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URLAUBSPLÄNE

Bellas Sicht

Ich blickte hinauf in den klaren Sternenhimmel. Ein zarter Windhauch berührte mein Gesicht, wehte durch meine langen Haare, und lies sie sanft tanzen. Entspannt schloss ich die Augen und genoss die Stille dieser Sommernacht. Die Tiere waren heute außergewöhnlich leise. Das einzige, dass ich deutlich hören konnte, war Renesmees schneller Herzschlag im Nebenzimmer. Heute, vor einhundertundacht Jahren, kam mein Mann auf die Welt. Ich dachte ehrfürchtig an das Jahr 1918, und sah Edward vor mir (seltsamerweise in schwarz-weiß), eingekleidet in den typischen grauen, knielangen Mantel und einen Hut, wie ich es aus Filmen aus diesem Zeitalter kannte. Verschmizt lächelte er mich an, verbeugte sich und küsste meine Hand. Etwas beschämt über meine romantische Fantasie lächelte ich, und öffnete wieder die Augen. Obwohl wir schon drei Jahre verheiratet waren, verfiel ich immer wieder in solch schnulzige Tagträume. Tief atmete ich die warme Luft der Nacht ein.

Der Duft von Moos auf nassem Holz lag besonders intensiv in der Luft. Ich atmete in kleinen Stößen ein, und einmal lang aus, so wie man es bei einem Parfum macht, wenn man die einzelnen Komponenten zu erkennen versucht. Es war der Duft des Harzes einer angerissenen Fichte, der mir besonders in die Nase stieg. Wahrscheinlich hatte ein Wildschwein sich mit seinen Hauern an ihr gerieben. Ganz in der Nähe verführte mich der zartsinnliche Duft der Rosen aus unserem Vorgarten. Er passte so gar nicht in den Wald, mischte sich aber auf interessante Weise mit den übrigen Düften der unmittelbaren Umgebung. Dort drüben, einige Meter entfernt erhaschte ich den Geruch eines Tieres. Womöglich eines Fuchses. Ziemlich sicher ein zu kleines Tier, um auch nur den leisesten Hauch eines Brennens in meiner Kehle auszulösen. Endlich waren wir Zuhause. Nur Edward, Renesmee und ich. Wir hatten eine prunkvolle Feier hinter uns gebracht, und den Rest unserer Familie mit der Unordnung der Geburtstagsparty alleine gelassen. Ich hatte ein richtig schlechtes Gewissen, doch sie bestanden darauf, dass wir Edwards Geburtstag ruhig Zuhause ausklingen ließen. Natürlich hatte Emmett einen schmutzigen Witz gerissen, und natürlich war auch reizvolle Unterwäsche für mich auf Edwards Geschenktisch, aber ich hatte mir ein Kommentar verkniffen. Ich war nur froh endlich Zuhause zu sein, und die Ruhe zu genießen. Es war eine wirklich rauschende Feier. Natürlich. Etwas anderes hätte Alice auch niemals zugelassen. In den letzten Jahren hatte sie sich daran gewöhnt, bei jedem Fest auch ein Buffet einzuplanen, denn Jacob und Seth waren ständige Besucher im großen Cullen-Haus. Esme freute sich über „speisenden“ Besuch, und bereitete jedes Mal euphorisch eine Mahlzeit zu. Bei dem Gedanken an Jacob, senkte sich meine Laune, und ich fühlte ein

nervöses aufflattern in der Brust. Dieser große, dumme Jake. Augerechnet an Edwards Geburtstag schaut er zu tief ins Glas, und fängt einen handfesten Streit mit Rosalie an, dachte ich aufgebracht und trommelte mit den Fingern auf dem hölzernen Balkongeländer herum. Nur noch Leah konnte verhindern, dass Charlie und Sue in Panik gerieten. Herrgott noch mal, dachte ich und schüttelte den Kopf. Ich war Leah wirklich dankbar. Wir waren zwar nicht die besten Freundinnen geworden, jedoch war ich es mittlerweile gewohnt sie oft um mich zu haben. Wie eine Wächterin schritt sie als Wölfin, und auch in ihrer menschlichen Gestallt, immer an Jacobs rechter Seite. Ich hatte beobachtet, wie sie sich, insbesondere in Gefahrsituationen, durch Blicke verständigen konnten. Die stolze Leah, war Jacob unterwürfig geworden. Er war der anführende Leitwolf. Und sie war seine Beta-Wölfin. Ich verwarf den Gedanken an Jacob. Nichts sollte mich heute runterziehen, denn heute war ein Tag, den ich glücklich mit meiner Familie genießen wollte. In mir flammte die Sehnsucht auf, meine Liebsten zu sehen, ihren Duft zu riechen und ihre glatte Haut zu berühren. Noch ein letztes Mal atmete ich tief ein, und verlies den Balkon leise durch die Türe. Wie auf Samtpfoten tapste ich durch unser kleines Schlafzimmer in den Flur. Der Teppich fühlte sich weich unter meinen nackten Füßen an, und dämpfte meine Schritte zusätzlich, obwohl es eigentlich nicht nötig war. Von meiner neuen Natur aus, war ich in meinem Gang leiser als jede Wildkatze auf der Jagd. Aber es war wohl die Macht der allzu menschlichen Gewohnheit, auch wenn es beinahe drei Jahre her war. Fast lautlos drückte ich die Türklinke zu Renesmees Zimmer herunter und schlupfte hinein. Die Lampe auf dem kleinen Nachttisch, ein Geschenk von Esme, warf

kleine Monde und Sterne an Wände und Decke, und mich erfüllte ein Gefühl von Geborgenheit. Ich schlich zu Nessies Bett und schaute verliebt in das Gesicht meines schlafenden Engels. Sie atmete ruhig und gleichmäßig. So friedlich schlief dieses kleine, wunderschöne Geschöpf und nur ihre Augen zuckten im Schlaf. Mein Herz machte bei diesem Anblick wie gewöhnlich einen kleinen Hüpfer vor Glück. Noch immer konnte ich mich nicht daran gewöhnen wir bezaubernd sie aussah. Zärtlich strich ich ihr über ihre langen, bronzenen Haare. Sie waren so lang und dicht, dass ich sie zu einem Zopf geflochten hatte. Die Menschen starren meine Tochter regelrecht an. Zu unfassbar war diese Schönheit, diese Perfektion bei einem Kind. Mit ihrer Aura zog sie ausnahmslos jeden, ob Mensch oder nicht, in ihren Bann. Ihre klugen Augen waren groß und strahlend, von einem atemberaubendem und warmem Braunton. Viel schöner als meine es waren, wie ich fand. Ihre Haut sah zart aus, wie gepudert. Nicht so wie die von Aro, oder den Rumänen. Sie sah vielmehr aus wie ein blasser, rosa Pfirsich. Und dann erst ihr kleiner, herzförmiger Mund. Wie gemalt strahlte meist ein bezauberndes Lächeln in ihrem Gesicht. Edwards Gesichtszüge wurden in ihrem immer deutlicher, je älter sie wurde. Meine Prinzessin. Zwei Jahre alt, und schlauer als manche Menschen die ich kenne, dachte ich und grinste in mich hinein. Sanft küsste ich sie auf die Stirn, und setzte mich in den Schaukelstuhl neben ihrem Bett. Ich schaukelte vor und zurück, und versank wieder in Gedanken. neben ihrem Bett. Ich schaukelte vor und zurück, und versank wieder in Gedanken. Seit dem Tag, an Nessies Geburt hatte sich alles verändert.

Ich hatte mich verändert. Nicht nur die Tatsache, dass mir statt Steak nur noch Tierblut schmeckte. Schon lange war ich nicht mehr das kleine zerbrechliche Mädchen, dass den Schutz aller im Umkreis von 20 Meilen benötigte. In riskanten Situationen wurde ich nicht mehr versteckt, sondern stand an vorderster Front. Ich war eine Kämpferin, obwohl es Edward nicht behagte. Und ich war das Schutzschild. Natürlich hatte ich mich ganz besonders äußerlich gewandelt. Mein gesamter Körper sah gestreckter aus, obwohl ich nicht größer geworden war, und meine Haltung war um einiges graziler geworden. Nur wenige Wochen hatte es gedauert, was Carlisle sehr erstaunte, da nahmen meine Augen die Farbe von meinem geliebten Topas an. Mein Gesicht erinnerte mich bei jedem Blick in den Spiegel, an eine Sammlerpuppe, obwohl ich mich immer noch darin erkannte. Am liebsten mochte ich jedoch meine Haare. Sie saßen immer perfekt, obwohl ich mir nicht die geringste Mühe gab. Sehr praktisch. Auch mein Kleidungsstil hatte sich sehr verändert. Seit wir unser kleines Häuschen bezogen hatten, verschwanden unauffällig immer mehr meiner Lieblingsstücke aus dem großen Ankleideraum, bis ich irgendwann nur noch Designerkleidung und hohe Schuhe auffand. Ich war zu Alice` persönlicher Modepuppe geworden. Obwohl Edward es niemals zugeben würde, schien es ihm zu gefallen, und so machte es auch mir weniger aus als ich dachte. »Ich will auch Tante Rose…« murmelte Nessie im Schlaf, und zog meinen Blick auf sich. In ihrer Gegenwart war Rosalie eine ganz andere Person. Ihr Gesicht und ihre Stimme veränderten sich, wenn Nessie den Raum betrat. Kaum jemand anderes war Rose wichtiger als meine Tochter. Es war gleichzeitig beruhigend und beunruhigend. Nochmals streckte ich meinen perfekten Körper entspannt und atmete tief

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ein. Es war schon eine Seltenheit, dass ich entspannt und schweigend hier sitzen und nachdenken konnte. In der Regel war immer eines unserer Familienmitglieder zu Gast. Ob es Alice war, die pausenlos mit ihrem Maßband um mich herum schwirrte, und hier und da etwas an mir zurecht zupfen musste, oder Emmett, der herausfordernd und siegessicher zugleich mit seiner Spielekonsole wedelte. In unserem winzigen Häuschen war immer etwas los. Mit meiner neuen Unsterblichkeit hatte ich unheimlich viel Zeit gewonnen. Kein Tag begann mit dem Aufwachen und endete mit dem Einschlafen. Unaufhörlich war meine Anwesenheit gefordert. Als Mutter, als Ehefrau und als Freundin. Beinahe verlor ich mich schon in der Endlosschleife, die sich mein Leben nannte. Doch heute war es still. Und ich genoss es. Natürlich liebte ich jeden einzelnen von ihnen, ob Cullen oder nicht. Für mich gab es keinen Unterschied. Wir waren ein einziges, riesiges, verrücktes Familien-Rudel. Mein verrücktes Familien-Rudel! Doch selbst nach Jahren als festes Familienmitglied der Cullens, konnte ich mich noch nicht an den ständigen Trubel gewöhnen. Deshalb zog ich mich immer gerne nach La Push zurück, wenn ich etwas Ruhe brauchte. Erstaunlicherweise hatte ich in den letzten Monaten in Rachel Black eine gute Freundin gefunden. Schon einige lustige Stunden hatte ich mit ihr in Emily Youngs Haus verbracht. Ich ließ mich hinreißen über die neusten Gerüchte in La Push zu quatschen, und sie zeigten mir wie man traditionelle Gerichte der Quileute kochte. Genauso wie Emily hatte Rachel es mir nie zu Vorwurf gemacht, dass ich einst das Herz ihres Bruders gebrochen, und allein mit meiner Existenz das gesamte Rudel in Gefahr gebracht hatte. Einige Mitglieder aus Sams Rudel schenkten mir immer noch kalte Blicke und rümpften ihre Nase, wenn sie in einen „Frauenabend“ rein platzten,

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doch Rachel und Emily ließen keine negative Bemerkung über ihr Vampirmädchen zu. Genauso wie ich den Einwänden einiger Vampire, zu meiner Freundschaft mit den Wolfsmädchen, trotzte. Ich fühlte mich einfach wohl unter diesen ruhigen, liebenswürdigen Frauen. Genauso wohl wie ich mich immer in Angelas Gegenwart gefühlt hatte. Sie ist ein Mensch der nie zu viel gefragt hatte. Es ist, als hätte sie ein Gespür dafür, wenn man lieber schweigen möchte. Ich fragte mich ob es ihre Gabe beeinflussen würde, wenn sie ein Vampir wäre. Schnell schüttelte ich den Kopf und verdrängte den Gedanken an Angelas Sterblichkeit. Vor einigen Monaten hatte Alice mich in ein großes Modehaus in Seattle geschleppt. Da stand sie plötzlich vor mir. Nur noch ein Kleiderständer mit Unterwäsche trennte uns. Sie starrte mich an, wie ich mit meiner Tochter im Arm, auch meinen Blick nicht von ihr abwenden konnte. Die Sekunden erschienen mir endlos, und ich wagte es nicht zu atmen. Erst als auch Ben zu uns kam, und mit einem lasziven Hemdchen vor ihrer Nase rumwedelte, wand sie ihren Blick von mir ab. Ob sie in mir irgendwo ihre alte Freundin Bella gesehen hatte, oder nur fasziniert von der schönen Frau mit dem engelsgleichen Kind war, beschäftigt mich seither schleichend. In ihrer Gegenwart hatte ich mich immer sehr wohl gefühlt. Ein guter Freund ist jemand, mit dem man Stunden schweigend verbringen kann, und doch das Gefühl hat die beste Unterhaltung seines Lebens geführt zu haben. Mir viel dieser Satz ein, den ich einmal irgendwo gelesen hatte, und ich verspürte eine Sehnsucht Angela wider zu sehen. Auch Jessica und die Anderen Menschen, die sich einmal meine Freunde genannt hatten, spukten mir durch den Kopf. Sie waren älter geworden, bereits einundzwanzig oder zweiundzwanzig. Ich hingegen, die ewig achtzehnjährige Bella. Schnell verschob diesen Gedanken weiter nach hinten in die Gedankenwelt. Ich hatte ein wunderschönes Bild meiner neuen Unsterblichkeit in meinem

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Gefühl. Ein Bild von ewiger Liebe und Freundschaft. Ein Bild von dem Leben, von dem ich lange geträumt, und für das ich so sehr gekämpft hatte. Ich wollte jetzt nicht einmal ein Staubkorn, dass mein vollkommenes Bild trübte. Kein Gedanke an Einschränkungen in meinem neuen Leben. Jetzt noch nicht. Jetzt wollte ich dieses wunderschöne Bild einfach nur genießen. Doch ich wusste, dass ich dieses Staubkorn nicht ewig von meinem Bild wischen konnte. Es würde irgendwann Bestandteil werden. Ich hatte es schließlich auch geschafft, Renée in meinem Leben zu behalten, ohne dass sie von meiner unglaublichen Veränderung wusste. Nach meiner Hochzeit hatte sie nicht auf einen Besuch gedrängt. Es erschien mir ungewöhnlich, doch ich nahm diese Tatsache einfach dankbar an. Meine Mutter wusste noch nicht einmal von der Existenz ihrer Enkeltochter. Ich sah sie vor mir, wie sie weinend ihr Fleisch und Blut in den Arm schließen würde, und ihr tausend Küsse auf ihre Stirn drücken würde, wie sie es auch immer bei mir tat. Genauso wie Charlie würde sie vom ersten Augenblick an wissen, das sie mein Kind ist. Es versetzte mir einen unglaublichen Schmerz, ihr dieses Glück vor zu enthalten. Ich war unendlich dankbar das Charlie all diese unglaublichen, unrealen Dinge hinnahm ohne Fragen zu stellen. Obwohl ich es nie direkt ausgesprochen hatte, wusste er mit Gewissheit, dass es der einzige Weg für unser Zusammensein in Forks war. Ich bin mir sicher, dass das einzige, dass ihn über all diese irrealen Tatsachen hinwegsehen lässt, tiefe und reine Liebe ist. Was könnte einen Menschen sonst so unsäglich selbstlos machen? Bei jedem Besuch freute er sich überschwänglich seine schnellalternde Enkelin zu sehen. Jedes Mal hörte ich sein Herz bei ihrem Anblick schneller schlagen. Mit einem Lachen im Herzen, freute ich mich auch zu hören, dass es ihm bei

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Sue Clarwaters Anblick genauso erging. Ich riss mich aus meinen Gedanken und blickte wieder zu meiner schlafenden Tochter. Wie erwartet spürte ich in meiner Brust ein glückliches Flackern. Vorsichtig erhob ich mich, deckte sie behutsam zu und achtete darauf, sie nicht mit meiner kalten Hand zu berühren. Ich schlupfte aus dem Zimmer und trat hinaus in den Flur. Edwards süßer Duft führte mich die Treppen herunter, in das Wohnzimmer. Am Fuße der Treppe hielt ich inne und betrachtete unbemerkt mein Glück. Edward saß an seinem Flügel, hielt die Hände in einander verschräkt, und die Augen geschlossen. Auf seinen Lippen zeichnete sich ein kleines Lächeln ab. Das war alles was ich zum vollkommen Glück brauchte. Sein süßer Duft aus Honig und Blumen, seine herrliche Stimme die meinen Ohren schmeichelte, und seine festen, und gleichzeitig zarten Berührungen. Ich schritt zu ihm, und legte von hinten meinen Kopf auf seine Schulter und meine Arme um seinen Oberkörper. »Was macht mein Geburtstagskind da?«, hauchte ich ihm ins Ohr. Edward öffnete die Augen und drehte sich innerhalb einer hundertstel Sekunde zu mir um, und zog mich auf seinen Schoß. Akkurat strich er meinen Rock gerade und küsste mich auf den Hals. »Ich denke darüber nach, was für ein Glück so ein alter Knacker wie ich hat, so eine attraktive, junge Dame wie dich zu lieben« Ich lachte leise, und genoss seine Küsse auf meinem Hals. »Genaugenommen bin ich ein Jahr älter als du, Opa Cullen«, scherzte ich zurück. Edward bemühte sich nicht mir zu antworten, sondern wanderte mit seinen Küssen meinen Nacken entlang. Ich erinnerte mich, dass ich früher dabei eine Gänsehaut bekommen hatte, und versuchte durch meine Erinnerung dieses Gefühl wieder zu spüren. »Du hast Nessies Träumen gelauscht, stimmts?«, murmelte ich abgelenkt.

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Er brummte nur zustimmend und drückte mich fester an sich. Ich sah nichts mehr um mich herum, hörte nichts mehr, nahm nur noch deinen Duft und seine Küsse wahr. Plötzlich hob Edward den Kopf und machte einen konzentrierten Gesichtsausdruck. Etwas enttäuscht schob ich die Unterlippe hervor, und wartete auf eine Erklärung, warum er mich aus meinem Paradies riss.

»Carlisle. Er ruft immer wieder unsere Namen. Irgendwas scheint ihn zu beschäftigen« »Und das bedeutet wir müssen…« Und schon war es vorbei mit der Ruhe die ich so genossen hatte. Wir stürzten uns wieder in das Leben einer Großfamilie.

Seufzend erhob ich mich von dem

paar Schuhe an. Wie gewöhnlich benutzten wir das Wohnzimmerfenster um das Haus zu verlassen. Seite an Seite spazierten wir in gemütlichem Tempo zurück zum großen Cullen-Haus, dass Edward immer als sein Elternhaus bezeichnete. Wie mir schon vorhin aufgefallen war, war es erstaunlich ruhig im Wald. Kein Tier, kein Wind, keine Stimmen. Und so genoss ich die letzten, gemeinsamen Augenblicke mit Edward, ehe wir das Haus betraten. Das Wohnzimmer war wieder blitzblank. Alle Überreste dieser Nacht waren bereits beseitigt. Da wir dort niemanden vorfanden, den wir begrüßen konnten, gingen wir sogleich die Treppe hinauf in Carlisle Arbeitszimmer. Zu dieser Nachtzeit studierte er meistens ein dickes Buch, und so fanden wir ihn auch vor. Erstaunt hob es seinen Kopf, als wir das Zimmer betraten. »Edward, Bella kann ich etwas für euch tun?« Mir viel auf, er sah ungewöhnlich müde aus.

Schoß meines Mannes und zog mir ein

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»Ein Paar Stimmchen haben mir geflüstert, dass wir etwas für dich tun können, Carlisle«, antwortete Edward neckisch. Ein kleines Lächeln huschte über Carlisles Gesicht, doch man sah ihm an, dass er sich von Edwards Gabe überrumpelt fühlte. »In der Tat. So setzt euch doch« Er erhob sich von seinem Schreibtisch, rieb sich die Augen und zeigte auf das braune Ledersofa in der Ecke des Raumes. Wir taten, wie uns gesagt worden ist, und setzten uns. Er begann vor uns auf und ab zu gehen, und nach den richtigen Worten zu suchen. Ich blickte zu Edward und sah, wie er sich auf seine Gedanken konzentrierte. Die Tatsache, dass er immer unzufriedener aussah, beunruhigte mich. »Ihr wisst wie sehr ich Nessie liebe« begann er endlich. Es war keine Frage, und so schwiegen wir. »Die Sache ist die, Esme und ich feiern bald unseren Hochzeitstag, aber fragt mich bitte nicht den wievielten« Als er das sagte, leuchteten seine Augen auf, so wie sie es immer taten wenn er von Esme sprach. »Ich würde sehr gerne, eine romantische Woche mit ihr auf ihrer Insel verbringen« Er sah uns verschwörerisch an, und ich bin mir sicher, wenn ich es noch gekonnt hätte, wäre ich jetzt rot geworden. »Und was ist mit Nessie?«, fragte ich vorsichtig und blickte zu Edward, wie er die Stirn runzelte, und die Arme verschränkte. Carlisle blieb stehen, und sah mich bittend an. »Es würde Esme, eine rießen Freunde machen, wenn Renesmee uns begleiten dürfte« Ich erschrak ein wenig. Eine Woche lang, sollte sie uns verlassen? Ehe ich etwas sagen konnte, ergriff Edward das Wort. »Das können Bella und ich nicht alleine entscheiden. Ich weiß nicht ob es

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auch Nessies Wunsch ist. Es wäre das erste Mal für sie, und lange Zeit ohne ihren Jacob, und ohne uns« Nur am Tonfall seiner Stimme erkannte ich, das es nicht in erster Linie um die Entscheidung von Renesmee ging, sondern darum, dass er seinen Liebling, seine einzige Tochter ungern hergab. Das entging auch Carlisle nicht. »Ich verstehe dich mein Sohn. Natürlich verstehe ich dich« Trotz seiner Worte, lies er enttäuscht den Kopf hängen. Es war nicht zu übersehen, wie gerne er Esme diese spezielle Freude machen würde. »Nun Edward, ich werde wohl nicht gegen deine Bedenken ankommen« »Wir werden mit Renesmee sprechen. Sie war noch nie im Urlaub«, fuhr ich ein. Ich fand irgendwie wir müssten unsere Kleine mit der Familie teilen. Ohne die Hilfe von allen zusammen, würden wir heute nicht so ein Glück erleben dürfen. Ich sah schon Esmes strahlendes Gesicht vor mir, obwohl es mir einen kleinen Stich ins Herz versetzte, wenn ich daran dachte, sie eine ganze Woche nicht zu sehen. Carlisle blickte nun flehend zu mir. »Ich versichere euch, eurer kleinen Prinzessin wird nichts geschehen. Natürlich könnt ihr auch einige Tage mit uns auf der Insel verbringen« »Wir sollten nach Hause. Sie wird bald aufwachen«, bemerkte Edward etwas unfreundlich, und beendete somit das Thema. Ich blickte Carlisle mit entschuldigendem Blick an und erhob mich. »Ja, es ist schon Morgen, wir sollten aufbrechen«, sagte ich und schaute durch das große Fenster auf den Sonnenaufgang. »Wir werden uns mit Nessie unterhalten, und berichten dir heute Abend von ihrer Entscheidung« Ich nahm ihn sachte zum Abschied in den Arm. »Und ruh dich einmal aus, du siehst gar nicht gut aus« Eine Reise nach Brasilien würde ihm gut tun. Mit einem geschickten Sprung, befanden wir uns wieder im Wald. Meine Sprünge sahen so elegant aus, im Vergleich zu den seltsamen

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Verrenkungen die ich als Mensch gemacht hatte, so nutze ich jede Gelegenheit um zu springen. Haustüren kannte ich nur noch bei Charlie oder Jacob. Der Wald war aufgewacht, und überall hörte ich das rascheln und knabbern von Tieren. Die Luft war kälter geworden und ich roch das aufkommen eines Sturmes. Anders als auf dem Hinweg, beschleunigten wir unser Tempo, und betraten in wenigen Minuten unser Heim. Schweigend schlichen wir die Treppe hinauf zu Renesmees Zimmer. Schlafend und schön wie eh und je lag sie in ihrem Bett und seufzte. Voller Stolz und Glück in den Augen betrachtete Edward seine Tochter und streichelte ihre kleine Hand. Ich blickte von Edward zu Renesmee, von Reneesme zu Edward. Von meinem wunderschönem Kind mit den perfekten Gesichtszügen, den seidigen Haaren und dem gelben Schlafanzug - zu - meinem unglaublichen Mann mit dem muskulösen Körper, dem schiefen Lächeln und dem glitzern in den Augen. Da überkam es mich. Ich wollte so viel Glück nicht nur sehen, sondern berühren und wahr haben. Ohne Vorwarnung trat ich an ihn heran, und drückte ihn in den Schaukelstuhl neben Nessies Bett. Mit einer Bewegung schmiegte ich mich auf seinen Schoß und drückte meine Lippen auf seine. Überrascht und überwältigt drückte er mich an sich, und erwiderte meinen Kuss. Unsere Küsse und Brührungen verschmolzen mit einander, und ich betete, dass die Ewigkeit genau so aussah.

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