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Foto: klaus-wowereit.de

AKTUELL ❚ POLITIK
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Eine Grundgesetzänderung sei Ansporn, Gesicht für eine tolerante Gesellschaft zu zeigen, sagt Berlins Regierender
Eine Grundgesetzänderung sei Ansporn,
Gesicht für eine tolerante Gesellschaft
zu zeigen, sagt Berlins Regierender
Klaus Wowereit
Bunte Koalitionen Die Stadtstaaten preschen in Sachen Artikel 3 vor
Bunte Koalitionen
Die Stadtstaaten preschen in Sachen Artikel 3 vor

Wird es doch was mit der Änderung von Artikel 3 des Grundgesetzes? Berlin, Bremen und Hamburg jedenfalls haben gemeinsam im Bundesrat den Antrag gestellt, Lesben und Schwule grundgesetzlich zu schützen. Erstmals stellen sich damit Politiker aus CDU, SPD, Grünen und Linken zugleich auf die Seite der Homo-Verbände. Wenn es um Lesben- und Schwulenrechte ging, verliefen die Fronten bislang eindeutig:

Hier die Befürworter aus SPD, FDP, Links- partei und Grünen, dort die Verweigerer aus CDU und vor allem CSU. Doch die politische Arithmetik ist in Bewegung geraten: die Grünen regieren mittlerweile seit einem Jahr in Hamburg zusammen mit einem mehr oder weniger offen schwulen Bürgermeister von der CDU und versetzen damit auch dessen Partei in Bewegung. So kam es am 16. Okto- ber, dass im Bundesrat eine bunte Koalition aus CDU (Hamburg), SPD (Berlin und Bremen), Linkspartei (Berlin) und Grünen (Bremen und Hamburg) forderte, doch nun endlich Art. 3 des Grundgesetzes zu ändern. "Niemand darf wegen seiner sexuellen Identität benachteiligt oder bevorzugt werden", soll es dort künftig heißen - ganz im Sinne des Lesben- und Schwu- lenverbands in Deutschland (LSVD), der Anfang des Jahres eine neuerliche Kampagne dazu gestartet hatte. Eine prominente Riege trat in der Länder- kammer für die Initiative ein. Das Grund- gesetz sei kein Wunschkonzert, betonte die scheidende Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. "Nicht alles, was edel, schön und gut klingt, gehört auch in eine Verfassung", sagte die SPD-Politikerin in Anspielung auf das Vorhaben der neuen Bundesregierung, Kultur als Staatsziel und Deutsch als Staats- sprache zu verankern. Anders sei es beim

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als Staats- sprache zu verankern. Anders sei es beim 8 NOVEMBER 2009 vorliegenden Antrag der drei

NOVEMBER 2009

vorliegenden Antrag der drei Stadtstaaten:

"Diese Änderung wäre auch deshalb so wichtig, weil sie die Lebenssituation von sexuellen Minderheiten ganz handfest ver- bessern kann." "Es gibt keine Vorabendserie, in der nicht ein freundlicher Schwuler aus der Nachbar- schaft für Toleranz werben soll", referierte Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust. "Aber die Realität sieht anders aus", vor allem

Auf dem Land und bei Migranten gibt es noch viel zu tun, meint Hamburgs Bürgermeister
Auf dem Land und bei Migranten gibt es noch viel zu
tun, meint Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust
Foto: Senatskanzlei Hamburg

auf dem Land, unter Menschen mit Migrations- Hintergrund und im Sport. Namentlich nannte der CDU-Politiker den Fußball. Sein Berliner Kollege Klaus Wowereit (SPD) lobte ausdrücklich die rechtlichen Fortschritte in den vergangenen Jahren, aber: "Homosexuelle erleben leider im Alltag häufig immer noch

Vorurteile und Benachteiligungen." Die ange- strebte Verfassungsänderung ändere nicht allein die Wirklichkeit. "Wir wollen, dass sie Ansporn ist, um Gesicht zu zeigen für eine tolerante Gesellschaft." Auffallend zurückhaltend verhielten sich die anderen, mehrheitlich unionsgeführten Länder in der Debatte. "Die Landesregierung hat ihre Position zu diesem Thema noch nicht abschließend festgelegt", hieß es nach Recherche der "taz" nahezu übereinstim- mend aus den Justizministerien. Die FDP dürfte sich weder im Bund noch den Ländern zum Fürsprecher der Initiative machen. Der bestehende Artikel mit seinem Gleichbe- handlungsgebot und seinem Diskriminie- rungsverbot decke auch die sexuelle Identität mit ab, gab sich Sabine Leutheusser-Schnarren- berger, Bundesjustizministerin in spe, vor der Bundestagswahl gegenüber dem gab- Magazin überzeugt: "Mit der Gesetzgebung auf europäischer Ebene, mit dem EG-Vertrag, mit der Charta und der Konvention zum Schutz der Grundrechte und Grundfreiheiten ist eine ganz klare Grundlage gegeben, so- dass die Klarstellung im Grundgesetz in meinen Augen kaum mehr ist als symbolisch." Der Antrag der drei Länder wurde in die zuständigen Gremien überwiesen. Wann genau er erneut im Plenum behandelt werde, hänge von verschiedenen Faktoren ab, so Martina Fuge von der Pressestelle des Bundes- rats auf Anfrage. "Je nachdem, wann die Vorlage auf die Tagesordnung der Ausschüsse kommt und je nach Ausgang der Beratungen vermute ich, dass die Vorlage am 27. November 2009 erneut in der Plenarsitzung behandelt wird". Dann entscheidet die Länderkammer, ob der Antrag im Bundestag eingebracht wird. (fs)

08-09-RTG-2008-D-43778-PR

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Endlich ein Durchbruch?

BVerfG ist für Gleichstellung - Hessen noch nicht

Die Grünen und die SPD in Hessen wagen einen erneuten Versuch zur Gleichstellung von Homo-Paaren im öffentlichen Dienst. Ein bahnbrechendes Urteil des Bundesverfassungs- gerichts könnte auch hierfür neue Maßstäbe setzen.

Foto: Justin Sullivan/getty Images
Foto: Justin Sullivan/getty Images

Nachdem das Anpassungsgesetz für gleichgeschlechtliche Partner- schaften im öffentlichen Dienst in verschiedenen Bundesländern (zuletzt im September in Rhein- land-Pfalz) eingeführt wurde, wagt man auch in Hessen noch einmal einen Versuch zur Gleichberech- tigung: die Grünen und die SPD brachten erneut entsprechende Ge- setzentwürfe ein. 2008 scheiterte das Vorhaben in den Wirren um die Hessischen Neuwahlen. Die hessische FDP enttäuschte damals durch Enthaltung, obwohl bundes- politisch der Kurs damals eher zur Homofreundlichkeit tendierte. Obwohl auch von den momen- tan in Hessen regierenden CDU/ FDP-Fraktionen ein entsprechen- der Gesetzesentwurf angekün-

digt wurde, wurde dieser bislang nicht vorgelegt. Ein Grund dafür könnte in der verstärkten Rückbesinnung der CDU auf konservative Werte liegen; als Reaktion auf die Wahlverluste der CDU bei der Bundestagswahl wurde diese Kurskorrektur von Christean Wagner, Fraktionsvor- sitzender der hessischen CDU, in einem Interview mit der FAZ pro- pagiert. Die im Vergleich mit ande- ren Bundesländern sowieso schon als extrem konservativ geltende Landespartei bekräftigte dabei er- neut ihre homophobe Haltung: Ge- betsmühlenartig wiederholt Wag- ner die Anti-Haltung: "Hier gilt für mich ganz klar Artikel 6 des Grundgesetzes, wonach Ehe und Familie unter dem besonderen

Schutz der Verfassung stehen. Bei aller Toleranz bei Fragen der per- sönlichen Lebensverhältnisse darf es hier keine Gleichstellung ge- ben." Auch die Kanzlerin sei seiner Meinung, davon gehe er aus. Was leider stimmt: in der Familienpo- litik in Bezug auf Homo-Partner- schaften sehe sie keinen Bedarf für eine weitere Liberalisierung, erklärte sie bereits vor der Wahl in verschiedenen Interviews.

Bundesverfassungsgericht sagt:

"Ehe und Lebenspartnerschaft sind gleich zu behandeln"

Eine neue Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Hinterbliebenenrente bei Lebens- partnerschaften widerspricht jetzt den konservativen Ansichten: in einem Urteil vom 7.7.2009, das erst Mitte Oktober veröffentlicht wur- de, stellen die Karlsruher Richter klar: Ehe und Lebenspartnerschaft sind gleich zu behandeln. Der be- sondere Schutz durch Artikel 6 des Grundgesetzes rechtfertige keine rechtliche Ungleichbehandlung von Ehe und Lebenspartnerschaft, da beide Partnerschaftsformen auch vergleichbare Pflichten ha- ben. Auch die Argumentation, die Ehe sei zur Kindeserziehung gegründet, und daher gesondert schützenswert, lässt das Gericht nicht durchgehen: nicht jede Ehe sei auf Kinder angelegt und auch in gleichgeschlechtlichen Partner- schaften würden Kinder auf- wachsen. Euphorisch wurde das lebensnahe Urteil und dessen Auswirkungen gefeiert: "Eine

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673 673 oder im Internet auf der Seite www.hiv-integrase.de klare Niederlage für die konser- vativen Ideologien

klare Niederlage für die konser- vativen Ideologien der Union" jubelt Grünen-Politiker Volker Beck in einer Mitteilung. "Die Entscheidung weist weit über den unmittelbar verhandelten Gegen- stand der Hinterbliebenenrente hinaus. Der Schutz von Artikel 6 kann nicht als Vorwand für die Diskriminierung von Lesben und Schwulen herhalten". Auf Bundes- ebene sieht er nun die schwarz- gelbe Koalition aufgefordert, die vollständige Gleichstellung der Lebenspartnerschaften im Recht zu schaffen, denn "nur vollständige Gleichstellung ist verfassungskon- form", so Beck in der Mitteilung. "Der neue Beschluss gilt natür- lich auch für das Recht der Bun- desländer sowie Satzungen der berufsständischen Versorgungs- werke der freien Berufe" ergänzt Renate Rampf vom LSVD-Presse- dienst. Also auch auf Landesebene wird die Entscheidung Auswir- kungen haben: "Das Urteil ist eine Ohrfeige für die frömmelnde Front in Parteien und Kirchen" meint LSVD Hessen Sprecher Ralf Harth und zielt dabei wohl insbesondere auf den hessischen CDU-Frak- tionsvorsitzenden Christean Wag- ner - und, so Harth weiter: "Die ideologische Argumentationsstüt- ze dieser konservativen und kleri- kalen Kräfte ist zusammengebro- chen". Dennoch sei er gespannt, welche rhetorischen Winkelzüge die Konservativen nun verwen- den wollen, um die vollständige rechtliche Gleichstellung in Hessen weiter zu bremsen oder zu blockieren. (bjö)

verwen- den wollen, um die vollständige rechtliche Gleichstellung in Hessen weiter zu bremsen oder zu blockieren.
HIV und Informieren Sie sich über die Langzeitfolgen Ihrer HIV-Therapie. Teil 1: LIPODYSTROPHIE Eine aktuelle

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