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Heilkunst | Harmonik und Polarität

Tattva Viveka 44

2 4 Heilkunst | Harmonik und Polarität Tattva Viveka 44 Signatur. Alle Illustrationen von Hans Weiers

Signatur. Alle Illustrationen von Hans Weiers

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Heilkunst | Harmonik und Polarität

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Prof. Dr. Werner Schulze

Harmonik und Polarität

Hans Weiers – Harmoniker in unserer Zeit

Heraklit und die Pythagoreer sind die Väter der Harmonik, der ganzzahligen Zahlen- verhältnisse in der Natur. Wie in den Planetenkonstellationen und in der belebten Natur, so gibt es für den Menschen auch in Kunst, Musik und Architektur harmonikale Strukturen. Harmonik gründet im Dreibezug von Mensch, Musik und Kosmos und erfordert einen »Mut zur Analogie«, eine »Liebe zum Denken in Analogien«.

I m Kulturraum Baden-Württemberg finden wir einige Personen, die dem Harmonika- len Denken zugehören:

Johannes Kepler (1571-1630), bedeutender Barockgelehrter, letzter Platoniker von Rang:

geboren in Weil der Stadt, aufgewachsen in Le- onberg;

Hans Kayser (1891-1964), Erneuerer der Harmonik im 20. Jahrhundert: geboren in Bu- chau, aufgewachsen in Sigmaringen;

Martin Heidegger (1889-1976), Kaysers Zeit- genosse, in seiner Hinwendung zu den Vorso- kratikern und zu Platon unausgesprochen der Harmonik nahe stehend: geboren in Meß- kirch, als Denker untrennbar mit der Freibur- ger Universität verbunden;

Hans Weiers (geboren 1920), Forscher, Arzt, Künstler, Visionär, Harmoniker, mit den Le- bensstationen Bad Bellingen und Neuenburg.

Dr. Hans Weiers war ein »Harmoniker un- serer Zeit«. Um Hans Weiers gerecht zu wer- den, müssen wir ihn in einen größeren geis-

tesgeschichtlichen Zusammenhang stellen. Von der Spannweite dieses großen Bogens möchte ich zu einem kleinen, eigentlich »simplen« Gegenstand gelangen (»simpel« ist heute ein negatives Attribut, das noch in der Barockzeit ein positives war und ein Anzustre- bendes meinte): der von Hans Weiers entwi- ckelte Hydrovibrator, der den Wasserstrahl teilt und ihn in der Proportion 2:3 pulsieren lässt. Diesem kleinen, fast unscheinbaren Gerät der harmonikalen erapie verdanke ich sehr viel, denn für mich begann damit eine aufregende Reise und eine seit über zwei Jahrzehnten be-

aufregende Reise und eine seit über zwei Jahrzehnten be- Demut »Verborgene Harmonie ist stärker als offenbare.«

Demut

»Verborgene Harmonie ist stärker als offenbare.« (Heraklit)

stehende »harmonikale Freundschaft« mit Hans Weiers. Im September 2003 fand in Badenweiler die Tagung 4 6 9 – Harmonik und Heilkunst statt. Unter 4 6 9 wird man sich wenig vorstellen. Die Erklärung ist freilich einfach: 4 = 2 2 , 9 =

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26 Heilkunst | Harmonik und Polarität Tattva Viveka 44 Eins im Tanz 3 3 , 6

Eins im Tanz

3 3 , 6 = 2x3, zusammen also die Proportionali-

tät a 2 : ab : b 2 für a = 2, b = 3. 6 ist dabei die geometrische Mitte zwischen den Randgrößen 4 und 9; es gilt 4x9 = 6 2 = 36. Zwei Grenzen und die Mischung des in den Grenzen Ent-

haltenen. Mit diesem Prinzip sind wir bei He- raklit angelangt, den wir mit Fug und Recht, gemeinsam mit den Pythagoreern, als Ahnva- ter des harmonikalen Denkens im Abendland bezeichnen können.

Blick nach China Wenn wir bedenken, dass die Zahl 2 als Qua- lität das Weibliche, Dunkle, Erdwärtige, Yin bedeutet, und die Zahl 3 das Männliche, Helle, Himmelgerichtete, Yang, sind wir bei einer im altchinesischen Weisheitsdenken ver- breiteten Symbolik angelangt. Anstelle erklä- render Worte ein Text aus dem Buch »Frühling und Herbst«, verfasst von Lü Pu Wei (3. vor- christliches Jahrhundert):

mittleren Frühlingsmond am Tage I Mao, als die Sonne im Zeichen Kui stand, erstmals aufgeführt und Hiän Tsi genannt wurde. Dies ist einer der kostbarsten Texte zur Har- monik, der die Entstehung des altchinesischen Tonsystems in eine umfassende Ordnung von Natur-Mensch-Musik stellt. Hinzu kommt die »Rechtfertigung von oben«, das himmlische Phönix-Pärchen. In der Fortsetzung des Textes wird davon berichtet, wie die zwölf Tonleiter- pfeifen genau bemessen wurden: Der Aus- gangston (das ›Das stimmt‹ unseres Textes) hatte die Rohrlänge 81, aus dem in einem Quinte/Quarte-Schaukelverfahren die weite- ren Töne abgeleitet wurden: im Verhältnis 3:2 verkürzt (Rohrlänge 54, Quinte hinauf), da- nach in der Proportion 3:4 verlängert (Länge 72, Quarte hinunter), wieder gemäß 3:2 ver- kürzt (Länge 48, Quinte hinauf), und so fort, bis man 12 (chromatische) Töne erhält als zu- grunde liegendes Material. Aus der Menge die- ser 12 Töne wurde Monat für Monat eine andere Pentatonik ausgewählt. Die 2:3 = Yin/Yang-

Polarität ist solchermaßen in der

Ordnung des Reichs der Töne enthalten. Fragen wir, ob in der Übersetzung dieses Textes auch das Wort Harmonie vorkommt, stellen wir fest: ein einziges Mal. Die Rede ist von »harmonischen« fünf Tönen, und das be- deutet »stimmige«, »Ordnung bildende und hütende« Töne, Grundlage der genannten »herrlichen« Musik, die daraus entwickelt wor- den ist.

Heraklit können wir gemeinsam mit den

Pythagoreern als Ahnvater des harmonikalen

Denkens im Abendland bezeichnen

In alter Zeit befahl der Kaiser Huang Ti, der »Herr der gelben Erde«, seinem Musikmeister Ling Lun, die Tonleiterpfeifen zu verfertigen. Ling Lun ging vom Westen des Ta Hia Gebirges und kam zum Norden des Yüan Berges. Dort nahm er Bambus aus dem Tal Hiä Hi von gleich- mäßig dickem Hohlraum und hieb ihn zwischen zwei Knoten durch. Er blies darauf und sprach:

›Das stimmt‹. Der Ton war nicht höher und nicht tiefer als sein eigener Sprechton, wenn er von jeglicher Leidenschaft frei blieb, zugleich aber stimmte er mit dem Rauschen des unweit davon entspringenden Hoang Ho überein. Während Ling Lun darüber in innere Be- trachtung versank, erschien ihm der himmlische Phönixvogel mit seinem Weibchen. Das Männ- chen Fong und das Weibchen Huang sangen je sechs Töne, wobei der erste Ton des Phönix- männchens wieder mit dem Ton der Quelle des Gelben Flusses übereinstimmte. Der Musikmeis- ter fertigte nun, nach dem Vorbild des Vogelge- sanges, insgesamt zwölf Bambuspfeifen an und kehrte damit zu Huang Ti zurück. Darauf be- fahl der Kaiser dem Ling Lun, zusammen mit Yung Tsing zwölf Glocken zu gießen, welche die harmonischen fünf Töne der Tonleiter ergaben. Damit führte er eine herrliche Musik aus, die im

Harmonik und Harmonie Im Umfeld des harmonikalen Denkens zählt es zu den größten Missverständnissen, wenn die beiden Begriffe Harmonik und Harmonie in einen Topf geworfen werden. Sie haben zwar dieselbe griechische Wortwurzel (harmod = harmonía, harmózein), meinen aber Ver- schiedenes. Harmonik hat anderes im Blick als ein Vorfinden von Harmonie. Unser altchine- sischer Text kann Hilfe sein, diese Unterschie- denheit zu verstehen. Harmonik gründet im Dreibezug von Mensch, Musik und Kosmos und erfordert einen »Mut zur Analogie«, eine »Liebe zum Denken in Analogien«. Demgegenüber heißt das – heute oft inflationär gebrauchte – Wort Harmonie ›Fügung‹ und meint immer ein ›po- sitiv Gefügtes‹. Wir reden von einer Sehnsucht nach Harmonie, die wir haben, ob eingestan-

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den oder nicht. Und das Adjektiv harmonisch wird meist oberflächlich verstanden im Sinne von: etwas ›sagt mir zu‹, etwas ›gefällt‹ (eine Hausfassade, eine Zimmereinrichtung, eine Bildgestaltung), ein Ehepaar sei oder lebe har- monisch, und ähnlich. Nochmals und eindringlich gesagt: Harmo- nik ist nicht Harmonie, kann aber Wegweiser dorthin sein. Selbst in der Musik ist es so, dass die ›Harmonielehre‹ eine ›Lehre des Erlaubten‹ ist, eine Lehre der erlaubten, weil ›schönen‹ Ton- und Akkord-(Ver)bindungen, also eine Lehre, die das Unpassende, Unschöne verbie- tet. Harmonik aber ist mindestens in zwei As- pekten keine ›Harmonielehre‹: erstens ist sie keine Lehre, und zweitens weiß sie sehr viel vom ›Unerlaubten‹. Aufgrund solcher weithin anzutreffenden Gleichschaltung von Harmonik und Harmonie ist die Harmonik in den zweifelhaften Ruf ge- kommen, sie schließe das Unschöne, Schmerz- hafte, Leidvolle, Dunkle, Chaotische aus. In einem solchen Fall aber würde Harmonik zur Ideologie verkümmern.

Polarität von Chaos und Kosmos Es ist eine Binsenweisheit: Wir können nicht ordnen, wenn schon alles geordnet ist. Wir

können nicht heilen, wenn schon alles heil ist. Chaos, Streitkampf, Krankheit, auch der Tod, sind Voraus-Bedingung, sind notwendig. Von der Gleichgewichtung dieses Gegen- satzes spricht Empedokles (Fragment 16):

»Denn wie Streit und Liebe vordem waren, so werden sie auch sein, und nimmer wird von diesen beiden leer sein die unendliche Lebens- zeit.« Die Rede ist von »neikos kai philia«, von »Streit und Liebe«.

Dieses Den-

ken hatte Empe- dokles von He- raklit übernommen. Der Weise aus Ephesos sprach, ähnlich dem zeitgleich nur wenig ent- fernt lebenden Pythagoras von Samos, von den Gegensätzen und ihrer Mischung. Wenn das Helle/Warme/Geordnete, dann auch das Dunkle/Kalte/Chaotische. Bestimmend ist der Gegensatz: Chaos – Kosmos, Leben – Tod, Friede – Krieg, Alt – Jung, Sonne – Finsternis, Schlafen – Wachen, Sterblich – Unsterblich. Hier einer der Weisheitssätze Heraklits (Fragment 124):

»Wie ein Haufen planlos hin geschütteter Dinge – der schönste Kosmos.«

Harmonik hat anderes im Blick als ein Vorfinden von Harmonie.

hat anderes im Blick als ein Vorfinden von Harmonie . Quinte – rot-blau Nur eine oberflächliche

Quinte – rot-blau

Blick als ein Vorfinden von Harmonie . Quinte – rot-blau Nur eine oberflächliche Interpretation wird hier

Nur eine oberflächliche Interpretation wird hier von einem ›Pessimismus‹ sprechen. Es ist vielmehr ein Satz, der zwei Sachverhalte im ›Gleich-Gewicht‹ hält. Von hier der Sprung zu Paul Klee, der einmal gesagt hat: »Ich beginne mit dem Chaos, weil ich selbst Chaos sein darf.« (Klee ist, neben der Harmonik Kayser- scher Prägung, Weiers’ zweite wesentliche Wurzel seines Forschens und Schaffens.) Es mag erstaunen: Paul Klee – übrigens Hans Kaysers Streichquartett-Partner – beginnt mit dem Chaos. Unter Heraklits zahlreichen Fragmenten, welche die Harmonik berühren, finden wir auch die Fragmente 122 & 8, die für sich spre- chen und jede Art von Deutung entbehrlich machen:

»Annäherung: Das entgegen Gesetzte zu- sammenstrebend, aus dem auseinander Ge- henden schönste Fügung.«

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28 Heilkunst | Harmonik und Polarität Tattva Viveka 44 ganzheitlicher Aspekt Harmonik Wagen wir aus diesem

ganzheitlicher

Aspekt

und Polarität Tattva Viveka 44 ganzheitlicher Aspekt Harmonik Wagen wir aus diesem Horizont eine Wesens-

Harmonik Wagen wir aus diesem Horizont eine Wesens- Kennzeichnung der Harmonik:

Spannung von Ordnung (Kosmos) und Chaos (nicht nur ontologisch), Spannung von Schönheit und Missfallen, Miss- ton (nicht nur ästhetisch), Spannung von Integration und Zerfall (keines- falls nur in einer Dimension). In diesen drei Spannungen gilt: Harmonik ist Gestaltungswissen.

1. Ordo: Harmonik ist Ordnungsdenken, und

folglich schwingt Ordnung in harmonikal Ge- staltetem mit. Harmonik ist selbstverständlich

begriff. Mehr noch: Der Harmoniker hat das Staunen und das Begeistert-Sein nicht verlernt, er kann von Schönheit im Zahlenreich, in Geo- metrie, Astronomie, Kristallographie, Zoologie usw. berührt sein, sogar schwärmen. Ein Har- moniker ist ein bewegter – und bewegender – Mensch. Dem Bewegt-Werden entspringt das Bewegt-Sein, das Bewegen, das Mit-Bewegen. Der Harmoniker als Homo Movens.

3. Ordo – pulchritudo – concordia ar-

tium et litterarum: Harmonik ist zugleich zusammenschließendes, integratives Denken, und folglich schwingt der Integrationswille, das Integrationsstreben im harmonikalen Menschen mit. Der harmonikale Mensch ist

aber nicht blind gegenüber der Diversität, ge- genüber dem Separierenden. In dieser trinitarischen Reihung von Ord- nung – Schönheit – Integra- tion wird deutlich, dass, wenn

wir zwischen Sachwissen und Gestaltungswissen unterschei-

den, Harmonik primär (aber nicht ausschließlich) Gestal- tungswissen ist. Gestalten be- zieht sich auf die Zuordnung der Teile im Ganzen eines Organismus, und das Ganze des Organismus, gleich ob in der unbelebten Natur, im Kunstwerk oder im Lebewesen, stellt ein zentrales Wort der Harmonik dar. Manche, sogar Harmoniker selbst, haben eine Schwierigkeit, folgender Frage zu begeg- nen: Wie ist der Harmoniker einzuordnen, einzu-teil-en? Ist der Harmoniker (1.) Wissen- schaftler? Ist er (2.) Künstler? Ist er (3.) Heiler, Lehrer, Prediger, Mahner? Oder ist er zu einem Drittel Wissenschaftler, zu einem Drittel Künstler, zu einem Drittel Heiler? Summativ ist er dies alles, so wie 1+1+1 summativ 3 ist. Aber des Harmonikers eigen- tümliche Qualität besteht darin, dass er das ist, was er ist: Harmoniker. Harmoniker zu sein bedeutet eine Geisteshaltung einnehmen (grie- chisch héxis), und damit eine Werthaltung, ein Stehen auf einem Platz, der Stand-Festigkeit ausstrahlt (griechisch êthos).

Einer, der mit Heilung zu tun hat, kennt

nicht nur das Beengende der Ordnung, sondern auch

das Heilsame des Chaos.

nicht blind und unwissend gegenüber dem Un- geordneten, dem Chaos; Harmonik kennt die währende Spannung zwischen beiden. Nicht nur Physiker wissen darum Bescheid, sondern ebenso Künstler und erapeuten. Weiers ist Künstler und erapeut, und als solcher weiß er um Chaos und Ordnung. Einer, der mit Hei- lung zu tun hat, kennt nicht nur das Beengende der Ordnung, sondern auch das Heilsame des Chaos. Nochmals Klee: »Ich beginne mit dem Chaos, weil ich Chaos sein darf.«

2. Ordo et pulchritudo: Ordnung hat eine

starke Potenz, eine Mächtigkeit in sich, der wir den Namen Schönheit geben können. Harmo- nik ist sofern Schönheitsdenken – oder hat einen lebendigen Bezug dorthin –, aber Har- monik ist dies ›auch‹, nicht ausschließlich und ausschließend, denn Harmonik ist nicht blind und unwissend gegenüber der Schärfe von ›Dis- sonanz‹. Aber eines gilt für den Harmoniker un- bedingt: Er verhält sich nicht neutral. Findet der Vertreter einer Wissenschaft X in einer Unter- suchung den Wert Y (man beachte den Dop- pelaspekt von Quantität und Qualität im Be- griff ›Wert‹), dann hat er Y gefunden – und sonst nichts. Ein Harmoniker hört, sieht und sichtet, ordnet demgegenüber nicht nach Quantität al- lein, sondern verbindet damit einen Qualitäts-

Zusammenhalt

lein, sondern verbindet damit einen Qualitäts- Zusammenhalt Harmonikale Therapie Harmonikale erapie, das bedeutet:

Harmonikale Therapie Harmonikale erapie, das bedeutet: heilend aufbauen auf jenen Grundlagen, die auch die Musik bestimmen. (Im Unterschied zur Har- monikalen erapie ist die Musiktherapie ein Heilen mit der Musik selbst.) Es sei ein kurzer Hinweis auf ein Projekt,

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das Harmonik und Musik-erapie übergreift, gestattet. Am INTERNATIONALEN HAR- MONIK ZENTRUM an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien wurde die Produktion einer CD NADA CHAKRA angeregt und begleitet. Interpret dieser CD ist Johnson Vettoonickal, ein aus dem südindi- schen Bundesstaat Kerala stammender Musi- ker und Musikheiler. Johnson war langjährig Student der Harmonik, wo er besonderes Au- genmerk dem ema »Healing with Ragas« geschenkt hat. Die Wirkungskraft spezifischer Ragas auf die Energiezentren des Menschen ist seit Jahren ema seiner Arbeit in indischen Spitälern und an der »School for Harmony« (»Ave Sangeeth Sadan Well«) in Velur in der Nähe von rissur, der kulturellen Hauptstadt Keralas. Die Frage nach einer Zuordnung von Tönen und Farben ist alt. Isaac Newton (1643- 1727) ordnete die 7 Spektralfarben (rot, orange, gelb, grün, blau, indigo, violett) den 7 Stufen des d-modus zu – trotz aller Problema- tik der klassische Fall einer Analogie. Anders, weit umfassender, die Analogie von Chakras, Elementen, Spektralfarben, Meditationssilben und Ragas auf vorliegender CD, darüber hi- naus eingebunden in erfolgreiches Heilen. Hier die Zuordnung der 7 Energien auf 5 Be- deutungsebenen:

Harmonik gründet im Dreibezug von Mensch, Musik und Kosmos und erfordert einen »Mut zur Analogie«.

Chakra: muladhara (mula = Wurzel, adhara = Fundament) – swadhisthana (swa = selbst, sthana = Platz) – manipura (mani = Juwel, pura = Stadt) – anahata (ruhender Klang) – vishuddha (Reinheit) – ajna (Befehl) – sahasrara (tausend Blütenblätter)

Element: Erde – Wasser – Feuer – Luft – Äther – ?? – ??

Farbe: rot – orange – (gold-)gelb – grün – blau – dunkelblau, indigo – violett

Silbe: LAM – VAM – RAM – YAM – HAM (HUM) – OM – OM

Raga: kalivani – abhogi – sreeraga – kamboji – todi – bhoopalam – hamsadwani

Weiers’ Harmonik Auf dem Gebiet der Harmonikalen erapie haben in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhun- derts vor allem zwei Vertreter nachhaltig ge-

Jahrhun- derts vor allem zwei Vertreter nachhaltig ge- wirkt: Gunther Hildebrandt , Grundlagen- wis- senschaftler

wirkt: Gunther Hildebrandt, Grundlagen- wis- senschaftler im Bereich Chronobiologie, und Hans Weiers, als Harmoniker und erapeut primär Angewandter Forscher. Beide Ansätze kann man als zueinander komplementär be- trachten, in der Chronobiologie also eine ›Partnerwissenschaft‹ zur Harmonik von Hans Weiers sehen. Worum es in Weiers’ Harmonik geht: Ver- bindung von künstlerischem, wissenschaftli- chem und heilendem Wissen. Worum es nicht geht: Weiers’ Harmonik war nie Rezeptlehre, neugierig und unermüdlich Fragen zu stellen ist ihr ebenso wichtig, wie Antworten zu versuchen. Weiers ist Realist: Er hält fest, dass nicht alles zu jeder Zeit für jeden Menschen 1:1 an- wendbar ist. Das wäre Wunschdenken, das von fertigen Rezepten ausgeht. Hier aber geht es um Kunst, die als solche nie zu einem Rezept degradiert werden kann und darf. Weiers hat zwei Wege beschritten: 1. Bio- physikalische erapie als unmittelbare An- wendung harmonikaler Grundprinzipien; 2. erapie des Sehens als in der Kunst vermittelte

schwebende

Träume

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Tattva Viveka 44

0 Heilkunst | Harmonik und Polarität Tattva Viveka 44 Schwingkreis Disziplinen, von der Mathematik und Archi-

Schwingkreis

Disziplinen, von der Mathematik und Archi- tektur bis zur Chronobiologie oder Sphären- harmonie. In der Musik bedeutet 3:2 – oder vertauscht 2:3, was im harmonikalen Denken keine Rolle spielt – das »Eineinhalbfache«, das »gib‹ zu einem Ganzen ein Halbes hinzu« (griechisch hemiolon). In der Zeit-Achse (Met- rik der Sprache, Rhythmik der Musik) – die wir uns üblicherweise horizontal vorstellen – haben wir zwei Möglichkeiten: sukzessiv oder simultan. Hemiole hat für den Musiker die Be-

»Wie ein Haufen planlos hin geschütteter Dinge – der schönste Kosmos.« (Heraklit)

deutung: Wandle 2 mal 3 zu 3 mal 2, das heißt eine gegebene Zeit-Gliederung 2 mal 3 ist von einer Gliederung 3 mal 2 überlagert. In der Tonraum-Achse – die wir uns vertikal vorstel- len, denn Töne sind ›hoch, höher, tief, tiefer‹) – definiert die Frequenzproportion 3:2 das In- tervall der Quinte. Ich gebe hier einen Aspekt, der bislang in der Harmonik weitgehend unbeachtet geblie- ben ist: 2 und 3 sind auch Bestandteil der Fi- bonacci-Reihe.

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0 und 1 stehen am Beginn, sie sind der Ur- sprung, den Gottfried Wilhelm Leibniz (1646- 1716) als Symbol göttlicher »creatio ex nihilo« angesehen hat. Danach kommen 2 und 3, und die weiteren Zahlen der Reihe sind wie eine Explikation, eine Entfaltung des in den Zahlen 2 und 3 komplikativ Enthaltenen.

Literaturhinweise:

Rudolf Haase: Hans Kayser. Ein Leben für die Harmonik der Welt, Basel 1968 Hans Kayser: Lehrbuch der Harmonik, Zü- rich 1950 Johnson Vettoonickal: Nada Chakra. Eine Reise entlang der Energiezentren des Menschen. CD, Koessner Music & Arts, Wien 2004 (Zu beziehen über das Internationale Har- monik-Zentrum an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien) Hans Weiers: Natur und Kunst. Quelle der Gesundheit, Neuenburg 1982 Hans Weiers: Balancetherapie. Elemente der Kunst – Elemente der Therapie, Neu- enburg o. J.

Anwendung solcher Grundlagen. Und Weiers lebt, dass Biophysik und künstlerische erapie zwar voneinander verschieden, aber in höherem Sinn zueinander komplementär sind. Weiers’ Harmonik hat darauf hingewiesen, dass sich 2:3 als zentraler Logos darstellt:

Yin/Yang, weiblich/männlich, Polarität. In ihrer Verbindung der beiden Pole Yin (Quali- tät der Zahl 2) und Yang (Qualität der Zahl 3) hat die Proportion 2:3 etwas ›Ganzes‹, ›Stabi- les‹ und wurde deshalb für Weiers in Zusam- menhang mit heilendem Wirken von eminenter Bedeutung. Den Logos 2:3 finden wir in zahlreichen

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Weiers in Zusam- menhang mit heilendem Wirken von eminenter Bedeutung. Den Logos 2:3 finden wir in
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Heraklit Der griechische Weise Heraklit und der deut- sche Arzt und Harmoniker Hans Weiers stel- len sich als geistesverwandte Personen dar. Damit habe ich zurückgeführt zum Ursprung der Harmonik, wo vom Gegensatz [in Platons Dialog »Timaios« wird dies konkret mit dem Spannungsverhältnis 2 : 3 beschrieben] und von der Mischung von Gegensätzen [4 : 6 : 9] ausgegangen worden ist. Nochmals einer der oft zitierten Weisheits- sätze Heraklits: Verborgene Harmonie ist stärker als offenbare. Dem Entbergen des Verborgenen können wir uns nur annähern, manchmal viel- leicht zögernd, aber notwendig liebevoll und visionär. Hans Weiers ist einer, der sich annähert. Manchmal vielleicht zögernd, aber immer lie- bevoll und visionär.

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Anmerkungen: Der Beitrag beruht auf einer Rede für Hans Weiers anlässlich der Er- öffnung seiner umfassenden Werkschau in der Villa Urbana, Heitersheim, 22. September 2004. (Dr. Hans Weiers verstarb wenige Mo- nate später, am 12. Januar 2005.)

Kunstpostkarten der Werke von Hans Weiers gibt es bei Olga Maria Hoch im Pankratium, Gmünd (Kärnten). Die Erlöse aus dem Post- kartenverkauf gehen zu Gunsten gemeinnüt- ziger Projekte. Tel. (0043)6769461822, E-Mail: olgamariahoch@aol.com

Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 06: Prof. Dipl. Chem. Waltraud Wag- ner – Der Zahlencodex des Universums

TV 19: Dipl. Ing. Hartmut Warm – Die Harmonie der Sphären. Planetenharmonik

TV 20: Prof. Dr. R. Haase/Prof. Dr. W. Schulze – Die Harmonik der Welt

TV 20: Prof. Dr. Werner Schulze – Archi- tektur ist gefrorene Musik

TV 43: Barmin Schulte – Die Magie der Quantenmusik. Harmonik des Wasserstoffatoms

TV 43: Lothar Diehl – Pythagoras und die Pythagoreer. Wiege des Abendlands

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