese Reform endlich auf die Gleise zu setzen.

Natürlich wäre diese Abkehr Europas vom Petrodollar ein schrecklicher Schlag für die USA, den Dollar, die Finanzmärkte usw. Aber das ist der Preis, der zu bezahlen ist, damit in der Welt von Morgen nicht vor dem Westen ein neuer "Eiserner Vorhang" herabgeht, der ihn von dem Rest der Welt abschneidet. Auch für die USA wäre dies die bessere Alternative. Mit den Europäern präsent auf dem neuen Markt könnten sie ohne Schwierigkeiten zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls dort Zugang erhalten.

90 Quelle : « The EU climate and energy package », European Commission | Climate Action, September 2012

91 Quelle : « Öl, Gas und kohlenstofffreie Energien - Bericht über die Industrie 2011 », Ministerium für Umwelt, nachhaltige Entwicklung und Energie Frankreich

92 Quelle : «Hat Russland gerade die europäische Energieunabhängigkeit vereitelt, als es seine neueste Pipeline durchsetzen konnte? », Atlantico, Juli 2012

93 Quelle : « Dialogue with Russia strengthened », Gouvernement Fédéral, November 2012

94 Quelle : « Demand for Iranian Crude Rises in Europe Despite Sanctions», Fars News Agency, Januar 2013

95 Quelle : Der Spiegel, 08/02/2013

96 Quelle : LEAP, 24/03/2009

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3- Fokus

GEAB - $- Index und GEAB - €- Index vom Februar 2013 -

Nach zwei Jahren eine Trendwende: Der Euro steigt, der

Dollar fällt

Wir haben in vielen Ausgaben des GEAB bereits begründet, warum wir der Auffassung sind, dass der Dollar- Index, den die Finanzmärkte traditionell als Indikator für den Wert des Dollars benutzen, dessen Entwicklung nicht zuverlässig misst. Denn er basiert auf einem Korb von Währungen, die nicht mehr die Wirtschaftsleistungen weltweit und die Handelsumsätze der USA korrekt wiederspiegeln. Der Währungskorb setzt sich ausschließlich aus willkürlich gewählten Währungen der westlichen Welt zusammen; sozusagen ein "Club ausgesuchter westlicher Staaten", sogar noch weniger repräsentativ und mit geringerer Legitimität als die G8. Unter den sechs zum Vergleich herangezogenen Währungen finden sich die schwedische Krone, das britische Pfund, der Schweizer Franken und der kanadische Dollar. Diese Währungen sind entweder international bedeutungslos (kanadischer Dollar) oder die Währungen von Ländern, die zweitrangige Handelspartner der USA sind (Schweizer Franken, britisches Pfund), oder beides (schwedische Krone).

Die weiteren Währungen im Dollar-Index sind der Euro und der Yen. Diese beiden Währungen sind die einzigen, die die Kriterien (internationale Bedeutung, erstrangiger Handelspartner) erfüllen, die wir dem GEAB-$-Index zugrunde legen. Von nun an werden wir drei Mal im Jahr diesen Index veröffentlichen, wobei der Wert des Dollars im Januar 2006 die Basislinie darstellt. Neben dem Euro und dem Yen finden sich in dem Währungskorb des GEAB-$-Index der Yuan und der Real.

Damit sollte der GEAB-$-Index ein einfacher und verlässlicher Indikator für die Wertentwicklung des Dollars sein, weil er die Multipolarität der Welt, die am Entstehen ist, auch zur Grundlage seiner Wertmessung macht.

Zukünftig wird LEAP weiterhin regelmäßig den GEAB € Index veröffentlichen, mit dem auf umfassender und verlässlicher Basis die Entwicklung der Gemeinschaftswährung Eurolands dargestellt werden soll.

der Gemeinschaftswährung Eurolands dargestellt werden soll. 20 Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation

20

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Im Februar 2012 steht der GEAB-$-Index bei -17,7 (das entspricht einem Wertverlust von 17,7% seit Januar 2006 im Vergleich zu dem Korb der vier berücksichtigten Währungen). Er blieb im letzten Quartal weitgehend stabil. Im Februar 2013 bestätigt unser Index, dass nach zwei Jahren, in denen der Dollar massiv an Wert zulegen konnte, was sich überwiegend mit dem Misstrauen gegenüber dem Euro als Folge der Eurokrise begründen lässt, nunmehr eine Trendwende eingesetzt hat.

begründen lässt, nunmehr eine Trendwende eingesetzt hat. Im Februar 2013 liegt der GEAB-€-Index nunmehr bei -6,8

Im Februar 2013 liegt der GEAB-€-Index nunmehr bei -6,8 (das entspricht einem Wertverlust von 6.8% im Vergleich zum Eurowert im Januar 2006 gegenüber den vier berücksichtigten Währungen). Der Euro bestätigt also die LEAP- Vorhersagen und hat sich im letzten Quartal 2012 deutlich nach oben bewegt.

hat sich im letzten Quartal 2012 deutlich nach oben bewegt. Wenn man die Entwicklung aus viel

Wenn man die Entwicklung aus viel größerem zeitlichen Abstand, nämlich der letzten 30 Jahre betrachtet, stellt man vor allen Dingen fest, dass:

der Yen und der Schweizer Franken auf sehr hohem Niveau verharren;

das Pfund sich seit 2009 stabilisiert hat;

der Yuan nur sehr mäßig an Wert gewonnen hat.

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Ölkrise: Besondere Empfehlungen an die

der europäischen

Regierungen

Mitgliedstaaten

In der heutigen, im Umbruch befindlichen Welt können die vor sich gehenden radikalen Änderungen es unendlich erschweren, die Interessen eines Landes oder einer Region richtig einzuschätzen, wenn sie nicht richtig erfasst werden. Insbesondere die Versorgung mit Erdöl spielt, wie wir dargelegt haben, im Übergang zur Welt von Morgen eine entscheidende Rolle. In diesem Rahmen und um die Interessen Europas herauszuarbeiten, damit es besser für die Zukunft gewappnet sei, bringen wir fünf einfache 97 Empfehlungen den europäischen Regierungen zur Kenntnis.

1. Heben Sie die Sanktionen gegen den Iran auf

Erstens bleiben diese Sanktionen ohne die geringsten Auswirkungen auf das iranische Atomprogramm; denn das Land verkauft ohne Probleme das Öl, das es nicht in den Westen liefern kann, nach China oder an andere Staaten. Alles, was mit den Sanktionen erreicht wird, ist, bei den Menschen im Iran den Hass gegen den Westen zu schüren. Zweitens sind diese Sanktionen ein Zankapfel zwischen dem Westen und den BRICS, die den Iran unterstützen. Angesichts der Tatsache, dass den Schwellenländern die Zukunft gehört, ist dies eine sehr schlechte Strategie. Schließlich stellt sich Europa in seiner Nibelungentreue zu den USA hier selbst ein Bein. Es verliert eine bedeutsame Bezugsquelle für Erdöl, während die USA davon nicht betroffen sind, da sie schon vor den Sanktionen kein Öl aus dem Iran bezogen. Es verbaut sich die Möglichkeit, Öllieferungen an der iranischen Ölbörse mit Euro zu bezahlen und verstärkt damit seine Abhängigkeit vom US-Dollar, dem jedoch alles andere als eine brillante Zukunft vergönnt ist. Es gibt einen idealen Zeitpunkt für die Aufhebung der Sanktionen, nämlich die Zeit nach den iranischen Wahlen vom Juni. Der gegenwärtige Präsident Ahmadinedschad kann nicht mehr für eine dritte Wahlperiode antreten; es wird daher zwangsläufig einen neuen Amtsinhaber geben. Unabhängig davon, ob die Politik des neuen Präsidenten sich an der des alten ausrichtet oder nicht, so ermöglicht dieser Wechsel dennoch zu behaupten, der Iran sei wieder in den Kreis der friedliebenden Mächte zurückgekehrt und man kann daher die Sanktionen aufheben, ohne dabei das Gesicht zu verlieren.

2. Bezahlen Sie Öl mit Euro

Die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran ist die erste Etappe auf dem Weg zum Euro als Zahlungsmittel für nach Europa eingeführtes Erdöl. Dafür Dollar zu verwenden ist aus mehreren Gründen Schwachsinn: Zum einen müssen dafür beträchtliche Summen von Dollar vorgehalten werden, was nicht so einfach ist, wenn man sich daran erinnert, dass das amerikanische Finanzsystem schon einmal 2011 versuchte, die Dollarversorgung der europäischen Banken abzuschneiden 98 . Zum anderen sind Wechselkursrisiken in diesen unruhigen Zeiten alles andere als vernachlässigbar. Und schließlich bedeutet die Verwendung von Dollar auch, dass man sich unnötig den Risiken der Instabilität und der Schwäche der amerikanischen Wirtschaft aussetzt. Wenn man über die Währung der weltweit wichtigsten Wirtschaftsmacht verfügt, sollte man nicht zögern, sie auch für die Zahlung seiner Ölversorgung einzusetzen. Darauf zu verzichten, bedeutet, die Rolle des Euro zu schwächen. Darauf zu verzichten, heißt, bis zum Letzten an der Welt von Gestern festzuhalten, statt in die Welt von Morgen zu investieren.

3. Setzen Sie sich für eine Reform des internationalen Währungssystems ein

Die beiden vorhergehenden Empfehlungen ordnen sich in den allgemeineren Rahmen des Problems der Leitwährungsfunktion des Dollars ein. Für die Schlüsselstellung des Dollar als internationale Reservewährung gab es zu Ende des Zweiten Weltkriegs eine gewisse Berechtigung, da die USA die große Weltmacht waren und der Dollar für Gold eingetauscht werden konnte. Aber der zentrale Platz des Dollars als Leit- und Reservewährung im gegenwärtigen Währungschaos ist die Ursache der gegenwärtigen weltweiten Krise; denn er ermöglicht den USA ihre Verschuldung und Handelsdefizite, lässt sie den Dollar und seine Rolle als alleiniges Zahlungsmittel für Öl weltweit mit Kriegen und Staatstreichen verteidigen und wälzt letztendlich die amerikanischen Probleme auf den Rest der Welt ab. Wenn die Krise

97 Einfach zwar, aber sie erfordern für ihre Umsetzung politischen Mut. 98 Vgl. die 62. Ausgabe des GEAB vom Februar 2012. Es ist sehr wohl vorstellbar, dass sich Gleiches bei einem Zusammenbruch des Dollars ereignet.

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überwunden und ein neuer Anfang auf solider Grundlage genommen werden soll, muss ein neues internationales Währungssystem geschaffen werden, das auf einer Korbwährung beruht (in die auch Gold einfließen kann) oder auf einer anderen Lösung. Die Europäer können und müssen bei dieser Reform eine aktive Rolle spielen; sie sind dazu auch ganz besonders geeignet, schließlich haben sie im Vorfeld der Schaffung der Gemeinschaftswährung bereits eine Korbwährung geschaffen und über Jahre gemanagt. In den BRICS, die von der Notwendigkeit dieser Reform überzeugt sind, würden die Europäer wertvolle Bundesgenossen finden. Und es bleibt festzuhalten, dass diese Neugründung des Systems auch für die USA von Nutzen wäre, da sie dann von einer neuen Dynamik profitieren könnten, statt auf immer von ihren unüberwindbaren Problemen gelähmt zu werden.

4. Bemühen Sie sich um eine enge Partnerschaft mit den BRICS

Die Zukunft liegt bei den BRICS und nicht bei den USA. Die Entwicklungen, die die Zukunft bestimmen, gehen von dieser Ländergruppierung aus. Europa als Bindeglied zwischen Osten und Westen kann sich entscheiden, ob es weiter mit den USA verbunden bleiben oder sich den BRICS zuwenden möchte. Eigentlich dürfte es bei einer Wahl zwischen einer im Niedergang befindlichen Macht und Länder, denen die Zukunft gehört, kein Zögern geben. Die strategische Annäherung Euro-BRICS muss daher eine Priorität für das Jahr 2013 werden, insbesondere angesichts des G20-Gipfels in St. Petersburg und des ihm vorgeschalteten BRICS- Gipfels.

5. Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, in Europa Schiefergas und - Öl abbauen zu

lassen; Sie würden sich damit in eine tödliche Sackgasse verrennen Wie wir in dieser 72. Ausgabe des GEAB dargelegt haben, ist die Förderung von Schiefergas und - Öl ein Strohfeuer, das schnell verloschen sein, aber maßgebliche Umweltschäden zurücklassen wird. Die Umwelt zu schädigen, um für einige Jahre ein wenig Wirtschaftswachstum zu erzielen, und dabei sich die Möglichkeit verbauen, die internationalen Beziehungen von Morgen aufzubauen, ist eine ganz armselige Strategie. Und sie verbaut weiterhin die Möglichkeit, alternative Lösungen zu fossilen Energieträgern auszuloten, die doch den Ländern, die sie erarbeiten, ganz entscheidende Vorteile verschaffen würden. Europa braucht für seine Zukunft ohne jeden Zweifel kein Schiefergas.

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Strategische und praktische Empfehlungen

Wie immer erinnern wir auch diesmal daran, dass unsere Empfehlungen kein Spekulationsziel oder sonstiges kurzfristiges Ziel verfolgen, dass sie nicht helfen sollen, mehr zu verdienen, sondern lediglich weniger (oder gar keine) Verluste zu erleiden. Denn in einer umfassenden weltweiten Krise wie die, die wir zur Zeit durchstehen müssen, kann nur dies ein vernünftiges Ziel jeder Investitionsentscheidung sein. Wir äußern uns lediglich zu langfristigen Investitionen und lassen ganz bewusst die irrationalen kurzfristigen Bewegungen der internationalen Finanzmärkte außer Acht.

Vorsicht an den Aktienmärkten: Die Eingeweihten wetten auf Kursverfall Wir sind mit unserer Warnung für die Phase von März bis Juni 2013 nicht allein. Einige "Großkopferte" der Finanzmärkte gehen ganz offensichtlich davon aus, dass eine Trendumkehr nahe ist 99 . Während die amerikanischen Aktienindizes wieder bis auf die unnatürlichen Höhen der Vorkrise angestiegen sind, lässt die gegenwärtige Querbewegung der Kurse vorhersagen, dass in den nächsten Monaten an den amerikanischen Aktienmärkten eine massive Kurskorrektur ins Haus steht. Wenn Sie noch an den Aktienmärkten engagiert sein sollten, dann stoßen Sie nun ihr Portfolio ab.

Grenzmärkte Sollten Sie aber das Herz eines Hasardeurs besitzen und dennoch in Aktienmärkten investieren wollen, dann sollten Sie das an Märkten tun, die die größte Rendite versprechen. Das sind auf keinen Fall die amerikanischen Börsen, ganz im Gegenteil. Andere wichtige Märkte wie in Europa und Asien beinhalten weniger Risiken, denn sie haben bei weitem noch nicht ihr Vorkrisenniveau erreicht. Im Verhältnis zu den geringen Chancen sind die Risiken jedoch weiterhin zu hoch. Wer wirklich nach Chancen sucht, sollte sich auf noch kleineren Märkten umschauen, die von der weltweiten Krise bisher noch weitgehend verschont geblieben sind, kaum Verbindungen zu den USA aufweisen und über ein großes Potential verfügen. Einige finden sich unter den sogenannten Grenzmärkten 100 , aber es ist wichtig, sich für stabile Länder zu entscheiden und langfristig zu investieren. Achtung, im Gegensatz zu unseren üblichen Empfehlungen besteht hier das Risiko von massiven Verlusten; sie ist nur für risikofreudige und besonders gewitzte Investoren.

Edelmetalle Gold hat auch noch weiterhin schöne Tage vor sich, wenn man sich den Appetit Chinas nach Gold betrachtet oder berücksichtigt, dass Deutschland seine Goldreserven wieder nach Hause holen möchte, oder dass andere Zentralbanken ihre Goldreserven aufstocken. Aber Investition in Gold muss immer langfristig angelegt sein, denn Kursrückgänge können massiv sein, wenn große Investoren ihr Gold verkaufen, um Verluste auszugleichen. Diese Ausschläge sind die Folge der Existenz des sehr spekulativen Goldzertifikatemarkts, der um jeden Preis zu meiden ist: Gold ist nur Gold in Form von Münzen oder Barren. Weiterhin auf lange Sicht können auch andere Edelmetalle interessant sein, wenn sie verstärkt von der Industrie genutzt werden: Platin, Palladium, Lithium usw. Vor einer Investition sollte jedoch geprüft werden, wofür sie eingesetzt werden und ob diese Verwendung von Dauer sein wird.

Bereiten Sie sich auf den Opa- Boom vor:

Die meisten westlichen Staaten stehen vor einem Opa- Boom oder zumindest vor einer verstärkten Alterung der Gesellschaft. Daher wird die Nachfrage nach Plätzen in Altersheimen enorm steigen und bietet interessante Investitionsmöglichkeiten. In Frankreich z.B. ist eine Investition in ein Altersheim mit medizinischer Betreuung zwar staatlich geregelt, aber dennoch ertragreich und kann eine bessere Rendite erwirtschaften als eine normale Vermietung 101 .

99 Quelle : Activist Post, 07/02/2013 100 Vgl. Wikipédia und Financial Times (10/02/2013) 101 Siehe z.B. Les Échos (22/02/2011)

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Nationale kleine und mittlere Betriebe Wie wir in der 71. Ausgabe des GEAB schrieben, sind die großen multinationalen Unternehmen, die in Dollar Handel treiben, dem Risiko eines Dollarzusammenbruchs und den Wechselkursrisiken besonders ausgesetzt (wir weisen ja europäische Unternehmen immer wieder darauf hin, sich soweit möglich in Euro bezahlen zu lassen und auch selbst mit Euro zu bezahlen). Die nationalen kleinen und mittleren Unternehmen sind a priori diesen Risiken deutlich weniger ausgesetzt und bieten daher bessere Investitionsmöglichkeiten, wenn das Unternehmen in einem Zukunftsmarkt tätig ist.

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4- Der GlobalEurometer 102

GlobalEurometer vom Februar 2013 - Ergebnisse

 

Ja

Nein

Keine

GlobalEurometer 02-2013

 

%

%

Angaben

 

%

1.

Glauben Sie, dass gerade eine Art Wirtschaftsregierung für

57

33

 

10

Euroland errichtet wird?

 

(76) 103

2.

Denken Sie, dass in den nächsten Monaten Lösungen für die

10

 

66

(56)

24

Euroland- Probleme gefunden werden?

 

3.

Glauben Sie, dass anti-demokratische Kräfte in der EU auf dem

81

(43)

19

 

0

Vormarsch sind?

 

4.Würden Sie in den folgenden sechs Monaten Euro gegen US- Dollar, japanischen Yen oder britisches Pfund eintauschen?

2

98

(99)

0

5.Würden Sie in den folgenden sechs Monaten für Euro Gold kaufen?

33

58

(66)

9

6.

Gehen Sie davon aus, dass die Weltwirtschaft wieder in eine

72

(50)

20

 

8

weitere Rezession gerät?

 

7.

Gehen Sie davon aus, dass in Ihrem Land wieder Inflation

35

 

62

(48)

3

herrscht?

 

8.

Fürchten Sie, wegen der weltweiten Krise in den nächsten sechs

19

 

57

(55)

24

Monaten Ihren Arbeitsplatz zu verlieren?

 

9.

Fürchten Sie, wegen der weltweiten Krise in den nächsten sechs

67

(47)

28

 

5

Monaten Geld zu verlieren?

 

10.

Gehen Sie davon aus, dass der Dollar in den nächsten sechs

     

Monaten im Verhältnis zu den anderen großen Währungen an Wert verlieren wird?

81

(79)

5

14

11. Sehen Sie mit Sorge die Zunahme geopolitischer Spannungen?

86

9

5

12.

Können Sie sich vorstellen, dass große Banken in Ihrem Land in

47

(42)

43

 

10

den nächsten sechs Monaten Konkurs anmelden müssen?

 

13.

Gehen

Sie

davon

aus,

dass

in

Großbritannien

in

den

     

kommenden

sechs

Monaten

wieder

Aufstände

und

Unruhen

81

(77)

10

9

ausbrechen?

   

14.

Bemerken Sie Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung in

9

 

86

(76)

5

ihrem Land ?

 

15.

Fürchten Sie in den nächsten sechs Monaten politische und

67

(33)

29

 

4

soziale Unruhen in ihrem Land ?

 

16. Rechnen Sie in den nächsten sechs Monaten mit großen Preissteigerungen beim Rohöl?

48

33

19

102 Jeden Monat befragt das Team des GEAB für sie 200 europäische Meinungsführer 103 Blau die Ergebnisse des Vormonats.

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GlobalEurometer vom Februar 2013 - Auswertung

Einschätzung der Lage in der EU

1. Errichtung einer Wirtschaftsregierung für die Eurozone:

Nach einem Rekord von 76% der Befragten, die davon ausgingen, dass eine Wirtschaftsregierung der Eurozone errichtet werde, sind diesen Monat lediglich 56% dieser Ansicht, also weniger als in den Vormonaten (November 65%, Dezember 65%). Es ist natürlich richtig, dass im letzten Monat überwiegend von der EU und nicht von Euroland gesprochen wurde und dass die erste, getreu ihrer alten Gewohnheiten des Teppichhandelns und Feilschens wieder einmal den Bürgern Europas das frustrierende Schauspiel von Kakophonie und Verteidigung von nationalen Interessen in Form von Subventionen, Rabatten und anderen geldwerten Vorteilen zum Nachteil der gemeinsamen Interessen wie wirtschaftlicher Aufschwung und Bewahrung der Sozialprogramme geboten hat.

2. Lösungsperspektiven für die Eurokrise :

Auch hier ein Zusammenbruch des Vertrauens in die Fähigkeit der Europapolitiker, dauerhafte Lösungen für die Eurokrise in den folgenden Monaten zu finden: Nur 10% der Befragten bleiben optimistisch, im Vormonat waren es noch 34% gewesen; und 66% erwarten nichts von Europa und seinen Institutionen, während es im Vormonat nur

56% waren. Die Zahl der Unentschiedenen steigt von 10 auf 24%. Insofern besteht Übereinstimmung mit den Antworten zur vorhergehenden Frage.

3. Anstieg der extremistischen Strömungen in Europa :

Das Auf und Ab bei den Antworten zu dieser Frage bestätigt sich auch diesen Monat wieder mit 81% der Befragten, die einen Anstieg der extremistischen Strömungen in Europa fürchten; im Vormonat waren es nur 43% gewesen, und davor 73%. Nur noch 19% fürchten dies nicht, im Vormonat waren es noch 42% gewesen. Vielleicht ist es interessant, diese Antworten zu denen der beiden vorhergehenden Fragen in Verhältnis zu setzen und die These zu wagen, dass europäische Kakophonie und Nationalismus der europäischen Regierungen bei den Menschen Ängste vor der Zunahme extremistischer Strömungen wecken. Wir werden diese Hypothese im Auge behalten

4. Gefühlter Wert von Euro, US-Dollar, Yen und Pfund :

Weiterhin einstimmige Präferenz des Euros vor Dollar, Yen und Pfund: 99% der Befragten wollen ihre Euros nicht

eintauschen. Es kann damit keinen Zweifel mehr am Vertrauen der Europäer in den Euro geben. Die Bürger gehen letztendlich davon aus, dass es in Europa keine Eurokrise, sondern eine politische Krise gibt.

5. Gefühlter Wert von Euro und Gold :

Kleine Abweichung nach unten im Vertrauen in den Euro im Vergleich zu Gold, aber nichts Schwerwiegendes: Die Zahl derjenigen, die für Euro Gold kaufen wollen, steigt von 24 auf 33%, während die Zahl derer, die auch im Vergleich zu Gold dem Euro den Vorzug geben, von 66 auf 58% sinkt. Angesichts der vielen Berichte über die Heimführung der nationalen Goldbestände durch die Zentralbanken und die Währungssorgen musste man sich eigentlich auf einen

größeren Ausschlag gefasst machen.

7. Rückkehr der Inflation in Europa :

Das Gefühl von Inflation in Europa verzeichnet seit drei Monaten Rückgänge und fällt von 66% im Dezember über 48% im Januar auf nunmehr 35%; 62% gehen davon aus, dass keine Inflation herrsche. Angesichts des Anstiegs des Eurokurses während der letzten Wochen war Inflation in diesem Monat tatsächlich kein Thema.

8. Angst um den Arbeitsplatz :

Hier ist weitgehende Stabilität zu verzeichnen: Die Zahl der Befragten, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben, steigt von 15 auf 19%, während die Zahl derjenigen, die diese Angst nicht verspüren, ebenfalls ansteigt, nämlich von 55 auf 57%. Logischerweise sinkt damit die Zahl der Unentschiedenen, die von 30 auf 24% zurückgeht.

9. Angst vor Vermögensverlusten :

Hingegen nimmt die Angst vor Vermögensverlusten deutlich zu, nämlich von 47 auf nunmehr 67% der Befragten, die angeben, in diesem Monat diese Eventualität zu fürchten. Das ist damit eine deutliche Mehrheit, während in den Monaten zuvor die Befragten überwiegend voller Vertrauen waren. Damit zeigen die Antworten auf die letzten beiden Fragen, dass nunmehr die Europäer weniger von Sorgen um die Wirtschaft und mehr von finanziellen und monetären Risiken umgetrieben werden.

12. Antizipation von Bankeninsolvenzen :

Merkwürdigerweise sind die wieder wachsenden Schwierigkeiten der Banken, über die die Medien berichteten, ohne Auswirkungen auf unsere Befragten geblieben, bei denen nur ein kleiner Anstieg der Zahl der Personen zu verzeichnen war, die mit weiteren Bankeninsolvenzen rechnen; sie stieg vom Vormonat mit 42% auf nunmehr 47%,

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was sich in einem entsprechenden Rückgang der Zahl der Unentschiedenen wiederspiegelte, die von 14 auf 10% fiel. Wenn auch die Veränderung gering ist, so sollte doch nicht außer Acht bleiben, dass trotz allem beinahe die Hälfte der Befragten vorhersehen, dass in ihrem Heimatstaat Banken Pleite gehen werden.

13. Gefahr neuer Unruhen in Großbritannien :

Die Zahl der Personen, die mit einem erneuten Ausbrechen von Krawallen in Großbritannien rechnen, steigt langsam aber stetig weiter an, nämlich von 73% im Dezember über 77% im Januar auf nunmehr 81%. Das sind vier von fünf

Befragten!. Die sehr schlechten Nachrichten seit Jahresbeginn über den Zustand der britischen Wirtschaft bietet natürlich einen geeigneten Nährboden für solche Einschätzungen.

14. Gefühlter Aufschwung:

Die leichte Beruhigung der Gefühlslage hierzu vom letzten Monat ist schon wieder verpufft: Die Zahl derjenigen, die keinerlei Zeichen für einen wirtschaftlichen Aufschwung ausmachen können, steigt nunmehr wieder auf 86% an, nachdem sie von Dezember auf Januar von 92 auf 76% abgesunken war. Vielleicht gibt es ja einen Aufschwung, aber die weitgehende Mehrheit der Europäer kann ihn für sich nicht ausmachen.

15. Gefahr von Unruhen und sozialen Protesten in Europa :

Der weitgehende Rückgang der Sorgen, der in den Antworten des Vormonats zu verzeichnen war, als sich nur 33% der Befragten insoweit Sorgen machten, hat nicht lange angehalten; denn in diesem Monat fürchten 67% der Befragten soziale Unruhen, also ein Riesensprung von einem Drittel zu zwei Dritteln. Wiederauflammen der

Da kann es nicht

Währungskrise, fehlende Leadership in Europa, Angst vor Zunahme extremistischer Strömungen

ausbleiben, dass mehr und mehr der Befragten davon ausgehen, dass es vermehrt zu sozialen Unruhen in Europa kommen wird.

Einschätzung der internationalen Lage

6. Beginn einer globalen Rezession:

Noch ein Punkt, mit dem sich bestätigen lässt, dass die optimistischeren Einschätzungen des Vormonats schon wieder Geschichte sind: 71% der Befragten rechnen damit, dass die Weltwirtschaft in diesem Monat in eine Rezession abgleitet, während diese Zahl von Dezember bis Januar von 84 auf 50% zurückgegangen war. Die schlechten Nachrichten dieses Monats haben sehr rasch die guten nach dem Jahreswechsel verdrängt.

10. Antizipation eines Wertverlusts des US- Dollars:

Langsam aber sicher steigt die Zahl der Befragten, die in den nächsten sechs Monaten mit einem Zusammenbruch des Dollars rechnen, wieder auf stratosphärische Höhen; nur noch 5% gehen davon aus, dass dies nicht eintreten werde, während 81% eine solche Entwicklung für die US- Währung vorhersehen. Im Dezember waren es "nur" 74% gewesen, und schon 79% im Januar. Die große Unsicherheit über die weitere Entwicklung, die im Herbst 2012 herrschte, weicht nun der weitgehenden Gewissheit, und Sorgen machen sich umfassend breit.

11. Anstieg der geopolitischen Spannungen:

Diese Frage ersetzt die präzisere nach den Risiken einer militärischen Intervention des Westens im Mittleren Osten. Deshalb kann aus den erstmaligen Antworten natürlich kein Trend abgelesen werden. Aber auch als einmaliger Wert

sind die Zahlen schon recht aussagekräftig, denn 86% der Personen befürchten einen Anstieg der geopolitischen Spannungen weltweit, während nur 9 bzw. 5% optimistisch oder unentschieden sind.

16. Antizipation eines steigenden Ölpreises :

Eine weitere neue Frage, zu der wir nur die absoluten Zahlen der Antworten notieren: Mehr als die Hälfte der Befragten gehen davon aus, dass der Ölpreis weiter ansteigt, während dies 33% nicht glauben und 19% dazu noch keine Meinung haben.

Themenübergreifende Bemerkungen

Nachdem von September 2012 bis Januar 2013 aus den Antworten auf den GlobalEurometer eine optimistischere Grundhaltung herausgelesen werden konnte, zeigen die Antworten vom Februar, dass zu allen Themen der Pessimismus wieder zunimmt: Europäische Wirtschaftsregierung, finanzielle und monetäre Risiken, Gefahr von sozialen Unruhen, politische Krisen und geopolitische Konflikte. Diese Ausgabe des GlobalEurometers weist nach, dass das Vertrauen der Europäer erneut erschüttert wurde. Die Zahl der Unentschiedenen ist gering, so dass klar ist, dass unsere Befragten eindeutig mit wenig Zutrauen der Überraschungen harren, mit denen die nächsten sechs Monate aufwarten können: Zusammenbruch des Dollars, Ausbruch von militärischen Konflikten und sozialen Unruhen, das ganze Szenario unter der politischen Führung von Regierungen, die als wenig fähig eingestuft werden, was wiederum Grund zu Sorge gibt, dass in Europa extremistische Strömungen sich durchsetzen könnten. Dieses Bild bietet die europäische Meinung diesen Monat. Frau Merkel und Konsorten, es ist höchste Zeit, Visionen zu entwickeln und an das Gemeinwohl zu denken, statt nur an Geld und die nächsten Wahlen!

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Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°72 – 17. 01. 2013 © Copyright GEFIRA / LEAP – 2013 - ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

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