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Von universalen Harmonie- gesetzen inspiriert: die Kathedrale von Reims (1211–1233)

Bauen
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NATUR

Harmonikales Bauen:

eingefrorene Musik

«Die Welt ist Klang.» Diese Feststellung des Musikers und Schrift- stellers Joachim-Ernst Berendt trifft zu. Im Idealfall ist diese Welt - sogar Wohlklang. Überall gibt es Harmonien – und auch das Gegenteil davon. Auch die Architektur müsste die Harmoniegesetze befolgen, damit sie als materialisierte, «eingefrorene» Musik zum Klingen käme und wieder menschlicher würde.

Text: Paul W. Schriber

D ie alten Baumeister richteten ihre Tätigkeit nach den kosmi- schen Ordnungsprinzipien aus. In ihren Werken stimmten die

Zahlenverhältnisse genauso wie im musi- kalischen Intervall und in den Gesetzen, welche alle exakten Naturwissenschaften wie Physik, Chemie, Astronomie, Geo- logie und die biologischen Naturwissen- schaften von der Ökologie und Bio- chemie bis zur Molekularbiologie durch- ziehen. Diese Häuser waren voller Harmonie und von wohltuenden, flies- senden Energien erfüllt. Die Gebäude fügten sich in die Landschaft ein, boten einen angenehmen Anblick, bewahrten die Gesundheit der Bewohner oder un- terstützten sogar Heilungsprozesse, wenn die Menschen erkrankt waren. Sie vermittelten Kraft; die Lebenskräfte konnten sich entfalten. Ein Abbild der Harmonie des Kosmos hatte sich hier un- ten auf der Erde manifestiert, wobei auch die vorhandenen Umgebungseinflüsse beachtet und einbezogen wurden. Man wollte nicht gegen die Natur handeln – und handelte prinzipiell richtig.

Insbesondere die Pythagoräer bauten im 5. Jahrhundert v.u.Z. die Verbindung von Natur und Kosmos zu einem umfas- senden Weltbild aus 1 . Sie entdeckten in den Prinzipien der Mathematik die Grundlagen allen Seins; für sie war alles Zahl. Dabei verstanden sie die Zahlen aber nicht nur als mathematische Ob- jekte, sondern zugleich als selbständige Wesenheiten mit ihnen zugeschriebenen Kräften und Eigenschaften, die auf eine höhere Weisheit hinweisen. Diese Zahlen nahmen dadurch eine messbare Gestalt und Form an, konnten sich u.a. in geo- metrischen Formen und in der Musik ausdrücken. Das äusserte sich im Alltag in Ordnung und in der Einhaltung der Gesetze des Schönen. Diese Auswirkung lässt sich daraus erklären, dass Harmonien, die auf ganz- zahligen Teilungsverhältnissen (z.B. 1 2, 1 4, 1 8, 1 16) basieren, die Grundlage von allen Naturerscheinungen bilden, also zum Beispiel von Planeten, Mineralien, Pflanzen, Tieren, dem menschlichen Kör- per usw. Nicht nur die Musik, alles hat mit Proportionen zu tun und kann durch

ganze Zahlen ausgedrückt werden, auch die Architektur, die kosmischen Rhyth- men. So stand die Zahl 8 für Gerechtig- keit und Fülle, weil sie in 4 gleiche Zah- len geteilt werden kann (2 + 2 + 2 + 2 = 8). Die Zahl 5 ist die Zahl der Gestaltung:

Der Mensch mit dem Kopf, den gespreiz- ten Beinen und ausgestreckten Armen in- nerhalb eines Kreises, der Welt. Die Zah- len besassen also auch eine symbolische Bedeutung und verhalfen zu kosmischen Einsichten.

1 Pythagoras beschäftigte sich mit der Faszination der ein- fachen Zahlenverhältnisse, z.B. 1:2 = die Oktave, 2:3 = die Quinte, 3:4 = die Quarte usw. Er hat damit die Basis für das abendländische Musiksystem gelegt. Erkennt- nisse über uralte Tonsysteme sind u.a. auch durch die Autoren Narada und Bharata im Sanskrit überliefert. Von früheren Baumeistern wurden Musikkenntnisse ver- langt, um die Harmonie der Proportionen wahren zu können, um Symmetrie und Eurhythmie (Gleichmass) zu kennen. Einer von ihnen war der Florentiner Andrea Palladio, der das Bezugssystem seiner weltberühmten Renaissance-Villen aus der Musiktheorie der Zeit ablei- tete. Selbstverständlich stimmen die Proportionen auch in Le Corbusiers Werken. Er war laut dem Schweizer Architekten André Studer, der bei Le Corbusier (1910–1965) arbeitete, zwar ein Meister des Goldenen Schnitts, hat sich aber nie mit den Gesetzmässigkeiten harmonikaler Baukunst beschäftigt.

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In allen Organismen (Kosmos, Erde, Lebewesen) geht es um Harmonik, um Harmonien. Sind diese in einem Men- schen gestört, äussert sich dies in Krank- heiten. Selbstverständlich spielen dabei auch äussere Einwirkungen eine Rolle, zumal alles vernetzt ist. Die Einflüsse von Schwingungseffekten und Wellen- phänomenen sind altbekannt, in der alternativen Wissenschaft an der Tages- ordnung, im schulwissenschaftlichen Be- reich aber noch kaum zur Kenntnis ge- nommen, woraus sich ein grosser Teil der sichtbaren und spürbaren Verirrungen erklärt, die das Zeitalter der Zivilisation begleiten. Ein moderner Vertreter des harmoni- kalen Bauens ist Paul von Naredi-Rainer, Dozent der Kunstgeschichte in Bonn; er hat sich intensiv mit den musikalischen Proportionen in der Baukunst beschäf- tigt. Die Zusammenhänge zwischen Mu- sik und bauliche Harmonien beschreibt er wie folgt: «Die Griechen benutzten das Monochord, um diese Gesetzmässigkei- ten zu untersuchen. Das Monochord ist ein Kasten aus Holz, der als Resonanz- körper dient. Darauf sind Saiten ge- spannt, die mit Hilfe eines verschiebbaren Steges unterteilt werden. Die Griechen verschoben diese Stege so lange, bis die

angeschlagenen Töne links und rechts des Steges nach ihrem Empfinden harmo- nisch klangen. Sie entdeckten, dass Ak- korde dann harmonisch sind, wenn die Saitenlängen in kleinen ganzzahligen Verhältnissen zueinander stehen – eine Empfindung, die allen Menschen, unab- hängig von Kultur und geografischem Lebensraum, gemeinsam ist. Bereits kleine Abweichungen werden als Ver- stimmtheit des Instruments wahrgenom- men». In vielen, ja den meisten alten welt- berühmten Baudenkmälern spiegeln sich harmonikale Erkenntnisse, gewissermas- sen musikalische Proportionen: In Ang- kor Wat in Kambodscha, das zum kultu- rellen Welterbe gehört, in den Gebäuden, die sich auf die chinesische Harmonie- lehre Feng Shui ausrichten, in den ägyp- tischen Pyramiden, den alten griechi- schen Tempeln, römischen Bauwerken, in gotischen Kathedralen, ja sogar in Schlössern und Städten usf. So stellte auch der Architekt und Forscher Hans Kayser (1891–1964) beim Untersuchen der Tempel von Paestum, Italien, fest, dass deren Masse und Proportionen musikalischen Intervallen entsprechen. Die Stile änderten; doch die Harmoniege- setze blieben bestehen.

Harmonikal vom Sockel bis zum Dach:

der Neptuntempel in Paestum bei Neapel.

doch die Harmoniege- setze blieben bestehen. Harmonikal vom Sockel bis zum Dach: der Neptuntempel in Paestum

Weltweit bewunderte Proportionen:

Hagia Sophia (erbaut 532–537) in Istanbul.

Proportionen: Hagia Sophia (erbaut 532–537) in Istanbul. Reduktion aufs Wesentliche Seit je hat der Mensch versucht,

Reduktion aufs Wesentliche

Seit je hat der Mensch versucht, die Natur zu verstehen und – genau zu diesem Zweck – auf das Wesentliche zu reduzie- ren. Auf der Suche nach dem Wesentli- chem wandte sich im frühen 20. Jahrhun- dert auch die Architektur zunehmend von den tradierten Vorstellungen über Mass, Proportion und Harmonie ab und entwickelte eine neue Formensprache, die als Kubismus bezeichnet wurde, ein sprachlicher Anklang an die Würfelform. Auch Rechtecke und andere geometri- sche Grundformen bestimmten diesen Stil, der frei von Bezügen zum organisch Gewachsenen in der Natur war. Zwar ist das Kubische, das mit der Zahl 4 ver- knüpft ist, ein Naturprinzip, das von Na- turvölkern wie den Puebloindianern und Religionen verwendet wird (etwa in der Kultstätte des Islams in Mekka, der Kaaba = arabisch: Würfel) und sich auch in Kristallstrukturen findet. Doch wenn ihm alles untergeordnet wird, resultieren Normung und Gleichheit.

Die Entwicklung in der Malerei, wel- che sich an den vereinfachten (wenn vorerst auch meist organischen) Formen der Kunst der Naturvölker zu begeistern begann, inspirierte die Architektur in Richtung Geometrie. Malerische Pio- nierleistungen erbrachten diesbezüglich neben Paul Cézanne, der als einer der Ersten die Natur auf Würfelförmiges zurückführte, Georges Braque, Robert Delaunay, Pablo Picasso und viele an- dere. Der Architektur kamen diese Ver- einfachungen gerade recht; denn sie wollte sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts endlich vom über- lieferten Stil abnabeln. Sie wandte sich zunehmend dem Geradlinigen und Rechtwinkligen zu, orientierte sich vor allem an der Rechteckform des Reis- sbrettes, das die Planer ständig vor Au- gen hatten. Formen sind zwar neutral, aber wenn eine einzelne zur fast aus- schliesslichen Quelle der Inspiration wird, ist das eine dramatische Ein- schränkung.

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Die Baukörper mit den streng geo- metrischen Formen wachsen nicht mehr aus der Natur heraus, sondern sind als Fremdkörper in sie hineingestellt. Zu einvernehmlichen Dialogen mit den Ele- menten, der Landschaft, der Kultur und den Bewohnern oder Nutzern kommt es kaum noch. Die Bauten suchen jetzt die Harmonie fast ausschliesslich in der Sym- metrie, das heisst die geometrischen For- men werden berechnend ausbalanciert. Oberflächlicher Zierrat und das Gefühl von Heimat fanden hier keinen Platz mehr. Die Bauten scheinen universell gül- tig und entwurzelt zu sein; und beim Fortgang dieses Trends in Richtung Abstraktion stellt sich das Gefühl, die Bodenhaftung verloren zu haben, auch bei den Bewohnern ein. Auch andere Resultate sind bekannt:

Künstliche Formen, vor allem auf die Normmasse der Vorfabrikation ausgerich- tet, künstliche Materialien, künstliche Belüftung und Beleuchtung usw. tragen dazu bei, dass moderne Bauten oft krank- machend sind und darin kaum noch ein konzentriertes Arbeiten möglich ist; die Bewohner fühlen sich müde, gereizt, abge- spannt. Das ist der Preis für das Fehlen menschlicher Dimensionen und für die Missachtung der subtilen Wirkung von Formen, Farben und Materialien. Die Erfahrungen mit den Bauten aus dem 20. Jahrhundert, die teilweise als Sondermüll entsorgt werden müssen, lei- teten die Gegenbewegung ein. Sie führten zum Bestreben nach einer Annäherung an die zur Natur, zu einem «Zurück zur Natur» wie bei Jean-Jacques Rousseau:

Baubiologie und Bauharmonie erobern ihren Stellenwert zurück. Die Wirkungen von Formen, Materialien und Farben auf den Menschen werden wieder in die Pla- nung einbezogen. Und man nähert sich wie damals in der frühen Geschichte wieder den Elementen an: Feuer, Luft, Wasser und Erde, die nicht als materielle Grundeinheiten wie in der heutigen Chemie zu verstehen sind, sondern als Grundkräfte erkannt werden, die auf ei- ner abstrakteren Ebene den Kosmos auf- bauen.

Die Bedeutung der Form

Ein Musikinstrument muss nicht nur aus dem richtigen Material bestehen, sondern auch eine ganz bestimmte Form auf-

Foto: André Studer

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weisen, damit die gewünschten Klänge erzeugt werden können; eine Geige, ein Alphorn und eine Pauke haben ein voll- kommen unterschiedliches Aussehen. Die abstrakte Geometrie wird bei solchen Konstruktionen zur Georhythmie; sie be- ginnt zu klingen, zu leben, sich zu be- wegen. Auch Gebäude und Räume sind solche Resonanzkörper, welche die ent- sprechenden Schwingungen erzeugen, verstärken oder reduzieren; sie müssen also einen Bezug zu den Umgebungsver- hältnissen haben. Giebeldächer etwa bringen das Dreieck ins Spiel, welches zum Himmel zeigt und damit das Prinzip des Geistigen anklingen lässt. Runde For- men wiederum fördern die Bewegung, das Fliessen, das Organische und das Pro- zesshafte. Sie vermögen aber niemals so- viel Halt und Struktur zu geben wie auf der Vierzahl beruhende Gebäude.

Das Haus als Massanzug: Dieses Wohnhaus in Hombrechtikon ZH verbindet die vier Elemente Erde- Wasser-Feuer-Luft und hat auf seine Bewohner eine erdende, stabilisierende Wirkung. (Architekt: André Studer)

Naturmaterialien und kosmische Rhythmen

Das Wohlbefinden hängt nicht allein mit der Form, sondern ebensosehr mit den Umgebungsmaterialien zusammen. Ein Korkboden wirkt anders als ein Nadel- filzbelag, ein Holzgestell anders als ein Metallgestell, Chromstahl anders als Kunststein. Es erweist sich immer wieder, dass Naturmaterialien nicht nur die be- sten Eigenschaften aufweisen, sondern auch Gefühle von Wohlbefinden vermit- teln. Das könnte unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass die Mensch- heit bis zur jüngsten Etappe ihrer Ge- schichte immer mit Naturmaterialien und -produkten zusammenlebte, dass ihr Leben darauf abgestützt war. Dasselbe trifft auf den Strahlenbereich zu: Das natürliche Strahlenumfeld erhält uns am Leben, der künstlich erzeugte

Wechselspiel zwischen Bauwerk und Psyche:

Dieses Einfamilienhaus in Feusisberg SZ wurde so gebaut, dass es die emotional-spielerische Seite seiner Bewohner anregt. (Architekt: André Studer)

Seite seiner Bewohner anregt. (Architekt: André Studer) Elektrosmog aber verzehrt unsere Ab- wehrkräfte. Kosmische

Elektrosmog aber verzehrt unsere Ab- wehrkräfte. Kosmische Rhythmen haben nachweislich einen Einfluss auf die Pflan- zen, Tiere und Menschen, weshalb die «Mondkalender» heute wieder hoch im

Foto: Linus Maeder

Foto: Linus Maeder Kurs sind. Tatsächlich bringen Rüebli, die vor dem Vollmond ausgesät werden, besonders gute

Kurs sind. Tatsächlich bringen Rüebli, die vor dem Vollmond ausgesät werden, besonders gute Erträge, und sie sind auch besser lagerfähig. Wer Kartoffeln bei ab- nehmendem Mond in den Boden bringt, wird später eine üppige Ernte haben. Das muss selbstverständlich auch bei der Ge- winnung von Baumaterialien wie dem Holz berücksichtigt werden. Das Mond- holz, das bei abnehmendem Mond und anderen günstigen Pflanzenkonstellatio- nen geschlagen wird und in Ruhe aus- trocknen kann, ist stabiler, sogar wider- standsfähiger gegen Holzwurmbefall und Fäulnis: Altes Wissen, das soeben wieder belebt wird.

Die Bedeutung der Farben

Auch Farben können auf Zahlen zurück- geführt werden; denn die 7 Farben des Regenbogens lassen sich mit den 7 No- ten einer Oktave vergleichen. Der Autor von «Music of the Spheres», Guy Murchie, hat diese Zusammenhänge bewiesen und beschrieben. Doch es geht auch ohne wissenschaftliche Messungen: Je- dermann weiss aus eigener Anschauung, dass Farben Schwingungsträger sind und unsere Empfindungen und Stim- mungen beeinflussen: Rottöne wirken belebend, Blautöne beruhigen, das Grün entspannt und aktiviert in einem. Grün wird deshalb gern in Arbeitsräumen ein- gesetzt, und dort kann es für Stress- bewältigungen und zur Verbesserung der Atemluft denn auch nicht genug grüne Pflanzen geben. Der vielen Pflan- zen wegen geht man schliesslich auch gern «ins Grüne», oder aber mit Zim- merpflanzen kann man etwas Natur und damit Grün ins Haus holen.

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Unterstützt die Aufschliessung von Heilpflanzen:

Betriebsgebäude der Ceres Heilmittel AG (Architekt: Linus Maeder).

der Ceres Heilmittel AG (Architekt: Linus Maeder). Bestehende harmonikale Bauten Ein gutes Beispiel für

Bestehende harmonikale Bauten

Ein gutes Beispiel für harmonikale Bau- kunst sind die Werke des Schweizer Architekten André Studer, der als junger Praktikant im Pariser Atelier von Le Corbusier entdeckte, dass es in der Na- tur und in antiken Bauwerken neben dem Goldenen Schnitt noch umfassen- dere, eben harmonikale Baugesetze gibt. Von da an verschrieb sich Studer mit Haut und Haaren der harmonikalen Bau- kunst; er vermass zahlreiche Kunst- werke und Naturformen und schuf über 30 Gebäude nach harmonikalen Geset- zen, darunter Wohnhäuser, Kirchen und eine Schule. Studers Bauten berücksichtigen nicht nur die Wunschvorstellungen seiner Auf- traggeber, sie sind auch auf den Charakter und das Temperament der Hausbewohner abgestimmt. Zu diesem Zweck pflegt der in Gockhausen bei Zürich lebende Archi- tekt Psychogramme seiner Auftraggeber und deren Familie anzufertigen, bevor er sich an die Planung macht. Beispiele hier- für sind die beiden Wohnhäuser in Feusis- berg und Hombrechtikon. Auch der St. Galler Architekt Linus Maeder, 35, verwendet in seinen Bauten musikalische sowie aus der alten Zahlen- mythologie abgeleitete Massverhältnisse.

Wie André Studer ist Linus Maeder über- zeugt, dass man «die Proportionen, Mate- rialien und Farben von Räumen und Gebäuden so gestalten kann, dass sie harmonisierend wirken und ganz be- stimmte Eigenschaften erfüllen, zum Bei- spiel die Gesundheit fördern, Gefühls- zustände positiv beeinflussen und Mate- rie beeinflussen.» Ein typisches Beispiel seiner harmo- nikalen Architektur ist der Gebäude- komplex der Firma Ceres, Heilmittel AG, an der Bachtobelstrasse 6 im thurgaui- schen Kesswil, die homöopathische und phytotherapeutische Präparate herstellt und ihren Bezug zur Natur auch in den firmeneigenen Produktions-Bauten zum Ausdruck bringt. Denn Funktionen wie die erwähnte Anregung der Selbsthei- lungskräfte und die Unterstützung der Lebenskraft können auch Bauwerke wahrnehmen. Die drei Bauten der Ceres AG sind genau nach den vier Himmels- richtungen ausgerichtet. Die eingesetz- ten Materialien erfüllen strenge baubio- logische Kriterien, die elektrobiologische Installation schützt vor elektrischen und der Pyramideneffekt vor terrestrischen Strahlungen. Sämtliche Räume sind nach Proportionen gestaltet, deren Prin- zipien mit den Arbeitsabläufen überein- stimmen.

Foto: Paul W. Schriber

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Das Betriebsgebäude und das Wohn- haus bestehen aus Backsteinmauerwerk mit Zwischendecken aus Holz, während die Dächer und das Lagergebäude voll- ständig aus Holz konstruiert sind. Dächer und Wege wurden mit roten Tonziegeln bedeckt. Aluminiumsilikate und Ton: Sie sind als Erde auch im Boden die Grund- lage, auf welcher Pflanzen erst wachsen können. Ohne Aluminium könnte keine Pflanze keimen. Das Mineralische ist die Voraussetzung für das Organische. Ge- rade weil im Betrieb die organischen Pflanzenkräfte allgegenwärtig sind, wurde versucht, mit der mineralischen Materialwahl einen Gegenpol zu schaf- fen, welcher Ruhe und Erdhaftigkeit mit sich bringt. In St. Gallen an der Oberstrasse 251 errichtete Linus Maeder vor 2 Jahren ei-

Normierte Platten- bauweise in Sibirien:

08-15-Architektur

in Krasnojarsk.

nen 3,10 Meter hohen Kuppelbau nach harmonikalen Erkenntnissen. Das Ziel dieses Experiments ist es, die Wirkung der Formen auf den Menschen zu testen; auf Anmeldung beim Architekten (Linus Maeder, Schöntalstrasse 2, 9032 Engel- burg. Tel. 071 278 70 10, lmaeder@har- monikal.ch, www.harmonikal.ch) ist es möglich, die Wirkung selber zu erleben. Der iglu-ähnliche Kuppelbau besteht aus Chromstahlrohren sowie Eschenholz- kugeln und ist mit einem ultraleichten, sehr pflegeleichten Spezialstoff gedeckt. Die halbkugelartige Form beruht auf 81 Eckpunkten, welche sich durch 4 Zwan- zigecke und der Spitze ergeben. Der Gol- dene Schnitt, die Kreiszahl Pi und die Euler’sche Konstante sind darin auf ein- fachste Weise miteinander verknüpft. Auf der Erde existieren genau 81 stabile che-

verknüpft. Auf der Erde existieren genau 81 stabile che- Hauptsache funktional: Das Haus Casanova wurde 1975
Hauptsache funktional: Das Haus Casanova wurde 1975 bei Stuttgart an einem einzigen Tag errichtet und
Hauptsache funktional: Das Haus Casanova
wurde 1975 bei Stuttgart an einem einzigen Tag
errichtet und setzt sich aus 23 vorgefertigten
Plastikbauzellen zusammen.
Foto: Ernst K. Wyss

Foto: Samir Salama

Foto: Samir Salama mische Elemente. Die Zahl 81 dient der Regeneration, löst Verkrampfungen und Verspannungen und

mische Elemente. Die Zahl 81 dient der Regeneration, löst Verkrampfungen und Verspannungen und dient allgemein dazu, seine Batterien wieder aufladen zu können und sich wieder als eins (1) mit der Schöpfung (8) zu fühlen. Ein weiteres Bauwerk, das nach har- monikalen Grundsätzen erstellt worden ist, befindet sich in Oberschlatt ZH. Es handelt sich um das Einfamilienhaus Hux, ein im Holzelementbau erstelltes «Minergie»-Haus. Solche Gebäude vermitteln Anregun- gen über das reine Wirtschaftlichkeits-, Normierungs- und Isolationsdenken hin- aus. Sie lehren, dass auch andere Aspekte in die Architektur einbezogen werden müssen, jene eben, welche durch einen Naturbezug vor allem Harmonie, Behag- lichkeit und Gesundheit der Benützer gewährleisten und somit an erster Stelle stehen müssten.

Fachliteratur zum Thema:

– Studer, André: Vernimm das Lied des Alls in Dir. Einführung in die Harmonik, Bern 1990. Herausgeber: Biderstrasse 31, 3006 Bern Telefon 031 931 12 78.

– Stössel, Rudolf: Harmonikale Faszination, Bern 1986. Herausgeber: Biderstrasse 31, 3006 Bern, Telefon 031 931 12 78.

– Naredi-Rainer, Paul: Architektur und Harmonie. Zahl, Mass und Proportion in der abend- ländischen Baukunst. DuMont Verlag 2001. ISBN 3-7701-4999-8.

– Doczi, György: «Die Kraft der Grenzen.» Verlag Engel & Co. ISBN 3-927118-12-5.

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Die Pyramiden-Geheimnisse

Kaum ein anderes menschliches Werk ist so gründlich erforscht worden wie die ägyptischen Pyramiden, die sich bisher standhaft geweigert haben, ihre letzten Geheimnisse preiszugeben, vor allem die grösste von ihnen, die Cheops-Pyramide. Sie ruhen auf einem ausgedehnten Fundament und haben alle Zeiten überdauert. Die ägyptischen Pyramiden sind geografisch so platziert, dass man Beziehungen zu bestimmten Sternen zeitabhängig bestimmen kann; die Lichtschächte der Cheops-Pyramide zeigen zu bestimmten Zeiten auf bestimmte Sterne, so dass das platonische Jahr – eine Kreiselbewegung der Erdachse in fast 26 000 Jahren – daran erkennbar wird. Auch die an und in den Pyramiden festgestellten Abmessungen, Proportionen und Anordnung der Gänge haben zu vielfältigen Spekulationen Anlass gegeben, z.B. die Ägypter hätten, wie auch andere frühe Völker, ein mythisch-intuitives Wissen um kosmische Zusammenhänge und Grössenordnungen gehabt, das in ihren Bauten zum Ausdruck gebracht wurde. Das war wohl so. Die Informationen stecken in den Formen oder Anordnungen, wie das auch bei Molekülen der Fall ist, auch beim Wasser, dessen Moleküle sich zu Haufen verbinden und damit das «Gedächtnis» des Wassers mit seinen unendlichen Geheimnissen bilden. Pyramiden ihrerseits erzeu- gen eigene und eigenartige Strahlungsmuster, die alle geomantischen Vorbedingungen zu überlagern vermögen. Sie bewirken eine Aufwärts- bewegung der Energie, das heisst die Energie wird von allen Seiten zur Spitze hinauf gezogen. Durch die Sogwirkung können sich Kleinlebe- wesen wie Abbauorganismus im unteren Bereich der Pyramide nur schwer vermehren. Andererseits wird die Energie auch nach unten in die Erde geführt. Auf diese Weise wird gleichsam der Geist in die Erde gebracht und das Irdische ins Geistige gehoben. Pyramidenförmige Konstruktionen wurden deshalb früher von den Ägyptern, Chinesen, Inkas und Azteken dazu verwendet, die Lebens- mittel, vor allem Fleisch, zu konservieren – ebenso die sterblichen Über- reste der Mitglieder von Königsfamilien. Die konservierenden Eigen- schaften stellen sich allerdings nur bei einer exakten Ausrichtung auf die 4 Himmelsrichtungen ein.

Ihre Erbauer besassen metaphysische Baukenntnisse: ägyptische Pyramiden, hier die 143,5 Meter hohe Chephrenpyramide in Gise.