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Mag.

Dietmar Innerwinkler

Jugendpolitik in der
Stadtgemeinde Völkermarkt
Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung............................................................................. 1
2. Fragestellung und Voraussetzungen......................................... 2
3. Jugendpolitik im Gemeinderat................................................ 3
4. Jugendpolitik der politischen Funktionäre ................................. 7
5. Einrichtungen für Jugendliche ................................................. 8
5.1. Schülerhort im Stadthaus .......................................... 8
5.2. Jugendzentrum Chillout ............................................. 9
5.3. Mediathek - Stadtbibliothek...................................... 12
6. Zusammenfassung .............................................................. 13
7. Verwendete Materialien........................................................ 15
1. Einleitung

Die Stadtgemeinde Völkermarkt liegt in Unterkärnten und hat laut Fort-


schreibung 2007 eine Einwohnerzahl von 11.429. In den letzten Jahren
sinkt die Bevölkerungszahl leicht, aufgrund einer negativen Wande-
rungsbilanz bei positiver Geburtenbilanz. Der Anteil der Kinder und Ju-
gendlichen unter 24 Jahren beträgt 28,8 %, der Anteil der 14- bis
24jährigen 12,7%. Der Ausländeranteil ist mit 3,5 % sehr gering.

Völkermarkt ist Zentrum des gleichnamigen Bezirkes, der als sehr


strukturschwach zu bezeichnen ist. Die Hauptwirtschaftszweige sind
Gewerbe, Industrie und Handel. Zwar ist auch hier die Arbeitslosenrate
im letzten Jahr auf 4,7 % zurückgegangen, doch ist die Arbeitsplatz-
dichte (Zahl der Arbeitsplätze pro 1000 Einwohner/innen) mit 320 weit
unter dem Kärntner Schnitt von 401 und dem österreichischen von 440.
Völkermarkt ist auch ein Schulstandort mit vier Volks-, einer Haupt-
schule, einem Gymnasium und einer Handelsakademie. Die Zahl der
Schüler/innen geht derzeit stark zurück. Dies ist neben demographi-
schen Entwicklungen auch auf die Tatsache zurückzuführen, dass durch
Einsparungen die Anbindung des Bezirkes durch öffentliche Verkehrs-
mittel mit seinem Zentrum vielfach schlechter ist als mit der 25 km ent-
fernten Landeshauptstadt Klagenfurt.

Der Gemeinderat hat 31 Mitglieder und setzt sich zusammen aus: SPÖ
18, ÖVP 7, BZÖ 7 und Grüne 1. Von den acht Ausschüssen der Gemein-
de werden fünf von der SPÖ, zwei von der ÖVP und einer von der BZÖ
geleitet. Der Stadtrat hat vier Mitglieder der SPÖ, zwei der ÖVP und ei-
nem des BZÖ. Bürgermeister ist Valentin Blaschitz von der SPÖ.

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2. Fragestellung und Voraussetzungen

Die grundlegende Fragestellung für diese Arbeit war, ob in einer Ge-


meinde dieser Größe Politik für Jugendliche oder Politik von Jugendli-
chen gemacht wird. Wichtig war festzustellen, ob Jugendliche als politi-
scher Faktor wahrgenommen werden und in der politischen Diskussion
vorkommen.

Politische Arbeit findet ihre Bühne im Gemeinderat. In seinen Sitzungen


werden die großen Themen der Gemeindepolitik öffentlich diskutiert und
die Protokolle der Sitzungen sind in der Gemeinde einsehbar. Hier findet
das statt, was man „Repräsentativdemokratie“ nennt. Schon die Unter-
suchung der Altersstruktur des Gemeinderates zeigt ein ernüchterndes
Faktum auf: der jüngste Gemeinderat, Mag. Andreas Schäfermeier
(SPÖ), ist 31 Jahre alt. Er ist auch Obmann des Ausschusses für Ju-
gend, Sport und Gesundheit.

Laut § 34 der Allgemeinen Gemeindeordnung Kärntens hat der Stadtrat


die Möglichkeit, Projekte, die 70.000 Euro nicht übersteigen, eigenstän-
dig zu entscheiden. Die Sitzungen des Stadtrates, die durchschnittlich
alle zwei Wochen stattfinden, sind nicht öffentlich und es gibt auch kei-
ne einsehbaren Protokolle. Die Entscheidungen werden konsensual ge-
fällt. Über diesen Betrag von 70.00 Euro hinausgehende Projekte wer-
den in den jeweiligen Ausschüssen vorbereitet und dann dem Stadtrat
vorgelegt. Erst danach wird der Gemeinderat mit der Materie befasst.

Gemeindepolitik ist dementsprechend nicht transparent und wird auch


nicht so empfunden. „Politik von unten“ findet nicht statt, nicht von Er-
wachsenen und schon gar nicht von Jugendlichen.

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3. Jugendpolitik im Gemeinderat

Um die Arbeit des Gemeinderates zu untersuchen, habe ich die Sit-


zungsprotokolle der Jahre 2006 und 2007 durchgesehen. In beiden Jah-
ren wurden je fünf Sitzungen mit 10 bis 24 Tagesordnungspunkten ab-
gehalten. Die Themen waren sehr vielfältig, vor allem bei den Diskussi-
onen zu den jährlichen Budgetvoranschlägen und Rechnungsabschlüs-
sen zeigt sich das breite Spektrum der Politik in einer kleinen Stadtge-
meinde.

Naturgemäß nehmen Themen breiten Raum ein, die mit erheblichen


Ausgaben für die Gemeinde verbunden sind. Hier gibt es dann auch
Auseinandersetzungen und längere Diskussionen im Gemeinderat.
Trotzdem werden nahezu alle Beschlüsse des Gremiums einstimmig
bzw. mit geringen Stimmenthaltungen getroffen. Dies zeigt wiederum
auf, dass die politische Arbeit in den vorbereitenden Gremien und im
Stadtrat erfolgt. Der Gemeinderat ist dann nur mehr die Bühne, die in
die Öffentlichkeit wirkt. Bei einem Gespräch mit dem Amtsleiter der
Stadtgemeinde Völkermarkt, Dr. Hans Puri, der nahezu bei allen Sitzun-
gen des Gemeinderates und auch des Stadtrates anwesend ist, konnte
ich interessante Informationen bekommen. Nach seiner Ansicht sind die
Mitglieder des Gemeinderates, unabhängig von ihrer Parteizugehörig-
keit, für eine politische Arbeit nicht gut geeignet. Gründe dafür sind
mangelnde Ausbildung, geringes Engagement oder schlechte Vorberei-
tung. So verkommen die meisten Gemeinderatssitzungen zu einer
schlechten Komödie. Demgemäß ist Dr. Puri nicht unglücklich, dass die
an sich öffentlichen Sitzungen sehr wenig Interesse bei Besuchern er-
wecken.

Bei der Durchsicht der zehn Sitzungsprotokolle ist mir aufgefallen, dass
das Wort „Jugend“ nur ein einziges Mal gefallen ist. In der Sitzung vom
19. 12. 2006 spricht GR Helmut Wagner (ÖVP) das Thema Jugend di-
rekt an. Hintergrund seines Diskussionsbeitrages war die Verhaftung

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von zwei Drogendealern in Völkermarkt, die ein paar Tage vorher er-
folgt ist. Er führt aus: „Heute hat in Wien die achte Runde der Koaliti-
onsverhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP stattgefunden. Große Ergeb-
nisse waren nicht dabei, aber ein Thema wurde angeschnitten und zwar
die Jugend. Offensichtlich und richtig ein wichtiges Thema für die Zu-
kunft. Als wesentlichster Punkt dieser Debatte und dieser Vereinbarung
wurde die Prävention gegen Drogen- und Alkoholprobleme festgeschrie-
ben. Aufgeschreckt auch durch Zeitungsmeldungen der letzten Tage:
hier in unserer Gemeinde ein 23jähriger Arbeiter als Drogendealer ver-
haftet, gestern ein 21jähriger deutscher Leiharbeiter ebenfalls als Dea-
ler festgenommen. Dies sind Zeichen dafür, dass wir keine Insel der Se-
ligen sind, sondern dass wir uns mit diesem Thema in Zukunft intensi-
ver auseinandersetzen werden müssen.

Man liest auch in Zeitungen, dass Kinder bereits im Vorschulalter mit


eklatanten Haltungsschäden zu kämpfen haben. (…) Ich gehe bewusst
auf das Thema Sport in der Großgemeinde Völkermarkt ein. Wir können
sehr stolz sein, dass wir eine ausgezeichnete Infrastruktur besitzen. (…)

Es gibt Tennisplätze in allen Altgemeinden, es gibt eine Eishalle, Turn-


hallen, die über das Volksschulreferat mit dem Land Kärnten gebaut
wurden. Es gibt das neue Rudersportzentrum und es gibt viele Möglich-
keiten, auch das Jugendzentrum in Völkermarkt, wo die Jugend irgend-
wo Möglichkeiten hat, sich zu unterhalten, etwas zu lernen, aber auch
Sport zu betreiben.

Dieses Thema Drogen- und Alkoholprobleme ist auch eine öffentliche


Aufgabe aller freiwilligen Helfer, die sich Sportfunktionäre nennen, und
ihre Freizeit für die Jugend der Großgemeinde Völkermarkt kostenlos
zur Verfügung stellen. Es geht nicht um irgendeine Sportart, sondern es
geht darum, diese Prävention Sport einzusetzen, um diese Dinge, so-
weit wir es beherrschen können, in etwa in den Griff zu bekommen. (…)

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In diesem Sinne liebe Freunde des Völkermarkter Gemeinderates darf
ich sagen, obwohl die Zahlen im Budget auch in sportlichen Bereichen
gekürzt worden sind, wir werden damit umgehen können. (…)

Wenn wir nun zum sportlichen Betrieb in Zukunft noch einen Teil dazu
beitragen können, dann können wir uns in der Völkermarkter Stadtge-
meinde glücklich schätzen, nicht nur ausgezeichnete Sportler zu besit-
zen, sondern auch auf der Ebene des breiten Sports viel für die Ge-
sundheit und das Wohlergehen der Jugendlichen und der Familien errei-
chen zu können.“

Helmut Wagner, ein Urgestein der Völkermarkter Gemeindepolitik und


gleichzeitig langjähriger Funktionär des Völkermarkter Sport- und Turn-
vereins (VST), dem größten Sportverein der Stadt, benützt hier das
Thema Jugend, um ein Loblied auf die Tätigkeit der Sportfunktionäre
anzustimmen. Sein Hauptinteresse gilt dabei dem Sport im Allgemeinen
und nicht der Jugendpolitik. Er sieht im Sport ein Allheilmittel gegen die
Probleme Jugendlicher, wenn er in seiner Wortmeldung sagt: „.. es gibt
für Familien an und für sich nichts schöneres, wenn ihre Kinder in einer
großen Sportfamilie zum Sport erzogen werden, in einer großen Sport-
familie aufwachsen und mit diesen anderen Themen, die uns heute hier
beschäftigen, an und für sich nicht in Berührung geraten und nicht in
Berührung kommen können.“

Dieser Zugang zum Thema Jugend ist meiner Meinung nach typisch für
Gemeinden wie Völkermarkt: die Jugend wird nicht als eigener Faktor
gesehen, für den es gilt, Politik zu machen, sondern wird eingebunden
in einen größeren Kontext (in diesem Falle in den Sport). Es werden da-
durch nicht die richtigen Fragen gestellt und dementsprechend auch
nicht die richtigen Antworten gefunden. Kinder und Jugendliche nehmen
nicht den ihnen zustehenden Platz in der politischen Arbeit in der Ge-
meinde ein. Keine der im Gemeinderat vertretenen Parteien spricht Ju-
gendthemen als solche an, keine Partei gibt den Jugendlichen und ihren

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Anliegen den nötigen Raum. Jugendthemen werden nicht als solche er-
kannt.

Dies wird in diesem konkreten Beispiel auch sehr deutlich: Bürgermeis-


ter Valentin Blaschitz geht in seiner Antwort auf die Wortmeldung des
GR Wagner nur sehr allgemein auf das Thema Sport und Sportvereine
ein, ohne das Wort Jugend auch nur einmal zu erwähnen.

Politik für Kinder und Jugendliche wird indirekt über die Finanzierung
von Kindergärten und Schulen gemacht. Naturgemäß wird in allen Bud-
getdebatten dieses Thema heftig diskutiert, etwa die Finanzierungs-
probleme bei der Renovierung der Volksschule St. Peter am Wallersberg
und des Kindergartens Völkermarkt-Ritzing (Sitzung vom 27. 7. 2006).
Der Budgetvoranschlag für das Jahr 2007, der am 19. 12. 2006 be-
schlossen wurde, sieht deutliche Einsparungen bei Schulerhaltungsin-
vestitionen vor. Im Rechnungsabschluss 2006 (Sitzung vom 29. 5.
2007) wird veröffentlicht, dass die Gemeinde über 2 Millionen Euro für
Kindergärten, Volksschulen und Hauptschule ausgegeben hat. BM Va-
lentin Blaschitz bemerkt dazu: „Das Ergebnis ist gut, schön, dass wir
keinen Abgang haben.“ Zur Finanzierung der Sanierung der kleinen
Volksschulen sagt er in der gleichen Sitzung: „Ich habe mir das heraus-
geschrieben, ungefähr nicht ganz 2.500 Euro kostet der Gemeinde ein
Volksschüler im Jahr.“ Auch im Budgetvoranschlag 2008 (Sitzung vom
18. 12. 2008) wird die Situation der Volksschulen angesprochen, hier
auch auf die sinkenden Schülerzahlen eingegangen. Dabei wird einen
eventuelle Schließung der kleinen Volksschulen abgelehnt.

In den Budgetvoranschlägen gibt es keinen Ansatz für jugendrelevante


Vorhaben. Mein verweist auf die Tatsache, dass durch Sport- und Kul-
turförderung automatisch die Jugendarbeit in der Gemeinde unterstützt
wird. Darüber hinaus gibt es jedoch keine Initiativen des Gemeindera-
tes, um die Jugendpolitik zu fördern.

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4. Jugendpolitik der politischen Funktionäre

Wenn man die politischen Funktionäre, allen voran den Bürgermeister


Valentin Blaschitz, den Stadtrat für Kultur, Jugend und Gesundheit, Dr.
Gregor Čencič, sowie den Vorsitzenden des Ausschusses für Jugend,
Sport und Gesundheit, Mag. Andreas Schäfermeier, über die Notwen-
digkeit der Einbeziehung von Jugendlichen befragt, wird sie bedingungs-
los hervorgehoben. Bei den Grußworten für die feierliche Überreichung
der Maturazeugnisse in den Räumlichkeiten der Völkermarkter Burg, zu
der der Bürgermeister die Absolventen der zwei Höheren Schulen tradi-
tionsgemäß alljährlich einlädt, wird das Engagement für die Jugend und
die Notwendigkeit des Eingehens auf deren Probleme immer eindringlich
beschworen.

Wie sieht jedoch die Realität aus? In Völkermarkt gab und gibt es kein
Jugendparlament, keinen Tag der Offenen Tür für Jugendliche, keine
Initiativen, den Besuch der Gemeinderatssitzungen zu ermöglichen, kei-
ne Jugend-Sprechstunden des Bürgermeisters und des Stadtrates für
Jugend, keine Diskussionsforen für Jugendthemen, auch kein Angebot
für Jugendliche auf der Homepage der Stadtgemeinde.

Selbstverständlich werden Kultur- und Sportveranstaltungen von den


politischen Mandataren finanziell oder durch das Bereitstellen von
Räumlichkeiten (auf Antrag beim Bürgermeister) unterstützt, doch dies
ist immer anlassbezogen. Die Gemeinde oder ihre Mandatare werden
diesbezüglich nicht aktiv. Dementsprechend kann auch nicht gesagt
werden, wie viel Geld aus dem Verfügungsbereich der Politiker in die
Unterstützung von Aktivitäten Jugendlicher fließt.

Im letzten Jahr gab es aber recht bedeutende Zuwendungen an die Mu-


sikschule, Unterstützung eines Zeitungsprojektes der Volksschule Völ-
kermarkt, Ankauf von Spielgeräten und Unterstützung der Jugendkapel-
le Völkermarkt, die im Rahmen der Gemeindepartnerschaft mit San

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Giorgio di Nogaro Initiativen setzte. Mag. Andreas Schäfermeier unter-
stützte vor allem Sportveranstaltungen, wie etwa ein Street-Soccer-
Turnier in der Völkermarkter Innenstadt. Die vom Österreichischen Zi-
vilschutzverband alljährlich abgehaltene Jugendsicherheitswoche wird
ebenfalls von der Stadtgemeinde unterstützt.

In Abwandlung eines Mottos des Aufgeklärten Absolutismus kann man


etwas zynisch über die Jugendarbeit der Politiker Völkermarkts sagen:
„Alles für die Jugend, doch nichts durch die Jugend“. Dies allerdings nur
im Idealfall.

5. Einrichtungen für Jugendliche

Wie schon erwähnt, gibt es in der Stadtgemeinde Völkermarkt etliche


Sportvereine, die in der Jugendarbeit tätig sind. Sehr aktiv sind auch
noch die Musikschule und die Jugendmusikkapelle. Diese Organisationen
werden von der Politik auch finanziell unterstützt. Die Jugendfeuerwehr,
ursprünglich sehr rege, hat offensichtlich an Attraktivität verloren.

Neben diesen „klassischen“ Vereinen engagiert sich die Stadt noch in


drei Institutionen:

5.1. Schülerhort im Stadthaus


Der Schülerhort am Herzog-Bernhard-Platz (Autobusbahnhof) wird von
Rettet das Kind – Kärnten betrieben und ist Montag bis Freitag von
11.30 bis 18.00 Uhr geöffnet. Die Einrichtung hat sich zum Ziel gesetzt,
Fahrschülern die Möglichkeit zu geben, ihre Hausarbeiten zu machen,
gemeinsam zu spielen, zu lesen und zu diskutieren. Da die Bezirksstadt

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ein wichtiger Schulstandort ist, wird der Hort auch sehr gut angenom-
men. Neben dem Referat Jugend und Familie der Bezirkshauptmann-
schaft Völkermarkt und dem Schulgemeindeverband des Bezirkes betei-
ligt sich auch die Stadtgemeinde Völkermarkt an den Kosten, indem sie
die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt und für Betriebskosten und Rei-
nigung aufkommt.

5.2. Jugendzentrum Chillout


Die Einrichtung eines Jugendzentrums in Völkermarkt war lange Zeit mit
Schwierigkeiten und Diskussionen verbunden. Bereits 1994 wurde eine
Arbeitsgruppe aus Vertretern der Jugendwohlfahrt, der Schulen und der
Kommunalpolitik gebildet, die jedoch nicht erfolgreich war. Als 1999 in
den Medien die kritische Situation der Jugendlichen (große Zahl von
Fahrschülern, Aufenthalt in Lokalen und Kaffeehäusern, Jugendkrimina-
lität und vor allem Suchtgefährdung) diskutiert und die mangelnde Inf-
rastruktur kritisiert wurde, wurde man auf Gemeinde- und Landesebene
langsam aktiv. 2000 wurde ein Verein zur Förderung der offenen Ju-
gendarbeit in Südkärnten (Jugend oja) gegründet.

Im Juni 2000 wurde ein Konzept für das Jugendzentrum von den Stadt-
und Landespolitikern der Öffentlichkeit präsentiert. Es sollte ein „Vorzei-
geprojekt“ für ganz Österreich werden, mitfinanziert aus Mitteln der EU-
Regionalförderung. Mit dieser Präsentation war es vorerst jedoch getan.
Danach gab es nur Verschiebungen und Vertröstungen und schließlich
einen Stillstand im Jahre 2002.

Nun wurde der Verein aktiv und begann in einem Mädchenzentrum als
Minimalvariante eine Vielzahl von Aktionen. Hervorzuheben sind hier die
„Mittwochs – Protestaktionen“ im Herbst und Winter 2002, wo Jugendli-
che auf die unbefriedigende Situation basisdemokratisch aufmerksam
machten.

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Schließlich erfolgten im Frühjahr 2003 die entscheidenden Schritte: das
Landesjugendreferat bewilligte 45.000 Euro für die Errichtung des Ju-
gendzentrums, die Stadtgemeinde beschloss, die Betriebskosten zu ü-
bernehmen und bewilligte dafür 32.000 Euro pro Jahr. Danach erfolgten
die Festlegung auf den Standort in einem Altbau in der Nähe des Schul-
zentrums und der Abschluss des Mietvertrages.

Bei den Um- und Adaptierungsarbeiten wurden die Jugendlichen bereits


einbezogen. Auch die Berufsschule und die Hauptschule beteiligten sich
sehr intensiv. Sehr viele Firmen, Institutionen und Privatpersonen un-
terstützten das Projekt finanziell. Im März 2004, etwa zehn Jahre nach
den ersten Initiativen, wurde das Jugendzentrum Chillout schließlich er-
öffnet.

2007 besuchten 8.706 Jugendliche (3.020 Mädchen, 5.686 Burschen)


die Einrichtung. Das Durchschnittsalter lag bei etwa 16 Jahren.

Das Chillout sieht seine Aufgabe in der offenen Jugendarbeit. Es ist „ei-
ne Plattform, um Eigenständigkeit, Eigenverantwortung und Partizipati-
on zu erlangen: Förderung von und Unterstützung bei Interessen und
Ideen erfahren; Einbringen von Fähigkeiten und Fertigkeiten in die Ge-
sellschaft; eigene Wünsche artikulieren und aktiv an der Verwirklichung
arbeiten“ (Jahresbericht 2004, S 17). Darüber hinaus wird Beratungs-,
Vorbeugungs- und Unterstützungsarbeit geleistet. Dazu stehen vier So-
zialarbeiter/innen von Montag bis Samstag zur Verfügung. Leiterin ist
seit Beginn Mag.a Patrizia Osti.

Das Jugendzentrum versteht sich als Ort der „lebendigen“ Demokratie.


Sie soll dementsprechend nicht aufgedrängt, sondern gelebt werden.
Diese partizipatorischen Ansätze findet man auch in der Hausordnung:
„Wir sind alle für eine angenehme Atmosphäre und für nette Umgangs-
formen verantwortlich. Das Chillout ist ein gewalt-freies Haus. Das Ju-
gendzentrum Chillout ist für alle zwischen 12 und 20 Jahren offen, egal
welchen Geschlechts, welcher Hautfarbe, Religion. Gleiche Rechte und
Respekt für alle! Meinungsverschiedenheiten gibt es im Leben immer

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wieder. Im Chillout lösen wir Konflikte zum Wohle aller gewaltfrei und
reden miteinander“ (Jahresbericht 2006, S 17). Die Rolle der vier Be-
treuer/innen ist dabei folgendermaßen definiert: „Die Betreuer/innen
des Chillout unterstützen euch bei der täglichen Umsetzung dieser Re-
geln zum Wohle der Bersucher/innen“ (Jahresbericht 2006, S 17).

Wichtig ist dem Führungsteam ein geschlechtssensibler Ansatz. So gibt


es im Jugendzentrum einen getrennten Mädchen- und Burschenbereich,
die nur auf Einladung vom anderen Geschlecht besucht werden dürfen.
Die höchst gesellschaftspolitische Erklärung dafür findet sich im Jahres-
bericht: „Mädchen werden nach wie vor in unserer Gesellschaft benach-
teiligt und erleben diese Form der Diskriminierung auch im täglichen
Leben. Erst in letzter Zeit haben die alten Strukturen, die über Jahr-
zehnte gewirkt haben, ansatzweise zu durchbrechen begonnen. Deshalb
sind wir sehr stolz im Jugendzentrum Völkermarkt mit unserer ge-
schlechtsspezifischen Arbeit einen Baustein in diese Richtung gelegt zu
haben“ (Jahresbericht 2004, S 10). Auf Initiative der Mädchen gab es
2007 auch einen Selbstverteidigungskurs unter dem Motto „nicht mit
mir“. „Dabei erlernten die Mädchen neben Techniken für die direkte Ab-
wehr von Übergriffen auch selbstbewusstes Auftreten und das Vermei-
den von gefährlichen Situationen“ (Jahresbericht 2007, S 8).

Seit 2004 steht das Jugendzentrum Völkermarkt auch in Kooperation


mit dem Verein Neustart Klagenfurt. „Wir sehen es als gesellschaftlichen
Auftrag, junge Menschen darin zu unterstützen, zurück auf ihren Le-
bensweg zu finden. Weiters begleiten wir die Mädchen und Burschen in
der Wiedergutmachungsphase mit Beratungsgesprächen unter der Er-
langung folgender Ziele: Erwerb von Reflektionsfähigkeit; Ressourcen-
arbeit; Einsicht und Fehlverhalten; Zukunftsperspektiven“ (Jahresbe-
richt 2006, S 15). Von 2004 bis 2007 haben drei Mädchen und 17 Bur-
schen ihre Sozialstunden im Chillout geleistet.

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5.3. Mediathek - Stadtbibliothek
Die Mediathek Völkermarkt hebt sich positiv von anderen kommunalen
Bibliotheken in vergleichbaren Städten ab und wird deshalb auch als
vorbildhaft bezeichnet. Die Stadt beschäftigt zwei ausgebildete Biblio-
thekarinnen. Mit einer Betriebsfläche von über 450 m² ist sie über-
durchschnittlich groß, der Bestand von nahezu 18.000 Medien ist sehr
aktuell. Über 55.000 Entlehnungen pro Jahr bezeugen, dass die Biblio-
thek von der Bevölkerung sehr gut angenommen wird. Durch verschie-
dene Abendveranstaltungen ist sie auch zu einem kulturellen Zentrum
geworden.

Im Jahre 2007 übersiedelte die Bibliothek vom Stadthaus ins Schulzent-


rum. Dadurch konnte man die Schulen noch stärker einbinden. Koope-
rationen mit den Volksschulen und der Handelsakademie haben zur Fol-
ge, dass die Mediathek Völkermarkt gleichzeitig auch Schulbibliothek
dieser Schulen ist und die Schulbibliothekar/innen mitarbeiten.

Die Stadtbibliothek hat traditionell eine sehr umfangreiche Kinderabtei-


lung, die beim Umbau noch vergrößert wurde. Mit dem Jahr 2008 wurde
mit dem Ausbau einer eigenen Jugendabteilung begonnen, die alters-
gemäß unter der Mitarbeit von Schüler/innen der Handelsakademie
ausgestaltet wurde. Dadurch erwartet man, dass Jugendliche das Ange-
bot der Bibliothek noch intensiver nutzen.

Zusätzlich dazu verwendet die Handelsakademie die Räumlichkeiten


sehr gerne auch während der Öffnungszeiten für ihre Veranstaltungen,
so dass es zu interessanten Verschränkungen der Interessenskreise
kommt.

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6. Zusammenfassung

Die Stadtgemeinde Völkermarkt liegt in Südkärnten und hat etwa 11400


Einwohner. Sie ist Sitz der Bezirkshauptmannschaft und derzeit noch
wichtiger Schulstandort. Die Region ist wirtschaftlich eher schwach. Der
Ausländeranteil ist sehr gering. Im Gemeinderat hat die SPÖ die absolu-
te Mehrheit, Bürgermeister ist Valentin Blaschitz von der SPÖ.

Die eigentliche politische Macht in der Gemeinde hat der Stadtrat, des-
sen vier Mitglieder alle Entscheidungen treffen können, die den Budget-
rahmen von 70.000 Euro nicht überschreiten. Die Sitzungen dieses
Gremiums sind nicht öffentlich, es gibt auch keine einsehbaren Proto-
kolle.

Bei der Durchsicht der Gemeinderatssitzungsprotokolle der Jahre 2006


und 2007 fiel auf, dass der Begriff „Jugend“ nur in einer Wortmeldung
gefallen ist. Dabei ging es aber nicht so sehr um die Anliegen Jugendli-
cher, sondern um die Förderung der Sportvereine. Die Verantwortung
der freiwilligen Sportfunktionäre wurde hier betont und besonders her-
vorgehoben.

Ansonsten wurden die Probleme Jugendlicher nur indirekt behandelt,


und zwar in den Diskussionen über das Gemeindebudget, wenn es um
Schulen, Kindergärten und Sportvereine ging.

Dementsprechend kann man sagen, dass für die Gemeindemandatare


Jugendpolitik kein eigenes Thema ist. Die Behandlung jugendrelevanter
Problemkreise ist immer eingebunden in einen größeren Kontext.

Ähnlich verhält es sich auch bei der Arbeit der politischen Funktionäre.
Es sind keine Elemente direkter Jugendpolitik (Jugendparlament, Ju-
gendtage, Sprechstunden für Jugendliche, Jugendforen und derglei-
chen) vorhanden. Aktivitäten Jugendlicher werden nur im Anlassfall un-
terstützt, wobei die Initiative nicht von den Politikern ausgeht.

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Die Stadtgemeinde unterstützt jedoch die Arbeit von Vereinen und In-
stitutionen, die Jugendarbeit leisten, durch Sachleistungen und finan-
zielle Zuwendungen. Hier sind vor allem drei Einrichtungen zu nennen:
der Fahrschülerhort, das Jugendzentrum Chillout und die Mediathek-
Stadtbibliothek.

Das Jugendzentrum Chillout wurde nach großen Anlaufschwierigkeiten


im Jahre 2004 eröffnet. Träger ist der Verein „Jugend oja“. Finanziert
wird es durch Zuwendungen der öffentlichen Hand, vor allem des Ju-
gendreferates des Landes Kärnten und der Stadtgemeinde Völkermarkt,
die Miete und Sachaufwand in der Höhe von 32.000 Euro jährlich bei-
steuert. Hier wird von vier Sozialarbeiter/innen sehr erfolgreich offene
Jugendarbeit geleistet. Schwerpunkte sind die Bereiche Freizeitgestal-
tung, Partizipation, Emanzipation, Mediation, Beratung und Krisenma-
nagement.

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7. Verwendete Materialien

Gemeinderatssitzungsprotokolle der Stadtgemeinde Völkermarkt der


Jahre 2006 und 2007.

Jahresberichte des Jugendzentrums Völkermarkt 2004, 2005, 2006,


2007.

Homepage der Gemeinde Völkermarkt: www.völkermarkt.at

Homepage Rettet das Kind: www.rettet-das-kind.at

Amtliche Statistik Österreichs: www.statistik.at

Sturm, Franz: Kärntner allgemeine Gemeindeordnung; kommentierte


Gesetzesausgabe, Klagenfurt, 2006.

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