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A170_01

Studierendenmagazin der Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen

pflichtlektüre
1o2009  www.pflichtlektuere.com

Comeback
fürs Diplom?
Professoren der Ruhrgebiets-Unis
proben Aufstand gegen den Bachelor

Besser studieren in Maastricht


Kein Nachtleben, aber Mini-Seminare: Für wen sich der Wechsel lohnt

Die heimliche Königin der Mensa


Knapp 150 Studenten feiern Kassiererin Sandra Korff im StudiVZ
S02 VOR-SPIEL A367_02

Was geht

A
nerkennung suchen wir alle. Er inszeniert Monologe, basierend auf
Deshalb finden Bohlen und echten Interviews von Menschen, die
Co. auch immer wieder Men- alle eins gemeinsam haben: Sie suchen
schen, die sich vor der Kamera Anerkennung.
der Lächerlichkeit preisgeben.
Genau davon handelt Frank Abts Insze- Auf der Bühne sprechen die Schauspie-
nierung „Superstars“, die am 31. Oktober ler für die Interviewten. So verkörpert
im Bochumer Schauspielhaus Premiere Jele Brückner zum Beispiel ein Mädchen,
hatte. dass schon mit 16 für den Film entdeckt
wurde. Ob es die Band letztendlich zu
Zu Beginn des Stücks stellen sich die ihrem großen Auftritt schafft, ist noch
Schauspieler wie in einer Castingshow bis zum 26. Dezember im Bochumer
per Videoaufnahmen vor. Sie alle haben Schauspielhaus zu sehen.
einen Traum; sie wollen eine Band grün-
den und ein paar Wochen auf Tournee Alle Termine und wie Studenten güns-
gehen. Allerdings gibt es ein kleines tig an Tickets kommen steht auf:
Problem: Ahnung von Musik hat nur ei- www.pflichtlektuere.com
ner - Torsten Kindermann. Die Anderen 
haben noch nie ein Instrument gespielt. tt/foto: Veranstalter
Wieso die Fünf trotzdem als Musiker
berühmt werden wollen? Abt zeigt es.

Neulich in Deutschland

A
ls ich vor Jahren zum ersten und ganze ungarische Buchstaben feh-
Mal in Deutschland war, len. Da hatte ich die Idee, fürs nächste
überraschte mich völlig, dass Mal den Brief bereits zu Hause zu sch-
englische Filmtitel meist reiben und dann mitzubringen. So frag-
nicht übersetzt sind. Später te ich den Mann an der Information,
hörte ich von der „Denglisch“-Erschei- ob ich meinen „Pen Drive“ hier benut-
nung - also, dass die Deutschen in ihrer zen darf, wie wir auch im Ungarischen
Sprache viele englische Wörter benut- sagen. Er guckte jedoch verständnis-
zen. Deshalb bedeutet das ungarische los. Ich hatte leider keine Ahnung,
Wort „smink“, das bestimmt aus dem was "Pen Drive" auf Deutsch heißt.
Deutschen kommt, wohl „Make-up“.
Also dachte ich - wenn dir ein Wort auf Stimmt das mit dem Denglisch viel-
Deutsch nicht einfällt, sag es einfach auf leicht doch nicht? „Ein kleines Gerät,
Englisch, man wird es kaum merken. man kann es in den Rechner einste-
cken und Dateien speichern“, versuch-
Später wollte ich meine erste E-Mail te ich zu erklären. „Ah, USB-Stick mei-
nach Hause schreiben und setzte mich nen Sie!“ foto: nm
an einen PC in die Uni-Bibliothek. Doch
schon das Einloggen machte Probleme. Judit Revész kommt aus Ungarn und stu-
Ich versuchte es dreimal, bis ich merk- diert während ihres Auslandsemesters
te, dass auf der deutschen Tastatur „0“ Journalistik in Dortmund.
nicht vor „1“ steht, „Ctrl“ „Strg“ heißt,

Wissens-Wert

I
m Ruhrpott ist es grau und schmut- Zeichnung hat das maximal drei Zen-
zig. Heißt es. Dabei sind es gerade timeter große Insekt jedoch wenig mit
die alten Zechen und Industrieanla- einem Raubtier gemeinsam. Genau wie
gen, auf denen sich die Natur breit der Klebrige Alant, welcher auf der Ro-
macht. 10.000 Hektar im Ruhrgebiet ten Liste der bedrohten Pflanzen steht,
sind Industriebrachen – Platz für Flora ist die Tigerspinne ursprünglich im
und Fauna. Mittelmeerraum beheimatet. Von noch
weiter her, aus Südafrika, stammt das
„Das Ruhrgebiet zählt zu den arten- Schmalblättrige Greiskraut. Auf den
reichsten Gebieten in ganz Nord- großen Industriebrachen wie der Ze-
rhein-Westfalen“, sagt Peter Keil, Ge- che Zollverein in Essen oder dem Land-
schäftsführer der Biologischen Station schaftspark Duisburg-Nord sind bis zu
Westliches Ruhrgebiet. Denn der Boden 500 Pflanzenarten nachgewiesen. In
ist kein natürlicher, sondern besteht fast jeder Stadt im Ruhrgebiet gibt es
aufgrund der industriellen Nutzung mittlerweile Flächen, wo es wächst und
aus Schotter, Schlacken, Aschen und gedeiht. Hier finden auch spezielle Füh-
anderen Materialien. Diese Zusammen- rungen statt. In Dortmund in der Koke-
setzung lockt seltene Pflanzen und Tie- rei Hansa (siehe Foto), in Bochum im
re an, beispielsweise die Tigerspinne. Westpark.
Abgesehen von ihrer gelb-schwarzen kas/foto:nm
A170_03 START-BLOCK S03

HERZ-STÜCK diesmal Zur Ausgabe

A
Kommt das ls im Sommer 2008 der erste Bachelor-Jahrgang in
Diplom zurück? die Lehrredaktion der pflichtlektüre kam, war ich ge-
Es brodelt an schockt: Die Studenten, die ab sofort während ihres
den Unis. Journalistik-Studiums diese Zeitung machen sollten,
waren gestresst, bevor es überhaupt losging. War-
um? Chaos, verschulter Stundenplan, viele Credit Points.

S08 Nun protestieren Professoren der


TU Dortmund gegen das Bachelor-/
Master-System. Kaum einer, den wir
während der Recherchen zu unserem
Herz-Stück (Seiten 8 bis 12) fragten,
unterstützt die neuen Studiengänge.
Unisono heißt es: Früher war alles
BOCHUM besser.

S04 … Kultig: Eine Kassiererin in der RUB-Mensa sammelt Fans im StudiVZ. Seit diesem Sommer ist der zweite
B.A..-Jahrgang in der Redaktion. Das
S06 … Wenn der Wecker dreimal klingelt: Warum frühe Vorlesungen so nerven. Chaos des ersten Mals hat sich gelegt.
Einige Schwächen des Bachelors haben sich relativiert, andere
HERZ-STÜCK haben sich manifestiert. Was eindeutig fehlt, ist Flexibilität.

S10 … Erfolgreicher Kampf gegen den Bachelor: Greifswald macht‘s vor. Die TU-Profs möchten deshalb das Diplom zurück und es pa-
rallel zum Bachelor und Master anbieten. Welche Erfolgsaus-
RUHR-BLICK sichten ihre Pläne haben: Seite 8.

S12 … Wenn Headhunter nach Holland locken: Ein Besuch in Maastricht.

DIENST-BAR

S14 … Kabarrett, Kultur, Konzert: Wir schmeissen euch vom Sofa.

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S04 BOCHUM: MITTEN IM LEBEN A170_04

Kult an der Kasse


Sandra Korff besticht durch ihren freundlichen Charme im tristen Unialltag. Im StudiVZ
gestehen 150 Studenten der Kassiererin ihre Liebe.
werk AKAFÖ angestellt
und arbeitet an der Kas-
se, seit 1987 zusätzlich in
der Küche. Ab sechs Uhr
morgens sortiert sie den
Salat für das Buffet. Dabei
trägt sie natürlich Plastik-
handschuhe, ihren Kittel
wechselt sie jeden Tag,
denn in den 25 Jahren sind
die Hygienevorschriften
kontinuierlich gestiegen.
Vierteljährlich steht eine
unangemeldete Kontrolle
an. „Hygienischer als hier
geht es gar nicht“, sagt sie.
Nach einer kurzen Mit-
tagspause um neun geht
es für die gelernte Friseu-
rin an die Kasse. Ob sie ih-
re Arbeit monoton finde?
Ganz und gar nicht, sagt
sie: „Ich finde, hier ist es
nicht so 0815 wie im Su-
permarkt.“ Sie kennt ihre
Kunden, die Kunden ken-
nen sie – und lieben sie.

Echt freundlich
Diana Gerdes gründete
die Liebesgruppe im Stu-
Sandra Korff arbeitet seit 26 Jahren an der RUB. diVZ: „Frau Korff ist ein-
Nun hat sie ihre eigene StudiVZ-Gruppe. fach die Beste. Sie ist mir
schon direkt aufgefallen,

D
als ich das erste Mal bei ihr an der Kasse stand.“
er Himmel über dem Bochumer Campus zu einem Zopf zusammengebunden. Gleich fährt Während die anderen Kassiererinnen einen noch
ist grau an diesem Herbsttag. Gestresste sie gemeinsam mit ihrem Mann, der das Men- nicht mal angucken würden, sei Frau Korff immer
Studenten hetzen in die Mensa, schnap- saessen in umliegende Cafeterien und Mensen super nett und bringe Sonne in den tristen Uni-
pen sich ihr Tablett mit dem Tagesmenü transportiert, ins münsterländische Olfen. Zurück alltag – vor allem im Wintersemester. „Ich wollte
und quetschen sich in die viel zu lan- aufs Dorf. Ja, erklärt sie stolz, dass sie bei StudiVZ Frau Korff mit der Gruppe ein bisschen was zu-
ge Warteschlange, um zu bezahlen. Doch an der einen Fanclub habe, wisse sie. rückgeben, denn so eine echte Freundlichkeit tut
Kasse gibt es ihn dann, den Aufheller des Tages: heutzutage schon ganz gut.“
„Mahlzeit! 2,50 Euro bitte... danke! 50 Cent zurück! „Ich habe mich riesig gefreut, als mir eine Stu-
Danke, einen schööönen Tag noch!“, erklingt die dentin das erzählt hat“, erinnert sich die 45-Jähri-
angenehme Stimme der Kassiererin - Frau Korff ge. Sie lacht herzlich, ihre Wangen erröten. Dabei Leibgericht Sauerbraten
in Aktion. findet sie ihre Freundlichkeit eigentlich total nor- Was es in der Mensa mal wieder geben sollte? So
mal, ihre Kolleginnen seien doch auch sehr nett. ein Sauerbraten wäre mal was feines, findet die
Viele Bochumer Studenten lieben sie. In der ei- „Ich bin kein muffeliger Mensch. Das kommt von Kassiererin. Ihr Leibgericht kocht sie oft am Wo-
gens für sie gegründeten StudiVZ-Gruppe „Wir innen heraus“, sagt sie. Und außerdem mache es chenende für ihren Mann und ihren 23-jährigen
lieben Frau Korff von der Mensakasse“ heißt es: ihr ja auch Spaß mit den Studenten zwischendrin Sohn – wenn er denn zu Hause ist. Abends in der
„Sie besticht durch ihr unglaublich freundliches mal zu klönen. Ihr Credo: „Wie man’s in den Wald Woche bleibt für ausgiebiges Kochen meistens
Auftreten an der Kasse der Mensa, an der sie im- ruft, so schallt es heraus.“ keine Zeit mehr. Dann strickt sie lieber, guckt ein
mer wieder die gleiche Strophe runterrattert, ei- wenig Fernsehen oder kümmert sich um die Fi-
nen Lichtblick in das triste Unileben bringt und sche im Gartenteich. Oder führt ihren Yorkshire
dabei nie müde wird.“ Fast 150 Studenten geste- Uni-Urgestein Hund aus. Lucky heißt er. Wie auch sonst?
hen ihr hier ganz offiziell ihre Liebe. Als Urgestein der Uni hat sie schon viele Studen-
ten kommen und gehen gesehen, da merkt sie
auch schon mal, wenn jemand plötzlich nicht
Eigene Fangruppe mehr da ist. Macht sie aber auch schon mal ne-
Am Nachmittag sitzt Sandra Korff auf der Leder- gative Erfahrungen an der Kasse der RUB-Mensa? text Tobias Fülbeck, Anna-Lena Wagner
couch im Bistro und wartet auf ihren Mann. Neun „Es sind nur ein paar Momente, da denke ich mir: foto Tobias Fülbeck
Stunden Arbeit hat sie zu diesem Zeitpunkt be- Oh mein Gott.“ Das seien aber die Ausnahmen.
reits hinter sich. Sie trägt über ihrem T-Shirt eine „Ich hab nie richtig schlechte Erfahrungen ge-
Jeansjacke, ihr lockiges blond-graues Haar hat sie macht.“ Schon seit 1983 ist sie beim Studenten-
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Informationen der Offensive „Hochschule ist Zukunft”


Hochschule Aktuell

KURZ NOTIERT

DUISBURG/ESSEN
Studierende
auf Kurs
Einblicke in das Berufs-
feld des Fluglotsen erhalten
Komedia-Masterstudieren-
de der Uni Duisburg-Essen
bei einem Forschungspro-
jekt für das Eurocontrol
Maastricht Upper Area
Control Center. Sie sind ein-
gebunden in ein internatio-
nales Programm, das die
Arbeitsbedingungen von
Fluglotsen weiter verbes-
sern soll. Im Rahmen des
Projektes werden Metho-
den entwickelt, die auch
künftig für einen sicheren
Flugverkehr sorgen sollen.
www.uni-due.de

DORTMUND
Fitness wird Positiv sein. Wer sich richtig bewirbt und dabei Persönlichkeit zeigt, hat gute Chancen, den neuen Job zu bekommen.

gefördert
Alle Studierenden kön-
nen sich ab jetzt bei den
Einführungskursen für das
Fitnessförderwerk der TU
Dortmund anmelden. Die
Persönlichkeit gesucht
wöchentlichen Kurse um-
fassen das Training an Ge-
Experten-Tipps für den erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben
räten mit persönlicher Be-
wegungskorrektur sowie

G
die Erstellung eines indivi- ute Ratschläge für den men?”, rät Fischer. gen schreiben als wahllos
duellen Trainingsplans. richtigen Start in den Gute Noten allein sind 100 Bewerbungen streuen.
www.hs.tu-dortmund.de/ Job bekommt man nie auch bei Haniel kein Türöff- Auch Initiativbewerbungen
ffw/einstieg/einfueh- genug – insbesondere dann ner. Die Recruiter des Duis- können durchaus etwas brin-
rungskurse-1 nicht, wenn sie aus erster burger Konzerns setzen, ne- gen – wenn sie auf den Punkt
Hand kommen. ben dem Talent zur Führung, formuliert sind.”
BOCHUM Wir haben Personalver- auf die Authentizität der Be-
Gespräche
antwortliche nach ihrem Ide- werber.
eLearning albild des Jobeinsteigers be- „Zeigen Sie uns, wer Sie
üben
fragt. Dabei kam heraus: Ge- sind!” – lautet der Aufruf des Die Bewerbung muss mit-
mit Moodle fragt sind Persönlichkeiten Energieunternehmens reißen und ein überzeugen-
Als Ergänzung zum mit klaren Vorstellungen – E.ON. Hier zählen nicht nur des Bild des Bewerbers lie-
Blackboard können Studie- immer vorausgesetzt, die Ba- Fähigkeiten und Stärken, fern. Klingt einfach. In der
rende an der Ruhr-Universi- sisqualifikationen stimmen. sondern auch private Hob- Praxis tun sich viele Jobein-
tät Bochum die zusätzliche bys und Interessen. Vorran- steiger zu Anfang schwer, ih-
Bloß nicht
Lernplattform Moodle als gig bewertet werden neben re Stärken gekonnt heraus-
verbiegen
Testsystem nutzen. Damit dem Hochschulabschluss die zustellen. Fischer rät, sich
erweitert die Universität Karriere hin oder her: Je- persönliche und soziale Zeit für Bewerbungen zu
die möglichen eLearning- der Jobeinsteiger sollte ver- Kompetenz, die Kommuni- nehmen und Bewerbungsge-
Lehr- und Lernszenarien für suchen, sich selbst treu zu kationsfähigkeit, Kreativität spräche zu üben: „Man sollte
alle Nutzerinnen und Nut- bleiben. „Schließlich bleibt und die interkulturelle Aus- nicht gleich das erste Ge-
zer. Informationen zur neu- man im Idealfall mehrere richtung der Absolventen. spräch mit dem absoluten
en Lernplattform bietet das Jahre im Unternehmen, da Auch bei Signal Iduna Erfolg haben. Das richtige Studi- Wunschunternehmen füh-
RUBeL-Team. muss es einfach passen”, er- steht die Persönlichkeit des um öffnet viele Türen. ren.” Minuspunkte bringen
www.rubel.rub.de/elear- klärt Dr. Stefan Fischer, Per- Bewerbers im Mittelpunkt. ganz klar schlechte Vorbe-
ning/rss.htm sonalleiter bei MAN Ferro- Absolventen, die beim Dort- reitung und übersteigerte
staal in Essen. Bei 1.000 Be- munder Versicherungskon- hat also gute Chancen auf Ansprüche. „Manchmal ge-
werbungen auf 20 Trainee- zern als Vertriebs-Trainees den Traumjob – vorausge- winnen wir bei Gesprächen
stellen muss der Bewerber einsteigen wollen, sollten so- setzt, die Basisqualifikatio- den Eindruck, der Bewerber
durch eine persönliche Note, ziale Kompetenz und Ein- nen sind ebenso überzeu- weiß gar nicht genau, in wel-
Engagement und Motivation fühlungsvermögen mitbrin- gend. Ein möglichst gut abge- chem Unternehmen er gera-
auffallen. „Wir wollen Per- gen. Schließlich müssen sich schlossenes Studium, Prakti- de sitzt”, erzählt Fischer.
Eine Informationsoffensive sönlichkeiten, keine stromli- die künftigen Versicherungs- ka und Auslandserfahrung „Das sind die schlechtesten
des Ministeriums für Inno- nienförmigen Mitarbeiter. experten in unterschiedlichs- sind das beste Rüstzeug für Voraussetzungen für ein er-
vation, Wissenschaft, For- Außerdem ist jedes Unter- ten Beratungssituationen in den Jobeinstieg. folgreiches Gespräch.”
schung und Technologie nehmen anders, hat seine ei- die Kunden hineinversetzen Ein erfolgreicher Jobstart
des Landes Nordrhein- gene Kultur. In das eine Un- können. hat auch viel mit Leiden- i Starter-Tipps im Internet:
Westfalen, der nordrhein- ternehmen kann ein Absol- schaft und sorgfältiger Pla- www.abi.de
Sorgfältig
westfälischen Hochschulen vent hervorragend passen, in nung zu tun. Konkrete Vor- www.hochschule-ist-zukunft.de
planen
und der Regionaldirektion das andere überhaupt nicht. stellungen überzeugen Per-
Nordrhein-Westfalen der Diese Frage sollte sich übri- Wer bei Bewerbungen die sonalverantwortliche. Stefan Nützliche Infos im E-Journal:
Bundesagentur für Arbeit. gens jeder stellen: Passe ich eigene Persönlichkeit ge- Fischers Tipp: „Lieber zehn www.hochschule-ist-zu-
überhaupt in das Unterneh- konnt ins richtige Licht setzt, ausgewählte Top-Bewerbun- kunft.de/ejournalaktuell
S06 BOCHUM: IM HÖRSAAL A170_06

Mein Feind, der Wecker


Erst um Mitternacht topfit? Unsere Gene bestimmen, wann wir in Hochform sind. Trotzdem
kann man frühes Aufstehen trainieren.
notypen. Er erklärt, welche Verhaltensmerkmale
Menschen je nach Tagesphase zeigen: den Typen,
der vor Konzentration und Motivation am Mor-
gen nur so platzt und freiwillig die Frühschicht
wählt. Oder den, der die Anwesenheitspflicht vor
Mittag am Liebsten abschaffen und ein Fernstu-
dium ab zehn Uhr abends absolvieren würde. Ei-
ne völlige Umerziehung ist unmöglich.

Tatendrang um Mitternacht
Für Eulen-Studis, die um viertel nach acht topfit
sein müssen, kann das eine besondere Herausfor-
derung sein. So geht es auch Paul. Der 24-Jährige
studiert Umwelttechnik und Ressourcenmana-
gement (UTRM) im siebten Semester und ist ein
klarer Nachtmensch: „Ich werde gegen acht Uhr
abends total müde, wenn ich aber meinen toten
Punkt überwunden habe, bin ich gegen Mitter-
nacht oft voller Tatendrang.“ Wenn er morgens
zum Seminar muss, ist er gerädert: „Dann quäle
ich mich mit schmerzverzerrtem Gesicht in die
Uni. Wenn meine Veranstaltungen vorbei sind,
gehe ich direkt schlafen.“ Seine Nachtaktivität
wäre aber vorbei, wenn er nach seinem Studium
einen Vollzeitjob antreten würde.

Dabei könnte eine gute Vorbereitung am Abend


das frühe Aufstehen für die Umstellung in ein
Berufsleben erheblich erleichtern. Für Danny
Adams, Motivationstrainer aus Köln, beginnt die
Herausforderung nämlich vor dem Schlafenge-
hen. Er erinnert daran, dass jeder Mensch sechs
bis neun Stunden Schlaf braucht: „Die Disziplin
liegt im frühen Schlafengehen! Daran scheitern
die meisten.“ Auch die zweite Vorbereitung zum
Aufstehen beginnt abends: „Setze dir abends ein
Ziel für den nächsten Tag. Etwas Angenehmes“,
sagt er. „Wer einen motivierenden Grund hat, re-
gelmäßig die warme Decke hinter sich zu lassen,
der wird sich besser überwinden können: Das
kann in den ersten Wochen eine süße Belohnung,
eine spannende Aufgabe oder die Erfüllung eines
lang gehegten Wunsches sein.“

Frühe Vorlesungen und Seminare sind


nicht für jeden was.
Wasser macht munter
Richtige Nachtmenschen brauchen für die Um-
stellung sicher einige Wochen Disziplin, bis sie

E
sich eingewöhnt haben. Danny rät deswegen zu
s ist ein Phänomen, das vor allem zu Se- stimmen. Na, was bist du? Lerche oder Eule? kleinen Schritten: „Mach es dir so leicht wie mög-
mesterbeginn auftritt: Studenten mu- Frühaufsteher oder Langschläfer? Und: Kön- lich. Das Schlimmste sind unrealistische Ziele,
tieren zu Eulen oder Lerchen. Die Ruhr- nen morgenmuffelige Kauze etwas gegen ihre die überhaupt nicht zu deinem Verhalten passen.
Universität beheimatet dann eine große schlechte Laune und geringe Lernbereitschaft Anstatt auf einmal den Sprung von elf Uhr mor-
Population an Eulen – Nachtschwärmer, in der Frühe tun? gens auf sechs Uhr zu machen, wäre doch neun
für die der Morgen erst gegen Mittag beginnt oder zehn Uhr ein erster Kompromiss.“
und die frühe Vorlesungen verfluchen.
Der eigene Biorhythmus Ist nun der Geist willig, sollte auch das Fleisch für
Diese Studierenden flattern dann vor allem in Der Genpool hat die Frage nach dem Lerchen- den Tag in Schwung gebracht werden. Dabei soll-
den frühen Morgenstunden unpünktlich in die oder Eulentyp bereits beantwortet. Die Aus- te man aber nicht zum Klassiker unter den Wach-
Seminarräume, kauern sich still in dunkle Ecken. schüttung eines Hormons in der Zirbeldrüse machern, Käffchen mit Kippe, greifen, warnt Jens
Von dort aus beobachten sie mit stillen, bösen des Zwischenhirns bestimmt den Biorhythmus Lühmann. Der Sportwissenschaftler hat sich in
Blicken die Frühaufsteher – die Lerchen, die in jedes Menschen. Wann wie viel Melantonin seiner Abschlussarbeit mit gesunder Ernährung
den ersten Reihen ihren hellwachen Gesang an- zur Verfügung steht – das bestimmt den Chro- beschäftigt: „Da man im Laufe der Nacht auch
A170_07 BOCHUM: IM HÖRSAAL S07

Flüssigkeit verliert, muss auf jeden Fall der Was-


serhaushalt wieder ausgeglichen werden.“ Bei
Max-Planck-Preisträger Ruhr-Uni gründet
den Erwachsenen könnte es gerne auch eine Tas-
se Kaffee sein, aber da dieser dehydrierend wirkt, baut neue Einrichtungen eigene Stiftung für
sollte man auf jeden Fall eine andere Flüssigkeit
zum Ausgleich zu sich nehmen. Neben einem an der RUB auf Studenten
großen Glas Wasser braucht der Körper auch ein
leichtes, aber sättigendes Frühstück. Jens emp- Der mit 750.000 Euro dotierte Max-Planck-For- Verantwortung übernehmen und neue Ideen
fiehlt vollwertige Kohlehydrate in Form von Brot schungspreis ging in diesem Jahr an den renom- fördern – unter diesem Motto gründete die Ruhr-
oder Müsli, denn die machen auch über die erste mierten amerikanischen Philologen Prof. Dr. Karl Universität Bochum nun ihre eigene Stiftung.
Vorlesung hinaus satt. Frisches Obst oder Gemü- Galinsky – und davon profitiert nun auch die Diese soll Studenten und Nachwuchswissen-
se ist nicht nur gesund, sondern regt durch bunte RUB. Denn mit diesem Preisgeld wird der Philo- schaftlern eine Werte- und Weiterbildung er-
Farben auch den Appetit an. loge nun eine Nachwuchsforschergruppe zur Ge- möglichen.
dächtnisforschung und Religionsgeschichte an
Das gute Frühstück ist es auch, was Geschichts- der Ruhr-Universität Bochum aufbauen. Zu den Vorstandsmitgliedern gehören RUB-Rek-
student und Lerche Dennis täglich aus dem Bett tor Prof. Elmar Weiler, Kanzler Gerhard Möller
treibt. Unter der Woche steht er nicht nur um „Mit diesem Preis gelingt es uns, einen hoch- und Prorektorin für Lehre, Prof. Uta Wilkens. Ein
sechs Uhr auf, mehr noch: „Ich komme eigent- rangigen Forscher zeitweise und zugleich nach- erstes Ziel sei es, wissenschaftlichem Nachwuchs
lich immer gut aus dem Bett, schließlich ist die haltig an die Ruhr-Universität zu binden“, freut zu ermöglichen, an die besten Plätze der Welt, zu
nächste Aktion die Nahrungsaufnahme. Mein sich Prof. Dr. Reinhold F. Glei vom RUB-Seminar Konferenzen oder anderen Institutionen zu rei-
Trick: aufstehen, frühstücken, wieder für eine für Klassische Philologie. Glei hatte Galinsky für sen. „Mit der Stiftung finden Spender ein seriöses
halbe Stunde ins Bett legen.“ Die Macht der Ge- die Nominierung vorgeschlagen. „Wir erwarten und innovationsfreudiges Umfeld“, sagt Weiler.
wohnheit hat ihn zum Frühaufsteher gemacht: davon entscheidende Impulse für die hiesige
„Ich kann morgens besser arbeiten, und man hat Forschungslandschaft.“ Galinsky betreut bereits Die Ruhr-Uni baut ihre Stiftung zunächst aus
mehr vom Tag.“ Gegen Mitternacht ist aber auch Forschungsarbeiten in den USA, Argentinien, eigenen Mitteln auf, das Stiftungsvermögen
sein Arbeitstag beendet. Dennis hat nämlich ge- Griechenland und Deutschland. „Seine reichhal- beträgt derzeit eine Million Euro. „Um auch zu-
merkt, dass es ihm nicht gut tut, in stressigen tigen Erfahrungen in neuen Methoden der Gra- künftige Herausforderungen zu meistern, ist der
Phasen seines Studiums nur vier oder fünf Stun- duierten- und Postgraduiertenförderung sowie Stitungszweck in der Satzung sehr offen formu-
den Schlaf zu bekommen. Am Wochenende oder in der kooperativen Forschung lassen nur höchs- liert“, beschreibt Kanzler Möller. Das Ziel lautet
nach Partys schläft aber auch er aus – bis neun te Erwartungen zu“, sagt Glei weiter. im Allgemeinen, Forschung und Lehre, Bildung
Uhr. Dann sind die Eulen wohl noch in ihrer Tief- und Wissenschaft sowie künstlerische, kulturelle
schlafphase. Ab diesem Wintersemester und für einen Zeit- und sportliche Aktivitäten zu fördern. Vor allem
raum verteilt auf drei Jahre wird Prof. Galinsky sollen junge Menschen, so die Verantwortlichen,
für mehrere Aufenthalte an die Ruhr-Uni kom- in Kontakt mit anderen Menschen, Kulturen und
text Julia Kämpken men. In der Jury-Begründung heißt es, Galinsky Netzwerken kommen und so ihren Horizont und
foto Nadine Maaz sei „einer der vielseitigsten und innovativsten ihr Verständnis der Zusammenhänge wirtschaft-
Köpfe in der Kulturschöpfung. Er stellt bedeuten- lichen, politischen und sozialen Handelns in in-
de Verbindungen zwischen der modernen Zivili- ternationalem Maßstab in einer globalisierten
sation und der Antike her.“ ks Gesellschaft zu erweitern. ks

pflichtlektüre empfiehlt
E-Book-Reader im Test Das große DDR-Quiz
E-Book-Reader sind weiter Ossis sind pessimistisch und im Wessiland gibt es
auf dem Vormarsch. Zu- nur Besserwisser: Vor 20 Jahren fiel die Berliner
mindest gefühlt. Was die Mauer. Vorurteile gibt es immer noch. Wir sprachen
elektronischen Bücher den mit Studenten, die trotzdem die innerdeutsche Gren-
Studierenden im Uni-Alltag ze übertraten. Außerdem wollten wir wissen, wie gut
tatsächlich bringen, hat sich unsere Generation mit der DDR auskennt: Wisst
pflichtlektüre-Autor Tobias ihr, wo die Grenze zwischen den deutschen Staaten
Fülbeck eine ganze Woche verlief? Könnt ihr Nutella vom ostdeutschen Pendant
lang getestet. Sein Fazit ist unterscheiden? Erkennt ihr die gängigen Ostsongs?
durchwachsen – aber nicht

In der Welt des Fetisch


vernichtend. Schließlich
rüsten auch im Ruhrgebiet
immer mehr Universitätsbi-
bliotheken ihren Bestand an Fetischisten kommen im Dortmunder Fetisch-Geschäft
E-Books auf. Demask voll auf ihre Kosten. Es steht auf dem ehemaligen
Gelände des Ostbahnhofs. Die Geschäfts-Inhaber Jens
und Tanja Vogt haben nur einen kleinen Kundenstamm.
Denn: Obwohl die Akzeptanz in der Gesellschaft gewach-
sen ist, ganz offen über ihren Fetisch reden, können die
Betroffenen immer noch nicht.

Mehr auf dem neuen Online-Portal: www.pflichtlektuere.com


S08 HERZ-STÜCK A367_08

Es riecht nach
Revolution
Dortmunder Dekane fordern das Diplom zurück. Sie spre-
chen vielen Studenten und Professoren aus der Seele.
Aber NRW-Wissenschaftsminister Pinkwart mauert. TU-
Rektorin Gather sieht sich machtlos.

Z
ehn Jahre nach Beginn des Bolognapro- Der Initiator des Professorenprotestes
zesses verschärft sich der Protest gegen Walter Krämer sagt: „Bachelor und Mas-
das verschulte Studiensystem. Erstmals ter sind Micky-Maus-Abschlüsse, ge-
machen Professoren an den Universitä- sichtslos und nicht zu unterscheiden.“
ten des Ruhrgebiets massiv Front gegen Professor Krämer ist Dekan der Fakultät
die seit zwei Jahren endgültig geltenden Bache- Statistik an der TU Dortmund. Ihn stört
lor- und Masterstudiengänge. Vorreiter: die De- vor allem, dass die Studenten in Raster
kane der TU Dortmund. Acht von insgesamt 16 und Muster gezwängt werden. „Diese
fordern die Rückkehr zum Diplom in ausgewähl- Zwangsbeglückung geht mir gegen den
ten Studiengängen – und stoßen bei NRW-Wis- Strich.“ Nach Recherchen der pflichtlek-
senschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) auf türe ist der Unmut auch an den Univer-
taube Ohren. sitäten Bochum und Duisburg-Essen
groß: Viele Professoren klagen über
komprimierte Studiengänge, unnötige
Einschränkungen und mangelnde aka-
demische Qualität.
HINTERGRUND Die Dekane der TU Dortmund haben
nun eine konkrete Forderung an NRW-
Wissenschaftsminister Pinkwart gestellt
Entschließung der Fakultätskonferenz (siehe Hintergrundkasten): Parallel zum
der TU Dortmund im Wortlaut: Bachelor und Master soll das Diplom
„Die Fakultätskonferenz der TU Dortmund (Ver- wieder eingeführt werden – mit den al-
ten Diplomstudienordnungen, die noch „Psst! Schon gehört? Dortmunder Profs wollen
sammlung der Dekane) beobachtet aufmerksam das Diplom wieder einführen.“
in der Schublade liegen. Studenten der
verschiedene problematische Konsequenzen des
teilnehmenden Fachbereiche könnten
Bologna-Prozesses für ein selbstbestimmtes sich dann aussuchen, ob sie auf Bachelor/Master schulung des Bachelors. Sie führe dazu, dass die
Studium, das zu Fachkompetenz und Mündigkeit oder Diplom studieren möchten. Der entspre- Studenten Scheuklappen aufgesetzt bekommen:
führen soll. Während die neuen gegliederten chende Beschluss ist im Mai an der TU Dort- „Ich sage den Firmen immer: Ihr werdet euch
und weitgehend verschulten Studiengänge mund verabschiedet worden. Initiator Krämer noch wundern, was für Produkte auf euch zu-
vielen Studierenden durchaus entgegenkom- ist sich sicher, dass die Rückkehr zum Diplom in kommen.“ Das Diplom dagegen biete die Mög-
men mögen, werden andere dadurch oft unnötig seinem Fachbereich Sta- lichkeit, „die Persönlich-
eingeschränkt. Sofern der Bologna-Prozess grö- tistik mit geringem Ver- keit reifen zu lassen,
ßere Freiräume zulässt, als sie bislang genutzt waltungsaufwand mög- „Bachelor und Master sind außerhalb des Studiums
worden sind, sollten sie bei einer Revision der lich ist: „Wir sind da sehr Engagement an den Tag
neuen Studiengänge beachtet und ausgeschöpft flexibel, wir könnten Micky-Maus-Abschlüsse“ zu legen und dadurch
werden. Darüber hinaus unterstützt die Fakul- schon zum nächsten Se- die für den Beruf wichti-
mester loslegen.“ Er macht sich dafür stark, dass ge Selbstständigkeit zu erwerben.“
tätskonferenz die Bemühungen von Fakultäten,
Bachelorstudierende in den Diplomstudiengang
die sich dies – ohne Mehrbelastungen für andere wechseln können: „Wir haben da schon Vorkeh- Bei vielen Studenten kommt die Initiative der
Fakultäten – zutrauen, im Rahmen eines Pilot- rungen getroffen. Das könnten wir in zwei Wo- Professoren gut an. Felix Bremer, Mitglied des
projekts parallel zu Bachelor/Master bewährte chen regeln.“ ASta-Referates Hochschul- und Bildungspolitik
Studiengänge wie das Diplom mit den zugehö- an der Ruhr-Uni-Bochum (RUB) sagt: „Den Dip-
rigen akademischen Qualitäten anzubieten. Sie Der Bochumer Volkswirtschafts-Professor Wim lomstudiengang wieder einzuführen, halte ich
schließt sich den einschlägigen Forderungen des Kösters fordert sogar, dass das Diplom wieder für eine super Idee.“ Um jeden Preis zurück zum
Deutschen Hochschulverbandes an.“ Regel-Abschluss werden soll: „Wer früher aus- Diplom wollen aber nicht alle. Selbst mancher
Verabschiedet im Mai 2009. scheiden will, soll den BA erhalten – so kommt scharfe Kritiker des Bachelor-/Mastermodells
jeder zu seinem Recht.“ Kösters, der zum Vor- sieht keine realistische Chance für eine Renais-
Anwesend: 15 der 16 Dekane, 8 Ja-Stimmen, 3 stand des Rheinisch-Westfälischen Instituts für sance des Diploms. Wolfgang Schünemann, De-
Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen. Wirtschaftsforschung (RWI) gehört und viele kan der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissen-
Kontakte zu Unternehmen hat, kritisiert die Ver- schaften an der TU Dortmund, hält sie in seiner
A367_09 HERZ-STÜCK S09

Kultusbürokratie in Düsseldorf statt als ausfüh-


rendes Organ der Hochschullehrer.“

Minister Andreas Pinkwart hat erst durch die


pflichtlektüre vom Entschluss der Dortmunder
Dekane erfahren. Der Liberale erteilt ihnen eine
Absage: „Die Landeswissenschaftskonferenz der
Rektorinnen und Rektoren der nordrhein-westfä-
lischen Universitäten hat erst kürzlich einmütig
festgestellt, dass wir beim Bologna-Prozess auf
einem sehr guten Weg sind.“ Ohne das NRW-
Hochschulgesetz zu ändern, sei es ohnehin nicht
möglich, Diplomstudiengänge wieder einzufüh-
ren.

Eine solche Gesetzesänderung sei ausgeschlos-


sen, heißt es offiziell aus Pinkwarts Ministerium:
„Für eine Wiedereinführung der Diplom- und Ma-
gisterstudiengänge gibt es keine Veranlassung;
sie widerspräche auch der hochschulpolitischen

Zurück um jeden Preis?


Da ziehen nicht alle mit
Verpflichtung, die Nordrhein-Westfalen im Rah-
men des Bologna-Prozesses eingegangen ist. Die
Einführung von Bachelor und Master ist eine in
der Kultusministerkonferenz sorgfältig erörterte
Reform, die von allen Bundesländern getragen
wird.“

Von allen Bundesländern? Knackpunkt ist das


sogenannte Immatrikulationsverbot, das es Stu-
denten untersagt, sich neu in einen Diplomstu-
diengang einzuschreiben. In NRW steht dieses
Verbot im Hochschulgesetz, in anderen Bundes-
ländern hingegen nicht. In Bayern und Meck-
lenburg-Vorpommern gibt es noch nicht einmal
verbindliche Vorgaben, bis wann Bachelor und
Master als einzige Studienabschlüsse eingeführt
sein müssen. Das macht es möglich, dass Studen-
ten an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifs-
wald in Mecklenburg-Vorpommern noch immer
ein BWL-Studium auf Diplom beginnen können
(siehe Interview auf der nächsten Seite). Im bay-

Auf Seite 10 geht es weiter

Fakultät schlicht für nicht machbar. „Jeweils un-


terschiedliche Studiengänge müssen vor allem
prüfungstechnisch getrennt verwaltet werden.“
So wäre für jeden Studiengang ein eigener Prü-
fungsausschuss nötig. „Natürlich bräuchte man
MEINUNGEN
dafür auch neue personelle Ressourcen, für die „Wir würden uns über ein ,Zurück in die Zukunft
aber schon die Räume und auch das Geld fehlen.“ freuen‘, sofern dieser Schritt fachintern und im
„In der SoWi kann man mit dem Bachelorabschluss Einzelfall geprüft wird.“
Die Chance, dass Bachelor-Kritiker Krämer und direkt Hartz IV beantragen, ohne Master geht eh Daniel Lucas, ASta-Referent für
seine Mitstreiter das Diplom schon bald zurück- nix.“ Hochschulpolitik an der UDE
bekommen, ist ohnehin gering. Die Dortmunder Patrick Hinze von der Fachschaft für Sozial-
Rektorin Ursula Gather hat den Entschluss der und Wirtschaftswissenschaften an der UDE
Dekane gar nicht erst an NRW-Wissenschaftsmi- „Das Diplom parallel zum Bachelor wieder einzu-
nister Pinkwart weitergeleitet – obwohl die Pro- führen, stiftet zu viel Verwirrung. Man müsste einen
fessoren das von ihr gefordert hatten. Gather ver- „Den Diplomstudiengang wieder einzuführen - das neuen Stundenplan erstellen und sich ein neues
teidigt ihre Entscheidung: „Die Dekane können wäre ganz einfach. Man muss nur die alte Diplom- Konzept für die Vergabe der Creditpoints überle-
natürlich grundsätzlich nichts beschließen, was regelung wieder in Kraft setzen.“ gen.“
der Gesetzeslage widerspricht. Ich bedaure es
Horst Pöttker, Dekan der Fakultät Kultur- Andreas Czylwik, Abteilungsdekan für die
auch sehr, dass dieser Abschluss [Diplom, Anm.
wissenschaften an der TU Dortmund Elektro- und Informationstechnik an der UDE
der Redaktion] als Markenzeichen deutscher Ab-
solventen verschwunden ist – aber dennoch gibt
es eine Gesetzeslage, und an die haben wir uns
alle zu halten.“ Walter Krämer überrascht diese
Antwort der Rektorin nicht: „Ich glaube, die Uni-
spitze sieht sich da eher als verlängerter Arm der
S10 HERZ-STÜCK A367_10

erischen Hoch- stehen. „Es ist alles eine Frage der nächsten Land-
schulgesetz tagswahl“, sagt er: „Wenn danach ein Mutiger
heißt es zur Umstellung sagt: ,Wir machen das mal anders‘, und der Rest
auf die neuen Abschlüsse der Welt sieht, das ist ein Erfolg, dann machen‘s
nur, dass „die Aufnahme die anderen nach.“
des Studiums in Bachelor-
studiengängen ab dem WS
2009/2010 die Regel sein
soll“. Solange sich die Ge- Mehr zum Thema
setzeslage in NRW nicht Weitere Informationen erhaltet ihr auf unserem
ändert, sieht sich die Dort- Online-Portal www.pflichtlektuere.com. Dort könnt
munder Rektorin Ursula ihr auch abstimmen: Wollt ihr das Diplom zu-
Gather jedenfalls macht- rück?
los. An die Adresse ihrer
Dekane sagt sie: „Natürlich
bleibt es jedem unbenom- text Michael Klingemann
men, sich an die Politik, an co-autoren Ingo Hinz, Julia Hortig, Sarah Müller
die Parteien zu wenden.“ fotos Daniel Gehrmann, Florian Hückelheim

Der Initiator des Professo-


renprotestes, Walter Krä-
Fackelt nicht lange: Der Dortmunder mer, hofft auf Mai 2010,
Statistik-Dekan Walter Krämer zeigt, wenn in NRW Wahlen an-
was er von Bachelor-Scheinen hält.

„Nur wer kämpft, kann siegen“


Der Greifswalder BWL-Professor Roland Rollberg wehrt sich erfolgreich gegen den Bachelor

R
oland Rollberg hat eine Mission: Der nach außen hin geschlossen auf. Es gibt bei uns man mit der Zerstörung unseres Hochschul-
Greifswalder BWL-Professor sträubt sich keine zwei Lager. Ob aber weiterhin alle gleich systems fortfahren wird. Das liegt nicht zuletzt
zusammen mit einigen Kollegen erfolg- stark mitziehen werden, dazu wage ich keine Pro- auch an der mangelnden Konfliktbereitschaft
reich gegen die Einführung von Bachelor gnose. der Kollegen. Ich bin mir sicher, dass auch etliche
und Master. Im Gespräch mit pflichtlek- Professoren rote Zipfelmützen in ihren Vorlesun-
türe erklärt er, warum viele Professoren in ihren pflichtlektüre: Einige Professoren der TU Dort- gen trügen, wenn die Politik dies nur mit genü-
Vorlesungen auch rote Zipfelmützen tragen wür- mund überlegen, Diplomstudiengänge wieder gend Nachdruck verlangte. Allerdings darf man
den – und fordert mehr Konfliktbereitschaft von einzuführen. Was halten Sie davon? die Hoffnung nicht aufgeben; denn vor 25 Jahren
Hochschullehrern. Rollberg: Das finde ich sehr gut! Man braucht nur habe ich die Wiedervereinigung Deutschlands
einmal in die Fachzeitschriften wie beispielswei- auch nicht für möglich gehalten.
pflichtleküre: Herr Professor Rollberg, wie lange se die „Forschung & Lehre“ zu schauen. Die kriti-
können Sie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität schen Artikel zu Bologna nehmen drastisch zu, pflichtlektüre: Ist die Haltung, die die Professo-
in Greifswald noch standhaft bleiben? da nun die fatalen Folgen der „Bolognarisierung“ ren einnehmen, in Ihren Augen zu schwach?
Roland Rollberg: Bei uns ist es ja nicht so wie bei belegt werden können. Bisher sind die Kritiker Rollberg: Ich bin vom Großteil der Kollegenschaft
Ihnen in Nordrhein-Westfalen, wo es ein Imma- immer als Ewiggestrige verpönt worden. Mittler- einfach nur enttäuscht. Wenn wir nicht offen zu
trikulationsverbot für Diplomstudiengänge gibt. weile ist aber auch ein Großteil der früher schwei- unserer Meinung stehen und uns aus Angst vor
Und solange es das nicht gibt, werden wir stand- genden Mitläufer zu Kritikern geworden. Deshalb
haft bleiben. Den Sollvorschriften vom Rektorat, darf die Hoffnung nicht aufgegeben werden. Der
die besagen, dass der Bachelor im Fach BWL bis Zug ist eben noch nicht abgefahren. Die Kritiker „Professoren tanzen nach
2010 eingeführt werden soll, werden wir nur un- müssen nur bereit sein, für ihre Sache auch zu
ter gesetzlichem Zwang folgen. Deshalb haben kämpfen. Nur wer kämpft, kann siegen! Ich fin- der Pfeife der Politik“
wir auch bewusst noch keinen Plan für den Fall de den Vorstoß der
der Fälle gemacht. Die Sache ist ja so: Wenn erst Professoren daher Kürzungen in die Enge treiben lassen, dann steht
mal ein Plan in der Schublade liegt, steigt die Be- großartig! Wenn auch die grundgesetzlich verbriefte Freiheit von
reitschaft „umzufallen“ und ihn in die Tat um- so etwas gelänge, Forschung und Lehre auf dem Spiel. Wir Profes-
zusetzen. Und dieser Gefahr wollen wir uns gar und dann noch soren haben eigentlich niemanden zu fürchten
nicht erst aussetzen. Wir werden wegen unserer in einem Bundes- außer Gott und sind nur der Wahrheit verpflich-
Haltung gern als das „gallische Dorf“ bezeichnet, land, in dem das tet. Vom kleinen Mann, der seine fünfköpfige
aber solange ich Obelix bin, ist das in Ordnung. Diplom verboten Familie zu versorgen hat und ruckzuck seinen
wurde, wäre das Job verlieren kann, verlangen wir Zivilcourage.
pflichtlektüre: Gibt es an Ihrer Uni auch Kritiker, ein Präzedenzfall, Aber die Professoren tanzen willfährig nach der
die Bachelor und Master bevorzugen? Auf wel- dem man sich an- Pfeife der Politik, obwohl sie letztlich existenziell
cher Seite steht das Rektorat? schließen könnte. nichts zu befürchten haben. Das deprimiert mich
Rollberg: Man muss da differenzieren. Natürlich maßlos! Wir Professoren sind verpflichtet aufzu-
gibt es nicht nur Mitläufer, sondern auch Über- pflichtlektüre: begehren, wenn unser Humboldtsches Universi-
zeugungstäter. Das Rektorat scheint mir von der Sterben Bachelor tätssystem in Gefahr ist – sonst sind wir unseren
Politik getrieben. Deshalb vertritt es auch die De- und Master viel- Professorentitel nicht wert.
vise, dass spätestens im nächsten Jahr alles um- leicht doch irgend-
gestellt sein muss. Gleichwohl hat man aber Ver- Roland Rollberg wann aus? interview Sarah Müller
ständnis für unsere Position. Aber auf extremen wünscht sich mutige Rollberg: Ich halte foto Uni Greifswald
Rückhalt in der Zukunft verließe ich mich nicht. Hochschullehrer. es für sehr wahr-
Wir, die zurzeit zehn WiWi-Professoren, treten scheinlich, dass
A367_11 HERZ-STÜCK S11

Bachelor adé? Matti Hesse


hat bei Studenten der Ruhr-
Renaissance für das Diplom?
gebiets-Unis nachgefragt.

Angela Ronge, Englisch


UMGEHÖRT Vanessa Hensen, BWL (Ba-
chelor), 1. Semester, UDE
Daniel Kegler, Raumplanung
(Bachelor), 3. Semester, TU Do
und Kunst (Bachelor),
3. Semester, TU Do

Zurück zum Diplom: Überfälliger Schritt oder eine Schnapsidee?

Nach meinen ersten Eindrücken an Diplom wieder einführen? Das fände Hände weg vom Bachelor. Ich finde,
der Uni finde ich die Forderung sinn- ich gut. Denn der deutsche Diplomin- dass die Umstellung auf das Bachelor/
voll. Das Studium beim Bachelor ist zu genieur hat immer noch einen guten Master-System richtig war. Mit der in-
verschult. Aber auch den Ansatz, mehr Ruf in der Welt. Mein Bachelor-Studi- ternationalen Vergleichbarkeit wird
sieben- oder achtsemestrige Bachelor- um wird dem vielleicht nicht mehr vieles einfacher. Gerade als Englisch-
Studiengänge anzubieten, fände ich gerecht. Studentin möchte ich ja vielleicht spä-
schon eine Verbesserung. ter mal im Ausland arbeiten.

Würdest du lieber auf Diplom studieren?

Ja. Zum Beispiel stören mich die Ma- Ja. Nach dem was ich von den Diplom- Nein. Ich studiere die Fächer, die mich
luspunkte am Bachelor. Die maxima- studenten gehörte habe, würde ich auf interessieren. Zudem ist das Bachelor-
le Punktzahl ist je nach Studienfach jeden Fall wechseln. Man kann einfach System ein Ansporn, früh fertig zu
schnell erreicht. Dann darf man in individueller studieren. Bei meinem werden. Auch das Creditpoint-System
Deutschland keinen Bachelor mehr Bachelor ist es eigentlich wie in der ist besser, als am Ende eine alles ent-
studieren. So entsteht ein enormer Schule: derselbe Stundenplan für alle. scheidende Prüfung zu haben.
Prüfungsdruck.

Björn Buth, Doktorand für Rafiq Delladji, Wirt- Tobias Peuker, BWL
Mathematik in Essen schaftsmathe (Dipl.), (Dipl.), 14. Semes-
9. Semester, TU Do ter, UDE

Zurück zum Diplom: Überfälliger Schritt oder eine Schnapsidee?

Von einer solchen Kehrtwende halte Ich verstehe absolut, warum das gefor- Ich sitze mit vielen Bachelor-Studenten
ich wenig, weil ich keinen wirklichen dert wird. Schließlich ist das deutsche in Seminaren und da merkt man, dass
Grund dafür sehe, die Entscheidung Diplom wirklich anerkannt. Ich kann deren Studium viel zu kurz ist. Deshalb
für das Bachelor/Master-System jetzt mir vorstellen, dass beim Vorstellungs- finde ich eine solche Forderung „zurück
wieder zurückzunehmen. Zudem wür- gespräch viele Ältere mit dem Bachelor zum Diplom“ gut.
de eine solche Umstellung viel Zeit nichts anfangen können.
und unnötig Geld kosten.

Würdest du lieber auf Bachelor studieren?


Nein. Ich war mit meinem Diplomstu- Nein. Vom Diplom zu wechseln Nein. Ich habe zwar mal vor der Über-
dium glücklich, weil ich weniger Stress kommt für mich absolut nicht in Fra- legung gestanden, mich umzuschrei-
hatte. Mit Vorschriften, wie ich zu stu- ge. Ich komme aus Dubai, da gibt es ben, wirklich in Frage kam das für
dieren habe, wurde ich weitgehend eigentlich nur Bachelor und Master. mich aber nicht. Denn das starr durch-
in Ruhe gelassen. Aber ich könnte mir Die Entscheidung, nach Deutschland geplante Studium und das enorme
vorstellen, dass der Bachelor schon Vor- zu gehen, habe ich vor allem wegen Prüfungspensum lassen keinen Raum
teile bietet, etwa eine kürzere Studien- des Diplomstudiums getroffen. dafür, dass man abseits des Studien-
zeit und größere Praxisorientierung. fachs seinen Horizont erweitern kann.
S12 RUHR-BLICK: IM HÖRSAAL A367_12

Headhunter, Hollandräder
und Hörsaalglück
Die Uni Maastricht überzeugt deutsche Studenten mit Miniseminaren und Luxusausstattung.

S
ie tragen keine maßgeschneiderten An- Plasmabildschirme, die den Weg weisen. Und in studieren. Von den deutschen Unis habe ich nur
züge, sondern Jeans. Vor dem Eingang der Lounge, die mit weichen Sofas und Sesseln in Schlechtes gehört, das kam also nicht in Frage“,
parken keine Limousinen, sondern Hol- lila und orange ausstaffiert ist, tippen Studenten sagt sie. Ihre Wahl fiel schließlich auf „Internatio-
landräder. Und an der Rezeption neh- konzentriert auf ihren Notebooks. nal Business“ in Maastricht, einem international
men sie nicht ihre Zimmerschlüssel, ausgerichteten BWL-Studiengang. Inzwischen
sondern die Studienbescheinigungen entgegen. Die deutsche Studentin Marieke Maatz studiert macht Marieke ihren Master.
Trotzdem werden die Studenten der „School of seit drei Jahren an der Hochschule; an den Ho-
Business and Economics“ wie reiche Hotelgäste telcharakter hat sie sich längst gewöhnt. „Nach So wie sie entscheiden sich viele Deutsche für
empfangen – Business as usual in Maastricht. dem Abi war ich ein Jahr in England und habe ich Maastricht – knapp 3.800 Landsleute schrieben
An den Wänden des Designer-Instituts hängen dann beschlossen, Betriebswirtschaftslehre zu sich im vergangenen Jahr ein. Das Fach „Inter-
national Business“, das auf den globalen Arbeits-
markt vorbereiten soll, steht dabei weit oben auf
der Wunschliste. Denn hier punktet die Maast-
richter Uni mit einem speziellen Unterrichtsmo-
dell: dem problemorientierten Lernen. Das findet
nicht nur bei den Studenten Gefallen; die Hoch-
schule belegt auch sehr gute Platzierungen in na-
tionalen und internationalen Rankings. Dennoch
verlangt sie keinen Numerus Clausus – für viele
deutsche Studenten ein weiterer Pluspunkt.

In English, please
Zehn Studenten sitzen in einem Glaskasten, dem
Tutorial Room. „And this is an example for which
principle?”, fragt Masterstudentin Nadine Fun-
cke, seit drei Jahren Tutorienleiterin. Sie geht an
die Tafel und rechnet mit ihren Kommilitonen
aus, wie ein fiktives Unternehmen seine Erlöse
steigern könnte. Die Unterrichtssprache ist Eng-
lisch – und zwar extrem schnelles Business Eng-
lish. No problem. Scheinbar können alle Nadines
Ausführungen folgen.

Tutorien mit maximal 14 Studenten sind die ty-


pische Unterrichtsform an der Uni Maastricht.
Vorlesungen, die lediglich als Grundlage die-
nen, gibt es selten. Dafür stehen kleine Semina-
re auf dem Stundenplan. Ein echter Unterschied
zu Deutschland! Der hat allerdings seinen Preis:
Jährlich 1.600 Euro Studiengebühren lassen sich
die Studenten ihre persönliche Betreuung kosten.
Hinzu kommt eine Menge Zeit, die hinter dem
Schreibtisch verbracht wird, denn die komplexen
Aufgaben, die Studenten im Tutorium zusammen
lösen, bereiten sie zu Hause vor. „Es ist unglaub-
lich, wie lange ich manchmal an einer Aufgabe
tüfteln muss, mit zig aufgeklappten Büchern um
mich herum. Aber das ist ein super Training für
die Klausuren. Und im Job wird mir das später
auch nützen“, ist sich Marieke sicher.

Die Studenten simulieren das wahre Arbeitsle-


ben. Später werden sie sich auf ihre Fähigkeiten
verlassen und selbstständig arbeiten, aber auch
im Team funktionieren müssen. Ger Brouns ist
von diesem Konzept überzeugt. Er unterrichtet
Die „School of Business and Economics“ lädt regelmäßig „Health Care Sciences“ in Maastricht und weiß,
zum Tag der offenen Tür ein. Ausländische Studierende dass die Deutschen das problemorientierte Ler-
sind hier sehr willkommen. nen mögen: „Es ist das, was sie an deutschen Unis
A367_13 RUHR-BLICK: IM HÖRSAAL S13

Weiche Sofas, modernes Design – die Maastrichter


Universität legt großen Wert auf das Wohlbefinden ihrer
Studenten und auf eine außerordentliche Betreuung.

vermissen. Zudem ist das Verhältnis zwischen andere Ende der Welt, um Dinge zu sehen und zu tricht nur wenige Leute finden, die bereit sind,
Professoren und Studenten bei uns sehr gut. Wir erleben, die bei uns nicht alltäglich sind“, freut ihre Klausurergebnisse für einen durchzechten
sind studentenorientiert und das sagen wir nicht sich Bastian über diese Chance. Abend zu ruinieren.“ Nicht so in Singapur. Nach
nur so daher.“ Für Brouns ist es selbstverständ- einer langen Nacht fällt Bastian im großen Hör-
lich, E-Mails seiner Studenten innerhalb von 24 Dazu zählt er auch die Party-Szene, die für ihn in saal gar nicht auf. Die Masse hat eben auch ihre
Stunden zu beantworten. „Dann muss ich sie erst Maastricht immer ein wenig zu kurz kommt. „In Vorteile.
gar nicht auf eine To-Do-Liste schreiben.“ der Woche vor den Klausuren wird man in Maas-
Was in Singapur noch besser ist als in Maastricht?
Brouns, Vorsitzender des „Country Teams Germa- Die Mietpreise: Bastian konnte eine Wohnung auf
ny“, bezeichnet sich selbst als Headhunter. Die dem Campus ergattern und zahlt im Monat gera-
Aufgabe seines Teams ist einfach: deutsche Stu- de einmal 80 Euro Miete. Die Duschen und Toilet-
denten nach Maastricht holen. Die Gruppe geht ten muss er sich mit Kommilitonen teilen – doch
offensiv vor, entwickelt Strategien, um Maast- das kennt er schon aus Holland, wo er allerdings
richt für Deutsche noch attraktiver zu machen, im Schnitt 300 Euro Miete zahlt. „Die Gemein-
macht Werbung auf Messen. Auch in Asien, vor schaftsduschen sind nicht generell dreckig. Aber
allem in China und Indien, streckt die Uni ihre hier findet man schon mal das ein oder andere
Fühler aus. Denn das ist das vorrangige Ziel der Kilo Schamhaar im Abfluss.“ Da sehnt sich Basti-
Hochschule: international werden. an doch so manches Mal zurück ans Maastrichter
Designer-Institut.

Ans andere Ende der Welt Wo Bastian später arbeiten möchte, weiß er noch
Zu dieser Außenpolitik passt es, dass der Studien- nicht genau. „Nach dem Bachelor würde ich mir
gang „International Business“ ein verpflichtendes gerne eine Auszeit für Praktika nehmen, denn so
Auslandssemester eingebaut hat. „Husch, husch, toll ein Studium auch sein kann, ohne praktische
raus mit euch“, das hören Studenten an deut- Erfahrung hat man kaum etwas davon.“ Bastian
schen Unis selten, weiß Marieke von Freunden in sieht seiner Zukunft selbstbewusst entgegen. Er
Deutschland: „Die erzählen mir immer, wie kom- kennt seine Vorteile genau: „ein sehr gutes Eng-
pliziert es ist, ein Semester ins Ausland zu gehen. lisch und ausgeprägte internationale Erfahrung.“
Da werden ihnen unnötig Steine in den Weg ge-
legt. Auch deshalb bin ich froh, hier zu studieren.
Ich war ein halbes Jahr in Neuseeland.“ Mehr Infos unter: www.maastrichtuniversity.nl

Auch Bastian Grundmann hat sich aus diesem text und fotos Sarah Müller, Miriam Sahli
Grund für Maastricht entschieden. „Ich habe eine
Empfehlung von meiner Cousine bekommen, mir
die Universität an einem der so genannten ‚Open Ger Brouns, Dozent und Headhunter,
Days’ angesehen und für gut befunden.“ Seit Au- lockt Deutsche nach Maastricht.
gust ist Bastian in Singapur. „Ich wollte gerne ans
S14 DIENST-BAR A367_14

Für alle Sinne


Von Lebensträumen über Spannendes für die Ohren bis hin zu 20 Bläsern.

PROMI-TIPP: Prechts Lieblingsbuch DIE CD:


Mit „4 Chords of the Apocalypse“
Guy Helminger und „Ludlow St.“ schlägt Casab-
lancas plötzlich Soul- und Coun-
„Morgen war schon“ try-Klängen an – und säuselt
ins Mikro, als würde er seinen
Verlag: Suhrkamp Herzschmerz an der Theke einer
verrauchten Bar ersäufen. Er-
Preis: 19,80 Euro staunlich auch der Ausklang des
Albums: Während das beruhi-
Umfang: 331 Seiten gende „Glass“ beinahe als Schlaf-
lied durchginge, gibt es mit dem
melancholischen „Tourist“ noch
etwas zum Nachdenken mit auf
den Weg. Obwohl auf „Phrazes
for the Young“ Parallen zu The
Precht zum Buch: Wetten auf der Pferderennbahn Strokes durchgängig zu hören
„...ein ganz verrücktes, kurioses, verloren und hegt Mordgedan- sind, liefert Casablancas ein ei-
aber auch sehr menschliches Buch. ken gegen nervige Fahrgäste. Als genständiges wie spannendes
Es geht um junge Menschen und die beiden erfahren, dass Louise Solo-Debüt. bb
die Frage: Was ist aus ihren Le- schwanger ist, kehrt für einen Das neue Album von The Strokes
bensträumen geworden? Und es hat kurzen Moment das Glück zurück erscheint erst im Frühjahr 2010 –
einen sehr ergreifenden, sehr trau- in ihren trostlosen Alltag – nur der perfekte Grund für Fans die
rigen und sehr bewegenden Schluss, um dann durch eine Tragödie Zeit mit dem Solo-Debut von Sän-
der sicherlich zu den ganz schönen wieder zerstört zu werden. ger Julian Casablancas zu über- Julian Casablancas
Stellen in der jüngeren deutschen brücken. Der Bandleader beweist
Literatur gehört.“ Richard David Precht landete mit mit „Phrazes for the young“ ein „Phrazes for the young“
seinem philosophischen Ratge- breites musikalisches Repertoire.
Louise träumt von einer Reise ber „Wer bin ich? Und wenn ja, So kommen die ersten drei Songs VÖ: bereits erschienen
nach Neuseeland, schafft es aber wie viele?“ einen Bestseller. Sein im pastellfarbenen 80er-Gewand
nicht einmal, sich einen Job zu neuestes Buch: „Liebe – ein unor- daher und sind von luftigen Syn- Label: Sony Music
suchen. Ihr Mann Fetzner fährt dentliches Gefühl!“ lea thesizern, treibenden Beats und
Taxi, hat sein ganzes Geld beim Plastik-Gitarrensound geprägt.

EXIT -
RAFF DICH AUF, GEH RAUS!
Moderator Waldemar Hartmann nun in ein
zweistündiges Bühnenprogramm, das er am
11.11.09 – „Und von jetzt ab wird 19. November in der VIP-Lounge des Signal-
mit Bombe vergolten“ im Theater Iduna-Parks präsentiert. Wer nicht selbst da-
Duisburg bei sein kann, liest auf www.pflichtlektuere.
Das Jugentheater-Projekt Spieltrieb com unseren Bericht – und erfährt, ob sich
wirft einen Blick in die dunkle Ver- einer der weiteren NRW-Termine lohnt.
gangenheit der NS-Zeit.
** Tipp 2!
12.11.09 – Serdar Somuncu: The BossHoss: Low Voltage
„Hassprediger“ im Riff Bochum 18.11.09 – Grugahalle Essen
Kaberretist Serdar Somuncu analy- The BossHoss liefern seit 2005 eine rockig-
siert Reden von Roland Koch bis Osa- frische Alternative zum deutschen Country-
ma Bin Laden – garantiert so komisch Mief der Marke Truck Stop. Cover-Songs von
wie schonungslos. Interpreten wie Britney Spears oder den
Beastie Boys machten die Band auch außer-
16.11.09 – Walter Trout in der Kaue halb ihrer Heimat Berlin bekannt. In Essen
Gelsenkirchen präsentieren die Jungs nun eine Auswahl
Einer der größten Gitarristen des * Tipp 1! ihrer besten Stücke, ob Cover-Versionen oder
Blues-Rock kommt in den Pott. Born to be Waldi Eigenkompositionen. Besonders spannend
19.11.09 – Signal-Iduna-Park Dortmund daran ist das „Low Voltage“-Konzept: The
21.11.09 – Billy Talent in der West- Er ist „die bajuwarische Duzmaschine“ – BossHoss spielen ihre Country-Songs in der
falenhalle Dortmund und seit der Verbalattacke von Rudi Völler Grugahalle unplugged und werden dabei
Die neue CD gibt es seit Juli, jetzt folgt vor laufender Kamera („Du hast doch schon von 20 Bläsern und Streichern unterstützt.
die ausgiebige Europa-Tour. drei Weizen getrunken!“) eine Kultfigur in bb / fotos pixelio A.R. & www.borntobewaldi.de
der deutschen Fernsehlandschaft. Die bes-
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GLÜCK- Impressum
WUNSCH Herausgeber Institut für Journalistik, TU Dortmund
Projektleitung: Prof. Dr. Klaus Meier
Redaktionsleitung: Vanessa Giese (vg), ViSdP
Redaktion: Uni-Center, Vogelpothsweg 74, Campus Nord, 44227
Dortmund Tel: 0231/755-7473, Fax: 0231/755-7481
Briefanschrift: pflichtlektüre, c/o Institut für Journalistik, TU
Dortmund, 44221 Dortmund
E-Mail: post@pflichtlektuere.com
Produktion: Tobias Jochheim (tjo) und Daniel Klager (tni)
Bild: Daniel Gehrmann (dg), Nadine Maaz (nm), Elvira Neu-
endank, Pascal Amos Rest, Katja Seidl
Titelbild: Philipp Anft, Benjamin Blum und Johanna Fritz Die kommenden Top Highlights:
Fabian Feldhoff und Laura An dieser Ausgabe haben mitgewirkt: Bianca Beyer, Benjamin Blum Hachiko
Borgs sind die Gewinner (bb), Tobias Fülbeck (tf), Lea Grote (lea), Agnes Heitmann
Bewegendes Drama von Lasse Hallström (Chocolat)
unseres Bilderrätsels und (ah), Ingo Hinz, Julia Hortig (juh), Jens Hülswitt, Julia Kämp- mit Richard Gere und Joan Allen um die besondere
haben am 7.11. mit Kettcar ken, Sarah Keller (sk), Michael Klingemann, Jonas Knoop Freundschaft zwischen einem Universitätsprofessor
gerockt. Herzlichen Glück- (jk), Sarah Müller, Anne Murawski, Malina Opitz (mao), Siola und seinem Hund. Ab dem 12.11.2009 in Ihrer
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wunsch! foto: Dieter Schütz/pixelio Panke (sp), Judit Revész, Miriam Sahli (miri), Katrin Schmidt
(ks), Fabian Schwane (fas), Kathrin Strehle (ks), Karina Strüb-
be (kas), Thomas Terhorst (tt), Natascha Tschernoster (nt), Doublefeature

JOB ZU
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Anna-Lena Wagner (alwa), Barbara Wege (bw), Julian Wei- heißersehnte Verfilmung des zweiten Teils der
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