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MODULARE UND KRYOGENE FESTSTOFFTREIBSÄTZE -

EINE NEUE KLASSE CHEMISCHER RAKETENANTRIEBE

R. E.Lo *), N. Eisenreich **)


*) Prof.Dr., Fachgebiet Raketentechnik des Instituts für Luft- und Raumfahrt der Technischen Universität Berlin
**) Dr.-Ing., Produktbereich Energetische Systeme, Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT), Pfinztal-
Berghausen
einen Standard-Isp (E, 68:1) von 3805 m/s bei 14K
1 EINFÜHRUNG und 3800 m/s bei 4K haben
Die Arbeit betrifft eine Initiative für eine europäische bezüglich der Wärmeisolation keine Probleme aufwer-
Entwicklung, mit deren Hilfe die europäische Trägerrake- fen, die über jene flüssiger Kryotreibstoffe hinausge-
te ARIANE5 zu erheblich größerer Leistung weiter entwi- hen
ckelt und somit noch besser an die Erfordernisse des
unter Anwendung der Erfahrungen aus anderen An-
Marktes angepaßt werden könnte.
wendungsbereichen kühltechnisch machbar sind
(Badkryostaten)
ARIANE 5 verwendet bekanntlich Feststoffbooster. Sol- unter realistischen Bedingungen modelliert, bei glei-
che Triebwerke mit festen Treibstoffen finden in der chem Gesamtimpuls erheblich günstigere Massen ha-
Raumfahrt verbreiteten Einsatz, wo sie vor allem dann ben als herkömmliche Booster (Vergleiche mit Ariane
vorteilhaft sind, wenn hoher Schub für begrenzte Zeit V-EAP und STS-SRB)
erforderlich ist (Boostermissionen). Ihre vergleichsweise
geringe Komponentenzahl macht sie zuverlässiger und bei ansonsten gleichartigen Bedingungen die GTO-
billiger als vergleichbare Flüssigkeitstriebwerke. Nach- Nutzlast der ARIANE V drastisch erhöhen (bis zu
teilig ist dagegen ihr niedriger spezifischer Impuls und die 60%).
hohe Umweltbelastung durch giftige Abgase. Flüssige Das Konzept wurde anschließend 1997 von verschiede-
Raketentreibstoffe haben diese Probleme nicht oder nur in nen Gutachtern durchweg günstig beurteilt. Bei einer
viel geringerem Umfang, aber sie sind erheblich kompli- Arbeitstagung von Experten der Internationalen Astronau-
zierter aufgebaut und können nur durch Bündelung ins- tischen Akademie wurde ihm im Januar 1998 das Potenti-
gesamt hohe, mit jenen von Feststoffboostern vergleichba- al für eine Revolution in der Chemischen Antriebstechnik
re Schübe erzeugen. Das Konzept kryogener Festtreibstof- bescheinigt (4).
fe (Cryogenic Solid Propellants CSP) wurde schon vor Die für Kryofeststoffbooster erforderlichen Technologien
geraumer Zeit von einem von uns vorgeschlagen (1) und sind in Europa vorhanden, aber weit über verschiedene
ist dadurch gekennzeichnet, daß Stoffe mit einbezogen Industriezweige gestreut. Die Entwicklung solcher Boos-
werden, die bei Zimmertemperatur flüssig oder gasförmig ter für ARIANE V würde eine paneuropäische Kooperati-
sind und zur Beibehaltung der festen Phase gekühlt wer- on erfordern. Die Durchführung von Demonstratorexpe-
den müssen. Es könnte die Vorteile beider Lösungen rimenten ist zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Arti-
miteinander verknüpfen, ohne ihre Nachteile übernehmen kels in Planung.
zu müssen. Die theoretischen Leistungen (Isp) gefrorener
Brennstoffe und Oxydatoren sind wegen der entfallenden 2 MACHBARKEITSBEDINGUNGEN
Schmelzwärme nur unwesentlich niedriger als jene rein
flüssiger Kombinationen. Der Bereich möglicher Fest- Die Machbarkeit von Kryofesttreibstoffsätzen beruht auf
treibstoffzusammensetzungen kann so auf das gesamte Abbrandkontrolle und Treibsatzentwurf sowie Kühltech-
Gebiet der chemischen Treibstoffe ausgedehnt werden. nik als kritischen Technologien:
Dadurch werden im Prinzip alle in Theorie und Praxis
bekannten Treibstoffkombinationen als Feststoffantriebe 2.1 Abbrandkontrolle und Treibsatzent-
realisierbar (2). Die Erweiterung umfaßt auch Treibstoffe, wurf
die bisher aus praktischen Gründen nicht zum Einsatz
kamen, wie z.B. Metallsuspensionen oder hochenergeti- Grenzschichtverbrennung anstelle
sche Additive. Umweltfreundliche Wasserstoff/Sauerstoff- von Deflagration
Booster könnten möglich werden. Typische Beispiele von Als zentrale Bedingung für die Machbarkeit dieser neuen
CSPs sind fester Sauerstoff (SOX) mit gefrorenem Was- Triebwerksklasse ist die Annahme erforderlich, daß es
serstoff, Methan, Äthan oder Kerosin. möglich ist, solche Kombinationen stabil abzubrennen.
Eine 1996 begonnene, vom DLR (vormals DARA) geför- Bezüglich der Abbrandkontrolle wird die Hypothese auf-
derte Machbarkeitsstudie über mögliche "Show Stopper" gestellt, daß dies eine Frage der Geometrie ist und daß
bei kryogenen Feststoffboostern (3) erbrachte sehr viel- insbesondere Treibsätze aus makroskopischen Brennele-
versprechende Resultate. Darin wurde nachgewiesen, daß menten (im Gegensatz zu mehr oder weniger homogenen
Kryosolidbooster auf Basis SOX/SH2 Mischungen) geeignet wären, das Problem der Abbran-
dinstabilität zu beseitigen.

R.E.Lo, N.Eisenreich: "Modulare und kryogene Feststofftreibsätze - eine neue Klasse chemischer Raketenantriebe" Deutscher Luft-
und Raumfahrtkongress, DGLR-JT98-104; Bremen 7.Okt.1998; Jahrbuch 1998, Band 2, S.1231
Bei konventionellen Festtreibstoffen liegen die Bestand- Viele verschiedene Formen modularer Treibsätze mit
teile in quasihomogenen oder feinkörnigen Mischungen segmentierten Elementen sind denkbar, darunter prinzipi-
vor. Bei Kryofeststoffen werden in vielen Fällen andere ell auch modulare Zigarettenbrenner, wie in BILD 3 ge-
Konzepte betrachtet werden müssen. Einer der wichtigs- zeigt. Wie bei allen segmentierten Treibsätzen, bestimmt
ten Gründe dafür liegt in der erforderlichen Kontrolle der auch hier das Verhältnis der freien Oberflächen von
Verbrennung. Brennstoff- und Oxydatorelementen das resultierende
BILD1 zeigt einen Lösungsansatz für einen modularen Gesamtmischungsverhältnis. Zeitliche Veränderungen
Treibsatz, der den Abbrand von Sandwich-Strukturen von desselben (z.B. wegen unterschiedlicher Regressionsge-
Oxydator und Brennstoff nutzt, um über deren Größe und schwindigkeiten) ergeben ebensolche des Mischungsver-
geometrische Form die Abbrandgeschwindigkeiten und hältnisses. Während aber bestimmte Formen, wie etwa der
damit die geforderten Gasbildungsraten zu bestimmen. gezeigte Sternbrenner, darauf empfindlich reagieren, ist
dergleichen bei den beiden anderen Beispielen nicht zu
erwarten.
Brennstoffelem ente


Festoxy dator

Festbrennstoff

Per manente
Zündfackel

Festoxy dator matrix

BILD 3 Querschnitt durch einen modularen Zigaretten-


brenner (links) mit Brennstoffelementen und
Zündfackelummantelung (rechts)
Mischungsgrad
BILD 1 Modulares Feststofftriebwerk mit Zylinder-
geometrie (2) Modulare Treibsätze mit multiplem, internen Hybridab-
brand, d.h. mit makroskopisch voneinander getrennten
Elementen aus Brennstoff und Oxydator, haben durch die
In diesem Beispiel ist das am oberen Triebwerksende frei wählbare Elementgröße gegenüber konventionellen
gelegene Modul ein oxydatorreicher Gasgeneratortreib- Feststoff- oder Hybridtreibsätzen einen zuzüglichen Frei-
satz und liefert den Oxydator für das erste Brennstoffele- heitsgrad zur Beeinflussung der Abbrandrate.
ment. Die nachfolgenden Elemente (deren Abmessungen
Als Maß läßt sich ein Parameter, der "Mischungsgrad m"
in dieser Abbildung willkürlich gewählt wurden und ohne
leicht definieren, der zur Charakterisierung verschiedener
Bedeutung sind) unterliegen der Grenzschichtverbrennung
geometrischer Formen dienen kann.
in Form eines "multiplen internen Hybridabbrands".
Eine von vielen möglichen Definitionen könnte folgende
BILD 2 zeigt einen Querschnitt durch einen weiteren
sein (2):
modularen Treibsatz mit anderer geometrischer Form,
welche ebenfalls Deflagration vermeidet und durch m = AO/F/(Vgr.Dcg)
Grenzschichtverbrennung ersetzt. worin
Fuel
AO/F = gemeinsame Kontaktfläche zwischen Brennstoff
Ox.
und Oxydator
Vgr = Gesamtvolumen des Treibsatzes (also des sog.
Korns, nicht der Brennkammer!)
Dcg = mittlerer Abstand zwischen den Schwerpunkten der
Brennstoff- und Oxydatorelemente.
Der Mischungsgrad wird so als O/F Kontaktfläche pro
Einheit des Treibstoffvolumens, geteilt durch den durch-
schnittlichen Abstand zwischen den Oxydator- und
Brennstoffelementen definiert. Modulare Treibsätze kön-
nen damit gut untereinander verglichen werden. Für kon-
ventionelle Treibstoffe ergeben sich dagegen Werte, die
BILD 2 CSP Sterninnenbrenner um viele Größenordnungen darüber liegen. Die Abbrand-
rate, aber auch die Neigung zu Instabilitäten wird im all-
Solche modular aus einzelnen Treibstoffelementen aufge- gemeinen mit dem Mischungsgrad steigen.
baute Treibsätze (2)(6)(7) erlauben eine Anpassung des
Schub-Zeitverlaufs an die geforderten Missionen.

R.E.Lo, N.Eisenreich: "Modulare und kryogene Feststofftreibsätze - eine neue Klasse chemischer Raketenantriebe" Deutscher Luft-
und Raumfahrtkongress, DGLR-JT98-104; Bremen 7.Okt.1998; Jahrbuch 1998, Band 2, S.1231
verbunden, über welches sie durch den Düsenhals der
2.2 Kühlungstechnik Brennkammer gefüllt, belüftet und entleert werden kön-
nen. Es versteht sich von selbst, daß für Ummantelungen
Temperaturbereiche
insgesamt so wenig Material wie möglich aufgewendet
Einer der Hauptnachteile der CSPs gegenüber konventio- werden sollte und daß dieses Verbrauchsmaterial ist.
nellen Festtreibstoffen liegt natürlich in ihrem Bedarf an Röhrchen und brennkanalseitige Flächen werden als erstes
ständiger Kühlung. Dieser kann je nach Treibstoffkombi- von der Zündfackel weggebrannt.
nation sehr unterschiedlich sein.
Andrerseits können die Ummantelungen nötigenfalls auch
In TAB.1 auf S.3 sind die Gefrierpunkte einiger interes- mit Versteifungen oder anderen Zugelementen ausgerüstet
santer Treibstoffe zusammengestellt: werden, welche die Standfestigkeit der CSP-Treibsätze
TAB1: Gefrierpunkte von Treibstoffen erhöhen. Jedes Element hat dann nur noch das eigene
Oxydatoren: Gewicht zu tragen (auch unter Flugbeschleunigung). Die
Fp [oC/oK] Ummantelung ersetzt auch das Case-bonding.
100% H2O2 -0,4 / 273,1
1 5 7
90% H2O2 -11,5 / 262
N2O4 -11,2 / 262,3 3

LOX -219,24 / 54,26


Brennstoffe:
15
N2H4 2,0 / 275,5 15
3
MMH -52,4 / 325,9
UDMH -58,0 / 215,5 9
AZ50 -5 / 268,5
Benzol 5,2 / 278,71
Methan -183,13 / 90,37
3
Äthan -183,68 / 89,82
Propan -188,13 / 85,37 6
Wasserstoff -259,79 / 13,71
BILD 4 Zylindrischer CSP-Modul (Symmetrieachse
Im einfachsten Fall würden die gefrorenen Treibstoff- links): 1:Ummantelung, 3: Treibstoff,
elemente in einer Fabrik in Startplatznähe hergestellt, im 5:Wandauskleidung, 6: Brennkammerwand,
Triebwerksgehäuse zusammengesetzt und schußfertig zum 7:TPS, 9:Versteifung, 15: Fill-drain Leitungen.
Startplatz gebracht. Eine wiederverwendbare, d.h. nicht Alle Abmessungen und Wandstärken sind nur
mitfliegende Wärmeisolation kann fast beliebig dick ge- exemplarisch; nach (8).
wählt werden und es ist vorstellbar, daß stark unterkühlte
Treibstoffe einschließlich Sicherheitsmargen hinreichend
lang gefroren gelagert werden können. Dennoch sollte aus Kühlung
Sicherheitsgründen das Schmelzen der Treibstoffe keine Treibstoffelemente, die neben einem Fill-Drain System
Gefahren mit sich bringen (z.B. bei Ausfall der Kühlung). auch ein am Startplatz einsetzbares Kühlsystem besitzen,
Dies kann durch geeignete Vorrichtungen erreicht werden, können in situ hergestellt werden.
die nachfolgend beschrieben werden. Es ist immer möglich, geeignete Leitungsführungen für
beliebig geformte Elemente zu entwerfen. Das nachfol-
gende BILD 5 zeigt die Auskleidung einer Hohlzylinder-
Ummantelung / Fill-drain hälfte mit Kühlschlangen.
Gefrorene Reaktanden sind in der Regel erheblich weni- Als Kühlmittel muß natürlich ein entsprechendes Medium
ger reaktiv als flüssige oder gasförmige. Dies bedeutet, gewählt werden, dessen Gefrierpunkt hinreichend tiefer
daß z.B. bestimmte monergole Treibstoffe, die flüssig zu als jener des zu kühlenden Treibstoffs liegt. Alle bekann-
empfindlich sind, gefroren eingesetzt werden könnten. ten Stoffe von Ammoniak über Alkohol und flüssigen
Während in Einzelfällen ungeschützte Berührungsflächen Stickstoff bis zu Flüssighelium kommen in Betracht.
zwischen gefrorenen Treibstoffkomponenten durchaus Die dazu erforderlichen Kühlaggregate, auch sehr große,
vorstellbar sind (falls auf die oben genannte Sicherheits- wie sie z.B. für die Forschungsanlagen der Teilchenphysik
bedingung verzichtet wird), sollte im allgemeinen davon entwicklet wurden, sind bis 4K Stand der Technik.
ausgegangen werden, daß die Elemente einzeln ummantelt
werden müssen.
BILD 4 zeigt einen Querschnitt durch die Ummantelung Tieftemperaturmaterialien
eines zylindrischen Treibstoffelements. Zusammengehöri- Im oberen Bereich der CSP-Temperaturen (ca. 0 bis
ge Elemente sind mit einem gemeinsamen Rohrsystem -100 C) bestehen keine wesentlichen Materialprobleme.

R.E.Lo, N.Eisenreich: "Modulare und kryogene Feststofftreibsätze - eine neue Klasse chemischer Raketenantriebe" Deutscher Luft-
und Raumfahrtkongress, DGLR-JT98-104; Bremen 7.Okt.1998; Jahrbuch 1998, Band 2, S.1231
Auch im mittleren Bereich der Flüssiglufttemperaturen ist erheblich komplizierter als jener von konventionellen
die Werkstofftechnologie hinreichend entwickelt. Feststofftreibsätzen. Das Zusammensetzen der ungefüllten
Im extremen Tieftemperaturbereich (Flüssigwasserstoff Ummantelungen ist aber einfach. BILD 6 zeigt eine Lö-
und darunter) sind zwar metallische Werkstoffe für Behäl- sung, bei welcher Stützringe auf entsprechenden Aufla-
terwände bekannt und im Einsatz. Kunststoffe, die bei den gern der Brennkammerinnenwand ruhen.
oben vorgeschlagenen Ummantelungen eingesetzt werden
könnten, stellen dagegen ein Problem dar.
1
Auch sind fehlende Stoffdaten über Materialeigenschaften
im Bereich extrem tiefer Temperaturen ein sehr häufig
3 8
auftretendes Problem.

2
11
3
8
10
10 9

d c c 3
a b b

2 10 5 6
BILD 6 Kühlsystem mit doppelwandiger Ummantelung.
1:Ummantelung, 2:Unterstützung, 3:Treibstoff,
5:Wandauskleidung, 6:Brennkammerwand, 8:Brennkanal,
9:Versteifung, 10:Kühlkanäle, 11:Montagering

3 DEMONSTRATORVERSUCHE
Versuche in Brennkammern im Labormaßstab sind derzeit
BILD 5 Kühlsystem eines halbzylindrischen Treibstoff- am ICT-Berghausen in Vorbereitung. Als Oxydator ist
elements. a, d: Anschlüsse an externe Leitungen im gefrorenes Wasserstoffperoxyd vorgesehen.
Brennkanal, b, c: interne Verbindungen. Experimentelle Untersuchungen über kryogene Festkörper
wurden von der USAF publiziert (5). Sie betreffen den
Abbrand von gefrorenen Kohlenwasserstoffen mit gas-
Alternativ zur Besetzung mit Kühlschlangen sind auch
förmigen Oxydatoren in Hybridantrieben und haben in
doppelwandige, und dadurch entsprechend steife Umman-
einigen Fällen bereits gezeigt, daß die Verdampfungsrate
telungen möglich, wie sie im nachfolgenden BILD 6 dar-
höher als die Schmelzrate ist.
gestellt sind. Auch hier ist es stets möglich einfache und
kontinuierliche Kanalführungen zu finden.
4 ERGEBNISSE VON
Offensichtlich ist der Aufbau modularer Treibsätze, insbe-
MODELLIERUNGSRECHNUNGEN
sondere solcher mit Ummantelung und in-situ Kühlung,
STS-CSB STS-SRB Ariane 5-CSB Ariane 5-EAP

Ausströmgeschwindigkeit [m/s] 3438,52 2634,9 3438,52 2678,13

Brennkammerdruck [bar] 20 62,4 20 -

Expansionsverhältnis (pc/pe) 66:1 - 66:1 -

Mischungsverhältnis 5 2,3 5 -

Treibstoffmasse [Mg] 349,525 504 167,870 237

Gesamtimpuls [MNs] 1320 1320 634,7 634,7

Tankmasse [Mg] 54,411 91,000 26,207 38,000

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und Raumfahrtkongress, DGLR-JT98-104; Bremen 7.Okt.1998; Jahrbuch 1998, Band 2, S.1231
Startmasse [Mg] 403,936 595 194,077 275

Brenndauer [s] 120 124 130 130

Tab.2: Zusammenfassung der Daten der CSB für Ariane 5 und STS (3)
tor makroskopisch von einander trennen. Dadurch wird
Tabelle 2 enthält Ergebnisse von Modellrechnungen (3), Grenzschichtverbrennung anstelle von Deflagration er-
die einen Größenvergleich zwischen konventionellen und reicht. Es wird ein "Mischungsgrad" definiert, mit wel-
kryogenen Feststoffboostern zum Ziele hatten. Die Boos- chem der Einfluß auf die Abbrandrate solcher multipler,
ter des US-STS (Space Shuttle) und der europäischen internen Hybride charakterisiert werden kann. Diese aus
ARIANE V wurden auf Basis konstanter Gesamtimpulse Elementen aufgebauten Treibsätze haben gegenüber kon-
verglichen. Die Resultate zeigen Masseneinsparungen von ventionellen Festtreibsätzen einen weiteren Freiheitsgrad
etwa 30% pro Booster. Beim Vergleich auf Basis des der Gestaltung, welcher durch den zusätzlichen Einsatz
Gesamtfahrzeugs (gleiche Bauweise, gleiche Nutzlast) von Gasgeneratormoduln mit speziellen Aufgaben noch
wäre noch mehr zu erwarten. Es ist interessant festzustel- wirkungsvoller genutzt werden kann.
len, daß die Massenminimierung bei Feststofftriebwerken Es wird vorgeschlagen, die Treibstoffelemente einzeln zu
mit hochenergetischen Treibstoffen zu Niederdrucklösun- verkleiden, um dadurch wirksame Möglichkeiten zur
gen führt. BILD 6 zeigt dies am Beispiel der ARIANE V Betriebskontrolle (Füllung, Entleerung, Kühlung) zu er-
EAP Booster. halten.
Kryofesttreibstoffe stellen eines der wenigen Gebiete dar,
auf welchen chemische Antriebe noch wirkungsvoll ver-
340
bessert werden können.
10 bar

M 320 20 bar
[t] 30 bar
300 68 bar

280
100 bar
6 SCHRIFTTUM
260 [1] Lo, R.E.: "Technical Feasibility of Chemical Propul-
sion Systems with very high Performance", Proceed-
240
ings of the XVIIIth Astronautical Congress, Belgrade,
220 25.-29.9.1967, pp. 121-132
200
[2] Lo, R.E.: "A Novel Kind of Solid Rocket Propellant",
180
in Druck, Aerospace Science and Technology, Elsevi-
1 2 3 4 5 6 7 8 9
er, 1998
O/F

[3] B.Voslamber, M.Voslamber.R.Lo: "Machbarkeitsstu-


BILD 7 Masse von ARIANE 5 -CSP-Boostern als die über kryogene Feststoffbooster", DARA Projekt
Funktion von SOX/SH2-Mischungsverhältnis 50TT 9631, Endbericht 2/1997
O/F und Brennkammerdruck.
[4] Froning, Jr.,Roger E. Lo: „Possible Revolutions in
Rocket Propulsion", 49th Int.Astronautical Congress,
Melbourne, Austr., Oct.02.1998, Session IAA.3.3.,
5 ZUSAMMENFASSUNG Co-operation and Competition in Advanced Propul-
sion, IAA-98-IAA.3.303
Es wird vorgeschlagen, chemische Raketenantriebe zu
entwickeln, welche gefrorene Treibstoffe benützen. Sol-
[5] DeRose,M., Pfeil,K., Carrick,P., Larson, C.; "Tube
che Kryofesttreibstoffe (Cryo Solid Propellants, CSPs)
Burner Studies of Cryogenic Solid Combustion", Phil-
könnten die hohen Leistungen von Flüssigkeitsantrieben
lipps Lab, Edwards AFB, AIAA-97-3076, 1997
mit der Zuverlässigkeit der Feststoffantriebe vereinigen.
CSPs wären vor allem als Booster vorteilhaft einsetzbar.
[6] Lo, R.E.: "Modular Fragmented Cryogenic Solid-
Das derzeit verfolgte Ziel, die Nutzlast der ARIANE V
Rocket Propellant Grains", 49th Int.Astronautical
auf 10 000kg oder mehr zu erhöhen, wäre mit Kryofest-
Congress, Melbourne, Austr., 29.9.1998, Session S.3,
stoffboostern leicht zu realisieren.
Space Propulsion Technology, IAF-98-S.3.10
Gefrorene Treibstoffe lassen sich nicht wie konventionelle
Feststoffe als quasi-homogene Mischung einsetzen. Es [7] Lo, R.E.: " Modulare Feststoffraketentreibsätze (Mo-
wird vorgeschlagen, zur Abbrandkontrolle segmentierte dular Rocket Propellant Grains)", Deutsche Patentan-
Treibsätze zu entwickeln, welche Brennstoff und Oxyda-

R.E.Lo, N.Eisenreich: "Modulare und kryogene Feststofftreibsätze - eine neue Klasse chemischer Raketenantriebe" Deutscher Luft-
und Raumfahrtkongress, DGLR-JT98-104; Bremen 7.Okt.1998; Jahrbuch 1998, Band 2, S.1231
meldung No.197 56 794.0, 19.Dez.1997

[8] Lo, R.E.: " Modulare Feststoffraketentreibsätze mit


Ummantelung, Fill - drain System, Kühlung und Auf-
hängung" Deutsche Patentanmeldung No. 198 22
845.7, 22.Mai 1998

R.E.Lo, N.Eisenreich: "Modulare und kryogene Feststofftreibsätze - eine neue Klasse chemischer Raketenantriebe" Deutscher Luft-
und Raumfahrtkongress, DGLR-JT98-104; Bremen 7.Okt.1998; Jahrbuch 1998, Band 2, S.1231

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