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Hausarbeit für das Seminar:

Kulturunterschiede in deutsch-rumänischen Kommunikationssituationen


Lekt. Dr. Anke Pfeifer
Vorgelegt von:
Annemarie Wolf (1. Jahr)
am 01.01.2009, Bukarest

1. Rumänien, trotz seiner geographischen Lage, ist und wird immer mehr westlich
orientiert. Mit dem frischen Beitritt in die Europäische Union verliert das Land immer
mehr an genauen Grenzen und muss daher auch aus interkulturellen Perspektive
mithalten. Schon seit Jahren arbeiten rumänische Angestellte und Betreiber mit
Deutschen zusammen, daher führt dieser Kontakt fast gar nicht mehr zu Konflikten die
von diesem Zusammentreffen zweier Kulturen herausgehen.

Nach Hofstedes Kulturdimensionen wollen wir auch die Spezifik der beiden Kulturen
verdeutlichen und die Unterschiede erläutern. „Diese kulturellen Dimensionen
vereinfachen die Klassifizierung von Kulturen entsprechend der vorgegebenen
Dimensionen, und erleichtern so die Analyse von kulturellen Unterschieden und ihre
Auswirkungen.“ (Dahl 2000)

Die erste Dimension, die Machtdistanz (power distance), ist meiner Meinung nach die
erkennbarste in der Zusammenarbeit von deutschen und rumänischen Kulturangehörigen
(im wirtschaftlichen Bereich). Die Deutschen, obwohl sie auch eine Hierarchie besitzen,
haben eine kleinere Distanz zur Macht als die Rumänen. Diese Tatsache erkannt man
auch in der ausgewählten Fachsprache. Die Rumänen nennen die Mitarbeiter (von
Deutschen so bezeichnet) als angajaţi (Angestellte). Hier kann man eine genaue
Differenzierung erkennen. Mitarbeiter scheinen auf der gleichen Ebene zu sein, während
man bei Angestellten eine klare Unterordnung empfindet. Dieses ist nicht nur in
Unternehmen der Fall, sondern auch innerhalb staatlichen Behörden. In Rumänien
unterscheidet man stark zwischen lokalen, regionalen und nationalen Behörden und die
Zusammenarbeit, wegen dem hierarchischen Aufbau, erfolgt nur schwer. In Deutschland
verteilt man die Zuständigkeiten genau und man braucht keine „hohe Macht“ innerhalb
der Behörden um alles zu genehmigen. Zum Beispiel verstehen die Deutschen nicht
warum alles „vom Chef“ gestempelt und unterschrieben werden muss, so wie es in
Rumänien geregelt ist.
Ein anderes Beispiel kann auch die Gesellschaft selbst sein. In Rumänien gibt es fast
keine Mittelschicht. Es gibt sehr reiche und arme oder sehr arme Menschen.
Unsicherheitsvermeidung (Uncertainty Avoidance), eine andere aus den vier
Dimensionen, zeigt nicht wirklich große Unterschiede zwischen den Deutschen und den
Rumänen. Die Deutschen sind dafür bekannt dass sie alles genau planen und ordnen.
Dieses ist Teil der Unsicherheitsvermeidung. Sie wollen sich des nächsten Tages sicher
sein. Die Rumänen haben seit ein paar Jahren auch dieses Element in ihrer Kultur stark
entwickelt. Ein Argument dafür ist auch die wachsende Zahl der Lebensversicherungen
und die Rentenversicherungen, natürlich auch durch den Staat eingesetzt. Die Rumänen
sind aber immer noch unsicher, besonders wegen der politischen Situation im Land, die
ziemlich chaotisch scheint. Deutschland hat in diesem Bereich mehr Regeln und Gesetze
die diese Unsicherheit in Grenzen hält. Der Arbeitsmarkt für die Jugendlichen und
Absolventen kann als ein unsicherer Bereich erkannt werden.

Individualismus versus Kollektivismus (individualism/collectivism).


Laut dieser Dimension kann man sowohl die Deutschen als auch die Rumänen als
individualistisch geprägt betrachten. Deutschland ist aber individualistischer als die
Rumänen. Die rumänische Kultur ist stärker geprägt durch den Kommunismus, und viele
sind von der Lebensweise aus dieser Periode noch nicht weggekommen. Jüngere
Kulturträger werden aber immer mehr individualistisch geprägt. Auch innerhalb der
Familie wird ein Individualismus erkennbar. Im Unterschied zu Deutschland werden die
rumänischen Jugendlichen früher selbstständig als die Deutschen. Dieses aber ist auch
abhängig von dem Bildungssystem. Die rumänischen Jugendlichen werden mit einem
jüngeren Alter fertig mit der Bildung.

Maskulinität versus Feminität (masculinity/femininity)


Deutschland ist maskulin geprägt, da es diese Art von Eigenschaften aufzeigt. Besonders
in der Arbeitswelt werden die maskulinen Werte erkennbar: wenig Toleranz gegenüber
den Schwächeren, Technik hat einen hohen Stellenwert, Position und Macht gewinnt eine
immer größere Rolle, hohe Leistung erwartet. Die Rollentrennung der Geschlechter ist
aber nicht mehr so stark wie in Rumänien. Da in Rumänien auch die Religion einen sehr
hohen Stellenwert hat, kann man es als „femininer“ betrachten.

Wenn man diese Dimensionen als Kriterium für die Unterschiede nimmt, kann man
feststellen dass diese nicht mehr so groß sind. Rumänien befindet sich immer noch in
einer Periode der Anpassung. Da es, besonders im wirtschaftlichen Bereich, einen engen
Kontakt mit Deutschen pflegt, erkennt man einen ständigen Wandel oder Flexibilität der
Verhaltensweise. Die Normen und Richtlinien der Europäischen Union spielt in diesem
Zusammenhang auch eine wichtige Rolle. Durch diese werden die Werte einer ganzen
Kultur verändert, da jedes Mitgliedsstaat sich anpassen muss. Gerade weil diese Kulturen
nicht extrem verschieden sind ist es möglich in Europa zusammen zu leben und
zusammen zu arbeiten.

Die größten Unterschiede erkennt man in der Klassifizierung


Monochronismus/Polychronismus. Deutschland, im Unterschied zu Rumänien, ist
monochronistisch geprägt. Dieses beruht sich auf der Tatsache dass die Deutschen eine
gewisse Perfektion aufzeigen. Wenn man viele Dinge auf einmal erledigen will, geht
dabei die Konzentration verloren und die Qualität hat daran zu leiden. Rumänien zeigt
eher eine Tendenz zur Quantität als zur Qualität. Wieder mal spielt die Bildung eine
erhebliche Rolle. Rumänien hat keinen Bildungssystem das praxisbezogen ist, „learning
by doing“, was aber in Deutschland verbreitet ist.
In den nächsten Fallbeispiel (Nr. 26) erkennen wir ein Beispiel für
Aufgabenorientierung/Beziehungsorientierung. Die Rumänen schließen
Freundschaften am Arbeitsplatz, trennen diese aber nicht von der Arbeitswelt, im
Unterschied zu Deutschland.

Zu den kulturellen Charakteristika der Rumänen und Deutschen zählen natürlich auch die
Klischees. Für Deutsche gibt es sie für Pünktlichkeit, Kälte der Persönlichkeit und direkte
Kommunikation. Was die Deutschen über Rumänien denken kann ich aus eigener
Erfahrung nur in drei Begriffe festhalten: Kommunismus (Ceausescu), Aberglaube
(Dracula) und Armut (Kinder die betteln).

Ich bin mir aber sicher dass heutzutage die Situation anders aussieht, besonders nach dem
Beitritt Rumäniens und nach der Zusammenarbeit im wirtschaftlichen Bereich
Rumäniens. Viele Ostdeutsche sind der Meinung dass die Rumänen ziemlich ähnliche
Situationen durchgegangen sind und dass Rumänien einen großen Vortschritt gemacht
haben. Die Industrialisierung bleibt deshalb ein Faktor in dem die interkulturellen
Unterschiede schwächer werden.

Bibliographie

Stephan Dahl, Einführung in die Interkulturelle Kommunikation


(http://www.intercultural-network.de/einfuehrung/) Stand: 09.12.2008

2. Fallbeispiel Nr. 26

Meiner Meinung nach sollte der Vorgesetzte die beiden erinnern, dass sie eine Aufgabe
haben und ihre persönlichen Animositäten möglichst jenseits der Werkstore auftragen
sollte. Sie sollten selber erkennen dass das Projekt eine Teamarbeit benötigt, besonders
weil die Zuständigkeiten verteilt wurden, und ihre Animositäten würden dem ganzen
Projekt schaden. (Lösungsvariante 1)
Dieser Beispiel ist einer von der Klassifizierung
Aufgabenorientierung/Beziehungsorientierung, aber auch von direkter/indirekter
Kommunikation, die die beiden Kulturen unterscheiden. Als Deutscher ist Herr Hofman
an der Aufgabe interessiert, und empfindet seine Kritik als Instrument zur Verbesserung,
die wiederum zum Erfolg des Projekts führen kann. Er benutzt die direkte
Kommunikation, unverhüllt, um seinen Teampartner (hier nicht als Freund zu betrachten)
zu unterstützen, obwohl diese als Kritik empfunden wurde. Die deutschen Mitarbeiter
sind zielstrebig und verfolgen den Ziel des Projekts. Die rumänische Kultur, da sie eher
indirekte Kommunikation (verhüllte)verwendet, fühlt sich durch die Notwendigkeit der
Deutschen für Argumentierung angegriffen. Herr Hofman hat die Bedeutung von Herrn
Popescus Arbeit für das ganze Projekt erkannt, Herr Popescu aber fühlte seine eigene
Arbeit angegriffen. Die Rumänen verfolgen die Leistung ihrer Arbeit, besitzen aber keine
klare Perspektive über die Auswirkung dieser auf ein Gesamtes. Er fühlt sich nur für
seinen Teil des Projekts zuständig, nicht aber für das ganze Projekt.
Ein guter Beispiel für die indirekte Kommunikation ist auch die Tatsache dass Herr
Popescu seinen Freund nicht direkt mitteilte dass er sich beleidigt fühlt, sondern hat ihn
indirekt verstehen lassen. In einer Teamarbeit kann man den Partner nicht meiden, da
sonst das ganze Projekt darunter zu leiden hat. Dieser war auch hier der Fall. Herr
Hofmans Leistungen haben nachgelassen weil sein Teil des Projekts nicht unabhängig
von den Ergebnissen des anderen Teils bestehen kann.
Der Projektleiter kann keinen Teil des Projekts ersetzen, weil hier schon arbeit geleistet
wurde, und ein neuer Mitarbeiter würde die Arbeit verlängern. Hier kann man wieder die
Zielorientierung der Deutschen als Argument gegen der zweiten Lösungsvariante
verwenden. Man muss bei jedem Projekt die Zeitfrist in Betracht ziehen, die Zeit die für
eine Einführung benötigt wird, Arbeitsweise der verschiedenen Personen, aber auch die
Mitarbeit der Menschen. Besonders unter Freunden kann man durch Kommunikation
Konflikte lösen.
Die dritte Lösung die vorgeschlagen wurde kann man in einem Unternehmen nicht
benutzen, da hier die persönlichen Beziehungen nicht im Vordergrund stehen müssen.
Der Projektleiter ist für das Projekt zuständig, nicht für die Lösung persönlicher
Probleme. Ergänzungen und Kritik vor oder nach Besprechungen vorzubringen wäre eine
Möglichkeit nur im Falle dass es nur die zwei Personen betrifft. Wenn aber eine
Stellungnahme vom Projektleiter nötig ist und andere Personen auch beteiligt sind, wäre
diese keine Option. In diesem Falle erkenne ich dass mehrere Personen am Projekt
beteiligt sind, das erklärt auch die Sitzung.

Meiner Meinung nach konnte man diesen Konflikt lösen indem Herr Popescu eine
Diskussion geführt hätte und die beiden offen ihre Argumente und Erklärungen gebracht
hätten. Beide Kulturen haben verschiedene Verhaltensweisen in deren Arbeitsumgebung
und verschiedene Vorstellungen von der Art in der die Arbeit geleistet werden muss, und
daher kam es zu diesem Konflikt.
Als Auslöser des Konflikts sehe ich die Aufgabenorientierung der deutschen Kultur, im
Unterschied zur Beziehungsorientierung der Rumänen.